Z e i t s c h r i f t f ü r i n n o v a t i o n - Lemmens Medien GmbH

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Gunnar Brink

Forschungsmanagement

für den täglichen Gebrauch

Wer forschen will, muss auch managen

ist dies endlich das Buch über all das, was nicht in den Lehrplänen, aber im Laufe der wis-

senschaftlichen forscherkarriere immer mehr Zeit verlangt – das Management der for-

schung? Der promovierte Biophysiker Gunnar Brink zeigt in den 22 Kapiteln seines Buches,

wie er forschungsmanagement definiert. Der autor kennt das Metier aus kleinen Unternehmen,

internationalen forschungsnetzwerken und aktuell der fraunhofer-Zentrale. Brink

wendet sich an den nachwuchs. er will mit diesem einsteiger-Buch einen schnellen überblick

zu den aufgaben geben, die die forschungsarbeit außerhalb des Labors stellt. Diesen

anspruch erfüllt das Buch weitgehend.

Besonders gelungen sind z. B. die Abschnitte zu Patenten oder zum strategischen Management.

Dort präsentiert Brink verständlich wichtige Grundbegriffe für den juristisch-betriebswirtschaftlichen

Laien, so dass „Erfindermeldung“ oder „Portefolie-Analyse“ in den Sprachschatz einfließen

können. Noch hilfreicher wären hier Abbildungen gewesen, wie sie Brink zu Recht bei der

Öffentlichkeitsarbeit empfiehlt. Die Erfolgstipps und Checklisten dagegen sind in der beruflichen

Praxis sehr nutzbringend.

Wegen des Zuschnitts auf die Zielgruppe kann (oder will?) kein Kapitel in die Tiefe gehen und ist

rein beschreibend. Darunter leidet die kritische Bewertung von z. B. Impact Factoren. Dafür gibt

es reichlich Einstiegswissen, so dass sich das Buch grundsätzlich auch als Nachschlagewerk

eignet. Dieser Ansatz hat Schwächen: Der Autor reiht unstrukturiert Wissensgebiet an Wissensgebiet.

Hier wäre es besser gewesen, kleine Kapitel – einige umfassen nur wenige Seiten –

zu größeren zusammenzufassen und in eine logische Reihenfolge zu bringen, die Jungforscher

anspricht und beispielsweise die Laufbahn abbildet: Beiträge zu Promotion, Stipendien sowie

Akademische Hierarchie gehörten dann an den Anfang, während Themen wie Selbstmanagement

oder Business Development vor allem in späteren Karriereschritten relevant werden. Einige

Themen sind regelrecht zerstückelt: Die sehr gute Einführung zu „Stage Gate“-Modellen (S.

169) oder die Abwicklung bewilligter Förderprojekte (z.B. S. 36 ff.) wären zusammen in dem Kapitel

„Entscheiden und Planen“ sicher besser aufgehoben. Existenzgründung und Businessplan

gehören nicht durch fünf Kapitel getrennt, sondern unter ein gemeinsames Dach zusammen

mit Angebotskalkulation und Strategisches Management. Auch darf durchaus kritisch hinterfragt

werden, ob Themen wie Vortragstechniken, Selbstmanagement oder Mitarbeiterführung wirklich

in dieses Buch gehören. Anderes wird schmerzlich vermisst: Der Informationsdienst Wissenschaft

bleibt bei PR unerwähnt, ein Kapitel zu Technologietransfer fehlt komplett, im ärgerlich

dürren Index taucht der Begriff erst gar nicht auf.

Brink lässt sich seine mitunter naiv wirkende Industrieaffinität anmerken und er testiert dem

industriellen Forschungsmanager ein „ausgezeichnetes Verständnis des spezifischen Marktes“

und „enge Kontakte zu den Kollegen im Marketing“ (S. 163). „Wenn es denn so wäre“,

wird da mancher Industriemanager seufzen und sich vielleicht damit trösten, dass häufig die

„Forschertätigkeit in der Industrie mit Geschäftsreisen verbunden“ ist, bei denen man „nicht

selten am gleichen Abend“ wieder zurück ist (S. 166).

buchbesprechung 55

Gunnar Brink

Forschungsmanagement für den täglichen Gebrauch

280 S., kartoniert, 28,00 EUR

Verlag Harri Deutsch, Frankfurt a. M. 2010

ISBN 978-3-8171-1850-2

Autor:

Dr. Marko Häckel ist Geschäftsführer der neoplas

GmbH, einer Ausgründung des Leibniz-Instituts

für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP)

in Greifswald.

wissenschaftsmanagement 4 • juli/august • 2010

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