MAGAZIN 1.13 - Menschen für Menschen

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MAGAZIN 1.13 - Menschen für Menschen

REPORTAGE FRAUENFÖRDERUNGFrau zu werden.“ Mit dem Brief ging Herku zuden Eltern von Alemi. Diese nahmen den Hochzeitsantragan. „Ich hasste ihn“, erinnert sichAlemi. „Ich war fast noch ein Kind.“Doch am Hochzeitstag bekam die 15-Jäh -rige neue Kleider und Schuhe, die Schwesternfrisierten ihr Haar mit Butter, und DutzendeFreunde und Verwandte warteten vor dem Haus.„Da wurde ich doch glücklich“, erinnert sichAlemi. Sie wollte unbedingt hinaus auf denHof, wo die Freundinnen tanzten und sangen.„Warte!“, sagte ihr Bruder. Auf geliehenen Pfer -den ritten Herku und sein Trauzeuge heran. Miteiner alten Flinte schoss der Bräutigam in dieLuft, um seine Freude und Stärke zu zeigen.Die Schüsse waren das Signal für Alemi. Jetztdurfte sie hinaus zur Festgemeinde, sie spranghinein in Gesang und Tanz.Die Eheleute Herku Debella und Alemi Begilächeln, wenn sie von ihrer Hochzeit erzählen.Mehr als zwei Jahrzehnte sind seither vergangen,und je mehr die Zeit voranschritt, destobitterer wurde ihr Leben. Alemi bekam elf Babys,drei starben bei der Geburt, und für dieacht lebenden Kinder können die Eltern nichtsorgen wie sie gerne möchten.Früchte der Arbeit: Die Äthiopienhilfe hat die Familie mit Samen versorgt, jetzt erntet sie zum erstenMal prächtige Kohlköpfe.Schönheit der Natur: Am Ende des Gartens geht die Hochebene abrupt in einen steilen Hang über,der kilometerweit von Meskel-Blumen übersät ist.„WIR FRIEREN IN DER NACHT“Die Familie lebt in Abune Ginde Beret, einembesonders armen Distrikt mit mehr als126.000 Einwohnern, in dem sich KarlheinzBöhms Äthiopienhilfe seit 2012 engagiert. Diemeisten Menschen sind von den Erzeugnissenihrer Felder abhängig. Weil die Einwohnerzahlstark zugenommen hat bepflanzen die Bauernjeden Flecken Land und die Felder können sichnicht durch Brachezeiten erholen. Die Einwohnerholzen die letzten Bäume ab, nehmen auchHänge unter den Pflug, wodurch der Boden abgeschwemmtwird. „Als ich jung war, hattenwir gute Ernten“, sagt Alemi. „Jetzt sind sieschlecht.“Ihr Haus steht am Rande einer Hochebene,hinter ihrem Garten geht die Ebene abrupt ineinen steilen Berghang über. Der Hang ziehtsich kilometerweit und ist bedeckt von Abertausendenleuchtend gelben Blüten. Doch fürdie Schönheit der Meskel-Blumen hat Alemikeine Augen, sie empfindet die Natur als feindlich:„Wie gerne hätte ich ein besseres Haus.Wir frieren in der Nacht.“ Die Wände ihrer Hüttesind aus Zweigen geflochten, darüber istLehm geworfen, es gibt zahlreiche Ritzen. DasDach ist mit Gras bedeckt, bei Regen tropft dasWasser in die Hütte. Die Familie besitzt keineDecken, nur einfache Baumwolltücher. Die Kindermüssen auf Plastiksäcken auf dem Bodenschlafen. Gut geht es auf dem Hof nur denmassigen Eidechsen, die im Grasdach rascheln,dort finden sie Insekten genug.KEIN GELD FÜR SCHULHEFTEZwei erwachsene Töchter sind nach Addis Abe -ba gegangen, wo sie als Tagelöhnerinnen in derBauindustrie überleben. Sie haben die sechsjährigeHabtamu in die Hauptstadt mitgenommen.Die 13-jährige Kebebu ist bei einer Tanteuntergebracht. Trotzdem reicht die geernteteHirse nicht für die Eltern und die verbliebenenvier Kinder. Die Familie nimmt lediglich zweiMahlzeiten am Tag ein, und sie isst immer dasGleiche: Säuerliche Hirsefladen, dazu Linsen.Keines der Kinder besucht eine Schule: „Wirhaben kein Geld für die Schulhefte.“5


