Laboratorium Institut für aktuelle Kunst im Saarland Kunstlexikon ...

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VorwortJo EnzweilerMit der Broschüre über die katholischePfarrkirche Heilig Sakramentin Dillingen, dem als „Saardom“bekannten größten Sakralbau desSaarlandes, legt das Institut füraktuelle Kunst im Saarland einenBegleiter durch das Kirchengebäudevor, der sich von den traditionellenKirchenführern unterscheidet. Beider Beschreibung des „Kunstorts‚Saardom’“ liegt – einem der Forschungsschwerpunktedes Institutsfür aktuelle Kunst entsprechend –das Interesse auf der sakralen Kunst,die nach 1945 bei der Wiederherstellungdes Bauwerks in dievorhandene Architektur eingepasstwurde. Dies sind vor allem diesteinbildhauerischen Arbeiten undGlasmalereien von Günter Maas,unter dessen künstlerischer Leitungdie Wiederaufbauarbeiten nach denZerstörungen des Zweiten Weltkriegesstanden.An der Seite von Günter Maas arbeitetender damals frisch diplomierteDillinger Architekt Konny Schmitz,4


der die Türen entwarf, der damaligeKaplan von Hl. Sakrament AlbertFeld, künstlerisch ein Autodidakt,die junge Saarbrücker KünstlerinHildegard Immisch sowie der ausUngarn emigrierte Architekt undMaler György Lehoczky. Die beidenLetztgenannten schufen die Glasmalereiender Chorfenster. ÜberGyörgy Lehoczkys Person und Werkist im Jahr 2011 eine vom Institut füraktuelle Kunst betreute Publikationerschienen.Die Herausforderung, der sich dieKünstler bei dem Wiederaufbaustellten, lag nicht zuletzt begründetin der komplexen Architektursprachedes „Saardoms“, die derTrierer Architekt Peter Marx bei derErrichtung des Monumentalbaus1910-13 vorgegeben hatte. Hier galtes, die in der Architektur und denqualitätvollen Steinmetzarbeiten vonGustav Sobry vorhandene Sprachedes Historismus, die theologischinhaltlichenÜberlegungen, welchedie katholischen Auftraggeber inder unmittelbaren Nachkriegszeitbewegten, und die jeweils eigenekünstlerische Handschrift miteinanderzu verbinden.Ähnlich wie sein Vorgänger PfarrerDr. Matthias Prior die Errichtungdes außergewöhnlichen „Saardoms“1910 mit Peter Marx einemrelativ jungen Architekten, der bisdahin nur einige kleinere Pfarrkirchenin Eifel und Hunsrück erbauthatte, anvertraute, setzte PfarrerDr. Josef Goergen 1946 bei der Berufungvon Günter Maas als künstlerischemLeiter des Wiederaufbausauf einen jungen, freien BildendenKünstler, der noch kaum in Erscheinunggetreten war. Die Riege derKünstler, die für die Ausführungder baugebundenen Arbeitenausgewählt wurden, versprach eineneue, von der Staatsdoktrin dersoeben überwundenen NS-Gewaltherrschaftunbelastete Kunst.5


Die Architektur des SaardomsMichaela Mazurkiewicz-WonnWohl vor allem aufgrund ihrerstattlichen Größe wird die katholischePfarrkirche „Hl. Sakrament“in Dillingen im Volksmund gerne„Saardom“ genannt. Und dies,obgleich das monumentale Gotteshausweder die Funktion einesBischofssitzes innehat noch derBegriff „Dom“ an die äußere Erscheinungeines sakralen Gebäudesgebunden ist. Dennoch mag der– eigentlich irreführende – Namenicht ganz unbegründet erscheinen,trägt er doch der TatsacheRechnung, dass die allgemein alsgrößter katholischer Sakralbau desSaarlandes anerkannte Kirche unteranderem wesentliche Elemente bedeutenderDome in sich aufnimmt.Geradezu machtvolle Vorbilderhaben Pate gestanden, dem rundachtundfünfzig Meter hohen Bauwerkseine imponierende Gestaltzu verleihen. Die beeindruckendenAusmaße verdankt der DillingerSaardom, der zwischen 1910 und1913 am nördlichen Ortsrand imDistrikt „Auf die Nachtweide“ errichtetwurde, nicht allein dem repräsentativenAnspruch seiner Zeit,sondern vor allem dem Bedürfnis,genügend Raum für die Gläubigenzu schaffen, deren Zahl bereitsseit Ende des 19. Jahrhunderts imsteten Ansteigen begriffen war.Dieser massive Zuwachs entsprachder allgemeinen, im Zuge derIndustrialisierung europaweit zubeobachtenden Entwicklung.Eine maßgebliche Rolle spieltehierbei, speziell für die Region desmittleren Saartals, der Ausbauder Dillinger Hütte. „Die DillingerHüttenwerke … entwickelten sichunter der Leitung der IndustriellenfamilieStumm zu einem derbedeutendsten Eisenwerke imKönigreich Preußen und späterenDeutschen Reich. Mit der Ausdehnungder Hütte und der zunehmendenZahl der Arbeiter wuchsauch die Einwohnerzahl Dillingenserheblich…“ (Kostka 1997, S. 3-4).Eingangsfassade, Aufnahme vor 19446


Als Folge davon entstand die Idee,ein neues Gotteshaus zu errichten,das den Anforderungen der Zeitentsprach, zumal die seit 1844bestehende Pfarrkirche in St. Johanndie steigende Besucherschar längstnicht mehr aufnehmen konnte. „Diebisherigen Pfarrechte wurden 1913von St. Johann auf die neue Sakramentskircheübertragen. St. Johanngalt von 1913-1935, dem Zeitpunktder Bestallung zur Expositur, alsNebenkirche, die mit Gottesdienstenvon Hl. Sakrament aus versorgtwurde“ (Lehnert, S. 329).Seit 1942 besitzt St. Johann nebender Pfarrgemeinde Hl. Sakramentwieder den Status einer eigenenPfarrei.Vom Bautyp her als spätromanischeBasilika konzipiert, folgt der DillingerSaardom dem historistischenStilempfinden der damaligen Zeit.Rückgriffe auf Architekturformender Vergangenheit sind – nichtnur im Kirchenbau – etwa ab denersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundertszu beobachten. Warenzunächst eher Neugotik, Rundbogenstilund Neurenaissance gefragt,kamen um 1870 Neubarock undNeuklassizismus hinzu. Noch biszum Ausbruch des Ersten Weltkriegswurde der Vorbildcharaktergeschichtlich entwickelter Architekturstileaufrechterhalten, wobeiman von katholischer Seite her mittelalterlicheStile wie Romanik undGotik bevorzugte. Der Anschlussan die Tradition und damit die„Berufung auf frühere Zeiten undVorbilder stellte das sakrale Bauenin eine Kontinuität und sicherteihm Autorität und Objektivität…“(Dolgner, bei Marschall, S. 8).Diesen Richtlinien folgte der SaarbrückerArchitekt Wilhelm Hector(1855-1918), als er 1906 ersteEntwürfe für ein neoromanischesGotteshaus präsentierte. Auchdie Pläne des aus Trier stammendenPeter Marx (1871-1958), dieauf Betreiben des 1907 ins Amtgekommenen Pfarrers MatthiasPrior schließlich umgesetzt wurden,orientieren sich an romanischemFormengut. In frühchristliche Zeitist der Grundstein zu datieren. Erstammt aus der Katakombe derHl. Domitilla in Rom.9Ansicht von Südosten, Aufnahme 1950er Jahre


