KLEIN RöNNAU, URSPRüNGLICH EINE SLAWISCHE SIEDLUNG

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KLEIN RöNNAU, URSPRüNGLICH EINE SLAWISCHE SIEDLUNG

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klein Rönnau, uRspRünglich eine slawische siedlung

klein rönnau, ursprünglich

eine slawische siedlung

Man könnte vermuten, dass der Ortsname »Rönnau«

von dem deutschen wort »Rinne« abgeleitet

sei. doch in den gefundenen urkunden und

dokumenten wird diese am Bach liegende siedlung

mit Klenouwe bezeichnet. ein siedlungsname

mit der endung »-ouwe« deutet, wie paul

dohm in seinen aufzeichnungen über holsteinische

Ortsnamen nachgewiesen hat, auf eine

slawische ansiedlung hin. auch die siedlungsbedingungen

weisen darauf hin, dass hier einst

slawen siedelten.

die slawen lebten von ackerbau, Viehzucht

und Fischfang. Besonders häufig siedelten sie

an Flüssen und seen, so am plöner-, selenter-,

Ratzeburger- und schaalsee. da das land nicht

gleichmäßig mit wald bedeckt war, ließen sie sich

auch an stellen nieder, die von wald und sumpfigen

niederrungen umgeben waren. sie ernährten

Die Grafschaften Adolf II. um 1160.

(Quelle: R. Haupt, Geschichte und Art der Baukunst in Nordelbingen Bd. 6, 1925)

Siedlungen mit slawischen Ortsnamen.

(Quelle: Hartwig Fiege, Wie Ostholstein und Lauenburg deutsch wurden)


klein Rönnau, uRspRünglich eine slawische siedlung

sich von hechten, Barschen und Brassen. ihren

Fleischbedarf deckten sie zum größten Teil aus

ihrem haustierbestand und gingen weniger auf

die Jagd. sie züchteten Rinder, schweine und

schafe, hielten sich aber auch hühner und gänse.

ihre siedlungen bestanden in der Regel nur

aus wenigen gehöften. das gelände oberhalb

des sees und entlang der Rönnau entsprach also

ganz den siedlungsbedingungen der slawen.

1127 versuchte der priester Vicelin von

neumünster aus in diesem gebiet zu missionieren,

jedoch ohne erfolg. erst als kaiser lo t h a r

iii. 1134 auf dem kalkberg die siegesburg erbauen

ließ und gleichzeitig am Fuß des Berges

eine kirche mit einem augustinerchorherrenkloster

gründete, schienen Vicelins Bemühungen

erfolgreich zu werden. Zumal der kaiser Vicelin

als abt dieses neuen klosters einsetzte. doch

durch den plötzlichen Tod des kaisers im dezember

1137 wurden hier die Machtverhältnisse

unübersichtlich. erst als 1142 der schauenburger

ad o l f ii., graf von holstein und stormarn,

wagrien von heinr ich d e m lö w e n als lehen

Adolf II. siedelte ab 1143 deutsche Kolonisten in

Wagrien an. (Quelle: U. Lange, Geschichte Schleswig-Holsteins)

zugesprochen bekam, ergaben sich in dieser Region

wieder geordnete Verhältnisse.

wagrien, etwa das heutige Ostholstein, war zuvor

ausschließlich von den slawen bewohnt.

durch die dauernden kämpfe hatten sich viele

heidnische slawen nach Mecklenburg und in

den Oldenburger Raum zurückgezogen. um seinen

Machtanspruch in seiner neuen grafschaft

durchzusetzen, siedelte adolf ii. hier Friesen,

holsten, holländer und westfalen an, die er

durch lokatoren (kolonistenführer) anwerben

ließ. so entstanden neue Ortschaften, auch in

der nähe alter slawischer siedlungen. Zur unterscheidung

gab man den siedlungen die Zusätze

alt und neu oder groß und klein. die slawische

siedlung kam so zu dem namen klenouwe

(klein Rönnau)

im laufe der Zeit vermischten sich die

christlichen kolonisten mit den heidnischen slawen.

so übernahmen die slawen die überlegene

ackerwirtschaft der christlichen kolonisten und

deren hausbau. sie passten sich wirtschaftlich

und rechtlich den deutschen siedlern an. auch

konvertierten die slawen durch die Taufe zum

christentum, besuchten fortan gottesdienste

und lernten dabei im umgang mit den siedlern

nicht nur die deutsche sprache, sondern auch

sitten und gebräuche kennen. Obwohl im laufe

weniger generationen die ehemaligen heidnischen

Bewohner der slawischen siedlung klenouwe

selber christliche deutsche wurden, blieb

jedoch die Ortsbezeichnung bis heute bestehen.

