10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth

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10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth

10 Jahre

AWO Mineraliengruppe

im Landkreis Roth

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

10 Jahre Awo Mineraliengruppe im Landkreis Roth

Ein themenorientiertes und Generationen übergreifendes, soziales Gruppenprojekt der

AWO Roth und AWO Wendelstein

1. Ausgabe Dezember 2007

Bild oben: Versteinertes Holz und Karneole aus unserem Landkreis (Sammlung Georg Schmidt, Roth)

Titelbild: Roter und blauer Karneol mit Achatzeichnungen aus Georgensgmünd, Höhe ca. 8 cm.

gefunden von Ernst Rossmeissl, 1997

letzte Seite: Bergkristall-Doppelender aus Wendelstein, Kristalllänge ca. 2cm

gefunden von Klaus Pusch, 1998

Impressum:

Herausgeber: AWO-Mineraliengruppe Roth und Wendelstein

Leiter: Klaus Pusch, Tel. 09171 / 966411, (privat: 0 91 29 / 4499)

Redaktion: Margot und Klaus Pusch, Ernst Rossmeissl, Ruppert Zeiner

Textbeiträge/ Klaus und Margot Pusch, Jörg Ruthrof, Günter Weinfurtner, Ruppert Zeiner, Sven Polenz, Bruno Nachtrab,

Bilder und - Gerhard Pamler, Hartwig Hillegeist, Anneli Petry, Claus Eitel, Dietmar und Erika Grän, Heidi Gröllich,

Mitarbeit: Rudi Haushofer, Karl Hausmann, Christian Hegholz, Ingrid Hutter, Renate Schaffer, Karl-Heinz Philipp,

Walter Preidt, Ernst Rossmeissl, Jens Schlimper, Georg und Elke Schmidt, Gustl und Brigitte Steyer, Frank Hörer

Grußworte: Landrat Herbert Eckstein

Layout: Klaus Pusch, Rieterstr. 11, 90530 Wendelstein

Satz / Druck: Druck-Service Haider, Regensburger Ring 14, 91154 Roth

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Inhalt Seite

Vorwort 5

Chronik der AWO Mineraliengruppe 6

Heimische Geologie 10

Mineralienfundstellen im Landkreis Roth 14

Die Mineralien des Landkreises 15

Pyritisierte Ammoniten 24

Exkursionen

Riesige Bergkristallstufe aus dem Wernloch 26

Vorbereitung einer Grabung nach versteinertem Holz 28

Die Grabungen in Sandsee — Kieselholz-Highlights 30

Die Rauchquarze vom Epprechtstein 32

Goldwaschen im Bayerischen Wald 33

Ein außergewöhnlicher Fluorit-Fund im Altbergbau von Wölsendorf 34

Die Fahrt ins Ötztal, ein schwerer Fund im Tiefschnee 36

Exkursion nach Nordböhmen und Sachsen 37

Geier, Gold und Bergkristalle, eine Exkursion in die Hohen Tauern 40

Die Achate von Turnov (Tschechien) 44

Zillertal, eine mineralogische Exkursion auf historischen Spuren 47

Frühjahrs-Exkursion nach Wolkenstein ins Erzgebirge 49

Exkursion in den Schwarzwald zur Grube Clara 52

Schneekopfkugeln aus dem Thüringer Wald 55

Achat und Amethyst aus IDAR - OBERSTEIN 58

Exkursion nach Weißkirchen in die Steiermark 61

Einmal selbst "Strahlen" gehen 66

Auf Schatzsuche im Tessin 70

Das Fichtelgebirge hat noch Überraschungen parat 73

Exkursion ins Erzgebirge und nach Tschechien 75

Das grüne Feuer vom Habachtal 80

Aufregende Exkursion führt in die Tiefen eines Bergwerks 83

Strahlerglück im Tujetsch 86

Amethyste und Achat aus Deutschland 91

Stoaklopfer - Traum - eine 3-wöchige Expedition in Namibia 2007 95

Die Minerkids

Quiznachmittag 101

Ein spektakulärer Fossilienfund 102

Mineralogische Wanderung 2006 im Wernloch 103

Zwölf Buben auf der Suche nach dem elften Archaeopteryx 104

Museumsbesuch und Fossiliensammeln in Buttenheim 106

Besuch von einer Fossilienexpertin 108

Treffen und Börsen

Großes "Berggeschrey" im AWO-Zentrum 109

Smaragde im Schloss 110

„Ich bin steinreich“. Ein Besuch bei einem unserer Sammler 111

Impressionen 112

Glückauf, der Steiger kommt 113

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

G r u ß w o r t e

10 Jahre gibt es nun die Mineraliengruppe der AWO Roth. Waren früher die

Heimatkundler aus dem Jura fast mit einer Alleinstellung behaftet - unser

empfehlenswertes Vor- und Frühgeschichtliches Museum in Thalmässing ist ein gutes

Indiz dafür – entdecken immer mehr Menschen aus dem gesamten Landkreis, dass sie

einen „Blick“ für Steine haben.

Übung macht auch hier den Meister. Gruppen helfen mit, voneinander zu lernen. Man

muss sich mit der örtlichen Geologie auseinandersetzen. Diese Broschüre hilft dabei.

Nachdem die AWO Mineraliengruppe reisefreudig ist, macht man sich auch über die

Geologie anderer Länder sachkundig. Der Lernstoff geht in der Natur nie aus! Steine und

Mineralien machen Geschichte lebendig.

Ich wünsche weiter viel Gemeinsamkeit und immer den Blick für interessante Funde!

Herbert Eckstein

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Vorwort

Zwischen Steinen und Felswänden bahnt

sich eine kleine Menschengruppe ihren

Weg. Die Männer und Frauen haben nur ein

Ziel vor Augen: Gold und Edelsteine.

Die Abenteurer gehen mit Gummistiefeln,

Hämmer und Meißeln, Schaufeln und

Goldwäscherpfannen ans Werk. Sind diese

Menschen etwa einfache Bergleute?

Oder vielleicht sogar Gold- und

Edelsteinräuber? - Weit gefehlt! -

Es sind Mitglieder der Mineraliengruppe

der Arbeiterwohlfahrt, die wieder einmal

unterwegs sind, um die Gegenden nach

wertvollen und glänzenden Steinen

abzusuchen. Es ist bereits die dritte

mehrtägige Exkursion der noch relativ

neuen Mineraliengruppe...

So stand es in einem der ersten

Exkursionsberichten der Rother Lokalpresse.

Die Idee zur Gründung einer solchen Gruppe

ist aus einem gemeinsamen Hobby zweier

AWO - Mitglieder entstanden, nämlich durch

Ernst Rossmeissl und mir. Als Vorsitzende der

AWO Ortsvereine Roth und Wendelstein

wollten wir damit eine Alternative zu den

üblichen Aktivitäten der Arbeiterwohlfahrt

anbieten und bereits nach kurzer Zeit hatte

die Gruppe einen festen Platz im

Jahresprogramm der Arbeiterwohlfahrt.

Ursprünglich als Mineralien- und

Wandergruppe gedacht, stehen mittlerweile

die ,,Steine" klar im Vordergrund. Bei unseren

Exkursionen und Ausflügen zählen vor allem

Erlebniswert und sozialer Gruppengedanke,

wobei wir aber auch auf die geologisch

fundierte Wissensvermittlung großen Wert

legen.

Das Fachwissen in der Gruppe ist in den 10

Jahren ständig gewachsen, das liegt nicht

zuletzt an den im Laufe der Zeit

hinzugewonnenen, geologisch kompetenten

Mitgliedern. Ob es um die Themen

bayerisches Gold, Pseudomorphosen von

Quarz nach Baryt, versteinerte Hölzer oder

einfach nur Trommelsteine aus den Quarzen

der Sandgruben geht, aus fast allen

mineralogischen Bereichen hat ein Spezialist

den Weg aus seinem „Einzelkämpferdasein“

in die lockere Gruppengemeinschaft

gefunden.

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Dipl. Ing. (FH) Klaus Pusch

Leiter der AWO Mineraliengruppe

Mittlerweile sind 38 Mitglieder aus 8 Orten

nämlich Roth, Wendelstein, Schwabach,

Röttenbach, Büchenbach, Rednitzhembach,

Heideck und Hilpoltstein in der Gruppe

vertreten. Zwischen 10 und 16 Teilnehmer

sind auf den jährlichen Tages- und

Mehrtagesexkursionen stets mit dabei. Jeden

ersten Donnerstag im Monat findet außerdem

ein Treffen der Mineraliengruppe um 18 Uhr

im AWO-Zentrum Roth statt. Dabei wird unter

anderem über das nächste Exkursionsziel

oder über die gefundenen Mineralien

gesprochen, Filme über Mineralogie

angesehen oder Gastredner zu Fachthemen

eingeladen. Im Sozialzentrum in Roth gibt es

außerdem für die Mitglieder einen Raum mit

Diamantsäge und eine Schleif- und

Poliermaschine zur Steinbearbeitung.

Jedes Jahr im Mai und Dezember präsentiert

die Mineraliengruppe auf einer kleinen

Mineralienbörse ihre selbstgefundenen

,,Schätze"(in Wendelstein und Roth).

Seit 2004 gibt es auch in Wendelstein und

Roth eine Mineraliengruppe für die Junioren,

die „AWO Miner-Kids“. Hier werden 8-12

Jährige in die Geheimnisse des Stoa-Suchens

eingeweiht und das Wissen der „Alten“ an die

„Jungen“ weitervermittelt.

Wir hoffen und wünschen uns für die Zukunft,

dass diese AWO-Gruppen für die Menschen

im Landkreis Roth und in Schwabach noch

viele Zehnerjahre fortbestehen werden.

Mit einem herzlichen „Glück auf“


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Chronik

der AWO Mineraliengruppe

Der Anfang

Bei einem gemeinsamen Kurzurlaub im

August der Familien Rossmeissl und

Pusch in Rauris Österreich, zeigten sich

die gemeinsamen Interessen des

Wanderns und Mineraliensammelns. So

entstand die Idee einer themenorientierten

Gruppenarbeit für die AWO Ortsvereine

um neue Mitglieder zu werben.

1997

Im Herbst 1997 wird anlässlich eines

AWO-Treffs (abendliche Bildungsveranstaltung

im Sozialzentrum Roth) die

Mineralienwandergruppe ins Leben

gerufen und eine gemeinsame Exkursion

ins Fichtelgebirge vorgeschlagen. Es

sollten dort Fundstellen für Bergkristall

und Rauchquarz an der Johanneszeche

und am Epprechtstein besucht werden.

Die Leitung und Organisation übernahm

Klaus Pusch.

Am Samstag, dem 1.11.1997 findet die

erste Tagesexkursion in das Fichtelgebirge

statt.

Die sieben Teilnehmer waren:

Klaus Pusch

Gerd Wessel

Ernst und Barbara Rossmeissl

Robert Gattenlöhner

Gabi Harnischfeger

Claus Eitel

6

Dieser Termin kann als die Geburtsstunde

der Mineraliengruppe angesehen werden.

1998

Am 14.5.1998 fand ein Treffen statt, um

Exkursionen und regelmäßige

Gruppentreffen zu organisieren. Klaus

Pusch wurde als Leiter gewählt. Die

Gruppe soll nur noch Mineraliengruppe

heißen.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Am 21.5.1998 fand eine Nachmittags-

Wanderung bei Georgensgmünd statt, um

Karneole zu suchen. Diese Fundstelle war

Ernst Rossmeissl bekannt und es wurden

auch der auf der Titelseite abgebildete

blau-rote Karneol wurde dabei gefunden.

Mit dabei waren Ernst und Barbara

Rossmeissl, Adolf und Stille Weigel, Klaus

und Margot Pusch. Hierzu gibt es keine

Fotos und keine Teilnehmerliste.

Am Donnerstag, dem 4. Juni 1998 findet

dann der erste regelmäßige

Gruppenabend statt.

Das Angebot schlägt ein. Beim Treffen im

Juli 1998 sind es bereits 13 Teilnehmer.

Vom 8.10. bis 11.10.1998 findet die erste

Mehrtagesexkursion mit acht Teilnehmern

nach Österreich ins Ötztal statt um

Granate zu suchen.

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Am 18.10.1998 fand eine Tagesexkursion

nach Theuern ins Bergbaumuseum statt.

Anschließende wurde die Grube Hermine

besucht (Wölsendorfer Flussspatrevier).

Erste Info- und Verkaufsstände der

Gruppe sind am Weihnachtsmarkt der

AWO in der Kulturfabrik zu sehen.

Die Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 20 Erwachsene.

Diese Gruppenabende finden bis

Heute regelmäßig statt.


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1999

Jeden 1. Donnerstag im Monat findet ein

Gruppenabend statt, insgesamt 12-mal.

Die erste Mehrtagesfahrt nach Tschechien

1999, Klasterice, im Mai und die zweite

Mehrtagesfahrt nach Rauris1999

(Österreich) im August finden statt.

Es findet die erste eigenständige

Mineralienbörse in Roth im AWO Zentrum

statt.

Die Gruppenmitglieder stellen ihre selbst

gefundenen Mineralien aus.

Nach 3 eigenen Treffen in Wendelstein

beschließt die Wendelsteiner Gruppe an

den regelmäßigen Treffen im AWO

Zentrum Roth mit teilzunehmen.

Klaus Pusch stellt eine Flächenschleifmaschine

für die Steinbearbeitung zur

Verfügung, die im Zentrum in Roth ihren

Standort findet. Später kommt noch eine

Steinsäge von Ernst Rossmeissl dazu, die

ebenfalls im Zentrum steht.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 30 Erwachsene.

2000

Die dritte Mehrtagesfahrt geht im Mai

nach Turnov, Tschechien ins Böhmische

Paradies

Das Zillertal ist im September das nächste

Ziel.

Es findet die zweite Mineralienbörse in

Roth im AWO Zentrum statt. Die Besucher

kommen nicht wie erwartet und man

überlegt, den Ausstellungsort zu

wechseln.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 32 Erwachsene.

2001

Zwei Mehrtagesfahrten ins Erzgebirge

nach Wolkenstein (Frühjahr) und in den

Schwarzwald (Herbst) nach Wolfach zur

Grube Clara finden statt.

Die Stadt Roth stellt mit dem Voyer des

Schlosses Ratibor einen repräsentativen

Ausstellungsraum für die Börse zur

Verfügung. Die 3. Mineralienbörse wird

auf denselben Termin wie der Rother

Weihnachtsmarkt, nämlich auf den 2.

Advent gelegt.

8

Jetzt stellten sich auch die entsprechende

Besucherzahlen ein (ca. 240).

Bei den Gruppenabenden werden

verstärkt Vorträge und Themenabende

angeboten.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 32 Erwachsene.

2002

Die siebte Exkursion führte uns in den

Thüringer Wald nach Ilmenau (Frühjahr)

und im Herbst besuchten wir das

Deutsche Edelsteinzentrum Idar-

Oberstein.

Die 4. Mineralienbörse findet wieder im

Schoss Ratibor statt, das bis heute unser

Rother Börsenplatz ist.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 34 Erwachsene.

2003

Die österreichische Steiermark

(Weißenbach) und das Val Bedretto

(Schweiz) waren die Exkursionsziele in

diesem Jahr.

Zum ersten Mal hatten wir professionelle

Führer engagiert, was sich besonders in

der Schweiz als lohnenswert

herausstellte.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 36 Erwachsene.

2004

Die erste Mineralienbörse in Wendelstein

fand in den Awo-Räumen im

Taglöhnerhaus (Frühjahr) statt.

Mit überwiegend neuen Mitgliedern ging

es zum zweiten Mal in die Schweiz (Val

Bedretto, All Acqua). Im Herbst besuchten

wir auf unserer zwölften Mehrtagesexkursion

historische Fundstellen im

Fichtelgebirge.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 40 Erwachsene.

Es ist das Jahr der Gründung der

Jugendmineraliengruppe „AWO Miner-

Kids“ in Wendelstein für 8-12 Jährige. Mit

einer Film- und Quizveranstaltung im

November findet das erste Treffen im

Taglöhnerhaus mit 12 Kindern statt. Frank

Hörer aus Wendelstein übernimmt die

Funktion des Jugendleiters. Damit wird die


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Jugendarbeit durch ein ständiges,

thematisiertes Angebot für Kinder

erweitert. Es werden jährlich fünf bis

sechs Veranstaltungen geplant.

2005

Die Ziele dieses Jahres waren Zöblitz im

Erzgebirge (Frühjahr) und die Enzianhütte

im Habachtal (Herbst).

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 40 Erwachsene.

Die alten Steinbrüche von Wendelstein

und Solnhofen waren die Ziele der

Tagesexkursionen mit den AWO-

Minerkids.

Die Anzahl der jugendlichen Teilnehmer

bei den Veranstaltungen der AWO-

Minerkids liegt zwischen 8 und 22

Kindern.

Bei der Veranstaltung über den

Wendelsteiner Ferienpass waren ca. 50

Kinder in Solnhofen mit dabei.

2006

Der historische Bergbau im Harz (St.

Andreasberg) war das Ziel der einzigen

Mehrtagesexkursion in diesem Jahr.

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 40 Erwachsene.

Die alten Steinbrüche von Wendelstein,

Buttenheim, das Leinleitertal und

Solnhofen waren die Ziele der

Tagesexkursionen mit den AWO-

Minerkids.

Die Anzahl der jugendlichen Teilnehmer

bei den Veranstaltungen der AWO-

Minerkids liegt zwischen 8 und 24

Kindern.

Bei der Veranstaltung über den

Wendelsteiner Ferienpass waren ca. 50

Kinder in der Teufelshöhle in Pottenstein

mit dabei.

2007

Wir betrauern unsere

Gruppengründungsmitglieder Barbara

Rossmeissl und Adolf Weigel die im

Februar und Juni verstarben. Doch die

Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse

werden sie auch weiterhin in unserer Mitte

bewahren.

9

Die 16. Exkursion führte die Gruppe nach

Rueras (Sedrun, Graubünden, Schweiz).

Die 17. Exkursion führte die Gruppe nach

Freisen und Idar-Oberstein (Saarland,

Rheinland-Pfalz).

Anzahl der Mineraliengruppenmitglieder

beträgt 38 Erwachsene.

Bamberg, Buttenheim, das Leinleitertal

und Solnhofen waren die Ziele der

Tagesexkursionen mit den AWO-

Minerkids.

Die Anzahl der jugendlichen Teilnehmer

bei den Veranstaltungen der AWO-

Minerkids liegt zwischen 12 und 36

Kindern. Bei unseren Veranstaltungen

über den Wendelsteiner Ferienpass waren

32 Kinder in Solnhofen mit dabei.

Das neue Logo für die AWO-Mineraliengruppe zeigt das

Bergbauzeichen mit gekreuztem Hammer und Schlägel und

das AWO-Herz mit einer Bergkristall- und Granatstufe.

D A N K E !

An dieser Stelle möchte ich mich

bei allen Mitgliedern, Helfern,

Sponsoren und Freunden der

AWO-Mineraliengruppe für ihr

ehrenamtliches Engagement sehr

herzlich bedanken. Vor allem bei

den AWO-Bus-Fahrern in den

eigenen Reihen, die bei unseren

Exkursionen und bei den Fahrten

mit unseren AWO-Minerkids

höchste Verantwortung tragen.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Heimische Geologie

Die Geologie des südlichen Mittelfrankens

und damit auch unseres Landkreises hat

sehr viel mit Wasser zu tun, ist doch nach

Tagen gerechnet unser Landkreis erst vor

20 Minuten aus dem Wasser aufgetaucht

(vor ca. 250 Millionen Jahren)!

Als im Präkambrium vor weniger als 4

Milliarden Jahren die ersten Flüsse

entstanden, weil der Regen auf der

Erdoberfläche nicht mehr verdampfte,

befanden wir uns geologisch gesehen auf

dem Meeresboden eines Urmeeres auf

der südlichen Erdhalbkugel. Einer der

ältesten Flüsse Bayerns hinterließ in der

Karbonzeit vor mehr als 290 Millionen

Jahren bei Erbendorf-Weiden südlich des

Fichtelgebirges bis zu 150 Meter mächtige

Sandschichten mit Geröllen. Letztere

werden als die ältesten außeralpinen

Flussgerölle Bayerns betrachtet. Der

Verlauf dieses Flusses ist nicht bekannt.

Der älteste Vorläufer des Mains existierte

schon im frühen Oligozän vor mehr als 35

Millionen Jahren. Der Urmain floss

allerdings damals nur bis Bamberg wie

der heutige Main von Osten nach Westen,

von da ab jedoch im heutigen

Regnitz/Rednitz-Tal nach Süden und

mündete etwa bei Augsburg in das zu

jener Zeit im Alpenvorland sich

ausbreitende Meer. Vor etwa 14,7

Millionen Jahren wurde der Urmain durch

Trümmermassen eines

Meteoriteneinschlags (Nördlinger Ries)

10

nördlich von Treuchtlingen zu einem

riesigen See aufgestaut, der später wieder

auslief.

Zu den ältesten Flüssen Bayerns im

Oligozän gehört auch die Urnaab. Dieser

Vorläufer des heutigen

Donaunebenflusses Naab floss

spätestens ab etwa 30 Millionen Jahren

auf der schon damals nach Süden

geneigten Gegend von Weiden bis

mindestens nach Regensburg-Ingolstadt

und vereinigte sich wohl nördlich von

Augsburg mit dem Urmain.

Später mündete die Urnaab in das

inzwischen nach Niederbayern

vorgedrungene Meer ein. Ihr damaliges

Flusstal ist allmählich versumpft. Aus den

Pflanzenresten dieser Sumpflandschaft

bildete sich unter anderem die Braunkohle

von Schwandorf und Wackersdorf.

Eine entgegen gesetzte Strömungsrichtung

wie die heutige Donau hatten die

Flüsse im Miozän vor mehr als 15

Millionen Jahren im Alpenvorland. Weil

das meist nur geringe Gefälle damals von


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Osten nach Westen gerichtet war,

strömten die Flüsse von Oberösterreich

aus zu dem von der Schweiz nach

Südwesten zurückweichenden Meer. Das

sich von Osten nach Westen ausbreitende

Flussnetz wurde vor allem durch die

Urenns und Ursalzach gespeist.

Die ersten Anfänge der jetzigen Donau

reichen bis vor etwa 7 Millionen Jahren

zurück. Die Urdonau drang damals von

Niederösterreich aus durch rück

schreitende Erosion immer weiter nach

Westen in das zugleich mit den Alpen im

Westen stärker als im Osten aufsteigende

Vorland vor. Dadurch kehrten sich das

Gefälle und die Laufrichtung der Flüsse in

Süddeutschland in West-Ost-Richtung

um. Allmählich gliederten sich immer mehr

Zuflüsse vom Gebirge im Süden und von

Norden her der Urdonau an, die zunächst

auf der Alb-Hochfläche floss und später

dann das untere Altmühltal eintiefte. Zu

diesen Nebenflüssen gehörte auch der

Urmain, der erst im Eiszeitalter seinen

Lauf änderte. Ihre größte Länge erreichte

die Donau wohl etwa vor 5 bis 6 Millionen

Jahren in der Übergangszeit zwischen

Miozän und Pliozän. Damals bildete die

Aare ihren Oberlauf, so dass man für jene

Zeit auch von "Aare-Donau" spricht. Erst

im mittleren Pliozän vor etwa 3 bis 4

Millionen Jahren verlor die Donau die

Aare als Quellfluss.

Die erste Verbindung von Main und Rhein

ist irgendwann im frühen Eiszeitalter vor

etwa 1,5 Millionen bis 800.000 Jahren

erfolgt. Dabei verband sich der im

11

Fichtelgebirge entspringende, ursprünglich

nach Südwesten in Richtung Donautal

abfließende Urmain (auch Bamberger

Main genannt) mit dem westwärts

strömenden Aschaffenburger Main und

erhielt so Anschluss an den Rhein. Die

von der Frankenalb kommenden Wässer

fanden ihren Abfluss in dem Tal und

bildeten die Rednitz die nun im Urmaintal

von Süd nach Nord in den Main fließt.

Im Altmühltal lässt sich die Erdgeschichte

der letzten 160 Mio. Jahre ablesen. Vom

Jurameer über die Abtragung der

Kalksteine bis zum Kampf um das Wasser

zwischen Rhein und Donau ist hier das

Buch der Geologie aufgeschlagen. Weiße

Felsenkränze aus Kalkgestein begleiten

das tief eingeschnittene Flusstal. Die

Schichtenfolge aus Kalksteinen und

Kalkmergelsteinen ist bis 500 m mächtig.

Das warme Jurameer bot zahlreichen

Meerestieren Lebensraum wie Muscheln

und Kopffüßlern (Ammoniten),

Schnecken, Seeigeln, Seelilien und

Schwämmen. In dem feinen Kalkschlamm

am Meeresgrund konnten sich die

Schalen und Skelette der Tiere gut

erhalten.

Die gesamte Fläche des Regnitz-Rednitz

Beckens ist ein Teil der Keuperlandstufe

deren Schichten nach Osten hin leicht

abfallen. Die Kalkschichten der Alb sind

durch Erosion vollständig verschwunden.

Die großflächigen Sandbedeckungen mit

einer Mächtigkeit von bis zu 30 m bei

Erlangen und 20 m bei Roth, bestehen

überwiegend aus Verwitterungsmaterial

des Keupers und sind bedingt durch

mangelhaften Abtransport zu der heutigen


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Mächtigkeit angewachsen. Die Sandsteine

des Keupers treten noch heute an vielen

Stellen an die Oberfläche und sind

zumeist lang gestreckt oder

sargdeckelartig geformt, z.B. der

Nürnberger Burgberg, östlich der

Schmausenbuck und südlich der

Höhenzug bei Worzeldorf und

Wendelstein.

