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Nr. 6 Dezember / Januar 2010 / 11 1,- Euro<br />

Zeitschrift für Abhängige und Unabhängige<br />

T<br />

rokkenPresse<br />

Weihnachten<br />

Familie<br />

Sucht


Liebe Leser<strong>in</strong>nen<br />

und Leser,<br />

Beziehungen s<strong>in</strong>d gerade<br />

zu Weihnachten im Mittelpunkt<br />

der Gedanken und<br />

Gefühle. Wer <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er vollständigen<br />

Familie feiern<br />

kann, sche<strong>in</strong>t alles zu haben,<br />

was er braucht. Dennoch<br />

s<strong>in</strong>d nicht alle zufrieden<br />

mite<strong>in</strong>ander. Wer aber<br />

alle<strong>in</strong>e lebt, spürt das Alle<strong>in</strong>se<strong>in</strong><br />

an den Feiertagen<br />

oft viel <strong>in</strong>tensiver und atmet<br />

erst auf, wenn das Fest<br />

vorbei ist. Das Alle<strong>in</strong>se<strong>in</strong><br />

hat oft mit Alkohol zu tun.<br />

Denn Alkohol hat viele Feste<br />

„mitgestaltet“ und manche<br />

Beziehungen <strong>in</strong> den<br />

Abgrund getrieben. So er<strong>in</strong>nert<br />

sich manch e<strong>in</strong>er an<br />

das Fest vor e<strong>in</strong>em Jahr, als<br />

„König Alkohol“ noch regierte.<br />

Als Folge leben<br />

nicht wenige e<strong>in</strong> Jahr später<br />

getrennt von ihren Familien<br />

– und das ist schwer<br />

zu ertragen.<br />

Die Abst<strong>in</strong>enz ist im ersten<br />

Jahr anstrengend, das<br />

sagen viele. Besonders zu<br />

den Feiertagen kommen<br />

Gedanken auf an verlorene<br />

Freunde.<br />

Allerd<strong>in</strong>gs bietet die<br />

Selbsthilfe viele Möglichkeiten,<br />

neue Beziehungen<br />

aufzubauen und zu pflegen.<br />

Auch <strong>in</strong> diesem Jahr gibt es<br />

wieder viele Treffen, Veranstaltungen<br />

und Feste. Wer<br />

sich traut dah<strong>in</strong> zu gehen,<br />

der freut sich h<strong>in</strong>terher, da<br />

gewesen zu se<strong>in</strong>. Von den<br />

Geschichten der anderen<br />

hören und eigene Erlebnisse<br />

erzählen, das ist wichtig<br />

und schön. Das macht S<strong>in</strong>n<br />

im Leben.<br />

Wir wünschen allen Lesern,<br />

dass Sie Weihnachten<br />

und Jahreswechsel gut überstehen<br />

und im neuen Jahr<br />

das wieder aufbauen können,<br />

was im alten vielleicht<br />

zerstört wurde!<br />

Die TrokkenPresse wünscht<br />

trockene Feiertage!<br />

Inhalt<br />

Titelfoto: B. Balschus<br />

Titel<br />

Familie und Sucht v. A.Scheib .................................................................................... 3<br />

Weihnachten ohne Alkohol v. R. Hüll<strong>in</strong>ghorst .......................................................... 8<br />

Für andere Menschen e<strong>in</strong>e Bedeutung haben v. R. Hüll<strong>in</strong>ghorst ....................... 9<br />

Berl<strong>in</strong>er Seiten<br />

Medikamentensucht:<br />

Fachtag im St. Joseph-Krankenhaus .......................................................................... 10<br />

Nichtraucherschutz? ...................................................................................................... 11<br />

Patenschaftsprojekt „Vergiss mich nicht“<br />

Beratungstellen: Alle Jahre wieder ............................................................................ 12<br />

Projekt: Tannenhof-Schule ........................................................................................... 14<br />

Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch<br />

Exklusivabdruck: Der kle<strong>in</strong>e Zauberer M<strong>in</strong>imo v. C. Werther ............................... 16<br />

O-Ton<br />

„Hilfe, die Eltern me<strong>in</strong>es Freundes saufen!“ ........................................................... 18<br />

Weihnachtsgeschichte<br />

Wasser zu Weihnachten v. I. Manno-Kortz ................................................................ 22<br />

Gerichte & Gedichte<br />

Weihnachtsküche ohne Gans ....................................................................................... 24<br />

Bücher<br />

Lesung im Café Q43 .................................................................................................... 25<br />

Peter Böttcher „Trocken, und nicht verdurstet“ ....................................................... 26<br />

Jack Kerouac „On the road“ ....................................................................................... 27<br />

Rolf Zweifel ..................................................................................................................... 5<br />

Kurz & Trokken .............................................................................................................. 15<br />

Tr<strong>in</strong>kerheilanstalt & Co. (6) .......................................................................................... 20<br />

Trokkensatire ................................................................................................................... 21<br />

Gegen den Strich ........................................................................................................... 27<br />

Leserbriefe ....................................................................................................................... 28<br />

Woh<strong>in</strong> an den Feiertagen? ........................................................................................... 29<br />

Veranstaltungen ............................................................................................................. 31<br />

Impressum ...................................................................................................................... 31<br />

Neue Serie: Selbsthilfe .................................................................................................. 34<br />

TrokkenPresse 1/11 ersche<strong>in</strong>t im Februar 2011<br />

Redaktionsschluss für Beiträge, Veranstaltungsterm<strong>in</strong>e und Kle<strong>in</strong>anzeigen<br />

ist der 18. Januar 2011<br />

www.trokkenpresse.de


K<strong>in</strong>derwagen und Kaltgetränk<br />

Familie und Sucht<br />

Alfred Scheib über die wechselseitigen Beziehungen von Familie<br />

und Abhängigkeit<br />

Die Familie und ihre wechselseitigen<br />

E<strong>in</strong>flüsse auf die<br />

e<strong>in</strong>zelnen Mitglieder s<strong>in</strong>d ja<br />

„Urthemen“ jeder Psychotherapie:<br />

Wieweit prägen die Familienstrukturen,<br />

die frühen<br />

Erfahrungen <strong>in</strong> der Familie unsere<br />

B<strong>in</strong>dungsfähigkeit, unsere<br />

Überzeugungen über uns und<br />

andere, unsere Beziehungsfähigkeit,<br />

unseren Umgang mit<br />

uns und anderen.<br />

Familie und Sucht war von<br />

Anfang an auch e<strong>in</strong>es der wichtigsten<br />

Themen <strong>in</strong> der Suchtbehandlung.<br />

Mit diesem Beitrag<br />

will ich – ohne Anspruch auf<br />

Vollständigkeit – e<strong>in</strong>en Überblick<br />

über den aktuellen Wissensstand<br />

zu diesem Thema<br />

geben.<br />

In Deutschland leben etwa<br />

4 Millionen Menschen zeitweise<br />

oder dauerhaft mit e<strong>in</strong>em<br />

suchtmittelabhängigen Menschen<br />

zusammen, deutlich<br />

mehr als es Alkoholiker gibt. Es<br />

s<strong>in</strong>d die Eltern, Partner, K<strong>in</strong>-<br />

der, Geschwister. Was erleben<br />

Sie, welche Auswirkungen hat<br />

die Sucht auf sie? Es gibt e<strong>in</strong><br />

lesenswertes Buch, das sich damit<br />

befasst, zum<strong>in</strong>dest mit den<br />

K<strong>in</strong>dern von Suchtkranken von<br />

Ursula Lambrou: „Familienkrankheit<br />

Alkoholismus“. Von<br />

der wissenschaftlichen Seite<br />

hat sich e<strong>in</strong> Autorenteam um<br />

Ra<strong>in</strong>er Thomasius mit dem<br />

Thema beschäftigt. Ihr Band<br />

trägt den Titel: „Familie und<br />

Sucht“.<br />

Letztendlich kommen alle<br />

Therapieschulen zu dem Ergebnis,<br />

dass der Familie e<strong>in</strong> wesentlicher<br />

bzw. der wesentliche<br />

Anteil an der Entwicklung des<br />

E<strong>in</strong>zelnen zukommt. Sie prägt<br />

unser Beziehungserleben und<br />

unser Beziehungsverhalten. In<br />

ihr lernen wir am elterlichen<br />

und geschwisterlichen Modell,<br />

wie man sich <strong>in</strong> bestimmten<br />

Situationen verhält. Sie prägt<br />

unsere Überzeugungen über<br />

uns und andere. Doch das al-<br />

les geschieht nicht losgelöst<br />

von uns selbst. Alle Familienmitglieder<br />

s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> Interaktion,<br />

bilden e<strong>in</strong> System, zu dessen<br />

Gleichgewicht jeder se<strong>in</strong>en<br />

Beitrag leistet.<br />

Und natürlich ist die Familie<br />

auch von den Auswirkungen<br />

jedweden Substanzmissbrauchs<br />

mehr oder weniger unmittelbar<br />

betroffen. Doch dies<br />

ist ke<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>bahnstraße. Auch<br />

Angehörige nehmen auf die<br />

Entwicklung und den Verlauf<br />

süchtigen Verhaltens wesentlichen<br />

E<strong>in</strong>fluss, ebenso wie auch<br />

zur Abst<strong>in</strong>enzentwicklung.<br />

Ich will daher <strong>in</strong> der Folge<br />

auf die genannten Aspekte<br />

näher e<strong>in</strong>gehen. Bei der Vielschichtigkeit<br />

des Themas ist<br />

e<strong>in</strong> Anspruch auf Vollständigkeit<br />

natürlich nicht e<strong>in</strong>zulösen.<br />

Nach den bisherigen Forschungsbefunden<br />

kann festgestellt<br />

werden, dass das Vorliegen<br />

von familiären Substanzproblemen<br />

e<strong>in</strong>en hohen Vorher-<br />

Familie und Sucht 3<br />

sagewert hat für die Entwicklung<br />

von Substanzproblemen<br />

bei den K<strong>in</strong>dern. Es besteht e<strong>in</strong><br />

bis zu siebenmal höheres Risiko<br />

für e<strong>in</strong>e eigene Suchterkrankung<br />

als bei unbelasteten<br />

Familien. Drei elterliche E<strong>in</strong>flüsse<br />

auf den Substanzkonsum<br />

spielen dabei e<strong>in</strong>e Rolle:<br />

● Der elterliche Konsum (als<br />

Nachahmungsverhalten):<br />

Höherer elterlicher Konsum<br />

von Alkohol und Nikot<strong>in</strong> führen<br />

zu e<strong>in</strong>em früheren und größeren<br />

Substanzkonsum bei Jugendlichen<br />

● Elterliche E<strong>in</strong>stellungen<br />

zum Substanzkonsum (als Bekräftigung):<br />

Liberale elterliche Normen<br />

und eigener hoher Konsum<br />

haben E<strong>in</strong>fluss auf das Tr<strong>in</strong>kverhalten,<br />

allerd<strong>in</strong>gs eher bei<br />

Jugendlichen mit hohem Aktivitäts-<br />

und Erregungsniveau<br />

sowie ger<strong>in</strong>ger Gehemmtheit,<br />

auch für normabweichendes<br />

Verhalten.<br />

● Die Qualität der Eltern-<br />

K<strong>in</strong>d-Beziehung:<br />

Elterliche Wärme und Zuwendung,<br />

positive elterliche<br />

Gefühle für das K<strong>in</strong>d gekoppelt<br />

mit klaren Verhaltenserwartungen,<br />

fördern soziale und<br />

kognitive Kompetenzen und<br />

damit e<strong>in</strong>e günstige Entwicklung<br />

der Persönlichkeit (Stichwort<br />

„K<strong>in</strong>der stark machen“,<br />

e<strong>in</strong>e jahrelange Aktion <strong>in</strong> der<br />

Suchtprävention), was wiederum<br />

schützt, vor dem Missbrauch<br />

von Alkohol und Drogen.<br />

Auch kritische Lebensereignisse<br />

der Eltern (Scheidung,<br />

Arbeitslosigkeit, Krankheit<br />

oder Unfälle) erhöhen das Risiko<br />

für jugendlichen Substanzkonsum.<br />

Nicht zu vergessen s<strong>in</strong>d natürlich<br />

die E<strong>in</strong>flüsse der sogenannten<br />

Peergroup (Gleichaltrigengruppe),<br />

die gerade von<br />

Eltern junger Suchtmittelabhängiger<br />

als Paradebeispiel für<br />

„schlechten E<strong>in</strong>fluss“ genannt<br />

werden. Doch hier gilt: Jugendliche<br />

suchen sich gezielt solche<br />

Peergruppen, die gut zu eigenen<br />

Verhaltenstendenzen passen.<br />

Foto: HGN


4 Familie und Sucht<br />

Wenig elterliche Aufsicht,<br />

ger<strong>in</strong>ger familiärer Zusammenhalt,<br />

e<strong>in</strong> hohes Ausmaß familiärer<br />

Konflikte sowie häufiges<br />

bzw. exzessives Tr<strong>in</strong>ken<br />

der Eltern erhöhen die Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit,<br />

dass Jugendliche<br />

Kontakt zu solchen Peers<br />

(Freunden, Kumpels, Cliquen)<br />

suchen, die legale und illegale<br />

Substanzen konsumieren und<br />

auch anderweitiges Problemverhalten<br />

zeigen.<br />

Nicht selten erleben K<strong>in</strong>der <strong>in</strong><br />

Suchtfamilien reale Traumatisierungen<br />

wie z. B. sexuellen<br />

Missbrauch, physische und<br />

psychische Misshandlung und<br />

Vernachlässigung. Nach Studien<br />

ist das Inzestrisiko für K<strong>in</strong>der<br />

aus Suchtfamilien dreimal<br />

höher als das von K<strong>in</strong>dern, deren<br />

Eltern ke<strong>in</strong>e Alkoholiker<br />

s<strong>in</strong>d.<br />

Je schwerer und länger andauernd<br />

diese Traumatisierungen<br />

(Verletzungen) waren,<br />

umso höher ist das Risiko, im<br />

späteren Verlauf an e<strong>in</strong>er Suchterkrankung<br />

zu leiden. Im Bemühen,<br />

die Albträume, die wieder<br />

aufflammenden Bilder und<br />

Gefühle (flash backs) und Ängste<br />

unter Kontrolle zu br<strong>in</strong>gen,<br />

sich regelrecht zu betäuben,<br />

greifen viele zu Alkohol und<br />

Drogen im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>er Selbstmedikation.<br />

Gleichzeitig muss<br />

man dabei jedoch immer auch<br />

an die destruktive, selbstzerstörerische<br />

Seite des Suchtmittelkonsums<br />

denken, die auf der<br />

Überzeugung bzw. dem Erleben<br />

beruht, nicht wert zu se<strong>in</strong><br />

zu leben.<br />

In Deutschland ist etwa von 2,7<br />

Mio. K<strong>in</strong>dern und Jugendlichen<br />

im Alter bis zu 18 Jahren <strong>in</strong> alkoholbelasteten<br />

Familien auszugehen.<br />

D. h. dass etwa jedes<br />

siebte K<strong>in</strong>d von der Alkoholstörung<br />

e<strong>in</strong>es Elternteils betroffen<br />

ist. Sie s<strong>in</strong>d die größte Risikogruppe<br />

für spätere Suchtstörungen.<br />

Auch wir <strong>in</strong> der Kl<strong>in</strong>ik<br />

machen die Erfahrung, dass<br />

unsere alkoholabhängigen Patienten<br />

oft aus Familien stammen,<br />

<strong>in</strong> denen bereits Vater oder<br />

Mutter oder beide Elternteile<br />

abhängig waren. Auch das Risiko<br />

für e<strong>in</strong>e Erkrankung an<br />

anderen psychischen Störungen<br />

wie z. B. Angststörungen,<br />

Depressionen, Persönlichkeitsstörungen,<br />

ist für K<strong>in</strong>der aus<br />

suchtbelasteten Familien deutlich<br />

erhöht.<br />

K<strong>in</strong>der <strong>in</strong> suchtbelasteten<br />

Familien s<strong>in</strong>d enormen Stressfaktoren<br />

ausgesetzt wie z. B.<br />

Disharmonie im Familienleben,<br />

Unberechenbarkeit und<br />

Unzuverlässigkeit im Verhalten<br />

„Familiäre Regel“ Isolation<br />

der Eltern, häufige Trennungsszenarien<br />

<strong>in</strong> der Familie, Ängste<br />

und Sorgen um Gesundheit<br />

und Leben der Eltern, Schamund<br />

Schuldgefühle sowie soziale<br />

Isolation.<br />

Ausdrücklich möchte ich<br />

dazu noch e<strong>in</strong>mal auf das Buch<br />

vom Ursula Lambrou verweisen.<br />

Als kle<strong>in</strong>e Anregung für die<br />

Selbsthilfegruppen: Lesen Sie<br />

an Gruppenabenden gelegentlich<br />

e<strong>in</strong>en Abschnitt daraus vor<br />

und diskutieren Sie anschließend<br />

darüber.<br />

K<strong>in</strong>der <strong>in</strong> Suchtfamilien ver<strong>in</strong>nerlichen<br />

zumeist die familiären<br />

Regeln wie z. B.<br />

● Gefühlskontrolle (stell dich<br />

nicht so an, reiß dich zusammen),<br />

● besonders starre Regeln (man<br />

hat sich so und so zu verhalten<br />

und nicht anders),<br />

● Schweigen (Unliebsames<br />

wird nicht angesprochen, die<br />

Sucht wird beschwiegen),<br />

● Verleugnung (es ist alles gar<br />

nicht so schlimm, Vater geht‘s<br />

heute nicht so gut) und<br />

● Isolation (damit ke<strong>in</strong>er was<br />

mitbekommt).<br />

Es s<strong>in</strong>d die Regeln, die der<br />

sche<strong>in</strong>baren Problembewältigung<br />

dienen sollen, doch die<br />

Probleme eher verfestigen. Und<br />

wenn K<strong>in</strong>der <strong>in</strong> Suchtfamilien<br />

überleben bzw. zurecht kommen<br />

sollen, müssen sie diese<br />

Regeln befolgen.<br />

Im Vergleich zum Durchschnitt<br />

aller K<strong>in</strong>der beg<strong>in</strong>nen<br />

K<strong>in</strong>der aus suchtbelasteten Familien<br />

früher mit dem Alkohol-<br />

und Drogenmissbrauch,<br />

leiden häufiger unter Ängsten,<br />

Depressionen und Essstörungen,<br />

entwickeln e<strong>in</strong> ger<strong>in</strong>geres<br />

Selbstwertgefühl und e<strong>in</strong>e<br />

deutlich ger<strong>in</strong>gere Selbstwirksamkeitserwartung;<br />

sie zeigen<br />

e<strong>in</strong>e stärkere Hyperaktivität,<br />

Impulsivität und Aggressivität,<br />

haben deutlich schlechtere<br />

Schulleistungen sowie im späteren<br />

Leben stärkere <strong>in</strong>nerfamiliäre<br />

Konflikte.<br />

Und sie machen die Erfahrung:<br />

Alkohol verr<strong>in</strong>gert das<br />

subjektive Stressempf<strong>in</strong>den,<br />

Alkohol beruhigt, entspannt<br />

und dämpft die unangenehmen<br />

Gefühle.<br />

Ich komme nun auf familiäre<br />

E<strong>in</strong>flussfaktoren auf den Süchtigen<br />

zu sprechen. Vor allem<br />

K<strong>in</strong>der und Partner können den<br />

Verlauf bee<strong>in</strong>flussen. Schon<br />

alle<strong>in</strong> das Vorhandense<strong>in</strong> von<br />

Partnern und Familie verbessert<br />

die Behandlungsprognose, sofern<br />

sich der Süchtige zur Behandlung<br />

entschließt. Aber:<br />

Viele Partner von Suchtkranken<br />

leiden unter stressbed<strong>in</strong>gten<br />

Erkrankungen wie z. B. Depressionen,<br />

Ängsten, posttraumatischen<br />

und akuten Belastungsstörungen<br />

oder psychosomatischen<br />

Symptomen. Das<br />

heißt, sie brauchen selbst Hilfe,<br />

um wieder gesunden zu können.<br />

Wenn man die familiären E<strong>in</strong>flüsse<br />

betrachtet, kommt man<br />

natürlich nicht um das Thema<br />

Co-Abhängigkeit herum, Mit<br />

Co-Abhängigkeit bezeichnet<br />

man nach Thomasius „Haltungen<br />

und Vorgehensweisen von<br />

Personen, die durch ihr Tun<br />

bzw. Unterlassungen dazu beitragen,<br />

dass der süchtige oder<br />

suchtgefährdete Mensch süchtig<br />

oder suchtgefährdet bleiben<br />

kann.“ Allerd<strong>in</strong>gs sollte man<br />

sich davor hüten, diesen Begriff<br />

im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>er Schuldzuweisung<br />

oder Stigmatisierung<br />

zu benutzen. Ich kenne dies<br />

noch allzu gut aus me<strong>in</strong>en frühen<br />

Erfahrungen <strong>in</strong> der Suchtkrankenbehandlung,<br />

als bei<br />

Angehörigensem<strong>in</strong>aren e<strong>in</strong>e<br />

gehörige Portion Schuldzuweisung<br />

an die Angehörigen verteilt<br />

wurde.<br />

Es gibt natürlich problematische<br />

Verhaltensweisen und<br />

e<strong>in</strong>ige Angehörige werden diese<br />

nur allzu gut kennen. Dazu<br />

gehören: Übermäßige Verantwortung<br />

für den Abhängigen<br />

übernehmen (wer hätte es denn photocase.com<br />

/<br />

sonst tun sollen...), das Verhalten<br />

des Abhängigen entschuldigen<br />

und rechtfertigen (er hatte DWerner<br />

doch so e<strong>in</strong>e schwere K<strong>in</strong>d- Foto:


heit...), dem Abhängigen Belastungen<br />

abnehmen oder ersparen<br />

wollen (er ist doch sowieso<br />

schon so belastet...), exzessive<br />

Kontrolle ausüben, (z. B. ständig<br />

Verstecke suchen, Geld e<strong>in</strong>teilen...),<br />

den Abhängigen von<br />

Alkohol fernhalten wollen (auf<br />

Feiern verzichten, da dabei ja<br />

getrunken wird...), dem Abhängigen<br />

ständig mit Misstrauen<br />

begegnen, ihn beim Lügen ertappen<br />

wollen, selbst gegenüber<br />

anderen unaufrichtig se<strong>in</strong><br />

(ne<strong>in</strong>, bei uns ist alles <strong>in</strong> Ordnung,<br />

mir geht es gut...).<br />

Sicherlich ist dieses Verhalten<br />

problematisch, doch der Angehörige<br />

steckt auch <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Dilemma, denn ganz leicht<br />

kann fehlende Kontrolle und<br />

E<strong>in</strong>flussnahme als Gleichgültigkeit<br />

dem Abhängigen ge-<br />

Rolf Zweifel – Folge 44<br />

Es gibt diesen Moment, <strong>in</strong><br />

dem jede/r spürt: „Jetzt wird<br />

es W<strong>in</strong>ter.“ E<strong>in</strong>e fast letzte<br />

Verbundenheit des Menschen<br />

mit der Natur. Es beg<strong>in</strong>nt<br />

mit gefühlter Kälte, der<br />

W<strong>in</strong>d kommt dazu und „es<br />

zieht an“, wie früher die alten<br />

Leute sagten. Zweifel sieht<br />

sich <strong>in</strong> der Grundschule, s<strong>in</strong>gend:<br />

„Raue W<strong>in</strong>de wehen<br />

vom Norden und die Sonne<br />

sche<strong>in</strong>t nicht mehr.“ Der Urmensch<br />

steckt so tief <strong>in</strong> Zweifel,<br />

dass er sogar mitten <strong>in</strong><br />

der Großstadt se<strong>in</strong>en kle<strong>in</strong>en<br />

Balkon mit dem Eifer e<strong>in</strong>es<br />

Bauern auf den W<strong>in</strong>ter vorbereitete.<br />

Hier, am anderen<br />

Wohnort, geht es wirklich darum,<br />

e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Olivenbäumchen<br />

auszuw<strong>in</strong>tern, e<strong>in</strong>e Blumenleuchte<br />

als künstliche<br />

Sonne im Wohnzimmer anzubr<strong>in</strong>gen,<br />

die Gehölze im<br />

Vorgarten herunter zu schneiden<br />

und die Rosen e<strong>in</strong>zukür-<br />

genüber verurteilt werden und<br />

e<strong>in</strong>e Schuldzuweisung an der<br />

Abhängigkeit konstruiert werden<br />

(anstatt ihrem Mann zu<br />

helfen und beizustehen....).<br />

Wie oben schon bei den K<strong>in</strong>dern<br />

erwähnt, leben sowohl<br />

K<strong>in</strong>der wie auch Partner von<br />

Suchtkranken unter stärkeren<br />

Belastungen als Menschen <strong>in</strong><br />

funktionierenden Familien.<br />

Und oft herrscht das Gefühl,<br />

diese Belastungen und den e<strong>in</strong>hergehenden<br />

Stress weder verändern<br />

noch wirklich kontrollieren<br />

zu können. Belastungen<br />

s<strong>in</strong>d z. B. die Unzuverlässigkeit<br />

und Unberechenbarkeit des<br />

suchtkranken Partners, die Vernachlässigung,<br />

Aggression und<br />

Gewalttätigkeit, sexuelle Übergriffe<br />

bis h<strong>in</strong> zu Vergewalti-<br />

zen und warm e<strong>in</strong>zupacken.<br />

Wunderbar – wie wohl sich<br />

der Alkoholiker dabei fühlt.<br />

Zweifel hatte sich vorgenommen,<br />

etwa e<strong>in</strong> Jahr nach<br />

se<strong>in</strong>er Ankunft e<strong>in</strong>e Selbsthilfegruppe<br />

vor Ort auf zu machen,<br />

weil er doch immer etwas<br />

mehr als e<strong>in</strong>e Stunde <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>e Gruppe <strong>in</strong> die Großstadt<br />

