Neue Versionen 2011 - Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling

medizin.controller.de

Neue Versionen 2011 - Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling

Forum der Medizin - Dokumentation und

Medizin - Informatik

ISSN 1438-0900

Heft 4 / Dezember 2010 • Jahrgang 12

Medizincontrolling


Fachartikel Inhalt

Die nächsten Themenhefte:

n Heft 1/2011

DVMD Tagung

verantwortlicher Redakteur:

Oliver J. Bott

n Heft 2/2011

Telemedizin

verantwortlicher Redakteur:

Günter Steyer

n Heft 3/2011

Lösungswege aus dem

Personalnotstand

verantwortlicher Redakteur:

Angelika Händel,

Andreas J. W. Goldschmidt

n Heft 4/2011

Arzneimittelzulassung und

-sicherheit

verantwortlicher Redakteur:

Gerhard Fortwengel,

Dieter Hinzmann

Editorial 131

Impressum 131

Schwerpunkt: Medizincontrolling

OPS 9-20 und PKMS – Herausforderungen in der Dokumentation Horndasch 132

Korrekte Kodierung im Widerstreit – wer entscheidet? Dennler 136

Controlling in der Klinischen Forschung Kehrel, Müller-Mielitz 141

Kostenkontrolle der diagnostischen Bildgebung im Kompetenznetz Angeborene Herzfehler

Müller-Mielitz, Kehrel, Becker, Ohmann, Müller-Fürstenberger, Huggenberger, Goldschmidt 144

Bedeutung gesundheitsökonomischer Evaluationen für die NUB-Verhandlung Hoppe, Becker, Zimolong 148

Veranstaltungen

What should I-KNOW? Aktuelle Trends im Wissensmanagement und ihre Auswirkungen auf

Gesundheitswirtschaft und Ausbildung 150

Quo vadis Medizinische Dokumentation? | Interview zur 11. Fachtagung des DVMD vom 16.–19. Februar 2011 154

GMDS-Jahrestagung | Klassifikation, Kodierung und Terminologien – heute und morgen

Bericht über das Symposium am 9. September 2010 156

Kalender 159

Interview

25 Jahre ID Berlin | BVMI Ehrenmitgliedschaft für Fritz Diekmann 160

Leserforum

Buchbesprechung 163

BVMI & DVMD

Neue Mitglieder 163

BVMI

BVMI Newsletter 164

Ergebnisse der Briefwahl 2010 für den geschäftsführenden Vorstand des BVMI 164

DVMD

DVMD Vorstandswahlen 2011 164

Die Sektion Medizinische Dokumentation der GMDS stellt sich vor 165

Einladung zur 42. Mitgliederversammlung des DVMD e.V. im Rahmen der DVMD-Fachtagung in Hannover 165

Bild-Management für die klinische Forschung:

• datenschutzkonforme Lösung

• erprobte Workflows

• optimale Arbeitsteilung

• mehr Wirtschaftlichkeit

Das IEKF unterstützt den LifeCycle klinischer Forschung durch

die Bereitstellung erprobter Software-Produkte und innovativer

Dienstleistungen.

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130 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010


Wie jedes Jahr seit Einführung des DRG-Systems

bereiten sich die Kliniken auch vor diesem

Jahreswechsel auf die neuen Regelungen zur

Kodierung, zur DRG-Gruppierung sowie zur Abrechnung

der stationären Leistungen vor. Daher freut es uns als mdi-

Redaktion jetzt zum Wechsel auf das Jahr 2011 ein Heft

vorlegen zu können, das sich mit der Thematik des Medizin-Controlling

befasst.

Auch dieses Mal konnten wir Autoren aus dem Kreis

unseres Kooperationspartners, der Deutschen Gesellschaft

für Medizincontrolling (DGfM), gewinnen, neuere Entwicklungen

und Problematiken im G-DRG-System vorzustellen.

Eine einschneidende Neuerung stellt der Versuch der

Abbildung von besonders aufwendigen Tätigkeiten der

stationären Pflege mittels eines eigenen Scoring-Systems

– dem PKMS – dar. Wenn man den Auguren in der »DRG-

Politik« Glauben schenken darf, dann ist spätestens 2012

mit einer vollen Integration des PKMS in das Abrechnungssystem

zu rechnen. Sicher birgt dann auch dieses Scoring-

System Konfliktpotenzial zwischen Kliniken und Kostenträgern,

ähnlich z.B. den Intensiv-Scoringsystemen TISS

und SAPS oder den diversen Komplexpauschalen.

Umso wichtiger ist dabei die Bündelung der klinikindividuellen

Erfahrungen auf übergeordneter Ebene. Die

DGfM hat mit dem »FoKA« (Fachausschuss für ordnungsgemäße

Kodierung und Abrechnung) ein Instrument etabliert,

Medizin-Controllern diese Erfahrungswerte näherzubringen.

Lesen Sie in einem Beitrag dieser Ausgabe, wie

die Arbeiten dieses Gremiums Ihre tägliche Tätigkeit im

Bereich der Klinikabrechnung (inkl. Kodierung und DRG-

Ermittlung) unterstützen kann.

Herausgeber:

Berufsverband Medizinischer

Informatiker e.V.

Postfach 10 13 08, 69003 Heidelberg

Tel. und Fax: 0 62 24 / 95 08 55

http://www.bvmi.de

und

Deutscher Verband Medizinischer

Dokumentare e.V.

Postfach 10 01 29, 68001 Mannheim

http://www.dvmd.de

E-Mail: dvmd@dvmd.de

Erscheinungsweise:

4-mal jährlich, jeweils zum

Quartalsende

Auflage:

2.500

Verlag und Vertrieb:

Eigenverlag und Eigenvertrieb

ISSN:

1438-0900

Manuskripte:

Zuschriften, die den Inhalt der

Zeitschrift betreffen, sind direkt an die

Redaktionsanschrift zu senden. Für

unverlangte Manuskripte wird keine

Haftung und keine Verpflichtung

zur Veröffentlichung übernommen.

Beiträge, die anderweitig parallel

eingereicht wurden, werden nicht

angenommen. Die Redaktion behält

sich vor, aus technischen Gründen

Kürzungen vorzunehmen. Namentlich

gekennzeichnete Beiträge geben die

Meinung des Verfassers wieder.

Autorenrichtlinien:

Unter folgendem Link:

http://www.forum-mdi.de/mdi/

autorenrichtlinien.pdf

Nachdruck und Kopien:

Nur mit Genehmigung der Redaktion

und unter Angabe der genauen Quelle.

Eher wenig wird mit dem (Medizin-)Controlling die Klinische

Forschung in Verbindung gebracht. Nicht nur die

forschenden pharmazeutischen Unternehmen, die zunehmend

Kosten-Nutzen-Effekte nachweisen müssen, fallen in

diese Kategorie. Auch Kliniken mit klinischen Forschungsansätzen

sollten die anfallenden Kosten »überwachen«

und v.a. steuern – der eigentliche Zweck des Controllings.

Von daher freut es uns, dass wir mit diesem Heft neben

den klassischen Medizin-Controlling-Themen auch zwei

Beiträge aus dem Themenkomplex des Controllings von

Klinischen Studien veröffentlichen.

Sicher werden auch Sie in den Beiträgen hilfreiche

Tipps für Ihre tägliche Arbeit finden können. Diesem

Anspruch, Ihnen immer wieder für die Praxis relevante

Informationen weiterzugeben, möchten wir auch zukünftig

nachgehen. Auch im nächsten Jahr erscheinen wieder

vier Ausgaben der mdi, die sich mit speziellen Themen

befassen – auf der vorderen Umschlaginnenseite findet

sich eine Vorausschau auf diese Themenhefte.

Nun wünsche ich Ihnen im Namen der mdi-Redaktion

eine anregende Lektüre dieser Ausgabe, angenehme

Weihnachtsfeiertage und ein für Sie persönlich erfolgreiches

Jahr 2011 – mit der mdi als die Fachzeitschrift

für Medizinische Dokumentation und Informatik an Ihrer

Seite.

Ihr Markus Stein n

Redaktionsteam:

Prof. Dr. Oliver J. Bott, Hannover

Dr. Karl-Heinz Ellsässer, Heidelberg

Prof. Dr. Andreas Goldschmidt, Trier

Angelika Händel, Erlangen

Dieter Hinzmann, Kiel (Leitung)

Markus Stein, Heidelberg

PD Dr. Günter Steyer, Berlin

Redaktionsanschrift:

Siehe Verbandsanschrift des BVMI

Bezugspreis:

Jährlich 49 Euro inkl. MwSt.,

inkl. Versandkosten.

Ausland plus Versandkosten,

für BVMI- und DVMD-Mitglieder frei

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Abbestellungen 6 Wochen zum

Jahresende

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10. des Vormonats

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Fax: 06 21 / 71 76 13 95

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Layout: Fleck · Zimmermann, Berlin

Titel: Foto: inmagine ®

Illustration: Fleck · Zimmermann

Druck: Kössinger AG, Schierling

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 131

Fachartikel Editorial

Markus Stein

Leitung Patienten­

management

ETHIANUM

Betriebs gesellschaft

mbH & Co. KG

E­Mail: markus.stein@

ethianum.de

Impressum


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Dr. Erwin Horndasch

Generalsekretär der

Deutschen Gesellschaft

für Medizincontrolling

(DGfM), Leiter

Medizin controlling

Stadt krankenhaus

der Stadt Schwabach

gGmbH, Leiter Medizin­

controllingKreiskran­ kenhäuser Rottal­Inn

gemeinnützige GmbH

E­Mail:

erwin.horndasch@

medizincontroller.de

OPS 9-20 und PKMS – Herausforderungen

in der Dokumentation

Seit Einführung des Fallpauschalensystems in Deutschland

gab es Beschwerden, dass in den dem System zu

Grunde liegenden Katalogen nur ärztliche Leistungen

abgebildet seien. Pflegerische Leistungen, die gleichwohl

und unstreitig in den Krankenhäusern erbracht werden,

würden bei der Kalkulation nicht berücksichtigt. Damit

sei in den Kalkulationen auch der Wert der Pflege nicht

angemessen repräsentiert. Dies führte in den Augen der

für die Pflege Verantwortlichen zu einem Rückgang von

qualifiziertem Pflegepersonal in den Kliniken.

Als Reaktion darauf fanden politische Bestrebungen

statt, die Leistungen der Pflege angemessen im DRG-System

und in den Katalogen zu berücksichtigen. So startete

der Deutsche Pflegerat (DPR) im April 2007 eine Projektinitiative

zur »Adäquaten Abbildung des Pflegeaufwandes

im G-DRG-System durch Pflegeindikatoren«. Im Juli

2007 vergab der DPR hierzu einen Forschungsauftrag

an das Institut für Pflegewissenschaft private Universität

Witten/Herdecke gGmbH und im Januar 2008 wurde

ein Forschungsantrag zur Förderung durch das Bundesministerium

für Gesundheit (BMG) eingereicht. Ziele des

Forschungsantrags waren die Identifikation eines Indikatoren-Sets

zur Erklärung des pflegerischen Ressourcenverbrauchs,

die Testung des Indikatoren-Sets und nicht zuletzt

die Integration des Indikatoren-Sets im G-DRG-System.

Gleichzeitig häuften sich die Proteste über den Abbau von

Pflegestellen in den Krankenhäusern.

Die Proteste und die politischen Bestrebungen führten

zu einem Pflegegipfel, bei dem ein Aktionsprogramm zur

Förderung der stationären Pflege vereinbart wurde. Als

Sofortmaßnahme wurde dabei in das Krankenhausfinanzierungsreformgesetz

ein Passus aufgenommen, der letztendlich

ein Förderprogramm darstellte, mit dessen Hilfe in

den Jahren von 2009 bis 2010 bis zu 17.000 zusätzliche

Pflegepersonalstellen in den Krankenhäusern zu 90 Prozent

durch die Krankenkassen finanziert werden sollten.

Diese Art der Finanzierung soll dann laut Gesetz im

Jahr 2012 abgelöst werden durch eine Integration in den

Fallpauschalenkatalog. Diese Vorgehensweise wurde

erforderlich, da rein pflegerische Tätigkeiten bis dato nicht

über einen Kode im OPS-Katalog, sondern nur über die

Pflege-Personal-Regelung (PPR) in den Kalkulationshäusern

abgebildet wurden. Um diesem Umstand abzuhelfen,

wurde zum einen die PPR um eine Klassifikation erweitert,

nämlich die sog. A4 Klasse. Zum anderen wurde ein OPS-

Kode (9-20) geschaffen für die hochaufwendige Pflege

von Patienten.

Aufbau des Kodes

132 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Analog den bereits etablierten Komplexziffern im OPS-

Katalog (z.B. Intensivmedizin) besteht auch dieser Kode

aus mehreren Teilen. Zum einen gibt es bestimmte Mindestvoraussetzungen,

die erfüllt sein müssen, bevor der

Kode überhaupt angewendet, also kodiert werden darf.

Zum anderen werden anhand eines separaten Scores aus

bestimmten Leistungen Punkte generiert, die wiederum

addiert werden. Die Summe dieser Addition entspricht

dann einem bestimmten OPS-Kode. Ein Verfahren, das

z.B. in der Abbildung der Intensivmedizin mit TISS 28 und

SAPS II ein entsprechendes Vorbild hat. Als ein Beispiel

mag Tab. 1 dienen.

Der Kode wurde zum Jahre 2010 erstmals eingeführt

und angewandt. Es kann davon ausgegangen werden,

dass aus den Daten der Kalkulationshäuser im Jahre 2011

eine Kalkulation durch das Institut für das Entgeltwesen

im Krankenhaus (InEK) durchgeführt wird und dann zum

Jahre 2012 der Kode erstmals entgeltwirksam wird. Ein

direkter Einfluss auf die Erlössituation im Krankenhaus ist

also frühestens 2012 zu erwarten. Dabei ist derzeit nicht

absehbar, ob die Entgeltwirksamkeit in Form einer Implementierung

in den Fallpauschalenkatalog (analog der

intensivmedizinischen Komplexpauschale) oder in Form

von Zusatzentgelten (analog der palliativmedizinischen

Komplexpauschale) erfolgen wird. Die Antwort auf diese

Frage kann erst nach Auswertung der Kalkulationsdaten

durch das InEK gegeben werden. Ebenso wird eine Überprüfung

auf korrekte Kodierung des Kodes durch die Krankenkassen

und den Medizinischen Dienst der Krankenkassen

(MDK) auch erst im Jahre 2012 erfolgen.

Der OPS-Kode 9-20 (Hochaufwendige Pflege von

Patienten) differenziert sich nach Kodes für die hochaufwendige

Pflege von Erwachsenen (9-200), Kindern und

Jugendlichen (9-201) und Kleinkindern (9-202). Dabei

sind Kinder und Jugendliche Patienten ab dem Beginn des

7. Lebensjahres bis zum Ende des 18. Lebensjahres. Darunter

handelt es sich um Kleinkinder (ab dem 2. Lebensjahr),

darüber um Erwachsene im Sinne des Kodes. Für Kinder

im ersten Lebensjahr ist keine Abbildung vorgesehen. Die

Leistungen dürfen nur von examiniertem Pflegepersonal,

bzw. unter deren Verantwortung erbracht werden. Dabei

wird differenziert zwischen den Kodes für Kleinkinder,

Kinder und Jugendliche einerseits und Erwachsene andererseits.

Bei Ersteren ist die Berufsbezeichnung Gesundheits-

und Kinderkrankenpfleger/-innen, bei Letzteren die Berufsbezeichnung

Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen


Voraussetzung. Die Berechnung des Kodes erfolgt anhand

von Maßnahmen aus dem Pflegekomplexmaßnahmen-

Score. Dieser Score ist im Anhang zum OPS zu finden, da

die Implementierung im OPS-Katalog den Rahmen dort

sprengen würde. Die Erläuterungen zum Score und die

Darstellung des Scores umfassen im amtlichen OPS-Katalog

2010 21 Seiten. Der DPR hat den Score zusätzlich mit

eigenen Erläuterungen versehen veröffentlicht. Diese Darstellung

umfasst 28 Seiten, gefolgt von einer Seite Literaturangaben.

Es würde den Umfang dieses Artikels sprengen,

wenn jetzt in allen Einzelheiten der Score und seine

Erläuterungen wiedergegeben würde. Hierzu muss auf die

amtlichen Veröffentlichungen verwiesen werden.

Einführung des Kodes

Im Vorfeld zur Einführung dieses Kodes wurden zur

Vermeidung eines übergroßen Dokumentationsauf wandes

auch von der Industrie entsprechend vorgefertigte Dokumentationsbögen

bei den Präsentationen und Schulungen

angeboten.

Damit ist auch schon ein Hauptproblem des Kodes

genannt. Er bedingt eine sehr starke Zunahme der Dokumentationspflichten.

Die Leistungen selbst werden kaum

zunehmen, denn sie werden ja bis dato auch schon von

den Pflegekräften in den Krankenhäusern erbracht. Im Folgenden

soll nun zunächst auf den Komplexkode zur hochaufwendigen

Pflege eingegangen werden und anschließend

sollen die möglicherweise resultierenden Probleme

aus Sicht eines praktisch tätigen Medizincontrollers dargestellt

werden.

Die Bekanntgabe des Scores hat in den Krankenhäusern

ein sehr heterogenes Echo hervorgerufen. Während

die für die Pflege verantwortlichen Personen und deren Vertreter

(namentlich hier der DPR) sich optimistisch über die

gelungene Implementierung der Pflege in das DRG-System

äußerten, sahen die mit der Dokumentation und Abrechnung

betrauten Mitarbeiter in den Krankenhäusern eher die

damit verbundenen Nachteile unter dem Licht der Dokumentationsanforderungen

und der Rechnungsprüfung. Aus der

Natur der Sache ergibt sich, dass diese befürchteten Nachteile

bei der Rechnungsprüfung frühestens zum Jahre 2012

evident werden. Vorher hat verständlicherweise niemand

ein Interesse daran, die korrekte Kodierung zu überprüfen.

Problemfelder des Kodes

Was ist eine Normalstation?

Die in der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling

(DGfM) tätigen Verantwortlichen waren schon relativ früh

nach Veröffentlichung des Scores der Auffassung, dass hier

ein großes Streitpotenzial schlummert. Aus diesem Grund

wurden von Seiten der DGfM

Gespräche mit dem DPR und

dem MDK geführt, um mögliche

Problemfelder bereits im

Vorfeld zu entschärfen. In diesem

Zusammenhang muss an

die erheblichen Streitigkeiten

im Zusammenhang mit anderen

Komplexbehandlungen

OPS-Kode PKMS

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 133

Schwerpunkt

Medizincontrolling

9-200.0 43 bis 71 Aufwandspunkte

9-200.1 72 bis 100 Aufwandspunkte

9-200.2 101 bis 128 Aufwandspunkte

9-200.3 129 bis 157 Aufwandspunkte

9-200.4 158 und mehr Aufwandspunkte

erinnert werden. Der Autor vertritt z.B. zwei Krankenhäuser,

bei denen seit Inkrafttreten des Kodes im Jahre 2009 für die

andere neurologische Komplexbehandlung (8-98b) dieser

Kode nur in seltenen Ausnahmen zur Abrechnung kam, da

in den meisten Fällen die Auseinandersetzungen vor dem

Sozialgericht landeten. Grund waren jeweils Differenzen in

der Interpretation des Kodes zwischen Krankenhaus und

MDK bzw. Krankenkassen. Entsprechende Stellungnahmen

des DIMDI werden dabei auf Seiten der Kostenträger ignoriert.

Es ist davon auszugehen, dass je nach Erlösrelevanz

dieses Problem auch beim PKMS auftritt. Wobei aufgrund

der Komplexität des Scores hier die Angriffsflächen wesentlich

größer sind.

Als ein Beispiel soll hier der Begriff »Normalstation«

genannt werden. In der Beschreibung des Scores findet

sich zu Beginn der Hinweis: »Der PKMS ist ein von der

Expertengruppe des DPR (Deutscher Pflegerat) entwickeltes

Instrument zur Abbildung der Pflege von hochaufwendigen

Patienten im Krankenhaus auf ›Normalstationen‹.«

Und weiter: »Der PKMS ist nur auf der ›Normalstation‹

zu kodieren. Es sind keine Kalendertage auf Intensivstationen,

Überwachungseinheiten, Intermediate-Care-

Stationen, Stroke units etc. für die Kodierung des PKSM

heranzuziehen.«

Damit ist für den kundigen Leser klar, dass der Score,

bzw. der resultierende Kode nur bei Patienten auf einer

Normalstation angewendet werden darf. Was aber ist

nun eine Normalstation? Die Autoren des Kodes haben

damit wohl bezweckt, dass der Kode auf Intensivstationen,

IMCs und Schlaganfallstationen nicht angewendet werden

soll. Tatsächlich steht aber zu befürchten, dass auf jeder

Station, die eine wie auch immer geartete Spezialversorgung

anbietet, dieser Kode gestrichen wird. Insbesondere

wären hier zu nennen: Palliativstationen, geriatrische Einheiten

etc. Im Extremfall vertrat sogar ein Gutachter die

Ansicht, dass eine Konzentrierung von schwer pflegebedürftigen

Patienten auf einer Station auch schon eine Spezialstation

und damit keine Normalstation im Sinne des

Kodes mehr darstellt. Die DGfM hat deshalb angeregt,

den Kode dergestalt neu zu fassen, dass es entweder eine

(abschließende) Ausschlussliste gibt, wo der Kode nicht

angewendet werden darf – der Zusatz »etc.« müsste dann

gestrichen werden. Oder dass eine andere Beschreibung

Tab. 1:

PKMS­Punkte und

OPS­Entsprechung


Schwerpunkt

Medizincontrolling

des Anwendungsgebietes des PKMS entwickelt wird:

»Der PKMS ist nur bei den Patienten zu dokumentieren,

die NICHT intensivmedizinisch versorgt werden.« Hierzu

müsste der Begriff »intensivmedizinisch versorgt« geklärt

werden. Eine Aufgabe, auf deren Erledigung durch die

Selbstverwaltung die Akteure im Gesundheitswesen noch

warten. Diese Regelung hätte den Charme, dass damit

auch klargestellt werden kann, unter welchen Voraussetzungen

Beatmungsstunden bzw. intensivmedizinische

Komplexbehandlungen außerhalb von Intensivstationen

im engeren Sinn dokumentiert werden können, da zur

Abrechnung dieser Kodes die kontrovers diskutierte Formulierung

»intensivmedizinische Versorgung« Voraussetzung

ist. Somit könnten als Begleiteffekt Patienten auf

beispielsweise Intermediate-Care-Stationen differenzierter

bewertet werden.

Wann soll, muss dokumentiert werden?

Im weiteren Verlauf findet sich unter den Hinweisen

zur Pflegedokumentation zur Vermeidung eines unnötigen

Dokumentationsaufwandes folgender Satz: »Ist bei

einem Patienten bereits absehbar, dass er trotz des Zutreffens

eines oder mehrerer Leistungsmerkmale nicht eine

entsprechende Anzahl von Tagen (z.B. bei 4 Leistungsmerkmalen

an weniger als 4 Tagen) in der Klinik verweilt,

um die Mindestpunktzahl für den OPS-Kode zu erreichen,

so ist keine Dokumentation im Sinne des PKMS durchzuführen.«

Auch dieser Hinweis ist kritisch zu bewerten. Zum

einen handelt es sich um keine Empfehlung, sondern um

eine Anweisung. Im Umkehrschluss muss also bei jedem

Patienten bei jedem Aufenthalt bereits bei Aufnahme

dokumentiert werden, dass hier ein entsprechender Aufwand

entstehen wird. Problematisch ist dies zum einen bei

Fallzusammenführungen. Hier müssen laut Fallpauschalenverordnung

(FPV) die Einzelaufenthalte zusammengeführt

werden, wobei die in den unterschiedlichen Aufenthalten

erbrachten Leistungen kumulativ zu erfassen sind.

Andererseits ist nach OPS bei einem kurzen Aufenthalt die

Erfassung des Kodes untersagt. Hier droht ebenfalls Streit

über die Berücksichtigung der Kodes bei jedem Aufenthalt.

Ebenso können unvorhergesehene Komplikationen auftreten,

die den Aufenthalt über das ursprünglich vorgesehene

Maß hinaus verlängern. Kann, soll, darf der PKMS dann

angewendet werden? Zumal der Begriff Aufenthalt nicht

definiert wird. Handelt es sich um den Komplettaufenthalt

oder um die einzelnen Aufenthalte bei einem zusammengeführten

Fall? Wie soll in der Praxis in solchen Fällen –

ungeachtet der eben skizzierten abrechnungstechnischen

Sicht – eine rückwirkende Dokumentation der ersten Tage

durchgeführt werden? Hier muss aus praktikablen Gründen

eine Regelung gefunden werden. Ein erster Schritt hierzu

134 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

wäre die Ersetzung des Satzteiles »so ist keine Dokumentation

im Sinne des PKMS durchzuführen« durch den Satzteil

»kann eine Dokumentation unterbleiben«. Damit ist es

dem Krankenhaus vorbehalten, ob es bei jedem Patienten

die Dokumentation gemäß PKMS durchführt, um im Falle

eines längeren Aufenthaltes oder einer Fallzusammenlegung

die entsprechenden Erlöse zu generieren oder ob es

dies zur Vermeidung der mit der Dokumentation verbundenen

Kosten unterlässt.

Wie muss dokumentiert werden?

Die vom DPR und der Industrie veröffentlichten Dokumentationshilfen

erwecken den Anschein, dass mit dem

Ankreuzen der entsprechenden Felder und Checkboxen die

erforderliche Dokumentation für die Abrechnungsprüfung

erledigt sei. Aus eigenen Erfahrungen und aus Gesprächen

mit Prüfern des MDK ist die DGfM der Ansicht, dass die

Formblätter nur als Unterstützung dienen können und die

deskriptive Beschreibung der Pflegemaßnahmen und der

Pflegegründe nicht ersetzen kann.

So gibt es schon derzeit viele Beispiele in den Kliniken,

bei denen zur Dokumentationsvereinfachung auf entsprechende

vorgefertigte Formulare zum Ankreuzen zurückgegriffen

wird. Zu Abrechnungszwecken wird aber immer

eine entsprechende Beschreibung der durchgeführten

Maßnahmen verlangt. Als Beispiele seien hier die Maßnahmen

zur Wundversorgung oder zur Dekubitusbehandlung

genannt.

Es ist nach den bisher gemachten Erfahrungen nicht

vorstellbar, dass z.B. zur Erfüllung des Grundes G1

Abwehr/Widerstände bei der Körperpflege das entsprechende

Kennzeichen (Setzt [Mobilisierungs-]Maßnahmen

bei der Körperpflege Widerstände entgegen; schreit,

schlägt, beschimpft das Pflegepersonal bei der Ganzkörperwaschung,

lehnt die Körperpflege verbal/nonverbal

ab) nur durch das Ankreuzen eines entsprechenden

Feldes ausreicht. Hier wird sicherlich in der Rechnungsprüfung

eine etwas detailliertere Beschreibung gefordert

werden. Ebenso wird die Darstellung des Kennzeichens

zum unbekannten Ablauf der Körperpflege (Unfähigkeit,

die Körperpflege selbstständig und strukturiert durchzuführen;

Gebrauchsgegenstände der Körperpflege können

nicht adäquat eingesetzt werden, fehlende Eigeninitiative,

die Körperpflege durchzuführen) nicht mit einem einzigen

Kreuz auf dem Dokumentationsbogen erschöpfend

möglich sein.