Die geologische Entstehung des

Höhenzuges zwischen Worzeldorf und

Wendelstein reicht ca. 240 Millionen Jahre

zurück. Damals lagerte sich im Trias-Meer

eine Schicht ab, die heute als oberer

Burgsandstein bezeichnet wird. Risse,

hervorgerufen durch starke

Erdbebentätigkeit die auch zur Absenkung

des Rheingrabens führte, ermöglichte aus

großen Tiefen den Aufstieg von

hydrothermalen Lösungen (mehrere

hundert Grad heiße wässrige Lösungen)

die sehr mineralreich waren. Diese

Lösungen wandelten den grobkörnigen

Sandstein in feinkörnigen und

siliziumhaltigen Quarzit um, der dadurch

sehr hart wurde und deshalb auch im

Mittelalter zum Bau der Nürnberger Burg

verwendet wurde. Beim Erkalten

kristallisierte dann in den Spalten und

Rissen die heute noch auffindbaren

Mineralien wie Quarz (Bergkristall) und

Baryt (Schwerspat) sowie

Pseudomorphosen von Baryt nach Quarz.

Die Bergkristalle von Wendelstein und die

12

berühmten blauen Baryttafeln kann man

mit etwas Glück noch heute finden.

Das Quartär ist von einer Vielzahl lockerer

Ablagerungen gekennzeichnet. Die über

20 m mächtigen Sande ziehen sich auch

in die Seitentäler wie Schwarzach und

kleine Roth. Dünen und

Flugsandablagerungen ziehen sich in

einem breiten Band von Erlangen, über

Röthenbach/Peg. bis Altdorf. Im Süden

des Nürnberger Reichswaldes erstrecken

sich weitere große Flugsandbereiche

bei Sperberslohe/Furth/Harrlach und am

Anstieg des Burgsandsteins. Stellenweise

wurde der Flugsand während der

kaltzeitlichen Sommer zu Dünen

aufgeweht. Das Material dafür stammte

aus den westlich gelegenen Terrassen

und Keuperverwitterungen.

Im Osten Nürnbergs hat sich ein

Flugsandbecken mit einer Ablagerungsmächtigkeit

bis 40 m gebildet. Hier findet

man in Ausdehnung und Tiefe die größten

Flugsandvorkommen des Reichswaldes.

HABBE (1997) konnte nachweisen, dass

der Aufbau einer so mächtigen Lage aus

einer Kombination von fluviatilen (durch

Bäche und Flüsse transportiert) und

äolischen (durch den Wind transportiert)

Prozessen erfolgte und durch die

abflussbegrenzende Lage (Mulden)

zwischen den Höhenzügen begünstigt

wurde.

Durch Brunnenbohrungen belegtes Profil des Untergrundes (LK Roth Nord-Süd)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Ausschnitt Landkreis Roth aus der geologischen Karte Bayerns

13


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Mineralienfundstellen im Landkreis Roth

3

2

1 Quarz und Baryt aus Wendelstein

2 Halbedelsteine von den Äckern und den Sandgruben bei Roth

3 Karneol aus Georgensgmünd

4 Calcit- und Gipskristalle von der ICE-Trasse bei Hilpoltstein

5 Pyrit vom Kanalbau bei Hilpoltstein

6 Versteinertes Holz von Kammerstein bis Pleinfeld

7 pyritisierte Ammoniten von der ICE-Trasse bei Greding

6

Bei den Fundstellen im Landkreis Roth handelt es sich meistens um Ackerflächen

(natürliche Aufschlüsse) oder um künstliche Aufschlüsse (Straßenbau, Bahntrassenbau,

Kanalbau und Steinbrüche).

14

1

4

7

5


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Mineralien des Landkreises

1 Quarz und Baryt aus den alten

Steinbrüchen von Wendelstein

In der sekundären, hydrothermalen

Spalten des Wendelsteiner Quarzits

kommen aus Quarzen auch noch

schöne Baryte vor, während der für die

würfeligen Abdrücke in dem Quarz

verantwortliche Fluorit bis jetzt nicht

nachgewiesen werden konnte.

Blaue Baryt-Sonne (Bildbreite 3 cm )

15

Sehr schön erhaltener tafeliger

Baryt-Kristall mit Endflächen

(Bildbreite 4 cm )

Fleischfarbener Baryt auf Quarz Baryt auf Quarz, „blauer Schmetterling“

(Bildbreite 6 cm ) (Bildbreite 7 cm )


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Vom ursprünglichen Kristall zur Pseudomorphose

Zonar gefärbter Baryt auf Quarz ( weiß/gelb, Bildbreite 2 cm )

Pseudomorphosen von Quarz nach Baryt ( Bildbreite 8 cm )

16


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

2 Halbedelsteine von den Äckern und den Sandgruben bei Roth

Quarz mit eingewachsenem Turmalin ( Schörl, Bildbreite 6 cm )

verschiedene getrommelte Quarzvarietäten ( Bildbreite 16 cm )

17


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

3 Karneol von den Äckern um Georgensgmünd

Rot-gelber Karneol mit kleinen Achatzeichnungen ( Bildbreite 10 cm )

Rot-gelber Karneol ( Bildbreite 10 cm )

18


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Der bisher wohl schönste gefundene Karneol mit ausgezeichneter Achatzeichnung

( Größe 4 x 6 cm, Ackerfund von Ingrid Hutter, 2006)

Detailaufnahme des „Achats von Bernlohe“

19


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

4 Calcit- und Gipskristalle von der ICE-Trasse bei Hilpoltstein

Große Kalkgeode mit rosa Calcitkristallen

(Durchmesser ca. 14 cm, gefunden von

Claus Eitel)

20

Gipskristalle in Blattform ( Kristallhöhe 6 cm )

Rosa Calcit mit Pyritwürfel (< 1 mm) im Kalkgestein ( Drusendurchmesser ca. 7 cm )


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

5 Pyrit vom Kanalbau bei Hilpoltstein

Pyritkugel auf Sandstein (Bildbreite ca. 10 cm, gefunden von Klaus Pusch)

Pyrit-„Wurst“ auf Sandstein ( Bildbreite 10 cm )

21


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6 Versteinertes Holz von Abenberg bis Pleinfeld

Abenberg (18 x 14 x 15 cm)

Unterrödel (Hilpoltstein)

(16 x 16 x 12 cm)

22

Eckersmühlen (Roth)

(12 x 8 x 10 cm)

Barnsdorf (15 x 10 x 6 cm) Mischlbach (bei Pleinfeld, 30 x 26 x 25 cm)


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7 pyritisierte Ammoniten und Pyrit von der ICE-Trasse bei Greding

„Goldener Ammonit“ (pyritisiert)

( Durchmesser ca.7 cm )

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Pyritknolle auf versteinertem Holz

( Stufengröße 12 x 10 cm )

Pyrit (Markasit?) auf Eisen-Tonknolle ( Stufengröße 15 x 20 cm )


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Pyritisierte Ammoniten

Die so genannten „goldenen Ammoniten“

in der Lias- Schicht sind durch einen

mikrobiologischen Vorgang entstanden.

Bei der Verwesung und Umwandlung in

ein Fossil entsteht aus den im Lebewesen

und der Umgebung vorhandenen

Schwefel, Eisen und Wasser im Laufe der

Zeit Schwefelwasserstoff (H2S).

Dieser H2S verbindet sich mit den

Eisenionen zu schwarzem Eisensulfid

(FeS). Daraus wiederum entsteht durch

weitere chemische Kondensation Eisen-

oder und Schwefelkies (FeS2) in Form

von Pyrit oder Markasit.

In den schaligen Ur- Meerestieren (z.B.

Ammoniten) kristallisiert der Pyrit oder

Markasit dann bevorzugt in deren

Hohlräumen aus (dann auch in typischer

Würfelform) und nimmt auch deren

äußere Schalenform an (Kristallwachstumsbegrenzung

durch das sie

umgebende Gestein).

Pyrit und Markasit zerfallen!

Hat man goldene Ammoniten oder andere

pyritisierte Fossilien in der Sammlung

weiß man, dass das Ausblühen der

pyritisierten Fossilien ziemlich plötzlich

beginnen kann, weil der mikrobiologische

Vorgang auch im Sammlerschrank

weitergeht.

Auf der Fossilien-Oberfläche wird dann

ein puderiger, weißgrauer Belag sichtbar

und die mit der feuchtigkeitsbedingte

Volumenvergrößerung im Inneren führt

letztendlich zum Zerfall des Objekts.

Die unterschiedliche Ausblühungsanfälligkeit

der Kristallformen Pyrit und

Markasit begründet sich durch die

Oberflächenstrukturen die bei Pyrit

großflächiger und weniger zerklüftet ist als

bei Markasit. Bei Markasit ist gegenüber

dem Pyrit häufig auch der Anteil der

Begleitminerale erhöht. Diese Stoffe sowie

24

hohe Luftfeuchtigkeit und erniedrigter pH-

Wert sind sowohl für eine

elektrochemische Reaktion, als auch für

das Bakterienwachstum von Bedeutung.

Die Begleitminerale selbst können auch

mit an der Verwitterung beteiligt sein, so

dass beispielsweise bei Gegenwart von

Hämatit, Siderit oder Goethit der Stein

dann zusätzliche eine Kruste aus

rotbraunem Rost (Limonit) zeigt.

Wie schützt man seine Funde?

Das Ziel von Konservierungsmitteln ist es,

den Sauerstoff- und Wasserdampfzutritt

an der Oberfläche der pyritisierten

Fossilien zu unterbinden. Um das zu

erreichen, sind folgende Arbeitsschritte

nötig:

1. Entfernen der Oxidationsprodukte

2. Abtöten der Mikroorganismen

3. Tränken mit einem alkalischen

Desinfektionsmittel

4. Trocknung

5. Versiegelung

Um diesen Schutz möglichst lange zu

gewährleisten, erfolgt dann die Lagerung

der Objekte bei niedriger Luftfeuchtigkeit.

Im Einzelnen

Die groben Ausblühungen sind

mechanisch durch Abbürsten unter

fließendem Wasser zu entfernen.

Der schwefelsäurehaltige Schmierfilm wird

einer Bürste neutralisiert.

Hierfür eignet sich am Besten normale

Zahnpasta oder Seifenlauge.

Schwefelbakterien werden durch Erhitzen

auf über 80 °C abgetötet.

Man kann das im Backrohr tun oder das

Fossil abkochen.

Kleinere Objekte kann man auch mit

Spiritus „Flambieren“.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Zum Trocknen und bis zum Abschluss der

Behandlung darf das Fossil nur noch auf

einer desinfizierten Unterlage gelagert

werden.

Die Oberflächen- und Hohlraumversiegelung

sollte nur an absolut trockenen

Fossilien erfolgen. Dabei sollten natürliche

Stoffe wie Firnis, Leinöl oder Schelllack

nicht verwendet werden, weil dabei in

Verbindung mit Feuchtigkeit Fettsäuren

entstehen, die das Wachstum der

Schwefelbakterien begünstigen.

Außerdem können Öle und Wachse

verharzen und dadurch Risse in der

Schutzschicht entstehen.

Heute gibt es im Handel ausgezeichnete

synthetische Steinpflegemittel und

Holzlasuren, die auch für die

Oberflächenversiegelung von Fossilien

bestens geeignet sind.

Im ersten Arbeitsschritt sollte durch

Verdünnung der Lasur mit Lösungsmittel

im Verhältnis 1 zu 2 das Eindringen in die

Fossiloberfläche verbessert werden.

Nach ausreichendem Tränken sollte das

Objekt auf einer welligen Alufolie (um das

Ankleben zu verhindern) getrocknet

werden.

Die Versiegelung muss dann mit dem

unverdünnten Mittel wiederholt werden.

Anschließend wieder gut abtrocknen

lassen.

Tipps zur Aufbewahrung

Eine Lagerung in Kunststoffbehältern, die

Säuredämpfe (PVC usw.) abgeben, ist

nicht zu empfehlen.

Die pyritisierten Fossilen sollten auch

nicht im Keller oder in der Garage in

Papp- oder Naturholzschachteln

aufbewahrt werden, da diese, wenn sie

einmal feucht geworden sind, diese

Feuchtigkeit auch lange halten.

Kondenswasserbildung durch starke

25

Temperaturschwankungen ist ebenso zu

vermeiden.

Denn Markasit und Pyrit blühen bei mehr

als 60% relativer Luftfeuchtigkeit trotz

einer Beschichtung rasch aus.

Lackschichten reduzieren zwar das

„Wasserziehen“ des Minerals, sind jedoch

keine absoluten Dampfsperren. Einmal

gebildete Schwefelsäure-Spuren ziehen

noch mehr Wasser, wodurch ein einmal

begonnener Abbauprozess rasch

fortschreitet und die Versiegelung zerstört.

Für einen dauerhaften Schutz muss

deshalb eine Luftfeuchte von weniger als

50% gewährleistet sein, d.h. die Fossilien

sollte man luftig, trocken und bei

Raumtemperatur aufbewahren.

Ein sicherer Schutz wäre die Lagerung in

wasserfreien, organischen Lösungsmitteln

wie Aceton, Ethanol oder

Methanol. Aber welcher Sammler möchte

schon seine Fossilien in Einweckgläsern

wie in der Anatomie präsentieren.

Die Ausblühgefahr ist sicherlich nicht auf

Dauer gebannt, weshalb eine Sammlung

regelmäßig auf Ausblühungen zu

kontrollieren ist. Gegebenenfalls ist die

Oberflächenkonservierung dann zu

wiederholen um weiterhin ungetrübte

Freude an seinen „goldenen Ammoniten“

zu haben.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Unsere Exkursionen

Riesige Bergkristallstufe aus dem

Wernloch

Bericht einer Bergung

von Günter Weinfurtner

Schon vor einigen Jahren fiel mir bei

meinen Exkursionen durch das Wernloch

ein Stein auf, der über und über mit teils

glasklaren Bergkristallen und

Pseudomorphosen von Quarz nach Fluorit

(würfelförmige Löcher im

Bergkristallrasen) besetzt war. Zu diesem

Zeitpunkt glaubte ich, dass dies ein Teil

des anstehenden Fels sei und beließ alles

im Urzustand.

Erst im November 2004 bei einer

Begehung gemeinsam mit Hartwig

Hillegeist stellten wir fest, dass dies ein

loser Felsbrocken ist. Die hervorragende

Qualität der aufgewachsenen Kristalle

regte uns an, diese Kristallstufe als

Ganzes für den Heimatverein „Unteres

Schwarzachtal“ zu bergen. Für diese

Aktion war das Frühjahr 2005 angedacht.

Es kommt meistens anders als man denkt.

Bei einem erneuten Streifzug durch die

alten Steinbrüche stellte ich am

Dreikönigstag 2005 fest, dass ein anderer

Sammler diesen Stein entdeckt hatte. Der

Stein wurde von ihm gedreht, so dass die

Kristalle nicht mehr sichtbar waren. Wir

mussten also annehmen, dass jemand

vorhatte, diesen Brocken vor Ort zu

zerlegen und in Einzelteile verschwinden

zu lassen. Der Heimatverein und damit die

Allgemeinheit hätte das Nachsehen

gehabt. Eilig informierte ich Hartwig

Hillegeist. Schon einen Tag später wurden

alle Vorbereitungen für die Bergung

getroffen. Auch die Forstverwaltung wurde

informiert. Bei herrlichem Sonnenschein

und angenehmen Temperaturen schritten

zwei Mann am 8.1.05 zur Bergung. Ein

stabiler Sackkarren mit besonders breiten

Reifen, ein Seil und ein paar

Styroporplatten waren unsere Ausrüstung.

26

Trotz einer ersten Schätzung des

Gewichts (mehr als 100 kg) konnte der

Stein relativ schnell auf dem Sackkarren

mit Styropor als Auflage festgebunden

werden.

Dann begannen allerdings erst die

wirklichen Anstrengungen. Da der Fundort

in einem abgelegenen Teil des alten

Steinbruchs lag, musste die wertvolle

Fracht immer wieder über Baumstämme,

dicke Wurzeln und schiefe Ebenen auf

und ab bewegt werden.

Höhenunterschiede bis 1,5 Meter waren

da schon dabei. Beim letzten dieser

kleinen Hügel – einen Meter rauf und

gleich wieder runter – half uns ein netter

junger Mann. Danach wurde es ebener;

jedoch teils sumpfig. Als dann noch ein

langer flacher Aufstieg in der Nähe der

früheren Gaststätte überwunden war, ging

es relativ flach und unbeschwert auf dem

Hauptweg in Richtung Parkplatz am

Wasserhochbehälter. Nach einer der

unzähligen Verschnaufpausen wurde

dann über eine schiefe Ebene aus zwei

Winkeleisen der Stein samt Sackkarren in

mein Auto gezogen und geschoben.

Auch hier fand sich eine freundliche

Helferin ein; eine Frau mit einem auffällig

zebraartig gemusterten Hut. Sie und Ihre

Bekannte – selbst Mineraliensammler –

waren völlig überrascht, dass derartige

Funde so Nahe vor den Toren Nürnbergs

gemacht werden können. Nach getaner

Arbeit und während einiger

Fachgespräche unter Kollegen kam noch

mehrmals die Frage von unserer Helferin:

„Darf ich nochmals in Ihr Auto schauen?“

Gemeint war damit ein vorläufig letzter

Blick auf diesen großartigen Fund. Mit

langsamer Fahrt ging es dann durch

Wendelstein nach Raubersried, wo dann

der Stein wieder ausgeladen wurde.

Diese Aktion dauerte ziemlich genau

dreieinhalb Stunden und brachte uns


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

beiden einen kräftigen Muskelkater ein.

Da ein solches Stück erstens unhandlich

ist und zweitens meist nur eine

„Schokoladenseite“ hat, beschlossen wir

unseren Fund von einem

Grabsteinmacher zersägen zu lassen.

Doch der winkte ab: Stein zu groß – oder

– Säge zu klein. Erst ein Marmorbetrieb

im Altmühltal konnte helfen. Die Kosten

für den Heimatverein sollten möglichst

gering sein, deshalb wurde eine

kostengünstige Transportmöglichkeit hin

und zurück sowie eine Flaute im

Sägewerk abgewartet. Erst Anfang April

2007 war der zersägte Stein wieder in

Raubersried. Nach einer gründlichen

Reinigung wurde die Bergkristallstufe ins

Archiv des Heimatvereins gebracht.

Die zersägte Stufe hat immer noch die

Abmessungen von etwa 40 cm Länge, 25

cm Breite und 22 cm Höhe

Sowohl die Quarzkristalle als auch die

würfelförmigen Löcher der Fluorite

erreichen eine Kantenlänge von knapp

einem Zentimeter

27

Der große Block im Wald vor der Bergung

Da das Wernloch unter Landschaftsschutz

steht, ist das

Herausbrechen von Steinen aus den

alten anstehenden Steinbruchwänden

absolut tabu und natürlich auch nicht

ungefährlich! Ebenso sind Grabungen

zu unterlassen weil sonst die Fauna

und Flora in den alten Steinbrüchen

unweigerlich Schaden nehmen würde.

Einmal im Jahr findet deshalb von uns

eine geführte und umweltgerechte

Wanderung statt, bei der man die

Fundstelle besichtigen kann und in den

noch herumliegenden Brocken auch

noch Belegstücke finden kann.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Vorbereitung einer Grabung nach versteinertem Holz

Wenn man mit einer größeren Gruppe ins Feld geht, ist es unbedingt notwendig, die

Erlaubnis des Grundstückeigentümers einzuholen. In den meisten Fällen erhält man diese

Erlaubnis auch.

Hier ein Brief an einen Grundstücksbesitzer wegen der Graberlaubnis:

Sehr verehrter …,

wie telefonisch vereinbart dürfen wir Ihnen unser Anliegen nochmals schriftlich

darlegen:

Wir, die AWO-Mineraliengruppe Roth, sind ein Zusammenschluss von ca. 20

Mineraliensammlern aus dem Kreis Roth. Unter dem „Dach“ der AWO haben wir uns

etabliert

• weil es in der näheren Umgebung keine Ortsgruppe der VFMG (Vereinigung der

Mineralien- und Fossiliensammler) gibt und

• weil der stv. Kreisvorstand und Ortsvorsitzende der AWO Roth Ernst Rossmeissl

und der Ortsvorsitzende der AWO Wendelstein und Leiter des AWO-Bildungswerks

Klaus Pusch selber „Steine sammeln“ und die Initiative zur Gründung der Gruppe

ergriffen haben.

Eine Reihe von Mitgliedern sammelt neben den Mineralien auch das, was es in der

Gegend von Roth am häufigsten gibt: Verkieselte Hölzer aus der Keuperzeit (ca. 200

Millionen Jahre alt). Die Hölzer findet man auf den Feldern oder (häufiger) im

Zusammenhang mit den vom Urmain in unserer Gegend abgelagerten

Sandvorkommen; d.h., die Hölzer sind häufig klein und mehr oder weniger

kantengerundet.

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass auch auf dem Ihnen gehörenden Grundstück …

(erster Acker auf der linken Seite, bisher als Wildacker oder Pflanzacker genützt,

Flurnummer nicht bekannt) verkieselte Hölzer zu finden sind. Viele Sammler haben

sich daher in der Vergangenheit und erst recht nach dem Umpflügen des Ackers im

Vorjahr bemüht, die Ihnen sicher lästigen „Steine“ (=Kieselhölzer) zu entfernen.

Dabei fiel dem Sammler Bruno Nachtrab aus Büchenbach - er gilt wegen des

Umfangs seiner Kieselholzsammlung, aber auch wegen seines Interesses an der

wissenschaftlichen Bestimmung dieser Hölzer als „Holzexperte“ der Gruppe – etwas

auf: Die Hölzer von Sandsee zeigen keinerlei Abrollspuren oder Kantenrundung.

Nach seiner Auffassung kann dies folgende Ursachen haben:

1. Die Hölzer sind vor 200 Mio. Jahren am Ort ihres Wachstums durch ein Ereignis

(z.B. Überschwemmung) unter Sauerstoffabschluss eingebettet worden, sind

versteinert und zerfallen nunmehr - nach Abtragung der überlagernden

Schichten durch Erosion – in Oberflächennähe allmählich unter dem Einfluss des

Klimas (Frostsprengung usw.).

28


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

2. Die andernorts gewachsenen Bäume sind in Sandsee zusammengeschwemmt und

unter Sauerstoffabschluss eingebettet worden, sind dort versteinert und zerfallen

nunmehr wie unter 1. beschrieben.

3. Die Bäume sind anderorts versteinert. Ihre Bruchstücke sind irgendwann und

irgendwie (Urmain?) nach Sandsee gelangt und zerfallen nunmehr zu noch

kleineren Stücken.

Die Alternative 1 wäre natürlich von größtem wissenschaftlichen Interesse, da es in

Deutschland erst einen bekannten versteinerten Wald gibt (im Stadtgebiet von

Chemnitz, aber seit über hundert Jahren überbaut). Alternative 2 wäre gleichfalls

von wissenschaftlichem Interesse, da nur wenige größere Vorkommen von ganzen

Baumstämmen in Deutschland bekannt sind (eines wurde beim Bau der Universität

Bayreuth entdeckt). Möglichkeit 3 wäre letztlich nur für die örtlichen „Holz“-

Sammler interessant.

Unsere Bitte an Sie lautet nun:

Gestatten Sie uns, im Laufe dieses Jahres zu einem noch zu vereinbarenden Termin

auf dem genannten Grundstück eine Probegrabung vorzunehmen, um zu erfahren,

ob überhaupt mit zunehmender Tiefe noch weitere Kieselhölzer vorkommen und

welcher Kategorie die Funde zuzuordnen sind. Nach unserer Auffassung sollten zwei

bis drei über das Feld verteilte „Schurfe“ mit je ein Meter Tiefe und ein bis zwei

Quadratmeter Fläche wohl ausreichen um entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen.

Dabei sind wir uns im Klaren,

• dass eventuelle Funde natürlich dem Grundeigentümer gehören,

• dass eine Entscheidung, wie bei positiver Fundlage verfahren werden soll,

gleichfalls nur im Benehmen mit Ihnen bzw. einer von Ihnen beauftragten

Person (Förster?) getroffen werden kann (bei Alternative 1 käme ggf. die

Einbindung der Uni Bayreuth in Frage; an der Uni Erlangen gibt es keinen

Paläobotaniker),

• dass wir die Schurflöcher selbstverständlich wieder verfüllen und das Feld in

ordentlichem Zustand verlassen.

Zum Wert evtl. gefundener Hölzer kann man vorweg schon Folgendes sagen: Bisher

haben wir in Sandsee ausschließlich Nadelhölzer in bräunlichen Farbtönen

gefunden. Finanziell hochwertige Stücke wie die in Chemnitz früher recht häufigen

und z. T. noch im Handel befindlichen farbenprächtigen Psaronien (Baumfarne)

aus dem Perm (= 290 Mio. Jahre) sind nicht zu erwarten. Der materielle Wert der

Funde dürfte nur gering sein („Sammlerwert“). Ggf. könnte aber wissenschaftlicher

Wert bzw. - bei (nur) einzelnen größeren Stücken – ein Interesse örtlicher Museen in

Betracht kommen.

In der Hoffnung auf einen positiven Bescheid verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Bruno Nachtrab Klaus Pusch

Leiter Mineraliengruppe

29


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Grabungen in Sandsee —

Kieselholz-Highlights in der Geschichte

der AWO-Mineraliengruppe.

(Eine Bericht von Bruno Nachtrab)

Generationen von Kieselholzsammlern

sind schon über jenes Grundstück im

Osten von Schloss Sandsee, unweit von

Pleinfeld, im Grenzbereich von

Feuerletten und oberem Burgsandstein

gegangen. Alle haben dort - mehr oder

weniger, größere oder kleinere —

Kieselhölzer gefunden. Immer wieder hat

mir einer gesagt: Da müsste man mal

graben können! Warum nicht, fragen wir

halt mal den Besitzer, sagte ich, der

Verfasser dieses Abschnitts, eines Tages.