AußenbauPeter Marx entwarf eine dreischiffigeBasilika im spätromanischenStil über dem Grundriss eineslateinischen Kreuzes. Der „Wunsch,die Würdeform des Kirchenbauszu steigern“ (Marschall, S. 178),zeigt sich schon in der Wahldieser symbolträchtigen Form, diesich aus der Verschränkung desdreischiffigen Langhauses mit dembreiten Querschiff ergibt. Im Nordenendet die Kreuzbasilika mit einerApsis. Diese bildet eine flache, vonzwei polygonalen Radialkapellengerahmte Scheitelkapelle aus. DieAbschlüsse der beiden Querschiffarmesind halbrund – als Konchen– angelegt. Über dem Schnittpunktvon Lang- und Querhaus entspringtder oktogonale Vierungsturm. Ernimmt das Motiv der an Chorabschlussund Querhausarmenvorgebildeten Zwerggalerie alsvereinheitlichendes Gestaltungselementauf. Die Form des offenen Arkadengangsgehört zu den wenigengliedernden Schmuckelementendes klar strukturierten Baugefüges.Ebenso die kräftigen Pilaster, diedie Fensterachsen von Mittelschiffund Seitenschiffen markieren undan Apsis und Querschiffarmenwiederkehren. Ein offener Arkadengangfindet sich auch unter demFrontgiebel an der Schauseite desGotteshauses, die ganz im Stil einermittelalterlichen Doppelturmfassadegehalten ist. Hier treten die beidengewichtigen Türme deutlich hinterder von polygonalen Treppentürmcheneingefassten Front zurück. Dersakrale Bau erhält sein mittelalterlichesGepräge nicht zuletzt durchdas prächtige Radfenster, das ineiner rundbogigen Nische über derPortalzone erscheint.Aufwendige Gestaltung weistdas durch wenige Stufen erhöhteHauptportal auf: Über der polygonalen,von Arkaden durchbrochenenVorhalle erhebt sich einemit reliefierten Sandsteinplattenverzierte Brüstung. Aus deren Mitteragt die Tafel mit der Darstellungdes von Maria und Johannesbeweinten Gekreuzigten empor. Sieverkörpert das „Herzstück“ des imEingangsbereich präsentierten ikonographischenProgramms, das dieBedeutung Christi und seiner Kirchethematisiert. Zu beiden Seiten derzentralen Leidensgruppe stehen10


sich Synagoga (links) und Ekklesia(rechts) als Vertreterinnen des Altenund des Neuen Bundes gegenüber.Während sich auf der linken SeiteJeremias, Jesaja, David und Mosesanschließen, folgen rechts dieFiguren der vier Evangelisten. Diekünstlerisch gestalteten Relieftafelnentstanden zwischen 1946 und1950 im Zuge der Wiederherstellungder im Zweiten Weltkrieg starkbeschädigten Südfassade. Sie wurdenvon dem aus Saarbrücken stammendenBildhauer Günther Maasunter Berücksichtigung des originalenBildprogramms geschaffen.Die Christus-Ikonographie setzt sichan den drei Fassaden-Portalen wieauch über der Pforte des west lichenQuerhauses in den plastischen Arbeitendes Trierer Bildhauers GustavSobry fort. So zeigt das Tympanonüber dem Haupteingang die Anbetungdes in Gestalt des Lammesverehrten Christus. Über dem Portaldes Westturms ist eine weitereAn betungsszene mit Maria, demJesuskind und zwei knienden Engelnzu sehen. Unmittelbar darunterreihen sich auf dem Türsturz zweiSzenen aus der KindheitsgeschichteJesu aneinander und am Tympanon11des Ostturms präsentiert sich derheilige Knabe auf den Knien seinesZiehvaters Joseph sitzend. Loka lenBezug stellen schließlich die kleinenFiguren der Hüttenarbeiter undBergleute auf den Konsolen an derVorhalle unterhalb der Brüstung her.Auffallend ist die unterschiedlicheAusführung der Türme, die in Größeund Gestaltung voneinander abweichen.Beide sind von Spitzhelmenbekrönt und in jeweils fünf, durchschmale Gurtgesimse gekennzeichneteStockwerke gegliedert,wobei der linke Turm den rechtensowohl in Höhe und Umfang alsauch hinsichtlich der Anzahl seinerFensteröffnungen übertrifft. Amdeutlichsten treten die Unterschiedezwischen den beiden Baukörpernan den obersten Freigeschossen zutage.So ist im Westturm eine filigranereDurchgliederung der schlankenEcktürmchen zu beobachten.Darüber hinaus ist der oktogonaleHelm zusätzlich von Gauben durchbrochen.Im Gegenzug sind überden doppelten Schallöffnungen desOstturms vier spitze, mit Zifferblätternausgestattete Giebelfelder zuerkennen.


Die Schauseite des Saardomsentspricht somit „ganz demErscheinungsbild großer mittelalterlicherDoppelturmfassaden,die wegen ihrer langen Bauzeitunterschiedliche Turmgestaltungenerhielten“ (Marschall, S. 218). Hiergeht „das Studium vergangenerArchitekturepochen so weit, dasssogar ‚Bauphasen’ in die historistischenKirchen ‚eingebaut’ werden“(Marschall, S. 178). Die Orientierungan historischen Stilvorgabennimmt hinsichtlich der aufwendigenDurchbildung der oberen Turmgeschossekonkrete Formen an. Solassen sich deutliche Bezüge zurfranzösischen Sakralbaukunst derromanischen bzw. frühgotischenEpoche, speziell zu den Kathedralenvon Laon (1155-1235) und Reims(13.-15. Jh.) herstellen. Auch dasRadfenster scheint einem bedeutendenVorbild nachempfunden:Seine Gliederung lässt sich mitderjenigen der Rosette über demSüdportal der Kathedrale vonChartres (1194-1260) vergleichen.Französische Einflüsse zeigen sichüberdies am gesamten Aufbau derMittelfassade. Diese weist großeÄhnlichkeit mit der Schauseite derMetzer Kathedrale auf. Interessantist das dahinter stehende Konzept14


der Orientierung „an hochoffiziellerwilhelminischer Staatsarchitektur“(Marschall, S. 123), zumal diezwischen 1900 und 1903 durchPaul Tornow vorgenommene Neugestaltungder Metzer Domfassadevon Wilhelm II. persönlich in Auftraggegeben und geprüft worden war.Auch an anderen Teilen des komplexenBauwerks sind Anlehnungenan bedeutende Vorbilder zu erkennen,wobei die „kunsthistorischenBezüge … äußerst vielfältig und sowohlzeitlich als auch regional weitgestreut“ (Marschall, S. 122) sind.Die Turmspitzen etwa kommen denBekrönungen der Domtürme vonNaumburg (13. Jh.) und Bamberg(13. Jh.) gleich, die polygonaleVorhalle am Hauptportal erinnertan den Lettner der Marienkirche inGelnhausen (12. Jh.) und die eingetiefteRundbogennische an derKirchenfront ähnelt der Zone überdem Hauptportal am AachenerDom (um 800). Darüber hinaussind die Apsiden des Querhausesdem Chor der Trierer Simeonskirche(11. Jh.) angenähert und derVierungsturm von Hl. Sakrament istmit dem der Kirche St. Aposteln inAnsicht von Nordosten, Aufnahme 1950er JahreKöln (11.-13. Jh.) vergleichbar. Voneinem anderen Kölner Gotteshaus,der Kirche St. Maria im Kapitol(11. Jh.), scheint schließlich die Dreikonchenformder Dillinger Basilikaabgeleitet zu sein. Rückgriffe aufBauten der rheinischen Spätromanikzeigen sich überdies in derÜbernahme „des oktogonalen Vierungsturmsmit Zwerggalerie“ wieauch der „aufwendigen Zwerggalerienfür Querschiff und Hauptchor.“(Marschall, S. 122, Anm. 442).Auch im Inneren des Saardomslassen sich Parallelen zu bedeutendenBauwerken nachweisen.15


