Partnerschaft & Teilhabe

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Partnerschaft & Teilhabe

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Mitten im Leben

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Politik gibt es Begriffe, die

viele nicht verstehen und oft auch

als Geschwätz einordnen. Viele

behinderte Menschen haben z.B.

das Wort „Integration“ für wertlos

gehalten. Das könnte auch inhaltliche

Gründe gehabt haben. Ein Freund

von mir sagte gern, er wolle gar nicht

integriert sein. Ich wusste genau was

er meinte. Integriert sein heißt sich anzupassen,

so zu funktionieren, dass man das übliche Spiel

mitspielen kann. Übersetzt heißt es für behinderte

Menschen, dass sie klaglos die Barrieren überwinden

müssen und zusätzliche Kräfte aufwänden, um eine

Leistung (z.B. im Arbeitsleben) zu erbringen wie alle

anderen auch.

„Inklusion“ ist ein sperriges Wort, hört sich auch

irgendwie merkwürdig an. Aber der Gedanke

dahinter ist richtig. Die UN-Konvention über die

Rechte von Menschen mit Behinderungen, die jetzt

auch in unserem Land gilt, verlangt, dass unsere

Bedürfnisse lebenslang in staatliche Planungen

mit einbezogen werden, dass eine schulische

Ausbildung ohne Aussonderung genauso möglich

ist wie eine Teilnahme am regulären Arbeitsmarkt.

Dass sich das Recht auf Partnerschaft, letztendlich

auch auf Sexualität, nicht individuell einklagen lässt,

liegt allerdings auf der Hand. Grundsätzlich gilt das

Recht auf Teilhabe aber umfassend von politischen

Grundsätzen bis hin zu privatesten Bereichen.

Wir versuchen mit dieser Broschüre einen großen

Bogenzuschlagen.EssindsehrvieleThemenbereiche,

die eine Rolle dabei spielen, wenn es darum geht,

z.B. Menschen mit einer Querschnittlähmung zu

befähigen ein selbstbestimmtes Leben mitten in der

Gesellschaft zu führen. Einer Gesellschaft, die immer

kälter und materialistischer wird, in der es immer

Editorial

mehr ums Geld und immer weniger um den Wert

des menschlichen Lebens geht.

Es wird also schwerer, unmöglich ist es nicht. Viele

Menschen mit einer Querschnittlähmung behaupten

sich auch in diesen Zeiten, leben ein integriertes und

aktives Leben mit einem intakten Umfeld, einer

Partnerschaft, mit gemeinnützigem Engagement

oder einer erfolgreichen Berufstätigkeit.

Es kann aber auch nicht schaden, dass die

internationale Politik z.B. mit der UN-Konvention,

aber auch mit Diskriminierungsverbot im

Grundgesetz oder Gleichstellungsgesetzen die

Bürgerrechte behinderter Menschen fordert. Wir

sollten diese Rechte nutzen und sie vor Gericht

und in der öffentlichen Diskussion einklagen. Denn

Papier allein ist nur zu geduldig. Wir werden alle

daran mitarbeiten müssen unsere Rechte aus den

Gesetzen in die Lebenswirklichkeit zu holen. Meine

Lebenserfahrung sagt mir: Ohne teils auch erbitterte

Kämpfe wird es nicht funktionieren …

Die vollwertige Teilhabe der Betroffenen am

Leben war und ist immer noch das Ziel der

Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in

Deutschland e.V. (FGQ), unserem bundesweiten

Selbsthilfeverein mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Wenn Sie einen Rat brauchen oder wissen möchten,

welche Erfahrungen andere mit dieser Behinderung

bereits gemacht haben, kommen Sie zu uns. Wir

wissen wie man mit Querschnittlähmung lebt. Und

wenn Sie zu uns kommen wollen, um Ihre gemachten

Erfahrungen an andere weiter zu geben – herzlich

willkommen. Kontaktadressen finden Sie am Ende

dieser Broschüre.

Peter Mand, FGQ Schriftführer

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Inhalt

Editorial 3

Bestandsaufnahme:

Mehr Rechte statt Almosen

Integration durch Technik:

Auto-Mobilität

Unterstützung bei der Teilhabe:

Ergotherapie – Training für den Alltag

Partnerschaft & Sexualität

Das Wunder des Lebens

44 Wohnen für alle

50

Schadensersatzforderungen –

Behindertengerechtes Wohnen

Mitten im Leben

UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen:

Die Freiheit der Selbstbestimmung

Gesetz und Wirklichkeit:

Mit dem Rolli zur Schule

Inkontinenz beherrschen

mit dem „Blasenstimulator“


56

Zuzahlungen in der Gesetzlichen

Krankenversicherung

62 Befreiung von den Rundfunkgebühren

65 Arbeitsgemeinschaften

66 FGQ / Impressum

Markt

Titelfoto

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Inhalt

Kleine Schule des guten Stehens

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Richtig selbst katheterisieren:

So lassen sich Infekte vermeiden

Auszeichnung für PARAVAN-Chef

Roland Arnold

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Bestandsaufnahme:

Mehr Rechte statt Almosen

Es fehlt in Deutschland nicht grundsätzlich an Hilfen für behinderte Menschen. Doch in

Skandinavien und USA gibt es weniger Ausgrenzung als hierzulande.

In den USA war es kein Problem, dass zwei

Präsidenten mit dem Namen Roosevelt

sichtbar schwer behindert waren: Franklin D.

war durch Kinderlähmung Rollstuhlfahrer und

Theodore wegen Asthma deutlich geschwächt.

Daneben gab es den nach einem Attentat

querschnittgelähmten Gouverneur von Ala-

bama, George Wallace. Der blinde britische

Innenminister David Blankett, galt bis zu

seinem Rücktritt als erfolgreichstes Mitglied

im Kabinett von Tony Blair.

Bei diesen Menschen zählten die Fähigkeiten

und Leistungen, wobei die Behinderung eine

untergeordnete Rolle spielte. Leider ist das in

Deutschland nicht so der Fall. Hier werden

Menschen mit Behinderungen gern in eine

bestimmte Ecke gedrängt und von vornherein

als leistungsgemindert eingestuft.

1997 stelle der Stern nach einem Interview mit

Wolfgang Schäuble auf dessen Wunsch folgen-

de Frage: „Ein Krüppel als Bundeskanzler?“ Der

1990 durch ein Attentat querschnittgelähmte

damalige Fraktionschef wurde als Nachfolger

von Helmut Kohl gehandelt. (Anm.d.Red.:

Die auf einem Zitat Schäubles beruhende o.e.

Formulierung wurde 2010 erneut benutzt,

um am Stuhl des vorübergehend erkrankten

Finanzministers zu sägen. Dadurch wurde

nicht nur seine Behinderung als Waffe gegen

ihn benutzt, sondern gleich eine ganze

Bevölkerungsgruppe beleidigt.)

Immer noch Ausgrenzung

Es gibt laut Gesetzgeber keine Krankheit, die

das „Aus-dem-Verkehr-ziehen“ rechtfertigt,

aber das scheint in das Bewusstsein vieler

Menschen noch nicht vorgedrungen zu sein.

Ängste und Missverständnisse bestimmen noch

für viele die Begegnung mit körperlichen,

geistigen und seelischer Behinderung. Jede

Abweichung vom „Normalen“ wird als eine Art

Makel betrachtet. Auch wenn es keiner nach

außen hin zugeben mag, findet eine gewisse

gesellschaftliche Ausgrenzung statt.

Aus diesem Grunde war es für Behinderte in

Deutschland – im Gegensatz zu Skandinavien


und den USA – mit vielen Schwierigkeiten

verbunden, ihre Interessen bei den Einrich-

tungen in öffentlichen Gebäuden und Ver-

kehrsmitteln durchzusetzen. Über viele Jahre

gab es in der Bahn weder geeignete Abteile

noch Toiletten. Nach vielen Protesten wurden

behindertengerechte Abteile und Toiletten

angeschafft. Da aber automatische Ein- und

Ausstieghilfen fehlten, können Rollstuhlfahrer

ohne fremde Hilfe weder ein- noch aussteigen.

In einem Teil der Nahverkehrszüge setzt

die Bahn AG inzwischen Rampen ein, die

auf Knopfdruck ein- und ausfahren, aber

immer noch werden Fahrgäste im Rollstuhl

mit primitiven Handkurbelkonstrukten in

hypermoderne Fernzüge verladen.

Hilfe bekamen die deutschen Behinderten

von den behinderten Regierungsvertretern der

Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush.

Auf seinen Reisen durch die Bundesrepublik

erläuterte der Behindertenbeauftragte

beider Präsidenten, der Rollstuhlfahrer Justin

Dart, die Vorzüge des weltweit als Vorbild

geltenden US-Antidiskriminierungs- und

Gleichstellungsgesetzes behinderter Menschen

„The Americans with Disabilities Act“ vom

Juli 1990. Die konsequente Anwendung

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hat den behinderten Menschen in den USA

Gelegenheit gegeben, am gesellschaftlichen

Geschehen teilzuhaben, und dadurch viele

Dollar zusätzlicher Einnahmen in den Wirt-

schaftskreislauf gespült.

In USA haben Menschen mit Behinderung

einklagbare Bürgerrechte, mit denen sie

Barrieren einreißen können. Allerdings ist es

mit den sozialen Zuwendungen und einer

umfassenden Sozialversicherung im Vergleich

zur Bundesrepublik nicht gerade zum Besten

bestellt. Hier gibt es diese Leistungen. Trotz

Benachteilungsverbot im Grundgesetz und

Gleichstellungsgesetzen müssen die Behin-

derten bei uns aber noch um Beseitigung von

Hindernissen und Diskriminierungen ringen.

Länderübergreifendes

Bewusstsein schaffen

In Bundesministerien, Behörden und gesetz-

lichen Krankenkassen müssten die Internet-

seiten seit Januar 2006 für Menschen mit und

ohne Behinderungen gleichermaßen zugäng-

lich sein. Das Allgemeine Gleichbehand-

lungsgesetz vom 17. August 2006 verbietet

Diskriminierung der Menschen auch wegen

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ihrer Behinderung. Betroffene sollten sich

darauf verlassen können, dass sie nicht länger

wegen ihres Handikaps aus Restaurants und

Läden ausgeschlossen werden und dass

Banken, Versicherungen, Reiseanbieter, Haus-

und Wohnungsvermittler ihnen Verträge nicht

verweigern.

Aber kaum ein Gesetz hat zu der Beseitigung

von Mauern zwischen Menschen mit und

ohne Behinderungen beigetragen. So

bewerteten einige Urlauber die Anwesenheit

von Behinderten in Ferienhotels wiederholt als

„Urlaubsfreuden mindernd“. Es wurde ihnen

sogar Schadenersatz zugesprochen.

Immer noch müssen Städteplaner, Architekten,

Verkehrsbetriebe und Ladenbesitzer mühsam

davon überzeugt werden, dass ebenerdige

Aufzüge, über eine Rampe erreichbare Läden,

Bahnen und Busse mit automatisch ein- und

ausfahrbaren Rampen und stufenlosen Zugang

nicht nur den Mobilitätsbeeinträchtigten zu

Gute kommen, sondern auch kleinen Kindern

und Müttern mit Kindern das Leben erleichtern

würden.

Integration in Europa?

In den USA haben die auf Pflege und Assistenz

angewiesenen Menschen mit Unterstützung

durch den obersten Gerichtshof ihreEinweisung

in Pflegeheime verhindert. Die Richter haben

den Wohnkommunen aufgegeben, mit

ambulanten Hilfen diesen Menschen das

Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu

ermöglichen. In Deutschland bevorzugen

die Sozialhilfe und Pflegeversicherung den

Heimaufenthalt. Aus diesem Grunde streiten

sich die Betroffenen, die in den eigenen vier

Wänden leben und als Arbeitgeber selbst

ihre Hilfskräfte anstellen möchten, mit den

Sozialämtern vor Verwaltungsgerichten.

Im zusammenwachsenden Europa sollten die

Staaten voneinander lernen und das über-

nehmen, was sich bei den Nachbarn be-

währt hat. Durch die Überzeugungskraft

des blinden Abgeordneten David Blankett

hat England nach US-Vorbild ein Antidis-

kriminierungs- und Gleichstellungsgesetz be-

schlossen. Zusammen mit der Reform der

Sozialsysteme wird es dem Menschen mit

Behinderungen in wenigen Jahren die

vollkommene berufliche und gesellschaftliche

Integration ermöglichen, ist das Europäische

Behindertenforum in Brüssel überzeugt.

Text: Heike Stüvel

Foto: www.emanuelbloedt.de


UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen:

Die Freiheit der Selbstbestimmung

Das seit März auch in Deutschland geltende Abkommen verlangt eine möglichst große

Teilhabe an der Gesellschaftohne Ausgrenzung. Auch der neue Behindertenbeauftragte

der Bundesregierung Hubert Hüppe fordert radikale Veränderungen in Schulen

und Behörden. Er will zur Umsetzung der UN-Konvention über Menschen mit

Behinderungen bald einen Beirat einsetzen. Darin sollen Betroffene die Mehrheit

haben. Denn für Hüppe gilt der Grundsatz: „Nichts über uns – ohne uns“ (– der aus

der Behindertenbewegung von 1981 stammt; Anm.d.Red.)

Deutschland hat eine UN-Konvention unter-

zeichnet, die zwingend vorschreibt, dass be-

hinderte Kinder auf die dieselben Schulen

gehen dürfen wie nicht behinderte Kinder

und das Schulsystem umgebaut werden muss.

Eines der Hauptanliegen der Behinderten-

Verbände ist der gemeinsame Unterricht von

behinderten und nicht behinderten Kindern.

Deutschland ist hier europäisches Schlusslicht:

Nur 15,7 Prozent der behinderten Kinder be-

suchen eine Regelschule. Von mehr als 400 000

an Förderschulen (den früheren Sonderschulen)

unterrichteten Kindern verlassen mehr als

77 Prozent die Schule ohne Abschluss.

Der gemeinsame Unterricht für behinderte

und nicht behinderte Kinder nützt beiden:

Die soziale Kompetenz wächst und Vorurteile

werden abgebaut. Zudem werden behinderte

Kinder herausgefordert, ihren nicht behin-

derten Mitschülern zu zeigen, was sie alles

können. Wichtig dafür ist qualifiziertes Perso-

nal an den Regelschulen. Es müssen ent-

sprechende Rahmenbedingungen geschaffen

werden, denn 30 Schüler und eine Lehrkraft,

das ist kaum befriedigend. Hüppe ist davon

überzeugt, dass gemeinsames Lernen nicht

Gleichmacherei bedeutet, sondern die

Leistungsfähigkeit der Schüler steigert. Er er-

wartet noch in diesem Jahr von allen Län-

dern, dass Maßnahmen ergriffen werden,

um behinderten Kindern den Besuch der

Regelschule zu ermöglichen, wie es die

UN-Konvention will.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass

die Leistungen der Schüler umso schlechter

sind, je früher sie auf eine Förderschule

gehen und je länger sie dort verweilen.

Schüler wachsen mit den Ansprüchen, die

man an sie stellt. Wenn ständig speziell dafür

ausgebildete Pädagogen ihre Hand schützend

über die Schüler halten, gibt es kaum

Herausforderungen, und es entsteht keine

Atmosphäre, an der ein Kind wachsen kann.

Ein Leistungsgefälle ist nötig, um den Ehrgeiz

der Schüler anzuspornen.

Auf Augenhöhe

Auf dem Papier scheint Deutschland ein

sehr behindertenfreundliches Land zu sein

und hat einige positiv klingende Gesetze

verabschiedet in den vergangenen Jahren. Es

gibt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz,

das Behindertengleichstellungsgesetz und das

Sozialbuch mit der Nummer IX, ein Regelwerk,

das Selbstbestimmung und Teilhabe verspricht.

Auch im Grundgesetz sind die Rechte Behin-

derter inzwischen verankert: „Niemand darf

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wegen seiner Behinderung benachteiligt

werden“, steht seit 1994 in Artikel 3, Absatz

3. Aber wie sieht es in der Realität aus?

Behinderte besuchen in der Regel immer

noch nicht nur besondere Schulen, sondern

arbeiten oft auch in besonderen Betrieben

wie Behindertenwerkstätten. Sie werden

ausgegrenzt, werden aus Unsicherheit häufig

höflich übersehen, angestarrt oder nur

verstohlen beäugt. Man weiß nicht genau,

wie man sich natürlich gegenüber einem

Behinderten verhalten soll, weil der Anblick

dieser Menschen ein Tabu berührt. Es ist die

Unsicherheit gegenüber dem Fremden und

das Unbekannte, was den Leuten Angst

macht. Menschen mit Behinderungen werden

immer noch häufig in Heimen untergebracht.

Es gibt aber auch gute Beispiele wie in der

Autoindustrie, wo schon mehr behinderte

Mitarbeiter beschäftigt sind als die fünf

Prozent, die das Gesetz vorschreibt. Aber

mehr als drei Viertel aller privaten Betriebe

in Deutschland, die mehr als 20 Mitarbeiter

beschäftigen, kommen dieser Vorschrift nicht

in dem gewünschten Maße nach. Bei ungefähr

30 000 Unternehmen arbeitet kein einziger

Schwerbehinderter…

(Anm.d.Red.: Querschnittgelähmte arbeiten

selten in der Schwerindustrie, auch in den

behindertenwerkstätten sind sie eine kleine

Minderheit. Aber das grundsätzliche Problem

gilt für sie auch: Wenn Gewinnmaximierung

der einzige Maßstab ist, haben Menschen

mit einem Handikap in der Wirtschaft kaum

Chancen. Dabei geht Potential verloren –

wer mit einer Behinderung leben lernt, hat

Fähigkeiten erworben, die durchaus erwarten

lassen, dass er auch schwierigste Aufgaben und

härtesten Bedingungen lösen kann …)

Noch viel zu oft leben und arbeiten Menschen

mit Behinderungen in Sondereinrichtungen.

Artikel 19 der UN-Menschenrechtskonvention

legt das Recht auf unabhängige und

selbstbestimmte Lebensführung verbindlich

fest. Der Staat soll mit Hilfe gemeindenaher

Unterstützungsdienste und persönlicher

Assistenz allen Menschen mit Behinderung

ein Leben in der Wohnung ihrer Wahl und

an einem Ort ihrer Wahl ermöglichen. Die

Beseitigung von Barrieren aller Art soll das

vorurteilsfreie Zusammenleben aller erreichen.

Der Traum von einem selbstbestimmtem Leben

und der Integration hinsichtlich Arbeit, Beruf

und Gesellschaft, könnte bald wahr werden.

Text: Heike Stüvel


Kleine Schule des guten Stehens

Als ich vor 17 Jahren als Physiotherapeutin in der Klinik mit querschnittgelähmten

Patienten zu arbeiten begann, lernte ich gerade noch die „alte Schule“ des Stehens

mit Hilfsmitteln kennen: Sobald ein Patient ausreichend Armkraft hatte, um sich in

den Stand hochzudrücken, wurden ihm „Schienenschellenapparate“ angefertigt und

los ging es! Mit Hilfe dieser Schienen wurde verhindert, dass die Kniegelenke im

Stand einknickten. Selbst bei komplett gelähmter Rumpfmuskulatur erlernte auf

diese Weise jeder Patienten im Gehbarren das Stehen und Gehen ohne Rücksicht

auf die unphysiologisch starke Belastung vieler Gelenke. Seitdem hat sich die

Philosophie des Stehens zum Glück erheblich verändert.

