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haufe.de

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Deutschland 6,80 €

Das Magazin für den innovativen Unternehmer

Wachstum

fi nanzieren

Der Mittelstand plant größere Investitionen

sehr sorgfältig, so wie Hans-Bernd Schwienhorst,

Mitgeschäftsführer der Aachener Bäckerei Moss.

Ab Seite 22

EIN MANN FÜR DEN

GUTEN DURCHBLICK

Matthias Hunecke führt als

einer der erfolgreichsten

Online-Optiker Europas

das Unternehmen Brille24.

Seite 12

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Seite 58

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Editorial

Chefredakteur Dieter Römer

Liebe Leserin, lieber Leser, als wir in der Redaktionsrunde vor einigen

Wochen über die Ideen für unsere nächsten Titelthemen diskutierten,

erschien uns einer der Vorschläge bei allem Respekt doch etwas

abwegig: Wachstumsfi nanzierung! Das klang ja gut und schön, aber die

Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft lag immer noch

bei nur 0,3 Prozent Wachstum für dieses Jahr und bei 1,6 Prozent für

das kommende. Es würde sicher bessere Zeiten für dieses Thema geben,

denn Zuversicht und Zuwachs gehen meistens Hand in Hand.

Auf der anderen Seite sind die Zinsen weiterhin sehr niedrig und die

Voraussetzungen zum Investieren daher nicht schlecht. Und dann revidierte

das Institut für Wirtschaftsforschung Ende März auch noch seine

Vorhersagen: 1,3 Prozent Wachstum für die deutsche Wirtschaft in

diesem und 2,2 Prozent im kommenden Jahr sollen es demnach werden.

Damit lässt sich doch etwas anfangen.

Ab Seite 22 schildern wir Ihnen also in unserem Titelthema, wie Sie Ihre

Wachstumspläne verwirklichen können. Wir zeigen Ihnen anhand von

Unternehmensbeispielen für kleine wie größere Vorhaben die verschiedenen

Möglichkeiten der Geldbeschaffung – vom traditionellen Kredit

bei der Hausbank über die staatlichen Fördermöglichkeiten bis hin zur

Zusammenarbeit im Rahmen von Beteiligungen. Darüber hinaus erhalten

Sie eine nützliche Checkliste, die Ihnen hilft, die Gespräche mit den

potenziellen Geldgebern gut vorzubereiten. Jetzt hoffen wir natürlich

noch, dass das reale Wachstum den guten Prognosen auch tatsächlich

folgen wird.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

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Inhalt 05.2012

22

Titelthema:

Wachstum

fi nanzieren

Der Mittelstand plant größere Investitionen

sehr sorgfältig, so wie Hans-Bernd

Schwienhorst, Mitgeschäftsführer der

Aachener Bäckerei Moss.

29 Interview Bankdarlehen sind am

billigsten, meint der Finanzierungsexperte

Ulrich Viefers.

Wir Unternehmer

08 Innovator des Monats

Der Wursttoaster von Felix Rennies.

10 Debatte Hilft die geplante Blue

Card, den Fachkräftemangel zu

mindern? Bei Experten und

Unternehmern überwiegt die

Zustimmung.

12 Unternehmerporträt Matthias

Hunecke führt als einer der erfolgreichsten

Online-Optiker in Europa

das Unternehmen Brille24.

16 Mittelstand 2.0 Die App Yourself

GmbH bietet einen Online-Baukasten

für Smartphone-Applikationen an.

18 Auszeit Das Geheimnis der 13

Kräuter am Fuß des Matterhorns.

Unternehmensführung

22 Titelthema Immer schön fl üssig

bleiben Viele mittelständische

Unternehmen gehen wieder auf

Wachstumskurs und benötigen

frisches Geld. Der Kredit bleibt das

wichtigste Finanzierungsinstrument.

30 Querdenker Prof. Martin Beck

über den Kampf eines Kleinkunden

mit einem großen Kommunikationskonzern.

32 Wirtschaftsregionen Nordrhein-

Westfalen, Baden-Württemberg

und Bayern – drei Topstandorte in

Deutschland.

36 Organisation Mit einer richtigen

Familienverfassung beugen die

Unternehmenseigentümer internen

Streitigkeiten vor.

40 Verkauf Die Einführung eines Online-

Bezahlverfahrens im Unternehmen

muss gründlich vorbereitet werden.

42 Recht Das neue Familienpfl egezeitgesetz

ermöglicht neue Formen der

fl exiblen Arbeitszeit.

Finanzen & Steuern

46 GmbH-Chef Oft sind es die Kleinigkeiten,

die den Geschäftsführer den

Job kosten können.

48 Finanzierung Mit Crowdfunding

können sich vor allem kleinere

Unternehmen und Gründer Kapital

im Internet beschaffen.

51 Soll & Haben Gabriel Hopmeier

über die vier typischen Fehler der

Anleger im vergangenen Jahr.

52 Steuertrends Familienunternehmer

kritisieren die nach wie vor hohe

Steuerbelastung in Deutschland.

54 Vorsteuerabzug Bei elektronischen

Rechnungen sind noch viele Fragen

offen.

56 Steuerstichtage Update für den

Terminkalender.

58 Gewinnermittlung 2011

Jeder Euro Betriebsausgabe zählt.

4 ProFirma 05 2012


36 Ein Familienunternehmen

ist ein sensibles Gebilde. Mit einer

Familienverfassung vermeiden die

Eigentümer unnötigen Streit.

IT & Investition

60 Marketing Kundenbewertungen

im Internet können schmerzhaft

sein. Trotzdem sollten Unternehmen

die Chancen der Bewertungsportale

nutzen.

64 Cloud Computing Zentrale Anwendungsplattformen

für die Firmen-IT

erhöhen den Komfort, aber Experten

warnen vor Hackerangriffen.

68 Coles Corner Unternehmen, die

um Facebook einen Bogen machen,

schneiden sich ins eigene Fleisch.

70 Transport und Logistik Der Transport

frischer Lebensmittel gilt als organisatorische

Herausforderung. Mikrochips

gelten als wichtige Helfer.

74 Infos Tipps & Tools

ProFirma 05 2012

60 Bewertungsportale Manche

Unternehmen fühlen sich von Käuferbewertungen

an den Pranger gestellt.

Aber die Chancen überwiegen.

Rubriken

03 Editorial

06 Zahlenwerk

76 Lösung konkret

78 ProFirma Professional

79 Termine

80 Forum

81 Themen, Impressum

82 Business affairs (4)

Zukunft

im Kopf.

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Zahlenwerk Handwerk Quelle:

Entwicklung des deutschen Handwerks (1997 – 2010)

Anzahl der Handwerksbetriebe1 in Deutschland

1.000.000 8,0

514,0

515,5

975.000 7,5

950.000 7,0

925.000 6,5

900.000 6,0

875.000 5,5

850.000 5,0

825.000 4,5

800.000 4,0

775.000

Umsatzentwicklung im deutschen Handwerk

3,5

3

(in Milliarden Euro)

HANDWERKSBETRIEBE:

RANKING NACH UMSATZ

Ranking der Top 10 deutschen

Handwerksbetriebe

nach Umsatz im Jahr 2009

in Millionen Euro

524,4

521,0

509,2

484,5

468,9

1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

1) Zeitpunkt der Messung war jeweils der 31. Dezember des Jahres.1998: Änderung der Handwerksordnung;

2004: Novellierung der HwO. Der Wert für das Jahr 2010 wurde der Website des ZDH entnommen.

2) Werte wurden gerundet. 1996 aus „Daten und Fakten 2009“ vom ZDH. Die Werte von 1997 bis Jahr 2007 aus

„Daten und Fakten 2010“ vom ZDH.

3) Werte wurden gerundet. Die Werte von 1997 bis Jahr 2009 entstammen der Publikation „Daten und Fakten 2010“ vom ZDH; Werte bis

2009 jeweils inklusive Umsatzsteuer; ab 2010 exklusive Mehrwertsteuer. Deswegen ist nur eine eingeschränkte Vergleichbarkeit gegeben.

WOCHENARBEITSZEIT IN DER EU

Durchschnittliche Wochenarbeitszeit

von Handwerkern in den Ländern der

EU-15 im Jahr 2005 (in Stunden)

Großbritannien 42,90

Griechenland 42,00

Spanien 41,30

Portugal 40,50

Österreich 40,00

Luxemburg 39,80

Irland 39,70

Italien 39,50

EU-15 39,30

Finnland 38,90

Schweden 38,80

Dänemark 38,20

Deutschland 38,00

Belgien 38,00

Frankreich 37,40

Niederlande 36,80

26%

Lohnnebenkosten

Gewinn

5%

Kostenanteile

einer Handwerkerstunde

in Deutschland

Stand: Februar 2010

Quelle: Handwerkskammer

Region Stuttgart

31%

Stundenlohn

AUSBILDUNG IM HANDWERK

Anzahl der Neuverträge zur Ausbildung

im Handwerk nach Berufsgruppen im

Jahr 2010

Statista

6 ProFirma 05 2012

462,2

38%

Gemeinkosten

Dussmann AG & Co. KgaA 1.406

Fielmann AG 1.060

Max Bögl Bauunternehmung GmbH & Co KG 600

456,0

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zehnacker GmbH 540

4

2

Köster GmbH

Max Weishaupt GmbH

SKE Support Services GmbH

520

460

446

3

1 Elektro- und Metall- 29,3

gewerbe

2 Bau- und Ausbaugewerbe 28,1

3 Gesundheits- und 18,6

Körperpfl ege,

Reinigungsgewerbe

ThyssenKrupp Xervon GmbH 438

4 Holzgewerbe

5 Bekleidungs-, Textilund

Ledergewerbe

10,7

5,7

Edeka Südwest Fleisch GmbH 407

6 Lebensmittelgewerbe 4,6

DIW Instandhaltung Ltd. & Co. KG 374

7 Glas-, Papier-, keramische

und sonstige Gewerbe

3,1

Quelle: Studentische Unternehmensberatung der Universität Augsburg Quelle: Zentralverband des deutschen Handwerks

482,5

490,5

511,6

487,8

464,5

Elektro- und Metallgewerbe 57.868

Bau- und Ausbaugewerbe 29.140

Gesundheits- und Körperpfl ege,

chemische und Reinigungsgewerbe 21.958

Kaufmännische Ausbildungsberufe 16.671

Holzgewerbe 9.037

Lebensmittelgewerbe 8.615

Sonstige Ausbildungsberufe 5.174

Behinderten-Ausbildungsberufe 3.300

Glas-, Papier-, keramische und

sonstige Gewerbe 2.233

Bekleidungs-, Textil- und

Ledergewerbe 1.595

HANDWERKSGRUPPEN

Prozentuale Verteilung aller Betriebe des

deutschen Handwerks auf die verschiedenen

Handwerksgruppen (im Jahr 2007)

5

6 7

1

Anzahl der Beschäftigten2 im deutschen Handwerk (in Millionen)


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Wir Unternehmer – Innovator des Monats

Felix Rennies und Marco Bruns

Bratwurst aus dem Toaster

Ein Bremer Maschinenbauingenieur erfand einen Toaster,

der Bratwürste grillen kann. VON JÜRGEN CHRIST

Er besteht aus Edelstahl und wiegt stolze acht Kilogramm.

Und eigentlich sieht er aus wie ein überdimensionaler Toaster.

Wenn da an der Oberseite nicht diese beiden kreisförmigen

Öffnungen wären. Der Wursttoaster der Bremer Smartwurst

GmbH ist eine Weltneuheit: die Automation der Bratwurstherstellung

„Made in Germany“. Zwei Würste gleichzeitig kann

man mit dieser Maschine braten. Dazu steckt man die Würste

vertikal in die kreisförmige Gitterröhre, in der sie mittig fi xiert

werden. Um diese Gitterröhre befi ndet sich ein Heizmantel.

Schon nach drei bis fünf Minuten spuckt der Toaster die fertige

Wurst automatisch wieder aus. Das Ergebnis: eine gleichmäßig

gebratene Wurst ohne Längsstreifen, außen knusprig,

innen saftig. Speziell vorgegrillte Würste benötigen sogar nur

zweieinhalb Minuten Garzeit.

Dabei verstehen die beiden Existenzgründer Marco Bruns und

Felix Rennies ihre Idee keineswegs als Ersatz für die klassische

Wurst vom Grill. Sie dachten während der Produktentwicklung

eher an eine Bratwurst zum Bier in der Kneipe. Schon

nach kurzer Zeit zeigten aber auch zahlreiche Bäckereien,

Bistros und Tankstellen Interesse an der norddeutschen Erfi

ndung. Ein weiterer Vorteil: Der Toaster kann auch mobil

eingesetzt werden, vorausgesetzt, Strom ist vorhanden. Die

Reinigung, so verspricht der Hersteller, sei kinderleicht. Alle

Bauteile sind abnehmbar und können in die Spülmaschine gesteckt

oder mit einem Grillreiniger gesäubert werden.

„Die Engländer sind schuld an der Idee“, erklärt der 25-jährige

Maschinenbauingenieur Felix Rennies. „Bei einem Besuch

in London versuchte eine englische Verkäuferin, mir

Felix Rennies (li.) hat den Wursttoaster

erfunden, sein Kompagnon Marco Bruns

ist für das Marketing verantwortlich.

eine schlecht gegrillte deutsche Bratwurst zu verkaufen. Das

brachte mich auf die Idee, die Bratwurstherstellung zu automatisieren.“

Zurück an der Uni in Emden, entwickelte Rennies

den Toaster im heimischen Keller, zusammengesetzt aus Teilen

von klassischen Toastern. Ende 2009 stellte er den ersten

Prototypen vor, der schließlich im September vergangenen

Jahres seine Serienreife erlangte. Zur Herstellung kooperiert

die Smartwurst GmbH mit regionalen Unternehmen, einer

Metallbaufi rma sowie einem Unternehmen für Elektronikbauteile,

wo der Zusammenbau und der Versand erfolgt.

„Wir stellten schnell fest, dass das Know-how bei deutschen

Unternehmen bereits vorhanden ist. Wir selber verstehen uns

eher als Netzwerker. Ich entwickle und übernehme die Qualitätskontrolle,

mein Partner Marco Bruns ist für das Marketing

verantwortlich“, erläutert Rennies die Arbeitsteilung.

Daneben kooperieren die Jungunternehmer mit dem

Wursthersteller Bley, der eine spezielle, auf den Wursttoaster

abgestimmte deutsche Bratwurst anbietet. „Sie trifft den Geschmack

vieler Deutscher. Außerdem wollten wir eine sehr

hochwertige Wurst mit anbieten, weil jeder, der den Toaster

testet, erst einmal skeptisch ist“, meint Rennies. Grundsätzlich

kann aber jede beliebige Bratwurst verarbeitet werden. Schon

mit zehn verkauften Würsten pro Tag soll sich der 985 Euro

teure Toaster nach drei Monaten amortisieren – bei einem

Verkaufspreis von zwei Euro und Verkauf an 25 Werktagen,

Senf, Strom und Pappe inklusive. Die Smartwurst GmbH,

die vier Mitarbeiter beschäftigt, will schon im nächsten Jahr

schwarze Zahlen schreiben. www.wursttoaster.com

8 ProFirma 05 2012

Foto: Smartwurst GmbH


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Wir Unternehmer – Debatte

Hilft die geplante Blue Card, den Fachkräftemangel zu mindern?

„Deutlich angemessener“

Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) über die neue Blue Card,

die noch in diesem Jahr gelten soll. DAS GESPRÄCH FÜHRTE MONIKA HOFMANN.

Herr Geis, mit der Blue Card will die

Bundesregierung hochqualifi zierten

Fachkräften aus Drittländern die Arbeitsaufnahme

in Deutschland erleichtern.

Wird das gegen den Fachkräftemangel

helfen?

Geis: Der neue Aufenthaltstitel geht zumindest

in die richtige Richtung. Bisher

mussten Fachkräfte aus Drittländern

66.000 Euro Bruttoeinkommen nachweisen,

bevor sie ohne Vorrangprüfung

bei uns arbeiten durften – also ohne

dass geprüft wurde, ob nicht auch ein

Deutscher oder EU-Bürger die Stelle antreten

könnte. Nun liegen die Einkommensgrenzen

bei 44.000 und 33.000

Deutschland wird attraktiver

für Fachkräfte

Ansgar Paul erhofft sich von der neuen Blue Card vor

allem eines: Sie soll es Mittelständlern abseits der Metropolregionen

erleichtern, Mitarbeiter zu gewinnen.

Die Blue Card wird dafür sorgen, dass Deutschland für qualifi

zierte ausländische Arbeitnehmer attraktiver wird. Das ist

dringend notwendig, denn die Suche nach qualifi zierten Fachkräften

gewinnt für den Mittelstand ständig an Bedeutung. Der

demografi sche Wandel und der Trend zur Urbanisierung machen

diese Entwicklung unumgänglich. Das gilt besonders für

Arbeitgeber abseits der Metropolregionen. Wenn Deutschland

weiterhin im internationalen Wettbewerb bestehen will, müssen

wir uns für ausländische Fachleute stärker als bisher öffnen.

Gerade als internationales Unternehmen ist die Oase GmbH auf

Fachkräfte aus verschiedenen Ländern angewiesen

– und begrüßt deshalb die Blue

Card ausdrücklich. Daher können wir uns

vorstellen, die Blue Card in Zukunft zu

nutzen.

Ansgar Paul ist Geschäftsführer der Oase GmbH in

Hörstel. Seine Firma setzt ihren Schwerpunkt auf Wassergärten,

Fontänenanlagen und Seenlandschaften.

Euro. Das ist angemessener für die Unternehmen,

die ja nicht nur Führungskräfte

suchen.

Reichen diese Neuerungen, um mehr

Fachkräfte nach Deutschland zu holen?

Geis: Die Blue Card setzt bereits einen

Arbeitsvertrag voraus. Besser wäre,

wenn sie auch die Such- und Anbahnungsphase

abdeckte. Zudem ist für

Fachkräfte der 33.000-Euro-Stufe noch

die Gleichwertigkeitsprüfung vorgesehen.

Diese stellt fest, ob die angeworbene

Fachkraft so viel verdient wie ein deutscher

oder EU-Arbeitnehmer auf der

gleichen Position, und könnte entfallen.

Wido Geis ist am Institut der deutschen Wirtschaft

Köln (IW) Experte für die Themen Humankapital,

Innovationen und Familienpolitik.

Die Einstellung neuer Mitarbeiter

wird risikoloser

Nikolaus Krasser will mit der Blue Card sein Wachstum

abfedern. Er plädiert dafür, dass die geplante Regelung

auch die Anbahnungsphase umfasst.

Wir sind auf Software-Beratung spezialisiert. Wir wachsen

und brauchen zusätzlich geeignete Mitarbeiter – die wir aber

nur schwer fi nden. Gute Fachkräfte aus dem In- und Ausland

sind uns daher sehr willkommen. Tatsächlich sind die 66.000

Euro, die eine Fachkraft aus einem Drittstaat derzeit noch

verdienen muss, für uns mit derzeit rund 30 Mitarbeitern

ein zu großes Risiko. Auch für einen potenziellen Bewerber,

der mit diesem Jahresgehalt einsteigen soll, sind wir eher unattraktiv.

Denn sollte es nicht passen, müsste er ein anderes

Unternehmen suchen und könnte nicht intern wechseln. Das

Chance-Risiko-Verhältnis ist daher für

beide Seiten ungünstig. Die neuen Einkommensgrenzen

verbessern die Situation

maßgeblich. Wir werden die Blue

Card daher gewiss nutzen.

Nikolaus Krasser ist Gründer und Vorstandsvorsitzender

der Pentos AG in München. Die Firma ist

auf SaaS-Software-Beratung spezialisiert.

10 ProFirma 05 2012

Fotos: privat


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*Octavia: Mittelklasse (Import). In: Autoflotte, Ausgabe 4, vom 02.04.2012.

**Octavia: Kompaktklasse (Import). In: FIRMENAUTO, Ausgabe 9, vom 12.08.2011.


Wir Unternehmer – Porträt

Matthias Hunecke

Mann für den Durchblick

Der Oldenburger Unternehmer Matthias Hunecke, einer der erfolgreichsten Online-

Optiker Europas, lebt so, wie er seine Firma Brille24 führt: mit viel Leidenschaft.

VON JÜRGEN CHRIST

„Heute Poker! Wer hat noch Lust?“, fragt Matthias Hunecke

seine Facebook-Freunde. Oder er lobt ein Restaurant: „Obwohl

ich vom Wiener Schnitzel bei meinem letzten Besuch

enttäuscht war. Das, was hier geboten wird, verdient noch

immer fünf Sterne.“ Der hier online schreibt ist 35 Jahre alt,

kinderlos, unverheiratet – und mit seinem Unternehmen Brille24

mit Sitz in Oldenburg einer der erfolgreichsten Online-

Optiker Europas. Jeder seiner virtuellen 660 Fans sieht seine

Fotos: Hunecke im Trachtenkostüm auf dem Oktoberfest

mit Freundin im Arm, Hunecke im Flieger, Hunecke als Preisträger.

Sie lesen, in welchen Hotels er übernachtet oder auf

welchen Flughäfen er gerade landet. Der Multi-Entrepreneur

wirkt nicht nur in den sozialen Netzen wie Facebook, Xing sowie

Linkedin authentisch und locker, er ist partout kein steifer

Anzug- und Krawattenträger. Er lebt einfach – und spielt keine

Rollen.

Wurzeln in einer Kaufmannsfamilie

Der Mittdreißiger gründete oder beteiligte sich bereits an mehr

als 30 Firmen. Bereits in der zwölften Klasse startete er seine

erste Unternehmung – eine Schülerzeitung. Triebkraft war

der Ärger über Lehrer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in

Oldenburg, die sich in die bis dahin vorhandene Publikation

einmischten: „Ich wollte einen Artikel über Sexualität veröffentlichen,

aber die lehnten ihn ab.“ Also gründete der Teenager

seine private, werbefi nanzierte Schülerzeitung. Mit Erfolg:

Die zensierte Konkurrenz musste eingestellt werden, weil sie

keiner mehr las. Ansonsten fühlte sich der 1976 in Bünde geborene

Westfale während seiner Schulzeit eher unterfordert,

„machte nur das Nötigste“. Der Zensurendurchschnitt im

Abi-Zeugnis 1996 war letztlich mittelmäßig – 3,2. „Nur Mathe

ist mir irgendwie zugefallen“, erinnert sich Matthias Hunecke

und studierte folglich Wirtschaftswissenschaften an der Universität

Oldenburg.

Noch heute pfl egt er einen engen Kontakt zu seiner Hochschule,

hilft als Berater bei Förderanträgen oder verschafft

Geschäftskontakte. Ist er von der Idee überzeugt, steigt er als

Business-Angel selbst mit ein. Dabei wollte er als Kind eigentlich

Müllwagenfahrer und später, in der Schulzeit, Börsenmakler

werden. Doch das Unternehmer-Gen hat er scheinbar

geerbt, denn er stammt aus einer typischen Kaufmannsfamilie.

Auch sein Vater war lange Zeit Unternehmer, projektierte

und verkaufte Großküchen. Die Mutter, ebenfalls Kauffrau,

unterstützte ihn und arbeitete in der Firma mit.

Nach dem Frühstart als Pennäler stieg Matthias Hunecke in

verschiedene Branchen ein – gründete eine Mobilfunkfi rma,

Immobiliengesellschaften, E-Commerce- sowie Handelsunternehmen.

„Ich habe mich eigentlich nie bewusst dafür entschieden,

Unternehmer zu werden. Ich war es ganz einfach

unerwartet.“ Lediglich seine Schwester schlug eine familienuntypische

Laufbahn ein, arbeitet als Biologin bei einem Bundesinstitut.

Netzwerker und Teamplayer

Im Jahr 2006 hatte er nach einer siebenmonatigen China-Reise

seine bisher erfolgreichste Idee, für die er ein Jahr später fünf

weitere Mitgründer begeistern konnte: den Online-Optiker

Brille24. Während er für künftige geschäftliche Aktivitäten in

China Sprache und Kultur studieren wollte, brauchte er eine

Brille. Der chinesische Optiker lieferte zum außerordentlich

günstigen Preis – und überraschte den deutschen Manager zudem

mit hoher Qualität. „Bester Standard, einheitlicher Preis,

gefertigt in Asien – die Eingebung war da!“

Inzwischen sind bei Brille24 mehr als 500.000 Kunden registriert.

Sie haben die Wahl unter Hunderten Modellen, mit normalen

oder Gleitsichtgläsern, für unterschiedliche Sehstärken

und Augenabstände. Der Clou: Eine Online-„Anprobe“ mit

selbst hochgeladenem Porträtfoto oder inzwischen auch drei-

12 ProFirma 05 2012

Foto: Brille24


„Ich werde in meinem Leben so lange

arbeiten, wie es Spaß macht.“ MATTHIAS HUNECKE

dimensional, wenn eine Web-Kamera angeschlossen ist. Die

Gestelle kommen aus China, die Gläser aus Südkorea, China

und Japan, montiert wird in Thailand. Standardbrillen kosten

rund 40 Euro, Gleitsichtbrillen gibt es für rund 150 Euro – mit

Kratz- und UV-Schutz, inklusive 30 Tage Rückgaberecht und

Geld-zurück-Garantie. „Unsere Kunden müssen nicht über

den Preis nachdenken, können sich voll und ganz auf das Design

konzentrieren“, so Hunecke.

ProFirma 05 2012

Den Käufern gefällt’s: Sie geben dem Online-Augenoptiker

4,53 von fünf möglichen Sternen. Mit

73 Prozent Marktanteil ist Brille24 in Deutschland,

aber auch in Europa inzwischen führend, peilt in

den kommenden zwei Jahren den Absatz von einer

Million Brillen jährlich an. Geworben wird vor

allem online, zunehmend ebenso im Kino und im

Fernsehen. Huneckes Erfolgsrezept: Er ist geborener

Netzwerker und Teamplayer: „Ich kann gut

zuhören und mich in Menschen hineinversetzen.“

Das wissen auch seine 50 Mitarbeiter inklusive der

sechs Azubis zu schätzen, die bei Brille24 beschäftigt

sind.

Bescheidener Luxus und Tempomacher

Für seine Gründung erhielt Hunecke den Ersten

Preis der besten Geschäftsideen 2011 von der

Zeitschrift Internet World, worauf er sichtlich

stolz ist und dies auch bei Facebook zeigt. „Ein

bisschen eitel bin ich schon“, räumt er ein, besitzt

selbst mehr als 20 Brillen. Gern spielt er Golf und

Poker oder die „Siedler von Catan“ – „leider viel zu

selten, weil ich kaum Zeit habe“. Lassen sich doch

ein paar Tage mehr abknapsen, fl iegt er mit seiner

Lebensgefährtin auf die Seychellen. Privat gönnt

er sich keinen großen Luxus, will aber zugunsten

des Geschäfts nicht auf alle Annehmlichkeiten

verzichten.

Dazu zählt, dass er sich eine Menge mobile Freiheit

leistet. Als „Spaßautos“ fährt Hunecke einen

monströsen Hummer H3 in Schwarz, eine seiner

Lieblingsfarben, und einen Mercedes-Sportwagen.

Weil er gern schnell unterwegs ist, brauchte

er auch schon einmal einen Schutzengel: Einen

Wagen fuhr er zu Schrott, als bei Tempo 200 ein

Reifen platzte. Doch Hunecke ist ein Glückskind

mit Freude am Leben – ihm passierte nichts.

Spätaufsteher und Ordnungsmuffel

Soziale Netze und Online-Dienste wie Wunderlist,

bei dem er seine To-do-Liste führt, bestimmen

seinen Arbeitstag, ebenso wie seine umfangreiche

IT-Ausrüstung mit etlichen Gadgets:

iPhone, iPad, Macbook. „Mein Handgepäck ist

der Stewardessenschreck schlechthin“, scherzt

er. „Das Gewicht ist enorm, und die freundlichen

Stewardessen sind überrascht, wenn sie mir helfen

wollen, es zu verstauen“, fügt er hinzu. Nebenbei wühlt

er in einem der großen Papierstapel auf seinem Schreibtisch.

Sein 25-Quadratmeter-Büro in der Oldenburger Firmenzentrale

wirkt unaufgeräumt, gar nicht wie eine Managementzentrale.

An der Wand: Ein von seiner Ex-Freundin gemaltes

Bild mit Brille24-Logo, das sie und das ganze Mitarbeiterteam

ihm schenkten. „Weil ich für die Firma gelebt habe“, erklärt

er grinsend.

13


Wir Unternehmer – Porträt

Im weißen T-Shirt, mit verwaschener Jeans wirkt er nicht wie

ein strenger Chef, auf den Fluren herrscht ein eher lockerer

Umgangston: „Mit allen Mitarbeitern bin ich per Du, und wir

treffen uns auch manchmal privat.“ In Sachen Disziplin tut

sich der kreative Gründer ab und an schwer: „Früh aufstehen

ist nicht meine Stärke, aber lange arbeiten kann ich schon.“

Kaum ein Tag, an dem er das Büro vor acht oder neun Uhr

abends verlässt. Die 60-Stunden-Woche ist für den Vielfl ieger

mehr Standard als Ausnahme.

Ausgeschlafener Dickkopf

Doch auch wenn Matthias Hunecke nicht gern früh aufsteht,

ist er bei seinen Geschäften stets ausgeschlafen. Er hat ein feines

Gespür für Kundenbedarf, denkt bei seinen Vorhaben in

erster Linie in Geschäftsmodellen. Klingt eine Idee Erfolg versprechend,

sucht er sich die Personen, mit denen er sie schnell

und effi zient umsetzen kann. „Manchmal bin ich aber ein kleiner

Dickkopf, will mich unbedingt durchsetzen und nehme

leider Widerspruch schnell persönlich“, räumt er ein. Angst

machen dem Selfmade-Mann „Vorgänge, die ich nicht beeinfl

ussen kann. Rahmenbedingungen im Markt, die sich heute

sehr schnell ändern“.

Kraft holt sich Hunecke heute aus seinem Privatleben –

Freunde, Familie und Gesundheit liegen ihm besonders am

Herzen. Regelmäßig absolviert er Fitnessstunden, achtet auf

Auszeiten in der Sonne am Meer. „Geld war früher meine

treibende Motivation, ist es aber heute nicht mehr. Ich liebe

die unternehmerische Freiheit. Ich will Dinge bewegen und

entscheiden, die Früchte meines Engagements sehen.“ Dabei

geht es ihm nicht um reine Selbstverwirklichung: „Ich werde

in meinem Leben so lange arbeiten, wie es mir Spaß macht.

Ich kann auch loslassen.“

Ein Prozent von Brille24 verschenkt

Matthias Hunecke ist bereits wieder rastlos: „Gründen ist

mein Leben. Es gibt immer wieder interessante Projekte. Aktuell

gehört meine Hauptaufmerksamkeit aber noch Brille24.“

Dennoch legte er kürzlich seinen Geschäftsführerposten beim

Online-Optiker nieder und wechselte in den Aufsichtsrat, um

frei zu sein für „mögliche neue Projekte“. Zum Beispiel brennt

er für ein soziales Projekt für Namibia, das vor allem Waisen

und im Bürgerkrieg verletzte oder traumatisierte Kinder und

Jugendliche unterstützt. Hunecke schenkte der Hamburger

Stiftung steps for children dazu ein Prozent seiner Anteile an

Brille24 – und machte die Hilfsorganisation damit zum Gesellschafter

des Oldenburger Unternehmens. Die Förderung

dieser Hilfsorganisation empfi ndet er als Herzenssache und

Verpfl ichtung: „Viele Jungunternehmer haben am Anfang

nichts zu verschenken, andere verdienen gerade genug zum

Überleben. Aber sie haben eine Währung, die hoffentlich einmal

viel wert wird: die Anteile an ihrem Unternehmen.“

www.brille24.de

DAS UNTERNEHMEN

Brille24 wurde im Jahr 2006 gegründet und beschäftigt mittlerweile 50 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende. Brille24 verzeichnet

inzwischen 500.000 registrierte Kunden. Die Gestelle der Brillen kommen aus China, die Gläser aus Südkorea, China und Japan,

die Montage erfolgt in Thailand. Im laufenden Geschäftsjahr peilt Brille24 den Absatz von einer Million Brillen an.

14 ProFirma 05 2012


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Wir Unternehmer – Mittelstand 2.0

appyourself.net

App-Baukasten für Smartphones

Unter dem Motto „Jetzt kann jeder eine App haben“ bietet das Unternehmen App Yourself GmbH

einen Online-Baukasten für Smartphone-Applikationen an. VON JÜRGEN CHRIST

Ob Handel, Handwerk oder Gastronomie:

Kaum eine Branche kommt mehr

daran vorbei, sich mit mobilen Anwendungen

zu beschäftigen. Oft reicht es

nicht aus, nur eine mobile Variante der

Firmen-Website zu entwickeln, da diese

nicht die zusätzlichen Funktionen

zeitgemäßer Smartphones unterstützt.

Dafür existieren kleine Programme, sogenannte

Applikationen – kurz Apps –,

die beispielsweise auf GPS oder die integrierte

Kamera zugreifen können.

Weil sich viele kleine Betriebe und Selbstständige

eine kostenaufwendige App-

Programmierung nicht leisten können,

entwickelte das Frankfurter Unternehmen

App Yourself einen Online-Baukasten,

der intuitiv und einfach bedienbar

ist. In einer kostenfreien Schnuppervariante

stellt sich der Anwender im

Web seine benötigten Basismodule wie

Startseite, Kontaktformular, Karte und

Wegbeschreibung sowie eine Bildergalerie

zusammen. Weitere Bausteine

sind ab 14,99 Euro monatlich erhältlich.

Bei der Umsetzung beschreiten die

beiden Unternehmensgründer, Benjamin

Heisch und Markus Kaiser, einen

ungewöhnlichen Weg. Sie bieten die

Apps in zwei Versionen an: Zum einen

als „native App“, die dann ebenfalls im

App-Store oder im Android-Marktplatz

erhältlich ist, zum anderen als kostengünstigere

Web-App, die mit dem

mobilen Browser vom Smartphone

aus abrufbar ist. „Web-Apps sind eine

Der Online-Baukasten von App Yourself ist intuitiv und einfach zu bedienen.

gute Alternative, zum Beispiel für das

italienische Restaurant von nebenan.

