Jahresbericht 2007 - Diakonisches Werk Hessen-Nassau

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Jahresbericht 2007 - Diakonisches Werk Hessen-Nassau

Jahresbericht

2007


I N H A LT

S. 33

S. 50

S. 72

S.6

S. 20 S. 24

S. 63

S. 79

S. 36 S. 40 S. 46

S. 53

S. 76

S. 82

S. 64

S. 57

S. 85

S. 67

S. 13

S. 60

2

S. 28

S. 68


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Inhalt Seite 5 V O R W O R T

Bereich Gesundheit, Rehabilitation und Pflege

Bereich Kinder, Jugend und Familie

Bereich Migration und Interkulturelles Zusammenleben

Bereich Personal, Organisation, Finanzen

Bereich Armut und besondere soziale Schwierigkeiten

Bereich Öffentlichkeit

Seite 6 V O R S T A N D

6 Die Hoffnung siegen lassen W O L F G A N G G E R N

13 Wo beginnt soziale Gerechtigkeit? W I L F R I E D K N A P P

Seite 20 H A U P T A U S S C H U S S S T I F T U N G S T A B S S T E L L E ( N )

20 Interview mit Dekanin Heinke Geiter

24 Die Stiftung Diakonie wächst kontinuierlich H E R B E R T G . H A S S O L D

28 33 Jahre: (fast) alles, was Recht ist H E R I B E R T R E N N

Seite 33 A R B E I T S G E B I E T E

33 Neuere Entwicklungen im Krankenhauswesen in Hessen R E I N H A R D J O A C H I M W A B N I T Z

36 Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen in Hessen M A T T H I A S M U T H

40 Leben bis zuletzt F R I E D H E L M M E N Z E L

46 Lernfeld Zivildienst I N G R I D P O N T Z E N , R A I N E R H O H E N S T E I N

50 Immer Stress H I L D E G U N D N I E B C H

53 Diakonie in der Einwanderungsgesellschaft A N D R E A S L I P S C H

57 Auslastung als Thema der vollstationären Pflege R Ü D I G E R O T T I N G E R

60 Resozialisierungsfonds für Straffällige W I L L I M E H L

62 Diakonie in Rheinland-Pfalz zeichnet vorbildhafte Projekte der Wohnungslosenhilfe aus

C H R I S T I A N E G I E R S E N , A L B R E C H T B Ä H R

64 Bekanntheit steigern und Vertrauen schaffen K A T H L E E N N I E P M A N N

67 Von der Fachzeitschrift zum Kundenmagazin W I L H E L M W E G N E R

68 Fundraising ist keine Zauberei B E R N D K R E H

70 Außenansichten

Seite 72 R E G I O N A L E W E R K E M I T G L I E D E R

72 Quo vadis, regionale Diakonie? H A N S S E Y D E L

76 „Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten“: Betreute Wohngemeinschaft

für chronisch suchtkranke Menschen in Rüsselsheim J Ü R G E N D I T T M A R , L U C I A N L A Z A R

79 So normal wie möglich. Betreutes Wohnen für Familien

mit einem psychisch kranken Elternteil D O R I S W I L L E N B R O C K

82 Zuhause für Mutter und Kind R O G E R T Ö P E L M A N N

85 Diakonie-Verein Weilburg e.V. feiert 50-jähriges Jubiläum W E R N E R N O L T I N G

87 Wechsel an der Spitze von EVIM

Seite 88 A U F E I N E N B L I C K

88 Organigramm

89 Ertrags- und Aufwandsstruktur des DWHN

90 Landesgeschäftsstelle

99 Regionale Diakonische Werke

101 Statistik der Mitglieder und Einrichtungen

102 Impressum


„Lebensbaum im Wechsel der Jahreszeiten“ von Inge Kadler,

entstanden in der Tagesstätte des regionalen Diakonischen Werks

Rheingau-Taunus „Die Malwerkstatt“


V O R W O R T

JEDER

BAUM

WIRD

AN

SEINER

FRUCHT

ERKANNT.

LK 6, 44

5

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Oktober 2007. Es ist die Zeit des Dankens: Wir danken Gott in unseren Gottesdiensten

für die Früchte des Feldes, die Luft zum Atmen und das Wachstum seiner Geschöpfe.

Wir danken in Jahresfesten und Tagen des Ehrenamtes den vielen Männern und Frauen,

die ihre Zeit und Kraft zur Verfügung stellen, damit das Leben anderer Menschen gelingen

kann.

Wir danken als Diakonie allen Mitarbeitenden, die in Haupt- oder Nebenamt diakonische

Arbeit leisten, und genauso allen jenen, die im Freiwilligen Engagement bekunden, dass

für sie Nächstenliebe und Fürsorge tragende Säulen ihres Lebens sind. Wir sprechen unseren

Dank auch denen aus, die durch ihre Kollekten, Spenden und Gaben, ihre Kirchensteuer und

ihre Stiftungen den finanziellen Treibstoff für das Unterwegssein der Diakonie zur Verfügung

stellen.

„Jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt“, sagt Jesus im Evangelium, und er weiß

wie wir zu unterscheiden zwischen guten und faulen Früchten. Die Hauptaussage heißt jedoch:

An der Frucht ist zu erkennen, um was für einen Baum es sich handelt. Und damit

will Jesus nicht einen Obstbaulehrgang eröffnen, sondern im Bild etwas über die Menschen

sagen.

Mit diesem Jahresbericht geben wir Einblick in die Arbeit des Diakonischen Werks in

Hessen und Nassau. Er stellt wieder einen Querschnitt dar durch die Fülle der Gaben und

Tätigkeiten, der Früchte unserer Arbeit und der Vielfalt der Produkte. Hinter allen Berichten

und Beiträgen steht die Überzeugung, dass es sich lohnt, in diesem „Weinberg“ zu arbeiten.

Und Arbeiten heißt auch immer, den eigenen Anteil auf das Ganze zu beziehen: die

Diakonie auf die Kirche, die Barmherzigkeit auf die Gerechtigkeit, das Geld auf die Sinnfrage.

Wort und Tat müssen zusammenpassen wie Baum und Frucht.

Armin Clauss

Staatsminister a.D., Vorsitzender der Hauptversammlung

des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN)

Klaus Rumpf

Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer, Vorsitzender des Hauptausschusses des DWHN

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern

Vorstandsvorsitzender des DWHN


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

DIE HOFFNUNG

SIEGEN LASSEN

W O L F G A N G G E R N Diakonische Einmischung zwischen Hilfehandeln und Sozialpolitik

Auf der Hauptversammlung des DWHN haben

Vorstandsvorsitzender und Vorstand ihre ausführlichen

Jahresberichte vorgetragen.

Wir drucken im Folgenden jeweils eine stark gekürzte

Fassung ab.

I G U T E Z U S A M M E N A R B E I T

T R Ä G T F R Ü C H T E

Wer auf das vergangene Jahr schaut, wird

unschwer feststellen: Für das DWHN war es ein

reiches Jahr an Kommunikation untereinander

und an Kooperation in der diakonischen Familie

und in der Liga, es war ein ausgefülltes Jahr an

Arbeitsergebnissen und Lernprozessen in Kirche

und Sozialpolitik – und es war ein zukunftsweisendes

Jahr mit vielen innovativen Beispielen

der Hilfe für betroffene Menschen in der Region.

Wir sind zuerst Ihnen allen dankbar – den Mitgliedern

und den Mitarbeitenden im DWHN für

gute Zusammenarbeit, für solidarische Begleitung

und auch für kritisches Mitdenken.

I I Q U A L I T Ä T U N D F I N A N Z I E R U N G

D E R P F L E G E S I C H E R N

Im Gesundheitswesen weht derzeit ein kräftiger

Reformwind. Seit dem 1. April 2007 enthält

die gesetzliche Krankenversicherung Neuregelungen,

die die Leistungsbereiche der Wohlfahrtsverbände

erheblich verändern. Dazu gehören unter

anderem für die stationäre Pflege geöffnete

Integrierte Versorgungsverträge. Das Recht auf

REHA-Leistungen gilt künftig auch für Leistungsempfänger

der Pflegeversicherung. Erstmals wird

6


V O R S TA N D

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

eine spezialisierte palliative Behandlung sowohl

im häuslichen Umfeld wie im Pflegeheim verordnungsfähig.

Zudem wird künftig die Tätigkeit von

Hospizgruppen auch im Pflegeheim erleichtert.

Vor uns liegt nun das zweite Projekt dieses

Jahres: die Reform zur strukturellen Weiterentwicklung

der Pflegeversicherung. Es ist erfreulich,

dass auch die Bundesregierung jetzt endlich zustimmt,

dass die seit 1995 unveränderten Leistungen

der Pflegeversicherung einen „schleichenden

Wertverfall“ bedeuten und „angepasst werden

müssen“. Die Reformvorschläge sehen vor,

stufenweise die ambulanten Auszahlungsbeträge

an die Höhe der stationären anzupassen. Dieses

Vorhaben folgt richtigerweise dem Grundsatz

„ambulant vor stationär“, übersieht aber, dass

auch der stationäre Bereich im Hinblick auf die

Bedarfssituation unterfinanziert ist. Nach Ergebnissen

der PLAISIR-Studien liegt der tatsächlich

erforderliche Pflegebedarf in Heimen um 20 bis 30

Prozent höher als die zur Verfügung stehenden

Ressourcen. Nach wie vor halten wir deshalb den

Weg über objektive und transparente Pflegebedarfsbemessungssysteme

in Verbindung mit der

leistungsgerechten Finanzierung für den richtigen

Weg. Dem tragen die in Aussicht gestellten

finanziellen Erhöhungsbeträge der Pflegeversicherungsentgelte

nicht Rechnung.

Dringend reformiert werden muss der Begriff

der Pflegebedürftigkeit. Denn nach wie vor

werden zum Beispiel eine notwendige allgemeine

Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung, aber

auch Kommunikation und soziale Teilhabe bei

der Einstufung in die Pflegestufe nicht berücksichtigt.

Dadurch wird der gängige Begriff der

Pflegebedürftigkeit auch dem besonderen Bedarf

demenzkranker Menschen nicht gerecht.

Wir kritisieren, dass die längst überfällige Überarbeitung

des Begriffs aus dem Reformentwurf

2007 ausgeklammert und in einem gesonderten

Projekt verortet worden ist, dessen Ergebnisse

nicht vor dem Jahr 2009 umgesetzt werden können.

Wir befürchten, dass als Konsequenz demenziell

erkrankte Menschen jenseits von niedrigschwelligen

und betreuenden Angeboten des §45c

SGB XI nach wie vor nicht bedarfsgerecht und

umfassend versorgt werden. Das Diakonische

Werk in Hessen und Nassau fordert, dass der Gesetzgeber

schon jetzt Aufsicht, Anleitung und

Begleitung in bedarfsgerechtem Umfang als leistungsauslösende

Bedarfe anerkennt und aufnimmt.

Demgegenüber unterstützen wir – gerade

aufgrund unserer guten Erfahrungen mit unseren

diakonischen Beratungs- und Koordinierungsstellen

in Rheinland-Pfalz – uneingeschränkt ➙


V O R S TA N D

den Plan des Aufbaus einer flächendeckenden

integrierten wohnortnahen Versorgung, etwa

durch Pflegestützpunkte und durch ein gesetzlich

geregeltes Fallmanagement. Zentrale Aufgaben

dieser Pflegestützpunkte müssen Information,

Beratung, Vernetzung und präventive Maßnahmen

sein.

I I I K I N D E R S C H U T Z F Ö R D E R N

U N D H Ä U S L I C H E R G E W A L T

E N T G E G E N W I R K E N

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Familien müssen Orte sein, an denen Kinder

aufwachsen und sich entwickeln können, an denen

sie menschliches Zusammenleben einüben,

wo sie gegenseitige Liebe und Anerkennung, Verlässlichkeit

und Treue, Beziehungs- und Bindungsfähigkeit

lernen und erfahren können. Familien

brauchen starke und belastbare Mitglieder und

ein intaktes Umfeld; dazu gehört Zuwendung von

Freunden, Hilfe unter Nachbarn und die flankierende

Unterstützung von Gesellschaft und Staat.

Familien brauchen ein kinderfreundliches Umfeld.

Die Realität sieht häufig ganz anders aus, in

der Diakonie erleben wir dies in der täglichen Arbeit:

Für viele Kinder ist die Familie gerade nicht

der Ort von Friede, Harmonie und Geborgenheit.

Sie erfahren dort Vernachlässigung und Verwahrlosung

statt Zuwendung, sie erleiden körperliche,

seelische und sexuelle Gewalt statt Geborgenheit.

Um Problemlagen und Missstände aufzuzeigen

und deutlich zu benennen, werden

Caritas und Diakonie in Hessen die Kommission

Kinderschutz einberufen. Von Experten auf verschiedenen

Gebieten sollen Ursachen analysiert,

Handlungskonzepte entwickelt und Empfehlungen

erarbeitet werden. Die Kommission mit interdisziplinärer

Zusammensetzung soll der Frage

nachgehen, was Kinder wirklich schützt.

I V F I N A N Z I E L L E N O T Ü B E R W I N D E N

U N D D E N U M G A N G M I T G E L D

L E R N E N

In der Öffentlichkeit wird Schuldnerberatung

häufig lediglich mit finanztechnischer Hilfe

gleichgesetzt. Menschen zu helfen, die sich in

einer Ver- oder Überschuldungssituation befinden,

macht in vielen Fällen aber ganz andere

Unterstützung notwendig als eine ausschließlich

finanzielle Beratung. Daher ist die Schuldnerberatung

der Diakonie auch Sozialarbeit. Nach unserem

Selbstverständnis tritt die Hilfe bei der

Überwindung der sozialen und psychischen Folgen

der Existenzgefährdung durch Überschuldung

oder die Begleitung und Stärkung bei nicht

veränderbarer Überschuldungslage gleichgewichtig

neben die Hilfe zur Überwindung der finanziellen

Notsituation. Aus der anwaltschaftlichen

Funktion von Diakonie resultiert hier der doppelte

Auftrag, die Not des Nächsten zu lindern und sich

strukturell für Gerechtigkeit einzusetzen.

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V O R S TA N D

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Die Diakonie berät schwerpunktmäßig Menschen

aus sozial benachteiligten Gruppen, einkommensarme

Menschen und Menschen in Notlagen.

In der Schuldnerberatung haben es unsere

Kolleginnen und Kollegen in besonderem Maße

mit nicht sofort offensichtlicher Armut zu tun.

Viele Ratsuchende verfügen über ein (Erwerbs-)

Einkommen, das zur Führung des Lebensunterhalts

ausreichend erscheint. Aufgrund hoher monatlicher

Belastungen, etwa für Unterkunft und

Energie, Ratenzahlungen, Unterhaltsleistungen

oder Pflegeleistungen für kranke Angehörige,

sind sie der Gruppe derjenigen armen Menschen

zuzurechnen, die von „Ausgaben-Armut“ betroffen

sind. Dieser Armutsansatz findet leider in den

gängigen Armutsdebatten keine Berücksichtigung.

V ME N S C H E N I N D E R A B S C H I E B U N G S -

H A F T U N T E R S T Ü T Z E N U N D

B E G L E I T E N

Die Abschiebungshaft in Ingelheim existiert

seit Mai 2001. Sie hat 152 Haftplätze, zurzeit

sind etwa 50 Männer und Frauen dort inhaftiert.

Das Haftgebäude gleicht einem Sicherheitsgefängnis.

Eine fünf Meter hohe Betonmauer

trennt die Insassen von der Außenwelt. Durch die

vergitterten Fenster in den Innengebäuden fällt

der Blick auf dreifachen Stacheldraht. Die hier

einsitzenden Menschen sind im Gefängnis, weil

sie Deutschland trotz Ausreisepflicht nicht freiwillig

verlassen wollen oder können. Sie können

aus diesem Grund bis zu 18 Monate inhaftiert

werden. Mit dieser Tatsache wollen Diakonie und

Caritas sich nicht abfinden. Sie bieten in ihrem

gemeinsamen ökumenischen Hilfsprojekt in der

Abschiebungshaft neben der unabhängigen Beratung

durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter

einmal wöchentlich eine kostenlose Rechtsberatung

durch Rechtsanwälte an, die im Asyl- und

Ausländerrecht erfahren sind. Darüber hinaus

stellen sie einen Rechtshilfefonds bereit, damit

auch inhaftierte Personen, die nicht über Geldmittel

verfügen, Haftbeschwerde einlegen können.

Für Caritas und Diakonie bleibt es grundsätzlich

fragwürdig, Menschen zu inhaftieren,

die sich nicht strafbar gemacht haben. Wir knüpfen

dabei an unsere gemeinsame christliche Tradition

an: Wir sagen Ja zu allem, was mit der

Liebe Christi zusammenstimmt. Wir sagen Nein

zu allem, was den Menschen erniedrigt, ja was

ihn und seine von Gott geschenkte Würde verletzt.

Diese in der Gottesebenbildlichkeit begründete

Würde verleiht allen hilfesuchenden

Menschen das Recht auf Unversehrtheit und Integrität.

Mit unserer Ausstellung „Innenansichten

– Bilder aus der Abschiebungshaft in Ingelheim“

wollen wir Einblicke geben in eine verschlossene

Welt. ➙


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

An dieser Stelle möchte ich dem Caritasverband Mainz für die

hervorragende Zusammenarbeit danken – ein kräftiges Stück Ökumene

in nicht leichter Zeit. Der Oberbürgermeister der Stadt Ingelheim,

Dr. Joachim Gerhard, hat sich mutig über Bedenken hinweggesetzt

und unserer Wanderausstellung zuerst Heimat gegeben,

ja auch durch seine Ansprache Solidarität bekundet und

Sensibilität im Umgang mit den betroffenen Menschen eingeklagt.

Innenminister Karl Peter Bruch hat durch sein schriftliches Grußwort

deutlich gemacht, dass er unseren humanitären Einsatz

unterstützt. In einem anschließenden Gespräch mit dem Innenminister

erfuhren wir, dass unsere Beratungsarbeit in der Abschiebungshaft

künftig vom Land Rheinland-Pfalz auch finanziell

mitgetragen wird. Dafür sind wir sehr dankbar.

V I K O O P E R A T I O N M I T K U R H E S S E N - W A L D E C K

G E S T A L T E N

Eine wesentliche Aufgabe des vergangenen Jahres waren auch

die Kooperationsgespräche mit dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck.

Nachdem noch im Jahr 2006 drei Projektarbeitsgruppen

zu den Themen „Rechtliche Grundlagen“, „Finanzströme“

und „Regionale Diakonie“ eingerichtet wurden, haben wir im Juni

dieses Jahres eine vierte Arbeitsgruppe zum Schwerpunkt „Öffentlichkeitsarbeit“

ins Leben gerufen. Die ersten drei Gruppen haben

mittlerweile ihre Zwischenberichte an die Vorstände beider Diakonischer

Werke gegeben. Es hat sich klar herausgestellt, dass die

größten Unterschiede beider Werke in der Art der Zuweisungen,

der Mitgliedsbeiträge und der Organisation der regionalen Diakonie

liegen – letzteres hat allerdings vorerst wenig direkte Auswir-

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

kung auf Kooperations- oder Fusionsgedanken.

Viel wichtiger jedoch sind die erstgenannten

Punkte: Im Rahmen unserer Kooperationsgespräche

ist deutlich geworden, dass wir klare Absprachen

mit unseren Landeskirchen brauchen –

in rechtlicher, struktureller und finanzieller Hinsicht,

aber nicht zuletzt auch aus theologischen

Gründen. Dass Diakonie Lebens- und Wesenszeugnis

von Kirche ist, soll ja lebendig bleiben

und auch bei sich wandelnden Strukturen erkennbar

werden. Auch die Kirchen haben sich

miteinander auf den Weg gemacht und sondieren

– in einem eigenen Kooperationsprozess, an

dem wir beteiligt sind – ihre Zusammenarbeit in

ausgewählten Bereichen. Wir sind froh und dankbar

darüber, dass beide Kirchen kürzlich noch

einmal bestätigt haben, dass sie den gemeinsamen

Weg der Diakonischen Werke nicht nur

begleiten, sondern auch tatkräftig unterstützen

wollen.

V I I M I L I E U U N T E R S C H I E D E

A L S B E R E I C H E R U N G W A H R N E H M E N

In der EKHN bewegt sich derzeit viel – durch

das Perspektivpapier 2025, durch Kooperationsgespräche

mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

und durch die Stärkung der Dekanate.

Wir alle in der Diakonie verstehen uns als

lebendiger Teil unserer Kirche – und es tut gut,

wenn wir auch so wahrgenommen werden. Gerade

im letzten Jahr haben wir gespürt: Es reicht

nicht, durch gemeinsame Kommissionen und Gremien

verbunden zu sein. Die unterschiedlichen

Milieus von Kirche und Diakonie müssen wechselseitig

ernstgenommen werden. Eine Kirchengemeinde

im bürgerlichen Milieu arbeitet eben anders

als ein Gemeinwesenprojekt im sozialen

Brennpunkt. Der im Juli verstorbene frühere Propst

von Rheinhessen, Hermann Petersen, der sich so

glaubwürdig für das ethische Profil seiner Kirche

engagierte, hat diesen Milieuunterschied einmal

positiv gewendet, indem er sagte: Ein Kirchenvorstand

könne viel lernen von einem Arbeitslosen

in seinen Reihen. Bereits der alte Bodelschwingh

wusste: Die Schwestern und Brüder

von der Landstraße gehören nicht unbedingt zur

Kerngemeinde. Zu den Milieuunterschieden zwischen

verfasster Kirche und unternehmerischer

Diakonie gehören natürlich auch die unterschiedlichen

Formen des Wirtschaftens. Auf dem Sozialmarkt

und in der Unternehmensdiakonie gibt

es andere Risiken und Sorgen als in einer Kirche,

die freilich langfristig auch mit zurückgehenden

Kirchensteuereinnahmen rechnen muss. Dabei

lässt mich eine Frage nicht los: Haben wir in Kirche

und Öffentlichkeit nicht laut genug gesagt,

dass die Kürzungen, die Budgetierungen und ➙


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

die Kostendämpfungen in Sozialarbeit und Gesundheitswesen

für die Diakonie Konsequenzen

haben werden? Haben nicht viele geklatscht und

mitdemonstriert, als wir uns gegen die Minderfinanzierung

der Pflege, gegen die „Operation

sichere Zukunft“ und gegen die Zumutungen im

Krankenhauswesen wehrten – um nur einige wenige

Beispiele zu nennen? Also, haben die, die

damals Beifall klatschten, etwa nicht geahnt,

dass die Kürzungen für uns Konsequenzen haben

werden?

Unsere Tarifreform muss einzig auf diesem

Hintergrund verstanden werden: dass es darum

ging, angesichts wachsender Kürzungen – von

denen das DWHN und seine Mitglieder betroffen

sind – Arbeitsplätze zu sichern, Hilfeangebote

aufrechtzuerhalten und betriebsbedingte Kündigungen

zu vermeiden. Allen Mitarbeitenden in

der Diakonie ist zu danken, dass sie Zumutungen

mitgetragen haben, und dass sie an vielen Orten

faire Gesprächspartner waren. Der Zusammenhalt

der Mitglieder im DWHN hat sich gerade in

dieser Zeit sehr bewährt. Und es ist gut und von

großer Bedeutung, dass die Arbeitsrechtliche

Kommission in Sachen Härtefallregelung zu einer

einvernehmlichen Lösung gefunden hat. Es hat

seine Zeit gebraucht, aber das war angesichts der

ersten eigenständigen Tarifdiskussion in EKHN

und DWHN nicht überraschend.

VIII V E R Ä N D E R U N G E N M U T I G L E B E N

Der Tag der Reformation lässt uns in Kirche

und Diakonie nach vorne schauen, er weist uns

auf Grund und Ziel unseres Handelns hin: „Einen

anderen Grund kann niemand legen als den, der

gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther

3,11). Will sagen: Lasst nicht die Verzweiflung

siegen, sondern schaut auf Christus. Er ist

die Hoffnung, er lässt uns aufstehen zum Neuanfang,

wo Altes nicht mehr trägt. Und – hängt

euer Leben nicht an die eigene Kraft, sondern

schaut auf das, was Gott mit euch und unter uns

vorhat. Diese Aufbruchstimmung braucht die

Diakonie, damit Vision und Realität, Profil und

wirtschaftliche Verantwortung zusammenkommen.

Wir wissen, dass die Veränderungsprozesse

harte Arbeit sind, dass sie manchmal schneller

gehen, als uns lieb ist, dass sie uns zum Handeln

zwingen, damit das Heft des Handelns uns nicht

aus der Hand gleitet. Wer in der Diakonie wüsste

davon nicht gleich mehrere Lieder zu singen? Die

von der Reformation gewollte Wende der Wahrnehmung

schafft ein Doppeltes: Wir dürfen gewiss

sein, dass wir inmitten von Veränderungen

und Stress und Widrigkeiten von Gottes Liebe getragen

sind, dass wir in allen Dynamiken unseres

Tuns in ihm geborgen sind. Und wir dürfen festhalten,

dass Christus selbst uns und unsere Welt

auf das Gute hin ansieht, dass er die Hoffnung

nicht aufgibt, dass er uns nicht aufgibt. Wenn wir

das wirklich glauben, dürfen wir als befreite

Menschen diakonische Verantwortung wahrnehmen

– ohne Angst, uns zu übernehmen, ohne

ständige Angst, das Falsche zu tun.

Wenn wir im Sinne dieser Hoffnung Gottes

für uns und unsere Welt arbeiten, dürfen wir gelassen

unseren Weg gehen: „Gott liebt die Welt!

Das sieht man ja, sonst würde er nicht alles neu

machen wollen. Sieh die Welt auf das Gute an!

Viele wollen alle totschlagen, die sie gottlos finden

… willst du Fortschritt haben – liebe! Willst

du etwa das Bessere des Protestantismus groß

machen – liebe! Warum sollst du nicht auch den

Papst lieb haben? Er ist auch ein Mensch … Gott

liebt auch die Heiden … – man kann aber nicht

auf die einen hineinschlagen, nicht aus Hass Religion

haben, sondern nur aus Liebe … das müssen

wir verstehen lernen“ (Christoph Blumhardt). ■

Dr. Wolfgang Gern ist Vorstandsvorsitzender des DWHN.

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V O R S TA N D

W I L F R I E D K N A P P

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Wer soziale Gerechtigkeit will, kann sich

in einer insgesamt wohlhabenden Gesellschaft

nicht damit abfinden, dass immer mehr Menschen

in Armut leben müssen. In Deutschland

hat die Zahl armer Menschen in den

letzten Jahren rasant zugenommen. Vor allem

betroffen sind auch zahlreiche Kinder. Das

zu ändern, ist nicht nur Aufgabe der Politik,

denn Armut hat verschiedene Ursachen.

Armut in der Gesellschaft zu bekämpfen,

für ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit einzutreten,

ist eine der dringlichsten Aufgaben

von Kirche und Diakonie.

WO BEGINNT

SOZIALE

GERECHTIGKEIT?

Arbeit zu haben ist die beste Hilfe zur

Selbsthilfe. Und um Hilfe zur Selbsthilfe geht es

ganz überwiegend beim Kampf gegen Armut. Davon

können sich Kirche und Diakonie nicht losreden.

Es ist ihre Aufgabe, ja eine Frage der Glaubwürdigkeit,

soziale Ungerechtigkeit und Armut in

den eigenen Reihen durch geeignete Arbeitsund

Entlohnungsbedingungen zu verhindern.

Und dies muss alle Arbeitnehmer, die in der Diakonie

arbeiten, einschließen. Auch diejenigen,

welche ursprünglich Mitarbeiter in der Diakonie

waren und seit Jahren in ausgegründeten Servicegesellschaften

– ohne zusätzliche Altersvorsorge

und mit schlechteren Löhnen – arbeiten. ➙


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

WER IM GERINGSTEN TREU IST,

DER IST AUCH IM GROSSEN TREU;

UND WER IM GERINGSTEN UNGERECHT IST,

DER IST AUCH IM GROSSEN UNGERECHT (LUKAS 16,10)

Soziale Gerechtigkeit in den eigenen Reihen fängt

bei der besonderen Fürsorgepflicht der Mitarbeitenden

an und schließt das Streben nach möglichst

sicheren Arbeitsplätzen in der Diakonie ein.

Mit der Einführung der KDAVO haben sich

Kirche und Diakonie in Hessen und Nassau eindeutig

gegen weitere Auslagerungstendenzen

ausgesprochen – spät genug, nachdem seit Mitte

der 90er Jahre mehrere Hundert Dienstnehmerinnen

und Dienstnehmer „outgesourct“ wurden.

Den Auslagerungstendenzen kann nur entgegengewirkt

werden, wenn wettbewerbsfähige, marktgängige

Entgelte in allen Entgeltgruppen bezahlt

werden können. Dies war in der Vergangenheit in

Kirche und Diakonie nicht möglich. Die nicht

marktkonformen Entgelte des früheren BAT haben

enorm zur Auslagerung vieler Beschäftigungsverhältnisse

in Servicegesellschaften, die nicht

nach öffentlich-rechtlichem Tarif bezahlen, geführt.

Die Einsicht kam spät: In TVöD und KDAVO

sind die unteren Ecklöhne der Entgeltgruppen E1

und E2 gegenüber dem früheren BAT abgesenkt

worden, abgesenkt auf ein marktgängiges Niveau.

Die unteren Ecklöhne E1 und E2 sind bei KDAVO

und TVöD identisch, allerdings wird die Abschmelzung

bei diesen neuen Entgelten für die bereits

beschäftigten Mitarbeiter in der KDAVO schneller

als im TVöD umgesetzt.

Der Beschluss über die Abschmelzung der

Entgelte in E1 und E2 ist keinem Mitglied der Arbeitsrechtlichen

Kommission leichtgefallen – und

war für die Betroffenen oftmals sehr schmerzlich.

Allerdings wurde eine Arbeitsplatzgarantie bis

September 2009 festgeschrieben. Damit können

sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf

den besonderen Schutz vor Outsourcing oder gar

Arbeitsplatzverlust verlassen. Das Ziel der Arbeitsrechtlichen

Kommission und des Diakonischen

Werks war und ist: Outsourcing in Servicegesellschaften

zukünftig – langfristig – zu verhindern.

Outsourcing aus ökonomischen Gründen soll es

zukünftig nicht mehr geben, und das „Insourcing“

von Dienstleistungen soll wieder ökonomisch

sinnvoll werden!

Soziale Gerechtigkeit in Kirche und Diakonie

muss in erster Linie bedeuten, Arbeitsplätze zu

erhalten. Das betrifft Arbeitsplätze in eigener

Verantwortung der Kirche oder diakonischer Einrichtungen,

die dem kirchlichen Dienst zugeordnet

werden können.

Bei sozialer Gerechtigkeit geht es auch darum,

unsere eigene Glaubwürdigkeit nicht in Frage

zu stellen. Soziale Arbeit hat ihren Wert, d.h. für

geleistete Arbeit muss auch ein fairer Lohn bezahlt

werden. Löhne unter dem Existenzminimum

sind nicht annehmbar. Deshalb gehört die

Mindestlohnerklärung des Diakonischen Werks

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V O R S TA N D

und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di unverkennbar

mit der Einführung von marktgängigen

Entgelten durch die KDAVO zusammen. Familien,

Alleinstehende und in hohem Maße auch Kinder

fallen in Armut, weil sittenwidrige Löhne bezahlt

werden. Damit können wir uns nicht abfinden,

und dazu wollen wir erst recht nicht selbst beitragen.

Es ist absurd und nicht weiter hinnehmbar,

dass in der Wirtschaft niedrige Löhne aus der

Steuerkasse in Form von Sozialtransfers ausgeglichen

werden. Kirche und Diakonie müssen sich

zu Mindestlöhnen bekennen und diese selbst auch

umsetzen. Mindestlöhne, die über dem Existenzminimum

liegen und mit den unteren Ecklöhnen

vergleichbarer Branchen in Einklang sind.

