Unerwartet relevant - Ethik konkret

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Unerwartet relevant - Ethik konkret

31Unerwartet relevantTod und Trauer als Herausforderung für UnternehmensleitungenMechthild HerberholdWarum das Thema Tod und Trauer in Betriebenin der Regel nicht angesprochen wird, liegt aufder Hand. Zunächst zählt die Beschäftigung mitdiesem Bereich nicht zu den unternehmensrelevantenAufgaben. Unternehmen bieten fürinteressierte KundInnen Waren oder Dienstleistungenan und arbeiten kostendeckend beziehungsweisegewinnorientiert. Entsprechendgeht es dort um Themen wie Produktentwicklung,Finanzplanung, Personalförderung oderQualitätsmanagement (vgl. Dillerup, Stoi 2011).Zweitens orientiert sich die Wirtschaft an Leistungsfähigkeit,Wachstum und Produktivität.Tod und Trauer entsprechen diesen Kriteriennicht. Drittens schreiben wir in unserer GesellschaftTrauer der privaten Sphäre zu, währendErwerbstätigkeit und Unternehmensführungzum öffentlichen Bereich gehören.Der Tod macht vor der Arbeitsweltnicht haltDa verwundert es nicht, dass in den Firmenniemand so recht mit dem Tod rechnet. Es gibtviele Unternehmen, in denen über Jahre undJahrzehnte kein Mitglied aus der aktiven Belegschaftstirbt. Insofern haben alle Beteiligtenwenig Veranlassung, sich mit dem – ja auchnicht leichten – Thema zu beschäftigen. Dochder Tod macht vor den Unternehmen nichtHalt. Im Jahr 2009 starben in Deutschland854.544 Menschen, davon 15 % im erwerbsfähigenAlter (vgl. Statistisches Bundesamt 2011,S. 60). Es sterben KollegInnen, MitarbeiterInnenund Führungskräfte. Auch deren Angehörigesterben – Eltern, Geschwister, PartnerInnen,FreundInnen, Kinder.Nach einem Todesfall muss die Arbeit in denBetrieben trotzdem weitergehen: Neue Projektesind geplant, ein Zertifizierungs-Audit stehtan und KundInnen erwarten, dass die Lieferungpünktlich kommt. Für Trauer ist da in der Regelnur wenig Raum. Während die Trauer umenge Familienangehörige in unserer Gesellschaftdurchaus auf Verständnis trifft, führt der Todvon Betriebsangehörigen häufig zu »aberkannterTrauer« (vgl. Doka 2011). Unsicherheit undSprachlosigkeit sind groß, denn kaum jemandbringt Erfahrung mit, wie man gut mit Tod undTrauer umgehen kann. Doch sobald Mitarbeiter-Innen um KollegInnen oder deren Angehörigetrauern, wird das Thema auch betrieblich relevant.Trauer – eine unvorhergeseheneFührungsaufgabeUnternehmensleitungen und Führungskräftesind wichtige AnsprechpartnerInnen, wennSterben, Tod und Trauer das Team beschäftigen.Oft stehen sie unvermittelt vor der Herausforderung,adäquat zu reagieren. Jedoch: BetriebswirtschaftlicheAus- und Fortbildungen habensie auf diese Situation nicht vorbereitet. Selbsterschüttert, sollen sie nun den Angehörigenkondolieren, mit den MitarbeiterInnen sprechenund dafür sorgen, dass die Anforderungendes Betriebs nicht zu kurz kommen. Für die Verantwortlichenist diese Situation nicht einfach –das unterschätzen Außenstehende und auchMitarbeiterInnen schnell.Leidfaden, Heft 3 / 2012, S. 30–38, © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012, ISSN 2192–1202


32 Mechthild HerberholdDas Interesse der Arbeitgeber an Arbeitsfähigkeit und Produktivität derMitarbeiter sichert den Bestand des Unternehmens. Diese Fähigkeitenbleiben in der Regel jedoch nur dann erhalten, wenn die Betroffenen ihreTrauer auch am Arbeitsplatz nicht verstecken müssen. Aus betriebswirtschaftlicherSicht handelt es sich daher bei allen Maßnahmen zur Trauerbegleitungnicht um Kosten, sondern um eine Investition.LEIDFADEN – FACHMAGAZIN FÜR KRISEN, LEID, TRAUER Heft 3 / 2012


