Natur in der Stadt - Bundesamt für Naturschutz

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Natur in der Stadt - Bundesamt für Naturschutz

Natur in der StadtBegleitheft zur Ausstellung StadtNaturNaturStadt


Natur in der StadtWas prägt das Bild ihrer Stadt?Natürlich die architektonischen Wahrzeichen, seien es die Frauenkirche in München,die Skyline von Frankfurt, das Neue Rathaus mit dem MDR-Hochhaus in Leipzig oderder „Michel“ und die Landungsbrücken in Hamburg ...Was macht die Lebensqualität an ihrem Wohnort aus?Die Bausubstanz, die netten Menschen, das Kulturangebot …Fehlen da aber nicht noch wesentliche Qualitätsmerkmale?Die Natur, naturnahe Elemente und Grünstrukturenwie Parks, Gärten und Stadtwälder– aber auch Brachflächen undFriedhöfe – prägen ebenso intensiv dasErscheinungsbild unserer Städte und beeinflussenin vielfältiger Weise sogar auchunsere Lebensqualität.Wie sehr Grünflächen eine Stadt prägen,wird vor allem aus der Vogelperspektivedeutlich, wie die Klimasimulationskarte unddas Luftbild verdeutlichen.


ist zugleich …rechte Seite:Großer Tiergarten Berlin aus derVogelperspektive im Luftbild(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung,Landesluftbildarchiv, DigitaleOrthophotos 2004)linke Seite:Simulierter Einflussbereich derim Großen Tiergarten Berlinproduzierten Kaltluft auf dieumliegenden Bebauungsgebiete(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung,Informationssystem Stadt undUmwelt, Klimafunktion)


Städte sind in erste Linie der Lebensraum der Menschen.Hier arbeiten, erholen und leben sehr viele von uns.Erholungs- undIn Deutschland leben heute schon über 80 % der Bevölkerungin Städten und Ballungsräumen.Auf eine qualitativ hochwertige Arbeits- und Wohnumgebunglegen viele Menschen bei der Suche nach einerneuen Bleibe wieder großen Wert. Die Ansprüche an Erholungs-und Ausgleichflächen sind hoch.Insgesamt wird eine hohe Lebens- und Wohnumfeldqualitäterwartet, für die eine ausreichende Versorgung mitGrün- und Freiflächen in Wohnungsnähe sowie ein ansprechendesStadtbild wichtige Voraussetzungen sind.


Auch in der Stadt sind Naturbeobachtungen und-erfahrungen möglich, nicht nur für Kinder. Doch geradefür diese ist es wichtig,Natur zu erleben, um Verständniszu fördern undFähigkeiten zu verbessern.Insgesamt wird die Entwicklungdes Kindes positivbeeinflusst, da alle Sinneangesprochen werden unddie Phantasie gefordertwird. Bewegung und frischeLuft tut den jungen MenschenErfahrungsraumgut und so lernen sie, dass es auch spannend sein kann,Tiere „live“ zu beobachten.Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen im vom Menschenbesiedelten Bereich ist groß. Die gesamte Siedlungsfläche,bestehend aus Innenstadt, Villenviertel, Stadtrand, Gewerbegebietetc. weist ganz unterschiedliche Strukturen undeine Vielzahl von Flächennutzungen und Kleinstandortenauf. Daraus ergibt sich eine Fülle verschiedener ökologischerNischen.Die Artenvielfalt in Städten übertrifft auf einer gleichgroßen Fläche die des Umlandes meist deutlich. Als artenreichsterRaum Deutschlands wurde vor Kurzem Berlinermittelt.Anzutreffen sind in Parks: Eichhörnchen, Kaninchen, Fische,Enten und Tauben. In naturnäheren Bereichen leben nebendiesen „Allerweltsarten“ (Ubiquisten) aber auch vielegefährdete Arten, die hier Rückzugsräume finden und inder freien Landschaft häufig seltener von jedermann beobachtetwerden können. Spechte, Singvögel, Schleiereulen,aber auch Orchideen sind zu sehen.© Hahn, O.Außerhalb von Grünflächen leben nicht nur Insekten.Mauersegler, Mehlschwalben, Turmfalken und auch Fledermäusewohnen dort. Eigentlich sind diese Tiere Bewohnervon Felsen oder Baumhöhlen. Doch sie folgten demMenschen in die Siedlungen, wo ihnen ähnliche Lebensräumezur Verfügung standen.


