Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über Danzig

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Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über Danzig

Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LVorwort.....................................................................................................................................4Wolfgang Federau..................................................................................................................5Wind in der Nacht ...................................................................................................................7Herz wandert durch die Heimat ............................................................................................9Du Erde....................................................................................................................................10Am Strande.............................................................................................................................11Danziger Weihnacht ..............................................................................................................12Ewige Stadt Danzig................................................................................................................13Wenn ich tot bin.....................................................................................................................14Der Wolke gleich....................................................................................................................15Abend in Oliva ........................................................................................................................16Tal des Friedens.....................................................................................................................17Glückes genug .........................................................................................................................18De junge Kuulbarsch ..............................................................................................................20Siegfried Rosenberg ...........................................................................................................21Weihnachtsfest .....................................................................................................................22Fritz Jänicke........................................................................................................................ 23Der „Schien“ ...........................................................................................................................24Poguttke's kleiner Danziger Sprachführer ........................................................................26Adventsgedanken des Rentiers Franz Poguttke ................................................................30Max Halbe............................................................................................................................. 32Gruß an die Heimat.................................................................................................................33Johannisabend ........................................................................................................................34Helene Westphal .................................................................................................................35Adlershorst.............................................................................................................................36Heimat .....................................................................................................................................37Schicksal .................................................................................................................................38Sonntagsfrühe........................................................................................................................40Carl Lange...............................................................................................................................41Wort und Tat..........................................................................................................................42Heimat .....................................................................................................................................43Geduld......................................................................................................................................44Herz, sei ruhig... .....................................................................................................................45Adventszeit ............................................................................................................................46Abendfrieden..........................................................................................................................47Ein Stück Brot........................................................................................................................48Meeresgang.............................................................................................................................49Danzig ......................................................................................................................................50Mein Heimatland.....................................................................................................................51Halbinsel Hela.........................................................................................................................52Die Glocken von Danzig..........................................................................................................53Meeresleuchten......................................................................................................................54Willibald Omansen (Omankowski).................................................................................... 55Nacht an der Weichsel..........................................................................................................56Seite 1„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. 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Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LVorwortSeit dem Jahr 1999 gibt es das Diskussionsforum „Danzig-L“, einem Forum beiYahoogroups im Internet, dem mittlerweile über 370 Teilnehmer angehören. Indiesen Jahren wurden rund 31.000 Beiträge geschrieben. Darunter zahlreicheGedichte aus seltenen Quellen.Die Suche nach diesen „Juwelen“ im Forum Danzig-L gleicht jedoch der sprichwörtlichenSuche einer „Nadel im Heuhaufen“. Um es Freunden der Danziger Lyrikeinfacher zu machen, wurde nun diese Sammlung der schönsten Gedichte vonund über Danzig erstellt. Viele Gedichte entstammen der Feder bekannter Lyriker,aber auch manch unbekannter oder in Vergessenheit geratener Dichter hatin Versen und Reimen seine Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht.Die meisten Gedichte weisen einen direkten Bezug zu Danzig auf. Manche jedochsind allgemeiner gehalten, wurden aber von Danzigern oder von Menschen, die einebesondere Beziehung zu Danzig haben, geschrieben.In vielen Gedichten kommt die Liebe zur Heimat, zur Schönheit, ja zur EinzigartigkeitDanzigs und seines Umlands zum Ausdruck. Sie wurden zumeist verfasstin einer Zeit als Danzig noch deutsch war, aber auch nach Flucht, Vertreibungoder Aussiedlung haben einige Poeten zur Feder gegriffen und Danzig in wunderschönenWorten, ja man könnte fast sagen, in Wortdenkmälern thematisiert.Diese Zusammenstellung ist nur ein Anfang. Ganz sicher wird diese Gedichtsammlungum weitere Gedichte erweitert. Die jeweils aktuelle Fassung kannstets über das Forum Danzig-L bezogen werden. Anmeldungen zu diesem Forumsind möglich über www.yahoogroups.de und www.danzig.de .Wolfgang Naujocks14. November 2006Seite 4„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWolfgang FederauGeboren am 8. März 1894 in Danzig und verstorben am 18. Mai 1950 in Lübeck.Federau war Hauslehrer in Estland, Zivilgefangener während des Ersten Weltkriegesin Archangelsk und später in Danzig bis zum Zusammenbruch Verwaltungsbeamterbei der Polizei. Sein schriftstellerisches Repertoire ist groß: Jugendbücher,Romane, Erzählungen, Schau- und Hörspielstücke und Gedichte.1949 hielt er in dem Buch "Versunkene Gärten" seine Jugenderinnerungen fest.Federau war ein Dichter, der sich – im Gegensatz zu manchen seiner Schriftstellerkollegen– dem ideologischen Zeitgeist und Führer-Kult der 30er- und 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht unterwarf.Seite 5„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHeimat(Wolfgang Federau)Du kannst sie tausendmal verlassen.Und kehrst doch immer ihr zurück.Sie ist mit Türmen, Kirchen, Gassendein unverlierbar letztes Glück.sie birgt der Jugend reinste Träume,sie schließt dich ein wie Mutterschoß.Sie dehnt sich über alle Räume.Und nimmer kommst du von ihr losSo weit kannst du ja gar nicht gehen,dass du sie einmal ganz vergisst.Ihr Bild wird dir vor Augen stehen,wo du auch immer weilst und bist.So sehr kannst du dir nicht entgleiten,dass dieses letzte Band zerreißt.Weil, wo auch immer du magst schreiten,ein Pfeil steht, der ... zur Heimat weist.Seite 6„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWartende Heimat(Wolfgang Federau)Wohin entfloh, was wir so zärtlich hegten?Das Haus, das warm und schirmend uns umgeben?Die vielen Dinge, die wir liebend pflegten?Wohin das ganze, so vertraute Leben?in deren Gassen wir als Kinder spielten?Und wo die Stätte, die wir Heimat nannten,die wir einmal für ewig unser hielten?Wo blieb die Stadt, die wir so innig kannten,Ist diese Stadt, mit Türmen, Giebeln, Toren,verträumten Winkeln, alten Wirtshausschildern,uns wirklich ganz entrissen und verloren?lebt sie nur noch in ein paar alten Bildern,die wir zuweilen in die Hände nehmen,wenn Sorge und wenn Heimweh uns umnachten,und - ohne unsrer Rührung uns zu schämen -sehr lange und sehr nachdenklich betrachten?...Nein! Sie ist da, die alte Heimaterde.Und wie viel sie des Leides auch erfahren,sie harret still, dass jene Stunde werde,da ihre Kinder zu der Mutter fahren.Seite 8„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHerz wandert durch die Heimat(Wolfgang Federau)Die alten, lieben Wege,so fern und auch: wie nah!Im Wald die schmalen Stege,sie sind noch immer da ...Sie führn aus irdischem Raumedie Sehnsucht himmelwärts,und nächstens gehn im Traumesie mitten durch mein Herz.Die schönen, zarten Lieder,so lange schon verhallt,sie klingen immer wiederaus jenem Märchenwald.Ich mag mich nicht erinnernund kann doch nicht entfliehn.Trag ich sie doch im Innern,die alten Melodien.Es steht ein Haus im Osten,kein anderer kann es sehn.Mein Herz steht davor Posten,was soll ihm da geschehn?Es birgt in seinen Mauern,was Sturm längst fortgefegt,und es wird so lang dauern,wie dieses Herz noch schlägt.Wo ich auch immer raste,müd an den Tisch gestemmt,ich bin doch nur zu Gasteund bleibe jedem fremd.Sagt man: Auf Wiedersehn!meidet man meinen Blick.Ich muss dann weitergehenund... ging so gern zurück.Seite 9„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDu Erde(Wolfgang Federau)Du Erde sanft und schön und weit,du trägst mit lächelnder Geduldder Menschen Not, der Menschen Leidund jede Untat, jede Schuld.Du trinkst ihr Blut in dich hinein,und wenn sie Hass und Neid verzehrt,du strafst sie nicht. Das Grausamseinhat dich der Schöpfer nicht gelehrt.Ob Sturm dich peitscht, ob Schnee dich deckt,ob dir des Frühlings Sonne lacht,du bleibst in allem unbeflecktund nimmst was Gott dir zugedacht.Wir schwinden hin, ein Hauch im All,wir sterben, wir erstehen neu.ja, wie vergehen wie ein Schallduaber bleibst - und bleibst dir treu.Dem Menschen, der die Stunde sucht,der sie umbuhlt mit Lug und List,ihm beust du Saat und Keim und Fruchtund zeigst ihm so, was - ewig ist.Wir sind geschwätzig , arm und klein.Du, Erde mütterliches Land,du kennst nur dieses: da zu sein,zu ruhn in Gottes großer