All dies mag für die Durchführung der hochaufwendigen

Pflege im Krankenhausalltag durchaus genügen und

wird auch hier den entsprechenden Fortschritt bringen.

Um allerdings daraus auch Erlöse zu erzielen, wird ein

zusätzlicher Mehraufwand nötig sein.


Wer darf kodieren?

Ein weiterer – aus Sicht der Abrechnung – kritisch

zu betrachtender Punkt ist die Mindestqualifikation zur

Erbringung des Kodes. So kann der Kode nur bei Erbringung

der Leistung durch examiniertes Pflegepersonal

oder unter deren Verantwortung erbracht werden. Damit

muss jede Leistung in der Dokumentation einer bestimmten

Pflegekraft zugeordnet werden. Zur Vermeidung von

Abrechnungsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem

nicht definierten Begriff »unter deren Verantwortung«

sollten die Handzeichen in den entsprechenden Bögen

nur von examiniertem Pflegepersonal vorgenommen werden.

Wenn die Maßnahmen unter deren Verantwortung

durchgeführt werden, dann ist dies auch sachgerecht. Zu

beachten ist dabei, dass zur Erbringung von Leistungen

bei Patienten unter 18 Jahren die Qualifikation »Gesundheits-

und Kinderkrankenpfleger/-innen« Voraussetzung

ist. Insbesondere in operativen Fächern, die auch jüngere

Patienten behandeln, dürfte hier ein Problem seitens der

Stellenbesetzung bestehen.

Wie lange darf kodiert werden?

Ein weiteres Problem aus der Thematik der Komplexbehandlungen

soll hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Bei Patienten, bei denen Komplexbehandlungen zur

Abrechnung kommen, stellt sich regelhaft in der Rechnungsprüfung

die Frage nach der medizinischen stationären

Behandlungsnotwendigkeit. Sofern die stationäre

Behandlungsnotwendigkeit negiert wird, entfällt damit

auch die Grundlage für die Erbringung der entsprechenden

Leistung. Die Erfahrungen mit der geriatrischen Frührehabilitation,

der palliativmedizinischen Komplexbehandlung

und der Dauer der Komplexbehandlung des Schlaganfalles

mögen hier als Beispiele genügen. Wenn nun bei einem

Fall nur die hochaufwendige Pflege als Maßnahme im Vordergrund

steht, dann ist zu erwarten, dass auch vom MDK

auf die Pflege Bezug genommen wird und demzufolge die

Unterbringung in einem Pflegeheim als medizinisch ausreichend

angesehen wird. Zumindest ab dem Zeitpunkt,

ab dem der PKMS erlöswirksam werden würde. Ergo ist

zusätzlich zur Dokumentation des PKMS und der darin enthaltenen

Gründe eine tagesbezogene Begründung der stationären

Behandlungsnotwendigkeit ungeachtet der Verweildauergrenzen

im Fallpauschalenkatalog erforderlich.

Wie wird die Kodierung überprüft?

Wenn nun alle Klippen der Behandlung und Dokumentation

gemeistert werden, dann steht am Schluss

die Prüfung der ordnungsgemäßen Abrechnung nach

§ 275 SGB V durch den MDK und andere Prüfinstanzen

(PKV, SMD, BG etc.) an. Leider sind Vor-Ort-Prüfungen

in Deutschland nicht überall die Regel. So muss berücksichtigt

werden, dass bei der Rechnungsprüfung die

Dokumentationen zum PKMS aufwendig kopiert und verschickt

werden müssen. Dabei ist bereits bei der Erstellung

der Vordrucke die Kopierfähigkeit zu überprüfen. So

ist ein DIN-A3-Bogen unpraktisch, wenn die vorhandenen

Kopiergeräte nur DIN-A4-Formate verarbeiten können.

Ebenso ist zu berücksichtigen, dass im Original farbliche

Differenzierungen in einer Schwarz-Weiß-Kopie nicht

mehr verwendbar sind. Als Alternative zu den Problemen

der papiergebundenen Dokumentation ist die Etablierung

einer EDV-gestützten zu überlegen. Ein Grundproblem bei

der Einführung des PKMS und der dazugehörigen Dokumentation

– egal in welcher Form – ist, dass derzeit nicht

vorhergesagt werden kann, ob und wie sich die Investitionen

refinanzieren, da die damit verbundenen Erlöse nicht

bekannt sind. Es ist zudem zu erwarten, dass auch hier ein

Phänomen auftritt, was aus anderen Komplexbehandlungen

bekannt ist. Je besser die Dokumentation, desto höher

werden die Anforderungen durch die Rechnungsprüfungen.

Ein Umstand, der bei der ursprünglichen Kalkulation

noch nicht berücksichtigt werden konnte, da ja hier keine

»MDK-feste« Kodierung durchgeführt werden musste. Dieses

Phänomen führt derzeit dazu, dass sich etliche Kliniken

wieder aus der Abrechnung der Schlaganfallkomplexpauschale

verabschieden, da der mit den sukzessiv gewachsenen

Dokumentationsanforderungen gestiegene Aufwand

die erzielbaren Erlöse übersteigt.

Zum Schluss darf darauf hingewiesen werden, dass

auch die Initiatoren des Kodes bemerkt haben, dass die

Etablierung des Kodes aufgrund der Komplexität des PKMS

kein leichtes Unterfangen ist. So werden jetzt (u.a. von

der Leiterin der Arbeitsgruppe zur Entwicklung des PKMS

und OPS 9-20 im Auftrag des DPR und vom DPR selbst)

Schulungen angeboten, bei denen Personen der Umgang

mit dem PKMS nahegebracht wird. Allein für diesen Zweck

(korrekte Dokumentation und Kodierung des OPS 9-20 und

des PKMS) wird ein Schulungsaufwand von bis zu drei

Tagen für erforderlich gehalten.

Wie geht es weiter?

Auch der DPR hat in vielen Gesprächen mittlerweile

erfahren, dass der PKMS in der jetzigen Form wohl so nicht

alltagstauglich ist. Der PKMS müsse dringend überarbeitet

werden, so Frau Dipl. Med.-Inf. Anke Wittrich vom DPR auf

dem Herbstymposium der DGfM in Frankfurt Anfang Oktober

2010, da die Eingruppierung nicht einfach und außerdem

der Dokumentationsaufwand zu groß sei. Dementsprechend

sei auch der Schulungsaufwand zu hoch. »Oder

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 135

Schwerpunkt

Medizincontrolling


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Dr. med. Ulf Dennler

Geschäftsbereichsleiter

Universitätsklinikum

Jena, Geschäftsbereich

Medizincontrolling;

Vorstandsmitglied im

DGfM

E­Mail: ulf.dennler@

medizincontroller.de

muss man komplett neu umdenken?«, war ihre abschließende

Frage an das Publikum. Unter den Initiatoren des

Kodes scheint jedenfalls ein Diskussionsprozess zur Weiterentwicklung

in Gang gekommen zu sein, bei dem auch

die Alltagstauglichkeit des Instruments ein wesentlicher

Bestandteil ist.

Diskussion

Die Einführung des Instruments zur Abbildung der

hochaufwendigen Pflege mittels OPS 9-20 und PKMS ist

unbestritten ein anerkennenswertes Anliegen der Pflegeberufe.

Es muss aber die Frage erlaubt sein, ob hier nicht

das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Bei der Etablierung

des PKMS wurde ein sehr komplexes Instrument

geschaffen, das im praktischen Alltag zu einer deutlichen

Mehrbelastung in der Dokumentation führen wird. Ob die

erzielbaren Erlöse die damit verbundenen Kosten übersteigen,

kann derzeit noch nicht abgesehen werden.

Der DPR selbst empfiehlt auf gezielte Nachfrage,

sich mit der Materie PKMS inhaltlich auseinanderzusetzen.

Andererseits rät er bei der Frage »Investition in

Klären Kodierrichtlinien alles? Jährlich werden zwischen

10 und 11 Prozent der Krankenhausabrechnungen

im Auftrag der Kostenträger durch den

Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK)

überprüft. Fast 70 Prozent der Prüfungen stellen nachträglich

die Notwendigkeit oder die wirtschaftliche Erbringung

der medizinisch-pflegerischen Leistungen im Krankenhaus

in Frage. Jede dritte Prüfung hingegen wird eingeleitet,

um festzustellen, ob die Hauptdiagnose korrekt festgelegt

wurde, ob die Kodierung von Nebendiagnosen tatsächlich

durch einen dokumentierten Ressourcenverbrauch begründet

sind und ob Prozeduren-Kodes die in der Krankenakte

dargestellten tatsächlichen medizinischen Behandlungsmaßnahmen

abbilden. In einer einfachen Überschlagsrechnung

sind es somit etwa 600.000 Prüfungen zur Feststellung

der korrekten oder fehlerbehafteten Kodierung,

die jährlich durch die Krankenkassen veranlasst werden.

Angesichts der Komplexität der Klassifikationen (Katalogjahr

2010) mit 13.271 systematischen und weiteren

76.135 (!) alphabetischen Diagnoseeinträgen sowie 27.015

systematischen und weiteren 30.950 alphabetischen Prozedurenbezeichnungen

sind Fehler in der Anwendung des

Systems nahezu unvermeidlich.

136 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Software«eher zum Abwarten, da im Bereich des PKMS

umfangreiche Änderungen zu erwarten sind. Diese sollen

in das Vorschlagswesen 2011 einfließen und ab 2012 dann

wirksam werden.

Insofern ist es auch schwierig, Empfehlungen an die

Klinikleitungen abzugeben. Diese befinden sich derzeit in

der Zwickmühle, dass von Seiten der Pflegedienstleitungen

die Einführung des Kodes im jeweiligen Krankenhaus

gefordert wird, um damit das Personal zu finanzieren und

andererseits von Seiten der Abrechnungsabteilungen die

dort Verantwortlichen zum Abwarten raten. Als Erfahrung

aus dem Prozess kann nur jeder interessierten Gruppe

geraten werden, sich bei der Etablierung von neuen Scores

oder Kodes sich nicht nur von fachlichen Erwägungen leiten

zu lassen, sondern auch die Handhabung in der Praxis

unter Berücksichtigung der bekannten Abrechnungsproblematiken

nicht außer Acht zu lassen. Nur so kann der mit

der Einführung eines Kodes verbundene medizinische Fortschritt

auch mit planbaren Erlösen bezahlt werden. Sonst

besteht die große Gefahr, dass die Kliniken auf den Kosten

für die Einführung und Durchführung mangels Abrechenbarkeit

sitzen bleiben. n

Korrekte Kodierung im Widerstreit –

wer entscheidet?

Zur Reduzierung von fehlerhaften Kodierungen ist im

Kodierprozess eine strenge Hierarchie dokumentationsrelevanter

Vorschriften zu beachten. Oberste Priorität haben

dabei die speziellen Kodierrichtlinien, gefolgt von den allgemeinen

Kodierrichtlinien. In diesen Kodierrichtlinien ist

zuerst zu prüfen, ob es für die Abbildung eines spezifischen

medizinischen Problems eine eindeutige Festlegung gibt.

Ein typisches Beispiel für die Widersprüchlichkeit

dieser hierarchischen Entscheidungsabfolge ist die

Kodierrichtlinie:

n■

1107a Dehydratation bei Gastroenteritis

Bei stationärer Aufnahme zur Behandlung einer

Gastroenteritis mit Dehydratation wird die Gastroenteritis

als Hauptdiagnose und »Dehydratation” (E86

Volumenmangel) als Nebendiagnose angegeben.

Dabei stehen die ersten beiden Ziffern des Index »1107a«

für das 11. Kapitel der Speziellen Kodierrichtlinien »Krankheiten

des Verdauungssystems«, die dritte und die vierte

Ziffer verweisen auf den 7. Abschnitt innerhalb des Kapitels

und der abschließende Buchstabe bezieht sich auf

das Veröffentlichungs- bzw. Aktualisierungsjahr der

Kodierrichtlinie.


Unter Beachtung der Allgemeinen Kodierrichtlinien zur

Festlegung der Hauptdiagnose könnte man bei Vernachlässigung

der speziellen Kodierrichtlinie argumentieren,

dass der Volumenmangel mit der Gefahr der Kreislaufinsuffizienz

und des konsekutiven Organversagens die Diagnose

ist, die den Krankenhausaufenthalt veranlasst hat, oder

zumindest den höheren Ressourcenverbrauch bei Einbeziehung

der Verweildauer in die Kalkulation begründet.

Während im vorangestellten Beispiel die Entscheidung

über die korrekte Kodierung bei Einbeziehung aller relevanten

Informationen mit hoher Sicherheit getroffen werden

kann, treten in der täglichen klinischen Praxis regelhaft

Fälle auf, bei denen eine unzweifelhafte Festlegung

der korrekten Kodierung nahezu ausgeschlossen scheint.

Nehmen wir an, ein Patient wird wegen einer tiefen Beinvenenthrombose

stationär aufgenommen und erleidet am

zweiten Tag des stationären Aufenthaltes eine Lungenembolie.

Im Rahmen der antikoagulativen Therapie tritt eine

gastrointestinale Blutung auf, die auf ein operables Kolonkarzinom

zurückzuführen ist. Das Kolonkarzinom wird mit

kurativer Intention reseziert. Die medizinisch begründete

und unstrittige Verweildauer beträgt 33 Tage.

Je nach als relevant erachteter Kodierrichtlinie sind

sowohl Argumente für die Thrombose als auch Argumente

für das Karzinom als Hauptdiagnose zu finden (Thrombose

als die den Krankenhausaufenthalt veranlassende

Erkrankung versus Thrombose als Symptom eines paraneoplastischen

Syndroms bei Karzinom als zugrunde liegende

Erkrankung).

Im Ergebnis der differenten Bewertung resultieren zwei

unterschiedliche DRGs mit einer Erlösdifferenz von ungefähr

1.400 Euro bei medizinisch identischer Behandlung:

n ■ Thrombose/Lungenembolie: 901B Ausgedehnte OR-

Prozedur ohne Bezug zur Hauptdiagnose ohne komplizierende

Konstellation, ohne Strahlentherapie, ohne

endovaskuläre Implantation von Stent-Prothesen an

der Aorta, mit komplexer OR-Prozedur 3,502

n ■ Kolonkarzinom: G18B Eingriffe an Dünn- und Dickdarm

außer bei angeborener Fehlbildung oder Alter

> 1 Jahr, ohne hochkomplexen Eingriff, ohne komplizierende

Diagnose, mit komplexem Eingriff (CW rel)

RG: 2,521 bzw. inklusive Zuschläge 3,060 (DRG-Katalog

2010; Grouper: http://www.clinical-coding.eu/)

Während in diesem Beispiel der MDK mit großer Wahrscheinlichkeit

von einem paraneoplastischen Syndrom ausgehen

dürfte, wird in den sozialmedizinischen Stellungnahmen

von Vertretern des MDK in ähnlichen Fällen die

Thrombose dann als eigenständige, den Krankenhausaufenthalt

veranlassende Erkrankung bemüht, wenn sich das

resultierende Relativgewicht des Falls durch die Änderung

reduzieren lässt.

ICD-Kode ICD-* ICD-! ICD-Text

A18.5 H22.0* Tuberkulöse Iridozyklitis

A50.3 H22.0* Konnatale spätsyphilitische Iridozyklitis

A51.4 H22.0* Iridozyklitis bei sekundärer Syphilis

A51.4 H22.0* Sekundäre syphilitische Iridozyklitis

A51.4 H22.0* Syphilitische Iridozyklitis

A54.3 H22.0* Gonorrhoische Iridozyklitis

A54.3 H22.0* Iridozyklitis durch Gonokokken

B00.5 H22.0* Herpetische Iridozyklitis

B00.5 H22.0* Iridozyklitis durch Herpesviren

B02.3 H22.0* Iridozyklitis bei Herpes zoster

B02.3 H22.0* Iridozyklitis bei Zoster

B89 H22.0* Iridozyklitis bei parasitärer Krankheit a.n.k.

B99 H22.0* Iridozyklitis bei Infektionskrankheit a.n.k.

D86.8 H22.1* Iridozyklitis bei Sarkoidose

H20.0 Akute und subakute Iridozyklitis

H20.0 Akute Iridozyklitis

H20.0 Allergische Iridozyklitis

H20.0 Endogene Iridozyklitis

H20.0 Iridozyklitis bei Hypopyon

H20.0 Nichtgranulomatöse Iridozyklitis

H20.0 Rezidivierende Iridozyklitis

H20.0 Subakute Iridozyklitis

H20.1 Chronische Iridozyklitis

H20.1 Granulomatöse Iridozyklitis

H20.2 Phakogene Iridozyklitis

H20.2 Iridozyklitis mit Linseninduration

H20.8 Sonstige Iridozyklitis

H20.9 Iridozyklitis, nicht näher bezeichnet

Eine weitere Schwierigkeit bei der Auswahl der richtigen

Kodierung liegt im hierarchischen Aufbau der Klassifikationssysteme

begründet. Zwar schreiben die Hinweise zur

Nutzung der Klassifikationen in Anlehnung an WHO-Empfehlungen

vor, dass zunächst der Begriff möglichst genau

im alphabetischen Verzeichnis gesucht werden soll, dann

aber im systematischen Verzeichnis die korrekte Einordnung

des ausgewählten Kodes in der Hierarchie verifiziert

werden muss.

Allein der Suchbegriff »Iridozyklitis« führt in eine Liste

mit 35 Einträgen mit 20 Hauptdiagnosevarianten in 4 MDC

(s. Tab. 1).

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 137

Schwerpunkt

Medizincontrolling

H20.9 Iridozyklitis

H22.0

Iridozyklitis bei anderenorts klassifizierten infektiösen und

parasitären Krankheiten

H22.1 Iridozyklitis bei sonstigen anderenorts klassifizierten Krankheiten

H26.2 Katarakt mit chronischer Iridozyklitis

H40.4 Glaukom bei Iridozyklitis

H44.1 Sympathische Iridozyklitis

M45.09 H22.1* Iridozyklitis bei Spondylitis ankylopoetica

Tab. 1:

ICD­Kodes zum

Suchbegriff

»Iridozyklitis« mit

Einbeziehung der

Kreuz­Stern­Systematik


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Kommerzielle Kodierungsbrowser sind in der Regel nicht

in der Lage, komplexe Suchalgorithmen mit einer Auflistung

aller möglichen Kodierungsvarianten und der Option

zur schrittweisen intuitiven hierarchischen Eingrenzung zu

unterstützen.

Sowohl durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen

als auch durch die Deutsche Gesellschaft

für Medizincontrolling wurden in den vergangenen Jahren

Expertengruppen gebildet, die Empfehlungen zur einheitlichen

Bewertung strittiger Konstellationen erarbeiten.

Die SEG 4 des MDK

Der MDK beschreibt seine Struktur auf der eigenen

Homepage wie folgt:

Föderale Struktur

Die jeweiligen Landesverbände der Betriebs-, Innungs-

und Ortskrankenkassen, die landwirtschaftlichen Krankenkassen

und der Verband der Ersatzkassen haben in

jedem Bundesland gemeinsam die Arbeitsgemeinschaft

»Medizinischer Dienst der Krankenversicherung« gegründet.

Der MDK untersteht der Aufsicht des Sozialministeriums

im jeweiligen Bundesland. Die Rechtsform der MDK

in den östlichen Bundesländern und des MDS ist der eingetragene

Verein, in den westlichen Bundesländern die

einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

MDK-Gemeinschaft

Die regionalen Medizinischen Dienste und der MDS bilden

die MDK-Gemeinschaft und kooperieren fachlich eng

miteinander. Dazu wurden zwei Arten von gemeinsamen

Kompetenz-Einheiten eingerichtet. Sie bündeln die

Fachkompetenz der MDK-Gemeinschaft und fördern den

Arbeits- und Informationsaustausch. Sieben »Sozialmedizinische

Expertengruppen« (SEG) stellen medizinisches

Fachwissen in zentralen Beratungs- und Begutachtungsfeldern

des MDK bereit, z.B. »Pflegeversicherung« oder

»Arzneimittelversorgung«. Die vier Kompetenz-Centren

bündeln spezielles medizinisches Fachwissen und stellen

es MDK-intern sowie den Kranken- und Pflegekassen

zur Verfügung. Darüber hinaus hat der Gesetzgeber

dem MDS die Aufgabe der Koordination der Medizinischen

Dienste übertragen. Besonders die vom MDS initiierten

Begutachtungsanleitungen sowie ein zentrales

Fortbildungsprogramm sichern die bundeseinheitliche

Beratung und Begutachtung durch die Medizinischen

Dienste. (http://www.mdk.de/Gliederung_Organisation.

htm, Stand 12.10.2010)

Für Fragen der Vergütung und Abrechnung wurde die Sozialmedizinische

Expertengruppe 4 gegründet, die sich mit

folgenden Aufgaben auseinandersetzt:

138 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Ambulante Versorgung

n■

Prüfsysteme vertragsärztlicher Abrechnung

n■

Weiterentwicklung von Gebührenordnung/EBM

n■

Leistungs- und Mengensteuerung, Evaluation

n■

Analyse ärztlichen Handelns unter den Bedingungen

pauschalierter Vergütung

Stationäre Versorgung

n■

Definition und laufende Überarbeitung von Aufgreifkriterien

zur DRG-Prüfung

n■

Erarbeitung einheitlicher Anleitungen zur Einzelfallund

Stichprobenprüfung

n■

Erarbeitung eines Qualitätssicherungskonzepts für

Krankenhausprüfungen

n■

Weiterentwicklung des DRG-Systems (Kodierrichtlinien

etc.)

Schnittstelle Ambulante/Stationäre Versorgung

n■

Beratung/Überprüfung von Entgeltkalkulationen

i. R. von vertraglichen

Vereinbarungen

n■

Fallpauschalen in integrierten Versorgungssystemen

n■

Fallpauschalen in DMP-Programmen

(http://www.mdk.de/media/pdf/SEG_4.pdf;

Stand 12.10.2010)

Von allen genannten Aufgaben sind es vor allem die Kodierempfehlungen,

mit denen die SEG 4 des MDK die Aufmerksamkeit

der Leistungserbringer im Gesundheitswesen

gefunden hat. Die SEG 4 selbst begleitet ihre Kodierempfehlungen

mit folgenden einleitenden Bemerkungen:

Die erste Serie dieser Empfehlungen wurde im Dezember

2005 auf der Homepage der Medizinischen Dienste

(http://www.mdk.de) veröffentlicht. Die Gruppe hat ihren

Empfehlungen die folgenden einleitenden Hinweise

vorangestellt:

»Im G-DRG-Entgeltsystem werden Krankenhausfälle

einer DRG zugeordnet. Es muss daher sichergestellt sein,

dass Krankenhausfälle mit gleichem Leistungsinhalt im

Hinblick auf ihr Krankheits- und Leistungsspektrum auch

bei komplexem Sachverhalt einheitlich verschlüsselt werden.

Eine einheitliche Kodierqualität muss sichergestellt

sein. Verbindliches Regelwerk für diese Zielvorgabe sind

die Deutschen Kodierrichtlinien. Die MDK-Gutachter sind

neben den Krankenhausärzten die am meisten betroffenen

Anwender und daher auch entsprechend mit Unklarheiten

und Interpretationsspielräumen bei der Kodierung konfrontiert.

Die Erfahrungen der MDK-Ärzte werden kontinuierlich

in eine länderübergreifende Datenbank mit Kodierempfehlungen

eingebracht, die im Auftrag der Leitenden Ärzte der

Medizinischen Dienste der Krankenversicherung eingerichtet

worden ist. Die Pflege der Datenbank wurde der Sozialmedizinischen

Expertengruppe der MDK-Gemeinschaft »Vergütung

und Abrechnung« (SEG 4) übertragen. Die technische


Abwicklung der Veröffentlichung erfolgt über den Medizinischen

Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS).

Die Kodierempfehlungen stellen das Ergebnis eines fortlaufenden

Diskussions- und Abstimmungsprozesses innerhalb

der MDK-Gemeinschaft dar. Die Kodierempfehlungen

werden regelmäßig erweitert und aktualisiert. Die vorliegenden

Kodierempfehlungen stellen keine rechtsverbindlichen

Vorgaben dar. Ziel dieser Kodierempfehlungen

ist eine bundesweit einheitliche Kodierung. Die

Veröffentlichung soll die Transparenz bezüglich der

MDK-Begutachtungen fördern und damit mehr Verfahrenssicherheit

für Krankenhäuser und Krankenkassen

schaffen.« (http://infomed.mds-ev.de/sindbad_frame.htm;

Stand 12.101.2010)

Aus Sicht der am Prozess der Dokumentation, Kodierung

und Abrechnung beteiligten Mitarbeiter der Kliniken

lösen insbesondere die zwei letzten zitierten Sätze

gemischte Gefühle aus. Weder die Kodierung im Krankenhaus

noch die Begutachtung erfolgt durch »das Medizincontrolling«

oder »den MDK«. Für die Qualität stehen

immer die handelnden Personen. Aus Sicht der Kliniken

wird es immer dann unerfreulich, wenn typische Sachverhalte

in Form von Kodierempfehlungen durch die Expertengruppen

der DGfM und den MDK konsentiert wurden,

der einzelne MDK-Gutachter sich dann aber unter Berufung

auf seine ärztliche Gewissensfreiheit nicht an diesen

Konsens gebunden fühlt.

Der FoKA der DGfM

Die Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling e.V.,

die im Jahr 2000 gegründet wurde, versteht sich als eine

Interessengemeinschaft der im Medizincontrolling tätigen

Ärzte, Pfleger, Kodierer, MD(A)s, Juristen und Betriebswirte.

Sie ist die wissenschaftliche Vertretung der Medizincontroller

in Deutschland. Als im Jahr 2005 die ersten

Kodierempfehlungen des MDK veröffentlicht wurden,

wuchs der Druck auf die Fachgesellschaft, sich mit der

Validität der einzelnen Empfehlungen auseinanderzusetzen.

Nahezu zeitgleich wurden sowohl im Regionalverband

Rhein-Neckar als auch im Regionalverband Mitteldeutschland

Arbeitsgruppen gebildet, die sich inhaltlich mit den

Kodierempfehlungen des MDK auseinandersetzten. Initial

wurden die Bewertungen der KDE im Internet auf den Seiten

von www.medizincontroller.de und www.medinfoweb.de

veröffentlicht. Die Resonanz, die diese Aktivität

fand, leitete die Institutionalisierung unter dem Dach

der DGfM ein. Im Jahr 2006 wurde der »Fachausschuss

für ordnungsgemäße Kodierung und Abrechnung (FoKA)«

gegründet. In ihm sind Mitglieder aus allen Regionalverbänden

der DGfM organisiert. Jeweils zwei Mitglieder aus

den Regionalverbänden vertreten die regionalen Positionen

in der Steuergruppe des FoKA. Dazu trifft sich die

Steuergruppe mehrfach pro Jahr, um im Ergebnis die dann

bundesweit konsentierten Positionen abzustimmen und zu

veröffentlichen.

Dabei liegt das Hauptaugenmerk weniger auf der

Entwicklung eigener Kodierempfehlung als vielmehr auf

der Einleitung einer Diskussion und dem fachlichen Austausch

mit anderen Fachverbänden und Expertengruppen.