priester Vicelin wurde 1149 zum Bischof von

Oldenburg geweiht. in dieser Funktion war es

ihm wichtig, dass die von ihm begonnene Missionierungsarbeit

im Osten weiterging. so lag

ihm viel daran, dass die Mönche des segeberger

augustinerchorherrenklosters, die diese arbeit

ausrichteten, auch in Zukunft gut versorgt werden.

er verfügte in der urkunde vom 25. september

1150, dass die Bewohner von klenouwe

den Zehnten an das segeberger kloster zu entrichten

hätten.

hierbei handelt es sich um die urkunde, in der

klein Rönnau zum ersten Mal erwähnt wird

(vgl. seite 14/15).

geschichte des dorfes 35


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wOheR kOMMT deR naMe?

Vermutlicher Rittersitz im Bereich Ohlenhoff.

(Zeichnung: Klaus Bostedt)

woher kommt der

name?

in seiner Bestätigungsurkunde vom 25. september

1150 über den Zehnten für das kloster segeberg

verlieh Vicelin dem hospital des stiftes am

ersten Jahrestag seiner Bischofsweihe die Zehnten

des dorfes »klenouwe« und alle güter. Mit

dieser urkunde wurde erstmals der Ort »klenouwe«

erwähnt, was von Bischof Bertold von

lübeck im Jahre 1216 dem kloster zu segeberg

nochmals bestätigt wurde.

in urkunden und aufzeichnungen der darauf

folgenden Jahre/Jahrzehnte werden häufig

die namen

Kenoulle - Klenouwe - Rennowe

Ronnou Minor - Ronnow dat lutke

Lütken Rennowe - Runnowe

genannt und dokumentiert.

auch wenn es in der Vergangenheit häufig zu

unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten

über die echtheit vieler urkunden kam,

so bestätigt der historiker karl Jordan, dass die

Verleihung der Zehnten in klein Rönnau für das

stifthospital echt ist. er schließt sich hier dem

heimatforscher hasse an und schreibt für die

unverständliche stelle des wortes »kenoulle«

stattdessen »Rennowe«.

der heimatforscher h. Jellinghaus vertritt zum

ursprung des Ortsnamens von klein Rönnau

eine andere Meinung. Zitat aus seinem Buch

»Vorgeschichtliche grabstätten und geschichtliche

dörfer um segeberg«:

»Rönnau hat seinen Namen von dieser ›Renne‹

(Verbindungsgraben - Rinne - zwischen dem Segeberger

See und der Trave) und Groß Rönnau wird

seinen Namen von dem Gute Klein Rönnau haben,

da es an keiner Renne liegt. Beide Dörfer jedoch

werden Neuanlagen des 12. Jahrhunderts sein.«

»Unterhalb eines Hügels liegt die Wassermühle,

neben der einst die Motte der vom 13. Jh. ab genannten

Ritter von Rennowe mit großer Wahrscheinlichkeit

gestanden hat.«


ein ort der ritter

rennowes

nach vorliegenden urkunden, insbesondere denen

aus dem dänischen adelsjahresbuch XXX

von 1913, traten bereits anfang des 13. Jahrhunderts

die adeligen Brüder de Rennowe in Rennowe

in erscheinung. durch hinweise zu dem geschlecht

derer von Rennowe im adelsbuch und

wappenvergleiche mit anderen holsteinischen

adelsfamilien, kann mit hoher sicherheit davon

ausgegangen werden, dass die Brüder Rennowe

aus dem geschlecht derer von Rantzau oder

split hervorgegangen sind. die Theorie, dass sie

die ländereien in und um Rönnau als lehen

vom grafen zu holstein und stormarn erhalten

haben, kann durchaus vertreten werden.

auf die Zeit der Besiedlung im 12. und 13.

Jahrhundert, des sich herausbildenden adels und

der relativ schnell wachsenden Bevölkerung folgte

die Zeit der großen Rodungen, die durchweg

zu einer beträchtlichen Vergrößerung der hufen

für die schnell wachsenden Bauernstellen (hufner)

führte. Mit sicherheit haben zu dieser Zeit

die Verantwortlichen, sprich der adel, das geeignete

umfeld am segeberger see, der Trave und

der Rönnau für sich erkannt und in die pläne

einer gesicherten Versorgung aufgenommen. so

entstanden nach den notwendigen Rodungen,

auch im Bereich von klein Rönnau, die ersten

für die Bewirtschaftung wichtigen Felder.