ErlebnisraumNatur und Grünflächen bieten gesellschaftlicheBegegnungsstätten – offen für Menschenjeden Alters und jeder HerkunftsoderBerufsgruppe.Lege ich michheute in die Sonne odergehe ich mit Max segeln?Außerdem bieten Natur und Grünflächenvielfältige Möglichkeiten zu Erholung undFreizeitgestaltung. Spaziergang, Sport,Spiel, ein Picknick mit der Familie oderallein lesend in der Sonne liegen, den individuellenBedürfnissen sind keine Grenzengesetzt.Jetzt mitKarl-Heinz im Park spazierengehen und dann auf dem Freisitzeinen Kaffee trinken …Gestern hatJohann ganz schön getrickst …


Ja richtig, Reisen bildet,eröffnet Horizonte. –Aber weit wegam Wochenende,an einem Tag?Erholung vor Ort hat inden letzten Jahren wiederzunehmend an Bedeutunggewonnen.Ich werde heutenachmittag im Fluss ein paar Meterschwimmen …Hoffentlich ruftInes bald an! Wir hattenuns heute doch verabredetzum Walken …Kinder stehen bei gemeinsamenAktivitäten mit derFamilie im Vordergrund.Die Kinderfrage: „Wannsind wir denn endlich da?“bleibt aus, das Auto kannstehen bleiben und soganz nebenbei haben wiretwas für den Klimaschutzgetan.Voraussetzung für intensivesNatur Erleben ist,dass ein Geniessen derNatur mit allen Sinnen auchin unseren Städten wiedermöglich ist.Am Wochenendepicknicken wir erst unddann fahren wir mit dem Bootauf dem See herum.Geniesserraum


variantenreicher …Natur gliedert die Stadt und gibt ihr eine Struktur. Diese unterschiedlichen Strukturen wiederumbieten vielfältigen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. – Die Stadt ist vollervariantenreicher Lebensräume, an die sich viele Tiere und Pflanzen angepasst haben undauf die sie mittlerweile auch angewiesen sind.Somit bieten die unterschiedlichen Grünstrukturen nicht nur für den Menschen wichtigeFunktionen (Luftfilter, Lärmminderung, Wasserrückhaltung etc.) und unterschiedlicheAufenthaltsqualitäten, sondern sind gleichzeitig auch wertvolle Lebensräume für Tiere undPflanzen in der Stadt.WärmeinselnDie Versiegelung des Stadtgebietesproduziert mehrStrahlungswärme als eineBodenbedeckung durchPflanzen. Die Reflektion derWärmestrahlung wird durchdie erhöhte Lufttrübungüber der Stadt behindert,was zu einer zusätzlichenErwärmung führt. DieBebauung behindert zudemLuftzirkulationen, sodassdie Wärme auch nur schlechtabgeführt werden kann.Weitere Wärmeenergie wirdauch durch die menschlicheNutzung freigesetzt.TrockeninselnAufgrund der Versiegelunggelangt nur wenig Regenwasserin den Untergrund,es wird häufig direkt in dieKanalisation und damit zumVorfluter geleitet.Damit und durch technischeMaßnahmen wird der Grundwasserspiegelabgesenktund die Grundwasserneubildungwird durch die verdichtetenBöden gleichzeitigauch auf vielen unversiegeltenFlächen behindert.KalkinselnBöden sind durch die Anreicherungvon Kalk, z. B. durchAblagerungen von Bauschutt,z. T. stark alkalisch.