„Nicht um jeden Preis“ ist heute die Devise.

Es wird darauf geachtet, dass beim Stehen

Folgeschäden durch Überlastung von

Gelenken, Bändern und anderen passiven

Strukturen vermieden werden. Die besondere

körperliche Belastung im Alltag eines

Querschnittgelähmten ist sehr hoch und sehr

einseitig. Entsprechend verantwortungsvoll

sollte mit den körperlichen Ressourcen

umgegangen werden, aber auch nichts

ungenutzt bleiben. In diesem Beitrag möchte

ich das Stehtraining aus orthopädischer Sicht

beleuchten.

Durch die einseitige sitzende Position für

Rollstuhlfahrer ist die Stehfunktion eine wich-

tige Ausgleichsposition fürdie Muskelelastizität,

Gelenkbelastung und Elastizität des Kapsel-

Bandapparates der Gelenke im Sinne der

Kontrakturprophylaxe (Vorbeugung gegen

Muskelverkürzung). Besonderes Augenmerk

ist auf die Beckeneinstellung zu legen. Die

Beckenposition bildet die Basis und definiert

die Wirbelsäuleneinstellung in der Stehposition.

In der Sitzposition eines Rollstuhlfahrers sind

die hüftbeugenden Muskelgruppen ange-

nähert. Das natürliche Bestreben eines Mus-

Markt

kels ist es, sich zusammenzuziehen. Schon

bald nach dem Ereignis einer Querschnitt-

lähmung/Bewegungsverlustes beginnen sich

diese Muskelgruppen zu verkürzen, wenn

sie nicht regelmäßig täglich durch eine Ver-

änderung der Ausgangsstellung in Form des

Stehtrainings verlängert bzw. gedehnt wer-

den. Muskelverkürzungen treten besonders

dann auf, wenn nur eine Funktion der hüft-

beugenden Muskulatur besteht, aber der Ge-

genspieler zur Hüftstreckung nicht aktiv ist.

Moderne Sitz- / Stehtrainer sind so konzipiert,

dass sie von der sitzenden Position in den Stand

führen. Das Becken ist als Schlüsselpunkt durch

die Sitzbeine auf der Sitzfläche verankert.

Unterhalb des Beckens bilden die Oberschenkel

einen Abstützpunkt und oberhalb die

Brustpelotte – über die Wirbelsäule. Im Sitzen

sind die Abstützpunkte winklig einander

zugeordnet. Während des Aufrichtens kommt

es zur zunehmenden lotrechten Ausrichtung.

Das Aufstehen aus dem Sitz entspricht prinzi-

piell dem natürlichen Verhalten von Fuß-

gängern und die Zuordnung der Abstütz-

punkte beschreibt räumlich den gleichen Weg.

Der Unterschied liegt allerdings in der

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Markt

Stehen ohne ... ... und mit Entlordosierung

Beckendrehbewegung bzw. Kippung nach

hinten. Bei einem Fußgänger ist das Becken

frei für diese entscheidende kleine Drehung

um die Querachse und das führt zu dieser

Rückkippung des Beckens. Sie wird automa-

tisch muskulär geführt und findet kurz vor

Erreichen des Standes statt. Die Lenden-

wirbelsäule wird so natürlich gestreckt.

Schwächstes Glied der Kette

Wenn ein Rollstuhlfahrer mit einem Stehgerät

in den Stand wechselt, drückt die Sitzfläche

das Becken ebenso nach vorne. Aber die

in die Sitzfläche eingetauchten Sitzbeine

verhindern diese Rückkippung des Beckens,

also die Drehung um die Querachse. Die

Lendenwirbelsäule wird in ein starkes

Hohlkreuz gezwungen – im Fachjargon

auch „Hyperlordose“ oder „übertriebenes

Hohlkreuz“ genannt. Die übrige Wirbelsäule

stellt sich wie ein zu scharf gebogenes „S“ ein.

Diese Hyperlordose führt zu einer Kompression

in den Wirbelgelenken und längerfristig zur

Lockerung der Bandstrukturen und anderen

Sekundärproblemen. Normal wäre aber

ein lang gestrecktes, abgeflachtes „S“. Zur

Vermeidung dieser Hyperlordose müsste eine

„entlordosierende“ Bewegung durch das

Becken über eine Bewegung der Sitzfläche

bewirkt werden.

Wenn nun Verkürzungen der Hüftbeuger auch

nur im geringsten Maße noch hinzukommen,

wird der Effekt der Beckenrückkippung oder

„Entlordosierung“ zusätzlich behindert. Eine

Hüftstreckung wird trotz der Stehposition

nicht erzielt und somit auch kein Aufdehnen

der Hüftbeuger. Es geben also die vielen

Gelenke der Wirbelsäule nach und werden

zum schwächsten Glied der Kette.

In unserer Physiotherapieabteilung haben

wir verschiedene Systeme von allen

marktführenden Stehgeräteherstellern. Nach

individueller Auswahl und optimaler Anpassung

können die Patienten die Systeme während des

Klinikaufenthaltes im eigenverantwortlichen

Training erproben. Für die häusliche Versorgung

wird nach einer längerfristigen Erprobung, eine

auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete

Stehversorgung verordnet.

Becken richtig stellen

In den vielen Jahre meiner Arbeit mit

querschnittgelähmten Patienten ergab

sich allerdings bei der Anpassung der

Stehversorgungen immer wieder die

Problematik der Beckenpositionierung.

Bei den bisherigen Stehgeräten am

Markt besteht nicht die Möglichkeit der

physiologischen Beckenpositionierung im

Sinne der Rückkippung zur Entlordosierung

der Lendenwirbelsäule. Dies lässt sich nur

unter therapeutischer Hilfestellung korri-

gieren, wodurch die Selbstständigkeit und

Eigenverantwortlichkeit stark eingeschränkt


wird. Es bedarf eines Entlordosierungssystems,

die den Schlüsselpunkt „Becken“ an den

Sitzbeinen in die Rückkippung führt. Weiterhin

sollte der Abstand der Abstützpunkte oberhalb

und unterhalb des drehenden Beckens um

die Querachse durch die mobile Sitzfläche

nicht zu groß sein. Statt einer Brustpelotte,

die zu viele bewegliche Gelenke inkludiert,

ist eine Abstützung durch eine Bauchpelotte

erheblich günstiger zur Entlordosierung der

Lendenwirbelsäule. Mit einem solchen System

wäre eine Entlastung der passiven Strukturen

zur verbesserten Wirbelsäuleneinstellung zu

erreichen.

Gemeinsam mit der Firma EasyStand habe

ich Lösungen zu dieser biomechanischen

Problematik erarbeitet, worauf hin das

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Mit dem neu entwickelten „Entlordosierungs-

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für das Stehtraining Querschnittgelähmter und

neurologisch betroffener Patienten gefunden

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Gesetz und Wirklichkeit:

Mit dem Rolli zur Schule

Seit Anfang 2009 gilt auch in Deutschland die UN-Behindertenkonvention. Sie fordert

so genannte „inklusive Schulen“, in denen Kinder mit und ohne Behinderungen

gemeinsam miteinander und voneinander lernen. Um solche Schulen zu unterstützen,

wurde im letzten Jahr der „Jakob Muth-Preis für inklusive Bildung“ als ein Projekt

der Bertelsmann-Stiftung ausgeschrieben und zum ersten Mal verliehen.

Djamal und seine Mutter müssen häufig gemeinsam

Hindernisse überwinden.

Gleich drei Schulen sind die gleichberechtigten

Preisträger: die Erika-Mann-Grundschule (Ber-

lin), die Integrierte Gesamtschule Linden

(Hannover) und die Sophie-Scholl-Schule

(Gießen). Für ihren vorbildlichen gemeinsamen

Unterricht von behinderten und nicht be-

hinderten Kindern erhalten die drei Schulen

jeweils ein Preisgeld von 3 000 EURO.

Es gibt sie also doch, die empfehlenswerten

Schulen, die sich auf den Weg gemacht haben,

um inklusive Schulen zu werden. Das tröstet

ein wenig. In normalen Schulen ist der Alltag

für Kinder im Rollstuhl nämlich nicht unbedingt

empfehlenswert. Der 11-jährige Djamal aus

Potsdam zum Beispiel erfährt gerade, dass

er als Rollstuhlfahrer nicht so einfach von der

Grundschule auf das Gymnasium wechseln

kann. Bisher geht er als Integrationskind in

die evangelische Grundschule der Hoffbauer-

Stiftung. Die meisten seiner Freunde werden

im Sommer in das Gymnasium der Stiftung

wechseln, das nur ein paar Kilometer entfernt

auf der Halbinsel Hermannswerder liegt. Ein

schönes altes Gebäude, das leider unter

Denkmalschutz steht. Ein behindertengerechter

Umbau ist offenbar nicht möglich oder

jedenfalls von den Kosten her nicht realisierbar.

Schulen haben andere

Prioritäten

Also machten Djamal und seine Mutter Karin

Lehnert sich auf die Suche nach Alternativen.

Im Ortsteil Kirchsteigfeld gibt es zwar eine

barrierefreie Gesamtschule, aber die beiden

fühlten sich in dem dortigen Umfeld spontan

nicht richtig wohl.Das nächsterollstuhlgerechte

Gymnasium liegt in Kleinmachnow, einer zu

Berlin gehörenden Gemeinde. Die Schule


ist bestens für Rollstuhlfahrer geeignet und

„einfach cool“, wie Djamal zugibt. Vor allem

gefällt dem Technikfreak die Ausstattung

mit Notebooks, SMART Boards und höhen-

verstellbaren Tischen.

Andererseits würde ein Schulbesuch in

Kleinmachnow für Djamal bedeuten, dass er

sehr früh vom Fahrdienst abgeholt werden

müsste. Noch wichtiger ist vielleicht, dass

der Kontakt zu den bisherigen Freunden

wahrscheinlich abbrechen würde. Das alles

ließe sich durch den Bau eines Aufzuges

vermeiden, eine eigentlich relativ einfache

Angelegenheit. „Das Problem betrifft ja nicht

nur uns“, beschreibt Djamals Mutter. „Es

gibt doch auch Eltern im Rollstuhl, die zum

Beispiel Elternsprechstunden besuchen wollen.

Aber die Schulen haben leider einfach andere

Prioritäten“.

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Was ist Inklusion?

Bei den Schulen, die den „Jakob Muth-

Preis für inklusive Bildung“ erhalten haben,

ist das anders. Für den Preis haben sich

144 Schulen beworben. Bei ihnen steht der

Integrationsgedanke an erster Stelle. Hier

wird Kindern vermittelt, dass sie mit ihren

Bedürfnissen nicht unwichtig sind, auch

wenn sie im Rollstuhl sitzen oder andere Be-

sonderheiten haben. Im Gegenteil: das ge-

meinsame Lernen steht hier an erster Stelle.

Seit Anfang 2009 ist die UN-Behinderten-

konvention auch in Deutschland verbindlich.

Sie fordert in Artikel 24 ein inklusives

Schulsystem, eine Schule, in der Kinder mit

und ohne Behinderung wohnortnah und ge-

meinsam gemäß ihrer individuellen


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Die Erika Mann-Grundschule Berlin arbeitet „inklusiv“.

Bedürfnisse unterrichtet werden. Mit Inklusion

ist etwas anderes gemeint als mit der in

Deutschland bekannten Integration. Bei der

Integration soll sich der behinderte Mensch

anpassen, um in Schule und Gesellschaft mit

dabei sein zu können. Eine inklusiveGesellschaft

grenzt behinderte Menschen mit ihren

Bedürfnissen gar nicht aus, sondern bezieht

sie von Anfang an ein. Sie geht nicht von der

so genannten Normalität aus, sondern von der

Individualität und Vielfalt der Menschen.

Die Forderung nach einem inklusiven

Schulsystem ist damit rechtlich verbindlich.

Deutschland ist von diesem Ziel allerdings noch

weit entfernt: Bei uns finden nur 15 Prozent

der jungen Menschen mit Behinderungen

einen Platz in einer allgemeinen Schule. Vor

allem in Gymnasien und Realschulen sind

behinderte Jungen und Mädchen selten,

„nahezu unbekannt“, wie Marianne Demmer,

stellvertretende Vorsitzende und Schulexpertin

der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

es ausdrückt. Djamal hat mit seinem Bedürfnis

nach einem barrierefreien Gymnasium schon

dafür gesorgt, dass er nicht mehr unbekannt

ist. In Potsdamer Zeitungen wurde viel über

ihn und die Notwendigkeit von Aufzügen

geschrieben. Ein erster Schritt in Richtung

Inklusion?

Text: Ruth Auschra

Fotos: Auschra, Ulfert Engelkes


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Integration durch Technik:

Auto-Mobilität

Während bei den meisten der Autokäufer Spritverbrauch, PS oder Komfort Ent-

scheidungskriterien sind, stehen bei Autofahrern mit Mobilitätseinschränkungen

ganz andere Fragen im Vordergrund. So unterschiedlich wie die Wünsche und

Vorstellungen dieser Autokäufer, sind oftmals die körperlichen Beeinträchtigungen.

Für die technische Umsetzung der individuellen Umrüstlösungen arbeiten einige

Autohäuser mit Spezialfirmen wie „Paravan“ zusammen. Ford forciert Spezialfahr-

zeug-Verkäufe. Starke Wettbewerber auf dem Markt sind auch Opel, Volkswagen,

Fiat und der französische Konzern PSA (Citroen, Peugeot).

Erik Stelzer, Arnold Schnelle, Michael Süfke,

Erich Mundolf, Nedjet Muran, Siegmund

Neumann und Sven Markgraf kämen niemals

auf die Idee, sich der Spezialeinbauten zu

schämen, die in die Papiere eingetragen

wurden. Sie haben ihre Behinderung

angenommen und genießen in ihrem speziellen

Auto die Freiheit der Mobilität.

Erik fährt einen Zafira Nivo 1.9 CDTI, der

als Absenkauto konzipiert ist: Über die

hinteren Stoßdämpfer kann der 110 kW/150

PS starke Kompaktvan abgesenkt und eine

Ford C-Max, u.a. mit Joystick Lenkung.

Rampe ausgeklappt werden. Der sehr flache

Steigungswinkel ermöglicht eine bequeme

Einfahrt mit dem Rollstuhl ins Fahrzeug.

Arnold fährt einen Ford C-Max mit Joystick

Lenkung und einem „Blibber“ (Knopf für den

linken Fuß, mit dem er Blinken, Aufblenden

und Scheibenwischen kann). Ohne fremde

Hilfe kann er aus dem Fahrersitz in den

Rollstuhl wechseln. Erich bedient sich in seinem

C-Max des Rollstuhlverladesystems durch eine

Schwenktür, welche die normale Hintertür auf

der Fahrerseite ersetzt. Ohne Hilfe kann er

aus dem Fahrersitz in den Rollstuhl wechseln.

Nedjet schwört auf seinen Focus Turnier mit

Handbedienung für Gas und Bremse, Dreh-

knopf für die Lenkung und einem ortho-

pädischen Recaro-Fahrersitz.

Michael fährt einen Mondeo-Diesel mit

Handgas und -bremse sowie Lenkdrehknopf

und verfügt über einen Lifter, der den

Rollstuhl auf dem Dach verstaut. Siegmund

steuert einen Tourneo Connect, der über eine

Auffahrtsrampe mit Bodenverankerung für

seinen Rollstuhl verfügt und Sven freut sich

über seinen Ford Fusion, bei dem er mit der

Hand Gas, Bremse und Lenkung bedienen


kann. Er nutzt von der Fahrertür aus eine

Verladehilfe, die den Rollstuhl vollautomatisch

hinter dem Fahrersitz verstaut.

Zuschüsse für Kauf und Umbau

Ford beschränkte sich im behindertengerech-

ten Tagungszentrum Pforzheim-Hohenwart

nicht nur auf die Präsentation von bei Ford

gebauten behindertengerechten Fahrzeugen,

sondern lieferte auch Beratung, was die

Finanzierung eines solchen Autos angeht.

„Die Bundesagentur und Rentenversicherung

unterstützen Behinderte bei der Anschaffung

und dem Umbau eines Fahrzeugs“, so

Günter Sührer, Leiter des Technischen

Beratungsdienstes von der Bundesagentur

für Arbeit. Jeglicher Zuschuss zum Kauf

oder zum Umbau eines Autos für einen

Behinderten muss nach den Vorschriften der

KfzHV (Kraftfahrzeughilfeordnung) vor der

Anschaffung beantragt werden, da es sonst

kein Geld gibt. Folgende Voraussetzungen

müssen für die Unterstützung erfüllt sein: Der

Behinderte darf nicht nur vorübergehend auf

die Benutzung seines Fahrzeugs angewiesen

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sein. Der Antragsteller benötigt das Fahrzeug,

um zu seinem Arbeits- bzw. Ausbildungs-

platz zu kommen.

Auch für Nichtberufstätige ist es möglich,

durch einen entsprechenden Antrag finanzielle

Unterstützung beim Kauf eines Autos zu

bekommen. (Allerdings handelt es sich um

„Kann-Bestimmungen“, angesichts leerer

Kassen steht eine Bewilligung eher in den

Sternen; Anm.d.Red.) Voraussetzung ist

dabei immer, dass der Betroffene durch Art

und Schwere des Handikaps zwingend auf

ein Auto angewiesen ist, um überhaupt am

öffentlichen und kulturellen Leben teilnehmen

zu können. Außerdem muss gewährleistet

sein, dass der behinderte Mensch entweder

selbst fahren kann, oder dass jemand anders

als Fahrer fungiert. Der Kaufpreis des Autos

(ohne behindertengerechte Ausstattung) wird

mit maximal 9 500 € bezuschusst, wobei

das Einkommen berücksichtigt wird. Die

behindertengerechte Ausstattung wird in voller

Höhe übernommen. Finanzielle Unterstützung

gibt es auch zum Erreichen der Fahrerlaubnis.

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20

Erlangung der Fahrerlaubnis muss vor-

her gestellt werden. Eine mögliche Steuer-

befreiung beziehungsweise die Höhe einer

Steuerermäßigung für das persönlich genutzte

Fahrzeug richtet sich nach dem Vermerk im

Schwerbehindertenausweis.

Auch wer noch keinen Führerschein hat,

kann ihn trotz körperlicher Einschränkungen

in Angriff nehmen. Durch den „Antrag auf

Fahrerlaubnis“ wird geprüft, wer unter welchen

Bedingungen am Straßenverkehr teilnehmen

darf. Ratsam ist aber, diese Aufgabe der

Fahrschule zu übergeben, da sie über das

nötige Hintergrundwissen verfügt und schon im

Vorfeld klären kann, ob bestimmte Gutachten

und Tests notwendig sind.