Schwerpunkt der momentanen Aktivitäten des Fachausschusses

ist die Bewertung und Kommentierung der

Kodierempfehlungen der SEG 4. Dabei werden die dort

veröffentlichten Kodierempfehlungen entweder bestätigt

(Konsens), kommentiert (Konsens mit Kommentar) oder die

unterschiedlichen Meinungen mit entsprechender Argumentation

transparent gemacht (Dissens). Somit stehen

beide Institutionen nicht in Konkurrenz zueinander. Vielmehr

sind sie als Zentren von Kodier- und Abrechnungsexperten

zu sehen, welche durch Austausch ihres Fachwissens

den Horizont des Einzelnen erweitern und das

DRG-System im Gesamten weiter voranbringen.

Der FoKA legt seiner Tätigkeit die Prinzipien der bedingungslosen

Transparenz zu Grunde. Dies beginnt mit der

namentlichen Veröffentlichung aller Mitglieder der FoKA-

Steuergruppe. Für die öffentlich einsehbare Diskussion

während des Prozesses der Bewertung der Kodierempfehlungen

wurde ein Wiki implementiert, in dem jedes

DGfM-Mitglied nach Registrierung Diskussionsbeiträge

beisteuern kann.

In den Steuergruppensitzung wird unter Berücksichtigung

dieser Diskussionsbeiträge jede KDE auf Übereinstimmung

oder Widerspruch zu:

n■

Speziellen Kodierrichtlinien

n■

Allgemeinen Kodierrichtlinien

n■

Alphabetischer und hierarchisch-systematischer

Klassifikation

n■

Inklusiva/Exklusiva/Hinweisen zu terminalen Kodes

oder übergeordneten Klassifikationsclustern (Kapitel

oder Gruppen)

gesucht.

In den Fällen, in denen dieser Algorithmus nicht zur

Lösung der Fragestellung führt, werden ergänzend Recherchen

nach Leitlinien, wissenschaftlichen Definitionen oder

Reviews herangezogen. Als typisches Beispiel dieser Vorgehensweise

kann die KDE 53 angesehen werden:

Problem/Erläuterung

Wann darf T88.4 Misslungene oder schwierige Intubation

als Nebendiagnose kodiert werden?

Kodierempfehlung SEG 4

»Eine Intubation ist erst dann schwierig, wenn die direkte

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 139

Schwerpunkt

Medizincontrolling


Schwerpunkt

Medizincontrolling

und vollständige Sicht auf den Kehlkopfeingang trotz optimaler

Beugung des Halses und Streckung des Kopfes, mehrerer

Versuche, Einsatz unterschiedlicher Laryngoskopspatel,

äußeren Drucks auf den Kehlkopfeingang, kompletter

Muskelrelaxierung des Patienten und Hinzuziehen weiterer

erfahrener Anästhesisten nicht erreicht werden kann.« (Larsen,

Anästhesie, 7. Auflage 2003) »Nach dem ASA - Algorithmus

für den schwierigen Atemweg wird für die Definition

der schwierigen Intubation noch die Anzahl der Intubationsversuche

(> 3 Versuche) und die Dauer für das korrekte Einführen

des Endotrachealtubus (> 10 Minuten bei konventioneller

Laryngoskopie) herangezogen.« (Larsen, s. o.)

Zur Beurteilung ist das Narkoseprotokoll (einschließlich

Prämedikationsprotokoll) erforderlich. Das Prämedikationsprotokoll

kann Aufschluss darüber geben, ob die Diagnose

einer schwierigen Intubation bereits anamnestisch

bekannt war oder ob sich im Rahmen der Prämedikation

Hinweise auf eine zu erwartende schwierige Intubation

ergaben. Eine tatsächlich schwierige Intubation muss auf

dem eigentlichen Protokoll über Narkose und Operation

vermerkt und mit Text beschrieben sein.

Es muss ersichtlich sein, welche Maßnahmen zur

Bewältigung des Problems mit welchem Erfolg getroffen

wurden, wie viele Intubationsversuche unternommen wurden,

wie viel Zeit zwischen Narkoseeinleitung und Intubation

vergingen und ob mehrere Ärzte beteiligt waren.

Bei schwierigen Intubationen können technische Hilfsmittel

zur Anwendung kommen, z.B.: Fiberendoskopische

Intubation, Intubation mit der Intubationslarynxmaske,

Intubation mit dem Kombi-Tubus, Verwendung von speziellen

Laryngoskopen, Notfallrohr, Koniotomie.

Kommentar FoKA

Konsens mit Kommentar: Die Kodierempfehlung der SEG-4

beschreibt die Kriterien einer unerwartet schwierigen oder

misslungenen Intubation. Der Kode T88.4 Misslungene

oder schwierige Intubation ist nicht auf die unerwartet

schwierigen Intubationen zu beschränken.

Gemäß den Empfehlungen anästhesiologischer Fachgesellschaften

sind Risiken für Intubationsschwierigkeiten

präoperativ zu ermitteln und in begründeten Fällen primär

eine fiberoptische Intubation zur Vermeidung hypoxämischer

Komplikationen durchzuführen. Bei Vorliegen

einer Indikation und Durchführung eines aufwendigen

Intubationsverfahrens ist die Kodierung des Kodes T88.4

gerechtfertigt.

Hinweis: Im Bereich der Geburtshilfe sind die speziellen

geburtshilflichen Komplikationskodes (O29.6, O74.7,

O89.6 ) anzuwenden.

Rückmeldung SEG 4

Kein Anpassungsbedarf

140 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Es gibt weder eine spezielle noch eine allgemeine Kodierrichtlinie

mit Bezug zum Diagnosekode T88.4. Für die

Kodegruppe T80-T88 gibt es zwar einen erklärenden Satz

bezüglich der Nutzung dieser Kodes als Hauptdiagnose,

wobei diese DKR keinen Bezug zum medizinischen Problem

(Nebendiagnose) hat.

Im ICD-Verzeichnis beinhaltet der Kode T88.4 folgende

Einträge:

n■

Misslungene oder schwierige Intubation

n■

Misslungene Intubation

n■

Problem durch Intubation bei Anästhesie

n■

Schwierige Intubation

n■

Versagen der Intubation während der Anästhesie

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist der

Umstand, dass im Sinne der medizinischen Nomenklatur

eine (schwierige) Intubation keine Diagnose, sondern

ein Behandlungsverfahren ist. Im angloamerikanischen

Sprachraum spricht man folgerichtig vom »difficult airway«,

also dem »schwierigen Atemweg«, der bei Notwendigkeit

der Intubation besondere personelle oder technische

Ressourcen erfordert.

In den Hinweisen wird lediglich auf Besonderheiten der

Kodierung von Komplikationen während der Schwangerschaft,

der Entbindung und im Wochenbett verwiesen.

Folgerichtig zog die SEG 4 Fachliteratur, in dem Fall ein

Standardwerk der Facharztausbildung in der Anästhesiologie

zu Rate. Somit sind Aussagen zur Kodierbarkeit des

Kodes zwar grundsätzlich richtig, sofern auch tatsächlich

das medizinische Problem einer unerwartet schwierigen

Intubation vorliegt. Aktuelle Leitlinien zur Evaluation und

zum Beherrschen des »schwierigen Atemwegs« empfehlen

die primäre fiberoptische Wachintubation zur Vermeidung

einer lebensbedrohlichen Hypoxämie.

Unter Beachtung von Diagnosenthesaurus, Leitlinien

und den zitierten Kriterien einer aufwendigen Intubation

wird somit deutlich, dass die SEG 4 zwar das Teilproblem

der unerwartet schwierigen Intubation umfassend

beschrieben hat, darüber hinaus die Kodierung aber auch

dann angezeigt ist, wenn nach Risikoevaluation in begründeten

Fällen eine primäre fiberoptische Intubation durchgeführt

wird.

Ausblick

Solange Kliniken ihre Leistung mit einem überaus

komplexen System von Diagnosen und Prozeduren abbilden

und Interpretationsspielräume bei der Auswahl der

Kodes zu Erlösunterschieden von drei- bis vierstelligen

Eurobeträgen führen, wird es im Widerstreit von Kostenträgern

und Leistungserbringern die Notwendigkeit zu

Schlichtungen und Klarstellungen geben. n


Controlling in der Klinischen Forschung

Mit Inkrafttreten der 12. AMG-Novelle und der

dazugehörigen GCP-Verordnung im August 2004

gelten für wissenschaftsinitiierte Klinische Prüfungen

die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie

für kommerzielle Klinische Prüfungen der pharmazeutischen

Industrie [1]. Die Kostenstruktur ist somit weitgehend

unabhängig davon, ob der jeweilige Sponsor dem

akademischen oder industriellen Bereich zuzurechnen ist.

Neben kommerziellen, von der pharmazeutischen Industrie

initiierten, Klinischen Prüfungen bilden nichtkommerzielle

wissenschaftsinitiierte Klinische Prüfungen die zweite

Säule in der Erforschung von Arzneimittelwirkungen [2].

Im Gegensatz zu kommerziell ausgerichteten Klinischen

Prüfungen, die primär der Neuzulassung von Arzneimittel

dienen, ist die Zielsetzung wissenschaftsinitiierter Prüfungen

breiter und kann von der Verbesserung eines gesamten

therapeutischen Konzeptes bis hin zur klassischen

Klinischen Prüfung von Arzneimitteln reichen. Kommerzielle

und wissenschaftsinitiierte Klinische Prüfungen sind

somit nicht beliebig substituierbar, sondern ergänzen sich

in ihren unterschiedlichen Aufgabenspektren.

Finanzielle Ausstattung

Die Planung, Durchführung und Analyse Klinischer

Prüfungen ist direkt und indirekt mit dem Verbrauch verschiedenster

Ressourcen wie beispielsweise Arbeitskraft,

Medikation und IT-Infrastruktur verbunden. Aus betriebswirtschaftlicher

Sicht stellt der bewertete sachzielbezogene

Verbrauch von Ressourcen Kosten dar [3]. Die Deckung der

in einer Klinischen Prüfung anfallenden Kosten erfordert

somit die Bereitstellung geeigneter finanzieller Mittel in

ausreichender Höhe. Die Bereitstellung bzw. Beschaffung

der erforderlichen finanziellen Mittel, also die Finanzierung

von Klinischen Prüfungen, ist als notwendige Nebenbedingung

bei der Planung von Klinischen Prüfungen anzusehen.

Gesetzlich kodifiziert ist dies in der Sponsor-Definition

des Arzneimittelgesetzes (AMG): »Sponsor ist eine natürliche

oder juristische Person, die die Verantwortung für

die Veranlassung, Organisation und Finanzierung einer

Klinischen Prüfung bei Menschen übernimmt.« [4] Die

Integration von Kosten- und Finanzierungsaspekten wissenschaftsinitiierter

Klinischer Prüfungen in ein einheitliches

Informations- und Koordinationssystem kann mittels

eines institutionalisierten Controlling erfolgen. Neben den

geschilderten Kosten- und Finanzierungsgesichtspunkten

können in diesem alle weiteren relevanten betriebswirtschaftlichen

Aspekte behandelt werden.

Aspekte eines institutionalisierten

Controlling-Systems

Sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft existiert

keine grundlegende Übereinstimmung über Wesen

und Abgrenzung des Controlling-Begriffs. Die Funktion

des Controlling wird in der Literatur vorherrschend aus

einer informationsorientierten, koordinationsorientierten

oder rationalitätssichernden Sicht beschrieben [5]. Dabei

ist zu beachten, dass sich das Controlling in einem betrieblichen

marktorientierten Unternehmensumfeld herausgebildet

hat. In Hinblick auf wissenschaftsinitiierte Klinische

Prüfungen, die eher in einem akademischen, marktfernen

Kontext stattfinden, sind daher besondere Aspekte

zu berücksichtigen. Das primäre Ziel wissenschaftsinitiierter

Prüfungen ist nicht betriebswirtschaftlicher Natur,

sondern besteht in der Gewinnung wissenschaftlicher

und medizinischer Erkenntnisse unter der Berücksichtigung

ethischer Anforderungen [6]. Betriebswirtschaftliche

Gesichtspunkte, wie beispielsweise Kosten- und Finanzierungsaspekte,

stellen jedoch notwendige Rahmenbedingungen

dar, von denen eine erfolgreiche Studiendurchführung

abhängt. In wissenschaftsinitiierten Klinischen

Prüfungen existieren somit eine medizinische und eine

betriebswirtschaftliche Dimension, die zwar einander

bedingen, jedoch auf voneinander abweichenden Prämissen

und Zielvorstellungen beruhen. Obwohl die dargestellten

funktionalen Controlling-Sichtweisen grundsätzlich

auch auf die medizinische Dimension übertragbar

sind, besitzt eine derartige Ausweitung zu wenig Trennschärfe.

Eine solche Ausdehnung ist insbesondere daher

abzulehnen, weil das im medizinischen Bereich potenziell

zu identifizierende Aufgabenspektrum dem originären

wissenschaftlichen Kern einer Klinischen Prüfung zuzuordnen

ist. Im Kontext wissenschaftsinitiierter Klinischer

Prüfungen bezieht sich Controlling somit alleine auf die

mit solchen Prüfungen verbundenen betriebswirtschaftlichen

Fragestellungen.

Kostenplanung

Als besonders bedeutend sind dabei Aspekte der

Kostenplanung und Finanzierung hervorzuheben. Im

Mittelpunkt beider Bereiche steht die Generierung und

Interpretation von betriebswirtschaftlichen Daten. Das

Controlling in wissenschaftsinitiierten Klinischen Prüfungen

umfasst diese Aufgabengebiete und kann um die

Gewinnung, Verarbeitung und Aufbereitung weiterer

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 141

Schwerpunkt

Medizincontrolling

Dr. Uwe Kehrel

Akademischer Rat

Institut für betriebswirt­

schaftlichesManage­ ment im Fachbereich

Chemie und Pharmazie,

Westfälische Wilhelms­

Universität Münster

E­Mail: ukehr_01@uni­

muenster.de

Stefan Müller­Mielitz

Dipl.­Volkswirt

Institut für effiziente

klinische Forschung

(IEKF), Münster

E­Mail: smm@iekf.de


Schwerpunkt

Medizincontrolling

quantitativer, nichtmonetärer sowie qualitativer Informationen

ergänzt werden. Denkbar sind hier vor allem

zusätzlich zu berücksichtigende organisatorische Fragestellungen

und Projektmanagementaufgaben [7]. Wenn

in einer Institution nicht nur einmalig, sondern regelmäßig

Klinische Prüfungen durchgeführt werden, sind ferner

prozessuale Gesichtspunkte von besonderer Bedeutung.

Controlling kann in diesem Zusammenhang ergänzend

auch als ein sich selbst steuernder kybernetischer Prozess,

der aus den drei Komponenten Planung, Realisation

und Kontrolle besteht, verstanden werden [8]. In diesem

Fall bietet sich eine Anpassung des kybernetischen Prozesses

an die Planungs-, Durchführungs- und Analysephasen

Klinischer Prüfungen an. Das primäre Ziel des

Controllings besteht in der Sicherstellung der betriebswirtschaftlichen

Durchführbarkeit wissenschaftsinitiierter

Klinischer Prüfungen.

Institutionelle Aspekte

Die Aspekte des Controlling können nach institutionalisierten,

funktionalen und instrumentellen Gesichtspunkten

unterschieden werden [9]. Bei den institutionalisierten

Aspekten stehen aufbauorganisatorische Fragestellungen

im Zentrum des Interesses. Bildet üblicherweise das Rechnungswesen

die Grundlage für die organisatorische Positionierung

des Controlling, so kann im Rahmen wissenschaftsinitiierter

Klinischer Prüfungen aufgrund evtl. nicht

genügend ausgebauter betriebswirtschaftlicher Strukturen

nicht automatisch von einem derartigen Aufbau ausgegangen

werden [10]. Es ist denkbar, dass in den akademischen

Einrichtungen, die wissenschaftsinitiierte Prüfungen

durchführen, kein oder nur ein unzureichendes

Rechnungswesen existiert. Für die Implementierung eines

Controlling besteht in diesem Fall keine Bezugsbasis, an

die angeknüpft werden könnte. Im Mittelpunkt der funktionalen

Perspektive stehen die vom Controlling zu verrichtenden

Aufgaben. Diese können hier im Wesentlichen

durch eine Informationsversorgungsfunktion beschrieben

werden, die sich auf betriebswirtschaftliche Aspekte im

Allgemeinen sowie Kosten- und Finanzierungsaspekte im

Speziellen erstreckt. Im Rahmen wissenschaftsinitiierter

Klinischer Prüfungen ist diese Informationsversorgungsfunktion

allerdings in einem weiteren Sinne zu sehen, als

dies in privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen der

Fall ist. So ist zu vermuten, dass die betriebswirtschaftliche

Kompetenz in den akademischen Einrichtungen im Allgemeinen

hauptsächlich dem Controlling-Bereich zuzuordnen

ist. Trifft dies zu, ist keine scharfe Grenze zwischen der

eigentlichen entscheidungsunterstützenden Funktion des

Controlling und dem unmittelbaren Herbeiführen von Entscheidungen

zu ziehen. Unter dem instrumentellen Aspekt

142 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

des Controlling werden Verfahren zusammengefasst, die

zur Verrichtung von Controlling-Aufgaben herangezogen

werden.

Diskussion und Handlungsempfehlungen

Falls keine oder nur unzureichende Controlling-Strukturen

in den Institutionen, die wissenschaftsinitiierte Klinische

Prüfungen planen und durchführen, vorhanden

sind, sind die dafür notwendigen Grundlagen zu schaffen

und entsprechende, funktionale Einheiten zu implementieren.

Obwohl derartige organisatorische Veränderungen

im Allgemeinen sowohl mit zusätzlichen Kosten als auch

mit einem höheren Personalbedarf verbunden sind, stellen

sie die Voraussetzung für eine adäquate Berücksichtigung

betriebswirtschaftlicher Aspekte in Klinischen Prüfungen

dar. Existiert ein institutionalisiertes Controlling,

so kann die Planung und Steuerung der kostenrelevanten

Dimensionen Klinischer Prüfungen als eine ihm zugeordnete

Hauptaufgabe angesehen werden. Als kostenrelevante

Dimensionen können die Komplexität, die Größe und

die Qualität einer Klinischen Prüfung identifiziert werden

[11]. Die Basis für die in Hinblick auf diese Dimensionen

wahrgenommenen Controlling-Aufgaben bilden die Kosten-

und Finanzierungsaspekte Klinischer Prüfungen.

Komplexität

Einflussfaktoren, die der Dimension Komplexität zuzurechnen

sind, können in zwei Gruppen unterteilt werden.

Die erste Gruppe (z.B. Indikationsgebiet, Phase der Studie,

Randomisierung und Verblindung) leitet sich direkt

aus der medizinisch-wissenschaftlichen Konzeption einer

Klinischen Prüfung ab und ist generell durch das Controlling

nicht beeinflussbar. Es ist nicht denkbar, alleine

aus betriebswirtschaftlichen Gründen, Parameter, wie

das Indikationsgebiet oder die klinische Phase einer Prüfung

zu ändern. Aufgabe des Controlling kann hier nur

sein, die Auswirkungen dieser Parameter frühzeitig zu

antizipieren und betriebswirtschaftlich relevante Schlussfolgerungen

zu bilden. So wird die Randomisierung und

Verblindung einer Studie mit Kosten verbunden sein, die

nicht zu vermeiden sind, allerdings im Rahmen der Kostenplanung

berücksichtigt werden sollten. Die zweite

Gruppe besteht aus Einflussfaktoren (z.B. Internationalität,

Koordinationstätigkeit und Verlauf der Patientenrekrutierung),

die partiell unabhängig von der medizinischwissenschaftlichen

Fragestellung einer Klinischen Prüfung

und somit zumindest in Ansätzen steuerbar sind. So ist

davon auszugehen, dass eine Klinische Prüfung in einem

nationalen Rahmen kostengünstiger durchführbar ist als


internationale, in verschiedenen Ländern stattfindende

Prüfungen. Ebenfalls stellt die Koordination der einzelnen

an einer Klinischen Prüfung beteiligten Institutionen

und Funktionsbereiche einen kostenintensiven und steuerbaren

Einflussfaktor dar. Hingegen ist der letzte Faktor,

der Verlauf der Patientenrekrutierung nur eingeschränkt

zu beeinflussen. Das zur Verfügung stehende Patientenkollektiv

kann nicht grundsätzlich verändert werden. Es

kann allerdings dafür Sorge getragen werden, dass die

potenziell in Frage kommende Grundgesamtheit an Patienten

ausgeschöpft wird.

Größe

Die zweite Kostendimension, die Größe einer Klinischen

Prüfung, ist weitgehend unabhängig von betriebswirtschaftlichen

Gesichtspunkten. Sowohl die Patientenanzahl,

die Studiendauer als auch das allgemeine

Studiendesign leiten sich direkt aus den medizinisch-wissenschaftlichen

Zielen einer Klinischen Prüfung ab [12].

Lediglich die Anzahl der eingebundenen Prüfzentren kann

unter bestimmten Voraussetzungen unabhängig von der

medizinisch-wissenschaftlichen Zielsetzung gesteuert

werden. Es ist davon auszugehen, dass der administrative

und koordinative Aufwand mit einer zunehmenden

Anzahl an Prüfzentren steigt. Durch eine höhere Prüfzentrenzahl

können jedoch größere Patientenkollektive erfasst

werden. Aus einer betriebswirtschaftlichen Sicht ist somit

die minimale Anzahl der Prüfzentren festzulegen, mit der

die erforderliche Fallzahl erreicht werden kann.

Qualität

Die als Qualität bezeichnete dritte Kostendimension

unterscheidet sich wesentlich von den beiden erstgenannten.

Während die Komplexität und die Größe einer

Klinischen Prüfung hauptsächlich durch das individuelle

medizinisch-wissenschaftliche Konzept bedingt werden, ist

die Qualität ein weitgehend institutionsbezogener Faktor

und unabhängig von der konkreten Ausgestaltung einer

Studie. Die Qualitätsdimension kann somit wesentlich

durch das Controlling beeinflusst werden. Insbesondere

die Qualität der Basisdokumentation und die Qualifikation

der Prüfärzte stellen solche institutionsabhängigen

Einflussfaktoren dar. Da eine schlechte Basisdokumentation

einen erhöhten Monitoringaufwand und zusätzliche

Aktivitäten im Datenmanagement verursacht, geht eine

schlechte Dokumentationsqualität auch mit höheren Kosten

einher. Ebenso kann eine geringe Qualifikation der

Prüfärzte zu Verstößen gegen die regulatorischen Anforderungen

oder das Prüfprotokoll führen, deren Behebung

wiederum zu zusätzlichen Kosten führt.

Organisatorische Aspekte

Hingegen können die Anzahl der in einer Klinischen

Prüfung anfallenden Queries und die Qualität des Datenerhebungsbogens

teilweise auf individuelle Studienaspekte

zurückgeführt werden. So wird in einer eher komplexen

Klinischen Prüfung tendenziell auch die Anzahl

der Queries steigen und sich die Erstellung eines qualitativ

hochwertigen Datenerhebungsbogens schwieriger

als in einer sehr einfachen Studie gestalten. Dennoch

besteht auch zwischen diesen beiden Einflussfaktoren

und der einzelnen Institution, in der die mit diesen Faktoren

zusammenhängenden Aufgaben (Datenmanagement,

Prüfzentrumstätigkeit) erfüllt werden, ein deutlicher

Zusammenhang. Existieren effiziente sowie transparente

Informationswege und dadurch ein qualitativ hochwertiges

Querymanagement, so kann die Anzahl der Queries

reduziert werden, da auftretende Fragen bereits im Vorfeld

antizipiert werden. Ist ein qualifiziertes und institutionalisiertes

Datenmanagement vorhanden, so wird die

Qualität des Datenerhebungsbogens grundsätzlich eher

hoch ausfallen. Eine hohe Qualität beider Einflussgrößen

bedingt auch hier wiederum tendenziell niedrigere Kosten.

Da die Bearbeitung eines jeden Queries mit einem

bestimmten Zeitaufwand verbunden ist, führt ihre Reduktion

zu Zeitersparnissen und damit zu einem geringeren

Bedarf an personellen Ressourcen. Eine hohe Qualität des

Datenerhebungsbogens ist in der Erstellung zwar kostenintensiver,

verursacht jedoch später einen geringeren Aufwand

bei der Datenverifizierung und dem daraus resultierenden

Querymanagement.

Betriebswirtschaftliche Aspekte

Das betriebswirtschaftliche Ziel im Hinblick auf die

Qualitätsdimension Klinischer Prüfungen liegt somit in

der Sicherstellung einer möglichst hohen Studienqualität,

da diese zu tendenziell geringeren Studiengesamtkosten

führt. Da die Qualitätssicherung jedoch mit einem

bestimmten Ressourcenverbrauch verbunden ist, sollte

keine Maximierung der Studienqualität aus betriebswirtschaftlicher

Sicht angestrebt werden. Hier ist eine Grenzbetrachtung

erforderlich, in der die Qualität so lange

erhöht wird, bis die zusätzlich verursachten Qualitätskosten

den durch sie verhinderten Kostenanfall überwiegen.

Grundsätzlich ist somit jedoch eine Kongruenz zwischen

den betriebswirtschaftlichen Zielen auf der einen Seite

und den medizinisch-wissenschaftlichen Zielen auf der

anderen Seite festzustellen. n

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 143

Schwerpunkt

Medizincontrolling

Literatur

[1] Benninger-Döring G, Boos J:

Nichtkommerzielle klinische

Prüfungen – wer wird Sponsor?

Bundes gesundheitsblatt-

Gesund heitsforschung-Gesund-

heitsschutz 2006; 49 (7):

675-680.

[2] Tyndall A: Why do we need

noncommercial, investigator-

initiated clinical trials? Nature

Clinical Practice Rheumatology

2008; 4 (7): 354-355.

[3] Coenenberg A G: Fischer T M:

Günther T: Kostenrechnung und

Kostenanalyse, Schäffer-Poeschel,

Stuttgart 2007.

[4] Arzneimittel gesetz § 4 Abs. 24.

[5] Baum H-G, Coenenberg A G,

Günther T: Strategisches

Controlling, Schäffer-Poeschel,

Stuttgart 2007.

[6] Brochhausen C, Seyberth H W:

Klinische Studien in der Pädiatrie:

Wo sind finanzielle Interessen-

konflikte möglich? Monatsschrift

Kinderheilkunde 2003, 151 (11):

1213-1217.

[7] Cook S: Clinical Studies

Management: A Practical Guide

to Success, Interpharm/CRC Sue

Horwood Publishing, Boca Raton,

London, New York, Washington

D.C. 2004.

[8] Baum H G, Coenenberg A G,

Günther T: Strategisches

Controlling, Schäffer-Poeschel,

Stuttgart 2007.

[9] Berens W, Bertelsmann R:

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Wagenhofer A: Handwörterbuch

Unternehmensrechnung und

Controlling, Schäffer-Poeschel,

Stuttgart 2002.

[10] Siewert J R, Niethammer D:

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Deutschland: Zu den Problemen

der patienten orientierten

Foschung und der Durchführung

von klinischen Studien in den

Deutschen Universitätsklinika.

Der Chirurg 2003, 74(1): 1-3.

[11] Kehrel U: Controlling in der

klinischen Forschung –

Eine empirische Analyse

wissenschaftsinitiierter Klinischer

Prüfungen, Sierke-Verlag,

Göttingen 2009.

[12] Meinert C L, Tonascia S: Clinical

Trials: Design, Conduct, and

Analysis, Oxford University Press,

New York, Oxford 1986.


