Magazin über Architektur Ausgabe 01 | 2008 Magazin über - Forbo

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Magazin über Architektur Ausgabe 01 | 2008 Magazin über - Forbo

Forbo Flooring GmbH

Steubenstraße 27

33100 Paderborn

Tel. +49 52 51 18 03 -139

Fax +49 52 51 18 03 -313

Gabriele.Loehr@forbo.com

2100

INOLEUm 2

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Magazin über Architektur Ausgabe 01 | 2008

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INOLEUm 2

Magazin über Architektur Ausgabe 01 | 2008

2100


Editorial

Überraschend anders

Liebe Leserinnen und Leser,

Leinöl, Naturharze, Holzmehl und Jute sind seit der Erfindung dieses ersten industriell gefertigten

Bodenbelags 1860 die Bestandteile von Linoleum – nachwachsend und umweltschonend.

Linoleum als Klassiker der Bodenbeläge erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance.

Architekten, Planer, Investoren und Nutzer schätzen die natürliche Materialität, die lange Lebensdauer

und die flexiblen Anwendungsmöglichkeiten.

Dieses ist einer der Gründe dafür, dass wir uns entschlossen haben, Ihnen Einblicke in die Verwen-

dungsmöglichkeiten von Linoleum zu geben, das in der heutigen Zeit als natürliches Produkt aus

nachwachsenden Rohstoffen im Sinne von Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit zu einer besonderen

Lebensqualität beiträgt.

Wir möchten Ihnen mit der ersten Ausgabe unseres neuen Architekturmagazins Linoleum²,

die Bandbreite der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von Linoleum in der Praxis zeigen und

fokussieren uns ausschließlich auf Projekte, die mit Linoleum realisiert wurden. Linoleum² ergänzt

unser bewährtes Architekturmagazin ARCHIDEA, das Ihnen in regelmäßigen Abständen internationale

Referenzobjekte mit der gesamten Bandbreite von Forbo Produkten vorstellt.

Die für Linoleum² ausgewählten Architekturprojekte vereinen neben ihrer architektonischen Qualität

besondere Anwendungen von Linoleum. Individuelle Entwürfe, z.B. Linoleummöbel oder spezielle

Farbkonzepte, die sich der breiten Farb- und Strukturpalette des Linoleums bedienen, sollen Ihnen

die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Bodenbelags veranschaulichen.

Wir hoffen, Ihnen mit unseren beiden Architekturmagazinen ARCHIDEA und Linoleum²

neue Impulse für die Gestaltung Ihrer eigenen Projekte geben zu können.

Ihr

Martin Thewes

Erweiterungsbau Theodor-Heuss-Gymnasium/Hölty-Schule, Göttingen 2

Architekten: ahrens grabenhorst architekten, Hannover

Umbau des Filmtheaters am Thielenplatz zu Hörsaal 8

und Café-Bar für die Dr. Buhmann Schule, Hannover

Architekten: atelier kempf, Hannover

Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Ambulantes OP-Zentrum, Berlin 14

Architekten: huber staudt architekten BDA, Berlin

Produktionshalle Huber, Rimsting 15

Architekten: Architekturbüro Michael, Rimsting

Impressum

Forbo – Innovation 16

Herausgeber Forbo Flooring GmbH Redaktion Bauverlag BV GmbH Gestaltungskonzept und Layout formba, Hamburg

Kontakt Forbo Flooring GmbH Steubenstraße 27 33100 Paderborn Tel. +49 52 51 18 03 -139 Fax +49 52 51 18 03-313 Gabriele.Loehr@forbo.com

Titelfoto Klemens Ortmeyer

Inhalt Ausgabe 01

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Theodor-Heuss-Gymnasium/

Hölty-Schule

Schulerweiterung in Göttingen

ahrens grabenhorst architekten, Hannover

2100 m² rotes Linoleum

Architektur Interview

Die Stadt Göttingen forderte im Jahr 2005 Architekten mit einer spannenden

Aufgabe heraus. Die Aufgabe war es, einen Schulerweiterungsbau für

Grundschüler und Gymnasiasten zu konzipieren. Das Büro ahrens grabenhorst

architekten, gegründet 1995 von Gesche Grabenhorst und Roger

Ahrens, gewann den Wettbewerb mit einem Konzept, das die Bedürfnisse

aller Schüler berücksichtigt – lernen, spielen, sich entwickeln, gemeinschaftlich

und individuell.

Foto: Klemens Ortmeyer

2 3


4

„Rot – die Farbe steht für Wärme

und Lebendigkeit“

In gestreifter Hülle und mit rotem Innenleben

bietet der Erweiterungsschulbau

von ahrens grabenhorst architekten einen

neuen gemeinsamen Spiel-, Lern- und

Lebensraum für die Schüler des Theodor-

Heuss-Gymnasiums und der Hölty-Grundschule

in Göttingen. Dort toben nun

auf weichem Linoleum kleine und große

Kinder vor der Kulisse des birkenumrahmten

Schulhofes.