Unerwartet relevant 35Befinden sagen zu müssen. Wieder andere gehenihrer Arbeit nach und ihre Trauer wird unterUmständen überhaupt nicht sichtbar. Darüberhinaus beeinflussen gesellschaftlich-kulturelleTrauermuster (siehe Stroebe/Schut 2011), wieMenschen ihre Trauer im Betrieb ausdrücken.So gelten etwa hierzulande bei Frauen Träneneher als akzeptabel, während von Männern gefasstesVerhalten erwartet wird. Zudem verändernsich die Bedürfnisse von Trauernden imLauf der Zeit. Nicht nur im Privatleben, auch imbetrieblichen Umfeld gilt daher: Es gibt so vieleArten zu trauern, wie es Menschen gibt. JedeTrauerform hat ihre Berechtigung 2 .Die je individuellen Umgangsweisen prägennicht nur den eigenen Trauerprozess, sondernauch die Arbeit mit den KollegInnen. MancheTeams wachsen durch die gemeinsame Trauerzusammen. Sterben, Tod und Trauer könnenaber auch Abteilungen, in denen bisher gutzusammengearbeitet wurde, sehr belasten.Arbeitsleistung und Arbeitsklima sind zuweilensoweit beeinträchtigt, dass ein Team völlig zerfälltund nicht mehr in dieser Zusammensetzungarbeiten kann.Aus einem systemischen Blickwinkel (vgl.Simon 2011) verändert sich in jedem Fall dasGefüge im Unternehmen: Jemand fehlt – alsFachkraft, als geschätzte Kollegin, als Mittagspausen-Begleitung.Es fehlen inhaltliche Beiträgeebenso wie zum Beispiel der spezifische Humor.Selbst wenn jemand für die gleiche Positioneingestellt wird, formieren sich die Rollen undZuständigkeiten neu. Noch deutlicher ist dasder Fall, wenn die Aufgaben in der gesamtenAbteilung anders verteilt werden. Das heißt, allesind von den betrieblichen Auswirkungen betroffen– unabhängig davon, wie nah ihnen derVerlust persönlich geht.2 Eine weitergehende Differenzierung etwa hinsichtlich erschwerteroder komplizierter Trauerprozesse zählt nicht zu den Aufgabeneiner Führungskraft.Betriebliche Formen für den Umgang mitTrauerWenn ein Firmenmitglied gestorben ist, wirdein Unternehmen anders reagieren, als wennjemand aus der Belegschaft um einen Angehörigentrauert. Was MitarbeiterInnen bei einem Todesfallbrauchen, unterscheidet sich je nach Personund Situation. Es hängt von den Umständendes Todes und der Art der Beziehungen ebensoab wie von der Unternehmenskultur, der Unternehmensgröße,der Branche, dem Betriebsklimaund dem Führungsstil der Vorgesetzten. Die folgendenAusführungen beziehen sich auf unterschiedlicheBranchen und Betriebsgrößen undwollen dazu anregen, eigene Formen des Umgangsmit Trauer zu kreieren.a) Wenn ein Mitglied aus der BelegschaftstirbtWenn ein/e Mitarbeiter/-in oder eine Führungskraftstirbt, geht es zunächst darum, dass der Todinnerhalb des Betriebes öffentlich und sichtbarwird – insbesondere dann, wenn jemand aufdem Betriebsgelände gestorben ist. Kriteriumfür die Auswahl und Gestaltung von Trauerritualenund Abschiedsformen ist, dass sie zurverstorbenen Person, zur Unternehmenskulturund zu den Trauernden passen und sich zudeminnerhalb der vorhandenen Räumlichkeiten undArbeitsabläufe arrangieren lassen. Als unterstützenderweist es sich, eine klare Struktur mit demRaum für spontane Äußerungen zu verbinden.Einige Beispiele:• Unmittelbar nach dem Tod lässt sich amArbeitsplatz das Geschehene deutlich machen:zum Beispiel im Großraumbüromit einem Foto und einer Kerze auf demSchreibtisch oder in einer Schreinerei mitBlumen auf der Werkbank.• Ein Kondolenzbuch (beispielsweise im Foyeroder im Intranet) ermöglicht vor allemin größeren Firmen den MitarbeiterInnen,Trauer am Arbeitsplatz


