arbeiten die Alleskönner - Gossen Kommunikation

gossen.kommunikation.de

arbeiten die Alleskönner - Gossen Kommunikation

Reportage: Ein Tag im Leben von Till Huster, Seite 8

Eingangsverfahren: Die erste Zeit in der Werkstatt, Seite 16

Sommerfest: Die schönsten Fotos, Seite 22

DaS Magazin Der LebenShiLfe aachen WerkStätten & Service gMbh

für freunDe, förDerer unD kunDen

auSgabe 41, OktOber 2011

Montageservice:

„Hier arbeiten die

Alleskönner

Seite 12


seite 6: HPA

Der Heilpädagogische Arbeitsbereich bekommt

immer dienstags und donnerstags tierischen

Besuch . Wir berichten über die ersten Erfahrungen

mit der tiergestützten Pädagogik .

seite 20: sportcamp

Im belgischen Bütgenbach trafen sich Ende

Juli Menschen aus vier Werkstätten zu einem

Sportcamp . Von dort hat unsere Sportlehrerin

Andrea Moritz tolle Fotos mitgebracht .

Impressum

Herausgeber:

Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH,

Neuenhofstr . 170, 52078 Aachen, Tel . 02 41 - 92 81 10

V .i .S .d .P .:

Norbert Zimmermann, Geschäftsführer

Konzeption, Text, Redaktion:

Siegbert Gossen, www .gossen-kommunikation .de

Gestaltung:

Walbert - Visuelle Kommunikation, www .walbert .biz

Fotos:

Werkstätten & Service GmbH, Siegbert Gossen,

Christian Charlier, Walbert - Visuelle Kommunikation,

Clean-Lasersysteme, Marienhospital

Druck:

Druckerei Ralf Küster, Aachen

Auflage: 2 .000

Aktuell

kurznachrichten

Holzwerkstatt: Es weihnachtet sehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Café Life: Spanischer Abend kam gut an . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Sozialgesetzbuch: Ulla Schmidt zu Besuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

„willsosein“: Kunstaixpress 2012 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

MenscHen

Bericht: Schäferhund Max ist der neue Star im Heilpädagogischen

Arbeitsbereich Neuenhofstraße . Wir haben mal Spur aufgenommen . . . . . . . . 6

Reportage: Till Huster wohnt in Alsdorf und arbeitet in unserer

Holzwerkstatt . Wir haben ihn einen ganz normalen Werktag lang begleitet . . . 8

Interview: Für das Unternehmen Clean-Lasersysteme in

Herzogenrath arbeiten wir seit zwei Jahren . Ein Gespräch mit

Geschäftsführer Dr . Winfried Barkhausen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

WeRkstAtt

Montageservice: In der manuellen und in der Metallmontage

leisten unsere Teams Außergewöhnliches . Ein Besuch bei

den Alleskönnern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Qualität: Gleich zwei Mal hat die Werkstatt in diesem Sommer

ganz besondere Qualitätstests bestanden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

eingangsverfahren: Vor einem Jahr wurde ein neues

Konzept für den Berufsbildungsbereich eingeführt .

Bildungsbegleiter Albert Zander stellt das Eingangsverfahren vor . . . . . . . . . . 16

ARBeIt & MeHR

kurznachrichten

Frauenbeauftragte: Der Weg zur eigenen Wahrheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Erste Hilfe: „Defis“ für mehr Sicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Elternbeirat: Neuwahl bestätigt erfolgreiche Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Leistungsprämien: Wertschätzung für gute Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Bilderalbum

Sportcamp in Bütgenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Sommerfeste 2011 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

liebe leserinnen und leser,

seit Erscheinen der vorherigen Ausgabe unseres Magazins

„Werkstatt im Blickpunkt“ im April haben wir uns auf

vielen Ebenen in die aktuelle Diskussion über Inklusion

und die Zukunft der Werkstätten eingebracht . Sei es im

Landesausschuss Arbeit der Lebenshilfe NRW, in der

Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte

Menschen (BAG:WfbM) oder im persönlichen Gespräch

mit Sozialpolitikern und Bundestagsabgeordneten aus

der Region: Immer geht es um die Frage, was Inklusion

im Arbeitsleben konkret bedeutet und wie das Wunsch-

und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung auf

Teilhabe am Arbeitsleben am besten zu verwirklichen ist .

So durften wir kürzlich die Bundestagsabgeordneten Ulla

Schmidt (siehe Seite 5) und Uwe Schummer in unserer

Werkstatt begrüßen . Uwe Schummer ist auch Beisitzer

im Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft

. Beide Abgeordneten unterstützen

unsere Position, dass Werkstätten ein Ort der Inklusion vor allem auch für Menschen mit

schweren Mehrfachbehinderungen sind und bleiben müssen .

Das ist durchaus nicht selbstverständlich . Denn NRW ist nach wie vor das einzige Bundesland,

wo auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf in die Arbeitsprozesse

von Werkstätten eingebunden sind, statt wie anderenorts in Tagesstätten betreut zu

werden . Mit Frau Schmidt und Herrn Schummer waren wir uns einig, dass diese Errungenschaft

als Bestandteil sozialer Wohlfahrt und Kultur besonders schützenswert ist .

Inklusion heißt für uns aber nicht Bewahrung des Status quo . Inklusion bedeutet vielmehr

Öffnung und Weiterentwicklung unserer Angebote . Wir müssen genau hinschauen, was

der einzelne Mensch mit Behinderung möchte – und dafür passgenaue Arbeitsangebote

finden . Dieser personenzentrierte Ansatz führt dazu, dass die Zufriedenheit der beschäftigten

Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsplatz gesteigert wird und jeder einen Arbeitsplatz

nach seinen Wünschen und Möglichkeiten bekommt .

Öffnen können wir uns auch, indem wir zum Beispiel unsere Leistungen bei großen

Fachmessen und Publikumsveranstaltungen präsentieren oder unsere Räume benachbarten

Unternehmen etwa für Betriebsversammlungen zur Verfügung stellen . Weiterentwickeln

werden wir uns, wenn wir aktiv neue Geschäftsfelder erschließen und

möglicherweise auch Angebote für Personengruppen entwickeln, die keine Werkstattbeschäftigten

sind . Wir wollen uns in der Region zu einem Sozialunternehmen entwickeln,

von dessen Angeboten auch weitere Personengruppen profitieren . Nur so kann Inklusion

gelingen . Denn Inklusion ist keine Einbahnstraße .

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen interessante Einblicke in unsere Arbeit und viel

Freude mit der neuen Ausgabe der „WiB“ .

Ihr

Norbert Zimmermann,

Geschäftsführer

eDitOriaL

3


4 aktueLL kurznachrichten

aktueLL kurznachrichten 5

Holzwerkstatt

es weihnachtet sehr

Optisch ansprechend, stabil gefertigt und leicht zu

demontieren – so lauteten die Anforderungen der Katholischen

Stiftung Marienhospital für die Produktion neuer

Weihnachtsbuden . Das Team von Paul Hamacher entwickelte

einen Prototyp, ein paar Details wurden noch einmal

verändert, und schließlich erhielt unsere Holzwerkstatt

den Zuschlag . 28 nagelneue Holzbuden sind nun bis

Mitte November in zwei Größen zu bauen und pünktlich

auszuliefern . Denn vom 2 . bis 4 . Dezember verwandelt

sich der Abteigarten des Marienhospitals wieder in eine

vorweihnachtliche Zauberwelt . In unverwechselbarer

Atmosphäre bietet der traditionelle Nikolausmarkt an drei

Tagen Bummelspaß für Groß und Klein . Rund

50 Aussteller locken mit einem bunten Spektrum aus

attraktiven Geschenkideen, selbstgebasteltem Kunsthandwerk,

Weihnachtsschmuck oder Seidenmalerei .

