ein Leitfaden für Patientinnen und Patienten - Dachverband Xund

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ein Leitfaden für Patientinnen und Patienten - Dachverband Xund

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VorwortDer Dachverband Komplementärmedizin Dakomedwill Ihnen mit dem vorliegenden Leitfaden eine Entscheidungshilfeüber die Anwendung von Komplementärmedizingeben. Er möchte Ihnen Mut machen,mit Ihrer Ärztin, Ihrer Naturheilpraktikerin, IhrerKomplementärtherapeutin über Ihre Wünsche undAnliegen zu sprechen. Dieser Leitfaden empfiehltIhnen keine konkreten Methoden, Therapien oderHeilmittel. Er wird Ihnen jedoch helfen,> herauszufinden, was Sie von einer komplementärmedizinischenoder komplementärtherapeutischenBehandlung erwarten können,> einen qualifizierten Komplementärarzt, Naturheilpraktikeroder Komplementärtherapeuten zu finden,> und abzuklären, welche Kosten von Ihrer Krankenkasseübernommen werden.Im Namen des VorstandesEdith Graf-LitscherPräsidentin, Nationalrätin SP TGMartin BangerterSchweizerischer DrogistenverbandDr. med. Hansueli AlbonicoUnion schweizerischer komplementärmedizinischerÄrzteorganisationenHeidi SchönenbergerNaturheilpraktikerin, OdA Alternativmedizin3


Vielfalt undKompetenzEinführungUmfragen zeigen, dass bis zu 70 Prozentder Schweizerinnen Komplementärmedizinnutzen. Sie wird von Schulmedizinernmit Zusatzausbildung(rund 2000 Ärzte) und von über 15 000nicht ärztlichen Therapeuten angeboten.Grosse Bedeutung hat sie auch inder Selbstanwendung, namentlich beirezeptfreien Medikamenten.Hauptgründe für die Anwendungvon Komplementärmedizin sind dieErhaltung der Gesundheit, der Schutzvor Krankheit und die Behandlungeines breiten Spektrums von chronischenund akuten Krankheiten. Dertherapeutische Nutzen und der Beitragqualifizierter Komplementärmedizinzur Gesundheitskompetenz undzur Selbstverantwortung der Patientensind durch zahlreiche Studien nachgewiesen.Schul- und Komplementärmedizinergänzen sich.Definition«Komplementärmedizin» steht alsSammelbegriff für eine Vielfaltvon Dia gnoseverfahren, Heilmethodensowie Heilmitteln, die von Ärzten,Naturheilpraktikern, nicht ärztlichenTherapeuten und in der Selbstmedikationangewandt werden. Die meistenMethoden haben eine lange, einigeeine jahrtausendealte Tradition. Komplementärmedizinwird oft als übergeordneterBe griff im Gesundheitswesenverwendet. Die von den Naturheilpraktikernpraktizierten Fachrichtungenwerden unter dem Begriff Alternativmedizinzusammengefasst. Als Komplementärtherapiebezeichnet maneine Vielzahl von Therapien, die nebender Stärkung der Selbstregulation,Selbstwahrnehmung und Genesungskompetenzfördern. Weitere Begriffewie Natur-, Erfahrungs-, GanzheitsoderVolksmedizin werden oft als Synonymeverwendet.4


Gesundheit und KrankheitSchul- und Komplementärmedizinhaben unterschiedliche Behandlungsansätze:Die Schulmedizin orientiertsich an Symptomen und organischenVeränderungen; die Komplementärmedizinfragt nach dem weiterenHintergrund einer Krankheit, nachBiografie und Umfeld des Menschen,seinen Stärken und Schwächen. Siesucht ihn von seinen eigenen Ressourcenher zu heilen; in dem sie dasSchwergewicht auf die Stärkung derSelbstregulation sowie die Förderungder Selbstwahrnehmung und derSelbstverantwortung legt und Patientinnenund Patienten im Umgang mitBeschwerden und Krankheiten unterstützt.Therapievielfalt in derKomplementärmedizinIn der Schweiz gibt es vier offiziellanerkannte ärztliche Methoden derKomplementärmedizin. Dies sind Anthroposophischorientierte Medizin,Chinesische Medizin (Akupunktur undArzneitherapie), Klassische Homöopathieund Phytotherapie (westlichePflanzenheilkunde). Diese werden vonSchulmedizinern mit Fähigkeitsausweisin einer der oben genannten Fachrichtungenausgeführt. Ihre Leistungenwerden provisorisch bis 2017 vonder Grundversicherung gedeckt.Die nicht ärztliche Komplementärmedizinist einerseits unterteilt in dievon Naturheilpraktikern ausgeübtenvier Fachrichtungen Ayurvedamedizin,Homöopathie, Traditionelle chinesi-sche Medizin TCM und Traditionelleeuropäische Naturheilkunde TEN,andererseits in die verschiedenenMethoden der Komplementärtherapie*.Auch die verschiedenen künstlerischenTherapien sind Teil der Behandlungsvielfalt.Chancen und Grenzender KomplementärmedizinAlle Methoden der Komplementärmedizingehen von einem ganzheitlichenMenschenbild aus, jede versucht vonihrem Ansatz her den ganzen Menscheneinzubeziehen. Für akute Notfälleund lebensbedrohende Krankheitenist primär die Schulmedizin zuständig.Wunder sind in der Komplementärmedizinnicht häufiger als in der Schulmedizin.Auch wenn Behandlungenmit den Mitteln der Komplementärmedizinnicht immer länger dauern alseine konventionelle Therapie, so brauchendie angestrebten Prozesse dochihre Zeit. Selbstkompetenz und Selbstverantwortungdes Patienten habenin der Komplementärmedizin immereinen hohen Stellenwert.In Drogerien und Apotheken findenSie kompetente Ansprechpersonenfür die Selbstmedikation mit vielfältigenArzneimitteln der Komplementärmedizinund oft auch als Informationsquelleüber mögliche Therapieformen.Auch das Pflegefachpersonal in den Spitälernkann Sie oft kompetent beraten.*Liste der aktuell von der Organisation derArbeitswelt KomplementärTherapie (OdA)anerkannten Methoden siehe www.oda-kt.ch5