fährt und noch e<strong>in</strong>mal zurück,<br />

und dann recht müde ist.<br />

Selbsthilfe also aus Gründen<br />

der Selbst-Hilfe, und er hat e<strong>in</strong>en<br />

Jüngeren gefunden, der<br />

aus e<strong>in</strong>em ähnlichen Grund<br />

gerne mitmacht und für die<br />

Regularien <strong>in</strong>nerhalb der<br />

Gruppe zuständig ist, während<br />

Zweifel sich schon aufs<br />

Aufschließen, Kaffeekochen<br />

und Literatur h<strong>in</strong>legen freut,<br />

und die Kasse natürlich, die<br />

noch e<strong>in</strong>e Weile eher leer se<strong>in</strong><br />

dürfte. Zweifel sprach mit e<strong>in</strong>em<br />

Pfarrer, und ruck-zuck<br />

war man sich e<strong>in</strong>ig, e<strong>in</strong> schöner<br />

Raum, ebenerdig im Geme<strong>in</strong>dezentrum.<br />

Und e<strong>in</strong>es<br />

fernen Tages vielleicht voll<br />

mit Süchtigen.<br />

E<strong>in</strong>fach so zu helfen, e<strong>in</strong>en<br />

Text zu lesen, zu spüren<br />

und immer wieder daran zu<br />

denken, wie es damals war:<br />

Zweifel sehr im Zweifel mit<br />

se<strong>in</strong>em Selbst, versuchte, etwas<br />

mehr Selbstwertgefühl<br />

gung, f<strong>in</strong>anzielle Konflikte,<br />

z. B. auch durch Arbeitsplatzverlust,<br />

Schulden, soziale Isolation<br />

(ich kenne viele Frauen,<br />

die nicht mehr zu Feiern gegangen<br />

s<strong>in</strong>d, aus Angst, der Mann<br />

könnte sich betr<strong>in</strong>ken und sich<br />

daneben benehmen – e<strong>in</strong>ige<br />

g<strong>in</strong>gen dann irgendwann alle<strong>in</strong>e<br />

h<strong>in</strong>, doch das ist dann schon<br />

e<strong>in</strong> Genesungs- bzw. Emanzipationsprozess).<br />

E<strong>in</strong>e naheliegende Frage ist natürlich,<br />

wieso Angehörige oft<br />

viele Jahre starken Leidens ertragen.<br />

Das hat <strong>in</strong> der Regel mit<br />

bestimmten Grundannahmen<br />

zu tun, die Angehörige mitbr<strong>in</strong>gen<br />

– wie auch das Verhalten<br />

von uns allen durch bestimmte,<br />

uns eigene, Grundannahmen<br />

geprägt ist. E<strong>in</strong>e häu-<br />

vorzutäuschen, <strong>in</strong>dem er häufiger<br />

<strong>in</strong> sportlicher Kleidung<br />

(Jogg<strong>in</strong>ganzug) erschien,<br />

Bounty und Cola auf se<strong>in</strong>en<br />

Platz packte und auch schon<br />

mal mit e<strong>in</strong>er warmen Currywurst<br />

und Pommes die Gruppe<br />

beg<strong>in</strong>nen ließ. Und er war<br />

wirklich e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>er Neuanfänger,<br />

e<strong>in</strong>sam bis zum Abw<strong>in</strong>ken.<br />

Am ersten Osterfest war<br />

se<strong>in</strong>e Frau mit den K<strong>in</strong>dern<br />

verreist und Zweifel hatte vor<br />

lauter Angst abgesagt. Ihm<br />

gegenüber saß <strong>in</strong> der Gruppe<br />

e<strong>in</strong>e junge Frau, die etwa<br />

5 Jahre abst<strong>in</strong>ent war und im<br />

Gegensatz zu Zweifel wirklich<br />

joggen g<strong>in</strong>g – bis auf den<br />

heutigen Tag –, und als man<br />

sich <strong>in</strong> österlicher Stimmung<br />

verabschiedete und sie nach<br />

Hause g<strong>in</strong>g, brannte es <strong>in</strong><br />

Zweifel, h<strong>in</strong>ter ihr her zu laufen<br />

und zu fragen, ob er bei<br />

ihr auf dem Sofa schlafen<br />

könne, nur um <strong>in</strong> ihrer Nähe<br />

zu se<strong>in</strong> und sich e<strong>in</strong> wenig<br />

zum Ausruhen an ihre schon<br />

erworbene Lebenssicherheit<br />

anlehnen zu können. Erotik<br />

oder so etwas war Lichtjahre<br />

entfernt.<br />

Zweifel liebt diesen alten<br />

Raum mit dem Schulklassengeruch,<br />

<strong>in</strong> dem die Gruppe<br />

von damals immer noch statt-<br />

Familie und Sucht 5<br />

fige Annahme bei Partner<strong>in</strong>nen<br />

von Abhängigen ist z. B. dass<br />

das Suchtproblem sich durch<br />

ausreichend Liebe, Geduld und<br />

Ausdauer schon irgendwann<br />

lösen wird. Möglicherweise<br />

kommt die Überzeugung h<strong>in</strong>zu,<br />

dass man sich selbst nicht<br />

<strong>in</strong> den Mittelpunkt stellen darf,<br />

dass die Bedürfnisse anderer<br />

wichtiger s<strong>in</strong>d als die eigenen<br />

oder die Überzeugung, dass<br />

man andere mit Kontrolle dauerhaft<br />

ändern könne. Es kann<br />

auch se<strong>in</strong>, dass man der Überzeugung<br />

ist, dass man sowieso<br />

nichts ändern kann oder dass<br />

man im Konfliktfall sowieso<br />

unterlegen ist.<br />

Diese Annahmen bzw.<br />

Grundhaltungen fallen allerd<strong>in</strong>gs<br />

nicht vom Himmel. Sie<br />

s<strong>in</strong>d geprägt durch frühe Er-<br />

f<strong>in</strong>det und – von Ausnahmen<br />

abgesehen – ist er auch <strong>in</strong> all<br />

se<strong>in</strong>en trockenen Tagen immer<br />

wieder <strong>in</strong> diese Gruppe<br />

gegangen. Und als er etwa 5<br />

Jahre abst<strong>in</strong>ent war, hat er<br />

dort an e<strong>in</strong>em anderen Wochentag<br />

e<strong>in</strong>e Gruppe eröffnet,<br />

die jetzt auch schon über<br />

15 Jahre alt ist. Er wollte etwas<br />

zurückgeben von dem,<br />

was er bekommen hatte,<br />

denn er hatte die Regel begriffen,<br />

dass ich Gutes weitergeben<br />

muss, damit es wirklich<br />

wirksam wird.<br />

Wenn Zweifel mit dem<br />

Hund <strong>in</strong> der Früh zu e<strong>in</strong>em<br />

längeren Spaziergang aufbricht,<br />

trägt die klare kühle<br />

Luft e<strong>in</strong>en Schuss Rauch mit<br />

sich, von dem Kam<strong>in</strong>holz, das<br />

entzündet worden ist, und<br />

nach e<strong>in</strong>em kurzen Weg werden<br />

Mann und Hund lange<br />

durch das raschelnde Laub<br />

laufen und glücklich se<strong>in</strong>.<br />

Mehr vom Zweifel? Die besten<br />

Kolumnen gibt es auch als Buch.<br />

Siehe Anzeige Seite 9


6 Familie und Sucht<br />

fahrungen <strong>in</strong> der eigenen Familie.<br />

Dazu e<strong>in</strong> <strong>in</strong>teressanter Befund:<br />

Sowohl die kl<strong>in</strong>ische Erfahrung<br />

wie auch empirische<br />

Studien bestätigen, dass Töchter<br />

suchtkranker Väter <strong>in</strong> erhöhtem<br />

Maße e<strong>in</strong>en suchtkranken<br />

Mann zum Partner wählen.<br />

Etwa 45 Prozent der Töchter<br />

alkoholkranker Väter heiraten<br />

<strong>in</strong> erster Ehe e<strong>in</strong>en Mann,<br />

der alkoholabhängig ist. Und<br />

nach e<strong>in</strong>er Scheidung oder<br />

Trennung geraten sie oftmals<br />

wieder an e<strong>in</strong>en suchtkranken<br />

Partner. Dies gilt allerd<strong>in</strong>gs nur<br />

für die Töchter Suchtkranker<br />

Väter, bei Söhnen bestätigt<br />

sich dieser Effekt nicht.<br />

Wir haben bei unserem heutigen<br />

Thema „Familie und<br />

Sucht“ bis jetzt überwiegend<br />

das Thema Alkoholabhängigkeit<br />

behandelt. Das liegt zum<br />

e<strong>in</strong>en daran, dass es zum Thema<br />

Alkoholabhängigkeit e<strong>in</strong>e<br />

Fülle von Befunden und Ergebnissen<br />

bzgl. der familiären<br />

E<strong>in</strong>flussfaktoren gibt, während<br />

die Medikamentenabhängigkeit<br />

nach wie vor die stille, unauffällige<br />

Sucht darstellt. Nach<br />

Schätzungen s<strong>in</strong>d jedoch 1,0<br />

bis 1.5 Mio. Menschen <strong>in</strong><br />

Deutschland medikamentenabhängig,<br />

davon rund 70 Prozent<br />

von Benzodiazep<strong>in</strong>en<br />

(Schlaf- und Beruhigungsmittel<br />

wie z. B. Diazepam, Oxazepam,<br />

Zolpidem). Der Beg<strong>in</strong>n<br />

der Arzneimittelsucht wird<br />

häufig durch e<strong>in</strong>e körperliche<br />

oder psychische Störung bzw.<br />

Krankheit bestimmt. Die Familie<br />

bzw. familiäre E<strong>in</strong>flussfaktoren<br />

spielen bei Medikamentenabhängigen<br />

e<strong>in</strong>e weniger<br />

große Rolle als bei Alkoholkranken.<br />

Die wichtigste Bezugsperson<br />

des Medikamentenabhängigen<br />

ist über lange<br />

Jahre der verschreibende Arzt<br />

und es handelt sich überwiegend<br />

um Frauen im mittleren<br />

und hohen Lebensalter. Zudem<br />

s<strong>in</strong>d Medikamentenabhängige<br />

nur schwer zu motivieren, an<br />

e<strong>in</strong>er Selbsthilfegruppe teilzunehmen;<br />

nach e<strong>in</strong>er größeren<br />

Studie <strong>in</strong> Niedersachsen haben<br />

nur etwas über 8 Prozent der<br />

Medikamentenabhängigen jemals<br />

an e<strong>in</strong>er Selbsthilfegruppe<br />

teilgenommen, während es<br />

bei Alkoholabhängigen etwa<br />

40 Prozent waren. In Entwöhnungsbehandlungen<br />

f<strong>in</strong>den<br />

sich sogar nur 2 Prozent Medikamentenabhängige.<br />

Zudem<br />

fühlen sie sich <strong>in</strong> Selbsthilfegruppen<br />

zusammen mit Alkoholabhängigen<br />

oft auch unverstanden.<br />

In der Kl<strong>in</strong>ik haben<br />

wir die Erfahrung gemacht,<br />

dass sich dies verändert, wenn<br />

die Zahl der Medikamentenabhängigen<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Gruppe sich<br />

erhöht. Dann können Alkoholund<br />

Medikamentenabhängige<br />

e<strong>in</strong>e Menge vone<strong>in</strong>ander lernen.<br />

E<strong>in</strong>e weitere große Gruppe<br />

substanzbezogener Abhängigkeit<br />

soll nicht unerwähnt bleiben,<br />

die Drogenabhängigen.<br />

Hier wiederum haben die familiären<br />

E<strong>in</strong>flussfaktoren für die<br />

Entwicklung von Drogenmissbrauch<br />

e<strong>in</strong>en hohen Stellenwert,<br />

sowohl <strong>in</strong> günstiger wie<br />

ungünstiger H<strong>in</strong>sicht. Thomasius<br />

fasst die vorliegenden zahlreichen<br />

Befunde wie folgt zusammen:<br />

„Wenn die Eltern oder<br />

Geschwister antisoziales Verhalten<br />

oder ger<strong>in</strong>ge Konventionalität<br />

aufweisen oder wenn<br />

sie kaum E<strong>in</strong>fluss nehmen und<br />

wenig Unterstützung geben,<br />

dann unterliegen Jugendliche<br />

e<strong>in</strong>em erhöhten Risiko für den<br />

Substanzmissbrauch. Der Erziehungsstil<br />

weist ebenfalls<br />

e<strong>in</strong>e enge Beziehung zum Substanzmissbrauch<br />

auf. Inkonsequenz<br />

im Verhalten der Eltern,<br />

Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit<br />

für die emotionalen<br />

und materiellen Belange<br />

der K<strong>in</strong>der, aber auch überprotektive<br />

(überbehütende) Erziehungs-<br />

und B<strong>in</strong>dungsstile<br />

korrelieren mit den problematischen<br />

Formen des Substanzgebrauchs<br />

der K<strong>in</strong>der“.<br />

Zusammengefasst gelten als<br />

familiäre Risikofaktoren:<br />

● Genetische Faktoren<br />

● Gewalt- und Missbrauchserfahrungen<br />

des K<strong>in</strong>des (auch<br />

als Zuschauer)<br />

● Massive Probleme der Eltern<br />

untere<strong>in</strong>ander, dissoziales Verhalten<br />

der Eltern<br />

● Eltern und Geschwister als<br />

negative Modelle des Substanzgebrauchs<br />

● Fehlende elterliche Wärme,<br />

ger<strong>in</strong>ge Eltern-K<strong>in</strong>d B<strong>in</strong>dung,<br />

wenig Offenheit <strong>in</strong> der Kommunikation<br />

● Die Art des Kontrollverhaltens<br />

der Eltern (laisser-faire<br />

oder überfordernd-kalt und<br />

autoritär)<br />

● Soziale Isolation der Familie<br />

und Armut,<br />

● Scheidung, Todesfall <strong>in</strong> der<br />

Familie und schließlich<br />

● e<strong>in</strong> ger<strong>in</strong>geres Zugehörigkeitsgefühl<br />

zur Herkunftsfamilie<br />

als zu den Peers.<br />

Daneben gibt es auch e<strong>in</strong>e Reihe<br />

von wirksamen familiären<br />

Schutzfaktoren gegen den Substanzgebrauch,<br />

wie z. B. e<strong>in</strong>e<br />

Atmosphäre der Geborgenheit<br />

und Zuwendung sowie klare<br />

(Verhaltens-) Erwartungen an<br />

die K<strong>in</strong>der. Diese Faktoren fördern<br />

die sozialen und kognitiven<br />

Kompetenzen, das Selbstvertauen<br />

und damit e<strong>in</strong>e günstige<br />

Entwicklung der Persönlichkeit.<br />

Wir haben nun e<strong>in</strong>iges über<br />

die begünstigenden oder auch<br />

schützenden Faktoren für die<br />

Entwicklung e<strong>in</strong>er Substanzabhängigkeit<br />

erfahren. Zu guter<br />

Letzt will ich noch e<strong>in</strong>ige<br />

Sätze zum Ausstieg aus der<br />

Sucht und zu e<strong>in</strong>em möglichen<br />

familiären Beitrag dazu verlieren.<br />

Übere<strong>in</strong>stimmung herrscht,<br />

dass nach Aufnahme e<strong>in</strong>er Entwöhnungsbehandlung<br />

die E<strong>in</strong>b<strong>in</strong>dung<br />

Angehöriger <strong>in</strong> den<br />

therapeutischen Ablauf angestrebt<br />

werden sollte, trotz aller<br />

Widerstände auf beiden Seiten,<br />

(z. B. befürchten beide Partner<br />

e<strong>in</strong>seitige Schuldzuweisungen,<br />

darüber h<strong>in</strong>aus atmen<br />

viele Angehörige erst mal auf,<br />

wenn das suchtmittelabhängige<br />

Familienmitglied anderweitig<br />

„gut versorgt“ ist). Doch<br />

wenn man bedenkt, dass die<br />

Suchterkrankung e<strong>in</strong>es Fami-<br />

lienmitglieds das gesamte Familiensystem<br />

betrifft und belastet,<br />

so wird auch klar, dass<br />

die Abst<strong>in</strong>enz e<strong>in</strong>es Familienmitglieds<br />

auch die übrigen Familienmitglieder<br />

vor erhebliche<br />

Änderungs- und Anpassungsaufgaben<br />

stellt. In den meisten<br />

Kl<strong>in</strong>iken f<strong>in</strong>den daher Angehörigensem<strong>in</strong>areunterschiedlicher<br />

Länge statt, zusätzlich<br />

s<strong>in</strong>d oft Paargespräche vorgesehen<br />

und s<strong>in</strong>nvoll, evtl. auch<br />

Familiengespräche. Sie haben<br />

dann Aussicht auf Erfolg, wenn<br />

beide anerkennen können, dass<br />

die Entwicklung von Abhängigkeit<br />

als fehlgeschlagener<br />

Lösungsversuch für lebensgeschichtliche<br />

und familiäre Anpassungsanforderungenverstanden<br />

werden kann, denn<br />

dann kann man auch e<strong>in</strong>e gegenseitige<br />

Bee<strong>in</strong>flussung anerkennen.<br />

Und natürlich gilt für<br />

beide, Süchtige wie Angehörige:<br />

Beide sollten sich um e<strong>in</strong>e<br />

Stärkung der eigenen seelischen<br />

Gesundheit bemühen.<br />

Alfred Scheib<br />

Ltd. Psychologe<br />

AHG Kl<strong>in</strong>ik Richelsdorf<br />

Kirchra<strong>in</strong> 2a<br />

36208 Wildeck<br />

Vortrag vom Selbsthilfegruppentag<br />

der AHG-Kl<strong>in</strong>ik Richelsdorf im<br />

März 2010<br />

Literatur: Lambrou, Ursula;<br />

Familienkrankheit Alkoholismus;<br />

rororo 2009<br />

Thomasius, Ra<strong>in</strong>er et al.; Familie<br />

und Sucht; Schattauer 2005<br />

Lobende Anmerkung<br />

Zu diesem Beitrag möchten<br />

wir mitteilen, dass Herr<br />

Scheib die Themen für die<br />

Selbsthilfegruppentage der<br />

Kl<strong>in</strong>ik geme<strong>in</strong>sam mit den<br />

Selbsthilfegruppen vorher<br />

bespricht und auswählt. Diese<br />

geme<strong>in</strong>same Absprache<br />

halten wir für vorbildlich und<br />

sie macht deutlich, wie sehr<br />

Selbsthilfe und Professionelle<br />

aufe<strong>in</strong>ander angewiesen<br />

s<strong>in</strong>d und wie gut die Zusammenarbeit<br />

funktionieren<br />

kann.<br />

Die Redaktion


Mach uf, ick br<strong>in</strong>g dir um<br />

E<strong>in</strong>es Abends so gegen e<strong>in</strong>s,<br />

ich lag schon im Bett, wurde<br />

ich durch typische Neuköllner<br />

Kommunikation aufgeschreckt:<br />

„Du Fotze mach uf, ick br<strong>in</strong>g<br />

dir um!“<br />

Das kam aus dem Halse e<strong>in</strong>es<br />

schwertrunkenen Individu-<br />

Und danach?<br />

Wer endlich mit dem Tr<strong>in</strong>ken<br />

aufgehört hat, fällt zunächst <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong> tiefes Loch, das es nun wieder<br />

s<strong>in</strong>nvoll auszufüllen gilt.<br />

Dem Alkohol zu entsagen ist<br />

das e<strong>in</strong>e, die Tage und Nächte,<br />

die man mit der Flasche verbracht<br />

hat, e<strong>in</strong>e andere Sache.<br />

Die weitertr<strong>in</strong>kende Klasse<br />

verabschiedet sich nach kurzer<br />

Zeit auf erstaunliche Weise von<br />

selber. Er, der Nichttr<strong>in</strong>ker,<br />

stört nur ihre Kreise, er ist nun<br />

so etwas wie das eigene,<br />

schlechte Gewissen und stört<br />

nur die feuchtfröhliche Runde.<br />

Der trockene Alkoholiker steht<br />

also vor der Aufgabe, nach<br />

neuen Inhalten zu suchen, denn<br />

von der Kneipe, dieser immer<br />

gut besuchten Sozialstation,<br />

sollte er sich tunlichst fernhalten.<br />

Das neue Umfeld<br />

kommt jedoch auf wundersame<br />

Weise wie von selbst, denn<br />

der nun nüchterne Mensch<br />

sucht und f<strong>in</strong>det alsbald se<strong>in</strong>e<br />

neue Passform, eben all jene,<br />

ums im angrenzenden H<strong>in</strong>terhof,<br />

wenige Meter neben me<strong>in</strong>em<br />

Ohr, welches danach <strong>in</strong>s<br />

Treppenhaus rannte und gegen<br />

e<strong>in</strong>e Wohnungstür trat und<br />

schlug.<br />

Aus der Wohnung drangen<br />

folgende weibliche Wortfetzen:<br />

die jetzt zu ihm passen, die<br />

Nichtalkoholiker.<br />

Der eigenen Erfahrung nach,<br />

ist e<strong>in</strong> Hobby, welcher Art auch<br />

immer, e<strong>in</strong> geeignetes Mittel,<br />

um den Freiraum, die neugewonnene<br />

Freiheit s<strong>in</strong>nvoll auszufüllen.<br />

Leider werden Hobbys<br />

nicht mit dem Rentenbescheid<br />

mitgeliefert, man sollte<br />

es schon vorher haben. Das<br />

reicht vom Sporttreiben, Fotografieren,<br />

Musizieren, Lesen,<br />

oder selber Schreiben, das Arbeiten<br />

am Computer, je nach<br />

Lust und Neigung bis h<strong>in</strong> zum<br />

Sammeln von Briefmarken<br />

oder alten Schallplatten, Kreativität<br />

ist hier gefragt.<br />

Man muss nur e<strong>in</strong>mal <strong>in</strong><br />

sich h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>horchen, die Möglichkeiten<br />

ausloten und dann<br />

aktiv werden, denn nichts ist<br />

schlimmer, als <strong>in</strong> Nichtstun<br />

oder Selbstmitleid zu verharren.<br />

– Merke: Langweile ist e<strong>in</strong><br />

schlechter Ratgeber! Nur wer<br />

„Du hast ma schon jenuch<br />

jeschlagen, ick mach nich<br />

mehr uf!“<br />

Das Individuum rannte wieder<br />

<strong>in</strong> den H<strong>in</strong>terhof:<br />

„Mach sofort uf du Drecksau,<br />

ick erschlach dir!“<br />

Auch dieses Argument überzeugte<br />

nicht und die Wohnungstür<br />

blieb verschlossen.<br />

Also wurde wieder nach<br />

oben gerannt um die Tür zu<br />

bearbeiten:<br />

„Vapiss dir, du Aasch!“<br />

Das g<strong>in</strong>g so etwa e<strong>in</strong>e halbe<br />

Stunde.<br />

Dann versammelte sich unsere<br />

Hausgeme<strong>in</strong>schaft nebst<br />

zwei Polizisten im H<strong>in</strong>terhof<br />

und blickte über die Mauer, die<br />

die beiden Höfe trennt.<br />

Sie standen da und blickten,<br />

während das Individuum endlose<br />

Treppenstufen h<strong>in</strong>ter sich<br />

brachte.<br />

Sie wirkten kontemplativ,<br />

niemand sprach, eng beie<strong>in</strong>an-<br />

sich mit neugewonnener Kraft<br />

dem Leben wieder zuwendet,<br />

wird auf Dauer den <strong>in</strong> uns stets<br />

auf der Lauer liegenden Fe<strong>in</strong>d,<br />

den Alkohol, besiegen können.<br />

Ich habe me<strong>in</strong> Hobby gefunden:<br />

Indem ich diese Zeilen zu<br />

Papier br<strong>in</strong>ge, habe ich e<strong>in</strong> gutes<br />

Gefühl, fühle mich wohl<br />

und gebe auf diese Weise me<strong>in</strong>er<br />

Sucht so leicht ke<strong>in</strong>e Chance,<br />

sich me<strong>in</strong>er wieder zu bemächtigen.<br />

Wie sagt schon e<strong>in</strong><br />

altes Sprichwort: Müßiggang<br />

ist aller Laster Anfang! In diesem<br />

S<strong>in</strong>ne, Freunde, sucht euch<br />

e<strong>in</strong> Hobby und bleibt eurer<br />

Gruppe treu! Um es e<strong>in</strong>mal mit<br />

Shakespeare zu sagen: Nutzt<br />

die wiedergewonnene Freiheit<br />

und gestaltet euer neues Leben,<br />

wie es euch gefälIt.<br />

Rolf Balschun<br />

Familie und Sucht 7<br />

der stehend, sich <strong>in</strong> Geborgenheit<br />

wiegend ... drehten sich<br />

plötzlich, wie auf e<strong>in</strong> geheimes<br />

Zeichen h<strong>in</strong>, um. Die Hausgeme<strong>in</strong>schaft<br />

verteilte sich wieder<br />

auf die Wohnungen und die<br />

Polizisten waren dann irgendwie<br />

auch weg.<br />

Und das Individuum schrie<br />

und rannte, hämmerte und trat,<br />

rannte und schrie und nach<br />

zwei Stunden hätte ich es, was<br />

aus Ermangelung e<strong>in</strong>er Waffe<br />

nicht möglich war, ohne Gewissensbisse<br />

erschossen.<br />

Irgendwann schlief ich dann<br />

e<strong>in</strong>.<br />

Und am nächsten Tag erzählte<br />

mir die Hausgeme<strong>in</strong>schaft,<br />

die aus wahren Menschenfreunden<br />

und Sozialpsychologen<br />

bestand, wie sie diesem<br />

armen, gepe<strong>in</strong>igten Menschen<br />

am liebsten geholfen<br />

hätte ...<br />

... und ich hatte immer noch<br />

ke<strong>in</strong>e Waffe ...<br />

Happy Koma?<br />

Schüler-Reporter unterwegs<br />

u. a.<br />

Besuch bei Polizeiruf 110-<br />

Kommissar Jaecki Schwarz<br />

Kampftr<strong>in</strong>ken <strong>in</strong> Niedersachsen<br />

Staatsanwalt Albers zum<br />

„Tequila-Prozess“<br />

Das aktuelle Sonderheft mit<br />

freundlicher Unterstützung der<br />

AOK kann für 1,- Euro /<br />

Exemplar zzgl. Porto bestellt<br />

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030 2168013<br />

Aktuelle Texte für Schule und<br />

Präventionsarbeit aus erster Hand<br />

Zeichnung: HGN


8 Familie und Sucht<br />

Die Terrakottaarmee des Abendlandes befiehlt Konsum<br />

Weihnachten und Alkohol gehören<br />

nicht zusammen<br />

Schon seit dem frühen<br />

Herbst merken wir es <strong>in</strong> den<br />

Läden: Das Weihnachtsfest<br />

nähert sich, Weihnachtsmänner<br />

<strong>in</strong> allen Größen marschieren<br />

auf, ganze Ladenteile<br />

strahlen nur noch Rot<br />

und Gold. Wobei <strong>in</strong> den<br />

Dekorationsgeschäften <strong>in</strong><br />

jedem Jahr e<strong>in</strong>e neue Weihnachtsfarbe<br />

kreiert wird.<br />

Denn sonst könnten die<br />

Menschen ja womöglich<br />

noch ihre Sterne und den<br />

sonstigen Schmuck vom<br />

Vorjahr verwenden. Wo bliebe<br />

denn da der Umsatz?<br />

Süßer die Kassen nie kl<strong>in</strong>ge(l)n<br />

– es kann gar nicht<br />

früh genug beg<strong>in</strong>nen.<br />

Aber der ganze Aufwand zu<br />

Weihnachten hat ja auch noch<br />

e<strong>in</strong>en anderen H<strong>in</strong>tergrund.<br />

Wenn man mit dem Fest als<br />

solchem, mit den H<strong>in</strong>tergründen<br />

der Christgeburt und den<br />

sich daraus ableitenden Anforderungen,<br />

aber auch mit den<br />

entwickelten Traditionen <strong>in</strong>nerlich<br />

nicht mehr viel anfangen<br />

kann, dann müssen es<br />

äußerliche D<strong>in</strong>ge se<strong>in</strong>. Aber<br />

weder Zufriedenheit noch Familienglück<br />

kann man sich<br />

kaufen, auch nicht zu Weihnachten.<br />

Und dennoch s<strong>in</strong>d die<br />

Erwartungen zu Weihnachten<br />

besonders groß, übergroß. Alle,<br />

die zur Familie gehören, sollen<br />

dabei se<strong>in</strong>. Und es soll harmonisch<br />

se<strong>in</strong>. Wir möchten uns<br />

verstehen, nicht streiten. Die<br />

Geschenke sollen Freude bereiten<br />

und alle haben sich lieb.<br />

Wenn wir ehrlich mit uns<br />

s<strong>in</strong>d, gibt es <strong>in</strong> unserer Er<strong>in</strong>nerung<br />

nur wenige Feste, die so<br />

verlaufen s<strong>in</strong>d. Feste mit so hohen<br />

Erwartungen wie an das<br />

Weihnachtsfest, laden zu Enttäuschungen<br />

regelrecht e<strong>in</strong>.<br />

Wie die Enttäuschungen aussehen<br />

können? Das muss man<br />

nicht aufschreiben, das haben<br />

wir alle schon erlebt. Wenn jemand<br />

da sitzt, und sich nicht<br />

mehr am Gespräch beteiligt.<br />

Oder doch schon früher nach<br />

Hause fahren muss. Oder an<br />

den Geschenken der anderen<br />

Gäste ke<strong>in</strong> gutes Haar lässt –<br />

wer kennt das nicht?<br />

Bereits vor dem Fest ist es<br />

üblich, sich etwas zu gönnen.<br />

Der Advent ist kaum mehr das<br />

Erwarten, sondern jeder Tag ist<br />

e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Vorfreude mit etwas<br />

Besonderem. Und am Fest<br />

muss es dann etwas ganz Besonderes<br />

se<strong>in</strong>. Essen, aber vor<br />

allen D<strong>in</strong>gen auch Tr<strong>in</strong>ken.<br />

Während die e<strong>in</strong>en das Besondere<br />

<strong>in</strong> der Qualität, der Marke,<br />

im Preis, suchen, ist es für<br />

andere eher die Menge. Für<br />

viel Geld kann man sich viel<br />

kaufen – und dann auch viel<br />

tr<strong>in</strong>ken. Weihnachten bedeutet<br />

dann nur noch, dass man großzügig<br />

ist, dass die anderen mit-<br />

tr<strong>in</strong>ken dürfen, dass man nicht<br />

alle<strong>in</strong>e tr<strong>in</strong>kt. Und es s<strong>in</strong>d nicht<br />

wenige Familien, <strong>in</strong> denen das<br />

Tr<strong>in</strong>ken dann im Mittelpunkt<br />

steht. Wenn es <strong>in</strong> der Realität<br />

schon nicht so ist, dann wird<br />

Weihnachten eben schön getrunken.<br />

In der Rückschau erzählen<br />

viele K<strong>in</strong>der davon,<br />

dass sie Vater oder Mutter,<br />

vielleicht auch beide, an den<br />

Feiertagen nicht nüchtern erlebt<br />

haben. Dann spielen die<br />

anderen D<strong>in</strong>ge nicht mehr die<br />

große Rolle. Warum e<strong>in</strong> Weihnachtsbraten?<br />

Warum geme<strong>in</strong>sam<br />

mit den neuen Geschenken<br />

der K<strong>in</strong>der spielen? Warum der<br />

Spaziergang? Vielleicht noch<br />

Gäste, die dann wieder neue<br />

Flaschen mitbr<strong>in</strong>gen, aber<br />

sonst?<br />

Weihnachten als Fest der<br />

Flaschen – das ist schon seit<br />

langer Zeit so. Da ist die Kampagne<br />

„Weiße Weihnacht“<br />

genau richtig. Sie möchte das<br />

Bewusstse<strong>in</strong> schärfen, dass<br />

Weihnachten nicht die Zeit der<br />

vollen Gläser ist, sondern dass<br />

es um das Bewusstse<strong>in</strong> geht,<br />

e<strong>in</strong> Familienfest geme<strong>in</strong>sam zu<br />

gestalten und dabei ke<strong>in</strong>en Alkohol<br />

anzubieten und zu tr<strong>in</strong>ken.<br />

Jeder, der das für richtig<br />

hält und möchte, kann sich im<br />

Internet unter http://www.weisse-weihnacht.<strong>in</strong>fo/<strong>in</strong>formieren.<br />