Bernd Jakobs, stellvertretender Geschäftsführer, und

Michael Gasper, Facility Manager der Stiftung, waren

vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt und

dass wir flexibel auf die Wünsche unseres neuen Kunden

eingegangen sind . Auch beim Eilendorfer Weihnachtsmarkt

bummeln die Besucher zukünftig an Buden „Made

in Neuenhofstraße“ vorbei . Die Interessengemeinschaft

Eilendorfer Vereine hat 30 neue Buden bei uns in Auftrag

gegeben . Die alten waren durch ein Feuer zerstört worden

.

café life

Olé: spanischer Abend kam gut an

Es gab fünfzig Plätze, und sie waren schnell ausgebucht .

Nach dem französischen Abend im vergangenen Jahr fand

Anfang Juli auch der spanische Abend im Café Life regen

Anklang . Unser Integrationscafé im Lebenshilfe-Haus an

der Adenauerallee ist Außenarbeitsplatz für sechs Mitarbeiter

mit Behinderung . Im Jahr 2009 eröffnet, macht es

sich auch mit kulinarischen Events wie den Themen-

abenden nach und nach einen Namen . Kunden, Mitarbeiter

und Freunde der Werkstatt sollen in einer besonderen

Atmosphäre Kontakte vertiefen und ins Gespräch

kommen . Für den spanischen Abend hatten Küchenchef

Günter Weidknecht und Christian Clément von der Stolberger

Wein-Bodega (Foto, hinten 2 . v . l .) ein Programm

für alle Sinne zusammengestellt . Zum Empfang gab es

Cava-Sekt mit Schinken von der Keule, auf die obligatorischen

Tapas folgte ein Fischteller . Als Hauptgericht

servierte das Café Life-Team Kaninchenrücken auf Zitronensoße

mit Kartoffelauflauf und Gemüse . Die ausgeschenkten

spanischen Weine stellte Christian Clément

unterhaltsam mit Bildern aus den Anbauregionen vor . Ein

Leckerbissen für das Auge war die anschließende Feuershow

von zwei Künstlern im Innenhof . Auch unsere Servicemitarbeiter

mit Behinderung zeigten ihr ganzes Können

. Den Gästen hat es ausnehmend gefallen . Professor

Roland Brake von der Katholischen Hochschule Aachen

meinte: „Das ist genau der richtige Weg, Mitarbeiter mit

Behinderung in den Mittelpunkt zu stellen .“ Am 24 . November

präsentiert das Café Life den Beaujolais Primeur

2011 . Anmeldungen unter Telefon 02 41 / 41 31 02 23 .

sozialgesetzbuch

ulla schmidt zu Besuch bei „willsosein“

Vor zehn Jahren trat das Neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX)

in Kraft . Es regelte die Teilhabe und Rehabilitation für

Menschen mit Behinderung neu – und war mit hohen Erwartungen

verbunden . Zwar gab es zahlreiche Verbesserungen,

doch in vielen Bereichen fehlen noch immer verbindliche

Regelungen . Anlässlich des Jahrestages konnte

die Lebenshilfe am 20 . Juli einen besonderen Gast begrüßen

. Ulla Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestags

und ehemalige Bundesministerin für Gesundheit, informierte

sich zunächst in der Frühförderung der Lebenshilfe

über den Stand der Umsetzung des Sozialgesetzbuchs .

Der anschließende Besuch unserer Kunstwerkstatt „willsosein“

hatte auch einen privaten Anlass . Der Aachener

Politikerin war im Vorfeld ein Bild unseres Künstlers

Jürgen Kirschbaum überreicht worden . „Heute ist es mir

ein besonderes Anliegen, den Künstler des Bildes persönlich

kennenzulernen und das Werk signieren zu lassen“,

sagte Ulla Schmidt . Seit 2009 arbeiten elf Menschen

mit Behinderung unter der fachkundigen kunstpädagogischen

Anleitung von Beatrix Al-Khadra in der Kunstwerkstatt

. Bei Ausstellungen im Schloss Paffendorf,

in der Abtei Rolduc, im Ballsaal des Alten Kurhauses

Aachen oder zuletzt im Haus der Städteregion konnten

die Künstler mit ihren Werken überzeugen . „Für uns ist die

Kunstwerkstatt ein Beitrag zur Inklusion von Menschen

mit Behinderung“, so Beatrix Al-Khadra . „In der Kunst,

wie in allen anderen Bereichen des Lebens, ist es unwesentlich,

ob und möglicherweise welches Handicap ein

Mensch hat .“ Davon zeigte sich auch Ulla Schmidt nach

den Gesprächen mit unseren Künstlern überzeugt .

„willsosein“

kunstaixpress 2012

Seit einigen Wochen ist er bereits da, der neue Jahreskalender

2012 unserer Künstlergruppe „willsosein“ . Das

kunstpädagogische Team von Beatrix Al-Khadra hat

hierfür erneut zwölf herausragende Werke von neun

Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt . Kriterien für die

Auswahl waren unter anderem das Format und ein Bezug

zur Jahreszeit . Damit die Bilder ihre Wirkung entfalten

können, wurde wie bereits beim ersten Kalender vor zwei

Jahren das große Format DIN A1 gewählt . Der Wandkalender

mit dem schlichten Titel „Kunstaixpress 2012“ kostet

29 Euro und ist im Handel bei der Mayerschen Buchhandlung

erhältlich . Hartmut Dahlhaus, Prokurist der Mayerschen,

zeigte sich bei der Besichtigung unserer Werkstatt

von den Leistungen der Künstlergruppe sehr beeindruckt .

Wer schon jetzt das ideale Weihnachtsgeschenk für

Verwandte, Bekannte oder sich selbst sucht, kann den

Kalender selbstverständlich auch direkt bei uns erwerben:

Melden Sie sich dazu bitte bei den Empfangsmitarbeitern

an beiden Standorten oder telefonisch bei Monika

Ackermann unter Telefon 02 41 / 9 28 11 - 139 bzw . per Mail

an ackermann@werkstatt-ac .de . Wir senden Ihnen den

Kalender dann portofrei zu .


6 MenSchen bericht

MenSchen bericht 7

»

Rana Zoubeida gibt leckerchen und wirft den Ball. so fördern sabine klüppel

und schäferhund Max die motorischen Fähigkeiten der jungen Frau.

Die mit dem Hund kommt

In unserem Heilpädagogischen Arbeitsbereich (HPA) in der Neuenhofstraße beschäftigen

wir in vier Gruppen aktuell 47 Menschen mit schweren, teils mehrfachen Behinderungen

. Sabine Klüppel, 52, leitet eine der Gruppen . Vor sechs Monaten hat ihr Team

tierische Verstärkung bekommen: Max .

Max ist zwölf und ein Schäferhund . Nach menschlichen

Maßstäben, also mit seinen umgerechnet 84 Jahren, wäre

der Vierbeiner längst im Ruhestand . Doch jeden Dienstag

und Donnerstag nimmt ihn Sabine Klüppel mit zum

Dienst . Früher, da war Max ausschließlich Familienhund

und Spielgefährte von vier Kindern der Familie Klüppel .

Nun spielt der Rüde die Hauptrolle in unserem neuen Projekt

tiergestützte Pädagogik (siehe Infokasten) .

«

Die Geschichte beginnt mit Ausflügen ihrer HPA-Gruppe zu

Bauernhöfen und Tierparks . Sabine Klüppel beobachtet dabei

immer wieder, wie Menschen, die nicht sprechen können

oder die eine spastische Lähmung haben, im Kontakt mit

Tieren aufblühen . Offensichtlich gibt es eine Verständigung

ohne Worte . Dass vor allem Kinder eine enge Beziehung zu

Tieren aufbauen können, weiß auch sie als Heilerziehungspflegerin

. Doch was ist mit Menschen, die eine schwere

Was ist tiergestützte Pädagogik?

Im therapeutischen Bereich werden Tiere seit vielen Jahren

als Co-Therapeuten eingesetzt – von der Delphintherapie

über das Therapeutische Reiten bis zum Besuchsdienst im

Altenheim . Hier ist das Ziel, die Symptome etwa von neurologischen

Behinderungen zu lindern . Zunehmend etabliert

sich auch die tiergestützte Pädagogik . Dabei geht es um die

positive Wirkung der Tiere bei der Erziehung und Bildung .