Worauf solltenSie bei Ihrer Wahlachten?> Verlangen Sie vor Behandlungsbeginneine Diagnose und ein entsprechendesBehandlungskonzept.> Informieren Sie sich bei IhremArzt, Naturheilpraktiker oder Komplementärtherapeutenüber möglichefür Ihr Anliegen sinnvolle Therapien.Nutzen Sie dazu auch die Adressen aufSeite 10.> Wählen Sie Ihren Arzt, Naturheilpraktikeroder Therapeuten sorgfältigaus. Achten Sie auf die Ausbildungsowie die Mitgliedschaft in Standesorganisationen.Auch Ihre Krankenkasseoder das Pflegepersonal inSpitälern kann Ihnen behilflich sein.> Wenn Sie ein komplementärmedizinischesArzneimittel in Betrachtziehen, so informieren Sie sich beimFachpersonal Ihrer Drogerie oderApotheke. Teilen Sie Ihrem Arzt, Naturheilpraktikeroder Therapeuten mit,welche Medikamente oder pflanzlichenProdukte Sie einnehmen. Auchpflanzliche oder komplementärmedizinischeProdukte treten in Wechselwirkungmit konventionellen Medikamentenund können deren Wirkungbeeinflussen.> Teilen Sie sowohl Ihrem Arzt als auchIhrem Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeutenmit, welche BehandlungenSie in Anspruch nehmen,nur so ergibt sich ein vollständigesBild und die verschiedenen Therapienkönnen koordiniert und zielgerichteteingesetzt werden.6


Was bezahltdie Krankenkasse?GrundversicherungSeit Januar 2012 sind die ärztlichenLeistungen der Komplementärmedizin(inkl. Heilmittel gemäss SpezialitätenlisteSL) für sechs Jahre Pflichtleistungender Grundversicherung OKP, wennsie von einem Arzt / einer Ärztin mitentsprechendem FMH-Fähigkeitsausweis(Chinesische Medizin TCM, KlassischeHomöopathie, Phytotherapie,Anthroposophische Medizin) erbrachtoder verschrieben werden. Die Leistungspflichtdes Versicherers wird alsodurch die ausgewiesene Qualifikationder Ärztin definiert.ZusatzversicherungBehandlungen durch nicht ärztlicheTherapeutinnen oder andere nicht vonder Grundversicherung abgedeckteMassnahmen können über die freiwilligenZusatzversicherungen versichertwerden. Das Gleiche gilt für gewisseMedikamente, die nicht in der Spezialitätenliste(siehe «Grundversicherung»)enthalten sind. Prämien und Leistungender einzelnen Zusatzversicherungensind allerdings sehr unterschiedlich.Einige Krankenkassen publizierenauf ihrer Website die komplementärenTherapien, an die sie einen Beitragleisten, sofern anerkannte Therapeutensie durchführen. Einige Krankenkassenführen auch entsprechendeTherapeuten-Listen.Fragen Sie vor Beginn einer komplementärenTherapie bei Ihrer Krankenkasse nach,für welche Kosten sie aufgrund Ihrer Versicherungaufkommt. Am einfachsten undsichersten ist es, wenn Sie sich von IhrerKrankenkasse schriftlich bestätigen lassen,ob die von Ihnen gewünschte Methodebei dem von Ihnen gewählten Naturheilpraktikeroder Therapeuten bezahlt wirdbzw. welchen Beitrag sie daran leistet.9