Zwischen 1348 und 1350 reduzierte die erste

große pestwelle die Bevölkerung in unserem

Raum. die Zahl der Bauernstellen ging drastisch

zurück. Viele dörfer wurden entvölkert.

wüst liegendes land wurde von den grundherren

oder von anderen Bauernstellen zur eigenen

Bewirtschaftung übernommen. erst ab ca. 1500

stieg die Bevölkerung wieder stetig an und die

landwirtschaft lohnte sich wieder.

während Theodericus de Rennowe bereits

1258 in den Minoritenorden zu Rinteln eintrat,

wurden Bertoldus und Marquardt de Rennowe

bekannt durch ihre unterstützung, die aktivitäten

und ihre Treue für den grafen von holstein

und stormarn. das geschlecht erlangte in den

darauf folgenden Jahren und Jahrhunderten ein

ein ORT deR RiTTeR RennOwes

hohes ansehen und erwarb neben der heimat

in Rönnau viele ländereien und Besitztümer in

holstein und später in dänemark.

Bereits am 8. Februar 1252, als die grafen

Johann und gerhard von holstein und stormarn

den lübecker Fischern freien Fischfang an den

küsten ihres gebiets und freie landung zum

Trocknen der netze gewährten und den damit

verbundenen holzhieb für Brenn- und nutzholz

frei gaben, trat Bertoldus de Rennowe als Zeuge

und Vertrauter für beide auf.

1260 verliehen die grafen Johann und gerhard

von holstein der stadt segeberg das lübsche

Recht und überließen ihnen die Fischerei

im großen see mit freiem holzhieb und freien

weiden. auch hier wurden die Ritter Marquardt

und Bertoldus de Rennowe als Zeugen genannt.

wie auch andere dörfer im umkreis der

siegesburg, so unterstanden auch die wenigen

hofstellen auf dem gebiet von »Rennowe« dem

grafen gerhard von holstein. ihm und dem

kloster hatten sie, wie in der Zehntenteilung dokumentiert,

ihre steuern bzw. Zehnten zu zahlen.

darüber hinaus mussten aber auch andere

dienstleistungen, wie Fuhr- und handdienste,

erbracht und organisiert werden.

Bereits zu dieser Zeit gab es eine gezielte

arbeitsteilung. so kann man davon ausgehen,

dass die Rönnauer Bauern (hufner) an erster

stelle für das aussäen der saat zuständig waren

und die schiererer und Blunker hufner sich die

pflugarbeiten teilten, während die stipsdorfer

und weedener kätner zum wassertragen, zur

Betreuung des Viehs und für das häckseln verantwortlich

waren. Zum dienstgeld der klein

Rönnauer und stipsdorfer hufen ist zu bemerken,

dass ihre dienstleistungen, die handdienste

auf dem Burgvorwerk und die Beförderung der

Briefe bis geschendorf, Bornhöved, Bramstedt

und kisdorf, erst 1665 aufgehoben wurden.

in einer urkunde von 1372 wird bekundet dass:

»Bischof Bertram von Lübeck verkaufte im Jahre

1372 für 100 Mark 8 Hufen in Gnissau an das

Kloster zu Segeberg. Ausnahme war die Gnissauer

Mühle, die im Besitz des Ritters Be r t o l d u s la n g e

d e re n n o w e war.«

geschichte des dorfes 37


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BeZiehungen ZuM gieschenhageneR gasThaus

Bis etwa 1413 sind nur wenige aufzeichnungen

über das leben und die arbeit der »Rönnauer

Bürger« bekannt. dennoch, die Ritter von »Rönnau«

spielten in den wirren der umwälzungen

in holstein eine wichtige Rolle und standen in

den meisten Fällen auf der »richtigen seite«. sie

kamen zu ehren und, wie die aufzeichnungen

zeigen, beeinflussten auch das leben in Rennowe

(klein Rönnau) und im umland. wie in der

Biographie zu lesen, entstanden familiäre Bande

zu anderen adelsgeschlechtern, unter anderem

durch nicolaus »kierl« Rennowe, der sich 1383

mit Berta Bielke aus nybol vermählte. er trat

in die dienste des königs von dänemark und

wurde in nybol sesshaft, wo er den dänischen

adelszweig der RØnnows gründete.

Gieschenhagener Gasthaus nach einem Stadtplan

von 1775. (Zeichnung: Peter Zastrow)

Beziehungen zum

gieschenhagener

gasthaus

anlässlich eines Besuches in segeberg im Jahre

1505 stiftete der dänische könig chr istian iii.