Hand.Seite 10„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAm Strande(Wolfgang Federau)Wieder stehe ich hier im hellenGlanz der Sonne am schimmernden Strand,und das Meer schickt eratmend die Wellen,die Schaum gekrönten, gegen das Land,wo sie zerflattern und sprühend zerschellenund verdunsten im glühenden Sand.Und es zwingt mich, schweigend zu lauschendiesem Lied, so vertraut, so bekannt- diesem dunklen, ewigen Rauschen,das seit je mich beglückt und gebannt -und im Geiste Blicke zu tauschenmit dem Ort, da die Wiege mir stand.Ach! Auch fern, ander Heimat Gestade,daraus ich seit Langem verbannt,leuchtete mir der Himmel wie Jade,hoch ob der seligen Erde gespannt,und aus der Flut wie aus kühlem Badeschwang sich der Küste zärtliches Band.Feuchten Auges muss ostwärts ich spähen,und mein Herz schlägt leidvoll und schwer.Wissend ist's dennoch kaum zu verstehn:hüben und drüben dasselbe Meer!Werd' ich es drüben einmal noch sehn?"Ja!" bebt das Herz. Und "Ja!" raunt das Meer.Seite 11„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDanziger Weihnacht(Wolfgang Federau)Dies war die Zeit, da tanzten weiße Flockendurch Danzigs Gassen, sanken glitzernd nieder,da klang vom Rathaus-Turm im Spiel der Glockendie Melodie der alten Weihnachtslieder.Dies war die Zeit, da standen mit den Krippendie Kinder in den windgeschützten Eckenund sangen zaghaft und mit blauen Lippenbemüht, sich vor dem Schutzmann zu verstecken.Die war Zeit, da roch’s in allen Zimmernnach Äpfeln, Nüssen, süßen Bäckereien.Aus allen Augen brach ein selig Schimmern,ein unbestimmt erwartungsvolles Freuen.Dies war die Zeit der schönen Heimlichkeiten,der alten Märchen und der Kinderträume,des blassen Himmels und der tief verschneitenWäldern ringsum. Die Zeit der Tannenbäume...Zu einem Märchen wurde da die altegeliebte Stadt, dort, zwischen Strom und Meer,durch die das Jubellied der Bläser hallte:"Vom Himmel hoch da komm' ich her!..."Seite 12„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LEwige Stadt Danzig(Wolfgang Federau)Sie ist nicht tot! Ist nicht versunken,nicht ausgelöscht mit Turm und Tor.Aus Feuer, Flammen, Sturm und Funkenstieg wie ein Phoenix sie empor.Ganz unversehrt lebt sie im Herzenvon allen, die sie einst geliebt.Ihr brennen unsrer Sehnsucht Kerzen...auch wenn es sie nun nicht mehr gibt.Zinnen und Mauern, sie vergehen,wie jedes Werk aus Menschenhand.Der Geist jedoch, er bleibt bestehen,aus dem die Stadt dereinst entstand.Das Körperliche ist nur Ranke,nur Arabeske in der Zeit.Unsterblich aber der Gedanke,denn er umschließt die Ewigkeit.Die eine Nacht zerstören konntein dieses Krieges düsterm Lauf,sie steigt vor unserm Horizonteimmer aufs neue schimmernd auf.Die Chöre, Giebel, Kirchen blühenund überblühen jeden Scherz.Und ewig ragt auch Sankt Marienmit stumpfen Turm himmelwärts.Seite 13„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWenn ich tot bin...(Wolfgang Federau)Lieg' ich einstmals tot in meinem Bette,stehn noch in den Schränken hübsch gebunden,Bücher, die ich gern gelesen hätte.Nur --- ich habe nie die Zeit gefunden.Viele Verse, mancherlei Geschichten,allzu lang in mir herumgetragen,werd ich nicht mehr dichten und berichten.Tote können leider gar nichts sagen.Sommer werden süß vorüberwehenund in Duft und Blüten überschäumen,doch mein Auge wird sie nicht mehr sehen,und ein totes Herz kann nie mehr träumen.Liebe wird die Liebenden umschmeicheln.Nur von mir wird niemand etwas wissen.Keine Mädchenhand wird sanft mich streicheln.Tote Lippen sind zu kalt zum Küssen.Noch gibt's ein paar Menschen, die mich kennen,die an meinem Tische oft gesessen,und sie werden im Gespräch mich nennen--- anfangs --- und mich schließlich doch vergessen...Der du dieses liest, nach vielen Jahren,später Nachfahr, denk bei meinen Zeilen,dass auch wir einst froh und glücklich waren,wir, die längst im Reich der Schatten weilen.Seite 14„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDer Wolke gleich(Wolfgang Federau)Ich möchte wohl wie eine Wolke leben!Ich möchte über allem Niedrigen und Kleinen,dem Staub und Schmutz der Erde, durch den reinenÄther als Spielgesell des Windes schweben.Ich möchte auf des Sturmes Fittich reitenund purpurn in der Abendsonne brennen,nicht Ziel noch Herkunft meiner Reise kennen –nur preisgegeben den Unendlichkeiten.Ich möchte' aus eig'ner Fülle strömend spenden,der Wolke gleich, und die da dürsten, tränken.Ich möchte immer wieder selig schenken,um so im Geben froh mich zu verschwenden.Und so wie eine Wolke möcht' ich sterben,leidlos und schwerelos ins Nichts verfließen,noch einmal Erde, All und Sonne grüßenund noch im Tod den Himmel schöner färben.Seite 15„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAbend in Oliva(Wolfgang Federau)Da der Tag nun schlafen will,wird es mählich leise, stillin den Wiesengründen.Nur ein Wind harft noch sein Lied,zärtlich zwischen Meer und Ried,mag nicht Ruhe finden.Von dem kleinen See her streichtkühlen Wassers Odem feuchtzu dem nahen Lande.Einsam zieht ein weißer Schwanseine schmale Silberbahnbis zum Uferrande.Alles ist vom Lichte matt.Reglos stehen Halm und Blatt,sammeln neue Kräfte.Schilf und Baum und Strauch und Moosheben ais der Erde Schoßfrische Lebenssäfte.Feierliche Ruhe fällttröstend über diese Welt,über alle Müden.Jedes Wesen, jedes Ding,jeder zarte Schmetterlinghauchen Schlaf und Frieden.Doch auf fernem Hügelkammragt ein mächt'ger Eichenstammzu der Himmelsfeste.Schwarz steht er vorm Abendrotdas wie brand'ges Feuer lohtzwischen dem Geäste.Blasser wird die Farbenpracht.Zögernd, leise senkt die Nachtsich auf Tal und Hügel.Nur der Mond schwimmt hell und runddurch den sammetschwarzen Grundwie ein Gottessiegel.Seite 16„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LTal des Friedens(Wolfgang Federau)Dies liebliche Tal, das grünende Zelt,die Bank, darauf wir gesessen,die ganze, stille, friedliche Welt,wir werden sie niemals vergessen.Wie dunkel der Wald gegen Westen stand,wie hell lag die Wiese inmitten.Wie blühte der wilde Birnbaum am Randdes Weges, den oft wir geschritten.Ein Blütenduft zog, ganz zärtlich und lind,über die Koppeln und Weiden.Die Zweige der Birken wehten im Windwie Frauenhaare, so seiden.Und abends wenn purpurn die Sonne sankund die Schatten der Dämmerung nahten,dann traten oben, am Bergeshang,die Rehe hinaus in die Saaten.Der Himmel ward fahl und die Erde schliefund der Bock warf den Kopf in die Höhe.Wir atmeten kaum. Ein Käutzchen nur riefsanft klagend in unserer Nähe.Das ist nun vorbei und es liegt schon so fern.Wir werden den Weg nie mehr gehen.Wir leben auf einem anderen Stern.Doch das Tal, dieses Tal bleibt bestehen.Wir denken des Glücks noch voll Sehnsucht und Dank,das einst uns ward zugemessen.Nun sitzen andere auf unserer BankIn dem Tal. Und wir sind schon vergessen.Seite 17„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LGlückes genug(Wolfgang Federau)Was ist dies Leben?Ein Falterflug.Ein Beben. Ein Schweben.Vorbei - und genug.Heut graue Haare,gestern noch ein Kind.Der Strom deiner Jahrewie rasch er verrinnt.Eben noch träumtest,du Zukunft und Lust.Was du versäumtestschon wird's dir bewusst.Gestern noch glühtedir Liebe im Blut.Bald denkst Du müde:Ruhe wär gut.Nach Kämpfen und wagenstand einmal dein Sinn.Die tapferen Tagewo sind sie hin?Wie lockend die Fernedes Himmels einst war.Bald sinkt der Sterneleuchtende Schar...Und doch gab dies Lebendir Glückes genug:Ein Taumeln, ein Schweben,ein Falterflug.Seite 18„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWalther DomanskyEr wurde am 2. Dezember 1860 in Danzig geboren und starb dort am 8. Oktober1936. Er studierte evangelische Theologie, war auch als Pfarrer tätig, wurde jedochkrankheitshalber frühpensioniert. Besonders können seine im DanzigerPlatt geschriebenen Gedichte hervorgehoben werden.Seite 19„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDe junge Kuulbarsch(Walter Domansky)Deep en de Mottlau opp de Grund,Wo all'de Feschkes speele,Dor schwemmt een Kuulbarsch, fett on rund,Doch schient em wat to fehle.Sien Oellre kome, na on deFang'n oan, emm uttofroage,He sächt, emm deiht de Buck so wehOh bliwwt dorbi, do kloage.Na ob he wat gegete hadd'Weil Moder denn nu weete –Jo 'n Heer warf ut sien Muul dor wat,'t war bruun, dat hadd he frete.Oll Kuulbarsch lacht on schempt opp enn:"Wat best du förn Labommel!Mottst du denn gor so happig sennUck opp Zigorestommel?"De jung Kuulbarsch krömmt sich ganz rund:"Wie kenn eck dat denn weete?Nee, met de Menschheet es´t to bunt,Wat de uck allens frete!"Seite 20„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LSiegfried RosenbergSiegfried Rosenberg, der „Kalendermann“! Kaum ein anderer Danziger der Nachkriegszeitwar bekannter als der Verleger und Herausgeber des „Danziger Hauskalenders“.Er wurde am 17. März 1917 in Danzig-Neufahrwasser geboren undstarb am 6. Juli 1996. Seiner verlegerischen Tätigkeit ist zu verdanken, dass dasDanziger Schrifttum auch nach dem Krieg weite Verbreitung fand. BesondereVerdienste erwarb er sich auch mit einem Reprint des „Curicke“ – Der StadtDantzig historische Beschreibung.Seite 21„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWeihnachtsfest(Siegfried Rosenberg)Weihnachtsfäst, das Fäst der FreideSälbst in aasich dustrer Zeit,Hat mich mitten inne HeideDem Kaländer anjescheit.Ich sätz untrem Baum mir nieder,Nahm de Brille ausse Fupp,Und dänn las ich immer wiederUnd vägass ganz meine Supp.All die alten, scheenen GassenJing wie frieher ich entlang,Und ich kann es garnich fassen,Wie Kathrinen wieder klang.Flichtlingselend das war ferne,Alle Sorjen waren gonn,Iber mich nuscht wie de Sterne;Mich wurd richtich wohlich von.Franz Poguttke mit dein BrummerUnd de Ollsch' wo ihm kuj'niert,Wänn ihm wieder wie so'n DummerHätt Schaweiter ausjefiehrt;All die trauten, gut' Bekannten,Alle wär'n se pletzlich da,Freinde, Kumpels, Onkel, Tanten :das war'n Weihnachten, tjaja!Und nu dank ich allen denen,Wo dazu jeholfen hahm,Mich dem Fäst so zu väscheenen,Dass ich all dem ollen KramKennt väjässen, wo uns heiteAlle Nas' lang sonst bedrickt.Härzlich jriesst eich, Landesleite,Einer, dem ihr sehr bejlickt!Seite 22„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LFritz JänickeFritz Jänicke wurde am 9. Dezember 1885 in Deutsch Eylau geboren und starbkurz nach Ende des Krieges schwerkrank am 27. Juli 1945 im Danziger Marienkrankenhaus.Seit 1908 war er als kulturpolitischer Schriftsteller der "DanzigerNeuesten Nachrichten" tätig. Berühmt wurde er als Verfasser der im Danziger"Missingsch" geschriebenen "Stammtischgespräche des Rentiers Poguttke". DasGrab Fritz Jänickes in Oliva wird auch heute noch gepflegt.Seite 23„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDer „Schien“(Fritz Jänicke)Wänn wo en Ferd is umjefallen,wänn einer wo mit's Messer sticht,wänn einer läßt ne Knallärbs knallen,wänn einer wo mal Schacht jekricht,wänn einer nich de Straß gefeecht hat,wänn wo en Jung nach Schul nich will,wänn einer, wo sich aufjereecht hatbei's offne Fänster macht Jebrill,so kemmt jeweehnlich fix herbei:De Pollezei!Wänn en Musiker nachts um dreienoch fleißich de Posaune iebt,und wänn im Stäffenspark sich zweiemal mehr, als sich jeheert, jeliebt;wänn en Studänt lescht ne Latärne,weil ihm der grälle Lichtschein steert,wänn en Schoffeer (ma sieht's nich järne)en dicken Dackel ieberfeehrt,dann kemmt gleich leifisch anjerannt:Der Härr "Scherschant"!Wänn einer wo mal was jemacht hat,wo ma sich manchsmal nuscht bei dänkt,wänn einer am Jerist bei Nacht hatde Baulatärn nich aufjehängt,wänn wer en Zigarättenstummelschmeißt in de Neehe von Bänzin,wänn seelich vonnen Bockbierrummelpaar Duhne längs de Gassen ziehn,wird ebenfalls nich lang vämißt:Der Pollezist!Wänn ohne dem Hutnadelschitzerne Dame durchs Jedränge schießt,wänn en Dästillatzjionsbesitzersonnahmds um vier Uhr nich gleich schießt,wänn vom Balkong tut Wasser troppen,wänn einer wem die Uhr will klau'n,Seite 24„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-Lwänn einer tut dem Teppich kloppenspeet ahmds noch aufen Gartenzaunwird bald von irjendwo jeschrien:"Da kemmt der Schien!"So kennt ich vieles noch