Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU

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Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU

ESSAuswirkungen auf dasösterreichische StatistiksystemSchweizer StatistiktageNovember 2004Franz Grannerwww.statistik.atS T A T I S T I K A U S T R I A 1


Überblick123StatistischerAdaptierungsbedarfverbunden mitdem EU-BeitrittÖsterreichsAktuelleEntwicklungstendenzenStrategien zurLösung derHerausforderungenS T A T I S T I K A U S T R I A 2


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt‣ Notwendigkeit der Anpassung bzw. Einführung von neuenStatistiken generell in allen statistischen Bereichen‣ Unterschiedliche Ausmaße; vor allem betroffen warenUnternehmensstatistiken, VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen und Preisstatistiken, aber auch in allenanderen Bereichen Adaptierungen notwendig.‣ Nahezu alle nationalen Rechtsgrundlagen für Statistikenmussten angepasst werden.S T A T I S T I K A U S T R I A 3


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt II‣ Adaptierungsaufwände können in die Einführung neuerErhebungen typologisiert werden; Einführung neuerBerechnungsmethoden und Indikatoren; Anwendung neuerKlassifikationen; Harmonisierung von Definitionen undKonzepten; Änderungen verbindlicher Verfügbarkeitsdatenbzw. Periodizitäten; Registeraufbau und -adaptierungen.‣ Die folgenden Ausführungen verstehen sich als exemplarischund beschränken sich auf wesentliche Anpassungsnotwendigkeiten.S T A T I S T I K A U S T R I A 4


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt IIIEinführung neuer ErhebungenINTRASTATPRODCOMaufgrund des Wegfalls der Zollverfahren im EU Binnenmarktwar die Fortführung der Außenhandelsstatistik mit EUMitgliedstaaten als traditionelle Verarbeitung vonZollinformationen nicht mehr möglich; einDirekterhebungssystem bei ca. 18.000 Unternehmen für deninnergemeinschaftlichen Warenverkehr musste eingeführtwerden; verursachte für Österreich die größten Probleme beider Einführung des ESSfundamentale Ausweitung der ursprünglichen nationalenGüter bezogenen ProduktionsstatistikArbeitskräfteerhebungu.a.notwendiger Basisdatenlieferant für die Berechnung derArbeitslosigkeit nach EU harmonisiertem Konzept;durchgeführt als Sonderprogramm des nationalenMikrozensusS T A T I S T I K A U S T R I A 5


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt IVEinführung neuer BerechnungsmethodenBerechnungdes EUharmonisiertenVerbraucherpreisindex(HVPI)parallelVPI nachnationalemKonzeptBerechnungder Arbeitslosigkeitnachdem EUKonzeptparallelBerechnungder ArbeitslosigkeitnachnationalerBerechnungsmethodeseit 1995: 2 unterschiedlicheZahlen zum Thema Inflationseither Publikation zweierunterschiedlicher ArbeitslosenquotenS T A T I S T I K A U S T R I A 6


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt VEinführung neuer IndikatorenUmsatzindizes:Insgesamt, Inland, AuslandAuftragseingänge:Insgesamt, Inland, AuslandHybridindex derErzeugerpreise:Unit Value Index unter Verwendung vonEchtpreisinformationen in TeilbereichenSozialindikatoren:Beschäftigte, Löhne und Gehälter,ArbeitsstundenS T A T I S T I K A U S T R I A 7


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt VIEinführung neuer Klassifikationen und Nomenklaturen‣ Kombinierte Nomenklatur fürProduktgliederungen in derAußenhandelsstatistik‣ ISO-Alpha Geonomenklatur in derAußenhandelsstatistik‣ PRODCOM Liste und CPA in denProduktionsstatistiken (ÖsterreichversionenÖPRODCOM und ÖCPA)‣ Branchengliederung NACE(Österreichversion ÖNACE)‣ Territorialgliederungen NUTS‣ u.a.Die Umstellungen derKlassifikationenverursachten enormeAufwände nicht nur beiRespondenten bzw. beider Datenerhebung,sondern insbesondereaufgrund der dadurchentstandenenZeitreihenbrüche auchauf NutzerseiteS T A T I S T I K A U S T R I A 8