Der Besitzer ist Fürst von Wrede in

Ehingen. Das erfuhr ich über einen

Bekannten. Ein Telefonat und ein

freundliches Anschreiben an seinen

Geschäftsführer, Graf von Hardenberg,

und schon am nächsten Tag kam der

erhoffte Anruf: „Nu grabt mal schön...“

Das war Anfang 2003, und eines kühlen

Frühlingsmorgens war der erste Trupp der

Kieselholzschürfer vor Ort. „Immer nur am

Rand entlang, und alles wieder schön

herrichten und ansäen!“ Diese Vorgaben

hatte uns der Jäger/Förster auf Schloss

Sandsee gemacht, unser Ansprechpartner

vor Ort. Es bildeten sich schnell einige

„Grabgemeinschaften“: Gerhard Pamler

und die Damen (Renate Weiser und Ingrid

Hutter), die Schmidts (Georg und Elke),

Klaus Eitel, Sven Polenz und Bruno

Nachtrab sowie der Einzelkämpfer

30

Dietmar Grän tieften sich nach Entfernung

des Grasbodens in den teils sandigen,

teils lehmigen Untergrund ein — mit

durchaus unterschiedlichem Erfolg: Klaus,

Sven und Bruno fanden gleich anfangs

einige größere, leicht gerundete Stücke

mit schönen Astansätzen, die Schmidts

waren nicht zufrieden, Dietmar schaute

kaum noch aus seinem lehmigen Loch,

ohne irgendetwas zu finden. Gerhard

Pamler schüttete das erste Loch wegen

gleichfalls ausbleibender Funde wieder zu

und begann in dem Bereich, wo schon

viele Sammler zahlreiche kleine Stücke

mit scharfen eckigen Kanten gefunden

hatten, erneut zu graben. Eine Superidee:

Ein ganzer verkieselter Baumstamm lag

dort, mehrere Meter lang. Aber leider

hatte ihn Mutter Natur zu nahe an der

Oberfläche deponiert: Die Frostsprengung

hatte ihn in Tausende von Trümmern

zerteilt und jahrhundertelanges Pflügen

hatte schon vorab viele Trümmer über den

Acker verteilt (deswegen hatten ja auch

alle Sammler auf dem Feld etwas

gefunden!). Gleichwohl waren noch viele

durchaus sehenswerte Stücke dabei,

wenn auch manches unwissenschaftlich

schnell im Kofferraum verschwand.

Manchmal siegt halt einfach die

Sammelleidenschaft über die

wissenschaftlichen Ambitionen... Weitere

Grabungen an der östlichen

Grundstücksgrenze entlang ergaben

einige weitere schöne, aber übel

riechende Funde in einer früheren

Wildschweinsuhle. Der nördliche Rand

des Feldes blieb unergiebig.

Alle Funde waren Nadelhölzer, erkenntlich

an den strukturellen Merkmalen und auch

an dem rechteckigen Zerfall, ganz

offensichtlich aus der Keuperzeit vor ca.

200 Millionen Jahren.

Sie waren wohl in der Nähe des späteren

Fundortes gestanden und später

versteinert. Allerdings: Den von uns im

Stillen erträumten „versteinerten Wald“

haben wir nicht gefunden. Er wäre auch

eine wissenschaftliche Sensation

gewesen.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Eine zweite Grabung — zwei Wochen

später - mit einigen weiteren Sammlern

brachte zwar mengenmäßig geringere

Funde, aber dafür erstmals eine exakte

wissenschaftliche Dokumentation:

Ruppert Zeiner demonstrierte uns mit

Spachtel und Pinsel, wie man mit

archäologischer Arbeitsweise an die

Feinarbeit bei der Bergung von

Kieselhölzer herangeht. Schön

zugeschüttet, Rasen angesät und

eingegossen. So verließen wir das Feld.

Ein schönes Holz aus Sandsee als

Briefbeschwerer für den Grafen und seine

Vorzimmerdame sowie eine gute Flasche

Rotwein aus meinem Keller für den

Wredeschen Jäger. Eine gelungene

Sache! Aber: Unsere Grabung haue sich

herumgesprochen: Immer wieder fragten

Kieselholzsammler, darunter auch Albert

Hofbeck aus Meckenhausen, ob wir nicht

noch einmal graben könnten Auch der

Heimatpfleger des Kreises Weissenburg-

Gunzenhausen hätte sich das gerne

einmal angeschaut. So fragte ich im Jahr

2005 nochmals beim Grafen an. Wir

durften noch einmal. Diesmal sogar im

Feld, weil eine Grabung entlang einer

schnurgeraden Linie (Grundstücksgrenze)

eben doch keine sonderliche Aussagekraft

31

hat. Leider war uns diesmal das Glück

nicht mehr in dem Maße hold wie zwei

Jahre zuvor. Oder hauen wir damals

schon instinktiv die besten Plätze

gefunden? Die systematisch über das

ganze Feld gelegten Aufgrabungen

erbrachten durchaus noch Kieselhölzer,

so dass jeder etwas Vorzeigbares für

seine Sammlung erhielt. Die

Grabungsbereiche sind durch Albert

Hofbeck vermessen und kartiert sowie

bezüglich ihres Inhalts dokumentiert

worden. Er hat auch den Versuch einer

Deutung der Grabungsfunde gemacht (im

Archiv der AWO-Mineraliengruppe).

Ansonsten: Schön zugeschüttet, Rasen

angesät und eingegossen. So verließen

wir das Feld. Und wieder eine gute

Flasche Rotwein aus meinem Keller für

den Wredeschen Jäger. Vielleicht wollen

wir ja noch einmal graben.

PS: Diverse Schürfe im Wald im

Nahbereich des Kieselholzfeldes

erbrachten nicht den kleinsten

Kieselholzsplitter. Aber nach Stürmen

(Wiebke...) sollen in den Wurzeln der

umgestürzten Bäume im Wald Richtung

Mannholz viele Kieselhölzer gefunden

worden sein.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Rauchquarze vom

Epprechtstein

Im Gegensatz zu den wenig

spektakulären Fundstellen die vor der

Haustür liegen, bieten die klassischen

Mineraliengegenden wie das

Wölsendorfer Flussspatrevier, das

Fichtelgebirge, der Bayerische Wald und

die Alpen ein wahres Eldorado für den

Mineraliensammler. Deshalb machen wir

seit zehn Jahren auch Fahrten zu diesen

bekannten Fundstellen.

Am 2.11.1997 fand unsere 1. Exkursion

mit den Gründungsmitgliedern statt.

Sogar die Presse berichtete darüber.

Kleine Rauchquarze und violetter Fluorit

auf Granit (Bildbreite 7 cm)

32

Bericht:

Roth (kp) - Bei kaltem aber herrlichen

Herbstwetter fand vor kurzem eine

Mineralienexkursion der AWO ins

Fichtelgebirge Statt. Unter der Führung

des Rother AWO-Leiters Klaus Pusch

ging es zunächst zum Epprechtstein mit

seinen vielen Steinbrüchen, wo

Bergkristalle mit violettem Flussspat und

Rauchquarze entdeckt wurden. In der

Johanneszeche bei Wunsiedel, dem

zweiten Anlaufpunkt, fanden die

Teilnehmer schöne Stern- und

Rauchquarze sowie Steatit und Dolomit

und man war sich darüber einig, dass

diese gelungene Fahrt wiederholt werden

soll.

Ernst Rossmeissl

Das einzige Foto dieser ersten Exkursion

hat „Junior“ Claus Eitel gemacht.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Goldwaschen im Bayerischen

Wald

Nachdem die AWO Wendelstein nach

Ostern ihre Ausstellung über Gold in

Bayern im Taglöhnerhaus hatte, wurde

von der AWO- Mineraliengruppe an

Pfingsten (16.06.04) im Bayerischen Wald

direkt vor Ort nach Gold gesucht.

Unter fachlicher Führung von Brigitte und

Gustl Steyer wurde hinter Zwiesel eine

goldführende Lehmschicht im Fluss

Regen angegraben.

Mit Goldwaschpfannen, wie im Wilden

Westen, wurde nun der geförderte Sand

gewaschen und die Schwermineralien

damit vom leichteren Sand getrennt.

Schon in der ersten Pfanne leuchtete ein

erstes „Nugget“ mit ca. 3mm Durchmesser

Bruno Nachtrab entgegen. Angespornt

von dem Erfolg wurde nun alle 14

Teilnehmer vom Goldfieber gepackt. Nach

5 Stunden und einem zerbrochenen

Schaufelstiel konnte dann die Ausbeute

begutachtet werden. Alle Teilnehmer

hatten zischen 2 und 10 Goldflitterchen in

Millimetergröße gefunden. Die Beste

Pfanne hatte Klaus Pusch mit 5

Goldkörnern von 3-4 Millimetern –

33

ein kleiner Sensationsfund. Alle

zusammen hatten etwa 1 Gramm Gold

gefunden. Trotzdem müsste man beim

derzeitigen Goldpreis von 12 € pro

Gramm ca. 100 Jahre, pro Jahr 200 Tage,

Gold waschen um zu einem kleinen

Vermögen (240 000,-- €) zu kommen – ein

mühsames Geschäft.

In der Nähe des Goldwaschplatzes war

vor ca. 150 Jahren eine Glashütte im

Wald gestanden. In dem Bach neben den

verfallenen Grundmauern konnten dann

noch reichlich Glaskiesel in allen Farben

gefunden werden.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Ein außergewöhnlicher Fluorit-

Fund im Altbergbau von

Wölsendorf

Am 1.05.2006 unternahm die AWO

Mineraliengruppe eine Fahrt in die

Oberpfalz.

Ziele waren Krandorf und Wölsendorf.

Erfreuliche Mineralienfunde am alten

Rolandschacht.

WENDELSTEIN ( kp ) - " Du musst den

Lehm immer durchkneten ", erinnerte sich

Margot von der AWO Mineraliengruppe an

die Worte ihres Mannes Klaus als sie

einen 3x3 cm großen Fluoritkristall in den

Händen hielt.

Der Lehmbatzen war ihr beim Graben an

der alten Grube Roland aufgefallen und

enthielt einen unbeschädigten Kristall von

tiefvioletter Farbe. Angespornt von diesem

Fund gruben Rudi, Klaus und Dietmar an

der Stelle in der Abraumhalde weiter und

fanden weitere im Lehm eingeschlossene

Fluorite in bis zu 4x4 cm großen

Kristallen. Im inneren waren die Kristalle

auch zonar gefärbt und zwar honiggelb.

34

Die Funde von grünem Pyromorphit

hielten sich wegen des Bewuchses des

Ackers (man konnte nur am Wegrand

suchen) in Grenzen. Nur wenige

Belegstücke wurden gefunden.

Ans Goldwaschen ging es dann noch an

die Naab. In einer alten Kiesgrube

konnten auch dann einige Goldflitter aus

dem Sand gewaschen werden.

Mit einem Abstecher nach Freyung zur

dortigen Mineralienbörse endete dieser

schöne Ausflug.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien aus

dem Wölsendorfer Flussspat-Revier

Pyromorphit (BB 10 cm, Krandorf)

Violetter Fluorit (BB 6 cm, Grube Roland)

Schöne Fluoritwürfel auf Granit (BB 8 cm)

35

Klarer Fluorit mit Eisenkiesel (BB 8 cm)

Fluoritwürfel (BB 8 cm, Grube Roland)

Heller Amethyst (BB 9 cm)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Fahrt ins Ötztal, ein schwerer Fund

im Tiefschnee

( 8. bis 11. Oktober 1998)

Roth (pm) — Die Wander- und

Mineraliengruppe der AWO Roth hatte

sich ein großes Ziel vorgenommen. Im

laufe des Jahres hatte man mehrere

Aufbrüche im Fichtelgebirge aufgesucht

und nun stand diesmal ein Ausflug in das

Ötztal auf dem Programm. Ernst

Rossmeissl als langjähriger Kenner der

Ötztaler Alpen wollte die Gruppe auf den

bekannten Granatkogel in Obergurgel

führen.

Welch eine Überraschung der Teilnehmer,

als man Anfang Oktober in Sölden ankam.

Bis in die Tallagen war in wenigen Tagen

bis zu 20 Zentimeter Schnee gefallen.

Die Gruppe wartete zwei Tage ab und

konnte dann doch bei herrlichem

Sonnenschein, der Gaisbergache entlang,

auf etwa 2500 m bis zum Gaisbachferner

aufsteigen.

36

Das Ziel, einige Granate zu finden, wurde

durch einen großen, aber schweren Fund

von Claus Eitel belohnt. Trotz der großen

Strapazen durch das Spuren im

Tiefschnee kehrte man mit Freude in die

Pension in Sölden zurück.

Am Abend wurden dann die Fundstücke

mit Kennerblicken begutachtet.

Ernst Rossmeissl


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Exkursion nach Nordböhmen und

Sachsen

(vom 17.-20. Juni 1999)

Für die Mineraliengruppe der AWO-Roth

stand vom 17.-20. Juni 1999 eine

mineralogische Exkursion nach

Nordböhmen und Sachsen auf dem

Programm.

Das Hauptinteresse dieser Unternehmung

galt dem Feuer der böhmischen Granate,

außerdem sollten Fundstellen im

bekannten Gebiet um Horni Halze

untersucht und die dort anstehenden

Amethyste mit Funden aus der Umgebung

von Geyer in Sachsen verglichen werden.

Die Anreise bei strahlendem

Sonnenschein war für alle recht

kurzweilig, da die beiden Kleinbusse der

AWO ausreichend Gelegenheit für einen

Plausch untereinander boten.

Schnell war Karlovy Vary (Karlsbad)

erreicht und nach einer ersten Kostprobe

der böhmischen Küche war ein Gang

durch die Stadt angesagt. In welchem

Laden haben wir uns dann wieder

getroffen? Natürlich ganz standesgemäß

zwischen Glasopalen, Achaten und

Moldaviten!

Klasterec war die nächste Station und

nach einer Tasse Kaffee konnte noch ein

kleiner Bummel durch das Schloss und

den Schlosspark unternommen werden.

Am meisten interessierte uns jedoch

dieser kleine Laden mit den herrlich

geschliffenen Exponaten ganz unten im

Gebäude. Eine Führung durch die

Porzellansammlung des Schlosses zeigte

37

eine weitere Facette der böhmischen

Industrie auf und verdeutlichte auch die

Kontinuität traditioneller Entwicklungen.

Bemerkenswert dann die Auffahrt nach

Medenec (870 m ü.NN), die uns wegen

Ihrer Steilheit fast schon an ein

Hochgebirge erinnerte. Doch das

Erzgebirge ist ein Pultschollengebirge und

so ist der Südabhang wesentlich steiler

als die eher lieblich wirkende

Nordabflachung.

Geologisch exponiert und damit auch ein

ideales Exkursionsziel ist dabei natürlich

die Gebirgskante - Medenec liegt genau in

diesem Bereich.

Von all dem ging uns zunächst wenig

durch den Kopf, denn das Hotel “Duna”

tauchte vor uns auf, das uns in den

nächsten Tagen mit zum Teil

ungewohnten Speisen überraschen,

aber auch mit einer herzlichen Fürsorge

verwöhnen sollte.

Schnell waren die Zimmer bezogen und

sofort machte sich die Unruhe des

Berggeistes bemerkbar. Die einen zog es

in der Abendsonne auf den Kupferberg,

die anderen nahmen (mit Hammer und

Meißel) den ersten Fundort bei Horni

Halze in Augenschein.

Das Programm der folgenden 3 Tage lässt

sich am einfachsten in mineralogischen

Kategorien schildern, denn außer einem

dem “Ladies Program” zuzuordnenden

Ausflug zum Tschechenmarkt nach

Vejprty galt unser ungeteiltes Interesse

den kleinen Steinchen.

Die kleinsten davon gab es in der Gegend

um Podsedice, wo ja die böhmischen


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Granate beheimatet sein sollen. Neugierig

machen ließen wir uns in der

Aufbereitungsanlage, wo das Material aus

dem nahen Tagebau zerkleinert und

aufkonzentriert wird. Mangels Durchblick

wurde so manch “kühner Griff” zu einer

herben Enttäuschung, denn erst im letzten

Konzentrat tummeln sich die Granate!

Welche immense Leistung hinter dieser

Aufbereitung steht, wurde jedem klar, als

wir anschließend selbst auf die Suche

gingen (auf allen Vieren mit Lupe und

Pinzette!).

Um auch den Endzustand all dieser

Bemühungen zu erleben, führte uns der

nächste Abstecher ins Granat-Museum

nach Trebenice. Vielleicht noch etwas

mehr als andere Besucher konnten wir

hier die Schönheit und Größe der Steine

ermessen.

Die ganz Unentwegten zogen nach dieser

Tagestour noch einmal los, um am Bach

in Horni Halze nach Achaten zu suchen

und nebenbei die ausdauernde

Bekanntschaft mit der Verwitterungsform

des Hämatit zu machen.

Im Mittelpunkt des Interesses stand am

nächsten Tag ein echtes Urgestein von

Horni Halze. Herr Felss kennt hier nicht

nur jeden Winkel, sondern war sogar

bereit, uns gegen ein "Bakschisch" zu

einigen Fundstellen zu führen. Dies fiel

ihm sicher nicht gar zu schwer, da er seit

einiger Zeit nicht mehr selbst sammelt und

deshalb mit seinen “Geheimnissen” etwas

freizügiger umgehen kann.

In der Nähe von Cerny Potok und Rusova

bekamen wir eine Ahnung davon, wie viel

38

Schätze in Form von Achaten,

Amethysten und anderen Mineralien sich

auch heute noch im Boden des

Erzgebirges verstecken mögen.

Wenn das Wetter uns etwas freundlicher

gesonnen gewesen wäre, hätten wir uns

sicher zu einer Tiefschürfung mit noch

ergiebigeren Funden aufraffen können. So

bleibt uns die Gewissheit, dass wir nur

einen kleinen Ausschnitt der

Möglichkeiten zu sehen bekamen - mit

trotzdem überaus interessanten Funden!

Dass stetes Bemühen mit der Zeit immer

interessantere Funde an Tageslicht

gelangen lässt, wurde am Nachmittag

klar, als mit vereinten Kräften noch einmal

das Wasserloch durchgeackert wurde:

Amethyste für alle und darunter auch

einige interessante Stufen und Spitzen

waren der Lohn.

Nach einer nicht ganz alltäglichen

Befreiungsaktion (der Türgriff in einer

Damentoilette brach ab! Rettung von

Hannelore über die Leiter) hieß es

Abschied nehmen von Medenec und dem

Hotel “Duna”.

Nach einem Intermezzo am Scheibenberg

in Sachsen, der mit einem überaus

sehenswerten Basaltsäulen-Aufschluss

aufwartete, war bald das Tagesziel Geyer

erreicht. Wieder einmal siegte bei den

meisten das Jagdfieber über den Magen

und so fanden wir uns zum letzten Mal auf

dieser Tour in gebückter Haltung auf einer

Waldlichtung wieder. Obwohl die Spuren

jahrelanger Sammlertätigkeit


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

unverkennbar waren, konnten auch hier

Amethyst-Funde vermeldet werden.

Besonders erstaunlich waren das

Interesse und die Sachkunde vieler

Einheimischer, die uns im Wald

begegneten. In Gesprächen mit ihnen

erfuhren wir einiges über den Bergbau

und die Mineraliensuche in dieser

Gegend.

Die Rückfahrt wurde von unseren Fahrern

in gewohnt souveräner Manier gemeistert

und so erreichten alle erholt und mit einer

reichen Ausbeute schließlich wieder Roth.

39

Nicht erst bei der Rückkehr wurde jedem

von uns bewusst, welch immenser

Aufwand für die Vorbereitung so einer

Exkursion erforderlich ist, damit nicht nur

die Quartiere reserviert sind, sondern

auch die Aufschlüsse schnell gefunden

werden und alles nach einem

ausgewogenen Timing ablaufen kann.

Deshalb gilt unser Dank Gerhard Pamler

und Rudi Haushofer, die diese Fahrt mit

ihrem Einsatz erst zu einem Erfolg werden

ließen.

Sven Polenz


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Geier, Gold und Bergkristalle,

eine Exkursion in die Hohen

Tauern

Für die Mineraliengruppe der AWO-Roth

stand vom 19. bis 22. August 1999 eine

mineralogische Exkursion nach Rauris in

Österreich auf dem Programm.

Das Hauptinteresse dieser Unternehmung

galt den sekundären Goldlagerstätten

eines historischen Bergbaugebietes um

den Hohen Sonnblick im Rauriser Tal.

Die Anreise im AWO-Bus erfolgte bei

strahlendem Sonnenschein über Franken.

Aber bereits im Alpenraum, nach Inzell,

waren die ersten Wolken am Himmel zu

sehen. Über Zell am See erreichte die

Gruppe dann gegen Mittag die Ortschaft

Rauris, die für die weiteren

Unternehmungen der Ausgangspunkt war.

Bereits nach dem Mittagessen in einem

historischen Gasthof in Wörth, ging es das

Hüttwinkeltal aufwärts bis nach

Bodenhaus. Hier standen früher die

Verhüttungsanlagen des ehemaligen

Goldbergbaugebietes. In der romantisch

fließenden Hüttwinkelache, deren

Quellgebiet mitten im primären

Goldvorkommen um den Hohen Sonnblick

liegt, wollten wir unser Glück als

Goldwäscher versuchen. Mit

Gummistiefel, Schaufel und

Goldwäscherpfanne ging es ans Werk.

Zuerst suchte sich jeder im bis zu

knietiefem Wasser eine geeignete Stelle

(wir steckten "unsere Claim´s" ab).

Grosse Felsblöcke wurden auf die Seite

gerollt und das darunter liegende

grobkörnige Gestein mit dem Spaten in

den Eimer geschaufelt.

Dann wurden die großen Brocken

aussortiert bis nur noch grober Sand im

Eimer verblieb. Mit der Waschpfanne

unter ständiger Wasserzugabe und mit

kreisenden Bewegungen beförderten wir

nun das taube Material wieder in die Ache

zurück bis nur noch ein Rest an

Schwermineralien in der Pfanne verblieb.

40

Diesen Rest untersuchten wir nun auf

Goldkörnchen, die heute noch in

Millimetergröße zu finden sind. Die

gefundenen Blättchen kamen dann unter

größter Vorsicht in mitgebrachte Döschen

zur späteren Bestimmung.

Die Stunden vergingen wie im Flug, das

Goldfieber hatte uns gepackt. Trotzdem

mussten wir uns losreißen, Hunger und

Durst trieben uns zum Abendessen nach

Rauris zurück. Am Abend sortierten wir

dann unter der Lupe das gefundene

"Gold". Glimmer, Quarz, Pyrit und Granat

waren die gefundenen Schwermineralien.

Dann ein Aufschrei: "Ich habe Gold!", und

tatsächlich, ein ca. 1,5 mm langes und 0.3

mm breites, dentritisches Aggregat

glänzte goldig unter der Lupe. Der

metallischen Form nach kann es sich hier

nur um ein Mini-Nugget handeln, die

genaue Analyse kann aber erst zu Hause

unter dem Mikroskop erfolgen.

Am Freitag, dem zweiten Tag, meinte es

der Wettergott überhaupt nicht gut mit uns

und so nutzten wir das Regenwetter am

Vormittag zu einem Besuch des

Heimatmuseums in Rauris.

Natürlich hat uns die Mineraliensammlung

und die Geschichte des Goldbergbaues

besonders interessiert. Am Nachmittag

beschlossen wir trotz Regens zum

Aufstieg über die Grieswies in den

Gamskarlgraben. Hier kommen durch die

Lawinenabgänge immer wieder schöne

Mineralien in erreichbare Lagen. Nach

zwei Stunden suchen im strömenden

Regen und teilweise im Nebel mussten wir

klatschnass die Aktion abbrechen. Und


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

das war gut so, denn beim Abstieg

konnten wir sehen wie sich wasserlose

Rinnen in tosende Wildbäche

verwandelten.

Die Ausbeute war auch entsprechend

gering, einige Bergkristallsplitter und -

flächen. Als Ersatz sahen wir uns dann die

Sammlung von unserem Bergführer

Michel an. Auch das ein oder andere

schöne Stück wechselte dann den

Besitzer. Am Abend beim gemütlichen

Zusammensein in der Sportalm wurden

dann die Stücke ausführlich begutachtet

und die große Tour am Samstag

besprochen.

Am nächsten Morgen dann der besorgte

Blick gen Himmel. Das Wetter wohl zum

Wandern ideal (kein Regen aber stark

bewölkt) aber zum "Stoasuchen" nicht

besonders gut, da die Sonne fehlte.

Michel, unser Bergführer, aber zerstreute

unsere Bedenken; "mittags kommt die

Sonne durch". Und so machten wir uns an

den Aufstieg in das Pochkar, unserem

Zielgebiet in ca. 2400 m Höhe.

41

Nach einer Brotzeit stießen wir in das

Fundgebiet vor und die ersten Klüfte

konnten in Augenschein genommen

werden. Die Quarzbänder waren deutlich

zu sehen und nach dem ersten Graben im

Kluftsand stießen wir auch auf Splitter von

Rauchquarzkristallen, die einige cm groß

waren. Trotz Nebel stiegen wir auf den

nassen Grashängen weiter zu den

nächsten Felsrippen auf. In einer weiteren

alten Kluft fanden wir dann auch die erste

Bergkristallspitze, nicht sehr groß aber

wasserklar. Nur die Sonne wollte uns bei

der Suche nicht unterstützen, es blieb

nebelig. Als dann das Gelände bedingt

durch die Nässe immer schwieriger und

damit auch gefährlicher wurde,

entschlossen wir uns wieder zum Abstieg.

