Inhalt Viktor J. Vanberg Friedrich A. Hayek und die Freiburger ...

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Inhalt Viktor J. Vanberg Friedrich A. Hayek und die Freiburger ...

ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Inhalt Viktor J. Vanberg Friedrich A. Hayek und die Freiburger Schule..................................................... 3 Alfred Schüller Wilhelm Röpke – Werk und Wirken in Marburg: Lehren für Gegenwart und Zukunft........................................................................................................... .......................................................................................................................... 21 Uwe Dathe und Nils Goldschmidt Wie der Vater, so der Sohn? Neuere Erkenntnisse zu Walter Euckens Leben und Werk anhand des Nachlasses von Rudolf Eucken in Jena ............................ .......................................................................................................................... 49 Dieter Schmidtchen und Roland Kirstein Wettbewerb als Entdeckungsverfahren ............................................................... .......................................................................................................................... 75 Peter Oberender und Jochen Fleischmann Wettbewerb als Reformperspektive für die Hochschulen .................................... .......................................................................................................................... 93 Manfred E. Streit Menschliches Wissen – Dimensionen eines komplexen Phänomens................... ........................................................................................................................ 113 Walter Hamm Die Folgen pervertierter Anreize ......................................................................... ........................................................................................................................ 123 Hans H. Glismann und Klaus Schrader Eine effiziente Arbeitslosenversicherung für Deutschland ................................. ........................................................................................................................ 143 Norbert Berthold, Marita Brischke und Oliver Stettes Betriebliche Bündnisse für Arbeit – Gratwanderung zwischen Tarifbruch und Tariftreue ............................................................................................................. ........................................................................................................................ 175 Harald Großmann und Andreas Knorr Ökonomische Aspekte der Kinderarbeit............................................................... ........................................................................................................................ 195


Wilhelm Meyer Handeln wider besseres Wissen ........................................................................... ........................................................................................................................ 219 Frank Daumann Staatlicher Handlungsbedarf bei Doping im Hochleistungssport? ...................... ........................................................................................................................ 243 Dieter Fritz-Aßmus und Egon Tuchtfeldt Basel II als internationaler Standard zur Regulierung von Banken...................... ........................................................................................................................ 269 Lars P. Feld Eine Europäische Verfassung aus polit-ökonomischer Sicht ............................... ........................................................................................................................ 289 _____________________________ Ernst Helmstädter Anmerkungen zu „Eigennutz als Triebfeder des Wohlstands – die invisible hand im Hörsaal-Experiment sichtbar gemacht“ von Roland Kirstein und Dieter Schmidtchen, in: ORDO, Bd. 53, S. 227-240 ... ........................................................................................................................ 319 Roland Kirstein und Dieter Schmidtchen Replik auf Ernst Helmstädter................................................................................ ........................................................................................................................ 327 Besprechungen: Inhaltsverzeichnis


Besprechungen: Inhalt Inhalt Carl Christian von Weizsäcker Hayeks Aufsätze zur Ordnungsökonomik sowie zur politischen Philosophie und Theorie. Besprechung zweier Bände aus Hayeks Gesammelten Schriften.... 335 Helmut Leipold Entstehung und Vermächtnis ordoliberalen Denkens. Anmerkungen zu dem gleichnamigen Buch von Nils Goldschmidt. ........................................................ 339 Hans Heinrich Rupp Das Staatsbild Franz Böhms. Zu dem gleichnamigen Buch von Tamara Zieschang................................................................................................. 343 Thomas Rudolf Macht und Wohlstand. Besprechung des gleichnamigen Buches von Mancur Olson ....................................................................................................... 346 Stefan Okruch Responsive Regulierung. Anmerkungen zu dem gleichnamigen Buch von Kilian Bizer, Martin Führ und Christoph Hüttig .................................................. 350 Thomas Döring Institutionenökonomik. Anmerkungen zum gleichnamigen Lehrbuch von Stefan Voigt .......................................................................................................... 354 Jürgen Zerth Vorteile und Anreize: Zur Grundlegung einer Ethik der Zukunft. Anmerkungen zum gleichnamigen Buch von Karl Homann, herausgegeben von Christoph Lütge ............................................................................................. 358 Christian Müller Der Mensch als Ziel der Wirtschaftsethik. Bemerkungen zum gleichnamigen Buch von Elmar Nass............................................................................................ 361 Thomas Welsch Wachstum, Strukturwandel und Wettbewerb. Anmerkungen zu der gleichnamigen, von Helmut Walter, Stephanie Hegner und Jürgen M. Schechler herausgegebenen Festschrift für Klaus Herdzina................................. 365 Ulrich Fehl Die markttheoretische Erklärung der Konjunktur. Zu dem gleichnamigen Buch von Frank Schohl......................................................................................... 370 Andrea Fibelkorn-Bechert Studien zur Evolutorischen Ökonomik V. Anmerkungen zu dem gleichnamigen von Marco Lehmann-Waffenschmidt herausgegebenen Band..... 377


Indira Gurbaxani Ökonomie für jedermann. Anmerkungen zu dem Buch von Ulrich van Suntum................................................................................................ 381 Egon Görgens Ökonomische Analyse des Arbeitsrechts. Zum gleichnamigen Buch von Claus Ott und Hans-Bernd Schäfer....................................................................... 384 Hanno Beck Arbeitsmärkte und soziale Sicherungssysteme unter Reformdruck. Zu dem gleichnamigen von Thomas Apolte und Uwe Vollmer herausgegebenen Sammelband.......................................................................................................... 389 Udo Schneider Steuerreform und Gewinnbeteiligung. Anmerkungen zum gleichnamigen Buch von Ronnie Schöb ......................................................................................................... 392 Klaus Vollert Gesundheitspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft. Anmerkungen zu dem Buch von Peter Oberender und Jochen Fleischmann............................................ 397 Manfred Hilzenbecher Konsumentensouveränität als Leitbild im deutschen Gesundheitswesen. Anmerkungen zum gleichnamigen Buch von Arne Heissel ................................. 402 Volker Ulrich Key Issues in Introducing Pre-Funded Pension Schemes. Zu dem von Robert Holzmann und Robert Palacios herausgegebenen Sammelband .............. 405 Jochen Fleischmann Generationengerechtigkeit im Zeitalter der Gentechnik. Zu dem Buch von Rüdiger Wink........................................................................................................ 407 Indira Gurbaxani International Economics. Anmerkungen zu dem Buch von W. Charles Sawyer und Richard L. Sprinkle ........................................................................... 411 Martin Baumann Medien im Systemvergleich. Anmerkungen zu dem gleichnamigen Buch von Dirk Wentzel.................................................................................................. 414 Marina Mehring-Gruševaja Osterweiterung und Transformationskrisen. Besprechung des von Hans G. Nutzinger herausgegebenen Sammelbandes........................................... 419 Kurzbesprechungen............................................................................................... 423