MIT IHRER HILFE BEKÄMPFEN WIR DIE ARMUTDER „STILLE HUNGER“NIMMT ZU. WIR BIETENDEN FRAUEN DIE CHANCE,DEN ARMUTSKREISLAUFZU DURCHBRECHEN.SO EINFACH IST ES ZU HELFEN!Almaz und Karlheinz BöhmMit der Zahl der Familienmitglieder muss auch das Ein -kommen wachsen. Doch Äthiopiens Bevölkerung wächstschnell, während die Ernten und die daraus resultierendeNahrungssicherheit abnehmen. Gerade in den ländlichenRegionen hat dies ganz unmittelbare Auswirkungen auf dieLebensumstände der Menschen. Das Familieneinkommensinkt, der „stille Hunger“ – ein durch einseitige Ernährungverursachter Mangel an Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen– nimmt zu. Menschen für Menschen stemmt sichgegen diesen Armutskreislauf: Die Optimierung der Anbaumethodenund die Erweiterung der landwirtschaft lichenProduktpalette helfen, die Erträge zu steigern und tragenzu einer gesünderen Ernährung bei. Doch die natürlichenRessourcen sind nicht unbegrenzt vorhanden und belastbar.Deshalb benötigen die Menschen dringend Chancen,auch außerhalb der Landwirtschaft ein zusätzliches Einkommenzu erwirtschaften. Besonders für die Frauen sindunsere Mikrokredite zur Existenzsicherung und die Angebotezur Familienplanung äußerst wichtig.Ihre Spende unterstützt diese Anliegen.Bitte helfen Sie mit!Mikrokredite bringenwirtschaftliche Entwicklung.Drei-Jahres-Implantat zur EmpfängnisverhütungGemischte Gemüse-Saat für 15 Familien (rund)Je ein Hahn und vier Hennen für fünf FamilienEin Mikrokredit zur Existenzsicherung für FrauenSpendenkonto: 18 18 00 18Stadtsparkasse München BLZ 701 500 00Bequem online spenden:www.menschenfuermenschen.de15 Euro65 Euro100 Euro175 EuroAlmaz Böhm7


BETEILIGUNG IST DIEQUELLE DES ERFOLGSKarlheinz Böhms Äthiopienhilfe schließt ihr Engagement in drei Projekt -gebieten Ende 2013 ab: Sind die Einwohner dort der Armut entkommen?Gleichzeitig beginnen die Entwicklungsexperten der Stiftung ihre Arbeitin drei neuen bitterarmen Distrikten. Ein Gespräch mit der VorstandsvorsitzendenAlmaz Böhm über erreichte Ziele und neue Anfänge.INTERVIEW: BERND HAUSERFrau Böhm, immer wieder hat das NAGAYAMAGAZIN über die Arbeit in Illubabor, Middaund Babile berichtet. Ende 2013 verlassenSie diese Gebiete – warum?Unser Ziel ist es, den Menschen den Weg ausder Armut zu ebnen und die Chance für eineeigene Weiterentwicklung zu eröffnen. Das habenwir dort erreicht.Wie finden das die Einheimischen?Natürlich möchten sie, dass wir bleiben. Aberwir erklären, dass auch andere Teile des Landesdie gleichen Chancen bekommen sollenwie sie. Das verstehen sie.Wie lange waren Sie vor Ort?Im Distrikt Babile werden wir uns nach insgesamtelf Jahren zurückziehen und im DistriktMidda nach dreizehn. In Illubabor waren wirlänger, insgesamt 28 Jahre, weil das Gebietsehr groß ist und sich aus vielen einzelnen Distriktenzusammensetzt.Dennoch stellt sich die Frage: Warum brauchtIhre