Unerwartet relevant - Ethik konkret

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Unerwartet relevant - Ethik konkret

Unerwartet relevant 37jemanden zu unterstützen. Doch weil es sichnicht um ihre Trauer handelt, kehren sie schnellwieder zum Alltagsgeschäft zurück. Das ist fürdie Unbeteiligten ja auch völlig in Ordnung.Nicht zuletzt sorgen sie dafür, dass der Betriebweiterlaufen kann. Problematisch wird es, wennsie davon ausgehen, dass auch für den trauerndenKollegen oder die trauernde Kollegin nunwieder Normalität einkehrt und somit ihreUnterstützung nicht weiter gebraucht würde.Ob der Tod von Angehörigen aus dem privatenUmfeld im Unternehmen öffentlich werdensoll, entscheidet die betroffene Mitarbeiterinoder der betroffene Mitarbeiter. Manche wollenes für sich behalten, andere empfinden es alsschmerzhaft, wenn aus der Belegschaft niemandreagiert. Hilfreich ist, wenn Vorgesetzte fragen,ob und durch wen die KollegInnen von dem Toderfahren sollen.Was können nun Unternehmensleitungenund KollegInnen für trauernde Mitarbeiter-Innen tun? Die Ansatzpunkte reichen von Gesprächsangebotenund konkreten Hilfen überdie Gestaltung der kollegialen Beziehungen undder Zusammenarbeit im Team bis zur Organisationder Arbeitsprozesse:• Wenn man gar nicht weiß, was man sagensoll, kann man genau das in Worte fassenbzw. die eigene Betroffenheit mitteilen:»Meine Güte, ich kann es überhaupt nichtfassen.«• KollegInnen können Trauernde nach denEreignissen fragen – »War Ihr Sohn dennvor seinem Tod noch einmal im Krankenhaus?«– oder sich nach dem Befindenerkundigen: »Wie kommen Sie damit zurecht?«• Ob MitarbeiterInnen der Firma an der Bestattungteilnehmen sollen, hängt alleindavon ab, ob der/die Trauernde das als passendempfindet. Besonders in den erstenWochen sind konkrete Handlungen wichtig:beispielsweise eine Mitfahrgelegenheitin den Betrieb anzubieten oder in der Pausezu fragen, ob man etwas mitbringen kann.Eine aufmerksame Geste ist, wenn Kolleg-Innen sich in den Folgejahren am Todestagmelden. KollegInnen können auch aufweitere bestehende Angebote verweisen:auf eine Trauergruppe oder ein Trauercafé,die MitarbeiterInnen der jeweiligenKirchengemeinde, (semi)professionelleTrauerbegleiterInnen oder die Telefonseelsorge.Eine Notiz mit der entsprechendenAdresse ermöglicht den Trauernden, dieHilfe zu einem gewünschten Zeitpunkt inAnspruch zu nehmen.• Wenn Trauernde nach mehrtägiger odermehrwöchiger Abwesenheit wieder in denBetrieb kommen, haben sich die Projekteweiterentwickelt, betreuen die KollegInnendie eigenen KundInnen. Weil viele Menschenim Umgang mit Trauernden sehrvorsichtig sind, geraten Betroffene im Teamschnell ungewollt ins Abseits. Aufgabe derKollegInnen ist es hier, die Betroffenen immerwieder aktiv mit einzubeziehen: siezum Mittagessen abzuholen, sie währendeines Meetings nach ihrer Meinung zu fragenoder sich beim Betriebsausflug bewusstan den gleichen Tisch zu setzen. Diese Angebotesind über einen längeren Zeitraumerforderlich, manchmal werden sie angenommen,manchmal werden Trauerndesich auch lieber zurückziehen wollen.Trotzdem bleibt es wichtig, zu signalisieren:»Du gehörst weiterhin dazu.«• In den Zuständigkeitsbereich der Führungskräftefällt eine eventuelle Veränderungder Arbeitsorganisation. Es ist zuüberlegen, ob jemand direkt nach einemTodesfall Urlaub nehmen möchte. Andererseitskann der tägliche Weg an den vertrautenArbeitsplatz für manche eine Stützesein. Ein Arbeitszeitkonto bietet häufigauch die Möglichkeit, eigenverantwortlichMinusstunden zu nehmen und dem Bedürfnisnach längeren Pausen RechnungTrauer am Arbeitsplatz

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