R O L L E N H A B E N S I C H V E R Ä N D E R T –

L E R N E R F A H R U N G E N M I T

H Ä R T E F Ä L L E N

2006 war ein herausforderndes, arbeitsrechtsreiches,

und manchmal auch recht schwieriges

Jahr. Es war geprägt durch die Umsetzung

der KDAVO, die in den meisten Einrichtungen mit

viel Aufwand und Präzision erfolgreich umgesetzt

werden konnte. Die Anzahl der Schlichtungen

und Klagen vor Arbeitsgerichten hielt sich in

Grenzen. Weniger als drei Prozent aller Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter sind entweder mit der

Anwendung der KDAVO auf ihren Arbeitsvertrag,

der Abschmelzung bei E1 und E2 oder ihrer Ein-

15

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

gruppierung nicht zufrieden. Wir sind froh darüber,

dass unser Arbeitsrechtsreferat nahezu alle

Klageverfahren über ein erfahrenes Anwaltsbüro

bündeln konnte. Auch wenn einige Verfahren um

Altverträge von vor 1978 wegen einer unzureichenden

Bezugnahmeklausel in den Verträgen

zugunsten der Kläger entschieden wurden, so

wurden wir bei der Billigkeitsprüfung vor Gericht

in der Einführung der KDAVO bestätigt. Die Hoffnung

bleibt, dass 2008 alle Schlichtungen und

Klageverfahren abgeschlossen werden können.

Auch das harte Ringen um die Härtefallregelung

hat letztlich dazu beigetragen, dass der

„Dritte Weg“ und die KDAVO sich als robust erwiesen

haben. Die Diskussion der Härtefallregelung

hat gezeigt, dass wir in Kirche und Diakonie

die Veränderungen noch besser kommunizieren

müssen. Seit Einführung der KDAVO hat die Arbeitsrechtliche

Kommission in Hessen und Nassau

vorbildlich die Gestaltung des Arbeitsrechtes

selbst in die Hand genommen und sich vom unbeeinflussbaren

BAT und TVöD abgekoppelt. Dies

bedingt jedoch für die Zukunft, dass die Arbeitsrechtssetzung

selbstständig und eigenverantwortlich

in Hessen und Nassau erfolgen muss.

Sicherlich können Entwicklungen im öffentlichen

Bereich, d.h. bei TVöD oder AVR, berücksichtigt

werden. Lösungen und Beschlüsse müssen jedoch

in Hessen und Nassau in der Arbeitsrechtlichen

Kommission vollzogen werden. ➙

Anika Kollenda,

Sekretärin von

Wilfried Knapp,

Vorstand


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

L E R N E R F A H R U N G 1 : T A R I F V E R H A N D L U N G E N

Die Weiterentwicklung der KDAVO, insbesondere die Einführung

des Familienbudgets, der ertragserbringenden Bezahlung oder

die Entwicklung eines leistungsorientierten Beurteilungs- und Entgeltsystems

müssen ebenso als Priorität gesehen werden wie ein

verantwortungsvoller Tarifabschluss für 2008. Bei unseren Verhandlungen

dürfen wir, wie bisher, den Erhalt von Arbeitsplätzen

nicht aus den Augen verlieren. Entgelterhöhungen für alle Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter müssen sich in der Diakonie auch an

den Pflegesatzentwicklungen der letzten Jahre orientieren. Gegenwärtig

erscheint es äußerst schwierig, einen gemeinsamen Abschluss

für Kirche und Diakonie zu erreichen. Während sich die verfasste

Kirche über zweistellige Millionenerlöse freuen kann, erreichen

viele diakonische Einrichtungen nach wie vor nur mit Mühe

und Not ausgeglichene Jahresergebnisse. Angesichts der unterschiedlichen

Rahmenbedingungen in Kirche und Diakonie müssen

wir in der Zukunft unterschiedliche Tarifverläufe akzeptieren. In

anderen Landeskirchen und ihren Diakonischen Werken ist dies bereits

seit Jahren gepflegte Praxis.

L E R N E R F A H R U N G 2 : P I L O T P H A S E N

Das Diakoniestationen-Projekt konnte dazu beitragen, dass

viele defizitäre Diakoniestationen ihre wirtschaftlichen Ergebnisse

bereits im ersten Projektjahr verbessern konnten. Die wesentlichen

Wertschöpfungs- und Verwaltungsprozesse wurden in allen Stationen

aufgenommen, neu bestimmt und in sechs Stationen, gewissermaßen

in einer Pilotphase, ausprobiert. Ab Herbst 2007 sollen alle

Prozesse sukzessive in den Diakoniestationen eingeführt werden

und die entsprechenden IT-Systeme zur Verfügung stehen.

16


V O R S TA N D

Einige Stationen sind darüber hinaus in Kooperationsgesprächen

und von der Projektleitung

wurde kürzlich die Entwicklung eines Personalentwicklungssystems

aufgenommen. Mit großer

Dankbarkeit schauen wir auf die qualifizierte

Arbeit des Projektteams und des Referates Ambulante

Pflege und hoffen, dass sie ihre Arbeit

weiterhin mit Elan und großer Unterstützung

durchführen können.

L E R N E R F A H R U N G 3 : S T R U K T U R E N

Z U K U N F T S F Ä H I G G E S T A L T E N

Einige große Träger in der Diakonie haben in

den letzten Jahren ihre Unternehmensstruktur

bereits verändert. Aus ehemaligen Vereinsstrukturen

mit Mitgliederversammlungen, die über

unternehmerische Strategien weitgehend mitentscheiden

konnten, sind zukunftsfähige Unternehmen

geworden, die von einer Geschäftsführung

geleitet und einem Aufsichtsgremium beaufsichtigt

werden. Die Trennung von hauptamtlicher

Geschäftsführung und ehrenamtlicher Aufsicht

ging, wie vom Corporate Governance Kodex der

Diakonie gefordert, damit einher. Die Veränderung

des Unternehmensaufbaus ist eine strategische

Entscheidung und eröffnet bessere Möglichkeiten

für Kooperationen bis hin zu Fusionen

mit anderen Trägern oder einzelnen Einrichtungen.

Ein wesentlicher Aspekt dabei ist auch die

Trennung von Vermögen und unternehmerischer

Tätigkeit, mit der das Vermögen der Einrichtun-

17

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

gen im Falle wirtschaftlich schwieriger Zeiten

besser geschützt werden kann.

Angesicht des immer stärker werdenden

Wettbewerbdrucks, den Anforderungen an Professionalität

und Qualitätsmanagement zu entsprechen,

wird das Überleben von kleineren Einzeleinrichtungen,

die von äußerst engagierten

ehrenamtlichen Mitarbeitern eines gemeinnützigen

Trägers geführt werden, immer ungewisser.

Es ist davon auszugehen, dass diese vielfältigen

und kleinteiligen Einrichtungen nicht stark genug

sein werden, eigenständig zu überleben. Zu

erwarten ist eine Konzentration und eine Konsolidierung

in den unterschiedlichen Segmenten

des Sozialmarktes. Es muss sowohl zur Strategie

des Verbandes als auch zur Strategie einzelner

großer Träger gehören, die Einrichtungen, Pflegeplätze

und nicht zuletzt auch Arbeitsplätze zu erhalten

und sie in einem größeren hauptamtlich

geführten Verbund weiterzuführen. Das Diakonische

Werk versteht sich dabei als Vermittler und

Brückenbauer zwischen seinen Mitgliedern.

Q U A L I T Ä T S M A N A G E M E N T U M F A S -

S E N D E I N F Ü H R E N U N D E N T W I C K E L N

Qualitätsmanagement in diakonischen Einrichtungen

wird nicht erst groß geschrieben, seit

die Situation der Pflege in Deutschland in der Öffentlichkeit

breit diskutiert wird. Praktisch alle

Sozialgesetzbücher schreiben die Einführung ➙


V O R S TA N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

eines Qualitätsmanagementsystems vor, und nahezu alle großen

Einrichtungen haben in den letzten Jahren mit riesigem Aufwand

ein lebendiges Qualitätsmanagement eingeführt und sich zertifizieren

lassen. Die Leitbild-, Strategie-, und Qualitätsmanagemententwicklung

in unseren Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen,

Behindertenhilfeeinrichtungen, in der Jugendhilfe oder auch in der

ambulanten Pflege ist ein absolutes Muss. Einerseits sind akzeptable

Qualitätsstandards eine Frage des diakonischen Profils, andererseits

aber auch gesetzliche Vorschrift und wirtschaftliche

Notwendigkeit. Es ist abzusehen: Nicht nur die Pflegesätze, sondern

vor allem die Wettbewerbsfähigkeit, die Qualitätsstandards

und die daraus resultierende Belegungssituation werden zukünftig

die grundlegenden Faktoren für die nachhaltige Wirtschaftlichkeit

einzelner Einrichtungen darstellen.

Strukturen und Qualitätsmanagemententwicklungen werden

übrigens auch wichtige Themen für die ambulante Pflege in der

verfassten Kirche sein: Mehr Flexibilität bei strukturellen Veränderungen

und der Ökonomisierung der Diakoniestationen bei gleichzeitigem

Ausbau des diakonischen Profils sind dringend gefordert.

R E G I O N A L E S O Z I A L P L A N U N G F Ö R D E R N

Wir sind sehr dankbar für die äußerst erfolgreiche Arbeit in

den regionalen Diakonischen Werken. In nahezu allen Werken

konnte die Arbeit in den letzten Jahren abgesichert und Arbeitsgebiete

erhalten werden – trotz der „Operation sichere Zukunft“, die

Ministerpräsident Koch dem Land Hessen als Sparpaket verordnet

hat. Darüber hinaus konnten neue Arbeitsbereiche eröffnet werden,

insbesondere zu nennen sei die Gründung von 13 Tafeln im Laufe der

vergangenen 24 Monate. Oder auch die Einrichtung von mehreren

18


V O R S TA N D

Beschäftigungsgesellschaften, die Ausweitung

des betreuten Wohnens für psychisch kranke

Menschen, die Inbetriebnahme der Werkstatt für

behinderte Menschen in Friedberg und als besondere

Innovation das Heim für psychisch kranke

Eltern mit Kindern in Rimbach im Odenwald.

Dankbar sind wir auch für die Schaffung von

Häusern der Kirche und Diakonie beispielsweise

in Nidda, in Idstein oder hoffentlich bald auch in

Friedberg. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt,

weitere solche Häuser, die als starke Präsenz

evangelischer Kirche in der Region wahrgenommen

werden, einzurichten oder zu unterstützen.

Dankbar sind wir auch für die starke Vernetzung

in den Regionen, mit den Kommunen, Landkreisen

und vor allem auch mit den anderen

Wohlfahrtsverbänden in den Ortsligen. Es ist ein

besonderes Anliegen der Diakonie, die Zusammenarbeit

in der Region mit Kirche und den befreundeten

Wohlfahrtsverbänden stetig zu verbessern

und die kooperative, aber kritische Partnerschaft

mit den Kommunen und Städten zu pflegen. Ein

Schwerpunkt unserer Arbeit in der nahen Zukunft

sollte darin liegen, die Landkreise für eine umfassende

Sozialplanung zu gewinnen. Angesichts

der demografischen Entwicklung in Deutschland

erscheint es uns dringend notwendig, eine umfassende

und regelmäßige Sozialplanung einzuführen.

Wenn Wirtschaftsförderung heutzutage

zum Standardprogramm jeder Kommune gehört,

19

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

sollte die umfassende Sozialplanung zum Wohle

der Bürger und Entwicklung der Kommunen dringend

folgen. Vorausschauende Sozialplanung zum

Wohle der Bürger muss zur ersten Pflicht der

Bürgermeister werden. Das Engagement vieler

ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger (bei den

vielen aus dem Boden sprießenden Tafeln) ist

ehrenwert und wir nehmen diese Unterstützung

gerne an. So können wir Menschen, die unserer

Hilfe bedürfen, noch bessere Hilfe anbieten. Allerdings

wäre diesen Menschen eher geholfen, wenn

durch eine vorausschauende Sozialplanung viele

Entwicklungen und soziale Härten früher erkannt,

bekämpft und damit teilweise vermieden werden

könnten. Viele Konjunktive? Ja! Aber diese bringen

mich zurück an den Anfang meines Berichtes.

Es bringt mich zurück zur Forderung nach sozialer

Gerechtigkeit. Und es überzeugt mich noch

mehr, dass wir als diakonische Arbeitgeber nicht

sozial ungerecht handeln dürfen und unter keinen

Umständen in unserer Gesellschaft zur Armut

beitragen sollen. ■

Wilfried Knapp ist Vorstand Personal, Organisation

und Finanzen im DWHN.


V O R S T A N D

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Dekanin Heike Geiter im Gespräch mit Propst Dr. Sigurd Rink (links)

und Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des DWHN

Interview mit Dekanin Heinke Geiter,

Mitglied im Hauptausschuss des DWHN

Frau Geiter, außer Ihrer Qualifikation als Pfarrerin haben

Sie eine diakonische Ausbildung. Wie kamen Sie dazu?

Geiter: Gleich nach dem Abitur 1966 habe ich eine Ausbildung

zur Gemeindehelferin beim Deutsch-Evangelischen Frauenbund

in Hannover begonnen und, weil diese Ausbildungsstätte geschlossen

wurde, im Brüderhaus für Diakone im Lutherstift in

Falkenburg bei Delmenhorst fortgesetzt und im September 1968

mit dem Diakonenexamen abgeschlossen. Nächstes Jahr kann ich

also 40-jähriges Diakonenexamen feiern.

Mein Ziel war eigentlich, Theologie zu studieren und Pfarrerin

zu werden. Allerdings war es damals – in Hannover – kaum möglich,

als Frau in ein Gemeindepfarramt zu kommen und „aus Achtung

vor dem Amt der Frau und Mutter“ schied man bei Heirat aus dem

Beruf aus! So war die Diakonenausbildung ursprünglich ein Kompromiss,

schließlich aber doch prägend für mein ganzes weiteres

Leben. Ich erwarb gute Grundkenntnisse in Theologie, Psychologie

und Sozialarbeit, sammelte Erfahrungen im Schul- und Gemeindepraktikum,

gewann einen guten Eindruck von diakonischer Arbeit

mit geistig behinderten Menschen und feierte regelmäßig Stundengebete,

Tischabendmahl und Gottesdienste in der Brüderhaus-

20


V O R S T A N D

H A U P TA U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

gemeinschaft, nebenbei lernte ich Griechisch und

Hebräisch und das Orgelspiel. Meine Examensarbeit

stand bereits unter dem Thema: Seelsorge

und Casework (Einzelfallhilfe): ihre Zuordnung

und Einsatzmöglichkeit in der Gemeinde. Anschließend

studierte ich Theologie in Göttingen

und Tübingen.

Durch Heirat kam ich nach Hessen und als Vikarin

in die Versöhnungsgemeinde in Wiesbaden

(1974-76). Bis 1985 war ich dann beurlaubt. Das

war die Erziehungszeit für meine vier Kinder, die

1976, 1978, 1980 und 1981 geboren sind.


21

Wie haben Sie als Pfarrerin die Beziehung

von Gemeindearbeit und Diakonie erlebt?

Von 1987 bis 2004 war ich Pfarrerin in

Wallrabenstein im Dekanat Idstein und außerdem

als Seelsorgerin zuständig für das Idsteiner

Krankenhaus und das Caritas-Altenheim in Idstein.

Seelsorge und Beratung in Konfliktfällen sowie

die Begleitung von Trauernden und Sterbenden

gehörten (ebenso wie Gemeindeaufbau von der

Kinderarbeit her) zu meinen Schwerpunkten. Wir

haben in der Gemeinde einen Besuchsdienstkreis

aufgebaut und versucht, immer wieder den Blick

über den Tellerrand der Kerngemeinde hinaus zu

tun, Anwaltschaft für die zu übernehmen, die

keine Lobby haben. So haben wir Angebote entwickelt:

Arbeitskreis Asyl, Deutschkurs für Wall-

rabensteiner Asylbewerber usw. Ganz bewusst

habe ich mit dem Kirchenvorstand ein Seminar

unter dem Thema: „Trauernde und Sterbende begleiten“

durchgeführt, um diesen in ihrem persönlichen

Umgang mit Tod und Abschied zu

helfen und sie für die Begegnung mit anderen zu

schulen.


Konnten Sie die diakonische Verantwortung

in der Gemeinde stärken?

Mir ist – auch im Zusammenhang mit der

Visitation der Altenheime in Wiesbaden (ich leitete

damals diese Gruppe des „kirchlichen Besuchsdienstes“)

– sehr deutlich geworden, wie

wichtig die Vernetzung zwischen Gemeinde und

Altersheim bzw. Krankenhaus ist. So haben alle

meine Konfirmanden ein Praktikum im Altersheim

gemacht, die Jungscharkinder alljährlich

dort ihr Krippenspiel aufgeführt, Flötenschüler

von mir im Krankenhaus-Weihnachtsgottesdienst

gespielt und einzelne Gemeindeglieder in dem

Altersheimbesuchsdienst mitgearbeitet. Als ich

die Klinikseelsorge in Idstein übernahm, habe ich

einen Besuchsdienstkreis für das Krankenhaus

aufgebaut und regelmäßig geschult. Leider ist es

ein von mir nicht verwirklichter Traum geblieben,

in meiner Gemeinde ein Konzept von Nachbarschaftshilfe

umzusetzen, das allen praktische

Hilfe in den verschiedensten Situationen sowie

geistlichen Beistand geboten hätte. Von Kinderbetreuung

über handwerkliche Tätigkeiten, Hausund

Gartenarbeit, Krankenbesuche, Altenbetreuung

bis zur Sterbe- und Trauerbegleitung. In

einem solchen Konzept gegenseitiger Hilfe hätte

jede und jeder ihre und seine besonderen Gaben

und Stärken einbringen können, zum Wohl für

alle.


Sie sind auch mit der Hospizarbeit

verbunden.

Vor sechs Jahren habe ich gemeinsam mit

der katholischen Kirchengemeinde Idstein und ➙


V O R S T A N D

dem Förderverein des Krankenhauses die Hospizbewegung

Idsteiner Land e.V. gegründet. Der

Verein wächst stetig, bildet inzwischen regelmäßig

selbst neue Mitglieder aus, und hat neuerdings

sein Büro zusammen mit der Notfallseelsorge

in unserem Haus der Kirche und Diakonie.

Ich habe dabei mehrere Vorträge an sogenannten

offenen Abenden gehalten und Seminare zur

Trauer- und Sterbebegleitung durchgeführt. Im

Rahmen dessen habe ich ein „Kinderbuch für Erwachsene,

die Kinder in ihrer Trauer unterstützen

und begleiten wollen", geschrieben. Über die Veröffentlichung

ist aber noch nicht entschieden.


H A U P TA U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Als Dekanin wollten und wollen Sie das

diakonische Profil des Dekanats schärfen.

Wie sieht das aus?

Als vor drei Jahren die Frage anstand, ob ich

mich zur Wahl als Dekanin stellen sollte, habe ich

das ganz bewusst auch unter dem Gesichtspunkt:

Stärkung der Diakonie in der Region getan. Kirche

und Diakonie gehören für mich untrennbar

zusammen, und es war klar, dass man bei meiner

Wahl gleichzeitig diesen diakonischen Schwerpunkt

für das Dekanat mit gewählt hat. Schon als

stellvertretende Dekanin war ich seit 1995 im

Vorstand der Diakoniestation unseres Dekanates

und dann auch Vorsitzende. Ich versuche gemeinsam

mit der Pflegedienstleitung – unterstützt

durch unsere Bürgermeister – den Spagat

zwischen diakonischem Handeln und Wirtschaftlichkeit

irgendwie zu schaffen. Auch mit den

Schwestern habe ich ein Seminar zur Trauer- und

Sterbebegleitung durchgeführt. Unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Station sollen

nicht nur fachlich hoch qualifiziert sein, sondern

sie müssen auch für ihren diakonischen Auftrag

so geschult werden, dass sie sprachfähiger im

Glauben werden und den Klienten bei ihren existentiellen

Fragen vom Glauben her Antworten

anbieten können.


Die Diakonie in der Region wird durch das

regionale Diakonische Werk dargestellt

und geleistet. Lässt die Kooperation mit

einem Dekanat nicht gelegentlich

Wünsche offen?

Seit es in den Verwaltungsräten der rDW

Vertreter aus den Dekanaten gibt, bin ich Mitglied.

Die Zusammenarbeit zwischen DW und Dekanat

ist dadurch viel besser geworden, weil man

mehr von einander weiß und gemeinsame Dinge

schneller bespricht und besser koordiniert.

Während einer Beiratssitzung ist auch die

Idee zu dem gemeinsamen Haus der Kirche und

Diakonie in Idstein entstanden. Das rDW suchte

Räume für das Wohnheim für seelisch Behinderte,

die Diakoniestation brauchte dringend

mehr Platz, und das Dekanat musste sich auf

einen Ort festlegen und entsprechende Räume

anmieten. Ich schlug ein gemeinsames Haus vor,

Diakonie und Kirche unter einem Dach. Nachdem

wir im März dieses Jahres eingezogen sind und

am 17. Juni die Einweihung groß gefeiert haben,

erleben wir jetzt im Alltag, wie gut dieses Konzept

greift, wie Synergien genutzt werden und

viel mehr gemeinsam geschieht als früher. Durch

dieses gemeinsame Haus werden Kirche und Diakonie

noch einmal ganz neu bei vielen Menschen

in den Blick rücken, erst recht, wenn demnächst

auch noch die Idsteiner Tafel hier einzieht.


Frau Geiter, Sie gehören auch dem Hauptausschuss

des Diakonischen Werks an.

Welche Erfahrungen damit können Sie

benennen?

Ich bin Mitglied im Hauptausschuss seit der

letzten Neuwahl. Erst habe ich sehr gezögert, als

Dr. Gern mich um die Kandidatur gefragt hat,

weil ich beispielsweise von Finanzen oder den

Problemen von stationären Einrichtungen wenig

Ahnung habe und möglichst wenig Zeit in irgend-

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V O R S T A N D

H A U P TA U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

welchen Gremien verbringen möchte. Inzwischen

finde ich es wichtig, dabei zu sein und konkrete

Erfahrungen aus den Dekanaten oder von den

Diakoniestationen in die Besprechungen einzutragen,

Entscheidungen theologisch zu reflektieren

und bei den Überlegungen zur KDAVO

sowohl die kirchliche als auch die Situation diakonischer

Einrichtungen vor Augen zu haben.

Ich empfinde es als schwierig, dass die Stelle von

Oberkirchenrat W. Leineweber gestrichen ist und

dadurch in der Kirchenverwaltung ein Ansprechpartner

für diakonische Fragen fehlt.


Auf welche Herausforderungen müssten

Kirche und Diakonie in der nächsten Zeit

besonders reagieren?

In Zukunft wird die Schere zwischen Arm

und Reich immer weiter auseinanderklaffen und

der Staat sich von seinen sozialen Aufgaben immer

mehr zurückziehen. Deshalb müssen Diakonie

und Kirche sich einsetzen für mehr Verteilungsgerechtigkeit

und menschenwürdige Lebensbedingungen

für alle. Tafelarbeit ist gut,

aber eine Tafel überflüssig machen, weil alle das

Nötige zum Leben haben, wäre besser. Leistungsdruck

und Anforderungen werden weiter steigen,

deshalb müssen sinnvolle Möglichkeiten geschaffen

werden für Menschen, die auf dem ersten

Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln sind. Nach

unserem christlichen Verständnis ist jeder Mensch

wertvoll, weil er von Gott geliebt ist. Darum

müssen Diakonie und Kirche Formen der Achtung

und Wertschätzung gerade der Schwachen entwickeln

und leben. Hier entscheidet sich Kirche,

ob und wo sie Hoffnung weckt und Sinnfindung

jenseits von Arbeit und Profit ermöglicht.

Unsere Gesellschaft wird sich verändern. Es

wird mehr allein lebende sehr alte Menschen geben.

Vielleicht müssen wir ganz neue Formen des

Zusammenlebens wie Mehrgenerationenhäuser,

Alterswohngemeinschaften und Ähnliches stärker

in den Blick nehmen und entwickeln.

23

Immer mehr Menschen suchen nach Sinn

und tragendem Grund in ihrem Leben und haben

den Wunsch nach Spiritualität. Hier nach Wegen

und Antworten miteinander suchen, den Glauben

im Alltag sprachfähig werden lassen, Formen

gemeinsamen Lebens mit spirituellen Erfahrungsräumen

entdecken und leben, um so Gottes

Menschenfreundlichkeit erfahrbar werden zu

lassen, sollte gemeinsame Aufgabe von Kirche

und Diakonie sein.


Zum Abschluss des Gesprächs gebe ich

Ihnen einen Wunsch frei.

Mein Wunsch für Kirche und Diakonie ist,

dass sie noch viel enger zusammenarbeiten. Dazu

gehört konkret,

� dass der Leiter des Diakonischen Werks

einen ständigen beratenden Sitz in der

Kirchenleitung haben sollte und

umgekehrt,

� dass beispielsweise die gemeinsam ausgehandelte

KDAVO auch gemeinsam verantwortet

und Kritik daran gemeinsam

getragen wird (und es nicht einseitige

Schuldzuweisungen gibt)

� dass Zukunftsperspektiven gemeinsam

bedacht und entsprechende Papiere

miteinander erstellt werden.

Im Perspektivpapier unserer Kirche 2025

wäre sicher viel stärker zum Tragen gekommen,

dass Kirche für die Welt da ist und damit immer

auch diakonische Kirche ist, wenn dies Papier

gemeinsam mit der Diakonie entstanden wäre. Es

wäre die Anwaltschaft für all die Menschen, die

keine Lobby haben und denen sonst niemand ihre

Würde lässt, Mittelpunkt gewesen und nicht die

Angst um den eigenen Bestand und die Finanzsituation

der EKHN – und genau das hätte uns als

Kirche gut getan. ■

Das Gespräch führte Wilhelm Wegner.


V O R S T A N D

S T I F T U N G A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

H E R B E R T G . H A S S O L D

DIE STIFTUNG DIAKONIE

WÄCHST KONTINUIERLICH

Die Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau ist seit ihrer

Gründung am 13. Oktober 2005 stetig gewachsen. Gestartet mit

einem Stiftungskapital von 250.000 Euro stehen mittlerweile

durch sechs Unterstiftungen rund 1,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Unterstiftungen sind die Stiftung Orbishöhe, gegründet

am 23. Dezember 2005, die Stiftung Pour les malades der

Diakoniestation Friedrichsdorf, gegründet am 16. September

2006, die Stiftung Hilfe für chronisch kranke Kinder, gegründet

am 6. November 2006, der Julius-Rumpf-Stiftungsfonds,

gegründet am 27. Februar 2007 sowie die Studienstiftung der

Ev. Fachhochschule Darmstadt (EFHD) und die Stiftung Pflege

Diakonie Idstein, beide gegründet am 23. August 2007. Im Jahr

2008 sind unter dem Dach der Stiftung Diakonie in Hessen und

Nassau weitere Neugründungen zu erwarten.

24


V O R S T A N D

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S T I F T U N G A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Unter den vielen positiven Ereignissen des

zweiten Stiftungsjahres soll hier die „Stiftung Hilfe

für chronisch kranke Kinder“ besonders hervorgehoben

werden. Die Stiftung ist aus der psychosozialen

Betreuung von Kindern und Jugendlichen

mit HIV-Erkrankung an der Kinderklinik der

Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt

am Main hervorgegangen. Die Ambulanz in

Frankfurt am Main betreut über Hessen hinaus

60 infizierte Kinder sowie 80 exponierte Kinder

(das sind Kinder unter 24 Monaten, bei denen der

Infektionsstatus noch unklar ist). Da die Patienten

über einen sehr langen Zeitraum behandelt

und in den unterschiedlichen Lebensphasen mit

verschiedenen Problemen konfrontiert sind, ist

neben der medizinischen Betreuung auch die Begleitung

durch einen Sozialpädagogen und gegebenenfalls

auch durch einen Psychologen von

großer Bedeutung. Solche Angebote sollen durch

die neue Unterstiftung finanziell langfristig abgesichert

werden. Das Gründungskapital von

60.000 Euro wurde aus zweckgebundenen Rücklagen

zugunsten der Klinikseelsorge des Evangelischen

Dekanates Frankfurt am Main-Süd bereitgestellt.

Zu den Unterstützern der „Stiftung Hilfe für

chronisch kranke Kinder“, die sich am 1. Juni 2007

mit einer offiziellen Gründungsveranstaltung im

Frankfurter Westhafen Tower der Öffentlichkeit

vorgestellt hat, zählt unter anderen Steffi Jones,

34, Gewinnerin vieler nationaler und internationaler

Titel im Frauenfußball – mit ihrem Verein,

dem 1. FFC Frankfurt und mit der deutschen

Nationalmannschaft, mit der sie 2003 Weltmeisterin

wurde. Im Gespräch berichtet Steffi Jones

über ihr Engagement für die „Stiftung Hilfe für

chronisch kranke Kinder“. ➙


V O R S T A N D

S T I F T U N G A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K


Die neue „Stiftung Hilfe für

chronisch kranke Kinder“,

hervorgegangen aus der Kinderambulanz

der Frankfurter

Universitätsklinik, verfolgt vor

allem das Ziel, die dort behandelten

und medizinisch versorgten

Kinder und Jugendlichen, die HIV-infiziert sind,

aber auch deren Eltern und Angehörige psychosozial zu

betreuen. Warum engagieren Sie sich dafür?

Steffi Jones: Ich selber habe zwar in meinem Leben viel Glück

gehabt und durch meine sportlichen Erfolge manches wettmachen

können, was mir in meiner Kindheit und auch noch als Jugendliche

an Ausgrenzung und Zurücksetzung begegnet ist. Aber auch ohne

die besonderen Probleme HIV-infizierter Kinder und Jugendlicher

im eigenen Umfeld zu kennen, kann ich mir gut vorstellen, dass hier

über die zweifellos sehr ernste medizinische Problematik hinaus im

Detail viele Situationen entstehen – bei den Eltern, im Kindergarten,

bei der Einschulung, im Beruf oder beim Aufbau persönlicher Beziehungen

unter jungen Leuten – in denen die Betroffenen jemanden

brauchen, der sie persönlich berät, der aber auch in der Öffentlichkeit

hilft, Vorurteile abzubauen. Das soll diese neue Stiftung

leisten und dabei möchte ich sie symbolisch unterstützen.


Sie selber hatten in ihrer Fußballkarriere auch immer wieder

Rückschläge zu verkraften, längere Verletzungspausen zu

überbrücken, wie nach einem Kreuzbandriss bei der WM in

den USA. Oder wir haben vom Schicksal eines ihrer Brüder

gelesen, der im Irak schwer verletzt wurde und an den Rollstuhl

gefesselt ist. Sind das Erfahrungen, die ihre persönliche

Einstellung zum Erfolg – zum Beispiel der Pokalgewinn

am vergangenen Wochenende – verändert haben?

Steffi Jones: Ganz gewiss. Ich bin zwar immer noch ein positiv

denkender Mensch, der nach vorn schaut, der sich nicht so

leicht aus der Bahn werfen lässt. Aber ich habe durch solche Erfahrungen

auch gelernt, dass nichts von Dauer ist und dass auch

im Erfolg Risiken und Rückschläge nicht weit weg lauern. Umso

dankbarer bin ich für alles, was mir im Leben gelingt. – Im Zusammenhang

mit der Stiftung möchte ich aber noch einmal unterstreichen:

So wichtig es ist, dass medizinisch alles getan wird, was

26

hr-Moderator Holger Weinert

(rechts) im Gespräch mit

Sabine Rockhoff, Pflegemutter

von drei HIV-infizierten Kindern.


V O R S T A N D

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S T I F T U N G A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

zur Heilung nötig ist – genauso wichtig, vielleicht

sogar noch wichtiger ist es, wie man einen gesundheitlichen

Rückschlag, zumal wenn er die

ganze Lebensplanung über den Haufen werfen

kann, psychisch bewältigt. Und da schließt die

Stiftung Hilfe für chronisch kranke Kinder speziell

für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche

eine Lücke.


Als Schirmherrin des Projektes „Ballance

2006“ haben sie sich im Vorfeld der

Fußball-WM für Toleranz, Fairness und

im Sport eingesetzt und sind dafür mit

dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet

worden. Auch als Botschafterin

von Unicef haben Sie sich einen Namen

gemacht. Ihr Engagement für die Stiftung

Hilfe für chronisch kranke Kinder –

sehen Sie das auf der gleichen Linie?

Steffi Jones: Richtig. Ich habe schon öfter

öffentlich erklärt, dass ich Diskriminierung verabscheue,

egal aus welchem Grund und von wem

gegen wen auch immer. Darum geht es auch bei

der „Stiftung Hilfe für chronisch kranke Kinder“.

Und bei Unicef habe ich gelernt, dass es bei der

zahlenmäßig so viel größeren weltweiten Aids-

Problematik, vor allem in Afrika, neben der unabdingbaren

Aufklärung zur Vorbeugung – die,

wie man in den Medien mitbekommt, auch bei

uns wieder einer leichtfertigen Sorglosigkeit zu

weichen scheint – und der Versorgung mit preiswerten

Medikamenten, zu der die Industrieländer

viel mehr tun müssten, in den armen Ländern nach

wie vor auch um die Betreuung der Aids-Waisen

und der infizierten Kinder geht. Auch darum will

sich die neue Stiftung in Zukunft kümmern. ■

Das Gespräch führte Herbert G. Hassold.