Ausführliche Informationen zur Rechtslage,

Führerscheinerwerb, Voraussetzungen der

Kostenübernahme sowie nötigen Gutachten

finden sich auch in der Opel-Broschüre „Mehr

Mobilität. Mehr Möglichkeiten.“ Diese und

weitere Infobroschüren liegen bei den Opel-

Handelspartnern für alle Interessierten bereit.

Selbstständigkeit und

Unabhängigkeit

Mobil heißt weit mehr als bloße

Ortsveränderung von A nach B. Es bedeutet,

aktiv am Leben teilnehmen zu können, einen

Beruf auszuüben, soziale Kontakte zu pflegen,

etwas mit der Familie zu unternehmen und

kulturelle Kontakte zu pflegen. Mobilität

bedeutet nicht zuletzt Selbstständigkeit und

Unabhängigkeit. Ein Instrument für diese

Verwirklichungen ist das Auto.

Die Gruppe der Autofahrer mit Mobilitäts-

einschränkungen umfasst in Deutschland ca.

1,6 Mio. Aufgrund umfangreicher Forschungs-

Opel Insignia Sportstourer.

aktivitäten, beispielsweise zur Ergonomie, ist

Fords Modellfamilie nach eigenen Angaben

bestmöglich auf die Bedürfnisse dieses Perso-

nenkreises zugeschnitten. Alle Modelle sollen

sich für behindertengerechte Umbauten eig-

nen, für die das Unternehmen einige Part-

ner anbietet. Interessenten kaufen bei Ford

ihr Fahrzeug und lassen es dann umbauen.

2008 hat das Unternehmen 4 700 Behin-

dertenfahrzeuge verkauft und will diese

Menge im Jahre 2009 auf 5400 erhöhen. Dabei

erfreut sich der Focus der größten Beliebtheit.

Mit einem großen Produktangebot und

individuellen Umbaumöglichkeiten für alle

gängigen Fahrzeugmodelle sämtlicher Her-

steller bietet der Spezialist REHA Group

Automotive Menschen mit Bewegungsein-

schränkungen jeglicher Art kompetente Hilfe

an. Die Kooperation mit Opel macht es dem

Betroffenen noch einfacher, sein Wunschfahr-

zeug bedarfsgerecht auszustatten. Ob Pkw

oder Nutzfahrzeug – das Hildener Unter-

nehmen realisiert Umbauten für die gesamte

Opel Modellpalette.

Neben der bereits intensiven Beratung zu

Umbaumöglichkeiten der Fahrzeuge und den

allgemeinen rechtlichen Bestimmungen und

Voraussetzungen haben die REHA-Experten

einen speziellen Kfz-Schutzbrief für behinderte

Menschen entwickelt, der für eine erweiterte


Mobilität sorgt. Sowohl das Auto als auch der

Kunde selbst werden direkt zum jeweiligen

Spezialumbauer gebracht – unabhängig von

dessen Standort – und nicht nur zum nächst-

gelegenen Händler. Zudem wird eine Fahrzeug-

Versicherung angeboten, die eine kostenfreie

Mitversicherung des Fahrzeugumbaus bis zu

150 000 € einschließt. Bei weitergehenden

Rechtsfragen konnte der Verein „Mobil durchs

Leben“ gewonnen werden. Fachkundige An-

wälte bieten damit für Behinderte eine

Interessenvertretung. Durch diese Bausteine

erhält der Kunde bei der REHA-Group

Automotive sein individuelles Produkt sowie

Dienstleistungen aus einer Hand.

Das schwäbische Unternehmen Paravan baut

Fahrzeuge so um, dass man seinen genau

auf die eigene Behinderung abgestimmten,

„Maßanzug“ auf Rädern bekommt. Welches

Fahrzeug gewählt wird, ist nur eine Frage

des Geschmacks und des Geldbeutels. Den

Löwenanteil des Umsatzes erzielt das Unter-

nehmen damit, dass Vans auseinandergesägt

und mit einem besonderen Unterbau bestückt

werden, so dass Rollstuhlfahrer über eine

Rampe ins Fahrzeug gelangen. Auch können

Querschnittgelähmte, Einarmige, Menschen

ohne Beine oder Kleinwüchsige, mit einem Joy-

stick ihre individuelle elektronische Steuerung

für das Auto bekommen. Diese Technologie

kommt aus dem Flugzeugbau. Paravan hat

sie sich unter dem Namen „Space Drive“

patentieren lassen. Tobias Schönleber, Leiter

für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei

Paravan: „Wer damit fahren will, muss ziemlich

umdenken, aber Paravan bietet auch einen

Verkehrsübungsplatz zum Austesten an.“

Text: Heike Stüvel

Fotos: Hersteller

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Markt

KADOMO sucht nach der besten Lösung:

Autoumrüstung – einfach gut

Rollstuhlfahrer nutzen ihre Hände, um ihr Auto zu lenken, beschleunigen oder

abzubremsen. Laut Führerschein sollen sie auch noch blinken und hupen können

ohne das Lenkrad loszulassen.

Die Firma KADOMO („…und Du KAnnst DOch

MObil sein“) aus dem rheinischen Monheim

verwendet zur Lösung dieses Problems einen

am Handbediengerät befestigten „Plug

& Play Commander“, der alle Licht- und

Wischerfunktionen auf Fingertipp ausführen

kann, ohne dass man das Steuer oder die

Bremse aus der Hand geben muss. Die einfach

zu installierende Technik bietet gleich mehrere

Vorteile: Zur Zeitersparnis beim Einbau, die

für den Endkunden weniger Kosten verur-

sacht, kommt noch der je nach Fahrzeug-

modell geringe bis ausbleibende Eingriff in

die Kfz-Verkabelung.

Die junge Umrüstfirma, die erst Anfang 2009

gegründet wurde, hat schon jetzt eine hohe

Kundenbindung. Das liegt an der Erfahrung

der Mitarbeiter des Unternehmens, immerhin

zwei von ihnen selbst querschnittgelähmt,

einer davon Marketing-Mann Udo Späker.

Soziales Gewissen

Am Anfang einer Pkw-Umrüstung steht oft der

Kundenwunsch: „Ich will selbst Auto fahren.“

KADOMO siehtsich hier in derBeratungspflicht,

will auch dem Betroffenen helfen, notwendige

Voraussetzungen zu klären: Wie ist es z.B. um

die körperliche Fähigkeiten bestellt, etwa die

Sitzstabilität oder die Greiffunktion. Dann gilt

es einen Weg aufzuzeigen, um die gewünschte

Mobilität zu erreichen. Wichtig ist es nun in alle

Richtung zu informieren und die verschiedenen

technischen Möglichkeiten abzuwägen. Auch

wenn das bedeutet, nicht jeden EURO aus

dem Auftrag heraus zu holen, gilt: „Die

beste Lösung ist meist nicht die teuerste“,

betont Udo Späker. Auch Fragen nach einem

evtl. Kostenträger z.B. bei Berufstätigen,

evtl. aber auch bei regelmäßig gemeinnützig

engagierten Kunden wollen geklärt werden,

eine Rechtsberatung ist allerdings nicht

zulässig. Gerade Menschen, die eigentlich

nicht genug Geld für ein eigenes Auto haben,

können Zuschüsse z.B. von Stiftungen helfen.

KADOMO begreift sich als Firma mit sozialer

Verantwortung, erläutert Späker.

So gibt es auch für die wachsende Gruppe

der Selbstzahler günstige Lösungen. Selbst

Menschen mit ganz kleinem Geldbeutel

soll Mobiliät ermöglicht werden, z.B. mit

günstigen, einfach aber gut und sinnvoll

konstruierten Handbedienungen für Gas und

Bremse. Udo Späker nennt ein Beispiel: Ein

Paraplegiker wollte die Handbedienung aus

seinem alten Auto mitnehmen, hatte bereits

ablehnende Antworten von anderen Anbietern

bekommen. Mit etwas Geschick und geringen

Modifikationen war der Umbau letztlich doch

kostengünstig realisierbar.

„Klarheit und Transparenz“

So lautet das Prinzip der „Mobilitäts-

manufaktur“, wie sich KADOMO auch nennt.

Eine großzügige Verglasung zur Werkstatt hin

symbolisiert diesen Anspruch. Bescheidenheit

gehört auch zum Stil, man will nicht der


Firmensitz in Monheim.

Größte sein, nicht überall der Beste, sondern

ein zuverlässiger Partner, wo man gern wieder

hingeht. Zusammenarbeit mit allen Anbietern

von Umrüstlösungen, auch Mitbewerbern,

sowie die Verwendung von gebrauchten Teilen

istdie Voraussetzung für optimale Flexibilität. So

lassen sich Gesamtlösungen zusammenstellen,

die für den Kunden die besten sind. Oft

entsteht dabei eine familiäre Verbindung, Nähe

erleichtert die Kommunikation. Es ist schließlich

von Vorteil, wenn man dem Autoumrüster

nicht erst erklären muss, dass z.B. eine auf

den ersten Blick nicht sichtbare verdrehte

Wirbelsäule ein Spezial-Polster erfordert.

Stolz ist man bei KADOMO auf einige

Spezialumrüstungen. So wurde in einem

Opel-Insignia-Kofferraum ein elektrisch heraus

fahrbarer Boden mit einem Kran für einen

„Minitrac“ konstruiert und installiert. Eine

andere Besonderheit ist die Auswahl von

fünf kompakten Elektrorollstühlen, mit denen

Tetraplegiker direkt hinters Lenkrad fahren

können, um ihr Fahrzeug selbst zu steuern.

Ein weiteres Beispiel ist der Kleinbus für eine

Mutter mit zwei querschnittgelähmten Kindern:

Zwei Sitze links und rechts schwenken aus dem

Fahrzeug und bewegen sich elektrisch auf und

ab, damit sie die beiden nicht ständig selbst

heben muss. Inzwischen ist KADOMO auch

Hersteller. Ganze 10 Produkte gibt es ohne

Markt

Zwischenhandel direkt beim Produzenten

– kostengünstig für Endkunden und ohne

Verzicht auf Qualität.

Als Lob empfindet die Firma auch die Zerti-

fizierungen, z.B. „ISO 9001.2008“ durch

den TÜV Nord. Dafür müssen strenge

Anforderungen erfüllt werden, etwa repro-

duzierbare Prozesse, stetige Verbesserung,

Dokumentation, Kundenbefragungen, Entwick-

lungen. Auch die Qualitätsanforderungen des

französischen Herstellers „Agrément Carrossier

Renault“ wurden erfüllt. Zu guter Letzt wurden

die Monheimer jetzt auch noch „Qualified

Partner Van Mercedes-Benz“.

Text: Peter Mand

Fotos: KADOMO

Kontakt:

Mobilitätsmanufaktur

KADOMO GmbH

Am Kieswerk 2

40789 Monheim am Rhein

Tel.: 0 21 73-20 44 600

E-Mail:

u.spaeker@kadomo.de

www.kadomo.de

KADOMO-Marketing-Mann

Udo Späker.

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Unterstützung bei der Teilhabe:

Ergotherapie – Training für den Alltag

„Ergotherapie“ stammt von dem griechischen Wort „ergon“ ab und bedeutet tun,

handeln, arbeiten. Damit umreißt die Bezeichnung das wesentliche Merkmal des

Berufsbildes: Jemanden dazu befähigen, zu handeln und damit so selbstbestimmt

wie möglich seinen Alltag zu gestalten. Die Wiedergewinnung von Selbstständigkeit,

Lebensqualität sowie die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sind wesentliche Ziele

der Rehabilitation.

Ergotherapie wird vom behandelnden Arzt

verordnet und er entscheidet, wann sie be-

ginnen kann. Insgesamt gilt auch hier: Je

eher, desto besser. Die Befundaufnahme und

Therapie kann bereits bei einem frisch ver-

letzten Querschnittgelähmten auf der Intensiv-

station starten.

Rehabilitation bedeutet Teamarbeit: Ergo-

therapeuten arbeiten eng mit allen Berufs-

gruppen zusammen, die auch mit der Reha-

bilitation des Querschnittgelähmten zu tun

haben. Es finden regelmäßige fachliche

Austausche statt, um gemeinsam das Optimale

für den Betroffenen zu bewirken. So erfolgt

eine Abstimmung der Therapie z.B. mit dem

behandelnden Arzt, dem Pflegepersonal,

dem Physiotherapeuten, Logopäden, Sozial-

arbeitern und dem Psychologen. Auch mit der

Orthopädie- und Medizintechnik, dem Archi-

tekten, dem Arbeitsamt, einem Handicap-

Fahrlehrer sowie externen Spezialfirmen

werden die Behandlungsschwerpunkte koor-

diniert. Nur mit einer guten Teamarbeit ist

das primäre Rehabilitationsziel, das Wieder-

erlangen der größtmöglichen Selbstständig-

keit im Alltag zu erreichen.

Am Anfang der Therapie wird immer eine

intensive Befundaufnahme durchgeführt. Ge-

meinsam mit dem Patienten werden Nah-

und Fernziele besprochen. Es werden ver-

lorengegangene Fähigkeiten wieder trainiert

oder Ersatzstrategien zur Kompensation er-

arbeitet. Häufig ist der Einsatz von Hilfsmitteln

notwendig, deren Anwendung intensiv ein-

geübt wird. Die Therapie kann sowohl in

Einzel- als auch Gruppentherapie stattfinden.

Die Behandlungen können in der Klinik, in

einer ergotherapeutischen Praxis oder beim

Patienten zuhause stattfinden. Die Behand-

lungsdauer beträgt ca. 45 Minuten. Nach

Möglichkeit sollten die Angehörigen in die

ergotherapeutische Behandlung mit einbe-

zogen werden. Bei der Beratung und der

Anleitung sollen auch sie unterstützt werden

mit der neuen Situation umzugehen und

den querschnittgelähmten Patienten nicht zu

bevormunden.

Therapieziele

Wichtige Voraussetzungen sind das Erreichen

einer Sitzbalance, die Fähigkeit zum Lage-

wechsel und das Greifen und Loslassen von

Gegenständen auf verschiedene Art und

Weise. So ist zum Beispiel bei einer Lähmung

der Hand- und Fingerfunktion entscheidend,

dass die Hände von Anfang an richtig mit

Lagerungsschienen gelagert werden. Die


Gelenke werden mobilisiert und eine Funk-

tionshand ausgebildet. Ist die Läsion unter-

halb von (Halswirbel) C 6 kann eine aktive

Funktionshand trainiert oder die Handha-

bung der Funktionsschienen gezeigt werden.

Es werden außerdem Sinnes- und Körper-

wahrnehmung geschult, krankhafte Bewe-

gungsmuster gehemmt und normale Bewe-

gungsabläufe erarbeitet.

Aktivitäten des täglichen

Lebens

Das Wiedererlangen der Kontrolle über die

primären Aktivitäten des täglichen Lebens

ist ein zentrales Ziel in der Rehabilitation

von querschnittgelähmten Patienten. Schon

in der Klinik übt der Ergotherapeut mit dem

Patienten:

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•die Selbsthilfe im Badezimmer: Hierzu zählt

zum Beispiel die Körperpflege wie Zähne

putzen, waschen, Haare kämmen, rasieren

und eincremen

•das An- und Ausziehen

•Ess- und Schlucktraining

•Übung von sicheren Transfers in und aus

dem Rollstuhl und seine Handhabung

Hilfsmittel, die bei diesen Verrichtungen des

Alltags helfen können, sind u.a. die sogenannte

Tetraschlaufe, eine Rückenbürste, ein Dusch-

oder Toilettenrollstuhl, das Rutschbrett, die

Sockenanziehhilfe, eine Greifzange und in-

dividuell adaptiertes Besteck. Im Rahmen der

Ergotherapie wird der Patient über Hilfsmittel

beraten und deren Anwendung trainiert.

Individuelle Kompensationsbewegungen wer-

den erarbeitet.

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Vorbereitung auf den Alltag

zuhause

Anpassung von der Wohnung/dem Haus und

der Wohnumgebung: Bevor die Entlassung aus

der Klinik in das häusliche Umfeld stattfindet,

informiert sich die Ergotherapeutin über die

individuelle Wohn- und Lebenssituation des

Patienten. Hierzu zählt z.B. die Abklärung,

ob es sich im Fall einer Wohnung um eine

Eigentums- oder Mietwohnung handelt. In

dem Gespräch sollte mit einem Architekten,

dem Betroffenen, dessen Angehörigen sowie

dem Wohnungseigentümer eine Abklärung

der Wohnsituation vor Ort stattfinden. Hierbei

werden die baulichen Gegebenheiten wie

zum Beispiel der Hauszugang, die Türbreiten,

Schwellen, Treppen, die Höhe der Steckdosen

und Schalter und der Wenderadius in den

Räumen begutachtet.

Der Ergotherapeut kennt die funktionellen

Fähigkeiten des Patienten und kann dessen

künftige Möglichkeiten abschätzen. Er kann

vor Ort sehen, welche Hilfsmittel und welche

Umbaumaßnahmen voraussichtlich notwendig

sind, um die individuellen Bedürfnisse des

Patienten zu erfüllen (z.B. Treppenlift, Ram-

pen, Haltegriffe). Diese sind auch abhängig

von den Tätigkeiten des Querschnittgelähmten

im Alltag. Auch Aspekte wie das Alter, kultu-

relle und finanzielle Gegebenheiten werden

bei der Besichtigung und Bedarfsabklärung

mit einbezogen. Dadurch soll sichergestellt

werden, dass alle notwendigen Maßnahmen

Auch die Bewältigung des

Haushalts kann trainiert werden.


getroffen werden und der Patient seine

Tätigkeiten im häuslichen Umfeld wieder so

selbstständig wie möglich ausführen kann

und so wenig wie möglich auf die Hilfe von

anderen angewiesen ist.

Bei der Begutachtung wird neben der Woh-

nung bzw. dem Haus auch die Wohnumge-

bung betrachtet. Neben dem Zurechtkommen

in den eigenen vier Wänden ist es auch

wichtig, möglichst problemlos zu ihr zu

gelangen. Aspekte wie der Bodenbelag vor

dem Eingang (Kies, Sand, Plattenbeläge), die

Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und

die Parkmöglichkeit mit dem Auto zählen

hierzu.

Koch- und Haushaltstraining: Beim Kochtrai-

ning wird das Zubereiten einer Mahlzeit, das

Transportieren einer heißen Pfanne und das

Kochen am Herd aus einer neuen Perspektive

erlernt. Im Rahmen der Ergotherapie werden

Kompensations-, und Trickbewegungen als

auch Hilfsmittel wie der Knietisch vorgestellt

und zusammen mit dem Patienten praktisch

erprobt. Zusätzlich zur Einzeltherapie wird

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z.T. auch Kochen in einer Gruppe angeboten.

Der gegenseitige Erfahrungsaustausch und das

Lernen voneinander sind auch für die Psyche

gut.

Sehr wichtig ist auch das Haushaltstraining,

bei dem Tätigkeiten wie das Staubsaugen

und Bügeln sowie der Umgang und Gebrauch

mit Alltagshilfen erarbeitet oder verbessert

werden. Neben Trickbewegungen sind auch

bei diesen Tätigkeiten Hilfsmittel erhältlich wie

z.B. ein bananenförmiges Bügelbrett. Bereits

im Klinikalltag wird der Patient auf die für

ihn notwendigen Tätigkeiten im Haushalt

vorbereitet. Dadurch soll vermieden werden,

dass er mit der Komplexität der Anforderungen

zu Hause überfordert wird. Fensterputzen und

Vorhänge abnehmen erfordert aber immer die

Hilfe einer Drittperson.