Wirkung auf:KlimaBodenundGewässerReliefForstaufgetragenTrümmerbergKiesgrubgeländeBahn-Müllplatzfrühere, unbeeinflussteGrundwasseroberflächeabgetragenaufgetragenoffeneBauweiseZeilenbebauungStädtische Bebauung Gärten Rieselfeldergeschlossene BauweiseFlussLuft verunreinigteutrophiertLuft erwärmtLuftfeuchtigkeit vermindertLuftaustausch herabgesetztBoden verdichtet, z. T. abgedichtet, dadurch Grundwasserneubildung vermindertGrundwasser abgesenktGewässer reguliert oder kanalisiertund verunreinigt 18 %32Veränderungen der Ökosphäre in einer Großstadt (aus: Stadtökologie.- hrsg. von Sukopp, H. & Wittig, R.; 2. überarb. u. erg. Aufl., Verlag G. Fischer, 1998)… LebensraumDas Ökosystem Stadt hat eine Reihe spezifischer Eigenschaften gegenüber Ökosystemenin der freien Landschaft.Typisch städtisch sind die zahlreichen unterschiedlichen menschlichen Nutzungen, die aufengstem Raum auftreten, wie Wohnen, Industrie, Verkehr. Diese Nutzungen führen zutypisch städtischen Standortfaktoren, die Städte vom Umland unterscheiden.Städte sind demnach Wärmeinseln, Kalkinseln, Trockengebiete und Gebiete mit einerHäufung von nichteinheimischen Pflanzen und Tieren. Sie sind damit in vielen Bereichenwortwörtlich „von anderer Natur“ als ihr Umland. Dadurch wird die Vegetationsperiodeverlängert und die Einbürgerung von wärmeliebenden Tieren und Pflanzen erleichtert.Dieses führt zwar zu einem größeren Artenreichtum, ist allerdings nicht unbedingt positivanzusehen. Neobiota, wie nicht einheimische Tiere und Pflanzen genannt werden, sind,wenn sie invasiv werden, in der Lage, einheimische Arten zu verdrängen.gepflanzt5 bis 12 %8 bis 15 % < 31 8 bis 18 < 36 < 4115 bis 20 ? < 21 6 bis 8 < 23 20 bis 25


vielfältige …Aber nicht nur gestaltete Parks und Grünanlagen,Fassadengrün und Wasserflächenbieten Natur in der Stadt.Auch an anderen Stellen in der Stadt kannman Stadtnatur entdecken, bestimmt dieNatur die menschliche Lebensqualität,wenn auch nicht immer so offensichtlichwie bei Flächen, die für Erholungs- undFreizeitaktivitäten angelegt wurden.Stadtwälder …… sind z. B. besonders wertvolle Rückzugsräumefür eine Vielzahl von Tierarten undStandort besonders geschützter Pflanzen.Gleichzeitig übernehmen Stadtwälder eineReihe von ökologischen Ausgleichsfunktionenwie die Verbesserung von Luft- undKlimawerten und die Wasserretention.Viele Freizeitaktivitäten finden in den Stadtwäldernstatt – Wandern, Joggen, Radfahren,Reiten, Picknick …Hier ist besonders die Kreativität undKooperation von Forstverwaltung undNaturschutzverwaltung gefragt, um alleAnforderungen in Einklang zu bringen.Aber eine naturnahe Bewirtschaftung istGrundvoraussetzung, um allen Anforderungengerecht zu werden.Brachflächen …… sind häufig sehr artenreich und habenein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicherBiotope sowie Standortverhältnisse. Siesind eine kostengünstige Alternative zumIntensivgrün in den Städten. Ähnlich Naturerfahrungsräumenbieten sie vor allem Kindernund Jugendlichen eine Vielzahl vonBerührungsmöglichkeiten mit der Natur.Brachflächen sollten daher in den StädtenBestandteil der Grünstrukturen bleiben.10