InnenraumDurch Hauptportal und innereVorhalle eintretend, gelangt manin den großzügig angelegtenKirchenraum. Hier rahmen farblichabgesetzte Gurtbögen den Blickdurch das breite fünfjochige Mittelschiffbis hin zum Chor. Die querverlaufenden Gurte entspringenden schlanken Vorlagen der beidenMittelschiffwände, die auf jeweilsvier Doppelpfeilern ruhen. Diesebilden reich verzierte Kapitelle ausund sind durch halbrunde Bögenmiteinander verbunden.Symmetrie und Konstruktion derRaumanlage werden durch besondereHervorhebung der tragendenund gliedernden Elemente – Pfeiler,Säulen, Bögen, Gurte und Balustraden– veranschaulicht. Sie sindaus heimischem Buntsandstein gearbeitetund bilden einen reiz vollenKontrast zu den hell verputztenInnenwänden.Der großartige Raumeindruck ergibtsich nicht zuletzt aus der stattlichenHöhe des Mittelschiffs, dasseinen oberen Abschluss in einemmächtigen Tonnengewölbe findet.Stichkappen schneiden seitlich indie Wölbung ein, verstärkt durchspitz zulaufende Schildbögen, diedie Obergadenfenster überfangen.Die rundbogigen Lichtöffnungenerscheinen über einem Laufgang.Dieser wird von einer durch Konsolengestützten Balustrade gesäumt.Insgesamt besitzen die Mittelschiffwändein Aufbau und Gestaltungauffällige Ähnlichkeit mit denender Klosterkirche Sainte-Trinitéin Caen (11.-13. Jh., Normandie).Dem weiten Mittelschiff stehen dieschmalen Nebenschiffe zur Seite.Ihre niedrigen kreuzgratgewölbtenJoche werden, dem Gliederungssystemdes Hauptschiffs folgend,von markanten Gurtbögen überspannt.Die Schildbögen der Seitenschiffwändebilden die Rahmungder schmalen Rundbogenfenster,die von den Arkaden des Mittelschiffsquasi wieder aufgenommenwird. Jeweils in einer gemeinsamenAchse mit den Obergadenfensternangeordnet, lassen die hell verglastenunteren Öffnungen zusätzlichesLicht in den Kirchenraum eindringen.Kräftige, durch vier GurtbögenBlick vom Langhaus in Richtung Chor16


Orgelemporezusammengeschlossene Pfeilerscheiden das weiträumige Quadratder Vierung aus. Über ihr öffnet sich– auf Pendentifs ruhend – die reichgegliederte Kuppel des oktogonalenTurms. Durch gelb getönte Fenstereinfallende Strahlen erfüllen diesenmit einem warmen, verhaltenenLicht. Die beiden seit lichen Vierungsbögenlenken den Blick, jeweilsüber ein schmales tonnengewölbtesJoch vermittelnd, in die kurzenQuerschiff arme. Dort bilden sichhalbrunde Konchen aus.Diese sind in jeweils zwei Stockwerkegegliedert: Die oberenZonen sind von großen Fensterndurchbrochen, durch die hellesLicht in die Vierung gelangt. In denunteren Bereichen sind die Wändedurch jeweils fünf Blendarkadengeschmückt, wobei die äußerenBögen geöffnet sind. Währendsie zu den Seitenschiffen hin diebeiden Seitenportale beherbergen,tun sich in den gegenüberliegendenBögen zwei kleine Kapellenauf: Die linke ist als Taufkapellemit einem neugotischen Beckenausgestattet, in der rechten stehtder Josefsaltar. Die Gliederung derQuerschiffwände findet sich inganz ähnlicher Gestaltung in denKölner Kirchen St. Aposteln undSt. Maria im Kapitol.Über eine flache Treppe erreichtman den Chorraum, dem ebenfallsein kurzes tonnengewölbtes Joch– hier nun mit Schildbögen undStichkappen versehen – vorgespanntist. Nahe den Stufensteht der Altar. Er wird von denArkaden der Hochschiffwandhinterfangen.18


Über acht von würfelförmigenKapitellen bekrönten Säulengliedern dünne Rippengurte diehell verputzte Wand in einzelne,mit Sandsteinreliefs geschmückteFelder. Die schmalen Gurte setztensich nach oben hin fort und teilendie Apsisrundung in spitz zulaufendeSegmente. Diese werden vonden farbig gestalteten Fensternder Chorhochwand durchbrochen.Das mittlere zeigt Christus in denGestalten von Brot und Wein undthematisiert somit den Gedankender Eucharistie in Verbindung mitdem Patrozinium von Hl. Sakrament.Der Name des Gotteshausessteht in engem Bezug zu der durchPapst Pius X. geförderten liturgischenBewegung, die zur Zeit derEntstehung des Dillinger Sakramentskirchesehr verbreitet warund die Verehrung der heiligstenEucharistie in ihren Mittelpunktstellte. Zu beiden Seiten des„Eucharistiefensters“ schließen sichdie Darstellungen der vier Evangelistenan. Die Reihe der insgesamtsieben Chorfenster wird durch einzusätzliches erweitert, das in denrechten Schildbogen des kurzenVorjochs eingefügt ist. Weiter untengewähren die Arkaden Durchblickein den Chorumgang. Er ist als schmalerLaufgang angelegt und mündetin drei dicht beieinander liegendeKapellen. Deren ebenfalls farbiggefasste Fenster lassen zusammenmit denen der Apsiswand sakralanmutendes Licht in den Chorraumgelangen. In der mittleren Bogenöffnungerscheint „Christus alsKönig und Herrscher über das All“.Das in kräftigen Farben leuchtendeGlasbild ist in die Rückwand derScheitelkapelle, unmittelbar überdem Sakramentsaltar eingelassen.Es überragt die übrigen Fensterund erscheint gleichzeitig über demmittig platzierten Hochaltar. Aufdiese Weise gestaltet sich der Chorzu einem prächtigen Gehäuse, dasden Tisch des Herrn, als zentralenOrt der Eucharistie, umfängt. Einedirekte Verbindung zum Gemeinderaumwird durch zwei vom Choraus einsehbare Seitenkapellengeschaffen, die nicht nur zum Umgang,sondern auch zum Querhaushin offen sind. Die westliche nimmtden Marienaltar auf, in der östlichensteht der Herz-Jesu-Altar.19


Kapitelle von Gustav Sobry: Evangelisten Markus und Johannes, Sakrament der KrankensalbungFür die Raumanlage der DillingerBasilika ist die romanische Baukunstder Auvergne vorbildhaft. So etwahinsichtlich der charakteristischenTonnenwölbung oder der auf Pendentifsruhenden Kuppel. Von derKirche St. Austremoine in Issoire(12. Jh.) „übernimmt Marx die Choranlagemit Umgang und Kapellenkranzeinschließlich der gestelztenBögen des Chorumgangs und dernur am dortigen Chorumgangvorhandenen rechteckeigen Scheitelkapelleals konkrete Vorlage fürDillingen“ (Marschall, S. 122). Aufbauund Gliederung des Chorraums mitArkaden und Umgang finden sichin ganz ähnlicher Form auch in derApsis der Kirche Notre-Dame-du-Portin Clermont-Ferrand (12. Jh.).Der Bezug zur Eucharistie als einesder sieben Sakramente wird anden Säulenkapitellen unterhalbder Chorfenster wieder aufgenommen.Hier sind die figürlichenSymbole von Taufe, Ehe, Firmung,Buße, Priesterweihe und Krankensalbungzu erkennen. Das siebte,„aller heiligste“ Sakrament – dieEucharistie selbst – manifestiertsich in der Abendmahlsszene ander Schauseite des Hochaltares.Darüber, in den Relieftafeln ander Chorhochwand, tritt Jesusals Lehrer auf, der seinen Jüngerndas Evangelium darlegt. Engmit der Christus-Ikonographieverbunden sind die in Bezug zurBerg predigt stehenden „achtSeligkeiten“.20


Sie sind in das figürliche Bildprogrammder Mittelschiff-Kapitelleaufgenommen.Vom Chorraum aus erschließt sichder Blick auf die prächtige Orgel.Sie wurde 1996 auf der Emporeeingerichtet und stand vormals imKölner Gürzenich. Ebenso wie dasalte Instrument, das den Unruhendes Zweiten Weltkriegs zum Opferfiel, stammt auch das neue aus derBonner Orgelbau-Werkstatt Klais.Unmittelbar hinter dem Gehäuseentfalten sich die vom eintreffendenLicht illuminierten Darstellungen desRadfensters: Im Zentrum erscheintdie beziehungsvolle Gestalt derOrgel spielenden Cäcilia. Die Heiligeist rundum von musizierendenEngeln umgeben. Nach außen hinschließt die Komposition mit denzwölf Tierkreiszeichen ab. Unterder Empore öffnet sich die vondrei Rundbögen durchbrochenekreuzgratgewölbte Vorhalle. Hierhaben die beiden Turmkapellenihren Platz. In der östlichen sind dieFiguren der großen Kreuzigung untergebracht,die westliche umfängteine nahezu lebensgroße Pietá. Eineweitere Kapelle befindet sich imWestliche Turmkapelle, Pietà, Trierer BildhauerKarl Frank, 1913Eingangsbereich des Westturms.Sie ist dem Hl. Antonius von Paduageweiht. Die Statue des Heiligenstammt aus dem Barock und gehörtzu den kostbarsten Ausstattungsstückenvon Hl. Sakrament. Soauch die Figuren dreier weiblicherHeiliger, die an der östlichen Konchenwanddes Querhausarms aufSandsteinkonsolen aufgestellt sind:Zwischen der Hl. Odilia und der Hl.Luzia, den ersten SchutzpatroninnenDillingens, steht die gekrönteMuttergottes. Die farbig gefassteFigur – möglicherweise ein Werk derBildhauerfamilie Guldner – datiertebenso wie die der Hl. Luzia, ins 18.Jh. Beide standen wohl einst in deralten Luzienkapelle in Dillingen.21