Er ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der

Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau.


V O R S T A N D

S TA B S S T E L L E(N) A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

33 JAHRE:

(FAST) ALLES, WAS RECHT IST

H E R I B E R T R E N N Das nahe Ende einer Arbeitsperiode ist

eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Der Autor will aber

im Folgenden keine objektive, ausgewogene

33-Jahresrechnung er-

stellen – wie ein Kaufmann –,

sondern ein persönliches Fazit

seiner Tätigkeit als Jurist in der

Rechtsstelle des Diakonischen

Werks in Hessen und Nassau,

eigene Erfahrungen, Erinnerungen

und Einblicke in ein bewegtes

Arbeitsleben in der Diakonie

wiedergeben.

1 . I N S K A L T E W A S S E R

Gleich der Verlauf der ersten Arbeitswoche im Oktober 1974 sollte

Symbolkraft für das weitere Wirken in der Diakonie haben: Vorstellen

bzw. vorgestellt werden bei unendlich vielen wichtigen Gremien. Es

sollte sehr lange dauern, bis ich insbesondere die kirchlich-diakonischen

Strukturen einigermaßen durchschaut hatte.

Als ich dann an meinem fünften Arbeitstag am Betriebsausflug

teilnehmen durfte und während des Besuchs einer „Heilanstalt“,

Mitgliedseinrichtung für behinderte Menschen, nach dem Recht auf

Sexualität dieser Menschen fragte, wurde mir deutlich zu verstehen

gegeben, dass Nächstenliebe doch Grenzen hat und Kommunikation

in der Diakonie nach mir noch nicht vertrauten Regeln abläuft.

Die ersten Arbeitsaufträge, die ich als „Referent für allgemeine

Rechtsfragen“ (ohne Sekretärin und juristisches Handwerkszeug) erledigten

sollte, machten mir schnell klar, das Wasser ist kalt und das

Brot hart. Es waren u.a. Fragen nach der Zulässigkeit von Prüfung der

Verwendung von Zuwendungen der „öffentlichen Hand“ durch den

Landesrechnungshof, Geltung des Briefgeheimnisses im Diakonischen

Werk und Haftung des Diakonischen Werks für Schäden durch Mitarbeiter.

Die nach umfangreichen Recherchen in Literatur und Rechtsprechung

und längeren Bibliotheksaufenthalten gewonnenen und

ausführlich begründeten Ergebnisse, die in positiven Antworten auf

die genannten Fragen mündeten, begeisterten weder meine Vorgesetzten

noch die übrigen Auftraggeber. Die Quantität der Gremieneinladungen

nahm merklich ab, die der sogenannten Rechtsfragen dennoch

stetig zu.

Die Rechtsstelle war von Anfang an als Stabsstelle konzipiert und eingerichtet

mit folgenden Zielen:

� zeitnahe und umfassende Beratung des Landesverbandes, seiner

Mitglieder und regionalen Diakonischen Werke in allen Rechtsangelegenheiten

im Rahmen seiner satzungsmäßigen Aufgaben;

� sozialpolitische und rechtliche Vertretung diakonischer Interessen

im Rahmen der Mitwirkung an Gesetzesvorhaben, (rechtlichen)

Grundsatzfragen und Positionierungen, Rahmenvereinbarungen,

Einzelverträgen, Richtlinien, Rahmenempfehlungen oder sonstigen

Regelungen;

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V O R S T A N D

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S TA B S S T E L L E(N) A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

� Transparenz und Durchsetzung rechtlicher

Normen im diakonischen Bereich.

2 . S A T Z U N G S R E F O R M E N D E S

V E R B A N D E S U N D D I E B I N D U N G

D E R D I A K O N I E

Anfang 1975 wurde ich beauftragt, anhand

der Satzungen der übrigen gliedkirchlichen diakonischen

Werke die seit der Gründungsversammlung

des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau

1960 gültige Satzung zu überarbeiten. Mein

Entwurf enthielt insbesondere Vorschläge zu Namen,

Organen und Vertretung sowie Rechte und

Pflichten der Mitglieder. Die Hauptversammlung

beschloss am 28.10.1976 die überarbeitete Satzung

mit großer Mehrheit, der Katalog der Rechte

und Pflichten der Mitglieder (Art. 7) wurde leicht

modifiziert übernommen, die von mir vorgeschlagene

Entkoppelung der Organe, die eine Trennung

von Leitung/Management (Vorstand) und Kontrolle

(Hauptausschuss) sowie Legislative/Richtlinienkompetenz

(Hauptversammlung) vorsah,

wurde gar nicht zur Entscheidung vorgelegt.

1990 wurde die Satzung – nach einer „Panne“ bei

der Wahl des Hauptgeschäftsführers – erneut geändert,

vor allem bezüglich der Gemeinnützigkeit

und den Regelungen über das Abstimmungsverfahren

in den Gremien.

Erst mit der 2001 von der Hauptversammlung

beschlossenen Satzungsänderung wurde

eine grundlegende Strukturreform beschlossen,

die zumindest klar zwischen Vorstand (Leitung,

§§19, 20) und Hauptausschuss (Richtlinien- und

Aufsichtsfunktion, §§14-18) unterscheidet.

Parallel zur Satzungsdiskussion wurde insbesondere

von Teilen der Kirchenverwaltung die

sogenannte „Badische Lösung“ (siehe Badisches

Heribert Renn

Kirchengesetz über das Zusammenwirken der

Evangelischen Kirche und des Diakonischen Werks

vom 29.10.1975) auch für Hessen und Nassau

propagiert, die dem Diakonischen Werk als originäre

Aufgabe nur die Koordination zugestand

und demzufolge alle anderen Aufgaben vom Diakonischen

Werk nur „im Auftrage und unter Mitverantwortung

der Leitungsorgane der Landeskirche

im Zusammenwirken mit diesen nach Maßgabe

dieses Gesetzes wahrgenommen“ wurden

(§1 Abs. 2 o.g. Kirchengesetz). In einem „vertraulichen

Vermerk“ an die Geschäftsführung vom

30.5.1976 stellte ich eine Reihe von rechtlichen

und kirchenpolitischen Argumenten gegen die

Übertragbarkeit auf Hessen und Nassau zusammen

– letztendlich erfolgreich.

Die durch die Satzungsreform bedingte Anpassung

des Diakoniegesetzes der EKHN vom

28.4.1960 wurde – ohne intensive Beteiligung

des Diakonischen Werks – erst 1988 vorgenommen.

Das sollte sich 2000 grundlegend ändern.

Zur Vorbereitung einer grundlegenden Gesetzesreform

wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die

aus Mitgliedern der Kirchenverwaltung einerseits

und des Vorstandes und der Rechtsstelle des Diakonischen

Werks andererseits bestand, und die

sich nach intensiver und äußerst sachlicher Arbeit

auf einen Vorschlag für einen gemeinsamen

Gesetzesentwurf einigte, der – mit wenigen Modifikationen

– als Kirchengesetz von der Synode

verabschiedet wurde und am 1.7.2001 in Kraft

trat. Es war die Grundlage für die Satzungsreform

des Diakonischen Werks 2002 (s.o.). Beides hat

sich ebenso bewährt wie die auf Grund der Satzung

in mühevoller Kleinarbeit unter Federführung

der Rechtsstelle entworfene und vom Hauptausschuss

am 14.12.2001 beschlossene Geschäftsordnung

des Diakonischen Werks in Hessen und

Nassau. ➙


V O R S T A N D

S TA B S S T E L L E(N) A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

3 . K O N Z E P T I O N S L O S E

S O Z I A L - R E C H T S R E F O R M E N

U N D D I E R E C H T S - P Ä D A G O G I S C H E N

A U S W I R K U N G E N

Das Interessante an meiner Tätigkeit war,

das stellte sich sehr bald heraus, dass der in der

Stellenbezeichnung (bis 1999) nicht erwähnte

Aufgabenbereich, das Sozialrecht, eine mindestens

gleichwertige Bedeutung erhielt und dies

meiner Vorliebe gegenüber sozialpolitischen Fragen

sehr entgegenkam. Mein ungefähr zur gleichen

Zeit im Diakonischen Werk Westfalen eingestellter

Kollege und ich waren sozusagen die

ersten Sozialrechtler in der gliedkirchlichen Diakonie.

Bereits 1975 wurden das auf Kriegsopfer

abgestimmte Schwerbehindertenrecht durch die

Einführung des Schwerbehindertengesetzes entscheidend

auf alle erwerbstätigen Menschen mit

Behinderung erweitert, das Heimgesetz zum Bundessozialhilfegesetz

(BSHG) verabschiedet und

das Sozialgesetzbuch – Allgemeiner Teil (SGB I) –

als sogenanntes Grundlagengesetz für die folgenden

Sozialgesetzbücher beschlossen und veröffentlicht.

Das bedeutete für den Diakoniejuristen,

dass diese Reformen des Sozialrechts im Gesetzgebungsverfahren

durch Stellungnahmen begleitet

und nach dem Inkrafttreten durch Informationen

in Form von Veröffentlichungen, Schulungsveranstaltungen

und Beratungen in der Praxis

diakonischer Arbeit bekannt gemacht, übersetzt

und verwirklicht wurden. Ursprünglich bedeuteten

Reformen, wie die von 1975, noch bessere

soziale Absicherung der Bürger, also Ausbau des

Sozialstaates (Art. 20, 28 GG). Doch schon 1981

musste die noch unter der sozial-liberalen Regierung

erfolgte Verabschiedung des Wartezeit-,

Heribert Renn

Subventionsabbau- und des zweiten Haushaltsstrukturgesetzes

als ein erster „Warnschuss“ für

die künftige Sozialpolitik und -gesetzgebung verstanden

werden. Es folgten ab 1982 eine Reihe

von „Sparoperationen“, mit denen insbesondere

Einsparungen in der Sozialhilfe, Arbeitsförderung,

Behindertenhilfe, Krankenhausfinanzierung und

Kinder- und Jugendhilfe (früher: KJHG, später:

SGB VIII) vorgenommen wurden. Ihren vorläufigen

Höhepunkt fand diese „unsoziale Sozialgesetzgebung“

(Renn, Weltweite Hilfe 1/1984, S. 20 ff.)

in der „Gesundheitsreform“ 1989, mit der neben

der Ablösung der RVO durch SGB V tiefe Einschnitte

in die gesetzliche Krankenversicherung

vorgenommen wurden. Mit der Einführung der

Pflegeversicherung 1994 kam zwar bei einigen

nach der „Wende“ noch einmal Hoffnung auf,

doch es zeigte sich sehr bald: Das Pflegeversicherungsgesetz

bestand aus politischen Kompromissen,

die die mangelnden Konzepte der Sozialpolitik

und von ihr instrumentalisierten Sozialgesetzgebung

ein weiteres Mal offenbarten

(Renn, Sozialrecht im Dienste konzeptionsloser

Sozialpolitik, Diakonie und Sozialstaat, Gütersloh

1980, S. 387 ff.). Daran hat sich bis heute – in

Zeiten von „Hartz IV“ – nichts geändert. Die mit

neoliberalen Parolen begründeten „Reformen“

der Arbeitslosenhilfe (Grundsicherung für Arbeitsuchende,

SGB II), Sozialhilfe (SGB XII), Rentenversicherung

(SGB VI), „Gesundheitsmodernisierung“

und Wettbewerbssicherung im Gesundheitswesen

(SGB V) sowie die „Pflegereform“

(SGB XI) als jüngstes Beispiel unterstreichen und

verifizieren unsere Kritik an der „Konzeptionslosigkeit

und sozialpolitischen Funktionslosigkeit“

(a.a.O., S. 394) derartiger (Sozial-) Gesetzgebung.

30


V O R S T A N D

S TA B S S T E L L E(N) A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Die Erkenntnis, dass (Sozial-) Politik und

Recht nicht voneinander getrennt werden können,

führte bereits Ende der 70er Jahre zur Einrichtung

eines „AK Sozialpolitik“ unter Federführung

der Rechtsstelle durch die Geschäftsführung. Er

sollte über 20 Jahre Plattform für eine intensive

Diskussion aktueller diakonie- und sozialpolitischer

Themen und kritische Begleitung der Geschäftsführung

des Diakonischen Werks in Hessen

und Nassau sein.

Der Mangel an Fortbildung für Diakoniejuristen

mit sozialrechtlichen Schwerpunkten

führte im Zuge der Selbsthilfe einiger Sozialrechtsreferenten

der Diakonischen Werke zur

Gründung des AK Sozialrecht, der unter Insidern

wegen bestimmter Nahrungspräferenzen des Vorsitzenden

als „AK Rote Grütze“ bekannt war und

eine Reihe von Arbeitshilfen zu Rechtsfragen aus

der diakonischen Praxis, u.a. Sozialgesetzbuch I,

Sozialgesetzbuch X, Betreuungsrecht, Barbetrag,

elterliche Sorge, Aufsicht und Haftung, Selbstbestimmung,

Rechte der Heimbewohner, Datenschutz

und Schweigepflicht, produzierte, in denen

die „Praktiker“ neben speziellen Rechtsratschlägen

insbesondere auf die Konsequenzen der

Achtung der Grundrechte (der „hilfebedürftigen

Person“) in der diakonischen Arbeit hingewiesen

haben. Der AK löste sich nach dem Ausscheiden

des Vorsitzenden und weiterer Mitglieder wieder

auf. Inzwischen finden auf DW EKD-Ebene jährliche

Treffen der Sozialrechtsjuristen in Berlin

statt. In Fortführung der Zusammenarbeit mit

meinem Kollegen Niemann vom Diakonischen

Werk Westfalen wurden weitere Arbeitshilfen erstellt

oder überarbeitet. Er hat uns auch den Zugang

zum Mitwirken an „IDAS – Informationsdienst

der Diakonie für ambulante Sozialarbeit“

ermöglicht.

31

Mit Einführung der Pflegeversicherung gründete

ich die Reihe „Arbeitshilfe Recht des DWHN“,

in der bisher soweit wie möglich aktuelle Auflagen

zu SGB II und XII, SGB IX, SGB XI, Heimgesetz,

Gemeinnützigkeitsrecht und Schuldrecht in

sozialen Einrichtungen (alle Renn) sowie Elterngeld

(Heuerding) erschienen sind. Neben zahlreichen

Veröffentlichungen in Sammelbänden,

Lexika sowie (Fach-) Zeitschriften wie „Weltweite

Hilfe“, „In der Tat“, „Evangelische Impulse“,

„Pflegerecht“, „Sozialrecht aktuell“, „Sozialmagazin“,

„Theorie und Praxis der sozialen Arbeit“,

„Beiträge zum Recht der sozialen Dienste und

Einrichtungen“, „Blätter der Wohlfahrtspflege“

u.a. sind meine rechtspädagogischen Neigungen

in die „Rechtskunde für Erzieherinnen“, „Pflegesozialrecht“

(mit H. Griep, 4. Auflage in Vorbereitung)

sowie „Grundsicherung für Arbeitsuchende“

und „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“

(beide mit D. Schoch, 2. Auflage)

eingeflossen.

Als Konsequenz der durch die Sparpolitik

immer mehr fortschreitenden Privatisierung sozialer

Risiken erstellte ich bereits 2001 Konzeption

und Ordnung für eine Gemeinschaftsstiftung,

die 2005 durch das Diakonische Werk in Hessen

und Nassau als Stiftung Diakonie in Hessen und

Nassau gegründet wurde.

4 . R E C H T S B E R A T U N G V O N A B I S Z

Entsprechend der primären Funktion des

Diakonischen Werks in Hessen und Nassau als

Mitgliederverband steht die rechtliche Beratung

der Mitglieder im Vordergrund der Aufgabenwahrnehmung

durch die Rechtsstelle. Gleiches

gilt für die regionalen Diakonischen Werke. Durch

die unterschiedlichsten Rechtsfragen, die fast ➙


V O R S T A N D

S TA B S S T E L L E(N) A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

alle Rechtsgebiete betreffen, ist (demnächst war)

mein Job interessant, anspruchsvoll, vielfältig,

umfangreich, manchmal ganz schön stressig,

aber nie langweilig.

In unzähligen persönlichen oder telefonischen

Beratungsgesprächen, schriftlichen Stellungnahmen

habe ich versucht, die Fragen – zugegebenermaßen

nicht immer – zur Zufriedenheit

der anfragenden, jedenfalls im Interesse der

sogenannten betroffenen Personen (s. Präambel

Satzung DWHN) zu beantworten. Handlungsansatz

für mich sind Achtung und Wahrung der

Würde des einzelnen Menschen (meist als leistungsberechtigte

Person) und der daraus abzuleitenden

(Grund-) Rechte. Dieser Ansatz war

auch der konzeptionelle Leitfaden für die über

zweihundert Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen

inner- und außerhalb des Diakonischen

Werks in den letzten 33 Jahren. Ich verstehe

mich auftragsgemäß als Anwalt „armer

und schwacher“ Menschen – wobei sich „arm“

und „schwach“ je nach Blickwinkel relativiert –,

der gerade diesen Personen zu ihren Teilhaberechten

verhilft.

So gesehen war es auch eine erfolgreiche

Arbeit, die ich aber ohne die vielfältige Unterstützung

der Mitarbeiterschaft in kollegial, freundschaftlich

und/oder beruflich verbundenen und

mich kritisch begleitenden Personen, vor allem

aber die über 20-jährige Zusammenarbeit mit

Frau Wahl, nicht hätte leisten können. Dafür sage

ich allen von Herzen Dank.

5 . A U S B L I C K

Ich hoffe, meine rückblickenden Einblicke in

33 Jahre Arbeit eines Diakoniejuristen haben gezeigt,

wie wichtig die Aufgaben der Rechtsstelle

(Rechtsberatung und andere Aufgaben, insbesondere

nach der Geschäftsordnung) sind und weiterhin

sein werden.

Da für die anwaltschaftliche Funktion des

Diakonischen Werks insbesondere professionelle

Sozialrechtsberatung und die Rechtsberatung

der regionalen Diakonischen Werke und Mitglieder

auch professionelle Rechtsberatung in anderen

Rechtsgebieten, insbesondere Vertrags-, Gesellschafts-

und Verbandsrecht, erfordert, hat der

Vorstand des Diakonischen Werks beschlossen,

dass in der Rechtsstelle insofern eine Umstrukturierung

stattfindet, als (neben Arbeitsrecht) ein

Referat Sozialrecht, das für das gesamte Sozialrecht

einschließlich Leistungserbringungsrecht

zuständig ist und ein Referat Justitiariat, das die

übrigen den Verband betreffenden Rechtsbereiche

abdecken soll, eingerichtet wird.

Diese Entscheidung unterstreicht Stellenwert

und Anerkennung der Arbeit der Juristinnen

und Juristen in der Diakonie in Hessen und Nassau.

Bleibt mir nur allen, insbesondere aber den

juristischen Kolleginnen und Kollegen, zu wünschen:

Möge das Werk (weiterhin) gelingen! ■

Dr Heribert Renn ist Leiter der Rechtsstelle des DWHN.

32


V O R S T A N D

Nastätten

Bad Schwalbach

Wiesbaden

Ingelheim

Dillenburg

Weilburg

Worms

NEUERE ENTWICKLUNGEN

R E I N H A R D J O A C H I M W A B N I T Z

Frankfurt

33

Eisenberg

Marburg

Land

Marburg

Stadt

Gießen

Darmstadt

Heppenheim

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Twiste

Eder

Frankenberg

Fritzlar

Kirchhain

HESSEN-NASSAU

Hanau – Land

Büdingen

Hanau – Stadt

Erbach

Hofgeismar

Kassel

Land

Kassel Kaufungen

Witzenhausen

Kassel

Land

Wolfhagen

Eschwege

Rotenburg

Hornberg g

Ziegenhain

Geinhausen

Melsungen

KURHESSEN-WALDECK

Evangelische Krankenhäuser

in Hessen und Nassau und in

Kurhessen-Waldeck

Hersfeld

Schlüchtern

IM KRANKENHAUSWESEN IN HESSEN

Fulda

Schmalkalden

I . G K V - W E T T B E W E R B S S T Ä R K U N G S G E S E T Z

Seit dem Frühjahr 2007 ist es in Kraft: das Gesetz zur Stärkung

des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung

(GKV-WSG). Es stellt aus Sicht fast aller Verbände im Gesundheitswesen

in Deutschland – auch aus Sicht der Diakonie –

einen hoch problematischen Kompromiss der Berliner Koalitionsparteien

dar und beinhaltet u.a. die Bildung eines gigantischen

Gesundheitsfonds, aus dem in den nächsten

Jahren die Finanzmittel der gesetzlichen Krankenversicherung

gespeist werden sollen. Die grundlegenden

Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung,

die u.a. in der demographischen Entwicklung begründet

sind, werden durch das GKV-WSG jedoch

nicht einmal im Ansatz gelöst und sind erneut

„vertagt“ worden.

Der Krankenhausbereich ist durch dieses Gesetz

„nur“ in einigen Punkten betroffen, soll jedoch

durch zusätzliche Gesetzgebungsvorhaben in naher

Zukunft ggf. grundsätzlich umstrukturiert werden

(siehe sogleich 2.). Allerdings enthält das GKV-WSG,

weil offenbar „niemand ungeschoren davon kommen

sollte“, einen sachlich nicht näher begründeten dreifachen

Beitrag der Krankenhäuser zur Sanierung der Finanzen der

Krankenkassen, der nicht nur aus der Sicht der Krankenhäuser,

sondern auch aus der namhafter Verfassungsrechtler als nicht

mit dem Grundgesetz vereinbar anzusehen ist. ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

I I . A U S G E S T A L T U N G D E S K Ü N F T I G E N

O R D N U N G S P O L I T I S C H E N R A H M E N S

D E R K R A N K E N H A U S V E R S O R G U N G

Die Finanzierung der Betriebskosten der

Krankenhäuser wird seit mehreren Jahren schrittweise

zu einem Finanzierungssystem über Fallpauschalen

(„DRG’s“) umgestaltet. Offen ist, wie

nach Abschluss einer bis 2009 laufenden Übergangsphase

der künftige ordnungspolitische und

bundesgesetzliche Rahmen für die Krankenhäuser

in Deutschland aussehen wird. Dazu haben im

Jahre 2007 bereits zwei Sondersitzungen der

Gesundheitsminister/-innen der Länder stattgefunden

– bislang ohne einvernehmliche Ergebnisse.

Die sehr kontroverse Diskussion ist in vollem

Gange und wird im Jahre 2007 auch nicht abgeschlossen

sein.

Für das DWHN sind dabei mehrere Grundpositionen

von zentraler Bedeutung, die der Vorstand

auch der Hessischen Sozialministerin vorgetragen

hat: Die Gewährleistungsverantwortung

des Landes bzw. der öffentlichen Hand für

eine bedarfsgerechte, leistungsfähige und flächendeckende

Krankenhausversorgung für alle Bürgerinnen

und Bürger des Landes Hessen darf nicht

in Frage stehen; deshalb bleibt auch Krankenhausplanung

als Rahmenplanung unverzichtbar.

Die Voraussetzungen für einen eventuellen Übergang

der Verantwortung für die Investitionskostenfinanzierung

vom Land auf die Krankenkassen

(„Monistik“) sind weder derzeit noch auf mittlere

Sicht gegeben; im Bereich der Betriebskostenfinanzierung

sollte es bei für alle Krankenhäuser

einheitlichen Festpreisen bleiben, und sollte der

bisherige Wettbewerb als Qualitätswettbewerb

im Interesse der Patienten nicht zu einem Preiswettbewerb

(„Dumping“) umgestaltet werden.

I I I . E N T W U R F H E S S I S C H E R K R A N K E N -

H A U S R A H M E N - P L A N 2 0 0 9

A L L G E M E I N E R T E I L

Am 5. Juli 2007 hat der Landeskrankenhausausschuss

Hessen dem vom Hessischen Sozialministerium

vorgelegten Entwurf für einen neuen

„Hessischen Krankenhausrahmenplan 2009 - Allgemeiner

Teil“ einhellig zugestimmt, auch mit den

Stimmen des Vertreters der Diakonie und der übrigen

Mitglieder der „Krankenhausbank“. Der Entwurf

enthält Verbesserungen für die Krankenhäuser,

eröffnet insbesondere mehr Entscheidungsspielräume

für die Krankenhausträger in

einigen Punkten.

Allerdings darf nicht übersehen werden, dass

die Auslastung der hessischen Krankenhäuser in

den letzten Jahren im Durchschnitt ebenso rückläufig

war wie die Verweildauer der Patienten im

Krankenhaus, und dass, anders als früher, die

Fallzahlen – insbesondere aufgrund von neueren

Entwicklungen im ambulanten Sektor – in den

nächsten Jahren voraussichtlich nicht mehr ansteigen

werden. Daraus folgt rein rechnerisch ein

hessenweiter Gesamtkapazitätsbedarf, der um ca.

10 Prozent oder ca. 3500 Betten niedriger wäre

als gegenwärtig. Die sechs regionalen Krankenhauskonferenzen

in Hessen werden nunmehr die

außerordentlich schwierige Aufgabe vor sich

haben, auf dieser Grundlage Versorgungskonzepte

für entsprechende Kapazitätsanpassungen

vorzubereiten, verbunden vielerorts mit Abteilungs-

oder gar Krankenhausschließungen. Auch

auf die evangelischen Krankenhäuser in Hessen

kommen (wieder einmal) schwierige Zeiten zu!

Um „gemeinsam stark zu bleiben“ haben deshalb

immer mehr von ihnen in den letzten Jahren

zur Agaplesion gemeinnützige Aktiengesellschaft

mit Sitz in Frankfurt am Main gefunden – oder

entwickeln durch andere regionale und überregionale

Zusammenschlüsse Synergieeffekte und

verbesserte Wettbewerbschancen am Markt. ■

Professor Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz,

Ministerialdirektor a.D., ist Beauftragter des Vorstandes

des DWHN für Krankenhauswesen.

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V O R S T A N D

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

A R B E I T S G E M E I N S C H A F T E V A N G E L I S C H E R K R A N K E N H Ä U S E R

U N D R E H A B I L I T A T I O N S E I N R I C H T U N G E N I N H E S S E N

1. Struktur:

Zusammenschluss diakonischer Krankenhäuser

und Reha-Einrichtungen im Gebiet des Diakonischen

Werks in Hessen und Nassau sowie Kurhessen-Waldeck

(gem. den Satzungen der beiden Landesverbände).

Derzeit sind 23 Einrichtungen von insgesamt

18 Trägern Mitglied.

Die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Krankenhäuser

und Rehabilitationseinrichtungen in Hessen

wurde im Jahr 1991 gegründet. Vor dieser Zeit gab

es lediglich „Trägertagungen“. Die Arbeitsgemeinschaft

existiert in der heutigen Form seit Herbst 1997.

Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft besteht

derzeit aus sechs Personen, jeweils eine Person ist

aus den Bereichen Geschäftsführung (Herr Keller,

Kfm. Direktor, Markuskrankenhaus), Medizin (Prof.

Dr. med. Schneider, Elisabethenstift), Pflege (Frau

Reissner, PDL Diakonie-Gesundheitszentrum Kassel)

und Seelsorge (Herr Dr. Zentgraf, Hessischer Diakonieverein).

Vorsitz des Vorstandes: laut Satzung immer

ein Mitglied aus der Leitung/Geschäftsführung eines

Diakonischen Werks, derzeit Herr Knapp.

Die Arbeitsgemeinschaft hat zurzeit folgende

permanent tagende Gremien:

• Fachausschuss Pflege (seit 1989):

Zusammenschluss der Pflegedirektor(inn)en

und der Schulleitungen zum fachlichen Austausch

im Bereich stationäre Krankenpflege

• Arbeitskreis Ethik im Krankenhaus (seit 2003):

Zusammenschluss aus Praktikern aus den Krankenhäusern.

Aufgabe: Erarbeitung der Handbücher zu ethischen

Problemen im Krankenhaus und Pflegebereich

Zweimal jährlich findet eine Mitgliederversammlung

statt. Sie wird jeweils in einem Mitgliedshaus

veranstaltet, das auch gleichzeitig ein Projekt

vorstellt und die Andacht gestaltet. Neben zeitnahen

Informationen aus dem Sozialministerium und der

Hessischen Krankenhausgesellschaft nimmt der kollegiale

Austausch in der „Aktuellen Runde“ einen

breiten Raum ein. Gleichzeitig können Vorstand/Geschäftsführung

von DWHN/DWKW aus dem direkten

Kontakt mit den Trägervertretern wertvolle Impulse

für die Gestaltung der verbandspolitischen Arbeit

mitnehmen.

2. Aufgaben:

Auszug aus der Satzung:

§ 2

Zweck und Aufgaben

(1) Die Arbeitsgemeinschaft widmet sich in Ausübung

christlicher Nächstenliebe der Förderung

des Krankenhaus- und Rehabilitationswesens

im Landes Hessen, nimmt die Interessen

der evangelischen Krankenhäuser wahr und

fördert die Zusammenarbeit der evangelischen

Krankenhausträger.

(2) Unbeschadet der Aufgaben der Diakonischen

Werke in Hessen und Nassau sowie Kurhessen-

Waldeck gehören insbesondere dazu:

a) für den evangelischen Charakter der ihr angeschlossenen

Einrichtungen zu sorgen;

b) krankenhauspolitische Grundsatzpositionen

evangelischer Krankenhäuser zu erarbeiten

und in Kirche und Diakonie zu vertreten;

c) die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen

den Mitgliedern und anderen diakonischen

Einrichtungen des Gesundheitswesens

zu fördern;

d) die Belange der evangelischen Krankenhäuser

und Rehabilitationseinrichtungen

gegenüber Ministerien und sonstigen Behörden,

Versicherungsträgern, der Hessischen

Krankenhausgesellschaft und anderen

Interessengruppen im Einvernehmen

mit den Diakonischen Werken in Hessen

zur Geltung zu bringen;

e) die Aus-, Fort-, und Weiterbildung in evangelischen

Krankenhäusern zu fördern;

f) die Mitglieder über Entwicklungen im

Krankenhaus- und Rehabilitationswesen

zu informieren und sie in Grundsatzfragen

zu beraten.


V O R S T A N D

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M A T T H I A S M U T H

EINGLIEDERUNGSHILFE

FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN IN HESSEN

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G E S E T Z L I C H E G R U N D L A G E N

Hilfen für Menschen mit Behinderungen werden erbracht

nach den Bestimmungen der Sozialgesetzbücher IX und XII. Hier

ist definiert, wer worauf Anspruch hat. So finden wir in §2, Absatz 1

SGB IX die derzeit gültige Definition des Begriffs „Behinderung“.

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit

oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als

sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen

und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt

ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn diese Beeinträchtigung

zu erwarten ist. (§2 Abs.1 SGB IX)

Mit dieser Definition wird Behinderung nicht mehr als Merkmal

eines Menschen betrachtet, sondern bezeichnet vielmehr deren

negative Auswirkungen auf die Interaktionsfähigkeit einer Person

mit ihrer gesellschaftlichen Umwelt.

Der hieraus entstehende Anspruch erstreckt sich auf alle Leistungen,

die geeignet erscheinen, „... die Behinderung abzuwenden,

zu beseitigen, zu mindern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder

ihre Folgen zu mildern“ (vgl. §4 Abs.1 SGB IX). ➙


V O R S T A N D

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Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es demnach,

alles zu unternehmen, um der Person eine

gleichberechtigte und normale Interaktion mit

der Gesellschaft zu ermöglichen – also beispielsweise

dafür zu sorgen, dass diese Person ihre

staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten erfüllen

kann.

Der Gesetzgeber legt die Verantwortung hierfür

in die Hände des Staates. Dieser bedient sich

in der Regel der Einrichtungen und Dienste der

Freien Wohlfahrtspflege, also rechtlich selbstständiger

Organisationen, die im Auftrag des

Staates diese Leistungen erbringen. Das Sozialgesetzbuch

XII sieht hierzu in §75 Regelungen

zum Abschluss von Vereinbarungen zwischen

dem Staat und den Einrichtungen über Leistungen,

ihre Qualität und deren Vergütung vor. Auf der

Grundlage solcher Verträge erhalten Menschen

mit Behinderungen die für sie notwendigen Leistungen.

In Hessen sind hierfür auf örtlicher Ebene

die Kommunen und auf überörtlicher Ebene der

Landeswohlfahrtsverband (LWV) als Träger der

Sozialhilfe zuständig.