Frau Grabenhorst, das Büro ahrens grabenhorst

architekten hat einen außergewöhnlichen

Schulbau in Göttingen realisiert. Wie war die

Bauaufgabe?

Die Bauaufgabe war ein gemeinsamer Erweiterungsbau

des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der

Hölty-Grundschule. Zwischen beiden Schulen liegt

das Baugebiet, auf dem ein Neubau zu schaff en

war, den sich beide Schulen teilen. Für das Gymnasium

sollten 14 Klassenräume und für die Kleinen,

die Grundschüler, Räume für Naturwissenschaften

und Musik entstehen.

Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem

wir den ersten Preis gewannen. Die Schwierigkeit

bei der Wettbewerbsaufgabe war ein Höhenversprung

von drei Metern zwischen dem Gelände

der Grundschule und dem des Gymnasiums – hier

die Kante des Baugrundstücks.

Unsere Idee war, die Verortung des neuen Baukörpers

genau auf dieser Kante stattfi nden zu

lassen, zugunsten von größeren Freifl ächen und

von zwei – der Nutzung entsprechend getrennten –

Erschließungsebenen. So betreten die Grund-

Haupteingang im Südosten

schüler das Gebäude in der unteren Ebene, der

Ebene -1, in der ihre gesamten Räume angeordnet

sind, die Gymnasiasten von der oberen, der

Ebene 0. Hier befi nden sich die Mensa und die

Gemeinschaftsräume. Die darüber liegenden

Geschosse Ebene 1+2 werden ausschließlich vom

Gymnasium genutzt.

Alle Unterrichtsräume sind zum ruhigeren

Grünzug, der die Schule umgibt, ausgerichtet.

Flure, Treppenhäuser sowie Nebenräume werden

in einer Kommunikations- und Erschließungszone

auf der Schulhofseite zusammengefasst.

Welche Bedeutung hat demnach die Wahl der

Fassaden und der Fassadenausgestaltung?

Diese hat eine ganz große Bedeutung, denn der

Grünzug zeigt sich in voller Pracht als Birkenhain.

Es gibt ein sehr schönes Gedicht von Rainer Maria

Rilke, eine Metapher für die spätere Fassadenhaut.

>> Die Birken standen da und konnten, / gleich weiß

verkleideten Heiligen, / das Licht kaum unterdrücken, /

das ihnen war. Ihre Stämme / enthielten alles Weiß der

Welt / nach geheimnisvollen Gesetzen / geordnet. >>

Wegen seiner Verortung sollte das Gebäude

auch etwas mit dem Birkenhain zu tun haben;

es entstand eine „Birkenhaut“ als Fassadenbild.

Dadurch versteht man auch die Farbigkeit der

Fassade und das Changieren der unterschiedlichen

Farbtöne. Gleichmäßig über den hellen „Stamm“

verteilte, dunkle Risse werden im Fassadenbild

mit verschiedenfarbenen Horizontalpaneelen

interpretiert. So hat das Gebäude etwas mit

Fotos: Roland Halbe

Die Erschließungszone öff net

sich zum Schulhof und zur Mensa

Im Interview

Gesche Grabenhorst

ahrens grabenhorst architekten, Hannover

dem Ort zu tun, zunächst von der Nutzung und

der Ausrichtung, im Weiteren auch mit seiner

ästhetischen Anmutung.

Welche architektonischen Ideen gab es im

Innenraum?

Die Herausforderung im Innenraum war, zum einen

ein schlüssiges Gesamtbild in der Gestaltung zum

Konzept des Gebäuderiegels mit der horizontal

gegliederten Außenhaut zu erzielen und zum anderen,

für jede Etage eine Signifi kanz der Farbigkeit

Architektur Interview

zu entwickeln. Innen und außen agieren im Dialog.

Die äußere Gestalt ist ruhig gehalten und im

Innern zeigt Farbe, wo die Bewegung und die

Lebendigkeit der Kinder stattfi ndet. Es gibt

verschiedene Rottöne als Gestaltungsmatrix,

sie bilden einen schönen Kontrast zu dem

„Schwarzweiß“ der Fassade.

Die Staff elung der Farbigkeit reagiert auf die

Verortung. In der Erde, in der Ebene -1, erscheint

Braun-Orange und die Farbigkeit entwickelt sich

mit zunehmender Geschosshöhe über eine fein

5


abgestimmte Rotskala Richtung Blau, die Farbe

der Himmellandschaft. Wo tatsächlich Bewegung

stattfindet, sich die Kinder bewegen, sollte dieser

Rhythmus mitgenommen werden. Daher sind die

Flure quer gestreift, und die jeweils federführende

Farbe setzt sich in den Klassenräumen fort, sichtbar

über die Glaseinsätze in den Türelementen.