Hilfe so viele Jahre?Vor allem, weil die Maßnahmen sehr umfangreichsind und wir die Aktivitäten in enger Zusammenarbeitmit der Bevölkerung durch -führen. Wir wollen sie ja befähigen, in Zukunftohne uns auszukommen. Solche Lernprozessebrauchen Zeit.Woran können Sie denn sehen, dass die Men -schen es jetzt aus eigener Kraft schaffen?Am eindrucksvollsten sind für mich die Be -gegnungen mit einzelnen Menschen: Ein MannMitte dreißig, der gemeinsam mit seinem Sohnbegeistert den Unterricht in der von uns gebautenSchule besucht, um noch einen Ab-schluss zu machen; eine alte Frau, die glücklichist, dass es nun in Dorfnähe einen Brunnenmit sauberem Trinkwasser gibt; der Bauer, derwieder auf dem Feld arbeiten kann, weil wirihm mit einer kleinen Operation das Augenlichtgerettet haben.Aber die Leute sind doch im Grunde immernoch arm?Armut ist ein relativer Begriff. Natürlich darfIn zahlreichen Begegnungen und Gesprächen prüft Almaz Böhm,wie die Hilfe zur Selbstentwicklung ankommt.man Äthiopien nicht mit Europa vergleichen.Entscheidend ist, dass sich die Menschen nununabhängig von fremder Hilfe versorgen könnenund dass sie Möglichkeiten haben, ihreSituation weiter zu verbessern.Können Sie uns ein Beispiel nennen?Ich denke an eine Bäuerin, die ich in jährlichemAbstand besucht habe; beim ersten Mal fandsich in ihrer Hütte nur eine offene Feuerstelle.Beim zweiten Besuch hatte sie unter Anleitungunserer Sozialarbeiter schon einen Holz sparendenOfen sowie Bänke und Regale ausLehm. Bei unserer dritten Begegnung zeigte siemir Bett, Tisch und Holzsessel, die sie vomÜberschuss der Felder gekauft hatte – sie hattevon einer unserer Bewässerungsmaßnahmenprofitiert. „Jetzt sieht es bei mir aus wie beiden Leuten in der Stadt“, sagte sie. Diese Fraufühlte sich nicht mehr arm.Diese Bäuerin und ganze Gebiete sinken nichtzurück ins Elend, sobald die Helfer weg sind?Wir beobachten ja bereits während unsererAnwesenheit, wie die Einheimischen erworbeneKenntnisse und Fähigkeiten aktiv nutzenund untereinander weitergeben. Die Verantwortungfür die Infrastrukturmaßnahmen wieSchulen, Gesundheitseinrichtungen oder dieWasserversorgung geben wir schon während8


INTERVIEW ALMAZ BÖHMder Projektdauer an die lokalen Behörden ab.Und falls sich wider Erwarten herausstellt,dass sie ein Problem doch nicht allein lösenkönnen, wissen sie, dass sie sich an unsereZentrale in Addis Abeba wenden können.Das Berufsbildungscollege ATTC liegt in derStadt Harar in der Nähe von Babile, das KinderheimAbdii Borii befindet sich in Illubabor:Was wird aus diesen Einrichtungen?Wir werden beide Häuser als Einzelprojekteweiterführen. Gerade das ATTC ist für den Aufschwungdes Landes wichtig. Die wirtschaftlicheEntwicklung profitiert von den Technikern,die dort ausgebildet werden.Die drei neuen Projektgebiete heißen Wogdi,Dano und Dale Wabera. Womit haben dieMenschen dort zu kämpfen?