L A N D E S W O H L F A H R T S V E R B A N D W I L L

9 0 M I L L I O N E N E U R O E I N S P A R E N

Die Zahl der Menschen, die Leistungen der

Eingliederungshilfe erhalten, steigt seit Jahren

ungebrochen. Zurückzuführen ist dies auf viele

Ursachen. Neben dem Anstieg der allgemeinen

Lebenserwartung in Deutschland sind Dank der

medizinisch-technischen Entwicklung heutzutage

auch Erkrankungen therapierbar, die noch vor einigen

Jahren zum Tod führten. Hinzu kommt unter

anderem die wachsende Zahl derer, die auf Grund

psychischer Probleme auf Hilfe und Unterstützung

angewiesen sind. Eine Studie aus dem Jahr

2006 rechnet mit einem weiteren Anstieg der

Zahl leistungsberechtigter Menschen bis etwa

2018. Erst dann ist eine Stagnation zu erwarten.

Gleichzeitig können wir jedoch beobachten, dass

die öffentliche Hand immer weniger Mittel, die

ihnen aus Steuern und Sozialabgaben zufließen,

für die sozialen Belange der Bürgerinnen und

Bürger aufwenden will oder kann.

In Hessen bedeutet dies, dass die derzeitigen

sozialen Leistungen von den Kostenträgern kritisch

hinterfragt werden. Dies bezieht sich einerseits

auf Umfang und Ausgestaltung der Leistungen,

andererseits aber auch auf deren Vergütung.

Im November 2006 eröffnete die politische

Spitze des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV)

den Vorständen der Spitzenverbände der Freien

Wohlfahrtspflege ihre Überlegungen, durch eine

Deckelung stationärer Plätze und eine gleichzeitige

Umwandlung von 20 Prozent dieser Wohnheimplätze

in ambulante Plätze des Betreuten

Wohnens knapp 90 Millionen Euro einsparen zu

wollen.

Diese Überlegungen widersprechen jedoch

allen gesetzlichen Vorgaben einer bedarfsorientierten

Gewährung sozialer Leistungen (s.o.).

Einerseits sieht sich gerade die Diakonie in

ihren Bestrebungen bestätigt, wohnortnahe, flexible

und personenzentrierte Unterstützungsangebote

zu gestalten, in deren Mittelpunkt der

38


V O R S T A N D

einzelne Mensch steht. Beispielhaft sind hier die

Dezentralisierungsmaßnahmen der Nieder-Ramstädter

Diakonie, die konsequente Personenzentrierung

des Evangelischen Vereins für Innere

Mission in Nassau und die Psychosozialen Zentren

der regionalen Diakonischen Werke zu nennen.

All diese Aktivitäten zielen darauf ab, nach

aktuellen wissenschaftlich-fachlichen Standards

professionelle und zuverlässige Leistungen personenzentriert

und flexibel zu erbringen.

Andererseits zeigen jedoch die Erfahrungen,

dass Pauschalregelungen, wie sie der LWV plant,

keine wirksame Antwort auf die Fragen einer nachhaltigen

Entwicklung der Eingliederungshilfe

sind. Denn auch die Zahl der Menschen steigt, die

einen zunehmend komplexer werdenden Unterstützungsbedarf

haben, der einen stationären

Rahmen benötigt.

A M B U L A N T, W O M Ö G L I C H –

S T A T I O N Ä R , W O N Ö T I G

Statt globaler Parolen bedarf es einer regionalbezogenen

Sozialplanung, die sich sowohl an

den örtlichen Gegebenheiten als auch an den individuellen

Bedürfnissen der leistungsberechtigten

Menschen orientiert. Hierbei hat die Diakonie

ihre Mitarbeit zugesagt.

39

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Der Forcierung ambulanter Betreuungsformen

steht die Diakonie schon immer aufgeschlossen

gegenüber. Leider sind hier jedoch noch

immer einige Rechts- und Zuständigkeitsfragen

ungeklärt, was einen weiteren Ausbau des Betreuten

Wohnens behindert. Nachdem ab 2009

die Kommunen die alleinige Zuständigkeit für

das Betreute Wohnen vom LWV übernehmen sollen,

erleben unsere Einrichtungen und Dienste

bereits jetzt erste kommunale Platzzahlbegrenzungen

auch in diesem Bereich. Der Diakonie

stellt sich die Frage, in welchen Strukturen sie

zukünftig den vom Staat übernommenen gesetzlichen

Auftrag erfüllen und den Menschen mit

Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am

Leben in der Gesellschaft ermöglichen soll.

E I N I M M E R W I E D E R K E H R E N D E S

T H E M A : D I E E X I S T E N Z D E S

L A N D E S W O H L F A H R T S V E R B A N D E S

Spätestens seit 1994 werden immer wieder

politische Stimmen laut, die die Auflösung des

Landeswohlfahrtsverbandes und die Verlagerung

der gesamten Zuständigkeit auf die Landkreise

und kreisfreien Städte verlangen. Kommunalisierung

bedeutet, dass zukünftig jeder Landkreis

bzw. jede kreisfreie Stadt autonom über die Verwendung

der Einnahmen aus Steuermitteln und

Sozialabgaben entscheiden wird. Solche Aussichten

bereiten uns Sorge, da vor allem einnahmeschwache

Landkreise dann zukünftig auch

weniger für ihre Bürgerinnen und Bürger leisten

können. Bisher ist der LWV (im Rahmen des

Finanzausgleichs der Kommunen) ein Garant dafür,

dass Menschen unabhängig vom Wohnort

die Hilfe und Unterstützung erhalten, die sie

brauchen. Diese Garantie muss weiterhin bestehen.

Die Diakonie setzt sich vehement dafür

ein, dass auch zukünftig der Bedarf des einzelnen

Menschen im Mittelpunkt steht. ■

Matthias Muth ist Referent für Behindertenhilfe im DWHN.


V O R S T A N D

F R I E D H E L M M E N Z E L

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

LEBEN

BIS

ZULETZT

Begleitet leben und sterben

Kaum ein ehrenamtlich geprägtes soziales Handlungsfeld

hat eine derart dynamische Entwicklung genommen

wie die Hospizbewegung. Vor 1990 kaum wahrgenommen,

ja sogar bekämpft, gelang es seitdem der Hospizidee, sich

bundesweit, aber auch in Hessen und Rheinland-Pfalz insbesondere

in Kreisen von Kirchen, Diakonie und Caritas

Gehör zu verschaffen. Die meist ökumenisch ausgerichtete

Hospizarbeit hat mehr Zulauf als andere Arbeitsbereiche.

Sie ist inzwischen fachlich wie auch politisch in der Mitte

der Gesellschaft angekommen.

40


V O R S T A N D

41

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Nach einer ersten gesetzlichen Verankerung

der stationären Hospize durch Einführung des

§39a SGB V im Jahr 1997 folgte ab 1.1.2002 eine

Erweiterung und Mitfinanzierung von ambulanten

Hospizdiensten durch die Krankenkassen. Das

vergangene Jahr hat die Hospizidee in ihrem Überzeugungskampf

einen weiteren großen Schritt

vorangebracht. Zum 1.4.2007 wurde eine neue

Versorgungsleistung in die gesetzliche Krankenversicherung

aufgenommen.

In 37b SGB V heißt es:

„ (1) Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden

und weit fortgeschrittenen

Erkrankung bei einer zugleich begrenzten

Lebenserwartung, die eine besonders aufwendige

Versorgung benötigen, haben Anspruch

auf eine spezialisierte ambulante

Palliativversorgung. Die Leistung ist von einem

Vertragsarzt oder Krankenhausarzt zu

verordnen und von der Krankenkasse zu genehmigen.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung

umfasst ärztliche und pflegerische

Leistungen einschließlich ihrer ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Koordination insbesondere zur

Schmerztherapie und Symptomkontrolle

und zielt darauf ab, die häusliche

Betreuung der Versicherten nach Satz 1 in

der vertrauten häuslichen Umgebung zu ermöglichen.

(2) Versicherte in stationären Pflegeeinrichtungen

im Sinne von §72 Abs.1 des Elften

Buches haben in entsprechender Anwendung

des Absatzes 1 einen Anspruch auf spezialisierte

Palliativversorgung.“

Erstmals hat der Gesetzgeber damit eine zusätzliche

Finanzierung für spezielle zumeist mit

Schmerztherapie zu behandelnde Fälle der Sterbebegleitung

durch Medizin und Pflege verankert,

unabhängig davon, ob diese palliativen (=ummantelnden)

Leistungen zu Hause oder in einer

stationären Pflegeeinrichtung benötigt werden.

Noch sind die Details dieser neuen Leistungen

nicht völlig geklärt, da der Gemeinsame Bundesausschuss

im Gesundheitswesen noch nicht über

die entsprechenden Richtlinien beraten und entschieden

hat. Vermutlich wird sich dieser Prozess

bis zum Jahresende 2007 hinziehen. Erst danach

können die auf Bundesebene zuständigen Verbände

die vom Gesetzgeber vorgesehenen Empfehlungen

zur vertraglichen Leistungsgestaltung

formulieren und letztlich etwa

im Sommer 2008 so die Voraussetzungen

für die im Gesetzlichen Krankenversicherungs-Wettbewerbsstärkungsgesetz

(GKV-WSG) §132d genannten Kriterien für die

örtliche Vertragsgestaltung schaffen.

Derweil herrscht in unseren ambulanten und

stationären Einrichtungen und Diensten eine gewisse,

allerdings eher ungerichtete, Aufbruchstimmung,

wie man sich – angesichts der offenen

Baustellen – auf diese von den Krankenkassen finanzierten

neuen Leistungen einstellen kann.

Auch in unseren diakonischen Einrichtungen und

Diensten ist es zu spüren: Die Zeit wird genutzt,

um sich zum einen auf Fachtagungen und durch

Fortbildungen auf die erweiterten Aufgaben für

eine reflektierte Sterbebegleitung und Abschiedskultur

vorzubereiten, zum anderen aber auch, um

die zahlreichen neu entstandenen fachlichen Interessen

und personalen Netze enger zu knüpfen.

Die Arnoldshainer Hospiztage 2007 haben vielen

in der Hospizarbeit engagierten Menschen diese

neuen Wege nahegebracht. Ein Fachtag im Juni

hat die verschiedenen mit Palliativaufgaben befassten

Einrichtungsformen zusammengeführt.

Schließlich hat Anfang Juli ein großer Hospizfachtag

der Caritas-Diakonie-Konferenz gezeigt, wie

42


V O R S T A N D

eng sich die christlich-ethische Wertschätzung

der Menschenwürde mit der Hospizidee verbunden

hat, und wie zuverlässig und sorgfältig sich

die meist ökumenisch ausgerichtete Praxis inzwischen

entfaltet hat.

Ein Erfolg ist dabei, dass in allen diakonischen

Einrichtungen die palliativpflegerische Personalentwicklung

genauso in den Blick kommt

wie die Überarbeitung von Qualitätsstandards

etwa auf der Basis des „Diakonie-Siegels Pflege“.

Neue, auch berufsgruppenübergreifende Konzepte

werden erarbeitet. Hospizbeauftragte in Pflegeheimen

werden gebraucht. Noch sind – wie die

vom Hessischen Sozialministerium und vom

DWHN finanziell unterstützte Studie der Universität

Gießen „Das Begleiten von Sterbenden in

hessischen Altenpflegeheimen“ gezeigt hat – nur

etwa 3 Prozent der Fachkräfte in Pflegeheimen

in hospizlicher Hinsicht fortgebildet. Darum hat

sich das Referat Altenhilfe und Hospizarbeit des

DWHN wegen des großen Bedarfs entschieden,

eigene anerkannte spezielle Qualifizierungen für

Palliative Care Pflegefachkräfte (160 Stunden) in

den verschiedenen Regionen Hessens anzubieten.

Damit wird eine verbesserte Grundlage geschaffen,

um sich in den 86 diakonischen ambulanten

Pflegediensten und 88 stationären

43

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Pflegeeinrichtungen des DWHN sowie in den

etwa 30 ambulanten Hospizgruppen unseres

hessen-nassauischen Kirchengebiets bei Leitungen

und Fachkräften auf die kommenden Herausforderungen

vorzubereiten. Es gehört zu den

politischen Forderungen, dass Palliativ-Fortbildungen

auch von öffentlicher Seite finanziell so

gefördert werden, dass bald ein qualitativer Ruck

durch Hessen gehen kann.

Das Zauberwort, das alle verbinden kann,

heißt Palliative Care. Mit Palliative Care bezeichnet

man die ganzheitliche Betreuung schwerstkranker,

sterbender Menschen. Der einzelne

Mensch mit seinen Bedürfnissen, Ängsten und

Fragen steht dabei im Mittelpunkt. Die Umsetzung

eines solchen interdisziplinären Behandlungskonzeptes

erfordert die Zusammenarbeit

eines interprofessionellen Teams aus haupt- und

ehrenamtlichen Kräften. Die Profis bringen ihre

Fachkenntnisse ein, die freiwillig Engagierten vor

allem Zeit, Zuwendung und Anwesenheit. Erst

durch das Miteinander der unterschiedlichen

Fachrichtungen von Pflege, Medizin, Seelsorge

und psychosozialer Begleitung wird die ganzheitliche

Begleitung und Behandlung schwerstkranker

Menschen möglich. ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Dass sich in diesem Rahmen auch viele

Pfarrerinnen und Pfarrer hospizlich und seelsorglich

engagieren, ist erfreulich und in vielen

Dekanaten eine nicht mehr wegzudenkende gemeinsame

diakonische Aufgabe. In manchen Dekanaten

entstanden neue Hospizpfarrstellen, leider

manchmal zu Lasten der Altenheim- und

Krankenhausseelsorge. Man könnte sich diese

Entwicklung auch weniger konkurrierend vorstellen.

Das, was ein Palliative Care-Team im Einzelfall

vor Ort – auch unter Einbindung der gemeindlichen

und regionalen Diakonie – erreichen

kann, bedarf der Rückbindung und Unterstützung

in der regionalen sozialen und gesundheitsbezogenen

Versorgungsstruktur. Darum ist es zu begrüßen,

dass in Hessen zunehmend Hospiznetze

entstehen – neuerdings auch über die Gesundheitsämter

und das Sozialministerium initiierte

Hospizforen und -netzwerke aus Haus- und Fachärzten,

Hospizgruppen, Pflegediensten und Pflegeheimen,

Palliativstationen in Krankenhäusern,

Seelsorgerinnen und Sozialarbeitern. Sie alle arbeiten

auf der Basis eines funktionierenden Netzes

von etwa 1500 ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen

und -mitarbeitern in Hessen.

In Rheinland-Pfalz gibt es schon seit längerem

eine recht gut ausgeprägte Basisstruktur in

Form der Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienste

(AHPB). Hier kann, wie es der Gesetzgeber

ausdrücklich in seiner Begründung zum

Gesetz geschrieben hat, auf bestehende flächendeckend

vernetzte, palliativmedizinische und

-pflegerische wie auch psychosozial tätige regional

gut kooperierende Strukturen zurückgegriffen

werden, wie etwa von Seiten der Ökumenischen

Hospizhilfe Worms oder des Mainzer

Hospizes.

Zugleich ist eine gewisse Unruhe insbesondere

in den Kreisen der Hospizgruppen unverkennbar.

Manche fragen sich: Welche Perspektiven

werden der ehrenamtlich geprägten Hospizarbeit

aufgrund der neuen Rahmenbedingungen

in Zukunft noch bleiben? Es gibt Hospizgruppen,

die ihr ehrenamtliches Engagement durch die zunehmende

Professionalisierung und die Institutionalisierung

in Gefahr sehen. Doch wäre es nicht

ungeschickt, sich gerade jetzt, da die Hospizbewegung

auf dem Weg in die Institutionen ein

wichtiges Etappenziel erreicht hat, aus der Umsetzung

der Palliative Care zurückziehen zu wollen?

Aus Sicht des DWHN müssen alle Beteiligten

vor Ort noch mehr aufeinander zugehen, neue

Strukturen schaffen und sich als vertrauende

Partner anbieten.

44


V O R S T A N D

Sich aus der vor allem für die schwerstkranken

Patienten besser gewordenen Versorgung wieder

ins „reine“ Ehrenamt zurückzuziehen, hilft nicht

weiter. Andererseits wollen wir von Seiten des

DWHN alle Kräfte unterstützen, die die Leistungsfähigkeit

und den unersetzlichen Beitrag

der Hospizgruppen in der gesamten Palliativversorgung

auch den Kostenträgern vortragen

und sich in die landesweiten Vernetzungsbemühungen

einklinken.

Dazu gehört in Hessen auch die Klärung der

Kooperationsmöglichkeiten im Rahmen der Integrierten

Versorgungsverträge gemäß §140a

SGB V. Unsere Pflege- und Hospizdienste sind

leistungsmäßig in der Lage, auch in erweiterte

Versorgungsstrukturen einzusteigen.

„Wenn man sieht, was die heutige Medizin

fertigbringt, dann fragt man sich, wie viele

Etagen hat der Tod!“ So hat sich einst Jean Paul

Sartre geäußert, um die durch die moderne Medizintechnik

erweiterten Möglichkeiten zu charakterisieren,

den Tod endlos technisch hinauszuzögern.

Auch wenn Sartre sein Bild anders gemeint

hat, findet sich darin doch manche Sorge

von Hospizgruppen im Hinblick auf die gegenwärtige

Entwicklung abgebildet. Im Haus des

Sterbens kann es sein, dass es ein Zuviel, vor allem

aber ein Nebeneinander und Übereinander

45

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

der Etagen geben kann, ohne dass sie untereinander

ausreichend kommunizieren würden.

Sterbende Menschen haben nicht mehr die Kraft,

alleine von einer Etage in die andere zu wechseln.

Sie bedürfen der Unterstützung und Hilfe durch

Menschen, die ihnen die Stationen an ihrem Lebensende

möglichst gut verknüpfen und vor allem

unerwünschtes Alleinesein abwenden. Vor

dem Sterben und im Sterben geht es vor allem

darum, da zu sein und zu bleiben, bis persönliche

Durchgänge und Übergänge möglich sind.

Gerade an der Schnittstelle des am Ende

angekommenen irdischen Lebens gehört es zu

unserem diakonischen Auftrag, mit eigener Existenz

ganz gegenwärtig tröstend zu sein. So geben

wir für das zukunftsoffene Konzept Gottes

ein Beispiel, getreu dem Jesuswort: „In meines

Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ Geschwisterlichkeit

und Barmherzigkeit, Nähe und Abschiednehmen

können so Kennzeichen der Etagen des

Vaterhauses werden. So wächst die notwendige

Grundlage für Kooperation und Koordination.

Sterbende zu begleiten wird zum zutiefst erfüllenden

Dienst am Nächsten, der unser Leben

genauso bedeutsam prägt wie das Leben derer,

denen wir im Heimgehen die Hand reichen. ■

Friedhelm Menzel ist Referent für Altenhilfe im DWHN.


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

I N G R I D P O N T Z E N

R A I N E R H O H E N S T E I N

LERNFELD

ZIVILDIENST

Sinnvoller Einsatz in Diakonie und Kirche

Noch vor zwei Jahren schien das baldige Ende des Zivildienstes

in Sicht, die Allgemeine Wehrpflicht sollte abgeschafft

werden. Der schwarzrote Koalitionsvertrag vom November

2005 stellte die Weichen anders: Aus der „lästigen

Alternative“ soll jetzt ein „Lerndienst“ für junge Männer

entstehen. CDU und SPD haben sich auf die Beibehaltung

der Wehrpflicht und damit auf das Fortbestehen des Zivildienstes

als Ersatz zum Wehrdienst geeinigt.

46


V O R S T A N D

� Seit 1960 beantragten 3,5 Millionen Männer in Deutschland ihre Anerkennung als Kriegs-

dienstverweigerer. 2,3 Millionen von ihnen haben Zivildienst geleistet, davon ca. 40 Prozent bei

Kirche und Diakonie. Zivildienstleistende tragen in sinnvollen Einsätzen mit entsprechender Anlei-

tung und Begleitung nach wie vor dazu bei, die Lebensqualität hilfebedürftiger Menschen zu ver-

bessern. 2007 gab es im Gebiet der EKHN 1200 Zivildienstplätze in kirchlichen und diakonischen

Einrichtungen, davon waren zum Stichtag 03.09.2007 495 Plätze in 448 Zivildienststellen besetzt.

47

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

L E R N D I E N S T – D E R Z I V I L D I E N S T

I M U M B R U C H .

Dr. Jens Kreuter, Bundesbeauftragter für den

Zivildienst, betreibt im Zusammenwirken mit den

Wohlfahrtsverbänden intensiv die Aufwertung

des Zivildienstes hin zum Lerndienst. Er hat ein

Konzept vorgelegt, das der besonderen biografischen

Umbruchphase der jungen Männer Rechnung

trägt und ihnen im Zusammenspiel von

Zivildienstleistenden (ZDL), Dienststellen und den

verschiedenen Begleitformen Chancen zur Weiterentwicklung

bietet. Gesetzgebung und Verwaltung

können und müssen dafür, so Kreuter,

die notwendigen Voraussetzungen schaffen.

Bereits Anfang 2006 wurden die ersten

Schritte in Richtung Qualifizierung der Zivildienstleistenden

in einem Modellprojekt „Zertifizierter

Helfer für Soziale Dienste“ vom Bundes-

amt für Zivildienst und dem TÜV Rheinland unternommen:

ZDL können nach Schulung, Abschlusslehrgang

und Prüfung ein TÜV-Zertifikat erhalten,

um hiermit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt

und im Studium zu erhöhen. Erleichtert wird die

Durchführung der Begleitkonzepte durch veränderte

Zahlen im Zivildienst. Es werden zwar nach

wie vor über 90 Prozent der anerkannten Kriegsdienstverweigerer

(KDV) einberufen, allgemein ist

aber durch veränderte Tauglichkeitskriterien und

Verringerung der Jahrgangsstärke die Gesamtzahl

der ZDL gesunken. Dadurch ergeben sich in den

staatlichen Zivildienstschulen und bei den Regionalbetreuern

frei werdende Kapazitäten für neue

Formen der Begleitung. Erschwert wird diese

„Aufwertung“ des Zivildienstes allerdings durch

die unzureichende Bereitschaft des Bundes, Einrichtungen

und Verbänden zusätzliche Finanzmittel

für Anleitung und Begleitung zur Verfügung

zu stellen. ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

L E R N E N I N D I A K O N I E U N D K I R C H E

Für Diakonie und Kirche ist das Verständnis

des Zivildienstes als sinnvoller Lernort und Friedensdienst

nicht neu. Seit 1950 fordert die Kirche,

die Entscheidung der Kriegsdienstverweigerer

ernst zu nehmen und ein faires Anerkennungsverfahren

zu gewährleisten. Die Synode der EKHN

formulierte im November 1969: „(…) was herkömmlich

Ersatzdienst heißt, ist erst als Friedensdienst

konstruktiv verstanden. Wer Friedensdienst

leisten will, hat Anspruch auf entsprechende

Ausbildung.“ Diese Forderung realisierte sich in

der Gründung verschiedener Sozialer Friedensdienste

als eine kirchliche Form des Zivildienstes,

die zum Teil bis heute bestehen.

Die Jahrestagung Zivildienst des Diakonischen

Werks der EKD (DW EKD) im Februar 2007

stellt fest: „Der kirchlich-diakonische Zugang

zum Zivildienst als Lerndienst geht zum Teil weit

über das bisher Beschriebene hinaus. Begleitung

ist immer in Form der direkten Ansprache und

persönlichen Betreuung zu konkretisieren.“

Leider steht die aktuelle EKD-Finanzplanung

in auffälligem Widerspruch zu dieser Konzeption:

Bis zum Jahre 2009 sollen die Aufwendungen für

die evangelische Zivildienstseelsorge um mehr

als 50 Prozent gekürzt werden. Die EKHN hat bereits

2005 die Pfarrstelle für Zivildienstseelsorge

gestrichen und wird 2008 die noch verbliebene

Stelle für KDV-Seelsorge um 50 Prozent kürzen.

Die EKHN scheint sich aus einem wichtigen Arbeitsfeld

zurückzuziehen, obwohl im Kirchengebiet

jährlich ca. 5.000 evangelische junge Männer

ihren Zivildienst leisten. Sie verzichtet damit

auf den Kontakt zu einer Zielgruppe – junge

Männer zwischen 18 und 22 Jahren –, die für

Kirche sonst schwer zu erreichen ist.

48


V O R S T A N D

Der Abbau der Zivildienstseelsorge insgesamt

geschieht paradoxerweise in einer Zeit, in

der staatlicherseits an der Allgemeinen Wehrpflicht

festgehalten wird und jährlich bis zu

90.000 Zivildienstleistende einberufen werden.

Das DW EKD ist der Wohlfahrtsverband, der

deutschlandweit die meisten Zivildienstleistenden

beschäftigt. Sollen die friedensethischen Aussagen

und die Stellungnahmen der Kirche zu

Zivildienst als Sozialem Friedensdienst ihre Glaubwürdigkeit

nicht verlieren, wäre dafür Sorge zu

tragen, Seelsorge, Begleitung und Fortbildung der

Zivildienstleistenden und ihrer Anleiter/-innen

weiterhin ausreichend finanziell zu unterstützen.

49

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

F A C H B E R A T U N G Z I V I L D I E N S T –

Q U A L I F I Z I E R U N G D E R

A N L E I T E R / - I N N E N

Im Referat Freiwillige Soziale Dienste und

Zivildienst im DWHN wurde seit 1991 das Angebot

der Beratung für Anleiter/-innen und Beauftragte

von Zivildienstleistenden kontinuierlich

weiter entwickelt und ausgeweitet. In Kooperation

mit dem Fachbereich Frieden und Konflikt

des Zentrums Ökumene und mit dem Zentrum für

Freiwilligendienste und Zivildienstseelsorge der

Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck finden

einmal im Monat fachliche Begleitveranstaltungen

(Info-Tage) an unterschiedlichen Orten

zur Qualifizierung der Anleiter/-innen statt.

Ständig aktualisierte Begleit-Materialien und

Beratungen vor Ort ergänzen das Angebot. Auf

Anfrage des Bundesamtes werden die Info-Tage

auch für nichtkirchliche Einrichtungen angeboten

und mittlerweile zu ca. 60 Prozent von Anleiter/-innen,

Beauftragten und Verwaltungsfachleuten

aus kommunalen Einrichtungen besucht.

Ziel der Beratung ist die Unterstützung der

Hauptamtlichen bei der Begleitung und Anleitung

der Zivildienstleistenden; sie dient aber

auch der Entwicklung von alternativen Lösungen

und neuen Perspektiven zum Einsatz von ZDL und

Freiwilligen und ihrer Bedeutung für Organisations-

und Qualitätsentwicklung der Sozialen

Dienste.

S O Z I A L E R F R I E D E N S D I E N S T –

L E R N E N I N D E R G R U P P E

Im „Modell“ Sozialer Friedensdienst, der Zivildienst-

und Freiwilligen-Einrichtung des Evangelischen

Dekanats Darmstadt-Stadt, das vom

Referat seit 1974 kontinuierlich begleitet wird,

werden Soziales Lernen und alternative Einsatzmöglichkeiten

in der Praxis erprobt und neue

Ideen entwickelt. Seit 2004 wurden die bisherigen

ZDL-Stellen durch sieben Plätze in Kindertagesstätten

ergänzt, in denen jetzt die bereits

dritte Generation der sogenannten „14c-ler“

(Freiwilliges Soziales Jahr statt Zivildienst gemäß

Artikel 14c Zivildienstgesetz) ihren Dienst

leistet. Sie bilden gemeinsam mit den Zivildienstleistenden

eine Gruppe, in der Lernen auf

unterschiedlichen Ebenen geschieht: In der Einsatzstelle

werden soziale Erfahrungen erworben:

durch die Begegnung mit Menschen außerhalb

des eigenen Lebensbezuges und durch die praktische

Mitarbeit im Kontext sozialer Arbeit sowie

deren Reflexion mit Kolleg(inn)en und Anleiter/innen.

Gruppentreffen und Seminare bieten die

Möglichkeit, Lebens- und Arbeitserfahrungen vor

dem Hintergrund sich verändernder gesellschaftlicher

Bedingungen zu reflektieren. Die Zahl der

Begleittage orientiert sich an den im FSJ-Gesetz

vorgeschriebenen 25 Bildungstagen im Jahr. Alle

positiven Erfahrungen im Lernfeld Zivildienst

können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der

Zivildienst nach wie vor ein staatlich verordneter

Pflichtdienst ist – in Zukunft vielleicht ein für

alle ZDL verordneter Lerndienst. Die steigenden

Zahlen im Freiwilligen Sozialen Jahr – mittlerweile

ca. 30.000 im Jahr – signalisieren zukunftsweisend

die Richtung: Engagement und Bildung

werden durch selbstbestimmte Lernprozesse vertieft

und nachhaltig gefördert – diese Prozesse

werden durch Freiwilligkeit begünstigt. ■

Ingrid Pontzen ist Referentin für FSJ/Zivildienst/Freiwillige

Dienste im DWHN.

Rainer Hohenstein ist Leiter des Sozialen Friedensdienstes

in Darmstadt.


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

H I L D E G U N D N I E B C H

IMMER STRESS

Auswirkungen der Bleiberechtsregelung für Geduldete

50


V O R S T A N D

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

F A M I L I E B . H A T E S G E S C H A F F T.

Nach 15 Jahren Aufenthalt in Deutschland, die ganze Zeit mit

einer Duldung, haben Herr und Frau B. und ihre vier Kinder im Alter

von 14 bis 20 Jahren eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Die

Rückkehr in das ehemalige Jugoslawien war für sie deshalb undenkbar,

weil sie in einer gemischt-ethnischen Familie leben.

Die letzten Jahre waren geprägt durch große aufenthaltsrechtliche

Unsicherheit und tiefe Verzweiflung. Unglaublich, dass dennoch

drei der vier Kinder das Gymnasium besuchen und Alma gerade

ihr Abitur bestanden hat. Sie und ihre Schwester Mevlida

sind Stipendiatinnen der Hertie-Stiftung, die begabte Zuwandererkinder

fördert.

„Das Programm will Zuwandererkarrieren in Deutschland den Weg bereiten –

als Ansporn zur Integration, als „Investition in Köpfe“ und als positives Signal

in unsere Gesellschaft hinein,“ so steht es in den Statuten der Stiftung. Dass sie

gebraucht werden, die klugen Köpfe der Eingewanderten, darauf weist die Wirtschaft

schon seit langem hin. Geduldete sind aber wohl nicht gemeint – ganz

gleich, wie begabt sie sind. Die Hürden für Familie B. jedenfalls waren hoch, obwohl

sich Lehrerinnen und Schüler, der Direktor des Gymnasiums, der Bürgermeister

und auch ein CDU-Landtagsabgeordneter neben den vielen Nachbarn

und Freundinnen für Familie B. eingesetzt haben. Herr B. mit einem Ingenieur-

Diplom der Universität Belgrad hat jahrelang händeringend nach Arbeit gesucht.

Seine Bemühungen scheiterten immer wieder an aufenthalts- und arbeitsrechtlichen

Restriktionen, denen Geduldete unterliegen.

Schließlich hat er eine Stelle in einer Autowerkstatt gefunden,

obwohl die Arbeitserlaubnis auch dafür abgelehnt wurde. Er wollte

endlich den Lebensunterhalt für sich und seine Familie selbst verdienen.

Sein Chef hat alle Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß

abgeführt. Doch die Ausländerbehörde hat die Finanzkontrolle

Schwarzarbeit eingeschaltet mit der Folge, dass die Firma

und auch Herr B. mit einem Bußgeld bestraft wurden. Herrn Bs.

Duldung wurde außerdem mit dem Vermerk versehen „Erwerbstätigkeit

nicht gestattet“. Auch Frau B., die einen Putzjob gefunden

hatte, wurde die Arbeitserlaubnis entzogen. Eine örtliche Initiative

legte daraufhin eine Petition ein. 2000 Bürger der Kleinstadt

setzten sich mit ihrer Unterschrift für das Bleiben der Familie

beim Hessischen Landtag ein. ➙


V O R S T A N D

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Die Petition wurde dennoch abgelehnt. In

einem Schreiben der zuständigen Ausländerbehörde

heißt es: „Von einer Integration in die wirtschaftlichen

und sozialen Verhältnisse kann …

nicht ausgegangen werden“. Der öffentliche Druck

bewirkte, dass der „Fall“ in die Härtefallkommission

des Hessischen Landtags gelangte. Unabhängigkeit

von Sozialhilfe ist eine der Voraussetzungen

für eine positive Entscheidung. Da den

Eltern die Arbeitsaufnahme behördlich verboten

war, hat ein Unterstützerkreis die sechsköpfige

Familie über Monate finanziell über Wasser gehalten.