(1503-1559) ein armenhaus zu gunsten hilfsbedürftiger

Frauen, das gieschenhagener gasthaus.

hilfsbedürftige Frauen aus segeberg und

aus dem kirchspiel konnten hier aufgenommen

werden. er ließ es auf dem segeberger Markplatz

in höhe des heutigen Brunnens errichten.

das gebäude war von einem großen garten und

einer stattlichen ackerfläche umgeben. der abt

des klosters übertrug den 1150 von Vicelin erhaltenen

Zehnten zugunsten der armen von klein

Rönnau auf das gieschenhagener gasthaus. 5

Rönnauer Bauern mussten jährlich ungefähr 650

pfund Roggen, den so genannten kirchenroggen,

an das armenhaus liefern. die lieferungen

der Rönnauer lassen sich bis in das Jahr 1861 zurückverfolgen.


armut im amte

traventhal

im Amt Traventhal scheint die armut bis zum

ende des 18. Jahrhunderts nicht unbedingt als

drückend empfunden worden zu sein. und trotzdem,

das armenrecht im 19. Jahrhundert konnte

jeder in anspruch nehmen, der geforderte steuern

oder sonstige kosten für den lebensunterhalt

nicht aufbringen konnte. Jede gemeinde stellte

einen Ortsarmenverband, der für die unterstützung

der hilfsbedürftigen zuständig war. diese

unterstützung umschloss einen wohnsitz, z.B. in

einem armen- oder krankenhaus, nahrung und

die pflege im krankheitsfalle.

Man kann aber generell sagen, dass anfang

des 19. Jahrhunderts die armen nicht mehr als

unentbehrlicher Teil der gesellschaft, so wie im

Mittelalter, angesehen wurden. die Reformation

und auch die aufklärung hatten zur ansicht geführt,

dass armut ein gesellschaftliches übel sei

und der staat somit in der Verpflichtung stünde,

zu helfen - dies auch vorbeugend.

die kirche, die früher die hauptlast der armenpflege

getragen hatte, trat mehr und mehr in

den hintergrund. die »dorfschaften« ernannten

so genannte Bevollmächtigte, die auch innerhalb

der gemeinschaft für die Versorgung der armen

zuständig und verantwortlich waren.

Zu den zum amt Traventhal zählenden 18

dörfern gehörten neben stipsdorf, klein niendorf,

neuengörs, weede,

dreggers u.a. auch Klein

Rönnau. 1815 lebten in

dem zum amt Traventhal zugehörigen

Teil von klein Rönnau

106 personen, von denen drei arme waren.

die lebensumstände der um unterstützung ersuchenden

personen wurden von den dorfschaften

sorgfältig untersucht und laufend beobachtet.

aufzeichnungen, insbesondere über namen und

wohnstätten in klein Rönnau, sind nicht vorhanden.

die zu hasselburg und nütschau gehörenden

anteile von klein Rönnau beantragten am

8. Mai 1871 die aufnahme in den Traventhaler

armendistrikt, was am 8. Juni 1872 bestätigt

wurde.

aRMuT iM aMTe TRaVenThal

erwähnenswert ist aber der 20. september 1700.

Jo a c h i m fr i e d r i c h, herzog in plön, hatte sich

zu einem Besuch in Traventhal angesagt, um sich

vom damaligen amtsverwalter Thiessen über den

Zustand der dörfer unterrichten zu lassen. in

seinem Bericht war zu lesen:

»Außer Neuengörs, Altengörs und Weede hatten

besonders auch Klein Niendorf und Klein Rönnau

gelitten, weil die Armee da gestanden.«

eine woche darauf kam der Fürst wieder

nach Traventhal und erklärte dem erfreuten

amtsverwalter, der Folgendes fest hielt:

»Die 5 Dörfer, die so hart gelitten und dafür ich

soviel gesprochen hätte, wollen Sie noch ein Quartal,

nämlich den Weihnachtstermin nachlassen. Dabei

aber solle ich dahin sehen, daß das Geld für die 15

Kühe zusammen käme.«

das amt hatte 15 kühe gekauft und sie an

die Ärmsten ausgegeben.

am 13. august 1878 beschloss die gemeindevertretung,

die abgaben für »öffentliche Tanzlustbarkeiten«

der drei hiesigen wirte in höhe

von 3 Mark der armenkasse zu zuführen.

geschichte des dorfes 39


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ein dORF MiT dRei heRRen

ein dorf mit drei herren

die aufteilung

klein Rönnau war schon früh ein geteiltes dorf.