Überall ist das Essen knapp. Die Felder werfeneinfach zu wenig ab, um den insgesamt380.000 Menschen in den drei Gebieten eineausreichende Ernährung zu sichern. Und überallfehlt es an sauberem Trinkwasser, an Schulenund Gesundheitseinrichtungen. Zunächstmüssen wir mit unserem Bulldozer auch Zufahrtswegeplanieren.Es gibt dort keine Straßen?Ja, in Dano zum Beispiel sind über die Hälfteder Gemeinden während der RegenperiodenGambellaTigrayAmharaBenishangulDerraGumuzAbune Ginde BeretGinde BeretDale WaberaDanoMETTUBorechaIllubaborNono SelleSouthernNationsADDISABEBAvon der Außenwelt abgeschnitten, weil keinewetterfesten Straßen zu ihnen führen. Daskann schlimmste Folgen haben, etwa wennjemand akut erkrankt.Die Äthiopienhilfe geht also in die abgelegenstenund allerärmsten Regionen?Natürlich spielt der Bedarf eine entscheidendeRolle. Aber es gibt noch zwei weitere Kriterien,die in den vorangehenden Studien untersuchtwerden: Boden, Klima und Landschaft müssenPotenzial für den Ausbau der Landwirtschafthaben. Und es kommt auf die Eigeninitiativeder Bevölkerung an. Bevor wir uns für ein Projektgebietentscheiden, müssen wir überzeugtsein, dass die Menschen vor Ort mitmachen.Ohne ihr Engagement können wir nichts er -reichen.Ganz ehrlich: Ist der Kampf gegen die Armutnicht eine Sisyphusarbeit?Die Frage nach der Motivation hat sich mir –genau wie meinem Mann – nie gestellt, weil eszwei Quellen gibt, aus denen ich Kraft schöpfe.Die eine sind die Erfolgserlebnisse und dieDankbarkeit der Menschen in Äthiopien. Unddie andere Quelle ist das große Vertrauen, dasuns die Spenderinnen und Spender entgegenbringenund für das ich als Äthio pierin besondersdankbar bin.BorenaWogdiMiddaMerhabeteOromiaAfarDire DawaHarariAsagirtHagere MariamHARARBabileinkl. Erer-TalWAS WURDEERREICHT?Eine Auswahl wichtigerInfrastruktur-Maßnahmen:Babile108.068 EinwohnerProjektgebiet seit 2002Schulen 35Gesundheitseinrichtungen 10Brunnen und Quellfassungen 142Illubabor1.363.150 EinwohnerProjektgebiet seit 1985Schulen 99Gesundheitseinrichtungen 29Brunnen und Quellfassungen 568Midda101.233 EinwohnerProjektgebiet seit 2000Die Projektgebiete von Menschen für MenschenLAUFENDE ProjekteABGESCHLOSSENE ProjekteProjekte AB 2013Schulen 29Gesundheitseinrichtungen 9Brunnen und Quellfassungen 1789


ÄTHIOPIEN LAND UND LEUTEANGEBOT UNDNACHFRAGEREGELN DEN PREISLäden gibt es in den abgelegenen Regionen Äthiopiens nur wenige:Die Menschen versorgen sich vor allem auf Märkten in den Kleinstädten –und müssen sehr genau rechnen, um über die Runden zu kommen:Besonders die Ärmsten der Bevölkerung geben einen Großteil ihreswinzigen Einkommens für Nahrung aus.Eine durchschnittliche Familie mit fünf Kinderngibt also mehr als 12 Euro im Monat allein fürGetreide aus. Bei diesen Preisen und dem kleinenVerdienst werden ein Set Batterien (40 Eurocent)für eine der chinesischen Taschenlampen(1 Euro), eine Seife (25 Eurocent) oder einSchulheft (20 Eurocent) schnell zum unbezahlbarenLuxus.Straßen aus grobem Schotter gesäumt vonschiefen Lehmhäusern mit rostigen Wellblechdächern:Willkommen in Kachisi, einzige Stadtim Distrikt Ginde Beret mit 14.000 Einwohnern,Marktort für mehr als 130.000 Menschen.Zweimal die Woche kommen die Bauernmit bepackten Eseln aus allen Richtungen.Hunderte breiten auf Plastikplanen ihre Warenaus, Tausende von Einwohnern kaufen ein.Häufig sind die Käufer ehemalige Dorfbewohneraus großen Familien. Das Land konntesie nicht mehr ernähren, also flohen