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt VIIRegisteraufbau und -adaptierungUnternehmensregisterDie primäre Statistische Einheitdes für Wirtschaftsstatistikenverwendeten Registers war derBetrieb (KAU); in Folge des EUBeitritts wurde das Unternehmenals wesentliche Einheit eingeführtund ein auf der HierarchieUnternehmen, Betrieb undArbeitsstätte fußendes Systemgeschaffen.Die Branchengliederung NACEbzw. ÖNACE musste gänzlich neueingeführt werden.S T A T I S T I K A U S T R I A 9


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt VIIIRegisteraufbau und –adaptierung IIINTRASTAT-RegisterEntsprechend den EU Vorschriftenmusste ein eigenes Register überdie innergemeinschaftlichenMarktteilnehmer aufgebautwerden; zentrale Einheiten diesesRegisters sind fiskalischeEinheiten identifiziert durch die EUeindeutige Umsatzsteueridentifikationsnummer.Aufgrund mangelnderBasisinformationen musste vorImplementierung des IntrastatSystems eine Vollerhebung überEU Umsätze im Vorjahr bei allenRegistereinheiten durchgeführtwerden.S T A T I S T I K A U S T R I A 10


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt IXNeugestaltung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR)‣ In der VGR musste zwingend quasi von einem Tag auf den nächstendas ESVG 79 angewendet (BSP Eigenmittelberechnung) und alleArbeiten zur Harmonisierung der BIP/BSP – Berechnung (rund 25 zumTeil umfangreiche Einzelstudien) umgesetzt werden.‣ Die Revision inkl. Rückrechnung samt Methodenbeschreibung mussteinnerhalb eines Jahres erfolgen; in weiterer Folge warenParallelrechnungen nach ESVG 95 notwendig.‣ Erweiterung um VGR – Gebiete, die in Österreich nicht oder nurgelegentlich bearbeitet wurden (Nichtfinanzielle Sektorkonten,Finanzielle Konten, Regionale VGR auf Ebene NUTS 2 und 3,Umgestaltung der Kapitalstockberechnungen, regelmäßigeAufkommens-/Verwendungs-Tabellen etc.)S T A T I S T I K A U S T R I A 11


Statistischer Adaptierungsbedarf verbunden mit dem EU-Beitritt XÄnderungen bei Verfügbarkeitsfristen und Periodizitäten‣ Einführung der EU verbindlichen Lieferfristen in allen EU normiertenStatistikbereichen; tendenziell überwogen hierbei Fristverkürzungen.‣ Verkürzung der Erhebungsintervalle bei den Agrarstrukturerhebungen(vor dem EU Beitritt war ein zehnjähriger Agrarzensus üblich; im ESSprinzipiell Grunderhebungen mindestens alle 10 Jahre und Zwischenerhebungen1995, 1997, 2003, 2005, 2007; vorgeschrieben ist die Grunderhebungals Vollerhebung, Zwischenerhebungen können Stichprobenerhebungensein).‣ Im Bereich der Strukturellen Unternehmensstatistiken wurden die inlangjährigen als Vollerhebungen geführten sog. Nicht-landwirtschaftlichenBereichszählungen durch die EU normierten, jährlichen Leistungs- undStrukturerhebungen (LSE) abgelöst; die LSE 1995 wurde als Vollerhebung(allerdings mit erheblicher Verspätung) durchgeführt; 1996 entfiel; in denJahren 1997 bis 2001 wurden Stichprobenerhebungen durchgeführt und abdem Berichtsjahr 2002 Vollerhebungen mit Assimilationsschwellen(„Konzentrationsstichproben“).S T A T I S T I K A U S T R I A 12


Aktuelle EntwicklungstendenzenGenerelle Entwicklungstendenzen im ESS:‣ Verkürzung der Übermittlungsfristen (insbesondere STS und Außenhandel)‣ Änderung der Periodizitäten (in der Regel Verkürzungen wie z.B.monatliche statt quartalsweise Konjunkturdaten in den Dienstleistungsbereichen)‣ Einführung neuer Indikatoren (wie z.B. Importpreisindizes, Auftragseingänge,etc.) bzw. neuer Variablen und Erweiterung desDetaillierungsgrades bestehender Variablen.‣ Betonung des Prinzips „First-for-Europe“‣ Minimierung der Belastung von Auskunftspflichtigen als Ziel auch aufeuropäischer Ebene‣ Teilnahme an Europastichproben als Möglichkeit zur Erfüllung derEuropäischen Verpflichtungen.S T A T I S T I K A U S T R I A 13