benännen,wo sälten bei der Schutzmann fehlt,zum Beischpiel, wänn es wo tut brännen,en Leiermann ne Orjel queelt,wänn einer will en Ring väsätzen,wo garnich ihm jeheeren tut,wänn einer grausamm tut välätzendem andern sein' Zachlinderhut,äscheint manchmal (o, wie fatal!)En Krimenal!Wänn wo zwei Flungderfrauen sich schimpfen,wänn einer auf ne Brick jeht links,wänn einer läßt das Kind nich impfen,wänn einer nächtlich "dreht en Dings",wänn - doch ich will mich kirzer fassen,wänn auch noch viel zu sagen weer,dänn wieviel is noch ausjelassen!Ich weiß ja doch noch viel, viel mehr!Doch Schluß! Laut teent mein Glickwunschschrei:Prost, Pollezei!Seite 25„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LPoguttke's kleiner Danziger Sprachführer(Fritz Jänicke)Danzich ruft! so jeht de MahnungRaus ins Land vom BernsteinstrandDänn meist hat ma keine AhnungNich vom scheenen Danzjer Land!Daß ma's weithin kricht zu wissenDurch de "Neisten", scheint mich gut,Eins bloß tu ich hier vämissen:Wie der Danzjer reden tut.Nich bloß mit Natur und BautenLockt de Stadt vom Weichselstrand,Nei, mit trauten HeimatlautenAuch wo auswärts unbekannt.Weil nu dies doch inträßierenKennt dem ein' und andern schon,Mecht bescheiden ich riskierenHier 'ne Danzjer SprachläxionHält sich wer fier sprachenkundichWunder wie in Deitsch wärsiert,Wird sein Wortschatz hier erst fundichDer Volländung zujefiehrt.Reich und plastisch, kurz und drastischUrjemietlich und jesundTut sich träffend (nie bombastisch)Danzjer Art im Volksmund kund.Kommt en dwatscher Zrohr mal her hier,Puhst sich auf und macht vleicht Schmus,Schon "Moin Gommas, kick, ei er dir!"Heert er fohrts als Danzjer Gruß.Ma scheniert und ziert nich groß sich,Nich am Schild, nich inne Ohr,Is wo'n Bowke eierbooßichBringt er mochumsch so dies vor:Seite 26„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-L"Leidack! Luntrus! Labs! Lachodder!Tullas und Labommelkreet!Woart, äck schmiet di glicks em Modder!Schaber nich und holle Freet!""Unnosljes Schorf, väfeierDir! Väzink dir Abselwat!Mach, daß wäch kemmst, sonst bescheierIch dir vleicht de Karbenad!"Also teent es laut furioso,Wänn ein Sohn Jedanias zirnt,Wo sich mit en Bochert wo soWejen ne Marjäll väzwirnt.Aber sinnich auch und innichTeent des Einjebornen Laut,Wänn en Motllauspucker minnichTraut der Braut im Auge schaut.Und mit sießer, schmeichelnd leiserInbrunst bringt er zart es raus:"Trautstes Zruchelchen! Mien Schleiser!Komm jibb en Machandel aus!" -Wo der Mottlau Wellen rauschenWeichselwärts am Heekertor,Kann ma Fillosofen lauschen,Voll beschaulichem Humor.Wo (den Pfriem im Munde) ruckweisTiefsinn eisern unjehemmt:"Korkle, spie molmang de Uckleys,Äck well kecke, ob et schwemmt!" -Tut der Fremdling weiterjehn,Wo's nach Eppel riecht und Fisch,Lärnt er glatt im HandumdrehenTausend Worte Danzjerisch!Seite 27„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWo ma mang de MottlauwogenDe Pomuchelnätze hängt,Wird vom fleißjen FilologenReichstes Wissensgut jeschänkt.Danzjer Fischfrau'n! En KapitelFier de Forschung riesengroß!Was ich hier davon vämittel,Is en kleines Nippchen bloß:"Scheene Flinderchens, Madamchen! -Olle Goy, puhst di nich op! -Ed'ard, komm doch mal mit's Tammchen,Jibb dem Labs hier oppen Kopp!Reicheraalkes, wolt' er ruscheln!Holt da wer dem Schien nich her?Nich daß nachher die benuschelnJehn tust anne Krantorfähr.Sonst mach sauber ich de Fleck dir!Duhnaskreet, nimm dir zusamm'!Nimm de Kiep, ställ inne Äck ihr! -Scheene Flinderchens, Madam!" -Staunend heert ma dem enormenDanzjer Sprachschatz ringsumher,hat doch solche AusdrucksformenWeder Sanskrit, noch Homer!Tja, der ollen HäldengriechenRednerruhm is glatt väwälkt,Dänn sie mißden sich väkriechen,Wänn ne Danzjer Fischfrau belkt!Weitres sei nu man väschwijen,Dänn sonst weer de Spannung gonn,Sälbst muß ma's zu heeren kriejen,Dänn sonst hat ma nuscht nich von.Seite 28„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAlso, wänn ihr klug und weise,Glaubt mir: keinem nich tut's leid:Jeht's von wejen Sommerreise,Danzich ruft! Ihr wisst Bescheid!Vieler Sorjen wird ma ledich,Tut als froher Gast ma ziehnFohrts nachs Nordische Venedich,Wo der Reicherflundern bliehn!Mach noch so wild ihm rings umtobenDer Gassenstreit im Spuck der Zeit,Ihm scheint jen hälles Turmlicht obenWie Leuchtturmglanz aus Ewigkeit!Er fiehlt im Härz, im sorjenmieden,Nei Glaubensmut und Hoffnungstrost:Der Sturmfahrt folcht der Hafenfrieden!Kopp hoch! Es wird all werden! Prost!Seite 29„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAdventsgedanken des Rentiers Franz Poguttke(Fritz Jänicke)Miteins aus dusteres Wolkendunkel,Aus sorjen und NovembernachtIs oben wieder mit JefunkelJen´ altvätrautes Licht äwacht.Scheint´s wieder heit von SankatrinenUnd Sankt Marien, is eins jewiss;Ganz deitlich sieht ma an de Mienen,Wer Danzjer und wer keiner is.Wer nich am Mottlaustrand jeborenUnd Danzich nich als Heimat kännt,Dem jeht im Großstadtkrach välorenLeicht dieser Fästklang zum Advänt.Er heert das nich mang das Krakehlen,Wo rum er scheddern tut und jeht,Dem ollen Danzjer mecht was fehlen,Wänn er das heit väseimen teet.Dänn bei die alten frommen LiederDa wird das Härz ihm wieder jung,Und mang de Altstadt jeht er wieder,Väsunken in Ärinnerung.Er lauscht, dick wird´s im in der Kehle,Er reispert sich und schluckt, tjaja,Dänn pletzlich steht ihm vor der SeeleSein altes Kindheitsdanzich da.Als noch auf Strassen nich und PlätzenKein Auto mochumsch brillt und schnarscht´,Und Weihnachtsbuden bunt von Schätzen,Sich zogen längs dem Kohlenmarcht.Und Jungens (tja, der HeimatkännerDenkt järn auch daran noch zurick)De Pflaumen- und de HampelmännerVäkauft: "En Dittchen Stick fier Stick!"Seite 30„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMa tat sich mang de Buden dricken,Staunt sehnsuchtsvoll die Wunder an,Kick: Sälbst dem blauen "Schien", dem dicken,Väkauft jen Jung en Flaumenmann!So zeicht beim alten Klang der LiederSich heit´manch Bild - es war einmal -,Heert ahmds der olle Danzjer wiederVom Turm hoch dem Adväntschoral.Er simmeliert und kann´s nich fassen,Wo bloss die Zeit, de Zeit bloss blieb,Seitdem er mang diesälben GassenAls kleiner Bowke rum sich trieb,So steht er da, de LockenfilleVäschwand, wie manches mehr väschwand,Und sinnend drickt er heimlich stilleIn seiner Hand die KinderhandUnd ob er noch son feiner Pinkel,Er steht, wo die Radaune rauscht,Andächtig innen Heiserwinkel,Kickt nach jen Turmlicht hoch und lauscht,Fiehlt allerlei Jedanken jehenIhm durch de Danzjer Seele hier;"Wie ich hier mit meinem Kind tu stehen,so stand mein Vater hier mit mir!"Mach noch so wild ihm rings umtobenDer Gassenstreit im Spuck der Zeit,Ihm scheint jen hälles Turmlicht obenWie Leuchtturmglanz aus Ewichkeit!Er fiehlt im Härz, im sorjenmieden,Nei Glaubensmut und Hoffnungstrost;Der Sturmfahrt folcht der Hafenfrieden!Kopp hoch! Es wird all werden!Prost!Seite 31„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMax HalbeMax Halbe wurde am 4. Oktober 1865 in Güttland bei Danzig geboren und starbam 30. November 1944 in Neuötting. Neben großen Theaterstücken verfasste erauch Romane und zwei Autobiografien. Seine heimatgeprägten Gedichte sind vonbesonderer Ausdruckskraft.Seite 32„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LGruß an die Heimat(Max Halbe)Mein Weichselgau!Mein Bernsteinland!Du heil'ge Auaus Gottes Handein Unterpfand.Du blonde FrauIm Brautgewandvon Meeresblauund Ährengold.Du Vaterlandsturmüberrannt,die Woge rollt.Verlor ich Dichfür immerdar?Du Kinderland,Du Unterpfand.Gewinn ich Dichmit greisem Haar,schwarzbraune Erde Du,zur letzten Ruh'?Geweihte Au!Mein Bernsteinstrand!Mein Weichselgau!Seite 33„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LJohannisabend(Max Halbe)Nun der Pfad sich abwärts wendet,Grüßt der Blick zum letzten Mal,Von der Höh zurück gesendet,Dich, mein Dorf, im Abendstrahl.Deiner Menschen, Schwatzen, LachenHör ich traumhaft noch herauf,Ihres Werktags SiebensachenGehen den gewohnten Lauf.Still! Die Hunde drunten kläffen,Wohl ein Fremder brach den Bann,Und die Kinder spotten, äffenNach dem heimatlosen Mann.Nebelgrau das Land, das weite,Dünner Rauch in Säulen steigt,Friedsam Abendruhgeläute,Sachter, sacht das Leben schweigt.Kühler streicht der Wind hier oben,Fröstelst leise vor der Nacht?Fest! Den Kragen hochgeschoben!Wandle unter Sternenpracht!Durch der Waldnacht BlätterschleierSieh! Die Funken düsterrot!Seid gegrüßt, Johannisfeuer,Von den Bergen aufgeloht!Jugendschatten abseits schleichen,Lichter wird die Dunkelheit,Deutet mir mit FlammenzeichenErnst des Lebens Sonnwendzeit.Seite 34„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHelene WestphalHelene Westphal war Lyrikerin, Dichterin, Schriftstellerin. Sie wurde geborenam 21.11.1884. Carl Lange sagte im Jahr 1930 in seinen "Ostdeutschen Monatsheften",aus ihrem Schaffen spräche die Schwere des Menschen nördlichen Landes.Sie und ihr reiches literarisches Schaffen wurde einem breiteren Leserkreisbekannt, als sie nach dem Krieg die bezaubernde Kindergeschichte"Kleine Dagmar" veröffentlichte.Seite 35„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAdlershorst(Helene Westphal)Hab hoch auf der ragenden Klippe gestanden,sah drunten die Wellen brechen und branden,seh' sie noch immer. Der alte Traumwirft seines Kleides rieselnden Saumimmer noch heimwärts.Kommt auf den breiten, rauschenden Wogen,wie von grauen Rossen gezogenmit weißen Mähnen Königin Schmerz.Senkst den Anker mit suchenden Händen,dass sie den ruhigen Hafen fänden,immer noch heimwärts.Über die schweigenden Tiefen da drunten,über die dunklen Grüfte tief untenfährt dein schillernder Muschelwagen,mit blutroten Tüchern ausgeschlagen,über mein Herz.Seite 36„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHeimat(Helene Westphal)Heimat, deine karge SchönheitWiegt die Fülle hier nicht auf.Deine harten MutterhändeLegten sich wie Segen auf.Deines Stromes graue WelleWar uns Lebensmelodie.Hier die bunte, leichte, helle,Liederfrohe singt sie nie.Nicht in bunter Tälerfalte,Nicht an krauser BergeshaldeHab ich Heimathauch verspürt –Heut im kargen KiefernwaldeHat er leis mich angerührt.Seite 37„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LSchicksal(Helene Westphal)Welle ist Schicksal – Menschen am Meer.Welle rollt Brandung weiß vor sich her.Krönender Schaum.Krone wird Traum.Welle zerschlägt.Aber der Rhythmus bewegtWeithin das wogende Meer.Seite 38„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LRobert ReinickDer Maler und Dichter wurde am 22. Februar 1805 in Danzig geboren. Er starbam 17. Februar 1852 in Dresden. Vor allem durch seine Bücher für die Jugendwurde er bekannt. Reinick schrieb außerdem über 100 Lieder, die alle vertontwurden.Seite 39„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LSonntagsfrühe(Robert Reinick)Aus den Tälern hör ich schallenGlockentöne, Festgesänge.Helle Sonnenblicke fallendurch die dunklen Buchengänge,Himmel ist von Glanz umflossen,heil'ger Friede rings umgossen.Durch die Felder still beglücketwallen Menschen allerwegen,frohen Kindern gleich geschmücket,gehn dem Vater sie entgegen,der auf goldner Saaten Wogensegnend kommt durchs Land gezogen.Wie so still die Bäche gleiten,wie so hell die Blumen blinken!Und aus fernen lichten Zeitenweht ein Grüße her, ein Winken.Ist's entschwundner Kindheit Mahnung?Ist es schöner Zukunft Ahnung?Seite 40„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LCarl LangeDer tief gläubige Carl Lange war ein etwas stillerer Zeitgenosse. Er gab die"Ostdeutschen Monatshefte" heraus, die von 1920-1939 erschienen. Anfangletzten Jahrhunderts wurde er mehrfach deutscher Tennismeister. 1902 kam eranlässlich eines Tennisspiels nach Zoppot und trat - weil ihm die Landschaft sogut gefiel - spontan in das 2. Westpreußische Fußartillerie-Regiment in Neufahrwasserein. Danach besuchte er als Offizier die Technische Hochschule in Langfuhr.1920 gründete er die Zeitschrift "Ostdeutsche Monatshefte", eine einzigartigeZeitschrift hinsichtlich der ostdeutschen (und natürlich Danziger) Kultur.Carl Lange hatte schon sehr frühzeitig Konflikte mit den Nazis und musste 1939seine Zeitschrift einstellen. Übrigens zwang ihn nicht die Zensur dazu - es gabandere Möglichkeiten: Es wurden im schlichtweg die Papierkontingente gestrichen.Im Juli 1945 musste er seine Villa in Oliva verlassen. 