sie in dieStadt. Doch ohne Ausbildung finden sie in Kachisinur schlecht bezahlte Hilfsarbeit, etwa aufdem Bau – wenn überhaupt. Sofern sie einenJob ergattern, erhalten sie einen Tagelohn von1,50 bis 2 Euro.Ihre Arbeitskraft ist billig, die Waren verhältnismäßigteuer. Ein Bündel Zwiebeln von etwaeinem Kilogramm Gewicht kosten während desBesuchs des NAGAYA MAGAZINS in Kachisi90 Eurocent. Kaffee wird in Schnapsgläsernportioniert, das Gläschen ungerösteter Bohnenwird für 10 Eurocent gehandelt. Getreide istfür Äthiopier unverzichtbar, denn das täglicheHauptnahrungsmittel ist Injerra, ein säuer -lich schmeckendes Fladenbrot. Ein KilogrammHirse kostet 34 Eurocent, Mais und Weizen24 Eurocent. „Wir sind eine Familie mit siebenMenschen“, erzählt ein Marktbesucher. „Obwohlwir jeden Tag das Mittagessen ausfallenlassen und nur zwei Mahlzeiten zu uns nehmen,brauchen wir mindestens 50 KilogrammGetreide pro Monat.“KARTOFFELN MACHEN SATTMenschen für Menschen versucht gemeinsammit den Landbewohnern bessere Lebensbedingungenzu schaffen, so dass sie gar nicht erst indie Städte abwandern müssen. Die Bauern stei -gern ihre Erträge durch verbessertes Saatgutund effektivere landwirtschaftliche Methoden.Vom Gemüseanbau, den die Äthiopienhilfein den Dörfern einführt, profitieren auch dieStädter: Während des Besuchs des NAGAYAMAGAZINS sind gerade die Kartoffeln reif. Weildie Bauern keine Keller haben, können dieKnol len nicht lange gelagert werden. Deshalbist das Angebot auf dem Markt groß und derPreis nied rig. Ein Kilogramm gibt es bereits für10 Eurocent – damit sind die nährstoffreichenSattmacher auch für die Tagelöhner-Familienerschwinglich.10


MENSCHEN FÜR MENSCHEN INFRASTRUKTURWASSER IST LEBENDie Sonne strahlt, als wisse sie, welch großes Ereignis sie an diesem 17. Februarin der Kleinstadt Ginager im zentraläthiopischen Hochland beleuchtet.Die Eröffnung der lang ersehnten Wasserversorgung ist für die Bürger ein geschichtsträchtiger Tag.Jung und Alt strömen zur Versammlung imOrt, viele Menschen tragen ihr Festtagsgewand,die Frauen haben das Haar frisch geflochtenund bringen Sträuße selbst gepflückterBlumen.„Es ist mir eine Ehre und große Freude, dieWasserversorgung Ginagers einzuweihen,“ sagtdie deutsche Botschafterin Lieselore Cyrusnach der Enthüllung des Grundsteins, „dennwir wissen alle: Wasser ist Leben!“Die Äthiopienhilfe konnte das Versorgungssystemmit Unterstützung des Bundesministeriumsfür wirtschaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung (BMZ) errichten, das drei Viertelder Kosten trug. Außerhalb der Kleinstadtfasste die Stiftung drei Quellen ein. Von dortfließt das Wasser durch Fallrohre in ein Auffangbeckenim nächsten Tal. Mit Hilfe einesGenerators wird es dann über eine Anhöhe von200 Metern bis zu einem Wasserreservoir inGinager gepumpt. Dieses speist elf öffentlicheEntnahmestellen. Auch das örtliche Gesundheitszentrumund zwei Schulen profitieren vondem reinen Trinkwasser. Insgesamt ist dieVersorgung in der Stadt mit 20 Litern pro Kopfund Tag zum Trinken, Kochen, Waschen undfür die Körperhygiene auch für eine wachsendeBevölkerung langfristig gesichert.Endlich haben 2700 Einwohner sauberes Nass.Askale Kebede bedankt sich bei Botschafterin Lieselore Cyrus für die Wasserversorgung.