36 Mechthild Herberholdsich zunächst ohne Stimme auszudrückenund ihre Gedanken, Zitate oder einfachnur den eigenen Namen aufzuschreiben.• Vielen hilft es, zusammen zu trauern –zum Beispiel mit Fotos und Videos vonBetriebsfeiern Erinnerungen an die gemeinsameZeit auszutauschen, miteinandereinen persönlichen Nachruf zu formulieren,Musik zu hören oder selbst zumusizieren. Pflegekräfte einer Sozialstationbeispielsweise können sich in den erstenTagen nach ihren Touren eine halbe StundeZeit nehmen, um über das Unfassbare zusprechen. Oder Arbeiter trinken ihr Feierabendbierschweigend und im Gedenkenan den verstorbenen Kollegen.• Auch nach Monaten oder Jahren unterstützenentsprechende Formen den Trauerprozess,vor allem wenn der Tod als sehreinschneidend erlebt wurde. So kann manbeispielsweise zum Jahrestag eine Gedenkfeieroder bei kirchlicher Bindung einenGottesdienst gestalten, mit besinnlichen,erinnernden Momenten, mit traurigen undfröhlichen Aspekten.Ein Todesfall im Betrieb fordert in jedem Falleine Reaktion von der Unternehmensleitung.Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dieLeistung für die Firma zu erwähnen, sondernvor allem auch darum, den Menschen zu sehenund die eigene Betroffenheit zu zeigen. Direktnach der Todesnachricht unterstützt es die MitarbeiterInnen,wenn die Firmenleitung vor Ortanwesend ist und mit ihnen spricht. Darüber hinausbietet sich eine Würdigung in schriftlicherForm an, die man auch später noch nachlesenkann.Die Teilnahme und Beteiligung von FirmenvertreterInnenan der Bestattung betrifft auchdie Angehörigen und ist deshalb unbedingt mitihnen abzustimmen. Insbesondere sollten KollegInnennicht ohne Rücksprache Gegenständeoder Briefe in das Grab oder gar in den Sarg legen.Wie die Angehörigen reagieren, hängt nichtzuletzt wesentlich davon ab, ob sich der/die Verstorbeneim Betrieb wertgeschätzt und wohl gefühlthat.Die Unternehmensleitung kann den Abschiedder KollegInnen durch entsprechendeRahmenbedingungen (Ort, Uhrzeit, Budget fürBlumen und Kerzen etc.) unterstützen. Ob dieZeit für Trauerfeiern besser als Arbeitszeit oderFreizeit gerechnet wird, lässt sich pauschal nichtsagen – wichtig ist eine transparente Regelung.Inwieweit sie an den angebotenen Formen teilnehmenmöchten, sollte den MitarbeiterInnenfreigestellt bleiben. Ideal wäre, wenn alle einepassende Form für ihren jeweils eigenen Abschiedfinden könnten.Bei der Neuverteilung der Aufgaben und beiNachfolgeregelungen ist Fingerspitzengefühlerforderlich. MitarbeiterInnen befinden sichhäufig in einem Interessenkonflikt zwischeneigenen Karrierewünschen und Pietätsgefühlendem/der Verstorbenen gegenüber. AnstehendeVeränderungen personeller oder strukturellerArt gilt es entsprechend sorgfältig zu planen.Das trifft vor allem dann zu, wenn auf den Toddes Firmengründers oder der Seniorchefin eineUnternehmensübergabe folgt.b) Wenn jemand im Privatleben trauertAuch in kleinen Unternehmen kommt es häufigervor, dass KollegInnen trauern, weil ein Kind,ein Elternteil oder eine Freundin gestorben ist.Da der Tod vermeintlich ausschließlich in dasPrivatleben gehört, wird die Trauer allerdings inihrer Bedeutung für das Unternehmen sowohlvon den Betroffenen als auch von KollegInnenund Führungskräften in der Regel stark unterschätztund entsprechend vernachlässigt.Wenn ein nahe stehender Mensch stirbt, sinddie Hinterbliebenen erschüttert, sie brauchenZeit für sich und die Trauer. Nicht direkt Beteiligtenehmen den Tod zur Kenntnis, sind bestürztund vielleicht auch ein paar Tage bereit,LEIDFADEN – FACHMAGAZIN FÜR KRISEN, LEID, TRAUER Heft 3 / 2012