Auf der Filzenalm machten wir dann Rast

um uns bei einer deftigen Brotzeit und

einen guten Schnaps uns wieder

aufzuwärmen.

Außer einer zerrissenen Hose ist uns

nichts passiert, das genügte aber um

ausreichenden Gesprächsstoff bei einer

feuchtfröhlichen Abschlussrunde am

Abend zu haben. Auch unsere Wanderer

und die Gourmetgruppe (um den

1.Vorstand Ernst Rossmeissl) die einen

wunderschönen Tag im Seidlwinkeltal

verbrachten, hatten viel zu erzählen.

Sonntagmorgen ging es noch zum

Bauernmarkt nach Wörth, wo wir die

Gelegenheit hatten Rauriser Spezialitäten

zu probieren. Nach dem Mittagessen noch

ein letzter Blick auf den Schareck und den

Talschluss mit dem Hohen Sonnblick,

dann ging es wieder heimwärts.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Rückfahrt wurde von unserem Fahrer

Sven Polenz in gewohnt souveräner

Manier gemeistert und so erreichten alle

erholt und mit einer reichen Ausbeute

schließlich wieder Roth.

Leider war es aufgrund der Wetterlage

nicht möglich, die im Rauriser Tal

beheimateten Geier bei ihren

majestätischen Gleitflügen über den

Berggipfeln zu beobachten. Das war nur

einem Teil der Gruppe am letzten Tag

ihres Urlaubs vorbehalten als der Himmel

wieder wolkenfrei wurde.

Unser Dank gilt den Familien Michel

Loitfellner und Gottfried Palfinger aus

Rauris-Wörth, die in Ihrer herzlich-

gastfreundschaftlichen Art sehr um uns

bemüht waren, sowie dem Ehepaar

Margot und Klaus Pusch, die diese

erlebnisreiche Fahrt mit einer detaillierten

Vorbereitung erst zu einem Erfolg werden

ließ.

Klaus Pusch

42


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien aus Rauris

Periklin mit Sagenitgitter, (BB 8 cm),

Grieswies-Alm

Calcit Kristall, (BB 5 cm), Straßenbau Schütt

Bergkristall mit hellbraunem Calcit (BB 8 cm,

Teilausschnitt der großen Stufe rechts)

Margot Pusch mit Klaus Pirchner, Extrem-Strahler

und langjähriger Mineralienfreund aus Rauris mit

der selbstgefundenen Bergkristallstufe.

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Bergkristalle, (BB 6 cm), Plattensteinbrüche Rauris

Aktinolit, (BB 14 cm), Grieswies-Alm


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Die Achate von Turnov

(Tschechien)

Eine mineralogische Exkursion der AWO-

Mineraliengruppe in das Böhmische

Paradies im April/Mai 2000

Auf den Spuren der Edelsteinbearbeitung

besuchte die Mineraliengruppe der AWO

die alte böhmische Schmuckstadt Turnov

in Tschechien.

Die nordostböhmische Kleinstadt an der

Iser (14000 Einwohner) war einst - und ist

es in kleinerem Maße heute noch - ein

Zentrum kunstvoller Edelsteinschleiferei.

Fundstätte ist von alters her der acht

Kilometer östlich von Turnov gelegene

Berg Kozakov (744 m), der in früheren

Zeiten mindestens viermal als Vulkan tätig

war. Von hier stammten sie, die

Chalzedone, Jaspise, Achate und Olivine,

mit denen die Wände der Wenzelskapelle

im Prager Veitsdom geschmückt wurden.

Prospektoren aus ganz Europa kamen vor

600 Jahren nach Turnov; der Kozakov

lockte wie später das kalifornische Gold.

Auch wenn die Edelsteinquelle im großen

und ganzen erschöpft zu sein scheint,

kann man immer noch mit Glück und

Geschick wunderschöne Achate in der

Umgebung des Berges finden. In Turnov

hat man sich heute auf die Herstellung

von Schmuck aus Granat spezialisiert.

44

Exkursionsbericht:

1. Tag (Donnerstag, 27.4.00)

Bereits am Tag der Anreise, nach der

Ankunft im Hotel Kavka in Mala Skala,

wurde der erste Steinbruch in Friydstejn

unter die Lupe genommen. Im dortigen

Basalt, der hier für Schotterzwecke

abgebaut wird, wurden wir auch sehr bald

fündig. Kleine Knollen mit Achat, Jaspis,

Calcedon und Quarz konnten gefunden

werden. Doch dann die Sensation: In

einem großen Block (ca. 2 Tonnen

schwer) entdeckte Klaus Pusch dann eine

etwa dreißig Kilogramm! schwere

Achatmandel. Nach über einer Stunde

Arbeit mit Hammer und Meißel konnten

wir (Klaus Pusch, Otto Klose, Stefan

Polenz) sie dann mit vereinten Kräften aus

dem harten Gestein bergen. Wie wir an

einer kleinen Bruchstelle erkennen

konnten, ist sie mit Rauchquarz und

Amethyst durchsetzt. Nach dem Öffnen

stellten wir fest, dass sich keine Druse im

Inneren befindet. Sie ist mit weißem Calcit

gefüllt und hat zarte Achatbänderungen,

sowie Rauchquarzkristalle mit über einem

cm Größe.

2. Tag (Freitag, 28.4.00)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Morgens trafen wir in Turnov unseren

tschechischen Begleiter Herrn Dr. Tomas

Ridkosil, den Leiter des dortigen

Museums. Ziel unserer Fahrt war die

Granatfundstelle in Vestrev bei Hostinne.

Hier wird für die Schmuckherstellung der

Granat(Pyrop) mit Baggern gefördert und

vor Ort in einer Waschanlage aufbereitet.

Der böhmische Granat zeichnet sich

durch ein exzellentes Rot aus und kommt

hier in Größen bis zu 12 mm Durchmesser

vor. Als Nebenprodukt fällt hier auch

versteinertes Holz, Jaspis und Achate in

hervorragender Qualität an. Wir durften

uns völlig frei bewegen und so kam jeder

zu einer ansehnlichen Sammlung der

aufgeführten Mineralien. Nach dem

Mittagessen besuchten wir dann zwei

Achatschleifereien. Hier konnten wir dabei

sein wie aus unscheinbaren Steinknollen

die farbenprächtigsten Zeichnungen der

Achate durch aufschneiden, schleifen und

polieren der Achatknollen entstanden.

Unser bester Fund, ein roter Achat von

Jan Eckardt musste natürlich auch sofort

bearbeitet werden. Das Ergebnis war ein

einmalig schöner Achat von ca. 12 cm

Durchmesser.

3. Tag (Samstag, 29.4.00)

Heute war Museumsbesuch in Turnov

angesagt. Die mineralogische Abteilung

ist ein absolutes muss für jeden

Edelsteinfreund. Durch den Besuch

animiert und die Möglichkeit, mit dem

Mineralogen Milos Valtus unterwegs zu

sein, fuhr eine kleine Gruppe mit Ihm zu

einer Fundstelle wo anstehender roter und

gelber Achat zu finden war. Die andere

Gruppe nutzte den Tag um sich in Turnau

45

die Schmuckherstellung und auch den

Verkauf zu besuchen.

Nach dem Mittagessen in Mala Skala ging

es dann zu der mit Spannung erwarteten

Fundstelle für leuchtend grüne Olivine. Es

handelte sich um einen Steinbruchbetrieb

in Smrci bei Jicin. Auch hier wird aus dem

Basalt Schotter gewonnen. In den

Blasenhohlräumen ist dieser Olivin in den

Farben gelb bis dunkelgrün vertreten.

Nach eingiebiger Suche auf den Halden,

sammelten wir jeder ein Döschen mit

Olivinen bis zu 2 cm Länge.

Zum Teil waren die gefundenen Olivine

von absolut schleifwürdiger Qualität. Nach

einem Abstecher zum wohl berühmtesten

Mineralienberg des Böhmischen

Paradieses, dem Berg Kosakov, steuerten

wir wieder unser Quartier zum

Abendessen an.

Ein Besuch bei einem einheimischen

Sammler, Herbert Nemetschke (der gut

deutsch sprach), verhalf einigen von

unserer Gruppe zu museumsreifen

Stücken für die eigene Sammlung. So z.B.

erwarb Bruno Nachtrab einen seltenen

versteinerten Farn (Psaronius).

4. Tag (Sonntag, 30.4.00)

In zwei Gruppen erkundeten wir am

Vormittag die weitere Umgebung von

Turnov. Während der “harte Kern” sich im

Steinbruch von Friydstejn beschäftigte,

machte die andere Gruppe mit unserem

zweiten Führer Herrn Michal Koselja eine

Besichtigungstour auf die Burg Trosky und

zu dem Schloss Hruba Skala auf dem

auch das Mittagessen eingenommen

wurde. Vom Burghof aus konnten wir

dann den Blick auf das Riesengebirge


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

genießen. Auf der Schneekoppe (höchster

Berg des Riesengebirges) waren noch

Schneereste zu sehen.

Am Nachmittag trafen sich die Gruppen

wieder in einem Steinbruch in der Nähe

zum letzten Mal um Achate und auch

Kristalle zu suchen. Durch einen Tipp

eines anderen Sammlers gruben wir an

einer exponierten Stelle einem mächtigen

Achatband nach. Nach ca. ½ m stieß

dann Rudi Haushofer auf die ersten

Bergkristalle.

Ein doppelfaustgroßes Stück mit klaren,

cm-großen Spitzen fand Dietmar Grän,

der Tag war gerettet. Angespornt durch

diesen Fund, setzte nun ein

46

systematisches Graben dem Band nach

ein. Doch wurden weiter nur kleinere

Spitzen gefunden, so dass man sich dann

anderen Stellen zuwandte. Dass sich

Ausdauer doch lohnt, bewiesen wieder

einmal Karl Hausmann und Klaus Pusch.

Letzterer grub ca. 1m oberhalb der Ader

und fand in weiteren 50cm Tiefe eine

Öffnung im Band die bis zu 3cm große,

hellviolette Amethyste lieferte.

Wie an jedem Abend wurden dann die

Funde begutachtet. Dabei stellte sich

heraus, dass auch die erste Gruppe in

Friydstejn sehr erfolgreich war. So fand

Claus Eitel einen blauen Achat von 30 cm

Durchmesser, geschliffen ist das ein

Museumsstück!

5. Tag (Montag, 1.5.00)

Nach einem letzten ergiebigen Frühstück

kam Milos Valtus zum Tauschen ins Hotel.

Nachdem Gerhard Pamler eine ca. 50x80

cm große Achatplatte eingetauscht hatte,

konnte der eine oder andere noch ein

gutes Schnäppchen machen.

Auf der Heimfahrt bei herrlichem Wetter

über Prag und Pilsen kamen wir dann in

Amberg in ein Sommergewitter, das uns

bis nach Roth begleitete. Gegen 18:00

Uhr waren wir wieder zurück.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Zillertal, eine mineralogische

Exkursion auf historischen

Spuren

Bericht der AWO-Mineraliengruppe vom

September 2000

Im Rahmen ihrer Exkursionen besuchte

die Mineraliengruppe der AWO Roth-

Schwabach die historischen Fundstellen

im mineralienreichen Zillertal. Besonders

berühmt sind aber die Granate, welche

hier eine respektable Größe und eine

hervorragende Farbe haben können. So

ist es nicht verwunderlich, dass schon

unsere Urgroßväter den gewerblichen

Abbau betrieben haben. In der

Schmuckindustrie wurden sie oft als große

Zentralsteine in Verbindung mit den doch

sehr viel kleineren Böhmischen Granate in

einem Schmuckstück verarbeitet. Da sie

aber an der Oberfläche meist

undurchsichtig sind, wurden sie in einer

Gesteinsmühle getrommelt um so an den

dunkelrot durchsichtigen inneren Kern zu

gelangen.

Am ersten Tag besuchten wir trotz

teilweise schlechtem Wetters, eine

Fundstelle in der Stillup, einem Seitental

des Zillertales, das von Maierhofen aus in

Richtung Osten abzweigt. Nach

beschwerlichem Aufstieg über steile

Geröllhalden fanden wir auch eine

Primärlagerstätte des granatführenden

Glimmerschiefers oberhalb der

Stapfenalm. Hier konnten wir einige

Belegstücke bergen, aber richtige

47

Museumsstufen sind hier kaum noch zu

finden.

Trotzdem waren wir mit dem

erlebnisreichen Tag zufrieden und so

trafen wir uns am Abend mit dem

Bergbauforscher und wohl bekanntesten

Mineralogen im Zillertal, Herrn Walter

Ungerank aus Aschau, zu einem

spannenden Fachgesprächsabend an

dem er uns auch weiter Fundstellen im

Zillertal nannte.

So fuhren wir am nächsten Tag in den

Zemmgrund zum Gasthaus Breitlahner.

Hier ist der Ausgangspunkt zu den wohl

bekanntesten Fundstellen im Bereich der

Berliner Hütte.

Unser Ziel war die alte Granatmühle in der

Nähe der Hütte "Alpenrose" (8 km

Fußmarsch und 800 Höhenmeter!). Über

den Gletscher wurde hier vor 100 Jahren

der gebrochene Granat vom Hornkees

heruntergebracht, um in einer vom Bach

angetriebenen Trommel (Granatmühle) zu

den rohen Schmucksteinen verarbeitet zu

werden. Trotz starkem Nebels (Sichtweite

10m) fanden wir die Stelle (es sind nur

noch die Grundmauern der Mühle

vorhanden) und konnten im Bach die

abgeriebenen Granate aufsammeln. Hier

ist noch genügend Material vorhanden, so

dass sich der Besuch gelohnt hat. Auf

Einladung von Walter Ungerank konnten

wir uns am Abend dann seine wohl

einmalige Privatsammlung ansehen.

Als letztes stand noch eine Wanderung

zum Pfitscher Joch auf dem Programm.

Wir besuchten die Magnetit-Fundstelle

unterhalb der Rotbachlspitze. Auch hier

wurden wir fündig und konnten etliche

Stufen in den Rucksack packen und nach

Hause tragen.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Besonders möchten wir uns aber bei

Walter Ungerank und seiner Frau für ihre

aufrichtige Gastfreundschaft auf das

herzlichste bedanken. Dank seiner

fachlichen Beratung und seiner wertvollen

Tipps kann die Mineraliengruppe der

AWO auf eine erfolgreiche Fahrt in das

Zillertal zurückblicken.

Dietmar Grän, Rudi Haushofer, Sven

Polenz und Klaus Pusch waren als

Organisatoren und Fahrer für den

reibungslosen Ablauf der Exkursion

zuständig.

Danke, Ihr habt es sehr gut gemacht.

Klaus Pusch

48

Auf dem Weg zur Granat-Wand

Rast vor der Pfitscher Joch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Frühjahrs-Exkursion

nach Wolkenstein ins Erzgebirge

(April 2001)

Wieder einmal startete die

Mineraliengruppe der AWO zu ihrer

Frühjahrsexkursion.

Ziel war diesmal das Erzgebirge in der

Umgebung von Wolkenstein. Bereits auf

der Hinfahrt, bei Hof war allen klar, dass

wir uns an der Schneefallgrenze bewegen

würden, denn die höheren Lagen waren

noch mit einer dünnen Decke Schnee

bedeckt. Unser erstes Ziel war die Grube

Tannenberg am Schneckenstein.

Hier konnten wir uns ein Bild von der

Erzgewinnung der vergangenen

Jahrhunderte machen. Der

Schneckenstein selbst verdankt seinen

Namen seinem schneckenartigen

Erscheinungsbild. Diese

Explosionsbreccie besteht aus einem

Quarzit-Schiefermaterial mit

auskristallisierten Bergkristallen und

Topasen, welche Edelsteinqualität

erreichten. Heute ist das Gebiet ein

Naturdenkmal mit absolutem

Sammelverbot. Unser Quartier in

Wolkenstein lag etwas tiefer und so

fanden wir hier und an der

Amethystfundestelle in Wiesenbad keinen

Schnee mehr vor. Nach einer Erkundung

dieser Fundstelle (mit geringem Erfolg),

ging der erste Tag mit einem gemütlichen

Abend im Hotel Waldmühle zu Ende.

Die Zinngrube Ehrenfriedersdorf stand am

nächsten Morgen auf dem Programm.

49

Dieses Bergwerk ist erst vor 8 Jahren

geschlossen worden, wird aber als

Besucherbergwerk weiterhin unterhalten.

Mit dem Förderkorb und in voller

Bergarbeitermontur ging es zur 2. Sole in

100 m Tiefe abwärts. 3 Stunden dauerte

die hervorragend geführte Besichtigung

mit einer

Fahrt in der Grubenbahn, Vorführung von

Abbaugeräten wie Bohrer oder

Überkopflader und sogar einer simulierten

Sprengung unter Tage. In der

Grubenkantine konnten wir uns nach der

eindrucksvollen Tour stärken. Am

Nachmittag ging es dann wieder zur

Amethystfundstelle.

Diesmal hatten wir mehr Glück an einer

alten Halde. Jeder fand mehrere schöne

Kristalle für seine Sammlung. Den wohl

schönsten Spitz fand Bruno Nachtrab.

Einen dunkelvioletten Amethyst von ca. 4

cm x 2 cm Größe und in bester Schleif-

Qualität.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Am Samstag besuchten wir am Vormittag

die Bergbauagentur in Zöblitz. Nach

einem Diavortrag über das dort noch

heute abgebaute Serpentinitvorkommen,

hatten wir selbst die Gelegenheit auf der

Halde nach Serpentin mit

eingeschlossenem Granat zu suchen. Die

Serpentin-Drechslerei hat hier eine sehr

alte Tradition. Gefäße und Sockel für

Pokale seien hier als Beispiel genannt.

Nach dem Mittagessen stand ein weiteres

Highlight auf dem Programm. Ein Besuch

im Wernerbau der technischen Universität

Bergbauakademie Freiberg. Die sich hier

befindliche Mineraliensammlung ist wohl

einmalig und ein Muss für jeden

Stoaklopfer.

Im Erzgebirgssaal fanden sich dann die

berühmten Silberlocken, sowie die wohl

schönsten Achate und Amethyst-, Fluorit-

und Barytstufen die hier gefunden wurden.

Nach dem letzten Frühstück im Hotel

hatten wir am Vormittag die noch nicht

bestellten Felder um Wolkenstein zur

Achatsuche auf dem Programm. Die

Ausbeute hier war eher mäßig. Umso

eindrucksvoller gestaltete sich der

anschließende Besuch im Heimatmuseum

50

von Wolkenstein mit anschließendem

Mittagessen im Schloss. Mit viel Liebe

wurde hier die alte Burgschmiede zu

einem rustikalen Restaurant (zum

Grenadier) umgebaut. Bei einem deftigen

Essen wie zu Napoleons Zeiten endete

hier unser Aufenthalt in Wolkenstein.

Auf der Rückfahrt machten wir noch

einmal Halt an der “Geyer’schen Binge”,

ein durch mittelalterlichen Bergbau

eingestürztes Loch von großen

Ausmaßen. Hier zeigt sich deutliche,

welche Katastrophe sich durch

unkontrollierten Stollenbau ereignen kann.

Gegen Abend erreichten wir wieder sicher

und um einige Erfahrung reicher, unseren

Ausgangspunkt Roth.

Unser Dank gilt den Kundschaftern und

Fahrern Gerhard Pamler, Sven Polenz,

Karl Hausmann und Claus Eitel für die

gelungene Exkursion.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Erzgebirgs-

Mineralien

Amethyst im Durchlicht (BB 8 cm)

Amethystspitze (BB 6 cm)

verschiedene Amethystspitzen

51

Granat im Serpentinit (BB 4 cm)

Amethyststufe (BB 12 cm)

(Wiesenbad bei Wolkenstein)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Exkursion in den Schwarzwald

zur Grube Clara

(30.9.-3.10. 2001)

Einer alten Urkunde nach befinde sich im

Benauer Berg ein ”Stock gediegen Silber”.

Der Sage nach solle im hinteren

Rankachtal bei Wolfach, die ehemals

blühende Bergbaustadt Benau existiert

haben. Die Menschen beteten hier im

Überschwang des Reichtums ein

“goldenes Kalb” an, so die Erzählung.

Doch der Zorn Gottes kam über sie, die

Stadt wurde zerstört und das goldene

Kalb im Berg versteckt. Deshalb spricht

man vom “Goldenen Kalb im Benauer

Berg”, dem Erzreichtum des ehemaligen

“Benauer Ganges”, der jetzigen Grube

Clara.

Heute spielen nicht mehr die Erze

sondern der Schwerspat (Baryt) und der

Fluorit die Hauptrolle im Bergbau des

Kinzigthaler Reviers.

Bis zu 400 m tief fahren die LKW’s in den

Berg, um von hier das losgesprengte

Gestein nach Kirnbach zu transportieren,

wo es aufbereitet wird. Trotzdem kommen

noch ca. 200 Gramm Silber in einer Tonne

Gestein vor. Es wird als Silberkonzentrat

gewonnen und in Belgien

weiterverarbeitet.

Voller Erwartung fuhren wir also in den

Schwarzwald und bezogen im Kirnbacher

Hof Quartier.

Als erstes besuchten wir am

Sonntagnachmittag das

Mineralienmuseum in Oberwolfach. Hier

52

ist, neben vielen prächtigen Mineralstufen,

auch ein Modell der Grube Clara zu

sehen. Anschließend waren wir auf einem

typischen Schwarzwaldbauernhof zu einer

Besichtigung mit “Verkostung” eingeladen.

Am Montag stand die

Aufbereitungsanlage der Fa. Sachtleben

in Kirnbach auf dem Programm. Hier kann

man gegen eine Gebühr von DM 10,-- den

ganzen Tag auf den Halden nach

Mineralien suchen. Der Erfolg ließ auch

nicht lange auf sich warten. Da gerade

eine Zone mit Baryt abgebaut wurde,

stand dieses Mineral im Vordergrund. Die

schönsten Stufen bildete Honigspat, der in

seiner Farbe von hellgelb bis rotgelb und

von trüb bis durchsichtig variierte.

Auch Fluorit in blauen und klaren Würfeln

wurde gefunden. Azurit und Malachit

bildeten schöne blaue und grüne

Überzüge auf Baryt. Als Micromounts


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

entdeckten wir auch gelb- bis

orangefarbigen Mimetesit, ein Bleierz von

nadeliger und tönnchenförmiger Form in

einer Größe von 2 Millimetern.

Am Dienstag fuhr eine Gruppe nach

Lierbach. In einem Bach konnten dort

auch Belegstücke des hier

vorkommenden Achats gefunden werden.

Der Größte wog ca. 14 kg! Wir sind auf

den Inhalt gespannt, da er z.Z. noch nicht

gesägt und poliert ist. Die andere Gruppe

suchte wieder auf den Halden der

Aufbereitungsanlage. Am Abend wurden

alle Funde fachmännisch begutachtet und

dabei wurde ein kleiner Sensationsfund

festgestellt. In einem Barytstück, das

teilweise mit Malachit überzogen war,

entdeckte Dietmar Grän in einem

Hohlraum ein ca. 3 mm großes

Silberaggregat. Bei näherer Betrachtung

mit der Lupe waren noch mehr

Silberdrähtchen zu entdecken. Dieser

Fund kostete ihn natürlich eine Runde.

Am letzten Tag stand morgens noch eine

Besichtung an. In Schnellingen nahe

Haslach wird nächstes Jahr ein

Besucherbergwerk eröffnet. Wir hatten die

53

Möglichkeit dieses ehemalige

Silberbergwerk vorab zu befahren. Die

Grube “Gottes Segen” wurde mit sehr viel

Arbeit und noch mehr Liebe von Herrn

Allgaier mit seinen Helfern wieder

zugänglich gemacht. Ein Besuch dieser

Grube ist sehr zu empfehlen.

Noch beeindruckt von dem Erlebten traten

wir dann wieder die Heimreise nach Roth

an.

Klaus Pusch

Im alten Silberbergwerk

Vor dem Mineralienmuseum in Oberwolfach


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Schwarzwald-

Mineralien (und Grube Clara)

„Vogel Strauß“ Lierbachachat (BB 7 cm)

Quarz mit Kalkopyrit (BB 4 cm)

Malachitkugel auf Quarz (BB 4cm)

54

Farbloser Baryt (BB 8 cm)

Honigspat, Baryt (BB 15 cm)

Agardit (BB 4 cm)

Farbloser Fluorit (BB 7 cm)


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Schneekopfkugeln aus dem

Thüringer Wald

(1. bis 5. Mai 2002)

Die diesjährige Frühjahrsexkursion der

AWO Roth führte die Mineraliengruppe in

den Thüringer Wald in die Gegend um

Ilmenau. Hier wurde in der Vergangenheit

hauptsächlich Mangan bergmännisch

abgebaut. Im Schloss Bertholdsburg in

Schleusingen besuchten wir am ersten

Tag das Museum mit einer umfangreichen

Mineraliensammlung.

Im Schobsetal bezogen wir Quartier. In

diesem Tal wurde bis 1989 Fluorit in einer

besonders reinen Qualität abgebaut.

Außer massigen Belegstücken ist aber

heute nichts mehr zu finden. Unser

Augenmerk richtete sich daher auf die

berühmten Scheekopfkugeln, die auch

heute noch bei entsprechendem Fleiß zu

finden sind.

So konnten wir am nächsten Tag nach

einem Marsch über 6 km direkt am

Schneekopf eine Stelle ausfindig machen,

an der wir die begehrten Porphyrknollen in

55

einer Größe bis zu 15 cm bergen konnten.