(Nationale) Strategien zur Lösung der Herausforderungen‣ Minimierung der Belastung von Auskunftspflichtigen als gesetzlichvorgegebenes Ziel (Bundesstatistikgesetz 2000).‣ Einsatz moderner elektronischer Meldemedien‣ Einsatz geeigneter Schätzverfahren‣ Nutzung von Verwaltungsdaten‣ Teilnahme an EuropastichprobenS T A T I S T I K A U S T R I A 14


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenIIEinsatz moderner elektronischer MeldemedienElektronische Meldemedien fürUnternehmen werden in Österreich inwesentlichem Umfang seit 1995angeboten (Pionier hierbei ist dieAußenhandelsstatistik; in weitererFolge auch andere Unternehmenserhebungenabgedeckt).Sowohl Offline-Lösungen für GroßundMittelunternehmen (IDEP/KN8, e-Quest) als auch Online-Produkte, dieeher für Kleinunternehmer konzipiertsind (Webformulare).! !VorteileVorteile für Auskunftspflichtige:Datenimportschnittstellen,benutzerfreundliche Eingabe- undAuswahlfeatures, Suchroutinen fürCodierungen, kontextsensitiveHilfefunktionen udgl..Vorteil für Datenproduzenten:wesentliche Beschleunigung bei derVerfügbarkeit, Datenerfassung entfällt,Eingabefehler werden abgefangen,wesentliche Plausibilitätsprüfungenbereits durch das jeweilige Softwarepaket.S T A T I S T I K A U S T R I A 15


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenIIIBenutzer elektronischer Meldemedien60005500500045004000350030002500200015001000AHA OfflineAHA OnlineeQuestProduktionWeb HandelAnzahl der BenutzerLSE eQuest &Web (ab 2Hj 03)50001.Halbj. 972.Halbj. 971.Halbj. 982.Halbj. 981.Halbj. 992.Halbj. 991.Halbj. 002.Halbj. 001.Halbj. 012.Halbj. 011.Halbj. 022.Halbj. 021.Halbj. 032.Halbj. 031.Halbj. 04Quelle: ST.ATS T A T I S T I K A U S T R I A 16


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenIVEinsatz geeigneter SchätzverfahrenEntwicklung der Übermittlungsfristenerster Ergebnissean die EU Kommission hat ineinzelnen Statistikbereichendazu geführt, dass jenerPunkt erreicht ist, an demeine Verwendung vonVerwaltungs- oderMeldedaten nicht mehrmöglich ist.Zeitreihen basierendeSchätz- und teilweisePrognosemodelle zurErstellung früherSchätzungen („Flashestimates“) alsLösungsmöglichkeit.Pilotstudien, in denenunterschiedliche Verfahrengetestet wurden (in ersterLinie ARIMA Modelle undHolt-WintersZeitreihenmodelle).Einsatz im Echtbetrieb:derzeit im Bereich Intrastat, wo frühe Aggregatschätzungen seit September 2004an Eurostat übermittelt werden (Basis: Zeitreihenextrapolation Holt-Winters)In Planung/Entwicklung:frühe Schätzmodelle im Produzierenden Bereich bzw. Konjunkturerhebung Handel(Einzelhandelsumsätze)S T A T I S T I K A U S T R I A 17


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenVNutzung von VerwaltungsdatenGemäß BStG 2000 prioritär gegenüber Befragungen einzusetzen‣ Das prinzipielle Recht auf den Zugriff zu Verwaltungsdaten sowie dieVerpflichtung der Inhaber von Verwaltungsdaten bzw. Register zurunentgeltlichen Bereitstellung der Daten in elektronischer Form für statistischeZwecke sind im BStG 2000 festgeschrieben; Details in den jeweiligenVerordnungen auf Basis des Gesetzes.‣ Die Nutzung von Verwaltungs- und Registerdaten erfolgt zumindest partiell innahezu allen Statistikbereichen.‣ Im erhebungstechnisch sensiblen Bereich der Unternehmensstatistiken werdenin erster Linie Daten der Finanzbehörden (Umsatzsteuervoranmeldung [UVA],Umsatzsteuererklärung) sowie des Hauptverbands derSozialversicherungsträger - HV (Beschäftigteninformationen) herangezogen.‣ Notwendigkeit zusätzlicher Registeradaptierungen und laufender Wartung(Schlüssellisten); dies wird durch entsprechende Einsparungen in der Regeljedoch mehr als kompensiert.S T A T I S T I K A U S T R I A 18