Pieter Coecke van Aelst, „Dillinger Triptychon“, erste Hälfte 16. Jh., Mitteltafel: Anbetung der Magier,Seitentafeln: Verkündigung, Geburt ChristiBei der Statue der Hl. Odilia handeltes sich um eine Nachbildung, dasOriginal befindet sich heute in derDillinger Odilienschule.Unter den zahlreichen Ausstattungsstückenvon Hl. Sakrament istbesonders das „Dillinger Triptychon“hervorzuheben, ein kleiner Flügelaltaraus der Niederländischen Schule,dessen Herkunft seit jeher Anlasszu Spekulationen gegeben hat unddas aufgrund neuerer Forschungendem Umkreis des Künstlers PieterCoecke van Aelst zugeschrieben wird(vgl. Mazurkiewicz-Wonn in www.kunstlexikon-saar.de). Das kostbareBildwerk wird nur an wenigen Tagenim Jahr im Saardom ausgestellt.Von bedeutenden spätromanischenbzw. frühgotischen Bautenunterschiedlicher Regionen inspiriert,entspricht der Saardom dem Stilempfindenund dem daran sichtbarwerdenden Geist seiner Zeit.22


So ist das Aufgreifen retrospektiverArchitekturformen mithin alseine „Reaktion auf die gewaltigengesellschaftlichen und wirtschaftlichenVeränderungen, die mit derIndustrialisierung und Technisierungim 19. Jahrhundert verbundenwaren“ zu werten. Zum einen botendie „handwerkliche Tradition unddie Ästhetik des Alten“ eine ArtGegengewicht zu der „fortschreitendenMechanisierung, Vermarktungund Vermassung“ (Lieb, S. 114),zum anderen war das Hochhaltenüberkommener Normen eng mitstaatlichen Interessen verknüpft,die das Bauen in den Dienst repräsentativerAbsichten stellte.Im Falle von Hl. Sakrament, der„Hauptkirche des IndustriestandortsDillingen“ verwies man darüberhinaus auch auf den lokalen Bezug,„wurden doch stolz die Leistungender Gegenwart an zentralem Ortallen Kirchenbesuchern vor Augengeführt, indem die Vorhalle in Reliefdarstellungenregionale Motive derIndustrieregion zeigte“ (Marschall,S. 124). Allem voran jedoch ist dasmonumentale Bauwerk als – weithinsichtbares – religiöses Symbol zuverstehen, als „ein wirkungsvollesBekenntnis des Glaubens gegen denUnglauben“ Man suchte, „aus derRückbindung an die Vergangenheitneue Kräfte zu schöpfen“ (Dolgnerbei Marschall, S. 7), zumal diekatholische Kirche in ihrer jüngerenGeschichte, bedingt durch Aufklärungund fortschreitende Säkularisation,deutlich an Macht und Ansehenverloren hatte. Die intensive Auseinandersetzungmit der Vergangenheitist durchaus auch im Zusammenhangmit der historischen Forschungund somit der Suche nach einer„zeitgemäßen Weiterentwicklungstruktureller und stilistischer Vorbilder“(Dolgner bei Marschall, S. 9)zu verstehen. Dies zeigt sich – auchim Falle von Hl. Sakrament – etwa inder Tendenz zur Vereinheitlichungdes Raumes, die in der Veränderungder Proportionen zugunsten desMittelschiffs und der Reduktionder dekorativen Einzelelemente zurAnschauung kommt. Letztlich stehenall diese Merkmale im Dienste einerStraffung und Klarheit des baulichenGesamtkonzepts – einer Auffassungalso, die bereits den Geist derModerne vorausahnen lässt.23


Instandsetzung undkünstlerische Gestaltungdes Saardoms nach 1945Oranna DimmigAm Ende des Zweiten Weltkriegswaren erhebliche Zerstörungen andem Kirchengebäude zu beklagen.Bei der Explosion eines Munitionszuges,der in der Nähe des DillingerBahnhofs abgestellt war, hatteder Saardom Schaden genommen:Gewölbe waren eingestürzt,Steine herausgebrochen, Fensterzerborsten. Später hatten Granatengroße Lücken in die Eingangsfrontgerissen: Die Vorhalle mit demFigurenfries und der bekrönendenKreuzigungsgruppe, das großeRadfester und der darüberliegendeArkadengang mit demabschließenden Dreiecksgiebelwaren zerschossen.Kaum waren im März 1945die Kampfhandlungen beendet,begann die Gemeinde unverzüglichmit den Aufräumungs- undInstand setzungsarbeiten, derenAbschluss an Ostern 1953 gefeiertwerden konnte.In die kurze Amtszeit des PfarrersDr. Josef Goergen 1946-47 fälltdie Entscheidung, die künstlerischeGesamtleitung des Wiederaufbauseinem jungen Bildhauer und Maleranzuvertrauen: Der 1923 in Jünkerath/Eifelgeborene Günter Maashatte 1941 in Saarbrücken das Abiturabgelegt und anschließend ander Akademie der Bildenden Künstein München studiert. 1947 gründeteer in Saarbrücken am Stadtwaldsein Atelier, das er programmatisch„Bauhütte Rotenbühl“ nannte. Mitdieser Namensgebung bezog er sichauf die mittelalterlichen Bauhütten,in denen verschiedene Gewerkegemeinsam an der Errichtung großerKirchenbauten arbeiteten. EinBesucher des Ateliers beschrieb dasKonzept von Günter Maas:„Alte und beste Handwerkstraditionsteht hinter dem Namen‚Bauhütte‘, und wer ihn heute fürseine Kunstwerkstätte erwählt,geht damit eine Verpflichtung ein.27Saardom nach der Zerstörung 1945


Er verpflichtet sich auf eine gesundeund handwerkliche Grundlageseiner Arbeit und auf den Geistder alten Meister. Das hat GünterMaas getan. Er hat neben seinerBildhauerwerkstatt eine Werkstättefür Glasmalerei erbaut und dadurchzu erkennen gegeben, dass ersein Schaffen zum guten Teil derkirchlichen Kunst widmen will. Ja,er sucht Plastik, Glasmalerei undinnenarchitektonische Ausstattungzu einer Arbeit aus einem Gusszusammenzufassen, wie es sichfür eine wahre Bauhütte ziemt.“(Spilker 1954, S. 55)In der „Bauhütte Rotenbühl“ standendie Glasstaffelei und ein Ofen,mit dem Glasmalereien gebranntwerden konnten und der in denersten Nachkriegsjahren der einzigeOfen im regionalen Umkreis war, derfür diesen Zweck ausgelegt war.Saardom nach der Zerstörung 1945, Wiederaufbau, Ansicht von Westen28