Stadtbäume und AlleenJeder Baum, jede Allee am Straßenrand ist ein wichtigerTeil des Stadtbildes und verbessert nachhaltig das Stadtklimadurch Sauerstoffproduktion, Kohlendioxid- und Staubbindungsowie das Spenden von Schatten. Das ständigeVerdunsten von Wasser führt zu einer höheren Luftfeuchtigkeitund somit zu einer angenehmeren und gesünderenStadtluft.Ein Stadtbaum kann aber noch mehr: Er bremst den Wind,dämpft den Schall, hält mit seinen Wurzeln den Bodenund schützt so vor Erosion. Außerdem hat er eine positiveWirkung auf den Grundwasserhaushalt. Für viele kleineTiere ist er weiterhin Lebensraum und Nahrungsgrundlage.Dieseetwa 100 Jahre alteBuche sollten Sie sichetwa 20 m hoch und mit etwa12 m Kronendurchmesser vorstellen.Mit mehr als 600.000 Blättern verzehnfacht sieihre 120 qm Grundfläche auf etwa 1.200 qm Blattfläche.Durch die Lufträume des Blattgewebes entsteht eine Gesamt-Oberfläche für den Gasaustausch von etwa 15.000 qm, also zweiFußballfeldern! 9.400 l = 18 kg Kohlendioxid verarbeitet dieser Bauman einem Sonnentag. Bei einem Gehalt von 0,03 % Kohlendioxid inder Luft müssen etwa 36.000 cbm Luft durch diese Blätter strömen.Die in der Luft schwebenden Bakterien, Pilzsporen, Staub und andereschädliche Stoffe werden dabei größtenteils ausgefiltert. Gleichzeitigwird die Luft angefeuchtet, denn etwa 400 l Wasser verbrauchtund verdunstet der Baum an demselben Tag. Die 13 kg Sauerstoff,die dabei vom Baum durch die Fotosynthese als Abfallprodukt gebildetwerden, decken den Bedarf von etwa 10 Menschen. Außerdemproduziert der Baum an diesem Tag 12 kg Zucker, aus dem er alleseine organischen Stoffe aufbaut. Einen Teil speichert er als Stärke,aus einem anderen baut er sein neues Holz. Wenn nun der Baum gefälltwird, weil eine neue Straße gebaut wird, oder weil jemand sichbeschwert hat, dass der Baum zu viel Schatten macht oder geradedort ein Geräteschuppen aufgestellt werden soll,so müsste man etwa 2000junge Bäumemit einemKronenvolumenvon jeweils1 cbm pflanzen,wollte man ihnvollwertig ersetzen.Die Kosten dafür dürften etwa 150.000,– € betragen.… Lebensstätte11


LebensstätteFriedhöfeFriedhöfe haben sich zu wichtigen Lebensstätten für Tiere und Pflanzen in den Städtenund Dörfern entwickelt. Friedhöfe sind aber auch Grüne Oasen der Ruhe und des Gedenkens.Gerade in Großstädten werden diese nicht nur von Angehörigen aufgesucht, dennsie bieten mit ihrer Ruhe auch Erholung von Stress und Hektik sowie innere Einkehr.Außerdem dokumentieren diese Kulturstätten Vergangenes, bewahren Zeugnisse frühererGartenkunst, Kunst- und Handwerksformen und all das untermalt von Natur.12Ruhestätte


ErholungsraumKleingärten / HausgärtenWichtige Ausgleichs- und Erholungsfunktionen übernehmen z. B. ebenso Kleingärten.Ihre Funktion hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Sie stellen eine typische Formstädtischer Erholungsflächen dar und ihre öffentliche Zugänglichkeit bietet nicht nurden Kleingärtnern, sondern allen Bewohnern Erholungsmöglichkeiten und ruhigeErholung in der Stadt.Hier findet man auch noch oft alte Obstsorten und historische Kultur- und Zierpflanzen.Das Interesse an freienKleingartenparzellen steigtmit der Sehnsucht nach Ruheund dem „eigenen“ Grün,wobei das Durchschnittsalterder Gartenbesitzer heutewieder sinkt. Immer mehrjunge Menschen legen Wertauf gesundes Gemüse ohne„chemische Keule“. Da dieheimischen Erzeuger vonBiogemüse der hohenNachfrage nicht nachkommenkönnen, versuchen sichviele im eigenen Anbau undwerten stolz ihren Speisezettelauf.Das Durchschnittsalter derKleingartenbesitzer lag voreinigen Jahren noch bei 57,ist mittlerweile aber wiederum 10 Jahre gesunken.Rückzugsraum13