Wer sich dazu entschließen<br />

kann, Weihnachten ke<strong>in</strong>en Alkohol<br />

zu tr<strong>in</strong>ken, kann sich<br />

dort e<strong>in</strong>tragen und damit dokumentieren,<br />

dass Weihnachten<br />

und Alkohol nicht zusammen<br />

gehören. Dass es s<strong>in</strong>nvollere<br />

Geschenke als alkoholische<br />

Getränke gibt und dass das<br />

Weihnachtsfest e<strong>in</strong> Fest der<br />

Freude und nicht der Trauer<br />

über verlorene Chancen ist.<br />

Rolf Hüll<strong>in</strong>ghorst<br />

Foto: B. Balschus PBAM-Fotogruppe


Familie und Sucht 9<br />

Für andere Menschen e<strong>in</strong>e Bedeutung haben –<br />

auch zu Weihnachten und zu Sylvester<br />

Der bekannte Psychiater Dr.<br />

Dr. Klaus Dörner, e<strong>in</strong> Vorkämpfer<br />

der Sozialpsychiatrie,<br />

hatte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Berufsleben<br />

immer e<strong>in</strong> Ziel vor<br />

Augen: Möglichst wenig<br />

Menschen <strong>in</strong> Psychiatrischen<br />

Krankenhäusern zu<br />

behandeln und zu behalten.<br />

E<strong>in</strong>es se<strong>in</strong>er Mittel dazu war<br />

es, die Zahl der Betten zu<br />

reduzieren. Er wollte se<strong>in</strong>en<br />

Patienten die Möglichkeit<br />

geben, <strong>in</strong> ihrer gewohnten<br />

Umgebung zu leben oder zu<br />

bleiben. Mit den Menschen<br />

zusammen zu se<strong>in</strong>, die e<strong>in</strong>em<br />

vertraut s<strong>in</strong>d, die zu e<strong>in</strong>em<br />

halten und bei denen<br />

man sich geborgen fühlt.<br />

Erst viel später, als Klaus<br />

Dörner schon im Ruhestand<br />

war, nahm er zur Kenntnis,<br />

dass nicht jedes „Zuhause“<br />

auch e<strong>in</strong> „zu Hause“ ist. Wenig<br />

Geld zu haben, mit der eigenen<br />

Krankheit kämpfen,<br />

immer wieder Zweifel an sich<br />

selbst und Verzweiflung am<br />

Leben zu spüren – da macht es<br />

ke<strong>in</strong>en so großen Unterschied,<br />

ob man alle<strong>in</strong> <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Zimmer<br />

oder im Krankenhausbett<br />

leidet. Er stellte fest, dass häufig<br />

Patienten entlassen wurden,<br />

die für niemanden „draußen“<br />

e<strong>in</strong>e Bedeutung hatten. Die<br />

niemanden hatten, der auf sie<br />

wartet, sie freundlich willkommen<br />

heißt und mit ihnen das<br />

weitere Leben plant. Da wartete<br />

nicht e<strong>in</strong>mal jemand, der<br />

für e<strong>in</strong>ige wenige Stunden zur<br />

Verfügung stand.<br />

Wenn wir genau h<strong>in</strong>schauen,<br />

dann f<strong>in</strong>den wir <strong>in</strong> den<br />

Sucht-Selbsthilfegruppen immer<br />

mehr Männer und Frauen,<br />

die für nur wenige andere<br />

Menschen e<strong>in</strong>e Bedeutung haben.<br />

Nicht am Arbeitsplatz,<br />

weil sie den verloren haben<br />

oder schon zu alt s<strong>in</strong>d; nicht<br />

<strong>in</strong> der Familie, weil es die nicht<br />

mehr gibt oder nie gab, und<br />

auch nicht <strong>in</strong> der Nachbarschaft,<br />

weil es ke<strong>in</strong>e Chance<br />

gab, hier Kontakte zu knüpfen.<br />

Menschen, die abends mit e<strong>in</strong>em<br />

Kloß im Hals <strong>in</strong> die Gruppe<br />

kommen, weil sie den ganzen<br />

Tag noch mit niemandem<br />

gesprochen haben. Die <strong>in</strong> ihren<br />

Reaktionen oft sehr direkt,<br />

manchmal wenig diplomatisch<br />

s<strong>in</strong>d. Weil sie niemanden haben,<br />

mit dem sie üben konnten,<br />

sich zu streiten oder ause<strong>in</strong>ander<br />

zu setzen. Diese Menschen<br />

s<strong>in</strong>d es, welche die Gruppe, die<br />

Geme<strong>in</strong>schaft <strong>in</strong> der Gruppe,<br />

dr<strong>in</strong>gend brauchen. Hier bekommen<br />

sie das Gefühl, dass sie<br />

für andere Gruppenmitglieder<br />

e<strong>in</strong>e Bedeutung haben. Hier<br />

wird nach ihnen gefragt, hier<br />

werden sie gefragt. Hier s<strong>in</strong>d<br />

sie, manchmal nach vielen langen<br />

Irrfahrten, zu Hause.<br />

Aber es gibt viele Klippen<br />

und Fallen, auch <strong>in</strong> der noch so<br />

gut geführten und funktionierenden<br />

Selbsthilfegruppe. Das<br />

kann oft sehr überraschend<br />

se<strong>in</strong>. E<strong>in</strong> Gespräch über die<br />

Vorbereitungen für das Weihnachtsfest<br />

– womit mache ich<br />

wem e<strong>in</strong>e Freude? Wen besuche<br />

ich? Wie verbr<strong>in</strong>ge ich die<br />

Festtage? Auf e<strong>in</strong>mal ist die<br />

Gruppe zweigeteilt. Die e<strong>in</strong>en<br />

können sich immer mehr an der<br />

Vorfreude berauschen und die<br />

anderen werden schweigsam<br />

und sprachlos. Es ist ja nicht so,<br />

dass sie sich nicht auch gerne<br />

auf Weihnachten freuen würden,<br />

auf Tage der Geme<strong>in</strong>samkeit.<br />

Aber wo? Und mit wem?<br />

Deshalb reicht es häufig<br />

nicht, geme<strong>in</strong>sam e<strong>in</strong>e Weihnachtsfeier<br />

zu haben, vielleicht<br />

auch mit gegenseitigen kle<strong>in</strong>en<br />

Geschenken. Die Probleme stellen<br />

sich dann e<strong>in</strong>, wenn alle anderen<br />

(so wird es gedacht) feiern<br />

und zusammen s<strong>in</strong>d – und<br />

die Gedanken kommen, die ei-<br />

nen so lange <strong>in</strong> Ruhe gelassen<br />

haben. E<strong>in</strong>e ganze Kette von<br />

Gedanken entrollt sich da: Warum<br />

b<strong>in</strong> ich alle<strong>in</strong>e? Wer hat<br />

mich verlassen? Was habe ich<br />

nicht alles getan? In der Kneipe<br />

saß ich wenigstens nicht<br />

alle<strong>in</strong>e an der Theke. Eigentlich<br />

war es doch ganz schön…,<br />

und da s<strong>in</strong>d sie dann wieder,<br />

die Gedanken an den Alkohol<br />

und an all das Schöne, was damit<br />

verbunden war. Nicht die<br />

Gedanken an das Schreckliche<br />

und die vielen negativen Konsequenzen.<br />

Ne<strong>in</strong>, wenn man<br />

alle<strong>in</strong>e ist, denkt man sich die<br />

Vergangenheit schön.<br />

Was bedeutet das für die<br />

Gruppe? Es bedeutet, nicht nur<br />

von Solidarität zu reden, son-<br />

dern zu handeln. Gerade an<br />

Weihnachten und Sylvester die<br />

Gruppenräume zu öffnen (aber<br />

man sollte schon vorher fragen,<br />

wer kommt). Oder zu Hause e<strong>in</strong>en<br />

Stuhl zusätzlich an den<br />

Tisch stellen. Oder aber anrufen<br />

an den Festtagen. Oder sich<br />

zum Spaziergang treffen. Es<br />

gibt unzählige Möglichkeiten<br />

der Begegnung, jede Gruppe<br />

macht es anders. Aber wichtig<br />

ist und bleibt: Niemanden aus<br />

der Gruppe gerade an den<br />

schönsten Tagen im Jahr alle<strong>in</strong>e<br />

lassen.<br />

Rolf Hüll<strong>in</strong>ghorst<br />

„Zweifels Kolumnen<br />

spiegeln auch e<strong>in</strong>en<br />

gewöhnlichen Alltagshorror,<br />

<strong>in</strong>dem sie vom<br />

Horroralltag berichten.“<br />

Jürgen Kiontke, Jungle World<br />

„Der Knigge für Suchtkranke“<br />

Georg Zschieschang, splittler<br />

Bald drucken wir nach!<br />

Nur noch wenige Exemplare zum alten<br />

E<strong>in</strong>führungspreis von 4,00 Euro!<br />

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Über den Buchhandel (zuzüglich Porto!)<br />

unter ISBN 978-3-00-025188-7


10 Berl<strong>in</strong>er Seiten<br />

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Gut sortierte Drogenhandlung – Schw<strong>in</strong>del im Kopf<br />

Medikamentenabhängigkeit –<br />

Sucht im Verborgenen<br />

Fachtag am 25.11.2010 im St. Joseph-Krankenhaus<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>-Weißensee<br />

E<strong>in</strong>geladen hatte der Staatssekretär<br />

für Gesundheit, Umwelt<br />

und Verbraucherschutz Prof.<br />

Dr. Benjam<strong>in</strong>-Immanuel Hoff.<br />

Gekommen waren Mitarbeiter<br />

aus Krankenhäusern, Gesundheitsämtern<br />

und Beratungsstellen<br />

sowie <strong>in</strong>teressierte Patient<strong>in</strong>nen.<br />

Die Referenten gehörten zu<br />

den besten Experten Deutschlands.<br />

Alle Referenten waren<br />

sich e<strong>in</strong>ig, dass durch die E<strong>in</strong>nahme<br />

von Medikamenten mit<br />

Suchtpotential erhebliche<br />

Schäden verursacht werden,<br />

dass aber die betroffenen Patienten<br />

nur zu e<strong>in</strong>em sehr kle<strong>in</strong>en<br />

Teil <strong>in</strong> Beratungsstellen<br />

und Krankenhäuser ankommen.<br />

E<strong>in</strong>e mögliche Ursache<br />

liegt natürlich dar<strong>in</strong>, dass die<br />

Verordnung dieser Medikamente<br />

durch Ärzte ausgeübt<br />

wird und dass eben diese Ärzte<br />

nur e<strong>in</strong> ger<strong>in</strong>ges Interesse<br />

daran haben, dass ihre Patienten<br />

sich mit ihren – <strong>in</strong>zwischen<br />

entstandenen – Suchtproblemen<br />

an die richtigen Fachleu-<br />

te wenden. Außerdem bemerken<br />

viele Patienten gar nicht,<br />

dass sie abhängig geworden<br />

s<strong>in</strong>d.<br />

„Ältere und alte Menschen:<br />

Warum s<strong>in</strong>d sie für e<strong>in</strong>eMedikamentenabhängigkeit<br />

besonders gefährdet?“ –<br />

Das war das Thema von Prof.<br />

Glaeske aus Bremen:<br />

Ältere Menschen (häufiger<br />

Frauen als Männer) würden<br />

gegenüber ihren Ärzten eher<br />

über E<strong>in</strong>samkeit (z. B. K<strong>in</strong>der<br />

aus dem Haus, Partner verstorben)<br />

und andere Probleme klagen<br />

und dann erhielten sie oft<br />

ke<strong>in</strong>e Ratschläge sondern Rezepte<br />

– für Antidepressiva oder<br />

Benzodiazep<strong>in</strong>e. Dabei werde<br />

von den Ärzten oft übersehen,<br />

dass Patienten, die über 65 Jahre<br />

alt s<strong>in</strong>d, häufig nur die Hälfte<br />

von dem vertragen, was für<br />

jüngere Menschen gut ist. H<strong>in</strong>zu<br />

kommt, dass bei zunehmendem<br />

Alter immer mehr Medikamente<br />

von verschiedenen Ärzten<br />

verordnet werden. E<strong>in</strong> Arzt<br />

kennt meist die Medikamente<br />

des anderen nicht. Dann passiert,<br />

was zu erwarten ist: Die<br />

unterschiedlichen Medikamente<br />

vertragen sich nicht mite<strong>in</strong>ander.<br />

Im wahrsten S<strong>in</strong>ne des<br />

Wortes gehen die alten Menschen<br />

zu Boden. Sie stürzen,<br />

sie fallen, sie brechen sich die<br />

Knochen, sie sterben vorzeitig.<br />

Prof. Glaeske berichtete von<br />

alten Menschen, die parallel<br />

15 bis 18 Medikamente täglich<br />

bekommen!<br />

In Anbetracht der lange bekannten<br />

Probleme, sollten speziell<br />

im Betreuten Wohnen und<br />

<strong>in</strong> Altenheimen unbed<strong>in</strong>gt Kontrollen<br />

zum Medikamentenpegel<br />

durchgeführt werden! Die<br />

alten Menschen s<strong>in</strong>d alle<strong>in</strong>e<br />

nicht <strong>in</strong> der Lage, ihre Situation<br />

zu erkennen und zu ändern.<br />

HM<br />

Aus Platzgründen konnten wir nur<br />

e<strong>in</strong>ige Punkte aus dem Vortrag von<br />

Prof. Glaeske wiedergeben.<br />

Verkaufs<strong>in</strong>teressen<br />

der Pharma<strong>in</strong>dustrie<br />

plus Unwissen<br />

mancher Mediz<strong>in</strong>er<br />

Die erheblichen Schäden<br />

s<strong>in</strong>d schon lange bekannt.<br />

So berichtete der Spiegel<br />

schon 2 / 2002: „Viele alte<br />

Menschen leiden unnötig an<br />

Übelkeit, Verwirrtheit und<br />

Schw<strong>in</strong>delanfällen: Ihre Beschwerden<br />

s<strong>in</strong>d häufig unerkannte<br />

Nebenwirkungen von<br />

Medikamenten.“ Der Pharmakologe<br />

Mart<strong>in</strong> Wehl<strong>in</strong>g berichtete<br />

von se<strong>in</strong>er Großmutter:<br />

Wenn er sie „besuchte,<br />

g<strong>in</strong>g es ihr… fast immer<br />

schlecht.“ Gegen den hohen<br />

Blutdruck bekam sie e<strong>in</strong>e Tablette<br />

zur Wasserausscheidung<br />

und e<strong>in</strong> herzstärkendes<br />

Mittel. Das half aber nicht.<br />

Ständig war sie verwirrt …<br />

und außerdem war ihr fast<br />

immer übel. Deswegen musste<br />

sie schließlich sogar regelmäßig<br />

e<strong>in</strong>e Tablette gegen<br />

den Brechreiz schlucken.<br />

Doch e<strong>in</strong>es Tages g<strong>in</strong>g es ihr<br />

plötzlich blendend. „Hat der<br />

Hausarzt endlich das richtige<br />

Mittel für Dich gefunden?“<br />

fragte der junge Wehl<strong>in</strong>g.<br />

„Nee, m<strong>in</strong> Jung“, kam die Antwort,<br />

„der Hausarzt, der ist<br />

gestorben.“<br />

Vermittlungsquote<br />

von Alkoholabhängigen:<br />

Alles im grünen<br />

Bereich?<br />

Erneut beklagen manche E<strong>in</strong>richtungen,<br />

wie etwa Alkoholikerberatungsstellen,<br />

Betreutes<br />

Wohnen und Beschäftigungstagesstätten,<br />

aber auch E<strong>in</strong>richtungen<br />

für ambulante und<br />

stationäre Entwöhnungen, dass<br />

Tausende Alkoholabhängige<br />

von den Entzugsstationen kaum<br />

weiter vermittelt würden. Immerh<strong>in</strong><br />

s<strong>in</strong>d es im Jahr m<strong>in</strong>destens<br />

11.000 Patienten, bei<br />

denen Alkohol zum Krankenhausaufenthalt<br />

geführt hat.<br />

Wegen der sehr kurzen Entgiftungszeiten<br />

<strong>in</strong> den Berl<strong>in</strong>er<br />

Krankenhäusern ist die Weiter-<br />

Foto: TrokkenPresse


vermittlung natürlich besonders<br />

schwierig und es bedarf<br />

großer Anstrengungen, um die<br />

betroffenen Patienten „nahtlos“<br />

<strong>in</strong> den richtigen E<strong>in</strong>richtungen<br />

unterzubr<strong>in</strong>gen. Sie werden<br />

sonst häufig rückfällig und<br />

müssen dann erneut aufgenommen<br />

werden. Es ist Aufgabe der<br />

bezirklichen Suchthilfekoord<strong>in</strong>atoren<br />

auf e<strong>in</strong>e Verbesserung<br />

der Koord<strong>in</strong>ation h<strong>in</strong>zuwirken.<br />

Allerd<strong>in</strong>gs liegt es auch im Interesse<br />

der Krankenkassen zu<br />

prüfen, ob vorzeitige Entlassungen<br />

mit entsprechend schlechter<br />

Vermittlungsquote und gehäuften<br />

Rückfällen nicht zu<br />

kosten<strong>in</strong>tensiv s<strong>in</strong>d. Die früher<br />

Nichtraucherschutzgesetz umgangen<br />

Am Sonnabend, dem 13.11.10,<br />

testete das Aktionsteam der<br />

„Volks<strong>in</strong>itiative Frische Luft<br />

für Berl<strong>in</strong>“ den Nichtraucherschutz<br />

<strong>in</strong> der Neuköllner Weserstraße.<br />

Ergebnis: In 17 von<br />

25 Betrieben wurde gegen das<br />

Nichtraucherschutzgesetz verstoßen.<br />

In 20 Betrieben wurde<br />

geraucht. Die meisten Verstöße<br />

waren sofort zu erkennen.<br />

Sie bezogen sich auf Lokale, die<br />

über zwei Räume verfügen und<br />

das Rauchen <strong>in</strong> beiden Räumen<br />

zulassen oder den Raucherraum<br />

nicht durch e<strong>in</strong>e Tür von dem<br />

Schankraum trennen.<br />

übliche Entzugsdauer von drei<br />

Wochen hat den betroffenen<br />

Patienten jedenfalls mehr Zeit<br />

gegeben, erst den Kopf klar zu<br />

kriegen und danach zu prüfen,<br />

welche Hilfen sie anschließend<br />

annehmen wollen. Auch hatte<br />

das Personal der Entzugsstationen<br />

deutlich größere Chancen,<br />

die Patienten zu motivieren,<br />

das zu tun, was gut ist für e<strong>in</strong>e<br />

Fortdauer der Abst<strong>in</strong>enz. Es ist<br />

sehr bedauerlich, dass für diese<br />

Patientengruppe die Bed<strong>in</strong>gungen<br />

noch immer nicht verbessert<br />

wurden. E<strong>in</strong>e dr<strong>in</strong>gende<br />

Aufgabe des Senats wäre es<br />

jedenfalls, e<strong>in</strong> Treffen mit allen<br />

Leistungs- und Kostenträgern<br />

Nichtraucherschutz spielt <strong>in</strong><br />

Berl<strong>in</strong> ke<strong>in</strong>e Rolle<br />

Der Sprecher der Initiative,<br />

Johannes Spatz, zog e<strong>in</strong>e niederschmetternde<br />

Bilanz für den<br />

Nichtraucherschutz <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>.<br />

Seit E<strong>in</strong>führung des Nichtraucherschutzes<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> sei die<br />