Hier dürften also alle in der frühenNachkriegszeit bemalten Fensterscheibendes Saardoms gefertigtworden sein. Und hier schufGünter Maas auch die neuen Bildreliefsund figürlichen Konsolen fürdie Vorhalle des Saardoms.Indessen wurden die Arbeiten zurAusbesserung der Mauerwerksschädenvon mehreren Steinmetzenvor Ort in Dillingen gemeißelt.Zu diesem Zweck stellte man hinterder Kirche eine Holzbaracke auf undrichtete darin eine Werkstatt ein.Die Bildhauerarbeitenvon Günter MaasZwischen 1947 und 1950 arbeiteteGünter Maas an der zerstörtenEingangsfassade, die unter seinerkünstlerischen Leitung dergestaltverändert wurde, dass man andieser Stelle durchaus von einemkorrigierenden und erweiterndenEingriff in den ursprünglichenEntwurf von Peter Marx sprechenkann. Am Eingangsbaldachinersetzte Maas die zerschossenenReliefs von Gustav Sobry durchNeuschöpfungen. Dabei formteer das Dach der Vorhalle unddas Fassadenfeld unterhalb derFensterrose um. Marx und Sobryhatten den Figurenschmuck oberhalbder Eingangsarkaden in einerfriesartigen Zone angeordnet, dievon einem kräftigen, auf kleinenPilastern und Konsolen ruhendenGesims und dem leicht vorgezogenenPultdach der Vorhalle begrenztwurde. Über der Mittelarkade wurdedas Dach von einem hochgezogenenWandfeld überschnitten,das unter einem abschließendenDreiecksgiebel das zentrale Reliefder Kreuzigungsgruppe trug. DieseAnordnung erwies sich als wenigglücklich, da die Figuren links undrechts der Hauptgruppe unter demDachvorsprung mit der Regenrinnegedrungen wirkten.Günter Maas entfernte das Dachder Vorhalle und gestaltete denAbschluss zu einer Art Balkon mitBrüstung um, eine Lösung wie sieim Prinzip ähnlich zum Beispiel amAachener Dom anzutreffen ist.29


Günter Maas, Reliefs am Hauptportal, 1947-50, links: Synagoge, Jeremias, Jesaja, David, Mosesrechts: Ekklesia, Johannes, Matthäus, Markus, LukasSo bildete er aus dem Gesims, daszuvor die Figurenreihen getragenhatte, ein durchgezogenesAbschlussgesims. Als Ersatz für diefriesartig angeordneten Relieffigurenschuf Maas rechteckigeRelieftafeln, die Brüstungspaneeledes Balkons. Die exponierte Mitteltafelist die größte und überragt dieübrigen. Sie trägt die Kreuzigungsgruppe,die in der neuen Fassungrechteckig gerahmt wurde undeinen geraden Abschluss erhielt.Alle diese Veränderungen führtenzu einer stärkeren Betonungder Horizontalen, wodurch diehimmelwärts strebende Dynamikder gesamten Fassade abgebremstworden wäre. Beim Wiederaufbaureduzierte man daher denWandaufbau der hinter dem Sölleraufragenden Rundbogennische vondrei auf zwei Zonen. Das Sockelfeldmit dem gekerbten horizontalenGesims, über dem die sieben, zumRadfenster überleitenden Blendbögenaufstiegen, entfiel, und dasRundbogenblendmaßwerk wurdebis auf den Söller hinabgezogen.Eine Tür im mittleren Blendbogenermöglicht den Zugang auf denBalkon über der Vorhalle.Die Darstellung der Fronttafel –der von seiner Mutter Maria undseinem Lieblingsjünger Johannesbetrauerte Jesus am Kreuz – wirdlinks flankiert von der Personifizierungder Synagoge und rechts vonder Personifizierung der Kirche.Während sich an die Synagoge diealttestamentarischen Propheten32


Jeremias und Jesaja, König Davidund der Gesetzesgeber Mosesanschließen, folgen auf die Ekklesiadie Evangelisten Johannes,Matthäus, Markus und Lukas. AlleBegleitfiguren deuten in verschiedenerWeise durch ihre Körperhaltungenauf den Gekreuzigten unddamit auf Christus als Verbindungzwischen Altem Bund und NeuemBund. Manfred Kostka hat daraufhingewiesen, dass Günter Maasdurch die Wahl der dargestelltenPersonen die Zusammengehörigkeitder beiden Testamente stärkerherausstellte, als dies Gustav Sobrybei der zerstörten Fassung getanhatte (vgl. Kostka 1997, S. 9-10).Auch stilistisch setzte Maas seineArbeiten von denen des Vorgängersab. Während Sobrys Figurenan mittelalterlichen Vorbildernorientiert und in frontaler Ansichtwiedergegeben waren, bedientesich Maas einer sehr eigenwilligen,expressiven Formensprache undstellte alle Menschenbilder – mitAusnahme des Gekreuzigten – inSeitenansicht dar. Die sitzendenGestalten wirken fast überschlank,Konsolen mit Darstellung eines kauerndenArbeiters und eines Bergmanns mit Geleucht33


Die Fensterdes SaardomesAlle Fenster des Saardomes musstennach dem Zweiten Weltkriegrepariert und mit neuen Glasscheibenversehen werden. Eine kurznach Kriegsende erstellte Liste vonMaterialien, die zum Wiederaufbaubenötigt wurden, führt auch320 qm Antikglas auf. Bei derInstandsetzung wurden die hochliegenden, die Gewölbe beleuchtendenFenster neutral mit hellenScheiben verglast (Obergaden,1997 restauriert; Vierungsturm;Querschiff, 1973 erneuert). DasRadfenster der Eingangsfrontindessen sowie die Fenster derSeitenschiffe, der Taufkapelle,der Josefkapelle und des Choreserhielten farbige Glasmalereien, diedeutlich erkennen lassen, dass ganzunterschiedliche Künstlercharakteream Werke waren.37


Die Fenstervon Albert FeldDie Bleiverglasung der zehn Fensterder Seitenschiffe – fünf auf jederSeite – wurde von dem damaligenKaplan an Hl. Sakrament, AlbertFeld, 1947-48 entworfen. Wie sichnach seinem Tod im Jahre 2010seine Nichte erinnerte, konnteAlbert Feld gut zeichnen, malenund schnitzen (vgl. Gräbner 2010).Auch baute und renovierte er gerne.Künstlerisch muss Albert Feldals Autodidakt bezeichnet werden.Allen Fenstern der Seitenschiffeliegt ein einheitlicher Aufbauzugrunde. In die überwiegend ausfarblosen, rechteckigen Scheibenzusammengesetzte Fläche ist einschmaler Rahmen aus zartfarbigen,riemchenförmigen Gläserneingeschrieben, der die Rundbogenformdes Fensters nachzeichnetund im oberen Drittel ein schlichtesKreuz umfängt. Im Zentrum jedenFensters hebt sich über der horizontalen,dunklen Linie des Windeisensdas Portrait von entwedereinem oder zweien Gemeindemitgliedernab, die einen auf dieFeier der Hl. Messe bezogenenGegenstand in den Händen halten:Brot und Weinkelch, Tuch undPatene, Weihrauchfass und Kerzen,Orgel und Modell des Saardoms,Schriftrolle „Et verbum caro factumest“ („Und das Wort ist Fleischgeworden“) und Herz Jesu. Diehöchst individuellen Abbilder sindin einem etwas trockenen, beinahefotorealistischen Stil ausgeführtund erscheinen gewissermaßen wiefarbige Diapositive. Ähnlich denDarstellungen auf den Relieftafelnder Vorhalle sind alle Portraitiertenauf ein Hauptstück hin ausgerichtet,den Chor mit dem Altar. DieHände sind überproportional großwiedergegeben, um die Wirkungvon Handhaltung und Gestik zusteigern. Inschriften unterhalb derWindeisen nennen Stifter oderNamen von Gefallenen, derenGedächtnis das jeweilige Fenster41