Mit dem Beschluss der Innenministerkonferenz

vom November 2006, langjährig Geduldeten

ein Bleiberecht zu gewähren, konnte

die Familie nun endlich im Mai 2007 eine Aufenthaltserlaubnis

erhalten. Ein Bonmot hat sich

die Ausländerbehörde für den Schluss aufgehoben.

Just an dem Tag, an dem Alma ihre Deutsch-

Klausur für das Abitur schrieb, mussten alle Familienmitglieder

in der Ausländerbehörde nachweisen,

dass sie der deutschen Sprache mächtig

sind. Für Alma wurde der Termin nicht erlassen –

aber wenigstens verschoben.

Seit Jahren setzen sich Wohlfahrtsverbände

und Kirchen für eine Bleiberechtsregelung ein,

damit Menschen, die im Asylverfahren nicht anerkannt

wurden, aber seit Jahren bei uns leben

und schon längst zu Inländern geworden sind,

dem beschämenden Status der Duldung entkommen

und für sich und ihre Kinder eine Lebensperspektive

in Deutschland erhalten. Die im November

2006 durch die Innenminister und im

Sommer 2007 durch den Bundestag beschlossenen

Bleiberechtsregelungen haben wir als Schritt

in die richtige Richtung begrüßt und gleichzeitig

auf Mängel hingewiesen:

� Kranke, alte und behinderte Menschen sind

von einem Bleiberecht ausgeschlossen.

� Enge Ausschlusskriterien verhindern eine

Inanspruchnahme auch dann, wenn die zeitlichen

Fristen erfüllt werden.

� Die Stichtagsregelungen (Familien müssen

seit sechs Jahren und Einzelpersonen seit

acht Jahren in der BRD leben) produzieren

neue Ungerechtigkeiten.

Viele werden deshalb auch weiterhin in den

Kettenduldungen hängen bleiben mit allen Nachteilen,

die damit – gerade für junge Leute – verbunden

sind, wie beschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt,

Bewegungsfreiheit nur im Bereich

des Regierungspräsidiums, 30 Prozent niedrigere

Sozialleistungen als einheimische Sozialhilfeempfänger.

Wir wollen und werden uns als Diakonie

mit diesen Restriktionen nicht abfinden

und weiterhin politisches Handeln einfordern. ■

Hildegund Niebch ist Referentin für Migration im DWHN

52


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

DIAKONIE

IN DER EINWANDERUNGSGESELLSCHAFT

53

A N D R E A S L I P S C H

Der Nationale Integrationsplan wird vorgestellt,

und die Diakonie nimmt sich selbst in die Pflicht.

Beim 2. Integrationsgipfel am 12. Juli 2007 hat Bundeskanzlerin

Merkel den „Nationalen Integrationsplan“

(NIP) vorgestellt. Damit liegen nun die Ergebnisse der nach

dem ersten Gipfel eingesetzten sechs Arbeitsgruppen vor.

Beteiligt waren – neben Bund, Ländern und Kommunen –

Arbeitgeber und Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften,

Wohlfahrtsverbände und Stiftungen, Medien,

Kulturschaffende, Sportverbände und nicht zuletzt Migrantinnen

und Migranten. ➙


V O R S T A N D

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Ziele und Aufgaben einer zukunftsfähigen Integrationspolitik

wurden im Blick auf sehr unterschiedliche Themenfelder formuliert:

Integrationskurse, Sprachförderung, (Aus-) Bildung und Zugang

zum Arbeitsmarkt, Frauen und Mädchen, bürgerschaftliches

Engagement, Integration vor Ort, die Rolle der Medien, der Wissenschaft,

des Sports und der Kultur. Und alle Beteiligten haben

Selbstverpflichtungen ausgesprochen, über 400 insgesamt.

Mit Integrationsgipfel und NIP ist nach mehr als 50 Jahren das

Thema Integration endlich zur Chef(innen)sache geworden und

wird als Querschnittsaufgabe ernst genommen. Ob damit allerdings

schon gelungen ist, was beabsichtigt war, nämlich Gesamtkonzepte

einer zielgerichteten Integrationspolitik zu formulieren,

„die sich vom Kindergarten bis in die Erwachsenenarbeit erstrecken

und bei denen alle an einem Strang ziehen“, muss bezweifelt

werden. Vieles wiederholt sich auf den 200 Seiten des NIP und lässt

ahnen, wie intensiv der Streit im Hintergrund über Zuständigkeiten

und föderale Strukturprobleme gewesen ist.

Ärgerlich: Das Thema „Integration durch Recht“, das angesichts

der (ausländer)rechtlichen Schlechterstellung zahlreicher

Migrant(inn)en zentrale Bedeutung hat, wurde von keiner Arbeitsgruppe

behandelt. Schlimmer noch: Zeitgleich mit der Arbeit am

NIP hat man im Bundesinnenministerium das Zuwanderungsgesetz

weiter verschärft.

Trotz alledem weist der NIP in die richtige Richtung. Die programmatische

Ideensammlung, die im NIP zusammengestellt ist,

und auch die Selbstverpflichtungen der unterschiedlichen Akteure

(die man sich manchmal freilich etwas konkreter gewünscht hätte)

bilden eine gute Grundlage für die Weiterarbeit. Jetzt müssen sich

allerdings alle Akteure auch selbst beim Wort nehmen, zumal eine

Bilanzierung und Evaluation bereits nach einem Jahr vorgesehen

54


V O R S T A N D

55

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

ist. Schauen wir also auf einige der 58 Punkte der

Wohlfahrtsverbände, die sich damit auch die

Diakonie in ihre Agenda geschrieben hat. Sie

seien hier im Indikativ formuliert:

� In der Arbeit mit Kindern und in Kindertagesstätten

werden zukünftig die Bedarfe von

Kindern mit Migrationshintergrund besonders

berücksichtigt. In Konzeptionen werden

die Themen Sprachentwicklung und -förderung

unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit

groß geschrieben. Das Personal

wird entsprechend qualifiziert und Ausbildungsstätten

bemühen sich verstärkt um

Fachkräfte mit Migrationshintergrund.

� Im Rahmen der Jugendsozialarbeit werden

Jugendliche mit Migrationshintergrund u.a.

durch Patenschaftsprojekte beim Übergang

von Schule zu Ausbildung/Beruf unterstützt.

Sie werden in die Jugendverbandsarbeit einbezogen

und soziale Dienste, Einrichtungen

und Fachschulen bemühen sich um Jugendliche

mit Migrationshintergrund als Auszubildende.

Angebote zur Qualifizierung werden

vorgehalten, insbesondere beim berufsbezogenen

Spracherwerb.

Die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen

wird verstärkt. Die Träger

des Freiwilligen Sozialen Jahres erhöhen

den Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

in den Einsatzstellen und bemühen

sich um weitere Einsatzstellen in

Trägerschaft von Migrantenselbstorganisationen.

� Im Arbeitsfeld Frauen und Familien wird die

Aufklärung und Beratung von Migrantinnen

bei familien-, sozial- und aufenthaltsrechtlichen

Fragen verstärkt. Ausgebaut werden

die Unterstützungs- und Beratungsangebote

für von Gewalt betroffene Frauen, und

das Personal wird entsprechend qualifiziert.

Schutzeinrichtungen für von Gewalt betroffene

Frauen werden enger vernetzt mit Migrationsdiensten.

� In Diensten und Einrichtungen der Altenhilfe

wird das „Memorandum für eine kultursensible

Altenhilfe“ zur Arbeitsgrundlage

gemacht. In ambulanten und stationären

Diensten, Einrichtungen des Betreuten Wohnens

und der offenen Seniorenarbeit wird

die Zusammenarbeit mit Migrationsdiensten

und Migrantenselbstorganisationen verstärkt.

In der Aus-, Fort und Weiterbildung

wird besonderer Wert auf interkulturelle

Handlungskompetenzen gelegt, und es wird

dafür gesorgt, dass insbesondere junge

Migrant(inn)en für pflegerische Berufe gewonnen

werden.

� Gefördert wird die Mitwirkung von Menschen

mit Migrationshintergrund in ehrenamtlichen

Diensten und Führungsgremien.

Es wird sichergestellt, dass Menschen mit

Migrationshintergrund offenen Zugang zu

Diensten und Verbänden finden, und es

werden Angebote interkultureller Organisations-

und Personalentwicklung für ehrenamtliche

Strukturen vorgehalten. ➙


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� In der Gemeinwesenarbeit wird auf Chancengleichheit

und den Abbau ausgrenzender

Strukturen vor Ort geachtet. Das bürgerschaftliche

Engagement von und für Migrant(inn)en

wird unterstützt und notwendige

Aushandlungsprozesse (Mediation) vor

Ort und auf Augenhöhe organisiert. Die Gemeinwesenarbeit

arbeitet aktiv an kommunalen

Integrationskonzepten mit und beteiligt

sich an der Entwicklung kommunaler

Integrationsleitbilder.

� Die Öffentlichkeitsarbeit wird auf die Leistungen

und Potenziale von Migrant(inn)en in

angemessener Form hinweisen.

� In allen Arbeitsbereichen wird dafür gesorgt,

durch eine interkulturelle Öffnung der

Einrichtungen und Dienste Angebote konsequent

auf die Bedarfe von Migrant(inn)en

auszurichten. In Aus-, Fort- und Weiterbildung

werden Interkulturelle Kompetenzen

der Mitarbeiter/-innen gefördert. Das Ziel,

mehr Menschen mit Migrationshintergrund

als Mitarbeiter/-innen zu gewinnen, wird

bei Organisationsentwicklung und Personalpolitik

berücksichtigt.

Migration und Integration als Herausforderung

für alle Arbeitsfelder der Diakonie: Das ist,

was hier beschrieben wird. Dabei fangen wir in

der Diakonie nicht bei Null an. So manches wird

bereits umgesetzt oder ist zumindest auf einem

guten Weg. In den vergangenen Jahren haben

Austausch und Kooperationen zwischen Referaten

und Arbeitsbereichen angesichts neuer migrationsspezifischer

Herausforderungen merklich

zugenommen. Und auch die 20 Personen, die in

diesem und dem nächsten Jahr an der Weiterbildungsreihe

„Kompetenzen in der Einwanderungs-

gesellschaft“ teilnehmen, kommen aus ganz

unterschiedlichen Feldern der Sozialen Arbeit.

Anderes fällt uns schwerer, wie zum Beispiel eine

interkulturelle Öffnung hinsichtlich unserer Einstellungspolitik.

Vor allem aber haben auch wir in der Diakonie

noch kein Gesamtkonzept. Immerhin hat in

diesem Jahr das DW EKD zusammen mit den Landesverbänden

eine neue Rahmenkonzeption Migration,

Integration und Flucht erarbeitet, die

voraussichtlich im Herbst vorliegen wird. Darin

werden zum ersten Mal nicht nur die Migrationsfachdienste

in den Blick genommen, sondern entlang

der Lebenslagen von Menschen mit Migrationshintergrund

die Herausforderungen für alle

diakonischen Arbeitsfelder beschrieben. Über die

dort formulierten Vorschläge für eine migrationsund

kultursensible diakonische Arbeit werden wir

quer durch unsere Häuser diskutieren können

und müssen. Und vielleicht gelingt uns ja in der

Diakonie, was mit dem Nationalen Integrationsplan

noch nicht gelungen ist: ein überzeugendes

und praxistaugliches Gesamtkonzept für eine

diakonische Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft,

die sich vom Kindergarten bis in die Altenhilfe

erstreckt und bei dem alle an einem Strang

ziehen. ■

Andreas Lipsch ist Interkultureller Beauftragter von DWHN

und EKHN.

56


V O R S T A N D

Auslastung

als Thema der

vollstationären Pflege

57

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

R Ü D I G E R O T T I N G E R

� E R K E N N T N I S S E A U S S E C H S J A H R E N B E T R I E B S -

V E R G L E I C H I N D E R S T A T I O N Ä R E N P F L E G E

Seit dem Jahr 2001 beteiligt sich das Diakonische Werk in

Hessen und Nassau an dem Betriebsvergleich der Bank für Sozialwirtschaft.

Etwa 25 Pflegeheime im Kirchengebiet vergleichen

jährlich ihre betrieblichen Daten mit über 200 Heimen im Bundesgebiet.

Der Betriebsvergleich stellt die Ertrags- und Aufwandswerte

der Pflegeheime auf der Basis von Kennzahlen gegenüber, um vergleichende

Aussagen über die wirtschaftliche Situation und Entwicklung

zu geben. Ein Trendvergleich zwischen dem Branchentrend

und dem Unternehmenstrend ist allerdings erst mit der

mehrjährigen Durchführung von Betriebsvergleichen möglich.

Außerdem ist der Erkenntniswert durch die Gegenüberstellung

blanker Zahlen begrenzt, wenn man nicht Einblicke in die dahinterstehenden

Strukturen, Prozesse und Abläufe nehmen kann. Deshalb

führt die Wirtschaftliche Beratung des DWHN parallel zum

Betriebsvergleich regelmäßige Benchmark-Zirkel durch.

W E R M I T M A C H T, W I R D A U T O M A T I S C H B E S S E R !

Wer sich am Betriebsvergleich/Benchmark der Wirtschaftlichen

Beratung im DWHN beteiligt, sieht sich seine eigenen Prozesse

und Strukturen genauer an, schließlich muss er diese im Arbeitskreis

den anderen Teilnehmern erklären und erläutern. Dabei

hat es schon manches „Aha-Erlebnis“ gegeben.

Benchmark heißt: Lernen von den Besten. Tatsächlich ist der

Betriebsvergleich ein „Abgucken“, ein Übertragen gelungener Abläufe,

gelungener Prozesse und Strukturen auf die eigene Einrichtung.

Selbst die „Musterknaben“ profitieren, denn niemand kann

überall zugleich der Beste sein. Im Benchmark-Zirkel zählt absolute

Offenheit nach innen, absolute Vertraulichkeit nach außen.

Wer sich beteiligt, erhält detaillierte Daten und Fakten aus

dem Betriebsvergleich. Nach außen kann das Diakonische Werk in

Hessen und Nassau kumulierte und verdichtete Daten (über die

Verbandsauswertung) zur Verfügung stellen. Allerdings ist es auch

hier möglich, Trends aufzuzeigen. ➙


%

100,00

99,00

98,00

V O R S T A N D

S T A T I O N Ä R E A L T E N H I L F E – BU N D E S R E P U B L I K

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E Z A H L E N , D A T E N

Auslastung in %

97,00

Jahr

2001 2002 2003 2004 2005

D I E A U S L A S T U N G D E R P F L E G E H E I M E I S T A U F

B U N D E S E B E N E I N D E N V E R G A N G E N E N J A H R E N

U M 1 , 3 P R O Z E N T G E S U N K E N

Für ein durchschnittliches Haus mit 100 Plätzen bedeutet dies

einen Mindererlös von etwa 50.000 EUR je Jahr. Um so bedenklicher

ist die Entwicklung, wenn man weiß, dass die Pflegekassen

bei Entgeltverhandlungen eine Soll-Auslastung von 98 Prozent ansetzen.

„Ambulant vor stationär“ war eine Maxime der zweiten Stufe

der Pflegeversicherung, die 1996 umgesetzt wurde – und sie zeigte

Wirkung: Die Wartelisten verschwanden, gleichzeitig traten neue

Anbieter auf den Markt, und die Auslastung sank. Während die übrigen

Anbieter in Hessen mit sinkender Auslastung zu kämpfen

hatten, konnten die dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

angeschlossenen Pflegeheime im Durchschnitt die Auslastung von

97 Prozent halten.

DWHN 2003 2004 2005 in %

Auslastung in Prozent 97,22% 96,94% 97,09% -0,1%

Hessen 2003 2004 2005 in %

Auslastung in Prozent 98,01% 97,96% 96,88% -1,2%

Die Akzeptanz unserer Heime ist hoch.

Das spricht für deren Qualität.

Die stationären Pflegeeinrichtungen in Hessen insgesamt haben

sich im Dreijahresvergleich bei den Entgelten an das „Diakonische

Niveau“ heranverhandelt, mithin stiegen deren Erträge.

Allerdings verminderte sich der Kostendeckungsgrad, d.h. die Kosten

sind noch stärker gestiegen.

DWHN 2003 2004 2005 in %

Erträge / Platz / Jahr 35.557 33.339 33.311 -6,32%

Kosten / Platz / Jahr 35.214 33.296 33.366 -5,25%

Kostendeckungsgrad 100,97% 100,63% 100,28% -0,69%

58


V O R S T A N D

Konfessionelle Heime gehören in der Regel zu den „hochpreisigen“

in Stadt oder Landkreis. Dies erklärt sich zum einen aus der

Vergangenheit, in der die Vergütung der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter dem Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) folgte, zum

anderen aber auch aus einer soliden und für die Bewohner sicher

großzügigen Bausubstanz, die allerdings betriebswirtschaftlich

bedenkliche Folgekosten nach sich zieht.

Mit der Einführung der kirchlich-diakonischen Vertragsordnung

(KDAVO) ist hier ein Umbruch geschaffen worden. Die Mitarbeitenden

haben auf Teile Ihres Gehalts (Urlaubsgeld und teilweise

Weihnachtsgeld) verzichtet und damit ihren Arbeitsplatz

sicherer gemacht. Zugleich haben die Pflegeeinrichtungen Programme

zur Einsparung im Sachkostenbereich gestartet. Die Kosten

sind also gesunken und folgen damit den Erträgen, die unter

anderem aufgrund der Verschiebung in der Bewohnerstruktur (hin

zu etwas niedrigeren Pflegestufen) sinken. Den diakonischen Einrichtungen

ist es dadurch gelungen, im Durchschnitt ein positives

Ergebnis zu erreichen.

Mit Spannung wird nun der nächste Betriebsvergleich mit den

Basisdaten aus dem Jahr 2006 erwartet, der zeigen soll, ob die

endgültige Trendwende erreicht wurde. ■

Rüdiger Ottinger ist Referent für Wirtschaftliche Beratung im DWHN.

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Hessen 2003 2004 2005 in %

Erträge / Platz / Jahr 32.352 33.166 34.735 7,37%

Kosten / Platz / Jahr 35.235 32.772 35.0686 8,79%

Kostendeckungsgrad 100,36% 101,59% 99,34% -1,02%

Trotz rückläufiger Erträge konnte der Kostendeckungsgrad der

Diakonischen Pflegeeinrichtungen gehalten werden.

Der Kostendeckungsgrad bezeichnet den Grad der Über- bzw. Unterdeckung

der Kosten durch die Erträge. Ein Wert unter 100 Prozent

bedeutet ein negatives Betriebsergebnis.


V O R S T A N D

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RESOZIALISIERUNGSFONDS

FÜR STRAFFÄLLIGE

W I L L I M E H L

Nicht besonders rosig sind die Aussichten, wenn man

eine Haftstrafe verbüßt hat und schon vor der Entlassung

nicht weiß, wie man draußen seinen Lebensunterhalt bestreiten

soll und außerdem ein nicht mehr zu bewältigender

Schuldenberg den Blick auf eine lebenswerte Zukunft

versperrt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schulden aus den Forderungen

des Vermieters, für die Räumung der Wohnung nach

der Inhaftierung, aus den noch nicht abbezahlten Ratenkrediten

für das längst versteigerte Auto oder gar aus Forderungen,

die mit der begangenen Tat in Verbindung stehen,

resultieren: Die Gläubiger wollen ihr Geld, die Schufa-Auskunft

erschwert die Anmietung einer neuen Wohnung, drohende

Pfändungen die Arbeitsaufnahme.

60


V O R S T A N D

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E S H A T T E G A N Z H O F F N U N G S V O L L

A N G E F A N G E N .

Kevin S. war aus den neuen Bundesländern

in den Westen gekommen, fand eine Stelle als

Hilfsarbeiter auf dem Bau und in Erwartung einer

hoffnungsvollen Zukunft hatte er nach dem Bezug

einer kleinen Wohnung Möbel, Fernseher,

Stereoanlage und Videorekorder per Ratenkauf

beim Versandhaus angeschafft und sich bei einer

Fahrschule angemeldet. Aber noch vor der Prüfung

fuhr er mit dem Firmenwagen zur Baustelle,

wurde erwischt, erhielt eine Anzeige wegen Fahrens

ohne Führerschein und die Kündigung. Mit

Aushilfsjobs gelang es ihm,

seinen Lebensunterhalt zu

bestreiten, nicht aber die Ratenkredite

zu bedienen. Hinzu

kam diese unnötige Schlägerei

auf der Kirmes, bei der

ein völlig Unbeteiligter verletzt

und beleidigt wurde.

Dies führte zu einer Bewährungsstrafe

und zur Auflage,

ein Schmerzensgeld an den

Geschädigten zu zahlen.

In dieser Situation hatte Kevin

wirklich keine guten Aussichten,

je wieder auf einen

grünen Zweig zu kommen und kein Gläubiger

eine reale Chance, sein Geld wieder zu erhalten.

Im Fall von Kevin setzte sich der Bewährungshelfer

mit den Gläubigern in Verbindung und erwirkte

eine vorübergehende Stundung. Gemeinsam mit

Kevin erstellte er einen Haushaltsplan, um die

monatlichen Ein- und Ausgaben aufzulisten und

die verbleibenden Mittel für die Schuldenregulierung

zu ermitteln. Über den Bewährungshelfer

wurde auch ein Antrag auf eine Sanierungshilfe

beim „Resozialisierungsfonds für Straffällige“

gestellt. Damit konnten Vergleiche mit den Gläubigern

geschlossen werden und der Geschädigte

aus der Kirmesschlägerei erhielt – zu seiner großen

Überraschung – das ihm zugesprochene

Schmerzensgeld in voller Höhe.

Kevin wird an dem Stiftungsdarlehen noch

ein Weile abbezahlen müssen. Aber er weiß, wann

das Darlehen zurückgezahlt ist. Das ist eine Perspektive,

für die es lohnt zu arbeiten.

Der „Resozialisierungsfonds

für Straffällige“, eine

gemeinnützige Stiftung bürgerlichen

Rechts, wurde 1979

vom damaligen Justizminister

Günther gegründet.

Sie bietet straffällig gewordenen

Menschen Entschuldungshilfen

mit dem Ziel, ihre wirtschaftliche

und soziale Wiedereingliederung zu unterstützen.

Angestrebt wird die vollständige Ablösung

aller bestehenden Forderungen, sofern mit allen

Gläubigern Vergleiche in der notwendigen Höhe

erreicht werden konnten. Verhandlungsgrundsatz

ist, einen Interessenausgleich zwischen dem

Schuldner und dem Gläubiger herbeizuführen.

Schmerzensgeldforderungen und Schadensersatz

von Opfern aus Gewalttaten sollen nach Möglichkeit

in vollem Umfang im Sanierungsverfahren

berücksichtigt werden.

Anträge auf Finanzhilfen können über die

Bewährungshilfe, Schuldnerberatungsstellen oder

die Freie Straffälligenhilfe gestellt werden. Das

Diakonische Werk in Hessen und Nassau ist seit

der Gründung der Stiftung durch seinen Referenten

für Straffälligenhilfe im Vorstand der Stiftung

vertreten. Die Anzahl der Fälle ist seit den

80er Jahren kontinuierlich gestiegen. Gegenüber

den ersten Jahren der Arbeit der Stiftung wurde

im vergangenen Jahr mit einer Summe von über

einer Million Euro mehr als das Zehnfache der

Schuldverpflichtungen erledigt. ■

Willi Mehl ist Referent für Gefährdetenhilfe im DWHN.

Dazu gehört auch die Straffälligenhilfe.


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

DIAKONIE IN RHEINLAND-PFALZ

ZEICHNET VORBILDHAFTE PROJEKTE

DER WOHNUNGSLOSENHILFE AUS

C H R I S T I A N E G I E R S E N A L B R E C H T B Ä H R

Im Dezember 2006 verliehen die Diakonischen

Werke in Rheinland Pfalz den mit

10.000 Euro ausgeschriebenen Diakonie-

Preis zur Förderung der Hilfe für Wohnungslose.

Der Festakt zur Verleihung des unter

der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten

stehenden Preises fand in der Staatskanzlei

statt.

„Wir wollen mit dem Preis auf ein wichtiges

Angebot der Diakonie aufmerksam machen, das

in der Gesellschaft eine nur kleine Lobby hat und

gerne, weil unbequem, an den Rand gedrängt

wird“, so Pfarrer Dr. Wolfgang Gern zur Begründung

des Preises. „Unsere Aufgabe ist es, Situationen

der Ausweglosigkeit in Situationen des

Segens zu verwandeln, an dem Am-Ende-Sein

von Menschen Neues zu schaffen und Hoffnung

zu wecken. Denn der Mensch findet Annahme,

Würde und Wert seiner Person allein aus Gnade,

nicht durch seine Leistung. Die Auszeichnungen

setzen ein deutliches Zeichen gegen Stigmatisierungen

von Menschen, die am Rande der Gesellschaft

stehen und wollen gleichzeitig begeistern

für soziales Engagement für wohnungslose und

arme Menschen.“

Kirchenpräsident Eberhard Cherdron lobte

das hohe Engagement der eingereichten Projekte:

„Im Miteinander von ehrenamtlichem und hauptamtlichem

Einsatz werde deutlich, was Menschen,

die den langen Atem der Leidenschaft für die

Sache besitzen, in unserer Gesellschaft bewirken

können“, so der Vorsitzende der Jury.

Die ersten drei Preise, dotiert mit je 3.000 Euro,

gingen an folgende Projekte:

� den Verein „Armut und Gesundheit in

Deutschland“ mit Sitz in Mainz

� an den Caritas-Verband in Koblenz für das

„Netzwerk zur Integration für Menschen

ohne Wohnung“

� und an das „Café Bunt“, eine Einrichtung

der Wohnungslosenhilfe kreuznacher

diakonie für Frauen in Not

Der Verein „Armut und Gesundheit“ überzeugte

durch seine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit

und sein nicht nur auf Rheinland-Pfalz

beschränktes Engagement, mit dem er auf die

gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen

hinweist. Sein Projekt für die gesundheitliche

Versorgung der Betroffenen setzt Akzente

in der Bundesrepublik, die weit über seine mahnende

Funktion hinausgehen.

Das „Netzwerk zur Integration für Menschen

ohne Wohnung“ des Caritasverbandes in Koblenz

leistet durch individuelle Beratung, das Angebot

eines Tagesaufenthaltes sowie die gesundheitliche

Versorgung wohnungsloser Menschen durch

eine Pflegeambulanz Bemerkenswertes.

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Einzigartig und zur Nachahmung empfohlen ist,

dass dieses Projekt seine Öffnungszeiten im Tagesaufenthalt

nicht zuletzt durch Schülerinnen und

Schüler des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums

in Koblenz ermöglichen kann.

Der dritte Hauptpreis ging an das „Café Bunt“

der Kreuznacher Diakonie. Dieses Angebot, speziell

für Frauen, wurde gegründet von hauptamtlichen

Mitarbeitenden und Betroffenen. Es bietet

Beratung, die Unterbringung in Notunterkünften

und unterstützt Frauen in existenziellen oder

psychischen Ausnahmesituationen. Der überwiegende

Teil der Arbeit wird durch Spenden sichergestellt.

Prägend ist das partnerschaftliche Miteinander

von (wenigen) Hauptamtlichen, verlässlichen

Ehrenamtlichen und ehemaligen Besucherinnen,

die durch eigene Erfahrungen Frauen Mut

machen, ihre Lebenssituation zu verändern.

Die Sonderpreise, jeweils mit 500 Euro dotiert,

wurden vergeben

� an den Förderkreis „Wendepunkt“ in Mainz

und

� an den „Lichtblick“ in Neustadt an der

Weinstraße für das Projekt „Soli Pakt“.

Honoriert wurden die beiden Projekte für

ihre tatkräftige Unterstützung der Einrichtung

Wendepunkt in Mainz beziehungsweise für das

Bemühen, wohnungslose Menschen in Neustadt

a.d.W. wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Bei der Preisverleihung (v.l.):

Eberhard Cherdron, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der

Pfalz, Marlies Zimmermann, Café Bunt (Preisträgerin), Karl Peter

Bruch, Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister von

Rheinland-Pfalz, Dr. Wolfgang Kues, Caritasdirektor in Koblenz

(Preisträger), Gisela Bill, Geschäftsführerin des Vereines Armut und

Gesundheit in Deutschland (Preisträgerin), Pfarrer Dr. Wolfgang

Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und

Nassau, Pfarrer Dr. Uwe Becker, Sprecher des Vorstands des Diakonischen

Werks der Evangelischen Kirche im Rheinland, Gordon

Emrich, Landespfarrer für Diakonie und Leiter des Diakonischen

Werks Pfalz

Karl Peter Bruch, stellvertretender Ministerpräsident,

Innenminister in Rheinland-Pfalz und

Mitglied der Jury, lobte das Engagement von

Ehren- und Hauptamtlichen in der Wohnungslosenhilfe.

Die preisgekrönten Projekte trügen in

beispielhafter Weise dazu bei, die Wiedereingliederung

wohnungsloser Frauen und Männer

zu fördern. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit

weckten die Preisträger Verständnis für die Betroffenen

und bauten Berührungsängste in der

Gesellschaft ab, so Bruch, der auch Synodaler der

Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist.

Beeindruckt durch die hohen Spenden- und Eigenmittelanteile

in den Projekten räumte Minister

Bruch ein, dass die Wohnungslosenhilfe auch

von öffentlicher Seite besser gefördert werden

müsste.

Dafür setzt sich Diakonie in Rheinland-Pfalz

ein, wenn sie eine überörtliche Kostenträgerschaft

bei gleichzeitig regionaler Verantwortung

in der Umsetzung der Wohnungslosenhilfe fordert.

Regionale Angebote, die unter anderem ein

Verbandsklagerecht besitzen, um Menschen, die

nicht in der Lage sind zu klagen oder den Instanzenweg

durchzustehen, zu unterstützen, sind in

Rheinland-Pfalz leider nicht ausreichend vorhanden.


Albrecht Bähr ist Beauftragter der Diakonischen Werke in

Rheinland-Pfalz.

Christiane Giersen ist Referentin für Kinder, Jugend und

Familie der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz.


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K A T H L E E N N I E P M A N N

BEKANNTHEIT STEIGERN

UND VERTRAUEN

SCHAFFEN

Öffentlichkeitsarbeit will Aufmerksamkeit für Diakonie und ihre Anliegen wecken –

neue Kampagne „Mitten im Leben. Diakonie“ – gemeinsames Corporate Design

Die Bekanntheit der Diakonie steigern. Und Vertrauen in die unverwechselbare

Marke Diakonie als sozialer Dienst der evangelischen Kirche schaffen.

Dies sind einige der Aufgaben, denen sich die Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie

mit modernen Mitteln der Markenkommunikation widmet.

Denn je mehr Menschen die Diakonie kennen und je mehr die Öffentlichkeit

auf die Anliegen der Diakonie aufmerksam gemacht wird, desto eher wird

die Diakonie ihr Ziel erreichen: Als Teil der evangelischen Kirche Gottes Güte

und Wertschätzung bezeugen und durch die Zuwendung zum hilfebedürftigen

Menschen dazu beitragen, dass Leben gelingt.

Durch zwei aktuelle Projekte soll die Diakonie bekannter werden: Die neue

Kampagne der Diakonie mit dem Titel „Mitten im Leben. Diakonie“. Und das

neu entwickelte Corporate Design (CD), das gemeinsame Erscheinungsbild, mit

dem die Diakonie in der Öffentlichkeit auftritt und dessen Grundlage die bereits

eingeführte Wortbildmarke ist – der Name Diakonie mit dem Kronenkreuz.

64


V O R S T A N D

65

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

D I E N E U E K A M P A G N E –

H I L F E L E I S T U N G , Z U W E N D U N G U N D

P A R T I Z I P A T I O N I M M I T T E L P U N K T

„Mitten im Leben. Diakonie.“ Dies ist der

Titel der neuen Kampagne, mit der die Diakonie

bundes- und landesweit auf ihre Hilfsangebote

und Leistungen hinweist. Dabei werden konkrete

Arbeitsfelder vorgestellt: die Altenhilfe zum Beispiel,

die Arbeit in der Krankenpflege oder das

Engagement für Menschen, die fremd in unserem

Land sind. „Alt. Und mitten im Leben“, „Krank.