einen Teil der ländereien übereignete der landesherr,

graf Ge r h a r d V o n ho l s t e i n (1293-

1340), im Jahre 1326 dem kloster segeberg. graf

gerhard kaufte zuvor ländereien vom knappen

hildemar scokke. über katharina walstorp,

geborene Rantzau, ehefrau von gert walstorp,

gelangte der restliche Teil von klein Rönnau als

Mitgift in den Besitz der Rantzaus. die Familie

Rantzau war weit verzweigt. durch erbfolge gelangte

eine hufe in den Besitz des adligen gutes

nütschau bei Oldesloe. Besitzer war heinr ich

ra n t z a u. er lebte von 1526-1599, residierte

in segeberg und war statthalter des dänischen

königs chr istian iii. (1503-1559). sein sohn

gerhard schlug 1624 die einkünfte aus klein

Rönnau seinem gut nütschau zu. der größere

anteil von zwei hufen fiel an das adlige gut

övelgönne, das zum gut hasselburg gehörte

und bei neustadt an der Ostsee lag. eigentümer

war hans Rantzau, ein Vertreter der plöner linie

der Familie Rantzau. das gut nütschau hatte

folgende Regelung in das grundbuch seiner

der anteil des gutes nütschau

1791 wurde das gut nütschau versteigert. in

den detaillierten unterlagen waren die Rönnauer

untertanen namentlich aufgeführt. aus einer

Vollhufe waren im laufe der Zeit zwei halbhufen

und vier kätner geworden.

dem gut nütschau standen die gerichtsbarkeit

und das Jagdrecht zu. die Rönnauer Zu-

Ehemaliger Eigentümer

halbhufner hans struck

halbhufner hinrich koch

kätner harm greve

kätner Marx Blunck

kätner hinrich Fröndt

kätner claus schweim

Zugehörigen eintragen lassen: Bei Verkauf einer

Teilfläche gingen die Rechte des gutsbesitzers an

den neuen eigentümer über. Ähnlich wurde in

hasselburg verfahren. aus ursprünglich je zwei

hufen und katen waren im laufe der Jahrhunderte

31 parzellen entstanden. die eintragungen

der hasselburger hatten für alle grundbücher

folgenden Text:

Abteilung II

Nr.1: Siebenundneunzig Mark 95 Pfennig jährliche

Abgabe, eingetragen für die Gutsherrschaft Hasselburg

Nr.2: Vorkaufsrecht und bei Besitzerwechsel, 7,20

Mark Gebühren, eingetragen wie 1

Nr. 3: Verpflichtung, jährlich vier vierspännige

Fuhren unter Beachtung der Saat- und Erntezeit für die

Gutsherrschaft in Hasselburg zu leisten

diese eintragungen wurden erst im Jahre 1932

durch eine Verzichtserklärung der höfebank, die

zu diesem Zeitpunkt eigentümerin des gutes

nütschau war, in den jeweiligen grundbüchern

gelöscht.

gehörigen waren von diensten befreit, mussten

aber ihre jährliche abgabe von 16 schillingen

entrichten. die gesamte einnahme aus dem dorf

klein Rönnau betrug zwei Reichstaler. Zum gut

nütschau gehörte bis 1674 auch die wassermühle.

sie erbrachte eine jährliche einnahme von 48

Talern.

Heutiger Eigentümer

Turkiewicz - ehemals landhaus Thun - chausseebaum 3

ehemals gosch - heute plesser straße

günter schöning - schulstraße 3

Rolf schöning - eutiner straße 44

Räucherkate - eutiner straße 42

wilfried Freitag - eutiner straße 38


VOR- und nachTeile deR auFTeilung

gut nütschau gut hasselburg amt Traventhal

Aufteilung und Zuordnung der Gemeindeflächen von 1836.

(Zeichnung: Klaus Bostedt)

vor- und nachteile der aufteilung

die Rönnauer profitierten von der räumlichen

entfernung zu ihren gutsherren. sie mussten

zwar ihre abgaben zahlen, waren aber von leibeigenschaft

verschont geblieben, da die gutsherren

nur eingeschränkte Rechte besaßen. Jeder anteil

hatte seine kruggerechtigkeit, das heißt, in jedem

Ortsteil durfte eine gaststätte betrieben werden.

lediglich die königlichen untertanen, die 1665

dem amt Traventhal und damit dem herzog von

plön zugewiesen wurden, mussten hand- und

Fuhrdienste leisten. als 1731 der Justizrat pauli

das gut övelgönne übernahm, sollten die beiden

zu övelgönne gehörenden hufner mit verstärkten

hand- und spanndiensten, wie sie auf

den holsteinischen gütern üblich waren, belastet

werden. dagegen konnten sich die Rönnauer

durch eine klage vor dem adeligen landgericht

erfolgreich zur wehr setzen. ein nachteil dieser

dreiteilung war, dass bei schulangelegenheiten

oder Fragen der armenversorgung immer drei

herren gefragt werden mussten, deren interessen

oft unterschiedlich waren.

