SR-Flutopferaktion - Saarländischer Rundfunk

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SR-Flutopferaktion - Saarländischer Rundfunk

D a s S a a r l a n d h i l f tVorläufiger AbschlussberichtDezember 2005


F l u t o p f e r a k t i o n1K a t a s t r o p h eR e a k t i o nT a tH o f f n u n g


F l u t o p f e r a k t i o n2K a t a s t r o p h eJakarta - Ein starkes Erdbeben hat nach offiziellen Angabenam Sonntag den Norden der indonesischen Insel Sumatraerschüttert. Nach Angaben des Instituts für Wetterkundeund Geophysik in Jakarta hatte das Beben eineStärke von 6,4 auf der nach oben offenen Richterskala.Nach örtlichen Medienberichten gab es in der ProvinzAceh Gebäudeschäden. Ob Menschen verletzt wurden, warzunächst nicht bekannt. In der Provinzhauptstadt BandaAceh, aber auch in der Hauptstadt von Nord-Sumatra, Medan,liefen die Menschen in Scharen in Panik aus ihrenHäusern, wie Anwohner berichteten.Die US-Bebenwarte berechnete eine Bebenstärke von 8,1.Sie lokalisierte das Zentrum des Bebens vor der Westküstevon Sumatra in einer Tiefe von rund 40 Kilometern.Die Erdstöße waren noch bis in Singapur zu spüren.Reuters, 26.12.2004 - 04:10 Uhr MEZ


F l u t o p f e r a k t i o n3R e a k t i o nNach der verheerenden Flutkatastrophe am 26. Dezember 2004 richtete derSaarländische Rundfunk sofort ein Sonderkonto ein.Eine Spendenaktion brachte bereits in den ersten Tagen 150.000 Euro ein. DieHörer aller vier Hörfunkprogramme beteiligten sich über mehrere Tage an einemSpendenmarathon, bei dem sie für ihre Wunschtitel Geld spendeten. SR-IntendantFritz Raff bezeichnete das Ergebnis der Aktion als „überwältigend“.Innerhalb weniger Wochen wurden im Saarland weiter Spendengelder in großerHöhe gesammelt.Privatleute, Künstler, Vereine und Unternehmen zeigten sich beim Sammelnbesonders kreativ. SR und SZ veranstalteten Benefiz-Konzerte, bei denen dieKünstler auf ihre Gage verzichteten. Saarländische Unternehmen wie die DillingerHütte (375.000 Euro) oder die Saarstahl AG (100.000 Euro) haben die Hilfsaktiondes SR großzügig unterstützt. Es gab Aktionen des Saarforst Landesbetriebs(„Brennholz für Flutopfer“), einen Schwimm-Marathon in Wadern, ein„Nordic-Walking-Event“ im Kreis St. Wendel und viele andere Veranstaltungen,in denen Menschen ihre Hilfsbereitschaft zeigten.So kam schließlich die beeindruckende Summe von über 1,8 Millionen Euro aufdem SR-Spendenkonto zusammen.Einige der Aktionen, die zu diesem großen Erfolg beitrugen, sind auf den folgendenSeiten zusammengestellt.


F l u t o p f e r a k t i o n4Benefiz-Veranstaltungen„Weil wir beim SR wissen, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, woes hin soll.“Jede Woche wird beim Freitagsgebetder Islamischen Gemeinde des SaarlandesGeld gespendet - für den Bau einerMoschee. Im Januar 2005 wurde für dieOpfer in den KatastrophengebietenSüdasiens gesammelt, für Menschen jederKonfession. „Weil wir beim SR wissen, dass das Geld auch wirklich dort ankommt,wo es hin soll“ hieß es zur Begründung bei der Scheckübergabe.Gesundheitscheck für eine SpendeDie Krankenpflegeschülerinnenund -schüler der SHG-Kliniken Völklingenentschlossen sich zu einerungewöhnlichen Aktion: Sie veranstaltetenin einem Baumarkt einenganz besonderen Gesundheitstag:Für eine Spende gab esals Gegenleistung Blutdruckmessen,Blutzuckerkontrolle und eineKörperfettanalyse.