Zahl der Verstöße von etwa e<strong>in</strong>em<br />

Drittel der E<strong>in</strong>richtungen<br />

auf zwei Drittel gestiegen. Die<br />

Volks<strong>in</strong>itiative hat sich e<strong>in</strong>erseits<br />

an das Ordnungsamt Neukölln<br />

gewandt und fordert<br />

andererseits e<strong>in</strong> Gesetz, das –<br />

ohne Ausnahmen – vollkommen<br />

rauchfreie Gaststätten<br />

vorsieht. Dafür werden Unterschriften<br />

gesammelt. 20.000<br />

zu organisieren, um Verbesserungen<br />

des Berl<strong>in</strong>er Suchthilfesystems<br />

geme<strong>in</strong>sam zu überdenken.<br />

Andernfalls geht es wie<br />

mit dem Unkraut auf den Berl<strong>in</strong>er<br />

Mittelstreifen: Man lässt<br />

es e<strong>in</strong>fach wuchern. An diese<br />

Verwahrlosung kann man sich<br />

genauso gewöhnen, wie sich<br />

die Patienten an den Alkohol<br />

gewöhnt haben…<br />

HM<br />

Unterschriften werden bis zum<br />

März 2011 gebraucht. Siehe<br />

auch: www.frische-luft-fuerberl<strong>in</strong>.de<br />

Den unermüdlichen Anti-<br />

Rauch-Aktivisten – allen voran<br />

Johannes Spatz – sei an dieser<br />

Stelle gedankt! Wer sogar am<br />

Wochenende Kneipenkontrollen<br />

durchführt, der macht sich<br />

<strong>in</strong> hohem Maße verdient im<br />

Kampf gegen Lungenkrebs,<br />

Kehlkopfkrebs und Herz<strong>in</strong>farkt.<br />

Zu fragen ist, warum das<br />

Ordnungsamt nicht m<strong>in</strong>destens<br />

alle vier Wochen die gleichen<br />

Prüfungen durchführt, die jetzt<br />

das Aktionskomitee ehrenamtlich<br />

machte.<br />

Interessant wäre es noch zu<br />

erfahren, wie viele Krebspatienten<br />

im E<strong>in</strong>zugsbereich des<br />

Neuköllner Krankenhauses im<br />

Vergleich zu anderen Krankenhäusern<br />

gezählt werden: Zahl<br />

der Rauchverstöße + plus Zahl<br />

der Kneipen, umgerechnet auf<br />

die Zahl der Kneipengäste,<br />

dividiert durch die Zahl der<br />

Krebspatienten und unter Bezugnahme<br />

auf die Zahl der E<strong>in</strong>wohner<br />

im Bezirk, das macht<br />

wie viel?<br />

Zusatzfrage: Wie viele Plätze<br />

s<strong>in</strong>d auf den Neuköllner<br />

Friedhöfen noch frei?<br />

HM<br />

Berl<strong>in</strong>er Seiten 11<br />

Ambulante<br />

Therapien und<br />

Nachsorgen bei<br />

PBAM<br />

Psychosoziale<br />

Beratungs- und<br />

Behandlungsstelle<br />

für Abhängige von<br />

Alkohol, Medikamenten<br />

u. a. Suchtmitteln<br />

Sie können bei uns ambulante<br />

Therapien/Entwöhnungen<br />

durchführen. Probeweise<br />

werden über vier Wochen<br />

Gespräche angeboten.<br />

Falls Sie die richtige Wahl<br />

getroffen haben, wird anschließend<br />

der Antrag beim<br />

Kostenträger gestellt (ärztliches<br />

Vorgespräch erforderlich!).<br />

Term<strong>in</strong>absprache per Telefon<br />

oder <strong>in</strong> der Sprechstunde.<br />

Schöneberg<br />

Goebenstraße 8<br />

10783 Berl<strong>in</strong>-Schöneberg,<br />

Tel. 030-216 50 08,<br />

Sprechstunden:<br />

dienstags 16-18 Uhr,<br />

mittwochs 10-12 Uhr<br />

und nach Vere<strong>in</strong>barung<br />

Wilmersdorf<br />

Holste<strong>in</strong>ische Straße 38<br />

10717 Berl<strong>in</strong> Wilmersdorf,<br />

Tel. 030-23 62 13 33,<br />

Sprechstunden:<br />

dienstags 10-12 Uhr,<br />

donnerstags 16-18 Uhr<br />

und nach Vere<strong>in</strong>barung<br />

Tempelhof<br />

Kurfürstenstr. 43,<br />

12105 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof,<br />

Tel. 030-70 09 39 91,<br />

Sprechstunden:<br />

montags 10-12 Uhr,<br />

dienstags 17-19 Uhr,<br />

mittwochs 17-19 Uhr,<br />

donnerstags 11-13 Uhr<br />

und nach Vere<strong>in</strong>barung<br />

Foto: B. Balschus PBAM-Fotogruppe


12 Berl<strong>in</strong>er Seiten<br />

Das Patenschaftsprojekt<br />

„Vergiss mich<br />

nicht“<br />

Das Patenschaftsprojekt „Vergiss<br />

mich nicht“ für K<strong>in</strong>der<br />

von Suchtkranken des Diakonischen<br />

Werkes Berl<strong>in</strong> Stadtmitte<br />

e.V. möchte K<strong>in</strong>dern aus<br />

Suchtfamilien Halt geben, <strong>in</strong>dem<br />

es ihnen Paten an die Seite<br />

stellt, die ihnen Zeit und<br />

Aufmerksamkeit schenken und<br />

so die Eltern im Alltag entlasten.<br />

Gerade K<strong>in</strong>der und Jugendliche<br />

aus Suchtfamilien stellen<br />

die höchste Risikogruppe für<br />

Alkoholismus und Drogensucht<br />

dar. Durch e<strong>in</strong>e erwach-<br />

Jedes Jahr müssen die Beratungsstellen<br />

für Alkohol- und<br />

Medikamentenabhängige die<br />

Mittel für das folgende Jahr<br />

neu beim Bezirksamt beantragen.<br />

Das Bezirksamt erhält das<br />

Geld dafür wiederum vom Senat.<br />

Zwar s<strong>in</strong>d die Beratungsstellen<br />

Bestandteil der bezirklichen<br />

Pflichtversorgung, dennoch<br />

konnte bisher der Bezirk<br />

die Mittel des Senats nach Gutdünken<br />

verwenden. Er konnte<br />

damit machen was er wollte.<br />

Daher ist es <strong>in</strong> der Vergangenheit<br />

immer wieder vorgekommen,<br />

dass Alkohol- und Medikamentenabhängige<br />

<strong>in</strong> ihren<br />

Heimatbezirken nicht entsprechend<br />

den Standards beraten<br />

und behandelt werden konnten,<br />

weil es dort entweder ke<strong>in</strong>e<br />

Beratungsstelle gab oder<br />

aber zu wenig Personal f<strong>in</strong>anziert<br />

wurde. Das sollte sich<br />

ändern. In der Drucksache 16/<br />

1650 für das Abgeordnetenhaus<br />

(14.07.2008) nahm der<br />

Senat ausführlich Stellung. Als<br />

K<strong>in</strong>derschutz und Suchtprävention<br />

sene Bezugsperson, die als Pat<strong>in</strong><br />

bzw. Pate dem K<strong>in</strong>d zur<br />

Seite steht, kann dieser Teufelskreislauf<br />

eher durchbrochen<br />

werden. Unser Ansatz ist<br />

es daher, K<strong>in</strong>dern aus Suchtfamilien<br />

so früh wie möglich<br />

Paten zu vermitteln.<br />

PBAM-Beratungsstelle <strong>in</strong> der<br />

Goebenstr. 8<br />

Das Projekt bef<strong>in</strong>det sich<br />

mit se<strong>in</strong>er Arbeit an den<br />

Schnittstellen K<strong>in</strong>derschutz<br />

und Suchtprävention. Durch<br />

die enge Anb<strong>in</strong>dung von PatInnen<br />

und Eltern an das Projekt,<br />

erfahren die K<strong>in</strong>der e<strong>in</strong>en größeren<br />

Schutz vor K<strong>in</strong>deswohl-<br />

gefährdung und Missbrauch.<br />

Gleichzeitig werden die K<strong>in</strong>der<br />

durch die Patenschaft <strong>in</strong> ihrem<br />

Selbstwertgefühl gestärkt und<br />

erleben durch das Zusammense<strong>in</strong><br />

mit Menschen, die nicht<br />

suchtkrank s<strong>in</strong>d, e<strong>in</strong>e andere<br />

Lebensweise. Dies stärkt sie für<br />

e<strong>in</strong> suchtfreies Leben.<br />

Wenn wir Ihr Interesse geweckt<br />

haben, Sie sich über e<strong>in</strong>en<br />

Paten für Ihr K<strong>in</strong>d freuen<br />

würden oder jemanden kennen,<br />

der Unterstützung braucht,<br />

dann schauen Sie doch e<strong>in</strong>fach<br />

mal auf unsere Homepage oder<br />

melden Sie sich bei uns<br />

Vergiss mich nicht –<br />

e<strong>in</strong> Patenschaftsprojekt für K<strong>in</strong>der<br />

von Suchtkranken<br />

Segitzdamm 46, 10969 Berl<strong>in</strong><br />

Tel.: 030- 61 65 93 40<br />

Fax: 030- 61 56 32 4<br />

E-mail: vergissmichnicht@diakonie-stadtmitte.de<br />

www.diakonie-stadtmitte.de<br />

Alle Jahre wieder kommt das Christusk<strong>in</strong>d – oder nicht<br />

Über wie viel Personal e<strong>in</strong>e Beratungsstelle für Alkohol- und Medikamentenabhängige verfügen kann,<br />

wird jährlich neu entschieden<br />

e<strong>in</strong>es der wichtigsten Ziele der<br />

Beratungsstellen wurde genannt:<br />

„Die Sicherung des<br />

Überlebens und Senkung des<br />

Mortalitätsrisikos.“ Aus dem<br />

Senatspapier geht weiter hervor:<br />

„Spätestens seit In-Kraft-<br />

Treten des SGB II soll e<strong>in</strong>e<br />

Erstberatung <strong>in</strong> Alkohol- und<br />

Medikamentenberatungsstellen<br />

ohne Wartezeit ermöglicht<br />

werden. Die Beratungsstellen<br />

müssen hier neue Anforderungen<br />

und ggf. auch neue Klientengruppen<br />

aufnehmen. Diese<br />

Aufgabenstellung ergänzt die<br />

Sicherstellungsverantwortung<br />

nach dem Gesundheitsdienstgesetz.“<br />

Was ist Inhalt des SGB II?<br />

Im SGB II geht es um Leistungen<br />

zur Wiedere<strong>in</strong>gliederung <strong>in</strong><br />

Arbeit. Dar<strong>in</strong> enthalten s<strong>in</strong>d die<br />

kommunalen E<strong>in</strong>gliederungsleistungen<br />

– wozu auch die<br />

Suchtberatung gehört.<br />

Warum wird im SGB II auch<br />

e<strong>in</strong>e Suchtberatung vorgegeben?<br />

Weil bei Suchterkrankungen<br />

oft e<strong>in</strong> besonderes Vermittlungshemmnis<br />

besteht, jedenfalls<br />

solange Abhängige noch<br />

Suchtmittel konsumieren (umgekehrt<br />

s<strong>in</strong>d natürlich trockene<br />

Alkoholiker oftmals sehr<br />

gute und engagierte Arbeitnehmer).<br />

Obwohl die Bed<strong>in</strong>gungen,<br />

wie oben geschildert, klar s<strong>in</strong>d<br />

und Hilfesuchende ohne Wartezeit<br />

beraten werden müssen,<br />

hängen die sog. Zuwendungen<br />

jedes Jahr wieder neu von vom<br />

Wohlwollen der jeweiligen<br />

Stadträte bzw. der Bezirke ab.<br />

E<strong>in</strong> Vorgang, der sich <strong>in</strong> der<br />

Vergangenheit leider nicht immer<br />

bewährt hat. Die Trokken-<br />

Presse hat darüber schon öfter<br />

berichtet. In Anbetracht von<br />

über 11.000 Krankenhausfällen<br />

wegen Alkoholproblemen<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> (2009), ist jedoch e<strong>in</strong>e<br />

Standardversorgung unabd<strong>in</strong>gbar.<br />

Planungsfehler, wie<br />

etwa e<strong>in</strong>e Unterausstattung der<br />

Beratungsstellen, s<strong>in</strong>d für Betroffene<br />

hoch riskant und für<br />

Krankenkassen und Volkswirtschaft<br />

zu teuer. Trotzdem war<br />

noch Anfang Dezember vielfach<br />

noch nicht bekannt, <strong>in</strong><br />

welcher Höhe die Beratungsstellen<br />

2011 f<strong>in</strong>anziert werden<br />

sollen.<br />

Heidt-Müller<br />

Foto: o. Meltis Pixelio / u. B. Balschus PBAM-Fotogruppe


Suchtprobleme?<br />

Wer hat aus me<strong>in</strong>em<br />

Becherchen getrunken?<br />

Blöde Frage! Wer wohl?<br />

Neu: Das Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch –<br />

E<strong>in</strong> märchenhaftes<br />

Weihnachtsgeschenk aus dem<br />

TrokkenPresse Verlag<br />

Das Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch ist ab sofort lieferbar über Ihre<br />

Buchhandlung, oder kann direkt beim TrokkenPresse Verlag<br />

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TrokkenPresse Verlag, Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong>, FAX: 030<br />

216 80 13, <strong>in</strong>fo.trokkenpresse@pbam.de<br />

Das Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch, herausgegeben vom TrokkenPesse<br />

Verlag. TB, 94 S., 1. Auflage, Dezember 2010, 10,00 Euro<br />

© 2010 TrokkenPresse Verlag, Berl<strong>in</strong> · www.trokkenpresse.de,<br />

ISBN 978-3-9813253-1-7<br />

AHG Kl<strong>in</strong>ik Tönisste<strong>in</strong><br />

Hochstrasse 25 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler<br />

Chefarzt Dr. med. Hubert C. Buschmann<br />

Tel.: 02641/914-0 Fax: 02641/914-201<br />

Internet: www.wir-machen-unabhaengig.de email: toenisste<strong>in</strong>@ahg.de<br />

AHG Kl<strong>in</strong>ik Tönisste<strong>in</strong> Fernansicht AHG Kl<strong>in</strong>ik Tönisste<strong>in</strong> Zimmer<br />

AHG Kl<strong>in</strong>ik Tönisste<strong>in</strong> Schwimmbad<br />

Berl<strong>in</strong>er Seiten 13<br />

Wir bieten<br />

● Schnelle Hilfe bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Cannabis- und Koka<strong>in</strong>abhängigkeit, Abhängigkeit von Lifestyledrogen,<br />

<strong>in</strong>sbesondere für beruflich und sozial gut <strong>in</strong>tegrierte Patienten<br />

● E<strong>in</strong> e<strong>in</strong>zigartiges und seit 1974 bewährtes <strong>in</strong>tensives Kurzzeit-Therapiekonzept mit e<strong>in</strong>er Dauer von 8 Wochen<br />

● Individuelle Angebote für spezielle zusätzliche Problembereiche: Bewältigung von Problemen am Arbeitsplatz, Stressbewältigung,<br />

Reduzierung von Burnout-Symptomen, Distanzierungstechnicken bei Belastung durch traumatische Erlebnisse, Umgang mit Impulsivem<br />

Verhalten, Verbesserung der Schlafhygiene, Nichtrauchertra<strong>in</strong><strong>in</strong>g etc.<br />

● Zahlreiche ansprechende und <strong>in</strong>teressante Fachvorträge für unsere Patienten<br />

● Entspannungsmethoden, Sport- und Bewegungstherapie<br />

● Unterbr<strong>in</strong>gung <strong>in</strong> modernen, gut ausgestatteten barrierefreien E<strong>in</strong>zelzimmern<br />

● Großzügige Therapie- und Aufenthaltsräume<br />

● Schwimmbad, Turnhalle sowie Fitnessraum<br />

● E<strong>in</strong>e Vielzahl von <strong>in</strong>teressanten Freizeitmöglichkeiten am Ort<br />

F<strong>in</strong>anziert werden die Behandlungen über alle Kosten- und Leistungsträger und die Beihilfe.<br />

Ansprechpartner: Herr Andreas Goros Tel.: 02641-914-235 agoros@ahg.de


14 Berl<strong>in</strong>er Seiten<br />

Der rbb filmt den Schul-Rap<br />

Schulabschluss für ehemalige<br />

Abhängige<br />

Tannenhof-Schule jetzt endlich auch offiziell als<br />

Schulversuch anerkannt – Bekanntgabe wurde mit<br />

Festakt und Tag der offenen Tür begangen.<br />

Seit über 20 Jahren betreibt der<br />

Tannenhof Berl<strong>in</strong>-Brandenburg<br />

e.V. e<strong>in</strong>e eigene schulische<br />

E<strong>in</strong>richtung für ehemals süchtige<br />

Menschen – die Tannenhof-Schule.<br />

Die E<strong>in</strong>richtung<br />

läuft offiziell als Filiale der<br />

Elisabeth-Rotten-Schule, e<strong>in</strong>em<br />

Förderzentrum mit sonderpädagogischem<br />

Schwerpunkt.<br />

Sie wird aber von Schülern und<br />

Lehrern eigentlich schon im-<br />

mer als die Tannenhof-Schule<br />

bezeichnet.<br />

Entstanden ist das Ganze<br />

als Bildungsprojekt für e<strong>in</strong>e<br />

Wohngeme<strong>in</strong>schaft von ehemaligen<br />

Alkohol- und Drogenabhängigen.<br />

Die Nachfrage nach<br />

Weiterbildung und der Möglichkeit<br />

Schulabschlüsse nachzuholen,<br />

war und ist aber so<br />

groß, dass diese neue E<strong>in</strong>richtung<br />

stetig gewachsen ist. In-<br />

Leseprobe<br />

www.trokkenpresse.de<br />

Bestellung<br />

Lesung gewünscht?<br />

zwischen ist man bereits zwei<br />

Mal umgezogen bzw. musste<br />

erneut erweitern und es werden<br />

rund 90 Schüler <strong>in</strong> 6 Klassen<br />

betreut.<br />

In der Tannenhof Schule<br />

machen ehemalige Drogenabhängige<br />

<strong>in</strong> cleanem Umfeld<br />

Schulabschlüsse: den Hauptschulabschluss,<br />

den erweiterten<br />

Hauptschulabschluss und<br />

den ehemaligen Realschulabschluss,<br />

jetzt Mittlerer Schulabschluss<br />

(MSA) genannt.<br />

Am 24. November 2010 gab<br />

es nun <strong>in</strong> den Räumen der<br />

Schule <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>-Neukölln großen<br />

Bahnhof. Und das auf<br />

Grund e<strong>in</strong>es besonderen Anlasses.<br />

Die Schule ist Ende letzten<br />

Jahres offiziell als Schulversuch<br />

anerkannt worden –<br />

der letzte Schritt vor der staatlichen<br />

Schule. Der Schulversuch<br />

läuft jetzt noch bis 2013<br />

und danach wird der endgültige<br />

Status „staatlich anerkannte<br />

Schule“ angestrebt.<br />

Diese Anerkennung als<br />

Schulversuch wurde am 24.11.<br />

<strong>in</strong> den Räumen der Schule mit<br />

e<strong>in</strong>em Festakt und e<strong>in</strong>em Tag<br />

der offenen Tür gefeiert.<br />

Die gesamte Schülerschaft<br />

und das Lehrer- und Mitarbeiterteam<br />

um die Schulleiter<strong>in</strong><br />

Frau Laubmann hatte dabei<br />

Niemals vergessen, wo ich herkomme<br />

Hg. Dagmar Heidt-Müller, TrokkenPresse Verlag,<br />

Taschenbuch, 142 Seiten, Preis: 11,00 Euro,<br />

ISBN 978-3-9813253-0-0<br />

Telefon 030 - 78 95 56 01, Fax 030 - 216 80 13,<br />

E-Mail trokkenpresse@pbam.de,<br />

oder Postkarte an TrokkenPresse Verlag,<br />

Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong><br />

Die Schauspieler und Autoren dieses Buches<br />

lesen gerne.<br />

Sie s<strong>in</strong>d Verband, Selbsthilfegruppe,<br />

soziale E<strong>in</strong>richtung oder Café und möchten e<strong>in</strong>en<br />

Leseabend veranstalten.<br />

Tel. 030 - 78 95 56 01<br />

nicht nur e<strong>in</strong> leckeres Buffet<br />

selbst gekocht bzw. hergerichtet,<br />

sondern auch <strong>in</strong> Themenräumen<br />

und auf Schautafeln<br />

die Arbeit und das Lernen der<br />

Menschen <strong>in</strong> der Tannenhof-<br />

Schule dargestellt.<br />

Der offizielle Teil, der Festakt<br />

zum Start des Tages der offenen<br />

Tür war dann sogar mit<br />

e<strong>in</strong>igen herzlich willkommenen<br />

Ehrengästen besetzt.<br />

So konnte unter anderem<br />

Oberschulrat Herr Ralf Schiweck<br />

und von der Senatskanzlei<br />

Herr Horst-Peter Schaeffer,<br />

dort als Referent für Bildungs-<br />

Schulsozialarbeiter<strong>in</strong> Frau Yilmaz<br />

schenkt alkoholfreien Punsch aus<br />

und Sportpolitik verantwortlich,<br />

begrüßt werden.<br />

Als Überraschungsgast und<br />

Redner war auch Herr Dr. Peter<br />

Hübner dabei, welcher Referatsleiter<br />

beim Senat für den Bereich<br />

Jugend, Bildung, Sport<br />

vor 21 Jahren die Schule mit<br />

auf den Weg gebracht hat.<br />

Nach dem Festakt g<strong>in</strong>g der<br />

Nachmittag <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en Tag der offenen<br />

Tür über, bei welchem<br />

die Räumlichkeiten mit Ihren<br />

Themenbereichen die Entstehung<br />

der Schule und die aktuellen<br />

Arbeitsbereiche vorstellten<br />

und zum Essen und Tr<strong>in</strong>ken<br />

e<strong>in</strong>luden. E<strong>in</strong> Höhepunkt<br />

war dabei sicherlich auch der<br />

Rap-Auftritt von Tannenhof-<br />

Schülern, der von e<strong>in</strong>em Kamerateam<br />

der rbb-Abendschau<br />

mitgefilmt wurde.<br />

Quelle: Tannenhof<br />

Weitere Informationen zum Festakt<br />

und zum Träger Tannenhof Berl<strong>in</strong>-<br />

Brandenburg e.V. sowie zur<br />

Tannenhof-Schule f<strong>in</strong>det man im<br />

Netz unter www.tannenhof.de!<br />

Fotos: Tannenhof


Kurz&trokken<br />

+++Schon wieder neigt sich<br />

e<strong>in</strong> Jahr se<strong>in</strong>em Ende zu. Und<br />

wenn das Wörtchen „wenn“<br />

nicht wäre, hätte es bestimmt<br />

ganz anders für uns ausgesehen.<br />

Dieses Wort hat nun e<strong>in</strong>mal<br />

Schuld. Aber ohne e<strong>in</strong> „wenn“<br />

würden wir den verschwendeten<br />

Lebenschancen gegenüber<br />

auch ziemlich dumm aus der<br />

Wäsche gucken. Angetrieben<br />

von Gewissensbissen, doch unbelehrbar,<br />

widmen wir uns deshalb<br />

dem „Eigentlich müsste<br />

man ja mal“. Denn nächstes<br />

Jahr wird sowieso alles ganz anders.+++Zum<br />

Beispiel müsste<br />

man mal … umziehen!, so wie<br />

die Alkohol- und Medikamentenberatungsstelle<br />

<strong>in</strong> der Gierkezeile<br />

39, die zukünftig <strong>in</strong> der<br />

Wilmersdorfer 50 zu f<strong>in</strong>den se<strong>in</strong><br />

wird. Aus nämlichen Gründen<br />

bleibt die Beratungsstelle am<br />

15. und 16.12 geschlossen und<br />

ist ab 17.12. am neuen Standort<br />

geöffnet. Falls bis dah<strong>in</strong> noch<br />

nicht alles mit dem Telefonanschluss<br />

(Tel. 030 / 34 80 09 48)<br />

klappt, hier gleich e<strong>in</strong>e <strong>Not</strong>fallnummer:<br />

0163 7959765.+++<br />

Präzise an dieser Stelle möchten<br />

wir e<strong>in</strong> Gerücht lancieren,<br />

nämlich dass <strong>in</strong> der Gierkezeile<br />

39 im neuen Jahr e<strong>in</strong> eigenwilliger<br />

Verlag ansässig se<strong>in</strong><br />

wird, der Bücher für Abhängige<br />

und Unabhängige herausgibt.<br />

Welcher Verlag kann damit<br />

nur geme<strong>in</strong>t se<strong>in</strong>? +++Und<br />

eigentlich müsste man ja auch<br />

mal … sportiv werden! Am 1.<br />

Januar 2011 ab 12.00 Uhr startet<br />

der 40. Berl<strong>in</strong>er Neujahrslauf.www.berl<strong>in</strong>er-neujahrslauf.de.<br />

Die Strecke: 4 km. Es<br />

laufen viele Amateure mit. Die<br />

tragen auch mal alte Turnschuhe<br />

und lange W<strong>in</strong>termäntel. Es<br />

wird langsam gelaufen. Es wird<br />

ke<strong>in</strong> Startgeld erhoben. E<strong>in</strong>e<br />

Voranmeldung ist nicht nötig.<br />

Start und Ziel: Der eckige Triumphbogen<br />

am Pariser Platz.<br />

Danach gibt´s Pfannkuchen<br />

und heißen Zitronentee. Gründe,<br />

nicht daran teilzunehmen,<br />

müsste man sich eigentlich ja<br />

erstmal selbst erf<strong>in</strong>den.+++Haben<br />

Sie dann den rechten Beat<br />

gefunden und wollen mehr vom<br />

Selben, besuchen Sie e<strong>in</strong>fach<br />

den Lauftreff der Landesstelle<br />

Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen e.V.<br />

Jeden Montag für Jugendliche<br />

bis 25 Jahre: 16.00 - 17.30 Uhr,<br />

für Erwachsene von 17.30 -<br />

19.30 Uhr. Angeleitet werden<br />

die Gruppen für e<strong>in</strong> Jahr vom<br />

dem erfahrenen Sportlehrer<br />

Berl<strong>in</strong>er Seiten 15<br />

und Läufer Reimer Siemsen.<br />

Die Teilnahme am Lauftreff ist<br />

kostenfrei. Bitte anmelden bei<br />

der Landesstelle Berl<strong>in</strong> für<br />

Suchtfragen e.V., Gierkezeile<br />

39, 10585 Berl<strong>in</strong>, Tel. 030 34<br />

38 91 60, buero@Landesstelleberl<strong>in</strong>.de,<br />

www.Landesstelle-<br />

Berl<strong>in</strong>.de+++Ob Sie nun <strong>in</strong><br />

Weihnachten verliebt s<strong>in</strong>d wie<br />

e<strong>in</strong> staunendes K<strong>in</strong>d, ob Sie<br />

ehrlich Geschenke willkommen<br />

heißen können, ob Sie<br />

sich auf e<strong>in</strong> christliches Fest<br />

freuen, und selbst wenn, aus<br />

welchem Grund auch immer,<br />

das Fest an Ihnen vorbeizieht<br />

wie der Franken-Sachsen-Express<br />

unter dem müden Augenaufschlag<br />

e<strong>in</strong>er klöppelnden<br />

Hausfrau am Streckenrand, wir<br />

wünschen allen unseren Leser<strong>in</strong>nen<br />

und Lesern e<strong>in</strong>e schöne<br />

Zeit und e<strong>in</strong>en perfekten Start<br />

<strong>in</strong> das Jahr 2011.+++<br />

wscher<br />

Foto: maryimwunderland / photocase.com


16 Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch<br />

Lesepr Leseprobe Lesepr obe aus aus dem dem T TTr<strong>in</strong>ker<br />

T r<strong>in</strong>ker r<strong>in</strong>kermär r<strong>in</strong>ker mär märchenbuch mär chenbuch (siehe (siehe Seite Seite Seite 13 13 13 und und Seite Seite 25) 25)<br />

25)<br />

Der kle<strong>in</strong>e Zauberer M<strong>in</strong>imo<br />

von Charlotte Werther<br />

In e<strong>in</strong>em fernen Land lebte<br />

e<strong>in</strong>mal e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>er Zauberer<br />

namens M<strong>in</strong>imo, der nicht größer<br />

gewachsen war als e<strong>in</strong><br />

Waldkauz. An se<strong>in</strong>er Hütte<br />

plätscherte e<strong>in</strong> Bach vorbei,<br />

Tannen spendeten ihm Schatten<br />

und die Lichtung, auf der<br />

er jeden Abend se<strong>in</strong>e Zaubersprüche<br />

übte, bot allerlei Kräuter<br />

und Wiesenblumen. Eigentlich<br />

erfreute er sich se<strong>in</strong>es Lebens,<br />

nur e<strong>in</strong>es machte ihm zu<br />

schaffen: se<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>samkeit. Da<br />

alle anderen ihn überragten,<br />

wagte er sich nicht <strong>in</strong> ihre Nähe<br />

und fürchtete ihren Spott.<br />

Die Leute im Dorf begrüßten<br />

den kle<strong>in</strong>en Zauberer freundlich,<br />

wenn er sich am Marktplatz<br />

blicken ließ und fragten<br />

nach se<strong>in</strong>en Künsten. Doch da<br />

er nur scheu und zurückhaltend<br />

antwortete, ließen sie ihn<br />

bald <strong>in</strong> Ruhe.<br />

»Zauberer M<strong>in</strong>imo ist e<strong>in</strong><br />

gelehrter Mann«, erklärten sie<br />

ihren K<strong>in</strong>dern. »Er fühlt sich<br />

nur wohl <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er E<strong>in</strong>siedelei.<br />