Mit den preußischen Reformen nach 1867

kam es zu einer neuen gemeindeordnung. die

zu den gütern nütschau und hasselburg gehörenden

haus- und hofstellen wurden mit erlass

vom 15.6.1869 dem kreis segeberg zugeschlagen.

damit konnte ein eigener gemeindebezirk

für das ganze dorf gebildet werden.

geschichte des dorfes 41


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VeRkauF des königlichen anTeils iM JahRe 1665

verkauf des königlichen anteils

im jahre 1665

die Folgen des dreißigjährigen krieges von

1618-1648, in den der dänische könig ch r i s t i -

a n iV. sein land, also auch das herzogtum holstein,

verwickelte, waren noch nicht überwunden,

als christians nachfolger fr i e d r i c h iii. 1657

aufs neue einen krieg mit den schweden wagte,

dessen Folgen für das land noch verheerender

waren. Mit den dänischen Finanzen sah es am

ende dieser kriege sehr schlecht aus. dank der

umsicht des Reichsschatzmeisters ha n n i b a l

se h e s t e d t gelang es 1664, das gleichgewicht

zwischen einnahmen und ausgaben wieder herzustellen.

Man wandte dabei aber ein rigoroses

Mittel an, indem man die großen gläubiger nötigte,

der krone grundbesitz abzukaufen, den

man natürlich sehr hoch im preis ansetzte.

damals wechselte der größte Teil des amtes

segeberg seinen Besitzer. 39 gläubiger, adlige

und bürgerliche, wurden damit abgefunden. die

übliche Zahlung von kapital und Zinsen erfolgte

auf dem jährlich abgehaltenen kieler umschlag.

er fand immer vom 5. bis 13. Januar statt. adlige

und Bürgerliche kamen dorthin, um geld in

empfang zu nehmen oder auszuleihen. säumige

schuldner konnten von ihrem gläubiger in

haft genommen werden, wenn sie ihren Zahlungsverpflichtungen

nicht nachkamen. die gesamtschulden

des königs als landesherr in den

herzogtümern betrugen 642.926 Reichstaler. in

den Jahren 1657 bis 1664 waren keine Zinsen

bezahlt worden, weil in diesen Jahren der kieler

umschlag nicht abgehalten worden war, sodass

sich die gesamtschuld auf 872.117 Reichstaler

belief. die kreditgeber hatten das kapital längst

gekündigt, ohne von den schuldnern eine Zahlung

zu erhalten.

der könig erließ am 21. dezemder 1664

eine anordnung, dass den gläubigern das amt

segeberg nebst dem kalkberg in Zahlung gegeben

werden sollte. Für die auslegung des amtes

schrieb der könig folgende Bedingungen vor:

1. eine Verzinsung der schulden mit 4% sollte gewährleistet sein.

2. die kontributionen (grundsteuern) sind in die königliche kasse zu zahlen.

3. Rückständige steuern sind zu bezahlen, ausgenommen die Rückstände aus der kriegszeit

und von den wüsten hufen (zerstörte höfe).

4. den gläubigern wird die hoch- und niedergerichtsbarkeit überlassen, dazu Jagd und

Fischerei. Berufungsgericht bleibt das königliche Oberamtsgericht.

5. die wiedereinlösung des amtes ist dem könig nach voriger ankündigung gestattet.

die untertanen der übernommenen hufen und dörfer dürfen bis dahin mit keiner

weiteren leibeigenschaft belegt werden.

6. wegen der sicherheit sollen die kaufbriefe vom könig und seinem nachfolger, dem

prinzen christian, unterschrieben werden.