In ihnen waren sowohl Quarz (zum Teil in

Bergkristallen) als auch Achat als Füllung

enthalten. Der Großteil der Kugeln

bewegte sich aber im Bereich von 2-10

cm. Natürlich nutzten wir auch diesmal

wieder die Gelegenheit um mit

einheimischen Sammlern Kontakt

aufzunehmen. So besuchten wir zwei

Sammler in Elgersburg um deren

Sammlungen zu bewundern und um

Erfahrungen auszutauschen. Tags darauf

besuchten wir in Kamsdorf den dortigen

Tagebau.

Gegen eine Gebühr kann man hier

Mineralien sammeln. Vorherrschendes

Mineral im Kalkgestein ist brauner

Glaskopf neben Calcit und Baryt. Hier wird

heute hauptsächlich Zechstein abgebaut

und somit ist die Fundstelle nur bedingt

interessant. Pyrolusit in schönen

strahligen Aggregaten konnten wir am


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

nächsten Tag in der Nähe von Elgersburg

finden.

Zum Abschluss besuchten wir noch die

Schiefergruben von Lehesten. Nach einer

Führung durch das technische Denkmal

fuhren wir wieder nach Roth zurück.

Leider hatten wir kein gutes Wetter,

trotzdem kann man sagen, dass

Thüringen allemal eine mineralogische

Reise wert ist.

Mit einem herzlichen

Glück auf!

Klaus Pusch

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Schneekopfkugel im Waldboden

Unser Quartier im Schobsetal


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Schneekopfkugeln

Blau-roter Achat (BB 6 cm)

Quarz mit Siderit (BB 10 cm)

Bergkristalle (BB 3 cm)

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Hämatit - Geode (BB 8 cm)

Bergkristall mit Hämatit (BB 12 cm)

Bergkristall Doppelender (BB 9 cm)


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Achat und Amethyst aus IDAR -

OBERSTEIN

(5. bis 9. September 2002)

Ein "Muss" für jeden Liebhaber edler

Steine ist das Zentrum der europäischen

Edelstein-Industrie IDAR - OBERSTEIN.

Hier wird alles an Edel- und

Schmucksteinen verschliffen, was man

sich nur vorstellen kann - und das schon

mit sehr langer Tradition. Denn berühmt

wurde diese im westlichen Teil von

Rheinland-Pfalz, übergreifend auf das

Saarland, gelegene- Region durch Ihre

Achat-, Jaspis- und Amethystvorkommen

denen daher auch unser besonderes

Augenmerk galt.

Unser Quartier war das Hotel

"HANDELSHOF" in Tiefenstein, einem

Ortsteil von Idar-Oberstein.

Bereits am Nachmittag des Anreisetages

besuchten wir eine der Edelstein-

Schleifereien, die auf Facetten- und

Cabochon-Schliff spezialisiert ist. Wo einst

mehr als 50 Arbeitsplätze waren sind

heute leider nur noch wenige Schleifer

58

angestellt, da der Grossteil der

"Handelsware Edelstein" heute in

Niedriglohnländern bearbeitet wird. Mit der

freien Hand wurde unter unseren Augen

ein Aquamarin zu einem glitzernden

Edelstein erster Qualität geschnitten,

geschliffen und poliert.

Anschließend machten wir noch eine

Führung durch die historische Altstadt von

Oberstein wo wir auch die berühmte

Felsenkirche bewunderten.

Am nächsten Tag stand der Besuch im

Edelsteindorado bei Freisen an. Hier kann

man gegen eine Gebühr nach Achaten

graben. Nach einiger Stunden

anstrengender Arbeit die nur durch eine


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Mittagsrast unterbrochen wurde, fuhren

wir wieder mit etlichen Fundstücken ins

Hotel zurück. Am Abend wurden dann die

Achatknollen fachmännisch begutachten

und wir rätselten, wie sie wohl im Inneren

aussehen würden.

Am dritten Tag war die Fahrt zum

Steinkaulenberg mit Europas einziger

Edelsteinmine angesagt. Der Stollen dort

ist zwar sehenswert, man sieht im Gestein

Achate, Jaspis, Amethyst und diverse

Quarze, aber die Führung ist auf

Massentourismus eingestellt und man

kommt sich als Stoaklopfer etwas fehl am

Platze vor. Deshalb fuhren wir

anschließend mit Hammer und Meißel in

den Steinbruch Juchem um selbst aktiv zu

werden. Gegen eine Gebühr kann man

hier außerhalb der Arbeitszeiten

Mineralien suchen. Nach vier Stunden und

einem großen Haufen zerkleinerten

Gesteins konnten wir, wie sich später

herausstellen sollte, sehr gute Funde in

die Rucksäcke packen.

Gegen Abend besuchten wir noch die

Historische Weiherschleife in Tiefenstein.

59

Hier gilt das gleiche zum Punkt

Massentourismus wie in Steinkaulenberg.

Trotzdem waren die alten Schleiftechniken

sehenswert. Hier wurden, auf dem Bauch

liegend und den Achat gegen eine riesige

Sandsteinschleifscheibe von über einem

Meter Durchmesser haltend, früher die

Edelsteine bearbeitet.

Natürlich durfte auch ein zünftiger

Spießbraten nicht fehlen. Dafür war der

Sonntag gut geeignet weil wir dann, so

gestärkt, einen weiteren Nachmittag im

Steinbruch Juchem verbringen konnten.

Zum Glück hatten wir noch den Montag

eingeplant, denn so konnten wir uns bei

der Schleiferei Brunke unsere Fundstücke

sägen und auch gleich schleifen und

polieren lassen.

Einige von uns waren von den

gefundenen Achaten so begeistert, dass

sie am liebsten noch eine Woche länger

geblieben wären.

Zusammenfassend gesagt war diese

Exkursion wieder einmal ein großer Erfolg

und ein eindrucksvolles Erlebnis.

Mit einem herzlichen

Glück auf!

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Achate

Blau-grüner Achat (BB 3 cm)

Blau-grauer Achat (BB 8 cm)

Grün-roterTrümmerachat (BB 9 cm)

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Amethyst-Rauchquarz Mandel (BB 10 cm)

Rauchquarz-Achat (BB 15 cm)

Blauer Sphärolit Achat (BB 4 cm)

Achat mit Quarz (BB 5 cm)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Exkursion nach Weißkirchen in

die Steiermark

(1.5. - 5.5.2003)

Unsere Frühjahresexkursion der AWO-

Mineraliengruppe führte uns diesmal in die

schöne Steiermark nach Weißkirchen.

Mineralogisch bekannte Gebiete liegen an

der Grenze nach Kärnten, so z.B. Koralpe

und Hebalm. Da es für uns hingegen

völliges Neuland war, nahmen wir gerne

das Angebot der heimischen

Mineralienschleiferei Krampl an, uns einen

mineralogischen Führer für dieses Gebiet

zur Seite zu stellen.

1. Tag

Trotz einer kleinen Verzögerung bei der

Abfahrt in Roth kamen wir gegen 13:00

Uhr in Weißkirchen an.

Nach der Zimmerbelegung waren alle

schon ganz wild auf unseren ersten Trip in

den nahe gelegenen Kalksteinbruch in

Kathal. Dort trafen wir auch Gerhard

Gottsberger, unseren "Scout" für die

nächsten Tage. Im frisch gesprengten

Haufwerk waren wir dann auch recht

schnell fündig. Skalenoederische Calcite

in kleinen bis mittleren Klüften wurden aus

dem harten Gestein geborgen. Die Farbe

der bis max. 2 cm großen Kristalle war

weiß über gelb-orange bis braun mit sehr

hohem Glanz. Manche hatten auch einen

schwarzen matten Manganüberzug. Die

größte Stufe fand Georg, sie ist ca. 20 x

15 x 6 cm groß und beidseitig mit

zentimetergroßen Calcitkristallen

bewachsen. Nach ca. 2 Std. hatte jeder

eine schöne Sammlung zusammen und

fürs Erste hatten wir genug.

61

Das Abendessen später in der "Taverne"

schmeckte darum besonders gut.

2. Tag

Morgens um 7 Uhr brachen wir am

nächsten Tag auf. Fünf Fundstellen

sollten es heute werden, hat uns Gerhard

erzählt. Bereits nach 10 km Fahrt, am

"Salzstiegl", konnten wir an einem

Forststraßenaufbruch kleine Bergkristalle

im Schiefer bergen. Doch es ging weiter

nach Pack zu einer unscheinbaren

Fundstelle im Wald.

Hier lagen große Pegmatitblöcke in einem

Bachlauf, von denen der Größte bereits

von Einheimischen einmal gesprengt

wurde. Das Ergebnis waren kleine bis

größere Stücke, die aus einem Gemenge

aus Quarz, Feldspat und Glimmer

bestanden.

Als Besonderheit enthielten die Brocken

schönen schwarzen Turmalin, gelbgrünen

Epidot und grünen Amazonit. Auch roter

Granat in kleinen Kristallen war vertreten,

so dass farblich sehr schöne Stufen zu

finden waren. Anschließend, es war

bereits Mittag, fuhren wir weiter Richtung

Hebalm.

Nach einem kleinen Marsch, vorbei an

blühenden Wiesen und Skipisten mit

Schneeresten, kamen wir an einen

kleinen, ehemaligen Steinbruch. Im

Hangschutt konnten wir hier Stufen mit bis

zu 1 cm großen Chlorit-Rosetten finden.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Auch ein paar Rauchquarzkristalle,

teilweise mit Anatas bewachsen, waren

dabei (hier war Klaus mit seiner "Quarz-

Nase" am Werk) und als besondere

Attraktion konnten wir auch zwei

Alpensalamander beobachten. Auf der

Hebalm hatten wir dann auch Gelegenheit

zum Kaffeetrinken und einer kleinen Rast.

Am Nachmittag besuchten wir dann einen

ehemaligen Quarzschurf am Herzogberg.

Hier wurden besonders große Rutile

gefunden. Nach einer Stunde erfolglosem

Graben und Suchen wurde dann Gerhard

(unser Gerhard, nicht Gerhard der

"Scout") doch noch fündig. Im Quarz

eingewachsene bis zu 2 cm lange und ca.

5 mm dicke Rutilstengel waren der Lohn

seiner Ausdauer. Da es auf dem Rückweg

lag, sahen wir uns auch die

Privatsammlung von Gerhard (dem

Scout") an. Wer jetzt gedacht hatte, es

geht nach Hause (es war bereits 18 Uhr),

sah sich nach 1 Std. Fahrt getäuscht.

Unser letztes Ziel war ein Marmorbruch in

Salla. Nach einem steilen Anstieg auf die

2. Sohle wurden wir dafür mit einer

kleinen aber ertragreichen Stelle

entschädigt, an der wir bis zu 4 cm große

62

Granate bergen konnten. Es handelte sich

hierbei um fast schwarze Almandine. An

diesem Tag kamen wir erst um 21:30 Uhr

zu unserem Abendessen, dafür aber

hatten wir alle einen guten Schlaf.

3. Tag

Der heutige Tag war vom Wetter her nicht

so warm und bis 15:00 Uhr leicht

regnerisch.

Das hielt uns nicht ab, drei weitere

Fundstellen in der weiteren Umgebung zu

besuchen.

Im Steinbruch "Fraßgraben" fiel unser

Augenmerk auf pegmatitische Partien im

Granit. Leider waren die

Fundmöglichkeiten sehr schlecht. Wir

brachen deshalb die Suche ab und fuhren

weiter zur Weinebene.

In einem durch Windbruch verwüsteten

Waldstück trafen wir dann auf Felsen und

Blöcke, die in Quarz eingewachsene

Grossulare aufwiesen. Diese

orangefarbige Granatvarietät erreichte


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

hier eine Größe von ca. 2 cm.

Belegstücke konnten reichlich geborgen

werden.

Nach einer Kaffeepause in

Deutschlandberg ging es dann weiter

Richtung Graz zum Steinbruch

Weitendorf, der durch seine gewaltige

Kulisse von Sand, Ton und Basalt sehr

eindrucksvoll ist. Die in der Literatur

erwähnten Mineralien wie blauer

Calzedon, Quarz, Calzit und Achate im

Basalt konnten von uns auch gefunden

werden, allerdings nicht in rauen Mengen

und relativ klein.

Nachdem es bereits 17:00 Uhr war und

noch ca. 120 km Heimfahrt vor uns lag,

brachen wir dann auf. Auf dem Rückweg

hielten wir bei einem Bauern, um uns das

bekannte frisch gepresste Kürbiskern-Öl,

das so genannte Kernöl, mitzunehmen.

Den Abend verbrachten wir wie gewohnt

in der "Taverne" beim Abendessen und

gemütlichen Beisammensein.

4. Tag

Sonntagswetter! Der Tag versprach heiß

zu werden (28 Grad). Gegen 9 Uhr

brachen wir heute Richtung Norden auf.

Nach einer frischen Sprengung im

Steinbruch bei Pöls hatten wir die

Gelegenheit Blättercalcit, zu finden. Im

großen Blockfeld hatte dann auch jeder

seinen "Claim" gefunden und machte sich

an die Arbeit. Das Kalkgestein war sehr

hart und es war gutes Werkzeug gefragt.

Hier war es Dietmar, der nach zwei

Stunden Arbeit eine 40 x 30 x 10 cm

große "Museumsstufe" mit bis zu 3 cm

großem Blättercalcit bergen konnte.

63

Weiter ging es dann nach Hohe Tauern.

Im Keltendorf machten wir Rast um

anschließend im nahe gelegen Steinbruch

"Sunk" nach Dolomit, Magnesit und Quarz

zu suchen. Das Gestein bildet hier aus

den vorgenannten Mineralien ein sehr

schönes "Eisblumenmuster". Besonders in

geschliffenen Platten ist diese

Mineralparagenese optisch reizvoll. Hier

war Margot die Glückliche. Sie fand ein

ca. 20 x 10 x 15 cm großes Stück mit bis

zu ca. 1,5 cm großen Dolomitkristallen im

Abraumschutt. Auch klare Quarze in

dipyramidaler Form wurden zusammen

mit Dolomitkristallen gefunden. Auf der

Rückfahrt nach Weißkirchen ist noch die

Rast in Möderbrugg zu erwähnen.

Mit viel Hallo konnten wir hier auf einer

alten Holz-Kegelbahn unsere restlichen

Kräfte messen. Klarer Sieger war Georg

und Dietmar musste die Zeche zahlen.

Der Abschiedsabend in der "Taverne"

dauerte etwas länger, was uns aber nicht

abhielt, mit Gerhard dem "Scout" noch

eine Schnapsprobe mit Selbstgebranntem


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

zu veranstalten. Danach waren die

meisten etwas angeschlagen und fielen

vor Müdigkeit in ihre Betten.

5. Tag

Am Montag war Rückreisetag. Nach

einem "Dona Nobis Pacem" in der Kirche

(erstmalig von uns gesungen und so

manch einer bekam feuchte Augen) und

einem Gruppenbild unter der Dorfkastanie

wurden dann noch geschäftliche Dinge bei

der Fa. Krampl erledigt, bevor wir die

Rückfahrt nach Roth antraten. Da es an

diesem Tag sehr heiß war (fast 30 Grad),

waren wir froh gegen 18:00 Uhr wieder

daheim zu sein.

Klaus Pusch

64

Ein bisschen Spaß muss sein…


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus der Steiermark

Grossular (BB 8 cm)

Amazonit mit Granat (BB 8 cm)

Rutil (BB 4 cm)

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Blättercalcit (BB 15 cm)

Farbloser Calcit (BB 13 cm)

Gelber Calcit (BB 15 cm)

Turmalin in Quarz (BB 6 cm)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Einmal selbst "Strahlen" gehen.

(Eine mineralogische Exkursion der AWO

Mineraliengruppe in die Schweiz (Tessin)

vom 28.8. – 1.9. 2003)

Auf eine Anzeige hin im LAPIS

Mineralienmagazin buchten wir eine

Exkursion mit allen Patenten und Führer

in das Val Bedretto (Tessin, Schweiz).

Hier der Bericht:

Donnerstag, 28.8. 2003

Pünktlich um 6:00 Uhr starteten wir in

Roth mit zwei Kleinbussen und 12

Personen Richtung Schweiz. Über

Bregenz und Schwyz, sowie durch den

Gotthard-Tunnel erreichten wir gegen

13:00 Uhr All Acqua, unseren

Ausgangspunkt für die nächsten vier

Tage.

Die Unterkünfte im Ristorante All Acqua

waren schnell bezogen und unser

Begleiter Hermann fuhr mit uns in die

Quarz-Mine "Cava Pacciorini".

66

Hier kommen vor allem Nadel- und

Artischockenquarze vor. Bereits nach

wenigen Minuten wurden bereits die

ersten Stücke gefunden und begutachtet.

Die Handstufen mit bis zu 3 cm großen

Spitzen im Normalhabitus und kleinen

Nadeln waren meistens mit grauem Lehm

verschmiert und bedürfen einer späteren

speziellen Reinigung. Der Vorteil des

Lehms ist, dass die Nadeln gut geschützt

sind. Die so gefundenen Stücke wurden

auch noch vorsichtig in Zeitungspapier

eingewickelt und im Rucksack verstaut.

Das Wetter war noch gut, aber bereits für

den nächsten Tag war Regen angesagt,

so dass wir die Zeit bis zum Abendessen

weidlich ausnutzten.

Freitag, 29.8. 2003

Der große Regen hat uns eingeholt und

so verbrachten wir den Vormittag im

Restaurant mit einem Diavortag über die

Mineralien der Schweiz. Anschließend

weihte uns Hermann in die Geheimnisse

des Reinigens der Nadelquarze ein. Nach

gründlichem Wässern, Einlegen in

Oxalsäure und nochmaligem Wässern in

Regenwasser, sollten die Stufen dann

schön glänzen. Die mitgebrachten Stücke

waren der Beweis dafür.

Am Nachmittag ließ der Regen etwas

nach und so fuhren wir wieder zu der

Mine.

Im oberen Teil kamen Quarze im

Normalhabitus mit Nadelquarzen vor

während im unteren Teil die


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Artischockenquarze vorherrschten. Alles

in allem war es eine sehr feuchte

Angelegenheit. Hermann und Klaus

harrten am längsten aus und gruben an

einer Kluft in die Tiefe.

Es kamen große Stufen mit

Artischockenquarzen und

Calcitskalenoedern zum Vorschein.

Durchnässt aber erfreut über den Fund

kamen wir gegen 18:00 Uhr wieder in All

Acqua an. Die heiße Dusche danach war

dann eine wahre Wohltat. Nach dem

Abendessen wurden dann die ersten

Funde begutachtet und entsprechend

begossen.

Samstag, 30.8. 2003

Heute standen die Minerale von der Alpe

Compolungo auf dem Programm. Das

Wetter hatte sich beruhigt und so fuhren

wir bei strahlendem Sonnenschein nach

Rodi Fiesso. Mit der Seilbahn ging es von

ca. 900 Höhenmetern auf 1850 m hinauf.

Nach eineinhalbstündigem Aufstieg waren

wir bei der Alpe auf ca. 2100 m angelangt.

Ein herrliches Bergpanorama tat sich vor

uns auf. In den Runsen der überwiegend

67

aus Dolomit bestehenden Felsen des

Venettpasses konnten wir dann Tremolit,

Granat und Disthen in schönen

Belegstücken finden. Rudi und Sven

gelang es sogar blauen Saphir und roten

Rubin im Dolomit zu finden, der hier

ziemlich selten vorkommt.

Nach einer kurzen Rast in der Hütte

Campanna Trimorgio fuhren wir mit der

Seilbahn wieder ins Tal. Benötigten wir mit

13 Personen bei der Auffahrt (in 8-er

Kabinen) nur 2 Kabinen, so waren es bei

der Abfahrt dann 3 Kabinen (die

Rucksäcke waren wohl etwas schwerer).

Nach dem späten Kaffeetrinken in einem

alten Zollhaus ging es mit den Bussen

wieder zurück. Alle schwärmten am

Abend von dieser herrlichen

Bergwanderung.

Sonntag, 31.8. 2003

Der letzte Klopfertag war angebrochen.

Am Vormittag ging es wieder in die Mine

um an der geöffneten

Artischockenquarzkluft weiterzuarbeiten.

Rudi, Dietmar und Klaus waren hier tätig.

Die übrigen waren mit Hermann auf


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Nadelquarzsuche. Am Nachmittag teilten

wir uns in zwei Gruppen auf. Die einen

gingen mit Hermann an eine andere Stelle

der Alpe Pacciorini um Klüfte zu suchen.

Die anderen waren in einem Bachbett bei

einer Abbaustelle für Quarz tätig. Der hier

geförderte Quarz wird auf eine Halde

gekippt. Das war ein wahres Eldorado für

Margot, Erika I und Erika II, sowie für Karl,

Manfred und Klaus. Neben glasklaren

Bergkristallspitzen bis zu 8 cm wurden

auch Stufen von 20 x 30 cm mit Kristallen

von 10 cm und mehr gefunden. Mit

schweren Rucksäcken ging es gegen

18:00 Uhr wieder zum Treffpunkt zurück.

Im Quartier stieß dann auch die

"Kluftgruppe" wieder zu uns. Hermann

zeigte Rudi, Dietmar, Sven und Christian

wie man fachgerecht eine Kluft öffnet und

so brachten alle auch gute Funde

(Bergkristalle im Normal- und

Artischockenhabitus) mit.

Montag, 1.9. 2003

Am liebsten währen alle noch einmal zum

68

Strahlen gegangen aber es wartete ja

noch eine achtstündige Heimfahrt auf uns.

Über den St. Gotthardpass, wo wir das

dortige Museum noch besuchten, und den

Oberalppass ging es wieder Richtung

Heimat. Die weitere Fahrt verlief ohne

Komplikationen so dass wir gegen 18:00

Uhr wieder wohlbehalten in Roth

ankamen.

Diese Fahrt ins Val Bedretto ist unter

unseren stets sehr guten Exkursionen als

wohl eine der besten und erfolgreichsten

einzustufen. Deshalb gilt mein besonderer

Dank Herrn Hermann Fritzsche, unserem

fachlichen Begleiter dieser Exkursion. Er

hat uns 5 wunderschöne Tage in der

Schweiz beschert. Danke, lieber

Hermann, wir kommen wieder. Ebenso

möchte ich mich im Namen aller

Teilnehmer bei unseren Fahrern Sven und

Christian für die sichere Beförderung sehr

herzlich bedanken.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Val Bedretto

Artischockenquarz (BB 20 cm)

Bergkristallspitzen (BB 20 cm)

Tremolit (BB 9 cm)

Disthen mit Granat (BB 10 cm)

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Bergkristall mit Calcit (BB 6 cm)

Granat (BB 10 cm)

Nadelquarz (BB 12 cm)

Faszinierende Kristallhöhle (BB 4 cm)


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Auf Schatzsuche im Tessin

Eine mineralogische Exkursion der AWO

Mineraliengruppe in die Schweiz

(vom 8.7.-13.7.2004)

Am Donnerstag, um 6 Uhr morgens

startete die AWO Mineraliengruppe aus

Roth und Wendelstein mit 2 Kleinbussen

in die Schweiz. Über Bregenz, den

Vierwaldstätter See und den Gotthardpass

erreichten wir bei strömendem Regen

gegen 14 Uhr das Val Bedretto, dem

Ausgangspunkt unserer Exkursionen. Am

Treffpunkt erwartete uns schon Hermann

Fritzsche, der uns 4 Tage lang als Führer

begleitete.

Am nächsten Tag, Regen hatte aufgehört

und die Sonne lachte, stand ein

Quarzabbau am Ri di S. Giacomo auf dem

Plan. Auf den Halden der Mine und in dem

Bachlauf wurden wir auch schnell fündig

und der Rucksack mit Bergkristallen, z.T.

mit aufgewachsenem Calcit, gefüllt. Die

Spitzen waren teilweise beschädigt, es

waren aber auch makellose Stufen dabei,

die am Abend in unserem Quartier in All'

Aqua eingehend begutachtet wurden.

70

Auch am Samstag begleitete uns

strahlender Sonnenschein auf unserer

Fahrt zur Alpe Valleggia in einem

Seitental des Val Bedretto.

Eine Tour inmitten einer blühenden

Hochgebirgslandschaft, verbunden mit

dem Suchen nach Klüften und Kristallen

sollte zu einem unvergesslichen Erlebnis

werden. So konnte der ein oder andere

Bergkristallspitz auf Schneefeldresten

gefunden werden.

Sogar in einer alten Kluft konnte eine

Seitenkammer mit ca. 10 Kristallen, zum

Teil im Tessiner Habitus, gefunden

werden.

Die Nadelquarzmine von Marco Pacciorini

war am Sonntag unser Ziel. Die Gruppe

hatte den ganzen Tag Zeit, um die

begehrten und wohl einmaligen

Nadelquarzstufen aus Klüften und Rissen

im Fels oder auf der Halde zu suchen.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Beim Mittagessen in der Hütte bekamen

wir auch die herzliche Gastfreundschaft

unter Strahlern zu spüren. Gute Funde

waren der Lohn für aufgerissene Hände

und dreckverschmierte Kleidung.

Am letzten Tag, dem Montag hatten wir

noch eine Begegnung mit den Gefahren

im Hochgebirge.

Der S. Giacomobach, am Samstag noch

völlig harmlos, wurde durch das Ablassen

des Wassers eines Überleiterstollens

plötzlich zur reißenden Bestie. Margot und

Georg konnten nur mit Mühe auf die

sichere Bachseite gelangen, bevor der

Bach unpassierbar wurde.

71

Zum Glück ist durch das besonnene

Verhalten der Teilnehmer nichts passiert,

allerdings war der Schreck bei den

abendlichen Erzählungen noch

herauszuhören.

Der Abschied vom Val Bedretto fiel allen

diesmal besonders schwer, weil

eindrucksvolle Erlebnisse und gute

Bergkameradschaft die Gruppe

ausgezeichnet hat, auch die sehr guten

Funde trugen zur gelungenen Exkursion

bei.