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Viktor J. Vanberg Friedrich A. Hayek und die Freiburger Schule Inhalt I. Einleitung ............................................................................................................ 3 II. Gemeinsamkeiten und Unterschiede................................................................... 4 III. Privilegienfreiheit und Privilegiensuche............................................................. 10 IV. Freiheitliche Ordnung und Staatsverfassung ...................................................... 14 V. Schluß.................................................................................................................. 17 Literatur ........................................................................................................................ 18 Zusammenfassung ........................................................................................................ 19 Summary: Friedrich A. Hayek and the Freiburg School............................................. 20


20 · Viktor J. Vanberg Zusammenfassung Gegenstand dieses Beitrages ist das häufig kommentierte Gemisch von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Vorstellungen F. A. Hayeks und dem Ansatz der Freiburger Schule. Es wird gezeigt, daß die durchaus bestehenden Unterschiede keineswegs Ausdruck einander widersprechender Auffassungen sind, sondern vielmehr unterschiedliche Akzentsetzungen widerspiegeln. Bei den Freiburgern liegt der Akzent darauf, daß der für einen produktiven marktlichen Wettbewerb erforderliche Regelrahmen nicht aus dem bloßen Zusammenspiel der Einzelinteressen heraus spontan entsteht, sondern daß er der bewußten Pflege durch verantwortliches staatliches Handeln bedarf. Bei Hayek liegt der Akzent darauf, daß wir uns angesichts der unaufhebbaren Begrenzt- heit unseres Wissens bei unseren Bemühungen um eine wünschenswerte Ordnung unseres Zusammenlebens auf die Koordinationsleistung allgemeiner Regeln und auf das Entdeckungspotential des Wettbewerbs stützen müssen. Es wird gezeigt, daß beide Gesichtspunkte nicht nur kompatibel miteinander sind, sondern einander in bedeutsamer Weise ergänzen. Summary Friedrich A. Hayek and the Freiburg School The subject of this paper is the often noted mixture of commonality and differences between F. A. Hayek’s theoretical outlook and the research paradigm of the Freiburg School. It is argued that the differences that indeed exist do not indicate contradictory views but reflect, instead, differences of emphasis only. The emphasis of the Freiburg School approach is on the fact that the institutional framework, required for a beneficial working of the competitive market process, cannot be expected to emerge spontaneously, from the pursuit of individual self-interest alone, but requires the deliberate cultivation by collective, political action. Hayek’s emphasis, by contrast, is on the fact that, because of our „constitutional ignorance,“ we need to rely in all our problem-solving efforts on the guidance of general rules and on competition as a discovery process. The paper demonstrate why both aspects are not only compatible with each other but complement each other in important ways.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Alfred Schüller Wilhelm Röpke – Werk und Wirken in Marburg: Lehren für Gegenwart und Zukunft Inhalt I. Die Marburger Studentenjahre............................................................................ 22 II. Röpke als junger Ökonom und jüngster Professor im deutschen Sprachraum (1919-1928)......................................................................................................... 24 III. Röpke als Ordinarius der Philipps-Universität Marburg (1929-1933): Über die Theorie zur wirtschaftspolitischen Beratung................................................. 25 IV. Röpke als Theoretiker, Publizist und Berater: Folgerungen aus seinem schöpferischen Aufbruch in Marburg ................................................................. 31 1. Durchbruch zum anerkannten Wirtschaftstheoretiker.................................... 31 2. Röpke und die Denkschulen seiner Zeit......................................................... 32 3. „Convertibility begins at home“..................................................................... 33 4. Kampf gegen kollektivistische Denk- und Handlungskonzepte .................... 35 5. Röpkes Verbannung aus Marburg.................................................................. 36 6. Wissenschaft als geistiges Gewissen der Politik............................................ 38 7. Klarheit ist schwerer als Dunkelheit .............................................................. 38 8. Erfolgreiche Wirtschaftspolitik erfordert „sachkundige Hände“ ................... 39 9. Röpkes Weitsicht............................................................................................ 39 V. Die Marburger Universität und Röpke nach 1945 .............................................. 41 VI. Wilhelm Röpke – A Man for the Twenty-first Century...................................... 43 Literatur: ....................................................................................................................... 44 Zusammenfassung ........................................................................................................ 47 Summary: Wilhelm Röpke – His Work and Times in Marburg: Lessons for the Present and the Future ............................................................................... 47