Die Rhythmisierung der Farben ergibt sich aus

dem 50 m langen Flurraum, die Strukturierung

schafft Ordnung und Begrenzung zugleich. Die

Längsrichtung des Flures und die Querrichtung

der Erschließung der Klassenräume verweben

miteinander, Geschwindigkeit und Ruhe stehen im

Dialog.

Welchen Raumeindruck möchten Sie in den

Fluren erzielen?

Flure sehen wir nicht als reine Erschließungszonen,

die belichtet werden. Sie sind Aufenthaltsräume

für die Momente, wo Schüler verweilen oder kleine

Arbeitsgruppen zusammenfinden, eine Idee, für

eine „bewegte Arbeitsweise“ Raum zu schaffen.

Die von uns entworfene Kubenlandschaft in zwei

Rottönen und Schwarz soll animieren und eine

neue Qualität bringen.

Dadurch, dass die lederbezogenen Kuben nicht

festgeschraubt sind, reagieren sie auf die

Bewegung und den Rhythmus des Bodenmaterials,

so spielen diese gut zusammen. Es sind warme

Materialien, sowohl das weiche Linoleum als auch

das Leder der Kuben, beide zusammen bilden eine

sehr angenehme Atmosphäre. Die Farbsetzungen

an der Wand im Bereich der Türen sind mit den

Farbschattierungen des Linoleums abgestimmt,

so dass, wenn man in den Flur hineinschaut, die

einzelnen Klassenräume markiert sind und sich

der Rhythmus fortschreibt, der sich im Boden

entwickelt. Eine weitere Akzentuierung bilden

die Farbgläser, über die eine Durchwebung von

innen und außen über Farbigkeit und Blickkontakt

stattfindet. Die Klassenräume wirken nicht so

hermetisch abgeschlossen und die Raumtiefen des

gesamten Gebäudes werden erfahrbar.

Alle Klassenzimmer

haben Bezug zum ruhigen

grünen Außenbereich

Welche Anforderungen erfüllt das Material

Linoleum?

Im Schulbetrieb müssen die Materialien natürlich

robust sein, da war das Linoleum, gerade auch das

Marmoleum, wegen der Schmutzresistenz eine

gute Wahl.

Als Naturprodukt unterstütze ich Linoleum gerne.

Linoleum wird inzwischen ganz anders als früher

eingesetzt, wir haben schon Tische mit dem

Material entwickelt, und im Interior Design erfährt

dieses Material eine Aufwertung durch eine

breite Farbpalette und die Lösung vom reinen

Bodenbelag. Allerdings muss man bei einem

öffentlichen Bau darauf achten, ökonomisch zu

arbeiten. Daher haben wir die Liegebreiten des

Materials bei der Grundrissplanung frühzeitig

integriert und maximiert. Die Kosten blieben so

voll im Rahmen.

Mehr als nur ein Flur: Die Kubenlandschaft

dient als Aufenthaltsraum Baudaten

Objekt: Erweiterungsneubau Theodor-Heuss-Schule

und Hölty Schule, Göttingen

Bauherr: Stadt Göttingen, FB Gebäude und Immobilien

Architekten: ahrens grabenhorst architekten, Hannover

Ausführung: Firma N. Schaaf, Duderstadt

Technische Beratung: Forbo Flooring GmbH

Forbo Produkte: Marmoleum real, dual

Linoleum in m²: 2100

Marmoleum

real 3126

Marmoleum

real 3127

Marmoleum

real 3131

Architektur Interview

Kann die Gestaltung und das Material gegen

Vandalismus vorbeugen?

Ich hoffe es. Die Kinder gehen sehr vorsichtig mit

dem Neubau um.

Als die Außenanlagen noch nicht fertig waren,

haben wir zum Schulbeginn für den reibungslosen

Ablauf „Überzieher“ für die Schuhe ausgelegt.

Die Kinder haben diese gut angenommen. Sie

waren einfach stolz, dass sie eine schöne Schule

bekommen haben. Es ist die Bestätigung dafür,

dass über eine Gestaltung, im ganzheitlichen Sinne,

sich auch ein anderes Bewusstsein bei den Kindern

und Erwachsenen entwickelt, was Architektur

sein kann – kein reiner Funktionsbau, sondern ein

Schulgebäude, mit dem sie sich identifizieren.