In manchen Reha-Zentren gibt es eine

Übungswohnung, in der die Benutzung von

Badezimmer und Küche geübt werden kann

und ersichtlich wird, welche Hilfsmittel in der

Anschaffung sinnvoll sind. Notwendig kann

z. B. der Einsatz von höhenverstellbaren

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28

Wandschränken, unterfahrbaren Küchenmö-

beln (Kochfeld, Spüle etc.) werden oder die

Anschaffung neuer Haushaltsgeräte (Wäsche-

trockner).

Einkaufen und Stadttraining: Für viele Roll-

stuhlfahrer ist Einkaufen eine Herausforderung:

Die Einkaufswägen sind zu hoch, durch die

engen Gänge zu manövrieren fällt schwer

und schmale Türen, hohe Schwellen oder

Stufen machen den alltäglichen Einkauf zum

unüberwindbaren Hindernis. Im Rahmen der

Ergotherapie kann auch ein Einkaufs- und

Stadttraining stattfinden. Beim Einkaufen wird

u.a. das Transportieren von Lebensmitteln, das

sichere Manövrieren auf engstem Raum im

Rollstuhl und das Einladen der Lebensmittel in

den Kofferraum geübt. Behindertenparkplätze

sind vor vielen Supermärkten vorhanden.

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Selbst-

hilfe Behinderter Rheinland- Pfalz hat damit

begonnen, Zielvereinbarungen mit Lebensmit-

telmärkten zu schließen. Mittlerweile exis-

tieren in Rheinland- Pfalz vier Supermärkte

mit besonders breiten Gängen. Sie haben

Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer, Rollatoren

für Gehbehinderte und Lupen für Sehbehin-

derte zum Anstecken an den Einkaufswagen.

Beim sogenannten Stadttraining wird die

Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln,

das Überwinden von Treppenabsätzen und

Bordsteinkanten, Steigungen und Neigungen

und das Befahren von Kopfsteinpflastern

geübt. Auch ist das Befahren einer Rolltreppe,

mit und ohne Begleitperson hilfreich, denn

nicht immer ist ein Aufzug in der Nähe.

Da unsere Umwelt häufig nicht rollstuhlgerecht

ist, gehört auch das Fragen um Hilfe, das

Annehmen von Unterstützung durch Fremde

und deren Anleitung zum Training dazu.

Besteht der Wunsch selber Auto zu fahren,

ist zunächst ein Gutachten vom behandeln-

den Arzt erforderlich. Die Motorisierungs-

abklärungen und die damit verbundene Auto-

anpassung sind ein Teil der ergotherapeuti-

schen Arbeit. Zum Beispiel stehen in der

Praxis für Ergotherapie am Klinikum Wolfs-

burg Therapie-Fahrzeuge zur Verfügung, die

mit speziellen Einbauten ausgestattet sind.

Hierzu gehören ein Lenkraddrehknauf, Gas-

kombihebel oder ein Dreh-Schwenksitz. Die

Abwicklung der Umrüstung des eigenen

Fahrzeuges entsprechend der Behinderung

findet in Zusammenarbeit mit Spezialfirmen

und der Fahrschule statt. Neben Übungs-

und Vorbereitungsfahrten sollte die Be-

hindertenfahrschule Hilfe im Umgang mit den

Behörden anbieten und bei der Abwicklung

der Eignungsfeststellung beim TÜV helfen. Für

viele stellt die Motorisierung einen weiteren

wichtigen Schritt zur Selbstständigkeit und

Wiedereingliederung in das gesellschaftliche

Leben dar.

Schule, Studium, Beruf &

Freizeit

Zusammen mit dem Patienten und dem

Arbeitsamt werden Möglichkeiten zur beruf-

lichen Wiedereingliederung erarbeitet. Der

bisherige oder auch zukünftige Arbeitsplatz

sollte bei Bedarf barrierefrei angepasst wer-

den. Befindet sich der Patient in der Schule

oder im Studium, werden der Zugang zu den

Gebäuden, die Lage der Unterrichts-, bzw.

Vorlesungsräume und die Zugänglichkeit zur

Toilette abgeklärt. Außerdem wird darauf

geachtet, ob das Gebäude für den Patienten

mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

Der Ergotherapeut geht auf die individuellen

Fertigkeiten des Patienten ein und berät

diesen bei Bedarf, welche Hilfsmittel ihm bei


der Arbeit behilflich sein können. Dies wären z.B. ein elek-

trisch verstellbarer Arbeitstisch, spezielle Computeradap-

tionen, Blattwendegeräte oder Hilfsmittel zur Tele-

kommunikation.

Auf dem Gebiet der Freizeit klärt der Ergotherapeut, wel-

che Freizeitaktivitäten der Patient wieder durchführen

möchte. Für Sportarten gibt es viele Hilfsmittel, wie das

Handbike, verschiedene Sportrollstühle, Monoskiing mit

individuell angepasster Sitzschale bis hin zum angepassten

Segelboot und Wasserski. Im kreativen Bereich existieren

Hilfsmittel für Tetraplegiker wie der sog. Vertikaltisch

und eine Pinselhalterung. Auch das Suchen nach einem

passenden Verein in der Umgebung kann durch den

zuständigen Ergotherapeuten stattfinden.

Häufig bieten Kliniken auch einen Raum an, in dem mit

Ergo-, oder Kunsttherapeuten gestalterische Tätigkeiten

durchgeführt werden. Für Pferde-, und Hundefreunde gibt

es auch tiergestützte Therapien wie das therapeutische

Reiten.

Es gibt verschiedene Gesetze, auf die man sich berufen

kann, damit man Leistungen zur Teilhabe erhält. Hierzu

zählen u.a. Gesetze des Sozialgesetzbuches (z.B. das SBG IX

„Gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“)

sowie das Behindertengleichstellungsgesetz (BGB).

Fazit: Ergotherapie unterstützt Menschen mit einer Quer-

schnittlähmung bei der Durchführung für sie bedeu-

tungsvoller Betätigungen. Hierbei dienen spezifische Akti-

vitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Men-

schen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche

Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu

ermöglichen.

(Die Autorin, Ergotherapeutin seit 2008; Bachelor of

Health (NL) seit 2010, ist schwerpunktmäßig im Bereich

Neurologie & Pädiatrie tätig.)

Text: Evi Spreth

Foto: www.emanuelbloedt.de

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Partnerschaft & Sexualität

Grundsätzlich unterscheiden sich Menschen mit einer Behinderung in ihren Bedürfnisse

nicht von anderen. Auch sie wollen geliebt werden. Am Beispiel Querschnittlähmung

lässt sich gut zeigen, welcher Zusammenhang besteht zwischen der vollständigen

Annahme der eigenen Person einschließlich des Körpers und der Fähigkeit einen

anderen Menschen zu lieben.

Liebe ist lebensverlängernd.


Ist die Behinderung noch frisch, das Trauma,

die Erschütterung, scheinen die Grundlagen für

eine Beziehung zu fehlen. Oft genug wird der

eigene Partner weggeschickt, weil nacheigener

Einschätzung die Grundlage der Partnerschaft

künftig fehlt. Rehabilitanden fühlen sich nicht

mehr als Männer oder Frauen. Die Reaktionen

auf diese vorübergehende Verwirrung sind

unterschiedlich, aber viel geweint wird in

Männer- und Frauenzimmern. Der Gedanke an

Selbstmord ist weit verbreitet, 80 % fassen ihn,

realisiert wird er fast nie, die Krise geht vorüber.

Es stellt sich heraus, ob die Partnerschaft der

Belastung gewachsen ist, dass sich eine Partei

völlig neu wieder definieren muss – nicht nur

als geschlechtliches Wesen.

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Schon in der Klinik wird Sex wenigstens bei

den Männern relativ offen schnell wieder

Thema Nr. 1, im Speisesaal und auf den

Fluren. Ratlosigkeit herrscht vor. Der eigene

Körper ist fremd geworden, muss erst wieder

in Besitz genommen werden, um damit leben

zu können. Es gibt eine verbreitete Neigung

zu überstürzt aufgenommenen Liebschaften,

denen keine große Zukunft beschieden sein

wird. Irgendwann ändert sich das Bewusstsein,

mit großer Verspätung dämmertdie Erkenntnis,

dass ein anderes Leben begonnen hat. Den

eigenen Körper wieder zu mögen, sich darin

zu Hause und geborgen zu fühlen, wenigstens

zeitweise, bringt unsereinen wieder näher an

die Liebe.

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Partner finden

Nur eine kleine Minderheit nicht behinderter

Menschen ist bereit einen behinderten

Partner ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Nur zählt diese kleine Minderheit eben

immer noch nach Millionen. Und in der

Realität kann auch ein liebessehnsüchtiger

behinderter Mensch einen Mann oder eine

Frau finden für eine kurze Liebschaft oder

für länger. In Betrieben, in Universitäten, im

Freundeskreis oder bei Freizeitaktivitäten lässt

sich Zweisamkeit erreichen. Rollstuhlsport- und

Selbsthilfegruppen sind wichtig für die Identität,

aber wenig geeignet als Mittel gegen drohen-

de Einsamkeit. Und Einsamkeit ist ungesund.

Sie verschlechtert nicht nur die seelische, son-

dern nachweislich auch die körperliche Konsti-

tution. Hingegen sind Menschen mit einer

Beziehung insgesamt gesünder und zufrie-

dener. Warum sollte das für Querschnitt-

gelähmte nicht gelten?

Frauen, die sicheinen Mann wünschen, der dem

gängigen Rollenmuster nicht entspricht, landen

vielleicht bei einem mit Handikap. Nicht dass

es keine Machos auf Rädern gäbe. Ein kluger

Mann im Rollstuhl wird auf diesem Gebiet aber

weniger als andere zu Übertreibung neigen.

Die Mehrheit der Menschen aber folgt nach wie

vor (bedauerlicherweise) alten Rollenmustern,

gebrochen höchstens durch einen guten Anteil

Verunsicherung. Das bedeutet, dass auch der

behinderte Mann Stärke vermitteln soll. Es

gibt behinderte Männer, die als Rentner den

Haushalt besorgen. Dass es diese Rolle nicht

einfacher macht, gesellschaftlich akzeptiert

zu werden, können auch Nichtbehinderte

bestätigen.

Gerade starke behinderte Frauen beklagen

häufig, dass sie bei der Partnerwahl

benachteiligt seien. Es scheint so zu sein,

dass ihr Kampfesmut ihre Attraktivität in

den Augen der potenziellen Partner mindert.

Schade eigentlich, es gibt schließlich keinen

Grund, vor ihnen Angst zu haben. Mir

geht es häufig so, dass ich mit behinderten

Frauen Partnerschaftsprobleme auf einer

Ebene austauschen kann. In diesem Fall

ist die Behinderung verbindender als das

Geschlecht. Das hört natürlich auf, wenn

in einer Beziehung beide behindert sind. In

einer solchen Verbindung ist das Handikap

das Verbindende, aber gleichzeitig auch das

doppelt Belastende.

Erfüllte Sexualität

Querschnittgelähmte Frauen wurden immer

schon schwanger, auch ohne ärztliche Hilfe.

Als zeugungsfähig gilt heute die Mehrheit der

betroffenen Männer, wenn auch meist nur mit

Hilfe medizinischer Techniken, die sich zum Teil

auch zu Hause anwenden lassen.

Potenz muss nicht, aber kann ein

Problem behinderter Männer sein. Bei

Querschnittgelähmten gibt es meist lediglich

eine Reflex-Erektion (durch Berührung aus-

gelöst, nicht durch etwa optische Reize), die

auch nicht immer für den Beischlaf ausreicht.

Nun hat es sich ja herumgesprochen, dass

es noch andere, für beide Seiten durchaus

befriedigende Möglichkeiten gibt. Allerdings

kann die Potenz zu einer Frage des männlichen

Selbstbewusstseins, gar der Identität werden.

Viele betroffene Männer nutzen Viagra©.

Zwar sollte der Einsatz von Medikamenten

kritisch gesehen werden, wenn er nicht

gesundheitlich notwendig ist. Aber eine (auch


subjektiv) erfüllte Sexualität gehört zu einer

vollständigen Gesundheit.

Gewalt entsteht da, wo Kräfte nicht im

Gleichgewicht sind. Manche Pflegebedürftige

werden misshandelt, das ist keine Neuigkeit.

Auch Frauen misshandeln, wenn sie stärker

sind, auch Männer sind Opfer, wenn sie sich

nicht wehren können. Bei einer Trennung zählt

oft das Gesetz der Stärkeren. Es kommt vor,

dass Frauen das Auto oder die rollstuhlgerecht

umgebaute Immobilie aus der Ehe mitnehmen

– die für den behinderten Partner umgerüstet

und bezuschusst worden sind.

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Mediziner, Psychologen und Therapeuten

haben zum Thema „Behinderte Sexualität“

sicher in den letzten Jahren viel dazu gelernt.

Besonders hilfreich kann ihre Unterstützung

sein, wenn sie sich erstens auf die Erfahrungen

Betroffener bezieht und zweitens die

Selbstbestimmung ihrer Patienten nach Kräften

fördert – was sie im Idealfall nach einiger Zeit

entbehrlich macht ...

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33


34

Das Wunder des Lebens

Dem Wunsch nach Kindern und einer eigenen Familie steht auch für Frauen im

Rollstuhl nahezu nichts im Wege. Denn es gibt gute Möglichkeiten zur Entbindung

querschnittgelähmter Schwangerer – wie im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.

Seit 1987 besteht am Gemeinschaftskran-

kenhaus Herdecke die Abteilung für Rücken-

markverletzte, und seit 15 Jahren bringen

hier querschnittgelähmte Frauen ihre Kinder

zur Welt. Ein fachübergreifendes Ärzteteam

aus Paraplegiologen, Gynäkologen, Pädiatern,

Urologen und Anästhesiologen berät und

betreut die werdenden Mütter. Die Ärzte

arbeiten darüber hinaus vertrauensvoll mit

den Hebammen, den Säuglingsschwestern

der Milchküche, Ergo- und Physiotherapeuten

sowie Sozialarbeitern zusammen. „Mit diesem

ganzheitlichen Konzept entbinden wir hier

regelmäßig Mütter mit Querschnittläsionen –

darunter gab es auch schon Zwillingsgeburten“,

freut sich Dr. Susanne Föllinger, Oberärztin

in der Querschnittabteilung des Gemein-

schaftskrankenhauses Herdecke.

Meist unkomplizierte

Geburten

Die Geburtsvorbereitung im Gemeinschafts-

krankenhaus Herdecke beginnt auf Wunsch

der Querschnittgelähmten meist schon in

einem frühen Stadium der Schwangerschaft

mit einem Beratungsgespräch. Darauf folgt

ein ambulanter Untersuchungstermin. Je nach

Verfassung wird die Schwangere zwei bis vier

Wochen vor dem errechneten Geburtstermin

stationär aufgenommen und entsprechend

behandelt. „In der Regel verlaufen Geburten

von Frauen mit Rückenmarkläsion spontan und

unkompliziert – auch ohne die Möglichkeit

der Mutter mit zu pressen“, erläutert Dr.

Susanne Föllinger. „Denn die Wehentätigkeit

wird überwiegend hormonell, also unabhängig

vom Rückenmark, ausgelöst und gesteuert.

Auch die Indikation für einen Kaiserschnitt

unterscheidet sich nicht von der bei gesunden

Frauen.“

Selbstverständlich dürfen der Vater oder

vertraute Personen im Kreißsaal dabei sein.

Damit sich die neue Familie von Anfang

an wohl fühlt, legte die Klinik in Herdecke

Wert auf eine ansprechende Gestaltung der

Geburtsräume: Warme Farben, eine individuell

einstellbare Beleuchtung und die mitgebrachte

Lieblingsmusik sorgen für eine entspannte

Atmosphäre während der Geburt.


Auch nach der Entbindung ist für die junge

Familie bestens gesorgt. Sind Mutter und

Kind wohlauf, werden beide schnellst möglich

auf die Querschnittstation verlegt. „Für die

Neugeborenen haben wir ein spezielles

Bettchen entwickelt, dass den Rollstuhl-

Müttern den Umgang mit ihren Kleinen

erleichtert“, so Dr. Susanne Föllinger weiter.

Das Bett ist 100 x 50 Zentimeter groß und

hat an einer der Längsseiten eine Flügeltür.

Die Konstruktion erlaubt es der Mutter, mit

dem Rollstuhl das Bettchen zu unterfahren, um

zum Beispiel das Baby zu wickeln. Das Bett der

Querschnittgelähmten und das Kinderbettchen

werden auf gleiche Matratzenhöhe gebracht,

so dass die Mutter ihr Neugeborenes ganz

leicht zu sich herüberholen kann. Zur Sicherheit

wird nachts die Flügeltür geschlossen und auf

der anderen Seite das Gitter heruntergelassen.

Für jeden Fall gerüstet

Gibt es bei einer Geburt jedoch einmal

Komplikationen oder gehört das Kind zu einer

Risikogruppe, beispielsweise Frühchen oder

Zwillinge, ist hierfür bestens vorgesorgt. Rund

um die Uhr stehen Narkose- und Kinderärzte

bereit, die speziell für die Behandlung

von Frühchen oder anderen Risikokindern

ausgebildet sind. Außerdem verfügt das

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke über

die neuesten technischen Möglichkeiten. „Uns

liegt sehr am Herzen, dass Mutter und Kind

nicht getrennt werden“, erklärt Dr. Susanne

Föllinger. Muss ein Säugling vorübergehend

auf der Neugeborenen-Intensivstation über-

wacht werden, kann die kleine Familie dort

ein spezielles Mutter-Vater-Kind-Zimmer be-

ziehen und so auch die ersten Tage gemein-

sam verbringen.

Zu einer umfassenden Betreuung gehört auch

eine gut strukturierte Nachsorge. Hierfür

arbeiten das Personal der Wochenbettstation

und die Säuglingsschwestern in Herdecke eng

zusammen. „Wie fast jede andere Mutter

wollen auch die meisten querschnittgelähmten

Frauen stillen“, weiß Dr. Susanne Föllinger. „Im

Allgemeinen gibt es dabei keine Probleme.

Trotzdem nehmen wir uns Zeit für eine

ausführliche Stillanleitung. Falls die Muttermilch

in den ersten Tagen noch nicht ausreicht,

bekommen die Neugeborenen Fencheltee oder

Stutenmilch. Mütter, die nicht stillen, versorgen

ihre Babys mit Säuglingsnahrung.“

Durch die Pflege ihres Kindes kommen auf

querschnittgelähmte Frauen neue körperliche

Belastungen und Herausforderungen beim

Umgang mit dem Rollstuhl zu. Von den

Ergotherapeuten erhalten die Mütter wichtige

Ratschläge, wie sie ihr Kind richtig halten

und tragen, um Schultergürtel und Rücken zu

entlasten. Die Physiotherapeuten helfen bei

der Rückbildungsgymnastik und zeigen den

Frauen, wie sie ihr Baby sicher im Rollstuhl

mitnehmen. Vor der Entlassung stehen die

üblichen Abschlussuntersuchungen für Mutter

und Kind an. Und danach geht es für die neue

Familie nach Hause.