Zusammenfassung Wilhelm Röpke – Werk und Wirken in Marburg · 47 Wilhelm Röpke wurde vor 70 Jahren nach einem abermaligen mutigen Angriff gegen den Nationalsozialismus zwangsweise aus seinem Marburger Lehramt entfernt. In Istanbul und seit 1937 von Genf aus setzte er sein vielbeachtetes und schon häufiger gewürdigtes Wirken als Wissenschaftler, Politikberater, Publizist und Redner fort. Hierfür hat sich Röpke zwischen 1919 und 1933 vor allem in Marburg ein ungewöhnlich breites wirtschaftstheoretisches Fundament geschaffen. Dieses verdient mehr als bisher Beachtung. Im vorliegenden Beitrag ist deshalb nicht nur die Rede von Röpkes Beziehungen zur Marburger Universität vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern vor allem von seinem schöpferischen Aufbruch, von der Vielfalt und Eigenständigkeit seines wissenschaftlichen Wirkens in dieser Stadt, in der er zu einem weitsichtigen „geistigen Führer“ (F. A. von Hayek) heranreifte. Röpkes Durchbruch zu einem international anerkannten Theoretiker ist nicht nur dogmenhistorisch von Interesse. Es wird deutlich, daß er mit seinem Werk und Wirken seiner Zeit vielfach weit voraus war. Deshalb wird besonders auf den Wert seiner Lehren, hingewiesen, die für Gegenwart und Zukunft Geltung beanspruchen können. Summary Wilhelm Röpke – His Work and Times in Marburg: Lessons for the Present and the Future 70 years ago Wilhelm Röpke was dismissed from his professorship at Marburg University after repeatedly publicly criticising National Socialism. In Istanbul and, from 1937 onwards, in Geneva, Röpke continued his work as an acclaimed academic, political adviser, author and orator. Much of his exceptionally comprehensive knowledge of economic theory, which served as a foundation for his work in later years, was developed between 1919 and 1933, during Röpke ‘s tenure in Marburg. The objective of this article is to highlight Röpke ‘s achievements during his time in Marburg, which currently often fail to achieve the respect they deserve. For this reason, the focus of this article rests not on Röpke‘s relationship with Marburg University before and after the Second World War, but rather on Röpke‘s creative development, the variety, originality and independence of his academic work in Marburg; the city in which he developed into a far-sighted “intellectual leader “ (F. A. von Hayek). Röpke ‘s breakthrough to an internationally acclaimed economic theorist is not only of interest in terms of the history of economic thought. Analysing his work it becomes obvious that in many aspects Röpke was far ahead of his time. Many of his theories continue to be highly relevant, not only for the present but also for the future.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Uwe Dathe und Nils Goldschmidt Wie der Vater, so der Sohn? Neuere Erkenntnisse zu Walter Euckens Leben und Werk anhand des Nachlasses von Rudolf Eucken in Jena Inhalt I. Die Aktualität biographischer Forschung zu Walter Eucken.............................. 49 II. Der Nachlaß Rudolf Euckens in Jena.................................................................. 51 III. Einzelne Bestände – Darstellung, Systematisierung und Interpretation ............. 52 1. Erste Zeugnisse: Materialien bis zur Tübinger Professur .............................. 52 2. Kunst im Hause Eucken und intellektuelle Wegbegleiter.............................. 55 3. Walter Eucken und der Euckenbund.............................................................. 57 4. Briefe aus Freiburg......................................................................................... 63 IV. Zusammenfassung und Ausblick ........................................................................ 68 Literatur ........................................................................................................................ 70 Zusammenfassung ........................................................................................................ 74 Summary: Like father like son? New insights on Walter Eucken’s life and work on the basis of Rudolf Eucken’s literary estate in Jena.................................................................. 74


74 · Uwe Dathe und Nils Goldschmidt Zusammenfassung In der jüngeren Debatte um das Programm der Freiburger Schule und dessen Weiterentwicklung kommen der Person Walter Euckens und der Entstehung seines Werkes aus dogmenhistorischem Interesse gleichwie aus konzeptionellen Erwägungen vermehrt Beachtung zu. Der vorliegende Beitrag bietet für diese Diskussion neue Materialen zu Walter Eucken, die sich im Nachlaß des Vaters, des Philosophen und Nobelpreisträger Rudolf Eucken, in Jena finden. Die dargestellten und interpretierten Dokumente sollen helfen, die Entstehung des ordoliberalen Forschungsprogramms sowie die Bedingungen seiner Aktualisierungsfähigkeit vertieft zu erörtern. Hierzu werden neben einer generellen Beschreibung und Einführung in die relevanten Nachlaßbestände, die vor allem Familienbriefe von Walter Eucken und Edith Eucken-Erdsiek umfassen, die einzelnen Korrespondenzen systematisch aufgearbeitet. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt dabei natürlich auf der wissenschaftlichen Entwicklung Walter Euckens, jedoch werden auch das akademische und intellektuelle Umfeld sowie vor allem Walter Euckens bislang wenig beachtete, aber dennoch einflußreiche Rolle im Euckenbund seines Vaters präsentiert. Summary Like father like son? New insights on Walter Eucken’s life and work on the basis of Rudolf Eucken’s literary estate in Jena In the current debate about the program of the Freiburg School and its future development increasing attention is paid to Walter Eucken’s life and the origins of his work. To enrich the debate, this contribution presents new material on Walter Eucken, material that is part of the literary estate of his father, the philosopher and Nobel laureate Rudolf Eucken, in Jena. The documents that are presented and commented upon here are intended to help us understand the genesis of the ordoliberal research program and what is needed to give this program a new impetus. In order to achieve this, after a general description and introduction of the relevant material – which mainly comprises family letters by Walter Eucken and Edith Eucken-Erdsiek –, the essay closely examines the letters in a systematic way. The main focus of the description, of course, lies on Walter Eucken’s scientific development. However, the academic and intellectual environment, as well as the mostly unnoticed, yet influential part that Eucken played within his father’s ‘Euckenbund’ are also addressed.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Dieter Schmidtchen und Roland Kirstein* Wettbewerb als Entdeckungsverfahren Inhalt I. Einleitung ............................................................................................................ 75 II. Methodologische Einordnung ............................................................................. 78 III. Experiment .......................................................................................................... 79 IV. Ergebnisse und Diskussion ................................................................................. 84 1. Prüfung der Mustervorhersagen ..................................................................... 84 2. Die einzelnen Mustervoraussagen.................................................................. 84 3. Was treibt die Ergebnisse? ............................................................................. 86 4. Ist das Experiment angemessen?.................................................................... 88 V. Schluß.................................................................................................................. 90 Literatur ........................................................................................................................ 91 Zusammenfassung ........................................................................................................ 92 Summary: Competition as a Discovery Procedure...................................................... 92


92 · Dieter Schmidtchen und Roland Kirstein Zusammenfassung Die Theorie des Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren behauptet, daß die Ergebnisse des Wettbewerbes nicht vorhergesagt werden können, weil hierzu Tatsachen benötigt würden, die durch ihn erst entdeckt werden sollen. Dann wäre es allerdings unmöglich, Aussagen über Wettbewerb empirisch zu testen. Unser Beitrag wendet sich gegen diese Ansicht. Wettbewerbsergebnisse können durchaus vorhergesagt werden, soweit die Vorhersage sich auf Muster und nicht auf Einzelergebnisse bezieht. Der Beitrag beschreibt eine double oral auction, durchgeführt als Hörsaal-Experiment, und zeigt auf, daß Wettbewerb mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl das Marktgleichgewicht als auch die wohlfahrtsmaximierende Zahl von Transaktionen entdeckt. Summary: Competition as a Discovery Procedure The theory of competition as a discovery procedure argues that the results of this procedure cannot be predicted because of its very nature as a discovery procedure. If this were true, this would imply the impossibility of testing whether competition actually works as predicted. This article rejects this view. We argue that outcomes of the discovery procedure can be predicted if a pattern rather than its specific realization is the subject of the prediction. We describe a double oral auction as a classroom experiment and show that competition is likely to discover the market equilibrium as well as the wealth maximizing number of transactions.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Peter O. Oberender und Jochen Fleischmann Wettbewerb als Reformperspektive für die Hochschulen Inhalt I. Problemstellung .................................................................................................. 93 II. Diagnose.............................................................................................................. 95 1. Ordnungspolitische Grundlagen..................................................................... 95 2. Krisensymptome............................................................................................. 97 3. Ordnungspolitische Grundprobleme .............................................................. 98 III. Therapie............................................................................................................... 102 1. Grundlegende Reformperspektive.................................................................. 103 2. Funktioniert eine Marktlösung? ..................................................................... 104 3. Voraussetzungen einer Marktlösung.............................................................. 105 IV. Wie ist der Übergang zu schaffen? ..................................................................... 108 V. Fazit..................................................................................................................... 109 Literatur ........................................................................................................................ 109 Zusammenfassung ........................................................................................................ 112 Summary: Competition as a way of reforming German universities .......................... 112