RückzugsraumEs gibt viele gute Gründe für den Naturschutz außerhalb der Stadt, aber auch für denNaturschutz in der Stadt.In der Stadt dient der Naturschutz und der Erhalt von naturnahen Grün- und Freiraumstrukturenvor allem der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Menschen. Beides,sowohl der Naturschutz als auch der Erhalt naturnaher Grün- und Freiraumstrukturen,schafft und erhält die Lebensqualität für uns Menschen und gestaltet dabei aber auchLebensräume für Tiere und Pflanzen.Der Schutz von Natur endet nicht an der Stadtgrenze. In der freien Landschaft unterscheideter sich aber stark von der Großstadt. Andere Rahmenbedingungen spielen eine Rolleund die Ziele formulieren sich oftmals ganz anders. Im Vordergrund steht nicht der Schutzvon Arten und Biotopen wie es in der freien Landschaft oft der Fall ist. Schwerpunktbildet im besiedelten Bereich die Erholungsvorsorge vor der Haustür des Menschen undder Erhalt der biologischen Vielfalt in den Städten. Natürlich gilt es ebenso, einen gutenZustand von Luft, Boden und Wasser zu erhalten. Natur wird also für den Menschengeschützt und deshalb sollte sie auch von ihm geschützt werden. Beteiligung der Bevölkerungan Pflanz-, Pflege-, und Einrichtungsaktionen sind nicht nur wichtig und machenSpaß – sie fördern das Verständnis und die Akzeptanz.Zu einer intelligenten, nachhaltigen und naturverträglichen Siedlungsentwicklung gehörtdie umfassende Integration von Anforderungen und Zielen des Naturschutzes wie sienicht nur das Bundesnaturschutzgesetz, sondern auch das Baugesetzbuch für den Bereichder Bauleitplanung fordert.14


Um in einem angenehmenund gesundem Umfeld zuwohnen und zu arbeiten,zieht es viele junge Familienan den Stadtrand.Dort ist die Belastung mitAbgasen und Lärm geringer,die Freiräume größer und dassoziale Umfeld besser. DieseZersiedelung wirkt sich abernicht positiv für die Umweltaus.Die Innenstädte zerfallen,der Flächenverbrauchnimmt zu und damit auchdie Konflikte zwischen denverschiedenen Nutzern. ImÜbergangsbereich zwischenStadt und Umland, in dem diescheinbar gegensätzlichenAnforderungen konkurrieren,muss ein Optimum zwischenLandwirtschaft, Erholungsnutzungund Naturschutzgeschaffen werden.Ist die Lösung nichtdenkbar einfach?Mehr Natur in der Stadt, somitein besseres Umfeld undgenügend Möglichkeiten derNaherholung wirken sichpositiv auf die Umwelt aus,die Flucht aus den Städtenwird abnehmen – weil keinGrund zur Flucht mehrbesteht.Die hohe Artenzahl inStädten kann und darfnatürlich kein Ersatz für dieArtenvielfalt im naturnahenRaum außerhalb von derBebauung sein. Denn dortleben andere, wertvolleund seltene Arten.Außerdem rechtfertigt esnicht den Verbau und dieVersiegelung von Flächen.Diese hat nämlich trotz derhohen Artenzahl negativeAuswirkungen auf dieArtenvielfalt und auf dieLebensqualität und Gesundheitdes Menschen.Städtische Lebensräumesind für Tiere und Pflanzennur Ersatz für die verlorengegangenen Biotope außerhalbdes Siedlungsbereiches.Sie sind aber nichtin der Lage, diesen Verlustwieder auszugleichen.Dass heißt aber auch, dassder Handlungsraum imbesiedelten Bereich fürden Naturschutz einspezifischer ist und hierZiele verfolgt undMaßnahmen umgesetztwerden, die sich vonNaturschutzmaßnahmenim Umland unterscheidenkönnen und sollten.Gleichzeitig ist es wichtig,eine gemeinsame Strategieund gemeinsame Ziele zuverfolgen.Das System Stadt ist auchheute noch im starkenMaße von seinem Umlandabhängig, sodass auchStadt-Umland-Beziehungenbei Konzepten der nachhaltigen,naturverträglichenSiedlungsentwicklung mitzu berücksichtigen sind.Handlungsraum15