Stört ihn nicht!«<br />

So blieb M<strong>in</strong>imo für sich,<br />

studierte die angekohlten Bücher<br />

se<strong>in</strong>es Vaters, der e<strong>in</strong><br />

wirklich großer Magier gewesen<br />

war. Er bannte, beschwor<br />

und zauberte, wo immer sich<br />

ihm e<strong>in</strong>e Gelegenheit bot.<br />

E<strong>in</strong>es Tages ordnete M<strong>in</strong>imo<br />

se<strong>in</strong>e Pergamentrollen, die<br />

durch das ganze Haus kollerten.<br />

Aus e<strong>in</strong>er von ihnen fiel<br />

e<strong>in</strong> fleckiges Blatt. »Freundestrank<br />

– heilt E<strong>in</strong>samkeit«,<br />

buchstabierte M<strong>in</strong>imo stockend,<br />

da er die blassen Zeichen<br />

kaum entziffern konnte.<br />

»Wunderbar! Ich werde dieses<br />

Elixier brauen und viele, viele<br />

Freunde gew<strong>in</strong>nen!«<br />

Sofort wanderte er tief <strong>in</strong><br />

den Wald, um all die Kräuter,<br />

Wurzeln und Zapfen zu sammeln,<br />

die er für se<strong>in</strong> Rezept benötigte.<br />

Tagelang stapfte er<br />

durch die Gegend, denn viele<br />

Zutaten fanden sich <strong>in</strong> entlegenen<br />

Tälern und auf steilen<br />

Berghängen. E<strong>in</strong> Bestandteil<br />

bereitete dem kle<strong>in</strong>en Zauberer<br />

Schwierigkeiten, da ledig-<br />

lich das Wort »… enwipfel« zu<br />

erkennen war. Lange brütete<br />

M<strong>in</strong>imo über der <strong>Not</strong>iz.<br />

›Tannenwipfel müssen es<br />

se<strong>in</strong>‹, dachte er, ›denn ke<strong>in</strong>e<br />

e<strong>in</strong>zige Fichte wächst <strong>in</strong> diesem<br />

Wald.‹ So packte er e<strong>in</strong>e<br />

Handvoll <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en Korb und<br />

machte sich auf den Weg nach<br />

Hause.<br />

Noch am gleichen Tag braute<br />

er den Freundestrank, der e<strong>in</strong>en<br />

süßen Duft verbreitete. Als<br />

M<strong>in</strong>imo davon kostete, musste<br />

er husten. Noch nie hatte er<br />

Ähnliches getrunken. Obwohl<br />

der Saft nicht besonders gut<br />

schmeckte, trank der kle<strong>in</strong>e<br />

Zauberer ausgiebig, konnte er<br />

es doch nicht erwarten, von<br />

se<strong>in</strong>er E<strong>in</strong>samkeit geheilt zu<br />

werden. Fröhlich spazierte er<br />

<strong>in</strong>s Dorf. Ihm war seltsam zumute.<br />

Leicht und unbeschwert,<br />

aber auch e<strong>in</strong> wenig schw<strong>in</strong>dlig.<br />

Als er e<strong>in</strong>em alten Mütterchen<br />

begegnete, das e<strong>in</strong>en<br />

schweren Korb trug, dachte er:<br />

›Sie wird me<strong>in</strong> Freund se<strong>in</strong>!‹<br />

So begrüßte er die Frau und<br />

fragte: »Soll ich e<strong>in</strong>en Zauberspruch<br />

murmeln, um de<strong>in</strong>e<br />

Last zu erleichtern?« Die Alte<br />

nickte dankbar und M<strong>in</strong>imo<br />

schwang se<strong>in</strong>en Stab. Doch als<br />

er <strong>in</strong> den Korb sah, fanden sich<br />

plötzlich Mühlste<strong>in</strong>e dar<strong>in</strong>,<br />

und das Mütterchen schimpfte<br />

über se<strong>in</strong>en Streich. M<strong>in</strong>imo<br />

lachte über das Versehen, denn<br />

er fühlte sich sorglos und närrisch.<br />

Im Dorf angekommen, unterhielt<br />

er sich zum ersten Mal<br />

mit dem Bäcker, der die Veilchen<br />

und Gänseblümchen begoss,<br />

die se<strong>in</strong>en Laden zierten.<br />

»Bei dieser Hitze gebe ich<br />

ihnen zweimal am Tag Wasser«,<br />

schnaufte der dicke<br />

Mann, der kaum über se<strong>in</strong>en<br />

Bauch h<strong>in</strong>wegsehen konnte.<br />

»Ich helfe dir!«, rief M<strong>in</strong>imo,<br />

schloss die Augen und<br />

sprach e<strong>in</strong> paar unverständli- photocase.com<br />

/<br />

che Sätze. Als er die Augen<br />

wieder öffnete, floss ihm e<strong>in</strong><br />

Sturzbach entgegen, der ihn<br />

auf die Straße spülte. Verwirrt<br />

rannte M<strong>in</strong>imo fort, von den Foto:designmaniac


Verwünschungen des durchnässten<br />

Bäckers verfolgt. Der<br />

kle<strong>in</strong>e Zauberer beschloss – bekümmert,<br />

doch auch eigenartig<br />

vergnügt – zu se<strong>in</strong>en Büchern<br />

zurückzukehren und am<br />

nächsten Tag Freunde zu gew<strong>in</strong>nen.<br />

Er kicherte beim Gedanken<br />

an den Wasserfall, den<br />

er herbeigehext hatte, fand die<br />

Sache allerd<strong>in</strong>gs sonderbar.<br />

›Morgen werde ich zwei Tassen<br />

des Elixiers tr<strong>in</strong>ken‹, beschloss<br />

er. ›Die Wirkung entfaltet<br />

sich vielleicht erst nach<br />

e<strong>in</strong>iger Zeit.‹<br />

Bald braute M<strong>in</strong>imo be<strong>in</strong>ahe<br />

täglich e<strong>in</strong>en neuen Kessel<br />

voll Zaubertrank. Er füllte den<br />

Saft <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Flasche, die<br />

er immer bei sich trug. Doch<br />

anstatt Freunde zu gew<strong>in</strong>nen,<br />

schaffte er sich nur Fe<strong>in</strong>de. Die<br />

bösen Streiche des kle<strong>in</strong>en<br />

Zauberers sprachen sich herum<br />

und Leute, die ihn früher<br />

freundlich begrüßt hatten, versperrten<br />

Türen und Fenster,<br />

wenn sie ihn nur von Weitem<br />

sahen. Sogar die K<strong>in</strong>der mieden<br />

ihn, seitdem er ihre grün<br />

schillernden Murmeln <strong>in</strong> hässliche<br />

Krötenbe<strong>in</strong>e verwandelt<br />

hatte.<br />

Je weniger die Dörfler mit<br />

ihm zu tun haben wollten, desto<br />

mehr sprach M<strong>in</strong>imo dem<br />

Trank zu. Die E<strong>in</strong>samkeit vertrieb<br />

er nicht, aber der kle<strong>in</strong>e<br />

Zauberer fühlte sich nach e<strong>in</strong>igen<br />

Bechern heiter, ja geradezu<br />

albern, und bedauerte<br />

es nicht mehr, alle<strong>in</strong> zu se<strong>in</strong>.<br />

Er torkelte durch den Wald,<br />

brummte Beschwörungsformeln,<br />

die ihm gerade <strong>in</strong> den<br />

S<strong>in</strong>n kamen und die das Federkleid<br />

e<strong>in</strong>er Eule blau färbten<br />

oder den E<strong>in</strong>gang des Fuchsbaus<br />

mit wildem We<strong>in</strong> überwuchern<br />

ließen. So zürnten ihm<br />

selbst die Tiere, doch M<strong>in</strong>imo<br />

machte sich nichts daraus.<br />

›Es ist ihre eigene Schuld‹,<br />

dachte er. ›Sie s<strong>in</strong>d böse zu mir,<br />

aber ich brauche sie nicht. Ich<br />

habe me<strong>in</strong>en Trank und b<strong>in</strong><br />

glücklich!‹<br />

In e<strong>in</strong>er Vollmondnacht<br />

machte der kle<strong>in</strong>e Zauberer<br />

sich auf, abermals Kräuter und<br />

Wurzeln zu sammeln, da ke<strong>in</strong><br />

Krümelchen mehr übrig war.<br />

Se<strong>in</strong> Kopf schmerzte. Nach<br />

e<strong>in</strong>igen Stunden konnte er<br />

kaum mehr laufen und musste<br />

rasten. Er klopfte an die Tür<br />

e<strong>in</strong>er Mühle, <strong>in</strong> der e<strong>in</strong> Magier<br />

wohnte, der bald se<strong>in</strong>en 250sten<br />

Geburtstag feierte.<br />

›Ich gratuliere ihm und bitte<br />

ihn um e<strong>in</strong>e Stärkung‹, beschloss<br />

M<strong>in</strong>imo.<br />

Der alte Magier freute sich,<br />

den kle<strong>in</strong>en Zauberer zu sehen.<br />

»Du siehst aber nicht gesund<br />

aus, M<strong>in</strong>imo. Bist du den<br />

langen Weg gekommen, nur<br />

um mich aufzusuchen? Man<br />

hört übrigens sonderbare Geschichten<br />

aus de<strong>in</strong>em Tal.<br />

Treibt dort jemand se<strong>in</strong> Unwesen?«<br />

M<strong>in</strong>imo verne<strong>in</strong>te. »Ich benötige<br />

Pflanzen für e<strong>in</strong> Elixier.<br />

Tannenwipfel, Liebstöckel und<br />

Johanniskraut fehlen noch.«<br />

»Du willst also Mitsommerpunsch<br />

brauen«, me<strong>in</strong>te der<br />

Magier.<br />

»Mitsommerpunsch? Aber<br />

ne<strong>in</strong>, ich koche e<strong>in</strong>en Trank<br />

gegen E<strong>in</strong>samkeit.«<br />

Der Magier schüttelte den<br />

Kopf so heftig, dass sich se<strong>in</strong><br />

langer Bart be<strong>in</strong>ahe im Schürhaken<br />

verf<strong>in</strong>g.<br />

»Für den Freundestrank<br />

verwendet man Zirben-, nicht<br />

Tannenwipfel! Sie wachsen <strong>in</strong><br />

der Nähe des Wasserfalls.«<br />

M<strong>in</strong>omo holte das Stückchen<br />

Pergament hervor und<br />

studierte es geme<strong>in</strong>sam mit<br />

dem Magier. Nun verstand er<br />

auch, warum er se<strong>in</strong>e Zaubersprüche<br />

ständig durche<strong>in</strong>an-<br />

derbrachte und die Dörfler sich<br />

vor ihm fürchteten. Lange<br />

sprach M<strong>in</strong>imo mit dem Magier,<br />

der <strong>in</strong> 250 W<strong>in</strong>tern allerhand<br />

erfahren hatte.<br />

»Auch der Freundestrank,<br />

kle<strong>in</strong>er Zauberer, wird dich<br />

nicht beliebt machen, wenn du<br />

den Menschen Böses tust. Er<br />

kann dir helfen, de<strong>in</strong>en Wuchs<br />

nicht mehr als Makel zu empf<strong>in</strong>den<br />

und ohne Scheu auf<br />

andere zuzugehen. Erst aber<br />

musst du das Vertrauen der<br />

Leute wiedergew<strong>in</strong>nen und das<br />

kann dir ke<strong>in</strong> Kraut dieser Welt<br />

abnehmen.«<br />

M<strong>in</strong>imo blieb e<strong>in</strong>ige Tage<br />

bei dem alten Magier, suchte<br />

nach seltenen Gräsern und<br />

nahm dann <strong>in</strong> Dankbarkeit Abschied,<br />

um den Dörflern von<br />

se<strong>in</strong>em Missgeschick zu berichten.<br />

Auf halbem Wege begegnete<br />

er dem Förster, der<br />

schnell an ihm vorüberwollte,<br />

jedoch stehen blieb, als er die<br />

Zirbenwipfel <strong>in</strong> M<strong>in</strong>imos Korb<br />

sah.<br />

Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch 17<br />

»Ich klettere auf die Berge,<br />

um Zirbenwipfel zu holen«,<br />

sagte er mit e<strong>in</strong>em ängstlichen<br />

Blick auf den kle<strong>in</strong>en Zauberer.<br />

»Me<strong>in</strong>e K<strong>in</strong>der s<strong>in</strong>d sehr<br />

krank, nur e<strong>in</strong>e Mediz<strong>in</strong> aus<br />

diesen Wipfeln kann ihnen<br />

helfen.«<br />

Da schenkte M<strong>in</strong>imo ihm<br />

die Wipfel und behielt ke<strong>in</strong>en<br />

e<strong>in</strong>zigen zurück, obwohl er sie<br />

für se<strong>in</strong>en Trank benötigte. Der<br />

Förster strahlte vor Glück.<br />

Als se<strong>in</strong>e K<strong>in</strong>der genesen<br />

waren, feierte er e<strong>in</strong> großes<br />

Fest, bei dem M<strong>in</strong>imo nicht<br />

fehlen durfte. Fortan besuchte<br />

der kle<strong>in</strong>e Zauberer die Familie<br />

des Wildhüters regelmäßig<br />

und schloss auch bald Freundschaft<br />

mit anderen Dorfbewohnern.<br />

Vor Zaubertränken nahm<br />

er sich se<strong>in</strong> ganzes Leben lang<br />

<strong>in</strong> acht, und als der Magier zuletzt<br />

von ihm hörte, zählte<br />

M<strong>in</strong>imo immerh<strong>in</strong> 287 Jahre<br />

– und wer weiß, wie alt er heute<br />

se<strong>in</strong> mag.


18 O-Ton<br />

„Hilfe, die Eltern me<strong>in</strong>es<br />

Freundes saufen!“<br />

„Dies ist e<strong>in</strong>e moderne Geschichte, die so im <strong>TP</strong>-Chat abgelaufen se<strong>in</strong> könnte“,<br />

schrieb uns dazu Autor Heiko Gliesche-Neumann. Redigiert haben wir nicht. Chat<br />

bleibt eben Chat. Aber lesen Sie selbst.<br />

tanja 22<br />

Also, ich selber b<strong>in</strong> 22 Jahre<br />

und studiere Grundschulpädagogik.<br />

Es geht „nur“ um<br />

die Eltern me<strong>in</strong>es Freundes.<br />

Me<strong>in</strong> Freund und ich s<strong>in</strong>d fast<br />

e<strong>in</strong> Jahr zusammen und anfangs<br />

wusste ich natürlich von<br />

nichts. Bis zu se<strong>in</strong>em Geburtstag<br />

im Sommer. Se<strong>in</strong>e Eltern,<br />

er, ich und me<strong>in</strong>e Eltern wollten<br />

zusammen essen gehen. Zu<br />

Beg<strong>in</strong>n war’s eigentlich auch<br />

ganz harmonisch, obwohl ich<br />

schon ahnte, dass mit se<strong>in</strong>er<br />

Mutter etwas nicht alles klar<br />

war. Unterdessen hatte sie angefangen<br />

erst leicht, dann aber<br />

heftig zu lallen, stieß Gläser<br />

um, hatte Schwierigkeiten<br />

beim Aufstehen.und konnte<br />

auch nicht mehr geradeaus<br />

laufen. Sie wirkte desorientiert.<br />

Ich dachte, sie hätte irgende<strong>in</strong>e<br />

Krankheit, aber dass me<strong>in</strong><br />

Freund sauer auf sie war und<br />

ihr auch nicht zur Hand gehen<br />

wollte, verunsicherte mich nur<br />

noch mehr. An dem Abend hat<br />

er mit mir geredet und mir alles<br />

erzählt. Sie wär wohl seit<br />

drei oder vier Jahren alkohol-<br />

abhängig. Aber dass sie es ausgerechnet<br />

zu se<strong>in</strong>em Geburtstag<br />

so übertreiben musste, als<br />

unsere Eltern sich eigentlich<br />

das erste Mal kennenlernen<br />

sollten und se<strong>in</strong>e Mutter ihm<br />

doch hoch und heilig versprochen<br />

hatte nicht so viel zu tr<strong>in</strong>ken.<br />

Das hat ihn schwer enttäuscht<br />

und wahns<strong>in</strong>nig fertig<br />

gemacht. Mir ist dann auch<br />

klar geworden, warum sie mir<br />

immer und immer wieder<br />

dieselben Fragen stellt und so<br />

„komisch“ ist. Mit e<strong>in</strong>em Mal<br />

konnte ich etwas damit anfangen.<br />

Seit dem geme<strong>in</strong>samen<br />

Geburtstagsabend hat sich leider<br />

nichts verändert was ihre<br />

Situation betrifft. Sie tr<strong>in</strong>kt fast<br />

jeden Abend Alkohol und kann<br />

sich morgens meist an vieles<br />

nicht mehr er<strong>in</strong>nern. Wenn sie<br />

betrunken ist sagt sie auch oft<br />

D<strong>in</strong>ge zu me<strong>in</strong>em Freund, die<br />

sie wahrsche<strong>in</strong>lich nicht so<br />

me<strong>in</strong>t, aber die verdammt weh<br />

tun. Me<strong>in</strong> Freund ist so ziemlich<br />

der großartigste Mensch<br />

der Welt, aber se<strong>in</strong>e Mutter behandelt<br />

ihn oft ungerecht. Er<br />

ist 23 und nur am Wochenende<br />

zu Hause <strong>in</strong> dem kle<strong>in</strong>en Reihenhäuschen.<br />

Aber er schämt<br />

sich so sehr für se<strong>in</strong>e Eltern,<br />

dass er mit niemandem darüber<br />

reden will, zumal er auch<br />

unter den Verwandten ke<strong>in</strong>en<br />

hat, mit dem er reden will. Ich<br />

b<strong>in</strong> froh, dass er wenigstens mit<br />

mir offen spricht. Wenn auch<br />

sehr selten. Aber ich kann ihm<br />

nicht wirklich helfen, weil ich<br />

mich da nicht so auskenne. Vor<br />

e<strong>in</strong> paar Wochen ist mir dann<br />

noch bewusst geworden, dass<br />

nicht nur die Mutter, sondern<br />

auch se<strong>in</strong> Vater e<strong>in</strong> Problem,<br />

e<strong>in</strong> Alkoholproblem, hat. Der<br />

wiederum wirkt völlig anders,<br />

wenn er getrunken hat. Im Gegensatz<br />

zur Mutter. Er ist total<br />

locker, voll entspannt, lieb und<br />

nett. Aber als ich letztes Mal<br />

vormittags überraschend da<br />

war, schien mir, dass er voll<br />

anf<strong>in</strong>g zu zittern, solange er<br />

nichts getrunken hatte. Aber<br />

sobald er etwas tr<strong>in</strong>kt – nur e<strong>in</strong>en<br />

Cognac wegen des gammeligen<br />

Magens – wird er wieder<br />

„normal“. Me<strong>in</strong> Freund me<strong>in</strong>te<br />

auch, dass se<strong>in</strong>e Eltern beide<br />

e<strong>in</strong> Problem haben und er hat<br />

wohl auch schon das e<strong>in</strong>e oder<br />

andere Mal mit ihnen geredet.<br />

Aber sie wollen es nicht wahrhaben.<br />

Sie sche<strong>in</strong>en schon ganz<br />

schön neben der Spur zu laufen.<br />

Sie behaupten jedenfalls,<br />

dass sie gar nicht viel tr<strong>in</strong>ken,<br />

jederzeit aufhören könnten und<br />

ke<strong>in</strong> Problem hätten – was<br />

wahrsche<strong>in</strong>lich typisch ist für<br />

alle Alkoholiker. Aber ausser<br />

mir hat er ja nur se<strong>in</strong>e Eltern<br />

und man muss ihnen doch helfen<br />

- irgendwie. Überall lese<br />

ich, dass Alkoholkranken nur<br />

geholfen werden kann, wenn<br />

sie es auch selber wollen, aber<br />

vielleicht gibt es ja doch irgende<strong>in</strong>e<br />

Möglichkeit Ihnen<br />

begreiflich zu machen, dass sie<br />

wirklich e<strong>in</strong> Problem haben.<br />

Ich möchte ihnen und vor allem<br />

me<strong>in</strong>em Freund helfen, damit<br />

es ihm gut geht. Ich möchte<br />

ihn nicht so leiden sehen, wenn<br />

wir wieder mal abends bei ihm<br />

s<strong>in</strong>d. Er ist zwar meistens bei<br />

mir, aber er kann sich ja auch<br />

nicht auf Dauer bei mir verstecken<br />

und hoffen dass irgendwie<br />

alles wieder gut wird. Das<br />

ist ihm auch völlig klar. Er weiß<br />

e<strong>in</strong>fach selber nicht mehr, was<br />

er machen soll. Er redet eben<br />

mit niemandem und schluckt<br />

das alles nur h<strong>in</strong>unter. Ich hab<br />

ke<strong>in</strong>e Ahnung, wie er das die<br />

letzten Jahre ausgehalten hat.<br />

Ich hoffe so sehr, dass man ihnen<br />

irgendwie helfen kann,<br />

bevor es zu spät ist. Er me<strong>in</strong>te<br />

gestern, dass er Angst hat, dass<br />

es ihm allmählich egal wird.<br />

Aber ich weiß, dass er sich später<br />

wahns<strong>in</strong>nige Vorwürfe machen<br />

wird, wenn er jetzt nichts<br />

unternimmt. Er liebt doch se<strong>in</strong>e<br />

Eltern.<br />

Wenn es e<strong>in</strong>en Plan geben<br />

würde, wie man e<strong>in</strong>en Alkoholiker<br />

wieder <strong>in</strong> die Spur br<strong>in</strong>gen<br />

könnte, dann würde es<br />

wohl nicht so viele davon geben.<br />

Nanna<br />

also ich würde wohl versuchen,<br />

de<strong>in</strong>en freund erstmal zu ner<br />

suchtselbsthilfegruppe zu schicken.<br />

die gibt es auch für angehörige.<br />

entweder das ... oder<br />

wenn er sich den schritt noch<br />

Zeichnung: HGN


nicht zutraut (da er ja bisher nie<br />

mit jemand anderem drüber<br />

geredet hat) erzähl ihm vom<br />

forum hier. hier kann er <strong>in</strong> aller<br />

ruhe gucken, mitlesen...<br />

und vielleicht auch irgendwann<br />

mal etwas schreiben, um<br />

was los zu werden... bei menschen,<br />

die se<strong>in</strong>e situation nachvollziehen<br />

können. ist es hier<br />

ja doch um e<strong>in</strong>iges anonymer<br />

als persönlich vor aller augen<br />

<strong>in</strong> ner gruppe zu sitzen.<br />

am wichtigsten ist, dass er sich<br />

selber mehr sieht. klar macht<br />

er sich gedanken und sorgen<br />

um se<strong>in</strong>e eltern. aber denen<br />

kann er nicht wirklich helfen...<br />

das kann ke<strong>in</strong>er, solange die<br />

e<strong>in</strong>sicht fehlt. und wie du sagst<br />

hat er ja schon e<strong>in</strong>ige male mit<br />

ihnen über das problem gesprochen.<br />

wenn dann grundsätzlich<br />

ke<strong>in</strong>e krankheitse<strong>in</strong>sicht<br />

passiert ... dann ist da<br />

nicht viel zu machen.<br />

jetzt muß er erstmal für sich<br />

sehen, dass es ihm gut geht. er<br />

sollte versuchen, sich von se<strong>in</strong>en<br />

eltern so weit zu lösen, dass<br />

ihr verhalten se<strong>in</strong> leben nicht<br />

mehr so krass bee<strong>in</strong>trächtigt.<br />

er sollte akzeptieren, dass es<br />

nicht se<strong>in</strong> d<strong>in</strong>g ist, wie die<br />

eltern leben - mehr oder weniger<br />

verantwortungsvoll - und<br />

selber entscheiden, wie sie ihr<br />

eigenes leben leben möchten.<br />

ich weiß, dass das jetzt alles<br />

nicht das ist, was man <strong>in</strong> so<br />

e<strong>in</strong>em moment hören möchte<br />

... aber glaub mir, wenn man<br />

lernt, sich zu lösen und genug<br />

abstand <strong>in</strong> die sache br<strong>in</strong>gt,<br />

dann geht es e<strong>in</strong>em besser. die<br />

gedanken und sorgen bleiben,<br />

aber man kann sie dann auch<br />

mal damit abtun, dass man<br />

sich sagt: ok, so wollen sie leben.<br />

das akzeptiere ich. es ist<br />

hart und schwer... aber wenn<br />

er den richtigen dreh gefunden<br />

hat, dann wird er sich vielleicht<br />

besser fühlen, bzw besser<br />

damit leben können.<br />

rosa<br />

ich kann das sehr gut nachvollziehen,<br />

wie er sich fühlen muss<br />

... er steht noch so sehr am anfang,<br />

hat sich erstmal nur dir<br />

etwas geöffnet. und das ist<br />

auch gut und wichtig. auch ich<br />

habe erst mit etwa 25 jahren<br />

angefangen anzunehmen, dass<br />

me<strong>in</strong>e eltern ihr eigenes leben<br />

haben. dass ich nicht für sie<br />

verantwortlich b<strong>in</strong>, dass nicht<br />

ich diejenige b<strong>in</strong>, die sich deswegen<br />

verstecken muß oder<br />

irgendwas schön reden fremden<br />

gegenüber... diese ständige<br />

lügerei ist schrecklich, wenn<br />

man selber immer mehr die augen<br />

öffnet und sieht, dass etwas<br />

absolut gar nicht stimmt.<br />

ich wünsche dir und de<strong>in</strong>em<br />

freund auf jeden fall kraft. und<br />

vielleicht mag er sich ja auch<br />

mal hier blicken lassen. ich<br />

würde mich auf jeden fall freuen<br />

:-)<br />

hier seid ihr auf jeden fall<br />

immer willkommen und man<br />

kann sich mal austauschen mit<br />

leuten, die ähnliche erfahrungen<br />

machen mussten.<br />

tanja 22<br />

Ich hab mir schon so etwas<br />

gedacht, aber vielleicht b<strong>in</strong> ich<br />

zu naiv und kann das e<strong>in</strong>fach<br />

nicht verstehen, dass man da<br />

nicht helfen kann. Ich weiß<br />

nicht, ob ich ihm sagen soll<br />

und kann: Versuch dich von<br />

de<strong>in</strong>en Eltern zu lösen, du<br />

kannst ihnen nicht helfen. Ich<br />

me<strong>in</strong>e, ich hab von der ganzen<br />

Thematik ke<strong>in</strong>e Ahnung, aber<br />

ich hab Angst, dass er und se<strong>in</strong>e<br />

Eltern und unsere Beziehung<br />

daran kaputt gehen.<br />

Ich hab ihm vor Wochen schon<br />

mal das Forum gezeigt, aber er<br />

will da nicht wirklich ran,<br />

darüber reden, obwohl ich ihm<br />

auch gesagt habe, dass es ihm<br />

gut tun wird. Er bunkert das<br />

Thema e<strong>in</strong>fach weg. Das Verdrängen<br />

hat er voll vom Vater.<br />

Ich weiß nur nicht ob das richtig<br />

ist ...<br />

Ich versuche wirklich immer<br />

für ihn da zu se<strong>in</strong>, aber ich<br />

kann ihm nicht se<strong>in</strong>e Eltern,<br />

also se<strong>in</strong>e ganze Familie ersetzen.<br />

Soll er denn wirklich mit dem<br />

Thema versuchen abzuschließen<br />

und se<strong>in</strong>e Eltern ihren eigenen<br />

Weg gehen lassen?<br />

Mir tut auch se<strong>in</strong> Vater so leid.<br />

So wie ich das mitbekommen<br />

habe, hat zuerst die Mutter<br />

me<strong>in</strong>es Freundes getrunken<br />

und se<strong>in</strong> Vater hat sich dann<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>e Sche<strong>in</strong>welt geflüchtet,<br />

weil er mit der ganzen Sache<br />

nichts zu tun haben will. Aber<br />

ansche<strong>in</strong>end hat er ebenfalls<br />

den Weg <strong>in</strong> den Alkohol gewählt.<br />

Er will aber auch nicht<br />

verstehen, dass er e<strong>in</strong> Problem<br />

hat, das heißt <strong>in</strong> letzter Zeit soll<br />

er mit se<strong>in</strong>er Frau öfters wieder<br />

abends zusammen weggehen<br />

und nüchtern zurückkommen.<br />

vielleicht ist es wirklich naiv<br />

von mir, aber mir fällt es<br />

schwer zu glauben, dass es so<br />

ist, wie es ist, dass ich es akzeptieren,<br />

loslassen muss.<br />

Pauli<br />

du sollst/kannst ihm weder die<br />

familie ersetzen, noch ihn zu<br />

irgendwas überreden, zu was<br />

er eigentlich noch gar nicht bereit<br />

ist. zeig ihm lediglich wege<br />

auf (also z. b. das forum hier<br />

... oder shg´s oder diakonie<br />

usw), die er e<strong>in</strong>schlagen kann.<br />

so weiß er zum<strong>in</strong>dest schon<br />

mal, dass es anlaufstellen gibt,<br />

an die er sich wenden kann und<br />

hier durchaus menschen s<strong>in</strong>d,<br />

die se<strong>in</strong> gefühlschaos nachvollziehen<br />

können usw. mehr<br />

kannst du nicht tun. sei e<strong>in</strong>fach<br />

für ihn da und unterstütze ihn,<br />

gib ihm mut, wenn er soweit<br />

ist, dass er se<strong>in</strong>en weg anders<br />

e<strong>in</strong>schlagen will als bisher.<br />

ke<strong>in</strong>er redet davon, dass er se<strong>in</strong>en<br />

eltern ganz aus dem weg<br />

gehen soll. aber es wird für ihn<br />

evtl. e<strong>in</strong>e zeit kommen, <strong>in</strong> der<br />

er für sich selber merkt, dass<br />

er so nicht mehr weiter mitmachen<br />

will bei dem ewigen lügenschauspiel<br />

„heile welt“.<br />

und dann solltest du für ihn da<br />

se<strong>in</strong>, ihn ermutigen, die schritte<br />

zu unternehmen, die er für<br />

se<strong>in</strong> leben gehen will.<br />

und zu se<strong>in</strong>em vater: klar ist<br />

es traurig, wenn sich der ehepartner<br />

aus solidarität, hilflosigkeit,<br />

wunsch nach verdrängung<br />

o.ä. auch auf die schiene<br />

alkohol begibt. aber auch das<br />

O-Ton 19<br />

war se<strong>in</strong> weg, den er gehen<br />

wollte... sonst hätte er es anders<br />

gemacht. und wenn er es<br />

ändern wollen würde, dann<br />

würde er es vielleicht tun - ist<br />

vielleicht schon dabei, was<br />

weißt denn du?<br />

ich kann ehrlich nachvollziehen,<br />

<strong>in</strong> was für e<strong>in</strong>em chaos<br />

de<strong>in</strong> freund sich bef<strong>in</strong>det... und<br />

er hat leider noch e<strong>in</strong>en harten<br />

weg vor sich. aber solange<br />

er noch nicht bereit ist, sich zu<br />

öffnen oder hilfe von aussen<br />

zuzulassen, kann ihm ke<strong>in</strong>er<br />

wirklich helfen. auch du nicht.<br />

und du solltest dich deswegen<br />

auch nicht unter druck setzen.<br />

an der situation kannst du (ihr)<br />

nichts ändern. ändern kann<br />

nur er etwas, <strong>in</strong>dem er anders<br />

damit umzugehen lernt, wenn<br />

er dazu bereit ist.<br />

rosa<br />

hallo leute!, ich glaube tanjas<br />

lover ist im chat, irre ...<br />

Nanna<br />

In der Tat! Wie abgefahren ist<br />

das denn? Die volle Peilung!<br />

tanja 22<br />

Gestern haben uns se<strong>in</strong>e Eltern<br />

gefragt, ob wir über die Feiertage<br />

und den Jahreswechsel<br />

h<strong>in</strong>aus ihr Häuschen e<strong>in</strong>hüten<br />

könnten - vermutlich für m<strong>in</strong>destens<br />

acht Wochen. Sie hätten<br />

da mal was vor, wir würden<br />

schon verstehen, später.<br />

rosa<br />

aber hallo nochmal! gratulation<br />

ihr glückspilze. spurwechsel<br />

angesagt. kommt besser als<br />

bestens. völlig abgefahren das,<br />

riecht verschärft nach fachkl<strong>in</strong>ik<br />

und langzeittheraphie!<br />

Das TrokkenPresse-Forum<br />

f<strong>in</strong>den Sie im Internet über<br />

www.trokkenpresse.de<br />

Menuepunkte Service / Forum


20 History<br />

An dieser Stelle widmen wir uns Diagnostik und Therapie der Alkoholabhängigkeit aus vergangenen<br />