Da lohnt sich eine App im Apple Store

nicht immer“, erklärt Benjamin Heisch.

Die Web-App ist nach Erstellung sofort

im Web unter einer Adresse wie fi rma.

appyourself.net verfügbar und bietet

die smartphone-typische Bedienung

einer klassischen App. Wer jedoch auf

eine „echte“ App nicht verzichten und

in den Online-Marktplätzen für iPhone-

und Android-Geräte präsent sein

möchte, zahlt 39,99 Euro monatlich.

Im Dezember 2010 gründeten der heute

28-jährige Heisch und der 48-jährige

Kaiser die gemeinsame Firma. Im April

2011 stellten sie eine erste Version von

appyourself.net auf dem Branchentreff

„The Next Web“ in Amsterdam vor. Die

Idee für ihre Entwicklung basiert auf

viel Erfahrung bei IT- und TK-Projekten

sowie der App-Entwicklung.

„Mobiles Internet ist das Trendthema

schlechthin. Wir erhalten sehr positive

Resonanz von kleinen und mittelständischen

Unternehmen. Der Markt steckt

zwar noch in den Kinderschuhen, aber

wir spüren eine stetig steigende Nachfrage.

Viele Anwender denken beim

Thema App nur an die Apps im Apple

Store, dabei ist das Feld des Mobilen

Web weitaus größer“, so Heisch. Daher

weiteten beide ihre geschäftlichen

Aktivitäten in die USA aus. In Deutschland

wird das Konzept vor allem über

Partneragenturen vermarktet, die für

ihre Kunden und Zielgruppen Apps

erstellen. Inzwischen beschäftigt App

Yourself fünf Mitarbeiter und hat sich

hohe Ziele gesteckt: „Wir wollen uns

zukünftig zu einer Marketingagentur

rund um mobile Anwendungen entwickeln,

ein Service rund um Apps. Der

Baukasten war nur der Anfang“, erklärt

Heisch das Ziel. Geplant ist die Eroberung

weiterer Märkte wie Holland,

Frankreich, England und die skandinavischen

Länder.

Bislang fi nanzierten die Gründer ihr Unternehmen

aus eigenen Mitteln. „Aber

wir haben unsere Strategie geändert“,

sagt Heisch. „Wir sprechen nun auch

mit potenziellen Investoren.“

16 ProFirma 05 2012

Foto: AppYourself


Deutsche Bank

mittelstand.db.com

Fairtrauen

das; ‹mittelständisch›: Voraussetzung für das Erreichen

gemeinsamer Ziele zum beiderseitigen Vorteil; ermöglicht

durch eine langjährige, vertrauensvolle Partnerschaft.

Die Deutsche Bank für den Mittelstand.

Eine faire und erfolgsorientierte Partnerschaft, die auf gegenseitigem

Vertrauen beruht, ist ein maßgeblicher Faktor für nachhaltigen Erfolg in

einer Geschäftsbeziehung. Die Deutsche Bank steht dem Mittelstand

seit über 140 Jahren mit individueller Beratung, innovativen Finanzlösungen

und umfassenden Serviceleistungen zur Seite – in Deutschland

und weltweit.

Mit dieser umfangreichen Branchenerfahrung unterstützen wir den

Mittelstand dabei, die richtigen finanziellen Entscheidungen zu treffen.

Darauf vertraut heute jedes vierte mittelständische Unternehmen – vom

Freiberufler über Familienunternehmen bis hin zur Aktiengesellschaft.

Das Deutsche Bank InvestitionsDarlehen Plus:

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5 Jahre, tilgungsfreie Zeit 12 Monate, kombinierter Sollzinssatz p.a. ab 2,69%, Auszahlung 100%. Bonität vorausgesetzt.


Wir Unternehmer

Auszeit

Am Fuß des Matterhorns

Das Geheimnis der 13 Kräuter

Man kann sich durchaus fragen, was

besser ist: der Werbespot des Schweizer

Kräuterbonbons „Ricola“, dieses:

„Wer hat‘s erfunden?“, oder das Bonbon

selbst. Das Bonbon besteht aus den

„magischen“, wie das Unternehmen sie

nennt, dreizehn Kräutern. Schafgarbe

etwa könne Könige heilen. Oder Bibernelle

schütze vor der Pest. Zusammen

ergibt die Kräutermischung ein kleines,

fast schwarzes und einen guten halben

Würfelzucker großes Kräuterbonbon,

Das schöne Ding

das angeblich auch Weltstars wie Robbie

Williams und Mariah Carey lutschen.

Natürlich kann man sich einfach eine

Packung kaufen und lutschen. Danach

hat man tatsächlich das Gefühl, ein

wenig würzige Bergluft aus dem Reich

Heidis geatmet zu haben. Das ist die eine

Möglichkeit, das Geheimnis des Bonbons

zu kosten. Aber es gibt noch eine

bessere Art und Weise, ins Ricola-Land

einzutauchen. Etwa in Zermatt, wo

In einer Zeit, in der Erwachsene Tretroller und Inlineskates fahren, war es nur

eine Frage der Zeit, bis einer auf die Idee kam, unter einem Skateboard einen

kleinen Monster-Motor anzubringen. Die amerikanische Firma Zboard hat es

getan und redet jetzt von einem völlig neuen „Skateboard-Feeling“. Lithium-

Ionen-Batterien beschleunigen das elektrische Skateboard in seiner „Pro“-

Ausführung auf bis zu 27 Stundenkilometer. Das „Classic“-Board ist ein wenig

langsamer. Aber mit beiden kann man problemlos Rentner auf Fahrrädern

überholen. Bremsen kann

man übrigens auch, leichtes

zurücklehnen soll genügen.

Ob man in Deutschland für

dieses Gefährt einen Führerschein

braucht, ist noch nicht

klar. Aber, so ist Deutschland,

im Zweifelsfalle eher ja.

570 Euro

www.zboard.com

hübsch am Fuße des Matterhorns einer

der insgesamt sechs Ricola-Kräutergärten

liegt. Zermatt selbst ist ein kleines

Dorf, das die Einheimischen „Walt Disney“

nennen, weil es wie ein kleines

Schlaraffenland ist, in dem niemand

wirklich Not leiden muss. Es gibt Skiunfälle,

verstauchte Knochen, hin und

wieder baut einer an der Nordwand des

Matterhorns Mist und bezahlt dafür mit

dem Leben. Aber ansonsten ist dieser

Ort am Ende eines lang gezogenen Tals

ein großartiges Biotop, in dem jeder den

Rest der Welt vergessen und in diesem

Meer aus Bergen schwimmen kann, vorausgesetzt,

er hat die Mittel dazu.

Der Kräutergarten in Zermatt liegt in

einem Weiler der „Blatten“ heißt. Von

der Talstation der Gondel braucht ein

Wanderer ohne Ehrgeiz eine halbe

Stunde. Dort, über einer kleinen Ansammlung

von dunkelbraunen Holzchalets

liegt der kreisförmig angelegte

Kräutergarten mit seinen 13 Stationen.

Man lernt ein bisschen was über Kräuter,

kann an einem Wettbewerb teilnehmen

und etwas gewinnen. Danach

kann man im nahe gelegenen Bergrestaurant

„Blatten“ einkehren, sich auf

die Terrasse setzen, nach der Würze der

Bonbons den klaren Duft der Bergluft in

die Lungen ziehen, einen Walliser Wein

goutieren und sich so lange dieses mysthische

Matterhorn angucken, bis man

denkt, der Berg spricht zu einem. (mib)

www.ricola.com

18 ProFirma 05 2012

Fotos: Rolf Blank/Anne Knüppel/Ricola/zborad


Müritz-Sail

Drachenboot-Rennen

auf dem kleinen Meer

ProFirma 05 2012

Für den

TERMIN-

KALENDER

Das klingt doch verlockend: „Morcze“. Bedeutet

„Kleines Meer“ auf slawisch und heißt auf Deutsch

„Müritz“. Die Müritz wiederum ist der größte See, der

ganz in Deutschland liegt, ein hübsches Binnenmeer,

vielleicht einer der schönsten Flecken Deutschlands.

Seit zehn Jahren schlägt der See im Mai immer mehr

Wellen als sonst üblich. Besonders am Samstag, da gibt

es im Rahmen der Müritz-Sail, dieser „kleinen, aber

feinen maritimen Großveranstaltung in Waren“, wie

der Organisator mit reichlich Wortwind in den Segeln

sagt, nebst ernsthaften Regatten auch die Drachenbootrennen

– eine der angenehmeren Dinge „Made

in China“. 14 Fun-Teams hauen ihre Paddel stechend

im Rhythmus von Galeerentrommeln in die Müritz.

Man kann es ganz entspannt von der „Bummelmeile“

aus verfolgen, dieser Mischung aus Rummel, Festzelt,

Messe und ein bisschen Kultur, Bierchen in der linken,

Bratwurst in der rechten Hand, das geht gut und hat

nur einen Nachteil: Man kann nicht klatschen, wenn

zur Gaudi der 65.000 Besucher immer wieder mal ein

Drachenboot im Hafenbecken absäuft. Später dann,

wenn alle wieder trocken sind, gibt‘s noch ein Feuerwerk,

und wenn man Glück hat und der Himmel klar

ist, spiegeln sich die bunten, kurzlebigen Lichtsterne

auf dem wieder ruhigen kleinen Meer.

17. bis 20. Mai in Waren; www.müritzsail.net

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Die Service-Gesellschaft des Bundes desder Bundes Steuerzahler der Steuerzahler

lädt ein einzumzum Fachseminar auf Syltauf

Sylt

Unternehmensnachfolge

und Vermögensübertragung

Alle Varianten, alle steuerlichen Aspekte – so machen Sie es richtig!

„Mein Unternehmen ist mit mir älter geworden,

wie geht es weiter, wenn ich aufhöre?“

Das ist die Frage, mit der sich jeder Unternehmer beschäftigen sollte –

und dies nicht erst, wenn der wohlverdiente Ruhestand unmittelbar

bevorsteht. Planvolles Vorgehen ist nämlich besonders wichtig, wenn

Sie Ihr Lebenswerk nicht leichtfertig gefährden wollen.

Neben der Problematik, den geeigneten Nachfolger zu finden, stellen sich

folgenschwere steuerliche Fragen. So sind im Falle des Verkaufs neben einkommensteuerlichen

auch umsatzsteuerliche Regelungen mit weitreichenden Folgen zu

beachten. Bei Übertragungen sollten Sie die Neuregelungen der Erbschafts- und

Schenkungssteuer genau kennen, um Gestaltungsmöglichkeiten optimal zu nutzen.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für Unternehmen, sondern für alle Formen der

Vermögensübertragung.

Denn egal, was vererbt oder verschenkt werden soll, der Fiskus hält die

Hand auf! Informieren Sie sich daher rechtzeitig, damit Sie keine teuren

Fehler machen. In unserem Seminar werden alle wesentlichen Fragen

beantwortet – so unter anderem:

Wie wird Grundbesitz bewertet und welche Übertragungen sind steuerfrei?

Welche Änderungen gibt es bei Übertragung von Betriebsvermögen?

Wie kann ich als Vermögensübergeber meine Interessen sichern

(u.a. Nießbrauchs-, Versorgungs-, Rückforderungsregelungen)?

Wie sichere ich durch mein Testament den Fortbestand des Unternehmens?

Mit welchen konkreten Gestaltungen verringere ich die Steuerbelastung?

Der Ablauf ist so gestaltet, dass Sie auch individuelle Fragen mit dem

Referenten in Ruhe erörtern können.

Es erwartet Sie ein gleich gesinnter Kreis klein- und mittelständischer Unternehmer,

der sicher auch außerhalb der Seminarzeiten Gelegenheit für anregende Gespräche

bietet.

Agieren statt reagieren wird nach diesem Seminar Ihre Devise sein!


JA, ich melde mich an!

Ich möchte zunächst weitere Informationen

Seminar: Unternehmensnachfolge

und Vermögensübertragung

Referent: Florian Loserth – Rechtsanwalt,

Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht

Termin: 23. Oktober 2012, Beginn 17:00 Uhr –

26. Oktober 2012, Ende ca. 15:00 Uhr

Ort: HOTEL DORINT***** STRANDRESORT & SPA,

Westerland/Sylt

Gebühr: € 1.845,- + MwSt.

(regulär € 1.995,- + MwSt. )

€ 150,- Ermäßigung für ProFirma-Leser!

Name: Telefon/Fax/E-Mail:

Firma:

Anschrift:

BdSt-Fachseminar vom 23.-26. Oktober 2012 auf Sylt

RetouranFax0611-34107599 BdSt Steuerzahler Service GmbH

Übernachtung im: EZ E DZ D Name Begleitperson: ( € 85,- zzgl. MwSt. inkl. Kurtaxe, Frühstücks- und Mittagsbuffet + Getränke/Tag)

Verlängerung: vom bis EEZ 210,- EUR DDZ

247,- EUR (jeweils inkl. Frühstücksbuffet und Kurtaxe, zzgl. MwSt.)

Datum: Unterschrift:

Die Teilnahmegebühr enthält:

Die Seminargebühr, ausführliche

Begleitunterlagen, Tagungsbewirtung

Transfer vom/zum Flughafen oder Bahnhof Westerland

Drei Übernachtungen im großzügigen Studio

mit Kitchenette und Balkon

Drei Frühstücks- und Mittagsbuffets

Cocktail-Empfang und Dinner-Buffet am ersten Abend

Zwei große Insel-Erkundungsfahrten

im Privatbus unter professioneller Leitung

von Dipl.-Geogr. Silke von Bremen

Führung und Verkostung in der „Sylter

Austernkompanie“ in List, Punsch in Keitum

Zwei Abendessen:

Sektempfang und Fondue in der „Sansibar“,

friesisches Menue im „Restaurant Dorfkrug“

Getränke zu allen Mittag- und Abendessen

Kurtaxe

Erfahrene Betreuung vor Ort

Eigene Anreise

Bitte per Fax oder per Post an: BdSt Steuerzahler Service GmbH · Adolfsallee 22 · 65185 Wiesbaden

Seminarorganisation: Dagmar Bocchini · Telefon (0611) 34107520 · Fax (0611) 34107599

E-Mail: bocchini@steuerzahler-service.de · www.steuerzahler-service.de


Unternehmensführung – Titelthema

Wachstumsfi nanzierung

Immer schön fl üssig bleiben

Die Konjunktur zieht an. Viele mittelständische Firmen steuern wieder auf Erfolgskurs

und brauchen frisches Kapital. Allen Unkenrufen zum Trotz bleibt der klassische Kredit

das wichtigste Finanzierungsinstrument. VON EVA NEUTHINGER

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Wenn es um Wachstumsfi nanzierung

geht, sind die Haus- und Förderbanken

die ersten Ansprechpartner.

Die Rahmenbedingungen für die

Kreditvergabe an Unternehmen sind

wieder günstiger geworden.

Eine wichtige Alternative zum Kredit ist

Beteiligungskapital. Die Nachteile:

Meist ist es teuer, und die Kapitalgeber

wollen mitreden.

Anlässe der

Wachstumsfi nanzierung

Investitionen und erhöhter Betriebsmittelbedarf

sind im Mittelstand die wichtigsten

Anlässe für eine Wachstumsfi nanzierung.

22%

Sonstige

20%

Akquisitionen

23%

Betriebsmittelbedarf

inkl.

Working Capital

Finanzierung

35%

Investitionen

Quelle: Finanzierungsstudie Roland

Berger, erwartete Finanzierungsanlässe

für 2012 im Mittelstand

Die Bäckerei Moss in Aachen setzt voll auf Wachstum: „Im

vergangenen Jahr haben wir uns erneut positiv entwickelt

und unseren Produktionsstandort verlagert. Wir investierten

in eine neue Handwerksbäckerei neun Millionen Euro“, sagt

Hans-Bernd Schwienhorst, Mitglied der Geschäftsleitung. Das

war das bisher größte Projekt des Traditionsunternehmens

mit 40 Filialen, rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz und

mehr als 600 Mitarbeitern. „Unser Ziel ist es, in den nächsten

Jahren weiter maßvoll und gesund zu expandieren“, konstatiert

er. Dabei achtet das Unternehmen bewusst auf die

Kostenstruktur – von der Herstellung der Backwaren bis zur

Finanzierung. „Bisher sind wir fast immer mit günstigen Investitionskrediten

unserer Hausbank ausgekommen. Beim

Bau der neuen Handwerksbäckerei haben wir nun zum ersten

Mal die NRW-Bank als Förderinstitut mit ins Boot geholt“,

sagt Schwienhorst.

Das lief über eine standardisierte klassische Mezzanine-Finanzierung

mit dem NRW-EU-Investitionskapital. „Für die

Bäckerei Moss war die Investition in das Gewerbeobjekt mit

einer deutlichen Ausweitung der Bilanz verbunden“, erklärt

Claudia Brendt, Förderberaterin der NRW-Bank. Deshalb

sollte in die Finanzierung auch wirtschaftliches Eigenkapital

einfl ießen. „Andernfalls hätte sich unser Rating für Folgefi nanzierungen

drastisch verschlechtert“, kommentiert Schwienhorst.

Das Mezzanine-Kapital als Mischform zwischen Eigenund

Fremdkaptial wäre für die Bäckerei auf dem freien Markt

nur zu deutlich schlechteren Konditionen zu bekommen gewesen.

Wie die Bäckerei Moss setzen zahlreiche Mittelständler der-

e

zeit wieder auf Expansion. Viele profi tieren vom aktuellen

Aufschwung, wie der aktuelle Monatsbericht der BundesreFotografi

gierung bestätigt: „Die Unternehmen und die Konsumenten

erwarten, dass die Konjunktur in den kommenden Monaten

wieder an Fahrt gewinnt.“ Das Bild zeigt auch der Geschäftsklima-Index

des Ifo-Instituts in München (siehe Grafi k auf

NRW.BANK/Lokomotiv

Seite 28). Danach plant die Industrie wieder mehr Mitar- Fotos:

22 ProFirma 05 2012

ProFirma

Titelthema


ProFirma 05 2012

„Wir haben im vergangenen Jahr

neun Millionen Euro in eine neue

Handwerksbäckerei investiert.“

HANS-BERND SCHWIENHORST, BÄCKEREI MOSS, AACHEN

Ein stetiges und maßvolles Wachstum

strebt die Bäckerei Moss in Aachen in

den kommenden Jahren an. Basis dafür

ist der Neubau der Bäckerei.

23


Unternehmensführung – Titelthema

CHECKLISTE

Wachstumsfi nanzierung

richtig vorbereiten

Fortschritt und Wachstum erfordern Investitionen – in

moderne Maschinen, Flächenexpansion, Übernahmen,

Modernisierung oder Innovationen. Die Banken prüfen

das Vorhaben mit Blick auf Zukunftsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Wie sich Unternehmer auf die Gespräche

mit den Geldgebern am besten vorbereiten.

> Relevante Unterlagen: Schon zum ersten Gespräch bringen

gut organisierte Firmenchefs die Planzahlen für das

Vorhaben mit. Das sind der Business-Plan inklusive Investitionsrechnung

sowie Liquiditäts-, Umsatz- und Tilgungsplan

für die nächsten drei Jahre, Jahresabschlüsse und Gewinn-

und Verlustrechnungen der vergangenen drei Jahre, aktuelle

betriebswirtschaftliche Auswertungen, Selbstauskunft

inklusive Aufstellung des privaten Vermögens, eventuell die

Einkommensteuererklärung der Vorjahre und die aktuelle

Einkommensteuererklärung, ein Lebenslauf, Erläuterungen

zum Geschäftskonzept und zur Branchenentwicklung bzw.

zum Finanzierungsvorhaben mit Begründung.

> Erläuterungen: Die Banken arbeiten mit individuellen

Branchenbriefen. Abweichungen von den Durchschnittswerten

erklärt der Unternehmer von sich aus. Auch sollte

der Firmenchef sein Vorhaben detailliert erläutern können.

Beispiel: Der Unternehmer plant, eine Gewerbeimmobilie

zu bauen. Dann legt er gegenüber dem Firmenkundenbetreuer

dar, welche Vorteile er damit gegenüber einer

Mietimmobilie hat. Der Unternehmer sollte ein offenes Gespräch

führen.

> Berater: Empfehlenswert ist es, einen unabhängigen Experten

einzuschalten und mit ihm das Finanzierungskonzept

vorab auf Schwachstellen durchzugehen. Infrage

kommen erfahrene Unternehmens- oder Steuerberater,

M & A-Berater bzw. Vermittler.

„Wir fi nanzieren unser Wachstum

von zwölf Prozent pro Jahr

über Investitionskredite.“

OLAF MENDE, WILHELM A. F. MEYER GMBH, HAMBURG

beiter einzustellen und rechnet mit positiven Impulsen aus

dem Ausland. „Der Jahresauftakt ist der deutschen Exportwirtschaft

gelungen. Sie weiß sich auch in einem schwierigen

außenwirtschaftlichen Umfeld zu behaupten“, erklärte jüngst

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Auch im Einzel-

und Großhandel hat sich das Klima spürbar aufgehellt. Das

Institut für Wirtschaftsforschung Halle rechnet deshalb mit

einem Wachstum von 1,3 Prozent für dieses Jahr. Tendenz

steigend: Im nächsten Jahr soll das Plus bei 2,2 Prozent liegen.

Unterm Strich gibt es damit zwar noch keinen Anlass zur

Euphorie, doch die Schwächephase des vergangenen Jahres

scheint überwunden. Vor allem Unternehmen in klassischen

Wachstumsbranchen profi tieren vom Aufschwung: Das

Baugewerbe verzeichnete allein im Januar gegenüber dem

Vorjahr ein Umsatzplus von 20 Prozent. „Triebfeder war der

Wohnungsbau“, so der Bundesverband der Deutschen Bauindustrie.

Auch Betriebe, die sich im Umfeld der erneuerbaren

Energien bewegen, agieren auf Erfolgskurs. Trotz reduzierter

Solarförderung: Bis zum Jahr 2020 will die Branche die Zahl

der Beschäftigten von rund 400.000 auf 500.000 aufstocken.

Hightech, Elektromobilität oder der Maschinen- und Anlagenbau

zählen ebenfalls zu den stark expansionsorientierten

Wirtschaftsfeldern.

Kapital als Schmiermittel

Wachstum aber erfordert Liquidität. „Andernfalls sind die

Grenzen der Weiterentwicklung schnell erreicht, und die Firma

kann im Extremfall sogar ihre Existenz gefährden“, sagt

Markus Gundermann, Management- und Finanzierungsberater

in Hettstadt. Wer schnell wächst, muss oftmals viel

investieren. Dafür braucht der Firmenchef Eigenkapital und

Sicherheiten. Sind diese nicht mehr ausreichend vorhanden,

drehen die Geldgeber den Hahn ab. Deshalb sollte es oberstes

Ziel sein, mit einer guten Eigenkapitalbasis zu arbeiten und

dabei auch auf die Kosten der Finanzierung zu achten. Denn:

„Renditeoptimierung steht nicht nur im Tagesgeschäft, sondern

auch bei der Kapitalbeschaffung oben an“, sagt Gundermann.

So wird die optimale Wachstumsfi nanzierung bei einem

Handelsunternehmen anders aussehen als etwa bei einem Industriebetrieb

der Hightech-Branche. „Eigenkapitalähnliche

Bausteine können nur von renditestarken Unternehmen in

Zins und Tilgung bedient werden“, erläutert Gundermann.

Finanzierungsberater unterscheiden zwischen internem oder

organischem Wachstum und jenem, das von außen kommt

– also etwa durch Übernahmen oder Akquisitionen (siehe

Grafi k „Anlässe der Wachstumsfi nanzierung“ auf Seite 22).

Entsprechend sind die Komponenten der Finanzierung zu

wählen. „Wirtschaftlich gut aufgestellte Firmenchefs haben

immer mehrere Optionen“, so Gundermann. In der Regel

wird es auf einen Finanzierungsmix aus verschiedenen Bausteinen

hinauslaufen.

„Beim internen Wachstum führt der erste Weg zur Hausbank

und zu den Förderbanken“, sagt Ulrich Viefers, Wirtschaftsprüfer

und Steuerberater der Kanzlei WWS Wirtz, Walter,

24 ProFirma 05 2012


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Unternehmensführung – Titelthema

Formen der Beteiligung

Wenn Unternehmer sich für eine Beteiligung entscheiden, haben sie verschiedene Optionen.

Typische stille Beteiligung

Die meisten mittelständischen Unternehmen

wählen diese Form – zumeist

über eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft.

Dabei handelt es

sich in der Regel um Mezzanine-Kapital,

also eine Mischform aus Eigen- und

Fremdkapital. Eine Gewinnbeteiligung

ist vorgeschrieben, die Verlustbeteiligung

kann begrenzt oder ausgeschlossen

werden. Zusätzlich fällt ein fester

Nominalzins an. In der Regel hat der

Investor keine Entscheidungsbefugnis

im Unternehmen.

Atypische stille Beteiligung

Der Geldgeber gilt als Mitunternehmer

und ist am Gewinn und am Verlust wie

auch am Vermögen der Gesellschaft

beteiligt – einschließlich des Geschäftswerts,

stillen Reserven und Anlagevermögen.

Damit sichert er sich Mitsprache

und Kontrollrechte, je nach individueller

Vertragsgestaltung.

Offene Beteiligung

Der Investor wird zum Gesellschafter

und zum Miteigentümer. Er kann auf

die Geschäftsstrategie einwirken. Der

Geldgeber profi tiert von der Wertentwicklung

der Firma durch Ausschüttung

und Verkauf der Anteile. Das wollen die

meisten mittelständischen Unternehmer

vermeiden.

Genussscheine

Genussrechtskapital ist nicht exakt defi -

niert. Die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

bieten diese Lösung als

Alternative zur stillen Beteiligung an – vielfach

über standardisierte Programme und

Verträge. Der Kapitalgeber ist auf jeden

Fall am Gewinn beteiligt. Der Investor erhält

eine feste Grundverzinsung, ein Rückzahlungsversprechen

und profi tiert je nach

Vereinbarung von der Entwicklung des Unternehmenswerts.

Genussrechtskapital können Unternehmer

auch von privaten Anlegern erhalten. Bei

einem Finanzierungsvolumen von bis zu

100.000 Euro im Jahr oder bei einer generellen

Beschränkung auf 20 Anleger

entfällt die Prospektpfl icht. Danach sind

Unternehmen verpfl ichtet, die Risiken der

Geldanlage nach bestimmten Vorgaben in

einem Emissionsprospekt zu veröffentlichen.

Dieser wird von der Bundesanstalt

für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüft.

Unternehmensanleihen

Größere Unternehmen oder Konzerne

können die sogenannten Corporate Bonds

Die wichtigsten Finanzierungsbausteine

Öffentliche Förderprogramme:

Zu den Bundesprogrammen gehören:

> der KfW-Gründerkredit – Startgeld

> der KfW-Gründerkredit – Universell

> das ERP-Kapital für Gründung

> der KfW-Unternehmerkredit.

Eigenkapital: Basis jeder Finanzierung ist ausreichend

Eigenkapital. Banken oder Sparkassen verlangen 15 bis 20

Prozent Eigenmittel. Zum Eigenkapital gehören auch die

Förderprogramme ERP-Kapital für Gründung und der KfW-

Unternehmerkredit, Programmteil B.

nutzen, um sich Kapital an der Börse zu

verschaffen – das ist für mittelständische

Firmen in der Regel zu teuer. Experten

raten deshalb zumeist davon ab. Auch

gilt es zahlreiche rechtliche Regeln zu

beachten. Die Vorteile liegen darin, dass

der Firmenchef für sein Kapital keine zusätzlichen

Sicherheiten braucht und seine

Eigenkapitalposition verbessert. Die

Bonität ist für die Anleger allerdings von

hoher Bedeutung.

Private Equity

Die privaten oder institutionellen Investoren

haben mit ihrer Beteiligung das

Ziel, ihre Rendite zu optimieren. In der

Regel halten sie eine Mindestbeteiligung

am Unternehmen. Sie interessieren

sich häufi g erst für Investments ab

fünf Millionen Euro – unabhängig von der

Branche. Aktuell sind bei größeren mittelständischen

Firmen solche Geldgeber

allerdings gefragt, weil die Banken ihr

Risiko minimieren wollen und deshalb

hohe Anforderungen an die Sicherheiten

und das Eigenkapital stellen. Die Private-

Equity-Gesellschaften wollen den Wert

des Unternehmens innerhalb von vier

bis sechs Jahren steigern und sichern

sich deshalb Mitspracherechte. Die Verträge

werden individuell gestaltet.

Privatdarlehen: Vor allem bei Kleinunternehmen sind Privatdarlehen

von nahestehenden Personen keine Seltenheit.

Gegenüber Banken haben sie den Vorteil, dass sie als Eigenkapital

gelten und die weitere Kreditaufnahme erleichtern.

Bankkredit: Die wichtigsten Kreditarten sind:

> der Investitionskredit: Er fi nanziert langlebige Wirtschaftsgüter

wie z. B. Fahrzeuge, Maschinen.

> der Betriebsmittelkredit: Er fi nanziert kurz- bis mittelfristig

genutzte Betriebsmittel.

> der Kontokorrentkredit: Er fi nanziert kurzfristige Zahlungsengpässe

(wenige Tage) und sichert Ihre Zahlungsfähigkeit.

26 ProFirma 05 2012


Schmitz in Mönchengladbach (siehe Interview auf Seite 29).

Dabei stehen die Chancen für eine günstige Darlehensfi nanzierung

gut: „Die Lage am Kapitalmarkt ist deutlich besser als

erwartet“, bestätigt die Staatsbank KfW, die Unternehmer mit

speziellen Programmen zur Wachstumsfi nanzierung unterstützt.

Die Banken bauen danach infolge der Staatsschuldenkrise

verstärkt ihre Kreditportfolios im Ausland ab und konzentrieren

sich auf das Neugeschäft in Deutschland – aktuell

also keine Spur von einer Kreditklemme. „Die Finanzierungsbedingungen

am heimischen Markt für Unternehmenskredite

sind zurzeit so gut wie lange nicht mehr. Der Wettbewerb

unter den Banken um gute Kunden hat Fahrt aufgenommen“,

sagt Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. So

sind langfristige Betriebsmittel- und Investitionskredite derzeit

für rund fünf bis acht Prozent zu bekommen. Der kurzfristige

Kontokorrentzins liegt im Schnitt bei bis zu zwölf

Prozent.

Der Kredit bleibt der Klassiker

Über klassische Kredite fi nanziert sich auch Olaf Mende,

geschäftsführender Gesellschafter der Wilhelm A. F. Meyer

GmbH in Hamburg. Der Metallbau-Großhandel verzeichnet

ein kontinuierliches organisches Wachstum von rund zwölf

Prozent im Jahr. Mit der Hausbank, der Hamburger Sparkasse,

arbeiten Mende und sein Partner Jan Meyer eng zusammen.

„Wir haben Investitionskredite aufgenommen und fi nanzieren

uns zusätzlich über einen Geldmarktkredit“, so Mende.

Damit liegt er um rund 2,5 Prozentpunkte besser als bei einem

klassischen Kontokorrentkredit. Vor zwei Jahren investierte

die Firma in ein neues Betriebsgebäude. „Wir brauchten aufgrund

unserer Expansion mehr Fläche“, so Mende. Rund 3,5

Millionen Euro kostete der Neubau. „Mit einem Eigenanteil

von rund 30 Prozent sicherten wir uns gute Konditionen beim

Investitionskredit“, so der Firmenchef.

Diese Finanzierungslösung hat ihm Gundermann empfohlen.

Der Experte hält alternative Wege etwa über Mezzanine-

Kapital oder offene Beteiligungen in Form von Private Equity

in den meisten Fällen für zu teuer. „Sogar bei einer guten Bonität

liegt die Vergütung zwischen zehn und 15 Prozent“, so

Gundermann. Wer in seinem Kerngeschäft niedrigere Margen

erzielt, zahlt drauf.

Teure Alternative: Beteiligungskapital

Auch Viefers rät deshalb bei der Wachstumsfi nanzierung

nicht prinzipiell zu Beteiligungen. „Wenn Unternehmen allerdings

über eine niedrige Eigenkapitalquote verfügen oder

geschäftstüchtich

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Unternehmensführung – Titelthema

Gute Geschäftslage

Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts zeigt aktuell wieder einen Trend nach oben.

Indexwerte, 2005 = 100, saisonbereinigt

130

125

120

115

110

105

100

95

90

85

80

75

Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012

Quelle: Ifo-Institut, 2012

ifo Geschäftsklima Geschäftserwartungen

wenig Sicherheiten zu bieten haben, kommen die Firmen mit

einem klassischen Kredit oftmals nicht weiter“, so Viefers.

Will die Hausbank das Risiko für die Finanzierung nicht übernehmen,

spricht sie meist von sich aus eine Lösung über eine

mittelständische Beteiligungsgesellschaft an – vorausgesetzt,

sie hält die Finanzierung grundsätzlich für tragfähig. Der Unternehmer

muss in der Lage sein, regelmäßig Zins und Tilgung

zu leisten.

Dafür wird die Hausbank wie auch jeder andere Kapitalgeber

das Geschäftskonzept und das Vorhaben akribisch prüfen.

Planzahlen der nächsten drei Jahre sind genauso vorzulegen

wie etwa die vergangenen Jahresabschlüsse und Gewinn- und

Verlustrechnungen (siehe Checkliste auf Seite 24). Bevor die

Beteiligungsgesellschaften einsteigen, führen sie regelmäßig

ein persönliches Gespräch mit dem Unternehmer und besuchen

die Firma vor Ort. Sie wollen sich ein Bild von den

Geschäftsführungsqualitäten des Firmenchefs machen und

interessieren sich auch für seinen Lebenslauf und seine Ausbildung.

Private Kapitalgeber als Partner

Darin unterscheiden sich die öffentlichen Gesellschaften wenig

von den Private-Equity-Unternehmen. Allerdings ist deren

Geschäftspolitik eine andere. Die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

wie die NRW-BANK-Tochter KBG NRW

oder die unter anderem von der Förderbank L-Bank gehaltene

MBG Baden-Württemberg interessieren sich bereits für Unternehmen

mit einem Kapitalbedarf ab 50.000 Euro.