112 · Peter Oberender und Jochen Fleischmann Zusammenfassung Der deutschen Universität ist es bis heute nicht gelungen, ihre Funktionsfähigkeit unter den Bedingungen des akademischen Massenbetriebs herzustellen. Das aktuell verwirklichte System ist von erheblichen Fehlsteuerungen und kontraproduktiven staatlichen Eingriffen gekennzeichnet. Die Folge ist ein wenig leistungsfähiges Hochschulsystem, das seine Funktionen ‚Veredelung ‘ und ‚Sortierung‘ von Humankapital unzureichend erfüllt. Hier wird eine Reformperspektive aufgezeigt, die auf eine Wiederherstellung der Autonomie der Universitäten und die Aktivierung des Wettbewerbs im Hochschulwesen hinausläuft. Dadurch wird die Souveränität der Studierenden wiederhergestellt. Staatliche Hochschulen werden einem heil- und wirksamen Leistungsdruck ausgesetzt (insbesondere durch das Auftreten privater Konkurrenz). Die Einführung von Studiengebühren und die Möglichkeit für Hochschule und Professoren, Studierende selber auszuwählen, sind wesentliche Voraussetzungen für ein solches Modell. Studienangebot und Studienfinanzierung sind in einem solchen Modell strikt getrennt. Der Staat beschränkt sein Engagement auf die Rahmensetzung und eine Unterstützung im Rahmen der Studienfinanzierung im Stile einer Subjektförderung. Summary Competition as a way of reforming German universities To date, German universities have not succeeded in obtaining efficiency under conditions of mass operation. The current system is characterized by substantial malfunction and counterproductive intervention by the state. Consequently, the higher education system lacks in effectiveness and cannot fulfil its tasks of improving and filtering human capital. This paper presents a perspective for reforms which aims at a consistently competitive structure of the German higher education system. Tuition fees, structures of self governance and the right for universities to select students are core elements of this proposal. As a consequence universities will be imposed to competitive pressure; the sovereignty of students will be reconstituted. The state has to withdraw from regulating supply of higher education in detail. Its main task is to make sure that able students in need can afford higher education.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Manfred E. Streit Menschliches Wissen – Dimensionen eines komplexen Phänomens Inhalt I. Prolegomena..................................................................................................... 113 II. Kognition: Bewußtsein, Vernunft .................................................................... 115 III. Kommunikation: Sprache, Schrift.................................................................... 116 IV. Interaktion: Tausch, Markt............................................................................... 117 V. Epilog ............................................................................................................... 118 Literaturverzeichnis................................................................................................... 120 Zusammenfassung ..................................................................................................... 122 Summary: Human Knowledge – Dimensions of a Complex Phenomenon.............. 122 Zusammenfassung Der vorliegende Aufsatz bezieht sich auf ein Phänomen, mit dem sich Philosophen, Psychologen und Erkenntnistheoretiker beschäftigt haben: dem menschlichen Wissen. Merkwürdigerweise haben es Ökonomen als Sozialwissenschaftler weitgehend ignoriert, in dem sie unangemessene Annahmen machten. In diesem Aufsatz werden drei Dimensionen nach einigen Prolegomena (Teil 0) betrachtet: Kognition, die Bewußtsein und Vernunft umfaßt (Teil I), Kommunikation, die sich auf Sprache und Schrift bezieht (Teil II) und schließlich Interaktion, bei der es um Tausch und Markt geht (Teil III). In einem Epilog (Teil IV) werden die Ergebnisse zusammengefaßt und ihre Implikationen für die Ökonomik als Sozialwissenschaft betrachtet. Summary: Human Knowledge – Dimensions of a Complex Phenomenon The present paper deals with a phenomenon which has attracted philosophers, psychologists, biologists and theoreticians dealing with cognition: human knowledge. Curiously enough, economists as social scientists have largely ignored it by making inadequate assumptions. In this paper, three dimensions of the phenomenon will be considered after some prolegomena (part 0): cognition, comprising mind and reasoning (part 1), communication, referring to language and writing (part 2) and, finally, interaction, dealing with exchange and markets (part 3). In an epilogue (part 4), the findings will be summarised and brought into perspective by looking into their implications for economics as a social science.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Walter Hamm Die Folgen pervertierter Anreize Inhalt I. Verkannte Bedeutung von Antriebskräften......................................................... 123 II. Die Bedeutung einzelwirtschaftlicher Anreize für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg des Wirtschaftens............................................... 124 III. Ursachen fehlleitender individueller Anreize ..................................................... 126 1. Falsche politische Rahmenbedingungen für individuelles Handeln .............. 126 2. Falsche Anreize im Sozialsystem................................................................... 128 3. Schädliche Anreize durch noch mehr Umverteilung ..................................... 130 4. Fehlleitende Antriebe in der Steuerpolitik ..................................................... 132 5. Fehlentwicklungen in der staatlichen Ausgabenpolitik.................................. 133 6. Leistungsdemotivierende Einflüsse auf den Arbeitsmärkten......................... 135 7. Falsche Anreize als Folge von Wettbewerbsbeschränkungen ....................... 136 8. Mißachtung des internationalen Politikwettbewerbs .................................... 137 IV. Korrektur von Fehlanreizen ................................................................................ 139 Literatur ........................................................................................................................ 140 Zusammenfassung ........................................................................................................ 141 Summary: The Consequences of Perverted Incentives ............................................... 141