gewidmet ist, oder formulierenein Bekenntnis. Die Toten derGemeinde Hl. Sakrament sind indie Gemeinschaft der Lebendeneinbezogen und die Gemeindenimmt teil an der Feier der HeiligenMesse und dem Sakrament derEucharistie.Von Albert Feld stammt vermutlichauch die bildlose, helle Verglasungder Fenster des Obergadens undder Querschiffe, die sich auf eineden Seitenschifffenstern ähnliche,zurückhaltende Rahmung odergeometrische Ornamentierung beschränkt.Vergleichbar gerahmt sindauch die zwei Fenster der Kapellen,die nördlich an das Querschiffanschließen. Die Glasmalerei ist hierum Symbole bereichert, die sich aufdie Weihung der Kapellen beziehen.Das Bleiglasfenster der Taufkapellezeigt die Ausgießung des HeiligenGeistes, links und rechts von Kerzenflankiert. In der Josefkapelle stehtdie Lilie im Zentrum des Fensters,umgeben von den ZimmermannswerkzeugenSäge und Axt,Sinn bilder für den Hl. Josef, dengesetzlichen Vater Jesu.In Technik und Duktus derAusführung deuten dieBleiglasfenster, die sich links undrechts an die Apostel-Fenster desChores (obere Reihe) anschließen,ebenfalls auf Albert Feld alsEntwerfer hin. Vergleichbar denFenstern im Langhaus und in denbeiden Kapellen sind auch hierdie Glasbilder in ihrer Mehrzahlaus rechteckigen Scheibenzusammengesetzt und mitriemchenförmigen Glasstückengerahmt. Dargestellt sindauf dunkelblauem Grund dieeucharistischen Symbole Fisch (fürChristus) und Getreideähre (fürBrot, den Leib Christi), sowie Buchund Schwert.Insgesamt fehlt den Glasbildernvon Albert Feld die Kunstfertigkeitund die daraus erwachsendeLebendigkeit, durch die sichdie Glasmalereien der dreianderen Künstlerpersönlichkeitenauszeichnen. Gleichwohl sind die„Stifterfenster“ der Seitenschiffein ihrer Bedeutung als Zeugnis derunmittelbaren Nachkriegszeit nichthoch genug einzuschätzen.42


Die Fenstervon Hildegard ImmischHildegard Immisch, ein jungeKünstlerin aus Saarbrücken, diespäter den Weg als Kunstpädagogineinschlug, verwendete für die ab1950 entstandenen Fenster der Chorkapellenund des Chorumgangs vorallem kräftige Farben: dunkles, beiSonnenlicht leuchtendes Rot, Gelb,Blau und Lila, verbunden mit zarterenTönen wie Grün, Türkis oder hellenPastellfarben. Durch diese Glasbildereinfallende Sonnenstrahlen tauchendie Kapellen und den Umgang inein farbiges, fast mystisches Licht.Die Künstlerin hat viele der kleinenScheiben dergestalt gekurvt odergerundet geschnitten, dass die Bleiruten,welche die Stücke zusammenhalten,sich als schwungvolle Liniendunkel abzeichnen. Das zentrale,architektonisch durch seine erhöhteStellung und eine aufwendige Sandsteinrahmungausgezeichnete Fensterder Sakramentskapelle zeigt ChristusKönig, den Herrscher des Alls. Schützendhält er seine Hände über den43


Erdenball, der von Mond und Sonnebegleitet wird. Hinter dem gekröntenHaupt Christi erscheint die Andeutungdes Kreuzes, daneben die Zeichenfür Gott Vater und den heiligenGeist. Die Glasbilder in den beidenflankierenden Fenster sind thematischder Eucharistie, dem Altarsakramentals dem höchsten Sakrament derkatholischen Kirche gewidmet: Weinkrugfür das Blut, Brotschale für denLeib Christi; das Symbol des Fischesneben der Brotschale geht auf einGeheimzeichen der Urchristen zurückund steht ebenfalls für Christus. Aufden bemalten Fensterscheiben derwestlichen Kapelle findet man dieDarstellung von Anker und Ährensowie Schwert und Lorbeerzweigen,auf denen der östlichen Kapelledie Darstellung von Feuerschale,Weltkugel und Pelikan. Es schließensich zwei Fenster des Chorumgangsan. Sie zeigen das Opferlamm unddie Kelter, beide versehen mit demChristusmonogramm Chi Rho, undversinnbildlichen das Opfer Christizur Erlösung der Menschheit. Mitdem Rückgriff auf die bereits imAlten Testament verwendeten BilderOpferlamm und Kelter wird einmalmehr auf die Verbindung zwischenAltem und Neuen Bund in Christushingewiesen.Die Fenstervon György LehoczkyGyörgy Lehoczky war in der Gruppeder Künstler, die zwischen 1946 und1953 für die Erneuerung der zerstörten,baugebundenen Bildwerke(Skulpturen, Fensterbilder) herangezogenwurden, der älteste und ammeisten erfahrene. 1901 in Ungarngeboren, hatte er nach einer Privatausbildungin Malerei und einemStudium der Architektur ein eigenesArchitekturbüro in Budapest geführt,bis er 1945 aus Furcht vor kommunistischerWillkür Ungarn verließ. 1947kam er als Flüchtling ins Saarland underwarb sich hier in den folgendenJahrzehnten einen herausragendenRuf vor allem als Maler von Kirchenfenstern.Bei der Instandsetzung desSaardoms erhielt er den Auftrag fürdie Glasbilder der fünf Rundbogenfensterder Chorhochwand, die erzwischen 1950 und 1953 ausführte.45


Das Mittelfenster nimmt Bezugauf das Heilige Sakrament derEucharistie. Im Zentrum erscheintüber dem Schriftzug „Eucharistia“die Darstellung von Kelch undHostie, umgeben von Getreideährenund Weinreben, glorifiziertvon singenden und musizierendenEngeln, die daneben und darüberschweben. Im unteren Teil derFensterbahn drängen sich Männerund Frauen zusammen, gemeinsamversunken in inniger Anbetung dergeweihten Messgaben. Wiedergegebenvon einem Blickwinkelaus der Höhe, malte Lehoczky dieMenschen als Alte und Junge, alsMänner mal mit vollem, mal mitgelichtetem Haar, mal mit, mal ohneBart, als Frauen mal mit getupftemKopftuch, mal mit grauemKnoten oder blauer Haarschleife.Das gesamte Fenster ist aus vielenGlasscheiben unterschiedlichsterFormen und Größen kleinteilig undkompliziert zusammengesetzt. Dieüberwiegend lichten und hellenFarben lassen die Darstellungder Eucharistie in der Mitte derChorhochwand hell aufstrahlen –dies um so mehr, da sich links undrechts die farbenfrohen, dunklerenEvangelisten-Fenster anschließen.Lehoczky stellte jedem der Evangelisteneine Begleitfigur an die Seite.Im linken Fenster steht Matthäusund schreibt mit einer Feder insein Buch. Neben ihm steht derPropheten Jesaja und weist ihn aufeine bestimmte Stelle in seinemeigenen Buch hin, dem Buch Jesaja,dem ersten der Prophetenbücher.Die Szene spielt sich im Freien vordem belaubten Geäst eines Baumesab. Zu Füßen des Jesaja steht dasBuch „Hesekiel“ als Andeutung aufeine Vision des Propheten Ezechiel,aus der später die Kirchenväter diegeflügelten Symbole für die vierAutoren der Evangelien abgeleitethaben: Mensch, Löwe, Stier undAdler. So steht neben Matthäusals sein Zeichen der geflügelteMensch. Im benachbarten Fenstersymbolisiert der geflügelte Löweden Evangelisten Markus, der, dieFeder in der Hand, am Schreibpultsitzt und dem gestenreich redendenApostel Petrus zuhört. Architekturteilewie Säule, Bogen und einweißes Haus mit rotem Ziegeldach46