HandlungsraumSpezifische Ziele und Maßnahmen im Stadtnaturschutz …… sind unerlässlich, um die Freiräume in Städten und Gemeinden aufzuwerten und diebesonderen Anforderungen an „Natur in der Stadt“ zu gewährleisten. Es gilt ausreichendErholungs- und Naturerfahrungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitigmüssen im Siedlungsbereich mit ihren Grün- und Freiräumen auch die vielfältigen Lebensräumefür Flora und Fauna im Sinne von § 1 Bundesnaturschutzgesetz gesichert undentwickelt werden. – Um das zu erreichen, bestehen eine Reihe von Möglichkeiten undInstrumenten:Landschaftsplanung / Bauleitplanung …… sind die Planungsinstrumente, die eine nachhaltige undvorausschauende Siedlungsentwicklung gewährleisten.Moderne Planungen beziehen die Bürger von Beginn anein, so dass diese sich aktiv an der Gestaltung ihres Wohnumfeldesbeteiligen können. Die in Landschaftsplanungenerarbeiteten Leitbilder, Ziele und konkreten Maßnahmenliefern entsprechende Entscheidungshilfen bei der Aufstellungund Abwägung der Bauleitpläne.Besondere Bedeutung haben dabei Leitbilder einer nachhaltigenFreiraumentwicklung. Nur durch Einbeziehen derLandschaftsplanung in die zukunftsorientierte Gesamtplanungeiner Stadt können stadtstrukturelle Fehler behobenund vorausschauend vermieden werden.Planungskarte Lutterfreilegungin Königslutter am ElmNaturerfahrungsräume (NER) …… liefern einen Beitrag zur Förderung derLebensqualität, besonders von Kindern inden Städten, fördern aber auch durch ihreangestrebte Naturnähe die Belange desStadtnaturschutzes und der biologischenVielfalt. Naturerfahrungsräume müssenEingang in Planungen finden und im Rahmender vielfältigen Aktivitäten zur Stadtentwicklungumgesetzt werden.16


EingriffsregelungDie Eingriffsregelung als Instrument des Naturschutzes undder Landschaftspflege dient dazu, mit ihrem Vermeidungsgebotund entsprechenden Kompensationspflichten beiunvermeidbaren Beeinträchtigungen die Leistungs- undFunktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und das Landschaftsbildzu erhalten.Die Eingriffsregelung ist auch bei der Siedlungsentwicklungim Rahmen der Bauleitplanung anzuwenden, sodassentsprechende Kompensationspflichten in diesem Zusammenhangentstehen und Kompensationsmaßnahmenerforderlich werden, um die verloren gegangenen Funktionendes Naturhaushaltes und das Landschaftsbild wiederherzustellen. Möglich wird das z. B. durch Rückbau undEntsiegelung nicht mehr benötigter Gebäude und die Neuanlagevon Grünstrukturen oder Gewässerrenaturierungen.Schutzgebiete / SchutzobjekteDort, wo sich besonders schützenswerteArten angesiedelt haben oder besondersschützenswerte Einzelgeschöpfe der Naturwie alte Einzelbäume bestehen, könnenNaturschutzgebiete, Naturdenkmale odernach europäischem Recht auch Natura-2000-Gebiete durch die Naturschutzverwaltungausgewiesen werden. Pflege- undEntwicklungspläne regeln hierfür dieSchutzanforderungen, aber auch mögliche,dem Schutzziel entsprechende Nutzungen.Auch in Schutzgebieten sollen die Menschennicht ausgegrenzt werden.Handlungsrahmen17


HandlungsrahmenNatur in der Stadt – Ziele des BfN• Ansätze für ein naturverträgliches, kostensparendes Grün- und Freiflächenmanagementin der Stadt, aber auch im Stadt-Umland-Verhältnis• Ansätze zur praxisorientierten Weiterentwicklung der Strategie der „Doppelten Innenentwicklung“mit Hilfe städtebaulicher Orientierungswerte für die Grünversorgung• Bewusstseinsbildende und Akzeptanz fördernde Projekte, die die Bedeutung von Naturin der Stadt verdeutlichen und ein öffentliches und politisches Bewusstsein dafür schaffenNatur in der Stadt – Projekte des BfN• E + E-Vorhaben• Bundeswettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“• Internationale Fachtagung „Urban Biodiversity“• Grün in der Stadt• Biodiversität im DorfNatur in der Stadt – Weiteres Info-Material des BfN• Ausstellung im Verleih: StadtNatur-NaturStadt• Workshoppapier „Landschaftsplanung: Planung für mehr Naturschutz in der Stadt“• Kinder und Natur in der Stadt18