Text: OÄ Dr. med. Susanne Föllinger

Foto: GKH Herdecke

Weitere Informationen

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

Gerhard-Kienle-Weg 4

58313 Herdecke

Dr. Susanne Föllinger

Sekretariat: Marlis Mielke

Tel.: 0 23 30-62 34 25

E-Mail:

querschnitt@gemeinschaftskrankenhaus.de

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36

Markt

Richtig selbst katheterisieren:

So lassen sich Infekte vermeiden

Das selbstständige Katheterisieren der Harnblase, im Fachjargon als intermittierender

Selbstkatheterismus (ISK) bezeichnet, erleichtert das Leben Betroffener erheblich: Ein

großes Maß an Eigenständigkeit und Mobilität kehrt zurück, wenn man gelernt hat,

unabhängig von pflegerischer Hilfe die Blase zu entleeren. Etwas Sachkenntnis und

penible Sorgfalt sind allerdings vonnöten, um das Risiko von Harnwegsinfekten gering

zu halten.

Normalerweise herrscht im Harntrakt des

Menschen eine klare Einbahnstraßenregelung:

Über die Harnleiter fließt der Harn aus den

Nieren in die Blase, von dort aus wird er über die

Harnröhre ausgeschieden. Die Gegenrichtung

ist nicht vorgesehen – aus gutem Grund,

denn insbesondere der Harnröhrenausgang

ist von vielen Keimen besiedelt, die dort zwar

ungefährlich sind, im Körperinneren jedoch

Entzündungsreaktionen hervorrufen können.

Typische Symptome dafür sind Blut im Harn,

erhöhte Körpertemperatur und gegebenenfalls

Schmerzen im Unterbauch; schlimmstenfalls

kann eine Blasenentzündung sogar zur

dauerhaften Schädigung der Nieren führen.

Nun kommt man allerdings nicht umhin,

mit einem Katheter den Weg „nach

oben“ einzuschlagen, wenn die natürliche

Blasenentleerungsfunktion zum Beispiel durch

eine Querschnittslähmung gestört ist, denn nur

so kann der Harn aus der Blase herausgeleitet

Intelligentes Prinzip: Der

Katheter mit Vorlaufspitze

(Simplycath®) schützt

die eigentliche Katheterspitze,

die erst nach

Einführung in die Harnröhre

Richtung Blase

vorgeschoben wird und

deshalb mit der keimbelastetenHarnröhrenöffnung

nicht in Berührung

kommt.

werden. Wie schafft man es trotzdem,

Blasenentzündungen zu verhindern?

Unverzichtbar: gründlichste Hygiene

An erster Stelle steht sicherlich die gründliche

Hygiene. Jedes Katheterisieren beginnt mit

einer gründlichen Reinigung des Intimbereichs

und der Hände. Die deutsche Gesellschaft für

Urologie empfiehlt zudem eine Desinfektion

der Schleimhäute mit einem geeigneten Mittel.

Speziell bei Frauen liegen After und Harnröhre

sehr nah beieinander, sodass Keime leicht in die

Nähe des Harntrakts gelangen. Jeder Kontakt

des Katheters mit der Anal- und Genitalregion

muss sorgfältig vermieden werden, deshalb

sind eine gründliche Vorbereitung des

Katheterisierens und eine ruhige Atmosphäre

so wichtig. Der Einmalkatheter sollte erst direkt

vor dem Gebrauch aus der Folienverpackung

genommen werden und auch tatsächlich nur

einmal zur Anwendung kommen.

Dazu, dass möglichst aseptische Bedingungen

erreicht werden, kann auch der Katheter

selbst viel beitragen. In der Regel sind die für

den intermittierenden Selbstkatheterismus

hergestellten Katheter mit einem sterilen

Gleitmittel überzogen. So gelingen das Ein-

führen in die Harnröhre und das Vorschieben

leicht. Abgerundete Katheteraugen schonen

die empfindliche Harnröhreninnenhaut und


eugen Verletzungen vor, die wiederum das

Infektionsrisiko nach oben treiben. Einen be-

sonders intelligent konstruierten und dabei

einfach anzuwendenden ISK-Katheter bie-

tet UROMED, eines der führenden Unter-

nehmen für urologische Instrumente in

Deutschland. Der Simplycath ® ist mit einer

Vorlaufspitze ausgestattet, die das Risiko der

Keimeinschleusung erheblich reduziert. Der

Grund: Die meisten Keime befinden sich auf

den ersten 1,5 Zentimetern des Harnröhren-

eingangs, und mit diesem Bereich kommt die

eigentliche Katheterspitze des Simplycath ®

dank der Vorlaufspitze nicht in Berührung.

Katheterschutz = Infektionsschutz

Wie eine Art Schutzhülse wird die

Vorlaufspitze in die Harnröhre eingeführt,

bis nach 1,5 Zentimetern ein kleiner Teller

die Harnröhrenöffnung berührt und das

System an der richtigen Position hält. Nun

wird die innenliegende Katheterspitze weiter

vorgeschoben, bis sie in der Blase ankommt

und der Harn fließt. Das Herausziehen nach

der Blasenentleerung erfolgt wie gewohnt.

Mehrere internationale Studien konnten

nachweisen, dass sich bei Menschen, die

Katheter dieses Prinzips benutzten, die Zahl der

Harnwegsinfekte deutlich verringerte.

Die Beachtung wichtiger Hygieneregeln und die

Benutzung eines idealen Katheters sind zwei

von drei Faktoren, mit denen der Anwender

sein persönliches Infektionsrisiko positiv

beeinflussen kann. Das dritte Drittel gehört dem

richtigen Trink- und Ernährungsverhalten. Wer

konsequent daran denkt, täglich ausreichend

Wasser zu trinken – bei einem durchschnittlich

großen und schweren Erwachsenen sind es

mindestens zwei Liter –, sorgt für eine gute

Durchspülung der Harnorgane, sodass eventuell

vorhandene Keime zumindest nicht allzu lange

in Kontakt mit der Schleimhaut der Blase oder

Markt

der Harnröhre kommen. Auch bewirkt ein

möglichst saurer Harn, dass sich Bakterien nur

schwer vermehren können. Die Aminosäure L-

Methionin, die als Nahrungsergänzungsmittel

erhältlich ist, kann dafür unterstützend ein-

gesetzt werden.

Als sanfter und sogar wohlschmeckender In-

fektionsschutz hat sich die Cranberry bewährt,

die amerikanische Verwandte der Preiselbeere.

Sie ist reich an Vitamin C und stärkt damit

allgemein die Abwehrkräfte. Darüber hinaus

hemmen einige ihrer Substanzen nachweislich

die Ansiedlung von Keimen an der Blasenwand.

Die Cranberry-Wirkstoffe gibt es als Kapseln

zum Einnehmen, für Genießer empfehlen sich

die frischen oder getrockneten Früchte pur, in

diversen Gerichten oder gepresst als leckerer

Saft.

Die meisten Bakterien (hier gelb gekennzeichnet) befinden

sich im Bereich der äußeren 1,5 Zentimeter der

Harnröhre. Ein Katheter mit Vorlaufspitze minimiert das

Risiko, dass Keime mit der Katheterspitze in die Blase

transportiert werden.

So lassen sich Harnwegsinfekte vermeiden:

•Gründliches Händewaschen mit Wasser und

Seife

•Reinigung und Desinfektion des Intim-

bereichs

•Ruhige, überlegte Vorgehensweise

•Einmalkatheter unbedingt nach dem Ge-

brauch entsorgen

•Katheter mit Vorlaufspitze bevorzugen

•Auf genügende Trinkmenge achten

•Über Nahrungsergänzungsmittel für ein ge-

sundes Harnmilieu sorgen

www.simplycath.de

37


Ich möchte »B-Kids«, das Journal

für junge Körperbehinderte und ihr Umfeld, abonnieren.

4 Ausgaben jährlich für 15 € (Ausland 20 E) inkl. Porto & Versand.

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Es gibt etwa 266 000 schwerbehinderte Menschen unter

25 Jahren in Deutschland. Fast ebenso viele Familien sind

von den Problemen mit betroffen, die ein Leben mit

Handikapmit sich bringt.

Noch immer gibt es viele Schulen,andenen behinderte

Schüler nicht gern gesehen sind. Hilfsmittelversorgung

und Pflege sind weitere Beispielefür Themen,über die wir

sprechenwollen.

Auch die schönen Seiten des Lebens sollen nicht zu kurz

kommen, Lebensfreude ist nicht vom Grad der Behinderung

abhängig.

Unsere Autoren wissen, wovon sie reden.

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Inkontinenz beherrschen mit dem

„Blasenstimulator“

Laien sprechen vom „Brindley-Stimulator“, einer „Blasenstimulator-OP“ oder gar

vom „Blasenschrittmacher“. Der letztgenannte Ausdruck ist unzutreffend, denn es

handelt sich nicht um einen Schrittmacher mit einer eigenen Energiequelle wie z. B.

ein Herzschrittmacher. Die anderen Begriffe berücksichtigen nicht den wichtigsten

Teil dieses Behandlungsverfahrens, die sakrale Deafferentation.

Die gesunde Harnblase hat zwei Funktionen:

Speichern (Reservoir) und Entleeren (Miktion).

99 % der Zeit ist die Blase ein Reservoir. Die

Miktion ist eine kurzdauernde Funktions-

phase mit Druckerhöhung, die max. 1 % der

Tageszeit andauert. Das funktioniert durch

ein fein aufeinander abgestimmtes Steue-

rungssystem in Zentren des Gehirn und des

Rückenmarks. Dabei kommt es während der

Blasenentleerung zu einer Kontraktion (Zu-

sammenziehung) der Blasenmuskulatur mit

Öffnung des Blasenhalses und gleichzeitiger

Entspannung des äußeren Schließmuskels, so

dass eine koordinierte, zügige und restharn-

freie Entleerung stattfindet.

Anders die gelähmte Harnblase: Nach Über-

winden des spinalen Schocks mit schlaffer

Lähmung aller Körperfunktionen ändert sich

je nach Schädigungshöhe des Rückenmarks

das Blasenlähmungsbild. Bei Schädigungen

etwa vom ersten Lendenwirbel und darunter

entwickelt sich eine schlaffe Blasenlähmung.

Bei Schädigungen oberhalb kommt es zu

einer spastischen Blasenlähmung. (Misch-

formen sind möglich.) Bei kompletter Läh-

mung ist die Steuerung über das Blasen-

reflexzentrum vollständig ausgefallen. Für die

genaue Klassifizierung der Blasenlähmung ist

die Video-Urodynamik das wichtigste diag-

nostische Werkzeug. Dies ist eine Kombi-

nation aus Blasendruckmessung und Rönt-

gendarstellung der Harnblase mit Kontrast-

mittel.

Eine spastische Blasenlähmung führt zur

Reflexharninkontinenz. Dabei besteht ein

erhöhtes Risiko von Harnwegsinfektionen

(HWI) und längerfristig das Risiko der

Schädigung der Nierenfunktionen. Es kommt

zur spastischen Kontraktion des äußeren

Schließmuskels (externer Sphinkter), so dass

die Harnentleerung durch den Aufbau

eines hohen Entleerungswiderstandes behin-

dert oder sogar verhindert wird (Detrusor-

Sphinkter-Dyssynergie). Bei Querschnittläh-

mungen oberhalb von Th 6 können autono-

me Dysreflexien auftreten, d. h. es kommt

durch die spastische Aktivität der Harnblase

zu abrupten heftigen krisenhaften Blutdruck-

steigerungen, meist verbunden mit Schwitzen

und heftigsten Kopfschmerzen. Je nach

Lebensalter bedeutet das ein erhöhtes

Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Dies

ist eine lebensbedrohende Situation. Solch

eine autonome Dysreflexie gilt in der Neuro-

Urologie als ein Notfall.

Die Operationsmethode

Brindley forschte 1969–1978 an der Entwick-

lung eines Implantates und der externen

39


40

Steuerung zur Sakralwurzelstimulation, um so

eine Implantat gesteuerte Blasenentleerung

zu erreichen. Zu Beginn wurden die sakralen

Vorder- und Hinterwurzeln soweit möglich

nur voneinander getrennt, u. a. S 2 und S 3.

Sauerwein war der erste Operateur, der die

sensiblen Hinterwurzeln von S 4 und wenn

notwendig auch von S 5 separieren konnte

und durchtrennte, ohne dabei die motorischen

Vorderwurzeln zu verletzen (Sept.1986). Die

vollständige Separation und Durchtrennung

der sensiblen Hinterwurzeln S 2 bis S 5 wird

als sakrale Deafferentation bezeichnet (SDAF).

Heute ist die SDAF und die SARS ein etab-

liertes Verfahren. Nach erfolgreicher SDAF

von S 2 bis S 5 auf beiden Seiten wird die

spastische Harnblasenreaktion vollständig

ausgeschaltet (Prof. D. Sauerwein). Damit

wird die Reservoirfunktion der Harnblase

wieder hergestellt und Harnkontinenz

erreicht. Durch das Einlegen von Elektroden

in den offenen Wirbelkanal, in die die

motorischen Vorderwurzeln gelegt werden,

wird eine kontrollierte Blasenentleerung

durch Elektrostimulation (SARS) möglich. Die

angeschlossenen Elektroden werden hierzu

mit einem unter die Haut platzierten Emp-

fänger verbunden. Die Harnblasenentleerung

erfolgt durch Auflegen des Senders auf die

Haut exakt über dem implantierten Emp-

fänger, der über die Kabel zu den Elektroden

mit den Sakralnerven in Verbindung steht.

Die Elektrostimulation erfolgt über ein

Steuergerät. Die Programmierung findet nach

der Operation und nach abgeschlossener

Wundheilung statt. Die Blasenentleerung

durch Triggern ist dann nicht mehr möglich.

Unabhängig von der Vorderwurzelstimulation

bleibt dem Querschnittgelähmten die

Möglichkeit der Harnblasenentleerung durch

intermittierenden Katheterismus (ISK) erhalten

(z. B. für Notfälle, bei Defekt des Steuergerätes

oder Funktionsverlust des Implantates).


Indikationen

➜Drohender, fortschreitender Verlust von

Nierenfunktion und/oder

• Reflexharninkontinenz

• häufig wiederkehrende, insbesondere fie-

berhafte Harnwegsinfektionen

• strukturelle Schädigungen des unteren

Harntraktes (z.B. Christbaumblase) und/

oder des oberen Harntraktes (z. B. Harn-

stauung, Reflux)

• autonome Dysreflexie (Bluthochdruckkrisen)

➜Fehlschlag konservativer Therapiemaßnah-

men (anticholinerge Therapie und inter-

mittierender Katheterismus)

➜Fehlschlag minimalinvasiver Behandlungen

(Schließmuskeleinkerbung bei querschnitt-

gelähmten Männern, Botulinum-Toxin-A-

Injektionen (Botox®) mit intermittierendem

Katheterismus)

Patientenauswahl

➜Motorisch und sensibel komplette Quer-

schnittlähmung, (in Ausnahmefällen auch

inkomplette Läsionen nach einer detaillier-

ten neurologischen Untersuchung)

➜Intakter sakraler Reflexbogen S2–S5: spas-

tische Blasenlähmung

➜Intakte Blasenmuskelfunktion:

• normale Dehnungsfähigkeit der Harnblase

• kein bindegewebiger Umbau der Blasen-

wand (Fibrosierung)

• keine myogene Schädigung (keine Über-

dehnungsschädigung)

➜Sicheres Langzeitkonzept der medizinischen

und sozialen Versorgung des Querschnitt-

gelähmten

Komplikationen

Diese Darstellung kann und will nicht das

notwendige Beratungsgespräch mit einem

erfahrenen Neuro – Urologen ersetzen.

Deshalb wird hier nur auf einige wichtige

Komplikationsmöglichkeiten eingegangen.

Frühkomplikationen:

➜Infektion

• Trotz Beachtung von makellosen Hautver-

hältnissen, einer voroperativen Ganzkör-

perdesinfektion und einer perioperativen

antibiotischen Prophylaxe sind bakterielle

Infektionen im Operationswundgebiet und

am Implantat nicht zu 100 Prozent zu

verhindern.

• Wenn es zu einem solchen Ereignis

kommt, muss das Implantat entfernt wer-

den, um Folgeerkrankungen, wie Hirn-

hautentzündung, Gehirnentzündung oder

Knochenentzündung zu vermeiden.

• Die Entfernung des Implantates führt

zum Verlust der SARS, aber die Wirkung

der SDAF wird nicht aufgehoben. Die

Blasenentleerung muss dann durch Ein-

malkatheterismus stattfinden.

• Nach Ausheilung der Infektion ist eine

Neueinpflanzung eines Implantates mög-

lich.

➜Liquorfistel

• Das Gehirn und das Rückenmark sind

innerhalb der Hirnhäute schwimmend vor

Stößen geschützt im Hirnwasser (Liquor)

gelagert.

• Die Elektrodenkabel werden durch eine

Art “Schornstein“ hindurch aus dem Wir-

belkanal ausgeleitet. Um den “Schornstein“

herum werden die Hirnhäute durch eine

wasserdichte Naht verschlossen.

• Kommt es hier zu einer Heilungsstörung,

tritt Liquor aus (Liquorfistel). Eine Zweit-

operation, um diese Fistel zu verschließen,

kann erforderlich werden, sofern Kopftief-

lagerung nicht zu einem Spontanver-

schluss führt.

41


42

Spätkomplikationen:

➜Implantatdefekte (Spätkomplikation):

• Defekte am Empfänger oder Kabelbrüche.

• Geeignete Untersuchungen lassen Defekte

des Steuergerätes und des Implantates

unterscheiden.

• Bei plötzlichem Funktionsausfall muss

durch Einmalkatheterismus eine Überdeh-

nungsschädigung der Blasenmuskulatur

vermieden werden. (Volumen kleiner als

500 ml!)

• Je nach Art des Defektes kann durch

Austausch des Empfängers, durch Kabel-

reparatur oder durch Einsetzen eines

kompletten neuen Implantates die Funk-

tion wieder hergestellt werden.

➜Überdehnungsschädigung

• Der Blasenfüllungszustand wird von Quer-

schnittgelähmten nicht oder nur durch

sehr unbestimmte Signale wahrgenom-

men. So kann es zur Überfüllung der

Harnblase mit Überdehnung der Blasen-

muskulatur kommen und die Blasenent-

leerung mittels SARS kann versagen.

• Dann Einmalkatheterismus bis sich die

Harnblase von der Überdehnung erholt

hat. Dies kann Tage aber auch Wochen

dauern.

Nachsorge

Die erste Nachsorge findet 6 Monate nach

der Operation statt. Meistens müssen

die Stimulationsparameter sowohl für die

Blasenentleerung als auch für die Stuhl-

regulierung nachjustiert werden. Im wei-

teren Verlauf sind regelmäßige jährliche

Nachsorgeuntersuchungen anzuraten, um

die vollständige SDAF und die regelrechte

Funktion der SARS zu überprüfen und je

nach Notwendigkeit Korrekturen vorzuneh-

men. Harnwegsinfektionen sind in aller Regel

nur noch ein seltenes Problem.