Beurteilung der Geschäftslage

Die privaten Investoren engagieren sich dagegen erst ab

einem Volumen von mindestens einer Million Euro, zumeist

aber ab fünf Millionen Euro (siehe „Formen der Beteiligung“

auf Seite 26). Auch die Zielrichtung ist eine andere: Private

Equity-Gesellschaften steigen bisweilen in eine Firma ein und

gewinnorientiert später wieder aus. „Da können die Interessen

zwischen der Gesellschaft und den Investoren schnell

auseinander laufen“, gibt Experte Viefers zu bedenken. Die

Gesellschaften wollen in der Regel von der Entwicklung des

Firmenwerts profi tieren.

Anders, wenn sich der Firmenchef für Genussrechtskapital

entscheidet. Unternehmerin Silvia Haslauer in Utting am

Ammersee fi nanzierte damit Anfang vergangenen Jahres die

Expansion ihres Bioladens Lavida. Sie wollte ihre Geschäftsfl

äche von 50 auf 250 Quadratmeter erweitern. „Von unserer

Hausbank hätten wir nur gegen extrem hohe Sicherheiten

Geld bekommen“, erinnert sich Haslauer. Also suchte sie

eine Alternative. Haslauer vergab an ihre eigenen Kunden

Genussrechte in Höhe von 100.000 Euro. „Wir haben uns

damit von der Hausbank ein Stück Unabhängigkeit aufgebaut

und gleichzeitig unsere Kundenbindung gestärkt“, so

die Unternehmerin. Die einzelnen Geldgeber investierten

mindestens 5.000 Euro. Dafür zahlt sie ihnen einen Zinssatz

von 2,5 Prozent im Jahr plus Gewinnbeteiligung. Die Vergütung

variiert mit der Anlagesumme und der Laufzeit. Insgesamt

rechnet sie mit rund sechs Prozent pro Jahr. Bei einer

Beteiligungsgesellschaft wäre sie damit vermutlich nicht

hingekommen.

Weiterführende Links: www.bvkap.de Mit der Suchfunktion können Firmenchefs im Mitgliederverzeichnis des Bundesverbands der Kapitalgesellschaften

nach Ansprechpartnern und Beteiligungsgesellschaften recherchieren. www.vm-a.de Die Vereinigung Deutscher M&A-Berater bietet genauso wie der Bundesverband

Mergers & Acquisitions (www.bm-a.de) ein Mitgliederverzeichnis. Mittelständische Unternehmer fi nden Adressen spezialisierter Berater und Vermittler.

www.bdu.de Beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater können Unternehmer gezielt einen unabhängigen Finanzierungsberater suchen.

www.genussrechte.org Unternehmer, die gute Kunden oder Lieferanten und Mitarbeiter als Geldgeber gewinnen wollen, fi nden auf der Seite Beispiele aus der

Praxis sowie weitere Informationen zum Thema Genussrechte. www.l-bank.de Spezielle Informationen zum Thema Genussrechte fi nden Unternehmer auch auf

den Seiten der jeweiligen öffentlichen Landesbanken wie zum Beispiel der L-Bank. Förderprogramme unter www.foerderdatenbank.de und bei der KfW unter

www.kfw.de.

28 ProFirma 05 2012


Foto: privat

INTERVIEW

„Bankdarlehen sind am billigsten“

Ulrich Viefers ist Finanzierungsexperte der Kanzlei WWS Wirtz,

Walter, Schmitz in Mönchengladbach.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE EVA NEUTHINGER

Herr Viefers, mittelständische Unternehmer

sprechen in der Regel beim Thema

Finanzierung zuerst mit ihrer Hausbank.

Wie gehen sie am besten dabei vor?

Viefers: Unternehmen sollten ihr Vorhaben

im Vorfeld genau planen und

auch schon zum ersten Bankgespräch

Rentabilitätsrechnungen, die aktuellen

betriebswirtschaftlichen Auswertungen

sowie die Jahresabschlüsse der vergangenen

zwei bis drei Jahre mitbringen.

Die Kreditbewilligung im Zusammenhang

mit einer Wachstumsfi nanzierung

funktioniert im Prinzip nicht anders als

bei einem normalen Betriebsmittel-

oder Kontokorrentkredit. Sie gehen also

genauso vor.

Woran scheitern Finanzierungen über

die Hausbank am meisten?

Viefers: Die entscheidende Frage ist, ob

der Unternehmer ein langfristig tragfähiges

Konzept vorlegen kann. Daraus

muss hervorgehen, dass der Firmenchef

in der Lage ist, Zins und Tilgung zu leisten.

Je komplizierter das Geschäftsmodell,

desto mehr Erläuterungen braucht

die Bank. Es kommt vor, dass die Firmenkundenbetreuer

die aktuelle Marktsituation

in der Branche nicht einschätzen

können und dann den Kredit verweigern.

Oftmals fehlen den Unternehmern

auch Sicherheiten oder Eigenkapital.

Dann können alternative Finanzierungen

die Lösung sein?

Viefers: Prinzipiell ja, zum Beispiel über

Beteiligungen. Wir empfehlen allerdings,

hier genau auf die Vertragsklauseln

zu achten und frühzeitig steuerlichen

und rechtlichen Rat einzuholen.

ProFirma 05 2012

Das gilt auch bei standardisierten Verträgen

mit den mittelständischen Beteiligungsgesellschaften.

Warum?

Viefers: Die Kosten für solche Finanzierungen

sind hoch, und oftmals wollen sich

die Kapitalgeber Mitspracherechte sichern.

Viele Unternehmer haben das Ziel, gerade

das zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig,

die Verträge kritisch zu prüfen.

Worauf sollte man besonders achten?

Viefers: Die Standardverträge sehen oftmals

Genehmigungen für bestimmte Entscheidungen

bei der Geschäftsführung vor,

zum Beispiel bei weiteren Investitionen

oder sogar bei Personalentscheidungen.

Außerdem erwarten die Beteiligungsge-

sellschaften häufi g Testate zu den Jahresabschlüssen

von Wirtschaftsprüfern. Das

kostet Geld. Mitunter sind auch Beiräte zu

gründen, die einen Blick auf die Geschäftsführung

werfen. Auch ist in den Verträgen

oft vorgesehen, die Gewinne im Unternehmen

zu behalten. Auch das kann zu Belastungen

für den Unternehmer führen.

Das führt aber doch zu einer besseren Eigenkapitalquote.

Viefers: Sicherlich kann das Einbehalten

von Gewinnen auch Vorteile bei künftigen

Fremdfi nanzierungen bringen. Allerdings

liegt die betriebliche Steuerbelastung bei

einer GmbH bei rund 33 Prozent. Bei einer

Personengesellschaft wie der GmbH &

Co. KG liegt die Gesamtsteuerbelastung

einschließlich Einkommensteuer häufi g

jenseits der 40 Prozent. Zumindest die

persönlichen Steuern auf den Gewinn

muss der Unternehmer entnehmen dürfen.

Die Kapitalgeber werden bei einer Beteiligung

nach dem Ende der Laufzeit

wieder ausscheiden. Wie bereiten sich

Unternehmer auf diesen Termin vor?

Viefers: Firmen sollten sich frühzeitig

um eine Anschlussfi nanzierung kümmern.

Im vergangenen Jahr sind viele

standardisierte Mezzanine-Programme

ausgelaufen, und zahlreiche Unternehmen

haben sich nicht rechtzeitig um

eine Folgefi nanzierung bemüht. Jetzt

„Unternehmer sollten bei Beteiligungen

sehr genau auf die Vertragsklauseln achten.“

haben sie Probleme mit der Tilgung. Stille

Beteiligungen sind in der Regel endfällig.

Auch hier gilt es vorausschauend

zu planen.

Welche Finanzierung empfehlen Sie

Unternehmern, die unabhängig bleiben

wollen?

Viefers: In diesem Fall ist der Bankkredit

die beste Alternative. Bankdarlehen sind

zudem fast immer günstiger als eine

Beteiligung. Das gilt vor allem, falls der

Firmenchef noch eine öffentliche Förderung,

etwa über die KfW, nutzen kann.

Wenn er vollkommen unabhängig bleiben

will, ist das die beste Option.

29


Unternehmensführung – Kolumne

Ein großer deutscher Kommunikationskonzern, dessen Geschäft

naturgemäß das Optimieren von Kommunikation ist,

führte einen Selbstständigen neulich an seine psychischen

und existenziellen Grenzen – und keiner war dafür verantwortlich

oder zuständig. Alle Beteiligten waren überwiegend

nett, häufi g hilfsbereit und manchmal sogar mitfühlend.

Die Geschichte in Kürze: Nach Rückkehr von einer Geschäftsreise

stellte unser Mann fest, dass er über mehrere Tage keine

Mails erhalten hatte. Das war so ungewöhnlich, dass es ihn

beunruhigte. Ein Versuch, den aktuellen Banksaldo über das

Internet abzurufen, scheiterte. Da dämmerte ihm: Er war von

der Außenwelt abgeschnitten! Der IT-Berater seines Vertrauens

bemühte sich sofort und setzte sein ganzes Können ein,

fand aber keine Lösung.

Damit begann ein 18-tägiges Drama. Die Tage waren mit Warten

gefüllt, mit täglich mehreren längeren – manchmal auch

etwas emotional gefärbten – Telefongesprächen, mit immer

wieder stattfi ndenden Technikerbesuchen (die immer nur das

Gleiche tun wollten, nämlich „die Leitung messen“, weil sie

sonst offenbar nichts gelernt hatten), mit endlosen Kontakten

zu freundlichen, aber uninformierten und offenbar machtlosen

Call-Center-Mitarbeitern, die unserem Mann immer

wieder neue Versionen der Geschichte auftischten, aber, wie

sich dann herausstellte, alle keine Ahnung von der Sachlage

hatten. Nachdem schließlich noch verschiedene Vertragsversionen

und widersprüchliche Aussagen über die Vertragsgültigkeit

auftauchten und als Krönung des Ganzen auch noch

verschiedene Versionen des Geburtsdatums unseres Mannes

kursierten, verließ ihn fast der Mut.

Im gesamten Prozess hatte unser Held keine einzige Chance,

zu einem wirklich Verantwortlichen vorzudringen, und auch

keine Gelegenheit, die Sachlage in Ruhe mit einem wirklich

kompetenten Menschen zu besprechen. Das System schottete

sich ab und ließ den Kunden mit seinem Problem allein. Es war

Querdenker

Zutiefst gestört

Von Professor Martin Beck

Martin Beck Der Unternehmensberater

ist Großhandelskaufmann, Diplom-

Betriebswirt (FH) und Honorarprofessor

an der Hochschule Nürtingen.

www.prof-beck.net

an keiner Stelle ein wirkliches Interesse der vielen Gesprächspartner

erkennbar, sich der Existenznot unseres Mannes anzunehmen.

Die glatte Oberfl äche des Kommunikationsunternehmens

ließ sozusagen alles abperlen.

Offenbar gab es bei dem Kommunikationskonzern auch keine

verlässliche Dokumentation der Gespräche. So sagte eine

der wenigen höheren Chargen, die in diesen Tagen ans Telefon

zu bekommen waren: „Ach wissen Sie, wir können die

Gespräche nicht immer gleich dokumentieren. Manchmal ist

zu viel los, und manchmal ist auch der Rechner kaputt.“ Mit

jedem neuen Gesprächspartner begann die Geschichte von

vorn, jeder hörte aufmerksam zu, aber keiner tauchte wirklich

tief in die Problemlage ein.

Am Ende dieser Leidenszeit löste sich übrigens das Ganze in

eine Kleinigkeit auf: Keiner der vielen Techniker war auf die

Idee gekommen, den Datenfl uss innerhalb des Hauses zu prüfen.

Alle hatten sie das Netz zwischen Außen- und Innenwelt

überprüft, immer erfolglos. Per Zufall oder Eingebung stellte

einer der Techniker fest, dass beim Eingang der Leitung in das

Haus ein Kabel abgeklemmt worden war. In fünf Minuten war

alles geheilt. Alle Kommunikationsmittel versahen wieder ihren

Dienst. Fast lächerlich also. Aber 18 lange Tage ohne Außenkontakt

hatten einen hohen Preis. Fast wäre das Geschäft

unseres Mannes daran zerbrochen.

Was lernen wir daraus? Aus der Perspektive des kleinen

Kunden, der zu einem Millionenheer weitgehend rechtloser

Nutzer gehört, lässt sich leider wenig Nutzbringendes ableiten.

Der Kleinkunde geht in einer Massenorganisation unter.

Das ist bitter. Als Alternative böte sich der Wechsel zu einem

kleineren, regionalen Dienstleister an. Aber der ist in der Umsetzung

seiner Aufträge wieder auf die Netze und Einrichtungen

der Großen angewiesen, bietet also keine wirkliche

Unabhängigkeit. Bleibt die Hoffnung, dass auch unbeweglich

scheinende Organisationen irgendwann dazulernen.

30 ProFirma 05 2012


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Unternehmensführung – Investitionen

Standorte

Dreimal eine gute Wahl

Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg – drei Top-Standorte in

Deutschland. Was sie Investoren aus dem In- und Ausland konkret bieten, zeigt dieser

Überblick. VON DR. GABRIELE LÜKE

Nordrhein-Westfalen:

Erfolgreicher Strukturwandel

Nitin Bhave gefällt Nordrhein-Westfalen – vor allem geschäftlich, aber auch persönlich.

Im Oktober 2011 eröffnete der CEO der indischen NKB Technovations

Group daher in der Landeshauptstadt Düsseldorf eine Tochter, die NKB Technologie

GmbH. Mit ihr vertreibt er die Förderanlagen und elektrobetriebenen Transportfahrzeuge,

die NKB Technovations zur Unterstützung industrieller Fertigungsprozesse

in Pune herstellt. „Wir wollen den europäischen Markt erschließen – dafür

bietet Nordrhein-Westfalen genau die richtigen Standortfaktoren“, erklärt Bhaves

„rechte Hand“, Birgit Ehrlich. NRW habe eine gute Verkehrsinfrastruktur, vor allem

der Flughafen und die Messe in Düsseldorf seien für NKB attraktiv. „Sie eröffnen uns

auf einen Schlag ganz Europa.“

Auch die moderne, gut vernetzte Wirtschaftsstruktur spreche für den Standort. „In

NRW gibt es viele innovative Firmen, mit denen wir kooperieren, gemeinsam entwickeln

oder unsere Produkte vertreiben können – oder denen wir umgekehrt den

Weg nach Indien öffnen.“ Und obendrein fühlt sich Nitin Bhave in NRW gut aufgehoben,

weil das Bundesland für Internationalität und multikulturelles Flair steht.

„In Nordrhein-Westfalen fi nden Unternehmen genau die Standortfaktoren, die für

eine Ansiedlung entscheidend sind: Optimale Verkehrsanbindungen und Infrastruktur,

eine ausgeprägte Forschungslandschaft sowie qualifi zierte Arbeitskräfte

und nicht zuletzt eine einzigartige Lebensqualität“, fasst Petra Wassner, Vorsitzende

der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW-Invest, zusammen.

„Direktinvestitionen sind keine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis attraktiver

Standortbedingungen und einer intensiven Vermarktung.“

Links: Petra

Wassner, Geschäftsführerin

von NRW-Invest

Rechts: Die Metropole

Düsseldorf

bietet auch etwas

fürs Auge.

Weitere Details auf einen Blick:

Wirtschaftsstruktur

In NRW haben 19 der 50 umsatzstärksten

deutschen Unternehmen ihren Sitz. Flankiert

werden sie von 761.000 kleinen und mittleren

Industrieunternehmen, 180.000 Handwerksbetrieben

und einer wachsenden Zahl von

Dienstleistern. Sie repräsentieren traditionelle,

aber auch innovative Branchen. Als Kernbereiche

gelten Chemie, Maschinenbau, Metallerzeugung,

Kunststoff, IKT, Energie, Gesundheit, aber auch

die Kultur- und Kreativwirtschaft. Zudem gilt NRW

als wichtiger Logistikstandort. Für 16 Branchen

sind im Rahmen der Clusterpolitik der Landesregierung

Landesinitiativen eingerichtet worden.

In NRW gibt es mehr als 13.100 ausländische

Unternehmen. Zu den größten Investorenländern

gehören die Niederlande, Frankreich, USA und

Großbritannien. Insgesamt zieht Nordrhein-

Westfalen knapp 30 Prozent aller ausländischen

Direktinvestitionen in Deutschland auf sich.

Fachkräfte

Um den Fachkräftebedarf zu sichern, haben die

Landesregierung, die Kammern, die Hochschulen,

Arbeitgeber und Arbeitsverwaltungen eine

landesweite Initiative gestartet: Für die 16

Arbeitsmarktregionen des Landes entwickeln sie

spezifi sche regionale Konzepte und Strategien.

Infrastruktur

Hier steht NRW für einige Superlative: Das Land

beherbergt in Düsseldorf den drittgrößten Flughafen

Deutschlands und in Duisburg den größten

Binnenhafen der Welt. Außerdem ist NRW mit

Dortmund, Düsseldorf, Essen und Köln der weltgrößte

Messeplatz. Mehr als 60 internationale

Leitmessen ziehen jährlich zirka sechs Millionen

Besucher an.

Wissenschaft

Knapp 70 Hochschulen, darunter sechs der zwölf

größten deutschen Universitäten, zudem 48

Technologiezentren und 49 weitere Forschungseinrichtungen

sind hier angesiedelt.

Kultur

Nicht nur, dass das Ruhrgebiet 2010 Kulturhauptstadt

Europas war, NRW bietet Industriegeschichte,

Theater, Museen, den Nationalpark

Eifel und ist zudem sehr international aufgestellt:

Spezifi sche Infrastrukturen haben sich zum Beispiel

für chinesische und japanische Geschäftsleute

gebildet, und mehr als 60.000 Studenten

stammen aus dem Ausland.

32 ProFirma 05 2012


Fotos: privat, Flughafen MUC; Astrium

Bayern:

Laptop und Lederhose

ProFirma 05 2012

Johann Niggl (rechts oben),

Leiter von Invest in Bavaria,

ist stolz auf die Innovationskraft

und Dynamik im Freistaat

Bayern (oben: Astra-Satelliten,

links: Flughafen München).

Sechs Städte kamen in die Endauswahl. Aus ihnen hatten der Frankfurter Energieversorger

Mainova AG sowie die Nürnberger N-ERGIE AG auszuwählen. Die beiden

Partner suchten einen Standort für ihre gemeinsame Kundenbetreuungsgesellschaft,

die Service4-EVU GmbH. Schließlich entschieden sie sich für Coburg in Bayern.

Hier sahen sie alle Anforderungen erfüllt. Thomas Schmidt, Sprecher der Geschäftsführung

der zur Mainova AG gehörenden Mainova-Servicedienste GmbH, erläutert:

Coburg sei für beide Partner verkehrstechnisch gut zu erreichen. Zudem verfüge die

Stadt über eine gute Rekrutierungsbasis, könne die nötigen, gut qualifi zierten 150

Fachkräfte zur Verfügung stellen. Auch das Lohnniveau passe. Was Schmidt zudem

wichtig war: „Wir wollen als Unternehmen nicht einfach nur irgendein Arbeitgeber,

sondern ein wichtiger Faktor für eine Region sein. In Coburg können wir diese Rolle

spielen.“ Und nicht zuletzt zählte dieses Argument: „Die Stadt, ihre Arbeitsverwaltung

und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bayern haben uns hervorragend

bei der Standortsuche unterstützt – schließlich kam sogar Wirtschaftsstaatssekretärin

Katja Hessel zur Eröffnung.“

Was Thomas Schmidt für Coburg aufzählt, spiegelt bereits einige Vorzüge des

Standorts Bayern insgesamt: Er steht für gut ausgebildete Fachkräfte, aber auch für

eine positive Nähe der Politik zur Wirtschaft. Fragt man Johann Niggl, den Leiter der

Ansiedlungsagentur Invest in Bavaria, nach dem größten Trumpf der Bayern, sagt er

allerdings: „Das ist ganz klar unsere breite Wirtschaftsstruktur: Wir bieten ein einmaliges

Spektrum an Technologien und Know-how, darunter viele Zukunftsbranchen,

sodass quasi jeder Investor hier Anschluss fi ndet – und zwar gleich auf Top-

Niveau.“ Niggl betont: „Wenn man bedenkt, dass Bayern vor einigen Jahrzehnten

noch ein landwirtschaftlich dominiertes Land war, dann haben wir uns tatsächlich

neu erfunden.“

Weitere Details auf einen Blick:

Wirtschaftsstruktur

Der Freistaat steht für einen breiten Branchenmix,

darunter sind neben der Auto- und

Elektronikindustrie oder dem Maschinenbau

viele Zukunftstechnologien wie etwa Informations-

oder Bio-Technologie, Medizintechnik, Energiewirtschaft,

Luft- und Raumfahrttechnologie

und Medien. Diese inhaltliche Struktur spiegelt

sich auch in den 19 Clustern der Landesclusterinitiative

wider. In Bayern fi nden sich diverse

Dax-Unternehmen, patente Mittelständler, viele

innovative Kleinstunternehmen, außerdem gibt

es eine starke Dienstleisterszene. Bisher haben

sich Unternehmen aus fast 100 verschiedenen

Staaten der Erde – darunter aus China, USA,

Japan, Russland und natürlich auch aus Europa in

Bayern angesiedelt.

Fachkräfte

Einige Regionen, darunter Oberbayern oder die

Metropolregionen München und Nürnberg, sind

derzeit noch attraktive Zuzugsregionen. Ansonsten

gibt es politische und Verbandsinitiativen

gegen den Fachkräftemangel. Die bayerischen

Auslandsvertretungen werben im Ausland um

hoch qualifi zierte Fachkräfte.

Infrastruktur

Das Pfund, mit dem Bayern hier wuchern kann,

ist der Flughafen München. Er ist der zweitgrößte

Flughafen Deutschlands. Derzeit wird über eine

dritte Startbahn diskutiert. Der Flughafen hat

eine große Bedeutung als internationaler Umsteigefl

ughafen.

Wissenschaft

Insgesamt gibt es in Bayern neun staatliche

Universitäten – darunter mit der Münchner

Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der

Technischen Universität München (TUM) zwei

Exzellenzuniversitäten – 17 staatliche Hochschulen

für angewandte Wissenschaften, Fachhochschulen,

sechs staatliche Kunsthochschulen

und 16 Hochschulen in kommunaler, kirchlicher

oder privater Trägerschaft, drei Helmholtz- und

acht Fraunhofergesellschaften, 13 Max-Planck-

Institute, 14 Forschungsverbünde und 25 weitere

Forschungseinrichtungen.

Kultur

Der Freistaat steht für Geschichte, Schlösser,

Kirchen, Theater, Museen, Berge, Seen, Wälder,

gutes Essen, Sport, überhaupt Lebensart und

natürlich das Oktoberfest.

Was auch noch zählt

Neben der hohen Kaufkraft sei hier noch die

Sicherheit des Standorts erwähnt. In Zukunft will

sich Bayern vor allem um die weitere Digitalisierung

und die Attraktivität des ländlichen Raums

kümmern.

33


Unternehmensführung – Investitionen

Baden-Württemberg:

Ein Dorado für Investoren

Zwei weiße Flecken hatte die Calumet Photographic GmbH, eine international

operierende Fachhandelskette für gehobenen Fotografi ebedarf mit Hauptsitz in

Hamburg, bislang noch in Deutschland: Baden-Württemberg und die Rhein-Main-

Region. Einen dieser beiden weißen Flecken gibt es nicht mehr. Denn Calumet hat

gerade eben eine Filiale in Stuttgart angemietet, die Anfang Juni 2012 eröffnet wird.

Finanzdirektor Andreas Schaefer nennt die Gründe: „In dieser Region leben sehr

kaufkräftige Kunden. Sie haben uns immer wieder aufgefordert, endlich auch nach

Baden-Württemberg zu kommen.“ Doch auch die gute Erreichbarkeit, die 1A-Innenstadtlage,

in der sich seine Wettbewerber teilweise konzentrieren, hält Schaefer

für entscheidende Argumente. „So entsteht ein positiver Wettbewerb.“ Zudem ist

die Fachkräftebasis wichtig. „Zwar rekrutieren wir bundesweit Mitarbeiter, oft arbeiten

aber auch freiberufl iche Fotografen als Berater und Verkäufer für uns – die

fi nden wir wiederum eher vor Ort. Da ist eine Landeshauptstadt mit ihren Medienunternehmen

ein guter Pool.“

Einige der Vorzüge, die Andreas Schaefer nennt, treffen auch auf Baden-Württemberg

als Ganzes zu. Eine kaufkräftige Bevölkerung und vor allem die verdichtete

Wirtschaftsstruktur sprechen für das Bundesland. „Wir stärken unsere Stärken,

sind aber auch offen für Neues. Nicht zuletzt deshalb sind wir die Region der Weltmarktführer“,

fasst Herbert Bossinger zusammen, Mitglied der Geschäftsleitung

von Baden-Württemberg International, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des

Bundeslands. „Investoren gehen dahin, wo sie Kunden, Partner, Know-how und Forschung

fi nden oder auch den Zugang zu Märkten benachbarter Staaten. In Baden-

Württemberg fi nden sie das ganz konzentriert.“

Herbert Bossinger (unten),

Mitglied der Geschäftsleitung

von Baden-Württemberg

International, nennt das

Bundesland „die Region der

Weltmarktführer“.

Weitere Details auf einen Blick:

Wirtschaftsstruktur

In Baden-Württemberg konzentrieren sich viele

bekannte Weltmarktführer, aber auch eine große

Zahl innovativer Hidden Champions. Den Schwerpunkt

bilden mittelständische Unternehmen.

Die wichtigsten Branchen sind Maschinenbau,

Elektrotechnik, Umwelttechnik, Biotechnologie,

IT, Automotive, erneuerbare Energien, aber auch

die Gesundheitswirtschaft. Das Land betreibt

eine ausgedehnte Clusterpolitik. Insgesamt 150

Cluster und Netzwerke lassen sich im Cluster-

Atlas Baden-Württemberg entdecken. Aus dem

Ausland, vor allem aus der Schweiz, den USA

oder Frankreich, aber auch aus Russland, Japan,

Indien und China, haben sich insgesamt 3.500

Unternehmen angesiedelt.

Fachkräfte

Dem Fachkräftemangel begegnet das Bundesland

mit einer Reihe von Initiativen. Es gibt eine

Landesfachkräfteallianz aus Landesregierung,

Bundesagentur für Arbeit, Verbänden, Kammern

und Gewerkschaften. Zudem wirbt das Bundesland

in Ländern wie Spanien oder Portugal,

die derzeit eine hohe Zahl an ausreisewilligen

Fachkräften aufweisen, um hoch qualifi ziertes

Personal.

Infrastruktur

Es gibt mehrere Flughäfen, der Flughafen der

Landeshauptstadt Stuttgart soll eine zusätzliche

Startbahn erhalten. Die gesamte Verkehrsinfrastruktur

soll dynamisch weiterentwickelt werden.

Wissenschaft

Baden-Württemberg steht für neun Universitäten,

darunter so berühmte wie die in Tübingen und

Heidelberg, zudem für 23 Fachhochschulen

und die Duale Hochschule Baden-Württemberg

an neun Standorten. Das Land bietet zudem

mehrere Steinbeis-Transferzentren, das Karlsruher

Institut für Technologie (KIT), zwölf Max-Planck-

und 14 Fraunhofer Institute sowie über 100

außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Vier

Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes

fl ießen in Forschung und Entwicklung.

Kultur

Die schwäbische Alb, der Bodensee, der

Schwarzwald laden zum Erholen ein. Darüber

hinaus beheimatet Baden-Württemberg die

meisten Sterne-Restaurants der Bundesrepublik –

und drei Fußballbundesliga-Clubs.

Was auch noch zählt

Neben der hohen Kaufkraft sei auch hier die

Sicherheit erwähnt. Als Ausblick für die Zukunft:

Baden-Württemberg konzentriert sich neben der

Vertiefung traditioneller Stärken auch auf die

Stärkung der Zukunfts- und der grünen Branchen.

34 ProFirma 05 2012

Fotos: Maquet; Windcluster BW; Daimler AG; Trumpf Group, privat


INTERVIEW

„Netzwerke, Cluster und Partner“

Frank Burkert ist Partner des Prüfungs- und Beratungsunternehmens

Deloitte in Hamburg. Der Volkswirt begleitet Investoren

bei der Standortsuche. Im Interview erklärt er die entscheidenden

Faktoren. DAS GESPRÄCH FÜHRTE DR. GABRIELE LÜKE.

Herr Burkert, wonach schauen Investoren bei der

Standortsuche zuerst?

Burkert: Es gibt zwei primäre Gründe, einen neuen

Standort zu suchen: Das Unternehmen will einen

neuen Markt erschließen, oder es folgt als

Zulieferer einem wichtigen Kunden. Ganz oben auf

der Prüfl iste steht daher die Infrastruktur, denn sie

entscheidet über die logistische Erreichbarkeit eines

Standorts. Anschließend klopfen die Entscheider die

Fachkräftebasis ab, also ob Hochschulen in der Nähe

sind, genügend spezifi sche Fachkräfte zur Verfügung stehen. Und schließlich legen

die Unternehmen Wert darauf, dass Netzwerke und Cluster bestehen, wo sie Vertreter

ihrer und anderer Branchen treffen, Partner fi nden, sich über die ganze Wertschöpfungskette

vernetzen können.

Und die Politik?

Burkert: In der Regel erwarten die Investoren von der Regierung eines Bundeslands

die Nähe zur Wirtschaft. Deren Förderung muss der Regierung explizit wichtig sein.

Umso besser, wenn sich das dann auch noch in aktiver Wirtschaftsförderung und

Fördergeldern widerspiegelt. NRW und Bayern etwa haben Gelder aus europäischen

Töpfen zur Verfügung.

Weiche Faktoren spielen gar keine Rolle?

Burkert: Doch. Das führt zurück zu den Fachkräften: Um diese zu fi nden, sind die kulturelle

Attraktivität eines Standorts, seine Anbindung an andere attraktive Standorte

oder die Natur nicht zu unterschätzen.

Wenn Sie sich unsere drei Standorte näher anschauen – was spricht für jeden einzelnen?

Beginnen wir mit Nordrhein-Westfalen.

Burkert: Bei NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, schätzen die Investoren

die hohe Kaufkraft der Bevölkerung. Außerdem würdigen sie sehr, dass das Bundesland

den Strukturwandel hin zu einem modernen Industrie- und Dienstleistungsmix

aktuell so gut bewältigt.

Und Baden-Württemberg und Bayern?

Burkert: Baden-Württemberg ist nach wie vor als Erfi nderland in den Köpfen verankert

und steht für eine sehr konzentrierte Wirtschaftsstruktur, für viele Weltmarktführer,

die einerseits der Tradition treu geblieben, aber eben auch innovativ sind. Bayern

steht ebenfalls für eine moderne Industriestruktur, zudem eine konstruktive Wirtschaftspolitik.

Die Bayern gelten als sehr gut in ihrer Unterstützung für Investoren,

haben stets die passenden Experten an der Hand.

ProFirma 05 2012

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Unternehmensführung – Organisation

Familienverfassungen

Innere Angelegenheiten regeln

Verwandtschaftliche Beziehungen sollten einem Unternehmen mehr nützen als

schaden – das ist aber leider nicht immer der Fall. Familienverfassungen beugen heftigen

Streitigkeiten und einem Zerbrechen der Firma vor. VON DR. GABRIELE LÜKE

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die Eigentümerfamilie kann zum

Risiko für die Zukunft eines Familienunternehmens

werden.

Um dem vorzubeugen, gelten

Familienverfassungen (siehe auch

Familien-Charta, Familien-Kodex, Family

Governance) als ein gutes Instrument.

Familienunternehmen mit Familienverfassungen

gelten als erfolgreicher.

Es klingt paradox und ist doch auch

nachvollziehbar: Die Eigentümerfamilie

kann für ein Familienunternehmen

ein erheblicher Risikofaktor sein. Denn

wenn sie sich streitet, setzt sie damit

womöglich auch die Zukunft der eigenen

Firma aufs Spiel. Oftmals nämlich

arbeiten Familienmitglieder gegeneinander,

blockieren in der Gesellschafterversammlung

notwendige Entscheidungen,

oder die Familie verliert über

die Jahrzehnte den Bezug zum Unternehmen.

Da braucht es Instrumente,

um das Schlimmste zu verhindern.

„Um solchen Situationen vorzubeugen,

haben sich Familienverfassungen

bewährt“, betont Alexander Koeberle-

Schmid, Buchautor und Manager bei

der Intes Beratung für Familienunternehmen

in Bonn. Denn in Familienver-

fassungen klären und dokumentieren

die Familienmitglieder ihr Verhältnis

zum Unternehmen und untereinander,

stellen auch Regeln auf, wie sie sich im

Streitfall verhalten. So gibt es auch für

das Unternehmen weniger Störungen

seitens der Familie. „Viele Fremdgeschäftsführer

lassen sich heute ohne

eine Familienverfassung gar nicht mehr

von einem Familienunternehmen einstellen.

Denn sie befürchten sonst, an

der Schnittstelle zwischen Familie und

Geschäft aufgerieben zu werden“, ergänzt

Toni C. Plonner, Gründer und

Geschäftsführer der Unternehmerplan

GmbH in München. Er begleitet Unternehmerfamilien,

die eine solche Verfassung

erarbeiten wollen.

Spätestens beim ersten

Generationswechsel

Nach einer Studie der zur Intes Beratung

gehörenden Intes Stiftung aus dem Jahr

2011, an der auch Alexan-der Koeberle-

Schmid mitgewirkt hat, haben von den

größeren mittelständischen Familienbetrieben

rund 25 Prozent eine Familienverfassung

verabschiedet. Dabei tritt die

beabsichtigte Wirkung offensichtlich

ein: Konfl ikte werden schneller beigelegt,

es werden über das Unternehmen

weniger persönliche Interessen verfolgt.

Firmen mit Familienverfassungen

erwirtschaften im Durchschnitt sogar

höhere Renditen. Es lohnt also, einen genaueren

Blick auf das Instrument Fami-

lienverfassung zu werfen. Dabei gilt: Sie

berührt nicht die operativen oder strategischen

Aufgaben der Unternehmensführung,

also die Kernkompetenz des

Unternehmens. „Sie konzentriert sich

allein auf die Familie als solche, regelt

dabei aufgrund der Eigentümerfunktion

aber natürlich auch die Rolle der Familie

für das Unternehmen“, betont Tom

Rüsen, geschäftsführender Direktor

des Wittener Instituts für Familienunternehmen

an der Universität Witten-

Herdecke. Doch braucht wirklich jedes

Unternehmen eine Familienverfassung?

