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Thomas Kuhn Humanisierung der Arbeit: Ein Projekt vor dem ...

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344 <strong>Thomas</strong> <strong>Kuhn</strong>: <strong>Humanisierung</strong> <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong><br />

fremdung“ <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden von ihrer Tätigkeit erzeugt. Mit erheblich an<strong>der</strong>em Fokus<br />

– nämlich <strong>dem</strong> einer Systemverbesserung – argumentierten die „post-tayloristischen“<br />

<strong>Arbeit</strong>swissenschaften (bspw. die Human Relations-Bewegung), dass <strong>der</strong> Taylorismus<br />

offenbar „übers Ziel hinausgeschossen“ sei und weitere Produktivitätssteigerungen<br />

eine zumindest partielle Abkehr von <strong>der</strong> tayloristischen <strong>Arbeit</strong>steilung bedingen<br />

würden (vgl. Volpert 1974, 18 ff.). Sozusagen mit einem dritten Fokus – <strong>dem</strong> einer<br />

Systementwicklung – formierte sich in den 70er Jahren des letzten Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

schließlich eine breite gesellschaftspolitische Strömung, die neben den Gewerkschaften<br />

weite Teile <strong>der</strong> politischen Parteien, <strong>der</strong> Wissenschaften sowie auch <strong>der</strong> Unternehmen<br />

umfasste und – in Zeiten relativer Vollbeschäftigung – das Ziel einer „<strong>Humanisierung</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>“ verfolgte.<br />

Dieses Reformprojekt, das in all seinen arbeitswissenschaftlichen und -<br />

politischen Facetten hier nicht differenziert nachgezeichnet werden kann und soll<br />

(vgl. dazu bspw. Volpert 1974; Rohmert 1983, 63 ff.; Kreikebaum/Herbert 1988; Ulich<br />

et al. 1989, 19 ff.; Schumann 1993, 188 ff.), gründete – wie es in <strong>der</strong> Zielformulierung<br />

ja deutlich anklingt – auf <strong>der</strong> mehr o<strong>der</strong> min<strong>der</strong> geteilten Überzeugung, dass<br />

die (damalige) Mehrheit <strong>der</strong> Erwerbstätigen, die Industriearbeiterschaft (vgl.<br />

Deutschmann 2001, 59), aufgrund <strong>der</strong> „tayloristischen Restriktionen“ (vgl. Volpert<br />

1974, 23) bzw. <strong>der</strong> tayloristischen „Degradierung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>“ (vgl. Deutschmann<br />

2001, 58) unter inhumanen Bedingungen zu arbeiten habe. Folgt man einer Differenzierung<br />

von Kreikebaum/Herbert (1988, 11), <strong>der</strong>gemäß Humanität im <strong>Arbeit</strong>sleben<br />

grundsätzlich durch eine physische, eine psychische und eine soziale Komponente bestimmbar<br />

ist, dann kann die („klassische“) Inhumanitätsthese wie folgt begründet<br />

werden (s. Abb. 1): Tayloristisch gestaltete <strong>Arbeit</strong> ist mit Blick auf die ausführenden<br />

<strong>Arbeit</strong>en inhuman, weil sie (a) mit (häufig einseitigen) körperlichen Überbelastungen<br />

verbunden ist und physischen Verschleiß sowie spezifische physische Schädigungen<br />

(bspw. des Bewegungsapparates) begünstigt, (b) durch intellektuelle Anspruchslosigkeit<br />

gekennzeichnet ist und damit auf eine dauerhafte geistige Unterfor<strong>der</strong>ung <strong>der</strong><br />

<strong>Arbeit</strong>enden hinausläuft und (c) mit sozialer Isolation einhergeht und also eine Frustration<br />

<strong>der</strong> sozialen Bedürfnisse bedingt. Als konzeptionelle Möglichkeiten zur Bekämpfung<br />

bzw. Begrenzung dieser „klassischen“ Inhumanität <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> wurden und<br />

werden insbeson<strong>der</strong>e folgende <strong>Humanisierung</strong>smaßnahmen eingefor<strong>der</strong>t (vgl. Kreikebaum/Herbert<br />

1988, 82 ff.; Gaugler 1991, 3 ff.; Brakelmann 1993, 435 ff.): Job Enlargement<br />

und Job Rotation zur Begrenzung/Überwindung <strong>der</strong> horizontalen <strong>Arbeit</strong>steilung<br />

(„quantitative <strong>Arbeit</strong>sfeldvergrößerung“) sowie Job Enrichment und – als gewissermaßen<br />

die höchste Stufe (re-)humanisierter <strong>Arbeit</strong> vergegenwärtigendes Konzept<br />

– (teil-)autonome Gruppenarbeit zur Begrenzung/Überwindung <strong>der</strong> vertikalen<br />

<strong>Arbeit</strong>steilung („qualitative <strong>Arbeit</strong>sfeldvergrößerung“).<br />

Das zentrale (Umsetzungs-)Problem dieses (und wohl auch eines jeden an<strong>der</strong>en)<br />

<strong>Humanisierung</strong>sprojektes ist <strong>dem</strong> – innerhalb <strong>der</strong> Managementtheorie viel diskutierten<br />

(vgl. anschaulich: Steinmann/Schreyögg 2000, 79 ff.; Ulrich 2001) und in <strong>der</strong><br />

Managementpraxis überaus wirkungsmächtigen – Tatbestand zu entnehmen, dass Unternehmen,<br />

die im marktwirtschaftlichen System „überlebensfähig“ bleiben wollen,

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