Es gibt in der Medizin leider keine Erfolgs-

quote von 100 %. Nach der letzten Auswer-

tung der Bad Wildunger Ergebnisse in 2007

gelang eine vollständige Deafferentation

in 95,2 % (464 Operationen). Die mittlere

Blasenkapazität lag danach bei 476 ml. Bei

83 % der Patienten bestand Kontinenz.

95 % der Patienten nutzten die SARS für

die Blasenentleerung und 91 % für die

Stuhlregulierung. Die HWI-Rate fiel von 6,3

Infektionen pro Jahr vor Durchführung der

SDAF auf 1,2 HWIs pro Jahr nach der Opera-

tion.

Von allen Behandlungsmethoden bei spasti-

scher Blasenlähmung infolge einer erwor-

benen Querschnittlähmung ist die SDAF und

SARS die dauerhaft verlässlichste. Für eine

erfolgreiche Diagnostik, Patientenauswahl,

Durchführung der Operation und Nachbe-

handlung sowie auch für die Beherrschung

von möglichen Komplikationen ist ein er-

fahrenes Team Voraussetzung. Der Autor

und sein chefärztlicher Partner Dr. med. B.

Domurath sowie das ganze Mitarbeiterteam

stehen gerne zur weiteren Beratung zur

Verfügung.

Text:

Dr. med. J. Kutzenberger

Facharzt für Urologie

Chefarzt Klinik für Neuro-Urologie

An der Werner Wicker Klinik

34537 Bad Wildungen

E-Mail:

jkutzenberger@werner-wicker-klinik.de


Markt

Auszeichnung für PARAVAN-Chef

Roland Arnold

Im festlichen Ambiente des Neuen Schloss zu Stuttgart wurde PARAVAN-Gründer

und Inhaber Roland Arnold mit der Wirtschaftsmedaille in Gold für herausragende

Leistungen und Verdienste für die baden-württembergische Wirtschaft ausgezeichnet.

Besonders beeindruckt zeigte sich die hoch-

karätige Jury, die auf Anregung und der

Expertise des ehrenbeurkundeten Gerichts-

sachverständigen des Öffentlichen Rechts,

Oliver Raach, das Prüfverfahren durchführte,

von Arnolds Innovationsstreben zum Wohle

aller mobilitätseingeschränkten Menschen.

Evolutionäre Produkte, alles aus einer Hand,

erleichtern den Einstieg in eine unbegrenzte

Mobilität für behinderte Menschen enorm.

Von der neuen, bereits viel bestaunten Roll-

stuhl-Familie PR 10, PR 30 und PR 50, über

die hautnah der Behinderung angepassten

Automobile bis hin zum weltweit ersten

straßenzugelassenen Joysticklenksystem SPACE

DRIVE auf drive-by-wire Basis mit doppelter

Sicherheit. Sogar für Menschen ohne Arme

und ohne Beine ermöglicht der mit 28 Staats-

und Innovationspreisen ausgezeichnete Mo-

bilitätspark das Autofahren.

„Die PARAVAN Produkte sind perfekte Be-

gleiter für mobilitätseingeschränkte Men-

schen im Alltag, in der Freizeit und bei der

Arbeit“, so der Wirtschaftsminister Pfister bei

seinem Unternehmensbesuch. Auch Bundes-

kanzlerin Angela Merkel und die SPD-Be-

hindertenbeauftragte Silvia Schmitt zeigten

sich von Firmengründer Roland Arnold und

seinem PARAVAN-Team in Berlin beeindruckt.

Auf der neuen Internetpräsenz kann man

bereits erste Eindrücke des Unternehmens

sammeln. Ein Besuch auf der Schwäbischen

Alb ist jedoch durch nichts zu ersetzen. „Was

hier geboten wird, ist faszinierend“, so der

einhellige Tenor der PARAVAN Kunden und

Interessenten. Innovativ, kompetent, freundlich

und zuvorkommend. So sind die sympathischen

Paravaner.

„Sie, Herr Roland Arnold, sind ein Vorbild

für andere Unternehmer. Unsere Wirtschaft

ist heute mehr denn je auf leistungsstarke

Unternehmerpersönlichkeiten wie Sie ange-

wiesen. Setzen Sie dieses ideenreiche und

rührige Wirken sowie den konsequenten

und löblichen Weg auch in Zukunft fort. Ich

habe nunmehr die Ehre, Ihnen, lieber Herr

Arnold, die Wirtschaftsmedaille des Landes

Baden-Württemberg zu überreichen“, so der

Wirtschaftsminister in seiner Laudatio.

Weitere Informationen gibt es auf

www.paravan.de

43


44

Wohnen für alle

Anfang des Jahres hatten wir eine Wohnung zu räumen, weil deren langjährige

Bewohnerin mit fast neunzig Jahren in ein Seniorenheim umziehen musste.

Beeindruckend wurde dabei deutlich, dass „Wohnen“ mehr ist, als nur „behaust sein“.

Wohnen ist Leben, und das Leben hinterlässt seine Spuren – auch in einer Wohnung.

Sich eine Wohnung teilen, heißt auch stets Teil zu haben am Leben der anderen.

Niemand soll ausgegrenzt werden vom gemeinsamen (Er-)Leben in den eigenen

vier Wänden, weder ganz noch teilweise, dauernd oder auch nur vorübergehend.

Das haben inzwischen auch die Architekten

und Bauträger, Mietervereine und Woh-

nungsunternehmen kapiert und in der Fol-

ge damit begonnen, neue Wohnformen zu

entwickeln: Wohngruppen, Wohngemein-

schaften oder so genannte Generationen-

häuser wollen Lebensraum bieten für die

verschiedensten Bewohner mit den unter-

schiedlichen Bedürfnissen und Vorausset-

zungen. Doch auch im privaten Wohnungs-

bau und sogar in der kleinen Mietwohnung

lassen sich Wohnsituationen entwickeln, bei

denen niemand ausgegrenzt werden muss –

ob behindert oder nicht, alt oder jung, gesund

oder krank.

Dass es dabei keine Patentlösungen gibt,

weil eben jeder Mensch anders ist, ist eine

Binsenweisheit. Doch auch eine einmal

gefundene Lösung muss nicht für immer gültig

sein. Menschen werden älter und verändern

sich, und mit ihnen ihre Bedürfnisse. „Das

biologische Alter – ob 50 plus, 60 plus oder

70 plus – ist kein guter Indikator für das Ver-


halten“, meint Gundolf Meyer-Hentschel,

Gründer und Inhaber eines Forschungsinsti-

tuts für Seniorenmarketing in Saarbrücken,

„sicher ist aber eines: Je älter Menschen wer-

den, desto unterschiedlicher werden sie.“

Aber auch wenn die Menschen sich im Alter

heute durchschnittlich zehn Jahre jünger

fühlen als sie tatsächlich sind, so ändern

sich mit zunehmendem Alter doch objektiv

Verhalten und Wahrnehmung und es stellen

sich Defizite ein. Das können sein:

• Verminderte Fingerfertigkeit

• Einschränkung der Beweglichkeit

• Kraftverlust

• Hörstörungen

• Blendempfindlichkeit

• Änderung des Farbempfindens

Schon ab ca. 35 Jahren verschlechtert sich

das Blickfeld eines Menschen. Mit 60 Jahren

empfängt die Netzhaut nur noch 45 Prozent

des Lichts im Vergleich zu der eines 20

jährigen. Darauf sollte man bei der Gestaltung

von Wohn- und Geschäftsräumen unbedingt

Rücksicht nehmen, umso mehr natürlich wenn

sich Behinderte und Nichtbehinderte eine

gemeinsame Wohnung teilen müssen.

Normen gegen Barrieren

Treppen, Schwellen und Stufen bilden oft

Barrieren für alle und ganz besonders für

diejenigen, die durch physische Ursachen,

Gepäck oder andere Lasten geh- oder be-

wegungsbehindert sind. In unserem Wohn-

umfeld, am Arbeitsplatz, im Öffentlichen

Nahverkehr und auch in der Freizeit und

auf Reisen sind Zugänge, Aufgänge oder

Übergängeoft erst über eine Stufezuerreichen.

Wenn diese Tatsachen schon Hindernisse

für nichtbehinderte Menschen darstellen,

sind es besonders für alte und behinderte

Menschen unüberwindbare Barrieren. Für

deren Bedürfnisse gibt es die entsprechen-

den Bauvorschriften der Länder und

-Anzeige-

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46

natürlich die DIN-Normen

18025 Teil 1und 2„Barrierefreie

Wohnungen“ und DIN 18024,

Teil 2 „Öffentlich zugängige

Gebäude und Arbeitsstätten“

mit detaillierten Vorgaben

über Wegegestaltung, Breite

von Türen und Durchgängen,

Gestaltung von Bedienungs-

einrichtungen usw. Die Vor-

schriften sollen im Laufe des

Jahres 2010 von der DIN-

Norm 18030 abgelöst werden, über die schon

seit Jahren gestritten worden ist, und in der

jetzt neu festgelegt werden soll, was einen

barrierefreien Lebensraum ausmacht. Viele der

Einrichtungen für Rollstuhlfahrer kommen na-

türlich allen Bewohnern eines barrierefreien

Wohnraums zugute.

Vorhandene Sachkenntnis

nutzen

In der AG Bauen und Umwelt der FGQ

stehen mit Dirk Michalski und Frank Opper

zwei kompetente Ansprechpartner bei der

Vorbereitung von Wohnungsum- und Neu-

bauten zur Verfügung, die auf langjährige

Erfahrung im barrierefreien Wohnungsbau

zurückgreifen können und die den Begriff

„barrierefrei“ großzügig auslegen: „Der Be-

griff ‚barrierefrei’ sollte sich auf alle Behin-

derungen beziehen und allen Menschen

gleichermaßen zugute kommen.“. Die AG

Bauen und Umwelt möchte deshalb in

erster Linie einem häufig bestehenden In-

formationsdefizit bezüglich barrierefreiem

Planen und Bauen entgegen treten. „Es hat

sich gezeigt, dass die vorhandenen Infor-

mationen und Ressourcen (Fachplaner) häufig

aus Unkenntnis nicht abgerufen werden.“

Wie durch baulich-technische

Maßnahmen bestehende Woh-

nungen an die Bedürfnisse

älterer oder behinderter Men-

schen angepasst werden kön-

nen, beschreibt unter an-

derem auch die Artikelserie

„Barrierefrei Planen – Bauen –

Wohnen“ seit 2006 in den

Zeitschriften des zur FGQ ge-

hörenden HUMANIS Verlages

(bis Ende 2008 im „B-Journal“

und seit Anfang 2009 im „Paraplegiker“).

Wer ältere Artikel über bestimmte Gewerke

nachlesen möchte, findet diese in der

„REHADAT“-Datenbank des Institut der deut-

schen Wirtschaft in Köln unter der URL

www.rehadat.de.

Kontakt: AG Bauen & Umwelt (siehe S. 65)

Text: Raimund Artinger

Fotos: Schwörerhaus


Kathetersysteme

Der SafetyCat® Sicherheitskatheter verfügt

über innen und außen weich abgerundete

Katheteraugen. Die abgerundeten Augen

schützen die sensible Harnröhrenschleimhaut

und minimieren das Verletzungsrisiko erheb-

lich. Der flexible und dennoch stabile Ergo-

than-Katheterkopf passt sich der Anatomie

der Harnröhre optimal an. Damit bietet der

SafetyCat® Sicherheitskatheter alle Voraus-

setzungen für eine sanfte und schonende

Katheterisierung.

Medical Service bietet gelbasierte und

hydrophile Kathetersysteme an. Das hydro-

phile Kathetersystem Liquick® Base ermög-

licht eine einfache Anwendung bei gleich-

zeitig bewährter Sicherheit. Das integrierte

Sachet lässt sich leicht öffnen und die

Kochsalzlösung gelangt sofort in den

Katheterkanal. In wenigen Sekunden ist das

Kathetersystem gebrauchsfertig. Mit Hilfe der

praktischen Schutzhülle kann der Katheter

berührungsfrei aus der Packung entnommen

werden, um ihn in die Blase einzuführen.

Liquick® Base ermöglicht eine leichte und

schnelle Anwendung, da die Kochsalzlösung

bereits im System integriert ist.

Das gelbasierte Kathetersystem Libero Plus

bietet durch den integrierten Urinauffang-

beutel ein ideales System für unterwegs. Aber

auch zu Hause garantiert er eine sichere und

aseptische Katheterisierung. Das integrierte

Sachet kann durch leichten Druck geöffnet

Markt

Medical Service stellt seit über 20 Jahren hochwertige urologische Medizinprodukte

her, die Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung mehr Mobilität garantieren.

Das Basisprodukt der Kathetersysteme ist der SafetyCat® Sicherheitskatheter. Er hat

besondere Merkmale, die eine sanfte und schonende Katheterisierung garantieren.

werden. Das austretende Gleitmittel benetzt

den SafetyCat® Sicherheitskatheter der Länge

nach. Anschließend kann der Katheter leicht

aus dem Auffangbeutel herausgeschoben

werden und die Katheteroberfläche wird

durch die Dosierhülse gleichmäßig mit Gleit-

mittel benetzt. Der integrierte Auffangbeutel

sammelt den Urin sicher. Anhand der Füll-

mengenangabe kann die Urinmenge kon-

trolliert werden. Nach der Katheterisierung

kann der Urinbeutel dicht verschlossen und

problemlos entsorgt werden.

Nähere Informationen zu verschiedenen Ka-

thetersystemen unter www.medical-service.de.

Medical Service GmbH

A Teleflex Medical Company

Luisenstraße 8, 75378 Bad Liebenzell

Tel.: 0 70 52-403-100, info@medical-service.de

www.medical-service.de

www.teleflexmedical.com

47


48

Markt

R-Klasse mit besonderem Umbau

Die Fa. Sodermanns in Wassenberg (www.handicapfahrzeuge.eu) ist der erste Um-

rüster für Behinderten gerechte Fahrzeugumbauten, der in einen Mercedes R 350 4Matic

einen Ladeboy S2 Maxi eingebaut hat.

Dieter Ehinger hat nach umfangreicher und

detaillierter persönlicher Beratung durch Frank

Sodermanns den Auftrag erteilt in seinen

Mercedes R 350 4Matic einen Ladeboy S2 Maxi

sowie einen Multifunktionslenkraddrehknauf

einzubauen. Das Besondere daran ist, dass es

sich zum einen hierbei um den ersten Umbau

dieser Art in einen Mercedes Typ R-Klasse

handelt und dass zum zweiten die Ausführung

in Perfektion und optischer Anpassung ihres

gleichen sucht.

So wurden alle technischen Raffinessen und

Feinheiten genutzt, um den Rollstuhl Sopur

Easy Load 300 mit einem Gewicht von 36 kg

inklusive Fußstützen verladen zu können und

die serienmäßige Optik so weit wie möglich

bei zu behalten. Die serienmäßige hintere

Tür, die zur Schiebe-Kipptür umfunktioniert

wurde, stimmt in Spaltmaßen exakt mit der

Serie überein. Die Türverkleidung mit Holz-

bzw. Carbonoptik wurde zu 80 % erhalten, der

gesamte Bodenbereich, an dem verschiedene

Halter und Verstrebungen montiert wurden,

blieb mit Teppichboden bzw. Kunstleder

versehen und passt perfekt in die Ästhetik und

Optik des Fahrzeugs. Insgesamt stehen auch

nachdemUmbaunochviervollwertigeSitzplätze

zur Verfügung. Die Einbindung des Multifunk-

tionslenkraddrehknaufes zur Bedienung der

wichtigsten Sekundärfunktionen wie Blinker,

Hupe, Licht etc. in das vorhandene elektro-

nische Can-Daten-Bus-Bordnetz war eine be-

sondere Herausforderung, wurde aber eben-

falls perfekt gelöst.

Die Übergabe beinhaltete selbstverständlich

eine fahrzeugspezifische Bedienungsanleitung,

die nicht nur die Anwendung und Bedienung

beschrieb, sondern ebenfalls mit Fotos aus-

gestattet die einzelnen Einbauorte der wich-

tigsten Gerätschaften, besonders der Siche-

rungen darstellte. Diese detaillierten Beschrei-

bungen sind bei Sodermanns für jeden Um-

bau selbstverständlich, um dem Qualitäts-

sicherungssytem ISO 9001/9002 gerecht zu

werden, eine einwandfreie Bedienung zu ge-

währleisten, und um bei

einem eventuellen Ausfall

einem „fremden“ Techniker

eine entsprechende Grund-

lage zu liefern.

Info:

Fa. Sodermanns

www.handicapfahrzeuge.eu

Tel.: 0 24 32-2 01 04

E-Mail: info@autohaus-sodermanns.de


PARAPLEGIKER –

Zeitschrift für Menschen mit

Körperbehinderung

Das offizielle Nachrichtenmagazin der Fördergemeinschaft

der Querschnittgelähmten erscheint jetzt im vereinseigenen

HUMANIS Verlag.

Menschen mit Körperbehinderung haben viele gemeinsame

Interessen, deshalb sollte der Blick auch über den Zaun der

eigenen Betroffenheit hinausgehen.

der „Para“ bietet einen Mix aus Information, Kultur, Politik und

Unterhaltung.

Ständige Themen:

Hilfsmittel Rollstuhl & Co – Test the Best

Pflege Organisation, Finanzierung und Hilfsmittel

Urlaub In Nah und Fern

Auto Solange es rollt – Vom kleinen Flitzer bis

zum großen Van

Recht Tipps vom Anwalt

Menschen Portraits, Sport und Spiel, Beruf

Planen und

Bauen Barrierefrei und alltagstauglich

Zu unserem Programm gehören auch

»B-Kids« für behinderte junge Menschen

»K« -Journal Mensch und Krebs

»FGQ-Info« Informationsbroschüre der Fördergemeinschaft

für Querschnittgelähmte in Deutschland

Bei Interesse fordern Sie bitte ein Probeheft an

oder informieren Sie sich telefonisch beim Verlag.

Humanis

Verlag für Gesundheit GmbH

Silcherstraße 15

67591 Mölsheim

e-mail: fgq-mölsheim@t-online.de

www.fgq.de

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Abotelefon: 0 62 43 - 90 07 04

Ich möchte »PARAPLEGIKER«, die Zeitschrift für Menschen

mit Körperbehinderung abonnieren,

4 Ausgaben jährlich für 15 € (Ausland 20 E) inkl. Porto & Versand.

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Ihr Rücktrittsrecht: Diese Bestellung kann innerhalb von 8Tagen (Poststempel) schriftlich widerrufen

werden. Diesen Hinweis habe ich zur Kenntnis genommen und bestätige dies durch meine

2. Unterschrift.

bargeldlos durch Bankeinzug

Konto-Nr.:

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gegen Rechnung (bitte Rechnung abwarten)

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Beantworten Sie bitte noch diese Fragen bevor Sie die Abo-Karte

ausgefüllt an uns senden:

Wo haben Sie den »PARAPLEGIKER« kennengelernt?