Zusammenfassung Die Folgen pervertierter Anreize · 141 Das Verhalten vieler Menschen in Deutschland schadet dem Gemeinwohl: Die Schattenwirtschaft wächst in großen Schritten. Arbeitslose weigern sich, ihnen angebotene bezahlte Tätigkeiten zu übernehmen. Die illegale Kapitalflucht greift um sich. Leistungen der Sozialversicherung werden zu Lasten der Solidargemeinschaft in vermeidbaren Fällen in Anspruch genommen. Unternehmer investieren nicht in Deutschland, sondern im Ausland und exportieren Arbeitsplätze. Beschäftigte gehen viel zu früh in Rente und treiben damit die Beiträge zur Rentenversicherung in die Höhe. Diese und viele andere Verhaltensweisen werden weithin als moralisch verwerflich verurteilt. Die Kritiker übersehen jedoch, daß die Menschen in allen diesen Fällen rational – ihren materiellen Vorteilen folgend – handeln und daß es vom Staat falsch gesetzte Anreize sind, die das individuelle Fehlverhalten hervorrufen. Es liegt mithin Staats- oder Politikversagen vor. In dem vorstehenden Beitrag wird den Gründen nachgegangen, die Politiker veranlassen, oft unwissentlich Fehlanreize zu setzen. Die schwerwiegenden gesamtwirtschaftlichen Nachteile einer ordnungspolitisch orientierungslosen Politik werden dargelegt, und es wird ein Katalog von Maßnahmen präsentiert, die geeignet sind, Fehlanreize zu verhindern und zu beseitigen. Summary The Consequences of Perverted Incentives The social behaviour of many people in Germany is detrimental to the public interest. The shadow economy is in the process of expanding in giant strides. Unemployed persons refuse to accept available jobs and paid work. There is a proliferation of illegal capital outflow. In avoidable cases social welfare benefits are claimed at the expense of the general public. Instead of investing in Germany, employers prefer to transfer their


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Hans H. Glismann und Klaus Schrader Eine effiziente Arbeitslosenversicherung für Deutschland Inhalt I. Einleitung ............................................................................................................ 143 II. Die Argumente gegen eine private Arbeitslosenversicherung............................ 144 1. Zur mangelnden Unabhängigkeit der Arbeitslosigkeitsrisiken...................... 145 2. Zum unbekannten Ausmaß des Arbeitslosigkeitsrisikos ............................... 147 3. Zur prohibitiven Höhe der Prämien................................................................ 147 4. Das Moral hazard-Problem............................................................................ 148 5. Das Adverse selection-Problem...................................................................... 153 III. Arbeitslosenversicherung und Abbau von Arbeitslosigkeit: ein Konzept .......... 155 1. Vorbemerkungen............................................................................................ 155 2. Das Trennsystem: Die Arbeitnehmerseite...................................................... 156 3. Das Trennsystem: Die Arbeitgeberseite......................................................... 162 IV. Zum Regulierungsbedarf eines Systems privater Arbeitslosenversicherung...... 166 1. Vertragsfreiheit............................................................................................... 166 2. Das Problem der Zwangsmitgliedschaft und des Kontrahierungszwangs ..... 167 V. Zusammenfassung und Einordnung.................................................................... 169 Literatur ........................................................................................................................ 171 Zusammenfassung ........................................................................................................ 173 Summary: An Efficient Unemployment Insurance for Germany................................ 174


Zusammenfassung Eine effiziente Arbeitslosenversicherung für Deutschland · 173 Es wird untersucht, ob ein System privater Versicherungen gegen die finanziellen Risiken der Arbeitslosigkeit möglich ist und wie es beschaffen sein sollte. Die gängigen Argumente, die gegen die private Versicherbarkeit des Arbeitslosigkeitsrisikos sprechen, werden dargestellt, analysiert und zurückgewiesen. Alternativ zur bestehenden Arbeitslosenversicherung in Deutschland wird ein Trennsystem vorgeschlagen, das Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen Anreize zur Verminderung von Arbeitslosigkeit gibt. Für die Arbeitnehmer wird ein Modell zur Bestimmung des individuellen Risikos und der darauf basierenden individuellen Prämien bei alternativen Leistungen der Arbeitslosenversicherung entworfen. Für die Seite der Arbeitgeber wird vorgeschlagen, die Vorteile des amerikanischen Systems des Experience rating wahrzunehmen und unter Ausnutzung von Rückkopplungseffekten auszubauen. Schließlich wird auf den Regulierungsbedarf in diesem hypothetischen System privater Arbeitslosenversicherung eingegangen. Summary An Efficient Unemployment Insurance for Germany It is analysed whether a system of private unemployment insurance is feasible, and if so, what specific features it should have. According to the authors, the popular arguments against a private unemployment insurance, such as moral hazard and adverse selection, do not hold. The authors suggest a dual-system model of private unemployment insurance that includes incentives on the side of employees as well as on the side of employers to reduce unemployment. Each employee pays insurance premia according to his individual risk of becoming unemployed and according to his preference with respect to the individual level and duration of unemployment payments. On the employers’ side, the US system of experience rating is elaborated in such a way as to increase, via autoregressive processes, the built-in tendencies to reduce unemployment. In addition, the regulation necessary to operate this dual system is analysed.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Norbert Berthold, Marita Brischke und Oliver Stettes Betriebliche Bündnisse für Arbeit – Gratwanderung zwischen Tarifbruch und Tariftreue Inhalt I. Einleitung ............................................................................................................ 175 II. Betriebliche Bündnisse für Arbeit – Anpassung im strukturellen Wandel......... 177 1. Krisenbündnisse .............................................................................................. 177 2. Innovationsbündnis ......................................................................................... 181 III. Wirtschaftspolitische Implikationen betrieblicher Bündnisse für Arbeit............ 185 1. Die Arbeitsmarktordnung in Deutschland: Möglichkeiten und Grenzen betrieblicher Bündnisse für Arbeit.................................................................. 186 2. Institutionelle Reformen für betriebliche Bündnisse für Arbeit ..................... 187 IV. Schlußbemerkungen............................................................................................ 190 Literatur ........................................................................................................................ 191 Zusammenfassung ........................................................................................................ 193 Summary: Social pacts at the workplace - a challenge to the system of collective bargaining in Germany? ............................................................................ 193