F l u t o p f e r a k t i o n5Spielzeug-Tombola und Tüten packenDie Klasse 4.2 der Ellergrundschule in Riegelsberglegte sich mächtig ins Zeug, um denMenschen in den Katastrophengebieten zuhelfen. Erstes Geld sammelten die Mädchenund Jungen mit einer Spielzeug-Tombola. Daihnen das aber zu wenig war, arbeiteten sieeinen Tag lang in einem Supermarkt: Da wurdenTüten gepackt, Kästen gehoben und Wagengeschoben - gegen eine kleine Spende zuGunsten der Flutopfer.Handgemalter Scheck für schnelle HilfeIm „Kinderhaus der StiftungHospital St. Wendel"fand Ende Februar2005 eine Kleider- undSpielzeugbörse statt. DieStandgebühren und dieEinnahmen aus Getränkenund Kuchenverkaufwurden zu Gunsten derFlutopfer gespendet.


F l u t o p f e r a k t i o n6Tragt ein Licht in die WeltUnter diesem Motto hatte am9. Januar 2005 der Saarknappenchornach Heiligenwald indie katholische Kirche St. Laurentiusgeladen. Die Saarknappen,die schon in aller Weltaufgetreten sind, so auch inSüdasien, haben auch dortFreunde gefunden. Es war ihnensomit ein besonderes Anliegen,sich ebenfalls an der Spendenaktion des SR zu beteiligen. Das Ergebnis:4.600 Euro für die Flutopferaktion des SR.Hilfe, um Überleben zu könnenAm 15. Januar 2005 gab es in der Congresshallein Saarbrücken das erste voninsgesamt fünf Benefizkonzerten desSaarländischen Rundfunks. Den Auftaktmachte das Rundfunk-SinfonieorchesterSaarbrücken unter der Leitung von StanislawSkrowaczewski. „Wir müssen allestun, um diesen armen Menschen helfenzu überleben“, sagte Skrowaczewski.


F l u t o p f e r a k t i o n7T a tBeobachtung und Begleitung„Hier ist die Verwüstung verdammt groß - kann ich nur sagen.“„Auf Sumatra, in der Region Aceh[...], wo kein Haus, kein Stein mehrauf dem anderen steht, wo nurnoch einige wirklich festgebauteMoscheen übrig geblieben sind,werden wir beim kompletten Wiederaufbaueines Dorfes helfen,etwa 80 bis 100 Häuser.“„Hier ist die Verwüstung verdammtgroß - kann ich nur sagen.Wir haben schon viel Schadengesehen, auf unserer Reise[...] wenn du dann abseitsfährst von den großen Straßen,was wir heute getan haben, [...]wir sind in Gebiete gekommen[...] ich hab’ zum Glück keinenKrieg erlebt, aber so stell’ ichmir vor, dass es nach dem Kriegaussieht.“Ulli Wagner, telefonisch aus Sri Lankaam 17. Februar 2005Marie-Elisabeth Denzer, Aktueller Berichtam 18. März 2005


F l u t o p f e r a k t i o n8Für den Saarländischen Rundfunkwaren Marie-Elisabeth Denzer,Klaus Popa und Ulli Wagnerin Südasien, um von den Fortschrittenbei der Umsetzung derHilfsmaßnahmen zu berichten.Auf ihren Reisen, die ausschließlichaus Geldern von Sponsoren(wie z. B. der Thomas Cook AG) oder Eigenmitteln des SR finanziert wurden,sammelten sie in den ersten Wochen Ideen und Vorschläge für mögliche Hilfsmaßnahmen,die nachhaltig mit den zur Verfügung stehenden Spendengeldernrealisiert werden könnten. Schließlich wurde aus der anfänglichen Bestandsaufnahmeeiner Katastrophe die Berichterstattung über den erfolgreichenFortschritt der geförderten Hilfsprojekte.