7. Falls die umschlagschulden mit dem amt segeberg nicht gänzlich abgetragen werden,

sind die Forderungen des königs an Mecklenburg heranzuziehen.


am 23. dezember 1664 machte sich die eingesetzte

kommission von nordschleswig auf den

weg in das amt segeberg. sie kam am 30. dezember

in Bramstedt an. Bei der Besichtigung

wurde in allen dörfern bei jedem Bauern festgestellt,

was er bisher ins königliche amtsregister

an steuern gezahlt hatte. dies wurde sogleich

in ein neues Buch, das so genannte »erdbuch«

eingetragen. die Besichtigung und aufnahme

der wälder war wegen des hohen schnees nicht

VeRkauF des königlichen anTeils iM JahRe 1665

möglich. der auftrag lautete, den wald entweder

nach dem holzwert oder nach der schweinemast

zu schätzen. im laufe der Zeit hatte sich

ein ungleichgewicht bei den Belastungen eingestellt,

die jedes dorf zu tragen hatte. es war eine

gewaltige arbeit, die die kommission unter Mithilfe

des amtmannes und seiner Vögte in relativ

kurzer Zeit leistete. da die königliche kasse leer

war, wurden folgende steuern drastisch erhöht:

Kalkgeld:

könig christian i. schloss 1465 mit hamburg einen Vertrag über die lieferung von segeberger

kalk. Zu den kalkfuhren waren die königlichen untertanen verpflichtet. den Fuhrlohn bezahlte

hamburg. die Bauern bekamen für eine mit vier pferden bespannte Fuhre zwei Reichstaler.

ins Register zahlten sie aber bisher nur 30-36 schilling. das war ein gutes geschäft. nun

wurde diese steuer beträchtlich erhöht. Bei angenommenen fünf Fuhren à zwei Taler wurden

im erdbuch 7,5 Taler angesetzt. ein erheblicher gewinn für den könig.

Herrenschwein:

seit alters her bekam der amtmann von jedem Bauern, wenn Mast im eichen- und Buchenwald

vorhanden war, ein fettes schwein. dieses wurde mit einem Taler eingetragen.

Rauchhuhn:

hufner und kätner hatten an den amtmann jährlich ein huhn zu liefern, das mit zwei oder

drei schilling berechnet wurde. Verkauft wurde es aber vom amtmann für sieben oder acht

schilling. es wurde darum jedes huhn mit acht schilling angesetzt.

Dienstgeld:

es hatte sich herausgestellt, dass verschiedene Bauern kein dienstgeld bezahlten. dieser oder

jener Beamte hatte sie freigestellt. nun sollten alle Bauern ohne unterschied zur Zahlung des

dienstgeldes herangezogen werden. die Bauern hatten außer dem bisher gezahlten dienstgeld

noch gewisse Fuhren und dienste leisten müssen, die nun aufhören sollten. dafür wurde das

dienstgeld je nach lage des Ortes auf 3-6 Reichstaler erhöht. (das dienstgeld war eine geldleistung

anstelle der hand- und spanndienste.)

Kontribution (grundsteuer, die dem könig zustand):

der könig verlangte zu dieser Zeit 24 Taler. nach dem landtagsbeschluss waren 12 Taler einzuziehen.

dieser satz sollte auch im erdbuch unter »Zufällige anlage« erscheinen. die schäfereien,

die Mühlen und die Burg- und klosterländereien hatten bisher zu wenig ins Register

gegeben. sie sollten von nun an mehr bezahlen. so erhöhte man die steuern eines schäfers von

17 auf 100 couranttaler.

geschichte des dorfes 43


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VeRkauF des königlichen anTeils iM JahRe 1665

in zähen Verhandlungen einigte sich die kommission

mit den gläubigern und ihren Bevollmächtigten

über das gesamtpaket. am ende

verhandelte man über eine summe von 590.176

Reichstalern. um jedwede einflüsse bei der Verteilung

der güter an die gläubiger auszuschließen,

entschied man sich für eine Verlosung. es

Vom 16. bis zum 24. Februar 1665 erfolgte die

Verlosung. es ergab sich folgende Reihenfolge:

als erster zog die dritte gruppe, als zweiter die

erste und als dritter die zweite gruppe. danach

erfolgte die eigentliche Verlosung:

die dritte gruppe erhielt das erste los: das

kirchspiel Bramstedt, die erste gruppe das

zweite los: das kirchspiel kaltenkirchen und

die zweite gruppe das dritte los: das kirchspiel

leezen.

kamen 39 gläubiger in Frage. die an sie zu verlosenden

güter verteilten sich über das ganze amt

segeberg. ein großes durcheinander sollte durch

eine aufteilung der güter in drei fast gleich große

lose und in eine aufteilung der gläubiger in

drei entsprechende gruppen vermieden werden.

1. Los: die kirchspiele Bramstedt, neumünster, warder und Bornhöved - soviel dem könig

davon zustand - und ein Teil des kirchspiels segeberg.

2. Los: das kirchspiel kaltenkirchen und ein Teil des kirchspiels segeberg.

3. Los: der Rest des kirchspiels segeberg, die kirchspiele leezen, Oldesloe und pronstorf -

soviel dem könig davon zustand.