1950 wurde er in Wernigerode(DDR) inhaftiert und in Einzelhaft gesteckt. Nach Entlassung floh er nachBremen wo er am 30. Mai 1959 starb.Carl Lange hatte einen eigenen Stil. Seine Ausdrucksstärke und Einfühlsamkeitsind herausragend wie bei kaum einem anderen Danziger Lyriker.Seite 41„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWort und Tat(Carl Lange)Wie Du nach den Worten handelst,wie Du sie in Taten wandelst,das bestimmt des Lebens Wert.Helfen in des Herzens Nöten,Gutes Tun und nicht nur beten,auch bei dem, der’s nicht begehrt.Andrer Fehler übersehen,um in Liebe beizustehen,und zu lindern alle Pein.Leidende in Demut stützen,Darbende vor Elend schützen,auch dem Ärmsten Bruder sein.Seite 42„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHeimat(Carl Lange)Das ist die schönstealler Gaben,geborgen seinund eine Heimat zu haben.Seite 43„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LGeduld(Carl Lange)Geduld in allen Dingen,Herr, lass es wohl gelingenund schenk uns innre Kraft.Geduld im Planen, Hoffenlässt viele Tore offenund löst uns aus der Haft.Geduld in Liebe übenwird deinen Weg nicht trübenwie milder Sonnenschein.Geduld und ohne Hasten,in Stille einmal rasten,wird dir zum Segen sein.Geduld und still erwartenDie Knospen auch im Garten,sie harren ihrer Zeit.Gott wird dich recht schon lenken,Er fühlt dein Wollen, DenkenIn Freuden und in Leid.Seite 44„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHerz, sei ruhig...(Carl Lange)Herz, sei ruhig...Herz, sei stille,über Dir steht Gottes Wille.Er wird auch in harten Tagenunsre Lasten helfen tragenund des großen Leids gedenken,wird die unruhvollen Herzenhin zum innren Frieden lenken...Gläubig sollst Du ihm vertrauen,auf Ihn schauen,auf Ihn bauen -und es wir ein Morgen tagen.Deiner Zukunft Licht zu schenken...Herz sei ruhig,Herz sei stille,über Dir steht Gottes Wille.Seite 45„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAdventszeit(Carl Lange)Adventszeit, o du schöner Klang.In dir ist Freude, Duft und Dank.Erfülle uns mit deinem Schein,lass Licht in unsre Herzen ein,dass täglich heller in uns brenntder Kerzen Leuchten im Advent.Seite 46„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAbendfrieden(Carl Lange)Abend, lege Deine Händeleise... leise...auf mein kummervolles Haupt,habe auf der Lebensreisenicht geglaubt,dass sich so viel Wehe fände.Doch am Ende,da mein Letztes mir geraubt,lege Deine stillen Händeleise... leise...aufmeinHaupt.Seite 47„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LEin Stück Brot(Carl Lange)Wer einmal aß in bittrer Notals Balsam ein Stück trocken Brot,wird's nimmermehr vergessen...Die Brocken sammelst du danach,und wo ein Krümelchen noch lag,du hebst es auf, zu essen.Und bist du wieder bei dir Gast,gedenk, was du erduldet hast,an Hunger und Beschwerden...Besitzt du viel, so gib und schenk,die Allerärmsten auch bedenk, -so wird dir Freude werden.Seite 48„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMeeresgang(Carl Lange)Da liegt vor mir das endlos weite Meer...Ich breite meine Arme nach ihm aus:Erfüllte Wünsche trägt es zu mir her...Ich fühle wieder: hier bin ich zu Haus! -Die Stimme klingt, die fern aus Kinderzeitso lang verstummt. Und wie ein starker Stromsich Bahnen schafft, so klärt sich Leidund heiligt sich im großen Himmelsdom.Tief atme ich die klaren Lüfte ein:Ich fasse dieses Glückes Fülle nicht! -In meiner Seele ist ein Widerschein:Ich steh in einem Meer von Glanz und Licht!Seite 49„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDanzig(Carl Lange)Tief ist dem Leid verbundender Heimat schönes Land.Noch heilten nicht die Wunden,zerrissen ist das Band.In alt vertrauten Gassenwogt grau das Nebelmeer.Wer kann das Leid erfassen,die Schleier drücken schwer...Doch wie aus Turm und Torendie deutsche Seele spricht,so bleibt uns unverlorender Glaube an das Licht.Seite 50„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMein Heimatland(Carl Lange)Mein Heimatland! Mein Heimatland!Wie breitest Du die Flügel aus,die leuchtenden, die schirmenden,wie wohl ist mir im eignen Haus!Du dunkler Wald, du grünes Tal,du Himmel voller Farbenpracht,so hab ich oft in stiller Stundmich tief in dich hineingedacht.Nun bin ich ganz in dir erlöst,so innig, wie ich's nie empfand -und ach, ein Wunder ist es doch,mein Heimatland!Seite 51„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHalbinsel Hela(Carl Lange)Ein blauer Streifen Meer,ein weißer Streifen Sand,ein grüner Hügel Wald,verträumt...versonnen...ein Fischerdorf.Wolken darüber her,hinter den Dünen das Land.Kiefern und blühende Heidein tiefer Einsamkeit,verschwistert beide,fernab der Zeit.Seite 52„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDie Glocken von Danzig(Carl Lange)Hörst Du die Glocken, sprach ich zu dir leise,die fernen Glocken unserer lieben Stadt? –Wir waren still und lauschten ihrer Weise:Wie doch die Glocke eine Seele hat.Ist doch als ewger Gruß in uns gebliebenDas Spiel vom Rathaus und Sankt Katharin,Die stillen Stätten, die wir wahrhaft lieben,Des Meeres Rauschen und der Wälder blühn.Die schmalen Gassen… Giebel… alten ToreErscheinen uns als unvergänglich Bild,Das nun mit schwarzem Kreuz und TrauerfloreDie Sehnsucht unserer Herzen tief erfüllt.Sind auch verstummt der Glocken traute Lieder,Es tönt noch immer leise in uns nach…Sie einen uns in enger Freundschaft wiederIn all dem Leid und großen Ungemach.Hörst Du den Klang? Du nicktest still im Schweigen.Die Seele in die deine tief versank.Wie sie sich innig zueinander neigen…Es bleibt in uns der Glocken leiser Klang.Hörst du die Glocken?Seite 53„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMeeresleuchten(Carl Lange)Silberstreifen,Licht verschwendend,Die sich greifen.Nimmer endend! –In den Nächten ist's ein FlüsternWie von freundlichen Geschwistern...Wie die warmen, weichenWellen sich vergleichen,Heben .... steigen ....Fallen und sich neigen,Ständig wechselndUnd doch ewig gleich sich zeigen ....Immer rauschen neue Quellen,Neue Lieder in den Wellen,Immer wieder ....Meeresweben, - Wechsels Fülle, -Wanderleben, - Rausch und Stille, -Und im GrundeDoch der gleiche, doch der reiche,Lebensstarke Meeresklang.Weit darüber blüht ein Leben,hoch und ferne ....Und die Wolken und die SterneSpiegeln sich im tiefen Grunde.Seite 54„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWillibald Omansen (Omankowski)Der Dichter wurde am 24. März 1886 in Danzig geboren. Er war Kunst- und Theaterkritikerder Danziger Volksstimme und ließ sich nach dem Krieg in Berlin nieder.Seite 55„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LNacht an der Weichsel(Willibald Omankowski / Omansen)Nacht an der WeichselDer Tag sank in die Nacht hinein,für die der bleiche Vollmond blüht,vom Weichselkahn ein kleines Liedweint auf ... wird leiser ... und schläft ein.Aus schmaler Luke greift ein Lichtmit schlanken Fingern nach der Flutund wirft verliebt die goldne Glutdem Flusse in sein Nachtgesicht.Auf seinem schwarzen Seidentuchschläft Leib an Leib ein toter Wald, -Wildenten fliegen glanzbestrahlthinüber nach dem Weidenbruch.Und aus der Stille weitem Tormacht sich ein Wind mit Schluchzen auf,kräuselt des Flusses Silberlaufund klappert in das trockne Rohr.Da stehst Du ohne Wunsch und stumm,und fühlst wie etwas Dich zerbricht:Heimat zur Nacht! Wer liebt dich nicht!Wer dich nicht sah. - Mensch kehre um!Seite 56„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LIn der Peinkammer(Willibald Omankowski / Omansen)Willst du mehr wissen als das Buch,als der Führer dir sagt,lege das Ohr an den Stein! – horch, er klagt.Jeder Ziegel hier ist ein verwandelter Fluch.Warum das war, und wie es sich vollzog?Aus feuchten Mauerecken fälltDie Assel ab, es grinst das Schweigendich höhnisch an, - und riefst du alle Zeugenaus Gräbern auf, von denen jeder log,den Richter, der die weiche Formel bog, -du rührst nicht an den Jammern dieser Welt.Wardst du geboren unter gutem Stern?Kennst du den Schlüssel? Sprich den Spruch! Ein Manndarf solches wagen. Red ihn anden Stein wie Moses auf dem Berg den Herrn!Es könnte sein,dass du der Auserwählte bist,dem alle hundert Jahr erschließtzu flüchtger Zwiesprach sich der tote Stein.Seite 57„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LLothar WegnerMittag am Strande(Lothar Wegner)Blendendes FlimmernSteigt in die Höh,blauseiden schimmernHimmel und See.Schneeweißes Segelbrennt in der Glut,schneeweiße Möweträumt auf der Flut.Stille im Wasser,Stille am Strand,durch meine Fingerrieselt der Sand.Wogen der Seeund Wogen des Lichtshüllen mich ein -ich denke an nichts!Seite 58„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWalter SperlingDer nach dem Krieg nach Bad Tölz gezogene Dichter wurde am 25. April 1897 inElbing geboren. 1942 hatte er den Literaturpreis der Stadt Danzig erhalten. Erschrieb mehrere Romane, Jugendbücher und Hörspiele.Seite 59„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAbend am Haff(Walter Sperling)Ein Abend sinkt aufs HaffMit langen blauen Schatten,Und blasser SonnenglanzHuscht über grüne Matten.Das Licht des Tages scheidetAm schmalen NehrungsrandUnd küsst mit FeuerlippenDas schlafbereite Land.Am Röhricht schlägt die Dommel,Die Wildgans ruft im Traum,Ein Reiher streicht ermüdetzum nahen Weidensaum.Von Ferne klingen Glocken,ein Sternlein leuchtet auf,und FeierabendruheBeschließt den Tageslauf.Die Kampen rauschen leiseEin stilles Nachtgebet.Bald nahen Nebelkreise,vom Nachthauch hergeweht.Der Mond steigt auf am Steilhang,Am Ufer schläft ein Kahn,Und eine ZiegellommeZieht langsam ihre Bahn....Seite 60„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWalter FierusWalter Fierus ist 1923 geboren und stammt aus Groß Trampken/Danziger Höhe.Er verfasste einige nur im kleinen Kreis bekannte Gedichte über seine Heimat.Ich liebe dich!(Walter Fierus)Ich liebe dich, du Heimatstadt, und kann nicht von dir lassen.Denn immer öfter seh ich mich in den vertrauten Gassen.Ich meine, nach der langen Zeit, wie kann das denn nur sein?Gedenke ich der Jugendzeit, dann fällt mir Danzig ein.Das alles ist so lange her, mir kommt's wie gestern vor,ich stehe auf der Langen Brücke, und vor dem Kranentor.Ich schaue durch die Jopengasse, zum Turm von St. Marien,gewaltig ist das Gotteshaus, wir sollten niederknien.Die Beischläge so mancher Gassen, ich kenne sie von Danzig nur.Die können sich wohl sehen lassen, das ist doch Staunen pur.Die Langgasse, der Lange Markt, die Tore grün und gold,wie oft war ich bei euch zu Gast, hab Ehrfurcht euch gezollt.Beim Glockenspiel dort aus der Höhn, bricht ab der Menschen Schritt,ich bleibe auch ergriffen stehn, und lausch, und bete mit.Viel hundert Jahre brauchte man, das alles aufzurichten,viel Liebe für die Heimatstadt, nur Stunden zum Vernichten!Und auf dem Berg der Danz´ger Höhe, ich weit ins Land konnt seh´nMit seinen Wäldern groß und grün, und vielen blauen Seen.Ich liege am Mariensee und hör die Käfer summen,die fleißig ihren Nektar holen, von tausend schönen Blumen.Libellen auch, Hubschraubern gleich, sie schwirrten hin und her,Im klaren Bach Forellen stehn, mein Herz, was willst du mehr?Die Annemonen, Leberblümchen, und Maiglöckchen, mit süßem Duft,Ich brachte sie so manches Mal dem Opa auf die Gruft.Das alles kommt mir in den Sinn, das alles und viel mehr,wenn ich nicht mehr nach Danzig kann, wer gibt mir „Heimat"? Wer?Die Tränen halt ich nicht zurück, sie lindern meinen Schmerz,wenn ich nicht mal mehr weinen darf, dann bricht mein altes Herz.Seite 61„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LJohannes TrojanProf.Dr.phil. Johannes Trojan wurde am 14. August 1837 in Danzig geboren. Erstarb am 21. November 1915 in Rostock. Von 1886 bis 1909 war er Redakteur desKladderadatsch. Trojan saß wegen „Pressevergehen“ in Weichselmünder Festungshaft.Seite 62„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMorgengruß an den vergeblich kommenden