Sie regen sozial-emotionale Lernprozesse an und unterstützen

so den Lernfortschritt in diesem Bereich .

Behinderung haben? Sabine Klüppel will mehr wissen . Bei

ihren Nachforschungen stößt sie auf das Institut für Soziales

Lernen mit Tieren im niedersächsischen Lindwedel . Die

Einrichtung bietet eine berufsbegleitende Weiterbildung

für Personen an, die ihre therapeutische, pädagogische oder

soziale Arbeit durch Tiere unterstützen wollen .

Vor zweieinhalb Jahren meldet sich Sabine Klüppel schließlich

zu der Weiterbildung an . Hier lernt sie alles über die

Mensch-Tier-Beziehung und vor allem, warum sich der Einsatz

von Tieren auf das Wohlbefinden von Menschen mit

Behinderung positiv auswirkt . Ein Mensch mit spastischen

Lähmungen etwa, dessen Hand krampft, öffnet die Hand,

um dem Tier Futter zu geben . Ein Mensch mit Autismus

lernt mitzufühlen, was der Hund will . Das Tier dient als

Helfer, es wird zum Medium .

Natürlich wird auch Hund Max im Rahmen der Fortbildung

auf seine neue Aufgabe vorbereitet und ausgebildet .

Rechtliche und Fragen des Tierschutzes sind zu klären,

Tiere verstellen sich nicht . Sie nehmen den Menschen so an,

wie er ist . Diese Qualität bringen sie in die tiergestützte Arbeit

ein . Ein Mensch mit Behinderung, der mit einem Hund

spielt, wird ganzheitlich gefördert . Den Ball werfen und den

Hund streicheln stärkt die motorischen Fähigkeiten und die

Körperwahrnehmung . Den Hund beobachten und auf ihn

eingehen fördert die Fähigkeiten zur Kommunikation und

Interaktion . „Körper und Geist sind nicht zu trennen“, sagt

Sabine Klüppel .

regelmäßige Impfungen notwendig, das Projekt will innerhalb

der Werkstatt vorgestellt sein und so weiter . Im März

dieses Jahres konnte es dann endlich losgehen .

„Es ist schon eine neue Qualität“, fasst Sabine Klüppel

die ersten Erfahrungen im Einsatz mit Max zusammen .

„Viele Mitarbeiter der Gruppe sind jetzt motivierter . Sie

strengen sich bei der Arbeit an, um dann wieder mit Max

etwas machen zu können . Ihre kognitiven oder sozialen

Kompetenzen werden spielerisch gefördert, wenn sie zum

Beispiel drei Leckerchen für Max abzählen oder verstehen

müssen, dass Max jetzt müde ist .“ Für jede Mitarbeiterin

und jeden Mitarbeiter mit Behinderung gebe es pädagogische

Ziele, die in Einzelübungen mit Max oder Spaziergängen

in der Gruppe umgesetzt werden .

Auch die anderen Gruppen aus der ganzen Werkstatt sind

„auf den Hund gekommen“ . Sabine Klüppel: „Immer wieder

schauen Mitarbeiter vorbei, um Max Hallo zu sagen .

Selbst Fachkollegen .“


8 MenSchen repOrtage

MenSchen repOrtage 9

ein tag im leben von till Huster

Auch Menschen mit Down-Syndrom sind verschieden . Zum Beispiel Till Huster: Der

35-Jährige führt ein sehr aktives und relativ selbstständiges Leben . WiB-Reporter Siegbert

Gossen hat unseren Mitarbeiter aus der Holzwerkstatt einen Tag lang begleitet .

Computer und Flachbildfernseher, Musik-CDs von den Zwei

Amigos und Andrea Berg, Ferrari-Modellautos, die neue

Kicker-Ausgabe und an der Wand die aktuelle Bundesliga-Tabelle

– Tills Zimmer wirkt fast zu klein für so viele Interessen .

6.30 uhr: Still ragt der alte Förderturm in den aufklarenden

Morgenhimmel . Nur der Lärm der Müllabfuhr

stört die Idylle . Einen Steinwurf vom Alsdorfer Wahrzeichen

entfernt beginnt das Neubaugebiet auf dem alten

Zechengelände . Im Anna-Roles-Haus, einer Einrichtung

des Aachener Vinzenz-Heims, erwacht der Tag . Till ist

schon auf, hat bereits gefrühstückt . Einige Mitbewohner

trudeln nach und nach im Gruppenraum ein . Es ist

Montag, nicht alle sind da . Manche fahren nach dem

Wochenende direkt von ihren Eltern aus zur Werkstatt .

Tills Zimmer im Erdgeschoss führt auf eine kleine

Terrasse, wo er sich selbst um die Blumen kümmert .

„Ich habe einen grünen Daumen“, stellt er direkt klar .

Im Laufe des Tages lerne ich: Till legt großen Wert

darauf, zu zeigen, was er kann . Er führt mich in den Innenhof

auf der anderen Seite des Gebäudes . Hier ist der

Treffpunkt der 24 Hausbewohner – mit Grill, Schaukel

und Blick auf den Förderturm .

7.10 uhr: Der Bus ist da . „Abmarsch“, sagt Till . Hausleiter

Heinz Blankenheim begleitet die Bewohner zum

Eingang, wo ein Rollstuhlfahrer per Hubbühne bereits

seinen Platz im Kleinbus eingenommen hat . Till ist der

Einzige aus seiner Gruppe, der bei den Aachener Werkstätten

arbeitet . Die anderen fahren nach Alsdorf und

Eschweiler . Till nimmt den Beifahrersitz . Für den Reporter

bleibt kein Platz – und damit nur der Linienbus . „Bis nachher“,

ruft Till mir aus dem Auto nach .

8.25 uhr: Eine halbe Stunde nach Arbeitsbeginn . Till

Zur Person

Till Huster wurde am 27 . April 1976 geboren . Sein Vater ist

Chemiker und war bis zur Pensionierung bei der RWTH

tätig, seine Mutter hat bis zu Tills Geburt an der Realschule

Brand Hauswirtschaft unterrichtet . Die Eltern leben im

Aachener Westviertel, wo er etwa alle vierzehn Tage zu

Besuch ist . „Wann er kommt, entscheidet Till selbst“, berichtet

seine Mutter . Till hat eine jüngere Schwester, die

Informatik studiert . Zunächst besucht Till den Montessori-

Kindergarten auf der Hörn . Bereits hier wird er sehr gut

gefördert . Nach der Grundschule wechselt er zur Viktor-

Frankl-Schule . Hier kommt er im vierten Jahr in die Lern-

Dieses Erinnerungsfoto hängt über dem Bett: Alemannia-

Fan Till als Stargast auf dem Tivoli (rechts: Stadionsprecher

Robert Moonen) .

macht da weiter, wo er am Freitag aufgehört hat . Er

hämmert und verleimt Holzdübel in kleine weißlackierte

Profile, die später für Fußleistenmuster zusammengesteckt

werden . Über tausend Stück umfasst der Auftrag .

„Ich liebe die Arbeit“, sagt Till und zählt auf: „Ich kann

auch die Dübelmaschine bedienen, und die Ständerbohrmaschine

und die Kantenanleimmaschine .“ „Du bist ja

ein richtiger . . .“ „Fachmann!“

8.50 uhr: Wir machen eine Runde durch die Montagehalle

der Holzwerkstatt . Er zeigt mir die Printenkisten,

die Paletten und schließlich das Werkzeuglager . In einem

Regal steht ein ausrangierter PC . „Da ist XP drauf“, sagt

Till stolz .

10.20 uhr: Nach der Frühstückspause frage ich Hans

Peter Jonen, Tills Gruppenleiter, was es mit dem PC auf

sich hat: „Aus der ganzen Werkstatt leihen Kollegen bei

uns Werkzeug aus und irgendwann weiß keiner mehr,

wo es geblieben ist .“ So entstand die Idee, den PC-Fan Till

auch als Lageristen einzusetzen . Mit dem Computer wird

behindertenstufe und anschließend für zwei Jahre in die

Werkstufe . Er lernt lesen, schreiben und rechnen . 1996 wird

Till in der Werkstatt aufgenommen, zunächst für ein Jahr

im Verpackungsbereich in Haaren . Seither ist er in der Holzwerkstatt

im Team von Gruppenleiter Hans-Peter Jonen .

