Gold fundamental, Gold als Heilmittel Goldene Behüter aus dem ...

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Gold fundamental, Gold als Heilmittel Goldene Behüter aus dem ...

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Lehrer als Gastgeber

Eine Herausforderung unserer Zeit – die Schule

Als Kunstlehrerin an einem Neuköllner Gymnasium mit einem 90%igen Schüleranteil nichtdeutscher

Herkunft – beweist Ursula Rogg Mut, Idealismus und außerdem Schreibtalent. Ihr

Frontbericht aus dem Klassenzimmer ist berührend, erschreckend, spannend und immer mit

der Note „es geht doch auch anders“ durchsetzt. Ein kleiner Auszug zum Mut machen mit

freundlicher Genehmigung des Verlages.

Während die Bildungspolitik keinen Ausweg aus einer

strukturellen Krise findet und Bildungsforscher in finnischen

Klassenzimmern, nicht aber denen Berlins sitzen,

während Schulen von Reformen und Prüfungsverordnungen

überzogen werden, kämpfen wir mit einer Entwicklung

im Klassenzimmer, die sich vor allem als ein

zunehmender Verlust von Sprache und Aufmerksamkeit

zeigt. Das Sprechen selbst nimmt an Lautstärke, Unreflektiertheit

und Aggressivität zu, die Sprache selbst

aber verarmt dabei. Viele Schüler beherrschen weder

ihre Muttersprache noch das Deutsche, ihr Vokabular

ist minimal und Grammatik sowie Satzbau werden

durch Floskeln und Laute ersetzt. Der Zusammenhang

zwischen Sprechen und Denken stimmt umso bedenklicher,

als es sich hier nicht selten um Oberstufenschüler

eines Gymnasiums handelt. Viele von diesen Schülern

kommen aus Familien, in denen kaum ein Bewusstein

für Kulturtechniken besteht; ich spreche von Dingen

wie Ernährung, Bewegung und grundlegende Höflichkeitsformen.

Das Konsumverhalten im materiellen

wie vor allem im medialen Bereich ist jenseits aller

Kontrolliertheit, was einen grundlegenden Verlust an

Aufmerksamkeit zur Folge hat. Den Bewohnern Nord

Neuköllns ist die Aufmerksamkeit im Umgang mit

sich, dem Nächsten und der umgebenden Welt abhan-

den gekommen. In dieser Welt ohne Aufmerksamkeit

und Fürsorge wachsen unsere Schüler, wächst unsere

junge Generation heran. Schule machen in Neukölln

bedeutete für mich, Aufmerksamkeit zu schulen. In jeder

Stunde und mit jedem Thema habe ich mich darauf

bezogen, und ob und auf welche Weise das im Kleinen

gelungen ist und wie und woran ich gescheitert bin, davon

handelt im Wesentlichen dieses Buch.

Ich habe eine Zehnte, in der es 20 Minuten dauert,

bis ich Guten Morgen sagen kann. ... In der folgenden

Doppelstunde ließ ich die Klasse wie gehabt weitertoben,

zog mich aber in den kleineren Nebenraum zurück

und bat die Schüler einzeln zu einem Interview vor einer

Videokamera, um sie zu fragen, was sie später machen

wollten, wie sie leben und sein wollten. ... Familie und

Spaß haben waren für alle wichtig.

Ich weiß jetzt, was ich zu tun habe. Ich würde

einfach vorne anfangen, da, wo es nicht klappte: bei

der Begrüßung. Vergiss, dass du am Gymnasium bist,

sagte ich mir. Es ist egal. Lass sie aufstehen. Ich lasse

sie also aufstehen. Das dauert. Ich lasse sie sich wieder

hinsetzen, dann wieder aufstehen. So lange stehen jetzt,

bis jeder und jede frei steht. Da sind 20 Minuten um.

Ich kommandiere, sie hören mich jetzt. Setzen. Wieder

müssen sie aufstehen, Hände aus den Hosentaschen, frei

KGSBerlin 02/2012

Foto: © st-fotograf - Fotolia.com

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