Spätestens beim ersten Generationswechsel,

so Rüsen, sei sie sinnvoll. Denn

von da an gibt es nicht mehr nur den

oder die Gründer und Alleinentscheider.

Es sind dann bereits einige Familienmitglieder

im Spiel – wenn ursprünglich

Freunde oder Geschwister gegründet

haben, sind es sogar Mitglieder zweier

oder dreier Familien beziehungsweise

Familienstämme. Und nicht jeder arbeitet

mehr operativ im Unternehmen

mit. Tom Rüsen: „Dann ist eine Familienstrategie

wirklich sinnvoll.“ Sie hilft,

um Streit vorzubeugen, aber auch, um

die Familienmitglieder im Sinne ihres

Eigentums zusammenzuhalten, sie an

das Unternehmen zu binden.

Zu den Inhalten. Zunächst regelt eine

Familienverfassung, wer im unternehmerischen

Sinne überhaupt zur Familie

gehört, was per se ein Streitpunkt sein

kann: Denn nicht jedes Mitglied einer

36 ProFirma 05 2012


Auch in der besten Unternehmerfamilie kommt es einmal zu Spannungen. Wer in guten Zeiten eine Familienverfassung verabschiedet hat,

kann die meisten Konfl ikte abfedern, denn für wichtige Themenfelder gibt es dann bereits abgestimmte Regelungen.

Eigentümerfamilie muss automatisch

auch Mitinhaber, also Gesellschafter,

werden. Das gilt heutzutage in Zeiten

neuer Familienstrukturen umso mehr.

„Scheidungen, Patchwork-Familien,

adoptierte Kinder, gleichgeschlechtliche

Beziehungen – da braucht es klare

Regeln, wer in jeder Generation als Gesellschafter

neu hinzukommt“, betont

Alexander Koeberle-Schmid. „Es gilt

aber auch zu klären, welche Rolle die

nicht zu den Gesellschaftern zählenden

Angehörigen spielen dürfen.“

Im nächsten Schritt geht es für die bestehenden

und designierten Gesellschafter

um das Selbstverständnis als

Unternehmerfamilie, um ein Bekenntnis

zueinander und zum Unternehmen.

Dirk Chatelain, Gesellschafter

der Schmidt+Clemens Group im nordrhein-westfälischen

Lindlar, erzählt,

was seine Familie in diesem Sinn in die

Präambel der Familienverfassung geschrieben

hat: „Wir freuen uns auf eine

gemeinsame Zukunft.“ Während seine

Familie die Familienverfassung erarbeitet

habe, ergänzt er, sei sie sich ihrer

Verantwortung als Gesellschafter, damit

als Unternehmer und Arbeitgeber,

auch noch einmal neu bewusst geworden.

„Wir empfi nden es nun tatsäch-

ProFirma 05 2012

CHECKLISTE

In neun Schritten zur Familienverfassung

1. Defi nieren Sie, wer zur Gesellschafterfamilie

gehört. Legen Sie

dafür formale Kriterien fest: Leibliche,

eheliche oder adoptierte Kinder,

Ehegatten?

2. Formulieren Sie Ihr Selbstverständnis,

eine Vision, die Ihre Beziehung

als Familie zum Unternehmen auf den

Punkt bringt.

3. Bestimmen Sie, ob und wie die

Gesellschafter im Unternehmen

mitwirken dürfen, welche Rolle aber

auch Nicht-Gesellschafter einnehmen

können.

4. Regeln Sie die fi nanziellen Angelegenheiten

der Gesellschafter in Bezug

auf das Unternehmen: Entnahmepolitik,

Anteilsverkauf, eine vom Unternehmen

unabhängige Altersvorsorge und

Vermögensbildung.

Quelle: Tom Rüsen, Wittener Institut für Familienunternehmen

5. Stellen Sie Regeln auf, wie Sie sich

im Konfl iktfall verhalten, wie Sie beim

ungeplanten Ausfall eines aktiven Familienmitglieds

vorgehen.

6. Bestimmen Sie einen Kümmerer als

Familienmanager, der Treffen organisiert,

Sie als Familie immer wieder zusammenbringt,

damit Sie sich und Ihr Unternehmen

immer besser kennenlernen.

7. Professionalisieren Sie die Familienmitglieder,

bilden Sie sie im unternehmerischen

Sinne fort, betreiben

Sie systematisch die Entwicklung von

Gesellschafterkompetenz.

8. Lassen Sie sich von Experten begleiten,

aber lassen Sie diese die Familienverfassung

nicht für Sie schreiben.

9. Prüfen Sie die Verfassung alle fünf

Jahre, erneuern Sie sie wenn nötig.

37


Unternehmensführung – Organisation

INTERVIEW

„Sich als Familie neu erleben“

Vor 130 Jahren gründeten Ludwig Schmidt und Wilhelm Clemens in Lindlar

den Stahlhandel Schmidt+Clemens, der später an Ludwig Schmidt überging.

Dessen Erben gehört heute die weltweit agierende Schmidt+Clemens Group.

Warum die Erben eine Familienverfassung für notwendig hielten, erläutert

Familienmanager Dirk Chatelain. DAS GESPRÄCH FÜHRTE DR. GABRIELE LÜKE.

Herr Chatelain, im Oktober 2010 haben

Sie und die anderen 13 Gesellschafter

der Schmidt+Clemens GmbH & Co. KG

Ihre Familienverfassung unterschrieben.

Warum war das sinnvoll?

Chatelain: Unser Unternehmen existiert

mittlerweile in der vierten Generation.

Wir Gesellschafter leben aber in der

ganzen Welt verteilt, sehen einander

eher selten. So begann unsere Beziehung

zueinander und zum Unternehmen

zu bröckeln. Die meisten von uns

kamen, wenn überhaupt, einmal im

Jahr zur Gesellschafterversammlung und

empfanden dies eher als lästige Pfl icht.

Wir wollten verhindern, dass das Unternehmen

aufgrund dieser Entwicklung

auseinanderbricht, womöglich in familienfremde

Hände gerät.

Was haben Sie in der Familienverfassung

geregelt?

Chatelain: Zum einen die formalen Dinge:

Wer Gesellschafter werden darf – das

sind vor allem die direkten leiblichen wie

adoptierten Nachkommen unseres Gründervaters

Schmidt. Da wir viele Kinder

in unserer Familie haben, dürften zu den

aktuell 14 Gesellschaftern in den kommenden

20 Jahren bestimmt noch einmal

20 neue hinzukommen. Wir haben

lich wieder als etwas ganz Besonderes,

ein Familienunternehmen zu besitzen.“

(Siehe Interview).

Wichtige formale Regelungen betreffen

zunächst die Rolle der Eigentümer im

Unternehmen jenseits ihrer Gesellschafterfunktion:

Sitzen sie im Beirat? Sollen

sie operativ mitwirken? Unter welchen

aber auch geklärt, wer die Gesellschafter

vertreten darf: Ehepartner, Lebensgefährten

etc. Zudem haben wir die Entnahmepolitik

geregelt, haben den Verkauf von

Anteilen, wenn jemand aussteigen möchte,

festgeschrieben und zudem Regeln fürs

Konfl iktmanagement aufgestellt. Und nicht

zuletzt haben wir uns darauf geeinigt, dass

immer nur einer von uns im Unternehmen

mitarbeiten darf – und zwar am besten als

Geschäftsführer.

Warum nur einer?

Chatelain: Wir wollten nicht, dass durch

mehrere operativ mitarbeitende Familienmitglieder

etwaige Konfl iktherde entstehen.

Derzeit ist mein Cousin Jan Schmidt-

Krayer Geschäftsführer. Wenn keiner

von uns infrage kommt oder will, dann einigen

wir uns auf einen Fremdgeschäftsführer.

Nun geht es in einer Familienverfassung

nicht nur um formale Regelungen. Gerade

in Ihrem Fall war und ist auch die Familienzusammenführung

und die Beziehung der

Familie zum Unternehmen ein wichtiger

Punkt.

Chatelain: Das ist vor allem meine Aufgabe

als Familienmanager. Wir treffen uns

mittlerweile nicht nur einmal im Jahr im

Voraussetzungen? „Hier geht es immer

wieder darum, ob ein Familienmitglied

als Nachfolger für die Geschäftsführung

infrage kommt“, betont Koeberle-

Schmid. Weitere Punkte behandeln die

Finanzen: Welche Regeln gelten für die

Geldentnahme und für den Verkauf von

Gesellschafteranteilen? Auch die Alters-

April zur Gesellschafterversammlung,

sondern noch ein zweites Mal im Herbst.

Um die Beziehung zum Unternehmen zu

fördern und auch unsere Rolle als Eigentümer

besser wahrnehmen zu können,

besichtigen wir unsere Standorte in aller

Welt, organisieren Vorträge über unsere

Produkte, bilden uns als Gesellschafter

weiter – ohne uns dabei in die operative

Geschäftsführung einzumischen.

Und die emotionale Seite?

Chatelain: Wir treffen uns eigentlich

immer in der Nähe einer Produktionsstätte.

Jetzt im April mal wieder im

Hauptwerk in Kaiserau (bei Köln), im

Herbst überlegen wir, in unser Werk

nach Tschechien zu reisen. Wir leisten

uns dabei beispielsweise den Luxus,

Kindermädchen mitzunehmen, damit

auch die Gesellschafter mit kleinen Kindern

die Möglichkeit haben, entspannt

an unserem Treffen teilzunehmen.

Zeigt die Familienverfassung bereits Wirkung?

Chatelain: Auf jeden Fall. Bei unserem

vorigen Treffen haben wir uns tatsächlich

neu als Familie, vor allem auch als

Unternehmerfamilie erlebt, nicht mehr

nur als formale Gesellschafter.

vorsorge sollte hier geklärt werden.

Ein weiterer Aspekt einer jeden Familienverfassung

ist das Konfl iktmanagement:

Nach welchen Regeln werden

Konfl ikte gelöst? Wer wird als Vermittler

hinzugerufen? Koeberle-Schmid:

„Wenn die Familie sich zu diesen Punk-

privat

ten einigen kann, bringt das schon sehr Fotos:

38 ProFirma 05 2012


viel Ruhe in Familie und Unternehmen.“

Wichtig ist auch das Familienmanagement.

Es soll die Kommunikation der Familienmitglieder

miteinander und ihre

Bindung an das Unternehmen fördern.

Dazu einigt sich die Familie zunächst

auf einen Familienmanager. „Dieser soll

vor allem dafür sorgen, dass sich die

Familie nebst Angehörigen regelmäßig

und ganz bewusst in ihrer Eigenschaft

als Unternehmerfamilie trifft“, erläutert

Toni C. Plonner. Es gilt, die Kommunikation

zu beleben, sich besser kennenzulernen,

Gemeinsamkeiten zu entdecken,

Unterschiede zu akzeptieren, aber

auch, um über die Nachfolge zu sprechen.

„Die Familienmitglieder sollten

aber auch das Unternehmen besser kennenlernen,

gemeinsam die Produktion

besichtigen, die Belegschaft treffen, so

ihre unternehmerische Verantwortung

als Gesellschafter und ihre Beziehung

zur Firma festigen“, ergänzt Plonner.

„Deshalb ist auf solchen Treffen auch

die Fortbildung Pfl icht. Gesellschafter

müssen Kompetenzen aufbauen, eine

Bilanz lesen können, sich geschäftlich

auskennen, zudem den Nachwuchs auf

eine Mitarbeit vorbereiten, wenn der es

wünscht.“ Plonners Fazit: „So helfen die

Treffen, die Familienverfassung mit Leben

zu füllen, vor allem aber die Unternehmerfamilie

zu stärken.“

Rechtliche Folgen

Die Verfassung ist dabei übrigens kein

juristisch bindendes Dokument. „Es ist

eher eine moralische Verpfl ichtung“,

betont Tom Rüsen. Sie kann aber juristische

Folgewirkungen haben: Wenn die

Gesellschafter sich an die Inhalte ihrer

Verfassung binden, wird ein Teil der Regelungen

in den Gesellschaftervertrag,

die Testamente, Eheverträge einfl ießen.

Rüsen rät: „Eine Familie darf sich bei

der Erarbeitung einer Verfassung zwar

extern begleiten lassen, sie sollte sich

die Verfassung aber nie von jemandem

schreiben lassen.“ Die gemeinsame

Erarbeitung könne schmerzhaft sein,

weil Streitigkeiten, Missverständnisse,

Kämpfe aufbrechen. „Doch nur wer den

harten Weg geht, fi ndet am Ende auch

zum Konsens und zu einer Familienverfassung,

die keine Makulatur ist.“

ProFirma 05 2012

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Unternehmensführung – Verkauf

40

E-Commerce

Alles eine Frage des Geldes

Früher galt: Nur Bares ist Wahres. Inzwischen haben sich aber verschiedene Online-

Bezahlverfahren rasant entwickelt. Um für den eigenen E-Shop die passenden Angebote

herauszupicken, braucht es gründliche Informationen. VON KARSTEN ZUNKE

War in den Anfangstagen des E-Commerce

die Kreditkarte oft das Zahlungsmittel

der Wahl, sind mittlerweile viele

neue Möglichkeiten hinzugekommen.

Mehr als 40 Payment-Varianten sind

am deutschen Markt verfügbar. Die passende

Lösung zu fi nden, ist für Shop-

Betreiber nicht trivial.

Im Vorfeld ist es erforderlich, das eigene

Unternehmen und die Zielgruppe

genau zu analysieren – Prognosen zu

Online-Umsätzen und Transaktionszahlen

zu stellen, die Bedürfnisse der

Zielgruppe zu identifi zieren und das

In zehn Schritten zur Payment-Lösung:

1. Analysieren Sie Ihre Zielgruppe

und grenzen Sie darauf basierend die

Zahlverfahren ein.

2. Bieten Sie online alle Zahlverfahren

an, die Sie bereits im klassischen

Versandhandel offerieren.

3. Prüfen Sie, ob Ihr Shopsystem

über Module oder Schnittstellen zu den

gewünschten Bezahlmethoden verfügt –

ist dies nicht der Fall, empfi ehlt sich das

Outsourcing der Implementierung.

4. Entscheiden Sie im nächsten

Schritt, ob Sie mit einem oder mehreren

Payment-Dienstleistern zusammenarbeiten

wollen oder lieber direkt mit den

Lösungsanbietern verhandeln.

5. Analysieren Sie die möglichen

Kosten. Neben Implementierungskosten

müssen Grund-, Transaktions- und

Stornogebühren bedacht werden.

Ganze in Bezug auf die Kosten, den

Aufwand und das Risiko abzuwägen.

Dabei ist es sinnvoll, sich nicht mit jedem

Zahlungssystemanbieter separat

auseinanderzusetzen, sondern auf Payment-Dienstleister

zurückzugreifen.

Diese bieten mehrere Bezahllösungen

aus einer Hand und kümmern sich um

6. Prognostizieren Sie in diesem

Zusammenhang auch Ihr Umsatzund

Transaktionsvolumen, denn bei

vielen Anbietern sind die anfallenden

Gebühren nach Umsatz oder Anzahl der

Transaktionen gestaffelt.

7. Holen Sie sich Angebote von

verschiedenen Dienstleistern auf Basis

verschiedener Umsatz- und Transaktionsvolumina

ein.

8. Weniger ist mehr! Bieten Sie nur

eine überschaubare Menge an Bezahlverfahren

an, denn sonst verteilt sich

das Volumen zu stark auf viele Kanäle,

was zu schlechteren Konditionen bei

den einzelnen Anbietern führen kann.

9. Achten Sie darauf, dass die Bezahllösung

für Käufer leicht zu bedienen ist.

10. Erklären Sie Ihren Kunden die

Bezahlarten – einfach und prägnant.

die Zahlungsabwicklung. Selbstverständlich

sollten die für den Händler

relevanten Bezahlverfahren verfügbar

sein und der Dienstleister darüber hinaus

möglichst auch Dienstleistungen

zum Risikomanagement übernehmen.

Bei der Auswahl des Payment-Partners

müssen die Unternehmen sämtliche

ProFirma 05 2012


Wichtige Bezahlverfahren im Überblick

Händler können ihren Kunden verschiedene Bezahlmöglichkeiten anbieten – und tragen hierfür unterschiedlich hohe Gebühren.

Verfahren Vorteile Nachteile Kosten Anbieter

Rechnung * Unkompliziert, bei Online-Shoppern

sehr beliebt

Lastschrift * Unkompliziert, Möglichkeit zum Lastschrifteinzug

ausreichend, bei deutschen

Online-Shoppern beliebt

Vorkasse Unkompliziert, sehr geringes

Ausfallrisiko

Nachnahme Komplette Abwicklung über Logistikpartner,

sehr geringes Ausfallrisiko, Kosten

für Payment werden häufi g auf Kunden

umgelegt

Kreditkarte

via Payment

Provider

Kreditkarte

direkt über

Anbieter

*Ohne Risikoprüfung nur bedingt empfehlenswert

Szenarien durchrechnen. Nach Umsatz

oder Transaktionsanzahl können je

nach Kanal unterschiedliche Anbieter

günstiger sein. Die Materie ist komplex.

In dieser Phase einen externen Berater

heranzuziehen, ist ratsam.

Die Qual der Wahl

Die Zahlung per Kreditkarte. Rechnungskauf,

Vorkasse, Paypal, Lastschrift,

Nachnahme und Online-Überweisung

gehören zu den am meisten

verbreiteten Bezahllösungen hierzulande

– sie haben sich als Quasi-Standard

etabliert.

Neben diesen Klassikern konnten sich

auch neue Lösungen durchsetzen – allen

voran Paypal. Möchte ein User im

Online-Shop via Paypal bezahlen, muss

er sich einmalig bei dem US-amerikanischen

Dienstleister, einer Tochter von

Ebay, registrieren und persönliche Daten

ProFirma 05 2012

Keine PCI-Zertifi zierung notwendig,

geringes Ausfallrisiko, viele Anbieter

übernehmen auf Wunsch auch weitere

Zahlungskanäle

Geringere Transaktionskosten,

geringes Ausfallrisiko

Paypal Einfache Möglichkeit für Zahlungsverkehr,

geringes Ausfallrisiko

Ratenzahlung Für größere Summen attraktive Option,

kein Ausfallrisiko für Händler

Hohes Ausfallrisiko Nur Kosten für Risikoprüfung

ca. 0,30 - 0,60 €

Mittleres Ausfallrisiko, lange Frist für

Rücklastschrift

Lieferung verzögert sich um Dauer der

Überweisung, Abgleich Zahlungseingänge

für Versand notwendig

Nur bis ca. 3.500 € möglich,

unterschiedlich nach Anbieter

Einbindung in Shop nicht bei allen Anbietern

nahtlos möglich

Teure PCI-Zertifi zierung notwendig, erst

ab ca. 3.000 Transaktionen via KK sinnvoll

Teilweise Komplikationen bei Buchhaltung

und Zahlungsabgleich aufgrund

PayPal-spezifi scher Besonderheiten, wie

nachträgliche Änderung des Bezahlstatus

oder Zuordnung nur via E-Mail-Adresse

Bankabhängige Transaktionsgebühr,

Stornogebühr je nach Bank

und Vertrag ca. 6 - 20 €

Bankabhängige Transaktionsgebühr,

ggf. Kosten für Rücküberweisungen

Transaktionsgebühr:

Je nach Anbieter ca. 2 €

Grundgebühr: 10 - 50 € pro Kanal,

Transaktionsgebühr 0,0 - 0,40 € +

ggf. 0,9 – 3,5%, Stornogebühr:

Je nach Anbieter und Vertrag

ca. 20-35€

Grundgebühr: 1.000 - 15.000 €

pro Jahr + Arbeitsleistung, Stornogebühr:

Je nach Anbieter und

Vertrag ca. 10-35 €

Transaktionsgebühr:

0,35 € + 1,2 – 1,9%

Disagio auf Gesamtbetrag Transaktionsgebühr: Prozentualer

Anteil an Gesamtsumme. Variiert

stark je nach Anbieter

sowie die Bankverbindung hinterlegen.

Bei künftigen Einkäufen loggt er sich

im Check-Out-Prozess des Händlers in

sein Paypal-Konto ein und bestätigt den

Kauf per Mausklick. Der Dienstleister

transferiert anschließend das Geld vom

Käuferkonto auf das Händlerkonto. Das

Zahlungsausfallrisiko ist gering. Der

Käufer profi tiert vom einfachen Handling.

Er kann mit wenigen Klicks bezahlen,

ohne sensible Daten in den Online-

Shops zu hinterlegen.

Paypal empfi ehlt sich auch für E-Commerce-Einsteiger

und noch unbekannte

Händler, denn das System ist unter

Online-Shoppern bestens bekannt und

weitverbreitet. Bei Shop-Betreibern rangiert

diese Bezahlmethode in den meisten

Untersuchungen unter den Top 3,

bei den Konsumenten ebenso.

Je nach Standpunkt bevorzugen Konsumenten

und Händler jedoch unter-

Billsave, Billpay,

Klarna, Paymorrow

u.a.

Banken

Banken

DHL, DPD, TNT u.a.

Expercash, B&S

CardService,

Heidelpay, Ogone,

Payone u.a.

Visa, Mastercard,

American Express

u.a.

Paypal

Hanseatic Bank,

SWK Bank u.a.

Quelle: ShopStrategen, August 2011; www.shopstrategen.de

ohne Anspruch auf Vollständigkeit

schiedliche Zahlweisen. Verbraucher

möchten in der Regel erst dann bezahlen,

wenn sie die Ware erhalten haben.

In einer aktuellen Studie des Kölner

E-Commerce-Center Handel fi nden 90

Prozent der Befragten den Rechnungskauf

gut oder sehr gut. Händler wünschen

sich jedoch das Gegenteil: Sie

möchten zunächst das Geld verbuchen

oder zumindest eine Zahlungssicherheit

haben, bevor sie die Ware an den

Besteller verschicken. Die Vorkasse ist

daher in Deutschland die am häufi gsten

anzutreffende Bezahlmöglichkeit im

Internet.

Generell gilt jedoch: Nur eine genaue

Analyse der Zielgruppe schützt vor unangenehmen

Überraschungen. Ein Interessent,

der nicht mindestens eine seiner

bevorzugten Bezahlarten vorfi ndet,

wird meist nur ein Interessent bleiben

und nie zum Kunden werden.

41


Unternehmensführung

Recht

Familienpfl egezeit

Wohltat oder Bürokratiemonster?

Arbeitnehmer können in aller Regel nicht über längere Zeit auf ihren Lohn verzichten, um nahe Angehörige

zu pfl egen. In diese Lücke stößt seit Januar das Familienpfl egezeitgesetz. VON BERND WELLER

Das deutsche Arbeitsrecht kennt eine

Vielzahl von Ansprüchen der Arbeitnehmer

auf Verringerung der Arbeitszeit

oder eine vorübergehende (vergütete)

Freistellung. Diese Ansprüche haben

verschiedene auch gesamtgesellschaftliche

Ziele – Mutterschutz und Elternzeit

waren der Beginn, später kam das

Pfl egezeitgesetz hinzu. Danach haben

Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich für

die Pfl ege naher Angehöriger entweder

zehn Tage bei akutem Pfl egebedarf oder

aber sechs Monate bei längerfristigem

Pfl egebedarf von der Arbeit (ohne Entgeltfortzahlung)

freistellen zu lassen.

Der mit der Altersstruktur der deutschen

Bevölkerung einhergehende

steigende Pfl egebedarf ist durch solche

Freistellungen jedoch nicht zu decken.

Pfl egebedarf besteht üblicherweise für

deutlich längere Zeiträume; Arbeitnehmer

können in aller Regel nicht längere

Zeit auf ihre Vergütung verzichten, um

nahe Angehörige pfl egen zu können. In

diese Lücke stößt das Familienpfl egezeitgesetz,

welches seit dem 1. Januar

2012 gilt. Es ermöglicht neue Formen

der Arbeitszeitfl exibilisierung zur Pfl ege

von Angehörigen.

Umfang und Dauer

Nach dem Familienpfl egezeitgesetz

können Arbeitnehmer für die Dauer

von maximal 24 Monaten ihre Arbeitszeit

auf mindestens 15 Stunden je

Woche verringern. Anders als bei Mutterschutzgesetz,

Elternzeitgesetz und

Pfl egezeitgesetz hat der Arbeitnehmer

jedoch keinen einseitigen Anspruch,

dies gegenüber seinem Arbeitgeber

durchzusetzen. Er ist vielmehr auf eine

freiwillige Vereinbarung mit dem Arbeitgeber

angewiesen.

Die Vergütung

Um den Lohnverlust für den Arbeitnehmer

zu mildern, sieht das Familienpfl egezeitgesetz

vor, dass der Arbeitnehmer

während der Zeit, in der er den Angehörigen

pfl egt, nicht nur die Vergütung

erhält, die ihm entsprechend der verringerten

Arbeitszeit (beispielsweise 20

Stunden je Woche) zustünde. Darüber

hinaus bekommt er nämlich einen Aufstockungsbetrag.

Ein Rechenbeispiel soll die komplizierte

Regelung verdeutlichen: Die normale

Arbeitszeit eines Arbeitnehmers beträgt

40 Stunden. Während der Pfl egezeit arbeitet

der Arbeitnehmer 20 Stunden,

also 50 Prozent. Seine Vergütung während

der Pfl egezeit beträgt aber nicht

50, sondern 75 Prozent des letzten Bruttoverdiensts.

Um diesen Aufstockungsbetrag

zu fi nanzieren, muss der Arbeitnehmer

ihn später wieder abarbeiten.

Nach Ende der Pfl egezeit stockt er seine

Arbeitszeit wieder auf 100 Prozent auf,

erhält jedoch solange nur 75 Prozent

seines Lohns, bis er die während der

Pfl egezeit erhaltenen Aufstockungsbeträge

abgearbeitet hat. Diese Zeit nennt

sich Nachpfl egephase.

Staatliche Zuschüsse

Der Arbeitgeber muss nach dem Modell

des Pfl egezeitgesetzes die notwendige

Vorfi nanzierung nicht aus der eigenen

Kasse decken. Er kann stattdessen ein

zinsgünstiges Darlehen beim Bundes-

Das neue Familienpfl egezeitgesetz: Zeit für

die Pfl ege, während der Lohn weiterläuft.

amt für Familie und zivilgesellschaftliche

Aufgaben (BFzA) in Anspruch

nehmen.

Kündigungsschutz

Während der Familienpfl egezeit sowie

der Nachpfl egephase steht dem Arbeitnehmer

besonderer Kündigungsschutz

zu. Seine Kündigung ist grundsätzlich

ausgeschlossen, kann aber – ähnlich

wie während des Mutterschutzes und

der Elternzeit – durch die zuständige

Landesbehörde für zulässig erklärt werden.

42 ProFirma 05 2012


Risiken

Die Konstruktion der Vorfi nanzierung

durch den Arbeitgeber oder das Bundesamt

für Familie und zivilgesellschaftliche

Aufgaben beinhaltet eine Reihe

von Risiken. Der Arbeitnehmer kann

während der Familienpfl egezeit oder

der Nachpfl egephase erwerbs- oder berufsunfähig

werden oder gar sterben.

Zur Absicherung dieses Risikos muss er

vor Antritt der Familienpfl egezeit eine

gesonderte Versicherung abschließen.

Ferner kann der Arbeitnehmer selbst

kündigen oder insolvent werden. Der

Arbeitgeber kann sich gegen dieses

Ausfallrisiko nur zum Teil dadurch

schützen, dass er seine bestehenden

Restforderungen an das BFzA abtritt,

das dann auf dem Forderungsausfall

„sitzen bleibt“.

Viele Fragen unbeantwortet

Es wird sich erweisen, ob sich das Familienpfl

egezeitgesetz tatsächlich als gesamtgesellschaftliche

Wohltat erweist

oder aber als bürokratischer Rohrkrepierer

endet. Das Gesetz lässt eine Reihe

von Fragen unbeantwortet. Spannend

Erst den Zuschuss kassieren und dann einer

Mitarbeiterin kündigen: Das geht nicht.

ProFirma 05 2012

wird beispielsweise die Antwort auf die

Frage sein, ob dem Arbeitnehmer auch

dann der Sonderkündigungsschutz

zusteht, wenn der Arbeitgeber keine

Förderung durch das BFzA beantragt,

sondern das Risiko in eigener Verantwortung

trägt. Oder wenn Arbeitgeber

und Arbeitnehmer von den Bestimmungen

des Familienpfl egezeitgesetzes

abweichende Vereinbarungen treffen,

etwa eine längere Laufzeit oder eine geringere

Wochenarbeitszeit als 15 Stunden

vereinbaren, oder wenn dem Arbeitnehmer

eine höhere oder niedrigere

Aufstockung gewährt wird.

All dies wird die Praxis zeigen müssen.

Immerhin sieht das Gesetz vor, dass ein

Arbeitnehmer eine neue Familienpfl egezeit

erst dann in Anspruch nehmen

kann, wenn er zuvor in der Nachpfl egephase

die „Wertschulden“ für die vorangegangene

Familienpfl egezeit abgearbeitet

hat.

Der Autor: Bernd Weller ist Rechtsanwalt

und Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei

Heuking Kühn Lüer Wojtek, Frankfurt.

Eingliederungszuschuss

Rückzahlung

nach Kündigung

Kurz gemeldet

BGH verbietet Verlängerung

von Rabattaktionen

Zeitlich befristete Rabattaktionen dürfen

nicht verlängert werden, entschied

der Bundesgerichtshof (BGH) als letzte

Instanz eines Rechtsstreits. Im vorliegenden

Fall hatte ein Möbelhaus mit

einem Geburtstagsrabatt geworben

und diesen noch während des Geltungszeitraums

mehrfach verlängert.

Dies sei nach Auffassung der Richter

irreführend. Schließlich gingen Kunden

davon aus, dass die in der Werbung

genannten Fristen auch eingehalten

werden. (BGH, Az. I ZR 173/09)

Postfach ist als

Widerrufsadresse zulässig

Bei Fernabsatzverträgen reicht es aus,

wenn in der Widerrufsbelehrung ein

Postfach als Widerrufsadresse angegeben

ist, entschied der Bundesgerichtshof.

Dadurch werde der Verbraucher

nicht in seinen Rechten verletzt. Für

den Verbraucher bestehe bei der Angabe

eines Postfachs ebenso wie bei

einer Hausanschrift die Möglichkeit,

seinen Widerruf innerhalb der vorgeschriebenen

Frist auf dem Postweg

zu übermitteln, was den gesetzlichen

Anforderungen genüge, so der BGH.

(Az. VIII ZR 95/11)

Arbeitgeber können einen Eingliederungszuschuss erhalten, wenn sie einen förderungsbedürftigen

Arbeitnehmer einstellen. Entlassen sie den Beschäftigten allerdings

schon kurz nach dem Auslaufen der Förderung ohne Kündigungsgrund,

müssen sie den Eingliederungszuschuss zurückzahlen, so das Landessozialgericht

(LSG) Sachsen-Anhalt. Der Fall: Ein Arbeitgeber hatte für sieben Monate die Hälfte

der Lohnkosten für einen Mitarbeiter als Zuschuss erhalten. Er kündigte dem Arbeitnehmer

kurz nach dem Förderungszeitraum. Die zuständige Behörde forderte

daraufhin 1.800 Euro vom Arbeitgeber zurück. Das Urteil: Zwar gelte für den Arbeitgeber

das Kündigungsschutzgesetz nicht, weil er Kleinunternehmer sei. Für den

geförderten Arbeitsplatz hätten bei der Entlassung aber die Voraussetzungen einer

sozial gerechtfertigten Kündigung erfüllt sein müssen. Auch sei die Kündigung mit

widersprüchlichen Vorwürfen gegen den Arbeitnehmer begründet worden. Dies

seien keine echten Kündigungsgründe. (LSG Sachsen-Anhalt, Az. L 5 As 62/08)

43


Unternehmensführung

Recht

Längere Freistellung bei weiterlaufendem Entgelt

Nun ist ein Sabbatical light bis drei Monate möglich

Seit Jahresanfang haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr Spielraum für eine längere bezahlte Arbeitsunterbrechung,

um betriebliche Auftragsfl auten auszugleichen oder eine persönliche Auszeit zu nehmen.

Ob es um den lang ersehnten Segeltörn

geht oder um eine längere Auszeit vom

Job: Seit Anfang 2012 haben Arbeitgeber

und Arbeitnehmer mehr Flexibilität

für eine bis drei Monate dauernde

Freistellung, ohne dass eine Wertguthabenvereinbarung

geschlossen werden

muss. Wurden bislang Arbeitnehmer

für mehr als einen Monat von der

Arbeitsleistung bei weiterlaufender

Entgeltzahlung freigestellt, endete damit

das sozialversicherungsrechtliche

Beschäftigungsverhältnis. In der Konsequenz

entfi el damit der Sozialversicherungsschutz,

und es wurden keine

Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet.

Um dies zu verhindern, musste

in solchen Fällen eine Wertguthabenvereinbarung

geschlossen werden, die

Telekommunikationsgesetz

Bundesrat beschließt Aus für

teure Warteschleifen

Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat einen

verbesserten Schutz vor teuren Telefon-Warteschleifen

gebilligt. Außerdem können Kunden künftig

ihre Telefon- und Handy-Nummern bei einem Umzug

oder Anbieterwechsel einfacher mitnehmen. Nach der

Novelle des Telekommuniktionsgesetzes dürfen bei

teuren Servicenummern nach einer einjährigen Übergangsfrist

keine Warteschleifen mehr geschaltet werden.

Unter den Vorwahlen 0180 oder 0900 wurden dafür

bislang teilweise drei Euro oder mehr fällig. Erlaubt

bleiben Warteschleifen bei Gratisnummern. Zulässig

bleiben auch Hotlines mit einer normalen Ortsvorwahl

sowie Anrufe, für die ein Festpreis gilt.

vergleichsweise zeit- und kostenaufwendig

war, weil beispielsweise eine

Insolvenzsicherungspfl icht bestand.