Die Reaktionen waren durchweg positiv. Die

Ideen wurden von allen, sowohl von der sehr

engagierten Schulleiterin – hier vertretend für die

ganze Schule genannt – als auch vom hiesigen

Stadtbaurat und der Verwaltung, äußerst positiv

getragen.

Wir bekamen das Feedback, dass immer mehr

Veranstaltungen und Konferenzen im Neubau

stattfinden. Ich denke, es sind einfach freundliche

Räume, in denen Kinder, über die Farbigkeit ihre

eigene Welt wieder finden und vielleicht in der

Phantasie weiterentwickeln. Und sind wir nicht alle

gerne wieder einmal Kind?

Frau Grabenhorst, vielen Dank für das Gespräch.

Die Architektin sprach mit Rosa Grewe

Marmoleum

real 3202

Marmoleum

dual 3410


Umbau Dr. Buhmann Schule

Hannover

atelier kempf, Hannover

Architektur Interview

Bewahren, wandeln und ergänzen,

die Dr. Buhmann Schule im neuen Ganzen

Das atelier kempf wurde im Jahr 2000 von dem Architekten Joachim Kempf und

der Innenarchitektin Anne Stallkamp gegründet und hat sich seitdem besonders

mit Projekten im Schwerpunkt Modernisierung und Umbau einen Namen

gemacht. In der Dr. Buhmann Schule wagten die beiden die Wandlung, fügten

Neues zu Altem, sanierten, ordneten und ergänzten. Licht, Raummöbel und

Materialien verbinden nun das Individuelle zu einer harmonischen Einheit und

lassen es in silver shadow und white marble schimmern.

Foto: Klemens Ortmeyer

8 9


10 10

Dem Alten ein silberner Schimmer

Interview mit

Anne Stallkamp und Joachim Kempf

atelier kempf, Hannover

Linoleumboden mit Schokoladenoptik:

Marmoleum colourful greys 3516

Zwiesprache zwischen

Alt und Neu, erhaltene Stuckdecke

mit moderner technischer Aus-

stattung in den Klassenräumen

Architektur Interview

XXXXXXXXX unserer Planungen konnte Dr. Christian Buhmann

XXXXXXXXXX

Ein altes Kino, ein dunkler Hof und enge

Klassenräume in historischem Gebäude;

eine große Aufgabe, aus diesen Bestandteilen

ein funktionierendes Ganzes für die

Dr. Buhmann Schule zu machen.

XXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Herr Kempf, Frau Stallkamp, Sie haben der

Dr. Buhmann Schule in Hannover ein neues

architektonisches Gesicht gegeben. Wie

gestaltete sich die Bauaufgabe?

Die Dr. Buhmann Schule, die in Hannover auf eine

hundertjährige Tradition zurückblickt, nutzt seit

Mitte der achtziger Jahre ein Neorenaissance-

Gebäude in der Prinzenstraße, im Eigentum von

Dr. Christian Buhmann befi ndlich, als Etagenschule

für Abiturienten, die dort eine Ausbildung zu

geprüften Betriebswirten erhalten. Das Gebäude

wurde im Krieg stark beschädigt und ab dem

3. OG mit bescheidenen Mitteln wieder aufgebaut.

Es gab bei dem nicht für Unterrichtszwecke

errichteten Gebäude Schwierigkeiten bezüglich

der Raumgrößen und der Belichtung. Auch waren

die Räume immer nur notdürftig hergerichtet

worden und in die Jahre gekommen. Es fehlte eine

moderne technische Ausstattung mit zeitgemäßer

Präsentationstechnik und sehr gut ausgestatteten

EDV-Arbeitsplätzen. Außerdem fehlte ein Hörsaal

für Veranstaltungen mit bis zu 120 Personen und

eine adäquate Pausen- und Kommunikationszone,

also ein „Herz“ der Schule, wo man sich triff t, sich

austauscht, Kaff ee trinkt und wo man nach dem

regulären Unterricht weiter lernen und arbeiten

kann. Den gesamten Innenhof der Blockbebauung

ausfüllend, teilweise unter die Gebäude

geschoben, lag zu der Zeit ein ungenutztes, von

Dieter Oesterlen 1956 errichtetes Filmtheater,

das aber weder im Original erhalten war noch

aus eigentumsrechtlicher, baukonstruktiver und

baurechtlicher Sicht wiederherstellbar war. Um

den alteingesessenen Standort der Schule im

Herzen der Stadt zu halten, wurden wir beauftragt,

Fotos: Stefan Neuenhausen

eine Machbarkeitsstudie zu einem Umbau des

ehemaligen Kinos zu einem Hörsaal und einer

Café-Bar für die Schule zu erstellen. Aufgrund

schließlich 2/3 des Komplexes erwerben,

umbauen und der Dr. Buhmann Schule, die

inzwischen als gemeinnützige GmbH ein

eigenständiges Unternehmen darstellt, zur Miete

anbieten. Der Rückbau des ehemaligen Kinos

in der Höhe führte dazu, dass das Dach nun als

Pausenhof und Kommunikationsfl äche sowie

eine integrierte Fahrradrampe zum Abstellen

von Fahrrädern genutzt werden kann.