Analog dazu wurden die Gläubiger in Gruppen eingeteilt:

1. Gruppe: die anwesenden und einige von den abwesenden.

2. Gruppe: die abwesenden einheimischen.

3. Gruppe: die ausländischen und noch einige von den einheimischen.

die anwesenden gläubiger waren damit einverstanden.

klein Rönnau gehört zu dem los »Kirchspiel Segeberg«.

die Besitzverhältnisse waren zum Zeitpunkt der Versteigerung bereits wie folgt verteilt:

Dem königlichen Amte Segeberg zugehörig: 2 Vollhufen, 1 halbhufe

Nach Nütschau bei Oldesloe gehörig: 1 Vollhufe

Nach Övelgönne (Gut Hasselburg) gehörig: 2 Vollhufen

der königliche anteil an klein Rönnau wurde

1665 der gräfin sophian zu hessen und schauenburg

übertragen.

Kaufbrief von 1665.

(Quelle: LAS, Abt. 109, Nr. 949 I)


geschichte des dorfes 45


46

VeRkauF des königlichen anTeils iM JahRe 1665

Nr. 24

Kaufbrief

Frau Sophian, geborene Landt

Gräfin zu Hessen, Gräfin zu Schauenburg,

Lippe und Sternberg, sub dato

Copenhagen, den 30. April 1665

der größte Teil des amtes segeberg war in den

Besitz der gläubiger übergegangen. der übrig

gebliebene Rest lohnte nicht den einsatz

des bisherigen Verwaltungsapparates. auch die

neuen eigentümer hatten das problem, ihre erworbenen

Besitztümer ordentlich verwalten zu

können. Besonders der einzug der dem könig

zugehörigen grundsteuer bereitete großes kopfzerbrechen,

da diese schuld vorrangig und für

die eintreibung der neue Besitzer verantwortlich

war. die Folge war ein heilloses durcheinander

auf dem gebiet der steuern und abgaben.

durch eine anordnung vom 29.11.1681

wurde der größte Teil des in gläubigerhänden

befindlichen amtes wegen der rückständigen

kontribution (grundsteuer) vom könig wieder

beschlagnahmt. die amtsverwalter wurden

mit der zwangsweisen eintreibung der steuern

Übersetzung des Kaufbriefes von 1665

wir, Friedrich der dritte, tun hiermit vor uns und unserer königlichen erbsuccession kund, dass wir der

hochgeborenen unser freundlichen lieben Frau Muhme, Frau sophian, geborene landgräfin zu hessen,

gräfin zu schauenburg, lippe und sternberg und ihren leiblichen erben zu einem beständigen und

unwiderruflichen erbkauf zu kauf gegeben und überlassen haben.

Lütgen Rönnau:

2 hufner, 1 halber hufner und 2 instenkaten. Hufner Henrich Krohn gibt jährlich 16 scheffel Roggen

zu 13 Taler und 16 schillinge, 1 herrenschwein zu 1 Taler, 1 Rauchhuhn zu 8 schilling, dienstgeld 16

Taler und zufällige anlage 6 Taler.

Hufner Jochim Langhinrichs gibt jährlich: 16 scheffel Roggen zu 13 Taler und 16 schillinge, 1 herrenschwein

zu 1 Taler, 1 Rauchhuhn zu 8 schilling, dienstgeld 16 Taler und zufällige anlage 6 Taler.

Halbhufner Jürgen Hagemann gibt jährlich: 12 scheffel Roggen zu 10 Taler, 1 Rauchhuhn zu 8 schilling,

1 herrenschwein zu 1 Taler, dienstgeld 8Taler und zufällige anlage 3 Taler. Von den 2 insten gibt

jeder 1 Taler. die holzung auf der Feldmark bringt 125 Taler.

Die nach Nütschau gehörige Mühle gibt jährlich an das segebergische Register 8 Tonnen Roggen zu 20

Taler. (Zu dieser Zeit waren 1 scheffel Roggen 63 pfund und 1 Tonne Roggen 190 pfund.)

beauftragt. die den eigentümern zustehenden

abgaben mussten diese selbst eintreiben.

Obwohl der Verkauf und die übergabe an die

gläubiger in acht wochen bewerkstelligt werden

konnte, floss das geld doch nicht wie erhofft

in die königliche kasse. Viele eigentümer verkauften

wegen der angesammelten grundsteuerschuld

ihre güter oder ließen sie einfach im

stich. 1740 machte der dänische könig letztmalig

den Versuch, die verworrenen Verhältnisse im

amt zu klären.

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