F l u t o p f e r a k t i o n9Die ProjekteI n d i e nAufbau eines Ausbildungs- und Beschäftigungszentrums für Frauen undMädchen imFischerdorf Idinthakarai(100.000 Euro)Seit vielen Jahren gibt es enge Beziehungen aus dem Saarland zu diesemFischerdorf im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, insbesondere ausdem St. Wendeler Raum.Zusammen mit unseren Partnern vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“und der Pfarreiengemeinschaft Oberthal-Güdesweiler-Gronig wurdeein Ausbildungs- und Beschäftigungszentrum für Frauen und Mädchengebaut und die Finanzierung der Kurse für fünf Jahre sichergestellt.Das Projekt umfasst zwei Ausbildungsgänge:1. Der Computerbereich –hier gibt es einen Grundkursvon sechs Monatenoder einen zertifiziertenIntensivkurs über zwei Jahre.2. Die Näherei und Schneiderei – hier gehen Ausbildung und Beschäftigungnahtlos ineinander über. Die Kurse sind so gefragt, dass zurzeitim Zwei-Schicht-System gearbeitet wird und die einennoch lernen, während die anderen bereits stolz die erstenselbstgenähten Kinderkleider präsentieren. Außerdembeherbergt das Zentrum auch noch eine People’sBank, mit der die Menschen in diesem Fischerdorf zumersten Mal die Möglichkeit haben, auch kleinere Beträgeanzusparen.


F l u t o p f e r a k t i o n10Zusammen mit der Pfarreiengemeinschaft unterstützt die SR-Flutopferaktiondarüber hinaus auch noch Infrastrukturmaßnahmen in der neuenFischer-Siedlung am Rande des Dorfes. Dort entstehen mit staatlichenund privaten Mitteln Häuser für mehr als 100 Familien. Die ersten sindzum Jahresende 2005 bezugsfertig.Aufbau einer Ziegelsteinbrennerei undSchulgeld im Nagapattinam District(20.000 Euro)Seit einigen Jahren engagiert sich die ehemaligeLeiterin der Pflegeschule Lebach, Gisela Häring, ebenfalls imsüdindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Nach dem Tsunami hat sie zusammenmit örtlichen Hilfsorganisationen mehrere Projekte initiiert. Mit Geldaus der SR-Flutopferaktion erhielten zahlreiche Grundschulkinder eineGrundausstattung an Lernmaterial.Für rund 20 Jungen und Mädchen, deren Eltern seit der Katastrophe mittellossind, wurde das Schulgeld bis zum mittleren Abschluss übernommen.Kernstück des Tsunami-Projektes in diesem Teil von Tamil Nadu isteine Ziegelsteinbrennerei, die ähnlich wie in Idinthakarai ein AusbildungsundBeschäftigungsprojekt ist. Die SR-Flutopferaktion hat Geld für dieAusbildung und die Ausstattungder Brennerei zur Verfügung gestellt.Im nächsten Jahr soll das Projektbereits auf eigenen Füßen stehen.Mehrere Hilfsorganisationen habenmittlerweile zugesagt, dass sie fürden Häuserbau auch Steine ausdieser Brennerei kaufen werden.


F l u t o p f e r a k t i o n11I n d o n e s i e nWiederaufbau der Siedlung Meunasah Bak Ue in der Region Aceh auf derindonesischen Insel Sumatra ( rund 1,1 Millionen Euro)Der Nordwesten von Sumatra war vom Seebeben und der Flutkatastropheam schwersten betroffen. Dort kamen etwa 247.000 Menschen ums Leben,mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.Zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) bauen wir in der OrtschaftMeunasah Bak Ue Häuser für 155 Familien. Das THW war unmittelbarnach der Katastrophe zum Soforteinsatz auch in dieser Region undhat sich dabei auf die Instandsetzung des Krankenhauses in Banda Acehund auf die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung konzentriert. Dabeiwaren auch THW-Mitarbeiter aus dem Saarland im Einsatz in Aceh.Das gemeinsame Projekt in Meunasah Bak Ue ist das größte der SR-Flutopferaktion.Nach langwierigen Verhandlungen vor Ort liegen inzwischenalle Genehmigungen vor, die Landfrage ist ebenfalls geklärt, die Rodungsarbeitenhaben bereits begonnen.Die neue Siedlung entsteht in der Nähe des alten Dorfes, das durch denTsunami zerstört wurde. Nur ein Viertel der Dorfbevölkerung hat das Unglücküberlebt, zurzeit sind die Menschen noch auf Camps und provisorischeHütten verteilt. Das neue Dorf wird in Absprache mit dem Dorfrat


F l u t o p f e r a k t i o n12gebaut, die künftigen Bewohner waren von Anfangan in die Planung miteinbezogen.Mit den Geldern aus der SR-Flutopferaktion werdenin Meunasah Bak Ue nicht nur Häuser gebaut.Die Trink- und Abwasserversorgung gehört ebensozum Projekt wie andere wichtige Infrastrukturmaßnahmen.Bereits im Sommer 2006 werdendie ersten Familien im Saarland-Dorf auf Sumatraein neues Zuhause finden.