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Stefan Müller­Mielitz

Dipl.­Volkswirt

Institut für effiziente

klinische Forschung

(IEKF), Münster

E­Mail: smm@iekf.de

Uwe Kehrel

Institut für betriebswirt­

schaftlichesManage­ ment im Fachbereich

Chemie und Pharmazie,

WWU Münster

Kurt Becker

APOLLON Hochule für

die Gesundheitswirt­

schaft, Bremen

Christian Ohmann

Koordinierungszentrum

für Klinische Studien

(KKS), Universität

Düsseldorf

Georg Müller­

Fürstenberger, Lehrstuhl

für Umwelt­ und

Kommunalökonomie,

Universität Trier

Maria Huggenberger,

Andreas J. W.

Goldschmidt

Internationales Health

Care Management Institut

(IHCI), Universität Trier

Kostenkontrolle der diagnostischen

Bildgebung im Kompetenznetz

Angeborene Herzfehler

Das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler (KN

AHF) [1] verfolgt durch seine Arbeit mehrere Zielsetzungen:

die Klärung medizinischer Fragestellungen

betreffend die Erkrankung AHF, die organisatorische

Unterstützung der Akteure durch den Aufbau und

die Bereitstellung von Netzwerkstrukturen, eine zentrale

Öffentlichkeitsarbeit und die Verbesserung des Datenaustausches

durch eine abgestimmte IT-Infrastruktur für die

Haupt- und Querschnittsprojekte des Netzwerkes.

Projektbeschreibung

Das Querschnittsprojekt 2 Magnetresonanztomografie

(»QP2-MRT«) hat eine besondere Bedeutung sowohl aus

medizinischer Sicht als auch aus Sicht der Informationstechnologie,

da in diesem Projekt die qualitätsgesicherten

Analysedaten durch standardisiert aufgenommene Bilddaten

zwar in allen beteiligten Herzzentren separat erhoben,

jedoch in zwei zentralen »Core-Labs« ausgewertet

werden [2].

Fragestellung

Wegen der zentralen Bedeutung des Querschnittsprojekts

wurde nach der technischen Implemen tierung eine

ökonomische Evaluation durchgeführt, um eine Basis für

eine spätere betriebswirtschaftlich effiziente Bereitstellung

der Infrastruktur zu erhalten. Im ersten Schritt geht

es daher um die Frage, wie hoch die Kosten pro Auswertung

im Rahmen der klinischen Studien waren, um eine

erste Kostenkontrolle [3] der bildgebenden Diagnostik der

klinischen Studien zu ermitteln.

Methodik

Es wird eine retrospektive Analyse der Kosten des Projekts

für den Aufbau der Bilddatenbank [4] durchgeführt.

Das Vorgehen orientiert sich am »Hannoveraner Konsens«,

der Empfehlungen zu gesundheitsökonomischen Evaluationen

enthält [5]. Mit Hilfe der Kosten-Analyse [6] werden

drei verschiedene Projektverläufe untersucht:

1. Projektverlauf geplant (Soll)

2. Projektverlauf realisiert (Ist)

3. Projektverlauf mittels Ex Post-Betrachtung (Ex Post)

144 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Die Perspektive der ökonomischen Analyse ist die des

Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler als Contract

Research Organisation (CRO). Die wesentlichen Parameter

der ökonomischen Evaluation sind Tab. 1 auf Seite 145

zu entnehmen.

Kostenanalyse

Die Grundlage der Berechnungen bilden die angefallenen

Kosten. Diese setzen sich zusammen aus den Brutto-

Personalkosten und den Sachkosten. Gemeinkosten und

Ersatzinvestitionen finden keine Berücksichtigung.

Die Personalkosten (ein wissenschaftlicher Mitarbeiter

für den Bereich IT, zwei Medizinisch Technisch Radiologische

Angestellte (MTRAs) für die Auswertung) werden in

Höhe der Brutto-Personalkosten erfasst (vgl. Anhang 1:

Ausgaben für das Personal).

Die Sachkosten des MRT-Projektes umfassen den Mitteleinsatz

für die Hardware-Anschaffung, IT-Implementierung

und die laufenden Support-Kosten der KN AHF

Bilddatenbank [3].

Projektverlauf

Um den Vergleich zwischen den drei Projektszenarien

zu ermöglichen, wird angenommen, dass die Projektmitarbeiter

zu 100 Prozent dem Projekt zur Verfügung stehen

(Lern- und Organisationskosten eingeschlossen). Mit

dieser Annahme werden Opportunitätskosten für andere

Arbeiten und Aufgaben ausgeschlossen. Es werden somit

nicht die realen Stückkosten der Auswertung erhoben,

sondern das Ergebnis sind die Kosten einer Auswertung

bezogen auf die Gesamtkosten.

Zusätzlich wurden während der Projektlaufzeit Untersuchungen

und Auswertungen durchgeführt, die die Normwerterfassungen

bei Probanden betreffen und neben den

Patientenauswertungen stattfanden. Ebenso wurde im

Rahmen der Auswertungen das Patienten-Bildmaterial

teilweise mehrfach ausgewertet (Interobserverauswertungen).

Als Ergebnis steht damit für jeden analysierten

Projektverlauf (Soll, Ist und Ex Post) die Anzahl der Auswertungen

fest.

Die externen Rahmenbedingungen für das MRT-

Projekt sind durch den Gesamt-Projektverlauf der AHF-


Hauptstudien bedingt [8]. Hier ist als wichtiger Meilenstein

das Ende der 1. Förderphase zu Q2.J3 zu nennen. Durch

eine kostenneutrale Verlängerung wurde die ursprüngliche

Gesamt-Projektzeit von Q3.J0 bis Ende Q2.J3 (ursprünglich

drei Jahre) verlängert auf Ende Q1.J4, also insgesamt

14 Quartale bzw. 42 Monate bzw. 3¾ Jahre Gesamt-

Projekt laufzeit (Soll).

Als Ergebnis für den geplanten Projektverlauf kann

festgehalten werden: Der prozentuale Anteil der Personalkosten

an den Gesamtkosten beträgt 79,2 Prozent, die

Sachkosten belaufen sich auf 20,8 Prozent der Kosten in

Höhe von 564.387 Euro (Soll).

Soll-Ist-Vergleich

Für das IT-Projekt wurde eine Anforderungsanalyse

in Zusammenarbeit mit den medizinischen Projektleitern

erstellt und daraufhin eine technische Evaluierung

unterschiedlicher Bilddatenbank-IT-Systeme am Markt

durchgeführt. Danach erfolgte die IT-Realisierung mit

den Hard- und Software-Anschaffungen (inkl. der Basis-

Implementierungen). Es wurde dann die IT-Vernetzung zu

den Satellitenstandorten Bad Oeynhausen (jetzt: Hannover)

und Berlin umgesetzt, die in der geplanten Realisierungszeit

von vier Quartalen durchgeführt werden konnte.

Anschließend konnte die Infrastruktur durch die Auswertungszentren

genutzt werden.

Parallel dazu starteten die medizinischen Hauptprojekte.

Der Rekrutierungsschluss des letzten Hauptprojektes

war Ende Q1.J4. Nach der Visitenlaufzeit von vier Quartalen

ist das Projektende der MRT-Auswertungen zum

Q2.J5 bestimmt, wenn ein Quartal für die Auswertungen

der letzten MRT-Bilder und Abschlussarbeiten angenommen

wird.

Die Berechnung des geplanten Outputs ergibt n soll

= 1.210 MRT Auswertungen für die fünf Hauptprojekte

mit ihren für die biometrischen Auswertungen minimal

benötigten Patientenzahlen (geplante Fallzahlen) und den

im Studienprotokoll vorgesehenen Visiten. Nachdem die

Studien abgeschlossen wurden, ergeben sich n iststudien

= 1.160 Auswertungen (Istoutput), was 96 Prozent der

erwarteten Auswertungen für die Studien entspricht.

Die für das MRT-Projekt geplanten Kosten belaufen

sich auf Sollkosten von 564.387 Euro. Die nun realisierten

Kosten ergeben die Istkosten in Höhe von 704.037 Euro

und sind damit um 24,7 Prozent erhöht. Mit dem geplanten

und nun realisierten Output an Auswertungen für die

Studien lassen sich die Kosten pro Auswertung berechnen

[9]: Sollkosten / n soll = 466 Euro (Sollkosten pro Auswertung),

bei der gegebenen Anzahl von Studienteilnehmer

ergeben sich Istkosten / n iststudien = 607 Euro (Istkosten

pro Auswertung).

Vorgehen Ökonomische Evaluation [7]

Gegenstand Bilddatenbank im KN AHF

Studiendesign Kosten-Analyse

Zeithorizont Projektverlauf: 19 Quartale = 57 Monate

Perspektive KN AHF als Contract Research Organisation

Vergleichsparameter drei Projektverläufe: Soll, Ist, Ex Post

Kostenermittlung eigene Berechnungen, detailliert dargelegt

Diskontierung konstante Preise und Kosten

Outcomemessung monetär bewertete Kosten

Sensitivitätsanalyse nicht durchgeführt

Damit liegen die Istkosten pro Auswertung 30,3 Prozent

über den Sollkosten pro Auswertung. Im realisierten Projektverlauf

ändert sich der prozentuale Anteil der Personalkosten

an den Gesamtkosten auf 81,9 Prozent, die

Sachkosten belaufen sich auf 18,1 Prozent der Istkosten

in Höhe von 704.037 Euro der MRT-Projektkosten (vgl.

Tab. 1 im Anhang).

Ergebnis bei Berücksichtigung von

zusätzlichen Auswertungen

Während der Auswertung der Studien wurden zusätzlich

Interobserverauswertungen durchgeführt, also die

Bilder eines Patienten zwei- oder auch dreimal ausgewertet,

um Aussagen zur Variabilität der Messungen treffen

zu können. Die Anzahl der Interobserverauswertungen

beläuft sich auf 210 zusätzliche Auswertungen. Ebenfalls

zusätzlich wurden gesunde Patienten (Probanden) untersucht.

Die Anzahl der Probandenauswertungen beträgt

118. Mit den n iststudien = 1.160 durchgeführten Studienauswertungen

ergeben sich in Summe n istgesamt = 1.488

Auswertungen. Berücksichtigt man dies bei den Istkosten

pro Auswertung ergibt sich: Istkosten / n istgesamt = 473

Euro (Istkosten pro Gesamtauswertung).

Durch diese zusätzlichen Auswertungen zur Qualitätssicherung

(Kontrolle der Interobservervariabilität) und durch

die zusätzlichen Probandenuntersuchungen liegen diese

Kosten 1,5 Prozent über den geplanten Kosten (vgl. Tab. 3

im Anhang).

Ex Post-Analyse

Zum jetzigen Zeitpunkt der ökonomischen Analyse ist

ex post bekannt, wann die medizinischen Projekte begonnen

haben und somit medizinische Daten und MRT-Daten

für die MRT-Auswertung zur Verfügung standen. Es ist also

möglich, einen optimalen Projektverlauf zu modellieren.

Im ursprünglichen Gesamtplan war der Auswertungsbeginn

mit Q1.J2 anvisiert worden (Ur-Plan). Allein hier

ergibt sich eine Zeitverzögerung von einem Jahr (Q1.J3),

was für das MRT-Projekt externe Kosten bedeutet. Ein

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 145

Schwerpunkt

Medizincontrolling

Tab. 1:

Übersicht wichtiger

Aspekte für ökonomi­

sche Evaluationen


Schwerpunkt

Medizincontrolling

MRT-Projekt J0 J1 J2 J3 J4 J5

Vergleich Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2

Personal IT 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Personal MTRA1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Personal MTRA2 0 0 0 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Sachkosten 0 0 0 0 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Abb. 1:

Projektsicht ex post

mit möglichen Einspa­

rungen (hell mit 1)

und extern bedingten

Zusatzausgaben

( hellgrau mit 1)

weiteres Jahr davor (J1) konnten MRT-Daten nicht ausgewertet

werden, da die Studien noch in der Design-Phase

waren. Alle Ausgaben hier sind sunk costs.

Aus der Kenntnis hieraus wurden in der Ex Post-Analyse

die Personalaufwendungen für die MRT-Auswertung

um acht Quartale reduziert. Dabei wird unterstellt, dass

nur Auswertungen innerhalb des Projektes erfolgen und

keine organisatorischen Vorarbeiten durch das Auswertungspersonal

durchgeführt werden, also extern erfolgen

würden. Diese »Rüstzeit« mit Lern- und Abstimmungstreffen

für die an der Auswertung beteiligten Mitarbeiter wird

mit einem Quartal veranschlagt, was mit einem straffen

Projektmanagement durchaus realisierbar scheint.

Die Zeit für die IT-Planung und -Entwicklung beim Aufbau

der Bilddatenbank ist ebenfalls bekannt und auch

deren langwieriger interdisziplinärer Abstimmungsprozess.

Dieser hätte in der Projektanfangsphase effektiver gestaltet

sein können. Hier wurden für die Ex Post-Analyse die

IT-Personalkosten um drei Quartale reduziert.

In der Ex Post-Betrachtung reduzieren sich durch diese

Annahmen die Personalkosten des Projektes. Das Kostenverhältnis

der Personalausgaben zu den unveränderten

Sachkosten (Investitions-, Implementierungs-, Wartungskosten)

beträgt nun 77 Prozent Personalkosten zu 23 Prozent

Sachkosten bei den sich jetzt ergebenden Istkostenex post von 554.212 Euro (vgl. Tab. 1 im Anhang). Die Differenz

von 149.825 Euro zu den Istkosten von 704.037 Euro

kann als Kosten für Lern- bzw. Entwicklungsarbeit angesehen

werden.

Berücksichtigung

der Ex Post-Betrachtung

Alle Ex Post-Analysen gehen von der Annahme aus,

dass (1.) die Kosten der Humanressourcen zu 100 Prozent

diesem einen MRT-Projekt zugeordnet sind. Die Ex

Post-Analyse unterstellt ferner, dass (2.) notwendige Vorarbeiten

im medizinischen Bereich extern erfolgen und (3.)

werden die Auswertungen des MRT-Teilprojektes zeitnah

(ein Quartal) nach Ende der medizinischen Hauptprojekte

abgeschlossen.

Es ist mit dem Abschluss der letzten Visiten der Hauptprojekte

Ende Q1.J5 auch terminiert, wann die letzten

146 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

MRT-Untersuchungen stattfinden. Somit können wir das

MRT-Projektende für Ende Q2.J5, also ein Quartal nach

der letzten Visite, festlegen. Das Wissen über die Vergangenheit

und die daraus resultierende Ex Post-Analyse zeigt

Abb. 1 mit dem optimierten Projektverlauf (dunkelgrau

ab Q4.J1 und hellgrau ab Q2.J4, »J« steht für Jahr, »Q«

für Quartal«).

Dabei stellt der helle Kostenblock links (Q3.J0 bis

Q3.J2) die möglichen Einsparungen zu Beginn des Projektes

bzw. die Lern- und Entwicklungsarbeit dar, der

hellgraue Kostenblock rechts (Q2.J4 bis Q2.J5) zeigt die

zusätzlichen Ausgaben, die aus dem extern bedingten verspäteten

Gesamt-Projektstart resultieren. Mit der Ex Post-

Betrachtung – also bei hypothetisch optimierten zeitlichen

Bedingungen – ergeben sich für die durchgeführten MRT-

Auswertungen bei den Studien:

Istkostenex post / niststudien von 478 Euro pro Auswertung

in der Ex Post-Analyse. Dieses entspricht in etwa den

Sollkosten pro Auswertung in Höhe von 466 Euro (vgl.

Tab. 2 im Anhang). Wäre das MRT-Projektmanagement

bei extern gegebener und realisierter Rekrutierungszeit

von fünf Quartalen (Q1.J3 – Q1.J4) unter vollkommener

Information durchgeführt worden, wären im Vergleich zu

den Sollkosten pro Auswertung die Kosten pro Auswertung

unter Ex Post-Bedingungen nur um 2,6 Prozent höher

gewesen (vgl. Tab. 2 im Anhang).

Werden bei der Ex Post-Betrachtung die gesamten

Auswertungen nistgesamt = 1488 berücksichtigt (Studien,

Interobserver, Probanden) erhält man Istkostenex post / nist gesamt = 372 Euro, was zu Kosteneinsparungen von 20,2

Prozent unter vollständiger Information im Vergleich zum

Soll geführt hätte (vgl. Tab. 3 im Anhang).

Die realisierten Kosten pro Auswertung betragen

473 Euro, die nun als Basis für betriebswirtschaftliche

Analysen dienen.

Schlussfolgerungen

Das MRT-Projekt im Kompetenznetz Angeborene Herzfehler

konnte durch die Erhöhung der Auswertungszahlen

(zusätzliche Interoberserver- und Probandenauswertungen)

die durch die verlängerte Projektlaufzeit entstandenen

Mehrkosten pro Fall kompensieren. Die Mehrkosten


pro Auswertung eines Datensatzes belaufen sich nur auf

7 Euro (1,5 Prozent).

Als Ergänzung zur durchgeführten Kostenanalyse und

einem Vergleich der drei Szenarien (Soll, Ist und Ex Post)

kann eine Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) [10] weitere

Erkenntnisse liefern. Sinnvoll wäre auch eine detailliertere

Prozessbetrachtung und- modellierung, z.B. in Form

integrierter Behandlungspfade. Damit könnten dann auch

für den Routinebetrieb nachhaltige Prozessverbesserungen

identifiziert und umgesetzt werden [11]. Allerdings

steht das MRT-Projekt noch am Anfang und es wurde

zunächst eine telematische Basis-Infrastruktur mit einem

Ziel – der MRT-Auswertung für klinische Studien – realisiert

[12]. Damit reduziert sich der Nutzen derzeit auf

wenige Projektaspekte.

Der Webupload von pseudonymisierten DICOM-MRT-

Daten wird im Routinebetrieb von 75 Prozent der Zentren

genutzt (12 von 16 Studienprüfzentren). Die Arbeitsprozesse

der Auswertung sind praxiserprobt. Dateninput,

Datenverarbeitung und Datenspeicherung in der zentralen

Bilddatenbank erfolgen pseudonymisiert (Datenbank-

Input). Das KN AHF Datenschutzkonzept [13] orientiert sich

am generischen Datenschutzkonzept der TMF e.V. [14]. Es

können nun im weiteren MRT-Projektverlauf die Output-

Aspekte der erhobenen Bilddaten bearbeitet werden, um

für das Projekt Mehrwerte und Nutzen für die beteiligten

Akteure zu schaffen (Sekundärnutzung des Materials).

Literatur

[1] Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, »Kompetenznetz AHF: Forschung«

Available: http://www.kompetenznetz-ahf.de/forschung/.

[2] Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, »Kompetenznetz AHF: Fallot-

Tetralogie« Available: http://www.kompetenznetz-ahf.de/forschung/

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[3] Kehrel U: Controlling in der klinischen Forschung: Eine empirische Analyse

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[7] Greiner W und Hoffmann C: »Leitlinien zur gesundheitsökonomischen

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[8] Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, »Kompetenznetz AHF:

Klinische Studien« Available: http://www.kompetenznetz-ahf.de/forschung/

klinische-studien/

Projektpartner

Ulrich Sax (Abteilung Medizinische Informatik,

CIOffice Medizinische Forschungsnetze, Universitätsmedizin

Göttingen), Titus Kühne (Abteilung für Angeborene

Herzfehler – Kinderkardiologie, Deutsches Herzzentrum

Berlin), Philipp Beerbaum (Imaging Sciences, King‘s College

London, St. Thomas‘ Hospital, London), Matthias

Gutberlet (Abteilung für Diagnostische und Interventionelle

Radiologie, Universität Leipzig/Herzzentrum),

Samir Sarikouch (Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations-

und Gefäßchirurgie, Medizinische Hochschule

Hannover).

Danksagung

Die Arbeit wurde unterstützt durch das Kompetenznetz

Angeborene Herzfehler, gefördert vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung; BMBF-Förderkennzeichen

01GI0210 (1. Phase) 01GI0601 (2. Phase). Das

IT-Projekt wurde am Lehrstuhl für Medizinische Informatik,

Universitätsmedizin Göttingen, durchgeführt.

Die Arbeit wird unterstützt durch die Technologie- und

Methodenplattform in der vernetzen klinischen Forschung

(TMF e.V.) Projekt V072-01.■n

[9] Schneider W: Kosten- und Leistungsrechnung, Konstanz: UVK-Verl.-Ges.,

2006.

[10] Lauterbach K W und Schrappe M: Gesundheitsökonomie – Qualitäts-

management und Evidence-based Medicine, Schattauer, 2004.

[11] Becker K: »Prozessanalyse zur Entwicklung Integrierter Behandlungs-

pfade,« Praxishandbuch Integrierte Behandlungspfade: Intersektorale

und sektorale Prozesse professionell gestalten (Gesundheitswesen in der

Praxis), Economica, 2006, S. 39-77.

[12] Müller-Mielitz S, Goldschmidt AJW, Beerbaum P, Gutberlet M, Kühne T,

Sarikouch S, und Sax U: »Kosten Nutzen Analyse (KNA) des MRT Projekts

im Kompetenznetz Angeborene Herzfehler,« 2010.

[13] Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, »Kompetenznetz AHF: Mission

und Datenschutz« Available: http://www.kompetenznetz-ahf.de/

kompetenznetz/ueber-uns/mission/?0=

[14] Pommerening K, Reng M, Debold P und Semler S: »Pseudonymisierung

in der medizinischen Forschung – das generische TMF-Datenschutz-

konzept,« GMS Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie,

vol. 1, 2005.

[15] Plathow C, Walz M, Essig E, Engelmann U, Schulz-Ertner D, Delorme S

und Kauczor H: »Teleradiologie: Betriebswirtschaftliche Analyse von

CT-Untersuchungen eines kleineren Krankenhauses,« Fortschr Röntgenstr,

vol. 77, 2005, S. 1016-1026.

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 147

Schwerpunkt

Medizincontrolling

Hinweis:

Den Anhang mit der

detaillierten Kosten­

aufstellung (Tabellen)

finden Sie unter

www.iekf.de/material/

mdi_2010_04_SMM.pdf■


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Dipl.­Ges. Oec. (FH)

Tim B. Hoppe

Projektleiter Markt­

zugang und Erstattung

Synagon GmbH

E­Mail: tim.hoppe@

synagon.de

Prof. Dr. Kurt Becker

APOLLON Hochschule

der Gesundheits­

wirtschaft, Fachbereich

Gesundheits technologie­

management, Bremen

Dr. Andreas Zimolong

Synagon GmbH –

Beratung für das

Gesundheitswesen,

Aachen

Bedeutung gesundheitsökonomischer

Evaluationen für die NUB-Verhandlung

Die wesentlichen Herausforderungen für die zukünftige

Gesundheitsversorgung ergeben sich aus den

Faktoren medizinisch-technischer Fortschritt, der

demografischen Entwicklung sowie der Entwicklung der

Beitragseinnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der medizinisch-technische Fortschritt führt dabei

zu einem immer größer werdenden Angebot für diagnostische

und therapeutische Behandlungsoptionen, denen

sich nicht nur der Kliniker in der Praxis gegenübergestellt

sieht. Hierbei ist zu beobachten, dass im Behandlungsalltag

innovative Verfahren selten bzw. nur sehr langsam

die veralteten aber in der praktischen Routine etablierten

Technologien ersetzen. Mit beständiger Zunahme

des Kostendrucks in den Krankenhäusern verlagern sich

Investitionsentscheidungen durch medizinisch orientierte

Argumente hin zu ökonomisch und strategisch orientierten.

Wichtiger werdende Entscheidungskriterien sind

daher neben dem Preis von innovativen Medizinprodukten

auch das Potenzial zum Senken der Betriebskosten

sowie das Profilierungspotenzial in einem wettbewerblichen

Umfeld als klinischer Innovationsführer bei Therapie

und Diagnostik.

Probleme ergeben sich jedoch bei medizinisch-technischen

Innovationen, die ihren Nutzen erst im Versorgungsprozess

bzw. im ambulanten Sektor entwickeln. Investitionsentscheidungen

müssen hier aus dem erwarteten

Mehr an Behandlungsqualität abgeleitet werden, was bei

einem sich außerhalb des Beobachtungshorizonts des Leistungserbringers

manifestierenden Nutzens ein besonderes

Methodeninventar benötigt. Folgend werden Wege und

Strategien aufgezeigt, um die notwendige Basis für eine

nachhaltige Sicherung der Finanzierung von Medizintechnologie

speziell im Krankenhausmarkt aufzubauen.

Rechtlicher Rahmen

Grundlegende Anforderungen an Medizinprodukte

ergeben sich aus dem die medizinische Versorgung

regelnden fünften Sozialgesetzbuch. Besondere Bedeutung

haben hier die §§ 2, 12 und 70 SGB V. Demnach hat

die medizinische Versorgung ausreichend, zweckmäßig

und wirtschaftlich zu sein und darf auch das Maß des

Notwendigen nicht überschreiten. Die Versorgung der

Patienten soll bedarfsgerecht und gleichmäßig sein und

muss dem jeweils anerkannten Stand der medizinischen

Erkenntnisse entsprechen. Die Versorgung soll von den

Leistungserbringern stets in fachlich gebotener Qualität

148 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

wirtschaftlich erbracht werden. Demzufolge muss der

beständige medizinische Fortschritt berücksichtigt werden.

Die Konkretisierung dessen, was dem anerkannten

Stand der medizinischen Erkenntnisse entspricht, erfolgt

durch den G-BA, das IQWiG und die Rechtsprechung des

Bundessozialgerichts (BSG).

Der Marktzugang für innovative Medizinprodukte

spaltet sich dabei an der politisch motivierten Grenze zwischen

ambulantem und stationärem Sektor. Die Gesundheitspolitik

favorisiert die Einführung von medizinischtechnischen

Innovationen im stationären Sektor. Hier gilt

nach § 137 c SGB V grundsätzlich die »Erlaubnis mit Verbortsvorbehalt«.

Demnach können Untersuchungs- und

Behandlungsmethoden zunächst bei den Leistungserbringern

eingeführt und nach Einführung daraufhin überprüft

werden, ob sie ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich

sind sowie ob sie unter Berücksichtigung des allgemein

anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse

erforderlich sind. Konträr dazu existiert nach § 135

Abs. 1 SGB V für den ambulanten Sektor ein »Verbot mit

Erlaubnisvorbehalt«.

Vergütungseintritt in der

stationären Versorgung

Ein Medizinprodukt tritt unmittelbar in die Vergütung

ein, sofern es in einer vorhandenen DRG abgebildet ist.

Ist es nicht abgebildet, können die stationären Leistungserbringer

beim InEK die Beantragung eines neuen Untersuchungs-

und Behandlungsverfahrens gem. § 6 Abs. 2

KHEntgG (NUB) prüfen lassen.

Das InEK richtet sich dabei an rein deskriptiven Kriterien

zur Methode selbst und deren Neuheit, der potenziellen

Zielgruppe des Verfahrens, den durch die Anwendung

des Verfahrens entstehenden Kosten sowie einer Begründung,

warum das neue Verfahren im DRG-System unzureichend

für die Kliniken abgebildet ist. Das InEK befindet

nach elektronisch gestellter Anfrage darüber, ob ein Verfahren

als neu und entgeltfähig gelten kann. Krankenhäuser

müssen die Anträge jährlich zum 31.10. für das jeweils

folgende Kalenderjahr stellen. Eine Antwort zu den Prüfergebnissen

der Anfragen erhalten die Krankenhäuser bis

31.01. des Folgejahres. Erhält ein Verfahren vom InEK den

begehrten NUB-Status 1, berechtigt dies, die anfragenden

Kliniken mit den örtlichen Vertragsparteien zeitlich befristete,

fallbezogene Entgelte oder Zusatzentgelte außerhalb

von Erlösbudget und Erlössumme zu vereinbaren. Ein


häufiges Problem in der Praxis ist die Blockadehaltung

der Krankenkassen beim Verhandeln der Vergütung einer

NUB-Leistung.