Jahrhunderten. Wir wollen das nicht wissenschaftlich betreiben, sondern uns e<strong>in</strong>fach <strong>in</strong>teressante,<br />

traurige und lustige Ausschnitte aus den Quellen herausgreifen, die uns zur Verfügung stehen.<br />

E<strong>in</strong>sendungen unserer Leser s<strong>in</strong>d willkommen<br />

Die lange Geschichte des Alkohols<br />

Laut Josef H. Reichholf (2008) geht der<br />

Ackerbau und damit die Sesshaftwerdung<br />

sogar <strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie aufs Bierbrauen zurück,<br />

da Met, e<strong>in</strong> „Honigwe<strong>in</strong>“, nie ausreichend<br />

zur Verfügung stehen konnte. So f<strong>in</strong>den sich<br />

<strong>in</strong> ägyptischen Schriftrollen der III. Dynastie<br />

sowie auf altmesopotamischen Keilschrifttafeln<br />

H<strong>in</strong>weise auf die Herstellung<br />

alkoholischer Getränke. Auch <strong>in</strong> der Bibel<br />

wird der Alkohol erwähnt, etwa <strong>in</strong> Gen<br />

9,18 LUT.<br />

Biere, später auch We<strong>in</strong>e wurden mit Hilfe<br />

von Wildhefen erzeugt. Meist hatten solche<br />

Alltagsgetränke e<strong>in</strong>en deutlich ger<strong>in</strong>geren<br />

Alkoholgehalt als heute, da die Wildhefen<br />

ab e<strong>in</strong>er bestimmten Alkoholkonzentration<br />

die Umwandlung von Zucker <strong>in</strong> Alkohol<br />

e<strong>in</strong>stellen, weil sie sich ansonsten<br />

selbst vergiften würden. Durch jahrhundertelange<br />

Züchtung tolerieren heutige Kulturhefen<br />

(Saccharomyces cerevisiae) höhere<br />

Ethanolgehalte. Auch <strong>in</strong> diesen alten Zeiten<br />

wurde Alkohol bereits aufgrund se<strong>in</strong>er<br />

berauschenden Wirkung getrunken. So<br />

heisst es <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em ägyptischen Text über das<br />

Verhalten junger Männer: „Du verlässt die<br />

Bücher und gehst von Schenke zu Schenke;<br />

der Biergenuss allabendlich, der Biergeruch<br />

verscheucht die Menschen von dir.<br />

In der Antike wurde der We<strong>in</strong> schliesslich<br />

e<strong>in</strong> wesentlicher Bestandteil römischer und<br />

griechischer Kultur. Beide Kulturen bedachten<br />

ihn mit e<strong>in</strong>er eigenen Gottheit:<br />

Bacchus bzw. Dionysos. Ebenso sahen die<br />

Germanen den Met, der ebenfalls zu den<br />

frühesten alkoholischen Getränken gehört,<br />

als Geschenk der Götter an.<br />

Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen<br />

Türkei um etwa 1000 n. Chr. die Destillation<br />

von We<strong>in</strong> zur Herstellung hochprozentiger<br />

Branntwe<strong>in</strong>e entwickelt. So war es<br />

möglich, den Spiritus v<strong>in</strong>i (Geist des We<strong>in</strong>es)<br />

aus We<strong>in</strong> herzustellen. In Ostasien<br />

wurden schon früh We<strong>in</strong>e aus Litschi und<br />

Pflaumen hergestellt sowie der Sake, e<strong>in</strong><br />

Tr<strong>in</strong>kerheilanstalt & Co. (6)<br />

warm genossener Reiswe<strong>in</strong>, dessen Herstellungsprozess<br />

dem des Bieres ähnelt.<br />

Während des Dreissigjährigen Krieges stieg<br />

<strong>in</strong> Mitteleuropa der Bedarf an berauschenden<br />

Getränken (Verarmung, Zerrüttung),<br />

während das Angebot stagnierte (Ernteausfälle,<br />

Rückgang des We<strong>in</strong>baus, Unsicherheit<br />

des Transportes). Mit Branntwe<strong>in</strong><br />

konnte dem am leichtesten begegnet werden.<br />

Der Handel, z.T. auch die Produktion<br />

der Spirituosen lagen damals <strong>in</strong> Osteuropa<br />

oft <strong>in</strong> den Händen von Juden, während<br />

ihnen dies <strong>in</strong> Westeuropa teilweise verboten<br />

war.<br />

Mitte des 18. Jahrhunderts vergrösserte sich<br />

mit der Neuen Welt die landwirtschaftlich<br />

nutzbare Fläche des Königreichs England<br />

um e<strong>in</strong> Vielfaches. Dies führte <strong>in</strong> der Folge<br />

zu s<strong>in</strong>kenden Getreidepreisen und e<strong>in</strong>er<br />

damit verbundenen Verarmung der<br />

Unterschicht. Die Überproduktion an Getreide<br />

wurde zum Teil zur Herstellung von<br />

G<strong>in</strong> genutzt, der <strong>in</strong> den Armenvierteln des<br />

Mutterlandes dankbare Abnehmer fand.<br />

Zeitweise kostete e<strong>in</strong>e Kalorie G<strong>in</strong> weniger<br />

als e<strong>in</strong>e Kalorie Brot. In der Folge entwickelte<br />

sich die G<strong>in</strong>-Krise, welche die da-<br />

malige Regierung erst durch e<strong>in</strong>e Reihe von<br />

Gesetzen (hohe Steuern auf G<strong>in</strong>, Erschwerung<br />

des Handels, Ausgabe von Lizenzen für<br />

Händler, etc.) beenden konnte. Erst aus<br />

dieser Zeit f<strong>in</strong>den sich die ersten Schriften,<br />

die sich mit Alkoholabhängigkeit und deren<br />

Folgeerkrankungen beschäftigen. Ebenso<br />

wurde vor diesem H<strong>in</strong>tergrund Alkohol<br />

zum ersten Mal als Ursache für gesellschaftliche<br />

Probleme und Fehlentwicklungen verstanden.<br />

Während sich der Alkoholkonsum Mitte<br />

des 19. Jahrhunderts wieder verr<strong>in</strong>gerte, begann<br />

mit der Industrialisierung wiederum<br />

e<strong>in</strong>e Zeit, <strong>in</strong> der sehr billiger Alkohol auf<br />

breite verarmte Bevölkerungsschichten traf.<br />

Die <strong>in</strong>dustrielle Produktion und die, vor<br />

allem nach dem Zweiten Weltkrieg e<strong>in</strong>setzende,<br />

massive Vermarktung der alkoholischen<br />

Getränke führten zu e<strong>in</strong>em grossen<br />

Überangebot <strong>in</strong> der 1. und 2. Welt. So wurden<br />

die Frauen und seit kurzem die Jugendlichen<br />

zu Zielgruppen der Nachfrage- und<br />

Absatzförderung. Inzwischen zählt man die<br />

alkoholbed<strong>in</strong>gten Schäden zu den Zivilisationskrankheiten.<br />

Quelle: www.gesundheitsfee.ch / Wikipedia


Giftschlangen, falsche Fuffziger<br />

und verstaubte Engel<br />

Menschliche Verhaltensweisen – <strong>in</strong> der Schule und im Betreuten Wohnen<br />

E<strong>in</strong> ganzes Kaleidoskop<br />

menschlicher Verhaltensweisen<br />

hat sich da manchmal aufgetan.<br />

Muss natürlich nicht immer<br />

negativ gesehen werden.<br />

Man kann solchen D<strong>in</strong>gen unter<br />

Umständen auch e<strong>in</strong> paar<br />

positive Seiten abgew<strong>in</strong>nen,<br />

kommt eigentlich immer auf<br />

den Standpunkt des Betrachters<br />

an. Wie <strong>in</strong> der Schule, erste<br />

Klasse, Grundschule, da brachte<br />

doch damals e<strong>in</strong> Typ so e<strong>in</strong><br />

Kaleidoskop mit. „Willste mal<br />

durchgucken?“ „Au ja!“ „Dann<br />

musste beim Durchgucken aber<br />

drehen!“ „ls’ wie Fernsehen.“<br />

„Doll, cool.“ Na, ja, schließlich<br />

drehte die halbe Klasse die<br />

Pappröhrchen vorm Gesicht<br />

und amüsierte sich. So war das<br />

damals jedenfalls –, immerh<strong>in</strong><br />

schon verdammt lange her.<br />

Inzwischen s<strong>in</strong>d wir beim<br />

„Betreuten Wohnen“ gelandet,<br />

so heißt das ja wohl jetzt. Und<br />

das reicht von der schmuddeligen<br />

Unterhose bis zum exklusiven<br />

Zahnersatz und endet<br />

schließlich bei der zwangsläufigen<br />

Kompostierung unter Zuhilfenahme<br />

der dementsprechenden<br />

klassischen Rhythmen.<br />

Na ja, also mit Bösartigkeit<br />

hat das nun überhaupt<br />

nichts zu tun, eher mit Respekt<br />

vor den Übriggebliebenen und<br />

den sollte man nun wahrlich<br />

haben, auch weil man davon<br />

ausgeht, dass Altwerden nicht<br />

unbed<strong>in</strong>gt als e<strong>in</strong> Verdienst anzusehen<br />

ist – jeder Idiot kann<br />

das. Aber so genau will man das<br />

unter Umständen gar nicht wissen,<br />

weil man möglicherweise<br />

die eigene Integrität damit <strong>in</strong><br />

Zweifel ziehen könnte und wer<br />

macht das schon gerne?<br />

„Betreutes Wohnen“, das hört<br />

sich doch wenigstens großartig<br />

an, das hat e<strong>in</strong>en Klang wie<br />

Florence Night<strong>in</strong>gale, „die Frau<br />

mit der Lampe“, als die sie e<strong>in</strong>st<br />

mit Kerzenlicht im Krimkrieg<br />

durch die erbärmlichen Lazarette<br />

geisterte und immerh<strong>in</strong><br />

re<strong>in</strong>e Menschlichkeit anstelle<br />

von Mullb<strong>in</strong>den verteilte. Natürlich<br />

kann niemand der Florence<br />

unterstellen, sie hätte aus<br />

Trokkensatire 21<br />

bl<strong>in</strong>dem Aktionismus so gehandelt.<br />

Hat sie nicht, war<br />

schließlich immer e<strong>in</strong> edles Gespür<br />

e<strong>in</strong>er goldenen Uhrkette<br />

mit im Spiel, an der das ganze<br />

britische Weltreich baumelte.<br />

Soweit haben wir das nie gebracht.<br />

Joachim Seiler<br />

Wir freuen uns, dass uns Joachim<br />

Seiler nach langer Krankheit wieder<br />

Beiträge zusenden kann. In<br />

diesem Beitrag befasst er sich<br />

ausnahmsweise nicht mit dem<br />

Alkoholismus, sondern mit den<br />

Erfahrungen, die er <strong>in</strong> anderen Lebensbereichen<br />

gesammelt hat.<br />

Wie immer, bleibt er auch jetzt der<br />

Satire treu.<br />

Die Redaktion


22 Weihnachtsgeschichte<br />

Wasser zu Weihnachten<br />

E<strong>in</strong>e Geschichte von Irmgard Manno-Kortz<br />

Es war e<strong>in</strong>mal e<strong>in</strong> Mann, der<br />

trank zu viel, aber ke<strong>in</strong> Wasser,<br />

sondern Alkohol, und als<br />

er genug getrunken hatte, verlor<br />

er se<strong>in</strong>e Arbeit, se<strong>in</strong>e Freunde<br />

zogen sich zurück und se<strong>in</strong>e<br />

Frau trennte sich von ihm.<br />

Er wohnte nun ganz alle<strong>in</strong> <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>em kle<strong>in</strong>en Apartment <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Hochhaus. Wenn er es<br />

recht bedachte, was er manchmal<br />

tat, hatte er sich se<strong>in</strong><br />

Schicksal zum<strong>in</strong>dest teilweise<br />

selbst zuzuschreiben. Er hätte<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Zustand se<strong>in</strong>e Arbeit,<br />

die er eigentlich liebte,<br />

zuletzt gar nicht mehr richtig<br />

durchführen können. Er hatte<br />

se<strong>in</strong>e Freunde vielfach enttäuscht<br />

und sich diverse Male<br />

daneben benommen. Und se<strong>in</strong>e<br />

Frau war nicht mehr bereit<br />

gewesen, sich von ihm im Suff<br />

beschimpfen zu lassen und h<strong>in</strong>terher,<br />

wenn er wieder nüchtern<br />

war, se<strong>in</strong>e tränenreichen<br />

Entschuldigungen zu akzeptieren.<br />

Nun war Heiligabend, und<br />

er hatte <strong>in</strong> der Wärmestube am<br />

Potsdamer Platz, <strong>in</strong> der er<br />

manchmal sogar bei der Essenausgabe<br />

half (schließlich war<br />

er ja ke<strong>in</strong> Obdachloser und<br />

wollte sich das Essen nicht<br />

schenken lassen), an der An-<br />

dacht der jungen Pastor<strong>in</strong> teilgenommen.<br />

Er hätte zum<br />

Abendessen da bleiben können,<br />

aber er hatte sich heute so<br />

elend und traurig gefühlt, dass<br />

er alle<strong>in</strong> se<strong>in</strong> wollte, und so war<br />

er nach Hause gegangen.<br />

Als er so dasaß und wartete,<br />

dass es dunkel würde, kl<strong>in</strong>gelte<br />

es plötzlich. Der Mann<br />

erschrak, denn er hatte nicht<br />

mit Besuch gerechnet. Er betätigte<br />

den Türöffner und wartete<br />

e<strong>in</strong>e Weile, aber er hörte<br />

ke<strong>in</strong> Fahrstuhlgeräusch und<br />

auch ke<strong>in</strong>e Schritte im Treppenhaus,<br />

und so öffnete er<br />

schließlich die Tür, um zu sehen,<br />

ob jemand davorstand,<br />

aber da war niemand. Allerd<strong>in</strong>gs<br />

musste jemand da gewesen<br />

se<strong>in</strong>, denn e<strong>in</strong> Päckchen<br />

lag auf der Fußmatte; er wunderte<br />

sich, trug es <strong>in</strong>s Wohnzimmer,<br />

machte Licht, entfernte<br />

das Weihnachtspapier und<br />

riss den Pappkarton auf. Der<br />

Inhalt war enttäuschend, es<br />

war e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Flasche M<strong>in</strong>eralwasser;<br />

dabei lag e<strong>in</strong> Zettel<br />

mit den Worten: „Wasser des<br />

Lebens“. Der Mann war zuerst<br />

verblüfft, dann lachte er ärgerlich<br />

auf und sagte zu sich<br />

selbst: „Da wollte jemand sehr<br />

witzig se<strong>in</strong>.“<br />

Er setzte sich wieder <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en<br />

Sessel, aber fast gegen se<strong>in</strong>en<br />

Willen begann er darüber<br />

nachzudenken, wer ihm diesen<br />

albernen Streich gespielt hatte.<br />

Als Erste fiel ihm die junge<br />

Pastor<strong>in</strong> e<strong>in</strong>, die es vielleicht<br />

gut geme<strong>in</strong>t und nun mit dem<br />

Bibelwort ihren Rat etwas geschmacklos<br />

ausgedrückt hatte.<br />

Wenigstens das wollte er ihr<br />

sagen. Er griff zum Telefon,<br />

wählte ihre Handynummer<br />

und meldete sich.<br />

Sie war so erfreut über se<strong>in</strong>en<br />

Anruf, dass sie ihn gar<br />

nicht zu Wort kommen ließ.<br />

„Wie lieb, dass Sie sich melden!<br />

Ich hatte mir schon solche<br />

Sorgen um Sie gemacht,<br />

als Sie vorh<strong>in</strong> so schnell weg<br />

waren! Nun b<strong>in</strong> ich wirklich erleichtert,<br />

denn, wissen Sie, mir<br />

liegt viel an Ihnen.“<br />

Der Mann hatte nie darüber<br />

nachgedacht, dass er für die<br />

Pastor<strong>in</strong> mehr se<strong>in</strong> könne als<br />

e<strong>in</strong> anonymer Klient, und das<br />

sagte er ihr.<br />

„Aber ne<strong>in</strong>!“, rief die Frau.<br />

„E<strong>in</strong> Mensch ist so wertvoll, es<br />

gibt überhaupt nichts, was<br />

wertvoller wäre. Jeder Mensch<br />

trägt das Bild Gottes <strong>in</strong> sich,<br />

und das muss auch Ihnen bewusst<br />

se<strong>in</strong>.“<br />

„Ich wollte Ihnen für Ihr<br />

Geschenk danken. Taktvoll<br />

war es gerade nicht.“<br />

Die junge Frau verstand<br />

zunächst nicht, was der Mann<br />

me<strong>in</strong>te, aber dann erklärte sie<br />

energisch, mit diesem dummen<br />

Scherz nichts zu tun zu haben.<br />

Als das Gespräch zu Ende<br />

war, verspürte der Mann e<strong>in</strong><br />

leises Gefühl <strong>in</strong>nerer Freude.<br />

Es gab also jemanden, der <strong>in</strong><br />

ihm noch e<strong>in</strong>en Wert sah. Das<br />

tat gut.<br />

Doch das Rätsel um das Geschenk<br />

war damit nicht gelöst.<br />

Als Nächstes suchte der Mann<br />

aus dem Telefonbuch die Nummer<br />

e<strong>in</strong>es ehemaligen Arbeitskollegen<br />

heraus, mit dem er<br />

sich früher immer gut verstanden<br />

hatte. Der Kollege freute<br />

sich sehr über den Anruf.<br />

„Das ist toll, dass du dich<br />

gerade heute meldest! Du hast<br />

de<strong>in</strong>e alten Freunde also doch<br />

nicht ganz vergessen!“, rief<br />

er. „Frohe Weihnachten! Mir<br />

sche<strong>in</strong>t, wenn du dich meldest,<br />

geht es dir wieder besser. Ach,<br />

das ist super. Du hast uns allen<br />

so gefehlt. Wir haben oft von<br />

dir gesprochen und uns gewünscht,<br />

alles wäre so wie früher.“<br />

Als der Mann schließlich zu<br />

Wort kam und nach dem Geschenk<br />

fragte, lachte der Arbeitskollege<br />

und versicherte,<br />

nichts damit zu tun zu haben.<br />

„Aber wenn du willst, kannst<br />

du morgen gern zum Kaffee zu<br />

uns kommen“, fügte er h<strong>in</strong>zu.<br />

Me<strong>in</strong>e Frau hat jede Menge Kuchen<br />

da.<br />

Der Mann war so überrascht,<br />

dass er sofort zusagte. Als er den<br />

Hörer aufgelegt hatte, fühlte er<br />

sich ganz gerührt. Die alten<br />

Freunde hatten ihn nicht vergessen!<br />

Gab es vielleicht doch<br />

noch Hoffnung auf e<strong>in</strong>e Umkehr?<br />

Nun fiel ihm nur noch se<strong>in</strong>e<br />

Frau als Ursache für das<br />

Geschenk e<strong>in</strong>. Er wählte ihre<br />

Nummer und hätte den Hörer<br />

fast wieder aufgelegt, so lange<br />

dauerte es, bis sie abnahm.<br />

Ihre Stimme klang verwe<strong>in</strong>t,<br />

das konnte er deutlich wahrnehmen.<br />

Als sie hörte, dass er<br />

Foto: cm11 / photocase.com


es war, der anrief, f<strong>in</strong>g sie so<br />

bitterlich an zu we<strong>in</strong>en, dass es<br />

ihm das Herz zuschnürte. Bevor<br />

er se<strong>in</strong> Anliegen erklären<br />

konnte, musste er sie trösten<br />

und beruhigen.<br />

„Du fehlst mir so schrecklich“,<br />

klagte sie. „Ich kann ohne<br />

dich nicht glücklich werden.<br />

Du bist die große Liebe me<strong>in</strong>es<br />

Lebens. Bitte hör doch auf<br />

zu tr<strong>in</strong>ken und lass uns e<strong>in</strong>en<br />

neuen Anfang machen! Dass<br />

du mich heute anrufst, gibt mir<br />

Hoffnung, denn das hättest du<br />

nicht getan, wenn ich dir nichts<br />

mehr bedeuten würde. Bitte<br />

sag, dass du es noch e<strong>in</strong>mal<br />

versuchst!“<br />

Vor se<strong>in</strong>em <strong>in</strong>neren Auge<br />

ließ der Mann die glücklichen<br />

ersten Jahre ihrer Ehe vorüberziehen.<br />

Würde er die Kraft für<br />

e<strong>in</strong>e Umkehr f<strong>in</strong>den? Würde er<br />

standhaft se<strong>in</strong> und Hilfe akzeptieren<br />

können? In diesem Moment<br />

schien es ihm, als wäre es<br />

der Mühe wert.<br />

„Wenn du zu mir hältst, will<br />

ich es wagen, sagte er. Übri-<br />

Sich entscheiden ist hier gefragt<br />

gens, hast du mir heute e<strong>in</strong> Geschenk<br />

gebracht?“<br />

„Ne<strong>in</strong>, aber wenn du demnächst<br />

kommst, - nüchtern! -<br />

wirst du e<strong>in</strong> Geschenk von unserem<br />

Sohn kriegen. Der Klei-<br />

ne hat e<strong>in</strong> großes Bild für dich<br />

gemalt und wünscht sich nur,<br />

dass er es dir geben kann.“<br />

Der Mann legte den Hörer<br />

auf und dachte nach. Wer ihm<br />

das seltsame Geschenk ge-<br />

Weihnachtsgeschichte 23<br />

bracht hatte, das würde er wohl<br />

nie herausf<strong>in</strong>den. Aber das<br />

wahre Wasser des Lebens, das<br />

klare Wasser, hatte auch se<strong>in</strong>e<br />

Gedanken klar werden lassen.<br />

Das Wasser des Lebens war<br />

nicht das buchstäbliche Wasser.<br />

Das waren die Wertschätzung,<br />

die Freundschaft und die<br />

Liebe der Menschen, die ihm<br />

etwas bedeuteten. Diese Menschen<br />

würden ihm ab jetzt<br />

wichtiger se<strong>in</strong> als der Alkohol,<br />

das nahm er sich fest vor.<br />

Durch die Gespräche hatte er<br />

erkannt, dass jetzt noch Zeit<br />

war, das gute Verhältnis von<br />

früher zu erneuern. Noch war<br />

es nicht zu spät. Der Weg zu<br />

se<strong>in</strong>en Mitmenschen lag offen<br />

vor ihm. Auch wenn es schwer<br />

werden würde, der Mann war<br />

nun fest entschlossen, diesen<br />

Weg zu gehen.<br />

E<strong>in</strong>e weitere Geschichte von<br />

Irmgard Manno-Kortz f<strong>in</strong>den Sie<br />

auch im „Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch“<br />

Foto: Ka Di / photocase.com


24 Gerichte & Gedichte<br />

Weihnachtsküche: Es muss ja<br />

nicht immer Gans se<strong>in</strong><br />

Clemens von Brentano soll e<strong>in</strong>mal gesagt haben, e<strong>in</strong>e<br />

übergroße Gänseleber, mag sie auch noch so gut schmecken,<br />

setze doch immer e<strong>in</strong>e kranke Gans voraus. Und ist<br />

die heilige Gans erst e<strong>in</strong>mal misslungen, folgt schnell e<strong>in</strong><br />