Zusammenfassung Betriebliche Bündnisse für Arbeit · 193 Betriebliche Bündnisse für Arbeit sind ein Kennzeichen des Dezentralisierungstrends in den industriellen Beziehungen in Deutschland. Durch einen Tausch von Lohnzugeständnissen der Arbeitnehmer gegen eine Beschäftigungszusage des Unternehmers erhalten oder erhöhen sie die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in einem veränderten Umfeld. Krisenbündnisse sichern bei einem negativen technologischen oder nachfragebedingten Schock Quasi-Renten aus betriebsspezifischen Humankapitalinvestitionen und verhindern ineffiziente Entlassungen. Innovationsbündnisse erhöhen die Anpassungsflexibilität des Betriebes in einem volatilen Umfeld und entschädigen die Mitarbeiter durch eine Gewinnbeteiligung für ihre Kooperationsbereitschaft und den Verlust ihrer Quasi-Renten. Die derzeitige Arbeitsmarktordnung beschränkt den Spielraum der Betriebsparteien, betriebliche Bündnisse für Arbeit zu schließen. Gesetzliche Öffnungsklauseln im Verbund mit einer Konkretisierung des Günstigkeitsprinzips und einer Modifizierung der Sozialauswahl im Kündigungsschutz erhöhen die Gestaltungsfreiheit von Unternehmensleitungen und Belegschaften, ohne den betrieblichen Verteilungsfrieden zu gefährden. Summary Social pacts at the workplace - a challenge to the system of collective bargaining in Germany? Social pacts at the workplace have become a spreading feature across contemporary German industrial relations. They involve wage-employment negotiations between the employer and her employees which improve the competitiveness of the firm in a changing environment. In case of a crisis, social pacts can sustain quasi-rents and prevent inefficient dismissals. Moreover, social pacts encompassing profit-sharing can foster cooperative behaviour both between employer and employees and among the latter. In this respect, social pacts trigger reorganization of work and innovation-based growth of the firm. Legal institutions ruling collective bargaining in Germany restrict voluntary wage settlements at the firm level. Therefore, institutional reforms should centre on implementing legal opening-clauses.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Harald Großmann und Andreas Knorr Ökonomische Aspekte der Kinderarbeit Inhalt I. Einführung .......................................................................................................... 195 II. Kinderarbeit: Definition(sprobleme) und geschätztes Ausmaß .......................... 196 III. Ökonomische Ursachen und Auswirkungen der Kinderarbeit............................ 198 1. Determinanten der Kinderarbeit..................................................................... 198 2. Auswirkungen der Kinderarbeit ..................................................................... 202 IV. Maßnahmen zur Überwindung der Kinderarbeit ................................................ 205 1. Völkerrechtliche Regelungen ......................................................................... 205 2. Ökonomische Analyse der einzelnen Instrumente ......................................... 206 V. Schlußbetrachtung............................................................................................... 214 Literatur ..................................................................................................................... 214 Zusammenfassung ..................................................................................................... 217 Summary: Economic Aspects of Child Labor.......................................................... 217


Zusammenfassung Ökonomische Aspekte der Kinderarbeit · 217 In den Industrienationen seit Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend überwunden, gilt die in der Dritten Welt nach wie vor weit verbreitete Kinderarbeit als eines der zentralen sozialen Probleme der Gegenwart. Angesichts erheblicher Datenprobleme ist ihr genaues Ausmaß jedoch kaum zuverlässig abzuschätzen. Wie in der Abhandlung außerdem dargelegt wurde, hat Kinderarbeit ganz überwiegend ökonomische Ursachen, insbesondere Armut. Sie kann deshalb langfristig und auf Dauer nennenswert nur durch den gezielten Einsatz solcher ökonomischer Instrumente eingedämmt werden, die geeignet sind, das Armutsproblem zu lindern. Summary Economic Aspects of Child Labor Largely overcome in the industrialized world since the end of the 19 th century, but still a widespread phenomenon in the Third World, child labor is commonly acknowledged to be one of the most serious social problems of our time. Due to the significant shortcomings of available data, its prevalence can impossibly be assessed in a halfway reliable manner. As was also demonstrated in this paper child labor is primarily caused by economic factors, in particular poverty. Hence, only the use of those economic instruments which tackle the underlying poverty problem at its very roots may, in the long run and permanently, help to substantially reduce the incidence of child labor.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Wilhelm Meyer Handeln wider besseres Wissen Inhalt I. Das Erklärungsproblem: Grenzen der Nutzentheorie ......................................... 219 II. Das Wohlfahrtsproblem: Grenzen des Subjektivismus....................................... 226 III. Das praktische Problem: Grenzen der Aufklärung ............................................. 227 IV. Das politische Problem: Grenzen der Freiheit .................................................... 230 V. Ceterum Censeo .................................................................................................. 232 VI. Handeln wider besseres Wissen.......................................................................... 238 Literatur ........................................................................................................................ 239 Zusammenfassung ........................................................................................................ 241 Summary: Acting Against one’s Better Knowledge ................................................... 241 Zusammenfassung Es gibt verbreitete Lebensstile, die Züge der systematischen Selbstschädigung aufweisen. Dazu gehört das regelmäßige Zigarettenrauchen. Dieser Sachverhalt führt zu einer Reihe von Problemen. Sie haben mit theoretischen und praktischen Grundfragen der Wirtschaftswissenschaften zu tun. Es geht einmal um die Erklärungskraft und die Grenzen der Nutzentheorie, dann um die Grenzen des Subjektivismus zur Behandlung von Problemen der individuellen Wohlfahrt, ferner um das Problem der Wirksamkeit von bloßer Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens und schließlich um die Grenzen des Millschen Freiheitspostulats als Richtschnur für politisches Handeln. Diese Probleme behandle ich in den Abschnitten I. bis IV. Dabei versuche ich zu zeigen: daß weder die Nutzentheorie noch einige sozialpsychologische Theorien wesentliche Phänomene der Nikotinabhängigkeit erklären können, ein dogmatischer wohlfahrtstheoretischer Subjektivismus unhaltbar ist, der Wirksamkeit von Aufklärung zur Formung und Änderung von die Gesundheit schädigenden Lebensstilen Grenzen gesetzt sind und daß es Formen der Versklavung gibt, nämlich mentale und psychische, die Beschränkungen der Handlungsfreiheit im Interesse der Bewahrung individueller Autonomie „nützlich“ erscheinen lassen.