Im letzten September feierte er das 15-jährige Dienstjubiläum

. Ganz wichtig für Till sind Bewegung und Sport .

Als Jugendlicher spielte er Tennis und Fußball im Verein,

bis es „wegen des Widerstands anderer Eltern“, sagt Frau

Huster, nicht mehr ging . Heute gehört Tills Leidenschaft

immer noch dem Tennis . Jeden Montag geht er in Alsdorf

zum Einzeltraining . In der Werkstatt spielt er unter

anderem Badminton . Bei den Special Olympics 2010 im

rheinland-pfälzischen Saffig gewann er mit dem Badminton-Team

der Werkstatt sogar eine Silbermedaille .

er eine Bestandliste führen . Jonen: „Die Tür zum Lager

wird abgeschlossen und Till hat den Schlüssel .“ Insgesamt

sei Till eine gute Stütze in der Gruppe, auch wenn

er sich schon mal gerne ablenken lasse und andere foppe .

In den fünfzehn Jahren sei er aber „erwachsener geworden“

.


10 MenSchen repOrtage MenSchen intervieW 11

12.25 uhr: Die Portion Makkaroni, die Till verputzt

hat, war reichlich . Nach dem Mittagessen bleibt Zeit für

ein Gespräch über alles, was er mag und was neben der

Arbeit noch wichtig ist . Zum Beispiel Fahrrad fahren in

Alsdorf oder mehrmals in der Woche zum Sport gehen .

Oder sich abends mit Freunden zum Kegeln verabreden .

Oder Urlaub . „Ich war mit meinen Eltern schon in Tunesien,

Andalusien, Rhodos, Zypern und Ägypten“, zählt

er wie ein Globetrotter auf . Oder sein Amt als erster

Vorsitzender des Bewohnerbeirats . „Das ist eine schöne

Aufgabe für mich .“ Oder Rauchen . „Ich hab auch mal geraucht

. Heimlich . Aber meine Mutter hat mich erwischt .“

„Und, war sie sauer?“ „Stocksauer!“

13.50 uhr: Die vorrätigen Profile hat Till jetzt alle

gedübelt . Er streckt sich, die Arme weit nach hinten .

„Bisschen müde .“ Dann geht er rüber zu Uwe Sauer (Foto

rechts) . Der Student der Sonderpädagogik kennt Till noch

aus seiner Zeit als Werkstatt-Zivi und hilft während der

Semes terferien in der Produktion . Die Holzwerkstatt hat

viel zu tun . Till geht ihm beim Verleimen der Profile zur

Hand und löst die Schraubzwingen, exakt im 15-Minuten-

Takt . Ich frage, was er nach Feierabend machen wird .

„Erstmal mit den anderen Bewohnern Kaffee trinken .

Gemütlich“, betont er . Normalerweise geht er montags

von 17 bis 18 Uhr zum Tennis, aber es ist Ferienzeit . Heute

wird er sich, ausgestattet mit Heizkissen, ausruhen .

Wegen des eingeklemmten Ischias-Nervs . Dann geht er

duschen und um 18 Uhr gibt es Abendessen . Später wird

stichwort Down-syndrom

Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, sondern eine unveränderbare

genetische Besonderheit . Anstatt der üblichen

23 Chromosomenpaare weisen die Zellen der Menschen

mit Down-Syndrom ein zusätzliches Chromosom auf . Weltweit

leben rund fünf Millionen Betroffene . In Deutschland

kommen pro Jahr rund 1200 Kinder mit Down-Syndrom zur

Welt . In ihrem Aussehen und ihrem Temperament unterscheiden

sich Menschen mit Down-Syndrom sehr voneinander

. Auch ihre geistigen Fähigkeiten variieren stark . Die

Spanne reicht von schwerer Behinderung bis zu fast durchschnittlicher

Intelligenz . Jeder Mensch mit Down-Syndrom

ist eine einzigartige Persönlichkeit .

er wohl Fußball gucken: „Zweite Liga, Frankfurt gegen

Düsseldorf .“

15.10 uhr: Hans Peter Jonen (Foto, rechts) hat eine

neueAufgabe für Till . Die letzte halbe Stunde soll er einem

Kollegen in der Maschinenhalle helfen . Hier werden Kanthölzer

zugeschnitten und für die anstehende Produktion

von Weihnachtsmarktbuden vorbereitet . Schließlich endet

der Arbeitstag wie immer: mit Auf räumen .

16.05 uhr: Till sitzt abfahrbereit vorne im Bus . Hinten

hilft die Fahrerin gerade einem anderen Mitarbeiter im

Rollstuhl auf die Hebebühne . Wir verabschieden uns .

„Schönen Feierabend“, wünsche ich . „Man sieht sich“,

sagt er .

Web-tipp

Im Internet gibt es viele Informationen über und von

Menschen mit Down-Syndrom . Besonders empfehlenswert:

www .ohrenkuss .de . Ohrenkuss ist eine Zeitung

gemacht von Menschen mit Down-Syndrom .

Winfried Barkhausen (52, links) und Edwin Büchter, Gründer

und Geschäftsführende Gesellschafter der Clean-Lasersysteme

GmbH, erhalten von Bundespräsident Wulff den

Umweltpreis 2010 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt .

„Was möglich ist, wird gemacht“

Wie ist der Kontakt zur Werkstatt entstanden?

Marc Reimers: Für die Herstellung unserer Laserstrahl-

Reinigungssysteme brauchen wir sehr spezielle Bauteile . Einen

Teil produzieren wir selbst, die Standardteile lassen wir

von verschiedenen Betrieben in der Region fertigen . Mitte

2009 waren wir wegen Lieferengpässen auf der Suche nach

einem zusätzlichen Fertiger . Und da hat unser Werkzeuggroßhändler

die Lebenshilfe empfohlen .

Winfried Barkhausen: Wir sind hingefahren und haben uns bei

Frank Velten, dem Bereichsleiter der Metallwerkstatt, vorgestellt

. Mit dem ersten Auftrag, der Fertigung von Aluminiumplatten,

ging es dann schnell . Der Auftrag war nicht sehr kompliziert,

wir wollten zunächst einfach mal einen Test fahren .

Hat die Werkstatt den Test bestanden?

Winfried Barkhausen: Ja, es hat wunderbar funktioniert . Wir

waren überzeugt .

Welchen Umfang hat die Zusammenarbeit heute?

Marc Reimers: Das Auftragsvolumen ist in den zwei Jahren

stark gewachsen . Bei Standardteilen, die wir extern fertigen

lassen, fragen wir meistens mehrere Lieferanten parallel an .

Wenn die Qualität stimmt, haben wir in letzter Zeit versucht,

mehr und mehr bei der Lebenshilfe-Werkstatt zu platzieren .

Winfried Barkhausen: Neben der Qualität sind für uns vor

allem die Lieferzeiten entscheidend . Wir haben einen stark

schwankenden Bedarf an Zulieferteilen und so benötigen

wir manchmal innerhalb kurzer Zeit größere Mengen . Und

da ist die Lebenshilfe zum Glück sehr flexibel . Das ist eindeutig

ein Pluspunkt . Was möglich ist, wird gemacht .

Spielt bei der Auftragsvergabe an die Werkstatt auch der

soziale Aspekt eine Rolle?

Winfried Barkhausen: Das ist ein Aspekt, aber nicht der zentrale

. Wir stellen eine umweltfreundliche Technologie her,

Der 38-jährige Industriemechaniker Marc Reimers ist seit

2007 im Unternehmen und als Leiter des Fertigungsbereichs

für den Kontakt zur Metallwerkstatt verantwortlich .