Welche Ausgabe des »PARAPLEGIKER« liegt Ihnen vor?


50

Schadensersatzforderungen –

Behindertengerechtes Wohnen

Rollstuhlfahrer haben andere Bedürfnisse an das Wohnumfeld als Fußgänger – das ist

klar. Fraglich ist jedoch immer, in welchem Umfang sich eine Haftpflichtversicherung

nach Unfall oder Kunstfehler an den Umbaukosten zu beteiligen hat.

Zunächst vorab aber ein Hinweis. Kein Unfall-

opfer muss ins Pflegeheim! Nach dem

deutschen Schadenersatzrecht hat jeder be-

hinderte Mensch das Recht auf behinder-

tengerechte Unterbringung in den eigenen

vier Wänden, es sei denn die Kosten über-

stiegen die Kosten einer alternativen Heim-

unterbringung derart exorbitant, dass dies

völlig unvertretbar sei. Mir ist kein Fall aus

dem letzten Jahrzehnt bekannt, in dem ein

Gericht zu diesem Ergebnis gekommen wäre.

In den meisten Fällen hat der Geschädigte

sogar Anspruch darauf, in unmittelbarer Um-

gebung seiner bisherigen Wohnung zu blei-

ben, da sich dort meist auch der Lebens-

mittelpunkt befindet (z.B. die Kinder in die

Schule gehen oder der Ehepartner in der

Nähe arbeitet) und muss sich nicht in eine

billigere Wohngegend verweisen lassen.

Dennoch sind bei der Wahl der behin-

dertengerechten Wohnung oder beim Um-

fang des behindertengerechten Neubaus die

Grundsätze des Schadenersatzrechts natür-

lich anzuwenden. Von besonderer Bedeu-

tung ist hier der Grundsatz, dass der Ge-

schädigte durch die Schadenersatzleistung

nicht besser gestellt sein darf als vorher. Er-

setzt wird also das notwendige und nützliche,

nicht aber der Luxus.

Grundsätzlich ist die Schadenersatzzahlung

am Einzelfall zu bemessen, jedoch kann man

was die notwendige Mehrfläche anlangt,

auch als Einstieg auf Anlage zu den so

genannten „Gemeinsamen Richtlinien der

Verbände der Unfallversicherungsträger über

Wohnungshilfe“ zurückgreifen.

Wohnflächen in m² üblich rollstuhlgerecht Mehrfläche

Freisitz/

Mehrfläche

1 Personenhaushalt 48,50 69,00 20,50 4,50/0,50

2 Personenhaushalt 62,00 80,00 18,00 4,50/0,50

3 Personenhaushalt 76,00 98,00 22,00 6,00/1,00

4 Personenhaushalt 95,00 111,00 16,00 8,00/1,00

5 Personenhaushalt 113,50 136,00 22,50 9,00/1,00

6 Personenhaushalt 124,00 144,50 20,50 11,00/1,00


Einschlägig sind hier folgende Vorschriften:

2.2.1 Behindertenbedingte Mehrfläche

(Grundbedarf)

Beim Wohnungsmehrbedarf ist zur Ermitt-

lung der behindertenbedingten Mehrwohn-

flächen (für rollstuhlbedingte Bewegungs-

flächen, einschließlich Sanitätsraum) von fol-

genden Flächenwerten auszugehen:

Richtgrößen für Wohnungen mit 1 Rollstuhl-

fahrer (unter Einbeziehung der DIN 18025

Teil 1)

siehe Tabelle

-Anzeige-

BEHINDERTENGERECHTE FAHRZEUGUMBAUTEN

PARAVAN auf der RehaCare

Rollstuhl: Halle 4 Stand E16 / Fahrzeuge: Halle 6 Stand C71

Individueller Lifestyle trifft perfekt angepasste Mobilität



In 2.2.2 findet sich dann zusammengefasst

folgendes: Ist eine zusätzliche Wohnfläche

als Individualraum aus rehabilitativen Grün-

den notwendig, sind weitere 15 m² anzu-

setzen. Weiterhin können Mehrflächen für

einen Pkw-Stellplatz von 6 m² (Differenz aus

der behindertengerechten Abmessung von

21 m² zur Standardabmessung von 15 m²)

und als Aufzugsgrundfläche 3,2 m² je er-

forderlicher Etage in Frage kommen. Wenn

ein besonderer Raum als Schlafraum für

eine Pflegeperson benötigt wird, sind wei-

tere bis zu 15 m² anzusetzen.

Hat man nunmehr auf diese Weise den

Mehrflächenbedarf ermittelt, so ist es re-

lativ einfach, gegenüber einer Haftpflicht-

Unbegrenzte Freiheit und Selbstständigkeit

Der Partner für Ihre individuelle Freiheit

PARAVAN® GmbH . Paravan-Straße 5-10 . 72539 Pfronstetten-Aichelau . Telefon +49 (0)7388 9995 91 . info@paravan.de

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52

versicherung oder konsequenterweise auch

gegenüber einem Gericht begründen zu

können, weswegen ein Umzug in eine

barrierefreie, aber auch größere Wohnung

notwendig ist. Aus der Notwendigkeit resultiert

dann auch logischerweise die Pflicht der

Haftpflichtversicherung die Differenz zwischen

alter und neuer Miete zu übernehmen.

Gleiches gilt auch für den Neuerwerb. Ein

guter Architekt kann stets Auskunft darüber

geben, wie teuer 1 m² bebaute Fläche in der

Gegend, in der gebaut werden soll, kostet.

Alternativ bietet sich für Eigentümer, deren

Wohnung/Haus nicht umbaubar ist und die

deswegen umziehen müssen, auch ganz

einfach folgende Berechnung an:

Kosten behindertengerechter Neubau ./. Wert

der alten Wohnung/des alten Hauses = Mehr-

bedarf.

Will ein Mieter nunmehr (beispielsweise un-

ter zu Hilfenahme des Schmerzensgeldes)

Wohneigentum begründen, kann man auch

folgendes Berechnungsmodell wählen:

Kosten behindertengerechter Neubau ./. Ka-

pitalwert der bisherigen Miete auf Lebenszeit

anhand einschlägiger Kapitalisierungstabellen

(zu finden u.a. in Gerhard Küppersbusch,

Ersatzansprüche bei Personenschaden, 10. Auf-

lage 2009).

Besonders in Fällen, in denen aus einer

Mietwohnung in ein eigenes Haus umgezogen

wird, wird stets erbittert um die Notwendigkeit

von Gartenflächen (welche ja in der Wohnung

nicht vorhanden waren) gestritten. Insoweit

kann damit argumentiert werden, dass es für

einen Rollstuhlfahrer wesentlich aufwändiger


ist, einen Ausflug ins Grüne zu machen als für

einen Fußgänger. Der Rollstuhlfahrer ist also

umso mehr auf ein schnell und ohne große

Verladeaktionen zu erreichendes Stück Natur,

also den eigenen Garten angewiesen.

Kosten für Umbauten

Während in vielen Fällen ein Umzug

unumgänglich ist, sind manche frischverletzte

Rollstuhlfahrer in der glücklichen Lage, dass ihre

bisherige Wohnung (meist ein Haus auf dem

Land) umbaubar ist. Hier stellt sich natürlich

ebenso wie beim Umzug die Frage, welche

Kosten auf die Behinderung zurückzuführen

sind und welche Kosten einen effektiven

Mehrwert darstellen.

Stets behinderungsbedingt und daher

regelmäßig übernommen werden die Kosten

von Aufzügen. Insoweit sollte, falls möglich,

der Aufzug immer an das Haus angebaut

werden, Treppenlifte o.ä. sind anderen

Familienmitgliedern oft im Weg und nehmen

unnötig Platz weg, oft zerstören sie auch den

Charme eines Hauses.

Zusammen mit dem Anbau des Liftes sollte

auch an einen generellen Anbau gedacht

werden, da Rollstuhlfahrer normalerweise einen

Therapieraum benötigen. Ein Therapieraum

erklärt sich von selbst, irgendwo muss die

Krankengymnastik und Physiotherapie auch

stattfinden, irgendwo müssen Motomed,

Stehtrainer und die verschiedenen Rollstühle

auch gelagert werden.

Für den Fall, dass Pflegepersonen im Haushalt

untergebracht werden sollen, brauchen diese

einen eigenen Rückzugsbereich mit Wasch-

und Kochgelegenheit, dieser kann im Anbau

untergebracht werden.

Auch für ein eigenes Bad gibt es gute

Argumente, die ein Gericht überzeugen:

Bekanntermaßen verbringen viele Rollstuhl-

fahrer viel mehr Zeit im Bad als Fußgänger,

allein schon wegen der verschiedenen

zeitaufwändigen Methoden des Abführens.

Nichts kann in einer Familie zu mehr Reibe-

reien führen, als ein andauernd belegtes

Bad. Das Bad selbst ohne Duschwanne ist

auch von Fußgängern nicht so gut benutz-

bar und benötigt nach Benutzung auch

mehr Reinigungsaufwand als ein normales Bad.

Natürlich sind auch die Außenanlagen roll-

stuhlgerecht umzubauen, auch der Garten

soll wieder für den Betroffenen voll nutzbar

sein, umso mehr als der Garten oft die ein-

zige einfache Möglichkeit darstellt, schnell

und unkompliziert ins Grüne zu kommen.

Großes Augenmerk sollte auch darauf gelegt

werden, dass ein überdachter Stellplatz, am

besten eine Garage, zur Verfügung steht, die

vom Haus aus direkt oder auf überdachten

Wegen – wichtig v.a. bei Eis und Schnee – zu

erreichen ist.

Diese Punkte werden alle regelmäßig un-

problematisch von Haftpflichtversicherungen

übernommen, sofern eine ordentliche Pla-

nung (inklusive Ausschreibung) stattfindet

– hier sollte auf jeden Fall ein Architektur-

büro für behindertengerechtes Bauen ein-

gesetzt werden – und die Qualität der Um-

baumaßnahmen sich am Lebensstandard des

Betroffenen vor Unfall orientiert. D.h., dass

nur wer vorher in einem Schloss gewohnt

hat, einen fürstlichen Umbau bekommt, ein

eher armer Geschädigter wird sich indes

mit einem einfacheren funktionalen Umbau

begnügen müssen.

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54

Anspruch auf Privatsphäre

Problematisiert werden allerdings meistens

die folgenden Punkte. Insbesondere bei

schwerstbehinderten Tetraplegikern, die je-

denfalls rund um die Uhr eine Pflegeper-

son im Haus haben, wird oft argumentiert,

dass aufwändige Umweltsteuerungssysteme

und eine behindertengerechte Küche nicht

benötigt werden, da Dinge wie Kochen und

Mobilität jedenfalls regelmäßig von Dritten

übernommen werden. Hier ist darauf zu

verweisen, dass auch noch ein Rest Privat-

sphäre vorhanden sein sollte und es ins-

besondere aus psychischen und rehabilitati-

ven Gesichtspunkten heraus sinnvoll ist, wenn

sich der Betroffene jedenfalls im Einzelfall

selbst helfen kann.

Oft wenden Versicherer auch ein, dass das

Haus durch die Umbauten ja einen Mehrwert

bekommen würde, der vom Betroffenen

selbst zu tragen sei. Den Mehrwert bei

behindertengerechten Umbauten kann ich

nicht erkennen. Oft ist ein barrierefreies

Haus mit Aufzug und entsprechendem Bad

nicht marktüblich zu verkaufen, weil einfach

keine Interessenten da sind.

Auch das oft gebrachte Argument, dass

teilweise Dinge einfach neu zu machen seien,

wenn sich beim Teilentkernen herausstellt,

dass irgendwo die Mauersubstanz oder der

Dachstuhl nicht mehr gängigen Standards

entsprach und so ein Renovierungsmehrwert

entstünde, greift nicht, da es sich ja (wenn

denn überhaupt) um eine aufgedrängte

Bereicherung handelt, also eine Aufwendung,

die der Betroffene den normalen Verlauf der

Dinge betrachtet überhaupt nicht getätigt

hätte.

Wartungskosten

Nicht vergessen sollte man auch, dass die

behindertengerechten Umbauten – hier

vor allem der Aufzug – Strom verbrauchen

und Wartungskosten verursachen und dass

der Anbau auch zu heizen ist. All dies sind

Positionen, die regelmäßig anfallen und vom

Haftpflichtversicherer in Rentenform oder

Kapitalabfindung zu ersetzen sind.

Ebenso muss auch klar sein, dass Menschen,

die im Kindesalter verunfallen, einen Anspruch

auf einen weiteren Umbau bei Volljährigkeit

haben, nämlich dann, wenn sie nach dem

gewöhnlichen Verlauf der Dinge das elterliche

Haus verlassen hätten.

Anmerkung zum Autor: Der Rechtanwalt

und Fachanwalt für Verkehrsrecht Oliver

Negele, Mitarbeiter der AG-Recht der FGQ,

bearbeitet derzeit ca. 30 Fälle aus dem Bereich

Großpersonenschaden im Jahr.

Foto: www.emanuelbloedt.de

Kontakt:

RA Oliver Negele

Bgm.-Fischer-Str. 12

86150 Augsburg

Tel.: 08 21-32 79 88 10

E-Mail: kontakt@arge-recht.de


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Zuzahlungen in der Gesetzlichen

Krankenversicherung

Inzwischen haben sich die Patienten daran gewöhnt, dass viele Leistungen der

Krankenkassen nur noch zur Verfügung stehen, wenn sie aus dem eigenen Geldsäckel

etwas beisteuern. Unklarheiten gibt es aber immer noch. Der Hinweis von Sanitätshaus

oder Apotheke, dass individuelle Fragen mit der Krankenkasse zu klären sind, führt

aber noch lange nicht immer zur gewünschten Klarheit. Darum hier einiges im

Klartext, speziell für Menschen mit einem Stoma und bei Inkontinenz, aber auch mit

anderen Behinderungen. Sie sind „chronisch krank“ im Sinne des Gesetzes (SGB V).

Deshalb gilt für sie die reduzierte Belastungsgrenze von 1 % des Familieneinkommens

statt 2 % (allgemeine Belastungsgrenze).

Was heißt „chronisch kranke Menschen“? Die

Krankheit muss ein volles Jahr lang bestehen

und in dieser Zeit von einem Arzt mindestens

einmal pro Quartal behandelt worden sein.

Darüber hinaus muss eines der folgenden

Kriterien erfüllt sein:

• Der Patient ist pflegebedürftig nach

Pflegestufe II oder III.

• Der Patient ist aufgrund seiner Erkrankung

mindestens zu 60 Prozent erwerbsgemin-

dert oder behindert. Die Erwerbsminde-

rung beziehungsweise Behinderung muss

durch diese Erkrankung begründet sein.

• Wegen der Krankheit ist eine kontinuier-

liche medizinische Versorgung erforderlich,

ohne die nach ärztlicher Einschätzung

eine lebensbedrohliche Verschlimmerung

der Erkrankung zu erwarten ist oder eine

Verminderung der Lebenserwartung oder

eine dauerhafte Beeinträchtigung der Le-

bensqualität.

• Bei Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe II

oder III in der gesetzlichen Pflegever-

sicherung (SGB XI) wird nach Ablauf

eines Jahres seit dem Beginn der Pflege-

bedürftigkeit nach einer dieser Pflegestu-

fen das Vorliegen einer Dauerbehand-

lung unterstellt.

Entsprechende Bescheinigungen stellen die

Hausärzte aus, Formulare liegen dort vor.

Wenn mindestens ein – auch als Familien-

mitglied – gesetzlich versicherter Angehöriger

des Familienhaushalts schwerwiegend chro-

nisch krank ist, reduziert sich die Zuzah-

lungsgrenze für alle Angehörigen des

Familienhaushalts auf 1 Prozent der jährlichen

Familienbruttoeinnahmen im Kalenderjahr.

Die Absenkung der Grenze gilt ab dem

1. Januar des Kalenderjahres, in dem die

Behandlung der chronischen Erkrankung ein

Jahr andauert. Sollte der chronisch Erkrankte

nicht bei der Krankenkasse versichert sein,

die einen Befreiungsausweis (für ein anderes

Familienmitglied) erstellen soll, benötigt diese

eine Kopie des Bescheids der Krankenkasse, bei

der er versichert ist.

Beispiel: Der Patient befindet sich seit 11. Juni

2008 wegen einer Querschnittlähmung in


Behandlung. Wenn er bis zum 10. Juni 2009

wenigstens einmal im Quartal wegen dieser

Krankheit in ärztlicher Behandlung war, liegt

eine Dauerbehandlung vor. Die einprozentige

Zuzahlungsgrenze gilt dann rückwirkend ab

dem 1. Januar 2009.

Einkommen

Dazu zählen alle Einnahmen, also auch Ren-

ten, Mieterträge und Zinserträge. Nicht dazu

zählen Renten nach dem BVG und Pflegegeld

(Pflegeversicherung, Landespflegegeld, Hilfe

zur Pflege nach SGB XII). Sind Angehörige

zu berücksichtigen, werden vom Einkommen

Freibeträge von 4599 E für den Partner bzw.

6024 E je Kind abgesetzt. Diese setzen sich

zusammen aus 3864 E Freibetrag nach SGB V

und dem gesetzlichen Freibetrag für Betreu-

ung, Erziehung und Ausbildung von 2160 E

je Kind bei zusammen veranlagten Ehepart-

nern (BSG-Urteil vom 30.6.2009 AZ B 1 KR

17/08 R). Bei Alleinerziehenden berücksich-

tigt die Krankenkasse für das erste Kind den

höheren Freibetrag, der sonst für den Ehe-

gatten oder Lebenspartner gelten würde, also

4536 E und 1080 E,als gesetzlichen Freibe-

trag für Betreuung, Erziehung und Ausbil-

dung je Kind, insgesamt also 5616 E für das

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erste und 4 944 E für jedes weitere Kind

(Stand Februar 2010). Dieser Freibetrag von

2160 bzw. 1080 E kann bei der Krankenkasse,

wie übrigens jede Zuzahlungserstattung, auch

noch rückwirkend geltend gemacht werden.

Denn Ansprüche im Sozialrecht verjähren

erst nach vier Jahren, beginnend mit dem

Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind.

Erstattungen sind in 2010 also noch rückwir-

kend für die Jahre 2006 bis 2009 möglich. Bei

einer vierköpfigen Familie sind das immerhin

86,40 E (bei „chronisch Kranken“ die Hälfte,

also 43,20 E) pro Jahr. Für Alleinerziehende

reduziert sich der mögliche Erstattungsbetrag

auf die Hälfte.

Für Familien gilt: Nach § 62 SGB V Abs. 2

werden die Zuzahlungen und die Brutto-

einnahmen gemeinsam ermittelt, d. h. sobald

die Zuzahlungen aller Familienangehörigen

insgesamt 1 % erreichen, kann ein Befreiungs-

nachweis von der Krankenkasse angefordert

werden. Mit dem Befreiungsausweis, den

die Krankenkasse dann zuschickt, sind keine

Zuzahlungen mehr zu leisten. Das gilt auch

für Ehepartner und familienversicherte Kin-

der. Evtl. schon geleistete Überzahlungen

erstattet die Kasse, meist auf Antrag, manch-

mal auch unaufgefordert.