Nützliche AdressenÄrzte mit Fähigkeitsausweisin Komplementärmedizin> ww.doctorfmh.ch/index.cfm Das offizielle undvollständige Verzeichnis der Ärztinnen und Ärztein der Schweiz. Es umfasst über 30 000 Einträgeund wird täglich aktualisiert.> www.unioncomed.ch Union schweizerischerkomplementärmedizinischer ÄrzteorganisationenNaturheilpraktiker, Komplementärtherapeutenund verschiedeneTherapieformen> www.asca.ch Schweizerische Stiftung fürKomplementärmedizin> www.emindex.ch Das ErfahrungsmedizinischesRegister (EMR) bietet Informationen zurund 125 Therapieformen und eine geografischeSuche nach EMR-zertifizierten TherapeutInnen.> www.fams.ch Föderation Alternativ MedizinSchweiz (FAMS) ist der Dachverband für Alternativmedizinin der Schweiz.> www.spak.ch Das Qualitätslabel der NaturärzteVereinigung der Schweiz bietet eine Suche nachMethoden und TherapeutInnen.> www.vitagate.ch Das Gesundheitsportal derDrogisten bietet Informationen zu vielen Therapieformen.> www.xund.ch Der Dachverband Xund bieteteinen kompetenten Überblick über die Methodender Komplementärtherapie und Links zuden Methodenverbänden.> www.oda-am.ch und www.oda-kt.ch Die beidenOrganisationen der Arbeitswelt informierenüber die Berufsreglementierung im Bereich dernicht ärztlichen Komplementärmedizin.Spitäler> www.aeskulap.com Aeskulap Klinik Brunnen,ärztliche Ganzheitsmedizin> www.wegmanklinik.ch Ita Wegman Klinik,anthroposophisches Akutspital in der Nordwestschweiz> www.lukasklinik.ch Lukas Klinik, Kompetenzzentrumfür integrative Tumortherapie und SupportiveCare in Arlesheim> www.ospidal-scuol.ch Ospidal d’EngiadinaBassa (OEB)> www.alronc.ch Paracelsus Clinica al Ronc AG,Zentrum für Biologische Therapie im Tessin> www.paracelsus.ch Paracelsus Klinik Lustmühle,Spezialklinik für Ganzheitsmedizin undZahnheilkunde> www.rs-e.ch Regionalspital Emmental AG(RSE), Komplementärmedizin> www.paracelsus-spital.ch Paracelsus-SpitalRichterswil, Zentrum für Schul- und Komplementärmedizin> www.integrativemedizin.kssg.ch Zentrum fürIntegrative Medizin Kantonsspital St. GallenPatientenorganisationen> www.anthrosana.ch anthrosana – Verein füranthroposophisch erweitertes Heilwesen> www.vfkh.ch Homöopathie Schweiz VFKH> www.patientenstelle.ch Dachverband derSchweizerischen Patientenstellen> www.spo.ch Patientenschutz Schweiz> www.vitaswiss.ch vitaswiss – VolksgesundheitSchweiz10


Dachverband KomplementärmedizinDer Dachverband Komplementärmedizin wurde am 30. Oktober 2009 gegründet. Er setzt sich für dieUmsetzung des Verfassungsartikels 118a Komplementärmedizin ein: «Bund und Kantone sorgen imRahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.» Die Kern anliegenunseres Verbandes sind: die Förderung der integrativen Medizin (Zusammenarbeit von Schul- undKomplementärmedizin), die Aufnahme ärztlicher Richtungen der Komplementärmedizin in die Grundversicherungund in die weiteren Sozialversicherungen (SUVA, Militär- und Invaliden versicherung),die Förderung von Lehre und Forschung, die Schaffung nationaler Diplome für nicht ärztliche Therapeutenund die Sicherstellung der Heilmittelvielfalt.Mitgliederanthrosana – Verein für anthroposophisch erweitertes Heilwesen, Homöopathie Schweiz VFKH, Organisationder Arbeitswelt Alternativmedizin OdA AM, Organisa tion der Arbeitswelt KomplementärTherapieOdA KT, Schweizerische Apotheker- Gesellschaft für Homöopathie SAGH/OSPH, Schweizerischer DrogistenverbandSDV, Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Komplementär- und Alternativmedizincamvet.ch, Schweizerischer Verband für komplementärmedizinische Heilmittel SVKH, TrägervereinParacelsus-Spital, Union schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzte organisationen, Verbandfür Anthroposophisch Erweiterte Pharmazie VAEPS und die vitaswiss – Volksgesundheit Schweiz.Besten Dank für Ihre Spende!Sehr geehrte Freundinnen und Freunde der KomplementärmedizinDer Dachverband Komplementärmedizin setzt sich zum Wohl der Patientinnen und Patienten für dievolle Anerkennung der Komplementärmedizin im Schweizerischen Gesundheitswesen ein. Da hinterdem Dachverband keine finanzstarke Pharmaindustrie steht, sind wir auf Ihre Spende zur Weiterführungunserer Arbeit angewiesen.Dank Ihrer Spende können wir den Druck auf Politik und Behörden aufrechterhalten und Sie weiterhinüber unsere Projekte und Massnahmen informieren.Spendenkonto: PC 70-90700-0ImpressumHerausgeber: Dachverband Komplementärmedizin,Amthausgasse 18, 3011 Bern, Telefon 031 560 00 24,www.dakomed.ch, E-Mail: info@dakomed.chRedaktion: Christine Keller Sallenbach, Walter StüdeliFotos: Mark Nolan, Gsteig / Gestaltung: www.bueroz.chDruck: Baumer AG, IslikonDiese Broschüre ist auch in französischer Sprache erhältlich.© Dachverband Komplementärmedizin 2012

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