Was war die grundlegende Idee Ihres

Entwurfes?

Die Idee ist die räumliche Metamorphose

des ehemaligen Kinos. Wir wollten der Arbeit

Oesterlens mit Respekt begegnen, das Vorgefundene

adaptieren und die Grundstruktur des

Raumes trotz vielfältiger und notwendiger Eingriff e

erhalten. Durch die Lage im Untergeschoss war

es notwendig, einen Lichthof einzuschneiden

und eine neue Erschließung für den Raum zu

entwickeln. In die Schulräume im Altbau setzten

wir wie Implantate Raum- und Möbelelemente.

So holten wir die alten Stilelemente, die zum

Teil noch unter Spanplatten erhalten waren, wie

Stuck und Parkett, wieder hervor und setzten dem

neue Elemente entgegen. Sämtliche für einen

modernen Unterricht notwendigen Funktionen,

das sind neben der Tafel eine Projektionsfl äche,

die akustische Anlage, die Beamerinstallation,

Leuchten und Ablagefächer, integrierten wir in mit

Linoleum bespannte Wand- und Möbelelemente.

Wir stellten elektrifi zierte Laptoptische als stützenfreie,

mit Linoleum bezogene Arbeitsbänke in den

Raum, um den Platz in den sehr engen Klassenräumen

gut auszunutzen. Im Prinzip nahmen wir

das auf, was ursprüngliches Gestaltungselement

dieser alten Gebäude war und manchmal heute

noch zu fi nden ist, das Motiv der Wandvertäfelung;

wir interpretierten es neu und setzten es funktional

ein und mit neuem Material um. Den Anfang

machten wir bei den Räumen mit historischen

Stilelementen, so dass eine Zwiesprache zwischen

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Alt und Neu, zwischen Linoleum und Parkett

entstand. Dann führten wir in den Geschossen

ohne historische Holzböden das Linoleum

auf dem Boden fort, so dass dieser Dialog

mit dem Historischen sich als eigenständiges

Gestaltungselement weiterentwickeln konnte,

und eine ganzheitliche Lösung entstand. Wir

deklinierten eine gemeinsame Sprache für Alt und

Neu und haben jetzt eine Schule in Alt- und Neu-

bzw. Umbau mit einem gestalterischen Ansatz.

Was war das technisch Anspruchsvollste

an dem Projekt?

Das war die Statik, die gesamte Situation des

Kinobaus. Er war mit sämtlichen Nebengebäuden

verschränkt und es gab keine Pläne. Wir mussten

die Tragstruktur vom Prinzip her erhalten, uns

auf die alte Stahlkonstruktion einlassen und

eine neue Funktionalität in die bestehende

Struktur einpassen. Auch die Cafeteria in den

Altbau einzuschieben, die Unterbringung der

Fahrradparkanlage und die Herrichtung des

Daches als Schulhof, das war sehr komplex.

Welchen Raumeindruck möchten Sie erzeugen?

Was die Funktionalität betrifft, wollten wir

Räume herstellen, die die notwendige, sehr

umfangreiche Technik integrieren, ohne dass sie

in den Vordergrund tritt. Die von uns geschaffene

Ordnung im Mobiliar soll sich positiv auf die

Lernatmosphäre auswirken. Das andere ist

die Materialität. Wir verwenden vorzugsweise

Materialien mit einer materialbedingten Farbigkeit

wie Holz und Beton, und hierzu zählen wir auch

das Linoleum. Durch die Farbigkeit möchten wir

aber auch Bereiche voneinander abgrenzen. In den

Klassen haben wir das Linoleum „silver shadow“

auf den Möbelelementen im Kontrast zu dem

geölten Parkettboden, und im Hörsaal und auf den

übrigen Böden haben wir dunkelbraunes Linoleum

aus der Serie „colourful greys“ gewählt, was schön

einhergeht mit dem eingefärbten Sichtbeton. Die

Pausenzonen und die öffentlichen Bereiche haben

wir dann mit „white marble“ in einer wärmeren

Farbigkeit gestaltet, wichtig ist uns aber auch, dass

das Ganze zeitlos modern ist und bleibt.

Welche technischen Voraussetzungen erfüllt

Linoleum, neben der Farbigkeit?

