Unerwartet relevant - Ethik konkret

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Unerwartet relevant - Ethik konkret

Unerwartet relevant 35Befinden sagen zu müssen. Wieder andere gehenihrer Arbeit nach und ihre Trauer wird unterUmständen überhaupt nicht sichtbar. Darüberhinaus beeinflussen gesellschaftlich-kulturelleTrauermuster (siehe Stroebe/Schut 2011), wieMenschen ihre Trauer im Betrieb ausdrücken.So gelten etwa hierzulande bei Frauen Träneneher als akzeptabel, während von Männern gefasstesVerhalten erwartet wird. Zudem verändernsich die Bedürfnisse von Trauernden imLauf der Zeit. Nicht nur im Privatleben, auch imbetrieblichen Umfeld gilt daher: Es gibt so vieleArten zu trauern, wie es Menschen gibt. JedeTrauerform hat ihre Berechtigung 2 .Die je individuellen Umgangsweisen prägennicht nur den eigenen Trauerprozess, sondernauch die Arbeit mit den KollegInnen. MancheTeams wachsen durch die gemeinsame Trauerzusammen. Sterben, Tod und Trauer könnenaber auch Abteilungen, in denen bisher gutzusammengearbeitet wurde, sehr belasten.Arbeitsleistung und Arbeitsklima sind zuweilensoweit beeinträchtigt, dass ein Team völlig zerfälltund nicht mehr in dieser Zusammensetzungarbeiten kann.Aus einem systemischen Blickwinkel (vgl.Simon 2011) verändert sich in jedem Fall dasGefüge im Unternehmen: Jemand fehlt – alsFachkraft, als geschätzte Kollegin, als Mittagspausen-Begleitung.Es fehlen inhaltliche Beiträgeebenso wie zum Beispiel der spezifische Humor.Selbst wenn jemand für die gleiche Positioneingestellt wird, formieren sich die Rollen undZuständigkeiten neu. Noch deutlicher ist dasder Fall, wenn die Aufgaben in der gesamtenAbteilung anders verteilt werden. Das heißt, allesind von den betrieblichen Auswirkungen betroffen– unabhängig davon, wie nah ihnen derVerlust persönlich geht.2 Eine weitergehende Differenzierung etwa hinsichtlich erschwerteroder komplizierter Trauerprozesse zählt nicht zu den Aufgabeneiner Führungskraft.Betriebliche Formen für den Umgang mitTrauerWenn ein Firmenmitglied gestorben ist, wirdein Unternehmen anders reagieren, als wennjemand aus der Belegschaft um einen Angehörigentrauert. Was MitarbeiterInnen bei einem Todesfallbrauchen, unterscheidet sich je nach Personund Situation. Es hängt von den Umständendes Todes und der Art der Beziehungen ebensoab wie von der Unternehmenskultur, der Unternehmensgröße,der Branche, dem Betriebsklimaund dem Führungsstil der Vorgesetzten. Die folgendenAusführungen beziehen sich auf unterschiedlicheBranchen und Betriebsgrößen undwollen dazu anregen, eigene Formen des Umgangsmit Trauer zu kreieren.a) Wenn ein Mitglied aus der BelegschaftstirbtWenn ein/e Mitarbeiter/-in oder eine Führungskraftstirbt, geht es zunächst darum, dass der Todinnerhalb des Betriebes öffentlich und sichtbarwird – insbesondere dann, wenn jemand aufdem Betriebsgelände gestorben ist. Kriteriumfür die Auswahl und Gestaltung von Trauerritualenund Abschiedsformen ist, dass sie zurverstorbenen Person, zur Unternehmenskulturund zu den Trauernden passen und sich zudeminnerhalb der vorhandenen Räumlichkeiten undArbeitsabläufe arrangieren lassen. Als unterstützenderweist es sich, eine klare Struktur mit demRaum für spontane Äußerungen zu verbinden.Einige Beispiele:• Unmittelbar nach dem Tod lässt sich amArbeitsplatz das Geschehene deutlich machen:zum Beispiel im Großraumbüromit einem Foto und einer Kerze auf demSchreibtisch oder in einer Schreinerei mitBlumen auf der Werkbank.• Ein Kondolenzbuch (beispielsweise im Foyeroder im Intranet) ermöglicht vor allemin größeren Firmen den MitarbeiterInnen,Trauer am Arbeitsplatz

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