Und mitten im Leben“ oder „Fremd. Und mitten

Leben“ – so lauten drei der sieben Slogans auf

den Plakaten der neuen Kampagne.

In deren Zentrum steht die Kernleistung

diakonischen Handelns: Das Miteinander, die Beziehungsebene,

die Hilfe zur Selbsthilfe, die dazu

beitragen, dass Menschen in Krisen oder Problemen

nicht mehr ausgegrenzt werden, sondern

am Leben teilhaben können.

Die Kampagnenmotive zeigen zwei Menschen:

Im Vordergrund eine Person, die für Menschen

steht, denen es aufgrund der erlebten Hilfe

der Diakonie nach oder trotz einer schwierigen

Lebensphase besser geht und die wieder „mitten

im Leben“ sind. Im Hintergrund, etwas verschwom-

men, ist ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin

der Diakonie erkennbar.

K A M P A G N E N - M O T I V E – A U C H F Ü R

G E S T A L T U N G E I G E N E R M A T E R I A L I E N

Wie bei den vorausgegangenen Kampagnen,

die von Landes- und Fachverbänden und vom

Bundesverband der Diakonie gemeinsam entwickelt

worden sind, gibt es auch jetzt unter anderem

bundesweite Großflächenplakate, Anzeigenvorlagen

für Zeitungen oder Zeitschriften und

Vorlagen für Videobänder. Zugleich stehen die

Motive auch den Gliederungen der Diakonie als

Motivvorlagen für eigene Materialien zur Verfügung.

Das Faltblatt für die Sammlungen der Diakonie

in Hessen und Nassau

ist bereits mit dem Motiv „Alt.

Und mitten im Leben. Diakonie“

gestaltet worden. Dieses

war auch Titelmotiv für die

Materialien des gleichlautenden

Diakoniesonntags in Hessen

und Nassau am 16. September

2007, der sich mit dem

Thema Alter befasste.

D A S G E M E I N S A M E C D –

W I E D E R E R K E N N B A R K E I T

I S T D A S Z I E L

Mit 367 Einrichtungen und etwa 18.000

Mitarbeitenden allein in Hessen und Nassau und

über 27.000 Einrichtungen und etwa 450.000

Mitarbeitenden bundesweit ist die Diakonie eine

feste Größe der sozialen Arbeit. Wer die Diakonie

kennt und Kontakt mit ihr hatte oder hat, schätzt

sie als zuverlässig und vertraut ihr. Das Image der

Diakonie in der Öffentlichkeit ist gut bis sehr gut.

Allerdings haben Vergleiche auch gezeigt, dass

die Diakonie in der Öffentlichkeit insgesamt zu

wenig bekannt ist. Sie könnte bekannter sein,

wenn sie sich unverwechselbar in der Öffentlichkeit

zeigen würde. ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Viele der diakonischen Einrichtungen und

Dienste sind auf den ersten Blick nicht als Diakonie

erkennbar. Sie verwenden unterschiedliche

Logos und Wortbildmarken, und häufig wird auch

aus ihren Namen nicht deutlich, dass sie der Diakonie

angehören.

Daher wurde ein CD entwickelt, das die

Wiedererkennbarkeit und die Wahrnehmung der

Diakonie in der Öffentlichkeit erhöhen soll. Denn

nur mit einem eindeutigen und unverwechselbaren

Erscheinungsbild wird die Diakonie in der

Öffentlichkeit wahrnehmbar als Institution, die

Menschen hilft und denen eine Stimme gibt, die

für sich selbst nicht sprechen können. Und nur

mit einem eindeutigen und unverwechselbaren

Erscheinungsbild wird die Diakonie auch in Gesellschaft

und Politik und bei Unterstützern und

Sponsoren bekannter werden und an Einfluss gewinnen.

V I E L F A L T B L E I B T G E W A H R T –

A B E R J E D E R S O L L E R K E N N E N :

D A S I S T D I A K O N I E

Wichtig bei der Entwicklung des CD der Diakonie

war: Selbst wenn diakonische Träger ihre

eigenen, zum Teil seit vielen Jahren bestehenden

Logos weiter verwenden, soll gewährleistet sein,

dass die Zugehörigkeit zur Diakonie erkennbar

wird. Mit anderen Worten: Das CD ist wie ein Dach

und Gestaltungsrahmen, unter dem die Vielfalt

diakonischer Verbände, Einrichtungen und Träger

versammelt ist. Deren Eigenständigkeit und Persönlichkeit

bleibt gewahrt. Aber jeder soll erkennen:

Das ist die Diakonie. Beispiele für das neue

CD sind auf der vorigen Seite zu sehen.

Kern des CD ist die Wortbildmarke der Diakonie

in blauer Farbe. Hinzu kommt die Farbe

Violett als zweiter Farbton – denn zwei miteinander

kombinierte Farben erhöhen den Wiedererkennungswert

eines Logos um ein Vielfaches.

Bewusst ist als zweite Farbe Violett als warmer

Kontrast zum eher kühlen Blau des Kronenkreuzes

gewählt worden. Violett ist die Farbe der

evangelischen Kirche und steht für die Zugehörigkeit

der Diakonie zur evangelischen Kirche.

Das dritte Element des CD bilden schließlich vier

Kreuzflächen, die an die vier Flächen des Kronenkreuzes

erinnern, für den christlichen Hintergrund

stehen und zugleich einen strukturierenden Gestaltungsrahmen

geben, wenn zum Beispiel Briefbögen,

Visitenkarten oder Plakate erstellt werden.

Das DWHN mit seinen regionalen Diakonischen

Werken wird das neu entwickelte CD nach

und nach einführen. Geplant ist, dass zum Jahr

2008 möglichst viele Drucksachen bereits entsprechend

gestaltet sind. Damit verbunden ist

die Hoffnung, dass sich auch möglichst viele Träger

und Einrichtungen der Diakonie entscheiden,

das CD zu verwenden. Ihnen wird das CD mit entsprechender

Beratung ebenfalls zur Verfügung

gestellt.

Wie überzeugend das erweiterte CD auch

bundesweit wirkt, zeigt die Tatsache, dass viele

Landesverbände das CD bereits eingeführt haben

oder es demnächst einführen – darunter auch das

Diakonische Werk in Bayern, das bislang eine

ganz eigene Wortbildmarke in den Farben grünorange

hatte. Und auch diakonische Einrichtungen

und Träger – angefangen von Sozial- oder

Diakoniestationen bis zu regionalen Diakonischen

Werken – haben sich bereits für das CD

entschieden.

Weitere Informationen und Beratung zur

neuen Kampagne der Diakonie und zum gemeinsamen

CD der Diakonie gibt es im Bereich Öffentlichkeitsarbeit

der Landesgeschäftsstelle unter

der Telefonnummer 069 / 7947275. ■

Kathleen Niepmann ist Pressesprecherin des DWHN und

Leiterin Bereich Öffentlichkeit.

66


V O R S T A N D

Von

der

Fachzeitschrift

zum

Kundenmagazin

Als „Weltweite Hilfe“ war

sie vor über 50 Jahren gestartet,

als „in der Tat“ trat

sie ins Licht des neuen Jahrtausends:

die Zeitschrift des

Diakonischen Werks in Hessen und Nassau.

Sie stellte eine exquisite Mischung dar aus

Fachzeitschrift und Publikumsblatt, aus Verbandspostille

und Bildungsmedium. Die Auflage

betrug zuletzt 6000 Exemplare, davon

gingen 4500 an Einzelabonnenten. Unter

den Publikationen der Diakonischen Werke

in Deutschland war diese ein Unikum. Kein

anderer Verband leistete (sich) über die Jahrhundertwende

hinweg noch ein solches Produkt,

das im Inhalt, der Gestaltung und dem

Vertriebsweg so aufwendig und entsprechend

kostenträchtig war, zugleich imagebildend

und stilprägend.

Vor allem eine Frage wurde im Laufe der

letzten Jahre drängender, aber immer schwerer

zu beantworten: Wer ist eigentlich die Zielgruppe

für unsere Zeitschrift „in der Tat“? Sollte sie die

Mitarbeitenden in Diakonie und Kirche ansprechen?

Interessierte Gemeindeglieder informieren?

In Fachdiskussionen Position beziehen? Dem Kunden

und der Klientin der Diakonie nahebringen,

was es mit diakonischer Arbeit auf sich habe?

Von allem sollte es etwas sein. Ein publizistisches

Konzept, das heute hinterfragt werden muss,

weil Kosten stringenter eingeplant, Zielgruppen

sorgfältiger bedacht und Distributionswege genauer

kalkuliert werden müssen.

67

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

W I L H E L M W E G N E R

in der Tat

Nach internen Diskussionen entschied die

Leitung des Diakonischen Werks: „in der Tat“ wird

nun als regionaler Beihefter des bundesweit erscheinenden

„Diakonie magazins“ fortgeführt.

Diese am Klienten orientierte Zeitschrift erscheint

quartalsweise in hoher Auflage. Sie ist

gedacht für Menschen, die mit den Angeboten

und Hilfeleistungen der Diakonie in Berührung

kommen, die Beratung und Betreuung in Anspruch

nehmen und bei denen die „Marke Diakonie“

im Bewusstsein haften soll. Regelmäßig wird

nun im Regionalteil unseres Gebietes berichtet,

wie diakonische Arbeit aussieht und wie Diakonie

auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert.

Das Heft soll vier Mal im Jahr überall dort

zu haben sein, wo in Kirche und Diakonie Menschen

aufeinandertreffen, um zu helfen, um zu

raten, um zu betreuen. Auch im Internet ist über

den Auftritt des DWHN der Regionalteil einzusehen.

In den Kooperationsgesprächen mit dem

Diakonischen Werk von Kurhessen-Waldeck ist

ein gemeinsam zu gestaltender Regionalteil für

beider Kirchen Gebiet geplant.

Daneben wird es nach wie vor die Reihe „in

der Tat – Dokumentation“ geben. Hier wird die

fachspezifische Diskussion geführt, werden Beiträge

thematisch zusammengestellt und gebündeltes

Fachwissen dokumentiert. ■

Wilhelm Wegner ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und

Gemeindediakonie im DWHN.

Das „Diakonie magazin“ mit seinem

Regionalteil Hessen und Nassau

kann – auch in größerer Stückzahl –

beim DWHN zum regelmäßigen

Bezug kostenlos bestellt werden.


V O R S T A N D

B E R N D K R E H

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

FUNDRAISING

IST

KEINE

ZAUBEREI

Zwanzig Prozent ihrer Mittel will die Evangelische

Kirche in Deutschland ab dem Jahr 2030 aus Fundraising-

Erträgen einnehmen. Im Bereich der Diakonie liegen die Erträge

aus Kollekten, Diakonie-Sammlungen, Spenden, Stiftungsmitteln

und Vermächtnissen zur Zeit bei etwa vier Prozent

der Etats. Im Rahmen des Fundraising-Forums 2007 in

Frankfurt am Main hat der Finanzvorstand des Diakonischen

Werks in Hessen und Nassau, Wilfried Knapp, angekündigt,

bis zum Jahr 2020 einen Fundraising-Ertrag von

zehn Prozent des DWHN-Haushaltes anzustreben.

Seit den Neunziger Jahren kann in Deutschland eine steigende

Professionalisierung auf dem Spendenmarkt beobachtet werden.

Auch das DWHN hat seine Spendenaktivitäten systematisiert und

diesen Bereich ausgebaut. Die Förderung der Zufriedenheit von

Spendenden, eine transparente Darstellung von interessanten

Spendenprojekten und eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes

sind dabei wichtige Aufgaben.

Da es beim Fundraising weniger um die kurzfristige Finanzierung

von gemeinnützigen Projekten, sondern vor allem um nachhaltige

Unterstützungsstrukturen geht, liegt der wesentliche Erfolgsfaktor

im Zusammenspiel der Beteiligten am Fundraisinggeschehen.

Neben wohlwollenden Spendenden und einem motivierten Fundraising-Team

sind dies das Image des Verbandes – beziehungsweise

der Marke Diakonie – in der Öffentlichkeit, eine gute Kooperation

mit den Fachbereichen und speziell der Öffentlichkeitsarbeit

sowie die Unterstützung und aktive Mitwirkung des Vorstandes. Im

DWHN ist es gelungen, wesentliche Weichen für eine derartige in-

68


V O R S T A N D

tegrierte Kommunikation zu stellen und die Fundraising-Erträge

um ein Drittel zu steigern.

Seit vielen Jahren ist auf dem Spendenmarkt

ein deutlicher Trend zur Förderung lokaler

Projekte erkennbar. Daher liegt ein Schwerpunkt

der Fundraising-Aktivitäten im DWHN auf der

Qualifizierung von Mitarbeitenden in diakonischen

Projekten. Hierbei konnten erhebliche Erfolge

erzielt werden. In fünf Jahren wurden über

1.000 Personen aus der Diakonie und kirchlichen

Einrichtungen in eintägigen Fundraisingseminaren

aus- und fortgebildet. Aus Rückmeldungen

wird deutlich, dass diese Qualifizierungsmaßnahmen

reichliche Früchte tragen. Die Diakonie

behauptet sich gut auf dem Spendenmarkt und

kann mit einem strukturierten Fundraisingkonzept

die gesetzten Ziele durchaus erreichen.

Sehr wesentlich wird in Zukunft sein, ob es

gelingt, die interne Konkurrenz einzuschränken

und auf einen fairen Wettbewerb zu reduzieren.

Dies kann nur dann gelingen, wenn die dezentralen

Strukturen in der Diakonie auch beim Fundraising

von allen Beteiligten respektiert und als

Chance genutzt werden. Für die Landesgeschäftsstelle

des DWHN bedeutet dies, die regionalen

Diakonischen Werke und die Mitgliedseinrichtungen

in ihren Fundraising-Aktivitäten weiterhin

zu fördern und ergänzende Maßnahmen aufzubauen.

Mit der Stiftung Diakonie in Hessen und

Nassau konnte ein Fundraising-Instrument implementiert

werden, das die Servicefunktion des

Landesverbandes deutlich macht. Es hilft bei der

Lösung von strukturellen Problemen, fördert innovative

Aspekte der Diakonie, vermindert durch

seine Dachkonstruktion den Verwaltungsaufwand

und spricht mit potenziellen Stifterinnen

und Stiftern neue Zielgruppen an. Nachdem die

Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau durch

Unterstiftungen die diakonische Pflege (Friedrichsdorf

und Idstein), die Jugendhilfe (Südhessen),

HIV-infizierte Kinder und Jugendliche, bedürftige

Studierende an der EFH Darmstadt und den Ein-

69

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

satz gegen Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft

(Julius-Rumpf-Fonds) bereits unterstützt,

werden nun Menschen gesucht, die beim Aufbau

von Stiftungen in den Bereichen Demenz und

Kinderarmut mithelfen.

Menschen geben für Menschen. Dies ist eine

der grundsätzlichen Erkenntnisse beim Fundraising.

Die Diakonie stellt sich an die Seite von

Menschen, deren Bedürftigkeit und Lebensbedrohung

erkennbar ist. Zahlreiche ehren- und hauptamtliche

Mitarbeitende bieten Wegbegleitung

an, helfen Menschen wieder auf die Füße, beraten

und pflegen. Und viele andere Menschen helfen

durch Spenden, Zustiftungen und Vermächtnisse

mit, dass diese diakonischen Aufgaben auch

künftig ausgeführt werden können. Dennoch sind

Staat und Kirche weiterhin gefordert, den Großteil

diakonischer Arbeit zu finanzieren. Zuversichtlich

stimmen die Projekte, die in den vergangenen

Jahren mit Unterstützung durch Freunde und

Förderer realisiert werden konnten. Beispielhaft

genannt seien die Aufstockung der Stellen im

Freiwilligen Sozialen Jahr, um noch mehr Jugendliche

in Fragen der Persönlichkeitsbildung und

der Berufsfindung begleiten zu können, der Aufbau

einer Epilepsieberatung an drei Standorten

in Hessen und Nassau, der Bau von Wohneinheiten

für Menschen mit psychischen Erkrankungen

in Rimbach und Idstein und nicht zuletzt die Tafel-Arbeit

an vielen Orten, die sich einer enormen

Hilfsbereitschaft durch Zeit-, Geld- und Lebensmittelspenden

erfreut.

Fundraising ist keine Zauberei. Aber bei einigen

Projekten ist es durchaus möglich, aus einem

Spendeneuro sechs Euro zu machen, wie die diakonischen

Projekte im Bereich der Integration von

Jugendlichen mit Migrationshintergrund zeigen.

Mit einem Anteil von fünfzehn Prozent an Eigenmitteln

– zum Beispiel durch Spenden – ist es

möglich, die restlichen Fördermittel von staatlichen

Stellen zu erhalten. ■

Bernd Kreh ist Referent für Fundraising und Spendenwesen

im DWHN.


AUSSENANSICHTEN

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen Werks unterstützenswert, weil …

Staatsminister Karl Peter Bruch

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen

Werks unterstützenswert,

weil sie Ausdruck unseres christlichen

Menschenbildes der

Nächstenliebe ist, und weil der,

der für andere da ist, auch starke

Partner braucht.“

Karl Peter Bruch ist Minister des Innern

und für Sport und Stellvertretender Ministerpräsident

in Rheinland-Pfalz und

Mitglied in der Kirchensynode der EKHN.

Marlehn Thieme

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen

Werks unterstützenswert,

weil Diakonie Menschen Gottes

Barmherzigkeit spüren lässt und

ihnen Hoffnung bringt.“

Marlehn Thieme ist Direktorin der Deutschen

Bank AG und Ratsmitglied der EKD.

Herbert Mai

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen

Werks unterstützenswert,

damit Menschen konkret und in

vielen Lebenssituationen geholfen

wird; Das Diakonische Werk

widmet sich z.B. der Zukunftsaufgabe

demografische Entwicklung

und hilft gesellschaftliche

Probleme zu lösen."

Herbert Mai ist Vorstand Arbeitsdirektor

bei der Fraport AG.

70


Landtagspräsident

Norbert Kartmann

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen

Werks unterstützenswert,

weil sie eine sichtbare und erlebbare

Form von Nächstenliebe ist."

Norbert Kartmann ist Präsident des

Hessischen Landtages.

71

Ulrike Holler

„Ich finde die Arbeit des Diakonischen

Werks unterstützenswert,

weil das DWHN unerschrocken,

rechtzeitig und klar Stellung zu

gesellschaftlichen Missständen

bezieht. Wer sonst setzt sich noch

für Flüchtlinge, Migranten,

Illegale, für Kinderrechte oder

auch alte Menschen ein.

Das DWHN gibt denen eine

Stimme, die man in der Regel

nicht zu Wort kommen lässt und

bringt damit die Politik manchmal

ganz schön ins Rotieren.

Das DWHN ist das soziale

Gewissen, das in Parteien und

vielen Verbänden mittlerweile

verloren gegangen ist. Es übernimmt

Mitverantwortung und ist

auch Stachel im Fleisch der

evangelischen Kirche.“

Die sozialpolitisch engagierte Journalistin

Ulrike Holler arbeitete bis Ende 2006

als freie Reporterin, Moderatorin und

Redakteurin für den Hessischen Rundfunk

und für weitere Landesrundfunkanstalten

der ARD.

Kirchenpräsident

Dr. Peter Steinacker

„Ich finde die Diakonie unterstützenswert,

weil sie gelebtes

Zeugnis unseres evangelischen

Glaubens ist.

Wo Diakonie geschieht,

wird ja Gemeinde gebaut.

Als sozialer Dienst unserer Kirche

setzt sich die Diakonie dafür ein,

dass das soziale Gleichgewicht in

unserem Land nicht aus den

Fugen gerät – selbst wenn sie

damit auch gelegentlich unbequem

wird für Politik, Gesellschaft

und auch für uns in der Kirche.

Prof. Dr. Dr. hc. Peter Steinacker

ist Kirchenpräsident der EKHN.


V O R S T A N D

QUO VADIS,

REGIONALE DIAKONIE?

Offene Altenarbeit

Beschäftigungsprojekte

Arbeit mit psychisch

kranken Menschen

Schulsozialarbeit

Suchtkrankenhilfe

Kurvermittlung

� Beratung, Begleitung und Betreuung rat- und

hilfesuchender Menschen,

� Angebot von Hilfen für Menschen in besonderen

Lebenslagen und Krisensituationen,

� Entwicklung von Konzepten für die regionale

diakonische Arbeit und Bildung von Arbeitsschwerpunkten

zur Behebung von besonderen

Problemlagen innerhalb der Rahmenvorgaben

des DWHN,

� Anregung diakonischer Aktivitäten in den Gemeinden

und Dekanaten sowie deren Begleitung;

bei Bedarf Vernetzung der Diakonischen Arbeit

in der Region.

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Wohnungslosenhilfe

Erziehungsberatung

Jugendtreff

H A N S S E Y D E L

„Vielleicht sollte man sagen ‚Zwischenzeit‘,

weil der Optimismus so dumm macht und der Pessimismus so

unbeweglich“ (...) Mathias Greffrath, Montaigne heute

streetwork

1 . R A H M E N B E D I N G U N G E N

Schwangerenberatung

Mathias Greffrath beschreibt die Zeit Montaignes als eine Zeit,

in der gesellschaftlich das eine nicht mehr und das andere

noch nicht galt. Sie war unserer Zeit insofern

nicht unähnlich. Der Sozialstaat befindet sich bereits

seit zwei Jahrzehnten in einem rasanten

Umbruch. Die Schlagworte brauchen nicht vollzählig

wiederholt zu werden, es wird gesprochen

von „Ökonomisierung sozialer Arbeit“,

von „Verbetriebswirtschaftlichung“, d.h. von

wirtschaftskonformer Organisation sozialer

Einrichtungen, oder vom „aktivierenden“ Sozialstaat.

Tafeln

Schuldnerberatung

Gemeinwesenarbeit

Straffälligenhilfe

Vor gut zwanzig Jahren erschien Ulrich Becks

Buch „Risikogesellschaft – auf dem Weg in eine

andere Moderne“. Nicht nur die Verteilung von gesellschaftlichem

Reichtum, so Beck, sei zu thematisieren,

sondern auch die Verteilung von Risiken. Risiken, die

aus den ökologischen und sozialen Folgen der gesellschaftlichen

Modernisierung erwachsen. Während die ökologischen Risiken

noch im selben Jahr durch den Super-GAU des sowjetischen Atomreaktors

Tschernobyl Becks Thesen zu Alltagswissen machten, waren

die sozialen Risiken der Modernisierung, die Beck beschreibt, erst

später zu erkennen.

„An der – mittlerweile vollzogenen – Wende zum 21. Jahrhundert

hat der entfachte Modernisierungsprozess (...) auch das innergesellschaftliche

Koordinatensystem der Industriegesellschaft brüchig

werden lassen (...).“ (Ulrich Beck, Risikogesellschaft, S. 115)

72

WESTERWALDKREIS

RHEIN-LAHN

LIMBURG-

WEILBURG

DILLENBURG-

HERBORN

RHEINGAU-TAUNUS

WIESBADEN

MAINZ-BINGEN

WORMS-ALZEY

BIEDEN

GLADEN

EV. KIRC

IM RHEIN

HOCHTAU

MAIN

TAUNU

GROSS-GER

RÜSSELSHE

BE


KOPF-

BACH

HE

LAND

NUS

-

S

AU

IM

RGSTRASSE

GIESSEN

OFFENBACH-

DREIEICH-

RODGAU

DARMSTADT-

DIEBURG

V O R S T A N D

WETTERAU

ODENWALD

Durchgreifende Individualisierung, die Erosion

sozialer Milieus und damit auch vorprofessioneller

Hilfesysteme sind zu konstatieren. Sozialarbeiterisch

stellt sich dadurch immer häufiger

die Frage, wohin die Menschen eigentlich integriert

werden können. Ohne dies idealisieren zu

wollen, waren in der Vergangenheit die Nachbarschaft,

die dörfliche Gemeinschaft, das Stadtviertel,

der Verein oder die größere Familie aber

auch die Erwerbsarbeit zweifellos soziale Strukturen,

die einen Beitrag zur Integration leisteten

– freilich auch zur sozialen Kontrolle. All jene

Strukturen, die vormals scheinbar „naturwüchsig“

vorhanden waren, sind nicht zuletzt durch die

Flexibilitätsanforderungen an die Menschen, die

die heutige Gesellschaft stellt, ausgedünnt oder

im Verschwinden begriffen. Wünschenswerte Effekte

wie der Dialog zwischen Generationen, um

nur ein Beispiel zu nennen, müssen, so man sie

haben möchte, heute initiiert werden; sie ergeben

sich nicht in jener früheren scheinbaren

Selbstverständlichkeit. Lange Zeit – seit der Industrialisierung

– existierte beides: ein marktförmig

organisierter Produktionsbereich und ein

eigentlich ständegesellschaftlich organisierter

Reproduktionsbereich. Ullrich Beck bezeichnet

diesen Sachverhalt als geteilte Moderne.

VOGELSBERG

2 . O R G A N I S A T I O N S P R I N Z I P I E N

Vor dem geschilderten Hintergrund wirken

auch in den regionalen Diakonischen Werken

zwei diametral entgegengesetzte Prinzipien. In

den sogenannten „fremdfinanzierten“ Arbeitsbereichen

besteht weithin das Prinzip eines von

den Kostenträgern organisierten Marktes. Wobei

die Kostenträger, in der Regel der Staat, in ihren

Untergliederungen auch die einzigen Kunden sind.

Diese Entwicklung hat für die soziale Arbeit, mithin

für die der regionalen Diakonischen Werke

(rDW), sehr unterschiedliche, aber weitreichende

Folgen. Nur auf den ersten Blick lapidar erscheint

die Einführung des kaufmännischen Rechnungswesens

und die Kalkulation von Preisen. Beides

73

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Voraussetzungen für die Abkehr von der institutionellen

Förderung sozialer Dienste und Einrichtungen

hin zum Prinzip des Ankaufs zum Teil geradezu

atomisierter Einzelleistungen („Module“).

Die Leiterinnen und Leiter der rDW werden

zu Managern, die nach innen effizienzgetrimmte

Strukturen schaffen müssen und nach außen

möglichst gute, d.h. kostendeckende Verträge

auszuhandeln haben. Darüber hinaus gilt es für

eine gute Auftragslage zu sorgen.

Aber die Entwicklung macht auch vor der in

diakonischem Sinn wichtigsten Ebene nicht halt.

Auch zwischen Sozialarbeiterin und Klientin oder

zwischen Pflegerin und Patientin zeigt diese Entwicklung

deutliche Wirkung. Was, wenn am Ende

der Fachleistungsstunde noch zu viel Problematik

übrig ist? Was, wenn überlegt werden muss, wie

vielen Menschen mit einer bestimmten Problemgüte

geholfen werden kann, um noch auf seine

Kosten zu kommen? Was, wenn von der erfolgreichen

Beantwortung der letzten Frage die Refinanzierung

des eigenen Arbeitsplatzes abhängt?

Wir sehen, hier wird ein sehr viel grundsätzlicherer

Effekt dieses Vorgangs deutlich. Die dem

Markt und der Betriebswirtschaft inhärente Logik

erweitert sich auf den Bereich sozialer Dienste

und damit auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Den Bereich des kirchlichen Auftrags, nämlich

die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie

(Kirchenkreissozialarbeit, Allgemeine Lebensberatung,

Grunddienst oder wie auch immer benannt)

sicherzustellen, unterliegt wiederum einer

gänzlich anderen Logik, nämlich einer Versorgungslogik.

Die relevanten Organisationseinheiten

sind die Gemeinde und das Dekanat und kein

abstrakter Regionalmarkt. Der Adressat ist der

hilfebedürftige Mensch, unabhängig von der Zusicherung

der Kostenübernahme. Dies ist die Logik

des Reproduktionsbereiches. ➙


V O R S T A N D

Herrschen im Produktionsbereich die Gesetze des

Marktes, also letztlich Tauschbeziehungen, wird

im Reproduktionsbereich die unentgeltliche (i.S.

von Rechnungslegung) Erbringung von Hilfen

vorausgesetzt und in Anspruch genommen. Der

Vertragsförmigkeit der Beziehungen im ersten

Bereich steht die kollektive Gemeinschaftlichkeit

im zweiten Bereich gegenüber. Individuelle Konkurrenz

und Mobilität treffen im Reproduktionsbereich

auf die Forderung der Aufopferung, des

Altruismus und der Dauerhaftigkeit. Kennzeichen

sind weiterhin Authentizität, Beständigkeit und

Ganzheitlichkeit, also Attribute, die der Existenz

in einer durch die angebotsorientierte Wirtschaft

geprägten Gesellschaft entgegenstehen, sie aber,

folgt man Beck, zur Voraussetzung haben. In dieser

Arbeitsteilung zeigt sich jener Widerspruch

zwischen der Marktförmigkeit der Industriegesellschaft

und ihrer ständegesellschaftlichen Voraussetzung.

Die Herstellung jener Marktverhältnisse

im Sozialbereich, so ist hinzuzufügen, trägt

durchaus kolonialistische Züge. Und natürlich

kommen jene menschenfreundlichen Eigenschaften

auch in den „marktförmigen“ Arbeitsgebieten

vor, grundsätzlich und zunehmend, aber trotz

und nicht wegen ihrer Organisationsform.

Wohlgemerkt, diese Vorgänge wurden nicht

referiert, um effizienten Strukturen eine Absage

zu erteilen oder um in beliebte Klagelieder einzustimmen,

sondern allein um die Wirkungen unserem

Selbstverständnis und unserem Auftrag

gegenüberstellen zu können. Tatsache ist, Diakonie

trägt hier in sich einen gesellschaftlichen

Widerspruch aus, der seit der Industrialisierung

existiert und der sich unter den Bedingungen der

Risikogesellschaft verschärft.

3 . D I E A U F G A B E N

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

„Wer sich nach dem Alten zurücksehnte,

versuchte, es eine Weile lang aufrechtzuerhalten,

so lange er es sich leisten konnte. Andere probierten

Neues, getrieben von der Notwendigkeit.“

Mathias Greffrath, Montaigne heute

Es fand aber, so möchte ich ergänzen, beides

statt. Das oben skizzierte Doppelprogramm

wird auch in den Kernaufgaben der rDW sichtbar.

Auf der einen Seite sind sie Dienstleister für hilfebedürftige,

jedenfalls aber anspruchsberechtigte

Menschen im Auftrag des Staates. Sie erfüllen

andererseits die Funktion des Solidaritätsstifters,

indem sie Werte vertreten, die wesentlich für jenen

zweiten Bereich stehen und Ausgrenzung

und sozialer Benachteiligung entgegenwirken. In

Folge dessen werben sie um Solidarität bei den

Bürgerinnen und Bürgern. Letztlich sind sie Anwälte

in dem Sinne, dass sie Bedarfe artikulieren

und sich bei der Auseinandersetzung um qualitative

wie quantitative Standards der Leistungserbringung

und der Verteidigung sozialer Rechte

engagieren.

4 . Z U K U N F T S P E R S P E K T I V E N – D A M I T

C H R I S T L I C H E R G L A U B E

G L A U B W Ü R D I G B L E I B T

„Gott gebe, dass ein jeder seinen Nächsten

dafür ansehe, wenn er ihm dient, dass es Gott sei

gedient, so würde die ganze Welt voll Gottesdienst

sein.” Martin Luther

Das besagte Spannungsverhältnis ist bis auf

Weiteres nicht auflösbar. Wie aber sieht eine Strategie

aus, die der beschriebenen Situation angemessen

ist?

Wesentlich ist hier, einen Blick auf die Basis

der Arbeit in den rDW zu werfen. Basis im doppelten

Wortsinn nämlich auf den durch Kirchengesetz

definierten Auftrag als „Lebens- und

Wesensäußerung der Kirche Jesu Christi, Gottes

Liebe allen Menschen zu bezeugen. Diakonische

Arbeit unterstützt Menschen in leiblicher Not,

seelischer Bedrängnis und in sozial ungerechten

Verhältnissen. Sie ist angewiesen auf soziales

Engagement und richtet sich an Einzelne und

Gruppen ungeachtet des Geschlechts, der Abstammung,

der Herkunft, der Religion oder der

74


V O R S T A N D

Zugehörigkeit zu Minderheiten. Diakonie arbeitet

mit an der Überwindung von Armut, Benachteiligung

und Ungerechtigkeit“ (Diakoniegesetz der

EKHN, §1).

Dieser Auftrag realisiert sich in den rDW

u.a. in Form der Allgemeinen Sozialarbeit der

Diakonie (ASAD). Und genau in diesem Bereich

werden die Folgen jenes skizzierten gesellschaftlichen

Wandels besonders spürbar. Die ASAD ist

gegenwärtig vor allem in ihrer vernetzenden und

strukturbildenden Funktion gefragt. Andererseits

aber auch ganz praktisch in geradezu archaisch

anmutenden Arbeitsformen wie Tafeln und Kleiderkammern.