Unerwartet relevant 37jemanden zu unterstützen. Doch weil es sichnicht um ihre Trauer handelt, kehren sie schnellwieder zum Alltagsgeschäft zurück. Das ist fürdie Unbeteiligten ja auch völlig in Ordnung.Nicht zuletzt sorgen sie dafür, dass der Betriebweiterlaufen kann. Problematisch wird es, wennsie davon ausgehen, dass auch für den trauerndenKollegen oder die trauernde Kollegin nunwieder Normalität einkehrt und somit ihreUnterstützung nicht weiter gebraucht würde.Ob der Tod von Angehörigen aus dem privatenUmfeld im Unternehmen öffentlich werdensoll, entscheidet die betroffene Mitarbeiterinoder der betroffene Mitarbeiter. Manche wollenes für sich behalten, andere empfinden es alsschmerzhaft, wenn aus der Belegschaft niemandreagiert. Hilfreich ist, wenn Vorgesetzte fragen,ob und durch wen die KollegInnen von dem Toderfahren sollen.Was können nun Unternehmensleitungenund KollegInnen für trauernde Mitarbeiter-Innen tun? Die Ansatzpunkte reichen von Gesprächsangebotenund konkreten Hilfen überdie Gestaltung der kollegialen Beziehungen undder Zusammenarbeit im Team bis zur Organisationder Arbeitsprozesse:• Wenn man gar nicht weiß, was man sagensoll, kann man genau das in Worte fassenbzw. die eigene Betroffenheit mitteilen:»Meine Güte, ich kann es überhaupt nichtfassen.«• KollegInnen können Trauernde nach denEreignissen fragen – »War Ihr Sohn dennvor seinem Tod noch einmal im Krankenhaus?«– oder sich nach dem Befindenerkundigen: »Wie kommen Sie damit zurecht?«• Ob MitarbeiterInnen der Firma an der Bestattungteilnehmen sollen, hängt alleindavon ab, ob der/die Trauernde das als passendempfindet. Besonders in den erstenWochen sind konkrete Handlungen wichtig:beispielsweise eine Mitfahrgelegenheitin den Betrieb anzubieten oder in der Pausezu fragen, ob man etwas mitbringen kann.Eine aufmerksame Geste ist, wenn Kolleg-Innen sich in den Folgejahren am Todestagmelden. KollegInnen können auch aufweitere bestehende Angebote verweisen:auf eine Trauergruppe oder ein Trauercafé,die MitarbeiterInnen der jeweiligenKirchengemeinde, (semi)professionelleTrauerbegleiterInnen oder die Telefonseelsorge.Eine Notiz mit der entsprechendenAdresse ermöglicht den Trauernden, dieHilfe zu einem gewünschten Zeitpunkt inAnspruch zu nehmen.• Wenn Trauernde nach mehrtägiger odermehrwöchiger Abwesenheit wieder in denBetrieb kommen, haben sich die Projekteweiterentwickelt, betreuen die KollegInnendie eigenen KundInnen. Weil viele Menschenim Umgang mit Trauernden sehrvorsichtig sind, geraten Betroffene im Teamschnell ungewollt ins Abseits. Aufgabe derKollegInnen ist es hier, die Betroffenen immerwieder aktiv mit einzubeziehen: siezum Mittagessen abzuholen, sie währendeines Meetings nach ihrer Meinung zu fragenoder sich beim Betriebsausflug bewusstan den gleichen Tisch zu setzen. Diese Angebotesind über einen längeren Zeitraumerforderlich, manchmal werden sie angenommen,manchmal werden Trauerndesich auch lieber zurückziehen wollen.Trotzdem bleibt es wichtig, zu signalisieren:»Du gehörst weiterhin dazu.«• In den Zuständigkeitsbereich der Führungskräftefällt eine eventuelle Veränderungder Arbeitsorganisation. Es ist zuüberlegen, ob jemand direkt nach einemTodesfall Urlaub nehmen möchte. Andererseitskann der tägliche Weg an den vertrautenArbeitsplatz für manche eine Stützesein. Ein Arbeitszeitkonto bietet häufigauch die Möglichkeit, eigenverantwortlichMinusstunden zu nehmen und dem Bedürfnisnach längeren Pausen RechnungTrauer am Arbeitsplatz


