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56 buchbesprechung

Tilmann Sutter

Medienanalyse und Medienkritik

Forschungsfelder einer konstruktivistischen

Soziologie der Medien

232S., broschiert, 34,95 Euro

VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden 2010

ISBN 978-3-531-16910-1

Autorin:

Yang Sun ist Mitarbeiterin der

Lemmens Medien GmbH, Bonn.

wissenschaftsmanagement 2 • märz/april • 2010

Tilmann Sutter

Medienanalyse

und Medienkritik

Forschungsfelder einer konstruktivistischen Soziologie der Medien

Hohe Arbeitslosigkeit, riesige Staatsverschuldung, mangelndes Vertrauen in die Zukunft der Wirtschaft

– alle das sind Schlagworte in den Medien. Doch sind die Medien mit Schuld am herrschenden

Krisengerede? Haben die rezipierten Medienangebote eine direkte Wirkung auf die entsprechende

Haltung der Rezipienten? Sind wissenschaftliche Medienanalysen kritisch genug? Diesen

und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Band.

Massenkommunikation ist wie jede andere Form der Kommunikation ein sozialer Prozess, allerdings

ist heutzutage die Abhängigkeit ganzer gesellschaftlicher Bereiche und ihrer Mitglieder von

den Medien enorm. Die Wechselseitigkeit zwischen Medien und Soziologie ist Anlass für Tilmann

Sutter, Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Mediensoziologie an der Universität Bielefeld, die

Grundlagen und Anwendungsfelder der Medienanalyse in den Bereichen Medienkritik, Mediensozialisation,

Inklusion und Integration durch Medien sowie Interaktivität neuer Medien aus dem Blickwinkel

der konstruktivistischen Soziologie vorzustellen. Dafür hat er Beiträge über Medienanalyse

und -kritik aus den letzten anderthalb Jahrzehnten gesammelt. Insgesamt hat er 16 Artikel aufgenommen,

überarbeitet und in drei Teile gegliedert, nämlich „Grundlagen einer konstruktivistischen

Mediensoziologie“, „Umweltbeziehungen der Medienkommunikation“, „Forschungsfelder einer

konstruktivistischen Mediensoziologie“.

Bei aller Bedeutung, die er der Interdisziplinärität der sozialwissenschaftlichen Medienforschung

zumisst, betont Sutter vor allem auch die Stärken der einzelnen Gebieten der Mediensoziologie,

durch die eine interdisziplinäre sozialwissenschaftliche Medienforschung gar nicht möglich wäre.

Programmatisches Anliegen des Buches ist es, mit einem Modell unterschiedlicher Ebenen und

Umweltbeziehungen der Medienkommunikation Fortschritte in Richtung einer einheitlichen Theoriesprache

zu erzielen.

Werden in den ersten beiden Teilen des Buches die Grundlagen dieses Modells sowie der konstruktivistischen

Soziologie der Medien im Allgemeinen vorgestellt, behandelt der dritte Teil die

einzelnen Forschungsfelder, in denen diese Grundlagen entwickelt und angewendet werden.

Dazu gehört auch eine ausführliche Auseinandersetzung mit den neuen medialen Kommunikationsformen

im Internet. In mehreren Beiträgen diskutiert Tilmann Fragen wie: Leisten die neuen

Medien tatsächlich das, was die traditionellen Massenmedien vermissen lassen, nämlich Rückkopplungs-

und Eingriffsmöglichkeiten für Rezipienten? Oder bleibt aus soziologischer Sicht

eine gewisse Skepsis bezüglich der tatsächlichen Interaktivität neuer Medien berechtigt?

Die Stärke der Publikation liegt darin, dass durch die direkte Gegenüberstellung viele Themen aus

der Medien- und Sozialisationsforschung kontrovers diskutiert werden. Dadurch ist es gelungen,

eine einseitige und sture Sicht zu vermeiden. Die zahlreichen Beispiele, sowie die kurzen Zusammenfassungen

am Ende eines jeden Kapitels erleichtern das Verständnis der häufig komplexen

Thesen. Für Laien ohne Fachwissen ist das Buch an manchen Stellen nur schwer zu verstehen,

Sozial-, Kultur-, Medien- und Kommunikationswissenschaftler dürfte das Werk aber einen guten

Überblick über die spezifischen Aufgaben der Mediensoziologie bieten.

Yang sun

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