Nun kann ein Beschäftigungsverhältnis

auch über einen Monat hinaus bis zur

Dauer von drei Monaten unterbrochen

Der lang ersehnte Segeltörn ist möglich ...

werden, wenn während dieser Zeit Arbeitsentgelt

aus einer Vereinbarung zur

fl exiblen Gestaltung der werktäglichen

oder wöchentlichen Arbeitszeit oder

dem Ausgleich betrieblicher Produktions-

und Arbeitszeitzyklen fällig ist.

Mit der bisherigen Regelung konnten Arbeitgeber,

die in der Krise Entlassungen

vermeiden wollten, zeitlich begrenzte

Freistellungen im Rahmen gängiger

Arbeitszeitmodelle nur im Rahmen

eines Monats vornehmen. Nun sind Lösungen

denkbar und zulässig, bei denen

beispielsweise neun Monate gearbeitet

wird und drei Monate Freistellung folgen.

Damit eröffnet sich eine Vielzahl

von unbürokratischen Arbeitszeitmodellen,

die ohne Nachteil für Arbeitgeber

und Arbeitnehmer realisierbar sind.

Nutzungsausfallentschädigung

Gilt auch für beschädigtes Fahrrad

Wird ein Fahrrad bei einem Verkehrsunfall beschädigt, hat

der Eigentümer unter Umständen Anspruch auf eine Entschädigung

für den Nutzungsausfall, entschied das Landgericht

(LG) Lübeck. Nach Auffassung des Gerichts ist es allerdings

erforderlich, dass der Betroffene das Fahrrad für den täglichen

Weg zur Arbeit genutzt hat. Das Gericht gab damit der Klage

eines Fahrradfahrers statt, dessen rund 4.000 Euro teures Rad

bei einem Verkehrsunfall beschädigt worden war. Der Kläger

meinte, wenn ein Unfallverursacher einem Unfallgegner für

jeden Tag, an dem er seinen beschädigten Wagen nicht nutzen

kann, Nutzungsausfall zahlen müsse, dann stehe ein solcher

Anspruch auch einem Fahrradfahrer zu. Das Landgericht

sprach ihm für 35 Tage Nutzungsausfall eine Entschädigung

von knapp 200 Euro zu. (LG Lübeck, Az. 1 S 16/11)

44 ProFirma 05 2012


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Finanzen & Steuern – GmbH-Chef

Kündigung

So schnell wackelt der Chefsessel

Der Streitfall „Kündigung“ wird bei Geschäftsführern meist hinter den verschlossenen

Türen des Landgerichts ausgetragen. Erstaunlich, aber wahr: Bisweilen stolpern Chefs

unnötig über „Bagatellen“. VON LOTHAR VOLKELT

Dass Mitarbeiter selbst bei Bagatellvergehen

gekündigt werden können, hat

sich aufgrund einiger aufsehenerregender

Urteile herumgesprochen. Ihre

Wirkung ist aus Unternehmersicht

nicht ausgeblieben: Viele Mitarbeiter

überlegen seither sehr genau, ob sie für

ein paar Euro Pfandgeld oder für den

ungefragten Abtransport von ein paar

ausrangierten Büromöbeln gleich ihren

Job aufs Spiel setzen wollen.

Die öffentliche Debatte um solche Vergehen

dreht sich dabei eher um den

moralischen Aspekt. Sind solche Bagatellkündigungen

gerechtfertigt, wenn

auf der einen Seite Millionengehälter

gezahlt und Banken vor dem wirtschaftlich

drohenden Zusammenbruch

staatlich geschützt werden, während

auf der anderen Seite Geringverdiener

nicht wissen, wie sie mit ihrem Lohn

die nächste Stromrechnung bezahlen

sollen?

Juristisch ist die Antwort eindeutig:

Nicht allein der Tatbestand des (Bagatell-)

Vergehens rechtfertigt die Kündigung.

Erheblich ist vielmehr das gestörte

Vertrauensverhältnis zwischen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sicherlich

nicht von der Hand zu weisen ist,

dass man betriebliches Vermögen und

Eigentum nur ungern in die Hände von

Menschen legt, zu denen man nicht das

notwendige Vertrauen hat.

Oftmals wird in dieser Diskussion aber

übersehen, dass Geschäftsführer bei

den vermeintlichen Kleinigkeiten ebenfalls

genau aufpassen müssen. Das gilt

vor allem dann, wenn in der GmbH das

Vertrauensverhältnis zwischen dem

Geschäftsführer und den Gesellschaftern

bereits einen Knacks bekommen

hat. Ein Paradebeispiel dafür ist die Situation,

in der die Zahlen der GmbH nicht

mehr stimmen, weil der Geschäftsführer

im Vertrieb auf das falsche Pferd

gesetzt hat. Zur Falle kann auch die

Einstellung eines Mitarbeiters werden,

mit dem der GmbH-Geschäftsführer

zwar befreundet ist, der aber deutlich

weniger bringt, als er den (Mit-)Gesellschaftern

versprochen hat. Folge: Ist

das Vertrauensverhältnis zwischen den

Gesellschaftern und dem (Fremd-)Geschäftsführer

erst einmal gestört, werden

in der Regel auch kleine Vergehen

auf die Goldwaage gelegt.

Beispiel: Reisekosten

Lässt sich der Geschäftsführer einer

GmbH über einen längeren Zeitraum

immer wieder auch die Kosten rein privater

Reisen erstatten, obwohl dies den

klaren Bestimmungen seines Anstellungsvertrags

widerspricht, so berechtigt

dies die Gesellschafter zur fristlosen

Kündigung, ohne dass es einer vorherigen

Abmahnung bedarf – so etwa ein

Urteil des Kammergerichts Berlin vom

10. November 2000 (14 U 9587/99).

Höchste Vorsicht ist aber auch bei einer

unklaren Regelung zu den Reisekosten

geboten. Ist im Anstellungsvertrag die

„Erstattung von Spesen für Dienstreisen“

vereinbart, heißt das automatisch,

dass die Verrechnung privater Reisekosten

nicht erlaubt ist. Mit dieser Formulierung

ist nämlich juristisch gemeint,

dass es der Wille der GmbH ist,

ausschließlich geschäftlich begründete

Spesen zu ersetzen. Etwas schwieriger

ist die Beurteilung, wenn es sich zwar

um eine private Reise handelt, die aber

wichtig für eine zukünftige Geschäftsanbahnung

ist oder sein könnte. Ist das

Verhältnis zu den Gesellschaftern/Mit-

Geschäftsführern angespannt, sollte

der GmbH-Chef hier klar trennen und

private Reisen vorsorglich nicht mehr

abrechnen, auch wenn es sich um eine

„halbgeschäftliche” Reise handelt.

Die lange Liste der

„Kleinigkeiten“

Die Liste der Kleinigkeiten, über die

der Geschäftsführer stolpern kann, ist

so lang wie die Vorgaben in seinem

Anstellungsvertrag. Dabei gilt: Je mehr

Details festgelegt sind, desto mehr Fallstricke

sind ausgelegt, und umso besser

muss der Geschäftsführer aufpassen:

Das reicht von der nicht zulässigen privaten

Nutzung der Firmenkreditkarte,

einem sich selbst genehmigten Vorschuss

auf die erwartete Tantieme über

die missbräuchliche Internet-Nutzung

bis hin zum unkorrekten Umgang mit

Mitarbeitern.

46 ProFirma 05 2012


Kündigungsgrund: Privat tanken

auf Geschäftskosten geht nicht.

Nicht mehr um eine Kleinigkeit geht es

allerdings, wenn der Geschäftsführer in

der Krise falsch handelt oder verspätet

reagiert. Das gilt als Verstoß gegen seine

Insolvenzantragspfl icht und berechtigt

seine (Mit-)Gesellschafter ohne Wenn

und Aber zur fristlosen Kündigung des

Anstellungsvertrags (BGH, Beschluss

vom 15.10.2007 II R 236/06).

Aber es gibt auch Ausnahmen: So

hält der Bundesgerichtshof eine fristlose

Kündigung nicht für gerechtfertigt,

wenn es nur um einen „milden“

Verstoß gegen unklare Vorgaben aus

dem Gesellschaftsvertrag oder der Geschäftsordnung

geht. Etwa, wenn er

lediglich eine Handvoll Aktien aus dem

Anlagevermögen der GmbH veräußert,

laut Gesellschaftsvertrag aber die Veräußerung

von Beteiligungen nur mit

der Zustimmung der Gesellschafter zulässig

ist (BGH, Urteil vom 10.12.2007,

II R 289/06).

Immerhin bleibt dem Geschäftsführer

ein Trost: Auch wenn die fristlose Kündigung

berechtigt ist und eine Klage dagegen

keinen Erfolg verspricht, kann er

darauf bestehen, die „wahren“ Gründe

für seine Kündigung zu erfahren. Denn

laut Rechtsprechung kann er gerichtlich

einfordern, dass der Ex-Arbeitgeber die

Gründe für seine Abberufung und Kündigung

darlegt (Landgericht Zweibrücken,

Urteil vom 14.8.2009, HK 9/09).

Dann kann er immer noch überlegen,

ob sich eine Klage dagegen lohnt.

ProFirma 05 2012

Vergehen mit Folgen für den

Geschäftsführer

> Der Geschäftsführer lädt Hacker-Software auf sein Dienst-Notebook

(OLG Celle, Urteil vom 27.1.2010, 9 U 38/09).

> Der Geschäftsführer betankt seinen Privatwagen auf Kosten der GmbH

(OLG Brandenburg, Urteil vom 18.3.2008, 6 U 58/07).

> Der Geschäftsführer begeht sexuelle Übergriffe oder Mobbing

(OLG Frankfurt, Urteil vom 27.5.2008, 5 U 233/04).

> Nicht weniger folgenschwer ist es, wenn der Geschäftsführer es unterlässt,

einen Angestellten wegen derselben Delikte abzumahnen oder zu

kündigen. Sogar in diesem Fall dürfen die Gesellschafter den Geschäftsführer

unverzüglich vor die Tür setzen (OLG Hamm, Urteil vom 1.3.2007,

27 U 137/06).

> Der Geschäftsführer begleicht private Rechnungen mit der Firmenkreditkarte

(OLG Brandenburg, Urteil vom 20.2.2007, 6 U 22 und 61/06). Im

verhandelten Fall ging es einmalig um einen Betrag von 3.500 Euro.

> Der Geschäftsführer verweigert einem Gesellschafter Auskunft über die

fi nanzielle und wirtschaftliche Situation der GmbH (OLG Hamm, Urteil vom

6.3.1996, 8 U 154/93).

> Der Geschäftsführer vernachlässigt seine Aufsichtspfl ichten gegenüber

einer Tochter-GmbH (OLG Thüringen, Urteil vom 12.8.2009, 7 U 244/07).

> Der Geschäftsführer veranlasst einen leitenden Mitarbeiter, ihm eine Tantieme

auszuzahlen, obwohl der Rechtsanspruch darauf noch nicht besteht

(OLG Hamm, Urteil vom 24.6.1994, 25 U 149/90).

CHECKLISTE

So beugen Sie als Geschäftsführer

einer Bagatellkündigung vor

1. Wird im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag

eine Liste der wichtigen

Gründe aufgeführt, die zur fristlosen

Kündigung berechtigen, sollten Sie

darauf hinwirken, „dass weniger

schwere Verstöße gegen Pfl ichten

aus dem Anstellungsvertrag nur

dann ein wichtiger Grund für eine

fristlose Kündigung im Sinne dieses

Vertrags sind, wenn grobe Fahrlässigkeit

vorliegt“.

2. Halten Sie sich „getreu“ an den

Wortlaut Ihres Geschäftsführer-Anstellungsvertrags.

3. Lassen Sie sich missverständliche

oder interpretationswürdige Formu-

lierungen im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag

von einem erfahrenen

Juristen erklären.

4. Holen Sie sich im Zweifel die

Zustimmung der Gesellschafter zur

Erstattung von solchen Kosten ein,

die Sie aus eigener Tasche bezahlt

haben (Beispiel: Reisekosten aus

gemischten privaten und geschäftlichen

Reisen).

5. Begleichen Sie private Kosten

mit der Firmenkreditkarte, sollten Sie

umgehend die Gesellschafter per Notiz

darüber informieren, Belege über

die Rückzahlung vorlegen und diese

in Kopie in Ihren Unterlagen ablegen.

47


Finanzen & Steuern – Finanzierung

Crowdfunding

Schwarmgeld

Die Masse macht‘s: Beim Crowdfunding stammt das Kapital von einer Vielzahl privater

Investoren. Einst als Finanzierungsalternative für Kreative gestartet, etabliert sich das

Instrument langsam, aber sicher. Vor allem Gründer profi tieren davon. VON SABINE HÖLPER

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Mit dem Crowdfunding etabliert sich

im Internet ein neuer Finanzierungskanal

für kleine Firmen.

Bereits mit kleinen Summen ab 250

Euro können sich private Anleger an

jungen Firmen beteiligen.

Wie bei jeder Beteiligung ist das Risiko

für die Anleger hoch. Der Vorteil für die

jungen Firmen: Sie erhalten Geld, ohne

Sicherheiten stellen zu müssen.

Dass es recht schnell gehen würde, davon waren Frank Riemann

und Robin von Hein ausgegangen. Oder besser: Sie

hatten es gehofft. Dennoch waren die beiden Geschäftsführer

der Easycard Insurance GmbH am Schluss doch überrascht,

wie schnell das Geld zusammenkam. Nach 35 Minuten waren

50.000 Euro eingesammelt, nach 87 Minuten die Maximalsumme

von 100.000 Euro. Damit hat das Versicherungsunternehmen

mit Sitz in Erfurt und Berlin einen neuen Rekord

aufgestellt: Easycard ist das deutschlandweit am schnellsten

fi nanzierte Unternehmen, fi nanziert mit Crowdfunding.

Crowdfunding ist ein Finanzierungsinstrument, bei dem es

die Masse macht. Nicht ein Investor gibt dem Unternehmen

Kapital, sondern eine Vielzahl von Investoren. Meist sind das

Privatpersonen, also weder Banken noch institutionelle Anleger.

Sie beteiligen sich mit geringen Beträgen ab etwa 250

Euro aufwärts an der Finanzierung des Unternehmens. Dass

trotzdem respektable Summen dabei herauskommen, liegt

an der recht hohen Zahl der Geldgeber. Bei Easycard sind es

mehr als 140.

In Deutschland ist Crowdfunding ein noch sehr junges Finanzierungsinstrument.

Die Idee ist aus den USA herübergeschwappt,

wo Crowdfunding im Jahr 2006 seinen Anfang

nahm. Als damals die amerikanische Musikbranche wegen

sinkender Einnahmen in Krisenstimmung geriet, versuchte

sie, die Fans über das Internet als Finanziers zu gewinnen. Also

wurde Sellaband.com und damit die erste Crowdfunding-

Plattform überhaupt gestartet. Über diese Webseite konnten

die Fans den Künstlern Geld für die Produktion ihres Albums

zur Verfügung stellen. Kamen mindestens 50.000 US-Dollar

zusammen, konnten die Musiker die Platte aufnehmen. Der

Erfolg von Sellaband rief Nachahmer auf den Plan. Im Jahr

2010 war es dann in Deutschland so weit: Mit Startnext, Pling

oder Inkubato gingen die ersten Crowdfunding-Plattformen

an den Start. Ebenso wie ihre Vorbilder aus Amerika, verhelfen

sie Künstlern zu Kapital.

Einst als Finanzierungsalternative für Kreative gestartet, steht

Crowdfunding seit etwa einem Jahr auch Unternehmen offen.

Plattformen wie Seedmatch.de, Mashup-fi nance.de oder die

noch jüngere Innovestment.de haben sich auf Crowd-Investing

spezialisiert. Aber auch Plattformen, die sich bislang nur

an Kreative richteten, öffnen sich nach und nach Betrieben.

Über Mysherpas.com etwa sammelte kürzlich das Schweizer

Start-up Exthanded 8.000 Euro ein. Mit dem Geld will das Unternehmen

drei Prototypen eines neuartigen Schwebestativs

für Camcorder produzieren.

Geldquelle für innovative Firmen

Crowdfunding ist vor allem für Start-ups eine gute Möglichkeit,

Kapital zu bekommen. Im Gegensatz zum Bankkredit erhalten

sie die Mittel von der Masse, ohne Sicherheiten stellen

zu müssen. Außerdem handelt es sich bei dem eingesammelten

Kapital um Beteiligungskapital, also echtes Eigenkapital,

das auch die Chancen auf eine Anschlussfi nanzierung steigert.

Auch Easycard hat bereits die zweite Finanzierungsrunde ab-

privat

geschlossen. Ein Business-Angel schießt weiteres Kapital zu. Foto:

48 ProFirma 05 2012


Aber auch für etablierte Firmen kann diese Finanzierungsalternative

interessant werden, etwa als Projektfi nanzierung.

„Entscheidend ist, dass das Kapital suchende Unternehmen etwas

Neues zu bieten hat“, sagt Marianne Kulicke, Expertin für

Innovationsfi nanzierung am Fraunhofer Institut für System-

und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. Schließlich investiere

ein Kapitalanleger eher in einen Betrieb, der eine Innovation

herausgebracht habe. Da die Geldgeber darauf hoffen,

dass sich ihr Anteil am Unternehmen in den nächsten Jahren

vervielfacht, investieren sie am liebsten in Firmen mit hohem

Wachstumspotenzial. Und das sind nun einmal junge Firmen

mit einer vielversprechenden Geschäftsidee. Ob die Anleger

aber jemals eine Rendite sehen, ist in vielen Fällen unsicher.

Die Geschäftsidee – sie ist der Dreh- und Angelpunkt bei der

Schwarmfi nanzierung. Sie muss das Potenzial haben, Investoren

zu begeistern. Denn nur wenn viele Menschen von einer

Idee überzeugt sind, kann sie erfolgreich mit Crowdfunding

fi nanziert werden. Aus diesem Grund eignen sich vor allem

solche Firmen für die Schwarmfi nanzierung, die ein Produkt

anzubieten oder in der Pipeline haben, das die Menschen

gerne besitzen würden. Die Kapitalgeber investieren nämlich

auch deshalb in ein Unternehmen, „weil sie bestimmen

können, was in den Markt kommen soll“, sagt Seedmatch-

Geschäftsführer Uwe Sauer. Besonders ausschlaggebend sei

dieser Aspekt, wenn der Investor einen persönlichen Bezug

zu den Produkten des Unternehmens habe.

ProFirma 05 2012

INTERVIEW

„Lücke geschlossen“

Marianne Kulicke, Expertin für Innovationsfi

nanzierung am Fraunhofer Institut für Systemund

Innovationsforschung ISI, zu den Chancen

des Crowdfundings.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE SABINE HÖLPER

Frau Kulicke, Crowdfunding

ist eine noch junge Finanzierungsalternative,

fi ndet

aber wachsenden Zuspruch.

Welches Potenzial hat dieses

neue Instrument?

Kulicke: Es ist davon auszugehen,

dass Crowdfunding

eine gängige Finanzierungsform

wird. Ob es tatsächlich

so kommt, hängt von den Erfahrungen ab, die die Unternehmen

und Investoren derzeit und in naher Zukunft mit diesem

Finanzierungsinstrument machen.

Crowdfunding bedeutet, dass eine Vielzahl von Mikroinvestoren

Anteile am Unternehmen bekommen. Ist das nicht ein

Nachteil?

Kulicke: Das sehe ich nicht als Nachteil. Im Zeitalter des Internets

spielt es keine Rolle, ob man zehn oder 100 Anteilseigner

informiert. Der Aufwand hält sich in Grenzen.

Derzeit können Unternehmen höchstens 100.000 Euro mittels

Crowdfunding einsammeln. Ist der Betrag für die meisten Firmen

nicht viel zu gering?

Kulicke: Sicher, in vielen Fällen ambitionierter Gründungsvorhaben

sind 100.000 Euro zu wenig. Dennoch ist es zu begrüßen,

dass ein neues Finanzierungsinstrument gerade in dieser

Größenordnung geschaffen wurde. Denn in diesem Größenbereich

existiert eine Finanzierungslücke. Größere Summen

bedient der Venture-Capital-Markt, für kleine Beträge existieren

andere Möglichkeiten der Mikrofi nanzierung.

Crowdfunding: Geld aus dem

Netz, statt von der Bank.

49


Finanzen & Steuern – Finanzierung

CROWDFUNDING

So funktioniert es

1 Das Unternehmen schickt dem Crowdfunding-

Anbieter einen kurzen Business-Plan zu, aus dem die

Geschäftsidee hervorgeht.

2 Ist die erste Bewertung durch die Plattform positiv, reicht

der Kandidat einen vollständigen Business-Plan ein. Dieser

wird intensiv auf Eignung und Potenzial geprüft.

3 Ist das Geschäftskonzept geeignet, wird der Funding-

Vertrag geschlossen.

4 Anschließend muss das Unternehmen der Plattform

Unterlagen und Informationen zukommen lassen – für die

Präsentation auf der Plattform.

5 Das Unternehmen legt vor dem Funding-Prozess zwei

Summen fest: die Funding-Schwelle und das Funding-Limit

(also die minimale und die maximale Summe, die eingesammelt

werden soll). Nur wenn die Funding-Schwelle

erreicht wird, werden die Beteiligungsverträge wirksam.

Andernfalls geht der Betrieb leer aus.

6 Der Funding-Prozesses startet. Das heißt, das Projekt

wird auf der Plattform live geschaltet. Von nun an können

die (registrierten) Mikroinvestoren bis zu 60 Tage lang

(eventuell zusätzlich 30 Tage Verlängerung) eine Beteiligung

erwerben.

7 Ist das Funding erfolgreich, erhält das Unternehmen das

Kapital. Es bleibt der Plattform aber weiterhin verbunden. Es

kann darüber zum Beispiel die Reportings an die Investoren

senden und anderweitig mit ihnen in Kontakt treten.

Wissenswertes

Beteiligungsform: Stille Beteiligung

Pfl ichten: Regelmäßige Quartalsberichte an die Investoren,

unregelmäßige persönliche Updates auf der Plattform über

die Entwicklung des Unternehmens

Laufzeit: In der Regel zwischen fünf und sieben Jahren

Kosten: Im Vorfeld: Kosten für die Erstellung eines Präsentationsvideos;

bei erfolgreichem Crowdfunding: Erfolgshonorar:

rund fünf bis zehn Prozent der eingesammelten Summe,

Transaktionskosten für die Überweisungen der Investments.

So erklärt sich auch, warum die Easycard Insurance GmbH in

Rekordzeit 100.000 Euro einsammeln konnte: Easycard steht

für eine neue Art der Versicherung im Web 2.0. Ohne Angabe

persönlicher Daten und ganz einfach per Mausklick können

iPhones, Smartphones oder Fahrräder versichert werden. Das

kommt bei den Kunden offenbar an. Das Gleiche gilt für Sugarshape,

ein Unternehmen, das kürzlich innerhalb weniger

Stunden 100.000 Euro über Seedmatch einsammeln konnte.

Der junge Dessoushersteller bietet schicke Büstenhalter in

großen Größen an – und trifft damit den Nerv der Zeit. Bislang

suchten Frauen mit großer Oberweite oft vergeblich

nach modernen BH.

Investoren wollen sich mit den Produkten

identifi zieren

Dass vor allem Konsumenten, die sich sehr stark mit einem

Unternehmen und dessen Produkten identifi zieren, zu Investoren

werden, ist charakteristisch für Crowdfunding. Und es

ist seine große Stärke: Denn Investoren, die auch potenzielle

Kunden sind, empfehlen das Unternehmen weiter. Sie werden

zu Multiplikatoren, betreiben wichtige Mundpropaganda.

„Crowdfunding ist auch ein Marketinginstrument“, sagt

Easycard-Geschäftsführer von Hein. „Das ist ein großer Vorteil

dieser Finanzierungsvariante.“ Seit das Unternehmen auf

Seedmatch präsent ist, seien die Besucherzahlen der Website

um 400 Prozent gestiegen.

Ganz von selbst stellt sich der Marketingeffekt allerdings

nicht ein. Ebenso wenig ist eine erfolgreiche Finanzierung

garantiert. „Die Firmen müssen Kommunikation mögen und

beherrschen“, sagt Seedmatch-Gründer Sauer. „Crowdfunding

lebt vom unmittelbaren Kontakt zwischen Unternehmen und

Mikroinvestoren.“ Was geschieht, wenn man die Kommunikation

schleifen lässt, kann man auf der Seedmatch-Plattform

beobachten: Seit Tagen herrscht bei einer Kapital suchenden

Firma Stillstand, von den angepeilten 100.000 Euro sind weniger

als 60.000 zusammengekommen. „Das Unternehmen

postet keine Neuigkeiten“, sagt Sauer lapidar.

Dieser Tatsache muss man sich bewusst sein, wenn man

Crowdfunding nutzen möchte. Und man muss sich vor allem

bewusst sein, dass man am Ende sogar mit leeren Händen dastehen

kann. Finden sich nicht genügend Investoren, um wenigstens

den angepeilten Mindestbetrag, die Funding-Schwelle,

zusammenzubekommen, platzt die gesamte Finanzierung.

Crowdfunding ist also noch kein Finanzierungsinstrument

für die Masse. Das liegt aber weniger am Interesse möglicher

Investoren als vielmehr an der Tatsache, dass das Angebot

derzeit noch dünn ist. Die wenigen vorhandenen Plattformen

reichen nicht aus für die vielen Interessenten. Diese müssen

sich auf entsprechend lange Wartezeiten einstellen, bis der

Funding-Prozess gestartet werden kann. Vom schnellen Geld

– für Easycard einer der Vorteile des Crowdfundings – kann da

keine Rede mehr sein.

Weiterführende Links: Crowdfunding-Plattformen: www.seedmatch.de; www.innovestment.de; www.mashup-fi nance.de; www.mysherpas.com;

Informationen: www.ikosom.de Auf dieser Webseite kann ein Crowdfunding-Handbuch und eine Studie zum Thema bestellt werden.

50 ProFirma 05 2012


Die Prinzipien der Geldanlage sind im Grunde genommen

einfach. Das wohl wichtigste lautet: Geldanlage ist ein „Fehlerfrei-Spiel“.

Es gewinnt also immer der, der die wenigsten

Fehler begeht, ähnlich wie beim Golfsport. Gemessen daran

muss der Rückblick auf das Jahr 2011 ernüchternd ausfallen,

denn es waren vier Quartale mit vier typischen Fehlern.

Im ersten Quartal beschäftigte die Anleger die Sorge um

Währungsverfall und Hyperinfl ation. Während wenige Cent

Preiserhöhung an der Tankstelle zur Suche nach einer Alternative

führt, deckte sich die Mehrheit der besorgten Anleger

trotz enorm steigender Preise mit unverhältnismäßig großen

Beträgen in Gold ein. Damit verzichteten sie nicht nur auf

Erträge, sondern setzten als Eurobürger große Vermögensbestandteile

den starken Wertschwankungen des US-Dollars

aus. Denn in dieser Währung werden die Edelmetallpreise

notiert. Erschwerend kam hinzu, dass die Anleger keine Goldbarren

kauften, sondern Anteile an teuren Beteiligungen oder

Zertifi katen. Eine fehlerfreie Goldanlage sieht anders aus: Anleger

sollten physische Edelmetallbestände in ihrem Depot

halten und deren Anteil am Gesamtvermögen immer konstant

lassen. Das bedeutet: Sie verkaufen bei steigenden und

kaufen bei fallenden Preisen.

Im zweiten Quartal waren es die fallenden Guthabenzinsen

und Renditen, die viele Anleger auf die Idee brachten, mit

hohen Erträgen lockende Genussscheine und geschlossene

Beteiligungen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zu

kaufen. Bei der Präsentation einer ethisch-ökologisch orientierten

Bank vor Ingenieuren kannte die Filialleiterin zwar die

erwartete hohe Rendite für das von ihr angepriesene Windrad,

wusste aber keine Antwort auf die Publikumsfrage nach der

Eigenkapitalquote des Emittenten. Wenn das der Höhepunkt

ethischer Beratung ist, sollte der Anleger misstrauisch wer-

ProFirma 05 2012

Soll & Haben

Vier Quartale,

vier typische Fehler

Von Gabriel Hopmeier

Gabriel Hopmeier ist Certifi ed

Financial Planner (CFP) und Sachverständiger

für Anlageberatung

und Finanzplanung in Freiburg.

Info: www.hopmeier.de

den. Keinen Fehler macht der langfristig orientierte Investor,

wenn er trotz der Krise eine breit gestreute und kostengünstige

Mischung aus Öko-Indexfonds und einlagengesicherten

Anlagen erwirbt.

Nicht nur die Guthaben-, sondern auch die Darlehenszinsen

befanden sich im freien Fall. Das führte im dritten Quartal zu

einem „Run“ auf Immobilien. Dabei stiegen die Kaufpreise so

stark an, dass selbst Makler an ihrem Provisionsglück keinen

richtigen Gefallen fi nden konnten. Denn die Käufer werden

beim Verkauf der Immobilien mit großer Sicherheit hohe

Verluste einfahren. Dabei machten die Käufer auch einen weiteren

Fehler: Sie sicherten sich die günstigen Bauzinsen in lang

laufenden Darlehensverträgen, ohne die Tilgungszahlungen

entsprechend zu erhöhen. So kommen zu den hohen Preisen

überhöhte Zinskosten dazu. Wer wirtschaftlich denkt, schaut

weiterhin auf faire Einkaufspreise und nutzt Zinsfl auten, um

das Darlehen schnell zu tilgen. Ansonsten bleiben gute Offene

Immobilienfonds eine einfache, kostengünstige und fl exible

Art, in Immobilien investiert zu sein.

Der Lieblingssatz im vierten Quartal lautete: „Ich muss noch

dieses Jahr eine Rentenversicherung abschließen.“ Der Grund:

Die Garantiezinsen standen wieder einmal vor einer Senkung.

Da aber die Garantiezinsen nur auf den Teil der Prämie gezahlt

werden, der nach Abzug aller Kosten noch übrig bleibt, kann

das kein Grund für den Abschluss einer solchen Police sein.

Und überhaupt: Für die Rente braucht es eine sichere und rentable

Geldanlage, aber keine Rentenversicherung.

Die Lehren aus dem vergangenen Jahr für eine fehlerfreie

Geldanlage lauten also: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Erfolgversprechender

ist und bleibt eine langfristigorientierte

Anlagestrategie mit einer breiten Streuung des Vermögens

auf unterschiedliche Anlageformen.

Kolumne

51


Finanzen & Steuern

Steuertrends

Studie

Steuerbelastung für Mittelstand immer noch hoch

Deutsche Unternehmen zahlen innerhalb

der Europäischen Union nach wie

vor mit die höchsten Steuern. Das ist

das Ergebnis einer Studie der Stiftung

Familienunternehmen. In der Reihe der

27 EU-Mitgliedsstaaten stehe die Bundesrepublik

auf einem unrühmlichen

21. Platz, also im unteren Drittel.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

(ZEW) in Mannheim

hatte die Studie in Kooperation mit der

Universität Mannheim erstellt. Dabei

setzte das ZEW ein Simulationsmodell

ein, den „European Tax Analyzer“. Mit

diesem Modell kann die effektive Steuerbelastung

von Unternehmen und ihren

Beteiligten unter Berücksichtigung

sämtlicher relevanter Steuerarten berechnet

werden.

Ergebnis der Studie: Die gegenwärtige

Steuerpolitik erfüllt die zentralen Anforderungen

an die Unternehmensbesteuerung

nicht. Dazu zählen Entscheidungsneutralität

und Einfachheit

der Besteuerung sowie die Stärkung

der Standortattraktivität. Im Rahmen

der Studie wurden daher auch Unternehmensvertreter,

Steuerberater und

Vertreter der Finanzverwaltung nach

Arbeitgeber dürfen Mitarbeitern Software

steuerfrei überlassen

den zentralen Problemfeldern des deutschen

Unternehmenssteuersystems

befragt. Danach gelten die steuerliche

Behandlung grenzüberschreitender

Geschäfte, die Besteuerung von Personengesellschaften,

die sogenannte

Zinsschranke und die Erbschaftsteuer

als besonders reformbedürftig. „Dass

es der Staat den Unternehmen dort besonders

schwer macht, wo sie stark sind

und auch Deutschland stark machen,

nämlich im Export, das ist widersinnig“,

kommentierte Prof. Brun-Hagen Hennerkes,

Vorstand der Stiftung Familienunternehmen,

die Umfrage.

Hat ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Computer-Software zur Installation

auf dem privaten PC oder iPads, Tablets und Smartphones überlassen, stuften die

Lohnsteuerprüfer diese Überlassung bisher als geldwerten Vorteil ein und forderten

Lohnsteuer nach. Doch diese Interpretation gehört nun endgültig der Vergangenheit

an. Rückwirkend vom Jahr 2000 an sind solche Überlassungen komplett von

einer Besteuerung freigestellt. Das gilt auch für die Betriebs- und Verbindungskosten

für solche Datenverarbeitungsgeräte (Entwurf Gemeindefi nanzreformgesetz,

BT 17/8235).

ProFirma rät: Liegt ein Unternehmer mit dem Lohnsteuerprüfer wegen einer solchen

Überlassung von Software im Clinch, sollte er mit Hinweis auf die rückwirkende

Anpassung des § 3 Nr. 45 EStG auf der Steuerfreiheit bestehen.

Ticker

ENTFERNUNGSPAUSCHALE

Die Entfernungspauschale für Fahrten

zwischen Wohnung und Betrieb gibt

es nur für eine Fahrt täglich. Das gilt

selbst dann, wenn ein Unternehmer

wegen Schichtarbeit mehrmals am

Tag in den Betrieb muss (FG Hessen,

Az. 4 K 3301/09).

EHRENAMT

Wer mehr als 50 Euro in der Stunde

oder insgesamt mehr als 17.500

Euro pro Jahr für eine ehrenamtliche

Tätigkeit erhält, muss Umsatzsteuer

für die Vergütung ans Finanzamt abführen

(BMF, Az. Az: IV D 3 - S 7185/

09/10001).

UNLESERLICH

Stellt ein Unternehmer seinen Drucker

auf Sparmodus und reicht beim

Finanzamt deshalb eine unleserliche

Steuererklärung ein, gilt diese als

nicht abgegeben (OFD Koblenz, Az. S

0321 A – St 35.2). Folge: Dem Unternehmer

drohen Verspätungszuschläge

und Schätzungen.