Handeln wider besseres Wissen · 241 Es gibt in der deutschen Politik ein merkwürdiges Phänomen: Einer Industrie, die mit großem Aufwand und großem Risiko Heilmittel produziert und vertreibt, legt man immer wieder Steine in den Weg, weil ihre Heilmittel nicht immer neuartig sind, die Preise nicht durch die Kosten gerechtfertigt erscheinen und die Heilmittel selbst nicht immer – wie angepriesen – wirken. Eine andere Industrie, die Krebsmittel produziert und diese mit großem Werbeaufwand als Lebensfreude und Lebenslust verschaffende Ware anpreist, wird mit Nachsicht behandelt. Diesem Zustand, seinen Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere der Mädchen und Jungen, und der möglichen Abhilfe ist mein Ceterum Censeo, Abschnitt V, gewidmet. Im VI. Abschnitt zeige ich, daß uns Männern eine gewisse Hoffnung verbleibt, selbst wenn unsere Frauen wider besseres Wissen rauchen sollten. Summary Acting Against one’s Better Knowledge The fact that millions of people smoke in self-destructive ways gives rise to some basic theoretical and political problems. In this paper I deal with, first: the problem of explanation of that self-destructing behaviour and show some limits of utility theory, second: the problem of individual welfare and point to the limits of subjectivism, third: the practical public health problem and point to limits of persuasion. In a fourth section I deal with a basic principle of political philoso- phy, i.e. with Mill’s Principle of Freedom. Here I argue that Mill’s principle can be interpreted to allow for some severe restrictions for Cigarettes producing firms. In a fifth section I address to a remarkable paradox in Germany: There is, on the one hand, an industry - stricly observed and attacked by the general public and health administrators alike - that produces nothing but proved medicaments. And there is, on the other hand, an industry selling proved cancerogenes and promising publicly a pleasurable life for all users of his cancerogenes, but this industry enjoys an unseen comfortable and nearly untouched economic life in Germany. In my Ceterum Censeo, section V, I address to this fact, to the increasing smoking rates among the youth, the health consequences for the people, and point to some remedy. Section VI gives some consolations to men whose wives do smoke against the better knowledge of their husbands.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Frank Daumann Staatlicher Handlungsbedarf bei Doping im Hochleistungssport? Inhalt I. Problemstellung .................................................................................................. 243 II. Zum Phänomen Doping ...................................................................................... 244 1. Begriffsabgrenzung ........................................................................................ 244 2. Auftreten......................................................................................................... 246 3. Gegenwärtige Regelung ................................................................................. 246 III. Eine ökonomische Erklärung für Doping ........................................................... 247 1. Ökonomisch bedeutsame Eigenschaften des Dopings ................................... 247 2. Doping als dominante Strategie ..................................................................... 248 3. Zur Möglichkeit einer Lösung durch die beteiligten Akteure........................ 250 4. Doping unter veränderten Rahmenbedingungen............................................ 251 5. Doping bei minderjährigen Athleten.............................................................. 252 IV. Notwendigkeit und Umfang einer staatlichen Doping-Intervention................... 253 1. Zum Rechtfertigungsaspekt............................................................................ 254 2. Zum Subsidiaritätsaspekt ............................................................................... 262 V. Ergebnis............................................................................................................... 264 Literatur ........................................................................................................................ 264 Zusammenfassung ........................................................................................................ 267 Summery: Are there any good reasons for a law forbidding doping in sports? .......... 268


268 · Frank Daumann Zusammenfassung Doping als Form der versteckten Leistungsmanipulation stellt eine dominante Strategie für Hochleistungssportler dar. Ein staatlicher Handlungsbedarf bei Doping wird mit den nachteiligen Wirkungen von Doping auf die Redlichkeit des sportlichen Wettbe- werbs, auf die Gesundheit, auf den Sportmarkt, auf das soziale Kapital sowie auf die Reputation sportlicher Siege begründet. Nach Prüfung dieser Argumente besteht ein derartiger Handlungsbedarf bei minderjährigen Athleten in Form des Schutzes vor Gesundheitsschäden sowie im Zusammenhang mit der Reputationswirkung sportlicher Siege in Form einer gänzlichen Unterbindung von Doping. Aufgrund des Subsidiaritätsprinzips kann dieser Handlungsbedarf von den Sportverbänden ausgefüllt werden, da diese sowohl über wirksame Instrumente zur Verhinderung von Doping verfügen als auch starke Anreize haben, diese Instrumente wirkungsvoll einzusetzen. Der staatliche Handlungsbedarf besteht somit lediglich darin, einen finanziellen Beitrag zu einer wirksamen Anti-Doping-Politik auf Ebene der Sportverbände zu leisten. Summery: Are there any good reasons for a law forbidding doping in sports? Doping as a means to improve the athlete´s performance in a hidden way is a dominant strategy for all athletes involved in a contest. From an economic point of view a governmental intervention can be justified with the effects of doping on the under age athletes´ health and on the reputation of sport contests. But taking the aspect of subsidiarity into consideration this intervention must be addressed to the leading associations of sport, which have effective means and a strong incentive to prevent athletes from doping. The role of the government is to be limited to support the anti-doping policy financially.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Dieter Fritz-Aßmus und Egon Tuchtfeldt Basel II als internationaler Standard zur Regulierung von Banken Inhalt I. Wandel in der Regulierung von Banken: Von Basel I zu Basel II ..................... 269 II. Gründe für die Regulierung von Banken ............................................................ 271 1. Banken als Finanzintermediäre ...................................................................... 272 2. Gründe für die Regulierung............................................................................ 273 3. Regulierung durch Aufsichtsämter................................................................. 274 III. Von der quantitativen zur qualitativen Regulierung: Die neuen Elemente von Basel II ......................................................................................................... 275 1. Säule 1: Mindestkapitalanforderungen........................................................... 276 2. Säule 2: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren ............................................ 277 3. Säule 3: Erweiterte Offenlegung .................................................................... 278 IV. Weniger Regeln – mehr Aufsicht? Basel II aus ordnungspolitischer Sicht........ 279 1. Risikoadäquate Eigenkapitalunterlegung....................................................... 280 2. Ermessensspielraum durch qualitative Aufsicht ............................................ 282 3. Wettbewerbsverzerrende Effekte ................................................................... 283 V. Schlußfolgerungen .............................................................................................. 285 Literatur ........................................................................................................................ 285 Zusammenfassung ........................................................................................................ 287 Summary: Basel II as an international standard for bank regulations......................... 288