Gerichtsvollzieher(Johannes Trojan)Ich weiß, du kommst, um mich zu pfänden,eiserner Scherge des Gerichts.Ich kenn die Männer, die Dich senden,doch diese Männer kriegen nichts.Zwar Dein Bestreben scheint mir löblich:Pflichteifer treibt so früh Dich her,doch glaub mir, Freund, Du kommst vergeblich,denn hier ist alles öd und leer.Sieh hier ehmal´gen Reichtums Resteein Portmonnaie mit nichts darin.Dort an der Tür hängt eine Weste,wenn sie Dir steht, dann nimm sie hin.Sonst bieten nichts Dir diese Räume.die suchend jetzt Dein Blick durchirrt,denn Stiefelknecht und Gummibäumegehören meinem Zimmerwirt.Du siehst, hier ist nichts fortzuschleppen,mich dauert, dass Du Dich bemüht,Es sind so unbequeme Treppen,geh hin, wo Pracht und Luxus blüht.Noch ist es früh, genieß den Morgen,was nutzt es, dass Du länger weilst.Doch kannst Du Freund, mir etwas borgen,so tu´s eh Du von dannen eilst.Seite 63„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDie liebe Not(Johannes Trojan)Warum die Not wird lieb genannt,das war mir lange unbekannt,bis ich's von einer Frau erfahren.Es war umringt von Kindern sie,die all noch hilfsbedürftig waren.Und einer meinte, viele Mühmüsst sie doch haben mit der kleinen Schar."Ja", sagte sie und ihre Mienenerhellten sich, "ja, es ist wahr,ich habe meine liebe Not mit ihnen."Seite 64„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDas große Brot(Johannes Trojan)Vom Bäcker kommt ein Brot ins Haus,ein Brot, das ist so groß!Die Mutter, die sieht fröhlich ausund schneidet frisch drauflos.Die Kinder stehn all um sie her,und jedes heischt sein Teil;wenn eins gefragt wird: „Willst noch mehr?",dann sagt es ja in Eil'.Die Mutter hat nicht wenig Müh',sie schneidet Stück für Stück,am Ende aber bleibt für sieein Käntlein doch zurück.Die Mutter spricht: „Lasst froh uns sein,dass wir nicht leiden Not!Wo soviel Münder sind, wie kleinwird rasch ein großes Brot!Gib, Gott, dass überall wie hierEs reicht, bis alle satt,dass jede Mutter auch gleich mirzuletzt ihr Käntlein hat.“Seite 65„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDuchen(Johannes Trojan)In der Großstadt durch die Mengeging ich hin in dem Gedrängejüngst auf einem eil'gen Gang,als es in das Ohr mir klang:„Hör mal, Duchen!“Wer so sprach, gleich nahm ich's wahr,just vorüberging ein Paar,Mann und Frau, an mir, zum Mannsprach die Frau, die so begann:„Hör mal, Duchen!“„Duchen“ - gleich füg ich's hinzuist Verkleinerung von „Du“.Also drückt man gern sich aus,wo mir stand mein Vaterhaus,oben an dem Ostseestrande,dort in meinem Heimatlande,wo der Menschen Spracheso traulich klingt wie nirgendwosonst auf Gottes weiter Welt,und mir drum so sehr gefällt.Dorther müssen sein die zwei,dacht' ich, die da gehn vorbeiAugenblicklich vor mir standmein geliebtes Heimatland,Korngefilde, Meer und Waldund die Stadt, ehrwürdig alt,alles hell im Sonnenlichtund manch liebes Angesicht.Alles dieses nahm ich wahr,und als lange schon das Paarim Gedränge sich verloren,klang es noch mir in den Ohren:„Hör mal, Duchen!“Seite 66„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMein Goldchen(Johannes Trojan)In meiner Heimat ist ein Wort,das gern stets wird vernommen dort.Wer es vernimmt, den macht es froh,dies traute Wort, es lautet so:„Mein Goldchen!“Dort oben an dem Ostseestrandwird, was man gern sieht, so genannt.Was lieb man hat, das redet manmit diesem Schmeichelwörtchen an:„Mein Goldchen!“Nicht dabei an das gedacht,was uns so selten glücklich macht.Wenn nur von dem Metall man spricht,sagt man: mein Gold! wohl aber nicht:„Mein Goldchen!“Es ist ja doch ein Menschenkind,das diesen Namen sich gewinnt.Zu dem sagt einer, der ihm hold,weil echt es ist und rein wie Gold:„Mein Goldchen!“Gewöhnlich hat’s ein Augenpaar,das freundlich blickt und hell und klar,dazu ein Herz, das treulich schlägt,so ist’s was man zu sagen pflegt:„Mein Goldchen!“Es ist ja nur ein kleines Wort,doch klingt’s durch viele Jahre fort,und gar zu lieblich klingt es doch,mir ist’s manchmal, als hört ich’s noch:„Mein Goldchen!“Seite 67„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDer Bowke(Johannes Trojan)Denk' Danzig ich, der Vaterstadt,die soviel trautes an sich hat,dann immer ins Gedächtnis kommtmir wieder, im Erscheinen prompt,der Bowke.Der Bowke ist ein pfiff'ger Wicht,besser ist's, man traut ihm nicht.Er bummelt gern umher und glaubt,ein jeder Kniff sei ihm erlaubt,dem Bowke.Doch ist der Danz'ger Bowke auchein Schmeichelwort im Sprachgebrauch,wie es "du Schelm!" heißt anderwärtssagt man zum Kinde dort im Scherz:"du Bowke!"O war das nett und klang so süß,wenn man als Kind ein Bowke hieß!Ich wollt', ich würde wieder klein,nur, um dann einmal noch zu seinein Bowke.Seite 68„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LPaul EnderlingGeboren am 22. April 1880 in Danzig und gestorben am 16. Januar 1938 in Stuttgart.Er schrieb Romane, Erzählungen und Schauspiele und übersetzte japanischeNovellen und Gedichte. Einige seiner Romane sind: "Am Fuße des Berges"(1912), ein Berliner Bohème-Roman; "Zwischen Tat und Traum" (1913), ein HamburgerRoman; "Fräulein" (1920), ein Danziger Roman. Enderling ist auch derDichter der Danziger Hymne "Das ist die Stadt am Bernsteinstrand".Seite 69„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LKennst du die Stadt? / Danziger Heimatlied(Paul Enderling)Kennst du die Stadt am Bernsteinstrand,umgrünt von ew’ger Wälder Band,wo schlanke Giebel streben,empor zum Sonnenschein?Ja, sollt ich fröhlich leben,in Danzig müsst es sein.Kennst du die Stadt, wo Turm an Turmin Treue trotzt dem Zeitensturm,wo stolze Schiffe gleitenins blaue Meer hinein?Ja, sollt ich tapfer streiten,für Danzig müsst es sein.Kennst du die Stadt, wo deutsche Artvoll Kraft und Mut ihr Gut bewahrt,wo deutsch die Glocken werben,und deutsch ein jeder Stein?Ja, sollt ich selig sterben,in Danzig müsst es sein!Seite 70„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHeimkehr nach Danzig(Johannes Trojan)Aus der dunklen Wolkenhülleklingen silberhelle Glockenin die tiefe Abendstille.Und mein Herz ist so erschrocken!Langsam meinen Sinn umspinnenalte, liebe Melodienvon des alten Ratsturms Zinnen.Und nun klingt's von Sankt Marienwo die wachen Sinne schweifen -Klang und Wohllaut ohne Ende.Und nach meinen Händen greifenweiche, warme Heimathände.Seite 71„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWerner BergengrünKaschubisches Weihnachtslied(Werner Bergengrün)Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,Wärst du, Kindchen, doch bei uns geblieben!Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen,Wärst auf Daunen weich gebettet worden.Nimmer wärst du in den Stall gekommen,Dicht am Ofen stünde warm dein Bettchen,Der Herr Pfarrer käme selbst gelaufen,Dich und deine Mutter zu verehren.Kindchen, wie wir dich gekleidet hätten!Müsstest eine Schaffellmütze tragen,Blauen Mantel von kaschubischem Tuche,Pelzgefüttert und mit Bänderschleifen.Hätten dir den eignen Gurt gegeben,Rote Schuhchen für die kleinen Füße,Fest und blank mit Nägelchen beschlagen,Kindchen, wie wir dich gekleidet hätten !Kindchen, wie wir dich gefüttert hätten !Früh am Morgen weißes Brot mit Honig,Frische Butter, wunderweiches Schmorfleisch,Mittags Gerstengrütze, gelbe Tunke,Gänsefleisch und Kuttelfleck mit Ingwer,Fette Wurst und goldnen Eierkuchen,Krug um Krug das starke Bier aus Putzig.Kindchen, wie wir dich gefüttert hätten !Und wie wir das Herz dir schenken wollten !Sieh, wir wären alle fromm geworden,Alle Knie würden sich dir beugen,Alle Füße Himmelwege gehen.Niemals würde eine Scheune brennen,Sonntags nie ein trunkner Schädel bluten-Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,Wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren!Seite 72„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LJoseph von Eichendorff (1788-1857)Joseph Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 in Schloss Lubewitzbei Ratibor geboren. Er starb am 26. November 1857 in Neisse. 1821 wurde erzum katholischen Kirchen- und Schulrat in Danzig ernannt. Dort rühmte er dieStadt Danzig in einigen Gedichten, die sie unsterblich machten.Seite 73„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LIn Danzig(Joseph von Eichendorff)Dunkle Giebel, hohe Fenster,Türme tief aus Nebeln sehn,Bleiche Statuen wie GespensterLautlos an den Türen stehn.Träumerisch der Mond drauf scheinet,Dem die Stadt gar wohl gefällt,Als läg zauberhaft versteinetDrunten eine MärchenweltRings her durch das tiefe Lauschen,Über alle Häuser weit,Nur des Meeres fernes Rauschen -Wunderbare Einsamkeit!Und der Türmer wie vor JahrenSinget ein uraltes Lied:Wolle Gott den Schiffer wahren,Der bei Nacht vorüberzieht!Seite 74„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWeihnachten(Joseph von Eichendorff)Markt und Straßen stehn verlassen,still erleuchtet jedes Haus,Sinnend' geh ich durch die Gassen,alles sieht so festlich aus.An den Fenstern haben Frauenbuntes Spielzeug fromm geschmückt,Tausend Kindlein stehn und schauen,sind so wunderstill beglückt.Und ich wandre aus den MauernBis hinaus ins freie Feld,Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!Wie so weit und still die Welt!Sterne hoch die Kreise schlingen,Aus des Schnees EinsamkeitSteigt's wie wunderbares Singen-O du gnadenreiche Zeit!Seite 75„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMondnacht(Joseph von Eichendorff)Es war, als hätt der HimmelDie Erde still geküsst,Dass sie im BlütenschimmerVon ihm nun träumen müsst.Die Luft ging durch die Felder,Die Ähren wogten sacht,Es rauschten leis die Wälder,So sternklar war die Nacht.Und meine Seele spannteWeit ihre Flügel aus,Flog durch die stillen Lande,Als flöge sie nach Haus.Seite 76„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LFriedrich GüllDer Dichter wurde am 1. April 1812 in Ansbach geboren, er starb am 24. Dezember1879 in München. Er war zeitlebens nicht in Danzig gewesen, aber seineKindergedichte waren auch dort bekannt.Vom Büblein auf dem Eis(Friedrich Güll)Gefroren hat es heuer, noch gar kein festes Eis.Das Büblein steht am Weiher und spricht so zu sich leis:Ich will es einmal wagen, das Eis, es muss doch tragen.Wer weiß?Das Büblein stampft und hacket, mit seinem Stiefelein,das Eis auf einmal knacket, und Krach! Schon bricht’s hinein.Das Büblein platscht und krabbelt, als wie ein Krebs und zappeltmit Schreien.O helft, ich muss versinken, in lauter Eis und Schnee!O helft, ich muss ertrinken, im tiefen, tiefen See!Wär nicht ein Mann gekommen, der sich ein Herz genommen,o weh!Der packt es bei dem Schopfe und zieht es dann heraus,vom Fuß bis zu dem Kopfe wie eine Wassermaus.Das Büblein hat getropfet, der Vater hats geklopfet,zu Haus.Seite 77„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHans-Joachim DyckHans-Joachim Dyck wurde in Neumünsterberg bei Danzig geboren. Von ihmstammen zahlreiche mundartliche Gedichte.Mein kleiner Hund(Hans-Joachim Dyck)Ich hab zu Haus 'nen kleinen Hund,der schläft mang meine Hiehner,am Koppche is er Dackelmops.am Zagel Bernhardiner.Er is all alt und hört nuscht mehrund schielt auf beide Augen,drum is er ja auch eigentlichzu nuscht mehr zu jebrauchen.Wie Härrlich kann er ieber Kreizmit seinen Augen gliddern,drum lieb ich auch mein Hundche sehrund tu ihm gut betiddern.Das is de einzje Eigenschaftwo was an ihm tut taugen,was andre mit de Fieße tundas kann er mit de Augen.Vor bald 'nem Jahr da wollt ich malihm in de Augen kicken,ich ränkt ma bald de Augen aus,es wollt und wollt nich glicken.Ich aber ließ nich nach und iebt,und da zu meiner Freide -hätt ich mit ein den Bogen raus!Nu schieln wä alle beide.Seite 78„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LO.E. SattlerOfenbank(O.E. Sattler)Es schneite oft die ganze Nachtund stundenlang und tagelang,da war der allerschönste Platzbeim Omchen auf der Ofenbank.Das ganze Land war zuckerweiß,die Flocken tanzten rings ums Hausim Schnee versank der letzte Zaun,da fiel sogar die Schule aus.Es roch nach frischem Bauernbrot,nach Äpfeln, Kien und Pflaumenmus,das Omchen schürte ihren Herdund sprach "Ta Hus ös doch to Hus."Wer fleißig wie das Omchen war,der suchte Holz im Sommerwald,der hatte es im Winter warmund war es draußen noch so kalt.Seite 79„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LBruno PompeckiBruno Pompecki wurde am 7. April 1880 in Schwetz geboren, arbeitete als Oberlehrerin Oliva und starb dort am 4. April 1922.Im Werder rauschen die Weidenregenverschleiert und matt,Wolken wie lastende Leidengeh'n über die graue Stadt...Das Land ertrinkt im Schweigen -aus den Kämpen, von Schwermut voll,da klingt's wie von dunklen Geigenin weichem Moll...Stromüber weht eine Weise,die Traum und Sehnsucht vereint,als ob eine Seele leisenach innen weint...Seite 80„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMartin DamßMartin Damß wurde am 25. Juni 1910 in Danzig geboren, Er war ein wortgewaltiger,trotzdem aber einfühlsamer Lyriker. 