Die Interessen der Krankenkassen

Sowohl Gesundheitsfonds als auch die zuweisungsrelevante

Morbiditätsorientierung prägen die Präferenzen

der Krankenkassen bei ihren Investitionsentscheidungen.

Insolvenzfähigkeit der Kassen einerseits und die Gefahr,

Zusatzbeiträge erheben zu müssen andererseits, führen zu

einer eher kurzfristigen Kostenorientierung. Die einheitlichen

Beitragssätze haben dabei den Kassenwettbewerb

auf die Leistungsseite verlagert. Ökonomisch interessant

ist für die Krankenkassen ebenfalls die diagnostizierte

Morbidität, insbesondere die der ausgleichsrelevanten

Diagnosen, da sie erheblichen Einfluss auf die Zuweisungen

aus dem Gesundheitsfonds haben.

Eine gewichtige Bedeutung kommt daher den kostenintensiven

Versicherten mit ausgleichsrelevanten Diagnosen

zu. Für diese muss ein grundsätzlich sektorunabhängiges

Versorgungsmanagement erfolgen. Krankenkassen

haben daher ein grundsätzliches Interesse an kosteneffektiven

und patientenschonenden Behandlungen in den

definierten Morbi-RSA-relevanten Indikationsgebieten.

Dagegen stehen Krankenkassen in Verhandlungen zur Vergütung

neuer Untersuchungs- und Behandlungsverfahren

gem. § 6 Abs. 2 KHEntgG (NUB) denjenigen Verfahren

kritisch gegenüber, welche in Krankenhäusern initial mit

Mehrkosten verbunden sind und für die kein Zusatznutzen

nachgewiesen werden kann.

Anforderungen an die

Verhandlung der Vergütung

Grundsätzlich sind die Krankenkassen an die eingangs

beschriebenen Vorschriften des SGB V gebunden. Zur Prüfung,

ob die Bedingungen insbesondere der §§ 2 und 12

SGB V erfüllt sind, beauftragen die Krankenkassen über

den GKV-Spitzenverband i.d.R. die Medizinischen Dienste.

Diese orientieren sich bei ihrer Bewertung an den Grundlagen

der Evidenz basierten Medizin (EBM) und damit im

Wesentlichen an der Verfahrensordnung von G-BA einerseits

und dem Methodenpapier des IQWiG andererseits.

Elementare Bestandteile sind hier vergleichende Untersuchung

vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, des therapeutischen

Nutzens und der Wirtschaftlichkeit des neuen

Verfahrens mit den dem Stand der Technik entsprechenden

alternativen Behandlungsoptionen. Die Beurteilung

des therapeutischen Nutzens von neuen Behandlungsverfahren

wird am Grad der Beeinflussung patientenrelevanter

Endpunkte gemessen. Diese sind insbesondere

Morbidität, Mortalität und Lebensqualität. Die Beurteilung

der Wirtschaftlichkeit erfolgt vor allem auch durch

die Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Hieraus

ergeben sich letztlich die Anforderungen an die von

Informationsasymmetrie zu Gunsten der Krankenkassen

geprägte Verhandlungssituation. Gefordert ist eine Darstellung

zur Kommunikation von erwarteten Kosten und

medizinischem Nutzen, welche beide Dimensionen nachvollziehbar

zusammenführt.

Gesundheitsökonomische Evaluation

Zu den Methoden ökonomischer Evaluationen wie

der Kosten-Nutzen-Bewertung gibt es international etablierte

Standards. Die gesundheitsökonomische Modellierung

stellt in diesem Zusammenhang die Basistechnik der

Kosten-Nutzen-Bewertung dar. Für deren Anwendung gibt

es gut dokumentierte Regeln, z.B. die »Principles of Good

Practice for Decision Analytic Modeling in Health-Care Evaluation«

[2]. Die Modellierung nutzt als Datengrundlage

grundsätzlich Studien aller Evidenzgrade und damit auch

frühe klinische Studien mit kleineren Patientenkollektiven.

Da sowohl klinische als auch gesundheitsökonomische

Ergebnisse generell der Unsicherheit unterliegen, gibt es

auch hierfür geeignete Verfahren, um den Grad der Unsicherheit

zu bestimmen und in sachlicher und verständlicher

Weise im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen

zu diskutieren. Gesundheitsökonomische Modelle haben

darüber hinausgehend weitere inhärente Vorteile, die sie

für die Argumentation in Verhandlungssituationen unentbehrlich

machen. So werden sie genau dann entwickelt,

wenn die erforderlichen Daten aus prospektiven klinischen

Studien (noch) nicht vorliegen, da bspw. die Studien noch

nicht abgeschlossen sind. Dies bedeutet sowohl für Kliniker

als auch für Hersteller, dass die gesundheitsökonomische

Modellierung in jeder Entwicklungsphase eines Medizinproduktes

eingesetzt werden kann. Ein weiterer Vorteil liegt

darin, dass die Konsequenzen von messbaren Effekten, die

sich erst in ferner Zukunft zeigen, kommuniziert werden

können. So konnte z.B. für Patienten, die einen endoprothetischen

Ersatz des Kniegelenks erhalten, gezeigt werden,

dass der Einsatz von innovativer Medizintechnik zur Bestimmung

der mechanischen Beinachse sowie zur Optimierung

des Ligament-Balancing, langfristig ein erhebliches Kosteneinsparpotenzial

für die Krankenkassen liefert, welches

durch Investitionen im stationären Sektor realisiert werden

kann [3]. Ein Ergebnis, welches vor dem Hintergrund aufweichender

klinischer Indikationsstellung für Krankenkassen

bereits heute ein essenzielles Thema ist [4].

Die Bedeutung der Darlegung der Kosten-Effektivität hat

sich auch im Zusammenhang mit der Integrierten Versorgung

gezeigt. So hat eine retrospektive Umfrage von Bockhorst

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 149

Schwerpunkt

Medizincontrolling


Schwerpunkt

Medizincontrolling

Danksagung:

Die Arbeiten werden

vom deutschen

Bundesministerium für

Bildung und Forschung

im Rahmen des Projekts

OrthoMIT (Förderkenn­

zeichen 01EQ0421)

Veranstaltungen

gefördert.

Ulrich Wirth M.A.,

wissenschaftlicher

Dokumentar, Leiter der

Euro­Schulen Trier,

Priv. staatl. anerk.

Höhere Berufs fachschule

für Medizinische

Dokumentations­

assistenten –

Ergänzungsschule

E­Mail: wirth.ulrich@

es.trier.eso.de

[1] zur Finanzierung telemedizinischer Dienstleistungen die

Bedeutung der Kosten-Effektivität als bedeutendstes Kriterium

identifiziert. In der Umfrage gaben alle gesetzlichen

Krankenkassen die Analyse der Kosten-Effektivität als wichtigsten

Erfolgsparameter an. Demzufolge wird auch auf Seiten

der telemedizinischen Dienstleister die Darstellung der

gesundheitsökonomischen Vorteile anhand der vergleichenden

Kosten-Effektivität als obligatorischer Erfolgsfaktor für

die langfristige Etablierung medizinisch-technischer Innovationen

im deutschen Gesundheitsmarkt angesehen.

Mit Hilfe der gesundheitsökonomischen Modellierung

wird versucht, frühzeitig die Auswirkungen der Investition

in eine medizinische Behandlungsmethode im Vergleich zu

Literatur

[1] Bockhorst K: »Die Finanzierung telemedizinischer Dienste in Deutschland

2009.« EHealthCOM (2010); 1:56-59.

[2] Weinstein MC, O’Brien B, Hornberger J et al.: »Principles of good practice

of decision analytic modeling in health care evaluation« Report of the

ISPOR Task Force on Good Research Practices-Modeling Studies. Value

Health 2003; 6:9-17.

[3] Hoppe T, Elfring R, Börger S, Schmidt F, Becker K, Zimolong A: »Früh -

What should I-KNOW?

Die I-KNOW feierte heuer ihr zehnjähriges Bestehen.

Das Know-Center, Österreichs Kompetenzzentrum

für Wissensmanagement, hatte zusammen mit dem

Institut für Wissensmanagement der TU Graz vom 1. bis 3.

September 2010 zur Jubiläumsveranstaltung in die Grazer

Messehalle geladen. Dass die I-KNOW als Europas führende

Konferenz für Wissensmanagement und Wissenstechnologien

gelten kann, bezeugen neben der hohen

Resonanz von 510 Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern

vor allem die hochkarätig besetzten Keynotes:

Dabei dürfen die drei Themenblöcke Zukunft von Suchmaschinen,

Förderung von Kreativität über Kollaboration

im Internet sowie Informationsqualität im Internet dank

semantischer Technologien durchaus als Megathemen

bezeichnet werden. Sie bildeten den Rahmen für 80 englischsprachige

wissenschaftliche Referate und 30 deutschsprachige

Praxisvorträge aus den wissensintensiven Gebieten

der Wirtschaft. Obgleich die Gesundheitswirtschaft in

den Vorträgen explizit kaum eine Rolle spielte, so ist sie

doch genauso den Trends unterworfen. Vorliegender Konferenzrückblick

diskutiert daher zwei dieser Trends im Kontext

von Gesundheitswirtschaft und Ausbildung.

150 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

einer aktuell etablierten Behandlungsmethode zu quantifizieren.

Damit ist sie prädestiniert für den begleitenden

Einsatz im Zusammenhang mit dem Vergütungseintritt für

innovative Behandlungsmethoden. Daher sollte bereits bei

der Durchführung der klinischen Bewertung und Prüfung

sowohl seitens der Industrie als auch seitens der Krankenhäuser

das Methodenpapier des IQWiG sowie die

Verfahrensordnung des G-BA berücksichtigt werden, da

die Medizinischen Dienste nach diesen Grundlagen prüfen.

Zur sachlichen Kommunikation des Potenzials neuer

Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im Rahmen

der Entgeltverhandlungen von NUBs sind gesundheitsökonomische

Modelle das Werkzeug der Wahl.■n

zeitige gesundheitsökonomische Bewertung von medizinisch-technischen

Innovationen – Das Potenzial der Kostenträger am Beispiel der endo-

prothetischen Versorgung am Knie im BMBF Verbundprojekt orthoMIT«

Abstractband der 55. GMDS-Jahrestagung, Mannheim (2010); 260-261.

[4] Bitzer EM, Grobe TG, Neusser S, Schneider A, Döring H, Schwartz FW:

Aktuelle Trends im Wissensmanagement und ihre Auswirkungen

auf Gesundheitswirtschaft und Ausbildung

»Barmer GEK Report Krankenhaus 2010« Schwerpunktthema: Trends in

der Endoprothetik des Hüft- und Kniegelenks; Schwäbisch-Gmünd 2010.

Dass drei der vier Keynote Speaker aus den USA kamen,

unterstreicht einmal mehr deren Vorreiterrolle auf dem

Gebiet der Wissensrepräsentation und des Social Semantic

Web, muss jedoch auch als bewusster Marketingschachzug

interpretiert werden, mit der die I-KNOW

fortan als festes Datum auch in den Kalendern von

außerhalb Europas agierenden Wissensmanagern eingetragen

werden soll: »Dieses Jahr möchten wir die Sichtbarkeit

unserer Tagung in den USA erhöhen. Für diesen

Zweck laden wir anerkannte Experten und Expertinnen

aus USA ein und versuchen so auch die zugehörigen Forschungsgruppen

auf uns aufmerksam zu machen«, so

Prof. Dr. Klaus Tochtermann, der Leiter des Grazer Know-

Center [1]. Ob diese Strategie aufgehen wird, wird erst

die Teilnehmerliste der I-KNOW 2011 zeigen, bleibt aber

zu wünschen: Denn die I-KNOW versteht sich vor allem

als Treffpunkt der »global learning community«. Deshalb

fokussiert sie nicht nur in Vorträgen explizit auf Lernen

und Wissenstransfer, sondern räumt den Teilnehmern

zudem viel Zeit für den semiformellen Rahmen des Wissensaustauschs

in zahlreichen großzügig arrangierten

Pausen und Social Events ein.


Vieles aus den Sessions, deren Themen sich wie die um

das Web 2.0 aktualisierte Version der Bausteine des Wissensmanagements

lasen, dürfte sicherlich auf branchenübergreifendes

Interesse stoßen. Daher ist den Veranstaltern

ausdrücklich zu danken, dass die Vorträge zum freien

Download bereitstehen, d.h. auch unabhängig von der

Konferenzteilnahme zugänglich sind [2]. Für den Healthcare-Sektor

geben gerade die praxisrelevanten und unmittelbar

verwertbaren Themen wie Wissensvermarktung und

Wissensmarketing Impulse.

Trend 1: Das Raunen der

Schwärme. Vom Marktpotenzial

kollektiven (Un-)Wissens

Hoch relevant hinsichtlich des Customer Relationship

Marketing von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft ist

die Closing Keynote von Peter A. Gloor, dessen Ausführungen

man überspitzt dahingehend zusammenfassen kann,

dass eigentlich alle benötigten Daten vorhanden seien, um

vorausschauende Entscheidungen treffen zu können [3].

Allein, es fehlte bisher das geeignete Prognosetool, um in

die Zukunft zu schauen, so Gloor. Mit »Condor« und weiteren

Softwareapplikationen liege diese Glaskugel aber jetzt

vor. Das bedeutet nichts Geringeres, als dass sich praktisch

für jedermann aus frei verfügbaren Daten, die aus dem

Web und aus Sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook

usw. stammen, mittels »Condor« nicht nur die Ausgänge

von Wahlen und Oscar-Verleihungen, sondern auch Aussagen

etwa zur Stärke einer überregionalen Marke wie

Helios Kliniken GmbH und einer regionalen Marke wie

Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen gGmbH in Trier

oder zum Markenimage von z.B. der Grünenthal GmbH

vorhersagen ließen – und zwar erstaunlich genau. Wer

aber ist dieser Jedermann? Gloor spricht von vernetzten

Cyberteams, Kollektiven von sich selbst motivierenden

Visionären, die sich in sogenannten COINs (Collaborative

Innovation Networks) dem Austausch von Ideen, Informationen

und Arbeit widmen, wobei dies durch innovative

Techniken überhaupt erst ermöglicht wird. Damit träfe

dies also auf Einzelpersonen wie auch Institutionen, Non-

Profit-Organisationen wie Unternehmen, Regierungen

wie Nicht-Regierungsorganisationen zu. Möglicherweise

auch auf Terrororganisationen? Wie dem auch sei: Was

die »potenziellen Kunden«, sofern sie die kritische Masse

eines Schwarms erreicht haben, raunen, also an Daten

hinterlassen, vermag dieses Tool in Trends umzuwandeln.

Das Wort »Kunde« ist dabei begrifflich vielleicht schon ein

wenig zu nah an der DIN EN ISO 8402, denn es verkennt

die Tatsache, dass die verwendeten Daten aus einer Zeit

stammen können, als der »Kunde« noch weit davon entfernt

war, sich seiner selbst als »Empfänger eines vom

Lieferanten bereitgestellten Produkts« bewusst zu sein.

Das heißt im Klartext, dass er womöglich bereits Daten

produziert hat, als ihm seine Kaufabsicht noch gar nicht

klar gewesen ist.

Status: Prä-Patient

»Trend« aber nun als die Auswertung von Ergebnissen

aus ausgeklügelten vertikalen Suchprozessen übersetzen

zu wollen, wäre zu kurz gegriffen. Spannend werden

diese Überlegungen für die Gesundheitswirtschaft in

dem Moment, in dem das Wort »Kunde« durch das Wort

»Patient« ersetzt wird. Der Patient hätte also zu einem

Zeitpunkt Daten produziert, an dem er den Status »Patient«

noch gar nicht gehabt hätte. Ob kerngesund oder

sich seiner Krankheit nur noch nicht bewusst, spielt dabei

keine Rolle. Angefallene Daten könnten sich de facto auf

alles Mögliche beziehen, worüber man in Facebook und

andernorts berichten kann. U.a. also auf Freizeitverhalten,

das je nach Interessenlage zu lebenshinderlichem »Fehlverhalten«

wird: Ich denke hierbei an Ernährungs- und vor

allem Trinkgewohnheiten, Extrem- und Risikosportarten

oder auch Urlaube in exotischen Ländern, um nur diejenigen

Daten zu nennen, die irgendwie für die klinische

Medizin oder epidemiologisch relevant sein dürften.

Was geschrieben steht bleibt

Bei entsprechender Datengrundlage kommen Data-

Mining-Systeme wie »Condor« m.E. einer Revolution des

Target Marketing gleich. So faszinierend die Präzision

der Ergebnisse ist, von Gloor andernorts als »wisdom of

swarms« bezeichnet [4], so unheimlich ist zugleich der

Zeitpunkt ihrer Entstehung. Dem Internet kommt hier

gleichsam die Rolle eines Wurmlochs bei, durch das zwei

Orte miteinander verbunden werden, wobei der eine in

der Vergangenheit liegt, der andere in der Gegenwart

oder gar in der Zukunft. Das Internet vergisst nichts. Und

das macht immer deutlicher, dass unter den Bedingungen

des Web 2.0 Äußerungen daher zukünftig mit Bedacht zu

treffen sein werden, insbesondere vor dem Hintergrund,

dass in Sozialen Netzwerken Daten oftmals entweder personalisiert

vorliegen oder mit zwei, drei Klicks zu realen

Personen führen [5]. Betrachtet man z.B. die Extrem- und

Risikosportarten, so sind diese zwar laut SGB V nicht für

die gesetzliche Krankenversicherung, wohl aber für die

privaten Versicherungen wie Kranken-, Lebens-, Berufsunfähigkeits-

oder Unfallversicherungen von Relevanz.

Sein Freizeitverhalten der Versicherung zu verschweigen,

mutet schon irgendwie irrational an, wenn man gleichzeitig

bei Facebook oder einem Imagehoster wie Flickr oder

Picasa Bilder hochlädt, die einen beim Fallschirmsprung

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 151

Veranstaltungen

I-KNOW

Bericht


Veranstaltungen

I-KNOW

Bericht

zeigen, abgesehen davon, dass das Ganze im Unglücksfall

ohnehin bekannt werden würde. Aber auch wenn man im

Versicherungsvertrag angegeben hat, Nichtraucher zu

sein, sollte man tunlichst kein Bild hochladen, das einen

sturzbetrunken mit einer Flasche Whisky in der Hand und

einer Zigarre im Mund zeigt, und welches mit »Endlich

wieder Wochenende« auf ein bestimmtes regelmäßig

wiederkehrendes Freizeitverhalten hinweist: Man könnte

damit leicht den Eindruck eines Rauchers und Quartalssäufers

erwecken. Noch recherchieren nur Personaler nach

Bewerbern. 59% aller deutschen Unternehmen »googeln«

Bewerber, um mehr über deren Online-Reputation in

Erfahrung zu bringen [6]. Was aber, wenn Versicherer zur

Klärung von Versicherungsfällen zielgerichtet das Social

Web auswerten?

Trend 2: Suche wird sozial

Der Transformation der Suchmaschinenlandschaft

hatte Marti A. Hearst ihre Keynote gewidmet [7]. Noch

seien gegenwärtige Suchmaschinen primär textbasiert,

passten sich aber in Zukunft den Nutzerwünschen an. Was

aber wünscht sich der Nutzer? Die Antwort ist verblüffend

einfach: Alles, was er anderweitig gut findet, sähe er auch

gerne in seinem idealen Search Interface verwirklicht. Die

ideale Suchmaschine

n■

ist ein mobiles Endgerät und

n■

verfügt über eine Benutzerschnittstelle mit Multi-

Touch-Screen – Apple-Produkte lassen grüßen!

n■

ermöglicht das Retrieval nach Social Media und

vor allem nach user generated content wie Audio

und Video: Die horizontale Suche wird zunehmend

vertikal

n■

versteht die natürliche Sprache des Nutzers: Statt der

Eingabe von Schlagwörtern können Fragen gestellt

werden à la »War das Fleischgewand, dass Lady Gaga

zur Verleihung der MTV Video Music Awards trug, aus

Rind-, Schweine- oder gar Kunstfleisch?«

n■

unterstützt aber auch die sogenannten »sloppy commands«,

wodurch der Nutzer in seiner Ausdrucksweise

flexibel wird und von der Suchmaschine visuelles Feedback

bekommt [8]

n■

arbeitet dialogorientiert und führt mit dem Nutzer ein

Gespräch, vielleicht ein bisschen so wie HAL 9000 in

Stanley Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum«, aber

weniger neurotisch.

Unterm Strich, so Hearst, wird die Suche der Zukunft so

sozial wie nur möglich. Diese Entwicklung ist völlig branchenunabhängig.

Wo die Reise hingeht, zeigen heute

schon Dienste wie www.digg.com, www.stumbleupon.

com und www.delicious.com. Und mit www.greplin.com

152 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

liegt nun eine Suchmaschine vor, mit der sich sogar die in

Sozialen Netzwerken verstreuten Daten in Echtzeit durchsuchen

lassen. Sie wissen nicht mehr, ob Sie eine Nachricht

in Patientennetzwerken wie Patienslikeme, Diabetic

Rockstar Inc oder Imedo erhalten haben – oder war es

doch bei MySpace, LinkedIn, eBay (!) oder Xing? Zukünftig

kein Problem mehr…

Werden Texte unwichtig?

Während Gloors »Condor« also über den vorwiegend

textuellen Spuren im Netz kreiste, beschwor Hearst in

ihrer Keynote zur Transformation der Suchmaschinenlandschaft

en passant den »Untergang des Texts«, was viele

im Auditorium zum Raunen brachte und sich in Tweets

teils kontrovers widerspiegelte. Grundlage ihrer Keynote

ist ihr gleichnamiger Essay [9]. Ihrer Überzeugung nach

werden Texte als Informationstransporter im Gegensatz

zu Video und Audio an Bedeutung verlieren. Dies ist weniger

als Provokation denn zunächst als empirischer Befund

gemeint, und deswegen grenzt sie sich auch scharf von

medienpessimistischen Ansätzen ab, denen zufolge Fernsehen

ausschließlich zur Verblödung beitrage. Überhaupt

war Fernsehen gestern. Heutzutage ist Video ein fester

Bestandteil alltäglicher Kommunikation, und praktisch

jeder kann mit wenig technischem Verständnis und geringem

Aufwand mittels Webcam Filme herstellen. Belege

sind die sogenannten »video responses«: User antworten

im Web 2.0 nicht ausschließlich mehr mit Texten, sondern

zunehmend mit Filmclips. Auf YouTube finden sich derzeit

schon 559.000 solcher Videoantworten [10]. Health 2.0

lebt geradezu von medizinischen Podcasts und Videoclips.

Was allerdings hinterherhinkt, ist die Suchmaschinentechnologie,

die automatische Bildanalyse steckt noch in den

Kinderschuhen und will auch auf absehbare Zeit nicht

erwachsen werden, so dass man für das Auffinden von

Videoinhalten nach wie vor auf Metatags und Annotationen

angewiesen ist.

Ersetzt YouTube eines Tages

die Präsenzbibliothek?

Eines Tages? Schon heute, vor allem diejenige junger

und jugendlicher Internetnutzer, sagt Sam Vaknin, der ins

gleiche Horn stößt wie Hearst, nur etwas lauter. Für viele

Jugendliche sei YouTube als Nachrichtenquelle erste Wahl,

Tendenz steigend [11]. Dies sei nichts Geringeres als das

Ende von Information, Erkenntnis und Beurteilungsvermögen.

Wie aber kommt es dazu? Zwar gibt Vaknin zu, dass

ein Bild mehr ist als tausend Worte, doch dass Wörter Piktogramme

und Hieroglyphen bis heute überdauert hätten,

hätte gute Gründe. Denn Wissen offenbare sich nicht nur


auf der inhaltlichen Ebene, sondern auch in der Art und

Weise, wie eine Person sich ausdrücke. Damit sei Textsprache

Bildern und Grafiken überlegen, weil diese höchstens

Informationen transportierten, nicht aber Wissen oder Theorien,

die hinter dem Inhalt steckten. Bilder seien explizit

und dadurch oberflächlich im Sinne von eindimensional,

nicht vielschichtig – damit nicht tauglich zur Vermittlung

von Erkenntnis. Bilder passten gut ins Internet-Zeitalter, da

sie vom Konsumenten nicht viel abverlangten. Diese würden

von user generated content nur so überschüttet, was eine

Unterscheidung zwischen qualitativ gut und schlecht, wahr

oder falsch kaum noch zulasse. Zunehmend schere sich der

User auch nicht mehr darum. Am Ende dieses Prozesses, so

Vaknin, stünden dann »intellektuelle Zombies«.

In case of Zombies …:

Plädoyer für eine Neue Lernkultur

Zu den Thesen von Hearst und Vaknin mag man stehen

wie man will. Der dezente Hinweis auf die Ergebnisse

der PISA-Studien dürfte aber genügen, dass eine Umgestaltung

der Schul- und auch der Ausbildungswirklichkeit

dringend geboten ist. Wissensintensive Branchen wie der

Gesundheitssektor verlangen Arbeitnehmern heutzutage

Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, die mit der bisherigen

Lernkultur nicht mehr ausreichend ausgebildet werden

können. Man darf dies beklagenswert finden wie Vaknin,

aber man muss damit umgehen. Am besten noch während

Schule und Ausbildung. Auszubildende müssen lernen, das

durch die Informationsgesellschaft bereitgestellte Wissen

selbständig zu recherchieren, zu bewerten und zu strukturieren.

Die zunehmende Wissenskomplexität und Wissensvernetzung

macht einen flexiblen, verantwortungsbewussten

und lösungsorientierten Umgang mit dem erworbenen

Anmerkungen

Datum aller Zugriffe: 2010-09-12

[1] Online verfügbar: http://www.news4press.com/Die-zehnte-

I-KNOW-schlaegt-die-Bruecke-in-_520958.html

[2] Online verfügbar: http://i-know.tugraz.at/praxisforum

[3] Dies erinnert doch stark an die Prognosemärkte, mit denen

die Gesundheitsindustrie z.B. Grippeausbrüche und die

Wirksamkeit neuer Medikamente vorhersagt. Vgl. dazu

Ulrich Wirth: Neues aus Digit@lien – Soziale Netzwerke im

Gesundheitssektor (1). Zur Ortsbestimmung von Health 2.0

in Europa. In: mdi – Forum der Medizin_Dokumentation und

Medizin_Informatik 2 (2010), S. 67-73, hier S. 72. Online

verfügbar: http://www.euroschulen-trier.de/fileadmin/

user_upload/mda/mdi_2010_Wirth.pdf

[4] Online verfügbar: http://galaxyadvisors.com/

[5] Vgl. den erschreckenden Selbstversuch von Thomas

Fischermann: Fischermann googelt Fischermann.