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenVINutzung von Verwaltungsdaten – Konjunkturerhebungen:‣ Die Konjunkturerhebung Handel erfasste 2002 noch 4500Unternehmen, wobei Umsatz- und Beschäftigtendaten erhobenwurden; seit 2003 Beschäftigtendaten des HV verwendet; seit2004 auch Umsatzdaten aus Verwaltungsquellen (UVA).‣ Die im 3. Quartal 2003 eingeführte KonjunkturerhebungDienstleistungen (ebenfalls Umsätze und Beschäftigte) wurdebereits zur Gänze als Sekundärstatistik konzipiert; im Fall einerPrimärerhebung wären monatlich zumindest 3500 Unternehmenzu befragen gewesen.‣ Bei den Konjunkturerhebungen im Produzierenden Bereichwerden Umsatzdaten in erster Linie zur Qualitätssicherung undPlausibilisierung verwendet; HV-Daten für Detailgliederungen derBeschäftigten (bei Primärerhebung nur summarischeKontrollwerte).S T A T I S T I K A U S T R I A 19


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenVIINutzung von Verwaltungsdaten – Leistungs- und Strukturerhebung(LSE):‣ Bis einschließlich der LSE 2001 kamen imProduzierenden Bereich Erhebungen mitAssimilationsschwellen (15.500 Unternehmen)und im Dienstleistungsbereich geschichteteStichprobenerhebungen mit freier Hochrechnung(27.300 Unternehmen) zum Einsatz.‣ Systemumstellung beginnend mit der LSE 2002;nunmehr generell Erhebungen mitAssimilationsschwellen, wobei die Hochschätzungauf die Grundgesamtheit als kombinierteRegressions- und Verhältnisschätzung unterVerwendung der Verwaltungsdaten fürunterschwellige Einheiten erfolgt.‣ Im Produzierenden Bereich (Beschäftigtenbezogene Schwellen) nur noch 11.000Respondenten; im Dienstleistungsbereich 21.000.Erste Reaktionenqualifizierter Datennutzerauf nunmehrverfügbare Ergebnissezeigten, dassdie Methodenumstellungnicht nureine erheblicheEntlastung kleinerUnternehmendarstellt, sondernzudem zu einererheblichenVerbesserung derDatenqualitätbeigetragen hat.S T A T I S T I K A U S T R I A 20


(Nationale) Strategien zur Lösung der HerausforderungenVIIITeilnahme an EuropastichprobenAls Möglichkeit der Erfüllung europäischer Verpflichtungen ist die Teilnahme an Europastichprobenderzeit zumindest in einzelnen Statistikbereichen in Diskussion.Ihre Einführung entspricht in weiterem Sinn dem First-for-Europe Prinzip.Option insbesondere für solche Variablen bzw. Indikatoren, die auf europäischer Ebene benötigt werden,für die national eher geringer Bedarf besteht bzw. bei denen diesbezüglichen Kosten unverhältnismäßighoch in Bezug auf den nationalen Nutzen wären.Großer Vorteil: Im Vergleich zunationalen Statistiken ein wesentlichreduzierter Erhebungsaufwand unddaher auch sehr geringe Respondentenbelastung(in Österreich geplant beiImportpreisindizes: für eine Teilnahmean der Europastichprobe reicht einSample von etwa 200 Unternehmen, fürnational verwendbare Importpreise wäreein Sample von 2500 - 2800Unternehmen notwendig).Nachteil: keinerlei nationaleVerwendbarkeit; NSIs werden zudezentralen Erhebungseinheitenvon Eurostat; teilweise nationaleRechtfertigungsproblemegegenüber Respondenten undÖffentlichkeit.S T A T I S T I K A U S T R I A 21


Danke für Ihre AufmerksamkeitÖsterreich besser verstehenwww.statistik.atS T A T I S T I K A U S T R I A 22

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