1939 veröffentlichte er einen eigenenGedichtband: „An dem großen Strom“. Damß drückte seine tiefe Sympathie fürdie neuen Machthaber in zahlreichen Gedichten mit großem Pathos aus. Sein Gesamtwerkwird durch diese unkritische Nähe überschattet. Nach dem Krieg warer entwurzelt, schrieb aber weiterhin tief beeindruckende Gedichte. Er starbam 19. 10. 1962 in Bonn.Seite 81„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LGebet(Martin Damß)So ich, o Herr, denn muss zugrunde gehen,zerbrochen, krank, ein Spiel und Spott der Welt,Lass mich noch einmal meine Heimat sehen,Eh´ mir der Hammer aus den Händen fällt.Lass mich das Land, den hohen Himmel schauen,Der nirgends sonst so hell und heilig ist.Zeig mir den Strom, die gold´nen Weichselauen,Wo ich gelebt, gelacht, geweint, geküsst.Das schmale Haus, darin ich einst geboren,Und klein und blass und Kind gewesen bin.Führ mich im Traum zu den versunk´nen TorenUnd zu den Märchen meiner Jugend hin.Die Brunnen lass, die blaue Brandung rauschen,Die grünen Linden und das Mühlenrad.Lass mich im Korn dem Lied der Lerchen lauschen,Den dunklen Glocken über Dorf und Stadt.Gib einen Tag, ein Herz nach meinem Herzen,Und eine Handvoll blanker Sterne dann,Und zünde nachts an ihrem Licht wie KerzenDie alten Türme überm Hafen an.Vergess'nen Freunden will ich noch begegnenDort auf dem Hügel, wo die Kreuze sind.Und Faust und Pflug und Netz und Wiege segnenUnd jeden Halm und jedes Gras im Wind.Und niederknien und aus den Händen schlürfenDen Tau der Welt. Und danken dem Geschick,Dass ich hier einmal habe leben dürfen,Dass ich den Weg nach Hause fand zurück.Dann sende mir, wie einer morschen ErleAm See den Blitz. Grab mich im Sande ein.Lass meine letzte Träne eine PerleAm Mantelsaum der lieben Heimat sein.Seite 82„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAn dem großen Strom(Martin Damß)An dem großen Strom liegt meine Heimat,an dem großen Strom, es ist die Weichsel.Dort bin ich geboren und gewachsen,einmal will ich an dem großen Strom auch sterben.Wenn der Frühling aus dem warmen Südenmit dem Eisgang an die Ostsee reitet,fliegt der schattengrüne Weichselvogelvon der Mündung bis zu den Karpaten.Auf und nieder, immer auf und nieder.Niemand fand bis heute seine Federn,aber seine roten Augen leuchtenwie zwei kleine warnende Laternen.Und ich nehme rasch mit meinen BrüdernAxt und Stangen, um den Deich zu schützen.In den Nächten zittern dann die Uferund die Herzen unsrer lieben Frauen.Aber später fahre ich alleinein dem breiten Kahn hinaus aufs Wasser.Netz und Angel hab' ich ausgeworfen,um den starken Silberlachs zu fangen.Abends rauche ich die kurze Pfeife,schaue in die Ferne, in den Himmel,in die Wolken, die nach Norden wandern,wo die Bären durch das Eismeer schwimmen.Ja, so sitze ich vor meiner Kate,und ich träume an der stillen Weichsel.Kommt der Sommer, kommen heiße Tage.In der Räucherkammer brennt das Feuer.Hecht und Karpfen stehen in den Buchtenregungslos wie gold betupfte Äste.Seite 83„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LUnd ich singe laut am hellen Morgenfroh gestimmt zur Ehre meiner Heimat.Weit entfernt sind von dem Strom die Kirchen,und so sing ich auch zur Ehre Gottes.Weht der Herbstwind durch die braunen Garne,weiß ich, wird nun bald der Winter kommen.Längst schon habe ich das Schilf geschnittenund die glatten, grünen Weidenzweige.Einsam ist im Winterschlaf die Weichsel,aber niemals kann ich sie verlassen.Unter ihrer frostbesternten Deckefließt das schwere, heilige Blut der Ahnen.So vergeht die Zeit und so das Leben.Und ich altre wie die Weidenbäume,die vor meinem blanken Fenster stehen.Junge Triebe wurzeln in den Stämmen.Bin ich tot, dann werden andre lebenan dem großen Strom in meiner Heimat.Dort sind sie geboren und gewachsen,einmal werden sie, wie ich, dort sterben.Seite 84„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDer Hoffnung Stern(Martin Damß)Der Hoffnung Stern schien unsrer Fahrt,die bunten Flaggen wehten,die Blumen blühen gelb und zart,Vergangenheit und Gegenwartsind vor uns hingetreten.Der Wind blies in das Segel leis,der Schiffer stand am Steuer,die Wogen rollten blau und weißso fuhren wir im Mittagskreisdurch Wasserflut und Feuer.Der Abend kam, die Nacht verging,wir landeten im Hafen.An unsern Mast gebunden hingder Stern im schwarzen Lampenring.Wir durften glücklich schlafen.Und stießen wieder ab vom Land,Wind drohte, Eis und Regen.Wir hielten fest uns bei der Handund über unsern Häuptern standder Hoffnung Stern allwegen.Wir stiegen ein, wir stiegen aus,der Stern ist uns geblieben.Am Ruder blüht ein voller Strauss,den nehmen wir einst mir nach Hauszu denen, die uns lieben.Schon währt die Reise Jahr um Jahr,gepriesen sei das Leben.Wie war doch alles wunderbar,die goldne Sonne bleicht das Haar,kein End ist uns gegeben.Seite 85„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWir werden alt und jung im Grund,schon grüßt aus ihrem Nachender Kinder Hand. Es singt ihr Mund,auf ihren Scheiteln blühen buntdie Blumen, die wir brachen.Wir sehn der Hoffnung hellen Sternzu Häuptern ihnen blinken.Schon grüßt auch ihren Bord von fernein neues Schiff. Wir sehen's gernund winken, winken, winken.Seite 86„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAbendlied(Martin Damß)Nun will es Abend werdenso stille ist die WeltDer Himmel und auf Erdenist alles wohlbestellt.Der Mond geht auf die Reise,versilbert Turm und Dach,und rollt vom Berge leiseder goldenen Sonne nach.Und nur die Nebel tauschenam Brunnen ihr Gewand,und ferne Wasser rauschenund strömen durch das Land.Seite 87„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LSeemannslied(Martin Damß)Der blaue Peter weht im Wind,Rauch macht den Himmel trübe.Ade, Du heiß geliebtes Kind,Und wein Dir nicht die Äuglein blind,Mein Schiff heißt "Alte Liebe".Und alte Liebe rostet nicht,Wenn auch auf fremden MeerenDer Mastbaum und das Ruder bricht.Wisch Dir die Tränen vom Gesicht,Die Lieb wird wiederkehren.Und bin ich auch nicht mehr an Bord,Wenn unsre Fahrt zu Ende,Dann denke nicht, ich bliebe fort,Ein Seemann hält sein SeemannswortTrotz Sturm und Schicksalswende.Fegt mich der Wind auch über Lee,Ich kehre einmal wiederAuf einem Schoner, weiß wie Schnee,Und werfe draußen auf der SeeDen schwarzen Anker nieder.Dann nimm Dir Deines Bruders BootUnd fahre mir entgegen,Eh noch drei Funken MorgenrotAuf Großbaum, Segeltuch und SchotDen Tagesschimmer legen.Wenn wir an Bord uns wiedersehn,Dann sollst Du nicht erschreckenSiehst Du den blauen Peter wehn.Ich will als großer KapitänMit Dir die Welt entdecken.Ade, mein Kind, die Fahrt muss sein,Hoch ist des Himmels Bläue.Grüß mir mein altes Mütterlein,Und pflück Dir ein VergißnichtmeinZum Zeichen meiner Treue.Seite 88„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMein Bängelchen(Martin Damß)Nu schlaf, mein Jungchen, schlaf' ma scheenUnd mach de Augchens dicht,Dass eins nich kännd' es andre sehn.Ich pust' all aus'es Licht.Der Seejer tickt, de Fußbank knackt -Nu werd' man nich nävjees.Hättst dich auch hibsch de Fräss belackt,Ich bin dich gar nich bees.Mein Zruchelchen,Mein Stuchelchen,Mein kleiner Stänkerkäs.Nu hättst mich noch de Blus' bepullt,De Lutsch is auch besaut.Ich dachd', du warst all einjelullt,Na, bälk ma nich so laut.Ich wisch dir abNu treim'a sießVon Aff und TeddybärUnd vonne Krantorfähr.Mein Limmelchen,Mein Himmelchen,Mein kleines Stick Malleer.Nu schlaf, mein Danzjer Dittchen, schlafUnd mach de Ritzchens zuUnd bleek nich wie so'n dwatsches Schaf,Wenn ich dir lejen tu.Ich bleib ja hier, ich jeh nicht fort,Ich mach de Flasch dich warm,Doch mach mich nich nochmal so'n SportWie erst auf meinem Arm.Mein Kieterchen,Mein Schieterchen,Mein kleiner Flussschändarm.Seite 89„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LBelach de Blus', belach de Schirz;Das macht ja nuscht nich. Weisst,Rochs auch nich immer nach Jewirz,Mich rochst nach Nälken meist.War nie väkehrt, war nie nich schlimm -So - Dubbschen is all blank.Nu puhl dich nich mehr inne JimmUnd werd' mich bloss nich krank.Mein Schuckerchen,Mein Zuckerchen,Mein Härzchen von Brabank.De Zeit väjeht, bald bist mich groß.Ich wer' ne olle Geu.Dänn kräufst mich nich mehr auffem Schoß,Kräufst andere inne Käu.Dänn fährst mich nach AmerikaUnd wirst mich Admiroal,Und ich huck da und dänk: ach ja,Ach ja, es war een moal.Mein Schlabberchen,Mein Sabberchen,Mein kleiner Danzjer Koal.Kämmd' allens wie es kommen muss,De Sonnchen und der Mond.De Hauptsach is, dass sich zum SchlussDer ganze Schiet jelohnt.Nu werd' ich sälberst aasich mied.ich jeb'de Wiej' en Schubbs.Zu Änd is nu mein Wiejenlied.Da Kämmd de Sandmann. Schwubbs.Mein Ängelchen,Mein Bängelchen,Mein kleiner Ruscheldubbs.Seite 90„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LImmerfort im Kreise(Martin Damß)Immer gehen wir im Kreiseinsam durch die Jahre.Waren jung und wurden weiß,gestern Kind und heute Greis.Morgen auf die Bahre.Gehn dahin mit leerem Blick,immer in die Runde.Fanden Leid und suchten Glück,gehn voran und gehn zurück,Tag und Stund um Stunde.Gehn verlassen durch die Welttreibend und getrieben.Ernten Unkraut auf dem Feld,sammeln Scherben, raffen Geld,sind so arm geblieben.Hatten Haus und Hof und Gutist wie Rauch verflogen.Waren böse, nanntens gut,waren feig und hatten Mut,haben Gott betrogen.Hatten Liebe, Weib und Kind,hatten Brot und Sterne.Waren sehend, wurden blind,wissen nicht mehr wo wir sindin ergrauter Ferne.Waren jung und wurden alt,haben uns verlorentief im dicht verschneiten Wald,sinken hin und sterben bald,nackt, wie wir geboren.Wissen nichts, und reden viel.Werden endlich leise.Staubes Lust und Windes Spiel,ohne Anfang, ohne Ziel,immerfort im Kreise.Seite 91„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWeichsellied(Martin Damß)Draußen treibt der Strom das Eis,und die Schollen krachen.Schnee macht Dach und Schwelle weiß,lass mich nun mit Scheit und Reisschnell ein Feuer machen.Horch, die alte Weichsel bringtTod und dunkle Kunde.Deck dich zu, die Flamme springtprasselnd aus dem Holz und singtLeben dieser Stunde.Vor dem Feuer breit ich warmeine Bärendecke.Leg den Kopf in meinen Arm,ruh dich aus, wir sind nicht armin der Ofenecke,Draußen weht ein kalter Wind,hungernd stehn die Tiere.Sorg, dass unser liebes Kindnicht in deinem Leibe blindvor der Zeit erfriere.Tief in deinem MutterblutWächst das Korn zur Ähre.Schlafe, kleine Mutter, gut,sieh, ich wache, dass die Flutdeinen Schlaf nicht störe.Dass der Frost nicht deinen Leib,deinen Schoß bereife.Schlafe, schlafe nun und bleibauch im Traum mein liebes Weib,wärme dich und reife.Meine große Hand bedachtleise all dein Blühen,das in dieser Winternachtheilig ist in dir erwachtund aus dir gediehen.Seite 92„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LMein Härzchen, Poppärzchen(Martin Damß)Mein Härzchen,Poppärzchen,was huckst hier im Stroh?Die Beinchen,die Kleinchen,die frieren dich so.Die Zeh'chen,o weh'chen,die sind dich ganz klamm,die Ohrchen,wie'n Mohrchen,so blau und so stramm.Mein Tutchen,mein Schnutchen,was hättst inne Bix?Ein Kirstchen?Ein Wirstchen?Nanu aber fix.Ich hauch dirdem Bauch dir,de Backchen, de Bein,sing: Schuusche,partuusche,mein Goldchen, schlaf ein.Am Himmelzwei Schimmelvorm Wagchen jespannt,da kluckertund zuckertim Kasten der Sand.Zwei Körnchen,zwei Stärnchen,die fallen herab.Seite 93„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LUnd