Es gilt daher neben den spezialisierten

Diensten, die unabdingbar notwendig bleiben,

vor dem Hintergrund jener beschriebenen Erosion

auch die Arbeit hinein in die Sozialräume und das

Gemeinwesen zu intensivieren. Die Tafeln und

mannigfaltige andere Kooperationen mit kirchengemeindlichen

Initiativen belegen diesen Bedarf

und die Arbeit der rDW an ihm eindrucksvoll.

Wie sich andererseits unschwer erkennen

lässt, handelt es sich bei diesem benannten Bereich

um jenen, den unsere Kirche selbst finanziert

und der in Zusammenhängen tätig werden

kann, die im „Marktbereich“ so nicht vorkommen.

Dort, wie bereits erwähnt, herrschen klar ausgehandelte

Gesetze der Leistungserbringung. Spielräume,

die Möglichkeit auf neue Bedarfslagen zu

reagieren oder etwa präventive Maßnahmen zu

ergreifen sowie die vielbeschworene „Niederschwelligkeit“

herzustellen, existieren besonders

im Bereich der ASAD. Diese Funktion aber bildet

auch den Ausgangspunkt zur Modifikation vorhandener,

Aufgabe alter oder Schaffung neuer

Arbeitsgebiete. Dieser kirchenfinanzierte Kern

schafft für unsere Organisation die Voraussetzung

und notwendige strukturelle Flexibilität,

um zukünftig erfolgversprechend für die hilfesuchenden

Menschen arbeiten zu können. Die

anerkannte und ich darf sagen wegweisende

Arbeit der rDW des DWHN verdankt ihre Ent-

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wicklung dieser Basis und der daraus entstehenden

Möglichkeiten. Die Mischung und Ausgestaltung

der Arbeitsfelder ist bereits momentan

für keine zwei Regionen identisch (s. Skizze),

sondern orientiert sich im fremdfinanzierten Bereich

wie dem der Allgemeinen Sozialarbeit der

Diakonie an den spezifischen Erfordernissen der

Region.

Drei Erfordernisse lassen sich erkennen:

1. Die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie ist

zu profilieren und abzugrenzen, auch um die

eigene Handlungsfähigkeit zu optimieren.

Eine unabhängige und niederschwellige Sozial-

und Lebensberatung ist unverzichtbar.

2. Die Vernetzung mit den Dekanaten und Gemeinden

ist voranzutreiben, insbesondere

diakonische Gemeindeberatung und Freiwilligenmanagement

sind (weiter) zu entwickeln.

3. Die anwaltschaftliche Funktion ist im Zusammenwirken

mit den kirchlichen Strukturen

zu schärfen, insbesondere vor dem Hintergrund

der Kommunalisierung des Sozialstaates.

Deshalb gilt es angesichts des beschriebenen

gesellschaftlichen Wandels, der neue Bedarfslagen

hervorbringt und alte zurückkehren

lässt, sowie der veränderten sozialstaatlichen

Rahmung, die rDW in ihrer Kernfunktion zu stärken.

Dazu ist eine angemessene Finanzierung

durch die Evangelische Kirche in Hessen und

Nassau unabdingbar. Nur ein Beispiel: Allein in der

Tafelarbeit der rDW haben sich zwischen Ende

2005 und Ende 2006 ca. 700 Freiwillige neu engagiert.

Um den quantitativ wie qualitativ gewachsenen

Anforderungen an Gewinnung und

Begleitung von ehrenamtlich engagierten Menschen

halbwegs genügen zu können, werden

kurz- bis mittelfristig im Bereich der rDW zusätzlich

zehn Vollzeitstellen für Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter

benötigt. ■

Hans Seydel ist Referent für Personalentwicklung und Koordinator

des DWHN für dessen regionale Diakonische Werke.


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

„SELBSTSTÄNDIGKEIT

SO LANGE WIE MÖGLICH ERHALTEN“:

J Ü R G E N D I T T M A R

L U C I A N L A Z A R

Betreute Wohngemeinschaft

für chronisch suchtkranke Menschen in Rüsselsheim

Seit Februar 2007 leben in Rüsselsheim, direkt neben

der Geschäftsstelle des regionalen Diakonischen Werks, acht

Bewohnerinnen und Bewohner in einer Betreuten Wohngemeinschaft

für chronisch suchtkranke Menschen zusammen.

Jürgen Dittmar, Leiter des regionalen Diakonischen

Werks Rüsselsheim, und Lucian Lazar, Leiter des Bereiches

Betreutes Wohnen im rDW Rüsselsheim, stellen das Projekt

vor und ziehen eine erste Bilanz über das vergangene halbe

Jahr.


Acht chronisch suchtkranke Menschen haben in dieser

ungewöhnlichen Wohnform ein neues Zuhause gefunden.

Was verbirgt sich hinter diesem Krankheitsbild?

Lazar: Diese „chronisch mehrfach geschädigten Abhängigkeitskranken“

leiden aufgrund langjährigen Suchtmittelkonsums

unter erheblichen physischen und psychischen Schädigungen: Behinderungen

im Bewegungsapparat, Pflegebedürftigkeit und see-

76


V O R S T A N D

77

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

lische Beeinträchtigungen sind nur einige der

Symptome. Nach vielen fehlgeschlagenen Therapien

gelten diese Menschen als nicht mehr therapierbar

und sind extrem betreuungsbedürftig.

Dittmar: Die Bewohner sind eigentlich in

der Gesellschaft nicht aushaltbar und umgekehrt.

Die Diakonie fängt hier mit der Betreuung

an, wo alle anderen aufgehört haben.


Welche Hilfen erhalten die Bewohner?

Lazar: Am wichtigsten ist die Grundversorgung:

Versorgung mit Nahrungsmitteln und

Organisation und Bereitstellung von Hilfen bei

der Körperpflege und bei der Pflege des Wohnumfeldes.

Dazu kommen persönliche Beratung,

sozialpädagogische Angebote oder Hilfen im Alltag

wie etwa beim Ausfüllen von Anträgen für

die Pflegeversicherung. Unsere Hauptaufgabe

besteht im Sinne des Case Management in ambulanten

und organisatorischen Leistungen, z.B.

der Kooperation mit dem Pflegedienst, Ärzten

und Suchtberatungsstellen.


In welcher Lebenssituation kommen die

Menschen zu Ihnen?

Lazar: Die Bewohner sind meistens mit sehr

wenig persönlichen Ressourcen ausgestattet, sie

sind überwiegend alleinstehend, einsam und haben

kaum soziale Kontakte. Alkoholabhängigkeit

ist die häufigste Suchtform, gelegentlich kommt

auch Tablettenmissbrauch vor. Viele unserer Klienten

haben auch psychische Erkrankungen – wobei

oft nicht feststellbar ist, was zuerst da war: die

psychische Erkrankung oder die Abhängigkeit.


Und unter welchen Bedingungen haben

Sie die Klienten in die Betreute Wohngemeinschaft

aufgenommen?

Dittmar: Es handelt sich um ein sogenanntes

akzeptierendes Konzept, denn wir haben hier

Menschen, die wie gesagt schon viele Therapieversuche

hinter sich haben. Manche kommen

dann aus ihrer Abhängigkeit heraus und andere

schaffen es, ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle

zu halten. Die Bewohner werden hier in ihrer

Sucht, in ihrer Behinderung und ihrem Kranksein

angenommen. Dadurch kehrt für die Betroffenen

und ihr Umfeld Ruhe in den Alltag ein, ein milderer

Verlauf der Krankheit und die Teilhabe am

Leben sind wieder möglich.


Warum haben Sie entschieden, diese neue

Wohn- und Betreuungsform anzubieten?

Dittmar: Bei dieser Wohngemeinschaft geht

es nicht um die Vollversorgung suchtkranker Menschen,

sondern um die Mobilisierung der Selbstversorgung

in der Gemeinschaft. Außerdem können

die Bewohner in dieser Wohnform intensiver

und synergetischer betreut werden, indem zum

Beispiel Fahrtzeiten für das Pflegepersonal entfallen

oder nicht für jeden Klienten eine eigene

Wohnung aufrecht erhalten werden muss.

Lazar: Selbstständigkeit und Lebensqualität

sollen möglichst lange für die Klienten erhalten

werden. Das ist gut für die betreuten Menschen

und für die Kostenträger.


Stichwort Kostenträger:

Wie konnten Sie das Projekt finanzieren?

Dittmar: Viele Geldgeber haben mitgeholfen,

das Projekt in die Tat umzusetzen: Das DWHN

hat Eigenmittel von 110.000 Euro aufgebracht,

Aktion Mensch steuerte 60.000 Euro bei, die Stadt

Rüsselsheim 30.000 Euro, die Kurt-Graulich-Stiftung

aus Flörsheim 5.000 Euro, Kreissparkasse

und Prämiensparverein Groß-Gerau 4.500 Euro.

Neben privaten Stiftungen haben sich einige

evangelische Kirchengemeinden des Dekanates

mit ihren Spenden an der Finanzierung beteiligt.

Und nicht zuletzt haben wir eine Spende von

10.000 Euro aus der Kollektensammlung ➙


V O R S T A N D

für Suchtkrankenhilfe des DWHN erhalten. Auch

das große Engagement des Landeswohlfahrtsverbands,

der die Kosten für die einzelnen erbrachten

Leistungen trägt, hat uns sehr bei der

Umsetzung geholfen.


Und wie geht es weiter?

Lazar: Das Modell hat sich auf jeden Fall bewährt.

Im September 2007 soll eine weitere WG

in Riedstadt nach dem gleichen Modell bezogen

werden. Als Anschubfinanzierung erhalten wir

hierfür aus Kollektenmitteln für die Suchtkrankenhilfe

des DWHN über zwei Jahre verteilt 18.000

Euro, wofür wir sehr dankbar sind.

Weitere Wohngemeinschaften in unserem Gebiet

sind in Planung, z.B. in Mörfelden-Walldorf.


Wie hat das Wohnumfeld das neue Projekt

des Diakonischen Werks aufgenommen?

Dittmar: Wir sind sehr erleichtert, dass es

bisher keine Auffälligkeiten gegenüber dem

Wohnumfeld gegeben hat. Gleichzeitig ist das

Projekt in der Nachbarschaft sehr gut angenommen

worden. Ich denke, man weiß hier durch die

lange Tradition, die das Diakonische Werk schon

in der Arbeit mit schwierigen Klienten hat, die

Angebote zu schätzen. Denn in der Regel machen

sich die Leute erst dann Gedanken über Suchtkranke,

wenn vor der eigenen Haustür ein verwahrloster

Mensch sitzt bzw. wenn das Problem

eben öffentlich sichtbar wird.


H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Die Wohngemeinschaft ist ja nicht das

einzige Projekt im Betreuten Wohnen im

rDW Rüsselsheim. Welche Angebote gibt

es noch?

Lazar: Insgesamt haben wir hier 120 Plätze

im Betreuten Wohnen. Darunter gibt es Plätze für

ehemalige Wohnungslose zur Begleitung bei der

Sesshaftwerdung, 60 Plätze im Betreuten Wohnen

(für Menschen mit Abhängigkeitserkran-

kung), davon die meisten in Einzelbetreuung und

44 Plätze für Menschen mit besonderen sozialen

Schwierigkeiten, aber auch ein spezielles Angebot

für über 65-Jährige, das nicht mehr vom Kostenträger

Landeswohlfahrtsverband finanziert

wird.

In zwölf Vollzeitstellen arbeiten Pädagogen,

Sozialarbeiter und Hauswirtschafterinnen an

verschiedenen Standorten eng zusammen. Da die

Finanzierung u.a. durch reduzierte Stundensätze

immer schwieriger wird, werden Projekte wie die

Betreute Wohngemeinschaft immer wichtiger,

um Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Schließlich

wollen wir nicht an der Qualität unserer

Arbeit sparen und beschäftigen ausschließlich

Fachpersonal. ■

Das Gespräch führte Doris Willenbrock.

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V O R S T A N D

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

SO NORMAL WIE MÖGLICH

D O R I S W I L L E N B R O C K

Betreutes Wohnen für Familien mit einem psychisch kranken Elternteil

Nach Schätzungen ist in Deutschland jedes 30. Kind

von der psychischen Erkrankung eines Elternteils betroffen.

Den Eltern wurde und wird auch heute noch oft vorschnell

die Fähigkeit abgesprochen, ihre Kinder selbst zu erziehen.

Im Diakonischen Werk Bergstraße sind in Rimbach in diesem

Jahr nach langer Planungsphase zwei neue Häuser eingeweiht

worden, in denen Familien, bei denen ein Elternteil

psychisch krank oder seelisch behindert ist, sowie betroffene

allein lebende Menschen, ein neues Zuhause finden.

Im Mai dieses Jahres konnten drei Familien jeweils eine Dreizimmerwohnung

und fünf Einzelpersonen je ein kleines Appartement

beziehen. Der Schwerpunkt des Wohnprojekts liegt auf der

professionellen Unterstützung der ganzen Familie in einer sehr

schwierigen Lebenslage. Das heißt, neben der psychiatrischen Betreuung

der erkrankten Mutter oder des erkrankten Vaters, ist auch

das Wohl der Kinder zentrales Anliegen. Denn eine solche Erkrankung

ist für die Familien, aber insbesondere auch für die Kinder eine

große Belastung. Durch die Vielzahl der Belastungsfaktoren

zeigten die Kinder zum Teil Verhaltensauffälligkeiten und trügen

ein erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter selbst psychisch krank ➙


V O R S T A N D

„Juf Kenke” von Margarete Berkenfeld,

entstanden im Psychosozialen Zentrum des

regionalen Diakonisches Werks Bergstraße,

Wald-Michelbach

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

zu werden, erläutert Ursula Thiels, stellvertretende Leiterin des Diakonischen

Werks Bergstraße und Dienststellenleiterin in Rimbach.

Die gelungene Kooperation zwischen Behindertenhilfe und

Jugendhilfe hebt Hendrik Raekow, Leiter des Diakonischen Werks

Bergstraße, hervor. Mit der Vernetzung von Leistungen aus diesen

verschiedenen Bereichen betritt das Diakonische Werk hier Neuland.

Das Angebot steht Familien, die von psychischer Erkrankung

betroffen sind, im gesamten Kreis Bergstraße offen.

I N D I V I D U E L L E B E T R E U U N G S A N G E B O T E

S I N D W I C H T I G

Die Betreuung der Bewohner ist vielfältig. Zunächst hat jede

Familie eine sozialpädagogische Fachkraft als Bezugsperson, die

regelmäßige Beratungsgespräche anbietet. Die sozialpsychiatrischen

Angebote für die betroffenen Elternteile bestehen aus

fachlicher Beratung auf der einen Seite und aus lebenspraktischem

Training wie Unterstützung bei der Tagesstruktur auf der anderen

Seite. Dazu kommen Hilfen bei der Bewältigung des Alltagslebens

wie zum Beispiel bei der Tagesplanung, bei Haushaltsführung,

Budgetplanung oder für den Umgang mit Behörden. Zentraler

Punkt ist auch die Verbesserung des Erziehungsverhaltens. Von den

Betreuten wird dabei aktive Mitarbeit der betroffenen Familien

und der Wunsch nach Unterstützung zur Erreichung der Ziele erwartet.

Denn nur so können Stabilisierung und Weiterentwicklung

erreicht werden.

80


V O R S T A N D

„Sonnentag“

von Katharina Öhlschläger,

entstanden im Psychosozialen

Zentrum des regionalen

Diakonisches Werks Bergstraße,

Wald-Michelbach

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Leistungen für die Kinder sind beispielsweise

die Förderung der altersgemäßen Entwicklung

und Unterstützung bei der schulischen und

beruflichen Ausbildung. Gleichzeitig sollen notwendige

medizinische und therapeutische Maßnahmen

frühzeitig eingeleitet und kindgerechte

Informationen über psychische Erkrankungen vermittelt

werden.

Durch die Struktur des Betreuten Wohnens

ist der diakonische Grundsatz, nach Möglichkeit

Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, in dem neuen

Projekt in besonderem Maße gegeben: Studien

haben bewiesen, dass Kinder, die ein Elternteil mit

psychischer Erkrankung haben, weniger Risiko

tragen, selbst zu erkranken, wenn sie nicht von

ihren Eltern getrennt aufwachsen. Durch das betreute

Wohnen werden Heimaufenthalte einzelner

Familienmitglieder vermieden. Vielmehr werden

die Familien in die Lage versetzt, mit ihren

Kindern so selbstständig wie möglich zu leben.

Dabei ist das wichtigste Ziel, die Erziehungskompetenz

der Eltern so weit zu fördern, dass sie auf

Dauer auch ohne professionelle Unterstützung

die Verantwortung für die Kinder wahrnehmen

können.

Auch für die allein lebenden Menschen mit

psychischer Erkrankung bietet die betreute Wohnform

viele Vorteile. Die Vorzüge der eigenen

Wohnung, wo Privatsphäre und Selbstständigkeit

gegeben sind, werden mit denen der Wohngemeinschaft

kombiniert: gleichzeitig sind soziale

Nähe und intensive Unterstützung möglich.

F I N A N Z I E R U N G N U R D U R C H

G R O S S Z Ü G I G E S P E N D E N M Ö G L I C H

Die Kosten des Bauvorhabens belaufen sich

auf 1.024.000 Euro. Die Finanzierung der beiden

Wohnhäuser basiert auf Geldmitteln, die von verschiedenen

Stiftungen eingebracht worden sind:

400.000 Euro von der DESTAG-Stiftung, 350.000

Euro von der Aktion Mensch und 80.000 Euro von

der Stiftung Orbishöhe. Der Rest wurde vom Diakonischen

Werk aufgebracht.

Dass es erstmals gelungen ist, in Hessen

Leistungen der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe

zu vernetzten und den individuellen Bedürfnissen

von Familien Rechnung zu tragen, ist der

sehr guten fachlichen Kooperation und der gemeinsamen

Konzeptentwicklung mit dem Jugendamt

und dem Sozialpsychiatrischen Dienst des

Kreises Bergstraße zu verdanken. Die gemeindlichen

Gremien und der Bürgermeister der Gemeinde

Rimbach haben über die Jahre parteiübergreifend

viel Überzeugungsarbeit geleistet.

Nach anfänglichen Vorbehalten aus der Bevölkerung

konnten die Anwohner und das Umfeld von

dem Projekt überzeugt werden. Dazu waren viele

Gespräche nötig. Ausschlaggebend waren letztlich,

so Ursula Thiels, die konsequente jahrelange

Unterstützung durch die evangelische Kirchengemeinde

und dass viele Menschen im Ort und in

der Region davon überzeugt waren, dass die

Wohnprojekte nachhaltig zu einer Verbesserung

der Lebensqualität von Menschen mit psychischer

Erkrankung und ihrer Kinder beitragen.

Bei der Grundsteinlegung brachte Pfarrer

Dr. Wolfgang Gern, der Vorstandsvorsitzende des

Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, das

Besondere dieses Wohnprojektes auf den Punkt:

„Der Charme des Rimbacher Modells besteht darin,

dass wir der Familie wirklich etwas zutrauen

– und zwar, dass sie gerade in Schwierigkeiten

tragfähig ist. Sie ist der Ort, wo verschüttete

Fähigkeiten wieder entdeckt und persönliche

Grenzen angenommen werden können.“ ■

Doris Willenbrock ist Fachreferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

im DWHN.


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

R O G E R T Ö P E L M A N N In Wiesbaden seit 27 Jahren ein einmaliges Projekt der Diakonie

ZUHAUSE

FÜR

MUTTER

UND

KIND

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V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Wenn Aysegül und ihr Sohn Patrick nicht in der Wohngemeinschaft

für Mutter und Kind in Wiesbaden gelandet

wären, hätte es für die junge Frau kaum mehr eine Rettung

gegeben. Im Alter von zehn Jahren war sie aus der Türkei

nach Deutschland gekommen, die Eltern taten sich mit einer

Integration in die hiesige Gesellschaft schwer, was sich auch

in den Konflikten mit der Heranwachsenden spiegelte. Die

junge Frau wird nach einem Suizidversuch in eine psychiatrische

Klinik eingewiesen. Das Kind, das sie mittlerweile

hat, kommt vorerst in eine Pflegefamilie. Nur einem glücklichen

Umstand ist es zu verdanken, dass der zuständige

Richter die Mutter-Kind-Wohngemeinschaft in der Landeshauptstadt

kennt, und sie mit ihrem damals zweieinhalbjährigen

Sohn ins Haus in der Wiesbadener Kapellenstraße

ziehen kann. Hier endlich findet Aysegül ihre Mitte, sie beginnt

eine Ausbildung als Arzthelferin, lernt einen jungen

Mann kennen. In dem Haus für Mutter und Kind darf sie

sogar mit ihm in ihrer kleinen Wohnung zusammenleben.

Gemeinsam zieht die kleine Familie später aus dem Haus,

die jungen Eltern heiraten und die Türkin kann ihre Ausbildung

als Arzthelferin erfolgreich abschließen.

Ein Happyend.

„Der überwiegenden Zahl von Frauen gelingt es hier, ein neues

Fundament zu finden“, versichert die Leiterin des Hauses, Gertrud

Burger. Mit drei Mitarbeiterinnen und einem Hausmeister sorgt die

in Hephata ausgebildete Diakonin für 13 Mütter mit ihren Kindern

in den etwa je 40 Quadratmeter großen Wohnungen. Manche

kommen als Schwangere ins Haus und bleiben bis zu fünf Jahren

in der Einrichtung. „Hier sind Frauen, die massive Probleme bei ➙

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V O R S T A N D

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der Haushaltsführung haben, bei der Erziehung

der Kinder und mit ihrer eigenen Lebensgeschichte“,

erklärt Burger, die auch einen Abschluss

als Diplom-Sozialpädagogin und als Schuldnerberaterin

gemacht hat. Alle Bewohnerinnen erlernen

eine selbstständige Lebensführung, bekommen

Rat und Hilfe bei der hauswirtschaftlichen

und finanziellen Haushaltsführung, bei der Pflege

ihres Kindes und der Aufarbeitung ihrer persönlichen

Situation. „Wir sind aus der Schwangerenkonfliktberatung

des Paragrafen 218 entstanden“,

erläutert Burger die Anfänge. Die Evangelische

Kirche wollte auch für Frauen über der Volljährigkeit

ein Angebot machen. Während die konventionellen

Jugendhilfemaßnahmen beim Alter

von 18 enden, finden hier selbst Frauen über

Dreißig ein Zuhause. Immer dann, wenn ihre Kinder

noch unter sechs Jahre alt sind.

„Das Haus spielt in unserer Arbeit eine tragende

Rolle“, urteilt der Leiter des regionalen

Diakonischen Werks Wiesbaden, Gustav Förster.

Er ist froh, dass die „Stiftung für das Leben“ der

EKHN sich in erheblichem Maß an der Finanzierung

des Hauses beteiligt, zu einem überwiegenden

Teil, wie er sagt. „Doch das Ganze würde

nicht funktionieren ohne die zahlreichen Spender“,

ist Förster sich sicher. Schon über Jahre haben

sich Wohltätigkeitsvereine wie Rotary der

Diakonieeinrichtung angenommen. „Es gibt ein

Netzwerk um dieses Haus herum“, bestätigt Frau

Burger. Viel hält sie selbst in Gang. Mit Sommerfesten

oder Basaren. Frauen von Rotariern haben

der Einrichtung ein besonders schönes Geschenk

gemacht: Musikinstrumente für Mütter und Kinder.

Das fördert die musische Erziehung, mehr

aber noch die Erfahrung, dass Bildung ein selbstständiger

Wert für ein Leben ist, gibt sich Frau

Burger überzeugt. Dass diese diakonische Arbeit

wirkungsvoll ist, bestätigt auch Diakoniechef Dr.

Wolfgang Gern. „Das Haus ist dazu da, Hoffnung

zu machen und werdenden Familien zu helfen“,

sagt der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen

Werks in Hessen und Nassau (DWHN).

Die bürgerschaftliche Unterstützung für die Einrichtung

nennt er zu Recht „großartig“. Er bewundere

den Pioniergeist im Hause, Menschen in

schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. „Wir

müssen wieder mehr Familien und die Kinderrechte

zusammenbringen“, meint Gern und sieht

das durchaus als eine politische Herausforderung.

In der Wohngemeinschaft für Mutter und

Kind sind es mehr die alltäglichen Herausforderungen,

die es zu bestehen gilt. Gertrud Burger

wird immer wieder aus dem Gespräch gerissen.

Ein Nachbar ruft wegen seiner Hilfe beim Sommerfest

an und kurz darauf meldet sich am Telefon ein

junger Mann, Koch von Beruf. Er wird den Kartoffelsalat

für die Gäste zubereiten. „Ich freu’ mich“,

sagt die gebürtige Bayerin zum Abschied ihren

Anrufern und trifft damit den Ton des Hauses. ■

Dr. Roger Töpelmann ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit

im Dekanat Wiesbaden.

Die Wohngemeinschaft für Mutter und Kind

hat zum Ziel, die Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit

der Bewohnerinnen zu entwickeln,

zu fördern und zu stabilisieren, um sie zu

einer selbstständigen Lebensführung mit ihren

Kindern zu befähigen. Sie wird gefördert vom

Hessischen Sozialministerium, der Landeshauptstadt

Wiesbaden und der „Stiftung für das Leben“

der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

(EKHN).

Spendenkonto:

Nassauische Sparkasse Wiesbaden

Kto.-Nr.:100 021 676

BLZ 510 500 15

Stichwort: Wohngemeinschaft für Mutter

und Kind

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V O R S T A N D

W E R N E R N O L T I N G

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E M I TG L I E D E R A U F E I N E N B L I C K

DIAKONIE-VEREIN

WEILBURG E.V.

feiert 50-jähriges Jubiläum

Am 18. Juni 2007 konnte der Diakonie-

Verein Weilburg e.V. (DVW) auf 50 Jahre

seines Bestehens zurückblicken. Der Einladung

zur Jubiläumsfeier im Weilburger Stift

waren zahlreiche Ehrengäste aus Politik,

Wirtschaft und Kirche sowie der Diakonie

gefolgt. Den Festvortrag zum Thema: „Alt –

und mitten im Leben“ – „Diakonie zwischen

selbstbestimmtem Leben und fürsorglicher

Zuwendung“ hielt Pfarrer Dr. Wolfgang

Gern, der Vorsitzende des DWHN.

W A S M A C H T D E R

D I A K O N I E - V E R E I N W E I L B U R G ?

Sein Ziel war ursprünglich der Bau eines Altenheimes

in Weilburg gewesen. Zur Motivation

hatte Pfarrer Willi Kahl, Initiator und treibende

Kraft, bei der Eröffnungsfeier für das Weilburger

Stift am 11. August 1959 ausgeführt: „… wir

kannten die Not, die jedes Mal aufbrach, wenn

wir einen Mann oder eine Frau nach langem fleißigen

Leben in einem auswärtigen Heim unterbringen

mussten und wir dann Briefe erhielten,

aus denen das Heimweh nach der Vaterstadt

sprach. Das traf uns jedes Mal wie eine Anklage

und war ein Appell an unser Gewissen.“

Die allerersten Anfänge reichten weit zurück

und waren wahrlich senfkorngroß: 1939

hatte eine damals achtzigjährige Weilburgerin

den Grundstein für die Idee gelegt. In ihrem Testament

verfügte sie: „Ich wünsche meiner lieben

Heimatstadt Weilburg ein gediegenes evangelisches

Altersheim zu sichern, indem ich einen

kleinen, aber von Herzen kommenden Grundstein

lege zum Bau und zur Einrichtung der lang

ersehnte Stätte der Ruhe und des Friedens für die

Alten nach ihrem oft schweren Lebenskampf. Es

ist zu wünschen, dass die bescheidene Summe

von 100 Mark in tatkräftigen Händen sich bald

mehre …“ ➙


V O R S T A N D

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E M I TG L I E D E R A U F E I N E N B L I C K

Bis dieses Ziel erreicht war, musste ein langer, beschwerlicher Weg

zurückgelegt werden. Ein Baugrundstück musste gefunden werden,

rund DM 100.000,- Startkapital mussten auf dem Spendenweg

eingesammelt werden, genehmigungsfähige Baupläne mussten

her – was damals zahlreiche Anläufe erforderte. Der Weg war auch

mit mancherlei Rückschlägen und Enttäuschungen gepflastert.

Als alle Voraussetzungen endlich erfüllt waren, folgte die harsche

Ernüchterung: Die Kirchenleitung

in Darmstadt versagte ihre Unterstützung. „Sie stellt sich auf

den Standpunkt, Altersheime gehörten nicht zum Aufgabenbereich

der Kirche …“ notierte Pfarrer Willi Kahl. Das war die Geburtsstunde

des Diakonie-Vereins Weilburg e.V.

Das „Weilburger Stift“ war der erste private Altenheim-Neubau

nach dem Krieg im Lahn-Dill-Gebiet. Und schon bei der Eröffnung

im August 1959 stand fest, dass in absehbarer Zeit auch eine Pflegeabteilung

zu errichten sein würde. So ergab ein erreichtes Ziel das

nächste: Dem Anbau des Pflegeheims folgte ein Schwesternwohnheim

und eine Verwalterwohnung. 120 Alten- und Pflegeheimbetten

standen schließlich zur Verfügung. Im Zuge der fälligen

Modernisierungen und durch Reduzierung der Bettenzahl pro Zimmer

sank die Kapazität im Laufe der Jahre auf 100 Betten.

Alten- und Pflegeheim Weilburger Stift 1963

1996 wurde in Rufweite ein Ersatzneubau mit 95 Betten für das

mittlerweile alt gewordene Weilburger Stift eröffnet.

Das ehemalige Stift wurde umgebaut und bietet seither 47 Wohneinheiten

für Betreutes Wohnen. Darüber hinaus gehört dem Diakonie-Verein

Weilburg ein kleines, ehemals privates Pflegeheim in

Weinbach-Freienfels mit 20 Betten, das im 2008 Jahr saniert und

erweitert werden soll.

Heute hat der Diakonie-Verein Weilburg e.V. 56 Mitglieder, darunter

7 Kirchengemeinden. 170 Menschen werden von nahezu

130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gepflegt und betreut.

Menschen brauchen Menschen – das wird so bleiben. „Diakonie

zwischen selbstbestimmtem Leben und fürsorglicher Zuwendung“

– dieses Ziel wird auch in Zukunft die Arbeit des Diakonie-Vereins

Weilburg bestimmen. ■

Pfarrer Werner Nolting ist Vorsitzender des DVW.

Die Gründungsmitglieder des Diakonie-Vereins Weilburg

links Pfarrer Willi Kahl

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V O R S T A N D

Wilfrid Pfeiffer im Ruhestand –

Matthias Loyal neuer Vorstandsvorsitzender

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H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E M I TG L I E D E R A U F E I N E N B L I C K

WECHSEL AN DER

SPITZE VON EVIM

Als Pfarrer Wilfrid Pfeiffer 1983 als Geschäftsführender

Direktor die Leitung des Evangelischen

Vereins für Innere Mission Nassau

übernahm, hatte die Zentrale ein Dutzend Mitarbeiter,

EVIM insgesamt 400. Nun, da nach 23

Jahren an der Spitze des Unternehmens der

Wechsel erfolgt ist, wirken in der Geschäftsstelle

50 und insgesamt über 2000 Mitarbeitende.

Beeindruckende Zahlen, die aufzeigen, dass sich

die diakonische Arbeit verändert und vergrößert

hat.

Es ist jedoch nicht einfach ein Wachstum

der Einrichtungen, der Dienstleistungen, der

Bettenzahl und des ökonomischen Umsatzes, das

Pfarrer Matthias Loyal

Pfarrer Wilfried Pfeiffer

diese Jahre kennzeichnet, es sind auch neue Wege

für die Arbeit gesucht und begangen worden. Mit

Wilfrid Pfeiffer stand ein Pfarrer an der Spitze von

EVIM, der rechnen konnte. Ein Vorstandsvorsitzender,

dem es um den hilfebedürftigen Menschen

ging und der darum ein starkes Unternehmen

formte, damit Hilfeleistung auf soliden Grundlagen

möglich war. Er prägte das heutige Profil

von EVIM und sorgte dafür, dass es wahrgenommen

wurde. „Da sein, wo Menschen uns brauchen“

war auch sein persönlicher Leitsatz. Darum wurden

alle Konzepte diakonischer Arbeit stets wieder

daraufhin überprüft, ob sie heutigen Erwartungen

und Bedingungen entsprechen konnten.

