Gold fundamental, Gold als Heilmittel Goldene Behüter aus dem ...

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Herausforderung

Liebe

Warum wir in unseren Beziehungen

Schwierigkeiten brauchen -

von Jochen Meyer

Dass Probleme Herausforderungen sind und Beziehungskrisen

als Chance zum Wachstum genutzt werden

können, haben Sie sicher schon hundert Mal gehört. Ist

Ihnen aber auch vertraut, dass wir Schwierigkeiten in

Beziehungen geradezu benötigen? Wir brauchen sie,

damit unsere Beziehungen lebendig bleiben und wir

uns weiterentwickeln. Ansonsten würden wir in einer

„Partnerschafts-Komfortzone“ vor uns hinvegetieren,

abstumpfen und seelisch und geistig erstarren. Nur wenn

wir uns herausfordern lassen, nur wenn wir anstrengende

Aufgaben anpacken, können wir erfahren, dass wir unsere

Probleme lösen, das Zusammensein meistern und unsere

Beziehung aus eigener Kraft gestalten können. Nur

dann erleben wir, dass Liebe gelingt. Allerdings brauchen

wir dafür Herausforderungen, die wir meistern können;

Aufgaben, die uns fordern, aber nicht überfordern.

Im Prinzip könnten die Themen genügen, die uns das

Leben serviert: Eine feste Beziehung aufbauen, sich immer

näher kennenlernen, Kinder großziehen, Lebensumbrüche

durchstehen, älter werden usw. In der Regel

aber halten wir uns selbst durch „beziehungsinterne“

Herausforderungen bei der Stange: Partnerschaftskrisen,

Zweifel am Sinn der Beziehung, scheinbar unauflösbare

Konflikte, sich wiederholende Muster, die für Frustrationen

sorgen und das Gefühl von Stagnation erzeugen.

Wollen wir solche Schwierigkeiten auflösen, dann sind

wir aufgefordert, über uns hinauszuwachsen und einen

besseren Umgang miteinander zu entwickeln. Hierfür

braucht es nicht die Absicht, alles Schwierige so schnell

wie möglich zu beseitigen, sondern die Bereitschaft, es

sich erst einmal genauer anzusehen.

Aus neurobiologischer Perspektive ist es relativ einfach:

Jede Beziehung ist eine Einladung, zu wachsen und stärker

zu werden; und jede Schwierigkeit in einer Beziehung

kann uns eine neue Erfahrung von Wachstum und Stärkung

ermöglichen. Voraussetzung dafür ist nur, dass wir

uns offen begegnen und emotional berühren lassen. Unsere

Gehirne organisieren sich durch Beziehungserfahrungen.

Gut entwickeln sie sich allerdings nur in einer Atmosphäre

„Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre

Wege auch schwer und steil.“ Khalil Gibran

des Vertrauens. Wer an seinem Partner herumnörgelt,

Druck ausübt oder seinen Aggressionen freien Lauf lässt,

nutzt vor allem seine älteren Hirnareale – Stammhirn

und limbisches System – und stärkt die hier geschalteten

Bahnungen. (Bei seinem Partner aktiviert er sie übrigens

auch). Wer hingegen in einer schwierigen Situation seinen

Partner auf positive Weise emotional berührt; wer ihm

einfühlsam begegnet und interessiert nachfragt; wer Ruhe

ausstrahlt und das Vertrauen des Partners stärkt, nutzt

seinen präfrontalen Kortex – die Großhirnrinde – und

sorgt bei sich und seinem Partner für neuronale Aktivität

genau derjenigen Gehirnareale, die uns mehr Freiheit

und mehr Gelingen ermöglichen. Er stärkt sein Potenzial,

harmonische Beziehungen zu führen und die Atmosphäre

der Begegnung bewusst zu gestalten.

Durch unser Verhalten in Beziehungen erschaffen

wir uns praktisch selbst.

Gute Beziehungserfahrungen stärken unsere höherentwickelten

neuronalen Netzwerke, diese wiederum befähigen

uns zu noch besseren Beziehungserfahrungen.

Es liegt also an uns, wie wir uns verhalten, wofür wir

uns begeistern und wie wir unsere Gehirne nutzen – und

verändern! Es ist ein Unterschied für die Entwicklung

unserer Gehirnpotentiale, ob wir uns an depressiver

Selbstanklage ergötzen, an Streit und Machtausübung

berauschen oder ob wir uns offen und aufrichtig begegnen

und dann über eine gemeinsam gefundene Lösung

freuen. Neurobiologen bestätigen, was die spirituellen

Weisheitslehren seit jeher verkünden: Die Liebe beziehungsweise

das Leben will, dass wir wachsen und stärker

werden! Wir haben das Potenzial, uns in Beziehungen

gut zu entwickeln. Wir haben die Chance, etwas aus uns

zu machen. Und wir haben das Potenzial zu entdecken,

wie Liebe gelingt. Ohne Schwierigkeiten und den richtigen

Umgang damit würden wir unsere menschlichen

Potenziale allerdings niemals entfalten.

Die Sehnsucht, in der Verbindung mit einem anderen

Menschen über sich hinauszuwachsen, ist vermutlich

KGSBerlin 02/2012

Foto: © detailblick - Fotolia.com

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