Ameisenbär - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

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Ameisenbär - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

14 LÖHLEINS TIERLEBENGroßerAmeisenbärGroße Ameisenbären sind etwas ganz besonderes! Die Verwandtschaft mitden Faultieren, die Ernährung fast ausschließlich von Termiten und Ameisenund der sonderbare Körperbau mit der langen Schnauze, dem winzigen Mundund der langen Zunge, der borstigen Schwanzfahne und den kräftigenGrabkrallen überrascht nicht nur den Zoobesucher.Denn auch die Vicunjas machen großeAugen, wenn sie länger keinen Ameisenbärengesehen haben. Vor allem imFrühjahr, wenn die Ameisenbären nacheiner längeren Kältephase wieder mitden Vicunjas auf die gemeinsame Außenanlagegelassen werden, sind die Vicunjas sehr aufgeregtund stoßen Warnrufe aus.Doch auch für die Tierpfleger sind Ameisenbärenetwas Besonderes. Denn bei welcher anderenWildtierart gibt es das wohl, dass der Tierpflegerseinen Pflegling zum Frühstück wecken muss? Esist wirklich so: Tierpfleger Matthias Bartek odereiner seiner Kollegen betritt morgens den Stallmit einer Schüssel Spezialbrei für Ameisenbären.Ameisenbär Leon oder Ameisenbärin Xippe hebtverschlafen kurz den Kopf, nimmt die Anwesenheitdes Pflegers zu Kenntnis, macht aber keineAnstalten aufzustehen. Würde Matthias Bartekden Brei jetzt einfach abstellen und den Stall wiederverlassen, schliefen die Ameisenbären einfachweiter und würden den Brei nicht anrühren.Matthias Bartek muss den Ameisenbären also erstgut zureden und sie streicheln und kraulen, bis siesich nach ein paar Minuten gnädig zum Frühstückerheben. Übrigens beginnt der Tag für freilebendeAmeisenbären auch erst so gegen 10 Uhr.Nach dem Frühstück geht es dann, wenn die Temperaturennicht gerade unter dem Gefrierpunktsind, raus auf die große Südamerikaanlage. Währendsich Xippe besonders im hinteren Teil desGeheges entlang dem Zaun wohl fühlt und hierauch ihre selbstgegrabene Schlafmulde hat, patrouilliertLeon vor allem vormittags gerne durchdas gesamte Gehege. Ameisenbären haben einenextrem guten Geruchssinn und so entgeht Leonkein Ameisenbau und auch kein noch so gut verstecktesWildentennest in einer der Benjesheckenoder -haufen. Denn Enteneier auszuschlabberngehört zu Leons Lieblingsbeschäftigungen.Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man,dass Ameisenbären dank ihres Geruchssinns nichtnur unter der Erde gelegene Ameisen- und Termitenbaueaufspüren können, sondern sogar riechen,ob die jeweilige Ameisenart bekömmlich istoder über unbekömmliche Abwehrgifte verfügtund deshalb besser zu verschmähen ist.Mit den kräftigen Krallen an den muskulösen Vorderbeinen,die auch für den Puma oder Jaguareine Gefahr darstellen, wird auch in den härtestenBau ein Loch gemacht. Anschließend angeln Ameisenbärenmit der bis zu 60 cm langen Zunge bis zu160 mal pro Minute (!) Ameisen und Larven ausdem Bau und schlucken sie unzerkaut herunter.Wie mag sich das wohl im Bauch anfühlen?Ein Ameisenbär verspeist täglich schätzungsweise30.000 bis 35.000 Termiten. Doch von jedem Nest,das er findet, frisst er nur einen kleinen Teil derdarin enthaltenen Beutetiere. So löscht er dieNester nicht aus und erhält instinktiv seine Lebensgrundlage.Neben dem fantastischen Geruchssinn ist auch dasGehör sehr gut entwickelt. Dafür ist das Auge zukeinen großen Leistungen im Stande. Ameisenbärensehen nur sehr schlecht. Für die Tierpflegerbedeutet das, im Umgang mit den Ameisenbärendauernd zu sprechen. So hört der Ameisenbär immer,wo sein Pfleger ist und erschrickt nicht. DennAmeisenbären sind durchaus sensibel und schreckhaft.Die Hellabrunner Ameisenbären sind zwarinsgesamt sehr umgänglich, doch Xippe erschricktzum Beispiel schon, wenn sie fremde, ihr unbekannteStimmen hört. Leon ist da cooler. Und dernoch recht junge Diego aus Brasilien ist noch inder Eingewöhnungsphase und deshalb rechtschreckhaft. Er muss sich noch an die Abläufe undPfleger gewöhnen. Deshalb ist er auch zur Zeitnoch im abgelegeneren und ruhigeren Nilgau-Antilopenstalluntergebracht. Wenn er sich in Hellabrunneingelebt hat, soll er auch auf die Südamerika-Anlagekommen. Denn weil Leon unfruchtbarist, liegen auf dem jungen Diego alle Hoffnungenauf Nachwuchs bei diesen urtümlichen Langschläfernaus Südamerika.


LÖHLEINS TIERLEBEN15ZOOLOGISCHESAmeisenbären sind einige der wenigenverbliebenen Vertreter der im Tertiär sogroßen Ordnung der Nebengelenkträger.Die Bezeichnung Nebengelenkträgerweist auf die Gemeinsamkeit vonzusätzlichen Gelenken an den Wirbelnvon Ameisenbären, Faultieren und Gürteltierenhin. Anatomische Besonderheiten des Ameisenbärensind die lange Schnauze mit nur kleiner Maulspalteund wurmförmiger Zunge und der zahnloseOber- und Unterkiefer. Große Ameisenbären lebeneinzelgängerisch und verfügen über kein sehrausgeprägtes Sozialverhalten. Die Fortpflanzungist nicht an eine Jahreszeit gebunden und wird voneiner ca. 180-190tägigen Trächtigkeit gefolgt. JungeAmeisenbären werden auf dem Rücken derMutter getragen, wo sich ihre Färbung in dasgleich gefärbte Fell der Mutter so einpasst, dass siekaum zu erkennen sind. Durch Lebensraumzerstörungsind Ameisenbären heute gefährdet und inmanchen Teilen Ihres Verbreitungsgebiets vomAussterben bedroht. Schutzmaßnahmenaußerhalb von Nationalparks fehlen inden meisten Ländern noch.Dr. Wolfgang LöhleinEINTOPF NACHAMEISENBÄREN-ARTHackfleisch, Hundetrockenfutter, Haferflocken, Apfel,Birne, Tomate, Grillen oder Heimchen (tiefgefroren),ein Ei und etwas Honig mit einem Liter Wasserzu einem groben Brei zerkleinern. Mit Erde und Torfabschmecken und im Hundenapf servieren.Pro Mahlzeit rechnet man ca. 500 bis 750 ml Eintopfpro Ameisenbär.Und als Zwischenmahlzeit freut sich der Ameisenbärüber eine halbe reife Avocado oder einen mehligenApfel.Wem das alles zu aufwendig erscheint, kann alternativdazu 30.000 bis 35.000 frische Termiten oder Ameisenverfüttern. Ein ungefähres Abzählen sollte genügen.

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