Matthäus und Jesaja, Markus und ApostelPetrus, Lukas und Apostel Paulus, Johannesund Prochorusverorten die Szene in Rom. Hier sollMarkus sein Evangelium, als dessenGrundlage ihm die Lehrvorträge desPetrus dienten, verfasst haben. Dasdritte Evangelisten-Fenster zeigt alsgebeugt über einem Tisch sitzendeGestalten den Evangelisten Lukasund den Apostel Paulus, den Lukasauf zwei Missionsreisen und beiseinem Rom-Aufenthalt begleitethat. Während Lukas mit der Federin ein Buch schreibt, sitzt Paulus insich gekehrt mit gefalteten Händendabei. Als Hintergrund für Pauluswählte Lehoczky eine Bogenstellungund ein Kirchengebäude, für Lukaseine Doppelsäule, die das Symboldieses Evangelisten trägt, dengeflügelten Stier. Das letzte Fensterdieser Reihe zeigt wiederum stehendePersonen: den im jugendlichenAlter und bartlos wiedergegebenJohannes mit dem Adler zu seinenFüßen und neben ihm Prochorus,einer der sieben Diakone der christlicheUrgemeinde in Jerusalem, derJohannes auch als Sekretär gedienthat. Prochorus, der ein Buch hält,weitere liegen zu seinen Füßen,blickt zu der großen Gestalt desJohannes hinauf. Johannes schautmit geweiteten, dunklen Augenund erstarrten Gesichtszügen insUngewisse. Buch und Schreibfedersind ihm als einem der Verfasserder vier Evangelien beigegeben,sein visionärer Blick spielt auf seineOffenbarung an, das prophetischeBuch, mit dem das Neue Testamentabschließt. Damit schlägt Lehoczkyeinen Bogen zu den Büchern deralttestamentarischen Propheten aufdem ersten Evangelisten-Fenster.Die Stadt im Hintergrund lässt sichals Jerusalem identifizieren. Übereinem durch den Davidstern unddie Mosaischen Gesetzestafeln alsSynagoge gekennzeichneten Kuppelbauund einer christlichen Kirchewölbt sich der Hügel von Golgotha.Vor hellem Hintergrund erscheintdarauf die Silhouette der Kreuzigungsgruppe.Die Feinheit dieser inSchwarzlot ausgeführten Malerei istebenso wie die kaum beschreibbareFülle an kleinen, oftmals winzigenDetails am besten mit dem Fernglaszu bewundern.49


Architekten, Künstler,Künstlerin, AutorinnenAlbert FeldPfarrer; wohl Autodidakt alsMaler, Zeichner und Schnitzer1916 geboren in EmmersweilerStudium der Theologie in Trier1939-45 Kriegsteilnahme,Kriegsgefangenschaft1946 Priesterweihe in Trier1946-49 Kaplan an Hl. Sakrament,Dillingen1947/48 Entwurf „Stifterfenster“und Obergadenfenster,vermutlich auchder Fenster in Taufkapelle,Josefskapelle und neben denApostelfenstern im Chor1949 Kaplan an St. Castor,Koblenz; Wiederaufbau desJugendheims1953 Pfarrer an St. Andreasin Longkamp bei Bernkastel-Kues; Umbau des Pfarrhauses1957 Ernennung zum Dechant1957 Renovierung undModernisierung der kath.Pfarrkirche St. Martin zuSchalkenmehren1959-68 Pfarrer der katholischenPfarrei St. Nikolauszu Daunanschließend als Pfarrerin Mehring, Schweich,Seesbach und Rehbach1985-1999 als Pfarrer in Ruheseelsorgerisch in Emmersweilertätig; Umbau desHauses seiner Nichte2010 gestorben inKleinblittersdorfHildegard ImmischMalerin, Glasmalerin,KunsttherapeutinDiplom Kinderkrankenschwester,Kunststudiummit Schwerpunkt Malerei,freischaffende Künstlerin1950-53 Fenster im Chor des„Saardoms“ (untere Reihe)Maltherapeutin beim SaarländischenKörperbehindertenheimder UniversitätsklinikenHomburg/SaarKunsttherapeutin beim DiakonischenWerk an der SaarSachbuchautorinGyörgy LehoczkyArchitekt, Maler, Zeichner1901 geboren in Vihnye,Ungarn (heute SlowakischeRepublik)1910/11 Fiume (Rijeka),Unterricht im Malen1918 Budapest1921 bis 1927 Architekturstudiuman der TU BudapestAssistent an der Universität


1931 selbständiger Architekt1944 Flucht aus Ungarn1945-47 Vorarlberg, kleinereArbeiten als Architekt,Illustrator und künstlerischerLeiter einer Keramik-Fabrik1947 Saarbrücken, Arbeit alsfreier Künstler: Kirchenfenster,Buchillustrationen,Zeichnungen, Gemälde,Kunst im öffentlichen und imsakralen Raum1950-53 Fünf Fenster imChor des „Saardoms “ inDillingen (obere Reihe)1956 bis 1965 Lehrer an derTechnischen Höheren Lehranstaltin Saarbrücken1979 gestorben inSaarbrückenGünter MaasBildhauer, Glasmaler,Mixed-Media-Künstler1923 geboren inJünkerath/Eifel1941 Abitur in SaarbrückenStudium an der Akademieder Bildenden Künste inMünchenStudienzeit in ParisStudium der Psychologiean der Universität inSaarbrücken1946-53 künstlerischeLeitung bei der Instandsetzungdes Saardoms1947 Gründung der „BauhütteRotenbühl“ in SaarbrückenZahlreiche Werke im öffentlichenund sakralen Raumim Saarland: Bildhauerarbeitenund Glasmalereien,Ehrenmäler, Brunnen1961 Übersiedlung nach KölnDrei audio-visuelle Filme:1968 „MOLOM – TAKIS –KAWAK – SEES – Günter Maas“1968 „Variationen – BildundKlangverwandlungen –Günter Maas“1969 „Raumkomposition –Günter Maas“2010 gestorben in KölnPeter MarxArchitekt1871 geboren in TrierLehre als Bautechniker in TrierBautechniker in Köln1890 Architekturstudiumin BrüsselStudienreisen nach Österreich,Italien, Frankreich,Schottland, Großbritannien1894-95 Militärdienst1896-97 New York1898 Berlin, Beendigung desStudiums1900 Gründung eines Architekturbürosin TrierWohn- und Geschäftshäuserin Trier, Pfarrkirchen imBistum Trier1910-13 kath. PfarrkircheHeilig Sakrament in Dillingen/Saarzahlreiche Kirchenbauten1933 Emigration nach Rom;Studium der christlichenArchäologie1947 Rückkehr nach Trier1958 gestorben in TrierKonny SchmitzArchitekt1925 in Dillingen/Saargeboren1943-45 Kriegsteilnahme1946-50 Architekturstudiuman der TH Karlsruhe beiProf. Egon Eiermann1950 Diplom1950-52 Mitarbeit imArchitekturbüro Hans-BertBaur, Saarbrücken1952-53 Mitarbeiter vonGeorges-Henri Pingussonbeim Bau der FranzösischenBotschaft im Saarland,Saarbrücken1953 eigenes Architekturbüroin Dillingen/Saar mit derÜbernahme der Stadtplanungfür die Stadt Dillingen/Saar1954 Mitglied der Architektenkammerdes SaarlandesMitglied des DeutschenVerbandes für Wohnungswesen,Städtebau undRaumplanung e.V.


1957-58 nebenamtlicheLehrtätigkeit an der Architekturabteilungder StaatlichenIngenieurschule Saarbrücken1967 Mitglied im DeutschenWerkbund1975-85 Intensivierung desKrankenhausbaus mit Aufbaueiner eigenen Abteilungfür Medizinisch-TechnischeFachplanung im Krankenhausund Gesundheitswesen2002 Promotion an derTechnischen Universität Berlin2010 gestorbenGustav SobryBildhauer1853 geboren in Brügge/BelgienAusbildung zum Bildhauer ander Akademie Antwerpen1884 Düsseldorf1885 Linz/Donau1887 Düsseldorf1897 – um 1920 Trier,Restaurierung unter teilweiserNeuschöpfung derskulpturalen Ausstattung desDoms (Altäre, Grabmäler,Kanzel), der Liebfrauenkircheund der Gervasiuskirche;sakrale Skulpturen1910-13 Bildhauerarbeitenam „Saardom“ in Dillingen/SaarDr. MichaelaMazurkiewicz-Wonn1959 geboren inLudwigshafen am RheinStudium der Kunstgeschichte,Klassischen Archäologie undMusikwissenschaft an derUniversität des Saarlandes;1994-97 wissenschaftlicheMitarbeiterin im Keramikmuseumin Mettlach;1998-2000 wissenschaftlicheMitarbeiterin im „Zentrumfür Druck und Buchkultur“in Wadgassen; Publikationenund Vorträge zur neuerenund modernen Kunstgeschichte,Beiträge fürwww.kunstlexikon-saar.deOranna Dimmig1955 geboren in SaarbrückenStudium der Kunstgeschichte,Klassischen Archäologie,Literaturwissenschaft undBibliothekswissenschaft ander Universität des Saarlandesund der Freien UniversitätBerlin; freie Kunsthistorikerinin Berlin, freie Mitarbeiterinam Institut für aktuelleKunst im Saarland, Saarlouis;bau- und kunsthistorischeVeröffentlichungen; seit2006 Projektleitung www.kunstlexikon-saar.de