liejenwie Fliejenbei dich inne Klapp.Ein Lichtchen,ein Wichtchen,die halten die Wacht,und flisternund knisternund knastern: Gut Nacht.Seite 94„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LUrsula LehmanHeimatsprache(Ursula Lehman)Heimatsprache klingt so traut,ist angeborenund wie immer sie auch laut´t,man hat sich ihr verschworen.Unsre klang besonders schön,ich kann es nicht verhehlen,lasst uns mal nach Danzig gehn,ich will von ihr erzählen:"Der Mann sprach nicht von einem Weib,das Mannchen sprach vom Weibchen,Mutter zog an dem Kind kein Kleid,Muttchen zog an ein Kleidchenund war´s kein Kleid, dann war´s ein Rock,ach, nein, es war ein Röckchen,hatte der Trotzkopf einen Bock?Trotzköpfchen hatt´ ´nen Böckchen,die Zöpfe zierten keine SchleifenZöpfen bekamen Schleifchen,wir Kinder spielten niemals "Greifen",nein, nein, wir nannten´s "Greifchen",auch sprangen wir im Hof nicht "Hops"mitnichten, es war "Hops-chen",wir aßen nicht gebratenen Klops,wir aßen unsre Klops-chen,im Topf, da kochte nicht die Suppe,im Töpfchen kocht das Süppchen,Frieda nicht spielte mit der Puppe,für Friedchen war´s das Püppchen,´ne Schnalle hatte nicht der Schuh,´n Schnallchen hatt das Schühchen,der Danziger sagt nicht einfach "Du"Ihr wisst schon es heisst "Du-chen"der kleine Bub, mit Namen Franz,gerufen wurd er : "Franzchen"Seite 95„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-Lund auch sein Freund, der blonde Hans,stets war er nur das: "Hans-chen",Ja, das war unsre Heimatsprachín unserm schönen Städtchen,sie klingt heut noch in mir nach,in mir, dem Danz´ger Mädchen,und höre in der Fremde ich,vertraute Heimatwortchen,dann sehne, ja, dann sehn´ ich michnach meinem Heimatortchen.Seite 96„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LJosef LauffDanzig(Josef Lauff)Weite Speicher, Spriet und Stengen,bunt gewimpelte Geschwader,lange Zeilen Klinkergiebel,leichtgefügt mit Tor und Beischlag,Brunnen, Fratzen, Wasserspeier,enge Gassen, weite Märkte,querdurchspült von der Radaune,also steigt am Strand der WeichselDanzig auf, des deutschen Nordensglanzumstrahlte Königin!Wenn ihr Danzig nicht gesehen,o, dann greift zum Wanderstabe!Preußens Wälder hört ihr rauschen:Buchenwälder, Tannenwälder,Adlerschrei und Möwenzüge,Hela winkt, es blaut die Meerflut,und am Strande blitzt der BernsteinSeite 97„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHelmut KleinHeimatlaute(Helmut Klein)Wo der Mottlau Wellen rauschen,konnt man Heimatklängen lauschen,urgemütlich, amüsant,-einst daheim im Danziger Land.Viele Wortchen während dessensind entschwunden, teils vergessen,überaltert, angegraut;die noch damals so vertraut.Ein "Bowke" hier erinnert sichan Ausdrücke, sehr heimatlich:So zog, ne Flunsch, wer gnaddrig war,glubsch, bocksch, gnatzig offenbar.Wer Wippchen machte, machte Quatsch,und wer blöde, der war dwatsch.Wenns pladdert, regnet es ganz stark.Der Gulden war dereinst die Mark.Zagel hieß der Schwanz vom Hund,wem’s missrig ging, war nicht gesund.Tullas ist ein schlechter Kerl,und die Schlunz ein schlampig Girl.Poplig, sagte man ist der,wer geizig oder knausrig sehr.Stachlinski ist ein Fisch, ein kleiner,der Schubiak ein hundsgemeiner.Pischer ein kleiner Junge war,ne Pischkachel ein Mädchen garund ein Ruscheldups alsdannein Kind, das nicht stillsitzen kann.Dubbas, allen wohlbekannt,war ein großer Gegenstand.Ein Fitzchen ist ne Kleinigkeitund wer schucker, nicht gescheit.Serviette war ein Sabberlatz,Quartierchen ein klein Mengchen Schnaps.Seite 98„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LLatsch ist ein Pantoffelschuh,Schlotte sagt man auch dazu,Der Kopf ein Däz, ein Dassel war,Wonzen sagte man zum Haar.Karbuff, das ist ein kleiner Raum.Gedärme nannte man Kaldaun.Ein schäbiger Mensch war ein Flamieser.Ein Leschak ebenfalls ein mieserDie kleine Birne, sie hieß Kruschke,und der Tannenzapfen Schuschke.Plurk ein schlechter Kaffee ist'Schienchen hieß der Polizist.Der Duhnas war sternhagelvoll,hat die Schlorren reichlich voll.Zum Nuckel sagte man schlicht Luller,rufgierig sehr war der Rachuller.Chemisett ein Vorhemd war,und "nuscht" ist nichts ganz klipp und klar.Der Schlumski ist gewitzt, gerieben,und wer schmächtig und zurückgeblieben,ist muggrig, spiddrig, pissrig, klein,miesepetrig obendrein.Glibbrig, glibrig ist der Aal,und "Anno Kruck" heißt "dazumal".Wer Stoff zerschnitt, verfipste ihn.Machandelchen war Medizin.Zu Füßen sagte Quanten man.Damlack hieß der Dummerjan.Ein Bochert war ein Mann von Welt.Penunsen nannte man das Geld.Anstatt "wozu" sagte man "zu was",unmanierlich war der Labs.Wer Zunder kriegte, wurd gereizt,man hat "dem Kreet" gut eingeheizt.Gab Kattun dem Absolvatund danach das Resultat:Man war wieder brüderlichnicht mehr eierbossig sichpannebratsch, vertraulich haltund befrunschelte sich bald.den Danzger, ich sag es salopp,Seite 99„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-Lschimpfte man Pomuchelskopp.Das bedripst, bedruckt ihn nich,er ist nicht übelnehmerisch.Schon mehr, wenn man ihn Plumskopf nennt,das ist kreetig, indezent.-Mit diesen bunten Heimatlauten,manchen Danziger vertrauten,bin ich, der Bowke, nun am Schluss,was bleibt, das ist ein "Danz,jer Gruss".Zuletzt erinner gern ich michan Johannes Trojans Versgedicht:o war das nett, und klang das süß,wenn man als Kind ein Bowke hieß!Ich wollt, ich würde wieder klein,um einmal Bowke noch zu sein !Seite 100„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAmalie Pfeiffer (1824)Mein Danzig, du bist schön!(Amalie Pfeiffer)Wer wandern will, dem rat ich gut,zu gehn nach Danzig hin.Ich weilte dort, als jung mein Blutund frisch und froh mein Sinn,zwar ist es lange, lange her,seit ich die Stadt gesehn.Alt-Danzig, Stadt am Baltenmeer,Seite 101„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWerner GapertGedanken am Abend(Werner Gapert)Wenn die Abendschatten sinkenund des Tages Lärm verwehtregt ein Traumbild leis die Schwingen, -dann die Heimat mir entsteht.Dunkle Wälder einsam träumen,um die Föhren streicht der Wind,und des Meeres Wogen schäumen,wenn der Sturm sein Trutzlied singt.Übers Haff die Möwen kreisen,vor den Dünen träumt ein Dorf.Hohe Wolkenschiffe reisenÜber Land und Meer gen Nord.Und der Weichsel gelbe Flutenströmen ruhevoll einher.Sonne sinkt in Purpurglutentagesmüde in das Meer.Bleiche Nebelschatten steigenaus geheimnisvollem Grund,und ein weihevolles Schweigensenkt sich auf das Erdenrund.Fern sind Wälder, Wind und Wogen,fern der Heimat Jugendglück.Eine Möwe kam geflogen:Sag, - wann kehre ich zurück?Seite 102„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LKurt EndrigkeitDanziger Neujahrswunsch(Kurt Endrikeit)Äwachen mächt ich im Sonnenschein,und alles missd so wie frieher sein.Da mächt ich aufm Bischofsbärje stehnUnd auf mein olles, liebes Danzich sehn.Drauf mächt ich trollen durch der Kindheit Gassen,am Milchpeter mein Schiffchen schwimmen lassen,und auch paar Stuchels mächt ich wieder greifen,und Fingsten aufm Kallmus pfeifen.Dänn mächt ich auch zu Mutter Tolke laufenUnd mir fiern Fännich en Kommissbrot kaufen.Und Bärch- und Talbahn mächt ich fahren järn noch malUnd mit de Ringe schmeißen: hoch, flach, ganz egal.Brummkreisel mächte ich und Klippchen spielenUnd mit’m Flitzbogen auf Zobels zielen.Und mang Kamillen mächt ich wieder liejenUnd ieber mir mein Drachen lassen fliejen.Eineinzichmal noch mächt de Schul ich pleitenund vorm Artushof de wilden Leewen reiten.Beim Rejen mächt ich Näptun aufm Nacken haun,und anne Trumm von Blott mir eine Mole baun.Auch einen Zinkhahn hätt ich järn noch mal jehabt,wo sich an Brännnessel und molsche Birnen labt.Im Stäffenspark mächt färn ich von dem Stadtjetriebe,noch einmal spiern die Zeit der jungen Liebe.Bei Cafe Sedan mächt ich mir ein Bootchen heuernund mit mein Schleiser inne Binnen steuern.Auch Heubud mächt ich dann beehren,dort einen Spickaal frisch vom Rauch väzehren.Seite 103„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LUnd aufm Marcht, mang Kunst und Spillen,mächt meine Nas mit Heimatduft ich fillen,da mächt ich schließlich auch noch das äleben:fier eine Gans man bloß dreifuffzich jeben.Dort, wo die Mottlauwällen blubbern,„Zur Krantorfähr“ mächt ich Macheike schlubbern.En Dampfer mächt ich auch mal wieder tuten heernund einen Leiermann so ganz von färnmit Inbrunst spieln die scheene Melodeivon holde Blum und Männertrei.Und sehen mächt ich noch mal einen Schien.und wie am Kielgraben die Mummeln bliehn.Mit de Kleinbahn mächt ich nach de Nehrung zuckelnund mich bei Neinaugen mit Groch betuckeln.Auch wie die Windmiehlen sich drehn,das mächt zu järn ich wieder sehn.En Adebar känn ich all lang nich mehr,wo mang de Poggen fuchtich hinterher.Und ieber Kowall, Jänkau, Ottominmächt ich als Wandervogel noch mal ziehn.Dort, wo die Wälder heimlich rauschen,mächt ich der Veejel Lied belauschen.Auch anne Talspärr mächt ich huckenund ruhig auch mein Flottchen kucken.En Ruck, en Zuck, am Haken sitzt der Hächt,zum Ahmbrot schmäckt der auch nich schlächt.Und jeht der See dann still zur Ruh,streb ich der Heimatklause zu.Da kehr ich heim beim Mondenschein,da bin ich Mänsch, da lasst mich sein.Seite 104„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LWolfgang NaujocksAls Sohn Danziger Eltern wurde er 1953 in Dachau geboren. Er fühlt sich in derHeimat seiner Eltern tief verwurzelt. Seine Erlebnisse, Eindrücke und Empfindungenin Danzig hält er in „Streiflichtern“ und Gedichten fest.Seite 105„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHerbstimpressionen in Adlershorst(Wolfgang Naujocks)Herbstwolken jagen über die weite BuchtWerfen dunkle Schatten über schäumende SeenHochwasser branden mit zunehmender WuchtAn Strände, an Kliffe, an bewaldete Höhen.Der Sturmvogel schreit, laut ist er zu hören!Ein Kreischen, ein Klagen, von Lüften getragenWer weiß wer er ist? Wer könnte beschwörenIhn gesehen zu haben, wer kann es mir sagen?Versandete Boote hoch oben am StrandGeborgen, gesichert von Fischern vor StürmenBuntfarbene Wimpel hell flatternd an LandNun können die Wellen sich noch höher türmen.Der Sturmvogel schreit, laut ist er zu hören!Ein Brausen, ein Rauschen, welch einmaliges LiedVon diesem Gesang werd immer ich zehrenUnd dran denken wenn der Sturmvogel schreit und zieht…Wogende Wellen den Seesteg umspülenGetrieben, geschoben von nördlichen WindenDen Boden, den Strand, das Wasser aufwühlenHerbstkälte kommt. Sommer und Wärme, sie schwinden.Der Sturmvogel schreit, laut ist er zu hören!Ein Heulen, ein Pfeifen, vernimmst Du das Tosen?Magst Du die Zeiten? Sie wolln Dich betören!Gefühle, die Seele, sie wolln sie liebkosen.Goldene Blätter von Adlershorsts BäumenTaumeln, tanzen, jagen davon in schnellen BöenEntfliehen in Weiten, lassen mich träumen,Wecken Wünsche, Sehnsüchte, die nicht mehr vergehen.Der Sturmvogel schreit, laut ist er zu hören!Ein Singen, ein Klingen, hoch aufspritzende GischtDer Herbst ist nun da, wer kann es verwehrenDass sich mir Traum, dass sich mir Wirklichkeit verwischt?Seite 106„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHerbstwolken jagen über die weite BuchtWerfen dunkle Schatten über schäumende SeenHochwasser branden mit zunehmender WuchtAn Strände, an Kliffe, an bewaldete HöhenDer Sturmvogel schreit, laut ist er zu hören...Seite 107„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LIn der Heimat(Wolfgang Naujocks)Mein Fuß streift durch taufeuchtes GrasAn diesem lichten MorgenDas Bein ist bis zum Knie hoch nasskein Grund mich drum zu sorgen.Die Weichsel steht im toten ArmUnd doch scheint sie zu fließen.Im warmen Licht ein MückenschwarmVier Störche auf den Wiesen.Ein milder Wind zeugt Wellenschlag,Lässt dichtes Schilf vibrieren.Des Teichrohrsängers Lied vermagMich stets zu faszinieren.Ich wandre unten an dem FlussDie Sonne steht im Rücken.Ich fühle, denke, dass ich musshier leben - es wird glücken!Tief atme ich, bin wie befreit,Lass die Gedanken schweifen,Bin innerlich heute bereitSeh den Entschluss nun reifen.Hier ist's so einsam, ist's so still,Kein Laut ist zu vernehmen.Wer derzeit hier noch leben willmuss nach Natur sich sehnen.Laut klingt der Ruf den ich empfind:"Deine Wurzeln liegen hier!Hier, hier!, wo wir doch alle sind,Unser Winken, das gilt Dir!"Sie ist vorbei, die alte Zeit,Doch wo sind sie geblieben?Die Ahnen, einst in Freud und LeidGeschichte sie hier schrieben.Seite 108„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDies alte Land, ein Wunsch, ein Traum,Seit hunderten von JahrenSie wollen mir das anvertraun,Wo sie zu Hause waren?Ich weiß heut nicht, wann es wird wahr,Doch wird's noch lange währen?Bis anbricht jenes traute JahrWird mich ihr Ruf verzehren.Mein Fuß streift noch durchs feuchte GrasAn diesem lichten MorgenUnd ich, es stimmt, ich weiß nun das,hier fühl ich mich geborgen...Seite 109„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHugo ArendtFischmarkt-Latein(Hugo Arendt)An der Mottlau riechts nach Fischeanders kann es ja nicht sein,und vom Meer weht eine frischeBrise in die Stadt hinein.Poggen schwimmen auf dem Wasser,manche lebend, manche tot,und am Himmel steht ein blasserSchein vom ersten Morgenrot.Paulchen auf der KrantorfähreHat die Leinen losgemacht,und er tut so, als ob wäreseine Lomm ne Kaiserjacht.Weichseldampfer hört man tuten,jeder Danzger kennt den Ton,und die Leute sich all sputen,denn der Dampfer bimmelt schon.Auf dem Fischmarkt sitzen Frauen –großer Hut, die Sonne prallt -,und sie kicken rum und schauen,ob ein Käufer kommt nicht bald.Jetzt geht’s los, die feinen Damen,ausgeschlafen, sauber, frisch,manche mit hochedlem Namen,wollen Flundern für den Tisch.Sagt jetzt eine von den Kunden:„Sind die Flundern aber klein!