Nach einer insgesamt ruhigen Rückfahrt

kamen alle am Dienstagabend wieder

wohlbehalten zu Hause an.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Val Bedretto

Große Nadelquarz-Stufe (BB 30 cm)

Bergkristall Doppelender Kreuz (BB 3 cm)

Bergkristall im Calcitmantel (BB 10 cm)

72

Artischockenquarz (BB 8 cm)

Bergkristall im Tessiner Habitus (BB 6 cm)

Bergkristall mit Nadelquarz (BB 4 cm)


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Das Fichtelgebirge hat noch

Überraschungen parat

Kleine Quarze in vollendeter Form

gefunden. Herbstexkursion der AWO-

Mineraliengruppe vom 1.10.-4.10.2004.

Die diesjährige 4-tägige Herbstexkursion

der AWO-Mineraliengruppe führte 13

Mitglieder in das Fichtelgebirge. Dabei

zeigte sich wieder einmal, wie wichtig es

ist, im Vorfeld Erkundigungen und

Erlaubnisse einzuholen. Vor jeder

Exkursion machen sich meist zwei

Mitglieder auf und erkunden die zu

besuchende Region. Gerhard Pamler und

Sven Polenz hatten in bewährter Weise

auch diesmal wieder ein reichhaltiges und

abwechslungsreiches Programm für die

ihre Steinsammler-Freunde

zusammengestellt.

Die erste Station war am Freitag das

Steinmetz-Fortbildungszentrum in

Wunsiedel. Der Geologe Reinhard Kögler

informierte die Hobbygeologen über die

5500 Werksteinmuster umfassende

Sammlung. Auch eine beeindruckende

Mineraliensammlung findet sich in dieser

Einrichtung. Nach dem Mittagessen

machten sich die Sammler auf, um in

einem Steinbruch bei Stemmas, Quarze,

Marmor und Calzit zu finden.

Der zweite Tag begann mit der

Besichtigung des Fichtelgebirgsmuseums

in Wunsiedel. Von besonderem Interesse

waren natürlich die Dauer- und die

73

Sonderausstellung über einheimische

Mineralien, Erze und Gesteine. Den

Nachmittag verbrachte die Gruppe mit der

Mineraliensuche auf einem abgeernteten

Acker. Barbara Rossmeissl machte dabei

den Fund des Tages. Eine Quarzspitze

von gut fünf Zentimeter Seitenlänge ist ein

Fund, der heutzutage dort nur noch

einmal im Jahr vorkommt, bestätigte ihr

auch ein einheimischer Sammler.

Die in Sammlerkreisen berühmte

Johanneszeche ist inzwischen für das

Mineraliensammeln tabu; die

Betriebsgebäude wurden abgebaut und

die das Grubengelände eingezäunt.

Dennoch fanden die AWO-Sammler auf

benachbarten, abgeernteten Äckern noch

die eine oder andere kleinen Quarzstufe.

Am Sonntagvormittag besichtigte die

Gruppe das Silbereisenbergwerk

Gleisinger Fels. Nach der humorvollen

Diaschau zu Beginn, ging es mit Helm und

Grubenlampe ins innere des 500 Jahre

alten Bergwerks. Beeindruckt waren die

Besucher nicht nur von den roten

Eisenstreifen an den Gängen und den

glitzernden Abbauwänden, sondern auch

von den 250 Jahre alten Holzstämmen,

die zum Oberbergabbau eingespannt

wurden. Am Nachmittag erwartete die

Exkursionsteilnehmer bei Windisch-

Eschenbach die tiefste Landbohrung

Europas. 1994 kam der Erdbohrer bis auf

9101 Meter Tiefe. Überraschend war für

die Fachleute damals u. a., dass die


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Temperatur von über 300 Grad Celsius

höher war als erwartet. Heute informiert

ein eigener Verein die Besucher mit

Filmen, Führungen und Exponaten über

die damalige Arbeit. Nach der

Besichtigung suchten die

Mineraliensammler noch auf einem

abgeernteten Feld nach Grossularen.

Diese dunkelgrünen Mineralien waren auf

den erdverkrusteten Steinen nur schwer

zu entdecken.

Doch der eine oder andere hatte wieder

einmal Glück und fand ein kleines

Belegexemplar für seine Sammlung.

74

Am letzen Tag der Exkursion machte die

Gruppe eine Wanderung um den

Epprechtstein mit seinen ehemals 32

Steinbrüchen. In einem der noch genutzt

wird, fand man auch noch kleine

Turmaline. Die Destillerie Sack in

Weißenstadt war für die Mineralienfreunde

nicht nur wegen der bekömmlichen Liköre

und Magenbitter einen Abstecher wert.

Ganz Weißenstadt steht auf einer

Quarzader. Unter vielen Häusern

verlaufen Gänge, aus denen wunderbare

Quarzstufen geborgen wurden. Den

Abschluss bildete dann die Besichtigung

der Eremitage in Bayreuth. Fachkundig

wurden die Gebäudeverkleidungen aus

Mineralien und bunten Gläsern von den

Hobbygeologen begutachtet. Manch einer

wünschte sich auch so eine Säule oder

Wand zu Hause.

Ruppert Zeiner


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Fichtelgebirge

Rauchquarz mit Feldspat (BB 4 cm)

Phantomquarz (BB 8 cm)

Bergkristall mit Dolomit (BB 8 cm)

grüner Granat (Grossular, BB 2 cm)

75

Morion (BB 5 cm)

Sprossenquarz (BB 7 cm)

Bergkristall mit Calcit (BB 12 cm)

Epidot (BB 6 cm)


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Exkursion ins Erzgebirge und

nach Tschechien

Eröffnung der Sammelsaison 2005.

Fünf Tage, vom 8. bis zum 12. April, war

die AWO Mineraliengruppe zur Exkursion

im Erzgebirge und in Tschechien

unterwegs. Unter fachkundiger Führung

vor Ort durch Hans Richter von der

Bergbauagentur Zöblitz und Reiner Haake

von der FH Freiberg waren die Erzgänge

im Marienberger- und Freiberger- Revier

mit ihren Amethyst- und Achat-

Vorkommen das Ziel. Es konnten

zahlreiche und zum Teil spektakuläre

Funde gemacht werden. So fanden zum

Beispiel Dietmar Grän und Margot Pusch

roten Achat mit Amethyst in bester

Kabinettqualität.

Ein grenzüberschreitender Besuch in Usti

nad Labem (Aussig an der Elbe) im

dortigen Steinbruch mit

Zeolithvorkommen, bescherte auch jedem

der zwölf Teilnehmer weitere, schöne

Belegstücke. Natürlich durfte auch eine

Untertagebefahrung in der "Gottes-Segen

Fundgrube" in Zöblitz und ein Besuch der

Amethystausstellung im Schloss

Wolkenstein nicht fehlen. Abschließend

konnten einige gefundene Achat auch

gleich in der Werkstatt von Tristan

Roscher, in Deutschkatharinenberg,

geschnitten und geschliffen werden.

und hier der Bericht:

Zu Beginn des zweiten Quartals der

Mineraliensaison 2005 organisierte der 1.

Vorsitzende der AWO Wendelstein und

76

Leiter der Mineraliengruppe Klaus Pusch

eine fünftägige mineralogische Exkursion

ins mittlere Erzgebirge und nach

Tschechien.

In zwei Kleinbussen fuhren 12 bestens

ausgerüstete Teilnehmer / innen zum

zentralen Stützpunkt, einem idyllisch

gelegenen Hotel in der Erzgebirgsstadt

Zöblitz bei Marienberg.

Noch am Anreisetag wurde die Gruppe

vom Chef der erzgebirgischen

Bergbauagentur Zöblitz Hans Richter

durch eine alte Silbergrube geführt und

anschließend zu einem Diavortrag über

bergbauliche Themen und einem

delikaten Bergmannsschmaus eingeladen.

Am nächsten Morgen, gleich an der ersten

Fundstelle, wurden zwei enthusiastische

Teilnehmer mit den Gefahren eines

großflächigen Schlammgebietes

konfrontiert.

Der eine musste für qualitativ hochwertige

Amethyst ( Härtegrat 7 ) - und Achatfunde

( verschiedenfarbige Quarze ) einen

blutigen Finger in Kauf nehmen, der

andere versank mit seinem rechten Bein

einen halben Meter tief im Schlamm,

konnte aber gerade noch rechtzeitig

herausgezogen werden.

Im Schacht " Vater Abraham " galt es

gelbe Fluoritstücke ( Härtegrad 4 ) zu

finden. Die meisten Exemplare hatten eine

Durchschnittslänge von 4 cm.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

In Begleitung des bekannten Mineralogen

Reiner Haake (Achate sammeln in

Deutschland) wurden am nächsten

Exkursionstag im Elbe-Steinbruch in Usti

nad Labem( Tschechische Republik ) aus

großen Felsblöcken mit erhöhtem

Kräfteeinsatz trigonalförmige Calcite (

Härtegrat 3 ) herausgeklopft und an einer

anderen Fundstelle grüner Fluorit (

Flußspat ) gefunden, nachdem bis zu 60

cm tief gegraben wurde.

Auf dem Rückweg zum Hauptquartier

konnten die Steineklopfer noch staunend

Einblick in die Privatsammlung von Reiner

Haake nehmen, denn sie waren zu einem

kalten Buffet bei ihm zu Hause in Freiberg

eingeladen.

Am letzten Tag der Suchaktionen konnten

durch viel Glück an drei verschiedenen

Fundorten noch üppige Mengen an zum

Teil großflächigen Achatstücken und im

Steinbruch bei Zöblitz einige Belegstücke

von Serpentin mit Pyropen besetzt

gefunden werden.

Auf dem Weg der Rückreise ermöglichte

Klaus Pusch den 12 Exkursions-

Teilnehmern selbst gefundene Achate in

der Mineralienschleiferei in

77

Deutschneudorf ( Inhaber H. Roscher )

schneiden, schleifen und polieren zu

lassen.

Mit der Besichtigung des Heimatmuseums

der Bergstadt Wolkenstein endete die

fünftägige Mineraliensuchaktion der AWO

Wendelstein und es kann zweifellos

bestätigt werden, dass sowohl die

Qualität, als auch die Quantität der

gefundenen Mineralienarten jeden

Sammler angenehm überrascht hat.

Frank Hörer

Die Erzgebirgsfahrt in Stichpunkten

(aus dem Notizbuch von Ruppert

Zeiner):

Fr. 8.4.05 Anreise nach Zöblitz

Besuch der Bergbauagentur des

Ehepaars Richter

Besichtigung des Besucherbergwerks

"Gottes Segen Fundgrube" in 2 Gruppen

mit Hans Richter.

Fahrt nach Deutschkatharinenberg zum

"Schauwerkstätt'l" des Tristan Roscher.

350 km


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Sa. 9.4.05 Fahrt zum

Amethystvorkommen bei "Huth-Vorwerk"

mit Hans

Fahrt zum Amethystvorkommen bei

Geyer/Greifenbachmühle

Fahrt zu verschiedenen Spatarten der

Grube 139 = ehemaliger "Abraham-

Schacht". Großeinkauf in der

Bergbauagentur. 66 km

So.10.4.05 Abholung von Reiner Haake in

Freiberg

Grenzübergang bei Neu-

Rehenfeld/Moldava

Fahrt zum Steinbruch Malianzca Hora

(Marienberg) in Usti nad Labem (Aussig

an der Elbe)

Fahrt zur ehemaligen Halde bei Blakunov

349 km

78

Mo. 11.4.05 Fahrt nach Freiberg zur

Filiale der Bergbauagentur

Fahrt zu der Achatfundstelle Hilbersdorf

Fahrt zu der Achatfundstelle

Oberbobritzsch

Fahrt zu der Achatfundstelle

Hartmannsdorf

Fahrt zum Serpentinitsteinbruch Zöblitz

161 km

Di. 12.4.05 Fahrt nach

Deutschkatharinenberg zum

"Schauwerkstätt'l"

Fahrt nach Wolkenstein, Besichtigung der

Amethystausstellung im Heimatmuseum

Fahrt zum Seidelgrund bei Wiesenbad

Heimreise nach Roth

352 km


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Erzgebirge

Herrlicher Achat mit Amethyst geschliffen

Der geborgene Achat-Block (BB 150 cm)

Amethystfarbiger Artischockenquarz

(BB 12 cm)

79

aus dem Block unten (BB 30 cm)

Bänderachat mit Amethyst (BB 15 cm)


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Das grüne Feuer vom Habachtal.

AWO Mineralienexkursion vom

15.9. -19.9.2005

Die Herbstexkursion der AWO-

Mineraliengruppe Roth/Wendelstein ging

diesmal nach Österreich um den wohl

begehrtesten Edelstein der Hohen

Tauern, den Smaragd, zu suchen. Das

einzige Vorkommen dieser Art in

Mitteleuropa liegt auf ca. 2200 m Höhe im

Habachtal und wird dort seit über 200

Jahren bergmännisch abgebaut (erste

urkundliche Erwähnung im Jahrbuch der

Berg- und Hüttenkunde, K. E. Moll, 1797).

Die derzeitigen Pächter des Stollens, Alois

und Andi Steiner aus Bramberg, betreiben

einen so genannten Stufenabbau des

grünen Edelsteines. In einem kleinen

Privatmuseum kann man die Smaragde

im rohen Zustand (Stufen) und auch

weiterverarbeitet zu Schmuck bestaunen

und auch kaufen. Auf den Halden des

Bergwerks und auf einer im Jahr 2002

abgegangenen Mure kann man die

Smaragde waschen oder aus großen

Glimmerschieferbrocken herausklopfen.

Unser Ausgangspunkt war die

Enzianhütte, wo die elfköpfige Gruppe

Quartier bezog. Von dort aus sind es nur

eine Viertelstunde zu den ersten

Fundmöglichkeiten auf der Mure in der

Nähe der Hütte Alpenrose. Mit Hacke,

Spaten, Sieb und Kelle bewaffnet, ging es

gleich am ersten Tag (Freitag, 16.9.2005)

80

an die Arbeit. Es galt eine Stelle zu finden,

wo noch niemand gewaschen hatte und

so wurde von dem durch die Mure

fließenden Bach Wasser umgeleitet und

über das Sieb geleitet. Der lehmige,

grobkörnige Sand wurde nun auf das Sieb

geschaufelt und mit der Kelle und viel

Wasser nach dem grünen Feuer

durchsucht. Auch faustgroße

Glimmerschieferbrocken wurden auf die

Seite gelegt um sie später in ihrem

Inneren auf Smaragde zu überprüfen.

Der erste Tag ging mit unterschiedlichem

Finderglück zu Ende. Während unser

Spezialist Gustl bereits 24 Smaragde

gewaschen hatte, kamen Dietmar,

Christian und Georg auf 5-12 Steine und

der Rest ging leer aus (es musste also

noch an der Waschtechnik gefeilt

werden).


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Trotz Regens am zweiten Tag probierten

einige nochmals ihr Glück. Als sie am

späten Nachmittag völlig durchnässt in die

Hütte zurückkamen, waren die Mienen

schon freundlicher, denn diesmal waren

alle mit ihren Funden zufrieden. Gerhard

hatte einen schönen 10 Karäter und Gustl

fand sogar mitten auf dem Weg zur

Enzianhütte einen wenn auch etwas

trüben 2 cm großen Smaragd.

Am dritten Tag, es hatte aufgehört zu

regnen, gingen die letzten noch nicht

erfolgreichen Teilnehmer Sven, Margot

und Klaus zum Waschplatz um endlich

ihre eigenen Smaragde zu finden.

Mit großem Hallo konnte dann auch der

erste Fund nach einer Viertelstunde

vermeldet werden. Tiefgrün leuchtete ein

ca. ½ Karat großer Stein auf dem Sieb

auf. Bis zum Nachmittag sollten dann

noch weitere 5 Smaragde hinzukommen

so dass am Abend der Fund gerecht

geteilt werden konnte.

p.s. Klaus hatte sich beim

Smaragdwaschen einige handgroße

Glimmerschieferbrocken eingesteckt, die

zuhause nach einigen Tagen bereits in

Vergessenheit geraten waren. Umso

größer war die Überraschung, als er vor

drei Tagen, mehr aus Neugierde, einen

dieser Brocken mit dem Hammer

zerschlug und ein ca. 17 x 8 mm großer

dunkelgrüner Smaragd zum Vorschein

kam. Das war, wenn auch erst verspätet,

sein schönster Fund dieser Exkursion.

81

Am Abreisetag durfte natürlich ein Besuch

bei der Familie Steiner nicht fehlen.

Andi Steiner zeigte uns die neueste

Ausbeute des Smaragdstollens und

andere alpine Funde (Bergkristalle,

Rauchquarze und Sphene), die wir dann

auch ausgiebig bewundern konnten.

Ein Besuch des Mineralienmuseums in

Bramberg, des Heimatmuseums in

Mittersill sowie ein Besuch bei Kurt Nowak

mit seinem Privatmuseum in Wald rundete

die erfolgreiche Exkursion der AWO-

Mineraliengruppe ab.

Bedanken möchten wir bei Brigitte und

Gustl Steyr, die uns zu diesem

unvergesslichen Hüttenerlebnis durch ihre

hervorragende Vorbereitung verholfen

haben.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Habachtal

Smaragde im Glimmerschiefer (BB 12 cm)

Gewaschene Smaragde (BB 3 cm)

Smaragd auf Schnapsglas (BB 6 cm)

82

Schleifwürdiger Smaragd rechts oben

Überraschungsfund (BB 6 cm)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Aufregende Exkursion führt in die

Tiefen eines Bergwerks

Eine Harz-Reise vom

21.6. – 25.6. 2006

Mineraliengruppe der Arbeiterwohlfahrt

fährt in den Harz / Museen besucht und

Quarzstufen aus einer Kluft geborgen

Eine aufregende Exkursion hat die

Mineraliengruppe der Arbeiterwohlfahrt in

den Harz unternommen. Hartwig Hillegeist

aus Wendelstein hatte die fünftägige

Reise, an der 13 Mitglieder teilnahmen,

organisiert. Sie führte zu Bergwerken,

Steinbrüchen und Museen zwischen St.

Andreasberg und Clausthal-Zellerfeld.

Nachdem die Gruppe am Mittwoch in St.

Andreasberg angekommen war, traf man

sich abends am Lagerfeuer vor der Grube

"Roter Bär" mit dem Diplom-Mineralogen

Dr. Wilfried Ließmann, der die Gruppe auf

die Bergwerksgeschichte, die

jahrhunderte alte Technik und die

Mineralien des Harzes einstimmte.

83

Am nächsten Tag wurden die Königshütte

und das Südharzer Eisenhüttenmuseum

in Bad Lauterberg besichtigt. Dieses

ausgedehnte technische Denkmal

unterhält ein Förderkreis, dessen

Vorsitzender Hans-Heinrich Hillegeist, der

Zwillingsbruder von Hartwig Hillegeist aus

Wendelstein, ist. Des Weiteren bestand

die Möglichkeit, auf ehemaligen Halden

Kupfer-Mineralien und roten Glaskopf zu

finden.

Die ausgetüftelten Stauhaltungen,

Sperren und kilometerlangen Leitungen

für die Versorgung der Wasserräder in

den Bergwerken des Hochharzes im 18.

Jahrhundert sind heute zum größten Teil

noch erhalten. Einen Teil dieser Bauwerke

konnten die Hobby-Mineralogen am

Donnerstagvormittag bewundern.

Am Nachmittag durfte jeder nach Erhalt

der Sammelerlaubnis in dem

Gabbrosteinbruch bei Bad Harzburg nach

edlen Mineralien suchen.

Aus einer Kluft bargen Christian Hegholz

und Klaus Pusch beachtenswerte Calcit-

und Rauchquarzstufen.

Die Freude über diesen Fund lässt sich

auch mit einer alten Sage untermauern,

wonach sich in der Nacht vom 23. auf den

24. Juni (Johannistag) die Berge öffnen

und zahlreiche Schätze sichtbar werden.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Am Johannistag selbst erklärte Wilfried

Ließmann die einzigartige Technik der

Grube Samson in St. Andreasberg. Die so

genannte Fahrkunst erleichterte den

Bergleuten das Einfahren in den bis zu

810 Meter tiefen Schacht. Ein riesiges

Wasserrad trieb über eine Übersetzung

zwei Hubgestänge an, die in Abständen

von 3,2 Metern mit Griffen und Tritten

versehen waren. Beide nebeneinander im

Schacht hängenden Gestänge werden mit

einer Hubhöhe von 1,6 Meter auf und ab

bewegt.

Der Bergmann musste nun nur im

Zeitpunkt der Bewegungsumkehr, wenn

beide Gestänge für einen Augenblick

stillstanden, auf das andere Gestänge

umsteigen, um entweder ein- oder

auszufahren.

Hautnah konnten dann die

Mineralienfreunde das ursprüngliche

Einfahren in das Lehrbergwerk Grube

"Roter Bär" und "Wennsglückt" erleben.

Am letzten Tag zeigte Wilfried Ließmann

der Gruppe die Kaiser- Wilhelm

Schachtanlage, deren unterirdischer

Bootsverkehr das gewonnene Erz

transportierte und die Lehrsammlung der

TU Clausthal-Zellerfeld, an der er selbst

beschäftigt ist.

84

Beim anschließenden Besuch bei den

Harzer Sammlerfreunden Gudrun und

Gerhard Hellwig, konnten Mineralien aus

längst geschlossenen Abbauen und

Fundstellen in deren Sammlung bestaunt

werden. Als Überraschung wurden dann

noch unter den Teilnehmern herrliche

Erzstufen mit Quarzgeoden und andere

Mineralien verlost. Was bleibt, ist die gute

Erinnerung an diese hervorragende

Harzexkursion und die Gastfreundschaft

unter Mineraliensammlern.

Unser besonderer Dank gilt Hartwig

Hillegeist, der diese Exkursion

professionell vorbereitet hat.

Ruppert Zeiner/Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus dem Harz

Malachit (BB 6 cm)

Brauner Glaskopf auf Baryt (BB 12 cm)

Azurit auf Quarz (BB 6 cm)

85

Calcit (BB 14 cm)

Albit Superstufe (BB 14 cm)

Rauchquarz mit Stilbit (BB 5 cm)


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Strahlerglück im Tujetsch

Exkursion in die Schweiz (Sedrun,

Graubünden), 16.06. - 23.06.2007

Ende Juni startete die AWO

Mineraliengruppe auf große

Jahrsexkursion in die Schweiz. Ziel war

Rueras, ein kleiner Ort beim Sedrun in

Graubünden, bekannt durch berühmte

Strahlergenerationen (die Kristalle nennt

man in der Schweiz "Strahlen", der

Mineraliensucher ist der "Strahler").

Namen wie z.B. Venzin, Curschellas,

Cavegn und Monn, um nur einige zu

nennen sind über die Grenzen der

Schweiz hinaus bestens bekannt. Auch

Gion Bearth und Giuanna Beer sind mit

dem Strahlen verbunden und genau diese

wollten wir besuchen.

Nachdem wir bei Giuanna Quartier

bezogen hatten, machten wir uns zu einer

kleinen Inspektion der alten Kluft am

Rhein auf, in der Klaus auf der

Vorexkursion 2006 mehrere schöne

Bergkristallstufen bergen konnte.

Die Kluft war aber von anderen weiter

ausgebeutet worden und deshalb konnten

nur noch einige Belegstücke gefunden

werden. Trotzdem war am Abend beste

Stimmung und die Erwartungen waren

genauso gut wie es das Wetter, das für

den nächsten Tag angekündigt war.

Am Sonntag ist in Graubünden Strahl-

Verbot und deshalb machten wir einen

Abstecher ins nahe gelegene Val Bedretto

86

(Tessin) wo wir bereits zweimal mit der

Gruppe waren.

An der Nadelquarzfundstelle von Marco

Pacciorini erfuhren wir dann, dass die

Mine für Besucher z. Z. gesperrt ist und so

machten wir eine schöne Wanderung

entlang des Ticino zum Giacomobach.

Über den Gotthard- und den Oberalppass

fuhren wir dann wieder zurück nach

Rueras. Am Abend besprachen wir mit

Gion die geplante Tour zum Rauchquarze

suchen für einen die nächsten Tage.

Die Sonne strahlte vom Himmel, und so

verloren wir am Montag keine Zeit und

besorgten uns die Strahlerpatente bei der

Gemeindeverwaltung in Sedrun.

Anschließend fuhren wir nach Surrein am

Eingang vom Val Nalps, um in dem

felsigen Waldgebiet nach eventuellen

Klüften zu suchen. Natürlich ist es für

einen Ortsfremden nicht leicht

entsprechende Stellen zu finden und so

begnügten wir uns, die nicht belegten


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

alten Klüfte auf Fundmöglichkeiten hin zu

untersuchen. Auch abgebrochene

Felspartien im Rhein waren ein gute

Möglichkeit um Bergkristalle mit Rutil und

Anatas zu finden.

Die Gruppe verteilte sich im Laufe des

Tages an mehreren Fundstellen und als

wir uns wieder am säten Nachmittag zur

Rückfahrt trafen, machten alle strahlende

Gesichter. Von Bergkristall-Doppelendern

von 10 cm Länge oder größeren Stufen

mit Bergkristall (2-3 cm) und Rutil (1 cm)

oder auch Anatase mit 2 mm Größe, jeder

hatte etwas vorzuweisen und die Qualität

der Mineralstufen übertraf bei Weitem die

eines Belegstückes. Unsere Erwartungen

wurden weit übertroffen. Nach einem

gemütlichen Abend hofften wir für den

nächsten Morgen auf schönes Wetter.