38 Mechthild Herberholdzu tragen. Auch eine vorübergehende Umstellungauf Teilzeitarbeit kann angebrachtsein. Die Aufgaben sind anzupassen: EinenTrauernden die Betriebsfeier ausrichten zulassen, ist vielleicht in dem Jahr des Verlustsnicht angebracht. Viele erleben Kundenkontakteals sehr anstrengend. Sie könnenin den nächsten Wochen und Monatenzum Beispiel besser im Backoffice eingesetztwerden.Mut zur Gestaltung eigener FormenUnternehmen sind nicht in erster Linie Trauerorte– und das müssen sie auch nicht sein. Wennallerdings Tod und Trauer für die Mitarbeiter-Innen relevant werden, ist es für die Unternehmensleitungaus betrieblichen Gründen erforderlich,darauf zu reagieren. Nicht wirklich zuwissen, was man eigentlich tun soll, führt häufigdazu, dass KollegInnen und Führungskräfte garnichts tun. Hier bietet sich an, auf die Trauerndenzuzugehen und zu fragen, was sie brauchen.Rituale können helfen, das Unfassbare sowieMitgefühl und Wertschätzung auszudrücken.Dabei ist in erster Linie das Dass entscheidend,in Bezug auf das Wie passen zu jedem Unternehmenunterschiedliche Formen.Wenn sie sich auf die Trauersituation einlassen,können UnternehmerInnen beziehungsweiseVorgesetzte dieser Herausforderung mit ihrerFührungskompetenz, ihrer Menschenkenntnisund ihrer Betriebserfahrung vielfach aus eigenerKraft begegnen. Sie selbst kennen ihr Unternehmenund oft auch die MitarbeiterInnen ambesten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass dieBetriebsangehörigen vor einer unbekanntenSituation stehen und dass die Auseinandersetzungmit Tod und Trauer Zeit braucht. Eine inder speziellen Situation geeignete Form müssenVorgesetzte nicht unbedingt selbst entwickeln:MitarbeiterInnen haben vielfach kreative Ideen,was sie in ihrer Trauer unterstützt und was sichim Unternehmen gut umsetzen lässt. Wenn eineFührungskraft sich jedoch nicht selbst darumkümmern möchte, kann diese hier externe TrauerbegleiterInnenmit einbeziehen. Auch wennder Tod besonders herausfordernd ist – zumBeispiel bei einem Suizid oder einem Arbeitsunfall– kann es hilfreich sein, mit Fachleuten überdas Erlebte zu sprechen.Sicherlich bedeutet es zunächst einen Mehraufwand,sich mit Trauer zu befassen. Doch dasgilt nur kurzfristig. Denn nicht zuletzt unterstützenFormen für den Umgang mit Trauerdie Arbeitsfähigkeit des Teams. Sie liegen soim Interesse aller Beteiligten. Im Einklang mitmoderner Trauerforschung geht es auch in denBetrieben nicht mehr darum, Trauer zu überwinden,sondern sie zu akzeptieren und zu integrieren.Dr. Mechthild Herberhold ist seit 2007als selbstständige Ethikberaterin tätig.Mit ihrem Unternehmen Ethik konkretbegleitet sie Fach- und Führungskräfteverschiedener Branchen bei Fragen ausder Unternehmens-/Führungsethik undder Ethik im Gesundheitswesen. Nebendem Thema Tod und Trauer in Unternehmen befasst sie sichunter anderem mit werteorientierter Personalführung, Leitbildentwicklung,ethischen Entscheidungsprozessen undBurn-out-Prävention.E-Mail: herberhold@ethik-konkret.deLiteraturhinweiseDillerup, R.; Stoi, R.: Unternehmensführung (3. überarbeiteteAuflage). München 2011.Doka, K. J.: Trauer, die nicht anerkannt wird: AberkannteTrauer. In Paul, C. (Hrsg.): Neue Wege in der Trauer- undSterbebegleitung. Hintergründe und Erfahrungsberichtefür die Praxis. Vollständig überarbeitete und ergänzteNeuauflage. Gütersloh 2011, S. 51–59.Simon, F. B.: Einführung in die systemische Organisationstheorie(3. Auflage). Heidelberg 2011.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch.Wiesbaden 2011.Stroebe, M.; Schut, H.: Kultur und Trauer. In Paul, C. (Hrsg.):Neue Wege in der Trauer- und Sterbebegleitung. Hintergründeund Erfahrungsberichte für die Praxis. Vollständigüberarbeitete und ergänzte Neuauflage. Gütersloh2011, S. 39–50.LEIDFADEN – FACHMAGAZIN FÜR KRISEN, LEID, TRAUER Heft 3 / 2012

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