Linoleum ist auch aufgrund seiner Ökonomie ein

im Schulbereich gern eingesetztes Material, weil es

eine 2 mm dicke Nutzschicht hat, die durchgefärbt

ist, es sich dadurch nicht so schnell abnutzt und

weil es sich immer wieder grundreinigen und

damit sehr gut aufarbeiten lässt.

Wir wollten aber eigentlich nicht diese

Vandalismusresistenz, dass also alles möglichst

unempfindlich ist, sondern wollten hochwertige

Materialien einsetzen, so dass sich die Nutzer

darin wohl und wertgeschätzt fühlen und dann

entsprechend damit umgehen. Die Schule hat

jetzt kaum noch Probleme mit Vandalismus.

Besonders auch als Tischauflage hat Linoleum

eine lange Tradition, weil es eine nahezu ideale

Schreibunterlage bildet.

Ein weiterer Vorteil ist die Biegsamkeit des

Materials. Wir haben versucht, das Verspielte der

Neorenaissance neu zu interpretieren, so haben

wir teilweise mit Rundungen gearbeitet. Das

Linoleum konnte leicht der Form der Tische und

den Rundungen der Wände angepasst werden.

Außerdem wollten wir gerne einen fugenlosen

Bodenbelag, insbesondere bei Räumen mit

komplexen Geometrien wie dem Hörsaal sind

die Fugenanschnitte bei anderen Materialien

ungünstig. In den Wandelementen konnten wir

die Fugen, die sich aus der Rollenbreite ergeben,

dann bewusst gestalterisch einsetzen, um eine

Aufteilung der Fläche zu erzielen.

Heute gibt es Linoleum ja auch vorab eingepflegt.

So ist das Material besonders auf Zeitbaustellen

schneller und einfacher zu verarbeiten. Leider ist

die fachgerechte Pflege des Linoleums für einige

Reinigungsunternehmen ein Problem, so haben

wir bei jedem Projekt eine Anlernphase.

Sie arbeiten also gerne mit Linoleum?

Für uns ist Linoleum ein sehr schönes natürliches

Material, in seiner Farbigkeit und in seiner Haptik.

Es ist weich, riecht gut und fühlt sich warm an.

Das Spiel mit den unterschiedlichen Farben

und Mustern hat sich von dem wegbewegt,

was Linoleum einst war, von marmorierten

Mischfarben, auf denen man den Dreck nicht so

sieht, hin zu einer großen Palette von zeitlosen,

schönen Farben und grafischen Mustern.

Manchmal ist das Image von Linoleum für

Bauherren jedoch ein Problem, weil den meisten

der Unterschied zwischen Linoleum und PVC

gar nicht bewusst ist. Dem Material haftet oft ein

Image aus den 60er Jahren an, wo man Linoleum

mit PVC verwechselt hat. Der ökologische Aspekt

ist oft unbekannt. Wenn man aber dem Bauherren

erklärt, wo das Material herkommt, also von der

ökologischen Seite, dann gelingt es gut, ihn zu

überzeugen.

Frau Stallkamp, Herr Kempf, vielen Dank für das

Gespräch.

Die Architekten sprachen mit Rosa Grewe

Für die Raummöbel in den Klassenzim-

mern wurde Marmoleum fresco 3860

silver shadow verwendet

Bänke und Boden der Café-Bar sind mit Marmoleum dual

607 white marble gestaltet

Baudaten

Marmoleum

colourful greys

3516

Marmoleum

fresco 3860

silver shadow

Architektur Interview

Objekt: Umbau der Dr. Buhmann Schule und des Filmtheaters am

Thielenplatz und Neubau der Café-Bar

Bauherr: Dr. Buhmann Schule

Architekten/Innenarchitekten: atelier kempf, Hannover;

Anne Stallkamp, Joachim Kempf

Ausführung: Boden: Fa. Hotowetz & Wegner GmbH, Pattensen,

Einbauten/Bänke: Tischlerei Branning, Stolzenau

Technische Beratung: Forbo Flooring GmbH

Forbo Produkte: Marmoleum coulorful greys, dual, fresco

Linoleum in m²: insgesamt 2011

Boden: Hörsaal,

Klassenzimmer

Einbauten, Tische, Bänke:

Hörsaal, Klassenzimmer

Café-Bar: Boden,

Einbauten, Bänke

Marmoleum

dual 607 white

marble

13


14

Natürliche Ablenkung

Ambulantes OP-Zentrum Waldkrankenhaus Spandau

Im ambulanten OP-Zentrum des Waldkrankenhauses

Spandau begleitet das Thema Wald die

Patienten bis zur Narkose. Gezielte Ausblicke

auf die umliegenden Bäume und großformatige

Fotodrucke lassen den eigentlichen Anlass

des Besuchs einen Moment lang vergessen.