Nun, im Ruhestand, zog er mit seiner Frau

in eine Seniorenwohnung. Auf die Frage an den

früheren Vorstandsvorsitzenden: Würden Sie in

eine Seniorenwohnanlage ziehen, für die Ihr Verein

die Trägerschaft hat? kann er getrost und gelassen

antworten, dass er es getan habe.

Das Staffelholz der Leitungsfunktion ist nun

an Pfarrer Matthias Loyal weitergereicht. Der gebürtige

Dresdner war ab 1987 Pfarrer in Hoyerswerda,

baute dort ein Diakonisches Werk im

Kirchenkreis auf und wurde dann Theologischer

Vorstand der Stiftung „Martinshof Rothenburg

Diakoniewerk“. In seinen zwölf Jahren dort absolvierte

er zusätzlich das Studium des Sozialmanagements.

Beste Voraussetzungen und Vorerfahrungen,

um EVIM zu führen. Sein besonderes

Augenmerk will er der Mitarbeiterentwicklung

schenken: „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind

unsere wichtigste Ressource. In ihre Entwicklung

und Qualifizierung muss investiert werden“, sagte

er zu Beginn seiner Tätigkeit in einem Interview. ■

Wilhelm Wegner


D I A K O N I S C H E S W E R K I N H E S S E N U N D N A S S A U O R G A N I G R A M M — G E S C H Ä F T S S T E L L E S T A N D 0 1 . 1 0 . 2 0 0 7

V O R S T A N D

Vorstand

Vorstandsvorsitzender

Assistentin

Referentin

Vorstand

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Controlling/

Innenrevision

Koordinator

regionale

Diakonische Werke

Rechtsstelle

Pressesprecherin Allgemeine Rechtsfragen/Sozialrecht

Arbeitsrechtliche Grundsatzfragen

Familien-, Kinder- und Jugendrecht

Personal, Organisation,

Finanzen

Gesundheit, Rehabilitation

und Pflege

Öffentlichkeit

Armut und besondere

soziale Schwierigkeiten

Personal und IT

Altenhilfe

Öffentlichkeit und

Gemeindediakonie

Ethik, Arbeit und

Sozialpolitik

Wirtschaftliche

Beratung

Ambulante

pflegerische Dienste

Medien und

Öffentlichkeitsarbeit

Sucht / Allgemeine

Lebensberatung

Finanzen und

Administration

Schuldnerberatung und

Gemeinwesenarbeit

Kinder, Jugend und Familie

Bereiche Stab

Behindertenhilfe

Fundraising und

Stiftungswesen

Arbeitsrecht

Krankenhauswesen/

-recht

Gefährdetenhilfe

Kinder-/Jugendhilfe

FSJ / Zivildienst

Freiwillige Dienste

Migration und

Interkulturelles

Zusammenleben

88

Frauen und Familie

Interkulturelles

Zusammenleben

Migration


V O R S T A N D

Ertragsstruktur des DWHN

Regionale Werke und Geschäftsstelle Frankfurt

Einnahmen

der Arbeitsgebiete

61,1%

Basis: Jahresabschluss 2006

Sonstige einschl. Entnahmen

zweckgeb. Verbindlichkeiten

7,8%

89

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Aufwandsstruktur des DWHN

Regionale Werke und Geschäftsstelle Frankfurt

Basis: Jahresabschluss 2006

E R T R Ä G E A U F W E N D U N G E N

Mieterträge und

Finanzergebnis

2,2%

Beiträge, Spenden

Bußgelder

4,4%

Kirchliche Mittel

24,5%

Sonstige einschl.

Zuführung

zweckgeb.

Verbindlichkeiten

2,3%

Sozialaufwendungen

der Arbeitsgebiete

8,8%

Das DWHN mit seinen 19 regionalen Diakonischen Werken hat im Jahr 2006 Erträge in Höhe von

51,9 Mio. € erzielt. Diese sind zu 61,1% durch Leistungsentgelte und Zuwendungen von Gebietskörperschaften

wie Landkreise und Kommunen, zu 24,5% durch kirchliche Mittel, zu 4,4% durch Beiträge,

Spenden und Bußgelder sowie zu 10,0% durch Miet- und sonstige Erträge erzielt worden.

Demgegenüber belaufen sich die Personalaufwendungen auf 70,9%, hinzu kommen Betriebskosten

in Höhe von 18,0%, sowie Sozialaufwendungen der Arbeitsgebiete und sonstige Aufwendungen

i. H. von 11,1%.

Zuführungen zu zweckgebundenen Verbindlichkeiten finden statt, wenn die Ausgabe zweckgebundener

Mittel zeitlich ins Folgejahr reicht.

Sozialaufwendungen der Arbeitsgebiete sind z.B. Betreuungsaufwendungen, entsprechende Materialien,

auch Lebensmittel, Sach- und Finanzzuschüsse an Klienten und Zuschüsse an Mitglieder des

Diakonischen Werks.

Personalaufwendungen

inkl. Fortbildung und

Supervision

70,9%

Betriebskosten

18,0%


V O R S T A N D







H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V. (DWHN)

Landesgeschäftsstelle

Postfach 900229 Postbank Frankfurt

60442 Frankfurt am Main BLZ 500 100 60

Ederstraße 12 Konto-Nummer 516 609

60486 Frankfurt am Main

Tel.: 069 7947-0 Ev. Kreditgenossenschaft eG

Fax: 069 7947-310 BLZ 520 604 10

Internet: www.diakonie-hessen-nassau.de Konto-Nummer 4 002 008

E-Mail: kontakt@dwhn.de

Frankfurter Sparkasse

BLZ 500 502 01

Konto-Nummer 407 860

Vorstand

D I A K O N I S C H E S W E R K I N H E S S E N U N D N A S S A U E . V . ( D W H N ) S T A N D : 2 0 0 7

Vorsitzender:

Gern, Dr. Wolfgang Tel.: 069 7947-280

Pfarrer Fax: 069 7947-309

E-Mail: wolfgang.gern@dwhn.de

Eggers, Imke Tel.: 069 7947-210

Vorstandsreferentin Fax: 069 7947-309

E-Mail: imke.eggers@dwhn.de

Knapp, Wilfried Tel.: 069 7947-293

Diplom-Wirtschaftsingenieur Fax: 069 7947-99293

Vorstand E-Mail: wilfried.knapp@dwhn.de

Damm, Andrea Tel.: 069 7947-238

Assistentin Vorstand Fax: 069 7947-99238

E-Mail: andrea.damm@dwhn.de

Hauptausschuss

Vorsitzender:

Rumpf, Klaus Verein für Kranken-,

Rechtsanwalt Alten- und Kinderpflege/

Vorsitzender des Vereins für Kranken-, Ev. Krankenhaus

Alten- und Kinderpflege zu Gießen (nur Mittwoch nachmittags)

Paul-Zipp-Str. 171

35398 Gießen

Tel.: 0641 9606117

Fax: 0641 9606160

Spendenkonto:

Ev. Kreditgenossenschaft eG

BLZ 520 604 10

Konto-Nummer 4050606

90


V O R S T A N D









91

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

stellvertretende Vorsitzende:

Gebhardt, Esther Ev. Regionalverband Frankfurt

Pfarrerin Kurt-Schumacher-Str. 23

Vorstandsvorsitzende des Evangelischen 60311 Frankfurt am Main

Regionalverbandes Frankfurt am Main Tel.: 069 21651242

Fax: 069 21652242

E-Mail: esther.gebhardt@ervffm.de

Steinacker, Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrer Paulusplatz 1

Kirchenpräsident der EKHN 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405291

Fax: 06151 405220

E-Mail: peter.steinacker@ekhn-kv.de

Stellvertreterin:

Kopsch, Cordelia Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrerin Paulusplatz 1

Oberkirchenrätin 64285 Darmstadt

stellv. Kirchenpräsidentin der EKHN Tel.: 06151 405298

Fax: 06151 405220

E-Mail: cordelia.kopsch@ekhn-kv.de

Bernhardt-Müller, Sigrid Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Oberkirchenrätin Paulusplatz 1

Leiterin der Kirchenverwaltung 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405296

Fax: 06151 405220

E-Mail: sigrid.bernhardt-mueller@ekhn-kv.de

Stellvertreter:

Heine, Wolfgang Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Oberkirchenrat Paulusplatz 1

64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405202

E-Mail: wolfgang.heine@ekhn-kv.de

Schwindt, Christian Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrer Paulusplatz 1

Oberkirchenrat 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405429

E-Mail: christian.schwindt@ekhn-kv.de

Clauss, Armin

Staatsminister a.D.

Vorsitzender der Hauptversammlung

des DWHN

Stellvertreter:

Petersen, Karsten H. Ev. Verein für Innere Mission

Pfarrer Ludolfusstr. 2-4

Geschäftsführer des Ev. Vereins für 60487 Frankfurt am Main

Innere Mission in Frankfurt am Main Tel.: 069 7072525

Fax: 069 296645

E-Mail: petersen@innere-mission-ffm.de


V O R S T A N D










H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Bühler, Tankred An der Pforte 17

Dekan 64521 Groß-Gerau

Tel.: 06152 57817

Fax: 06152 55309

E-Mail: tankred-buehler@web.de

Diehl, Walter Nieder-Ramstädter Diakonie

Kaufmännischer Vorstand Stiftstraße 2

Nieder-Ramstädter Diakonie 64367 Mühltal

Tel.: 06151 1491590

Fax: 06151 1491595

E-Mail: Walter.Diehl@nrd-online.de

Geiter, Heinke Fürstin-Henriette-Dorothea-Weg 1

Dekanin 65510 Idstein

Tel.: 06126 40177122

Fax: 06126 40177190

E-Mail: dekanat.idstein@t-online.de

Weber, Bernd Frankfurter Diakonie-Kliniken gGmbH

Direktor Ginnheimer Landstr. 94

Geschäftsführer der Frankfurter 60487 Frankfurt am Main

Diakonie-Kliniken Tel.: 069 95332170

Fax: 069 95332180

E-Mail: bernd.weber@fdk.info

Zentgraf, Dr. Martin Hessischer Diakonieverein

Pfarrer Freiligrathstr. 8

Vorstandsvorsitzender des 64285 Darmstadt

Hessischen Diakonievereins Tel.: 06151 602398

Fax: 06151 602838

E-Mail: martin.zentgraf@hdv-darmstadt.de

Mit beratender Stimme:

Schleitzer, Erhard Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bereich des DWHN

Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Zweifalltorweg 10

der Mitarbeitervertretungen 64293 Darmstadt

im Bereich des DWHN Tel.: 06151 926131

Fax: 06151 926147

E-Mail: AGMAV.HN@gmx.de

Hauptversammlung

Vorsitzender:

Clauss, Armin

Staatsminister a.D.

stellvertretende Vorsitzende:

Kündiger, Helgard Bommersheimer Weg 100

Pfarrerin 61348 Bad Homburg v. d. H.

Tel.: 06172 390731

stellvertretender Vorsitzender:

Petersen, Karsten H. Ev. Verein für Innere Mission

Pfarrer Ludolfusstr. 2-4

Geschäftsführer des Ev. Vereins für 60487 Frankfurt am Main

Innere Mission in Frankfurt am Main Tel.: 069 7072525

Fax: 069 296645

92


V O R S T A N D










Stabsstellen

93

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Landesgeschäftsstelle

Ederstraße 12

60486 Frankfurt am Main

Stabsstelle Recht – Allgemeine Rechtsfragen/Sozialrecht

Renn, Dr. Heribert Tel.: 069 7947-289

Leiter der Rechtsstelle Fax: 069 7947-99289

E-Mail: heribert.renn@dwhn.de

Stabsstelle Recht – Arbeitsrechtliche Grundsatzfragen

Weikl, Ingeborg Tel.: 069 7947-290

Fax: 069 7947-99290

E-Mail: ingeborg.weikl@dwhn.de

Stabsstelle Recht – Kinder-, Jugend- und Familienrecht

Heuerding, Barbara Tel.: 069 7947-287

Fax: 069 7947-99287

E-Mail: barbara.heuerding@dwhn.de

Stabsstelle Pressesprecherin

Niepmann, Kathleen Tel.: 069 7947-375

Pfarrerin Fax: 069 7947-99375

E-Mail: kathleen.niepmann@dwhn.de

Stabsstelle Koordination regionale Diakonische Werke

Seydel, Hans Tel.: 069 7947-253

Fax: 069 7947-99253

E-Mail: hans.seydel@dwhn.de

Stabsstelle Controlling/Innenrevision

Bufe, Dirk Tel.: 069 7947-272

Fax: 069 7947-99272

E-Mail: dirk.bufe@dwhn.de

Luft, Corina Tel.: 069 7947-260

Fax: 069 7947-99260

E-Mail: corina.luft@dwhn.de

Dettenrieder, Armin Tel.: 069 7947-270

Fax: 069 7947-310

E-Mail: armin.dettenrieder@dwhn.de

Klüber, Hans-Jürgen Tel.: 069 7947-247

Fax: 069 7947-99247

E-Mail: hans-juergen.klueber@dwhn.de


V O R S T A N D














Bereiche

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Bereich Kinder, Jugend und Familie

Kinder-/Jugendhilfe

Müller, Inge Tel.: 069 7947-474

Fax: 069 7947-99474

E-Mail: inge.mueller@dwhn.de

Langmaack, Kirsten Tel.: 069 7947-285

Fax: 069 7947-99285

E-Mail: kirsten.langmaack@dwhn.de

FSJ/Zivildienst/Freiwillige Dienste

Pontzen, Ingrid Tel.: 069 7947-265

Fax: 069 7947-99265

E-Mail: ingrid.pontzen@dwhn.de

Biehl-Menzel, Elisabeth Tel.: 069 7947-330

Fax: 069 7947-99330

E-Mail: elisabeth.biehl-menzel@dwhn.de

Hechler, Ulrike Tel.: 069 7947-316

Fax: 069 7947-99316

E-Mail: ulrike.hechler@dwhn.de

Ohlhus, Christina Tel.: 069 7947-255

Fax: 069 7947-99255

E-Mail: christina.ohlhus@dwhn.de

Thoma, Desirèe Tel.: 069 7947-370

Fax: 069 7947-99370

E-Mail: desiree.thoma@dwhn.de

Dinges, Julia Tel.: 069 7947-327

Fax: 069 7947-99327

E-Mail: julia.dinges@dwhn.de

Hohenstein, Rainer Tel.: 06151 46819

Fax: 06151 4288730

E-Mail: sfd-darmstadt@gmx.de

Frauen und Familie

Herrmann-Brandenburg, Karin Tel.: 069 7947-315

Pfarrerin Fax: 069 7947-333

E-Mail: karin.herrmann-brandenburg@dwhn.de

Bereich Gesundheit, Rehabilitation und Pflege

Altenhilfe

Menzel, Friedhelm Tel.: 069 7947-261

Pfarrer Fax: 069 7947-333

E-Mail: friedhelm.menzel@dwhn.de

Jung, Dagmar Tel.: 069 7947-329

Fax: 069 7947-333

E-Mail: dagmar.jung@dwhn.de

Hof, Stefan Tel.: 069 7947-256

Fax: 069 7947-99256

E-Mail: stefan.hof@dwhn.de

94


V O R S T A N D












95

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Ambulante pflegerische Dienste

Betz, Detlef Tel.: 069 7947-307

Fax: 069 7947-99307

E-Mail: detlef.betz@dwhn.de

Jost-Hildebrand, Marianne Tel.: 069 7947-371

Fax: 069 7947-99371

E-Mail: marianne.jost-hildebrand@dwhn.de

Projekt Diakoniestationen

Barschke, Martin Tel.: 069 7947-340

Pfarrer Fax: 069 7947-99340

E-Mail: martin.barschke@dwhn.de

Sylla, Joachim Tel.: 069 7947-325

Fax: 069 7947-99325

E-Mail: joachim.sylla@dwhn.de

Behindertenhilfe

Muth, Matthias Tel.: 069 7947-299

Fax: 069 7947-99299

E-Mail: matthias.muth@dwhn.de

Krankenhauswesen / -recht

Sehring, Ulrike Tel.: 069 7947-286

Fax: 069 7947-99286

E-Mail: ulrike.sehring@dwhn.de

Bereich Armut und besondere soziale Schwierigkeiten

Ethik, Arbeit und Sozialpolitik

Segbers, Prof. Dr. Franz Tel.: 069 7947-242

Fax: 069 7947-99242

E-Mail: franz.segbers@dwhn.de

Lang, Renate Tel.: 069 7947-263

Fax: 069 7947-99263

E-Mail: renate.lang@dwhn.de

Gefährdetenhilfe

Mehl, Willi Tel.: 069 7947-222

Fax: 069 7947-99222

E-Mail: willi.mehl@dwhn.de

Gemeinwesenarbeit und Schuldnerberatung

Kreußer, Sylvia Tel.: 069 7947-322

Fax: 069 7947-99322

E-Mail: sylvia.kreusser@dwhn.de

Sucht / Allg. Lebensberatung

Linke, Sonja Tel.: 069 7947-232

Fax: 069 7947-99232

E-Mail: sonja.linke@dwhn.de


V O R S T A N D













H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Bereich Migration und Interkulturelles Zusammenleben

Interkulturelles Zusammenleben/Migration

Lipsch, Andreas Tel.: 069 7947-226

Pfarrer Fax: 069 7947-99226

E-Mail: andreas.lipsch@dwhn.de

Niebch, Hildegund Tel.: 069 7947-300

Fax: 069 7947-99300

E-Mail: hildegund.niebch@dwhn.de

Haas, Christa Tel.: 069 7947-228

Fax: 069 7947-99228

E-Mail: christa.haas@dwhn.de

Prassiadou-Kara, Martha Tel.: 069 7947-218

Fax: 069 7947-99218

E-Mail: martha.prassiadou-kara@dwhn.de

Bereich Öffentlichkeitsarbeit

Leitung und Pressesprecherin

Niepmann, Kathleen Tel.: 069 7947-375

Pfarrerin Fax: 069 7947-99375

E-Mail: kathleen.niepmann@dwhn.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Willenbrock, Doris Tel.: 069 7947-294

Fax: 069 7947-99294

E-Mail: doris.willenbrock@dwhn.de

Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindediakonie

Wegner, Wilhelm Tel.: 069 7947-380

Pfarrer Fax: 069 7947-99380

E-Mail: wilhelm.wegner@dwhn.de

Veranstaltungen und Medien

Frey, Dr. Reiner Tel.: 069 7947-279

Fax: 069 7947-99279

E-Mail: reiner.frey@dwhn.de

Fundraising und Stiftung

Kreh, Bernd Tel.: 069 7947-240

Fax: 069 7947-99441

E-Mail: bernd.kreh@dwhn.de

Bereich Personal, Organisation, Finanzen

Personal und IT

Jung, Christoff Tel.: 069 7947-252

Fax: 069 7947-99252

E-Mail: christoff.jung@dwhn.de

Personal und IT, EDV

Kehrer, Arno Tel.: 069 7947-383

Fax: 069 7947-99383

E-Mail: arno.kehrer@dwhn.de

Kaiser, Andreas Tel.: 069 7947-373

Fax: 069 7947-99373

E-Mail: andreas.kaiser@dwhn.de

96


V O R S T A N D















97

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Personal und IT, Personalverwaltung

Metzler, Thomas Tel.: 069 7947-206

Fax: 069 7947-99206

E-Mail: thomas.metzler@dwhn.de

Personal und IT, Stellenbörse

Bloos, Katharina Tel.: 069 7947-304

Fax: 069 7947-99304

E-Mail: katharina.bloos@dwhn.de

Personalentwicklung / Fort- und Weiterbildung

Seydel, Hans Tel.: 069 7947-253

Fax: 069 7947-99253

E-Mail: hans.seydel@dwhn.de

Gottschalk, Gabriele Tel.: 069 7947-305

Fax: 069 7947-99305

E-Mail: gabriele.gottschalk@dwhn.de

Arbeitsrecht

Kunst, Dr. Heiko Tel.: 069 7947-201

Fax: 069 7947-99201

E-Mail: heiko.kunst@dwhn.de

Wirtschaftliche Beratung

Ottinger, Rüdiger Tel.: 069 7947-251

Fax: 069 7947-99251

E-Mail: ruediger.ottinger@dwhn.de

Trippel, Angelika Tel.: 069 7947-312

Fax: 069 7947-99312

E-Mail: angelika.trippel@dwhn.de

Snethlage, Achim Tel.: 069 7947-382

Fax: 069 7947-99382

E-Mail: achim.snethlage@dwhn.de

Kruspe, Eva Tel.: 069 7947-268

Fax: 069 7947-99268

E-Mail: eva.kruspe@dwhn.de

Luft, Corina Tel.: 069 7947-260

Fax: 069 7947-99260

E-Mail: corina.luft@dwhn.de

Speck, Thomas Tel.: 069 7947-324

Fax: 069 7947-99324

E-Mail: thomas.speck@dwhn.de

Aktion Mensch

Langmaack, Kirsten Tel.: 069 7947-285

Fax: 069 7947-99285

E-Mail: kirsten.langmaack@dwhn.de

Finanzen und Administration

Wodtke, Horst Tel.: 069 7947-292

Fax: 069 7947-99292

E-Mail: horst.wodtke@dwhn.de

Rickert, Elke Tel.: 069 7947-298

Fax: 069 7947-99298

E-Mail: elke.rickert@dwhn.de


V O R S T A N D










H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Pfaff, Herbert Tel.: 069 7947-442

Fax: 069 7947-99442

E-Mail: herbert.pfaff@dwhn.de

Innerer Dienst

Friedrichsen, Daniela Tel.: 069 7947-245

Fax: 069 7947-99245

E-Mail: daniela.friedrichsen@dwhn.de

Mitarbeitervertretung

Dettenrieder, Armin (Vorsitzender) Tel.: 069 7947-291

Fax: 069 7947-99291

E-Mail: mav@dwhn.de

Kruspe, Eva (stellv. Vorsitzende) Tel.: 069 7947-268

Fax: 069 7947-99268

E-Mail: eva.kruspe@dwhn.de

Gesamt-Mitarbeitervertretung

Renschler, Klaus Tel.: 069 7947-291

Kruspe, Eva

Prawdzik, Birte E-Mail: gmav@dwhn.de

Vertretung der Evangelischen Kirchen und der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz

Der Beauftragte der Diakonischen Werke

Albrecht Bähr Bauerngasse 7

Pfarrer 55116 Mainz

Tel.: 06131 6299740

Fax: 06131 6299741

E-Mail: sekretariat@dw-rlp-a-baehr.de

Referentin für Kinder, Jugend und Familie

Christiane Giersen Bauerngasse 7

55116 Mainz

Tel.: 06131 5542741

Fax: 06131 6299741

E-Mail: c.giersen@dw-rlp-a-baehr.de

98


V O R S T A N D

A N S C H R I F T E N V E R Z E I C H N I S — R E G I O N A L E D I A K O N I S C H E W E R K E

Bezeichnung Anschrift Tel./Fax E-Mail

99

Reg. Diakonisches Werk Bergstraße Riedstraße 1 06251 1072-0 kontakt@diakoniebergstrasse.de

Leitung: Hendrik Raekow 64625 Bensheim 06251 107252

Dekanate: Bergstraße, Ried

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Reg. Diakonisches Werk Biedenkopf-Gladenbach Mühlweg 23 06461 9540-0 dw-biedenkopf@dwhn.de

Leitung: Helmut Kretz 35216 Biedenkopf 06461 954022

Dekanate: Biedenkopf, Gladenbach

Reg. Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg Zweifalltorweg 10 06151 926-0 info@dw-darmstadt.de

Leitung: Edda Haack 64293 Darmstadt 06151 926100

Dekanate: DA-Stadt, DA-Land, Reinheim,

z.T. Bergstraße, Gr.-Umstadt

Reg. Diakonisches Werk Dillenburg-Herborn Maibachstraße 2 A 02771 2655-0 Info@dwdh.de

Leitung: Karl Müßener 35683 Dillenburg 02771 265520

Dekanate: Dillenburg, Herborn

Reg. Diakonisches Werk Gießen Gartenstraße 11 0641 93228-0 info@diakonie-giessen.de

Leitung: Holger Claes 35390 Gießen 0641 9322837

Dekanate: Gießen, Grünberg, Hungen, Kirchberg

Reg. Diakonisches Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim Weserstraße 34 06142 96321-0 info@diakonie-kreisgg.de

Leitung: Jürgen Dittmar 65428 Rüsselsheim 06142 14211

Dekanate: Groß-Gerau, Ried-Nord, Rüsselsheim

Reg. Diakonisches Werk Hochtaunus Heuchelheimer Straße 20 06172 3088-03 Diakonisches.Werk.Hochtaunus@t-online.de

Leitung: Michael Hibler 61348 Bad Homburg 06172 308837

Dekanat: Hochtaunus

Reg. Diakonisches Werk Limburg-Weilburg Parkstraße 12 06431 2174-0 info@dwlw.de

Leitung: Irina Porada 65549 Limburg 06431 2174200

Dekanate: Runkel, Weilburg

Reg. Diakonisches Werk Main-Taunus Ostring 17 06196 5035-0 info@dwmt.de

Leitung: Agim Kaptelli 65824 Schwalbach/Ts. 06196 503526

Dekanat: Kronberg

Reg. Diakonisches Werk Mainz-Bingen Kaiserstraße 56 06131 2189412 zentrale@diakonie-mainz-bingen.de

Leitung: Georg Steitz 55116 Mainz 06131 1431508

Dekanate: Ingelheim, Mainz, Oppenheim


V O R S T A N D

Bezeichnung Anschrift Tel. /Fax E-Mail

Reg. Diakonisches Werk Odenwald Schulstraße 15 06063 9598-0 dwo.badkoenig@dw-odw

Leitung: Brigitte Walz-Kelbel 64732 Bad König 06063 959811

Dekanate: Odenwald, z.T. Reinheim

Reg. Diakonisches Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau An der Winkelsmühle 5 06103 9875-0 info@diakonie-of.de

Leitung: Martin Glaub 63303 Dreieich 06103 987530

Dekanate: Dreieich, Offenbach, Rodgau

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

Reg. Diakonisches Werk Rhein-Lahn Am alten Rathaus 02603 9623-30 dwbadems@t-online.de

Leitung: Ulrike Pommerenke 56130 Bad Ems 02603 962340

Dekanate: Diez, Nassau, St. Goarshausen

Reg. Diakonisches Werk Rheingau-Taunus Gartenfeldstraße 15 06124 7082-0 info@dwrt.de

Leitung: Wolfgang Wartenberg 65307 Bad Schwalbach 06124 708260

Dekanate: Bad Schwalbach, Idstein

Reg. Diakonisches Werk Vogelsberg Schlitzer Straße 2 06641 3041 Beratungsstelle@diakonie-vogelsberg.de

Leitung: Christa Wachter 36341 Lauterbach 06641 62527

Dekanate: Alsfeld, Vogelsberg

Reg. Diakonisches Werk im Westerwaldkreis Hergenrother Straße 2a 02663 9430-0 info@diakonie-westerwald.de

Leitung: Wilfried Kehr 56457 Westerburg 02663 943060

Dekanate: Bad Marienberg, Selters

Reg. Diakonisches Werk Wetterau Bahnhofstraße 26 06043 9640-0 info@dw-wetterau.de

Leitung: Gerhard Wolf 63667 Nidda 06043 964020

Dekanate: Büdingen, Nidda, Schotten, Wetterau

(Bad Vilbel, Butzbach, Friedberg)

Reg. Diakonisches Werk Wiesbaden Rheinstraße 65 0611 36091-0 info@diakonisches-werk-wiesbaden.de

Leitung: Gustav Förster 65185 Wiesbaden 0611 3609120

Dekanat: Wiesbaden

Reg. Diakonisches Werk Worms-Alzey Seminariumsgasse 4-6 06241 92029-0 DW-Worms@dwwa.de

Leitung: Joachim Girrbach 67547 Worms 06241 9202911

Dekanate: Alzey, Wöllstein, Worms-Wonnegau

100


V O R S T A N D

101

H A U P T A U S S C H U S S A R B E I T S G E B I E T E R E G I O N A L E W E R K E A U F E I N E N B L I C K

D I A K O N I S C H E S W E R K I N H E S S E N U N D N A S S A U ( D W H N )

S T A T I S T I K D E R M I T G L I E D E R U N D D E R E N E I N R I C H T U N G E N S T A N D : 3 1 . 0 8 . 2 0 0 7

N A C H § 6 D E R S A T Z U N G D E S D W H N V O M 1 9 . 0 1 . 2 0 0 2

M I T G L I E D E R

190 * ) Rechtsträger mit 367 Einrichtungen

und 21.304 Betten/Plätzen

14 * ) Vereine für Jugend- und Erwachsenenhilfe/Betreuungsvereine

48 Dekanate der Ev. Kirche in Hessen und Nassau

252 Mitglieder des DWHN

* ) mit insgesamt rd. 16.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

E I N R I C H T U N G E N D E R M I T G L I E D E R

E I N R I C H T U N G E N B E T T E N / P L Ä T Z E

K R A N K E N H I L F E 16 Krankenhäuser 3.007

J U G E N D H I L F E 33 Stationäre Einrichtungen 1.021

35 Teilstationäre Einrichtungen 1.136

26 Beratungsstellen 60

sowie ambulante Dienste

F A M I L I E N H I L F E 7 Stationäre Einrichtungen 556

1 Tageseinrichtung

29 Beratungsstellen 95

sowie ambulante Dienste

A L T E N H I L F E 85 Vollstationäre Einrichtungen 7.764

incl. Kurzzeitpflege

30 Betreutes Wohnen für Senioren 1.395

und Altenwohnungen

10 Tages- und Nachtpflege- 157

einrichtungen

B E H I N D E R T E N H I L F E 24 Stationäre Einrichtungen 2.123

15 Tageseinrichtungen 1.963

6 Beratungsstellen 244

sowie ambulante Dienste

H I L F E N F Ü R P E R S O N E N 10 Stationäre Einrichtungen 431

I N B E S O N D . S O Z I A L E N 4 Tageseinrichtungen 20

S I T U A T I O N E N 8 Beratungsstellen

A U S B I L D U N G 9 Ausbildungsstätten 942

S O N S T I G E 3 Stationäre Einrichtungen 287

E I N R I C H T U N G E N 1 Tageseinrichtung 75

15 weit. Einrichtungen 28

und ambulante Dienste

G E S A M T 367 21.304

Folgende ambulante Pflegeeinrichtungen

sind dem DWHN n. §13 Abs.1 Satz 2

Diakoniegesetz angeschlossen 59 Diakoniestationen (48:11)


I M P R E S S U M

Herausgeber: Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V.

Ederstraße 12, 60486 Frankfurt am Main

Tel.: 069 7947-0, Fax: 069 7947-310

E-Mail: kontakt@dwhn.de

Internet: www.diakonie-hessen-nassau.de

Konzept: Wilhelm Wegner

Text-Redaktion: Wilhelm Wegner (verantwortlich), Doris Willenbrock

Redaktionelle Mitarbeit: Kathleen Niepmann, Ruth Asiedu

Bild-Redaktion: Dr. Reiner Frey

Gestaltung/Layout: Piva & Piva — Studio für visuelles Design

Heidelberger Straße 93, 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 68508, Fax: 06151 662879

E-Mail: piva.piva@t-online.de

Druck und Versand: Plag gGmbh

Sandweg 3, 34613 Schwalmstadt

Tel.: 06691 1471, Fax: 06691 22266

E-Mail: info@plagdruck.de

Bildnachweis: Seite:

Margarete Berkenfeld 80

Dekanat Idstein, EKHN 20

Diakonisches Werk der EKD 53, 60, 66

Diakonie-Verein Weilburg e.V. 85-86

dreamstime 30-31, 61

epd-bild 10, 13, 16, 35, 37, 37 Grafik, 38-39, 41, 42-43,

44-45, 57, 68-69

Inge Kadler

(Tagesstätte des regionalen Diakonischen

Werks Rheingau-Taunus:

„Die Malerwerkstatt“)

4

Reiner Frey 9, 14-15, 18, 20-23, 40, 42-43 Hintergrundbild, 45

46-49, 50-51, 74-75, 76-78, 79

istockphoto 8

Klaus Günter Kohn 6, 7, 17, 19, 33, 36

Pat Meise 28-29

Katharina Öhlschläger 81

Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau 24-27

Wilhelm Wegner 11

Doris Willenbrock 1, 64

Wohngemeinschaft für Mutter und Kind,

regionales Diakonisches Werk Wiesbaden

82-84

Gregor Ziorkewicz 62-63

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