Über Generationen war die Wasserversorgungin Ginager, dem Hauptort im Projektgebiet Asagirt,äußerst schlecht. Die 2.700 Menschenhatten keine andere Möglichkeit, als sich ausentfernten und zumeist verunreinigten Tümpelnund Quellen zu versorgen. Die Infektionsratedurch das kontaminierte Nass war besondersbei den Kindern hoch.MIT HILFE DER BEVÖLKERUNGWelch großen Segen die neue Einrichtung geradeder weiblichen Bevölkerung bringt, erfährtBotschafterin Cyrus von Askale Kebede, einerFrau Mitte Vierzig: „Wie sehr mussten wir unsfrüher abmühen, um auf unseren Rücken odermit den Eseln Wasser aus dem Tal zu holen! Inder Zeit, die ich jetzt einspare, kann ich vieleandere Aufgaben erledigen.“Wie bei allen Initiativen der Äthiopienhilfewurde auch in Ginager die Bevölkerung nachdem Prinzip der „Hilfe zur Selbstentwicklung“aktiv in die Arbeiten einbezogen: Ohne Be -zahlung bauten die Einwohner eine Zugangsstraße,die zum Pumpen- und Generatorenhausund zum Wasserreservoir führt, um Materialtransportemit Fahrzeugen möglich zumachen. Die Bewohner der Stadt übernahmenalle manuell ausgeführten Aushubarbeiten undfüllten die kilometerlangen Gräben für Wasserleitungenim Anschluss wieder auf. Sie fasstendie Entnahmestellen mit Zäunen ein, um dasEindringen von Tieren und somit Verunreinigungenzu verhindern.Das Versorgungssystem wurde nach derFertigstellung an die lokalen Behörden über -geben. Die Kosten für die Instandhaltung derPumpen und den laufenden Betrieb werdendurch Nutzungsbeiträge gedeckt: derzeit belaufensie sich auf 0,5 Birr (etwa zwei Eurocent)für 20 Liter.11


In den kommenden Monaten baue ich einneues Haus mit zwei Räumen. Zunächstmuss ich das Bauholz heranschaffen. Wieman Steinhäuser baut, weiß bei uns imDorf niemand. Traditionell bauen wir so:Wir binden und nageln die Wände ausHolzstämmen zusammen und verputzensie mit Lehm und Dung. Für das Dach benutzenwir Gras. Ich habe 60 Stämmejunger Eukalyptusbäume gekauft. In un -serem Dorf im Tal gibt es keinen Wald,deshalb muss ich das Holz vom Berg herabholen.Zum Glück helfen mir Verwandteund Nachbarn. Zwei Stunden lang dauertder Aufstieg, doppelt so lang der Abstieg,denn dann tragen wir das Holz auf unserenSchultern und brauchen immer wiederPausen. Sechs Männer müssen den Marschzwanzig Mal bewältigen, dann haben wires geschafft.Wird der Wald an Hängen abgeholzt, istder Boden der Erosion schutzlos ausge -liefert. Um die verbliebenen Bäume zu erhalten,will die Äthiopienhilfe den Bauernim Projektgebiet Borena zeigen, wie sieSteinhäuser errichten können. Deren Kostensind gering. Um die Feldsteine miteinanderzu verbinden wird kein Zementmörtelverwendet, sondern Lehm. Wer einSteinhaus baut, erhält von der Stiftungkostenlos Bleche für das Dach. Zahlreicheweitere Maßnahmen zum Schutz der Naturund damit der Lebensbedingungen derMenschen stellen wir in einer Fotogalerieim Internet vor:www.menschenfuermenschen.de/RessourcenschutzMein TagTESFAYE ASAMENEW, BAUER IM PROJEKTGEBIET BORENA (Bildmitte)„Ich baue ein Haus für meine Familie“

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