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Die „Next Eleven“ - IHK Regensburg

Die „Next Eleven“ - IHK Regensburg

SachverständigeIHK-Sachverständiger Dr. Peter Krommes beim Experimentalvortrag (Fotos: privat)Feuer und Flammefür ArbeitsschutzGefährliche Stoffe nichtimmer gekennzeichnetFahrlässigkeit kannUnternehmen ruinierenWas Unternehmenfür Arbeitsschutz tunkönnenDr. Peter Krommes ist IHK-Sachverständiger. Seine Fachgebietesind der Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Menschen, die inIndustriebetrieben mit Gefahrstoffen zu tun haben. Der Chemikerleitete in den 80er Jahren ein Chemiewerk am Rhein. Anfangder 90er ging er zur Berufsgenossenschaft und untersuchte diegesundheitlichen Folgen für Arbeiter in der DDR-Chemieindustrie.Heute lebt Krommes in Neumarkt, gibt deutschlandweit Seminarefür Brand- und Explosionsschutz in Unternehmen und lässt es alsstaatlich geprüfter Pyrotechniker richtig krachen.40 WIKO I 9 I 2013

Herr Dr. Krommes, passt das zusammen,Betriebe vor gefährlichen Stoffenwarnen und dann als Pyrotechnikerselbst Sachen in die Luft jagen?Krommes: Wer mit Sprengstoff hantiertsollte wissen, wie es ist, wenn 300 GrammSchwarzpulver hochgehen! Die meisten Unfällein den Betrieben passieren unerfahrenenNeulingen, genauso wie betriebsblindenalten Hasen. Nur wer den notwendigen Respektvor den Dingen hat, kann die Gefahrrichtig einschätzen.Was sind Gefahrstoffe?Stoffe, die die Gesundheit des Menschen undseine Umwelt gefährden. Dabei kommt esganz wesentlich auf die Konzentration an. Sieputzen sich mit verdünnter Fluoridlösung dieZähne, konzentrierte Fluoridlösung dagegenist ein starkes Gift. Kurzfristiger Hautkontaktmit dreiprozentiger Flusssäure ist relativ unkritisch,bei der gleichen Säure in einer Konzentrationvon über 50 Prozent genügt einSpritzer auf die Haut und Sie sind tot.Viele meinen, man erkennt die gefährlichenEigenschaften von Stoffen immer an derKennzeichnung. Für giftige, explosive oderätzende Stoffe gilt das auch. ExplosionsfähigeStoffe wie Mehl, Holzstaub oder Kunststoffstäubesind in der EU indes nicht gekennzeichnet.Einfaches Weizenmehl kannexplodieren?Ja, feiner Staub wird für einen Moment langaufgewirbelt und eine starke Zündquellekann ihn dann entflammen. Das kann zueiner gewaltigen Explosion führen. In PortWentworth in den USA gab es 2008 bei einerZuckerstaubexplosion fast 20 Tote und 40Verletzte! Die Fotos von der Zuckerstaubexplosionbeim Abriss eines Zuckersilos 2009 inGroß-Gerau gingen durch die ganze Republik.Welche Stäube sind denn potenziellgefährlich?Zwei Drittel aller pulverförmig verarbeitetenStoffe sind explosionsfähig. Je kleinerdie Körner umso gefährlicher. Mehl ist dabeiweniger explosionsfähig als etwa Aluminiumoderandere Metallstäube.Wie reagieren die betroffenen Firmennach einem Unfall?Die typische Reaktion ist: „Jetzt arbeiten wirschon seit 20 Jahren damit und nie ist waspassiert. Und auf einmal…“. Es kommt immerwieder zu Explosionen in Rohrleitungenoder Belüftungssystemen, nachdem sichdort Stäube über die Jahre angesammelt haben.In einer Firma in Erlangen wurde vor einpaar Jahren in unmittelbarer Nähe eines Lüftungsschachtsein Brett gesägt, in dem ein alterNagel steckte. Die dabei entstanden Funkenwurden in die Absauganlage gezogen, derabgelagerte Staub in den Abzugsrohren aufgewirbeltund entzündet. Bei der Explosionflog das ganze Dach in die Luft.Wie hätte man das vermeiden können?Unternehmen sollten Absaugleitungen undLüftungsklappen mindestens einmal im Jahrauf abgelagerten Staub hin untersuchen.Dann mit Wasser auswaschen oder mit einemexplosionsgeprüften Staubsauger aufsaugen– auf keinen Fall mit dem Pressluftschlauchrausblasen!Sicherheitsfachkräfte erkennensolche Gefahren. Wann sind sie imUnternehmen Pflicht?Jeder Betrieb, in der Regel ab zehn Mitarbeitern,braucht laut Arbeitssicherheitsgesetzeine Sicherheitsfachkraft, wenigstens stundenweise.Viele Unternehmer mieten externeBerater vom TÜV oder anderen Organisationen.Größere Unternehmen beschäftigenmeistens eigene fest angestellte Sicherheitsfachleute.Lohnt es sich, mehr zu investieren, alsgesetzlich vorgeschrieben ist?Brand‐ und Explosionsschutz sind allein auswirtschaftlichen Gründen extrem wichtig.Zwei Drittel der mittelständischen Betriebesind nach einem Großbrand pleite! Die Versicherungensind heute extrem kritisch, denfrüher manchmal vernommenen Ausspruchvon der „warmen Sanierung“ vergessen Sieam besten ganz schnell! Ich kenne einen Fall,bei dem ein Lager für brennbare Flüssigkeitenabbrannte. Der Schaden betrug viele MillionenEuro. Der Versicherungsagent war nachdem Brand als erster vor Ort und entdeckteim Ex‐Bereich Zigarettenkippen. Er unterstellte,dass dort regelmäßig geraucht wurde.Grob fahrlässig. Die Versicherung weigertesich zu zahlen. Nach einem langen Gerichtsprozessteilte man sich die Kosten des Schadens,der Betrieb war damit pleite.

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