LOHNSTEUER

Erhält ein Betreuer in einem Kinderheim

unentgeltlich Mahlzeiten, liegt

kein zu versteuernder geldwerter

Vorteil vor, wenn das gemeinsame

Essen mit den Kindern pädagogischen

Gründen oder lediglich der Aufsicht

dient (FG Schleswig-Holstein, Az. 5 K

64/11).

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52 ProFirma 05 2012


Finanzgericht kann Steuererstattung anordnen

Das Finanzgericht kann eine Finanzbehörde im Wege einer

einstweiligen Anordnung verpfl ichten, eine Steuererstattung

festzusetzen, wenn dies zur Gewährung effektiven Rechtsschutzes

unumgänglich ist. Weitere Bedingung dafür ist, dass

der Erfolg des Antragstellers in der Hauptsache überwiegend

wahrscheinlich ist und der Anordnungsgrund eine besondere

Intensität aufweist. Dies geht aus einem Urteil des Finanzgerichts

Münster hervor (5 V 4511/11 U).

Im Streitfall hatte die Klägerin unter Hinweis auf die Rechtsprechung

des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur umsatzsteuerlichen

Behandlung von frisch zubereiteten Speisen

zum sofortigen Verzehr an Imbissständen beantragt, dass die

unter dem Vorbehalt der Nachprüfung stehenden Umsatzsteuerbescheide

für die Jahre 2006 bis 2008 geändert werden.

Das Finanzamt lehnte die Änderung für die Jahre 2007 und

Ohne uns fehlt Ihnen was.

2008 ab. Das Einspruchsverfahren hierzu ist noch nicht abgeschlossen.

Hierauf wandte sich die Antragstellerin mit einem Antrag

auf Erlass einer einstweiligen Anordnung an das Finanzgericht

und begehrte die Erstattung von rund 110.000 Euro

Umsatzsteuer. Das Gericht bejahte das Vorliegen eines Anordnungsanspruchs,

da die Umsätze der Antragstellerin aus

dem Verkauf von Bratwürstchen und Pommes frites als eine

dem ermäßigten Steuersatz unterliegende Lieferung i. S. d. §

3 Abs. 1 UStG zu qualifi zieren seien. Durch die Vorlage korrigierter

Umsatzsteuererklärungen habe die Antragstellerin

die Höhe der sich ergebenden Erstattungsbeträge glaubhaft

gemacht. Auch ein Anordnungsgrund sei gegeben, denn die

Antragstellerin habe glaubhaft gemacht, dass sie unmittelbar

von Zahlungsunfähigkeit bedroht sei.

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Finanzen & Steuern

Steuertipps

Vorsteuer

Rechnung mit vielen Unbekannten

Unternehmer können für elektronische Eingangsrechnungen

seit Juli 2011 den Vorsteuerabzug geltend machen. Aber es gibt

Hürden im Detail. VON OTTFRIED WEISS

Seit 1. Juli 2011 gelten für elektronische

Eingangsrechnungen bekanntlich neue

gesetzliche Vorgaben. Zwar gelingt

der Vorsteuerabzug aus elektronischen

Rechnungen nun auch ohne qualifi -

zierte digitale Signatur. Doch wie bringt

man auf einer elektronischen Rechnung

Kontierungsvermerke an, obwohl

diese doch gar nicht verändert werden

darf? Weitere Unklarheit: Wie soll das

innerbetriebliche Kontrollverfahren als

STICHWORT

Elektronische

Rechnung

> Elektronisch: Als elektronische

Rechnung gelten Rechnungen, die

per E-Mail, D-Mail, per CD oder

USB-Stick oder auf das Computer-

Fax eingehen sowie Rechnungen,

die per Web-Download oder per EDI

übermittelt werden.

> Papier: Wird die elektronische

Rechnung ausgedruckt und in

Papierform aufbewahrt, bleibt die

Rechnung dennoch eine elektronische

Rechnung. Es gelten also die

speziellen Vorgaben.

> Aufbewahrung: Die elektronische

Rechnung muss zehn Jahre lang

aufbewahrt werden. Dabei ist darauf

zu achten, dass die Rechnung

während dieser Zeit nicht verändert

werden kann und dass sie leserlich

bleibt.

verlässlicher Prüfpfad zwischen Rechnung

und Leistung aussehen, und was

passiert, wenn dieses Kontrollverfahren

nicht eingesetzt wird? Fragen über

Fragen, auf die ProFirma aus mehreren

Verfügungen und einem Entwurf eines

Schreibens des Bundesfi nanzministeriums

die Antworten herausgefi ltert hat.

Voraussetzungen für den

Vorsteuerabzug

Tatsache ist, dass die qualifi zierte Signatur

im Zusammenhang mit der elektronischen

Rechnung seit 1. Juli 2011

ausgedient hat. Für den Vorsteuerabzug

genügt eine Rechnung, in der alle notwendigen

Rechnungsinhalte des § 14

Abs. 4 UStG enthalten sind. Zwar weist

der Gesetzgeber darauf hin, dass durch

ein innerbetriebliches Kontrollverfahren

sichergestellt werden muss, dass

die Leistung nachweisbar ist oder der

korrekte Leistungserbringer ausgewiesen

ist. Wenn dieses Kontrollverfahren

aber fehlt, hat das keine eigenständige

Bedeutung. Im Klartext bedeutet das:

Auch ohne ein innerbetriebliches Kontrollsystem

darf das Finanzamt den

Vorsteuerabzug nicht automatisch

verweigern (BMF, Entwurf eines Schreibens

vom 1.2.2012, Az. IV D 2 – S 7287a/09/10004

:003).

Innerbetriebliches Kontrollverfahren

Das innerbetriebliche Kontrollverfahren

ist nichts anderes als eine Prüfung

der Rechnungsinhalte auf ihre Richtigkeit.

Hier empfi ehlt sich das Vier-

Augen-Prinzip. Zwei Personen sollten

unabhängig voneinander die Rechnungsinhalte

(Leistungsbeschreibung,

Leistender, etc.) prüfen und schriftlich

abhaken, wenn alles erfüllt ist. Die Prüfergebnisse

sollten Unternehmer aufbewahren.

Kontierung einer elektronischen

Rechnung

Nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer,

DV-gestützter Buchführungssysteme

(GoBS) sind Kontierungsvermerke

zum Buchungsdatum, zur

verwendeten Kontonummer oder zum

Ablageort auf der Rechnung vorgeschrieben.

Das Problem ist, dass die

elektronische Rechnung nicht verändert

werden darf. Unternehmen stehen

also im Prinzip vor der Wahl, entweder

den Vorsteuerabzug zu retten und nicht

zu kontieren oder zur Erfüllung einer

ordnungemäßen Buchführung zu kontieren

und dann den Vorsteuerabzug zu

riskieren. Ein Teufelskreis, für den das

Bayerische Landesamt folgende Lösung

anbietet (Verfügung vom 13.2.2012,

Az. S 0316.1.1-5/1 St 42): Für die Kontierungsvermerke

ist ein gesonderter

Datensatz zu erstellen. An diesen Datensatz

ist die elektronische Rechnung

so anzuhängen, dass diese beiden Daten

nie wieder getrennt werden können. Bei

Nutzung einer Buchführungs-Software

dürfte das kein Problem sein.

54 ProFirma 05 2012


Alles in Ordnung

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Finanzen & Steuern

Steuertipps

Steuertermine

Update für den Terminkalender

Zum Regelungsdickicht des Steuerrechts gehört auch eine Vielzahl von Stichtagen, die Selbstständige

und Unternehmer leicht übersehen. ProFirma erinnert an die wichtigsten. VON OTTFRIED WEISS

In den Monaten Mai bis Juli stehen zahlreiche

wichtige Steuertermine auf dem

Plan, die sich Selbstständige rot im Kalender

eintragen sollten. Denn neben

unbekannten Steueränderungen geht es

bei diesen Terminen um bares Geld in

Form von Steuererstattungen. Hier die

wichtigsten Infos für die Monate Mai

bis Juli.

Stichtag 31. Mai 2012:

Zuordnungsentscheidung treffen

Hat sich ein Selbstständiger im Jahr

2011 privat einen Pkw gekauft und diesen

mindestens zu zehn Prozent für betriebliche

Fahrten genutzt, darf er diesen

Pkw seinem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen

zuordnen. Vorteil:

In diesem Fall winkt aus dem Kaufpreis

des Privat-Pkw und aus den laufenden

Kosten eine Vorsteuererstattung. Doch

damit das Finanzamt mitspielt, muss

der Unternehmer die Zuordnung des

Privat-Pkw zum umsatzsteuerlichen Betriebsvermögen

bis spätestens 31. Mai

2012 schriftlich anzeigen.

ProFirma rät: Beim Nachweis der mindestens

zehnprozentigen unternehmerischen

Nutzung erwartet das Finanzamt

übrigens zeitnahe Aufzeichnungen.

Nachträgliche Aufzeichnungen werden

meist nicht anerkannt (FG Rheinland-

Pfalz, Az. 6 K 2286/08; Revision beim

BFH, Az. VIII R 11/11).

Stichtag 30. Juni 2012:

Vorsteuervergütungsantrag

Muss ein Unternehmer in einem Drittstaat

ausländische Umsatzsteuer abführen,

kann er sich diese möglicherweise

wieder vom ausländischen Fiskus zurückholen.

Adressen und Infos zum Vergütungsverfahren

bietet das Bundeszentralamt

für Steuern unter www.bzst.de.

Vorsteuerabzug

Seit 1. April 2012 dürfen Unternehmer keine Vorsteuererstattung mehr beantragen,

wenn klar ist, dass die gekauften Gegenstände nicht für Ausgangsumsätze

verwendet werden. Keine Vorsteuer gibt es danach für Gegenstände,

die zur Verlosung an Kunden gekauft werden. Auch bei Betriebsveranstaltungen,

bei denen die Kosten je Teilnehmer mehr als 110 Euro betragen, ist

ein Vorsteuerabzug für die Kosten dieser Veranstaltung grundsätzlich ausgeschlossen

(BMF, Schreiben vom 2.1.2012, Az. IV D2 – S 7300/11/10002).

Fristverlängerung

Bis zum 31. Mai 2012 erwartet das Finanzamt die Steuererklärungen für

2011. Ausweg: Antrag auf Fristverlängerung mit Begründung. Bei Ausfertigung

der Steuererklärungen durch einen Steuerberater gilt grundsätzlich eine

Fristverlängerung bis Ende 2012.

Stichtag für die Antragstellung 2011 ist

der 30. Juni 2012. Geht der Antrag mit

den Originalrechnungen einen Tag zu

spät ein, erlischt der Anspruch auf Erstattung.

ProFirma rät: Hat ein Selbstständiger

dagegen im Jahr 2011 im EU-Ausland

Umsatzsteuer gezahlt, hat er noch bis

zum 30. September 2012 mit dem Erstattungsantrag

Zeit. Der Antrag ist

elektronisch ohne Originalbelege ans

Bundeszentralamt zu übermitteln.

Stichtag 1. Juli 2012:

Gelangensbestätigung

Liefert ein Unternehmen Waren an Geschäftspartner

im EU-Ausland, gelten

vom 1. Juli 2012 an für die Umsatzsteuerfreiheit

der Lieferung neue Nachweispfl

ichten. Der Lieferant muss dem

Finanzamt auf Verlangen eine Bestätigung

aushändigen, dass der Abnehmer

die Ware tatsächlich im Ausland erhalten

hat (sogenannte Gelangensbestätigung).

In einem neuen Entwurf eines

BMF-Schreibens erläuterte das Bundesfi

nanzministerium, was vom Stichtag

1. Juli 2012 an zu beachten ist. Dazu hat

das Ministerium ein Muster der Gelangensbestätigung

in drei Sprachen veröffentlicht

(Entwurf vom 21.3.2012, Az.

IV D 3 – S 7141/11/10003-02).

ProFirma rät: In Versendungsfällen soll

nun die Unterschrift des tatsächlichen

Warenempfängers als Nachweis genügen,

dass die Ware tatsächlich im Ausland

angekommen ist. Bisher sollte der

in der Rechnung genannte Abnehmer

die Gelangensbestätigung unterzeichnen.

56 ProFirma 05 2012


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Finanzen & Steuern

Steuertipps

Gewinnermittlung 2011

Jeder Euro Betriebsausgabe zählt

Gerade in Zeiten guter Konjunktur steigt mit den Gewinnen auch die Steuerbelastung.

Unternehmer sollten daher alle Möglichkeiten zum Steuern sparen nutzen. VON OTTFRIED WEISS

Bei vielen kleinen und mittleren Betrieben

steht derzeit die Gewinnermittlung

2011 auf dem Plan. Egal, ob Bilanzierung

oder Einnahmen-Überschussrechnung,

zahlreiche Steuerregeln erlauben

es, den zu versteuernden Gewinn zu

senken und damit die Steuerlast zu drücken.

ProFirma nennt die wichtigsten

Möglichkeiten und einige Schlupfl öcher,

die nicht so bekannt sind.

Investitionsabzugsbetrag nutzen

Im Steuerjahr 2011 profi tieren bilanzierende

Unternehmer vom Investitionsabzugsbetrag

nach § 7g Abs. 1 EStG,

wenn der Wert ihres Betriebsvermögens

zum 31. Dezember 2011 nicht

mehr als 235.000 Euro betrug (2010:

335.000 Euro). Bei Einnahmen-Überschussrechnern

darf der Gewinn 2011

nicht höher als 100.000 Euro ausgefallen

sein (2010: 200.000 Euro). Liegen

die Voraussetzungen vor, können mit

dem Investitionsabzugsbetrag Ausgaben

für zukünftig anfallende Anschaffungen

teilweise mit dem Gewinn 2011

verrechnet werden.

Beispiel: Unternehmer Müller plant im

Jahr 2014 den Kauf eines neuen Lkw.

Voraussichtlicher Kaufpreis: 80.000

Euro. Folge: Er darf den Gewinn 2011

um 32.000 Euro mindern (40 Prozent

von 80.000 Euro), obwohl er noch keinen

Cent ausgegeben hat.

Abschreibungsmethode wechseln

Bei der Suche nach steuermindernden

Betriebsausgaben sollten Unternehmer

einen Blick in das Anlageverzeichnis

werfen. Werden vor Jahren gekaufte

Kreditkartenabrechnungen im Januar 2012 enthalten oftmals noch Ausgaben,

die in der Steuererklärung 2011 geltend gemacht werden können.

Zu- und Abfl ussprinzip bei der

Einnahmen-Überschussrechnung

Zahlungsart Zeitpunkt des Zufl usses Zeitpunkt des Abfl usses

Barzahlung Erhalt des Geldes Übergabe des Geldes

Überweisung Gutschrift auf dem Bankkonto Eingang des Überweisungsträgers bei der

Bank (Belastung des Kontos spielt keine

Rolle!)

Lastschrift Gutschrift auf dem Bankkonto Abbuchung vom Konto

Scheck Entgegennahme des gedeckten Schecks Übergabe des Schecks

Kreditkarte Zahlung durch das Kreditkarteninstitut Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg

EC-Karte/

Maestro-Karte

Gutschrift auf dem Konto Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg oder

Eingabe der Geheimnummer

Aufrechnung Zeitpunkt der Aufrechnungserklärung Zeitpunkt der Aufrechnungserklärung

58 ProFirma 05 2012


Gegenstände degressiv abgeschrieben,

und die Restnutzungsdauer beträgt nur

noch rund vier Jahre, lohnt sich meist der

Wechsel zur linearen Abschreibung.

Beispiel: Eine Maschine hat noch eine

Restnutzungsdauer von zwei Jahren.

Der Restwert der Maschine laut Anlageverzeichnis

beträgt noch 20.000

Euro. Nach der degressiven Abschreibung

können 2011 noch 5.000 Euro

abgeschrieben werden, linear dagegen

10.000 Euro.

Vorsteuerpauschalierung und Kinderbetreuungskosten

Hat der Unternehmer im Jahr 2010

nicht mehr als 61.356 Euro umgesetzt,

sollte er den Taschenrechner zücken.

Denn statt der Vorsteuer aus den tatsächlichen

Eingangsrechnungen erstattet

das Finanzamt in vielen Fällen auch

Vorsteuerpauschalen. Vorteil: Diese

Pauschalen liegen oftmals deutlich über

der tatsächlichen Vorsteuer.

ProFirma rät: Die Möglichkeit der Vorsteuerpauschalierung

ist nur auf spezielle

Branchen begrenzt. Wer profi tiert,

wer nicht, kann § 23 Abs. 1 UStG in

Verbindung mit §§ 69,70 UStDV entnommen

werden.

Beispiel: Die selbstständige Möbeltischlerin

Gerda Becker erzielte im Jahr 2010

einen Umsatz von 60.000 Euro, ein Jahr

später 90.000 Euro. Die Vorsteuererstattung

aus den Eingangsrechnungen des

Jahres 2011 betrug 5.000 Euro.

Folge: Da Möbeltischler begünstigt

sind, kann Frau Becker für das Jahr 2011

eine pauschale Vorsteuererstattung von

8.100 Euro beantragen (90.000 Euro

mal 9 Prozent). Das sind 3.100 Euro

mehr, als ihr tatsächlich entstanden

sind. Voraussetzung für die Vorsteuerpauschalierung

ist jedoch die Gewinnermittlung

nach der Einnahmen-

Überschussrechnung.

Letztmals im Jahr 2011 dürfen Einzelunternehmer

zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten,

maximal 4.000 Euro

ProFirma 05 2012

pro Jahr und Kind, wie Betriebsausgaben

vom Gewinn abziehen. Vorteil:

Auch die Gewerbesteuerbelastung sinkt

dadurch. Voraussetzung für den Abzug

ist jedoch, dass beide Eltern erwerbstätig

waren, sich in Ausbildung befanden,

dauerhaft krank oder behindert waren.

ProFirma rät: War ein Elternteil mehr als

vier Monate arbeitslos, durfte der Abzug

bisher nicht genutzt werden. Doch dagegen

lohnt sich nun Gegenwehr. Denn

wer dem Finanzamt nachweist, dass er

sich laufend um eine neue Arbeitsstelle

beworben hat, hat auch bei einer längeren

Auszeit als vier Monate einen Anspruch

auf den Betriebsausgabenabzug

(FG Düsseldorf, Az. 7 K 2296/11 E).

Kredit- und EC-Kartenabrechnung

prüfen

Ermittelt ein Unternehmer seinen Gewinn

nach der Einnahmen-Überschussrechnung,

gilt bei den Betriebsausgaben

und Betriebseinnahmen das strenge

Abfl uss- und Zufl ussprinzip des § 11

EStG (siehe Infokasten links unten). Vor

allem Kreditkartenabrechnungen aus

dem Januar 2012 und Zahlungen mit

der EC-Karte Ende Dezember 2011 enthalten

oftmals noch Ausgaben, die von

der Steuer abgesetzt werden können.

Beispiel 1: Unternehmer Huber hat

am 30. Dezember 2011 mit seiner EC-

Karte betriebliche Ausgaben in Höhe

von 4.000 Euro beglichen. Zur Zahlung

musste er seine PIN-Nummer eingeben,

am 3. Januar 2012 wurde der Betrag abgebucht.

Folge: Es liegen Betriebsausgaben

für 2011 vor, weil er die PIN am 30.

Dezember eingegeben hatte.

Beispiel 2: Frau Maier, selbstständig,

zahlte im Dezember betriebliche Ausgaben

mit ihrer Kreditkarte. Die Abbuchung

vom Konto erfolgte mit der

Kreditkartenabrechnung Ende Januar.

Folge: Da bei Kreditkartenzahlung die

Unterschriften auf den Belegen im Dezember

2011 erfolgten, liegen Betriebsausgaben

des Jahres 2011 vor.

Weitere Tipps

Umsatzsteuervoranmeldung

Einnahmen-Überschussrechner, die

bis zum 10. Januar 2012 ihre letzte

Umsatzsteuervoranmeldung für das

Jahr 2011 elektronisch ans Finanzamt

übermittelt haben, dürfen die Zahlung

aus dieser Anmeldung noch als Betriebsausgaben

2011 verbuchen. Das

gilt auch dann, wenn das Finanzamt

die Zahlung erst am 15. Januar 2012

abgebucht hat.

Privat-Pkw

Hat ein Unternehmer für betriebliche

Fahrten seinen Privat-Pkw genutzt,

dürfen ohne Fahrtenbuch 30 Cent je

betrieblich gefahrenem Kilometer als

Betriebsausgaben verbucht werden.

Privat-Telefon

Musste ein Unternehmer von zu

Hause aus betriebliche Telefonate

führen, gilt Folgendes: Vom Gewinn

abziehbar sind rund 20 Prozent der

Telefonrechnung, maximal jedoch

20 Euro pro Monat.

Lagerraum

Wird ein Raum der Privatwohnung zur

Lagerung von betrieblichen Gegenständen

genutzt, dürfen die anteiligen

Raumkosten als Betriebsausgaben

vom Gewinn abgezogen werden.

Reisekosten

Bei teils betrieblich teils privat veranlassten

Reisen lässt das Finanzamt

den Betriebsaugabenabzug nur für

den betrieblichen Teil zum Abzug

zu. Die An- und Abreisekosten sowie

die Übernachtungskosten sind nach

Zeitanteilen aufzuteilen. Konkret: Von

einer zehntägigen Reise sind sieben

betrieblich und drei privat veranlasst.

Dann können 7/10 der Reisekosten

als Betriebsausgaben angesetzt

werden.

59


IT & Investition – Marketing

Bewertungsportale

Chance statt Pranger

Manche Unternehmen fühlen sich an den Pranger gestellt, wenn sie im Internet von

Käufern bewertet werden. Doch wer aktiv mit dem Thema umgeht, für den ergeben sich

interessante Marketingmöglichkeiten. VON KARSTEN ZUNKE

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Bewertungsportale bieten Unternehmern

eine Gelegenheit, zufriedene Kunden

für das eigene Marketing zu nutzen.

Das funktioniert vor allem im Dienstleistungssektor

und beim Verkauf von

Produkten in Online-Shops.

Um eine positive Mundpropaganda

im Internet zu initiieren, sollten Unternehmer

ihre Kunden zu Online-Bewertungen

ermuntern. Aber Vorsicht:

Gekaufte Bewertungen sind strafbar.

Jeder zweite Deutsche informiert sich vor einem Kauf über

Anbieter, Produkte oder Preise im Internet – unabhängig

davon, ob er anschließend im Web oder im stationären Handel

kauft. Doch viele Anbieter kennen ihre Bewertungen

gar nicht, kümmern sich nicht um diese Portale. Eine solche

Vogel-Strauß-Taktik ist fahrlässig. Die Erfahrungen anderer

Menschen sind für uns wichtige Kaufkriterien. Wer die geäußerten

Meinungen ignoriert, verliert Kunden und Umsatz.

Laut Bitkom beeinfl ussen Bewertungen anderer jede dritte

Kaufentscheidung.

Neben allgemeinen Bewertungsportalen für lokale Dienstleistungen

wie Qype, GoLocal oder Yelp sind bei den Deutschen

branchenspezifi sche Portale beliebt – beispielsweise für Restaurant-

oder Hotelbewertungen. Ebenso liegen Plattformen

im Trend, auf denen Angestellte ihre Arbeitgeber beurteilen

können. Sie spielen in Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels

eine immer größere Rolle. Und wer im E-Commerce

aktiv ist, muss die Bewertungsplattformen für Online-

Shops im Blick haben.

Die Vielfalt der Bewertungsportale ist unüberschaubar –

Experten schätzen ihre Zahl auf mehr als 8.000 – allein in

Deutschland. Vor allem kleine und regionale Anbieter werden

im Internet immer häufi ger bewertet. Die Ursache ist die

zunehmende Smartphone-Verbreitung. Ob Friseur, Zahnarzt,

Sushi-Restaurant oder Sanitärinstallateur: Mit den internettauglichen

Handys können Kunden noch vor Ort ihre Erfahrungsberichte

mit wenigen Tastenklicks im Internet veröffentlichen.

Lokales Business, globale Bewertung

Eines der bekanntesten lokalen Bewertungsportale hierzulande

ist Qype. Eine mehrere Millionen Mitglieder zählende

Community testet und bewertet so ziemlich alles – Restaurants,

Friseure, Ärzte, sogar Kindertagesstätten oder Sportvereine.

Die Plattform ist via Internet und Mobiltelefon erreichbar.

Jeder kann seine Meinung zu lokalen Angeboten auf dem

Portal äußern. Wurde von Bewertern bereits ein Firmeneintrag

angelegt, kann der Firmeninhaber diesen Eintrag übernehmen,

sich registrieren und die hinterlegten Informationen

optimieren – beispielsweise Öffnungszeiten aktualisieren

oder neue Fotos hochladen. Ein Klick auf den Link „Ist das Ihr

Unternehmen?“ unterhalb des Namenszugs genügt, und der

Registrierungsprozess startet. Parallel dazu meldet sich das

Betreuerteam des Portalanbieters telefonisch, um bei eventuellen

Fragen weiterzuhelfen. Geschäftsinhaber können ihre

Präsenz auf dem Bewertungsportal vielfältig aufpeppen. Nur

eines können sie nicht: Negative Bewertungen fi ltern oder gar

löschen.

„Manchmal sind kleinere Unternehmen noch nicht erfahren

im Umgang mit Qype, aber meist durchaus bereit zu lernen“,

sagt Stephan Mosel, Head of Content Quality bei Qype. Die

Portalbetreiber bieten auch Leitfäden zum konstruktiven

Umgang mit Kritik im Internet an. „Oft kann durch ein gutes

Beschwerdemanagement ein Kunde letztlich doch zufriedengestellt

und an das Unternehmen gebunden werden“, so Mo-

60 ProFirma 05 2012


Was ihr wollt: Wer die Hansestadt Hamburg zum ersten Mal besucht,

fi ndet bei Bewertungsplattformen wie Qype viele Shopping-Tipps und

Anhaltspunkte für lohnende kulturelle Veranstaltungen.

sel. Weiterer positiver Nebeneffekt: Auch andere potenzielle

Kunden sehen, dass man sich um sie kümmert. „Sollte es vorkommen,

dass eine negative Bewertung erfolgt, halten wir es

für die beste Strategie, wenn das Unternehmen mit einem öffentlichen

Kommentar zeitnah auf die Vorwürfe reagiert“, rät

Lucas Müller, Geschäftsführer des Empfehlungsportals Golocal.de.

Mit einer sachlichen Antwort, die gleichzeitig den hohen

Stellenwert der Kundenzufriedenheit unterstreicht und

möglicherweise ein Ausgleichsangebot impliziert, kann dem

Experten zufolge viel Sympathie zurückgewonnen werden.

Albtraum Wettbewerber-Bashing

Der Albtraum jedes Unternehmens sind jedoch falsche Bewertungen

durch getarnte Wettbewerber. Die Qype Community

ist laut Mosel sehr wachsam und bemerkt Manipulationsversuche

schnell. Sie erfüllt eine gewisse Selbstreinigungsfunktion:

Jeder Nutzer kann einen Beitrag als bedenklich melden,

dieser wird dann vom Community Support geprüft. Darüber

hinaus hat das Meinungsportal auch technische Maßnahmen

getroffen, um verdächtige Beiträge herauszufi ltern und ge-

ProFirma 05 2012

nauer zu untersuchen. Hierdurch soll eine systematische Manipulation

des Bewertungssystems ausgeschlossen werden.

Nachzuweisen, dass eine Bewertung durch einen Mitbewerber

manipuliert wurde, ist in der Regel schwierig, aber laut Moser

geht der Community Support jedem Hinweis nach. „Sollte es

sich herausstellen, dass es sich um eine manipulierte Bewertung

handelt, so wird diese gelöscht und der Verfasser gegebenenfalls

von der Nutzung von Qype ausgeschlossen“, so Moser.

Andere Anbieter verfahren ähnlich. So hat auch Golocal

61


IT & Investition – Marketing

einen eigenen Redaktionsdienst, der die Inhalte der Community

regelmäßig überwacht und auch auf mögliche Diffamierungen

achtet. Zudem sind die vielen Hundert Nutzer eine

große Hilfe, die täglich sehr aktiv die Golocal-Community

betreiben. Wer ein Unternehmen wissentlich falsch bewertet

und sich als unzufriedener Kunde ausgibt, wird von den

aktiven Nutzern öffentlich enttarnt. „In der Regel führen die

Wortwahl und die Masse der Vorwürfe dazu, dass die Bewertung

schnell als gefälscht erkannt wird“, erläutert Müller.

Auch beim traditionsreichen Bewertungsportal Ciao ist das

„Selbstreinigungssystem“ der Community sehr erfolgreich.

Bei Verdachtsfällen kontaktiert Ciao den Autor und bittet um

kurzfristige Stellungnahme beziehungsweise um eine eidesstattliche

Versicherung, dass man kein Mitbewerber oder eigener

Mitarbeiter des beurteilten Shops ist. „Sollte eine Rückmeldung

des Autors ausbleiben, stellen wir den Bericht in der

Regel innerhalb von 48 Stunden offl ine“, erläutert Stephan

Musikant, Generalmanager Ciao Commerce Division bei Microsoft

Deutschland in München.

Bewertungen sanft fördern

Um eine positive Mundpropaganda im Internet zu initiieren,

sollten Unternehmer ihre Kundschaft zu Online-Bewertungen

ermuntern. Die Portalbetreiber bieten dazu in der Regel kostenfreies

Werbematerial an – beispielsweise Weiterempfehlungskärtchen

oder Fensteraufkleber. Je nach Geschäftsmodell,

können eine aktive Ansprache durch Mitarbeiter,

Gewinnspiele und Abschieds-E-Mails mit einer Bewertungsbitte

ebenfalls ein probates Mittel sein.

Auch Online-Händler können ihre Kunden zum Bewerten

animieren. „Gerade im E-Commerce sind die unabhängigen

LINK-TIPPS

> Bewertung lokaler Anbieter und

Dienstleistungen:

www.qype.de

www.yelp.de

www.golocal.de

> Produktbewertungen:

www.ciao.de

www.dooyoo.de

www.yopi.de

> Bewertung von Firmen als

Arbeitgeber:

www.jobvoting.de

www.bizzwatch.de

www.kununu.de

Anzahl der Nennungen

150

125

100

75

50

25

181

131

Anzahl der Bewertungen

Bilder

Qualität und Ausführlichkeit

der Bewertungen

Verbraucherbewertungen wichtiger denn je“, sagt Musikant.

Ein Online-Shop-Betreiber kann seine Kunden beispielsweise

nach abgeschlossenem Kauf via E-Mail zu einer Bewertung

auf Shopping-Portalen wie Ciao einladen. „Man sollte allerdings

vermeiden, um eine positive Beurteilung zu bitten. Es

ist wichtig, eine neutrale Formulierung zu fi nden, zum Beispiel

‚Wie zufrieden waren Sie mit uns?‘“, rät Musikant. Viele

Shop-Betreiber versprechen ihren Kunden stattdessen einen

Gutschein oder Rabatt nach veröffentlichter Bewertung. Solche

Aktionen sind mit Vorsicht zu betrachten. Es gab bereits

erste Gerichtsverfahren. So hat das Oberlandesgericht Hamm

kürzlich einem Anbieter unter Androhung einer sechsstelligen

Geldstrafe untersagt, in seinem Newsletter seinen Kunden

ein Entgelt dafür in Aussicht zu stellen, dass diese eine Bewertung

des Portals oder Produkts vornehmen.

Als bester Anreiz für eine Bewertung gelten nach wie vor ein

exzellenter Service und hochwertige Produkte. Die aufgeklärten

Konsumenten erwarten nicht nur ein gutes Angebot, auch

das „Drumherum“ ist ihnen zunehmend wichtig. Weiche Faktoren

wie die Höfl ichkeit des Personals oder auch Sauberkeit

und Ambiente sind für eine Weiterempfehlung oft entscheidender

als die harten, meist austauschbaren Kriterien Preis

und Qualität.

Und wenn sich Öffnungszeiten oder gar die Adresse ändern,

muss dies der Ladenbesitzer auch in seinem Firmenprofi l auf

den relevanten Bewertungsportalen aktualisieren. Aber niemals

sollten Geschäftsinhaber versuchen, ihr Unternehmen

oder ihre Dienstleistung selbst zu bewerten. In der Regel erkennt

das die Community und macht es öffentlich. Neben der

kurzfristigen Blamage kann dies ein Firmenimage dauerhaft

schädigen.

KRITERIEN FÜR GLAUBWÜRDIGKEIT

Welche Kriterien machen für Sie Bewertungen

auf Internet-Portalen glaubwürdig?

62 ProFirma 05 2012

93

49

Übereinstimmung

der Kritiken

Sprache und

Rechtschreibung

Quelle: Verband Internet Reisevertrieb; IUBH/statista

42

40

Auch negative Bewertungen

vorhanden

35

32

Authentizität der

Bewertungen

Aktualität

30

Gütesiegel

23

Prüfung der Bewertungen

des Reiseportals

21

Seriosität und Bekanntheitsgrad

des Portals

17

Einteilung der

User in Kategorien

14

Anzahl der aktiven User

14

Generelle

Reiseinformationen

12

Preisvergleiche

10

Seriöses Design/

Layout der Homepage


Foto: privat

INTERVIEW

„Positive Reaktionen anregen“

Drei Fragen an Jan Krömer, Projektleiter des Kölner

Social-Media-Monitoringspezialisten Infospeed.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KARSTEN ZUNKE

Herr Krömer, es gibt Tausende Bewertungsportale.

Wie fi nden kleine Unternehmen

in dieser Flut jene, die für sie

relevant sind?

Krömer: Je nach Branche können

viele verschiedene Portale relevant

sein. Jedes existierende Portal zu beobachten,

ist dabei weder möglich

noch sinnvoll, da zum Beispiel ein

Bewertungsportal für Krankenhäuser

für einen Laserdruckerhersteller keinerlei Relevanz aufweist. Zudem

ist nicht jede Website sofort auch als Bewertungsportal erkennbar. Ein

professionelles Social-Media-Monitoring ist die Grundvoraussetzung,

um diesen komplexen Markt zu durchschauen und wesentliche Portale

zu identifi zieren.

Wie kann eine Firma aktiv werden, wenn sie Bewertungen für ihr Business

nutzen möchte?

