Arbeitskampf in Verlagen und Druckereien - Welt der Arbeit

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Arbeitskampf in Verlagen und Druckereien - Welt der Arbeit

Arbeitskampf in Verlagen und DruckereienZeitungsverleger und Druckereibesitzer wollen die Beschäftigten zu drastischenVerzichten zwingen und sich von der Bindung an Tarifverträge lösen.Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hat der Bundesverband Druckund Medien den bundesweit gültigen Manteltarifvertrag für die gewerblichenArbeitnehmer der Druckindustrie zum 31. März 20211 gekündigt. Erfordert eine Verlängerung der tariflichen Wochenarbeitszeit von derzeit 35auf 40 Stunden, eine Senkung der Löhne für Hilfskräfte, die Aufhebung desFacharbeiterschutzes und eine betriebliche Öffnungsklausel zur Verschlechterungder Besetzung an Druckmaschinen.Massive Tarifabsenkungen fordert auch der Bundesverband der DeutschenZeitungsverleger (BDZV) für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteureder Tageszeitungen. Der Manteltarifvertrag wurde zum 31.12.2010gekündigt. Gefordert wird eine Erhöhung der tariflichen Arbeitszeit auf 40Wochenstunden, die Streichung des Urlaubsgeldes und eine Reduzierungdes Jahresurlaubs. Zudem wollen die Verleger noch den Zuschuss für dieAltersversorgung der Redakteurinnen und Redakteure von bisher fünf aufkünftig 2,5 Prozent halbieren. Um die Rendite für das eingesetzte Kapitaldurch Kostensenkungen zu erhöhen, haben sie schon in den vergangenenJahren viele festangestellte Redakteurinnen und Redakteure entlassen unddurch freie Journalisten und Leiharbeitnehmer/innen teilweise ersetzt. DiePersonalsituation hat sich dadurch in vielen Redaktionen dramatisch verschlechtert.Die Forderungen der Zeitungsverleger und der Unternehmer der Druckindustriemachen deutlich, dass sie am Abschluss neuer Tarifverträge nichtmehr interessiert sind. Sie wollen die Arbeitsbedingungen in den Betriebenkünftig allein diktieren. Und offensichtlich halten sie die Streikbereitschaftder betroffenen Beschäftigten für nicht allzu groß. Sie hoffen auf die Wirkungder neoliberalen Propaganda, dass heutzutage über die Arbeitskostendurch Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung im jeweiligenBetrieb zu entscheiden ist. Offen schreiben die Druck-Unternehmer inihrem Kündigungsbrief, dass es ihr Ziel ist, die Tarifregeln soweit abzusenken,dass sie den Gegebenheiten in Betrieben ohne Tarifverträge entsprechen.Ebenso offen schreiben sie, dass es ihnen vor allem um Kostensenkunggeht, die nach Meinung des Bundesverbandes Druck und Medien nurdie Beschäftigten bezahlen sollen.Eine alte Erfahrung wird immer wieder bestätigt: Freiwillige oder erzwungeneVerzichte der Beschäftigten sichern keine Arbeitsplätze! Innerhalb vonnur drei Jahren (2008 bis 2010) hat die Druckindustrie mehr als jeden siebtenArbeitsplatz abgebaut, insgesamt rund 7.000 in den größeren Betriebenmit mindestens 50 Beschäftigten. Nach der Statistik der Bundesagentur fürArbeit, die alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, also auch diekleineren Betriebe berücksichtigt, waren zum Stichtag 31.06.2010 nur noch158.751 Beschäftigte erfasst – das sind 14.206 weniger als im Juni 2008und 7.052 weniger als im Juni 2009. Der konstant hohe Arbeitsplatzabbauzeigt, wie absurd die Forderung nach einer Verlängerung der regelmäßigenWochenarbeitszeit ist. Mit der Erhöhung von 35 auf 40 Stunden würdenmehrere zehntausend Arbeitsplätze akut gefährdet. Es gibt zudem keineNotwendigkeit für weitere Kostensenkungen. Im Jahresdurchschnitt 2010stieg die Produktivität der Beschäftigten in den Druckbetrieben um 3,2 Prozent.Gleichzeitig sank die Lohn- und Gehaltssumme noch einmal deutlichum 4,5 Prozent. Und auch der Anteil der Lohn- und Gehaltskosten im Ver-1


hältnis zum Umsatz liegt derzeit mit 21,6 Prozent wieder so niedrig wie imJahr 2008.Der gewerkschaftliche Kampf für den Erhalt des Manteltarifvertrages unddie Abwehr der Angriffe auf die 35-Stunden-Wochen stehen derzeit im Mittelpunktder Tarifauseinandersetzungen in der Druckindustrie und in denZeitungsverlagen. Darüber hinaus fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschafteine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungenvon 5,5 Prozent für die Beschäftigten der Druckindustrie und der Zeitungsverlagesowie gleichen Lohn und gleiche tarifliche Arbeitsbedingungenfür Leiharbeitnehmer/-innen.Zweifellos entscheidet sich in der aktuellen Tarifrunde, ob es zukünftig nochTarifverträge für die Beschäftigten in Zeitungsverlagen und Druckbetriebengeben wird. Die beteiligten Gewerkschaften, ver.di und der Deutsche Journalistenverband(DJV), können sich auf Verhandlungen über die Forderungender Verleger und Druckereibesitzer keinesfalls einlassen. Da kannes keine Kompromisse geben. Die betroffenen Beschäftigten müssen davonüberzeugt werden, dass Tarifrechte nicht zu ersetzen sind. Vereinbarungenzwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung oder in Einzelarbeitsverträgensind nichts wert, weil die Inhalte die Willkür der Geschäftsleitungnicht ausschließen. Es gibt für die Beschäftigten ohne Beteiligung der zuständigenGewerkschaft kein Streikrecht! Und die Angst vor dem Verlustdes Arbeitsplatzes wird durch Versprechungen der Firma nicht beseitigt.Der Arbeitskampf ist unter den vorliegenden Gegebenheiten unvermeidbar.Notwendig ist der gemeinsame Streik von Arbeitern, Angestellten undJournalisten zur Verteidigung ihrer Tarifrechte. Bundesweit müssen besondersdie Zeitungshäuser wirkungsvoll bestreikt werden. Dazu ist die zuverlässigeVerständigung zwischen Redakteuren und Druckern unverzichtbar.Es gilt die alte Erkenntnis: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hatschon verloren.Franz Kersjes2

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