Den ersten Auftrag von der Clean-Lasersysteme GmbH in Herzogenrath bekam unsere Metallwerkstatt

vor zwei Jahren . Seitdem hat sich die Zusammenarbeit sehr positiv entwickelt . „Werkstatt im Blickpunkt“

sprach mit Dr . Winfried Barkhausen, Geschäftsführender Gesellschafter, und Fertigungsleiter Marc Reimers .

die unsere Kunden schätzen . Dabei stehen die Qualität und

die Wirtschaftlichkeit unserer Produkte immer im Vordergrund

. Wichtig ist uns eine familiäre Unternehmensstruktur,

denn sie fördert den Teamgeist und die Leistungsbereitschaft

. Soziale Aspekte sind uns ebenfalls wichtig, und die

Lebenshilfe hat daher einen gewissen Bonus . Es herrscht

Wettbewerb, aber es ist ein fairer Wettbewerb .

Vielen Dank für das Gespräch.

Das unternehmen

Die Clean-Lasersysteme GmbH (cleanLASER) entwickelt

und produziert kompakte Laser für die industrielle Oberflächenbearbeitung

. Gegründet wurde das Unternehmen 1997

von Dr . Winfried Barkhausen und Edwin Büchter . Heute

beschäftigt es über 40 Mitarbeiter im firmeneigenen Gebäude

in Herzogenrath .

Die Laserstrahl-Reinigungssysteme sind weltweit bei namhaften

Automobilherstellern, der Luftfahrtindustrie sowie

zahlreichen Zulieferbetrieben im Einsatz . Neu im Sortiment

ist ein kompakter, leistungsstarker und dabei preisgünstiger

Beschriftungslaser .

cleanLASER entfernen Schmutz- und Deckschichten nur mit

Hilfe von gebündeltem Licht . Es sind keinerlei Reinigungsmedien

oder Strahlmittel erforderlich . So lassen sich große

Mengen an Chemikalien oder anderen Fertigungshilfsmitteln

einsparen .

Für diese umweltschonende Technologie hat die Deutsche

Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Unternehmen mit dem

Deutschen Umweltpreis 2010, dem höchstdotierten Umweltpreis

Europas, ausgezeichnet . Weitere Infos:

www .cleanlaser .de .


12 13

Montieren ist unsere stärke

Der Kunde liefert die Bauteile und wir setzen sie zum fertigen Produkt zusammen .

So einfach dies klingt, so vielschichtig sind die Leistungen unserer Teams im Montage-

service . Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Hier sind Alleskönner gefragt .

Stefan Ackermann (Foto oben, links), 43, ist seit 20 Jahren in

der Werkstatt . „Seit fünf Jahren bin ich beim Heinz“, sagt

er . Heinz Spelthahn ist Gruppenleiter im Montagebereich

am Standort Hergelsmühlenweg . Zusammen mit Sascha

Beck montiert Stefan Ackermann gerade Displays für das

Ablaufsystem einer Duschtasse . Patrick Nierle, der in der

Werkstatt Freiwilligendienst leistet, gibt ihnen Tipps, wie

sie die Handgriffe am besten ansetzen . Die Displays werden

später als Schauobjekte in Ausstellungen verwendet .

Doch noch ist es nicht soweit . Die Gruppe von Heinz Spelthahn

bereitet sich erst auf den möglichen Auftrag vor . Es

wird getestet, wie viel Zeit die Mitarbeiter mit Behinderung

benötigen und ob die Arbeit exakt ausgeführt ist . „Die

sorgfältige Vorbereitung ist für unsere Mitarbeiter ganz

wichtig . Denn wenn der Auftrag kommt, geht es zur Sache .

Dann müssen wir innerhalb von vier Wochen 650 Stück in

einwandfreier Qualität liefern“, sagt Spelthahn .

Ein solches Diplay besteht aus 48 Einzelteilen . Sie müssen

zusammengesteckt, geschraubt und geklebt werden .

Das gilt für die Herstellung vieler Produkte, seien sie aus

Kunststoff, Metall oder Holz . Montieren ist eine Tätigkeit,

die viel Handarbeit erfordert und die Menschen mit

Behinderung hervorragend ausführen können . „In der

Industrie wird jedoch auch in diesem Bereich immer mehr

automatisiert“, bedauert Frank Velten, Bereichsleiter

Montage im Hergelsmühlenweg . „Zum Beispiel hat ein

ehemaliger Kunde eine Rüttelmaschine gekauft, die gefräste

Bauteile vollautomatisch nach Größe sortiert . Sie

nimmt Menschen selbst leichte Arbeiten ab .“

»

Im Montagebereich produzieren wir auch kunststoffecken zum schutz von Glasprodukten. Zulieferer in der

Automobilindustrie verwenden sie zum Beispiel bei der transportsicherung von Autoscheiben. Montage-

Mitarbeiter stefan ehlert (Foto oben) schneidet die Profile und fügt sie dann zu Winkeln zusammen.

Ortswechsel: Auch am Standort Neuenhofstraße wird montiert

. Hier arbeiten 122 Mitarbeiter in acht Gruppen . Bereichsleiter

ist Peter Bremen: „Während in Haaren der Schwerpunkt

in der Metall- und Elektromontage liegt, arbeiten wir hier für

fast alle anderen Branchen .“ Das reicht vom Zusammenstecken

von Spielwaren über die Endmontage von Motorrädern

bis zum Werbebrief des örtlichen Weinhändlers, den die

Mitarbeiter in der Gruppe von Karl Pauls gerade versand-

fertig machen . „Wir haben hier schon Auflagen von

10 .000 Stück konfektioniert“, berichtet Bremen . „Unser

Leistungsspektrum im Montageservice ist enorm“, bestätigt

Produktions- und Vertriebsleiter Helmut Gartzen .

Dafür habe man nicht nur die notwendigen Fachleute wie

Elektriker, Industriemeister oder technische Zeichner . Vor

allem verfüge man über viel Erfahrung, wie etwa knifflige

Montage-Aufgaben im Interesse des Kunden gelöst

werden können . Gartzen: „All diese Qualitäten wollen wir

zukünftig noch klarer nach außen vermitteln .“

Einen besonderen Stellenwert hat der Montagebereich

auch im Hinblick auf den sozialen Auftrag der Werkstatt .

Zum einen sind hier neben dem Verpackungsservice die

meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung

beschäftigt, aktuell 300 von insgesamt 750 . Zum

anderen bietet der Montagebereich Menschen mit einer

schweren geistigen oder mehrfachen Behinderung Beschäftigungsmöglichkeiten,

da hier auch einfache Tätigkeiten

gefragt sind . „Jeder Auftrag für den Montage-

bereich“, wirbt Geschäftsführer Norbert Zimmermann,

„hilft daher ganz konkret, dass Menschen mit Handicap ihr

Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben verwirklichen können .“

«


14 WerkStatt MOntageService

WerkStatt QuaLität 15

Vielseitig und flexibel: Beispiele für Montage-Arbeiten

elektromontage

Für die Theod . Mahr Söhne GmbH, die älteste deutsche

Heizungsfirma, montieren wir einige tausend Elektrokabel

pro Jahr . Die Kabel für die Steuerung von Heizungen

werden von unseren Mitarbeitern abisoliert, auf Länge

geschnitten, mit Steckern versehen und abschließend

geprüft .

Recycling

Seit 2009 liefern uns Zahnärzte aus der Region ihre Silikonabfälle

. Wir zerkleinern die gebrauchten Abdrücke von Zahnreihen in

körniges Granulat . Anschließend geht der recycelte Kunststoff

an die Praxis zurück und wird dort wiederverwendet .

Automotive

Auf der Neuenhofstraße, der Aachener Automeile, ist unser

Montage- und Serviceteam für eine Reihe von Kunden

tätig . Für die Kohl Motorräder GmbH übernehmen wir die

Endmontage fabrikneuer Motorräder . In den Verkaufsräumen

der Firmen Kohl und Kuckartz sorgen wir für die

blitzblanke Reinigung und Polierung von Vorführwagen .

Verkaufsdisplays

Seit über zwanzig Jahren übernehmen wir Montage- und

Versandleistungen für das belgische Unternehmen NMC .

Wir fertigen Säulendisplays zur Präsentation der NMC-

Produkte . Allein seit 2009 haben unsere Mitarbeiter über

5 .000 Displays konfektioniert .