Streit mit der Familienköch<strong>in</strong> und die Weihnachtstimmung<br />

ist dah<strong>in</strong>. Um solche Fettnäpfchen zu umgehen, hat sich<br />

unser Koch tapfer dazu entschieden, schlicht Wirs<strong>in</strong>g-<br />

Fischrouladen zum Fest zu servieren.<br />

Wirs<strong>in</strong>g- Fischrouladen<br />

(4 Personen)<br />

Wirs<strong>in</strong>gblätter s<strong>in</strong>d schön, gross,<br />

fest und lassen sich leicht verarbeiten.<br />

Beim Fisch denke ich an<br />

Seelachsfilets. Es geht auch mit<br />

schon anderem ähnlichen, selbst<br />

tiefgefrorenen Fisch. Je dünner<br />

und breiter, desto besser.<br />

Zutaten<br />

1 Wirs<strong>in</strong>gkopf frisch und kräftig<br />

8 Fischfilets<br />

Für die Füllung<br />

4 bis 5 verschiedene Genüse, wie<br />

Zwiebel, Fenchel, Karotte, Paprika<br />

verschiedener Farben, Tomate<br />

ca. 8 EL Hirse<br />

1 TL Kräutersalz<br />

1 TL Thymianpulver<br />

1 TL Bohnenkrautpulver<br />

1 TL Kümmelpulver<br />

1 Messerspitze Chilipulver<br />

1 EL gehackte Petersilie<br />

6 EL Olivenöl extra nativ „Kolimvari“<br />

1-2 TL frisch gepresste<br />

Zitronensaft<br />

Für die Sauce<br />

Saft e<strong>in</strong>er Zitrone<br />

2-3 frische Eier<br />

Zubereitung<br />

Die äußeren Wirs<strong>in</strong>gblätter, die<br />

mitunter befallen und nicht so<br />

knackig s<strong>in</strong>d, wegschmeissen<br />

und e<strong>in</strong>ige Blätter für die Rouladen<br />

aufheben. Je nach Größe<br />

kann ich 1 oder 1,5 Blätter pro<br />

Roulade rechnen. Wenn ich für<br />

die ganze Mischpoke kochen<br />

muss, kann ich den ganzen Kopf<br />

(Wirs<strong>in</strong>g) <strong>in</strong>s kochende, gesalzene<br />

Wasser geben und 5 M<strong>in</strong>uten<br />

kochen. Sonst nur die abgenommene<br />

Blätter kochen. Aus<br />

dem Wasser fischen und liegen<br />

lassen. Den Sud bitte aufbewahren,<br />

er ist wichtig.<br />

Weihnachten<br />

Kauft ihr Leute kauft geschw<strong>in</strong>d,<br />

das Christk<strong>in</strong>d ist <strong>in</strong> Sicht,<br />

wer jetzt nicht kauft,<br />

dem ist nicht mehr zu helfen,<br />

der ist bestimmt ke<strong>in</strong> guter Christ<br />

Der hohe Christbaum schmückt<br />

die gute Stube<br />

und <strong>in</strong> der Krippe liegt das K<strong>in</strong>d.<br />

Im Kaufhaus drängen sich die Leute,<br />

als wenn es Morgen nichts<br />

zu kaufen gibt<br />

E<strong>in</strong> jeder schenkt was<br />

niemand braucht<br />

und <strong>in</strong> der,Bank s<strong>in</strong>gt man e<strong>in</strong> Lied<br />

dass wir sollen hoffen, sollen glauben,<br />

denn wir haben noch Kredit<br />

Für die Füllung das Gemüse<br />

fe<strong>in</strong>hacken und mit den anderen<br />

Zutaten <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Schale mischen,<br />

zur Seite stellen. E<strong>in</strong> Teil von<br />

den 5 verschiedenen Gemüsesorten<br />

gebe ich <strong>in</strong> den Wirs<strong>in</strong>gsud<br />

und lasse ihn10 M<strong>in</strong>uten<br />

kochen, um e<strong>in</strong>en fe<strong>in</strong>en Geschmack<br />

zu bekommen.<br />

Fischfilets frisch oder aufgetaut<br />

abwaschen, abtropfen und <strong>in</strong><br />

stabiler Folie e<strong>in</strong>geschlagen. Mit<br />

e<strong>in</strong>em schweren Gegenstand<br />

(Topf), wie Schnitzel kloppen,<br />

damit sie dünner und breiter werden.<br />

Mit Kräutersalz bestreuen<br />

und zur Seite stellen.<br />

Wirs<strong>in</strong>g, Fischfilet und dann die<br />

entsprechenden Füllungsmenge<br />

nehmen und Rouladen basteln,<br />

sodass die Seiten geschlossen<br />

s<strong>in</strong>d. Aber Vorsicht! Nicht zu fest<br />

rollen, die Hirse braucht Platz<br />

zum Quellen. Ich deponiere die<br />

Rouladen vorsichtig <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Kochtopf nebene<strong>in</strong>ander, damit<br />

sie beim Kochen nicht ause<strong>in</strong>ander<br />

quellen. Rouladen mit dem<br />

Sud übergiessen und daran denken,<br />

dass die Hirse m<strong>in</strong>destens das<br />

Dreifache ihrer Menge braucht<br />

und noch genügend Sud für die<br />

Sauce danach benötigt wird. Ich<br />

lege e<strong>in</strong>en Teller auf die Rouladen<br />

und lasse sie 15 bis 20 M<strong>in</strong>uten<br />

köcheln. Vom Herd nehmen<br />

und 15 M<strong>in</strong>uten ruhen lassen.<br />

Die Rouladen vorsichtig auf e<strong>in</strong>e<br />

vorgewärmte Platte packen. Bei<br />

ger<strong>in</strong>ger Hitze mit dem Mixer<br />

oder Schneebesen solange schlagen,<br />

bis e<strong>in</strong>e fe<strong>in</strong>e Sauce entsteht.<br />

Auf die Rouladen kippen<br />

und servieren. Guten Appetit!<br />

Quarkspeise mit Mandar<strong>in</strong>en<br />

und Mandeln<br />

Zutaten<br />

500g Magerquark<br />

2 EL Zucker<br />

1 Paket Vanillezucker<br />

1 Dose Mandar<strong>in</strong>e(n)<br />

3 EL Mandeln, gehackt<br />

200 ml Milch<br />

Zubereitung<br />

Mandar<strong>in</strong>en abschütten und gut<br />

abtropfen lassen. Quark mit<br />

Milch, Zucker und Vanillezucker<br />

gründlich verrühren, bis<br />

sich der Zucker völlig aufgelöst<br />

hat. Dann den größten Teil der<br />

Mandeln unterheben und zum<br />

Schluss die Mandar<strong>in</strong>en – bis<br />

auf e<strong>in</strong>en kle<strong>in</strong>en Rest – zugeben.Mit<br />

den restlichen Mandar<strong>in</strong>en<br />

und Mandeln die f<strong>in</strong>ale<br />

Dekoration gestalten.<br />

HGN<br />

Wir kaufen Gold und auch Brillanten<br />

und auf der Straße we<strong>in</strong>t e<strong>in</strong> K<strong>in</strong>d,<br />

weil se<strong>in</strong>e Mutter es vergessen,<br />

als sie den wahren Glauben<br />

suchen g<strong>in</strong>g<br />

So warten wir denn auf Erlösung,<br />

so wie wir’s tun <strong>in</strong> jedem Jahr<br />

und warten wieder nur vergebens<br />

und darum kaufen wir,<br />

was – ist egal<br />

Und <strong>in</strong> den Kirchen läuten<br />

schon die Glocken<br />

und jemand spricht von Liebe,<br />

die es gibt<br />

und vom Erlöser und vom Hoffen<br />

und <strong>in</strong> Bethlehem – ist wieder Krieg<br />

Rolf Balschun<br />

Zeichnung: HGN


Märchenautor<strong>in</strong> im Cafe Q43<br />

(K) E<strong>in</strong> W<strong>in</strong>termärchen!<br />

Präsentation des Tr<strong>in</strong>kermärchenbuches<br />

im Berl<strong>in</strong>er Café Q 43<br />

Der TrokkenPresse Verlag hatte<br />

aufgerufen, selbstgeschriebene<br />

Märchen für e<strong>in</strong> Tr<strong>in</strong>kermärchenbuch<br />

zu schreiben und<br />

e<strong>in</strong>zusenden. Die Resonanz war<br />

mehr als überraschend. Mit der<br />

Zahl von <strong>in</strong>sgesamt 70 E<strong>in</strong>sendungen<br />

hatte man wirklich<br />

nicht gerechnet. Wie schon dem<br />

letzten <strong>TP</strong>-Newsletter zu entnehmen<br />

war, fiel die Auswahl<br />

entsprechend schwer. Recht-<br />

zeitig zur Vorweihnachtszeit<br />

erschien also das dritte Buch<br />

des TrokkenPresse Verlages<br />

mit 18 Märchen und Geschichten<br />

sowie Zeichnungen von<br />

Wolfgang Hille.<br />

Am 2. Adventssonntag wurde<br />

das Buch im alkoholfreien<br />

Café Q 43 <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>-Tempelhof<br />

zum ersten Mal im Rahmen<br />

e<strong>in</strong>er Lesung vorgestellt. Fünf<br />

Autoren und e<strong>in</strong>e Autor<strong>in</strong> hatten<br />

sich bereit erklärt, jeweils<br />

ihren Beitrag aus dem Buch der<br />

Öffentlichkeit vorzustellen und<br />

vorzulesen.<br />

In vorweihnachtlich gemütlicher<br />

Atmosphäre wurden den<br />

Zuhörern ganz unterschiedliche<br />

Märchen vorgestellt. Die<br />

Texte be<strong>in</strong>halten teilweise autobiografische<br />

Erlebnisse, die <strong>in</strong>dividuell<br />

aufgearbeitet wurden<br />

und nun <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em ebenso fantasievollem,<br />

wie märchenhaftem<br />

Rahmen stehen. Deshalb<br />

decken die unterschiedlichen<br />

Texte thematisch auch e<strong>in</strong> ganzes<br />

Tr<strong>in</strong>kerleben und das (abst<strong>in</strong>ente)<br />

Leben danach ab:<br />

Bücher 25<br />

Von der Verführung, der Verirrung,<br />

dem großen Rausch, dem<br />

Katzenjammer, dem Verlust,<br />

der Trauer, der Vergebung bis<br />

h<strong>in</strong> zur Wiedererlangung e<strong>in</strong>es<br />

s<strong>in</strong>nhaften Lebens jenseits<br />

der Sucht. Bei aller Verschiedenheit<br />

<strong>in</strong> Sprache und Sichtweise<br />

auf das Thema Alkoholismus<br />

wurde wieder e<strong>in</strong>mal<br />

klar, welch Potenzial zum Geschichtenerzählen<br />

<strong>in</strong> so manchem/mancher<br />

abst<strong>in</strong>enten Alkoholiker/<strong>in</strong><br />

steckt. E<strong>in</strong>e ebenso<br />

spannende wie unterhaltsame<br />

Idee mit e<strong>in</strong>er Suchterkrankung<br />

umzugehen.<br />

Das märchenhafte Taschenbuch<br />

ist über den Verlag und<br />

über den Buchhandel zum (Julklapp?-)<br />

Preis von 10,00 Euro<br />

zu beziehen und unbed<strong>in</strong>gt als<br />

Geschenk zum Fest zu empfehlen!<br />

Klaus Kl<strong>in</strong>genbach<br />

Foto: Klaus Kl<strong>in</strong>genbach


26 Bücher<br />

Peter Böttcher<br />

„Trocken, und<br />

nicht verdurstet“<br />

Hans-Jürgen Schwebke<br />

Bevor ich im Mai 2004 aus der<br />

Fontane-Kl<strong>in</strong>ik entlassen wurde,<br />

habe ich mich <strong>in</strong> der Kl<strong>in</strong>ikvollversammlung<br />

mit Worten<br />

von Thomas Mann, geschrieben<br />

1906 <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em kle<strong>in</strong>en<br />

Aufsatz „Über Alkohol“, verabschiedet:<br />

„Stimmung ist nicht<br />

Betrunkenheit.<br />

Stimmung ist<br />

Ausgeschlafenheit, Frische,<br />

tägliche Arbeit,<br />

Spazierengehen, re<strong>in</strong>e Luft,<br />

wenig Menschen, gute Bücher,<br />

Friede, Friede…“<br />

TIPP<br />

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Und weiter: „Wie weit ich<br />

auf diesem Weg <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Leben<br />

<strong>in</strong> Abst<strong>in</strong>enz gekommen b<strong>in</strong>,<br />

wird sich schon <strong>in</strong> der Abschiedswoche<br />

zeigen… Danke<br />

für die neue Weichenstellung<br />

und den Richtungswechsel auf<br />

diesem Weg <strong>in</strong> me<strong>in</strong>em Leben.<br />

Euch und mir Zuversicht,<br />

Kraft, Mut aber auch – oder<br />

lieber und – Spaß und Freude<br />

bei diesem Vorhaben.“ Mich<br />

plagte die Frage, ob und wie<br />

ich den Weg <strong>in</strong> die dauerhafte<br />

Abst<strong>in</strong>enz f<strong>in</strong>den würde, war<br />

ich damals doch h<strong>in</strong> und her<br />

gerissen zwischen Hoffnung<br />

und Zweifel und <strong>in</strong> völliger<br />

Unkenntnis, wie denn e<strong>in</strong> Leben<br />

ohne Alkohol aussehen<br />

könnte.<br />

Der Autor Peter Böttcher,<br />

Journalist, beendete eben mit<br />

dieser Fragestellung se<strong>in</strong> erstes<br />

Buch „Trockenzeit“ (2006).<br />

Nach dreizehn Jahren eigener<br />

Trockenheit gibt er Antworten<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em zweiten Buch. E<strong>in</strong><br />

Buch von e<strong>in</strong>em Betroffenen<br />

für Betroffene, die mitunter<br />

ebenso unsicher <strong>in</strong> die Zukunft<br />

blickten. Und immer wieder die<br />

Frage: Wie kann man auf Dauer<br />

ohne Alkohol leben? Dazu<br />

befragt der Autor ehemalige<br />

Mitpatienten, Ärzte und Therapeuten.<br />

Zu f<strong>in</strong>den s<strong>in</strong>d unterschiedlicheLebensgeschichten,<br />

Denkanstöße und Erfahrungen.<br />

Patentlösungen sucht<br />

man erfreulicherweise vergebens,<br />

wenn auch der Drang<br />

von Betroffenen danach verständlich<br />

ist.<br />

Da ist die Geschichte von<br />

Günthers Flug <strong>in</strong> die Freiheit.<br />

Günther, Polizist, der nach der<br />

Therapie se<strong>in</strong>em Leben wieder<br />

e<strong>in</strong>en S<strong>in</strong>n gibt, weil er sich<br />

se<strong>in</strong>en Traum vom Fliegen verwirklichen<br />

kann. Die Zulassungskommission<br />

erteilt ihm,<br />

dem trockenen Tr<strong>in</strong>ker, die<br />

Fluglizenz. Für Günther e<strong>in</strong><br />

Grund mehr, nüchtern zu bleiben.<br />

Spannend und anrührend<br />

zugleich die Lebensbeichte des<br />

Chefarztes e<strong>in</strong>er Suchtkl<strong>in</strong>ik,<br />

der jahrelang e<strong>in</strong> Doppelleben<br />

als Süchtiger führte. Auf e<strong>in</strong>em<br />

Flughafen beobachtete er drei<br />

junge Männer, die gelassen<br />

und frei ihre Getränke wählten.<br />

Er hatte nur e<strong>in</strong>e Wahlmöglichkeit<br />

– den Alkohol.<br />

Fred, Förster <strong>in</strong> vierter Generation,<br />

hört wieder die Vögel<br />

s<strong>in</strong>gen. Er vernahm, dass auf<br />

ihn Wetten abgeschlossen worden<br />

seien, wie lange er es ohne<br />

Alkohol aushalten würde. „Der<br />

Tr<strong>in</strong>ker als geeignetes Wettobjekt“,<br />

unvorstellbar!<br />

Wie e<strong>in</strong> roter Faden zieht<br />

sich die Feststellung durch das<br />

ganze Buch, dass e<strong>in</strong> Tr<strong>in</strong>ker<br />

e<strong>in</strong> ganz normaler Mensch ist<br />

»und es selbst <strong>in</strong> den schlimmsten<br />

Phasen se<strong>in</strong>er Sucht bleibt«.<br />

Amüsant und doch mit der gebotenen<br />

Ernsthaftigkeit schildert<br />

der Autor die unzähligen,<br />

Jahrzehnte währenden Suchtforschungen,<br />

deren Ergebnisse<br />

den Betroffenen die stille Hoffnung<br />

geben können, dass Wunderpillen<br />

gegen die Versuchung<br />

Alkohol oder als Bremse für<br />

maßvolles Tr<strong>in</strong>ken das Licht<br />

der Welt erblicken. Würmer,<br />

Fruchtfliegen und Mäuse s<strong>in</strong>d<br />

ke<strong>in</strong>e Menschen. So bleiben die<br />

Veränderungsarbeit des Betroffenen<br />

selbst und „die Hauptlast<br />

des Therapeuten, den Abhängigen<br />

das geistige Handwerkszeug<br />

zu liefern, dauerhaft trocken<br />

zu bleiben.“<br />

Der Feststellung des Autors,<br />

der aus eigenem Erfahrungsschatz<br />

schreibt, dass derjenige,<br />

der »dem Tr<strong>in</strong>ken nicht mit aller<br />

Konsequenz E<strong>in</strong>halt gebietet,<br />

se<strong>in</strong>em Leben schlimmstenfalls<br />

viel zu früh e<strong>in</strong> Ende<br />

setzt« kann ich aus me<strong>in</strong>er beruflichen<br />

Tätigkeit nur zustimmen.<br />

Im Kapitel „Das Rätsel um<br />

e<strong>in</strong>en Rückfall aus heiterem<br />

Himmel“ f<strong>in</strong>den sich zahlreiche<br />

Denkanstöße für die Vorbeugung<br />

und Bearbeitung e<strong>in</strong>es<br />

Rückfalls und es kann durchaus<br />

für das Rückfallpräventionstra<strong>in</strong><strong>in</strong>g“<br />

(RPT) von Nutzen<br />

se<strong>in</strong>.<br />

Den Alkoholkranken gebührt<br />

Verständnis, auch wenn<br />

sie bei der Bewältigung ihrer<br />

Sucht scheitern können. Ulf,<br />

dem Versicherungsvertreter<br />

oder Christoph, dem Landwirt<br />

widmet Böttcher die letzten<br />

Seiten se<strong>in</strong>es Buches statt e<strong>in</strong>es<br />

Nachwortes Nachrufe.<br />

Ich schätze sehr, dass der<br />

Autor auf die besonders drastische<br />

Form der Darstellung<br />

se<strong>in</strong>es Schicksals sowie das der<br />

Weggefährten verzichtet. Stattdessen<br />

werden die Beobachtungen<br />

sensibel und unspektakulär<br />

erzählt.<br />

Für mich war das Buch e<strong>in</strong>e<br />

Bestätigung der eigenen Erfahrung,<br />

dass für e<strong>in</strong>en Tr<strong>in</strong>ker<br />

das Thema Alkohol auch bei<br />

anhaltender Abst<strong>in</strong>enz immer<br />

e<strong>in</strong> Thema bleibt.<br />

Peter Böttcher macht „Betroffenen<br />

Mut und regt zur<br />

offenen Selbstanalyse“ an. Er<br />

beschreibt das Leid der Angehörigen<br />

und macht <strong>in</strong> bee<strong>in</strong>druckender<br />

Weise zugleich<br />

deutlich, dass viele trockene<br />

Alkoholiker die Bewältigung<br />

ihrer Sucht <strong>in</strong> entscheidendem<br />

Maße auch ihren engsten Angehörigen<br />

verdanken.<br />

Therapeuten werden e<strong>in</strong>en<br />

Gew<strong>in</strong>n beim Lesen der Berichte<br />

der Betroffenen über ihre<br />

Sucht und die Begegnungen<br />

der Süchtigen mit Therapeuten<br />

haben. Dr. Johannes L<strong>in</strong>denmeyer,<br />

Direktor der salus kl<strong>in</strong>ik<br />

<strong>in</strong> L<strong>in</strong>dow, Brandenburg,<br />

„macht beklommen, wie ideologisch<br />

fixiert und gefühllos<br />

Suchttherapeuten auf Betroffene<br />

wirken können. Gnädiger<br />

weise (so L<strong>in</strong>denmeyer im Vorwort<br />

zum Buch) beschreibt der<br />

Autor aber auch die Erfahrungen<br />

von hilfreichen und<br />

menschlichen Begegnungen<br />

mit Therapeuten.“<br />

E<strong>in</strong> Buch, das lesenswert ist,<br />

ke<strong>in</strong> Ratgeber se<strong>in</strong> will und<br />

doch viele Denkanstöße gibt<br />

sowie auch e<strong>in</strong> Mehr an Verständnis<br />

für diese Krankheit<br />

erzeugt.<br />

„Trocken, und nicht verdurstet“<br />

von Peter Böttcher<br />

2010, Verlag edition w<strong>in</strong>terwork,<br />

218 S., pb.,17,50 Euro


Jack Kerouac<br />

„On the road“<br />

von Wolfgang Hille<br />

Es ist e<strong>in</strong> berühmtes Buch, das<br />

40 Jahre nach dem Tod des<br />

Verfassers zum ersten Mal im<br />

Orig<strong>in</strong>al ersche<strong>in</strong>t.<br />

Um den Fluss des Schreibens<br />

nicht unnötig zu stören,<br />

hatte Kerouac die Schreibmasch<strong>in</strong>enseiten<br />

zu e<strong>in</strong>er ca.<br />

40 m langen Rolle zusammengeklebt<br />

und so <strong>in</strong> die Masch<strong>in</strong>e<br />

e<strong>in</strong>geführt. Auf ihr schrieb<br />

er <strong>in</strong> 30 Tagen se<strong>in</strong>en Text <strong>in</strong><br />

dem von ihm „spontaneous<br />

Gegen den Strich<br />

prose“ genannten, nach se<strong>in</strong>en<br />

Vorbildern James Joyce und<br />

Charlie Parker gebildeten Stil.<br />

E<strong>in</strong>en Stil, der se<strong>in</strong>em Wunsch<br />

gemäß gleich den Improvisationen<br />

des Bebop e<strong>in</strong>en ununterbrochenen<br />

Fluss von Worten<br />

und Sätzen bilden sollte. Dazu<br />

ließ er alles an Kapiteln und<br />

Absätzen fort und suchte die<br />

Personen, ihre Handlungen und<br />

sich selbst wie aus der Wirklichkeit<br />

gegriffen zu schildern.<br />

Alles so pur und unverstellt<br />

wie nur möglich, ohne Scheu.<br />

Doch er fand zunächst ke<strong>in</strong>en<br />

Verleger, der se<strong>in</strong> Manuskript<br />

ohne <strong>in</strong>haltliche wie formale<br />

Änderungen akzeptieren<br />

wollte. So wurde der Text <strong>in</strong><br />

fünf Bücher untergliedert, Absätze<br />

wurden e<strong>in</strong>gefügt. Die<br />

Klarnamen von Vorbildern aus<br />

der Wirklichkeit, die Kerouac<br />

für den Roman übernommen<br />

hatte, wurden geändert. Aber<br />

auch die Sprache wurde schon<br />

mit dem ersten Satz beg<strong>in</strong>nend,<br />

geglättet und gekürzt. Aus “I<br />

first met met Neal no long after<br />

my father died ...” wurde “I first<br />

met Dean no long after my wife<br />

and I split up”.<br />

Die Veröffentlichung des<br />

Romans machte Kerouac mit<br />

e<strong>in</strong>em Schlag berühmt, jedoch<br />

ohne ihm Glück zu br<strong>in</strong>gen.<br />

Denn jene USA, die er auf se<strong>in</strong>em<br />

träumerischen Weg gen<br />

Westen gesucht hatte, gab es<br />

nicht, auch nicht <strong>in</strong> der vorgeblichen<br />

Wildheit des „Underground“<br />

von Rauschgift, Mädchen<br />

und Alkohol.Dies war nur<br />

Klischee. Ebenso wie die von<br />

ihm gesuchte Freiheit es anderswo<br />

war, ob <strong>in</strong> Mexiko, <strong>in</strong><br />

Marokko oder <strong>in</strong> Paris. Den<br />

Halt, den ihm das Schreiben,<br />

se<strong>in</strong>e Freunde, Ehe und Herkunftsfamilie<br />

boten, war zu ger<strong>in</strong>g,<br />

um ihn zu retten.<br />

Kerouac, der schon mit 19<br />

Jahren bei der Mar<strong>in</strong>e die Diagnose<br />

paranoide Schizophrenie<br />

erhalten hatte, starb 1969<br />

an Alkohol. Er wurde 47 Jahre<br />

alt.<br />

Was er an Erzählkunst h<strong>in</strong>terließ,<br />

machte se<strong>in</strong>e Bücher zu<br />

den <strong>in</strong>teressantesten der USA.<br />

E<strong>in</strong> Typ von Schriftsteller, welchen<br />

ich bei uns bis heute vermisse.<br />

Alle<strong>in</strong> bei Wolfgang Borchert,<br />

den man längst der Vergessenheit<br />

hat anheimfallen<br />

lassen, hätte ich Vergleichbares<br />

f<strong>in</strong>den können.<br />

Die US-amerikanische und<br />

die englische Ausgabe des Bu-<br />

Bücher 27<br />

ches geben wie es sche<strong>in</strong>t e<strong>in</strong>e<br />

korrekte Fassung des Orig<strong>in</strong>almanuskriptes<br />

ab. Die deutsche<br />

Fassung fällt dagegen <strong>in</strong><br />

schlimmer Weise h<strong>in</strong>ter das<br />

Orig<strong>in</strong>al zurück. Sie wiederholt<br />

die Gliederung des Textes<br />

<strong>in</strong> fünf Bücher und versucht<br />

die Brüche des vorgefundenen<br />

Manuskriptes zu glätten, den<br />

mühelosen Stil Kerouacs <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e<br />