Netzwerk für mehr Natur in der Stadt• Kompetenznetzwerk Stadtökologie CONTUREC• Deutsche Umwelthilfe• Forum Die Grüne Stadt• Arbeitskreis Naturerfahrungsräume• Deutsches Institut für Urbanistik• Helmholtzzentrum für Umweltforschung UfZ• Universitäten und Fachhochschulen• Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V.• Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V.• Kommunale Spitzenverbände• Ausgewählte Kommunen mit spezifischer Situation: u. a. Kassel, Königslutter, LeipzigInteressante Linkswww.bfn.dewww.conturec.dewww.duh.dewww.naturschutzkommune.dewww.die-gruene-stadt.deAnsprechpartner im BfN:Torsten Wilke:E-Mail: torsten.wilke@bfn.deJens Schiller:E-Mail: jens.schiller@bfn.deRahmenbedingungen19


Die Ausstellung „StadtNaturNaturStadt“ kann als Wanderausstellungjederzeit, auch für Themenarbeiten in Schulen, ausgeliehen werden.Bundesamt für Naturschutz, Außenstelle LeipzigKarl-Liebknecht-Straße 143, 04277 LeipzigTelefon: (03 41) 3 09 77 - 17Fax: (03 41) 3 09 77 - 40E-Mail: jens.schiller@bfn.deBundesamt für Naturschutz, Referat Presse und ÖffentlichkeitsarbeitKonstantinstr. 110, 53179 BonnTelefon: (02 28) 84 91 - 4444; Fax: (02 28) 84 91 - 10 39; E-Mail: Presse@BfN.deInternet: http://www.bfn.deImpressumHerausgeber:Bearbeiter:Abbildungen:Gestaltung:Druck:Stand: Juni 2007Bundesamt für NaturschutzTorsten Wilke und Jens Schiller, BfN-AS Leipzig; Fachgebiet Landschaftsplanung undRäumliche Planung, unter Mitarbeit von Andreas Huth, LeipzigBfN / Huth, A.: (Titel o.; S. 3 o.li.; S. 4 o., re.o.; S. 6 li.Mitte; S. 12 (3x); S. 14 (2x))Fritz, G.: (S. 6 li.o.)Gorke, V. - fotolia: (S. 6/7)Hahn, O.: (S. 5 li.u.)Herbert, M.: (S. 10 u.)Ingenieurgemeinschaft Lips-Weinkopf: (S. 16 o.)Institut für Natursport und Ökologie, Deutsche Sporthochschule Köln: (S. 2 (2x);S. 6 li.u.; S. 7 re.o.; re.Mitte)Landesvermessungsamt Sachsen: (S. 8 o.; Luftbildausschnitt von Leipzig,ATKIS-DOP 2005)Meier, A.: (S. 5 re.o.)Pütsch, M.: (S. 16 u.)Schiller, J.: (Titel u.li., u.Mitte, u.re.; S. 3 o.re.; S. 4 re.Mitte, re.u.; S. 5 li.o.,li.Mitte; S. 8 u.li., u.re.; S. 10 o., Mitte; S. 13 (4x); S. 15; S. 17 Mitte, u.; S. 18; S. 19)Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: (S. 2 u.; S. 3 u.; S. 7 u.; S. 11 (4x))weitere Informationen zum Berliner Stadtgrün finden Sie auf den Internetseiten derSenatsverwaltung für Stadtentwicklung unter der Adresse:http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/index.shtmlWilke, T.: (Titel o. li., S. 4 u.li.; S. 5 li Mitte; S. 17 o.)www.die-gruene-stadt.de: (S. 11 re.)Andreas Huth, LeipzigGebr. Klingenberg Buchkunst Leipzig GmbHGedruckt auf 100 % Altpapier

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