Wer operiert wird, wünscht sich nichts sehnlicher

als Ablenkung. Doch in vielen Hospitälern macht

das Ambiente eher krank als gesund, die Flure

bekommen kaum Tageslicht, es mangelt an

Aufenthaltszonen. Anders im neuen ambulanten

OP-Zentrum des Evangelischen Waldkrankenhauses

Spandau, das heiter, hell und großzügig

wirkt, fast wie ein Hotel. Für das OP-Zentrum wurde

das Haus 20 – ein weiß verputzter Schottenbau der

Klinik aus den 60er Jahren – umgebaut und um

einen Glasanbau erweitert. Das Haus liegt inmitten

eines Kiefernwaldes, den die Architekten in ihr

Konzept eingebunden haben und wirkungsvoll

inszenierten.

Über eine Rampe unter einem filigranen Flugdach

gelangt man in die zweigeschossige Eingangshalle.

Geschosshohe Fenster und Oberlichtbänder filtern

viel Tageslicht herein und lenken den Blick gezielt

in die Natur, auf Baumstämme und -kronen. Über

eine eingezogene Galerie gelangt man vom Obergeschoss

auf eine holzbeplankte Außenterrasse.

Das OP-Zentrum umfasst drei OP-Säle, die durch

Schiebetüren miteinander verbunden sind, und

von zwei miteinander verbundenen zentralen

Dienstplätzen aus überblicken die Schwestern alle

wichtigen Bereiche.

Fotos: Werner Huthmacher

Der Bezug zum Wald ist allgegenwärtig Fassade mit Lärchenholz

Sämtliche Flure haben Außenbezug. Selbst vom

innenliegenden Vorbereitungsraum blicken die

Patienten durch einen zweigeschossigen Einschnitt

in die Baumwipfel.

Das Thema Wald begleitet sie auch an den Wänden:

Großformatige Schwarzweiß-Fotografien als Fotodrucke

mit abstrahierten Waldmotiven setzen sich

über den Flur bis in den Aufwachraum fort und

bieten dem Auge Ruhepunkte. Teilweise verbergen

sich hinter den Drucken Schränke, in denen

Verbände oder Mullbinden lagern.

Dazu passend wurde ein hellgrauer Linoleum-

boden mit dezenter Musterung ausgewählt.

Ein schmutzresistentes Oberflächenfinish versiegelt

den Belag. Schließlich sollen keine hässlichen

Flecken vom Blick in die Baumwipfel ablenken.

Michael Brüggemann, Mainz

Die Innenraumgestaltung nimmt das Waldmotiv wieder auf

Baudaten

Objekt: Ev. Waldkrankenhaus Spandau,

Ambulantes OP-Zentrum, Berlin

Bauherr: Ev. Waldkrankenhaus Spandau GmbH

Architekten: huber staudt Architekten BDA

Projektleitung: Dipl.-Ing. Christian Huber

Technische Beratung: Forbo Flooring GmbH

Ausführung: Firma Harry Suter, Berlin

Forbo Produkte: Marmoleum piano

Linoleum in m²: ca. 600

Marmoleum

piano 3605

Fotos: Engelhardt-Sellin Fotografie

Auftritt in Orange

Neubau einer Produktionshalle

Die Firma Huber fertigt winzige, feingliedrige

Motorsteuerungen – eine Arbeit, die Geduld

und Präzision erfordert. Die neue Produktionshalle

auf dem Betriebsgelände im bayrischen

Rimsting verkörpert den hohen technischen

Anspruch: ein Präzisionsstück, geradlinig und

schnörkellos, mit Liebe zum Detail geplant.

Ein Lärchenholzrost umkleidet den zweigeschossigen

Betonquader, den schmale Fensterbänder

belichten. Mit der Zeit wird das Holz silbergrau

verwittern und die minimalistische Architektur mit

der ländlichen Umgebung verbinden.

Konferenzraum mit Walton 181

Im Inneren herrscht raue Industrieästhetik: nackte

Sichtbetonwände und -decken, an denen die

Spuren des Ausschalens ablesbar sind. Die Fenster-

und Türleibungen aus gewachster Lärche und

der glatte, orangefarbene Linoleumboden bilden

warme, wohnliche Kontraste. Für erfrischende

Farbakzente sorgen auch die apfelgrün lackierten

Stühle oder die mit türkisgrünem Desktop-Linoleum

von Forbo überzogenen Türblätter.

Nur wenige Leichtbauwände unterteilen die

flexibel nutzbaren Räume: Montagehalle und

Empfang im Erdgeschoss, darüber Büro- und Konferenzräume

sowie zwei kleine, über eine separate

Treppe erschlossene Mitarbeiterwohnungen. Auf

Unterzüge und Bodenaufbauten wurde bewusst

verzichtet. Statt teurer Lüftungstechnik nutzt man

Architektur Interview

die Speichermasse der Betondecken zum Heizen

und Kühlen. In die Decke sind Wasserrohre aus

Kunststoff einbetoniert, die Wärme und Kälte aufnehmen

und zeitversetzt an die Räume abgeben.