Krömer: Um positive Bewertungen zu erhalten, stellen gute Produkte

und Dienstleistungen die effektivste Möglichkeit dar. Stimmt die Qualität

nicht, können negative Bewertungen nicht verhindert werden.

Ist dies jedoch gewährleistet, können positive Reaktionen angeregt

werden. So rufen manche Unternehmen zum Beispiel in ihrer E-Mail-

Kommunikation mit Kunden dazu auf, bei Zufriedenheit einen positiven

Kommentar auf einem bestimmten Portal zu hinterlassen. Auch in der

Hotelbranche ist dies üblich. Wenn Produkt und Leistung stimmen, lässt

sich ein positives Online-Meinungsbild auf legitime Weise fördern.

Welche Bedeutung werden Bewertungsportale künftig haben, vor

allem für kleine Unternehmen?

Krömer: Bewertungen im Internet haben sich als wichtiger Ratgeber

bei Kaufentscheidungen etabliert und werden diese Bedeutung in absehbarer

Zeit auch behalten. In ständiger Veränderung sind jedoch die

Quellen selbst. Mit reinen, generalisierten Bewertungsportalen fi ng es

an. Heutzutage sind Bewertungen auch auf Shopping- und Vergleichsplattformen

üblich, ebenso gibt es sehr spezialisierte Bewertungsportale

für spezielle Branchen. Parallel zur Veränderung der Quellen ist

auch die Bedeutung für kleine Unternehmen immer mehr gestiegen.

Denn auch immer mehr kleine, regionale Firmen werden von Kunden

bewertet. Die rasant steigende Nutzung von Smartphones mit mobilem

Internet fördert diese Entwicklung weiterhin.

ProFirma 05 2012

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IT & Investition – Cloud Computing

Anwendungsübergreifende Sicherheit

Runter von Wolke Sieben

Zentrale Anwendungsplattformen für die Unternehmens-IT erhöhen den Komfort und

die Sicherheit. Das ist aber auch nötig: Experten erwarten, dass Service-Provider bald

stärker im Fokus von Hackerangriffen stehen werden. VON STEFAN GNEITING

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die Sicherheit der Daten ist weiterhin

das wichtigste Feld, auf dem die

Anbieter von Cloud-Dienstleistungen und

web-basierten Anwendungen Überzeugungsarbeit

leisten müssen.

Ein wichtige Rolle spielen dabei anwendungsübergreifendeSicherheitsplattformen

und -portale, die den

IT-Abteilungen zumindest einen Teil der

im Wildwuchs der Cloud-Dienste verloren

gegangenen Kontrolle zurückgeben.

Cloud Computing kann auch ganz

schön nerven: Kaum hat man sich am

Unternehmensnetzwerk angemeldet,

verlangen E-Mail-Dienst, CRM-Client

und andere Anwendungen, die das

Unternehmen aus der Wolke bezieht,

schon den nächsten Identitätsnachweis.

In vielen Unternehmen ist dieses

Szenario Alltag für die Mitarbeiter. Und

auch für die IT-Administratoren kann

die steigende Zahl der Cloud-Anwendungen

Mehraufwand bedeuten. Denn

meist müssen sie für jede einzelne dieser

Anwendungen ein neues Nutzerkonto

anlegen, das vielfach unabhängig vom

Identitätsmanagement der IT-Infrastruktur

ist. Das verursacht Arbeit und

birgt ein Gefährdungspotenzial für die

Datenschätze des Unternehmens. Ver-

lässt ein Mitarbeiter die Firma, muss

die IT-Abteilung nämlich nicht nur den

Zugang zum Unternehmensnetzwerk

sperren, sondern auch alle Cloud-Nutzerkonten

des ehemaligen Mitarbeiters

einzeln löschen. Wird Letzteres unterlassen,

dann hat der Ex-Kollege weiterhin

Zugriff auf die Dienste in der Wolke.

Die Lösung solcher Probleme wird

immer drängender. Der Managed-Services-Anbieter

Avanade fand in einer

Studie heraus, dass bereits mehr als

zwei Drittel der europäischen Unternehmen

Cloud-Dienste nutzen. Den

Marktforschern von IDC sagten 29

Prozent der befragten IT-Manager sogar,

sie seien so stark von der zentralen

Bereitstellung von Applikationen überzeugt,

dass sie künftig Dienste aus der

Wolke in möglichst vielen Bereichen

nutzen möchten. Andererseits hat eine

Spotbefragung von 100 IT-Leitern mittelständischer

Unternehmen auf der

Cebit auch ergeben, dass 94 von ihnen

der Cloud niemals sensible Daten anvertrauen

würden – vor allem aus Angst

vor Datenspionage (66 Prozent), Informationshehlerei

(50), Datenverlust (42)

und Virenbefall (27).

Das Information Security Forum (ISF),

eine unabhängige Organisation für

Informationssicherheit mit einer Mitgliedsbasis

von 300 Unternehmen und

Behörden, glaubt deshalb, dass das Thema

Cloud-Sicherheit auch in diesem

Jahr zu den Top-Themen der IT-Abtei-

lungen gehören wird. ISF empfi ehlt den

Verantwortlichen, sich weiterhin mit

Authentifi zierungs- und Zugriffsmechanismen

auf Cloud-Daten auseinanderzusetzen.

Der Migrationstrend in die Wolke verlangt

der IT-Abteilung neue Management-

und Sicherheitskonzepte ab. Die

IT-Leiter müssen darüber hinaus berücksichtigen,

dass die Mitarbeiter nicht

mehr nur mit dem leicht kontrollierbaren

Desktop-PC im Büro auf die Unternehmensanwendungen

zugreifen,

sondern häufi g von Notebooks, Smartphones

und Tablet-PC, die sich außerhalb

der Unternehmensinfrastruktur

befi nden.

Zentrales Anwendungsportal

„Die Herausforderung ist es, die vielen

unterschiedlichen Gerätetypen sinnvoll

in die Verwaltung der IT-Abteilung einzubringen

und gleichzeitig die verschiedenen

Lieferwege für die Anwendungen

zu bewältigen“, fasst Holger Temme zusammen.

Temme ist Manager End User

Computing Business CEMEA & EE bei

VM-Ware in Unterschleißheim. Seine

Firma hat mit dem VM-Ware Horizon

App Manager eine Lösung parat, die die

IT-Mitarbeiter bei der Bewältigung der

Cloud-Herausforderungen unterstützt.

Aus Nutzersicht handelt es sich dabei

/shutterstock.com

um ein Anwendungsportal, das mit

einer einmaligen Authentifi zierung

bannosuke

(Single-Sign-on) von jedem Endgerät Foto:

64 ProFirma 05 2012


Zugang zu allen Anwendungen bietet

– egal, ob sie als Cloud-Service bereitgestellt

werden oder lokal im Unternehmensnetzwerk.

Die Lösung greift dabei

auf die im Active Directory oder ähnlichen

Datenbanken hinterlegten Identitätsdaten

der Mitarbeiter zurück.

Der Horizon App Manager sorgt auch

für das Self-Provisioning der Applikationen,

legt also automatisch ein

rollenbasiertes Konto bei denjenigen

Anwendungen an, deren Zugriff für

den jeweiligen Nutzer freigegeben ist.

„Damit wollen wir der IT-Abteilung die

Kontrolle zurückgeben, die sie durch

die aktuellen Entwicklungen, wie beispielsweise

die Cloud oder die zunehmende

Nutzung privater Endgeräte,

zu verlieren droht“, erläutert Temme.

Die IT brauche die Kontrolle aber, um

weiterhin die Compliance-Vorgaben zu

erfüllen. „Gleichzeitig wollen wir den

Anwender nicht beschneiden und ihm

das geben, was er aus seinem privaten

Umfeld kennt.“

Eine Single-Sign-on-Lösung bietet auch

der US-amerikanische IT-Sicherheits-

und Systemlösungsanbieter Symantec.

Weil für die mannigfaltigen Problemstellungen

einer IT-Infrastruktur mit

integrierten Cloud-Elementen bisher

vor allem Einzellösungen existieren, die

Die Vielzahl der Cloud-Anwendungen

braucht einen gemeinsamen

Schutzschild.

ProFirma 05 2012

UMSATZ MIT

CLOUD COMPUTING

Weltweiter Umsatz mit

web-basierten Anwendungen

von 2009 bis

2013 (Prognose) in

Milliarden US-Dollar

Quelle: Statista, Gartner

einen erheblichen Konfi gurations- und

Administrationsaufwand verlangen,

will Symantec künftig eine integrierte

Anwendungs- und Sicherheitsplattform

für Cloud-Anwendungen anbieten.

„Wir wollen mit O3 die Komplexität

des Cloud Computings für die IT-Administratoren

reduzieren, die Sicherheit

erhöhen und gleichzeitig den Komfort

für die Nutzer sicherstellen“, erklärt

Thomas Hemker, Sicherheitsstratege

bei Symantec in München.

Automatische Verschlüsselung

Wie der VM-Ware Horizon App Manager

basiert auch Symantec O3 auf

einer zentralen Plattform, die sämtliche

2009 56,3

2010 70,8

2011 88,8

2012 114,2

2013 150,1

Anwendungen bereitstellt. Zugang erhalten

die Nutzer mit einer einmaligen,

vom Active-Directory gesteuerten Authentifi

zierung. Und Symantec geht

mit O3 noch einen Schritt weiter. O3

schafft zusätzlich eine einheitliche zentrale

Sicherheitsinfrastruktur. „Mit O3

erhalten die Unternehmen für die verschiedenen

Dienste und für die sozialen

Netzwerke eine zentrale Plattform,

die die Zugangskontrolle, die Informationssicherheit

und die Sichtbarkeit

der sicherheitsrelevanten Ereignisse gewährleistet“,

erläutert Hemker.

Damit die Daten vor unautorisiertem

Zugriff geschützt sind, setzt Symantec

auf bewährte Verfahren zur Daten-

65


IT & Investition – Cloud Computing

verschlüsselung und auf Data Loss Prevention

(DLP): Möchte ein Mitarbeiter

als vertraulich klassifi zierte Informationen

an einen Server schicken, erkennt

der Data Loss Prevention-Mechanismus

dies automatisch und veranlasst eine

Blockade des Versands oder eine Verschlüsselung

der Daten, noch bevor sie

in der Cloud abgelegt werden.

Mit der Integration von Sicherheitsmechanismen

berücksichtigt Symantec die

häufi g geäußerten Sorgen der IT-Manager

bezüglich der Sicherheit der Cloud-

Anwendungen. Als größtes potenzielles

Risiko nannten deutsche Unternehmen

im Rahmen einer von Symantec durchgeführten

Umfrage das Einschleusen

von Schadcodes, gefolgt von Datendiebstahl

durch Hacker. Mehr als die Hälfte

der befragten IT-Mitarbeiter führten

diese beiden Aspekte an.

„Um die Compliance-Anforderungen zu

erfüllen, müssen die Verantwortlichen

in den Firmen nachweisen können, ob

es bestimmte Sicherheitsvorfälle gegeben

hat und welcher Art diese waren“,

erläutert Hemker. Deshalb erfasst eine

dritte Schicht von O3, der sogenannte

Visibility-Layer, sämtliche Sicherheitsereignisse,

die für die Daten in und die

Anwendungen aus der Cloud relevant

sind. Sie liefert damit die Grundlage für

eine umfassende Cloud-Audit-Lösung.

Damit selbst kleine Unternehmen ohne

das entsprechend geschulte Personal

eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung

gewährleisten können, stellt Symantec

das Reporting auch als Managed-Security-Lösung

bereit. „Was passiert in

einem kleinen Unternehmen, wenn ein

Hacker am Wochenende angreift? Bekommt

man das überhaupt mit?“, gibt

Hemker zu bedenken. „Wir bieten deshalb

an, die Sicherheitsanalyse losgelöst

von den anderen Dienstleistungen als

Managed-Service an uns auszulagern.“

Doch sogar wenn die Unternehmen alle

internen Sicherheitsmaßnahmen ergrif-

Studienergebnisse zum Cloud Computing

> 42 Prozent der befragten Unternehmen

mit mehr als 100 Mitarbeitern halten

Cloud Security für eine der Top-Herausforderungen

in diesem Jahr (IDC, IT-

Security in Deutschland 2011).

> 80 Prozent der deutschen Studienteilnehmer

bezeichneten IT-Sicherheit als größte

Herausforderung beim Cloud Computing

(Symantec, Cloud Survey 2011).

> Nur etwa 18 Prozent der weltweit Befragten

bewerteten ihre IT-Mitarbeiter

als sehr gut vorbereitet für die Migration

in die Cloud. Fast die Hälfte aller

Studienteilnehmer gab an, ihr IT-Personal

sei zu diesem Zeitpunkt noch unzureichend

gerüstet (Symantec, Cloud

Survey 2011).

> Deutsche Firmen mussten nach einer

Datenpanne durchschnittlich 3,4 Millionen

Euro aufbringen, um den Vorfall

aufzuklären und die entstandenen

„Eine große Herausforderung ist die Sicherung der

Daten, die nur dem Kunden zugänglich sein sollten.“

PROF. DR. JÖRG SCHWENK, LEHRSTUHL FÜR NETZ- UND DATENSICHERHEIT, UNI BOCHUM

Schäden einzudämmen. Ein Jahr zuvor

lag der Wert noch bei 2,6 Millionen

Euro (Ponemon Institute, 2010 Annual

Study: Cost of a Data Breach).

> 6,9 Prozent der Befragten wissen

nicht, ob es in den zurückliegenden

zwölf Monaten erfolgreiche Angriffe

auf ihr IT-System gab, 21,3 Prozent

bestätigten erfolgreiche Angriffe (IDC,

IT-Security in Deutschland 2011).

> 46 Prozent der Unternehmen, die

Cloud-Services einsetzen, sehen ihre

Erwartungen ganz, 47 Prozent teilweise

erfüllt. Unzufrieden sind nur

sieben Prozent (PwC, Cloud Computing

im Mittelstand).

> 34 Prozent der Unternehmen, die

Cloud-Services einsetzen, nennen

fehlende Datensicherheit als Nachteil

(PwC, Cloud Computing im Mittelstand).

fen haben, sind sie immer noch auf die

Zuverlässigkeit ihres Dienstleisters angewiesen.

„Eine große Herausforderung

für die Cloud-Anbieter ist die Sicherung

der ihnen anvertrauten Daten, die nur

dem Kunden selbst zugänglich sein

sollten“, sagt Prof. Dr. Jörg Schwenk

vom Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit

an der Ruhr-Universität in Bochum.

Sichere Dienste

Dass das keine einfache Sache ist,

zeigten der Wissenschaftler und sein

Forschungsteam im Herbst des vergangenen

Jahres, als sie im Cloud-Angebot

von Amazon Web Services gravierende

Sicherheitslücken aufdeckten.

Den Bochumern gelang es, Zugang zu

allen Daten der Kunden zu erhalten –

inklusive der Authentifi zierungsdaten

und Passwörter. Das ist ein Horrorszenario

für jedes Unternehmen, das darüber

nachdenkt, seine Daten in einer

Cloud-Umgebung zu speichern.

Die Ansicht, private Cloud-Angebote

seien sicherer, weil die Anwendungen

und Daten von unternehmenseigenen

Servern bezogen werden, widerlegten

die Forscher ebenfalls: In der Software

Eucalyptus, die von vielen Firmen zum

Aufbau interner Cloud-Angebote genutzt

wird, fanden sie ähnlich schwerwiegende

Schwachstellen. Die betroffenen

Anbieter scheinen sich der

Brisanz der aufgedeckten Sicherheitslücken

bewusst zu sein; sowohl Amazon

als auch Eucalyptus reagierten schnell

und schlossen die offenen Einfallstore

umgehend.

Wachsamkeit und Engagement wie das

der Wissenschaftler der Ruhr-Universität

Bochum sind aber weiter unerlässlich:

Das Information Security Forum

sagt voraus, dass Service-Provider künftig

verstärkt im Fokus von Hackerangriffen

sein werden.

66 ProFirma 05 2012


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IT & Investition – Kolumne

Cole's Corner

Die Facebook-Verweigerer

Wenn es so weitergeht, hat bis spätestens 2015 jeder Mensch

auf der Erde – egal, ob Mann, Frau, Kind oder Greis – einen

Facebook-Account. Gut, es wird nicht so weitergehen: Irgendwann

schwächt sich auch die exponenziellste Wachstumskurve

einmal ab. Aber mehr als eine Milliarde sind es heute

schon – fast ein Siebtel der Weltbevölkerung.

In Deutschland bietet sich an der Facebook-Front allerdings

ein geteiltes Bild. Ja, es stimmt, dass Facebook im März Google

als des Deutschen liebste Anlaufstelle im Internet abgelöst

hat. Das sagen jedenfalls die Schreiber einer neuen Studie

von PwC: Zwei Drittel aller User starten angeblich mittlerweile

bei Facebook ihre weite Reise durch den Cyberraum.

Und die Analysten des Marktforschungsunternehmens Comscore

behaupten, dass wir inzwischen fast 20 Prozent unseres

Online-Zeitbudgets bei dem Online-Netzwerk verbringen.

Aber wenn das tatsächlich so ist, dann erstaunt es mich etwas,

dass ich laufend über Mittelständler stolpere, die noch richtige

Facebook-Nieten sind. „Was soll ich dort?“, lautet ihre

typische Reaktion.

Das geht aber nicht nur Mittelständlern so: Neulich war ich

bei einem der größten Bankhäuser Europas eingeladen, um

einen Vortrag über Social Media zu halten. Beim Vorgespräch

beeilte man sich aber, mir zu sagen, dass die Bank natürlich

nicht dort vertreten sei, und dass es ihren Mitarbeitern auch

verboten sei, Facebook zu nutzen – jedenfalls während der

Arbeitszeit. Ich habe daraufhin spaßeshalber etwas im Internet

recherchiert, und siehe da: Es gab natürlich längst einen

Facebook-Auftritt unter dem Namen der Bank, einen sehr gut

besuchten sogar: Mehr als 40.000 Besucher haben sich dort

schon als Fans geoutet, indem sie auf den „Like“-Knopf geklickt

hatten. Die Seite war aber leider voll von bitterbösen bis

spöttischen Bemerkungen von Bankkunden, die sich wahl-

Von Tim Cole

Tim Cole Der IT-Journalist und

Buchautor ist ein gefragter Autor und

Redner zum Thema E-Commerce.

Info: www.cole.de

weise über schlechten Service, miese Anlagetipps oder kaputte

Geldautomaten beschwerten. Ab und zu tauchte auch

mal ein einsamer Mitarbeiter der Bank auf, der versuchte, die

Online-Wogen zu glätten, meistens allerdings ohne großen

Erfolg und, was noch schwerer wiegt, vor allem ohne Unterstützung,

zum Beispiel von den Kollegen in der Unternehmenskommunikation

der Bank.

Als ich diese Seite dann den staunenden Vorstandsmitgliedern

präsentierte, fi elen die aus allen Wolken. „Kann nicht

sein“, war ihre erste Reaktion. Die zweite: „Müssen wir sofort

abstellen lassen!“

Nun, viel Glück damit. Facebook lässt sich nun mal nicht einfach

so auf Kommando von oben abstellen. Wie sagt mein

Freund, der Internet-Guru Ossi Urchs: „Social Media ist nicht

wie Schnupfen – es geht nicht wieder weg.“

Das Beispiel zeigt: Facebook-Verweigerer schneiden sich ins

eigene Fleisch. Laut PwC-Studie gibt ein Viertel der Online-

Nutzer an, sich auf Facebook für ein Unternehmen zu entscheiden,

weil sie die Marke sympathisch fi nden; 20 Prozent

wollen über Neuigkeiten informiert werden. Eigentlich an

sich schon ein guter Grund, um dort präsent zu sein. Es gibt

aber noch einen anderen, und der wiegt noch viel schwerer:

Auf Facebook sind vor allem junge Menschen unterwegs. Im

vergangenen Jahr gaben laut deutscher Online-Statistik exakt

100 Prozent aller Jugendlichen zwischen 14 und 19 an, dass

sie das Internet nutzen. Für diese Altersgruppe ist das Netz ein

so selbstverständlicher Teil ihres Alltags, wie es für uns Ältere

das Telefon ist. Diese jungen Menschen sind unsere Kunden

und unsere Mitarbeiter von morgen. Was werden die von uns

denken, wenn wir nicht auf Facebook sind?

Ich weiß, was meine Tochter sagen würde: „Was ist denn das

für ein Opa-Laden?“

68 ProFirma 05 2012


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IT & Investition – Transport und Logistik

Frischelogistik

Aus der Tiefsee auf den Teller

Der Transport nicht konservierter Lebensmittel ist eine organisatorische Herausforderung.

Frisch und pünktlich muss alles sein. Bei der Suche nach immer effi zienteren

Prozessen setzt die Branche auch auf Mikrochips. VON HEINZ SIEBOLD

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Fisch und Meeresfrüchte verderben

besonders schnell. Auch andere Lebensmittel

müssen frisch zum Verbraucher.

Um diese Herausforderung kümmert

sich ein weltweites Netz von Frischelogistikern.

Aufwand und Kostendruck sind

hoch, aber die zunehmende Automatisierung

von Prozessen und der Einsatz

modernster Mikrochip-Technologie

wirkt sich auch positiv auf die Geschäftsergebnisse

in der Branche aus.

Es ist Freitagnachmittag, heute Abend

steht Wolfsbarsch auf der Speisekarte

des Freiburger Hotels Colombi. Noch

ist der Kühlraum leer, doch Alfred Klink

ist die Ruhe selbst. Er weiß, dass gegen

15 Uhr ein kleiner Lieferwagen aus

Rastatt in die Tiefgarage einfahren wird.

Der Fahrer von Saumer, Groß- und Einzelhandel

für Fisch und Gefl ügel, trägt

dann in das Kühlhaus, was Küchenchef

Klink um fünf vor Zwölf telefonisch

bestellt hat: Loup de Mer, Saiblinge, Seezunge,

Steinbutt, St.-Pierre-Fisch, Hummer,

Jakobsmuscheln, Langustinen und

einen Oktopus – insgesamt etwas mehr

als 100 Kilogramm, die Klink und seine

Mannschaft im Lauf des Wochenendes

auf den Teller bringen. Frisch und

pünktlich.

Frisch und pünktlich sind wichtige Begriffe

in der Lebensmittellogistik. Frisch

bleibt ein Produkt auf dem langen Weg

vom Erzeuger zum Verbraucher aber

nur, wenn die Kette von Verarbeitung,

Transport, Lagerung und Auslieferung

gleichbleibende, dem Produkt angemessene

Temperaturen bietet. Die Warenströme

fl ießen weltweit und permanent.

Erdbeeren werden in Supermärkten an

Weihnachten genauso angeboten wie

im Frühjahr. Meeresfi sche stehen auch

im Alpenrestaurant auf der Speisekarte.

Zu den großen Dienstleistern, die für

„frisch und pünktlich“ sorgen, gehört

auch die Deutsche Post DHL, die seit

der Fusion mit dem amerikanischen

Wettbewerber DHL International im

Jahr 2002 die drei Großbuchstaben als

Firmennamen trägt. „Wir übernehmen

die komplette Logistik – vom Feld bis

zum Supermarkt“, sagt André Küpper,

zuständig für die Organisation der Lebensmittelluftfracht

bei DHL Global

Forwarding in Frankfurt.

Frische Made in Germany

Der Verkehr geht in zwei Richtungen:

Einerseits Import von Fisch, Fleisch,

Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln

– roh, bereits konserviert oder zubereitet

aus allen Teilen der Welt. Allein

aus Südamerika importierte Deutschland

im vergangenen Jahr 2,3 Millionen

Tonnen frische Lebensmittel. Aus Kenia

werden per Luftfracht wöchentlich bis

„Mikrochips, die mit

der Ware reisen, sind

ein großes Thema in

der Logistikbranche.“

CHRISTIANE AUFFERMANN,

FRAUNHOFER INSTITUT IML, DORTMUND

70 ProFirma 05 2012


Foto: Deutsche Post

Größte Frischelogistiker in Europa

Transportunternehmen und Frischelogistiker setzen weltweit jedes Jahr mehrere Milliarden

Euro um. Die Grafi k zeigt die fünf größten Marktteilnehmer in Europa.

Umsatz 2010 (in Millionen Euro)

4.000

3.000

2.000

1.000

zu 200 Tonnen Victoriabarsch eingefl ogen.

Andererseits ist Deutschland auch

bei Lebensmitteln Exportnation, vor

allem bei Süßwaren wie Schokolade,

Backwerk oder Marzipan. Rund sechs

Prozent der weltweit im Wert von 827

Milliarden Euro exportierten Frischware

ist Made in Germany.

Das Kerngeschäft von DHL ist die Logistik.

„Wir organisieren die Logistikkette

so, dass sich die bestmögliche Auslastung

der Transportmittel und die Kun-

ProFirma 05 2012

Umsatz in Europa

Weltweiter Umsatz

2.057 2.057

1.400 1.400

800

2.839

Stef-TFE Nagel-Group Norbert

Dentressangle *

Wincanton * Dachser

*Schätzung Quelle: Experte(n) (Christian Kille)/Statista

700

2.479

480

3.853

denwünsche decken“, sagt Küpper. Die

Büros, Lager und Transportmittel der

DHL sind weltweit vernetzt, der Kunde

sieht immer, wo sich seine bestellte

Ware gerade befi ndet. „Wir müssen zum

Beispiel reagieren, wenn ein Flugzeug

Verspätung hat oder ein Schiff wegen

schlechten Wetters länger unterwegs

ist“, erklärt der Logistiker. Als Dienstleister

kümmert er sich auch um Exportdokumente,

Importabfertigung oder die

Warenprüfung durch einen Veterinär.

Hinzu kommt ein ständiges Qualitätsmanagement

auf allen Stationen der

Frischekette. Dabei setzt DHL – vor allem

beim sensiblen Transport von Fisch – auf

die Technik des RFID („radio-frequency

identifi cation“ mit Mikrochips). Die Mikrochips

reisen mit der Ware, melden

Standort und Temperaturen. „Das ist ein

großes Thema in der Branche“, erklärt

Christiane Auffermann vom Fraunhofer

Institut für Materialfl uss und Logistik

IML in Dortmund. „Wir stehen am Beginn

der großfl ächigen Einführung einer

neuen Technologie in der gesamten Logistik“,

sagt die Wissenschaftlerin. Nicht

nur zur Kontrolle, sondern vor allem zur

Effi zienzsteigerung, beispielsweise beim

Energieverbrauch.

Auch bei DHL ist der Blick stets auf die

Kosten gerichtet. Nur ein bis zwei Prozent

der Frischware wird eingefl ogen.

Schiffsfracht ist zwar länger unterwegs,

dafür aber wesentlich günstiger: Eine

Mango aus Seefracht kostet im Laden

rund 0,99 Euro, eine mit dem Flugzeug

transportierte das Vierfache. Dafür ist

Flugware reif geerntet. „Diesen Unterschied

kann man im Geschmack sofort

erkennen“, sagt André Küpper.

Fisch aus Frankfurt

Was DHL nach Deutschland einfl iegt,

landet zunächst im „Perishable Center“

am Frankfurter Flughafen. Das ist

Europas größtes Luftfrachtzentrum für

verderbliche Waren mit mehr als 9.000

Quadratmeter Lagerfl äche. In Spitzenzeiten

werden hier täglich 700 Tonnen

Frischware umgeschlagen, rund

250.000 Tonnen pro Jahr. Die frischen

Lebensmittel gelangen vom Flugzeug

direkt mit Thermoanhängern in eine der

20 Kühlzonen mit Temperaturen von

minus 24 bis plus 24 Grad Celsius. Der

Frankfurter Fraport ist übrigens auch

Europas größter „Fischhafen“, hier wird

mehr frischer Fisch umgeschlagen als in

Bremerhaven oder Rotterdam. Vom Perishable

Center in Frankfurt laufen die

Stränge der DHL-Kette direkt weiter zu

den Zentrallagern der Supermärkte, zu

Discountern oder Großmärkten.

Die Warenströme frischer Lebensmittel

sind heute sehr differenziert. „Das ist

eine der größten Herausforderungen

71


IT & Investition – Transport und Logistik

für die Frischelogistik“, sagt Betriebswirtin

Christiane Auffermann. Der Grund:

Eine breite Palette frischer Lebensmittel

mit teilweise sehr unterschiedlichen

Transportbedingungen muss vom Erzeuger

zum Verbraucher gebracht werden

– und das alles „just in time“.

Um neue Lösungen auszutüfteln, haben

sich daher sechs Unternehmen und

zwei Forschungseinrichtungen zusammengetan,

darunter das Dortmunder

Was ist

Frischelogistik?

Das deutsche Lebensmittelrecht defi

niert den Begriff „Frische“ nicht

zeitlich, sondern prozessorientiert.

„Frisch“ ist beispielsweise jeder unbehandelte

Fisch, der in schmelzendem

Eisschnee oder bei Temperaturen

zwischen null und minus zwei Grad

Celsius gelagert wird. Das Schmelzwasser

ist wichtig, damit schädliche

Organismen vom Fischkörper abfl ießen.

In großen Fabrikschiffen wird der

Fisch bereits auf See auf Eis gelegt.

Damit beginnt die Kühlkette, die bis

zur Verarbeitung durch den Koch nicht

unterbrochen werden darf. Fleisch

hingegen wird für lange Transporte

meist tiefgefroren (mindestens minus

18 Grad Celsius).

Manche Produzenten fahren ihre

Frischware selbst zum Händler oder

Markt. Das ist aber nur regional möglich.

Den Transport von frischen Lebensmitteln

organisieren meist Händler

oder Handelsketten mit eigenen

Fahrzeugen oder Vertragslogistikern.

Manche Produzenten überlassen den

Logistikern auch das Portionieren und

Kommissionieren der Waren. Neben

Deutsche Post DHL zählen das Logistikunternehmen

Dachser in Kempten

und die Deutsche See GmbH in Bremerhaven

zu den größten Frischelogistikern.

Fraunhofer Institut für Materialfl uss

und Logistik (IML). Smart Reusable

Transport Items, kurz SmaRTI, heißt

das acht Millionen Euro teure Projekt.

Das Ziel: Sogenannte intelligente Paletten

werden mit RFID-Chips ausgestattet,

die den Warenfl uss steuern. Der

Mensch ist dann nur noch zur Aufsicht

da. Was heute noch nicht vorstellbar

scheint, soll laut IML-Leiter Michael ten

Hompel in wenigen Jahren Normalität

sein. Er wolle nicht weniger, als in der

Frischelogistik „eine Revolution anzetteln“,

so der Wissenschaftler.

Rote Kiemen, klare Augen

Alfred Klink schnuppert kurz an den

im Eisbett liegenden Meeresfrüchten,

dann nickt er. „Ist ganz einfach“, sagt

der Sternekoch. „Es muss nach frischem

Fisch riechen.“ Außerdem wichtig: Rote

Kiemen, klare Augen und festes Fleisch,

das beim Drücken keine Dellen hinterlässt.

Qualität hat ihren Preis: Der sieben

Kilogramm schwere Steinbutt für

das Colombi kostet 315 Euro, auf den

Teller kommen nur rund 20 Prozent

des Fischs. Das 160 Gramm schwere

Filet kostet mit Beilagen auf der Karte

45 Euro. Der Großhändler Saumer aus

Rastatt ist ein Spezialanbieter, der überwiegend

an gehobene Küchen liefert.

Der Fisch kommt aus der Bretagne. „Ich

bestelle dort jeden Morgen zwischen

sieben und halb acht Uhr“, berichtet Johannes

Schnetzer, seit 34 Jahren Disponent

bei Saumer. Dann wird der Fisch,

der in der Nacht von den bretonischen

Fischerbooten gefangen wurde, in den

Kühlhallen versteigert. In Concarneau

oder Le Guilvinec sitzen die Händler,

mit denen Schnetzer arbeitet.

Nach einer Tagesreise im Kühllaster

quer durch Frankreich landet der Fisch

nachts in Straßburg. Am nächsten Morgen

holen Saumers Sprinter den Fisch

nach Rastatt, dort wird er in der Kühlhalle

geprüft und am Nachmittag ausgeliefert.

Was am Dienstagabend bei Alfred

Klink in Freiburg, bei Harald Wohlfahrt

oder Claus-Peter Lumpp in Baiersbronn

Es ist angeliefert: Alfred Klink, Küchenchef

des Freiburger Colombi, prüft die frisch

eingetroffene Ware.

unters Fischmesser kommt, schwamm

demnach noch am Sonntag im Atlantik.

Auch zu Brenners Parkhotel in Baden-

Baden fahren die Wagen von Saumer.

Aber nicht nur sie, das Brenners lässt

sich auch von Frischeparadies KG bedienen,

nach eigenen Angaben Deutschlands

größter Spezialmarkt und Lieferant

für feinste Lebensmittel aller Art.

Die Oetker-Tochter zählt 500 Beschäftigte,

ausgeliefert wird mit Vertragsunternehmen.

21.000 Tonnen gekühlte

Lebensmittel schlägt das Unternehmen

im In- und Ausland jährlich um.

Im Frischeparadies geht es geschäftig

zu. Zehn Tonnen Frischfi sch musste

die Stuttgarter Niederlassung vor Ostern

ordern und ausliefern. „Wir haben

das im Team sehr lange besprochen“,

berichtet die Betriebswirtin Stephanie

Klause. Zum Kunden kommen Fisch

und andere Frischwaren in kleinen Lieferwagen

von Vertragsunternehmern.

Die meisten Kühlfahrzeuge sind mit

zwei Kammern ausgerüstet. In der einen

wird Ware bei null bis zwei Grad

Celsius transportiert, in der anderen

Tiefkühlware.

Weiterführende Links: Verband für temperaturgeführte Transportlogistik und Kühlfahrzeugindustrie: www.transfrigoroute.de/start.asp?menu=1&zuf=35836;

Verband deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen e.V. www.vdkl.de; Fraunhofer Institut Dortmund www.iml.fraunhofer.de/de/themengebiete/

verpackungs_und_handelslogistik/handel.html

72 ProFirma 05 2012

Fotos: Siebold/privat


INTERVIEW

„Effi zienz ist das große Thema“

Jan Peilnsteiner, Geschäftsführer des Verbands

Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen

(VDKL), zu den Herausforderungen der Logistikbranche.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HEINZ SIEBOLD

Herr Peilnsteiner, welche gesetzlichen

Neuerungen kommen auf

die Frischelogistik zu?