Wissen notwendig. Die Helios Kliniken GmbH haben als

einer der ersten Ausbildungsbetriebe im Gesundheitswesen

in ihren Krankenpflegeschulen seit den 1990er Jahren

versucht, »durch Lernsituationen mit ›Echtheitscharakter‹

und fast immer unter Einbeziehung der Arbeit am Computer

eine Verbindung zwischen der allgemeinen und der

beruflichen Bildung zustande zu bringen« [12]. Die Euro-

Schulen-Organisation trägt den veränderten Lernwelten in

der Berufsausbildung mit dem mediendidaktischen Leitbild

»Neue Lernkultur der ESO« Rechnung [13]. Kollaboratives

Lernen, Arbeits- und Kreativitätstechniken, kommunikative

Kompetenzen, der Wissenserwerb in Lernszenarien,

dazu eine zentrale Lernplattform als gemeinsame

und einheitliche Kommunikationsplattform innerhalb von

ESO, die sowohl in den Schulen, aber auch von zu Hause

aus über das Internet erreichbar ist und dadurch die orts-

und zeitunabhängige Nutzung von Lernmaterialien zulässt,

schließlich ein mobiler Computer als Ausgangspunkt für

eine vernetzte Lernkultur umreißen das mediendidaktische

Konzept. Der Einbezug selbst erstellter Podcasts

und Videofilme knüpft nicht nur an die Interessen und

die Lebenswirklichkeit der Auszubildenden an, sondern

gestaltet Lernen (und Lehren!) durch den Medieneinsatz

besser und effizienter. Damit die Inhalte was taugen, dafür

sorgt wissenschaftliches Arbeiten, dass in den Recherche-,

Bewertungs- und Strukturierungsprozess nun auch neue

Medien mit einbezieht. Für den »Echtheitscharakter« sorgen

Projekte für »echte« Auftraggeber wie Kliniken, Unternehmen

und Wohlfahrtsverbände, wodurch auch skills wie

Termintreue, Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit,

Selbstmarketing usw. zum festen Inventar der Lernkultur

gehören. Dies ist ein bewusster Kontrapunkt gegen die

»Zombification«, um abschließend nochmals Sam Vaknin

zu zitieren. n

In: Die ZEIT (19. August 2010). Online verfügbar:

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-08/sich-selbst-

hacken-google

[6] Vgl. Dunja Koelwel: Trau, schau, wem. Online-Reputation-

Management. In: Monitor. Das Magazin für Informations-

technologie 6 (2010), S. 28-30, hier S. 28.

[7] Online verfügbar: http://www.slideshare.net/marti_hearst/

the-future-of-search-keynote-at-iknow-2010. Eine pointierte

Zusammenfassung ist online verfügbar unter

http://blog.hansdezwart.info/2010/09/02/notes-and-

reflections-on-day-1-of-i-know-2010/

[8] Ein Beispiel für sloppy commands hier:

http://vimeo.com/13992710

[9] Marti A. Hearst: The Decline of Text, essay in response the

question »What change will be brought by technology?«

Online verfügbar: http://www.edge.org/q2009/q09_9.

html#hearst

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 153

Veranstaltungen

I-KNOW

[10] Zwei Beispiele sollen die Thematik verdeutlichen: Der

Aufklärungsfilm »Anorexia Awareness« (http://www.youtube.

com/watch?v=7IdOyyjX8Y0&feature=watch_response_rev)

mit dazugehörigem »video response« (http://www.youtube.

com/watch?v=olXB7ciK-uM&feature=watch_response).

Dies sind überdies gleichzeitig zwei gute Beispiele für den

Einsatz von YouTube im Unterricht.

[11] Vgl. Sam Vaknin: The Age of Stupid. Online verfügbar:

http://www.globalpolitician.com/26214-intellect-democracy-

internet-ethics

[12] Online verfügbar: http://www.mediaculture-online.de/

fileadmin/bibliothek/halefeldt_medienkompetenz/

halefeldt_medienkompetenz.html

[13] Neue Lernkultur von ESO – Mediendidaktisches Leitbild.

Stockstadt 2009. Online verfügbar: http://www.euro-schulen-

hannover.de/assets/files/Neue_Lernkultur_von_ESO_-_

Mediendidaktisches_Leitbild.pdf

Bericht


Veranstaltungen

DVMD Fachtagung

Das Interview wurde

geführt von Nora

Kohlhase, Mirjam Wahl

und Meryem Muradova,

Studierende des

5. Semesters im

Bachelorstudiengang

PR der FH Hannover

Bei Anmeldung bis

zum 31.12.2010

gilt eine ermäßigte

Tagungsgebühr.

Weitere Informationen

erhalten Sie unter

www.dvmd­tagung.de

Quo vadis Medizinische Dokumentation?

Interview zur 11. Fachtagung des DVMD vom 16.–19. Februar 2011 in Hannover

Vom 16.–19.02.2011 findet an der Fachhochschule

Hannover die 11. Fachtagung des DVMD, unter dem

Motto »Medizinisches Informationsmanagement

3.0«, statt. Zeitgleich feiert der jüngst entsprechend umbenannte

Studiengang der Medizinischen Dokumentation sein

30-jähriges Jubiläum. Grund genug für die mdi, mit der Vorsitzenden

des DVMD, Frau Katharina Thorn, und den lokalen

Organisatoren Prof. Dr. Oliver Bott und Prof. Dr. Peter

Wübbelt über die Themen und Schwerpunkte der Tagung zu

sprechen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

mdi: Frau Thorn: Was können die Mitglieder des DVMD

von der 11. Fachtagung in Hannover erwarten?

Thorn: Die Tagungsteilnehmer erwartet ein attraktives

Programm mit vielen Vorträgen und zahlreichen Workshops.

Es bietet sich damit die Gelegenheit, neue Facetten

des Berufsfeldes kennenzulernen, aber auch sich über

aktuelle Entwicklungen im eigenen Tätigkeitsbereich zu

informieren. Dem Nachwuchs bieten wir mit der Tagung

eine breite Plattform, das Berufsfeld kennenzulernen und

Kontakte zu erfahrenen Kollegen zu knüpfen.

mdi: Herr Professor Bott, wo würden Sie bei dieser Tagung

Ihre persönlichen Schwerpunkte setzen?

Bott: Das Themenspektrum der Tagung berührt nahezu

Workshops DI, MI & SA | 15., 16. & 19.02.2011

WS Tag Uhrzeit Thema Tage

1 DI und MI 10:30-17:30 SAS für Anfänger 2

2 MI 14:00-17:30 TNM-Klassifikation maligner Tumore ½

3 MI 09:30-12:30 Prozesse klinischer Krebsregister am Beispiel des Gießener Tumordokumentationssystems ½

4 MI 08:30-13:30 Pharmakovigilanz ½

5 MI 13:30-18:00 Regulatorische Aspekte bei klinischen Prüfungen in der EU ½

6 MI 09:00-13:00 Organisation im Prüfzentrum ½

7 MI 09:00-13:00 Erfolgreich bewerben ½

8 MI 13:00-17:00 Assessment-Center ½

9 MI 09:00-13:00 Eigen- und Fremdmotivation im Arbeitsleben ½

10 MI 14:00-18:00 Konfliktmanagement im Job ½

11 MI 14:00-18:00 Elektronische Dokumentenablage und -archivierung in der KliFo ½

12 MI 14:00-18:00 Elektronische Case Report Forms (eCRFs) in klinischen Prüfungen ½

13 MI 09:00-13:00 Datenqualitätssicherung und -bewertung in klinisch-epidemiologischen Studien ½

14 MI 14:00-16:00 Biometrie: Studiendesign und Fallstricke ½

15 MI 14:00-18:00

gmds-Arbeitsgruppe Archivierung von Krankenunterlagen (AKU) und des Competence Centers für

die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen

½

16 MI 14:00-18:00 Gesundheitsdokumentationssysteme ½

17 SA 09:00-16:00

Erfolgs-Coaching für MD-Studierende und Schüler/-innen von MD-Berufsfachschulen: Finden Sie

Ihren optimalen Lernzustand!

1

18 SA 09:00-18:00 Spannende Präsentationstechniken und effektive Meetings 1

19 SA 09:00-18:00 Data-Mining in der Medizin 1

20 SA 09:00-18:00 Der SPSS- (Wieder-)Einstieg leicht gemacht 1

21 SA 09:00-18:00 Patientenmanagement einer Studie mit Hilfe von Access 1

22 SA 09:00-18:00 Portable Document Format und Acrobat Professional: Erstellung, Nachbearbeitung, PDF-Formulare 1

23 SA 09:00-16:00 EDC-Workshop mit Clincase 1

24 DO u./o. FR Mittagspause Bewerbungsmappencheck 2,5h

154 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

das gesamte Spektrum der klassischen Medizinischen

Dokumentation von der Klinischen Forschung über Klinische

Dokumentation und Tumordokumentation bis hin

zu Qualitätssicherung und Informationssystemen. Da fällt

es schwer, Favoriten zu benennen. Ein Thema interessiert

mich persönlich aber im besonderen Maße: Wir haben

in Hannover unlängst unseren Studiengang von »Medizinische

Dokumentation« in »Medizinisches Informationsmanagement«

umbenannt, da sich die Anforderungen

an die Tätigkeit vor allem im Hinblick auf die rechnergestützte

Informationsverarbeitung kontinuierlich erhöht

haben. Vor diesem Hintergrund liegen mir die zwei Keynote-Vorträge

von Prof. Jochen Bernauer von der Hochschule

Ulm und von Herrn Dr. Johann Proeve, Head of

Global Data Management von Bayer Healthcare, besonders

am Herzen.

mdi: Welche Themen behandeln diese Vorträge?

Bott: Professor Bernauer beschäftigt sich eingehend mit

dem Unterschied zwischen Dokumentation und Informationsmanagement

und der Frage, ob ein Paradigmenwechsel

in unserem Fachgebiet stattfindet. Die Diskussion dieser

Frage soll die gesamte Tagung begleiten. Der Schwerpunkt

von Herrn Proeves Vortrag zielt auf das Thema der Entwicklung

des Datenmanagements im Kontext klinischer

Studien zur Arzneimittelzulassung.

Viele Medizinische

Dokumentare und Informationsmanager

arbeiten in

der klinischen Forschung

und es dürfte besonders

spannend sein, zu erfahren,

welchen Anforderungen

sich das klinische Datenmanagement

in Zukunft

gegenübersieht.

mdi: Ist das denn auch

für die jetzigen Studenten

interessant?

Bott: Unbedingt! Der Blick

in die Zukunft bedeutet ja

auch einen Blick auf jetzige

und zukünftige Anforderungen

an Ausbildung

und Weiterbildung. Wir

haben uns sehr viel Mühe

gegeben, die Tagung auch

für Berufsfachschüler und


1 2 3

Studierende attraktiv zu gestalten: Wir möchten sie motivieren,

eigene Vorträge zu halten.

mdi: Frau Thorn: Welche Rolle spielen internationale Entwicklungen

für die Tagung?

Thorn: Es ist mittlerweile Tradition, den Tagungsteilnehmern

in der »Internationalen Session« aktuelle Informationen

zu den weltweiten Trends in der Informationsverarbeitung

zu bieten. In diesem Jahr freuen wir uns, mit

Peter C. Waegemann einen prominenten Experten in Fragen

der elektronischen Gesundheitsakte und Health Information

Technology für die Tagung gewonnen zu haben.

Weitere Themen dieser Session werden Fragen der mobilen

Dokumentation, die Aktivitäten der American Health

Information Management Association (AHIMA) sowie

aktuelle Entwicklungen in den Niederlanden und in Russland

behandeln.

mdi: Ist neben der Industrieausstellung erneut ein Vergleich

verschiedener Software-Werkzeuge geplant?

Thorn: Vor zwei Jahren war die Clinical Dokumentation

Challenge eine der erfolgreichsten Veranstaltungen der

Tagung, so dass wir uns entschlossen haben, auch in diesem

Jahr wieder eine CDC durchführen. Unter der Überschrift

»Papier und RDE: Eine doppelte Herausforderung«

werden sich Produkte aus dem Bereich der EDC/RDE-Systeme

am Donnerstag einem größeren Publikum zum Vergleich

stellen.

mdi: Wird es neben dem Vortragsprogramm weitere Fortbildungsmöglichkeiten

geben?

Wübbelt: Auf jeden Fall. Uns war sehr wichtig, ein möglichst

breit gefächertes Angebot an Weiterbildungs-Workshops

für Medizinische Dokumentare und Informationsmanager

auf die Beine zu stellen. Zusätzlich sollte es finanziell

erschwinglich bleiben, um auch für den beruflichen Nachwuchs

attraktiv zu sein. Jetzt sind wir in der glücklichen

Lage, 24 Workshops zu den unterschiedlichsten Themenkomplexen

der Tagung anbieten zu können.

mdi: Hätten Sie ein paar Beispiele für uns?

Wübbelt: Also natürlich finden Sie in unserem Programm

die Klassiker wie Softwareschulungen in SAS und SPSS,

sowohl für Anfänger als auch zur Auffrischung schon

bestehender Kenntnisse. Dazu kommen zwei Veranstaltungen

zum Thema Tumor-Dokumentation. Darüber

hinaus bieten wir aber auch Trainings aus dem Bereich

Tagungsprogramm am 17.02.2011

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 155

Veranstaltungen

DVMD Fachtagung

Fotos: 1 · Die Vorsitzende

des DVMD, Katharina

Thorn, im Gespräch mit

der mdi.

2 · Prof. Dr. Peter

Wübbelt zum Workshop­

Angebot der Tagung.

3 · Tagungspräsident

Prof. Dr. Oliver J. Bott.

Zeit Session 1 Session 2 Session 3 Session 4

09:00-10:15 Klinische Forschung

EDC I – eClinical

(EDC, Tools, Tasks) I

Tumordokumentation

T-Dok I –

Krebs register

Sonstige Themen

AuW I – Aus- und

Weiterbildung I

Klinische Dokumentation

KlinDok I – KIS und

Dokumentation I

10:30-11:00 Org I – Eröffnung der Tagung

11:00-11:30 Keynote: Dokumentation versus Informationsmanagement – Paradigmenwechsel oder

alter Wein in neuen Schläuchen (J Bernauer)

11:30-13:00 Org II – Eröffnung Industrieausstellung, Mittagspause, Posterausstellung

13:00-14:15 Klinische Forschung

EDC II – Clinical

Documentation Challenge

I: Papier und

RDE – Eine doppelte

Herausforderung

14:30-15:45 Klinische Forschung

EDC III – Clinical

Documentation Challenge

II: Papier und

RDE – Eine doppelte

Tumordokumentation

T-Dok II –

Krebs register II

Tumordokumentation

T-Dok III –

Krebs register III

Sonstige Themen

AuW II – Aus-

und Weiterbildung

II

Sonstige Themen

AuW I – Einsatzfelder

I

15:45-16:15

Herausforderung

Org III – Pause, Industrieausstellung, Posterausstellung

16:15- Klinische Forschung Tumordokumentation Sonstige Themen

17:05/30 EDC IV – eClini- T-Dok IV – Nutzen AuW IV –

cal (EDC, Tools,

Tasks) II

Sonstige Themen Einsatzfelder II

17:15-18:20 Org IV – Juniorenpreisverleihung | DVMD-Mitgliederversammlung

19:30-24:00 Org V – Feierabend

Klinische Dokumentation

KlinDok II – KIS und

Dokumentation II

Klinische Dokumentation

KlinDok III – Medizincontroling,

MDK

Klinische Dokumentation

KlinDok IV – MDK,

Med. Klassifikationen


Fachartikel

Themen

Tagungsprogramm am 18.02.2011

Zeit Session 1 Session 2 Session 3 Session 4

09:00-09:10 Org VI – Begrüßung und Verleihung des Gustav-Wagner-Posterpreises

09:10-09:40 Keynote: Klinisches Datenmanagement heute, morgen und übermorgen – Quo vadis CDM?

(J Proeve)

09:50-10:20 Org VII – Pause | Industrieausstellung | Posterausstellung

10:20-11:35 Klinische Forschung

RG – Regulations

and Guidelines

11:50-13:05 Klinische Forschung

Klifo I – Klinische

Forschung I

GMDS-Jahrestagung

Dr. med. Dipl.­Math.

Albrecht Zaiß

Leiter der der

Stabsstelle Medizin­

controlling des

Universitätsklini kums,

Albert­Ludwigs­

Universität Freiburg.

Leiter der GMDS­

AG Medizinische

Dokumentation und

Klassifikation.

Mitglied des KKG

E­Mail: Albrecht.Zaiss

@uniklinik­freiburg.de

IS I – International

Session I

IS II – International

Session II

Klin. Dokumentation/

Klin. Forschung

NW 1 – Schüler und

Studenten I

Qualitätsmanagement

QM I – Qualitätsmanagement

intern/extern

13:05-14:30 Org VIII – Mittagspause | Industrieausstellung | Posterausstellung

14:30-15:45 Klinische Forschung

Klifo II – Klinische

Forschung II

Sonstige Themen

BEST I – Biometrie,

Epidemiologie,

Statistik/Tools I

Qualitäts-

management

QM II – Qualitätsbewertung

15:45-16:15 Org IX – Pause | Industrieausstellung | Posterausstellung

16:15-17:30 Klinische Forschung

NW 2 – Schüler und

Studenten II

17:40-18:10 Org X – Verabschiedung

Sonstige Themen

BEST II – Biometrie,Epidemiologie,

Statistik/Tools II

Qualitäts-

management

QM III – Qualitätsbewertung

und

-berichterstattung

Klinische Dokumentation

NFV I – Nutzen

für Forschung und

Versorgung I

Klinische Dokumentation

NFV II - Nutzen für Forschung

und Versorgung

II

Rechtliche Aspekte

Informations -

aufbereitung/

-vermittlung

Inf I – Informationsaufbereitung

I

Informations -

aufbereitung/

-vermittlung

Inf II – Informationsaufbereitung

II

Sonstige Themen

Die diesjährige 55. GMDS-Jahrestagung stand unter

dem Rahmenthema »Effiziente und wirtschaft liche

Gesundheitsversorgung von heute und morgen

– nur mit Medizinischer Dokumentation, Medizinischer

Informatik, Medizinischer Biometrie und Epidemiologie«

und fand unter der fach kundigen, umsichtigen und

innovativen Leitung von Prof. Dr. Paul Schmücker vom

6. bis 9. September 2010 in der Hochschule Mannheim

(und damit erstmals außerhalb des üblichen univer sitären

Rahmens) statt. Traditionsgemäß gab es am Donnerstag,

dem 9. September 2010, das »Donnerstag-Symposium«

der GMDS-Arbeitsgruppe »Medizinische Dokumentation

und Klassifi kation« (AG MDK, Leiter: Dr. Albrecht Zaiß),

das zusammen mit der AG »Standardisierte Terminologien

in der Medizin« (AG STM, Leiter Priv.-Doz. Dr. Josef

Ingenerf) und den Arbeits kreisen »Chirurgie« (Leiter Dr.

Rolf Bartkowski) und »Orthopädie und Unfallchirurgie«

156 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Softskills an, wie beispielsweise »Konfliktmanagement im

Job«; und wir haben ein Angebot aufgelegt, das sich mit

Bewerbungstrainings und Erfolgscoachings ausdrücklich

an Schüler und Studierende richtet.

mdi: Also ist für jeden etwas dabei.

Wübbelt: Da bin ich mir sicher.

mdi: Sie haben viel Energie und Herzblut in die Organisation

der Tagung investiert. Was erhoffen Sie sich denn

persönlich von diesen Tagen?

Bott: Ich wünsche mir, dass die Veranstaltung zu einem

fruchtbaren Boden für Weiterbildung und fachlichen

Austausch wird. Zusammen mit dem Rahmenprogramm

quasi ein ideales Feld für frische Ideen und die Pflege der

Netzwerke.

Wübbelt: Ich würde mich sehr über ein Feedback von den

Teilnehmern freuen, ob unser Angebot im Nachhinein für

ihr Berufsleben von Nutzen war.

Thorn: Ich wünsche mir, dass möglichst viele Kollegen an

der Tagung teilnehmen, sich über Aktuelles und Neues in

der Medizinischen Dokumentation informieren, Kontakte

knüpfen und sich austauschen. Die Tagung bietet dafür

die ideale Gelegenheit.

mdi: Dann wünschen wir Ihnen viel Erfolg und gutes

Gelingen! n

Klassifikation, Kodierung und

Terminologien – heute und morgen

Bericht über das Symposium am 9. September 2010 in Mannheim

AG Medizinische Dokumentation und Klassifikation (MDK) · AG Standardisierte

Terminologien in der Medizin (STM) · AK Chirurgie und AK Orthopädie und Unfallchirurgie

(Leiter Dr. Thomas Winter) gestaltet und durchgeführt

worden ist. Das Gründungs- und Ehrenmitglied der

Arbeitsgruppe Prof. Dr. Rüdiger Klar konnte rund 60

fachkundige und interessierte Teilneh mer begrüßen und

erinnerte an die vor 20 Jahren am 27.9.1990 in Berlin auf

Initiative von R. Klar und B. Graubner erfolgte Gründung

dieser Arbeitsgruppe und einige »Highlights« ihrer seitdem

er folgreichen Arbeit.

Wie jedes Jahr wurden die Beiträge des DIMDI zu den

Neuerungen der medizinischen Klassifika tionen OPS und

ICD-10-GM für das kommende Jahr wieder mit Spannung

erwartet. Frau Dr. Birgit Krause (DIMDI, Köln) berichtete

über die vielen Änderungen und Ergänzungen im

neuen OPS 2011, dessen Vorabversion am 12. August

veröffentlicht worden ist. Inzwischen wurde die Endversion

mit Stand vom 21.10.2010 publiziert, die fast 560

Kodes mehr als die Vor jahresversion enthält. Beispiele für


Ergänzungen sind neue spezifische Kodes für viele NUB-

Leistungen (Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden)

sowie neue Kodes für bestimmte arthroskopische

Operationen und die Applikation zusatzentgeltpflichtiger

Medikamente. Beispiele für inhaltliche Änderungen sind

neu strukturierte Kodes für Implantation und Wechsel

von Stents in Gallengängen, für Operationen an Metatarsalia

und Phalangen des Fußes, für das Wunddébridement

und für die Behandlung bei psychischen und

psychosomatischen Störungen und Verhaltensstörungen

bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Anschließend stellte Herr Ulrich Vogel (DIMDI, Köln)

wichtige Änderungen der ICD-10-GM 2011 vor, deren Endversion

inzwischen mit Stand vom 24. September 2010 veröffentlicht

worden ist. Die in den letzten Jahren mehrfach

angekündigten und bereits von der WHO verabschiedeten

Änderungen für Leukämien und Lymphome (Kodebereiche

C81–C96, D46–D48 und D75–D76) wurden nun endlich in

der Systematik und im Alphabetischen Verzeichnis umgesetzt.

Auch die übrigen Änderungen beruhen vorwiegend

auf WHO-Vorgaben. Neben Korrekturen erfolgten weitere

Modifikationen u.a. beim Postthrombotischen Syndrom,

bei der Respiratorischen Insuffi zienz, bei der Gestationshypertonie

und Präeklampsie, beim Dammriss und hohen

Scheidenriss und bei der prophylaktischen Chemotherapie.

– Für 2010/2011 kündigte er die Version 2011 der deutschsprachigen

ICD-10-WHO an (aktuelle Version: 2006).

Sehr großes Interesse fand der Vortrag von Robert

Jakob (WHO, Genf) über die Aktivitäten für die 11. ICD-

Revision (ICD-11). Ziele sind eine wissenschaftlich gesicherte,

aktuelle und mehrsprachige Klassifikation, die

Abdeckung der wesentlichen Anwendungsbereiche (Mortalität,

Morbidität, Case Mix Systeme, Primary Care, Qualitätssicherung,

Patientensicherheit) und die Eignung für

elektronische Arbeitsumgebungen. Die Inhalte jeder Kategorie

werden durchgängig anhand eines »Content Models«

beschrieben und international abgestimmt. Die Arbeiten

des »internationalen Netzwerks« sind schon soweit fortgeschritten,

dass in absehbarer Zeit die Alpha-Version der

ICD-11 zur Verfügung stehen soll. In 2011 soll die Beta-

Version publiziert werden, die anschließend in Feldversuchen

getestet wird. Geht alles nach Plan, so wird 2013 die

Endversion vorliegen, die dann 2014 von der WHO-Generalversammlung

beschlossen und ab 2015 implementiert

werden kann. Weitere Informationen finden sich auf der

Website http://sites.google.com/site/icd11revision/home.

Die beiden nächsten Vorträge waren den Aktivitäten

in den deutschsprachigen Nachbarländern Schweiz und

Österreich gewidmet. Herr Priv.-Doz. Dr. Simon Hölzer

(SwissDRG, Bern) berich tete über die Anpassung der medizinischen

Klassifikationen im Zuge der Einführung der

SwissDRGs. In den Jahren 2011 und 2012 wird in den

schweizerischen Krankenhäusern die deutsche ICD-10-GM

2010 benutzt, wobei deren Abweichungen von der ICD-

10-WHO gegenwärtig in die französischsprachige ICD-10-

Ausgabe eingearbeitet werden. Auch zukünftig ist keine

»Swiss Modification« der ICD-10 vorgesehen. Für die Prozeduren

ist die Anpassung des schweizerischen Operationenschlüssels

CHOP an die schweizerische DRG-Version

weitgehend abgeschlossen. Im ambulanten Bereich werden

Diagnosen kantonal unterschiedlich nach der ICD-10

dreistellig ver schlüsselt.

Herr Dr. Andreas Egger (BMG, Wien) gab einen Überblick

über die Entwicklungen im Bereich der Leistungsdokumentation

und Intensivdokumentation in Österreich.

Für den ambulanten und stationären Bereich wurde

seit 2007 ein gemeinsamer, aber unterschiedlich differenzierter

multi axialer Leistungskatalog entwickelt, der seit

diesem Jahr in mehreren Pilotversuchen sektorenübergreifend

evaluiert wird. Die in der Intensivdokumentation

eingesetzten Instrumente TISS-28 und SAPS II wurden

an den aktuellen Stand der Medizin angepasst. TISS-A

(Austria) und SAPS 3 werden im Stundentakt erfasst und

berücksichtigen insbesondere zusätzliche Parameter, die

vor Aufnahme auf die Intensivstation, z.B. im Schockraum,

erhoben worden sind. Als ICD-10 wird gegenwärtig noch

die deutsche Version 1.3 benutzt, die für die österreichischen

Verhältnisse in der sog. Dreiländerausgabe von

2001 leicht modifiziert worden ist. Geplant ist die geringfügig

modifi zierte Übernahme der ICD-10-WHO 2011.

Der folgende Vortragsblock widmete sich aktuellen

Themen aus dem ambulanten Bereich. Frau Dr. Martina

Franzkowiak de Rodriguez (KBV, Berlin) stellte die

Ambulanten Kodier richtlinien (AKR) aus der Sicht der

Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vor. Diese sollen

zum 1. Januar 2011 bundesweit eingeführt werden,

um eine einheitliche Kodierung sicherzustellen, die für die

Umsetzung einer morbiditätsorientierten Vergütung nach

§ 87a SGB V notwendig ist. In ihrem Vortrag gab sie einen

Überblick über die Allgemeinen und Speziellen Ambulanten

Kodier richtlinien. Dabei zeigte sie wesentliche Unterschiede

zu den stationären Deutschen Kodierricht linien

auf, z.B. zwischen Haupt- und Nebendiagnosen (stationär)

und Behandlungsdiagnosen (ambulant). Von der KBV

werden für die technische Umsetzung zahlreiche Hilfsmittel

zur Verfü gung gestellt. Umfangreiche Multiplikatorenschulungen,

fertige Präsentationen und Übungsbei spiele

runden das Spektrum der Hilfen ab.