57


58

Als Angehörige gelten der Ehepartner bzw.

der Lebenspartner nach dem Lebenspartner-

schaftsgesetz (gleichgeschlechtliche Paare)

und darüber hinaus die ebenfalls im ge-

meinsamen Haushalt lebenden Kinder. Kin-

der von getrennt lebenden oder geschie-

denen Ehepartnern werden bei dem Eltern-

teil berücksichtigt, bei dem sie wohnen,

unabhängig davon, bei wem die Familien-

versicherung besteht. Selbst versicherte Kin-

der gehören nicht dazu. Umgekehrt ist ihr

Einkommen auch nicht zu berücksichtigen.

Bei Empfängern von Hilfe zum Lebensunter-

halt nach SGB XII („Sozialhilfe“, nicht Hilfe

zur Pflege!), von Arbeitslosengeld II und

von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbs-

minderung, wird jeweils nur der Regelsatz

des Haushaltsvorstands als Bruttoeinkommen

für die gesamte Bedarfsgemeinschaft gezählt,

das heißt der jährliche Zuzahlungsgesamtbe-

trag beträgt (2009) bei chronisch Kranken

43,08 E, allgemein 86,16 E.

Belege: Immer dann, wenn eine Zuzahlung

zu leisten ist, gibt es eine Quittung, auf der

auch der Name des Zahlers vermerkt sein

muss. Das ist wichtig weil die Krankenkasse

die Belege sonst nicht anerkennt. Manche

Kassen und Apotheken verschenken auch

kleine Büchlein, in denen die Zahlungen

quittiert werden. Damit spart man das Bele-

ge sammeln. Keine Angst, zusätzliche Belege

kann man trotzdem mit dem formlosen

Begleitbrief einreichen, mit dem man um die

Befreiung von der Zuzahlung und die Rück-

überweisung schon zu viel gezahlter Beträge

bittet.

Fast alle Krankenkassen bieten ab dem

zweiten Jahr der Befreiung zum Jahresan-

fang ihren Mitgliedern die Möglichkeit, durch

Zahlung eines Betrages, der auf dem

Familieneinkommen des Vorjahrs basiert,

direkt den Nachweis zur Befreiung für das

laufende Jahr zu bekommen, so dass keine

Belege mehr gesammelt und möglicherweise

überzahlte Beträge zurück überwiesen wer-

den müssen. Die übliche Praxis ist, dass nach

Jahresende dann trotzdem ein Einkommens-

nachweis verlangt wird. Dieser gilt dann aber

nicht zur nachträglichen Verrechnung des

abgelaufenen Jahres sondern als Grundlage

für eine Zahlung, die dann für das folgende

Jahr die Befreiung bewirkt. Eine rückwirkende

Verrechnung wäre unwirtschaftlich. Umge-

kehrt ist mit dieser Praxis der Nachteil

verbunden, dass auch keine Rückerstattung

erfolgt z. B. wenn man weniger als erwartet

verdient hat oder wenn eine versicherte Per-

son im Laufe eines Jahres verstorben ist. Die

Vorteile für beide Seiten, Krankenkasse und

Mitglied rechtfertigen diese Handhabung

aber. Ob die Krankenkassen das BSG-Urteil

(siehe oben) zum Anlass nehmen, von

sich aus rückwirkend die Beträge von zu

43,20 E bzw. 21,60 E je Kind zu erstatten,

ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Es lohnt

sich auf jeden Fall, das zu beantragen und

vor allem im kommenden Jahr weniger pau-

schale Zuzahlungen zu akzeptieren.

Wofür gelten Zuzahlungen?

Verschreibungspflichtige Arzneimittel:

Bis zur Belastungsgrenze keine Sonder-

regelungen. Nicht verschreibungspflichtige

Arzneimittel müssen voll bezahlt werden.

Ausnahme: Nicht verschreibungsfähige Arz-

neimittel, die bei bestimmten Krankheiten

als „anerkannter Therapiestandard“ gelten,

können wie bisher auch mit Angabe der

Diagnose auf der Verordnung weiter zu

Lasten der Kassen verordnet werden.


Dazu gehören u. a. auch bei neurogener

Darmlähmung (wie bei Querschnittlähmung)

Abführmittel, Mittel gegen Verstopfung,

Desinfektionsmittel bei ISK (Katheterisieren)

oder methioninhaltige Medikamente zur

Vorbeugung von Nierensteinen (Harnan-

säuerung) und manche Vitamine. Besonder-

heiten: Harn- und Blutteststreifen sind stets

zuzahlungsfrei. Für Trink- und Sondennah-

rung sowie Verbandmittel bemisst sich die

Zuzahlung am Wert pro Verordnungszeile.

Hilfsmittel aller Art:

Hier müssen 10 % Zuzahlungen geleistet

werden; mindestens 5 E, maximal 10 E, je-

doch nie mehr als das Hilfsmittel selbst kostet.

(z. B. Rollstühle, Bettschutzeinlagen usw.)

Auch hier sind einige Besonderheiten zu

berücksichtigen:

• Bei Hilfsmitteln, die zum Verbrauch be-

stimmt sind (z. B. Katheter) beträgt die

maximale Zuzahlung insgesamt 10 E /

Monat, egal wieviel und welche Hilfsmittel

dafür benötigt werden. Auch bei zwei

unterschiedlichen Indikationen (z. B. Ka-

theterisierung und Stoma wird dieser Be-

trag nur einmal fällig.

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• Reparaturen von Hilfsmitteln/Ersatzteile

sind keine eigenständigen Hilfsmittel. Es

ist deshalb keine Zuzahlung zu leisten.

• Auch Pflegehilfsmittel nach SGB XI (bei

festgestellter Pflegestufe in der Pflege-

versicherung) wie Einmalhandschuhe, Un-

terlagen etc. fallen nicht unter dieses

Gesetz. Es ist keine Zuzahlung zu leisten.

• Es gibt auch Hilfsmittel, die sowohl zum

Verbrauch bestimmte Hilfsmittel als auch

Pflegehilfsmittel sein können je nach Indi-

kation. Beispiele: Einmal-Bettschutzein-

lagen, Einmalhandschuhe.

Heilmittel (KG, MTT, Ergotherapie):

Es sind 10 E / Verordnung und 10 % / Leis-

tung zu zahlen. Das heißt, bei Verordnungen

für 3 oder 6 mal Krankengymnastik ist es

teurer als vor 2004, bei der Verordnung von

20, 30 oder 50 Behandlungen – „außerhalb

des Regelfalls“ – ist die Zuzahlung jetzt

niedriger. (Anmerkung: Die heiß diskutierte

„Unterbrechung“ von 6 oder 12 Wochen ist

bei Verordnungen außerhalb des Regelfalls –

„V.a.d.R.“ – nicht vorgesehen. Diese werden

auch nicht auf das Arztbudget angerechnet.

Das sollte jeder Arzt wissen!)

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59


60

Fahrtkosten:

Nach den „Krankentransport-Richtlinien“ über-

nehmen die Kassen die Kosten nicht nur

für Personen, die einen Schwerbehinder-

tenausweis mit den Merkzeichen „aG“, „Bl“

oder „H“ haben oder in der Pflegeversiche-

rung in die Pflegestufe II oder III eingestuft

sind, sondern auch für Menschen, die „mit

einem durch die Grunderkrankung vorge-

gebenen Therapieschema behandelt werden,

das eine hohe Behandlungsfrequenz über

einen längeren Zeitraum aufweist“. Dazu

zählen z. B. (aber nicht nur) Bestrahlungen,

Chemobehandlungen oder Dialyse, wenn die

Behandlung mindestens einmal wöchentlich

erfolgen soll (das ist neu ab 2009 – BSG-

Urteil, früher mindestens zweimal pro

Woche). Auch hier werden Zuzahlungen

fällig und zwar 10 % pro Fahrt, mindestens

5 E, maximal 10 E. Fährt man mit dem

privaten PKW und es ergibt sich dabei Kilo-

metergeld, das unter der Zuzahlungsgrenze

liegt, sollte man diese Fahrten trotzdem nach-

weisen, weil diese Beträge bei der Ermitt-

lung der Belastungsgrenze mit berücksichtigt

werden. Das gleiche gilt für Fahrten mit

öffentlichen Verkehrsmitteln. Da reichen die

Fahrscheine aus.

Krankenhausbehandlung, AHB, Kuren:

Bei einer vollstationären Krankenhausbehand-

lung sind 10 E je Kalendertag für maximal

28 Tage im Kalenderjahr zu entrichten. Das

gleiche gilt für eine Anschlussheilbehand-

lung unter Einbeziehung vorheriger Kranken-

hausaufenthalte. Anders sieht es bei stationä-

ren Vorsorge- und Rehabilitationskuren aus

(gilt auch für Mütter-Kind-Kuren): Bei ihnen

sind zeitlich unbegrenzt pro Tag 10 E Zuzah-

lung fällig. Bei ambulanten Kuren fallen als

Zuzahlung 10 % der Kosten für Heilmittel

sowie 10 E je Verordnung an, wie auch sonst

bei Heilmitteln.

Zuhause:

Für häusliche Krankenpflege sind 10 % der

Kosten zu übernehmen, begrenzt auf 28 Tage

je Kalenderjahr, außerdem zusätzlich 10 E je

Verordnung. Für eine Haus-haltshilfe beträgt

die Zuzahlung zeitlich un-begrenzt 10 % der

täglichen Gesamtkosten, mindestens 5 Eund

höchstens 10 E pro Ka-lendertag,

Praxisgebühr:

Auch die Praxisgebühr von 10 E / Quartal

zählt zu den anrechenbaren Zuzahlungen

und ist bei einer Befreiung nicht mehr zu

zahlen.

Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr:

Sie sind von allen Zuzahlungen befreit,

damit auch von den Praxisgebühren. Einzige

Ausnahme: Zu den Fahrkosten muss auch bei

ihnen eine Zuzahlung geleistet werden.

Was man nicht anrechnen kann: Der Eigen-

anteil bei einer zahnärztlichen Versorgung

lässt sich ebenso wenig geltend machen wie

(bis auf ganz seltene Ausnahmen) die Kosten

für Brillen, Kontaktlinsen und die Pflegemittel

dazu.

Die „wirtschaftliche

Aufzahlung“ …

... ist der Betrag, den man aus eigenem

Portemonnaie zahlen muss, wenn man nicht

das Arzneimittel oder das Hilfsmittel haben

möchte, das die Krankenkasse in voller Höhe

übernehmen würde, weil man glaubt, dass

die teurere Alternative den Zweck besser er-

füllt oder (z. B. ein Rollstuhl) besser aussieht.


Ob man bereit ist, dafür Geld auszugeben,

muss jeder selbst entscheiden. Allerdings

sollte man sich dann nicht abwimmeln

lassen, wenn die Kasse die Zahlung ganz

verweigert. Den anteiligen Betrag, den das

von der Kasse vorgeschlagene Hilfsmittel

oder Medikament gekostet hätte, muss diese

auch übernehmen. Manchmal kommt es

auch zu einer wirtschaftlichen Aufzahlung,

weil ein Sanitätshaus oder eine Apotheke

anders kalkuliert als andere Anbieter. Dann

sollte man überlegen, ob dieser Lieferant

so wichtig oder so viel zuverlässiger ist als

andere, dass einem der Aufpreis das wert ist

oder ob man zur Konkurrenz wechselt.

Einen „Musterpatienten“ gibt es nicht. Ein

Gesetz ohne Auslegungsprobleme noch viel

weniger. Deshalb kann dieser Artikel nur

wichtige Punkte (Stand Februar 2010) erläu-

tern und klarstellen. Er soll zur Information

selbst betroffener Menschen (und Familien)

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dienen, um ihnen in Gesprächen mit ihren

Krankenkassen mehr Sicherheit zu geben,

wenn diese, aus welchem Grund auch immer,

einen Anspruch anders beurteilen. Und das

geschieht immer wieder. Denn Kranken-

kassen sind genauso parteiisch wie ich.

Kontakt:

Herbert Müller

Freiherr-vom-Stein-Str. 47

56566 Neuwied-Engers

Tel.: 0 26 22-8 89 6 32

Fax: 0 26 22-889 636

E-Mail:

h.mueller@engers.de

Herbert Müller,

FGQ-Sozialrechtsexperte.

61


62

Befreiung von den Rundfunkgebühren

Früher wurde meist in den Schwerbehindertenausweis zu den Stempeln aG, H, B

auch noch RF für die Rundfunkgebührenbefreiung gestempelt. Das hat sich schon seit

einiger Zeit geändert und die ausstellenden Behörden streiten vor den Gerichten um

die Vergabe dieses Merkzeichens vehement.

Seit dem 1.4.2005 wurde der Rundfunk-

gebührenstaatsvertrag geändert. Seitdem

sind nicht mehr die Länder und Kommunen

für die Befreiung von den Gebühren zustän-

dig. Anträge sind jetzt generell bei der GEZ

(Postfach 11 03 63, 50403 Köln) zu stellen.

Der Antrag muss grundsätzlich schriftlich

gestellt werden. Formulare kann man bei

der GEZ anfordern. Das ist auch im Internet

unter www.GEZ.de möglich. Dort kann man

sogar ein PDF-Formular online ausfüllen und

ausdrucken. Man sollte dem Antrag eine

beglaubigte Kopie des Bewilligungsbescheides

für die Hilfe zur Pflege nach dem BHSG oder

für Landespflegegeld beifügen.

Befreit werden können der Haushaltsvor-

stand, dessen Ehegatte und andere Haus-

haltsangehörige für von ihnen selbst zum

Empfang bereit gehaltene Geräte.

Die Voraussetzungen für eine Befreiung sind

bundeseinheitlich in zehn Punkten neu gere-

gelt:

1.) Empfänger von Sozialhilfe (Hilfe zum

Lebensunterhalt nach SGB XII) oder von

Leistungen nach § 27a oder 27 d des

Bundesversorgungsgesetzes.

2.) Empfänger von Grundsicherung im Alter

oder bei Erwerbsminderung (Grundsiche-

rungsgesetz).

3.) Empfänger von ALG II und Sozialgeld ein-

schließlich Leistungen nach § 22, aber

nur dann, wenn keine Zuschläge nach

§ 24 SGB II gezahlt werden.

4.) Empfänger von Leistungen nach dem

Asylbewerberleistungsgesetz.

5.) BAFÖG-Empfänger, die nicht bei den

Eltern leben.

6.) Sonderfürsorgeberechtigte nach § 27 e

des Bundesversorgungsgesetzes.

7.) a) Blinde oder nicht nur vorübergehend

wesentlich sehbehinderte Menschen mit

einem GdB von mindestens 60 % alleine

wegen der Sehbehinderung

b) Hörgeschädigte Menschen, die gehör-

los sind oder denen eine ausreichende

Verständigung über das Gehör auch mit

Hörhilfen nicht möglich ist.

8.) Behinderte Menschen mit einem GdB

von wenigstens 80 %, die deshalb an

öffentlichen Veranstaltungen ständig

nicht teilnehmen können. Wann das der

Fall ist, bleibt nach wie vor umstritten

und gehört zu den Fragen, die in der

Vergangenheit oft von den Gerichten zu

entscheiden waren – und daran wird sich

voraussichtlich in der Zukunft auch nichts

ändern.

9.) Empfänger von Hilfe zur Pflege nach

dem Siebten Kapitel SGB XII oder von

Hilfe zur Pflege als Leistung der Kriegs-


opferfürsorge oder von Pflegegeld nach

den landesgesetzlichen Vorschriften.

10.) Empfänger von Pflegezulagen nach § 267

Absatz 1 des Lastenausgleichsgesetzes

oder Personen, denen wegen Pflege-

bedürftigkeit nach § 267 Absatz 2 Satz

1 Nr. 2 Buchstabe c dieses Gesetzes ein

Freibetrag zuerkannt wird.

Daneben gibt es noch besondere Härtefälle

wegen persönlicher oder sachlicher Unbilligkeit,

auf die hier aber nicht eingegangen wird,

weil die Bedingungen nur für sehr spezielle

Sonderfälle gelten. Geringes Einkommen ist z.

B. kein Befreiungsgrund.

-Anzeige-

Gepflegt Radiohören

Neben der Information für Leistungsemp-

fänger nach Hartz IV und nach dem

Grundsicherungsgesetz, für die das jetzt

eindeutig geregelt wurde, ist Punkt 9 der

Auflistung besonders interessant:

a) Empfänger von Hilfe zur Pflege nach

dem BSHG können jetzt erfolgreich die

Befreiung beantragen, auch wenn für sie

Punkt 8 nicht zutrifft. Das gilt auch für

diejenigen, die diese Leistung wegen der

Besitzstandswahrung beim Inkrafttreten

der Pflegeversicherung zum 1.1.1995 ne-

ben Leistungen der Pflegeversicherung

weiterhin bekommen.

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64

-Anzeige-

b) Mancher erhält weiterhin als Besitz-

standsleistung Pflegegeld nach den Vor-

schriften des jeweiligen Bundeslandes,

entweder weil keine Pflegestufe festge-

stellt wurde oder weil das Landespflege-

geld den Betrag der Pflegestufe I in

Höhe von 205 Euro überstiegen hat/

übersteigt. Auch er/sie kann die Be-

freiung von den Rundfunkgebühren be-

antragen. Da es keine Ausschlusstat-

bestände gibt, gilt das auch in den

Bundesländern wie Rheinland-Pfalz oder

Brandenburg, in denen Landespflege-

geld nicht vom Einkommen abhängig ist.

Stempel kostet nichts

Dem Antrag ist eine beglaubigte Kopie des

Bewilligungsbescheides für die Hilfe zur

Pflege nach dem BHSG oder für Landes-

pflegegeld beizufügen. Was viele nicht

wissen: eine Kopie kann von jeder „Siegel

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führenden“ Stelle beglaubigt werden, also

auch vom Ortsbürgermeister, vom Ortsbeirat,

von der Polizei, der Schule oder auch von

den Krankenkassen. Dieser Stempel kostet

nichts. Diese Stellen sind verpflichtet, eine

Beglaubigung vorzunehmen, können das

also nicht ablehnen. Meistens ist dort auch

ein Kopiergerät vorhanden. Notfalls macht

man die Kopien selbst im Copy-Shop oder

mit dem Scanner über den PC. Nur mit ein-

fachen Faxgeräten, die mit hitzeempfind-

lichem Papier arbeiten, geht das nicht. Solche

Kopien verblassen zu schnell und sind nicht

„registraturfähig“.

Text: Herbert Müller

Foto: Peter Mand

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Tel.: 0 22 47-60 70

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Frank Opper, Architekt

Auf der Wiese 20, 41564 Kaarst

Tel.: 0 21 31-51 17 09

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FGQ-Rechtsbeistand im Sozialrecht

Herbert Müller

Freiherr-vom-Stein-Straße 47, 56566 Neuwied-Engers

Tel.: 0 26 22-88 96-32; Fax -36

E-Mail: h.mueller@engers.de

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Peter Mand

Felbelstraße 15, 47799 Krefeld

Tel.: 0 21 51-62 17 000

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