“,kann man für die nächsten Stundenhören das Fischmarkt-Latein.Seite 110„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-L„Meine Flunderchen sind kleine? –Dreh bloß ab im Schweinsgalopp!Sonst knall ich Dir, Oberfeine,gleich den Dutt von deinem Kopp!“„Was? Die Flundern, die sind ranzig?Meine Ware prima ist!“ –„Jeder weiß es hier in Danzig:Hau bloß ab, du altes Mist!“„Gibt hier an wie tausend Mücken,solch ein Individium!Lässt dir hier noch einmal blicken,schwimmste in der Mottlau rum!“„Was dies schöne, frische Buttchenist zu teuer, gnädche Frau? –Marsch, verfeier dir, du Nuttchen,sonst kriegst noch den Buckel blau!“„Kick, jen Bochert hat soebenmeine Aal begrabbelt hier!Wart, ich will ihm eine kleben,dem beschuckten Fuseltier!“Auflauf! Schien mit Zornesfalte!„Weitergehn!“ ist sein Gebot,während noch die Fischmarktaltewütend mit dem Aale droht.Solche Furiengesängehörte jeder Danzger gern. –Altvertraute Heimatklängeeuch vermiss ich in der Fern!Seite 111„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHeimatluft(Hugo Arendt)Es ist schon immer so gewesen:die Sprache, sie bezeugt dein Wesen.Ja, sie beweist, ob du ganz echt,ob einer gut ist oder schlecht.Die Liebe und die Heimattreue,beweist sie täglich uns aufs Neue.Auch in der fernen, fremden Welt,der Danz’ger treu zur Heimat hält.An seiner Mundart hält er fest,ob er nach Norden, Süd und Westverschlagen ist. Nichts kann ihm raubenden Heimatsinn, den Heimatglauben.Drum höre die vertrauten Worte,die ich dir sag an diesem Orte:Nen feinen „Pinkel“ nennt man „Zrohr“,gar mancher kam uns „mochumsch“ vor.Die Straßenbahn war eine „Lor“,für Ohra sagt ein Danzger „Or“.Ein „Tammchen“ war ein dicker Stock,ein „Scheckert“ ein piekfeiner Rock.Ein Hochseedampfer war ein „Stiemer“,für Knüppel sagt man „Ochsenziemer“.Ein „Schleiser“ war des Danz’gers Braut,„betonn ihm“, sagt man, wenn man haut.Der „Bochert“ band sein „Beffchen“ um,und „schucker“ war so viel wie dumm.„Schrubber“ hießen schöne Beine,ein „Drussel“ war ein Stückchen Leine.„Angströhr“ war der Zylinderhut,und „Bottermelk“ kein Danzger Blut.Ein „Blitzkopp“ war ein Polizist,ein Schimpfwort war „du altes Mist“.Seite 112„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHat dir der „Eduard“ gejuckt,wurd ein Machandelchen geschluckt.Ein „Bohnchen“ war ne gute Stell,ein schmuckes Mädchen hieß „Marjell“.Ein „Kissert“ war ein böser Hund,ein „Fellak“-Stein wog an fünf Pfund.Den „Deffert“ kennt der Taubenmann,am Dubbas war schon etwas dran.Ein „Gnussel“ war ein kleiner Kerl,ne „Butterblum“ ne Strohhutperl.Ein „Flittchen“ war ein leichtes Mädchen,ein „Schien“ ein Polizist im Städtchen.Ne „Flirr“, das war ein großes Loch,„Ei er dir“ ja, wer kennt das noch?Halbmast hieß eine kurze Hose,ein „Kuli“ war ein Leichtmatrose.Mit einer „Kuff“ fuhrst du einmal,ein „Krimmchen“ war ein Kriminal.Ein „Loui“ war ein Messerheld,aus Schidlitz, Emaus, Niederfeld.Ein Frosch das war ne alte „Pogg“,ein „Pfläumert“ zierte deinen Kopp,Mit Schleifchen liefst du auf der Bahn,ne „Lomm“, das war ein Oderkahn.Ein „Leschak“ ein recht dummer Mann,ein „Pracher“ war ein Bettelmann,Zu Schuhen sagt der Danziger „Trittchen“,und für 10 Pfennig sagt er „Dittchen“.Ein „Wichstopp“ war ein Hochzeitshut,er hat „ne Wonz“ sagt man für Wut.Ein Vatermörder war ein Kragen,und „Ollsche“ hörte man oft sagen.Seite 113„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LNe Glocke war ne alte „Zrimmel“,ein „Lorbass“ war ein Danziger Lümmel.„Unnosel“ war ein frecher Mann,ein „Zagel“ hing am Hunde dran.Ein „Zinkhahn“ hat ein kleines Haus,der „Zaster“ ging uns manchmal aus.Ein Ruschelbruder war ein Dieb,„Spektakel“ hat wohl niemand lieb.Ein „Zobel“ war wohl jede Katz,ein Stauer war am Hafenplatz.Ein „Stuchel“ war ein kleiner Fisch,für Angst da sagt man einfach „Schiss“.Ein „Pfänder“ war ne Pulle „Fusel“,und Glück, das nennt der Danzger „Dusel“.Zum Rummel gingen Männer, Fraun,um dort den „Lukas“ gut zu haun.„Solinger“ nannte man ein Messer,auf Ohrsch klingt „Zachling“ auch nicht besser.Ne „Glibber“ war ne Bahn aus Eis,was jeder Danz’ger Junge weiß.Ein „Schniefke“ nahm wohl jeder Mann,der „Lange Heinrich“ war ein Kran.Ein „Dudd“, das war ein falscher Zopp,manchmal flog dir ne „Klipp“ an Kopp.Ganz dicken „Modder“ nennt man „Blott“,Bindfaden hieß bei uns stets „Bott“.Kartoffeln hießen „Bulwen“ gar,„ei er dir“ mit de „Lochzigarr“.„Doppelte Neunkraft“ machte jung,mit „Zislawäng“ kamst du in Schwung.„Moi gommas“, hab ich Sie getreten?Komm, lass uns einen noch verlöten.Genug mit diesem Sprachgewirr,sonst haut mir einer noch ne „Flirr“in meinen Danziger „Bregen“ hier,Verbeugung, ich verfeier mir.Seite 114„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LHans-Joachim EngelDer Bumatsch(Hans-Joachim Engel)Ein Danz'jer Kind, das brav nicht war,das ahnte bange die Gefahr,wenn's tat, was sich nicht schickte,dass Mutti drohend blickteund sprach: "Gleich kommt der Bumatsch!"Solch Bumatsch, sozusagen,lag dann wie Blei im Magen.Dies Ungewisse eben,bedrückte schwer das Leben,wenn's hiess: "Dich holt der Bumatsch!"Welch undurchsichtger Lulatschblieb daher dieser Bumatsch,der einen holen sollteund das doch gar nicht wollte,denn niemals kam der Bumatsch!Die Großmama am Spinde,die sprach schon zu dem Kinde,das Kind zu Kindeskindern. –Zu all den kleinen Sündernkam schon - und nie - der Bumatsch.Früher kaum aufzutreiben,lässt's Kommen ganz er bleiben,seitdem die Kinder alle fort,die einst gehört von ihm am Ort.Kommt niemals mehr - der Bumatsch ?Seite 115„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LDr. Alfred LauWortgefecht(Dr. Alfred Lau)Ich traf anne Milltonn auf nichternem MagenZwei Weiber, die hädden sich schwer inne woll.Se kreischden und brillden, die Bestien, die wilden,Und was ich da heerd, das war doller wie doll:„Du schielaugsche Saddrach, du zoddrige Zippel“,„Du prachrige Schlorr, du, du alte Krabutt!“Und denn forts de andre: „Du brastige Kachel!“„Du schlampige Flirr, du, du dusslige Schutt!“Und wieder die erste : „Du miesriges Kodder“,„Verbeilte Kastroll du, halt bloß deine Lipp!“Und wieder die zweite: „Du Stobbenkoppsche“,„Du jachrige Koss du, du schlunzige Zibb!“Noch einmal die erste: „Du doowe Zachudel!“,„Du schosslige Kobbel, du o-beinsche Null!“De zweite: „Du Dranktonn, du miese Fijuchel“,„Du mannsdolle Fludder, verlauste Rachull!“Nu mengd ich mir zwischen, mir war von das KeifenWarraftig vor Augen all blau nu und grien.Da zwitscherd de eine: „Wir tun ja bloß ieben!“De andre: „Wir haben am Freitag Termin!“Seite 116„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAgnes MiegelDie Frauen von Nidden(Agnes Miegel)Die Frauen von Nidden standen am StrandÜber spähenden Augen die braune Hand,Und die Boote nahten in wilder Hast,Schwarze Wimpel flogen züngelnd am Mast.Die Männer banden die Kähne festUnd schrieen: „Drüben wütet die Pest!In der Niederung von Heydekrug bis SchaakenGehn die Leute im Trauerlaken!"Da sprachen die Frauen: „Es hat nicht Not, —Vor unsrer Türe lauert der Tod,Jeden Tag, den uns Gott gegeben,Müssen wir ringen um unser Leben,Die wandernde Düne ist Leides genug,Gott wird uns verschonen, der uns schlug —Doch die Pest ist des Nachts gekommenMit den Elchen über das Haff geschwommen.Drei Tage lang, drei Nächte lang,Wimmernd im Kirchstuhl die Glocke klang.Am vierten Morgen, schrill und jach,Ihre Stimme im Leide brach.Und in dem Dorf, aus Kate und Haus,Sieben Frauen schritten heraus.Sie schritten barfuß und tiefgebückt,In schwarzen Kleidern, buntgestickt.Sie klommen die steile Düne hinan,Schuh und Strümpfe legten sie anUnd sie sprachen: „Düne, wir siebenSind allein noch übriggeblieben.Seite 117„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LKein Tischler lebt, der den Sarg uns schreint,Nicht Sohn noch Enkel, der uns beweint,Kein Pfarrer mehr, uns den Kelch zu geben,Nicht Knecht noch Magd ist mehr unten am Leben,Nun, weiße Düne, gib wohl acht:Tür und Tor ist Dir aufgemacht,In unsre Stuben wirst Du gehnHerd und Hof und Schober verwehn, —Gott vergaß uns, er ließ uns verderben.Sein verödetes Haus sollst Du erben,Kreuz und Bibel zum Spielzeug haben, —Nur, Mütterchen, komm uns zu begraben!Schlage uns still ins Leichentuch,Du unser Segen, einst unser Fluch.Sieh, wir liegen und warten ganz mit Ruh", —Und die Düne kam und deckte sie zu.Seite 118„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LSankt Marien zu Danzig(Agnes Miegel)Brüder und Schwestern, ich hebe zu singen an!Über der Weichsel drüben, hört mich an!Aller Hansestädte prächtigste war und ist mein.Aller Ostlandskirchen mächtigste war ich und werde ich sein!Zweihundert Jahre wob ich mein Purpurkleid,Zu den Wolken hob ich, schwer, stumpf und breit,Meines kantigen Turmes Backsteinwucht,Wahrzeichen aller Schiffer, blicke ich über die Bucht.Auf dem Giebelgewoge der Beischlaggassen,Gottes Orlogflotte, lieg ich gelassen.Durch meiner drei Schiffe Hallen brandend die Orgel rauscht,"Gerechte Sache" heißt der Wind, der meine Fahnen bauscht.Mit prunkendem Gitterbug, geschmückte Karavellen,Folgt mir der Geisterzug patrizischer Kapellen.Der Kammer Truhenschein schließt auf Sankt Barbara:Wo kannst Du, Fahrnsmann, sein, der solchen Schatz schon sah?Gold gab der Westen, der Orient bunte SeidenDes weisesten Großherrn Diener zu kleiden!Wie ein geharn'schter Ritter vor meinen Goldaltären,Kniet Bruderschaft und Zunft, Marien zu verehren.Mit ihnen beuge Dich, Du schwer geprüfte Stadt,Vor Meister Michaels geschnitztem Tafelblatt,Wie hier die reine Magd, so hold und ohne Fehle,Erwählte Gottesbraut, - so schuf er Deine Seele,So predigt Meisters Kunst, so spricht der Väter Glauben"Wenn Du Dir selbst getreu - wer kann Deine Krone rauben?"O horch! des wunderreichen, weisenden Uhrwerks Stundenschlag,Prophet und Tierkreiszeichen sie künden schon den Jüngsten Tag!Hör was im Bild Dich lehrt meine höchste Kostbarkeit,Hans Memlings Altarbild, das mir der Strand beschert,das Kaisern ich verwehrt, -Zu der Zeit, da der furchtbare Ritter die Völker richten wird,Wehe Dir, spricht Er dann:"Sei vom Feuer verzehrt,Volk, das von meinem Wege geirrt!"Seite 119„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de


Eine Sammlung der schönsten Gedichte von und über DanzigZusammengestellt von Wolfgang Naujocks und Teilnehmern des Forums Danzig-LAber bliebst Du getreu -dann, wenn Er ruft,Sprich aus dem Staub, wie hier aus der GruftZu dem Herrn singt des vertriebenen Dichters Saitenspiel:"Deine Sachen führen zu gutem Ziel!"Seite 120„Danzig-L“ – das Forum für alle Freunde Danzigs. Anmeldungen über www.danzig.de

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