Zusammenfassung Basel II als internationaler Standard zur Regulierung von Banken · 287 Mit der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) steht die nationale und internationale Bankenaufsicht vor einer weitreichenden Neuausrichtung. Basel II sieht vor, die Kapitalanforderungen an Banken stärker als bisher mit den ökonomischen Risiken der Banktätigkeiten zu verbinden. Neben überarbeiteten Vorschriften zur Mindestkapitalanforderung treten nun zusätzliche Eingriffsrechte der Bankenaufsicht in Form eines qualitativen aufsichtlichen Überprüfungsverfahrens, ergänzt durch die Verpflichtung von Banken zu einer erweiterten Offenlegung von Informationen. Da der formulierte Anspruch der Baseler Empfehlungen zur Regulierung von Banken auf größere Stabilität, mehr Solidität und eine größere Effizienz abzielt, werden im vorliegenden Aufsatz die vom Baseler Ausschuss vorgesehenen Regulierungsvorgaben besonders mit dem Blick auf diese Zielsetzung vorgestellt. Aus ordnungspolitischer Sicht werden insbesondere die risikoadäquate Eigenkapitalunterlegung, die vorgesehenen Ermessensspielräume durch die qualitative Aufsicht sowie die wettbewerbsverzerrenden Effekte durch die Baseler Vereinbarungen diskutiert. Festgestellt werden dabei Defizite sowohl was die quantitative, als auch was die qualitative Aufsicht betrifft. Zweifel sind geboten an Vorgehensweise und Methodik der Eigenkapitalunterlegung. Rolle und Befugnisse der Aufsichtsinstanzen tragen weder national noch international zur Einheitlichkeit und Transparenz der Bankenaufsicht bei. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene konnten Wettbewerbsverzerrungen und Begünstigungswettbewerbe sowie Fehlallokationen von Risiko und Ressourcen identifiziert werden. Insgesamt entsprechen die Baseler Empfehlungen in vielen Bereichen nicht einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Ordnungspolitik. Ein mutiger Schritt wäre gewesen, die diskretionären Eingriffsmöglichkeiten zu beschränken, die marktliche Risikolenkung stärker zu betonen und mehr Marktdisziplinierung statt Regulierung zu wagen.


288 · Dieter Fritz-Aßmus und Egon Tuchtfeldt Summary Basel II as an international standard for bank regulations With the New Basel Capital Accord (Basel II) the national and international bank supervision framework stands for a far-reaching change. The aim of Basel II is to formulate more precisely than before the levels of regulatory capital that banks must hold as a cushion against the credit and other risks they run. The proposal consists of three so called pillars, dealing with revised minimum capital standards, with a new supervisory review process, and with the proposal of market discipline through more market transparency. The three pillars are discussed under the aspects of their postulated aim to improve stability, solidity and efficiency of the banking system. A closer investigation is made on the concept of risk-adequate capital requirements, on the effects of discretionary interventions, and on the possibilities of competitive distortions. As result it is shown that there still exist reasonable doubts concerning the concept and methods of the capital standard framework. There exists great concern about the role and function of the supervisory authorities, which don´t contribute to national and international comparability and transparency of the regulations. And there are competitive distortions and „patronage-competition“ on the national and international level identified as well as inefficiencies in the allocation of risks and resources. The authors come to the conclusion that the Basel Committee´s proposal is not in harmony with the basic rules of a competitive market process in many aspects. Instead of focusing much effort on a supervisory intervention scheme based on flexible, unspecified elements, it would have been the better signal for the financial markets to concentrate on risk-enforcing market incentives, and to encourage more market discipline instead of proposing more market supervision.


ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (Lucius & Lucius, Stuttgart 2003) Bd. 54 Lars P. Feld Eine Europäische Verfassung aus polit-ökonomischer Sicht * Inhalt I. Einleitung ............................................................................................................ 289 II. Warum benötigt die EU eine Verfassung?.......................................................... 292 III. Direkte Demokratie für die Europäische Verfassung ......................................... 297 IV. Für eine wettbewerbsföderalistische Europäische Union ................................... 302 1. Die grundsätzliche Entscheidung zwischen Bundesstaat und Staatenbund..................................................................................................... 302 2. Wettbewerbsföderalismus oder kooperativer Föderalismus? ......................... 303 3. Kompetenzverteilung und Subsidiarität.......................................................... 307 V. Schlußbemerkungen............................................................................................ 310 Literatur ........................................................................................................................ 312 Zusammenfassung ........................................................................................................ 316 Summary: A European Constitution from a Political Economy Perspective.............. 316


316 · Lars P. Feld Zusammenfassung In diesem Beitrag werden drei Themenkomplexe im Hinblick auf eine zukünftige Europäische Verfassung diskutiert. Zunächst werden verfassungstheoretische Argumente für eine Beschränkung politischer Entscheidungskompetenzen vorgestellt. In einer im Vergleich zu heute mit weiteren Kompetenzen ausgestatteten Europäischen Union entstehen den Akteuren durch die Kompetenzausweitung Anreize zum Machtmißbrauch. Wegen des bislang fehlenden europäischen demos reicht eine Ausdehnung der Kompetenzen des Europäischen Parlamentes zur Legitimierung politischer Entscheidungen auf EU-Ebene nicht aus. Elemente der direkten Demokratie in einer Europäischen Verfassung können dem europäischen demos aufhelfen. Gleichzeitig bieten Referendum und Initiative die Möglichkeit, die europäische Legislative und Exekutive stärker zu kontrollieren. Daher wird zum Abbau des Demokratiedefizits in der EU die Aufnahme eines obligatorischen Verfassungsreferendums sowie einer Verfassungs- und Gesetzesinitiative in die Europäische Verfassung vorgeschlagen. Die Schaffung eines Bundesstaates in Europa erfordert schließlich eine genauere Zuteilung von Kompetenzen und Regeln für die Lösung von Kompetenzkonflikten. Dieser Bundesstaat sollte wettbewerbsföderalistisch organisiert sein. Summary A European Constitution from a Political Economy Perspective In this paper, three topics of a European Constitution are discussed. First, arguments from constitutional political economy are presented that aim at restricting political actors because they have incentives to misuse their powers in a European Union with extended competencies. Since a European demos does not yet exist, an extension of competencies of the European Parliament is not sufficient in order to legitimate political decisions at the EU level. The introduction of elements of direct democracy in the European Constitution would shape the creation of such a demos and at the same time lead to a stronger control of the European legislature and executive. Second, the introduction of a mandatory constitutional referendum as well as a constitutional and a legislative initiative in the European Constitution is thus proposed in order to reduce the European democratic deficit. Third, the creation of a European federation requires a more transparent assignment of competencies and rules to resolve conflicts between different centers of power. A European federation should be organized according to the principles of competitive federalism.

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