Die Suche und Auswahl des richtigen ICD-10-Kodes ist

nach wie vor ein zentrales Thema bei der Kodierung von

Diagnosen. Frau Dr. Rita Engelhardt (ZI, Berlin) präsentierte

den Zuhörern die elektronische Kodierhilfe für die

vertragsärztliche Praxis, die vom Zentralinstitut für die

kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) entwickelt

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 157

Veranstaltungen

GMDS-Jahrestagung

Dr. med. Bernd Graubner

stellv. Leiter der

GMDS­AG Medizinische

Dokumentation und

Klassi fikation.

Mitglied (Gast) des KKG

E­Mail: Bernd.Graubner

@mail.gwdg.de

Wie jedes Jahr stehen

die Präsentationen

aller Beiträge auf den

Internetseiten der AG

MDK zur Verfügung

und können dort zur

Vertiefung nachgelesen

werden.

http://www.imbi.

uni­freiburg.de/medinf/

gmds­ag­mdk


Veranstaltungen

GMDS-Jahrestagung

Fotos:

1 · Ulrich Vogel

2 · Dr. Thomas Winter

3 · Symposiumsleitung:

Dr. med. Bernd Graubner

und Dr. Albrecht Zaiß

4 · Dr. Susanne Hanser

5 · Dr. Andreas Egger

6 · Dr. Ingolf Berger

7 · Prof. Dr. Rüdiger

Klar, Dr. Rita Engelhardt

und Dr. Rolf Bartkowski,

8 · Priv.­Doz.

Dr. Simon Hölzer

9 · Robert Jakob

10 · Priv.­Doz. Dr.

Josef Ingenerf

11 · Sitzungspräsidium

Prof. Dr. Maria Blettner,

Präsidentin der

56. GMDS­Jahrestagung

2011 in Mainz;

Prof. Dr. Johannes

Haerting, Präsident der

GMDS; Prof. Dr. Paul

Schmücker, Präsident

der 55. GMDS­

Jahrestagung 2010 in

Mannheim

12 · Dr. Martina

Franzkowiak de

Rodriguez

13 · Dr. Hans­Peter

Dauben

1

4

wird. Anhand von Beispielen zeigte sie eindrucksvoll die

Bedeutung einer einheitlichen Kodierung für die morbiditätsorientierte

Vergü tung. Ziel ist es, eine nutzerfreundliche

Kodierhilfe für die vertragsärztliche Praxis zur Verfügung

zu stellen, die über Kriterien, die in ärztlichen

Arbeitsgruppen konsentiert werden, Sicherheit bei der

Kodierung gibt und ein qualitätsorientiertes Behandlungsmanagement

unterstützt. Die Kodier hilfe soll ab Sommer

2011 einsatzbereit sein und dann in die Praxisverwaltungssysteme

integriert werden.

Herr Dr. Ingolf Berger (InBA, Berlin) stellte Grundstrukturen

und Funktionsweise des Klassi fikationssystems

nach § 87a SGB V »KS87a« vor, mit dem die Veränderung

der Morbiditätsrate in der Bevölkerung für die morbiditätsbedingte

Gesamtvergütung im vertragsärztlichen Bereich

gemessen wird. Jedem Patient werden pro Kalenderjahr

anhand von Behandlungsdiagnosen, Alter und Geschlecht

mindestens eine, meistens aber mehrere der ca. 660 Risikogruppen

des Systems per Mapping- und Hierarchie-Tabellen

zugeordnet. Über eine Regressionsanalyse werden die

Kosten gewichte dieser Risikogruppen berechnet. Die Veränderung

der Morbiditätsrate zwischen zwei Jahren (in %)

wird dann mit Hilfe der Summen der Kostengewichte aller

Behandlungsfälle berech net.

Herr Dr. Rolf Bartkowski (Berlin) berichtete über die

zahlreichen Aktivitäten des Arbeitskreises »Chirurgie«,

der gegenwärtig 65 Mitglieder hat. Dazu gehören eigene

Sitzungen auf dem Jahres kongress der Deutschen Gesellschaft

für Chirurgie (DGCH), zahlreiche Publikationen und

als be sonderer Schwerpunkt die Antragsverfahren für ICD-

10-GM und OPS sowie für das DRG-System.

Der Leiter des Arbeitskreises »Orthopädie und Un fallchirurgie«,

Dr. Thomas Winter (Berlin), hielt einen

2

5

158 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

3

interessanten Vortrag zum Thema: »Was bedeutet

›Kodierung so spezifisch wie möglich‹ für die Orthopädie

und Traumatologie?«. Damit leistete er einen

interessanten Beitrag, auf diese in den ICD-Regeln und in

den Deutschen Kodierrichtlinien oft verwendete, aber nie

genauer definierte Anweisung eine praktikable und justiziable

Antwort zu geben.

Der letzte Vortragblock wurde von der AG »Standardisierte

Terminologien in der Medizin« gestal tet. Frau Dr.

Susanne Hanser (Universitätsklinikum Freiburg) berichtete

über den aktuellen Stand bei der Entwicklung der International

Classification for Health Interventions (ICHI) der

WHO. Inzwischen sind die Arbeiten für die Achsen (Target/

Action/Means) dieser multiaxialen Klassifikation weit fortgeschritten

und ein Content Model in Analogie zum Modell für

die ICD-11 erstellt. Sie be richtete weiter, dass in einem Test

ca. 1.200 Kodes aus zehn verschiedenen Klassifikationen

auf die Achsen der ICHI gemapped wurden. Die Ergebnisse

dieser Arbeiten und die weitere Entwicklung der ICHI wurden

im Oktober auf dem WHO-Meeting in Toronto besprochen

und international ab gestimmt.

Leider war Herr Prof. Dr. Stefan Schulz (Universitätsklinikum

Freiburg) kurzfristig verhindert, persönlich seinen

Vortrag »SNOMED CT und IHTSDO – Aktuelles und

Trends« zu halten. Er wurde von Herrn Priv.-Doz. Dr. Josef

Ingenerf vertreten, der den Teilnehmern dazu einen Überblick

mit den wichtigsten Informationen gab und auf die

im Internet verfügbaren Präsentations folien verwies.

Der Vortrag von Herrn Dr. Hans-Peter Dauben

(DIMDI, Köln) beschäftigte sich mit dem Thema »Therapeutische

Indikationen – Anwendungsfälle in

euro päischen Bereichen«, das er für medizinische und

pharmazeutische Informationssysteme anhand von drei

6


7

10

verschiedenen Szenarien in Verbindung mit »behördlicher

Arzneimittelkontrolle«, »klinisch-medizinischem Bedarf«

und »europäischer Public Health« näher beleuchtete.

Als Fazit leitete er die Forderung nach standardisierten

Begrifflichkeiten im administrativen und klinischen Bereich

für Indikationen ab.

Den Schlussakkord setzte Herr Priv.-Doz. Dr. Josef

Ingenerf (Universität Lübeck), der Leiter der AG STM, mit

seinem Vortrag zum aktuellen Thema »International Classification

of Functioning (ICF) und Ambient Assisted

Living (AAL)«. Dazu stellte er zunächst die ICF in ihren

Grund zügen vor und erläuterte deren umfangreiche Anwendungsgebiete.

Anschließend führte er die Teil nehmer in das

für viele Teilnehmer neue Thema »Ambient Assisted Living«

ein, das aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts

und der demographischen Entwicklung insbesondere für

ältere Mitmen schen in der Zukunft sicher ein zentrales

Thema in den Bereichen Informatik, Pflege und Rehabilitation

sowie Klassifikation und Statistik werden wird.

11

13.12.2010 Treffen BVMI-Berlin-Brandenburg,

WAHLEN! Weitere Informationen s. Homepage.

Berlin, http://bvmi-bb.wikispaces.com

16.–19.02.2011 11. DVMD-Fachtagung »Medizinisches

Informationsmanagement 3.0«, Hannover,

http://www.dvmd-tagung.de

17.02.2011 42. Mitgliederversammlung des DVMD

e.V. im Rahmen der DVMD-Fachtagung in Hannover

17.03.2011 Symposium »Routinedaten in der Versorgungsforschung«,

Hochschule Niederrhein und

8

In diesem Jahr wurden unter der Leitung von Prof. Rüdiger

Klar satzungsgemäß der Leiter und die vier stellvertretenden

Leiter der Arbeitsgruppe »Medizinische Dokumentation

und Klassifi kation« neu gewählt. Der bisherige

Leiter Dr. Albrecht Zaiß (Freiburg) und seine Stellvertreter

Dr. Bernd Graubner (Göttingen), Bettina Busse (Freiburg),

Priv.-Doz. Simon Hölzer (Bern, Schweiz) und Prof. Dr. Karl

Peter Pfeiffer (Graz, Österreich) stellten sich zur Wiederwahl,

wurden von den anwesenden Mitgliedern einstimmig

gewählt und haben alle die Wahl angenommen. Die

neue Amtsperiode reicht bis September 2013.

Am 17. März 2011 veranstaltet die AG MDK unter

der Leitung von Frau Prof. Dr. Saskia E. Drösler und Herrn

Prof. Dr. Jürgen Stausberg an der Hochschule Niederrhein

in Krefeld das Symposium »Routinedaten in der

Versorgungsfor schung«, zu dem wir alle Interessierten

herzlich einladen. Während der 56. GMDS-Jahrestagung in

Mainz (26.–29.9.2011) wird das nächste Symposium der

AG voraussichtlich am 29.9.2011 statt fin den. n

GMDS-AG Medizinische Dokumentation und Klassifikation,

http://www.ekmed.de/routinedaten/

20.–22.03.2011 Workshop »Bildverarbeitung in

der Medizin (BVM)«, Lübeck, http://www.bvm-workshop.org

05.–07.04.2011 conhIT – Der Branchentreff für

Healthcare IT, Berlin, www.conhit.de

26.–29.09.2011 56. gmds-Jahrestagung, Mainz,

http://www.gmds.de/

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 159

12

Veranstaltungen

GMDS-Jahrestagung

9

13

Kalender


Interview

Fritz Diekmann

Fritz Diekmann

PD Dr. Günter Steyer

E­Mail: Guenter@

Steyer­Online.net

25 Jahre ID Berlin

BVMI Ehrenmitgliedschaft für Fritz Diekmann

Günter Steyer interviewt Fritz Diekmann

Nach dem Motto »Medizin statt Bürokratie« entwickelt

und vertreibt ID seit nunmehr 25 Jahren qualitativ

hochwertige Softwareprodukte für Krankenhäuser,

Berufsgenossenschaften, Krankenkassen und gehört

zu den Marktführern in den Bereichen Dokumentation,

Qualitätssicherung, Arzneimitteltherapiesicherheit sowie

nicht zuletzt semantische Netze und Terminologieserver.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums fand am 23. und 24.

September 2010 in der Königlichen Porzellan-Manufaktur

Berlin ein wissenschaftliches Symposium mit hochkarätigen

Vorträgen und Teilnehmern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens

statt. Ziel war, die vergangenen 25 Jahre

Revue passieren zu lassen, die Gegenwart einzuschätzen

und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Im Rahmen der Abendveranstaltung am 23. September

wurde vom BVMI-Präsidenten, Dr. Carl Dujat, an Fritz

Diekmann, dem Gründer von ID und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden,

für seine Verdienste um die Medizinische

Informatik und die erfolgreiche Verflechtung von wissenschaftlicher

Forschung und industrieller Realisierung die

Ehrenmitgliedschaft des BVMI e.V. verliehen.

Fritz Diekmann, Jahrgang 1947, studierte nach seiner

Lehre in der Textilwirtschaft von 1969 bis 1972 in Bielefeld

Betriebswirtschaftslehre und anschließend bis 1975

an der TU Berlin Krankenhauswesen mit dem Schwerpunkt

»Public Health«. Seine Tätigkeit in der Gesundheitswirtschaft

begann er 1975 als Referatsleiter beim Berliner

Senat für Gesundheit und Umweltschutz, wo er für die

Themenbereiche Krankenhausbedarfsplanung, epidemiologische

Bewertung von Leistungsmengen, Ausgestaltung

der gesetzlichen Rahmenbedingungen u.a. im Kontext der

Gesundheitsministerkonferenz sowie für die Leitung von

Forschungsprojekten im Bereich Epidemiologie, medizinische

Großgeräte und die Diagnosenstatistik für Bundes-

und Länderministerien zuständig war. 1984 wechselte er

als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Deutschen Krankenhausinstitut,

wo er Analysen und Projekte im Verbund mit

Forschungseinrichtungen plante, initiierte und bewertete.

1985 gründete er I + D (heute ID Gesellschaft für Information

und Dokumentation im Gesundheitswesen mbH)

und konnte so seinen Traum, einerseits Wissenschaft und

Forschung und andererseits unternehmerisches Denken

und Handeln erfolgreich verwirklichen.

Günter Steyer, Mitglied des mdi-Redaktionskollegiums,

interviewte Fritz Diekmann und konnte so erfahren,

welche wissenschaftliche Ideen Fritz Diekmann mit ID in

160 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

praktische Anwendung bringen konnte und wie sich das

Unternehmen ID in den 25 Jahren seines Bestehens erfolgreich

entwickelt und profiliert hat.

mdi: Herr Diekmann, ich kenne Sie als einen Unternehmer,

der zugleich Wissenschaftler und Forscher ist, oder

besser gesagt: als einen Forscher, der auch Unternehmer

ist. Was hat Sie damals schon als Ministerialbeamter an

der Forschung gereizt?

Diekmann: Medizinische Versorgung und Kostenexplosion

waren bereits in den 80er Jahren ein dominantes Thema.

In der Krankenhausplanung war eines charakteristisch:

Finanzierung ohne durchgehendes Konzept. Die damaligen

sogenannten Kostendämpfungsgesetze konnten Leistungen

und Kosten nicht in Einklang bringen.

Es gab nicht genügend Transparenz. Wir hatten eine

Unzahl von Daten, aber keine relevanten Informationen

als Entscheidungsgrundlage.

mdi: Warum waren die 80er und 90er Jahre so wichtig?

Diekmann: Unter Berücksichtigung der Analysen u.a. aus

»Programm zur Förderung von Forschung und Entwicklung

im Dienste der Gesundheit« gab es in diesen Jahren

einen Paradigmenwechsel vom reinen Zählen zur inhaltlichen

Betrachtung. Projekte wie die GKV-Prozessforschung

oder 1985 die Einführung von inhaltlichen Parametern in

der Bundespflegesatzverordnung – wie die einheitliche

Dokumentation der Diagnosen – haben damals das DRG-

Zeitalter eingeleitet.

Damit wurden die Grundlagen für eine verbesserte Epidemiologie

geschaffen, für die Versorgungsforschung neue

Perspektiven eröffnet, aber auch eine objektivere Bewertung

ökonomischer Sachverhalte ermöglicht.

mdi: Warum kam die IT Anfang 1980 nicht richtig zum

Tragen?

Diekmann: Die inhaltlichen Konzepte – ich denke da

z.B. an die Arbeit von Wingert, aber auch DOMINIG und

MEDWIS – waren relativ ausgereift. Die Technologie setzte

aber Grenzen. Die wenig benutzerfreundlichen Oberflächen,

aber vor allem das Antwortzeitverhalten konnten

besonders bei den Medizinern keine echte Akzeptanz

sicherstellen.

Grundsätzlich haben wir im Bereich Gesundheitswesen

das Problem, das Umberto Eco sehr gut um schrieben hat:

»Die Unendlichkeit der Dinge überschaubar zu machen,

ist eine der Obsessionen der Menschheit.« (Umberto Eco

– Die unendliche Liste)


mdi: Was hat Sie dazu gebracht, mit ID die Systematisierung

in der medizinischen und pflegerischen Dokumentation

anzugehen?

Diekmann: Mitverantwortlich für die Gesundheitsplanung

in Berlin haben wir Krankenhäuser geplant und

gebaut, ohne eigentlich zu wissen, warum die Patienten

wie versorgt werden und welche Kosten dafür angemessen

sind.

Es mussten Lösungen für das Gesundheitswesen erarbeitet

werden, die das von Eco beschriebene Phänomen so

systematisierten, dass eine Dokumentation ohne Mehraufwand

gewährleistet wird, die für unterschiedliche Aufgabenstellungen

verwendet werden kann und diese Prozessdaten

nutzt. Das bedeutete jedoch eine jahrzehntelange

kontinuierliche Arbeit.

mdi: Was waren Schlüsselerlebnisse auf diesem Weg?

Diekmann: Aus der GKV-Prozessforschung – geprägt

durch IGES, Infratest und Dornier – wurde deutlich, dass

mit konventionellen Dokumentationsmethoden keine

Informationen in hoher Güte und Zuverlässigkeit zur Verfügung

gestellt werden konnten.

So entstanden die ersten Programmsysteme für die

Diagnosendokumentation auf Basis von Thesaurusmodellen,

ein sehr empirischer Ansatz. Auch weltweit wurden

dafür unterschiedliche Ansätze diskutiert u.a. von den

amerikanischen Pathologen mit SNOP und SNOMED I.

mdi: Und dann kam Wingert ins Spiel?

Diekmann: Ja, als Mathematiker hatte er am Lehrstuhl für

Neuroanatomie der MH Hannover gearbeitet und Interesse

am »Problemfeld« Medizin gewonnen. In seiner systematischen

Art baute er den SNOMED I-Ansatz total um und

publizierte 1984 SNOMED II. Diese wurde bis 1988 nochmals

erheblich modifiziert und bildet heute die »Wingert-

Nomenklatur«.

mdi: Heißt das, Herr Diekmann, man kann mit einer einzigen

Nomenklatur arbeiten?

Diekmann: Damals glaubte man dies. Heute wissen wir,

dass aufgrund der vielfältigen Herausforderungen unterschiedliche

Ontologien genutzt müssen, um »Ordnungen«

im Gesundheitswesen mit unterschiedlichen Klassifikationen,

Terminologien und Wertesystemen bereitzustellen.

Darüber hinaus ist dies ein dynamischer Vorgang, denn der

Prozess in Diagnostik und Therapie verändert sich stetig.

Auch die sogenannten »Standards« entwickeln sich weiter,

wie die Diskussion z.B. um IHE, HL7 oder EHR beweist.

mdi: Geht es dabei nur um Texte?

Diekmann: Nein, natürlich nicht. Notwendig ist eine Vereinheitlichung

der Informationen aus Bildern, Zahlen und

Texten. Die Einbeziehung der nonverbalen Kommunikation

in standardisierter Form, die ja auch Teil der Kommunikation

ist, wird wohl noch eine Weile ein Traum bleiben.

mdi: Was ist denn heute anders?

Diekmann: Wie gesagt, die Basiskonzepte, die wir heute

umsetzen, sind teilweise 20 Jahre alt. Der entscheidende

Unterschied ist die technologische Veränderung. Das heißt

nicht nur schnelle Rechner, sondern intuitive Oberflächen,

Suchmaschinen, vor allem aber die Einbindung des Wissens

aus semantischen Netzen. Ohne die Bereitstellung

des Wissens mit Terminologieservern in den Routineprozessen

von Klinik, eHealth und Analysetools blieben die

o.g. Ansätze reine Theorie.

mdi: Aber, was hat das nun mit Umberto Eco zu tun?

Diekmann: Neben den genannten Paradigmenwechseln

war und ist die theoretische Auseinandersetzung mit »Ordnungen«

ein wesentlicher Bestandteil für die Arbeit des

ID-Teams. Unter anderem in einer von der Wingert-Stiftung

geförderten Tagung haben wir uns mit der Semiotik

beschäftigt. »Semiotik und Sozialpsychiatrie – Über Sinn

und Zeichen einer Fachsprache«.

Und hier kommt Eco ins Spiel. Eco ist ein genialer

Autor, aber auch Wissenschaftler, nicht nur im Bereich

Semiotik, was u.a. auch seine Ausstellung »Die unendliche

Liste« im Louvre zeigt. Durch die Definition der unterschiedlichen

Ordnungssysteme über die in Jahrhunderten

sich verändernden Logiken hinweg wird deutlich, wie

wichtig Ordnungssysteme für die Beschreibung von Sachverhalten

sind. Ohne »Listen« ist keine wissenschaftliche

Arbeit möglich.

Für unsere aktuelle Arbeit sind die vielfältigen »Listen«

über 150 Klassifikationen in mehreren Sprachen und in

vielfältigen Ausprägungen, die wir über ID MACS – medical

semantic network und unsere Algorithmen erschließen,

von großer Bedeutung. Neu ist, dass wir »Listen« im Kontext

kombinieren können.

mdi: Aber Listen sind doch nicht alles, oder?

Diekmann: Das ist richtig. Natürlich sind auch Regeln für

die Prozessdokumentation erforderlich, insbesondere bei

Fragen der Arzneimitteltherapiesicherheit oder bei nicht

logischen rechtlichen Vorgaben. Kooperationen mit anderen

Wissenschaftlern und Institutionen im In- und Ausland,

aber auch die Einbeziehung von Arden Syntax sind weitere

Bausteine in diesem Kontext. Entscheidend ist jedoch, wie

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 161

Interview

Überreichung der

Urkunde für die

Ehrenmitgliedschaft an

Fritz Diekmann durch

Dr. Carl Dujat


Interview

Interview

dieses gesamte Wissen für unterschiedlichste Nutzungen

in die Softwaresysteme der verschiedenen Hersteller einzubinden

sind. Durch den Einsatz des Terminologieservers

ID LOGIK kann aber das »Dilemma Schnittstelle« entschärft

werden.

mdi: Hat denn ID LOGIK im Gesundheitswesen schon eine

Relevanz?

Diekmann: Ja, durchaus. Täglich arbeiten über 70.000

Mediziner mit diesem Werkzeug. Jährlich werden mehr

als 12 Mio. standardisierte patient records in mehr als

1.200 Krankenhäusern erzeugt. In der klinischen Routine

sind diese Tools zwischenzeitlich in acht Ländern und

in sechs Sprachen im Einsatz. Derzeit werden weitere

Sprachen implementiert und die Tools, u.a. in Mandarin,

Russisch, Polnisch sowie Italienisch getestet, Spanisch und

Portugiesisch ist in Vorbereitung.

mdi: Wo werden die Systeme denn eingesetzt?

Diekmann: Für die intersektorale Kommunikation benötigt

man Werkzeuge und ein Meta-System, um einen multilingualen

Austausch von Informationen zu ermöglichen.

Nur so ist z.B. ein qualifizierter Notfalldatensatz international

nutzbar. Dies muss aus einer generischen Prozessdokumentation

erfolgen und so über eine Parametrisierung

die medizinischen Dokumentationselemente

erzeugen. Mit der Wingert’schen Mathematik und den

linguistischen Ansätzen der ID wurde das möglich. Wo

die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen, kann auch die

Modellierung mit SNOMED CT erfolgen, dies ist aber ein

Thema besonderer Art.

mdi: Das hört sich nach Wissenschaft an, aber ID ist doch

eine Firma?

Diekmann: Nach zehn Jahren Forschungsförderung in meiner

ministeriellen Funktion und dem bereits beschriebenen

Paradigmenwechsel war mir klar, was Staat, Forschung

und Unternehmen leisten können. Bund-Länder-Projekte

im IT-Bereich, viele Forschungsprojekte im Gesundheitswesen

hatten keine Nachhaltigkeit. Dies führte u.a. zur

Dezentralisierung von IT in Krankenhäusern. Leistungsfähige

IT-Systeme zahlreicher Unternehmen entstanden

jedoch zunächst nur für den administrativen Bereich.

1985 entschlossen sich deshalb IGES, Infratest und

weitere Institutionen – wie ID auch –, für den Bereich der

medizinischen Dokumentation ein Produkt zur Diagnosenkodierung

auf den Markt zu bringen, um die Dokumentationsqualität

zu erhöhen. Immerhin lag damals die Fehlerquote

bei der Dokumentation der ICD-9 bei über 30 %. Der heutige

vielfältige Einsatz der ID-Tools zeigt, dass der Weg über

ein wettbewerbliches Prinzip – losgelöst von Forschungsförderung

und staatlicher Finanzierung – erfolgreich war.

mdi: Und das führte zur Kooperation mit der Friedrich-

Wingert-Stiftung?

Diekmann: Ja, zu einer erfolgreichen Kooperation.

162 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

mdi: Was ist denn nun das Ergebnis dieser 25 Jahre?

Diekmann: Wir sind heute ein Fachteam von 50 Mitarbeitern

mit differenziertem Forschungshintergrund, Erfahrungen

aus der Praxis und Einbeziehung von Experten und

Forschungsteams im In- und Ausland. Neben der Qualifizierung

der medizinischen Dokumentation im Bereich der

Diagnosen und Prozeduren konnten die Bereiche Qualitätssicherung,

aber insbesondere auch eine neue Dimension

für die Arzneimitteltherapiesicherheit erreicht werden.

Dies war jedoch nur möglich durch die Einbeziehung

der jeweils relevanten Wissensstrukturen u.a. ABDATA,

hospINDEX und Austria Kodex. Damit ermöglicht das

semantische Netz eine Kontextdokumentation, bei der

Mediziner u.a. in Arztbriefen, Befunden ihren medizinischen

Sachverhalt beschreiben können und die Kodierung

im Hintergrund ggf. mit Nachfragen automatisch erfolgt.

Das ist ID DIACOS 7 – 2011.

mdi: Herr Diekmann, gestatten Sie mir noch drei abschließende

Fragen: Was ist Ihre Zukunftsvision für ein vernetztes

Gesundheitswesen?

Diekmann: Die Zukunft hat längst begonnen, aber

primär in anderen Ländern mit mehr Pragmatismus

für die Versorgungsqualität und nicht primär um den

Datenschutzaspekt.

mdi: Welche Rolle werden künftig Terminologieserver

spielen?

Diekmann: Als wir uns 1995 entschlossen, einen Terminologieserver

zu bauen, war das Neuland. Ihn 2004 in die

Routine zu bringen und alle Anwender an einem Tag mit

einer neuen Technologie zu konfrontieren, mutig. Wenn

nunmehr das Thema Terminologieserver in der Literatur

heftig diskutiert wird und Wettbewerber – auch staatliche

Institutionen – ebenfalls solche Werkzeuge nachbauen

oder konzipieren, dann kann unser Konzept nicht ganz

falsch gewesen sein.

mdi: Wie kann ein solcher Terminologieserver gepflegt

und evaluiert werden?

Diekmann:Auf der einen Seite verwenden wir nur in der

Fachwelt akzeptiertes Wissen, stellen jeweils klar, um welches

Wissen es sich handelt. Zum anderen prägen die Nutzer

die kontinuierliche Qualitätssicherung neben unseren

Mitarbeitern. Ein wichtiger Pfeiler bei ID ist der Support,

hier laufen nicht nur Fragen, sondern Kritik und Wünsche

auf, die zu den kontinuierlichen Weiterentwicklungen führten.

Auch diese Informationen werden mit der ID-Ontologie

aufbereitet und sind so systematisch auswertbar.

mdi: Lieber Herr Diekmann, ganz herzlichen Dank für das

Interview. Aber ein wesentliches Kriterium ist m.E. dabei

zu kurz gekommen, nämlich dass es ID gelungen ist, Terminologien

und medizinisches Wissen für die tägliche Routine

– das heißt am klinischen Arbeitsplatz – verfügbar zu

machen, eben »Medizin statt Bürokratie« in Realität. n


Im praktischen Taschenformat zum Einstecken in die

(ärztliche) Kitteltasche ist jetzt dieser kurze, 125 Seiten

umspannende Leitfaden zur DRG-Kodierung erschienen.