Peilnsteiner: Eine wichtige Verordnung,

die die gesamte Lebensmittelbranche

betrifft, tritt am 1.

Juli 2012 in Kraft. Künftig müssen

alle Unternehmen der Kühl- und

Tiefkühlkette den zuständigen Veterinärbehörden

den Eigentümer

der gelagerten oder transportierten Lebensmittel mitteilen können.

Grundsätzlich ist immer der versendende Lebensmittelunternehmer

für die Bereitstellung der geforderten Informationen verantwortlich.

Was wird sich bei der Frischelogistik künftig ändern?

Peilnsteiner: Kühlhäuser sind schon lange keine einfachen Lagerhäuser

mehr, sondern werden immer mehr zu modernen Logistikzentren,

die umfangreiche Dienstleistungen anbieten. Dazu

gehören Kommissionierung und Konfektionierung, aber auch viele

andere kundenspezifi sche Dienstleistungen. Viele Kühlhäuser bieten

den Kunden beispielsweise EDV-Leistungen an: So haben Kunden

über speziell eingerichtete Netzwerke Zugriff auf die Daten

ihrer Waren und können vom eigenen Rechner aus Prozesse selbst

steuern.

Welche Folgen hat die Energiewende für die Branche?

Peilnsteiner: Der Ausstieg aus der Kernenergie hat für energieintensive

Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen.

Es kann zu steigenden Energiepreisen kommen. Zur Entlastung

unserer Mitglieder haben wir eine Energieeinkaufsgemeinschaft

gegründet, den VDKL-Strompool. In diesem Pool bündeln wir eine

Energiemenge von mehr als 1.000 Gigawattstunden pro Jahr. Wir

können dank dieser großen Abnahmemenge Energie über den

Großhandel an der Energiebörse EEX in Leipzig beschaffen und

dadurch am Termin- und Spotmarkt teilnehmen. Die gebündelten

Energiemengen ermöglichen auch kleineren Betrieben erhebliche

fi nanzielle Einkaufsvorteile. Die Kälteanlagen werden zudem

kontinuierlich optimiert. Energieeffi zienz ist eines der wichtigsten

Branchenthemen.

ProFirma 05 2012

Erfolgreich im

Mittelstand

Offensive Mittelstand (Hrsg.)

Unternehmensführung für den Mittelstand

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73


IT & Investition

Infos, Tipps & Tools

Kostenlose Software

XP-ANTISPY

Schnüffel-Stopp

Windows ist nicht gerade zimperlich

wenn es darum geht, Daten an den

Microsoft-Zentralserver zu übertragen.

Zugegeben: Viele dieser Funktionen

sind durchaus praktisch. Trotzdem

würde man manche Verbindung gern

abschalten. Mit der kleinen Gratis-

Software XP-AntiSpy gewöhnen Sie

Windows die übertriebene Neugierde

spielend ab. Das kostenfreie Programm

funktioniert für alle gängigen Windows-Betriebssysteme.

http://xp-antispy.org

Neue Apps

INNERFENCE CREDIT CARD TERMINAL

Mobil kassieren

Die App ist vor allem für Kleinunternehmer

und mobile Händler interessant,

die ihren Kunden – auf Märkten

oder anderen Verkaufsveranstaltungen

– auch ohne klassisches Lesegerät

die Möglichkeit geben wollen, mit

der Kreditkarte zu bezahlen. Die App

ist kostenlos, bei Benutzung fallen

pauschal 25 Euro pro Monat an. Nicht

billig, aber günstiger als herkömmliche

Systeme, so die Entwickler.

http://www.apple.com/iphone/business/apps/

SUPER

Umwandlungssoftware

Der Name ist Programm: „Super“ ist ein

universelles Umwandlungsprogramm,

mit dem Sie alle gängigen Audio- und

Videoformate konvertieren können.

Das Umwandeln von Flash-Videos

(zum Beispiel von YouTube) in Videos

für PSP, PS3 oder iPhone funktioniert

problemlos; auch die Hersteller-Codes

von Microsoft (WMA, WMV) werden

akzeptiert. Die Umwandlungssoftware

läuft auf allen gängigen Windows-

Betriebssystemen.

http://www.erightsoft.com/home.html

SKY DRIVE

Daten in der Cloud

Mit Sky Drive speichern und teilen

Sie Daten in der Microsoft-Cloud. Der

Vorteil: Sind die Dokumente einmal

hochgeladen, haben Sie von überall

Zugriff auf die Daten. Komfortabel

ist auch die Suchfunktion nach Daten

in SkyDrive, die für Sie freigegeben

wurden. Per E-Mail lassen sich Dateien

auch nachträglich für Kollegen oder

Freunde freigeben. Allerdings: Die App

erfordert das mobile Betriebssystem

Windows Phone 7.5 (Mango).

www.windowslive.de/skydrive

ACHIEVO

Ressourcen planen

Achievo ist eine web-basierte Software

zur Ressourcenplanung und -verwaltung.

Das Open-Source-Programm

eignet sich vor allem für kleine und

mittlere Unternehmen, die sich kein

eigenes ERP-System leisten können

oder wollen. Die Software verfügt

über folgende Features: Zeiterfassung,

Projektmanagement-Tool, einfaches

CRM-Modul zur Verwaltung von Kundendaten;

außerdem erfüllt Achievo

einfache Controlling-Funktionen.

http://achievo.org

TEXT MONKEY

SMS-Marketing-Tool

Text Monkey ist ein SMS-Marketing-

Tool für kleine Unternehmen. Bereits

mit der kostenlosen Version Text Monkey

Lite lassen sich Texte effektiv von

unnötigem Datenmüll säubern und

Kampagnen texten und planen. In der

Vollversion sind Kontaktverwaltung,

Kampagnenplanung und -auswertung

noch komfortabler und mit deutlich

mehr Funktionen ausgestattet. Das hat

allerdings seinen Preis: 6,05 Euro kostet

die App.

https://play.google.com/store

74 ProFirma 05 2012


Foto: SAP

SAP holt sich App-Entwickler

Auf Success Factors folgt Syclo

SAP hat erneut in den USA zugekauft und die Software-Schmiede Syclo

übernommen, einen Spezialisten für mobile Business-Anwendungen.

Syclo hatte bereits eng mit SAP kooperiert

und Unternehmensanwendungen

für mobile Endgeräte entwickelt, die

über eine gemeinsame Plattform laufen.

Mit der Übernahme zielt SAP laut dem

Nachrichtenportal Heise vor allem auf

das Know-how der 170 Mitarbeiter des

Unternehmens.

Tablet mit 13-Zoll-Display

Toshiba baut auf Excite 13

Der Elektronikkonzern hat angekündigt, demnächst

ein Riesen-Tablet auf den US-Markt zu bringen. Das

neue Excite 13 hat eine Display-Diagonale von 13,3

Zoll ist damit deutlich größer als das Samsung-Windows-Tablet

700T mit 11,6 Zoll, das wohl über die derzeit

größte Bildschirmdiagonale verfügt. Allerdings

gibt es laut dem Nachrichtenportal Heise online bislang

nur wenige Apps für das Android-Betriebssystem,

die eine derart hohe Aufl ösung sinnvoll nutzen. Weil

das Excite 13 knapp ein Kilogramm schwer sein soll,

wird der japanische Hersteller ein Dock mitliefern, mit

dem das Gerät aufgestellt werden kann.

ProFirma 05 2012

Mit der Übernahme von Sybase hatte

SAP bereits im August 2010 einen

wichtigen Schritt hin zur Abwicklung

von Vorgängen der Vertriebssteuerung,

der Lager- und Personalwirtschaft auf

Smartphones und Tablets vollzogen.

Der Software-Hersteller hat sich durch

diverse Zukäufe inzwischen als einziger

Anbieter positioniert, der Unternehmens-Software

und Business-Intelligence-Anwendungen

auf sämtlichen

mobilen Endgeräten anbieten kann.

Im Dezember des vergangenen Jahres

hatten die Walldorfer dann 3,4 Milliarden

Dollar für den US-amerikanischen

Cloud-Spezialisten Success Factors

bezahlt und weitere große Zukäufe angekündigt.

Jüngster Coup ist – nur vier

Monate später – der Syclo-Deal. Wie

viel SAP sich diese weitere Übernahme

eines strategischen Partners kosten

lässt, ist nicht bekannt.

IT-News

ADOBE SCHLIESST LÜCKEN

Das amerikanische Software-

Unternehmen Adobe hat kritische

Sicherheitslücken im Adobe Reader

und im PDF-Editor Acrobat geschlossen.

Laut einer Pressemitteilung des

Unternehmens war es möglich, über

diese Sicherheitslücken Schadcode

einzuschleusen. Verwundbar sind

demnach der Reader X in Version

10.1.2 (und älter) für Windows und

Mac OS X sowie Reader und Acrobat

in Version 9.4.6 (und älter) für Linux.

Abhilfe schafft ein Update auf eine

neuere Version.

ERSTES WINDOWS PHONE MIT NFC

Nokia hat eine Variante seines

Einsteigermodells Lumia 610 mit der

Funktechnik Near Field Communication

(NFC) ausgestattet. NFC ist ein

Standard zum kontaktlosen Austausch

von Daten und vor allem für mobile,

bargeldlose Bezahlsysteme interessant.

Das Windows-Smartphone ist

für die Dienste Mastercard Paypass

und Visa Paywave zertifi ziert.

Nokia will die NFC-Version des Lumia

610 von Juli an zunächst in Großbritannien

auf den Markt bringen.

PC-Markt wächst um knapp zwei Prozent

Europäer kaufen mehr Rechner

In Europa wurden im ersten Quartal 2012 deutlich mehr PC

gekauft. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens

Gartner stieg die Zahl der Auslieferungen um 6,7 Prozent auf

28,2 Millionen Stück. Vor allem Firmenkunden hätten mehr

neue Rechner gekauft als ursprünglich prognostiziert, so Gartner.

Weltweit legten die PC-Auslieferungen dagegen nur um

1,9 Prozent auf 89 Millionen Stück zu. Der Grund: Vor allem

Privatkunden greifen immer häufi ger zum Tablet. In den USA

ging die Zahl verkaufter Desktop-PC sogar um 3,5 Prozent zurück,

so die Marktforscher. Weltgrößter PC-Hersteller bleibt

Hewlett-Packard (17,2 Prozent Marktanteil) vor Lenovo (13,1

Prozent) und Dell (11 Prozent).

75


Lösung konkret

Wie kann ich meinen Geschäftswagen bestmöglich abschreiben?

Haben Sie einen Firmenwagen gekauft und dem betrieblichen Anlagevermögen zugeordnet, stellt sich

die Frage nach der bestmöglichen Abschreibung. Ist die 20-prozentige Sonderabschreibung möglich?

Wie wirkt sich ein Investitionsabzugsbetrag aus den Vorjahren auf die Abschreibung aus? Welche Fehlerquellen

gibt es? Auf diese Fragen erhalten Sie hier eine Antwort. VON OTTFRIED WEISS

DIE LÖSUNG

Die Ermittlung der Abschreibung erfolgt in drei, maximal vier

Schritten. Beherzigen Sie diesen Weg, können Sie innerhalb weniger

Minuten die betriebsprüfungssichere und steuerlich bestmögliche

Abschreibung für Ihren Firmenwagen ermitteln.

Schritt 1: Anschaffungskosten ermitteln

Ausgangsbasis für die Ermittlung der Abschreibung sind die Anschaffungskosten

(Kaufpreis + Anschaffungsnebenkosten). Sind

Sie nur zum Teil oder gar nicht zum Abzug der Vorsteuer berechtigt,

gehört die Umsatzsteuer aus dem Kaufpreis des Fahrzeugs

ebenfalls zu den Anschaffungskosten.

Schritt 2: Ermittlung der regulären Abschreibung

Bei Anschaffungen seit dem 31.12.2010 kommt als Abschreibung

nur noch die lineare Abschreibung nach § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG in

Betracht, bei der die Anschaffungskosten (Schritt 1) gleichmäßig

auf die Nutzungsdauer von sechs Jahren verteilt werden.

Schritt 3: Ermittlung der Sonderabschreibung

Die 20-prozentige Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG ist

zusätzlich zur regulären Abschreibung erlaubt, wenn Sie Ihren Firmenwagen

im Jahr des Kaufs und im Jahr danach nachweislich zu

mehr als 90 Prozent betrieblich nutzen. Bilanzieren Sie, kommt

DAS IST ZU BEACHTEN

Bei Betriebsprüfungen führen folgende Fehler zu Nachzahlungen:

Zeitanteiligkeit falsch: Die Abschreibung wird nicht zeitanteilig

ermittelt.

Fehlerhafte Sonderabschreibung: Einzelunternehmer ermitteln

den Wert für die Privatnutzung nach der Ein-Prozent-Regelung.

Da in diesem Fall von einer mindestens 30-prozentigen privaten

Mitbenutzung des Pkw ausgegangen wird, scheidet die Sonderab-

PRAXISBEISPIEL

Beispiel 1: Standardfall mit Sonderabschreibung

Herr Müller kauft im September einen neuen Kleintransporter für

seine Schreinerei. Der Kaufpreis beträgt 30.000 Euro zzgl. 5.700

Euro Umsatzsteuer. Für Sonderausstattung zahlt er zusätzlich 2.000

Euro zzgl. 380 Euro Umsatzsteuer. Er ist zum vollen Vorsteuerabzug

berechtigt. Die Voraussetzungen für die Sonderabschreibung

liegen vor.

die Sonderabschreibung nur in Betracht, wenn der Wert Ihres

Betriebsvermögens im Jahr vor der Anschaffung nicht mehr als

235.000 Euro betrug (EÜR: 100.000 Euro).

Schritt 4: Auswirkung auf die Abschreibung

Haben Sie in den Vorjahren für den geplanten Kauf Ihres Firmenwagens

den 40-prozentigen Investitionsabzugsbetrag vom Gewinn

abgezogen, mindern sich um diesen Betrag die in Schritt 1

ermittelten Anschaffungskosten und somit natürlich auch die Höhe

der Abschreibung.

schreibung aus (mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung).

Fehlerhafter Investitionsabzugsbetrag: Auch beim Investitionsabzugsbetrag

gilt die 90-Prozent-Regelung. Wird kein Fahrtenbuch

geführt, kippt der Investitionsabzugsbetrag. Das bedeutet:

1. Änderung des Steuerbescheids des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag

abgezogen wurde.

2. Keine Minderung der Anschaffungskosten.

Beispiel 2:

Wann die Umsatzsteuer zu den Anschaffungskosten zählt

Frau Meier erwirbt im August einen neuen Pkw für 25.000 Euro

zzgl. 4.750 Euro Umsatzsteuer. Sie ist nicht zum Vorsteuerabzug

berechtigt (Kleinunternehmerin oder Ausführung umsatzsteuerfreier

Leistungen, die den Vorsteuerabzug ausschließen). Die Voraussetzungen

für die Sonderabschreibung liegen nicht vor.

76 ProFirma 05 2012

Foto: Audi


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Wie kann ich die Wirtschaftlichkeit meiner Investition berechnen?

Sie müssen Ihre Produktionsanlage erneuern und wollen wissen, welche Option für Ihren Betrieb am günstigsten

ist? Oder Sie wollen Ihr Geschäft ausdehnen und prüfen, ob sich der Aufbau eines neuen Standorts

lohnt? Dann brauchen Sie eine Wirtschaftlichkeits- oder Investitionsrechnung. Diese Mühe lohnt sich, weil

Sie sich dann bei Ihrer Entscheidung nicht (nur) auf Ihr Bauchgefühl verlassen müssen. VON JÖRGEN ERICHSEN

DIE LÖSUNG

Zwar schützt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht vollständig vor

Fehlern. Sie zwingt Sie aber, sich mit dem geplanten Vorhaben

intensiv auseinanderzusetzen. So können Sie meist erkennen, ob

sich eine Investition grundsätzlich lohnt. So gehen Sie vor:

1. Formulieren Sie die Ziele Ihres Investitionsvorhabens

Beantworten Sie folgende Fragen:

> In was wollen Sie investieren?

> Welche Alternativen zur Investition gibt es?

> Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Investition?

> Welche Risiken bestehen?

2. Stellen Sie Daten für die Investitionsrechnung zusammen

Folgende Daten benötigen Sie auf jeden Fall:

> Anschaffungswert inklusive Nebenkosten.

> Bestehende Restwerte zur Berechnung der Kapitalkosten: Den

Restwert etwa eines Pkw erfahren Sie beim Hersteller oder

Dienstleistern wie Schwacke und Dekra.

DAS IST ZU BEACHTEN

Bei der Kapitalwertmethode wird es etwas schwieriger. Zwar

müssen Sie auch Angaben zu Erlösen und laufenden Kosten machen.

Sie müssen aber zusätzlich möglichst realistisch einschätzen,

in welchem Jahr in welcher Höhe welche Zahlungen anfallen.

Im Grunde erstellen Sie für Ihr Vorhaben eine kleine Unternehmensplanung.

Ähnlich gehen Sie bei den Kosten vor: Sie müssen

einschätzen, wie hoch der Materialverbrauch anzusetzen ist und

welche weiteren Kosten (Personalaufwendungen, Mieten, Energiekosten)

anfallen. Auch hier können Sie sich an ähnlichen Projekten

aus der Vergangenheit orientieren.

Liegen alle Zahlen zu Erlösen und Kosten vor, rechnen Sie beide

Werte gegen, und Sie erhalten für jedes Jahr der geplanten Nutzungsdauer

Ihrer Investition ein positives oder negatives Betriebsergebnis.

Was Unternehmer wissen sollten:

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ProFirma 05 2012

> Die geplante Nutzungsdauer.

> Den gewünschten Kalkulationszinssatz: Er ist der Maßstab dafür,

ob sich der Kapitaleinsatz für Sie lohnt. Dieser Zinssatz setzt sich

aus zwei Komponenten zusammen: Die Verzinsung, die Sie erhalten,

wenn Sie das Geld alternativ langfristig in sichere Wertpapiere

anlegen plus einen Zuschlag für das Risiko, das Sie mit

Ihrer Investition eingehen.

3. Erstellen Sie Ihre Investitionsrechnung

Handelt es sich um eine Ersatzinvestition, etwa für einen neuen

Pkw, bei der Sie nur die Kostenseite betrachten müssen, um die

preiswerteste Option zu fi nden, genügt eine einfache statische Kostenvergleichsrechnung.

Dazu benötigen Sie verlässliche Angaben

zu laufenden Kosten und den Leistungen in einem durchschnittlichen

Jahr. Müssen Sie zusätzlich Erlöse einbeziehen, wenden Sie

eine einfache Gewinnvergleichsrechnung an. Geht es um Erweiterungsinvestitionen,

sollten Sie ein dynamisches Investitionsrechnungsverfahren

wie die Kapitalwertmethode anwenden.

PRAXISBEISPIEL

Die Investitionsrechnung: Ein Vertriebsmitarbeiter von Paul Peters,

der ein kleines Maschinenbauunternehmen leitet, hatte einen

Unfall. An dem Geschäftswagen ist ein Totalschaden entstanden.

Peters muss Ersatz beschaffen, damit der Mitarbeiter Kunden

besuchen kann. Peters will wissen, welcher Wagen für ihn die

geringsten Kosten verursacht. Dazu holt er sich mehrere Angebote

ein, führt eine Kostenvergleichsrechnung durch und entscheidet

sich für das günstigste Fahrzeug.

77


ProFirma Professional

DAS UNTERNEHMER-COCKPIT: LÖSUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

Von welchem Zeitpunkt an rechnet sich die Produktion für mich? Welche Unterlagen

brauche ich für das Bankgespräch? Darf das Finanzamt mir Einnahmen einfach unterstellen?

Als Chef müssen Sie jeden Tag Entscheidungen fällen und Strategien festlegen. ProFirma Professional

unterstützt Sie in der täglichen Arbeit mit praktischen Rechnern, Checklisten, Mustertexten und Fachbeiträgen

zu den Themen Unternehmensführung, Marketing, Vertrieb, Personal, Steuern und Finanzen.

Themen im Monat Mai

DAS TOP-THEMA DES MONATS

Mit dem Top-Thema des Monats bietet ProFirma Professional

seinen Abonnenten eine Zusammenstellung von Fachbeiträgen

und Arbeitshilfen zu einem aktuellen Thema.

Balanced Scorecard als Führungsinstrument

Unternehmensziele und Strategien formulieren zu können,

ist ein großer Fortschritt. Mit dem Managementinstrument

der Balanced Scorecard lassen sich Mitarbeiterwissen und

Geschäftsprozesse optimal ausrichten. Haufe-Index: 2859942

Frühwarnsystem (Arbeitshilfe) Haufe-Index: 2159157

Portfolio-Analysen Haufe-Index: 1210699

Marketingplan (Arbeitshilfe) Haufe-Index: 1050857

NEU IM PROFESSIONAL

Eine kleine Auswahl von neuen Dokumenten und Arbeitshilfen

auf ProFirma Professional.

■ Personal-Controlling Haufe-Index: 914899

Das Personal-Controlling ermittelt künftig erforderliche Mitarbeiterzahlen,

strukturiert Kosten und minimiert Personalrisiken.

■ Geringwertige Wirtschaftsgüter Haufe-Index: 2179864

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Wirtschaftsgüter steuerlich

als selbstständig nutzungsfähig gelten und welche nicht.

■ Kurzarbeitergeld Haufe-Index: 2130302

In dieser Sammlung wurden die häufi gsten Fragen von

Unternehmern im Zusammenhang mit der Beantragung und

Durchführung von Kurzarbeit zusammengestellt.

■ Rechnungs-Check Umsatzsteuer Haufe-Index: I2859971

Mit diesem Tool können Sie checklistenartig prüfen,

ob eine Rechnung alle Pfl ichtangaben enthält.

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Fotos: drupa Messe Duesseldorf; Torhaus Gilde-Carré, Hannover, Gerd Nord, Lindener Baukontor

ProFirma 05 2012

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1 Hamburg

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Umsatzsteuerrecht bei Export

und Import von Waren

Veranstalter: Haufe Akademie

www.haufe-akademie.de

6

7

1

3

3 Hannover

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Internationale Passivhaustagung

www.passivhaustagung.de

5

8

9

2 Berlin

23.05. – 26.05.2012

Linuxtag

www.linuxtag.org

2

8 Nürnberg

22.05. – 24.05.2012

Sensor+Test

www.sensor-test.de

9 München

07.05. – 11.05.2012

Ifat Entsorga 2012

Weltleitmesse für Wasser-,

Abfall- und Rohstoffwirtschaft

www.ifat.de

7 Friedrichshafen

17.05. – 20.05.2012

Klassikwelt Bodensee

www.klassikwelt-bodensee.de

79


Forum

7. Process Solution Day

Vielseitiges Programm

Die Gesellschaft für Organisation e.V. (gfo) veranstaltet am 15. und 16. Mai in Frankfurt

den siebten Process Solution Day (PSD). Bei dieser Tagung werden neue Software-

Lösungen aus dem Bereich Business-Process-Management (BPM) präsentiert.

Zum ersten Mal wird dabei ein zweitägiger Kongress zum Thema BPM ausgerichtet.

Am ersten Tag fi ndet außerdem das BMP-Anbieterforum statt. Beim Anwenderforum

am zweiten Tag stehen zwölf Erfahrungsbeiträge zur Implementierung von Software-

Lösungen in Unternehmen im Mittelpunkt. Weitere Bestandteile des Programms sind:

> eine vergleichende Präsentation und Fachausstellung der wichtigsten verfügbaren Lösungen

> vertiefende Schwerpunkte: Prozessmodellierung, BPM-Suiten, Human Workfl ow,

prozessorientierte Lösungen und Unternehmensarchitektur (EAM)

> aktuelle Informationen zur internationalen BPM-Zertifi zierung

> Anwendervorträge zum Thema „Prozessmanagement“

> die Verleihung des Process-Solution-Award für mustergültiges Business-Process-Management.

Die Gesellschaft für Organisation befasst sich als gemeinnütziger Verein bereits seit dem Jahr 1922

mit Fragen der Gestaltung betrieblicher Abläufe. Ziel der Veranstaltung ist es, Mitgliedern und Interessierten

zu helfen, eine für sie geeignete Lösung für die organisationsspezifi sche Problemstellung zu identifi zieren

und neue Anregungen für Verbesserungspotenziale zu sammeln.

INFO: www.psd2012.de

Immer mehr Unternehmen greifen auf Factoring zurück

„Seit 2005 hat sich das Factoring-Volumen

fast verdreifacht“, erklärte Joachim Secker,

Sprecher des Vorstands des Deutschen

Factoring-Verbands.

Factoring hat im Finanzierungsmix

der Unternehmen im Jahr 2011 weiter

an Bedeutung gewonnen. Dies geht

aus den Zahlen hervor, die der Deutsche

Factoring-Verband in Frankfurt

vorlegte. So stieg das Volumen der an

Factoring-Dienstleister abgegebenen

Forderungen im vergangenen Jahr um

knapp 19 Prozent auf rund 157,3 Milliarden

Euro. Im Jahr davor lag der Zuwachs

bei 37 Prozent.

„Seit 2005 hat sich das Factoring-Volumen

fast verdreifacht. Das ist ein stolzes

Ergebnis für die Branche“, erklärte Joachim

Secker, Sprecher des Vorstands

des Deutschen Factoring-Verbands.

Verantwortlich für das erfreuliche

Wachstum seien neben der guten Wirtschaftsentwicklung

in wichtigen Branchen

die gestiegenen Konsumausgaben,

höhere Investitionen sowie der starke

deutsche Export gewesen. Der Verband

vertritt die Interessen der 26 führenden

Factoring-Institute in Deutschland.

Wie aus der Jahresbilanz weiter hervorgeht,

nahm die Zahl der Neukunden auf

14.600 zu, gegenüber dem Jahr 2010 ist

das ein Plus von mehr als 20 Prozent.

Auch die Forderungslaufzeit erreichte

fast wieder das Vorkrisenniveau und

beträgt nun 40,7 Tage (gegenüber noch

je 41,1 Tagen 2010 und 2009 sowie 40,5

Tagen im Jahr 2008).

Die fünf wichtigsten Branchen, die

Factoring nutzen, blieben der Handel,

Dienstleistungen, die Herstellung von

Metallerzeugnissen/Maschinenbau, das

Ernährungsgewerbe sowie die Metallerzeugung

und -verarbeitung. Bemerkenswerte

Zuwächse gab es bei den

Herstellern chemischer Erzeugnisse sowie

von Gummi- und Kunststoffwaren.

Vor dem Hintergrund der strengeren

Regeln für die Kreditvergabe geht der

Verband davon aus, dass die Bedeutung

von Factoring weiter zunehmen wird.

Allerdings rechnet der Verbandsvorsitzende

Secker auch mit einer weiteren

Konsolidierung unter den Anbietern

von Factoring. Der Grund: Auch die

Factoring-Branche muss mit strengeren

gesetzlichen Anforderungen rechnen,

die vor allem kleinere Anbieter nicht

erfüllen könnten.

80 ProFirma 05 2012


Themen 06.2012

Titelthema: Gutes Polster für den Ruhestand

Die Bundesregierung will Selbstständige dazu verpfl ichten, dass sie regelmäßig

für die fi nanzielle Absicherung des Lebensabends vorsorgen. Dabei gibt es in der

Praxis schon viele Instrumente zum Aufbau einer ausreichenden Altersversorgung

für alle Unternehmer. ProFirma stellt die wichtigsten Vorsorgewege vor und

gibt Tipps, wie Selbstständige das vorhandene Instrumentarium optimal nutzen

und drohende fi nanzielle Lücken im Alter rechtzeitig schließen.

IMPRESSUM

Redaktion:

Dieter Römer (Chefredakteur)

E-Mail: Dieter.Roemer@ProFirma.de

Paul Lauer (Redakteur)

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Hausadresse der Redaktion:

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Autoren dieser Ausgabe:

M. Bahnerth, Prof. M. Beck, J. Christ, T. Cole, St.

Gneiting, S. Hölper, M. Hofmann, G. Hopmeier, Dr.

G. Lüke, E. Neuthinger, H. Siebold, L. Volkelt, O.

Weiss, B. Weller, K. Zunke.

Grafi k: Hanjo Tews

Titelbild: NRW.BANK/Lokomotiv Fotografi e

ProFirma 05 2012

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4. Quartal 2011: 94.767

Verkaufte Aufl age: 73.104

IVW-geprüft. ISSN 1435-6082

Die Ausgabe 06/2012 erscheint am 30. Mai 2012

Weitere Themen:

PERSONAL

Strenge Regeln

Die Beschäftigung Schwerbehinderter

ist ein wichtiges Anliegen der Politik.

Für die Arbeitgeber ist das Thema mit

hohen Risiken verbunden.

VERSICHERUNG

Günstige Pakete

Versicherungen bieten verschiedene

Programme an, mit denen Unternehmen

ihre Belegschaft günstig versichern

können. Dazu ein Überblick.

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zum guten Ton. Auch nützliches

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Rheinland-Pfalz ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

81


Schluss mit lustig

Business affairs

Kein Entkommen

von der Kunst

Speditionsunternehmer Olaf Gute schätzt

Hubraum mehr als die malerischen Fähigkeiten

seiner Frau. Zum Biertrinken hätte er trotzdem

einen besseren Ort fi nden können.

VON MICHAEL BAHNERTH

Er stand vor seinem Fenster, blickte auf den leeren Fuhrpark

und lächelte. 17 Lastwagen hatte er, 17 waren mit Ladung unterwegs.

Irgendwo in der Schweiz und Italien. Es war ein gutes

Gefühl, zu den Gewinnern des Güterverkehrs zu gehören,

obwohl er manchmal dachte, dass das Ganze ein Irrsinn war.

Weil ein Schweizer Mineralwasserhersteller sein noch stilles

Wasser in die Nähe von Genua fahren ließ, um es dort mit

Kohlensäure zu versetzen. Und wieder zurück. Das machte

die Flasche, nach Abzug der Transportkosten, zwei Cent billiger

für den Hersteller. Und ihn machte es wohlhabend. Ich

sollte glücklich sein, dachte er.

Noch eine halbe Stunde, und sein neuer 911er Porsche würde

geliefert, der 1973er Carrera RS, weiß, 2,7-Liter-Motor, 232 PS,

würde hier in den Hof einfahren. Er stellte sich vor, dass er ihn

zuerst hören, bevor er ihn sehen würde. Er würde ihn starten,

sich eine Landstraße suchen und ein paar G-Kräfte in den Kurven

spüren. Das würde ihn glücklich machen. Wenn er fahren

konnte, vergaß er alles andere. Vor allem seine Frau, die heute

den wichtigsten Tag in ihrem Leben als Künstlerin hatte.

Natürlich nahm er das ernst. Auch wenn sie noch ein Leben

als Yoga-Lehrerin hatte. Und eines als Dolmetscherin. Und

eines als Ernährungsspezialistin. Und eines als Frau sowieso.

„Bitte, Olaf“, hatte sie gesagt, „komm zu meiner Vernissage.

Du musst nicht wegen meiner Bilder kommen. Aber komm

wegen mir. Wegen uns. Und als Zeichen, dass ich dir noch etwas

bedeute.“ Er hatte ja hingehen wollen. Nicht wegen der

Bilder. Die waren, fand er, na ja, farbig. Seine Frau malte Sonnen

in allen Variationen und Farben. Weil die Sonne der Quell

allen Lebens sei. Etwas pampig hatte er geantwortet, für Männer

seien dies Benzin und Hubraum. Danach wollte sie mit

ihm diskutieren, aber er gab vor, noch arbeiten zu müssen,

und verschwand in seinem Dachzimmer, wo er im Grunde

die meiste der gemeinsamen Zeit mit seiner Frau verbrachte.

Er hörte jetzt, wie ein Motor beim Runterschalten mit Zwischengas

immer ein wenig aufheulte. Kurze Zeit später saß er

im Porsche und fuhr allem davon. Das Auto lag gut, entwickelte

ab 3.500 Touren einen unglaublichen Zug. Er mochte

diese älteren Autos, die keinen Schnickschnack hatten, sondern

nur Autos waren. Er wusste gar nicht mehr, wie lange er

gefahren war, bis er zu diesem Gasthof kam, anhielt, die Blicke

der Gäste im Garten genoss, sich hinsetzte und ein Stück

Fleisch bestellte und ein Bier. Er blickte auf sein Handy. Drei

Anrufe in Abwesenheit; seine Frau.

Er blickte auf seine Uhr. Zu spät. Er aß, trank und dachte nach.

Ob er allein glücklicher wäre. Ob Ehen eine Halbwertszeit haben,

die man akzeptieren musste, anstatt so zu tun, als ob man

gemeinsam glücklich in die Urne gehen könnte. Er lehnte sich

zurück, trank sein Bier aus und freute sich schon auf die Fahrt

zurück. Schaute noch den fünf Fahrzeugen zu, die gerade auf

den Parkplatz der Gaststätte einbogen. Sah die meist elegantschwarz

gekleideten Leute, die aus den Autos stiegen und

gleich anfi ngen zu plappern. Ein Wagen hatte eng neben seinem

Porsche geparkt. Versaut mir nicht meinen Lack, dachte

er. Eine Frau stieg aus, in langem weißem Kleid. Seine Frau.

Er zuckte kurz zusammen, überlegte, ob er auf die Toilette

fl üchten sollte, entschied sich dann aber, ein Mann zu sein

und einfach sitzen zu bleiben. Seine Frau führte die Gruppe

der Vernissage-Gäste lächelnd ins Lokal. Als sie ihn bemerkte,

vollzog sich auf ihrem Gesicht eine Sonnenfi nsternis. Dann

drehte sie sich einfach um, fi ng an, mit einem jungen Mann

zu sprechen, hängte sich bei ihm ein und lief wortlos an ihm

vorbei. Er stand auf, setzte sich in seinen Wagen und gab Gas.

Lange noch suchte er nach Kurven, die ihn alles vergessen lassen

würden.

IM NÄCHSTEN HEFT: Manfred Müller, Marketingfachmann, und die Tücken einer Powerpoint-Präsentation.

82 ProFirma 05 2012

Teil 4

Illustration: Reinhold Harwath


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