LiteraturauswahlSaardom– Matthias Prior und PeterMarx: Die neue Kirche inDillingen-Saar, ihre Vorbereitungund Vollendung.Festschrift zur Einweihungdes Saardoms. Trier 1913– H. P. Buchleitner: KulturellerWiederaufbau im Saarland1945-1955. Ein Text- undBildwerk. Band 1. Saarbrücken1955, S. 62, 65– Kath. Pfarramt Hl.Sakrament Dillingen (Hg.):50 Jahre Saardom Hl.Sakrament Dillingen/Saar.Dillingen 1963– Aloys Lehnert: Geschichteder Stadt Dillingen Saar.Dillingen 1969– Manfred Kostka: KatholischePfarrkirche Hl. Sakrament.Saardom Dillingen/Saar. Hg. vom Pfarramt Hl.Sakrament, Dillingen/Saar.Dillingen 1987. 2. erweiterteund verbesserte AuflageDillingen 1997– Kunstverein Dillingen imAlten Schloss, Dillingen/Saar (Hg.): KunstführerDillingen/Saar. Dillingen1999, S. 18-19– Kristine Marschall: Sakralbauwerkedes Klassizismusund des Historismus imSaarland. Saarbrücken2002, S. 216-218– Stefanie Lieb: Himmelwärts.Geschichte des Kirchenbausvon der Spätantike bisheute. Leipzig 2010Albert FeldDieter Gräbner: Ein großartigerPrediger. Albert Feld warPriester mit Leib und Seele.In: Saarbrücker Zeitung,27.11.2010Hildegard ImmischHildegard Immisch, HorstStänder und Rudolf Auert:Malen – Hilfe für Erwachsene.Freiburg/Breisgau 1984,S. 104György LehoczkyArbeitskreis György Lehoczky(Hg.): György Lehoczky.1901-1979. Architektur, Malerei,Kunst im sakralen Raum,Kunst im öffentlichen Raum,Buchillustration. Bearbeitetvon Claudia Maas und OrannaDimmig. Saarbrücken 2010Günter Maas– Fassade des Saar-Doms istfertiggestellt. Günter Maasschuf die Hochreliefs an derKirche Heilig-Sakrament inDillingen. In: SaarbrückerZeitung, Juli 1953– Werner Spilker: Arbeitsbilderaus der Bauhütte Rotenbühl.Der saarländische Bildhauerund Glasmaler Günter Maas.In: Saarbrücker Bergmannskalender1954, S. 55-57Peter MarxJens Fachbach, Georg Schelbert,Mario Simmer: Zum 50. Todestagdes Architekten Peter Marx.In: Neues Trierisches Jahrbuch48, 2008, S. 257−264Konny SchmitzArchitekturbüro Konny Schmitz.Broschüre, Dillingen 1986Gustav SobryStefan Heinz: Gustave A. Sobryund die Renovierung desGreiffenklau-Grabmals. Aufden Spuren eines belgischenBildhauers in Trier. In: NeuesTrierisches Jahrbuch 48,2008, S. 133-146


www.kunstlexikon-saar.deist ein Forschungsprojekt desInstituts für aktuelle Kunst imSaarland an der Hochschuleder Bildenden Künste Saar,das im November 2006online geschaltet wurde. DieStichwort-Artikel fassen aufaktuellem Stand Ergebnissewissenschaftlicher Forschungzu den verschiedenen Bereichender Bildenden Kunstim Saarland zusammen. Sieverstehen sich als Bausteine,mit deren wachsender Anzahldas Bild der Kunstgeschichtedes Saarlandes schärfer undpräziser werden wird.In der Anfangsphase wird derSchwerpunkt auf dem Themenbereichliegen, den dieArbeit des 1993 gegründetenInstituts für aktuelle Kunstabdeckt. Es werden sowohlArbeitsresultate, die bereitsin gedruckter Form vorliegen,für das Medium des Internet-Lexikons aufbereitet, als auchbisher unveröffentlichte oderneue Ergebnisse hinzugefügt.Neben der Kunst der Gegenwartsoll zunehmend auchdie Kunst vor 1945 zum Gegenstandder Forschung, diegrößeren Kulturräume in dieBetrachtung miteinbezogenund die Wechselwirkungen zuden benachbarten Regionenberücksichtigt werden.Das Kunstlexikon Saarträgt der Besonderheit derkulturellen Entwicklung desSaarlandes Rechnung. Die Herausbildungdes Saarlandes alseigenständige politische undkulturelle Einheit begann nachdem Ersten Weltkrieg, als dieWirtschaftsregion um denMittellauf des Saarflusses ausdem Verbund des DeutschenReiches herausgelöst unddurch den Völkerbund verwaltetwurde. Im Spannungsfeldzwischen Frankreich undDeutschland entwickelte sichin den engen Grenzen desSaargebietes (1920-1935) eineselbstständige Kunst- und Kulturpflege,deren Fortführungdurch die erneute Abtrennungnach dem Zweiten Weltkrieg(1945/47-1957/59) befördertwurde. Im heutigen BundeslandSaarland bleibt dieseEntwicklung spürbar undgehört zu den wesentlichenMerkmalen, die dasLand ebenso innerhalb derBundesrepublik Deutschlandkennzeichnen wie innerhalbder europäischen GroßregionSaar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie-Französischeund DeutschsprachigeGemeinschaft Belgiens.Die Reihe „Kunstort“ generiertsich aus der Internetseitewww.kunstlexikon-saar.de.In loser Reihenfolge werdenunterschiedliche Orte vorgestellt,denen eines gemeinsamist: sie bieten Raum fürBildende Kunst.Die Befassung mit Werkenvon Günter Maas habenebenso wie die Erarbeitungeines Werkverzeichnisses vonGyörgy Lehoczky und diekunsthistorische Studie zurHerkunft des „Dillinger Triptychons“die Aufmerksamkeitdes Instituts für aktuelle Kunstauf den Saardom in Dillingengelenkt. Es lag also nahe,diesen herausragenden Sakralbauin der Reihe Kunstortvorzustellen, fokussiert aufdie bei der Wiederherstellungnach 1945 entstandenen baugebundenenKunstwerke.


ImpressumHerausgeberJo EnzweilerAutorinnenOranna Dimmig,Michaela Mazurkiewicz- WonnRedaktionOranna Dimmig, Claudia MaasRedaktionelle MitarbeitDoris KieferGestaltungNina JägerVerlag St. Johann GmbH,SaarbrückenISBN 3-938070-71-4Druck und LithografieKrüger Druck+Verlag GmbH,DillingenAbbildungenOranna Dimmig: S. 30/31,32-33, 35, 36, 40, 43, 44,47, 48Wolfgang Staudt: S. 12/13,17, 50/51Bildarchiv Foto Marburg: S. 7Bischöfliches Dom- undDiözesanmuseum Trier, Foto:Rudolf Schneider: S. 22LPM, Saarbrücken: Umschlag,S. 8, 15, 24/25Manfred Kostka: KatholischePfarrkirche Hl. Sakrament.Saardom Dillingen/Saar. Hg.vom Pfarramt Hl. Sakrament,Dillingen/Saar. Dillingen 1987.2. erweiterte und verbesserteAuflage Dillingen 1997:S. 14, 18, 20-21, 28, 39,Kath. Pfarramt Hl. SakramentDillingen (Hg.): 50 Jahre SaardomHl. Sakrament Dillingen/Saar. Dillingen 1963: S. 26LaboratoriumInstitut für aktuelle Kunst imSaarland an der Hochschuleder Bildenden Künste SaarChoisyring 1066740 SaarlouisTel.: 06831 460530info@institut-aktuelle-kunst.dewww.institut-aktuelle-kunst.dewww.künstlerlexikon-saar.dewww.kunstlexikon-saar.deAuflage: 3000Saarbrücken 2012© Institut für aktuelle Kunstim Saarland, Autorinnen

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