Metallmontage

Für einen großen Automobilzulieferer übernimmt unsere

Metallwerkstatt Fräsarbeiten . Anschließend werden die

Teile im Montagebereich von Öl- und Spanresten gesäubert

und zum Schutz vor Rost im Tamponsiebdruck nachlackiert .

unser Montage-Produkt für jedermann

Im Montagebereich fertigen wir auch Feueranzünder,

die sich hervorragend zum Anfeuern von Kaminen, Öfen

oder Grills eignen . Das Produkt besteht ausschließlich aus

Recyclingmaterialien wie Abfallholz, Klopapierrollen und

Kerzenwachsresten . Entwickelt wurde der Feueranzünder

in der Schweiz . Der Name erinnert an das französische

Wort „allumette“ – Streichholz – und an das Calumet,

das seit Karl May als indianische Friedenspfeife bekannt

ist . Der Anzünder ist für jeden Kaminofen geeignet . Man

benötigt kein Anmachholz . Mühevolles Kleinhacken von

Holz entfällt . k-lumet kann auch als Grillanzünder verwendet

werden . In Deutschland wird k-lumet unter Lizenz der

Ledder Werkstätten GmbH hergestellt, regional vertreten

durch die Lebenshilfe Aachen . Das umweltfreundliche,

saubere und geruchsfreie Produkt ist in der Werkstatt zum

Preis von 4,99 Euro (Box mit 16 Anzündern) erhältlich .

Ausgezeichnete Qualitäten

Was war das für ein Sommer? Wettermäßig eher bescheiden, brachte er uns qualitätsmäßig ein traumhaftes

Hoch . Zunächst wurde im Juni unser Qualitätsmanagement erfolgreich rezertifiziert und im Juli

schnitten wir bei einer Maßnahmenprüfung der Arbeitsagentur bundesweit als bester Träger ab .

„Es macht mich sehr stolz, dass wir nicht nur von Qualität

sprechen, sondern dass Qualität und unser Qualitätsmanagementsystem

von allen Kolleginnen und Kollegen

gelebt wird“, sagt Hans-Dieter Kratz . „Qualitätsmanagement

ist ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit

geworden .“

Anlass für die Zufriedenheit unseres Qualitätsmanagement-Beauftragten,

der dieses Amt seit 2008 ausübt,

war die erfolgreiche Rezertifizierung des Qualitätsmanagementsystems

Anfang Juni . Zwei Tage lang hatte die

Firma 3cert GmbH unser

Qualitätsmanagement

(nach der internationalen

Norm DIN EN ISO

9001:2008) überprüft .

Ergebnis: Es gab keine

Abweichungen und keine

Mängel-Feststellungen .

Lediglich Verbesserungspotenziale

und Empfehlungen

gaben uns die

Autoren mit auf den

Weg .

Auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde geprüft,

nach den sogenannten MAAS-BGW-Richtlinien der Berufsgenossenschaften

. Das Ergebnis fiel ebenfalls positiv

aus . Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde ein

hohes Verantwortungsbewusstsein bescheinigt . Ein

Zertifikat ist derzeit drei Jahre lang gültig . Danach muss

es wiederholt werden, denn die Anstrengungen zur Qualitätssicherung

sollen nicht „einschlafen“ .

Rund vier Wochen nach der Rezertifizierung stand die

nächste Prüfung auf dem Programm . Kurzfristig kündigte

die Bundesagentur für Arbeit an, dass sie die „Umsetzungsqualität

der Maßnahme UB“ prüfen werde .

Bei der UB (für Unterstützte Beschäftigung) handelt

es sich um eine Qualifizierungsmaßnahme der Arbeitsagentur

für Schulabgänger und Arbeitsuchende mit

Lernschwierigkeiten und/oder einer psychischen Behinderung

. Mit Hilfe von Trainern werden sie zwei Jahre lang

direkt in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes

qualifiziert . In Kooperation mit WABe e .V . Diakonisches

Netzwerk Aachen wurden wir 2009 von der Arbeitsagentur

mit einem solchen Programm beauftragt .

Mariele Storms, als

Fachbereichsleiterin für

Soziales, Bildung und Mitarbeiterentwicklung

für

die Maßnahme zuständig:

„Die Prüfung umfasste

alle Bereiche . So wurden

zum Beispiel die Protokolle

der Teamsitzungen eingesehen,

die kontinuierliche

Fortführung der Teilnehmerakten

geprüft und

die Teilnehmer persönlich

nach der Qualität der Maßnahme befragt .“ Bundesweit

vergibt die Arbeitsagentur zahlreiche UB-Maßnahmen,

geprüft wird stichprobenartig . „Wir haben bundesweit

eines der besten Prüfergebnisse erzielt . Das ist ein toller

Erfolg und belegt die hervorragende Arbeit des LEWAC-

Teams“, unter streicht Mariele Storms .

Das zweite uB-Programm

Die Maßnahmenprüfung der Arbeitsagentur betraf

das Programm Unterstützte Beschäftigung, das von

2009 bis 2013 läuft und zurzeit 24 Teilnehmer betreut .

Unabhängig davon hat die LEWAC, so der Name unserer

Trägerkooperation mit der WABe, zuletzt eine weitere

UB-Ausschreibung der Arbeitsagentur gewonnen . Im Mai

ging diese zweite UB-Maßnahme an den Start . Bis 2015

wollen wir damit 24 weiteren Teilnehmern zu einer Chance

auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verhelfen . Weitere

Infos: www .lewac .de


16 WerkStatt eingangSverfahren

WerkStatt eingangSverfahren 17

Vom Praktikum

bis zum Bildungsvertrag

„Wie geht es nach der Schule weiter? Was bietet die Werkstatt als Arbeitsplatz? Welche

Möglichkeiten gibt es?“ Diese Fragen stellen sich viele junge Menschen mit Behinderung

nach dem Ende der Schulzeit oder einer anderen Maßnahme . Albert Zander, Bildungsbegleiter,

erklärt den Weg in die Werkstatt und den Verlauf des Eingangsverfahrens .

Den ersten Kontakt mit der Werkstatt knüpfen die jungen

Menschen und ihre Eltern meist schon vor dem Ende der

Schulzeit . Ob Viktor-Frankl-Schule, Kleebachschule oder Parzival-Schule

– seit vielen Jahren bestehen enge Kontakte zu

den hiesigen Förderschulen . Albert Zander: „Unter anderem

beteiligen wir uns an Elternabenden, wo sich auch die Reha-

Beratung der Agentur für Arbeit und andere Werkstätten der

Region vorstellen .“ In freiwilligen Praktika und Hospitationen

gewinnen die Schülerinnen und Schüler zum Ende ihrer

Schulzeit erste Einblicke in die Arbeitswelt der Werkstatt .

Tosh Maurer, Sandra Blediewski und Carolin Rinker (v . l .)

beim hamet-e-Test .

Durch die Agentur für Arbeit wird der Weg in die Werkstatt

vorbereitet . Im sogenannten Eingangsverfahren, das

bis zu drei Monate dauern kann, geht es um die Frage, ob

die Werkstatt der geeignete Ort zur Teilhabe am Arbeitsleben

ist und welche Bereiche der Werkstatt in Betracht

kommen . Eine zentrale Rolle spielt dabei der Unterricht in

Kleingruppen . „Wir üben grundlegende Fähigkeiten ein,

etwa das Unterscheiden von Farben, die Uhrzeit lesen

oder das Arbeitstempo und die Qualität bei der Lösung

von Aufgaben“, erklärt Albert Zander .

Nach dem sogenannten „hamet e“-Verfahren, einem

handwerklichen Geschicklichkeitstest, wird ein berufsorientiertes

Teilnehmerprofil erstellt . Neben der Erfassung

praktischer Fertigkeiten liegt das Augenmerk auch

auf den Fähigkeiten und Unterstützungsbedarfen im Sozial-

und Arbeitsverhalten . Am Ende des Eingangsverfahrens

steht schließlich ein individueller Eingliederungsplan,

der dem Fachausschuss vorgelegt wird . In diesem Gremium

sind die Arbeitsagentur, der Landschaftsverband und

die Werkstatt vertreten . Beschließt der Fachausschuss

den Übergang in den Berufsbildungsbereich, so erhält der

Teilnehmer einen Bildungsvertrag . Dieser Vertrag erklärt

und regelt die Rechte und Pflichten im nun beginnenden

zweijährigen Berufsbildungsbereich .