In der Einleitung weist der Autor, der als Kliniker tätig und

mit der Ausbildung von Kodierassistenten betraut ist, auf

den Zweck des Leitfadens hin: eine praxisnahe Hinführung

an das Kodieren von Fällen zum Zwecke der Abrechnung

nach DRGs.

Nach einigen kurzen terminologischen Erläuterungen

und dem Verweis auf wichtige Hilfsmittel, wie bspw. den

DRG-Katalog, führt der Autor den Leser schnell an den

Weg der »DRG-Findung« hin. Dabei orientiert er sich über

weite Strecken des Leitfadens am Aufbau der Deutschen

Kodierrichtlinien (DKR) und erläutert deren Aufbau anhand

einiger anschaulicher Beispiele aus der Praxis. Der pragmatische

Unterton des Buches nimmt dem Leser manche

Unklarheiten aus den komplexen Werken der ICD, des OPS

sowie der DKR.

Damit wendet sich das Buch weniger an erfahrene

Anwender des DRG-Systems, sondern an Anfänger aus

Ärzteschaft und Kodierassistenten. Erleichtert wird gerade

Nichtärzten die Erläuterung der unterschiedlichen Diagnosetypen,

und zwar nicht nur der DRG-relevanten Haupt-

und Nebendiagnosen. Die Kriterien zur Kodierung von

Symptomen, Verdachtsdiagnosen, akuten Exazerbationen

(d.h. Schüben) von chronischen Erkrankungen oder

DVMD

Nina Adaskina, Hannover

Ramona Beck, Eschwege

Alexander Begemann, Bielefeld

Renata Bistrovic, Gelsenkirchen

Susanne Borg, Berlin

Kristin Brüsehaven, Kröplin

Christian Buttkus, Rostock

Sabine Flassak, Reichberghausen

Lena Frenzel, Elze

Kirsten Funke, Bergisch-Gladbach

Luise Gehrmann, München

Bianca Handelsmann, Hameln

Martina Haufe, Bretnig-Hauswalde

Lilia Helhorn, Werdau

Julia Hennig, Falkenstein

Sandy Hüttner, Plauen

Ingrid Jozic, Göppingen

Christiane Jung, Fell

Maximilian Klein, Heidelberg

Saskia Knopf, Hamburg

Dana Kögel, Nünchritz

Dagmar Könen, Wawern

Ines Krockert, Dresden

Tanja Lauer, Urexweiler

Franziska Ludwig, Dresden

Kristina Neumann, Hamburg

Nicole Ostermann, Wennungen

Thomas Penno, Rostock

Silke Peter, Althornbach

Horst Pfeifer, Osterholz-

Scharmbeck

Fritz Pohl, Rostock

Andre Quaas, Rostock

Vera Schleicher, Leipzig

Sandra Schwarz, Bad Pyrmont

Dagmar Stein, Saarbrücken

Irene Stodden, Dormagen

Tanja Trox-Goretzki, Friedeburg

Kerry Wegner, Bützow

Folgezuständen von Krankheiten seien hier als Beispiel

der abgehandelten Typen genannt. Die zweite Säule der

DRG-Generierung, die Prozeduren (inkl. Operationen) wird

ebenfalls in sehr pragmatischer Form abgehandelt. Der

Autor beschränkt sich hier auf die primär relevanten Passagen

der Kodierrichtlinien, wie z.B. die Mehrfachkodierung

von Prozeduren, die Berechnung von Summenkodes oder

nicht kodierbare Prozeduren.

Nach dieser Einführung in die Diagnose- und Prozedurenkodierung

geht der Autor kurz auf die Generierung

der DRG ein und verweist wegen deren Komplexität auf

entsprechende Hilfsmittel.

Den Abschluss des Leitfadens bilden vier exemplarische

Übungsfälle aus der konservativen und der chirurgischen

Medizin sowie die Konstellation der Verlegung

in bzw. aus einem anderen Krankenhaus. Ein Neuling in

der DRG-Kodierung kann nach Studium des Leitfadens

– sowie der Grundlagen der ICD- und OPS-Kodierung –

versuchen, zunächst Diagnosen und Prozeduren sowie

im Anschluss die DRG aus diesen Fällen zu generieren.

Detaillierte Lösungsbeschreibungen liefern dem Leser ein

direktes Feedback.

Der Leitfaden bietet Einsteigern in das DRG-System

eine nützliche Hilfe im Dschungel der Kodierrichtlinien und

weiß durch den sehr pragmatisch gehaltenen Schreibstil

zu gefallen. Markus Stein n■

BVMI

Wolfgang Oetz, Essen

Daniel Diekmann, Berlin

Helga Messmer, Köln

Thomas Fiedler, Berlin

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 163

Leserforum

Buchbesprechung

Lutz Frankenstein:

»DRG kodieren Schritt

für Schritt – Leitfaden

für Einsteiger«.

medizificon Verlag

Oldenburg 2010

19,90 Euro

ISBN 978­3­940854­11­7

BVMI & DVMD

neue Mitglieder

Wir begrüßen

die neuen Mitglieder


BVMI

Geschäftsstelle

Geschäftsstelle

Satzungsgemäß sind zur

Wahl des Vizepräsiden­

ten und Schatzmeisters

die Ordentlichen Mit­

glieder und zur Wahl

der Beisitzer alle Mit­

glieder berechtigt.

DVMD

Geschäftsstelle

BVMI Newsletter

Die Mailinglistensoftware wurde umgestellt. Dies hat

für Sie den Vorteil, dass Sie im Mitgliedsbereich der

Website direkt den Newsletter bestellen bzw. abbestellen

können.

Um Änderungen Ihrer Mailinglist-Mitgliedschaft durchzuführen,

loggen Sie sich bitte auf www.bvmi.de in das

Intranet ein und wählen dort aus, dass Sie Ihre Stammdaten

ändern möchten. Unterhalb Ihrer Adressdaten sehen

Sie die Auswahlmöglichkeiten der BVMI-Newsletter. Nach

jeder Änderung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail an

die hinterlegte E-Mail-Adresse.

Im Falle einer Anmeldung zu einem Newsletter müssen

Sie die vom System verschickte E-Mail noch beantworten.

Eine Erklärung zu diesem Vorgang ist in der E-Mail

angegeben.

164 Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010

Wenn Sie eine E-Mail an die Mailingliste senden wollen,

müssen Sie als Adresse lediglich mailinglist@bvmi.de

angeben. Da die Liste moderiert ist, wird Ihre Nachricht

erst von einem unserer Moderatoren geprüft und dann

freigegeben.

Für Nicht-Mitglieder des BVMI gibt es eine andere

Möglichkeit, sich für die Mailingliste anzumelden. Dafür

müssen sie lediglich an majordomo@bvmi.de eine E-Mail

mit folgendem Inhalt senden: »subscribe mailinglist-bvmide«.

Daraufhin erhalten Sie zwei E-Mails vom System, von

denen Sie eine beantworten müssen. In den E-Mails ist

alles weitere ausführlich erklärt.

Wollen Sie sich von der Mailingliste abmelden, müssen

Sie »unsubscribe mailinglist-bvmi-de« an majordomo@

bvmi.de senden. n

Ergebnisse der Briefwahl 2010 für den

geschäftsführenden Vorstand des BVMI

512 Wahlbriefe Versand Vizepräsident Schatzmeister Beisitzer Beisitzer

96 Rücklauf Dr. Christoph Seidel Dipl.-Inform. Med. Jochen Pilz Prof. Dr. Oliver Bott Prof. Dr. Alfred Winter

davon 74 Ordentliche

und 22 Assoziierte und

Studentische Mitglieder

68 Jastimmen 71 Jastimmen 87 Jastimmen 87 Jastimmen

6 Enthaltungen 3 Enthaltungen 9 Enthaltungen 9 Enthaltungen

DVMD Vorstandswahlen 2011

In der Zeit vom 3. Januar bis zum 3. Februar 2011 findet

die nächste Vorstandswahl statt. Die Kandidaten stellen

sich auf unserer Homepage vor.

Wie wird die erste Online-Vorstandswahl ablaufen?

Am 3. Januar versenden wir Ihren persönlichen »Wahlschein«

an die E-Mail-Adresse, die Sie für den Erhalt des

Newsletters angegeben haben. Bei Mitgliedern, die den

Newsletter nicht beziehen, greifen wir auf eine andere

registrierte E-Mail-Adresse zurück. Bitte beachten Sie, dass

die Absende-Adresse des Wahlscheins nicht »@dvmd.de«,

sondern die eines Unternehmens sein wird. Die Betreffzeile

wird eindeutig sein.

Ihr persönlicher Wahlschein beinhaltet Ihre eindeutige

»Wahlnummer«, einen »Wahl-Schlüssel« und den Link zum

»Wahllokal«. Dieser Link enthält ebenfalls ihren Schlüssel,

so dass Sie diesen beim Aufrufen des Links nicht manuell

übertragen müssen. Tippfehler können so ausgeschlossen

werden. Sie sehen dann auf der Eingangsseite eine Anleitung

für die Benutzung des »Stimmzettels«. Mit der Speicherung

Ihrer Stimmen wird Ihr Wahlschein automatisch

entwertet und der Stimmzettel anonymisiert.

Das Wahllokal wird am Ende des 03.02.2011automatisch

geschlossen. Eine spätere Stimmabgabe ist dann

nicht mehr möglich. Die Wahlergebnisse werden bei der

Mitgliederversammlung am 17.02.2011 in Hannover

bekanntgegeben. n


Die Sektion Medizinische Dokumentation

der GMDS stellt sich vor

Die GMDS – Deutsche Gesellschaft für Medizinische

Informatik, Biometrie und Epidemiologie – ist eine

unabhängige wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft

mit dem Ziel der Fort- und Weiterbildung, des

wissenschaftlichen Austauschs und der Weiterentwicklung

der jeweiligen Fachgebiete.

Dass Wissenschaft im Bereich der Medizin auch mit

medizinischer Dokumentation zusammenhängen muss,

ist MDI-Lesern eine Selbstverständlichkeit. Diese Selbstverständlichkeit

wurde 1998 in der GMDS durch die Einrichtung

der Sektion »Medizinische Dokumentation«

verdeutlicht. Die Sektion steht innerhalb der GMDS gleichrangig

neben den Fachbereichen »Medizinische Informatik«,

»Medizinische Biometrie« und »Epidemiologie«. Die

GMDS ist damit die einzige wissenschaftliche Gesellschaft

für diese vier Disziplinen in Deutschland und die einzige,

in der sich auch Interessierte ohne Hochschulabschluss

engagieren können. Der Beitritt zur GMDS, also zur Sektion

Medizinische Dokumentation, steht allen Personen mit

einem Berufsabschluss im Bereich medizinischer Dokumentation

offen, unabhängig davon, ob der Berufsabschluss

an einer FH oder Fachschule erworben wurde.

Allen Mitgliedern der Sektion »Medizinische Dokumentation«

steht die Mitwirkung in den Arbeitsgruppen der

GMDS offen. Die Sektion selbst hat eine Arbeitsgruppe

zum Thema Datenmanagement eingerichtet, die in regelmäßigen

Abständen Workshops ausrichtet. Dokumentare

können sich aber auch in den AGs der Fachbereiche

engagieren. Arbeitsgruppen mit Themen aus dem Umfeld

der medizinischen Dokumentation sind z.B. die AGs

»Medizinische Dokumentation und Klassifikation«, »KIS

– Informationssysteme im Gesundheitswesen« oder auch

»Archivierung von Krankenunterlagen« des Fachbereichs

Medizinische Informatik.

Die Sektion wird im Präsidium der GMDS durch die Sektionsvorsitzende

und eine Beisitzerin repräsentiert. Der Sektionsausschuss

– bestehend aus insgesamt sechs Mitgliedern

– vertritt die Interessen der Mitglieder aus dem Bereich

der medizinischen Dokumentation innerhalb der GMDS z.B.

auch durch die Mitgestaltung der Jahrestagung. Die Sektion

strebt eine enge Kooperation der GMDS mit dem DVMD an.

Alle Sektionsmitglieder sind herzlich eingeladen und gebeten,

die Arbeit des Sektionsausschusses zu unterstützen. In

Rundschreiben oder auch in den Ausgaben der MDI wird die

Sektion in Zukunft regelmäßig über aktuelle Arbeitsfelder

berichten und ggf. um gezielte Mithilfe werben.

Sektionsausschuss Medizinische Dokumentation

Vorsitzende: Susanne Stolpe, Institut für med. Informatik,

Biometrie und Epidemiologie, Ruhr-Uni Bochum

stellv. Vorsitzende: Dagmar Wege, Hannover

Mitglieder: Claudia Ose, Geschäftsführerin Zentrum für

klinische Studien in Essen; Stefanie Fischer, SIRO Clinpharm

Germany GmbH; Anke Schöler, Zentrum für klinische Studien

Leipzig; Rainer Richter, Grünenthal, Aachen

Beisitzerin: Sabine Kapsammer, Geschäftsführerin DVMD n

Einladung zur 42. Mitgliederversammlung

des DVMD e.V.

im Rahmen der DVMD-Fachtagung in Hannover

Donnerstag, 17. Februar 2011, 17.15 – 18.20 Uhr,

FH-Hannover, Fak. III – Medien, Information und

Design, Expo Plaza, 30539 Hannover.

Die Tagesordnung der Mitgliederversammlung sieht folgende

Punkte vor: 1. Begrüßung durch den Vorstand |

2. Verabschiedung der Tagesordnung | 3. Verabschiedung

des Protokolls der 40. und 41. Mitgliederversammlung

| 4. Tätigkeitsbericht des Vorstands September 2010

bis Februar 2011 | 5. Finanzen | 5.1 Finanzbericht 2010

| 5.2 Berichte der Kassenprüfer von 2007, 2008 und 2009 |

5.3 Entlastung des Vorstands | 5.4 Wahl der Kassenprüfer

für das Jahr 2010 | 6. Antrag auf Namensänderung |

7. Antrag auf Neufassung der DVMD-Satzung* | 8. Anträge

von Mitgliedern | 9. Ergebnis der Vorstandswahl 2011 |

10. Verschiedenes

Wir hoffen, Sie zur Mitgliederversammlung begrüßen

zu dürfen. Mit herzlichen Grüßen i.A. des Vorstandes

Sabine Kapsammer,

DVMD-Geschäftsstelle

Bitte beachten Sie: Anträge von Mitgliedern müssen

bis 1. Februar 2011 beim Vorstand eingegangen sein.

Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik 4/2010 165

DVMD

GMDS

Geschäftsstelle

17. Februar 2011

17.15 – 18.20 Uhr

* Siehe Entwurf unter www.dvmd.de

im Internen Bereich.


Die Gesundheitswirtschaft ist in Deutschland eine der am stärksten

wachsenden Branchen und zudem ein Markt mit viel Potenzial für

Innovationen.

Seit 25 Jahren entwickelt ID als Marktführer Software und Dienstleistungen

für die medizinische Dokumentation und Abrechnung.

Unsere Standardwerkzeuge ID DIACOS ® (Codierung) und ID

EFIX ® (Controlling) sind in mehr als 1.200 Einrichtungen (Kliniken,

Praxen, Versicherungen, Berufsgenossenschaften sowie Forschungseinrichtungen)

im Einsatz - national und international.

Darüber hinaus kooperieren wir mit zahlreichen Partnern im KIS-

Bereich.

Fachbereich Linguistik

Fachbereich Medizin

Ihre Qualifikationen:

• Hochschulabschluss in Computerlinguistik

oder in Linguistik mit Schwer -

punkt Computerlinguistik

• Kenntnisse der deutschen Syntax und

Morphologie

• Gute analytische Fähigkeiten für die

Extraktion und Generalisierung linguisti-

schen Wissens aus Textbeispielen

• Bereitschaft zu Pflegearbeiten bei der

Erstellung der Wissensbasis

• Programmiererfahrung in Perl oder

anderen Script-Sprachen

• Bereitschaft zur Arbeit mit medizinischen

Texten und Inhalten

• Fähigkeit zu selbständigem, interdisziplinärem

Arbeiten im Team

• Programmierkenntnisse in Java sind von

Vorteil

• Fremdsprachenkenntnisse sind ein Plus

Ihre Aufgabe:

Konzeption und Erstellung einer linguistischen

Wissensbasis für ein prototypisches

medizinisches Dokumentations-System in

Kooperation mit den Projektpartnern.

Ansprechpartner: Dr. Lukas Faulstich

Sonstiges:

Sie zeichnen sich aus durch:

• eine selbstständige Arbeitsweise

• Belastbarkeit und Flexibilität

• Kommunikationsfähigkeit, Teamgeist

und ganzheitliches Denken

• ein hohes Maß an Eigeninitiative und

Dienstleistungsbereitschaft

Ihre Qualifikationen:

• medizinische und/oder betriebswirtschaftliche

Ausbildung

• Erfahrung in den Bereichen Controlling/

Medizincontrolling

• Kenntnis gesetzlicher Grundlagen,

Codierung und Finanzierung im Bereich

Krankenhäuser (KHEntgG, FPV, DKR,

KHG, BPflV, ICD, OPS, etc.)

• Kenntnisse zu ambulanter Abrechnung

und AMTS wünschenswert

• sicherer Umgang mit MS Office (Word,

Excel, PowerPoint)

• Englisch in Wort und Schrift

Ihre Aufgaben:

• Transfer von Markt- und Kundenanforderungen

in Vorgaben zur Softwareent-

wicklung

• Inhaltliche Weiterentwicklung der

Codiersoftware ID DIACOS ®

• Durchführung von Schulungen und

Präsentationen

• Teilnahme an Messen und Kongressen

• Kundenbetreuung

Ansprechpartner: Daniel Diekmann

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Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir für die Bereiche inhaltliche

und technische Entwicklung zum nächstmöglichen Termin engagierte

Mitarbeiter in Vollzeit.

Wenn Sie daran interessiert sind, stets aktuell die Entwicklungen

im Gesundheitswesen mit zu verfolgen, Anforderungen von Anwendern

im Bereich medizinisch-pharmazeutischer Inhalte aufzunehmen

und dementsprechend zur Weiterentwicklung unserer

Lösungen beizutragen, freuen wir uns auf Ihre aussagekräftige

Bewerbung.

Fachbereich Informatik

Ihre Qualifikationen:

• Hochschul- oder Fachhochschulabschluss

Informatik

• Programmiererfahrung in Java

• Kenntnisse im Bereich Wissensrepräsentation

(Ontologien, Semantic Web,

etc.)

• Fähigkeit zu interdisziplinärem Arbeiten

• Vorzugsweise Kenntnisse im Bereich

Computerlinguistik oder Medizin-

Informatik

Ihre Aufgaben:

Konzeption und Implementierung eines

prototypischen medizinischen Dokumentations-Systems

mit Schwerpunkt auf

Wissensrepräsentation in interdisziplinärer

Zusammenarbeit mit Computer-Linguisten

und Medizinern.

Ansprechpartner: André Sander

Kontakt:

ID Information und

Dokumentation im Gesundheitswesen

GmbH & Co. KGaA

Platz vor dem Neuen Tor 2

10115 Berlin

Web: www.id-berlin.de

E-Mail: info@id-berlin.de

Tel.: 030-24626-0

Fax: 030-24626-111


Neue Versionen 2011:

ICD-10-GM und OPS

Deutsche Kodierrichtlinien

ICD-10-GM 2011 Systematisches Verzeichnis

Version 2011

2011, ca. 893 Seiten, ISBN 978-3-7691-3459-9

broschiert € 24,95 erscheint November 2010

*ab 20 Exemplare je Titel € 10,45 zzgl. 7% MwSt.

ICD-10-GM 2011 Alphabetisches Verzeichnis

Version 2011

2011, ca. 1.357 Seiten, ISBN 978-3-7691-3460-5

broschiert € 24,95 erscheint November 2010

*ab 20 Exemplare je Titel € 10,95 zzgl. 7% MwSt.

OPS 2011 Systematisches Verzeichnis

Version 2011

2011, ca. 976 Seiten, ISBN 978-3-7691-3461-2

broschiert € 19,95 erscheint Dezember 2010

*ab 20 Exemplare je Titel € 8,95 zzgl. 7% MwSt.

OPS 2011 Alphabetisches Verzeichnis

Version 2011

2011, ca. 1.264 Seiten, ISBN 978-3-7691-3462-9

broschiert € 19,95 erscheint Dezember 2010

*ab 20 Exemplare je Titel € 10,45 zzgl. 7% MwSt.

Deutsche Kodierrichtlinien

Version 2011

2011, ca. 186 Seiten, ISBN 978-3-7691-3463-6

broschiert € 7,95 erscheint November 2010

*ab 20 Exemplare je Titel € 5,45 zzgl. 7% MwSt.

*Die o. g. Preise verstehen sich zzgl. Versandkosten.

Mehr Information: aerzteverlag.de

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_ Ex. ICD-10-GM 2011

Systematisches Verzeichnis 24,95

ab 20 Exemplare je Titel € 10,45 zzgl. 7% MwSt.

__ Ex. ICD-10-GM 2011

Alphabetisches Verzeichnis 24,95

ab 20 Exemplare je Titel € 10,95 zzgl. 7% MwSt.

__ Ex. OPS 2011

Systematisches Verzeichnis 19,95

ab 20 Exemplare je Titel € 8,95 zzgl. 7% MwSt.

__ Ex. OPS 2011

Alphabetisches Verzeichnis 19,95

ab 20 Exemplare je Titel € 10,45 zzgl. 7% MwSt.

__ Ex. Deutsche Kodierrichtlinien 2011 7,95

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B E S T E L L C O U P O N

Herr Frau

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Straße, Ort

E-Mail (für evtl. Rückfragen) Telefon

Datum, Unterschrift

Bestellungen bitte an Ihre Buchhandlung

oder Deutscher Ärzte-Verlag, Versandbuchhandlung:

Postfach 400244, 50832 Köln. Tel. (0 22 34) 7011 - 314 / Fax 7011 - 476

E-Mail: vsbh@aerzteverlag.de

Ihre Vorteile:

Markierung der wesentlichen

Änderungen gegenüber dem

Vorjahr

Hinweise zur Diagnosenverschlüsselung

Griffleisten zur schnellen

Orientierung

Kopfzeilen mit Informationen

über die jeweiligen Kapitel

bzw. Seiten

Auflösung der meisten Listen

terminaler Schlüsselnummern

Anwenderfreundliches Layout

Bearbeitet von

Dr. med. Bernd Graubner

Irrtümer und Preisänderungen vorbehalten. Preise zzgl. Versandspesen 4,50.

Deutscher Ärzte-Verlag GmbH – Sitz Köln – HRB 106 Amtsgericht Köln. Geschäftsführung: Jürgen Führer, Dieter Weber


Ansprechpartner

BVMI

Vorstand BVMI e.V.

Präsident:

Dr. Carl Dujat

promedtheus Informationssysteme

für die Medizin AG

Scheidt 1

41812 Erkelenz

Tel.: 0 24 31 / 94 84 38-0

E-Mail: dujat@promedtheus.de

Vizepräsident:

Dr. rer. biol. hum. Christoph Seidel

Städtisches Klinikum Braunschweig

gGmbH

Geschäftsbereich IT und

Unternehmensentwicklung

Freisestraße 9/10

38118 Braunschweig

Tel.: 05 31 / 5 95-15 16

Fax: -17 76

E-Mail: c.seidel@klinikumbraunschweig.de

Schriftführerin:

Dipl.-Inform. Med. Cornelia R. Vosseler

Vosseler Consulting-Coaching-Training

An der Eickesmühle 33

41238 Mönchengladbach

Tel.: 0 21 66 / 13 45 40

E-Mail: cv@khsberatung.com

Ansprechpartner

DVMD Vorstand DVMD e. V.

Vorsitzende:

Katharina Thorn

E-Mail: Katharina.K.Thorn@gsk.com

Stellv. Vorsitzende:

Andrea Großer

E-Mail: grosser@uke.uni-hamburg.de

Stellv. Vorsitzender:

Jens Knösel

E-Mail: dvmd@knoesel.de

Beisitzer:

Prof. Dr. Oliver J. Bott

Fachhochschule Hannover,

Fakultät III – Medien, Information

und Design

Expo Plaza 12

30539 Hannover

Tel.: 05 11 / 92 96-26 27

E-Mail: Oliver.Bott@fh-hannover.de

Beisitzer:

Prof. Dr. Alfred Winter

Universität Leipzig

Institut für Medizinische Informatik,

Statistik und Epidemiologie

Härtelstraße 16-18

04107 Leipzig

Tel.: 03 41 / 9 71 61 07

E-Mail: alfred.winter@

imise.uni-leipzig.de

Geschäftsführer und

Schatzmeister:

Dr. Karl-Heinz Ellsässer

ZIM/Tumorzentrum Heidelberg/

Mannheim

Tiergartenstr. 15

69120 Heidelberg

Tel.: 0 62 21 / 56-26 42

E-Mail: karl-heinz_ellsaesser@

med.uni-heidelberg.de

Schriftführerin:

Angelika Händel

E-Mail: Angelika.Haendel@

uk-erlangen.de

Schatzmeister:

Dieter Hinzmann

E-Mail: hinzmann@cardio.uni-kiel.de

Landesvertretungen:

Baden-Württemberg

Dipl.-Inform. Med. Wolfgang Platter

Rieslingstr. 26

74348 Lauffen

Tel.: 0 71 33 / 96 06 07

E-Mail: wolfgang.platter@agfa.com

Bayern

Dipl.-Inform. Med.

Marlene Bohrer-Steck

Riederer Str. 17

85737 Ismaning

Tel.: 0 89 / 9 61 40 83

E-Mail: m.bohrer-steck@gmx.net

Berlin-Brandenburg

Dr. Christof Geßner

Rykestraße 37

10405 Berlin

Tel.: 01 72 / 3 99 40 33

E-Mail: gessner@mxdx.de

Niedersachsen

Dr. Maik Plischke

Braunschweiger Informatik- und

Technologie-Zentrum GmbH

Mühlenpfordtstraße 23

38106 Braunschweig

Tel.: 05 31 / 88 52-21 10

E-Mail: maik.plischke@bitz.it

Geschäftsstelle:

Deutscher Verband Medizinischer

Dokumentare e.V.

Sabine Kapsammer

Postfach 10 01 29

68001 Mannheim

Tel.: 06 21 / 71 76 13 93

http://www.dvmd.de

E-Mail: dvmd@dvmd.de

Nordrhein-Westfalen

Dr. Kurt Becker

Synagon GmbH

Beratung für das Gesundheitswesen

Im Süsterfeld 6

52072 Aachen

Tel.: 02 41 / 70 10 31-20

E-Mail: kurt.becker@synagon.de

Rheinland-Pfalz/Saar

Prof. Dr. A.J.W. Goldschmidt

Universität Trier

IHCI, Fb IV (WiSo/WI)

Behringstr. (H.323 + H.324)

54286 Trier

Tel.: 06 51 / 2 01-41 64

E-Mail: huggenbe@uni-trier.de

Sachsen

Prof. Dr. Anke Häber

Studiengangsleitung Informatik

Westsächsische Hochschule Zwickau

Fakultät Physikalische Technik/

Informatik

Dr. Friedrichs-Ring 2a

08056 Zwickau

Tel.: 03 75 / 5 36-15 28

Fax: 03 75 / 5 36-15 27

E-Mail: anke.haeber@fh-zwickau.de

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