F l u t o p f e r a k t i o n13S r i L a n k aWaisenkinderprojekt in der Nordost-Provinz (120.000 Euro)Die Nordost-Provinz ist die zwischen tamilischen Rebellen und Regierungstruppenseit vielen Jahren umkämpfte Region von Sri Lanka. Dortwar die Zahl der Waisen schon immer höher als im übrigen Land, durchden Tsunami hat sie sich aber auf rund 4.000 mehr als verdoppelt.


F l u t o p f e r a k t i o n14Zusammen mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)haben wir für diese Waisenkinder eine Art Soforthilfe geleistet: Wir habensie mit Kleidung und Schuhen versorgt, für einige hundert Kinder gabes auch Fahrräder, damit sie weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung indie Schule gehen können.Dieses Projekt war nicht nur auf Kinderheime beschränkt, auch Waisenkinder,die von Familienangehörigen aufgenommen wurden, haben davonprofitiert.


F l u t o p f e r a k t i o n15Wiederaufbau beschädigter Schulen imNordosten Sri Lankas (300.000 Euro)Nachdem inzwischen geklärt ist, wo wiederSiedlungen entstehen, beginnt Mitte Dezember2005 der gezielte Aufbau von Schulen inder Nordost-Provinz von Sri Lanka. Zusammenmit dem bewährten Partner GTZ wird sich dieSR-Flutopferaktion an diesem Wiederaufbaubeteiligen. Dabei wird der Schwerpunkt aufdem District Batticaloa liegen, in dem esdurch das Waisenkinder-Projekt bereits vertrauenswürdigeKontakte gibt.Neubau und Instandsetzung von Schulen in Weligama (60.000 Euro)Im Südwesten von Sri Lanka ist das Schulprojekt der SR-Flutopferaktionbereits fertig gestellt. Dort war eine direkt am Meer gelegene Grundschuledurch den Tsunami völlig zerstört worden.Eine Junior High School des Küstenstädtchens stellte ein Gelände für denNeubau zur Verfügung. Zusammen mit dem Kiwanis Club Saarbrückenund einer örtlichen Initiativewurde die Grundschule neugebaut und die Gebäude derJunior High School instandgesetzt. Die Gesamtkostenbeliefen sich auf rund120.000 Euro.Dieses Projekt konnte soschnell und relativ preiswertumgesetzt werden, weil sichdie Partner nicht nur finanziell beteiligt haben sondern auch ihr Fachwisseneinbrachten. Eine Saarländerin hatte außerdem während der heißenPhase ehrenamtlich die Bauleitung vor Ort übernommen.


F l u t o p f e r a k t i o n16H o f f n u n gKnapp ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophein Südost-Asien haben der Ministerpräsidentdes Saarlandes, Peter Müller und derIntendant des Saarländischen Rundfunks,Fritz Raff, eine positive Bilanz der vom Landund den Kommunen unterstützten SR-Flutopferaktionziehen können.Von den mittlerweile insgesamt 1,9 Mio Euro Spenden aus der saarländischenBevölkerung sind rund 1,7 Mio Euro Hilfsprojekten in Indonesien, Sri Lanka undSüdindien zugute gekommen.Fritz Raff versprach, dass die Programme des Saarländischen Rundfunks auch inZukunft darüber berichten, wie sich die Hilfsprojekte entwickeln.


F l u t o p f e r a k t i o n17Mit dieser Bilanz ist die SR-Flutopferaktion noch lange nicht beendet. Zwei Projektebeginnen gerade erst und bei vielen anderen hat der SR eine nachhaltigeBetreuung über fünf Jahre zugesagt. Das halten wir auch gerne ein, schließlichwollen wir wissen, ob die Ziegelsteinbrennerei wirklich bald auf eigenen Füßensteht, ob die Nähkurse weiterhin der Renner sind oder ob es nur die Anfangs-Euphoriewar.Außerdem sind uns die Projekte, ob groß oder klein, ans Herz gewachsen – vonden Menschen dort einmal ganz abgesehen. 2005www.SR-online.de/flutopferaktionWir danken allen beteiligten Partnern für die freundliche Überlassung von Bildmaterial!

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