Am Dienstag um 7 Uhr ging es dann los

nach einer kurzen Anfahrt ins Val Mila

erfolgte dann der Aufstieg über einen

Jägersteig in Richtung Alp Caschlé. Für

uns Flachlandtiroler war es auch

entsprechend anstrengend. Nach ca. 3

Std. war das Zielgebiet um die

87

Hexenplatte erreicht und die bereits

ausgebeuteten Klüfte einheimischer

Strahler wurden nach übersehenen

Spitzen durchsucht. Gut ins

Zeitungspapier verpackt wanderte so

manche übersehene Spitze in unsere

Rucksäcke. Trotzdem blieb uns noch der

Blick für die fantastische Natur hier oben.

Der Culmatsch und das Val Strem von

unserem Standort aus ca. 2200 m Höhe

gesehen, das war schon ein tolles

Erlebnis. Als gegen 16 Uhr uns Gion

schon zum Aufbruch mahnte, gelang dann

Georg der entscheidende Fund. Nach

anfänglich lustlosen wegräumen von Gras

und Erde an einem Quarzband neben

einer alten Kluft, öffnete sich plötzlich ein

größerer Hohlraum gefüllt mit

Rauchquarzen von hell- bis dunkelbrauner

Farbe. Die noch mit Lehm und Erde

verschmierten Stücke wurden dann in

Gemeinschaftsarbeit aus der Kluft

genommen, eingepackt, und im Rucksack

verstaut bis er voll war.

Zu weiteren Kluftarbeiten blieb leider

keine Zeit mehr und so machten wir uns

nur widerwillig auf den Rückweg. Beim

Abstieg kreisten die Gedanken von Georg

um die zurückgelassene, bestimmt noch

mehr Kristalle enthaltende, erste, selbst

gefundene Rauchquarzkluft. Wird er

jemals wieder hier herkommen? Am

Abend waren alle fix und fertig und so

gingen wir auch entsprechend zeitig ins

Bett. Georg war sogar zum Waschen

einer seiner Rauchquarzstufen zu müde.

Weil am Mittwoch das Wetter noch

einigermaßen schön sein sollte,

entschlossen wir uns zu einer Fahrt über


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

die 4 Pässe Oberalp, Gotthard, Nufenen

und Furka zu machen. Das Wetter hielt,

und so verbrachten wir einen weniger

anstrengenden Tag mit dem Sammeln

von Eindrücken, die wir auf der Fahrt

gewinnen konnten.

Beängstigend ist der Rückgang des

Rhonegletschers. Dort, war vor 10 Jahren

noch Eis und Schnee lagen, schaute nur

noch der blanke Fels heraus. Am Abend

hatte sich Georg soweit erholt, dass er

eine seiner Rauchquarzstufen wusch und

uns stolz präsentierte. Wir waren von der

Qualität und dunkelbraunen Farbe sehr

beeindruckt.

Am Donnerstag regnete es morgens und

so wurden Einkäufe erledigt und die

gefundenen Kristallstufen gewaschen. So

manche Überraschung kam dabei ans

Tageslicht. Längliche Kalzitkrusten

entpuppten sich auf einer Bergkristallstufe

von Gerhard als 1,5 cm langer Rutil. Auch

die Rauchquarzfunde von Christian

erstrahlten nach dem Waschen in vollem

Glanz. Nach einem schönen Regenbogen

kam am Nachmittag wieder die Sonne

heraus und so beschlossen Gerhard und

88

Christian noch einmal die Klüfte am Rhein

aufzusuchen.

Der am Knie lädierte Klaus, sowie Margot,

Georg, Elke und Ernst machten von

Rueras nach Surrein eine Wanderung am

Rhein entlang. Hier konnte man auch gut

die Bauarbeiten an der zukünftigen

Haltestelle von Sedrun der NEAT

beobachten. Nach ca. 1 km Stollen in den

Berg, geht es dann 800 m tief zum

Gotthardbasistunnel in einem Schacht

hinunter. Die zweite geplante Tour mit

Gion fiel buchstäblich ins Wasser, denn es

regnete am Freitagmorgen ziemlich stark.

Ein Besuch in den Ausstellungsräumen

des Alptransit bot sich daher als

Vormittagsprogramm an. Dieser Besuch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

darf bei einem Aufenthalt in Sedrun

natürlich auch nicht fehlen. Dieser Tunnel

ist mit 57 km Länge auch ein imposantes

Bauwerk.

Am Nachmittag machte es Gion möglich,

das Museum La Truaisch zu besuchen

(offiziell war es noch wegen

Umbauarbeiten geschlossen). Im

Kristallkeller konnten wir dann auch die

Stufen bewundern, die man sonst nur aus

Fachzeitschriften und Büchern kennt, und

die das Tujetsch auch mineralogisch so

bekannt gemacht haben.

Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel

Post in Rueras hieß es dann Abschied

89

nehmen von einem wunderschönen

Fleckchen Erde, das wir bestimmt nicht zu

letzten Mal besucht haben werden.

Die Rückreise am Samstag verlief ohne

Probleme und so waren wir gegen 16 Uhr

wieder in Franken zurück.

Unser Dank gilt besonders Giuanna und

Gion für ihre herzliche Aufnahme. Bei

Gion Bearth und Luis Curschellas

bedanken wir uns für die Kleinstufen für

unsere Jugendgruppe AWO-Miner-Kids,

die wir gerne weitergeben. Das Interesse

für das Strahlen und die Natur darf nicht

verloren gehen.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus Sedrun

Rauchquarz (aus der Kluft von Georg)

Bergkristall-„Blüte“ (BB 12 cm)

(aus der Kluft von Klaus)

Blau-Schwarzer Anatas (BB 3 cm)

90

Rauchquarz-Doppelender (BB 10 cm)

Heller Rauchquarz vom Culmatsch (Gerhard)

Doppelender aus der Rheinkluft (Christian)

Bergkristall mit Rutil (BB 12 cm)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Amethyste und Achat aus

Deutschland

(13. - 16.09.2007)

Wer heutzutage Edelsteine noch selbst

finden möchte, muss nach Südamerika,

Afrika oder nach Australien fahren. Man

kann das natürlich auch sehr leicht auf

den vielen internationalen

Mineralienbörsen tun und sich diese

Steine dort kaufen.

Oder aber man fährt mit der AWO

Mineraliengruppe nach Freisen ins

nördliche Saarland an der Grenze zu

Rheinland-Pfalz. Hier in der Nähe Idar-

Obersteins, dem deutschen

Edelsteinzentrum, lassen sich noch viele

Edelsteine in den vulkanischen Gesteinen

Deutschlands finden.

Im Nachbarort von Freisen, in Oberkirch,

bezogen wir sieben Exkursionsteilnehmer

am Donnerstag, dem 13.09.07 gegen

Mittag im Johanneshof Quartier.

Schon am Abend des Anreisetags

konnten wir mit Reiner Maria Schäfer

(Vorstandsvorsitzender des MVF,

91

Mineralien Verein Freisen und Leiter des

Freisener Mineralien-Museums), Kontakt

aufnehmen und uns im Museum und bei

ihm privat zu Hause die Schätze der

Umgebung besichtigen. Der Bau von

Windkrafträdern lieferte hier in der letzten

Zeit immer wieder spektakuläre Funde

von Achaten und Geoden gefüllt mit

Amethyst, Rauchquarz, Calzit und

anderen Mineralien.

Am nächsten Morgen, am Freitag, gingen

wir dann daran, die vielen wertvollen

Fundstellentipps von Reiner Schäfer in die

Tat umzusetzen.

Erstes Ziel waren die Ackerflächen um die

Windkraftanlagen von Hoppstätten-

Weiersbach. Auf den bereits geackerten

Flächen konnten wir überwiegend

braunen Jaspis und Bruchstücke von

Achaten finden. Als besonderer Fund ist

eine Achatmandel von ca. 20 cm

Durchmesser zu erwähnen, die Georg aus

dem Boden hob.

Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr

erreichten wir dann den Steinbruch

Juchem an der Deutschen


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Edelsteinstraße gelegen, ca. 7 km von

Idar-Oberstein entfernt.

Vor dem Betreten des Steinbruches muss

man sich anmelden und erhält einen

Schutzhelm und entsprechende

Verhaltensregeln für die eigene und die

Sicherheit anderer. Im östlichen Teil des

Bruches ist ein neuer Abbaubereich

erschlossen worden und so machten wir

uns daran, die dort herumliegenden

Basaltbrocken, je größer desto besser, mit

dem Vorschlaghammer zu bearbeiten.

Das Ziel ist es möglichst große

Achatmandeln zu finden die sich in

diesem sehr harten Gestein verbergen.

Die Teilnehmer ohne schweres Gerät,

unsere beiden Frauen Margot und Elke,

durchsuchten währenddessen die Halden

nach bereits heraus gelösten

Bruchstücken von Geoden. Den zweiten

Tagesfund machte Klaus, der in einem

großen Brocken eine bereits

herausschauende Amethystdruse

bemerkte und sie auch unbeschädigt

herausschlagen konnte. Die ca. 10 x 12 x

6 cm große Mandel zeigt einen dunklen

Amethystkranz und ist im Inneren mit

hellbraunem Calzit gefüllt.

92

Nach drei Stunden hatte jeder eine

größere Anzahl von kleinen und mittleren

Achatmandeln gefunden und man durfte

auf deren Inhalt gespannt sein. Als es

dunkel wurde fanden sich alle

wohlbehalten wieder auf dem Parkplatz

am Bus ein. Gegen 23 Uhr kamen wir

wieder im Quartier an und alle waren von

dem anstrengenden Tag so müde, dass

nur noch schlafen angesagt war.

Frisch erholt und nach ausgiebigem

Frühstück fuhren wir dann am Samstag zu

einem kleinen Einkaufsbummel nach Idar-

Oberstein. Gegen 11 Uhr fuhren wir dann

nochmals in den Steinbruch Juchem. Dort

trafen wir auch Martin aus den

Niederlanden wieder, den wir bereits am

Vortag kennen und als großen

Fundstellenkenner und Achatsammler

schätzen gelernt haben. Gemeinsam

wollten wir eine neue Stelle am Wasserfall

in Augenschein nehmen. Dort wurden

schon gute Funde gemacht.

Wir waren fast allein vor Ort und so

konnten wir ungestört die großen

Felsbrocken mit unseren Hämmern

zerlegen. Claus war bereits nach kurzer


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Zeit fündig und hielt eine große

Amethystmandel in den Händen. Auch

Martin konnte in seinem Block Amethyst

finden und so stoßen auch Christian,

Dietmar und Klaus dazu.

93

Jetzt wurde systematisch jeder größere

Basaltblock zerlegt, so dass am

Nachmittag gegen 16 Uhr nur noch

handgroße Stücke übrig waren. Die

Ausbeute konnte sich sehen lassen.

Sechs Amethystmandeln, jede so groß

wie der Freitagsfund von Klaus und viel

kleinere Geoden mit Achat, Calzit und

Rauchquarz gefüllt verteilten sich auf die

erfolgreichen Stoaklopfer. Auf der

Rückfahrt nach Oberkirch waren nur

glückliche Gesichter zu sehen und so war

es nicht verwunderlich, dass am Abend

dann auch ausgiebig am offenen Kamin

und mit viel Rotwein Abschied gefeiert

wurde.

Die Heimfahrt am Sonntag nach Roth,

verlief problemlos und so konnte die AWO

Mineraliengruppe wieder einmal eine

erfolgreiche Exkursion verbuchen.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien aus

Freisen und dem Steinbruch Juchem

Amethyst-Mandel mit Calcit vor und

Sphärolitischer Achat Freisen (BB 4 cm)

Heller Achat Juchem (BB 8 cm)

94

nach dem Ätzen (BB 12 cm)

Calcit Doppelender Juchem (BB 10 cm)

Trümmerachat Juchem (BB 10 cm)


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Stoaklopfer – Traum

In Namibia gibt es nicht nur Diamanten

Ein Erlebnisbericht von Sven Polenz und

Gerhard Pamler

Namibia steht seit einigen Jahren ziemlich weit

oben auf der Fernreise-Wunschliste vieler

Deutscher. Das liegt sicherlich an dem angenehm

warmen und trockenen Klima, das oftmals

wochenlang Sonnenschein verspricht. Neben den

deutschen Wurzeln, die an vielen Stellen noch

anzutreffen sind, reizt die Natur sicher am meisten

zu einem Trip zwischen Wüsten, Savannen und

den unterschiedlichen Bergformationen.

Da war es kein Wunder, dass bei einem der

monatlichen Steinklopfertreffen in Roth der

Gedanke an eine Mineralienexkursion nach

Namibia geboren wurde.

So machten sich Annelie, Hartwig, Gerhard und

Sven aus der AWO-Mineraliengruppe im April

2007 auf den Weg in den Süden. Dabei stand uns

der Sinn nicht nur nach Natur schlechthin, sondern

insbesondere nach den mineralogischen

Sehenswürdigkeiten des Landes.

Gemeinsam mit sechs anderen Sammlerfreunden

und zwei ortskundigen Guides wurde in Windhoek

zu einer dreiwöchigen Rundtour über rund 4500

km gestartet.

Auf den Börsen in München und anderswo hatten

wir schon oft die faszinierenden Stufen aus dem

Erongo oder vom Brandberg gesehen, doch ob wir

auch selbst einmal solche Kristalle würden bergen

können? Oder die prächtigen Turmaline, Schörl-

Kristalle und Topase, die uns schon vorher aus

den Mineralienführern aller Verlage anlachten –

würden wir so etwas auch außerhalb von

Mineralienhandlungen zu Gesicht bekommen?

Also hielten wir uns nicht lange bei der Vorrede auf

und machten uns mit „unserem“ Wüstengefährt auf

die Reise. In den ersten Tagen faszinierte uns vor

allem die Landschaft der Namib-Wüste, wobei die

unglaubliche Trockenheit dieses Landstrichs vor

allem zwischen den bis zu 200 m hohen rötlichen

95

Sanddünen des Sossusvleis erlebbar wurde. Egal,

ob bei einer Ballonfahrt zum Sonnenaufgang, einer

Dünenersteigung in die absolute Ruhe und

scheinbare Unendlichkeit oder während eines

mittäglichen Trips in die Gluthitze - hier kamen wir

dem Begriff „Afrika“ schon sehr nah. Mineralien

kamen vorerst keine in Sicht, doch nahmen wir von

hier die Erkenntnis mit, wie angenehm doch das

Wohnen in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas

auf einmal wirkt.

Erste Funde stellten sich dann in der Gamsberg-

Region auf der Rooisand-Gästefarm ein, auch

wenn wir zunächst etwas ratlos die wenig

brillanten „grünen Amethyste“ begutachteten. Im

Nachhinein gelingt die Einordnung weit besser,

wenn man den gleichen Habitus plötzlich im

Unterbau von „Kaktus-Quarzen“ aus Südafrika

wieder erkennt, dessen grünlicher Schimmer

zunächst etwas rätselhaft wirkte.

Nach diesem Auftakt wussten wir noch nicht, dass

wir in den nächsten Tagen viel vom Glanz und

Elend der Mineralienfunde mitbekommen sollten.

Im Bereich der Neuschwaben-Mine und des

Erongo-Gebirges standen herrliche Rauchquarze

(als Treppen-/Babylon-Quarze), Turmaline und

Aquamarine im Mittelpunkt des Interesses. Mit

Heinz-Peter als Geologen und Rudolf als

erfahrenem Sammler hatten wir zwei kundige

Partner an unserer Seite, die gemeinsam mit dem

Geologen und Edelstein-Spezialisten Jörg die

mineralogische Führung der Gruppe übernehmen

konnten.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Auch wenn sich die Eigenfunde bei einer

Wanderung über die Ameib-Ranch in Grenzen

hielten, gewannen wir doch ein beeindruckendes

Bild von den Granitmassen dieser Gegend, die bei

„Bulls Party“ unter dem Einfluss der Winderosion

zu teilweise riesigen Kugeln verwittern oder wegen

der immensen Temperaturunterschiede

schalenförmig vom Grundgestein abplatzen. Dabei

werden dann auch Schörl-Kristalle freigelegt, die

uns ahnen ließen, wo all die prächtigen Kristalle

herkamen, die uns am Straßenrand von den

Diggern für wenig Geld angeboten wurden. Hier

fragte sich manch einer aus der Gruppe zum

ersten Mal, ob es angesichts der

Lebensverhältnisse dieser Menschen überhaupt

angemessen ist, um den ohnehin niedrigen

geforderten Preis noch zu feilschen …

Diese soziale Dimension wurde auch dem Letzten

in der Gruppe klar, als wir für zwei Nächte im

Restcamp an der Spitzkoppe einkehrten. Hier

erwartete uns nicht der Luxus einer Rooisand-

Gästefarm oder Palmwag-Lodge, sondern das

naturnahe Ambiente eines von engagierten

Einwohnern geführten kommunalen Camps. Die

Anschubfinanzierung lieferten die

Entwicklungshilfe und die Konrad-Adenauer-

Stiftung, doch nun schlagen sich die örtlichen

Betreiber mehr schlecht als recht durch. Es fehlt

an Wasser und an professioneller Werbung - und

damit auch an Gästen. Und deshalb lässt sich

auch nur wenig verdienen in dieser von

Arbeitslosigkeit so stark betroffenen Gegend.

Wie groß die Freude war, als dann plötzlich bei

Einbruch der Dunkelheit unser Truck mit 12

zahlenden Gästen vorfuhr, ist sicher leicht

nachvollziehbar. So wurde dieser Abend in der

überaus malerischen Hüttensiedlung am Fuße der

Spitzkoppe für uns zum emotionalen Höhepunkt

der ganzen Tour: mit einfachem Essen, ehrlichem

Gesang für die so willkommenen Gäste, einem

gemeinsamen Tänzchen und der ersten

Bekanntschaft mit dem uns bis dahin unbekannten

Amarula, einem süffigen Likör aus der Marula-

Frucht.

Am nächsten Morgen ging es dann zu einer

Fundstelle in der Ebene am Rande der Kleinen

Spitzkoppe. Nicht jeder hatte das Glück, ein paar

der hier oftmals wasserklaren, nur in Spuren

96

gelblichen oder bläulichen Topase zu finden, doch

zumindest ein paar Rauchquarze konnte wohl

jeder bergen.

An gleicher Stelle waren sowohl einzelne Digger

als auch ein von Russen betriebener

halbindustrieller Abbau im Gange, so dass die

eigenen Funde wiederum um schöne Topase und

Aquamarine ergänzt werden konnten.

Je weiter die Gruppe nach Norden vordrang, umso

ergiebiger wurden die Funde, die das Gewicht

unserer Koffer immer mehr der Freigepäckgrenze

annäherten.

Da war es gut, dass bei einem Zwischenstopp in

Swakopmund bei angenehm frischen

Temperaturen die bisherigen Funde gesichtet und

sortiert werden konnten. Natürlich brachte diese

Stadt auch einen Exkurs in die gemeinsame

Geschichte, von der heute noch die sehr deutsch

wirkenden Fassaden der vor gut 100 Jahren

errichteten Häuser zeugen. Dass sich jedoch auch

hier ein Wandel vollzieht, erkennt man am

deutlichsten an den Straßennamen, die in den

letzten Jahren weg von den alten deutschen hin zu

namibischen Bezeichnungen umbenannt wurden.

Nach einem letzten Rock-Shandy, der herrlich

kühlen Erfrischung am Abend, ging es dann vom

Meer zurück in die Glut der Wüste am Brandberg

mit der höchsten Erhebung Namibias, dem 2573

hohen Königstein. In den Gobobosebbergen, ganz

in der Nähe des Tafelkopfs, fanden wir uns bald

wieder an den Hängen oberhalb der Palfi-Mine.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Hier war der Reichtum an Drusen am

beeindruckendsten, und so mancher Fensterquarz

oder Amethyst wanderte in unsere Sammler-

Rucksäcke.

Dass dabei auch die eine oder andere „Libelle“ mit

in Quarzkristallen eingeschlossenem,

Jahrmillionen altem Wasser war, ist den meisten

wohl erst beim Durchsehen der Funde zuhause

aufgefallen.

Auf der weiteren Fahrt nach Norden in das

Kaokoveld durfte natürlich ein Abstecher zum

versteinerten Wald bei Khorixas nicht fehlen. Die

Größe der hier herumliegenden, mehrere Meter

langen und bis zu einen halben Meter dicken

verkieselten Stämme ist beeindruckend, auch

wenn sich unsere einheimischen Funde aus dem

Landkreis von der Farbigkeit her hier nicht

verstecken müssen.

Unerwartet üppig und reizvoll wurde die

Landschaft dann bei einem Abstecher zur Steiner-

Mine, wo der kurz vorher gefallene Regen das

97

ansonsten eher steingrau karge und staubige Bild

mit einem fast mitteleuropäisch anmutenden

grünen Schleier überzogen hatte.

Eins drauf setzten dann natürlich noch die prächtig

grünen Dioptas-Kristalle, die wir mit Hammer und

Meißel in der Mine herausschlagen oder im

Abraum sammeln konnten. Den blendenden

Eindruck dieses magischen Ortes verstärkte noch

unser aus herrlichem Gestein aufgemauertes

zünftiges Quartier in der Farm „Zur schönen

Aussicht“ und der abends hoch über dem Tal

genossene Sundowner. Ein herzliches

„Dankeschön“ gilt insbesondere unserem

Gastgeber Mario Steiner, der hier am Ende der

Welt Unglaubliches leistete.

Da war es dann schon ein in jeder Hinsicht großer

Sprung hin zur Okorusu-Mine, der größten

Flussspatmine Namibias.

Aus dem alkalischen Gesteinskörper mit

komplexem Aufbau werden im Tagebau monatlich

250.000 t Erz gefördert, das vor Ort zu 12.000 t

Flussspat mit einer Reinheit von 97 % aufbereitet

wird. Insofern hatten wir keine Bedenken, pro

Nase etwa 3 Kilo prächtiger Stufen aus der Grube

zu tragen, die wir dank der zuvorkommenden

Führung durch die Abbaufelder der Mine vor Ort

bergen konnten.

Natürlich haben wir nicht nur Steine gesehen,

sondern auch viel von der belebten Natur

mitbekommen. Gewaltige Affenbrotbäume, die

Vielzahl der Termitenhügel, Springböcke und

Strauße am Rande der Pisten wurden dann aber

noch einmal gewaltig übertroffen von den


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Eindrücken, die wir am Rande der Etosha-Pfanne

sammeln konnten.

Wer einmal aus wenigen Metern den in freier

Wildbahn lebenden Antilopen, Giraffen, Gnus und

Elefanten zugesehen hat, wird dieses Bild sicher

ein Leben lang im Herzen tragen.

All diese Eindrücke werden abgerundet von der

Erinnerung an die Herero-Frauen in ihren

viktorianischen Trachten, an die einfache

Lebensart der Himbas im Kaokoveld und die vielen

anderen Bevölkerungsgruppen, die uns so

freundlich begleiteten.

Ein Fazit?

Unsere Ausbeute an Kristallen und Stufen enthielt

viele hervorragende Stücke und hat jeden von uns

zufrieden gestellt. Allerdings darf nicht der

Eindruck entstehen, dass Suche und Bergung der

Mineralien in dieser grandiosen Landschaft einfach

wären. Durch die Weitläufigkeit des Landes, den

oftmals nur schwer zu bearbeitenden Boden und

die Berücksichtigung unterschiedlichster

98

Besitzverhältnisse war manche Suche erfolglos

und gute Eigenfunde waren rar. Doch gerade auf

diese guten Funde sind wir besonders stolz.

Eine ideale Ergänzung dazu bildeten das

reichhaltige Angebot bei den Schürfern vor Ort und

in den wenigen Fachgeschäften.

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne

unseren aufopferungsvollen Guide Attila Pereghy,

der nicht nur ständig am Steuer saß, sondern uns

gemeinsam mit seinem namibischen Mitstreiter

Wilfried kundig durch das Land führte. Es ist

sicherlich vor allem ihr Verdienst, wenn wir Vier

von der AWO Roth am Schluss sagten:

„Bye, bye – und auf Wiedersehen!“.

Einheimische Händler an der Piste

(mit unserem Edelsteinspezialisten Dipl. Min.

Jörg-Thomas Müller,)

Gerhard, Annelie und Hartwig mit den Hölzern

des „Versteinerten Waldes“ von Khorixas

fotografiert von Sven


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Unsere Reiseroute mit den Fundstellen

Fundstellen:

A Kleine Spitzkoppe

B Palfi-Mine (Goboboseb-Berge)

C Dioptas-Mine (Marius Steiner,

Kaokoveld)

D Okorusu-Mine (Otavi-Bergland)

99


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Selbstgefundene Mineralien

aus Namibia

Rauchquarzkristalle aus dem alten Tagebau

(Fundstelle A)

Orthoklas mit Rauchquarz (Fundstelle A)

Topas von einer Freifläche (Fundstelle A)

Alle Mineralien und Fotos von

Gerhard Pamler

100

Bergkristall mit Amethyst-Rauchquarz-Färbung

innen (Fundstelle B)

Dioptas im Gelände der Farm „Zur schönen

Aussicht“ (Fundstelle C)

Schöne leuchtende Dioptas-Kristalle

(Fundstelle C)

Fluorit (Fundstelle D)


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Die Minerkids

Erstes Treffen 2005 der Jugend-

Mineraliengruppe bei der AWO

Wendelstein (27.02.2005)

18 Wendelsteiner Mädchen und Jungen

im Alter von 8-12 Jahren trafen sich zu

einem Mineraliennachmittag bei der AWO

Wendelstein. Hier konnten sie bei einem

Lichtbildervortrag von Klaus Pusch dem 1.

Vorsitzenden und Leiter der AWO

Mineraliengruppe, eine Reise von der

Urzeit bis zum heutigen Tag machen und

dabei erleben, wie Kontinente, Gebirge,

Gesteine und Mineralien entstanden sind.