Das HeGA-konzept

Im Juni 2010 hat die Agentur für Arbeit unter Beteiligung

der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger

der Sozialhilfe und der Bundesarbeitsgemeinschaft

der Werkstätten für behinderte Menschen ein neues

„Fachkonzept für Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich

in Werkstätten für behinderte Menschen“ vorgestellt

. In diesem Konzept sind die fachlichen Anforderungen

nach den §§ 3 und 4 Werkstättenverordnung aktualisiert

und zusammengefasst worden . Die Möglichkeiten

zur selbstbestimmten Teilhabe behinderter Menschen

am Arbeitsleben sollen verbessert werden . Insbesondere

durch eine stärkere Berücksichtigung von Eingliederungsmöglichkeiten

in den allgemeinen Arbeitsmarkt und der

teilnehmerorientierten Maßnahmegestaltung soll so ein

Beitrag zur in der UN-Konvention verankerten Zielsetzung

beruflicher Inklusion geleistet werden .

Der Weg in die Werkstatt

Praktikum

• Ganzjährig bieten wir die Möglichkeit eines frei-

willigen Praktikums . Es dauert in der Regel 3 Wochen .

• Darüber hinaus sind Hospitationen und Besichtigungen

der Werkstatt möglich . Bitte vereinbaren Sie einen Ter-

min mit dem Sozialen Dienst .

Berufsberatung

• findet durch die Reha-Berater der Agentur für

Arbeit statt .

• Der Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

muss vom Ratsuchenden bzw . durch den rechtlichen

Betreuer gestellt werden .

eingangsbereich

• nach § 40 SGB IX (max . drei Monate)

• Ausbildungsgeld 63 € im Monat bei weiterhin be-

stehendem Anspruch auf Kindergeld

• Teilnahmekosten werden übernommen: Pauschale für

Personalkosten, Verpflegungskosten, sowie Übernah-

men der Fahrtkosten

• Sozialversicherungsbeiträge: Kranken-, Pflege-,

Renten- sowie Unfallversicherung (der Teilnehmer ist

selbst pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenver-

sicherung)

• Wöchentliche Schulungen und Erstellung eines Teil-

nehmerprofils

• Kennenlernen verschiedener Arbeitsbereiche

• Erstellung des individuellen Eingliederungsplans nach

Auswertung und Besprechung des Verlaufs mit dem

Teilnehmer

• Besprechung des Eingliederungsplans im Fachausschuss

• bei Entscheidung zur Übernahme in den Berufbildungs-

bereich: Abschluss eines Bildungsvertrags

Berufsbildungsbereich

• nach § 40 SGB IX (max . zwei Jahre)

• gleiche Leistungen wie im Eingangsverfahren

• Ausbildungsgeld im ersten Jahr 63 € im Monat

• Ausbildungsgeld im zweiten Jahr 75 € im Monat

• Berufliche Bildung in verschiedenen Arbeitsbereichen

• Praktika in ausgelagerten Arbeitsgruppen, betriebs-

integrierten Arbeitsplätzen und Betrieben des allgemei-

nen Arbeitsmarktes

• Schulungen in verschiedenen Qualifizierungs- und

Lernbereichen (Kulturtechniken, Schlüsselkompetenzen,

praktische und theoretische berufliche Förderung,

Mobilitätstraining)

• Nach dem 1 . Jahr: Vorstellung des fortgeschriebenen

Eingliederungsplans im Fachausschuss

• Nach dem 2 . Jahr: Abschließende Vorstellung des Ein-

gliederungsplans im Fachausschuss und ggf . Entschei-

dung zur Übernahme in den Arbeitsbereich

• Abschluss eines Arbeitsvertrags

Das Berufsbildungsteam

Albert Zander, 47, ist seit September 2010 als Bildungsbegleiter

für die Umsetzung des Durchführungskonzepts

verantwortlich . (s . Infokasten „Das HEGA-Konzept“) . Für die

Schulungen und Erstellung der Teilnehmerprofile sind mit

ihm Kai Kirch, 41, und Sonja Erhardt, 37, zuständig . Am

12 . September haben 24 junge Menschen mit Behinderung

das Eingangsverfahren begonnen . Sie lernen innerhalb der

Arbeitsgruppen, angeleitet durch die Fachkräfte für Arbeits-

und Berufsförderung, die Arbeitsabläufe der jeweiligen

Bereiche und die Tagesstruktur der Werkstatt kennen . Auch

der Soziale Dienst steht den „Berufseinsteigern“, ihren Eltern

oder Betreuern bei Fragen oder Problemen unterstützend

zur Seite . Insgesamt werden derzeit 60 Teilnehmerinnen

und Teilnehmer im Eingangsverfahren und im Berufsbildungsbereich

unserer Werkstatt individuell qualifiziert .


18 arbeit & Mehr kurznachrichten

arbeit & Mehr kurznachrichten 19

Frauenbeauftragte

Der Weg zur eigenen Wahrheit

Andrea Bongartz, seit Anfang des Jahres Frauenbeauftragte

der Werkstatt, will ihre Kolleginnen stark machen

(vgl . WiB-Ausgabe vom April) . Sie will Frauen dabei unterstützen,

sich besser kennenzulernen und Strategien im

Umgang mit alltäglichen Konflikten einzuüben . Das hilft

ihnen, selbstbestimmter, freier und gesünder zu leben,

sagt Andrea Bongartz . Auf ihre Initiative hin fand nun

zum ersten Mal ein Selbstbehauptungskurs für Frauen

statt . An sechs Freitagen zwischen April und Juni trafen

sich die zehn Teilnehmerinnen, um „ihre eigene Wahrheit

zu entdecken“ . Geleitet wurde der Kurs von Gabriella Stanko-Ensel

und Claudia Schnee, zwei Gestalttherapeutinnen

des Netzwerks „dieFrauenGestalten“ . In Fantasiereisen,

Körperübungen und Rollenspielen übten die Teilnehmerinnen,

Gefühle wahrzunehmen, Körperempfindungen

einzuordnen, Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen, zu

benennen und im Alltag umzusetzen . Die Frauen malten

ihre Körperumrisse auf Tapete und bekamen so ein Bild

von sich . Sie malten auf, wo im Körper man Gefühle spürt,

oder es wurden die Stellen eingezeichnet, an denen man

berührt werden durfte oder nicht . Ganz wichtig war

ebenso der gemeinsame Austausch in dieser respektvollen,

vertraulichen und wertschätzenden Atmosphäre .

Als Fazit kann frau sagen, dass die Teilnehmerinnen Zugang

zu ihren inneren Stärken entdeckt haben . Sie haben

gelernt, sich im Alltag besser zu behaupten, indem sie

ihre Gefühle wahrgenommen haben und durch Übung

mehr und mehr in der Lage waren, diese zu kommunizieren

. Der Kurs hat sie in ihrer Entwicklung gestärkt – und

nicht zuletzt viel Spaß gemacht .

erste Hilfe

„Defis“ für mehr sicherheit

Mehr als 100 .000 Menschen in Deutschland sterben

jedes Jahr an plötzlichem Herzversagen . Es beginnt mit

Herzrasen, auch als Kammerflimmern bekannt, und führt

in wenigen Minuten zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand .

Der Betroffene hat nur eine Chance, wenn sofort mit

der Herzdruckmassage und der Anwendung eines sogenannten

Defibrillators begonnen wird . Der Defibrillator

unterbricht das Kammerflimmern mit gezielten Elektroschocks

. Für Laien wurde der Automatische Externe

Defibrillator (AED) entwickelt . Das leichte und handliche

Gerät gibt nach dem Einschalten alle notwendigen Tätigkeiten

akustisch vor . Seit April dieses Jahres gibt es je

einen „Defi“ auch an unseren Standorten in Haaren und

in der Neuenhofstraße . Anlass war nicht zuletzt, dass in

der Vergangenheit einige Mitarbeiter der Werkstatt einen

Herzinfarkt erlitten hatten . Im Rahmen des alle zwei Jahre

stattfindenden Erste-Hilfe-Kurses und bei zusätzlichen

Einweisungen wurden nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

am „Defi“ geschult . Birgit Hermann (Foto, links)

vom Pflegedienst ist die „Defi-Verantwortliche“ in der

Neuenhofstraße: „Die Geräte konnten wir über die Björn

Steiger Stiftung beziehen .“ Aktuell führt die Stiftung die

Aktion „Kampf dem Herztod“ durch . Die Anschaffung

der Geräte steht immer in Verbindung mit der Aus- und

Fortbildung der Mitarbeiter . „Im Notfall darf auch jeder

Nichtgeschulte den Defi benutzen“, sagt Birgit Hermann .

Insgesamt gebe der Defi mehr Sicherheit, schnell und

richtig handeln zu können .

elternbeirat

neuwahl bestätigt erfolgreiche Arbeit

Bei der alle vier Jahre stattfindenden Neuwahl des Angehörigen-

und Betreuerbeirats wurden im Mai folgende

Mitglieder in ihrem Amt bestätigt bzw . neu gewählt:

Klaus-Peter Ackermann, Edelgard Alt, Norbert Bonné,

Irene Desernot, Annlen Hahn, Norbert Kaußen, Bernhard

Knauf (stellvertretender Vorsitzender), Johann-Georg

Krings, Franz Mohr, Clara Neumann, Brigitte Schulze,

Hartmut Schumacher, Helmut Thyssen (alter und neuer

Vorsitzender), Jürgen Werwie sowie Paul Zeevaert .

Der Angehörigen- und Betreuerbeirat nimmt Wünsche

und Anregungen entgegen und vertritt auf Wunsch die

Interessen und Anliegen einzelner Beschäftigter gegenüber

der Werkstattleitung und dem Fachpersonal . Jedes

Mitglied des Beirates hält hierfür den Kontakt zu ein bis

zwei Gruppen in den Produktions- und Servicebereichen

der Werkstatt . Bei der ersten Sitzung in der neuen Wahlperiode

am 8 . August wurden diese Betreuungsgruppen

neu aufgeteilt . Ursula Holz, Vertreterin der Lebenshilfe

Aachen im Landeselternbeirat, berichtete zudem, dass die

Angehörigenvertretungen auf NRW-Ebene zurzeit eine

Stellungnahme zur sogenannten Modularisierung erarbeiten

. Nach diesem Konzept können neue Träger auch lediglich

einzelne Module für Teilhabeleistungen anbieten .

Dies gefährde die sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen

der Werkstätten, die alle Module anbieten müssen .

leistungsprämien

Wertschätzung für gute Arbeit

In diesem Jahr erhalten alle Mitarbeiter mit Behinderung

drei Sonderzahlungen und zusätzlich noch eine

Weihnachtsprämie in Höhe eines Monatslohns . Das ist

das Ergebnis der Einführung des neuen leistungsbezogenen

Entlohnungssystems Anfang dieses Jahres und

der positiven Auftragsentwicklung . In einigen Bereichen

mussten sogar Sonderschichten gefahren werden, zum

Beispiel eine Zweitschicht von 16 bis 22 Uhr oder Samstagsschichten

. Max Haberland, Vorsitzender des Werkstattrates,

freute sich gemeinsam mit seinen Kollegen

über den zusätzlichen Geldsegen . „Die beschäftigten

Mitarbeiter haben sich nicht nur ein großes Lob für die

gute Arbeit, sondern auch die Sonderzahlung verdient .“

Viele Kollegen hätten sich riesig über die Sonderprämie

gefreut und sich bei ihm bedankt . Allerdings ist es für

Haberland nach wie vor unverständlich, dass die meisten

von der zusätzlichen Zahlung nicht viel haben . Denn einen

Großteil der Prämie müssen sie an den Sozialhilfeträger

wieder abgeben . Trotzdem möchte der Werkstattrat

an der Prämienzahlung festhalten . „Für die Beschäftigten

bedeuten sie eine enorme Wertschätzung“, so Haberland .

Für Geschäftsführer Norbert Zimmermann ist klar: „Alle

haben gezeigt, dass sie mit ihrem Arbeitseinsatz und ihrer

Leistungsbereitschaft in der Lage sind, die Anforderungen

unserer Kunden zu erfüllen . Ohne deren Aufträge gäbe es

keine Teilhabe am Arbeitsleben .“


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sportcamp in Bütgenbach

Ende Juli trafen sich 31 Mitarbeiter und zehn Sportlehrer aus vier Werkstätten (Aachen, Hemmerden,

Troisdorf und Bonn) zum Sportcamp im belgischen Bütgenbach . Es war ein wunderbares Erlebnis

für alle . Andrea Moritz, Sportlehrerin unserer Werkstatt, hat die schönsten Bilder ausgewählt .

Aus Aachen waren dabei (von links): Dieter Hensel, Jaqueline Britz, Christina Riszmann, Annekatrin Dunker,

Bettina Schreiner (Sportlehrerin), Melanie Müller, Andrea Moritz (Sportlehrerin), Daniel Bransch,

Kevin Konrad, Chris Antonio, Wilbert Quarten, Friedhelm Hogen (Sportlehrer) .

Ein neuer Robin Hood wurde

entdeckt!

An der Kletterwand wurden Ängste überwunden .

Frauenpower:

Christina konnte

Dieter bezwingen .

Foto Mitte:

Ein Kajak ist eine große

Herausforderung, gilt es doch,

die Balance zu halten .

Foto unten:

Dagegen ist eine Kanupartie

mit 4 Mann in einem Boot die

reinste Entspannung .

Der Kreis blieb geschlossen, obwohl die Judo-Lehrerin

versuchte, Teilnehmer wegzuziehen: Gemeinsam

sind wir stark und halten zusammen!


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sommerfeste 2011

Bei strahlendem Sonnenschein feierten die Mitarbeiter bei guter Live-Musik das diesjährige Sommerfest in

der Werkstatt Haaren . Auch das Fest in der Neuenhofstraße stand unter dem Motto „Spiele ohne Grenzen“ .

Foto oben:

Die Ballonkünstlerin verzauberte mit ihren

Meisterwerken .

Foto rechts:

Hier sind die Nachwuchstalente aus der

Tanzgruppe .

Foto unten:

Für jeden wurde an diesem Tag ein ganz

persönliches Meisterwerk angefertigt .

Auf den größten Alemannia-Fan wartete ein

toller Preis - ein Besuch in der VIP Lounge im Tivoli .

Die Tanzgruppe heizte dem Publikum ein

und wurde um Zugabe gebeten .

„Wir sind alle Siegertypen!“ Zum Schluß der Spiele ohne Grenzen

gab es für alle Teilnehmer eine Urkunde und Medaille .

Foto oben:

Ein starker Mann und eine kleine, zielsichere

Frau: Die optimale Kombination für das

Schubkarren-Ringstechen .

Foto unten:

Dreibeinlauf funktioniert nur,

wenn die Partner als Team zusammen

arbeiten!

Die Unterstützung des Publikums brachte

manch einen noch schneller voran .


Jetzt vormerken:

Verkauf von Weihnachtsbäumen

Auch in diesem Jahr können sie Ihren Weihnachtsbaum bei uns in der neuenhofstraße 170

kaufen. Wir wünschen Ihnen schon jetzt eine schöne Adventszeit und ein frohes Fest!

Verkaufszeiten:

samstag, 03.12.2011 10.00 - 18.00 uhr

samstag, 10.12.2011 10.00 - 18.00 uhr

samstag, 17.12.2011 10.00 - 18.00 uhr

sowie von Montag, 19.12., bis Freitag, 23.12.2011, jeweils von 8.00 bis 18.00 uhr

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