Um die Wärme optimal zu übertragen, wurde das

Linoleum direkt auf die geglätteten Betondecken

aufgeklebt. Die handwarme Oberfläche wirkt edel,

fast wie Leder. Den Inhabern gefiel das Orange des

Linoleumbodens so gut, dass sie die Farbe gleich

auch als neue Firmenfarbe für Logo und Internetauftritt

verwendeten.

Michael Brüggemann, Mainz

Baudaten

Objekt: Neubau einer Produktionshalle

Bauherr: Huber Technologie

Architekten: Architekturbüro Michael, Rimsting

Ausführung: Parkett Leuthe GmbH

Technische Beratung: Forbo Flooring GmbH

Forbo Produkte: Marmoleum dual; Desk Top; Walton

Linoleum in m²: ca. 1400

Desk Top

4158

Marmoleum

dual 621

Marmoleum

dual 630

Walton 181

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Forbo Innovation Forbo Innovation

Touch-Texturen erleben

Forbo touch

Touch ist ein innovativer Bodenbelag aus Linoleum und Kork,

der aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoff en hergestellt wird.

TOUCH SOLO

Vorlage: erdige Naturtöne

Material: Bodenbelag aus Linoleum und Kork

Farben: 6

Touch solo zeigt eine matte, nur leicht strukturierte Oberfl äche, die eine

warme und sehr natürliche Ausstrahlung besitzt. Der hohe Korkanteil

sorgt nicht nur für einen angenehmen Auftritt, sondern verbessert auch

die Akustik. Die beste Basis also für Räume mit einladender Atmosphäre

wie z.B. Wartezimmer, Konferenzräume, Therapie- und Pfl egebereiche,

Ruhe- und Bewegungszonen, Spielbereiche u.ä.

TOUCH DUET

Vorlage: Naturtöne

Material: Bodenbelag aus Linoleum und Kork

Farben: 12

Charakteristisch für Touch duet ist die strukturierte Oberfl äche, die

sowohl glänzend als auch matt, erhaben und eben erscheint. Das

unregelmäßige Reliefmuster erzeugt spannende Licht- und Schatteneffekte,

die den Bodenbelag in seiner Farbwirkung immer wieder anders

aussehen lassen.

Designing the future

Forbo Linoleum Global 3

Walton, Artoleum und Marmoleum bieten in der

neuen Global 3-Kollektion Linoleumvielfalt und

neue Designvariationen für eine ökologische und

nachhaltige Architektur.

WALTON CIRRUS

Vorlage: Wolken

Material: Bodenbelag aus Linoleum

Farben: 12

Einfarbig kann auch anders aussehen als man es von uni Walton kennt.

Mit seiner subtilen wolkigen Struktur erhält Walton Cirrus neben der

klassischen Einfarbigkeit ein aufgelockertes Design. Ideal für Raumsituationen,

in denen der Bodenbelag durch schlichte Eleganz in der

Vordergrund treten soll.

ARTOLEUM STRIATO

Vorlage: Streifen

Material: Bodenbelag aus Linoleum

Farben: 12

Das Linoleumdesign von Artoleum Striato mit Streifenoptik erinnert den

Betrachter subtil an Holz. Hier wurde beim Design aber nicht einfach

kopiert, sondern ein warmes farmharmonisches Streifendesign in acht

Variationen entwickelt. Mit dieser abstrakten Struktur ist der Bodenbelag

ideal für Raumkonzepte mit einladender Atmosphäre.

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Exklusiv auf dEr Bau 2009:

Vorstellung der neuen Forbo Produktlinie Linoleum Global 3

Besuchen sie uns auf der Bau 2009 (Halle B6/ stand 321)

Ich bin an Forbo Kollektionen interessiert und bitte um Zusendung von:

Linoleum Global 3 (ab Februar 2009)

Touch

Furniture Linoleum

Informationen über Forbo

Ich bitte um persönliche Kontaktaufnahme.

Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit mir unter folgender Telefon-Nummer:

FAX-ANTWORT an Forbo Flooring GmbH

Fax + 49 5251 18 03 200

Absender

2100

Name Firma / Büro

Abteilung Straße

PLZ/Ort Telefon

Telefax Email

Kontakt Forbo Flooring GmbH Steubenstraße 27 33100 Paderborn Tel. +49 52 51 18 03 -0 Fax +49 52 51 18 03 313 Email: Gabriele.Loehr@forbo.com

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