Viele interessante und wichtige Fragen

wurden dabei von den wissensdurstigen

Kindern gestellt und auch gleich

beantwortet.

Micromount-Spezialist Hartwig Hillegeist

zeigte dann auch mit dem

Stereomikroskop Mineralien, die man mit

dem bloßen Augen nicht erkennen kann.

Mit einem großen Quiz, das vom

Jugendleiter Frank Hörer zusammen-

101

gestellt und mit tollen Preisen ausgelobt

war, ging es anschließend darum, das

gelernte Wissen auch gleich wieder zu

überprüfen. Von den zehn, zum Teil sehr

schwierigen, geologischen Fragen

konnten 4 Kinder alle Fragen richtig

beantworten und damit die schönsten

Quarz- und Rauchquarzstufen aus dem

Fichtelgebirge gewinnen. Doch keiner

ging leer aus und so konnten alle einen

kleinen Schatz mit nach Hause nehmen.

Am Schluss wies Klaus Pusch nochmals

auf die nächsten Termine der AWO-

Jugend-Mineraliengruppe hin, am 3.April

2005 z.B. ist Mineralienbörse im

Taglöhnerhaus mit Goldwaschen aus

natürlichem, goldhaltigen Flusssand unter

fachlicher Anleitung.

Die Kinder (und Eltern) erwartet ein

spannendes Mineralienjahr mit vielen

Veranstaltungen und Ausflügen.

Informationen bei: Klaus Pusch, Tel:

09171/966411 oder 09129/4499 (abends).


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Ein spektakulärer Fossilienfund

faszinierte die Wendelsteiner

AWO Miner-Kids

(22.04.2006)

WENDELSTEIN ( fh ) - „ Als ich plötzlich

eine Gesteinsplatte mit einem großen

versteinerten Tintenfisch in den Händen

hielt, bekam ich Gänsehaut “, berichtete

die achtjährige Leoni.

Am 22.04.2006 nahm die AWO

Jugendgruppe Miner-Kids und einige

Eltern an einem der

diesjährigen Veranstaltungsangeboten der

Arbeiterwohlfahrt Wendelstein e.V. teil.

Ausflugsziel war der in der fränkischen

Schweiz gelegene Ort Oberleinleiter, der

dafür

bekannt ist, dass man dort heute noch

zahlreiche Fossilien findet.

Unter fachkundiger Betreuung des

Exkursionsleiters Günther Weinfurtner

konnte die Gruppe an vier verschiedenen

Fundorten im Leinleitertal versteinerte

Unterwassertiere, wie z.B. Ammoniten

102

(Tintenfische), Brachiopoden (Stielmuscheln),

Seeigelstachel, Belemniten

(Schwanzstücke von Tintenfischen) und

Schwämme finden.

An der vorletzten Fundstelle kam es dann

zu dem spektakulären Fund von Leoni,

die das Prachtstück ( ein 15 cm x 10 cm

großer Ammonit ) gleich im Rucksack

verstaute.

Zum Ausklang der spannenden Exkursion

bekamen alle Sammler / innen vom ersten

Vor-

sitzenden der Arbeiterwohlfahrt

Wendelstein e.V. Klaus Pusch noch ein

Überraschungsgeschenk.

Frank Hörer


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Mineralogische Wanderung 2006

der AWO Minerkids im Wernloch.

Über 30 Wendelsteiner Mädchen und

Jungen im Alter von 8-12 Jahren, z.T. mit

ihren Eltern trafen sich zu einer

Mineralienexkursion am Wasserturm.

Nach der Begrüßung übernahm der 1.

Vorsitzenden und Leiter der AWO

Mineraliengruppe Klaus Pusch die

Führung der 41 Personen an diesem

Nachmittag.

Die Geologische Entstehung des

Höhenzuges zwischen Worzeldorf und

Wendelstein reicht ca. 240 Millionen Jahre

zurück. Damals lagerte sich im Trias-Meer

eine Schicht ab, die heute als oberer

Burgsandstein bezeichnet wird. Ein Riss,

hervorgerufen durch starke

Erdbebentätigkeit die auch zur Absenkung

des Rheingrabens führte, ermöglichte den

Aufstieg von hydrothermalen Lösungen

(mehrere hundert Grad heiße wässrige

Lösungen) die sehr mineralreich waren.

Diese Lösungen wandelten den

grobkörnigen Sandstein in feinkörnigen

103

und siliziumhaltigen Quarzit um, der

dadurch sehr hart wurde und deshalb

auch im Mittelalter zum Bau der

Nürnberger Burg verwendet wurde. Beim

Erkalten kristallisierte dann in den Spalten

und Rissen die heute noch auffindbaren

Mineralien wie Quarz (Bergkristall) und

Baryt (Schwerspat) sowie

Pseudomorphosen von Baryt nach Quarz.

Nach der Theorie folgte dann die Praxis

bei der gut 2-stündigen Wanderung. An

mehreren Stellen wurden die Kinder dann

auch fündig und so hatten die Begleiter,

unter ihnen auch der Jugendleiter Frank

Hörer, alle Hände voll zu tun um beim

Sammeln der gefundenen Stücke mit Rat

(... ist das was Gescheites?) und Tat (...

kannst du mir den bitte auseinander

schlagen?) zur Seite zu stehen. Die

mitgebrachten Stoffbeutel füllten sich

dann auch entsprechend mehr oder

weniger je nachdem, wie kräftig die Kinder

waren. Jedenfalls hatte jedes sein

persönliches Funderlebnis.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Zwölf Rother Buben auf der

Suche nach dem elften

Archaeopteryx.

(Roth, 15.8.06)

Mit zwei Bussen der AWO Roth brach der

Nachwuchs der AWO Mineraliengruppe,

die Minerkids, am ersten Feriensamstag

zu einem geologischen Ausflug ins

Altmühltal auf. Ernst und Barbara

Rossmeissl, sowie Klaus und Margot

Pusch hatten die Betreuung des

Nachwuchses übernommen.

Schon auf der Fahrt stieg die Spannung

der zwölf Buben zwischen 8 und 12

Jahren mit jedem Kilometer dem sie sich

Solnhofen näherten. Jeder hatte Hammer

und Meißel dabei und hoffte auf den

großen Fund im Steinbruch.

Die Reise in die Zeit des ersten Urvogels

Archaeopteryx (er lebte vor ca. 150

Millionen Jahren) begann im

Bürgermeister Müller Museum. Unter

fachkundiger Führung von Hans Müller,

einem entfernten Verwandten des

gleichnamigen Museumsgründers,

konnten sie fantastische Versteinerungen

von Fischen, Krebsen und anderen

Urmeeresbewohnern bestaunen.

104

Nachdem sich dann die Regenwolken

etwas verzogen hatten, ging es endlich in

den nahe gelegenen Steinbruch um die

Suche nach den noch verborgenen

Schätzen aus der Saurierzeit

aufzunehmen. Durch geschicktes Spalten

der Solnhofer Platten kamen immer

wieder neue versteinerte Lebewesen

(meistens Saccocomen, schwimmende

Seelilien), sowie baumartige Gebilde aus

Eisen und Mangan (Dendriten) zum

Vorschein. In den großen Felsspalten

hatte sich auch Kalzit gebildet und so

konnten die Minerkids auch sehr schöne

dreieckige Kalzitkristalle in den

Hohlräumen der Kalkbänder finden. Als

Höhepunkt ist wohl der Fund von zwei

versteinerten Fischen zu betrachten. Am

späten Nachmittag wurden dann die

Funde eingepackt und auf der Heimfahrt

ging entsprechend fröhlich zu.

Bei der Ankunft in Roth wurden dann die

Funde stolz den Eltern präsentiert, wenn

auch der elfte Archaeopteryx (zehn Funde

sind bis heute bekannt) noch im

Steinbruch auf seine Entdeckung wartet.

Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Eifrig wird gesucht

Die Calcit-Ader

Eine versteinerte Seelilie (saccocoma)

und Mangan-Dendriten

105

auf 150 Millionen Jahre altem Meeresboden

Da ist der versteinerte Fisch

Ein Calcit-Igel


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Wendelsteiner AWO-Miner Kids

eröffneten Sammlerjahr 2007 mit

Museumsbesuch und Fossiliensammeln

in Buttenheim

Wendelstein (jr) - Mit neuem Konzept hat

die Jugendgruppe der AWO Wendelstein,

die „AWO Miner Kid’s“, ihr Sammlerjahr

begonnen. Organisiert von Heidi Gröllich

als Schriftführerin und Jugendbetreuerin

bei der AWO besichtigten die Kinder mit

ihren Eltern und Betreuern das

Fossilienmuseum im Kloster Banz und

nach einer Stärkung war in einem

Steinbruch bei Buttenheim allen

Teilnehmern das Finderglück hold in

Gestalt zahlreicher Ammoniten und

anderer Fossilien.

Insgesamt 17 Kinder und mehrere

Betreuer und Eltern nahmen am

„Erstversuch“ der Jugendgruppe teil, mit

neuem Konzept den Nachwuchs für

Fossilien und Mineralien zu begeistern.

„Neu ist, dass wir diese Fahrten zukünftig

als Familienangebot gestalten und das

reine Fossilien- und Mineraliensuchen nun

mit interessenbezogenen Museumsbesuchen

verbinden“ stellte Schriftführerin

106

Heidi Gröllich schon beim letzten AWO-

Treffen das neue Fahrtangebot vor. Im

Fossilienmuseum im Kloster Banz

erwartete die Kinder eine altersgerechte

Führung durch die Höhepunkte der

Sammlung, wobei einer der Höhepunkte

das Skelett eines Fischsauriers war.

Nach der Stärkung mit Kinderschnitzel

und Eis fuhr die Gruppe nach Buttenheim

weiter.

Trotz der kalten Temperaturen liefen die

Kinder in der Tongrube beim

Fossiliensuchen und Steineklopfen zur

Höchstform auf und wurden in den

fundreichen Erdschichten mit vielen

Schnecken und pyritisierten Ammoniten

fündig. Erschöpft und mit Taschen voller

Ammoniten trat die Gruppe am

Nachmittag die Rückfahrt an, obwohl sich

der größte Wunsch, einen Saurier oder

wenigstens ein paar Knochen davon zu

finden, nicht erfüllt hatte.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Gegen 14:30 kamen wir in Buttenheim an

der großen Tongrube an. Zum Glück

regnete es nicht aber es war ziemlich kalt

(nur 8 Grad). Unten angekommen und

nach einer Sicherheitseinweisung, kamen

die Minerkids endlich zum „Steineklopfen“.

Nach einiger Zeit merkten viele, dass man

nur die Augen offen halten musste, um die

schönsten Ammoniten und Belemniten

einfach nur von der Erde aufsammeln zu

können. Die mitgebrachten Taschen

füllten sich deshalb sehr rasch. Auch

seltene Stücke wie Schnecken oder

pyritisierte Ammoniten wurden gefunden.

107

Nach eineinhalb Stunden hatten alle

genug gefunden und so machten wir uns

gegen 16 Uhr wieder auf die Rückfahrt

nach Wendelstein. Dort erhielten die

Kinder noch Arbeitsblätter mit den

genauen lateinischen Namen der

Versteinerungen und alle wollten bei der

nächsten Tour wieder mit dabei sein.

Vielen Dank an die Helferinnen und

Helfer, die die Minerkids auf ihrer

Exkursion nach Kloster Banz und

Buttenheim begleitet haben.

J.Ruthrof/K.Pusch

Marc und Rene in der Buttenheimer Tongrube


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Wendelsteiner Jugendgruppe

AWO Miner-Kids“ hatte Besuch

von Fossilienexpertin

Wie die Fossilien ihr Alter richtig bestimmt

werden (Jörg Ruthrof, 8.7.2007)

Wendelstein (jr) - Mit ihren

Fossilienfunden aus dem Leinleitertal von

der Exkursion eine Woche zuvor bestens

mit Material ausgestattet, ließen sich die

Kinder der Wendelsteiner Jugendgruppe

AWO Miner-Kids“ jetzt in der

Waldorfschule gern von Diplom-Geologin

und Fossilienexpertin Erika Scherze von

der Naturhistorischen Gesellschaft

Nürnberg (NHG) beim Bestimmen und

Präparieren ihrer Funde beraten.

Mit Spannung erwarteten die Kinder und

Jugendlichen der „AWO Miner-Kids“ Erika

Scherze von der Abteilung für Geologie in

der Naturhistorischen Gesellschaft

Nürnberg (NHG), die den jungen

Teilnehmerinnen und Teilnehmern zudem

viel zum Nachlesen und Bildvergleich

mitgebracht hatte. Als Einführung

erläuterte sie in einem Kurzvortrag, wie

und unter welchen Umständen die heute

als Fossilien erhaltenen Tierarten im

108

fränkischen „Urmeer“ der Jurazeit lebten.

Zugleich ging sie auf die verschiedenen

Formen der Ammoniten als Leitfossilien in

ihren Erdschichten ein und stellte dabei

die Grundformen der Jurazeit-Ammoniten

vor.

Nach dem Vortrag nutzten die Kinder

ausführlich die zur Verfügung stehende

Fachliteratur zum Abgleichen ihrer

eigenen Funde. Erika Scherze selbst war

dabei auch eine vielgefragte Expertin,

wenn es um die anderen Fossilien wie

Seeigel und Korallen ging, die eine Woche

zuvor die Kinder bei ihrer Exkursion nach

Bamberg und ins Leinleitertal gefunden

hatten. Die Wendelsteiner „AWO Miner-

Kids“ besuchen als nächste Veranstaltung

am Samstag, den 29.September, die

große Dinosaurierausstellung im

Naturkundemuseum Stuttgart und im

Oktober als Jahresabschluss die

Abteilung für Geologie in der

Naturhistorischen Gesellschaft in

Nürnberg.


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Treffen und Börsen

Großes "Berggeschrey" im AWO-

Zentrum

Beim vorletzten Treffen der AWO

Mineraliengruppe vor Weihnachten, war

"großes Berggeschrey" im AWO

Sozialzentrum Roth. Frank Ihle aus

Wendelstein, ehemaliger Bergmann aus

dem Erzgebirge und bis kurz nach der

Wende noch im Bergwerk

Ehrenfriedersdorf in Sachsen in Lohn und

Brot, hielt einen Vortrag über die

Erzgänge von Wolkenstein im

Marienberger Erzrevier. Der Begriff

"großes Berggeschrei" erklärt sich aus

dem "Goldrausch" im Erzgebirge des 15.

Jahrhunderts, hervorgerufen durch das

Auffinden reicher Silbererzgänge in

Schneeberg und Annaberg.

Da die alten Gruben nach dem 2.

Weltkrieg (1947) von der "SAG Wismut"

wieder aufbewältigt wurden um

ausschließlich Uran zu fördern, ist das

ganze Gebiet um Wolkenstein wie

ein Schweizer Käse mit Stollen und

Schächten durchlöchert. Frank Ihle hat es

sich mit einigen Kollegen zur Aufgabe

gemacht, die aufgelassenen Stollen zu

begehen, zu vermessen und zu

kartographieren da nach dem Abzug der

Russen fast alle Pläne verloren gingen.

90% aller Stollen und Gänge sind mit

Grundwasser voll gelaufen, deshalb ist

das kein leichtes Unterfangen und

mitunter auch sehr gefährlich. Trotzdem

109

können immer wieder mittelalterliche

Bergbaurelikte sowie Silbererze und

andere Mineralien in den alten Abbauen

gefunden werden. Die hauptsächlichsten

Erkundungsarbeiten fanden im Bereich

der alten Silbergrube "St. Johannes" ca. 1

km südlich von Wolkenstein statt. Die sich

selbst gestellte Aufgabe ist es, einen alten

Silbererzstollen als Besucherbergwerk

wieder frei zugänglich zu machen. Ein

Unterfangen, das sicher noch viele

schweißtreibende Einsätze im Berg zur

Folge hat und noch Jahre dauern wird.

Klaus Pusch, der Leiter der AWO

Mineraliengruppe, bedankte sich sehr

herzlich bei

Frank Ihle für seinen in traditioneller

Bergmannstracht gehaltenen Vortag. Ein

Fachvortrag, wie er besser kaum gemacht

werden konnte, zeitnah und von einem

Praktiker aus erster Hand.

Klaus Pusch


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Smaragde im Schloss

Auf der diesjährigen Börse der AWO

Mineraliengruppe im Schloss Ratibor in

Roth,

waren seit bestehen der Veranstaltung die

wohl wertvollsten Mineralien der

Gruppenmitglieder zu sehen. Und so war

es nicht verwunderlich, dass viele Rother

Bürgerinnen und Bürger und Gäste aus

dem Umland zu dieser Ausstellung

kamen. Klaus Pusch, Leiter des AWO

Bildungswerkes, konnte unter den Gästen

auch den 1. Bürgermeister von Roth,

Richard Erdmannn und AWO Vorstand

Ernst Rossmeissl als Mineralienfreunde

begrüßen.

Die wohl wertvollste heimische Sammlung

von Habachtaler Smaragden, war in der

Ausstellungsvitrine zu sehen. Allein die

fünf Einzelkristalle, aus der Zeit vor ca. 80

Jahren, als noch die Engländer das

Smaragdbergwerk betrieben, hatten einen

Wert von ca. 20.000.-- €. Insgesamt dürfte

wohl wertmäßig ein neuer Mercedes in

der Vitrine gestanden haben. Auch die,

von den Mitgliedern bei der Exkursion im

110

September 2005 selbstgefundenen

Smaragde und Stufen konnten sich sehen

lassen, waren sie doch für die Finder von

großem, ideellen Wert.

Ebenso bemerkenswert war ein

Goldbarren von 51 Gramm, der aus

reinem Donaugold gegossen war. Zehn

Jahre Goldwaschen in der Donau waren

dazu nötig.

Von der Frühjahresexkursion der Gruppe

waren auch sehr schöne, geschliffene

Achate und Amethyste aus dem

Marienberger Revier im Erzgebirge zu

sehen.

Alles in allem eine gelungene Ausstellung

und Börse in der Vorweihnachtszeit und

so manche Bergkristallstufe oder sogar

ein Smaragd wechselte den Besitzer.

Sicher wird das ein oder andere Stück an

Weihnachten als Geschenk auf dem

Gabentisch liegen.

Informationen über die AWO

Mineraliengruppe erhalten Sie von

Klaus Pusch, Tel.: 09171 / 966411


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

„Ich bin steinreich“

Ein Besuch bei einem unserer Sammler

Von Marco Frömter

Roth (HK) Versteinerte Hölzer und Kristalle

sind die Leidenschaft von Georg Schmidt. Sein

ganzes Leben lang sucht der Rother nach

schönen und seltenen Steinen. Über

Jahrzehnte hinweg hat er eine beachtliche

Sammlung zusammengetragen.

„Ich bin steinreich“, sagt Georg Schmidt. Geld

habe er nicht viel und auch sonst sei sein Besitz

nicht von großem Wert. Aber Steine, davon hat

Schmidt eine beachtliche Sammlung

zusammengetragen. „Das liegt in einem drinnen,

das ist Veranlagung“, sagt er. Bereits mit sechs

Jahren hat er sich für Versteinerungen interessiert.

„Ich bin als Bub immer die Eisenbahnschienen

entlang gelaufen. Dort habe ich alles abgesucht

und jeden Stein umgedreht. Wenn ich Glück hatte,

fand ich eine Versteinerung.“ In der Lehrzeit hat

seine Leidenschaft etwas nachgelassen. Erst im

Rentenalter fand er wieder Zeit, sich intensiver um

sein Hobby kümmern zu können.

Besonderen Gefallen hat Schmidt an

versteinertem Holz gefunden. „Davon gibt es im

Landkreis recht viel. Ein ganzer versteinerter

Baumstamm ist ganz schön was wert.“ Mehrere

Tonnen sei ein solcher Brocken schwer und

weltweit unter Sammlern begehrt. Bis zu 400

Millionen Jahre sind Schmidts versteinerte Hölzer

alt, die der Urmain damals anschwemmte.

Schmidts ganz besonderer Stolz ist ein

Schachtelhalm, der über mehrere Millionen Jahre

zu Gestein wurde. „Der ist sehr selten und kommt

bei uns nicht häufig vor.“ Jeder Regenschauer hilft

Fundstellen für solche Stücke gibt es vor allem um

Allersberg herum, aber auch bei Georgensgmünd

und Weißenburg. Jeder Regenschauer ist für

Schmidt ein Segen. Dann macht er sich auf und

sucht Äcker nach Dreckklumpen ab. „Mit etwas

Glück spült der Regen die Ackererde von

Versteinerungen weg und so mancher Schatz wird

sichtbar.“ Aufwendiger wird das Steinesammeln

allerdings bei der Suche nach Kristallen und

Fossilien. Da ist kein Weg zu weit für Schmidt.

111

Mit der AWO-Mineraliengruppe hat es ihn erst

kürzlich in die Schweiz verschlagen. Auch in

Österreich und in der Sächsischen Schweiz greift

er bei Steinexkursionen zu Hammer und Meißel.

„Da muss man richtig arbeiten. Es wird

stundenlang gegraben und es müssen viele Steine

aus dem Weg geräumt werden.“ Wie ein Traum sei

es schließlich, wenn man nach den Anstrengungen

auf eine Kluft - ein Hohlraum, in dem Quarze in

Millionen von Jahren entstehen — stößt und

Kristallspitzen zum Vorschein kommen. Trotz einer

beachtlichen Sammlung, die der Rother in Regalen

und Kisten fein säuberlich archiviert und

katalogisiert, zeigt er sich bescheiden. „Ich bin nur

ein kleines Licht unter den Sammlern.“

Dennoch bereitet es ihm große Freude, zusammen

mit seiner Frau Elke, auf Berge zu steigen und

nach neuer Ausbeute zu suchen. Knapp fünf

Stunden marschierten die beiden kürzlich, um eine

Kluft auf einem Berg nach Kristallen abzusuchen.

Mit Erfolg: Sie sind auf Rauchquarze gestoßen, die

17 Millionen Jahre alt sind. „Da suchen manche

Jahre danach“, so Schmidt. Besonders schöne

Stücke, wie Achate, lässt er von einem

Spezialisten schneiden und polieren. Erst dann

werden die feinen Strukturen und Farben in aller

Pracht ersichtlich. „Das kostet einen Haufen Geld.

Unser Schleifer wohnt 400 Kilometer von uns

entfernt, der versteht etwas von seinem Handwerk.

Hobbyschleifer lasse ich an meine Steine nicht

ran.“ Die Kosten und Mühen lassen sich aber sehr

schnell vergessen, wenn Schmidt seine Achate mit

der Lupe betrachtet: „Da ist eine kleine Traumwelt

drinnen.“


* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Impressionen

Juli 2005, mit Dosi Venzin in der Cavradi-Schlucht

Weihnachtsfeier 2005

Eisenrose (Hämatit) mit Rutil und eine Rauchquarz –„Fliege“

aus der „Cavradi“, gefunden von Rudi Haushofer

In der Cavradi-Schlucht werden die schönsten Eisenrosen

der Welt gefunden. Dort trafen Rudi, Dietmar und Claus

den weltbekannten Schweizer Strahler Dosi Venzin

(rechts im Bild).

Beim gemeinsamen Singen, einem Gedicht von Elisa,

Bergmannsgeschichten von Gerhard, und besinnlichen Versen von Elke

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

Glückauf, der Steiger kommt

1. Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt,

:: und er hat, sein helles Licht bei der Nacht,

schon angezündt, schon angezündt.

2. Schon angezündt! Das gibt einen Schein,

:: und damit, so fahren wir - bei der Nacht - ::

ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.

3. Ins Bergwerk'nein, wo die Bergleut' sein,

:: die da graben das Silber und das Gold - bei der Nacht - ::

aus Felsenstein, aus Felsenstein.

4. Der eine gräbt das Silber, der andre gräbt das Gold.

:: Doch dem schwarzbraunen Mägdelein - bei der Nacht - ::

dem sein sie hold, dem sein sie hold.

5. Ade, nun ade! Herzliebste mein!

:: Und da drunten in dem tiefen, finstern Schacht - bei der Nacht - ::

da denk' ich dein, da denk' ich dein.

6. Und kehr' ich heim, zum Liebchen mein,

:: dann erschallet des Bergmanns Gruß - bei der Nacht: ::

Glückauf, Glückauf, Glückauf, Glückauf!

Zusatzverse von Klaus Pusch für die AWO-Stoa-Klopfer:

(entstanden bei der Exkursion im Harz 2006)

7. Stoa-Klopfer-Leut, die sind gescheit,

denn sie tragen das Leder vor dem Arsch - bei der Nacht - ,

rutschen auf dem Hosenboden, immer tiefer in den Schacht -

Glückauf, Glückauf, Glückauf, Glückauf!

8. Stoa-Klopfer-Leut, die sind gescheit,

denn sie fahren durch die Lande, auf der Suche nach dem Gral

ist das Wetter noch so frostig und das Bier noch so schal,

sie geben nicht auf, sie geben nicht auf.

9. Stoa-Klopfer-Leut, die sind gescheit,

sammeln Steine wie die Profis, fahrn mit’m Bus - bei der Nacht -

trinken Wein in der Kneipe - bis der Wirt zu gemacht -

in Roth und Wendelstein, sind sie daheim.

nochn Vers:

10. Stoa-Klopfer-Leut, die sind gescheit,

denn sie lieben ihre Frauen, sind vergnügt, bei der Nacht

denn das Klopfen ist zu schön, um die Augen zugemacht

Glückauf, Glückauf, Glückauf, Glückauf!

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* Jubiläumsausgabe 2007 * 10 Jahre AWO Mineraliengruppe im Landkreis Roth *

10 Jahre

AWO Mineraliengruppe

im Landkreis Roth

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