artig angepasste Sprache zu<br />

übersetzen, die schon mit dem<br />

Anfang des ersten Satzes des<br />

Buches beg<strong>in</strong>nt, der nun statt<br />

„I first met met Neal ...“ – „Ich<br />

traf Neal ...“ lautet. Von Rowohlt<br />

hätte man auch erwarten<br />

können, e<strong>in</strong>e Monografie<br />

Kerouacs herauszugeben. Stattdessen<br />

serviert er uns dieses<br />

eher misslungene Buch zu e<strong>in</strong>em<br />

stattlichen Preis.<br />

„On the Road“, von Jack Kerouac<br />

Urfassung, Übersetzung von Ulrich<br />

Blumenbach, Rowohlt Verlag,<br />

574 S., 24,95 Euro<br />

Heiko Gliesche-Neumann


28 Leserbriefe<br />

Die Redaktion behält sich vor,<br />

Leserbriefe zu kürzen.<br />

Zu TrokkenPresse<br />

Nr. 4<br />

Sexualität & Alkohol<br />

Genesung von Sex-und<br />

Liebessucht<br />

Vielen Dank für die Trokken-<br />

Presse „Sexualität & Alkohol“.<br />

Der Artikel von Herrn Salloch-<br />

Vogel, me<strong>in</strong> ehemaliger ambulanter<br />

Therapeut, und die Artikelüberschrift<br />

„Ich würde als<br />

Erstes immer die Selbsthilfegruppe<br />

empfehlen.“ von Herrn<br />

Dr. Fliegel haben mir Mut gemacht,<br />

was von mir als Betroffenem<br />

zu schreiben.<br />

Hallo, ich b<strong>in</strong> Alkoholiker,<br />

männlich, süchtig, Messie und<br />

skizziere hier me<strong>in</strong>en Genesungsweg.<br />

Als 4-Jähriger fühlte ich<br />

mich von me<strong>in</strong>er Mutter zurückgewiesen,<br />

als sie me<strong>in</strong>e<br />

Schwester säugte. Von da an<br />

habe ich ihr hasserfüllte Blicke<br />

nachgesandt. Mit fünf Jahren<br />

begann ich Süßigkeiten zu<br />

missbrauchen, mit sieben Jahren<br />

Alkohol, mit neun das Fernsehen.<br />

Schon als K<strong>in</strong>d habe ich<br />

mich zwanghaft mit me<strong>in</strong>em<br />

Körper beschäftigt. Zu früh entdeckte<br />

ich e<strong>in</strong> Pornografieheft.<br />

Nachdem ich Streit mit me<strong>in</strong>er<br />

Schwester hatte, wurde<br />

me<strong>in</strong> Vater mir gegenüber öfter<br />

gewalttätig. Er hatte es mit<br />

Kneipenbummel zu tun und<br />

me<strong>in</strong>e Mutter mit Gefühlen von<br />

Verlassen se<strong>in</strong>, Kopfschmerzen<br />

und Aspir<strong>in</strong>.<br />

In der Ausbildungszeit war<br />

ich überfordert. Mit Süßigkeiten,<br />

Alkohol, Automatenspiel,<br />

Fernsehen und Fantasien machte<br />

ich mich weg. Als ich den<br />

Ältesten me<strong>in</strong>er Tr<strong>in</strong>kergruppe<br />

retten wollte, der nach dem<br />

Stand se<strong>in</strong>er Leberwerte trank,<br />

wusste ich noch nichts von der<br />

Angehörigenkrankheit. Auf Feten<br />

wollte ich die Frau kennenlernen,<br />

mit der me<strong>in</strong>e Lebensprobleme<br />

gelöst se<strong>in</strong> würden.<br />

Deswegen trank ich me<strong>in</strong>e<br />

Hemmungen weg – hat nicht<br />

funktioniert. Sexuelle Erfahrungen<br />

haben me<strong>in</strong>en seelischen<br />

Hunger nicht gestillt.<br />

Nachdem ich mit me<strong>in</strong>er<br />

Frau e<strong>in</strong>e Vernunftehe e<strong>in</strong>gegangen<br />

war, weil ich nicht<br />

wusste, wie Liebe funktioniert,<br />

war sie plötzlich Alkoholiker<strong>in</strong>.<br />

Ich wurde mit ihr trocken,<br />

weil ich diese Ehe brauchte.<br />

Nach der e<strong>in</strong>vernehmlichen<br />

Scheidung acht Jahre später,<br />

hat sie sich über den Blumenstrauß<br />

von mir gefreut. Ich hatte<br />

mich anders entwickelt und sie<br />

hatte jemanden gefunden, von<br />

dem sie sich zum ersten Mal<br />

<strong>in</strong> ihrem Leben geliebt fühlte.<br />

Wunderbar für sie –, nur: Ich<br />

hatte im Trennungsjahr sie<br />

oder mich zerstörende Gefühle<br />

zu verarbeiten, sie dreizehn<br />

Jahre Angst vor U-Bahn- und<br />

Busfahrten, die sich dann e<strong>in</strong>fach<br />

auflösten.<br />

B<strong>in</strong>nen dreizehn Jahren<br />

hatte ich verschiedene anonyme<br />

Genesungsprogramme erfahren<br />

dürfen. Wiedergutmachungen<br />

haben mir Seelenfrieden<br />

gebracht. Unter anderem<br />

hat mich befreit, Mutter und<br />

Schwester um Verzeihung zu<br />

bitten und das Grab me<strong>in</strong>es Vaters<br />

zu pflegen.<br />

Dann merkte ich, trocken<br />

vom Alkohol, dass sich mir das<br />

Verliebt se<strong>in</strong> unaufhaltsam näherte<br />

<strong>in</strong> Gestalt e<strong>in</strong>er genesenden<br />

Süchtigen. Ich brauchte<br />

Hilfe und erhoffte mir Klarheit<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Selbsthilfegruppe zum<br />

Thema.<br />

Auch nachdem ich mich<br />

durch die Gruppenliteratur gelesen<br />

hatte, war ich nur wenig<br />

e<strong>in</strong>sichts- und handlungsfähig.<br />

Ja, da war Widerstand. Erst<br />

nach und nach konnte ich mir<br />

e<strong>in</strong>gestehen, womit ich es zu<br />

tun hatte.<br />

Handlungsorientierung bekam<br />

ich von e<strong>in</strong>em Telefon-<br />

und Briefsponsor (Förderer)<br />

aus e<strong>in</strong>er anderen Stadt. Ich<br />

schrieb viele Grenzl<strong>in</strong>ien (Bottoml<strong>in</strong>es)<br />

auf . Sie machten mir<br />

bewusst, an welchem Punkt es<br />

für mich gefährlich geworden<br />

war, sodass es wenig später ke<strong>in</strong><br />

Zurück mehr gegeben hatte –<br />

bis zur nächsten Kapitulation.<br />

Beschämt las ich die Grenzl<strong>in</strong>ien<br />

im Meet<strong>in</strong>g vor und fühlte<br />

mich von den freundlichen<br />

Augen der schweigenden Zuhörer/<strong>in</strong>nen<br />

angenommen. Zu<br />

me<strong>in</strong>er Sicherheit veränderte<br />

ich die Grenzl<strong>in</strong>ien zwischen<br />

den Meet<strong>in</strong>gs nicht. Nach wiederholtem<br />

Vorlesen verschwanden<br />

überwältigende Schamgefühle<br />

und die B<strong>in</strong>dungsfreude<br />

an die Gruppe wuchs. Für mich<br />

war das e<strong>in</strong> Wunder.<br />

Morgens las ich mir zum<br />

Wohle e<strong>in</strong>e Meditationsseite<br />

aus 'Antworten des Herzens'<br />

(Heyne Verlag, antiquarisch) =<br />

('answers <strong>in</strong> the heart', Hazelden).<br />

Ich gab me<strong>in</strong> Bestes, e<strong>in</strong> liebevolles<br />

Gefühl für mich zu<br />

fühlen und für sie ebenso – das<br />

klappte wiederholt. Ich arbeitete,<br />

das brauchte Zeit und Kraft.<br />

Die Beziehung brauchte auch<br />

Kraft und Zeit. Ich musste mir<br />

e<strong>in</strong>gestehen, dass ich von der<br />

Nähe zu ihr immer wieder<br />

überfordert war. Ich wollte<br />

nicht <strong>in</strong> ihre Nähe ziehen. Wir<br />

trennten uns nach drei Jahren<br />

<strong>in</strong> Liebe.<br />

Vor Jahren habe ich gelernt,<br />

alle<strong>in</strong> zu leben. Dafür habe ich<br />

mir zusätzliche Grenzl<strong>in</strong>ien erarbeiten<br />

dürfen. Ich fühle mich<br />

weiterh<strong>in</strong> dieser Gruppe verbunden,<br />

<strong>in</strong> der jede(r) auf se<strong>in</strong>em<br />

Weg ist.<br />

Me<strong>in</strong>e wichtigste Wiedergutmachung<br />

ist ke<strong>in</strong>e neue<br />

Wiederschlechtmachung – weder<br />

stofflich noch nichtstofflich.<br />

Sobald ich zulasse, Sexualität<br />

ohne e<strong>in</strong> liebevolles Gefühl<br />

leben zu wollen, wird das<br />

für mich über kurz oder lang<br />

zerstörend. Auch von Mediengewalt<br />

brauche ich Abstand.<br />

Zu e<strong>in</strong>er losgelösten sexuell<br />

oder gewaltbesetzten Fantasie<br />

sage / denke ich <strong>in</strong>nerhalb<br />

von drei Sekunden energisch:<br />

STOPP! – Wenn es mir möglich<br />

ist, dann entferne ich mich<br />

<strong>in</strong> der Öffentlichkeit von Bildern<br />

oder Menschen, von denen<br />

ich mich gefährdet fühle.<br />

Zu Hause ist Alkohol und Gefährdendes<br />

entfernt. Internetanschluss<br />

habe ich nicht.<br />

Gesprächskontakte s<strong>in</strong>d für<br />

mich oftmals nährend. – Sexualität<br />

nur <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er liebevollen<br />

Beziehung zu mir zu leben und<br />

zwar maßvoll, für diese nüchterne<br />

Erfahrung b<strong>in</strong> ich dankbar,<br />

Tag für Tag und Jahr für<br />

Jahr. Für mich geht es nicht um<br />

Perfektion sondern um Fortschritt<br />

im Hier und Jetzt.<br />

Gesunde Verhaltensweisen<br />

helfen mir dabei: Zeit für Körperhygiene,<br />

morgens Spirituelles<br />

lesen, stille Zeit nehmen,<br />

Rückengymnastik, mich versorgen,<br />

nicht nur auf Anrufbeantworter<br />

sprechen, me<strong>in</strong>en<br />

Sponsor anrufen, Term<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>halten<br />

oder rechtzeitig absagen,<br />

zu Meet<strong>in</strong>gs gehen, Summen,<br />

Lachen, Pfeifen, e<strong>in</strong>fach<br />

mal fünf M<strong>in</strong>uten lang gähnen<br />

oder so tun als ob, weil das den<br />

Druck senkt, abends oder am<br />

Wochenende rausgehen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en<br />

Park, mit anderen Sport<br />

treiben oder was spielen, Ordnung<br />

machen, vor dem E<strong>in</strong>schlafen<br />

was Spirituelles lesen,<br />

genügend Schlafzeit abschätzen.<br />

E<strong>in</strong> S.L.A.A. - Mitglied<br />

Kontaktaufnahme über:<br />

Anonyme Sexsüchtige und<br />

Liebessüchtige e.V.<br />

S.L.A.A.-Dienstbüro<br />

PF 1352<br />

65003 Wiesbaden<br />

0700 - 75 22 75 22<br />

E-mail: <strong>in</strong>fo@slaa.de<br />

http://www.slaa.de


Am Heiligabend, Gesprächsgruppe<br />

von 19.00 Uhr - 21.00<br />

Uhr, ab 20.00 Uhr offenes<br />

Haus, Buffet ab 21 Uhr, alles<br />

geht bis ca. 24.00 Uhr und ist<br />

natürlich ohne Alkohol.<br />

Am Silvester f<strong>in</strong>det von 19.00<br />

Uhr - 21.00 Uhr Gruppe satt,<br />

anschließend alkoholfreie Silvester-Fete<br />

bis ??<br />

Die Anonyme Alkoholkrankenhilfe<br />

Berl<strong>in</strong> e.V. ist unter<br />

der Telefonnummer 030 84 10<br />

Die Fachkl<strong>in</strong>ik für<br />

Abhängigkeitserkrankungen<br />

nahe der Stadt Römhild bietet e<strong>in</strong>e<br />

gelungene Synthese von Alt und<br />

Neu. Der e<strong>in</strong>fühlsam renovierte<br />

Fachwerkbau, die <strong>in</strong>dividuellen<br />

Villen, die modernen neuen<br />

Gebäude geben den Rahmen für<br />

e<strong>in</strong>e zeitgemäße Therapie.<br />

Sondere<strong>in</strong>richtungen:<br />

Physiotherapie, Sporthalle,<br />

Fitnessraum, Schwimmbecken,<br />

Sauna, Sportplatz, Billard,<br />

Fahrradausleihe, Cafeteria,<br />

Streichelzoo.<br />

Kontakt<br />

Telefon 03 69 48 / 87 – 0<br />

Fax 03 69 48 / 87 20 67<br />

roemhild@ahg.de<br />

www.ahg.de/roemhild<br />

Weihnachten und Silvester 2010<br />

AHG Kl<strong>in</strong>ik Römhild<br />

Fachkl<strong>in</strong>ik für Abhängigkeitserkrankungen<br />

Am Großen Gleichberg 2, 98631 Römhild<br />

Am Großen Gleichberg,<br />

<strong>in</strong>mitten von Wald und Natur<br />

E<strong>in</strong> Ort, um zur Ruhe zu kommen, um sich selbst zu f<strong>in</strong>den, um<br />

Energie zu sammeln, um mit Therapeutenhilfe neue Lösungswege<br />

zu entdecken und zu erproben<br />

Besonderheiten<br />

● Raucherentwöhnung<br />

● Aggressionsbewältigung<br />

● Angst- und Schmerzbewältigung<br />

● Computerkurs und Bewerbungstra<strong>in</strong>ig<br />

● Lebenspraktisches Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>g und Ernährungsberatung<br />

● Hirnleistungstra<strong>in</strong><strong>in</strong>g<br />

● Kommunikative Bewegungstherapie<br />

● Lauftherapie<br />

● Therapeutisches Reiten<br />

● Aufnahme von Paaren<br />

(außer Drogenbereich)<br />

● Aufnahme von begleitenden<br />

K<strong>in</strong>dern (außer Drogenbereich)<br />

● hauseigener K<strong>in</strong>dergarten<br />

● Unterbr<strong>in</strong>gung von Haustieren<br />

(Hundezw<strong>in</strong>geranlage, Katzenhaus<br />

u. a. Möglichkeiten)<br />

● nahtloser Übergang <strong>in</strong> die<br />

Adaption möglich<br />

● familienfreundlicher Arbeigeber<br />

Veranstaltungen extra 29<br />

Wie jedes Jahr f<strong>in</strong>den Sie an dieser Stelle ausgewählte alkoholfreie Veranstaltungen und Gruppen zu<br />

Weihnachten und Silvester. Diese besondere Zeit verbr<strong>in</strong>gen mehr Menschen alle<strong>in</strong>, als Sie glauben.<br />

Aber niemand muss Weihnachten alle<strong>in</strong> bleiben. Unser Tipp: Planen Sie jetzt schon,<br />

wo Sie h<strong>in</strong>gehenkönnten. So s<strong>in</strong>d Sie vorbereitet, falls Ihnen an den<br />

Feiertagen die Decke auf dem Kopf fällt.<br />

Anonyme Alkoholkrankenhilfe<br />

Berl<strong>in</strong><br />

e.V.<br />

94 44 zu erreichen und bef<strong>in</strong>det<br />

sich <strong>in</strong> der Gustav-Meyer-<br />

Straße 7, 14195 Berl<strong>in</strong>-Zehlendorf,<br />

U-Dahlem-Dorf.<br />

Café Q 43<br />

Über die Feiertage hat das Café<br />

Q 43 zu den folgenden Zeiten<br />

geöffnet: Heiligabend 14.00 -<br />

19.00 Uhr, 1. Weihnachtstag<br />

12.00 - 19.00 Uhr, Mittagstisch<br />

von 12.30 bis 14.00 Uhr:<br />

Wildgulasch mit Klößen, W<strong>in</strong>terrotkohl,<br />

Dessert für 3,00<br />

(!!!) Euro pro Person. Es wird<br />

aber um Voranmeldung bis<br />

jeweils Donnerstag, 19.00 Uhr<br />

gebeten (Telefon 0 30 70 76<br />

73 11).<br />

Am 2. Weihnachtstag 14.00 -<br />

19.00 Uhr. Vom 27.12. – 30.12.<br />

dann von 15.00 bis 19.00 Uhr<br />

und am Silvester von 14.00 bis<br />

19.00 Uhr. Am Neujahrstag<br />

kann man sich zwischen 12.30<br />

bis 14.00 Uhr Schnitzel mit<br />

Country-Potatoes und Zigeunersoße<br />

schmecken lassen. An<br />

diesem Tag ist das Café wieder<br />

von 12.00 - 19.00 Uhr geöffnet.<br />

Das Café Q 43 bef<strong>in</strong>det sich <strong>in</strong><br />

der Kurfürstenstraße 43, <strong>in</strong><br />

12105 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof, U-<br />

Westphalweg.<br />

Deutsche<br />

Guttempler<br />

Heiligabend ab 16.00 Uhr f<strong>in</strong>det<br />

im Guttemplerhaus e<strong>in</strong>e<br />

festliche Kaffeetafel und e<strong>in</strong><br />

Abendimbiss statt. Kosten 6,50<br />

Euro. Silvester, ebenfalls im<br />

Guttemplerhaus heißt das Motto:<br />

Mit Freunden <strong>in</strong>s neue Jahr<br />

u. „Make love not war“ - E<strong>in</strong>e<br />

Zeitreise <strong>in</strong> die sechziger Jahre<br />

mit Buffet, DJ-Mike und<br />

vieles mehr… Ab 19.00 Uhr,<br />

E<strong>in</strong>tritt: 18,50 Euro. Telefon<br />

030 68 23 76 20. Das Guttemplerhaus<br />

bef<strong>in</strong>det sich <strong>in</strong> der<br />

Haupt<strong>in</strong>dikationen<br />

Alkohol-, Medikamenten-,<br />

Drogen- und<br />

Mehrfachabhängigkeit<br />

(Polytoxikomanie)<br />

Leistungen<br />

● Stationäre Entwöhnungsbehandlung<br />

● Auffang- und Festigungstherapie<br />

● Adaption


30 Veranstaltungen extra<br />

Wildenbruchstr. 80, <strong>in</strong> 12045<br />

Berl<strong>in</strong>-Neukölln, U-Rathaus<br />

Neukölln, zehn M<strong>in</strong>uten Fußweg.<br />

Gierkezeile 42 e.V.<br />

Landesstelle Berl<strong>in</strong> für<br />

Suchtfragen<br />

Die Freitagsgruppe für Alkohol-undMedikamentenabhängige<br />

f<strong>in</strong>det auch am Heiligabend<br />

statt. Von 17.00 - 19.00<br />

Uhr <strong>in</strong> der Gierkezeile 42,<br />

10585 Berl<strong>in</strong>-Charlottenburg.<br />

U-Richard-Wagner-Platz.<br />

Kreuzbund<br />

Heiligabend ist das Begegnungszentrum<br />

des Kreuzbund<br />

<strong>in</strong> der Marthastr. 10, 13156<br />

Berl<strong>in</strong> ab 16.00 Uhr geöffnet,<br />

am 2. Weihnachtsfeiertag, 26.<br />

12. 2010, von 15.00 - 18.00<br />

Uhr.<br />

Die Silvesterfeier f<strong>in</strong>det im<br />

Geme<strong>in</strong>desaal St. Clara, Briesestr.<br />

15, 12053 Berl<strong>in</strong> ab 20.00<br />

Uhr statt, E<strong>in</strong>lass ist ab 19.00<br />

Uhr. Kartenverkauf <strong>in</strong> der Marthastraße,<br />

Tel. 030 476 28 28.<br />

Narcotics<br />

Anonymous<br />

Sprechermarathon am Neujahrstag,<br />

den 1.01.2011 um<br />

14.00 - 20.00 Uhr, E<strong>in</strong>lass:<br />

13.30 Uhr! 8 Sprecher/<strong>in</strong>nen <strong>in</strong><br />

4 Meet<strong>in</strong>gs à 80 M<strong>in</strong>uten teilen<br />

ihre Erfahrung, Kraft und<br />

Hoffnung. Ort: Turnhalle im<br />

Nachbarschaftsheim Schöneberg,<br />

Holste<strong>in</strong>ische Straße 30<br />

(Ecke Fregestraße) <strong>in</strong> 12161<br />

Berl<strong>in</strong>-Friedenau. S1 Feuerbachstraße<br />

oder Friedenau,<br />

U9 Walter-Schreiber-Platz.<br />

PBAM e.V.<br />

Hier f<strong>in</strong>den offene Selbsthilfegruppen<br />

des VAL e. V. am 1.<br />

Weihnachtstag, 16.00 - 18.00<br />

Uhr und am 2. Weihnachtstag,<br />

10.00 - 12.00 Uhr sowie 17.00<br />

- 19.00 Uhr statt. Zwischen den<br />

Feiertagen f<strong>in</strong>den auch die offenen<br />

geleiteten Gruppen mit<br />

Herrn Tarrats am Dienstag, den<br />

28. von 10.30 - 12.00 Uhr und<br />

am Mittwoch, den 29.12., von<br />

19.30 - 21.00 Uhr, statt. Die<br />

PBAM bef<strong>in</strong>det sich <strong>in</strong> der<br />

Goebenstraße 8,<br />

10783 Berl<strong>in</strong>-Schöneberg,<br />

U/S-Yorckstraße.<br />

<strong>Not</strong>falltelefone<br />

Berl<strong>in</strong>er Krisendienste, Region Südwest<br />

030 3 90 63 60 und 390 63 00<br />

Drogennotdienst<br />

1 92 37<br />

Telefonseelsorge<br />

0800-1 11 01 11 oder 0800-1 11 02 22<br />

Ärztlicher Bereitschaftsdienst<br />

31 00 31<br />

Polizei 1 10<br />

Feuerwehr/Rettungsleitstelle 1 12<br />

Weiter empfehlen wir Ihnen die Broschüre<br />

„Sucht - Drogen - Rat und Hilfe“,<br />

die unter der Telefonnummer 030 - 343 89 160<br />

oder per E-Mail buero@landesstelle-berl<strong>in</strong>.de<br />

angefordert werden oder auch bei der<br />

Landesstelle Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen e.V.,<br />

Gierkezeile 39, 10585 Berl<strong>in</strong><br />

abgeholt werden kann:<br />

Foto: B. Balschus PBAM-Fotogruppe


Ausstellung<br />

seit 24.11. „Trockene Kunst“<br />

- neue Lichtbilder der PBAM-<br />

Fotogruppe. Besichtigung<br />

nach tel. Vere<strong>in</strong>barung.<br />

Tel. 030 216 50 08,<br />

Ort: PBAM, Berl<strong>in</strong>-Schöneberg<br />

seit 1.12.2010 - Februar 2011<br />

„Herbstliches Füllhorn“ von<br />

Bärbel Deuser-Kursawe<br />

In typisch warmen Herbstfarben<br />

wird e<strong>in</strong>e Auswahl von<br />

Bildern <strong>in</strong> unterschiedlichen<br />

Techniken gezeigt. Die vorwiegend<br />

abstrakten Bilder s<strong>in</strong>d<br />

zwischen 2006 und 2010 entstanden.<br />

E<strong>in</strong>e F<strong>in</strong>issage ist für<br />

Februar 2011 geplant. Ort:<br />

Café Seidenfaden<br />

Essen & Tr<strong>in</strong>ken<br />

Aurel<br />

Mo-Sa 9.00-13.00, Frühstück<br />

Café Q 43<br />

Mo-Fr 15.00-19.00,<br />

Sa ab 12.00 Mittagstisch,<br />

So ab 14.00, bei Brunch<br />

ab 11.30<br />

Café Seidenfaden<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Sa 12.00-20.00<br />

So geschlossen<br />

Café 157<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo, Sa, So 14.00-20.00<br />

Mi, Fr, 14.00-21.00<br />

Zusätzliche Öffnungen nach<br />

Term<strong>in</strong>absprache und an Feiertagen<br />

Dock Nord<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Sa 12.00-22.00 Uhr,<br />

So/Feiertage 15.00-20.00 Uhr<br />

Kontaktstelle Confamilia<br />

jed. Mi 15.00-17.00 Uhr,<br />

Kochgruppe, Kosten: 1,50<br />

Euro;<br />

Do 13.00-15.00, Brunch, Kosten:<br />

2,00 Euro<br />

Lesung<br />

So 19.12., 20.30 Carmer E<strong>in</strong>s<br />

– die literarische Lesebühne<br />

Eigene Texte – Lyrik / Prosa –<br />

lesen und diskutieren mit<br />

Sab<strong>in</strong>e Schönfeldt und Signe<br />

Ibbeken, Ort: Buchhändlerkeller<br />

Musik<br />

Fr 17.12. u. Sa 18.12.2010,<br />

immer 15.30 u. 18.30, Weihnachtskonzert<br />

des Neuen<br />

S<strong>in</strong>fonieorchesters Berl<strong>in</strong>,<br />

E<strong>in</strong>tritt jeweils 15,00 Euro,<br />

Kartenvorbestellung unter<br />

Tel.: 030 51700155 oder 030<br />

54396641, Ort: Krankenhauskirche<br />

im Wuhlgarten<br />

Radio<br />

Fr 24.12., Sa 25.12. und So<br />

26.12.,, jeweils 14.05 Uhr,<br />

Miguel de Cervantes: Don<br />

Quijote von der Mancha.<br />

Hörspiel <strong>in</strong> sechs Teilen mit<br />

Rufus Beck, Thomas Thieme<br />

und Anna Thalbach. Deutschlandfunk,<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> auf 97.7<br />

(UKW)<br />

Mi 05.01.2011, 21.33, Hörspiel:<br />

Thomas Bernhard:<br />

Me<strong>in</strong>e Preise, Ursendung.<br />

Ob Bremer Literaturpreis, ob<br />

Staatspreis für Roman, ob<br />

Grillparzer-Preis, ob Georg-<br />

Büchner-Preis: Als Auslöser<br />

von Skandalen dienten sie dem<br />

Geehrten allemal. Auf die gesamte<br />

Menschheit schimpfend<br />

und über sich selbst den Kopf<br />

schüttelnd, entwirft Thomas<br />

Bernhard e<strong>in</strong> Selbstporträt des<br />

Autors als Preis- und Preisgeldempfänger.Deutschlandradio<br />

Kultur, <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> auf<br />

UKW 89,6 MHz<br />

Sonstige Freizeitaktivitäten<br />

Kontaktstelle für Menschen<br />

mit Suchtproblemen<br />

(Die folgenden Angebote bitte<br />

tel. erfragen Tel. 323 58 82)<br />

Mo 10.00-12.00 Uhr,<br />

Die Montagsmaler<strong>in</strong>nen - Gespräch<br />

und kreatives Gestalten,<br />

Malen mit Pastell-Kreide<br />

Kontaktstelle Confamilia<br />

Jeden 1. und 3. So<br />

Spielenachmittag<br />

Do 17.00-18.00 Uhr,<br />

Gitarrengruppe II<br />

Do 18.00-19.00 Uhr,<br />

Gitarrengruppe & Rhythmusgruppe<br />

Sport und Entspannung<br />

AKB Kontakt- und<br />

Beratungsstelle<br />

jeden 2. So, 16.45 Uhr: Skat<br />

Mi 13.30-16.00 Uhr: Holzarbeitsgruppe<br />

Sa 17.50-21.00 Uhr;<br />

Canasta<br />

Fr. 10.00-12.00 Uhr,<br />

PC-Gruppe<br />

Café Seidenfaden<br />

Fr 16.00-18.00 Uhr, Yoga (für<br />

Frauen), Teilnahme auf Spendenbasis<br />

Fr 18.30-20.00 Uhr, Qi-Gong<br />

unter der Anleitung von Mart<strong>in</strong>a<br />

Zorn. Teilnahme auf Spendenbasis.<br />

Veranstaltungen 31<br />

Anmeldung: Tel. 246 40 457,<br />

Ort: Café Seidenfaden<br />

Kontaktstelle Confamilia<br />

Fr 11.00 - 13.00 Yoga- und Entspannungsgruppe<br />

jeden Montag, Lauftreff vor<br />

der Landesstelle Berl<strong>in</strong> für<br />

Suchtfragen e.V., Jugendliche<br />

bis 25 Jahre: 16.00 - 17.30 Uhr,<br />

Erwachsene von 18.00 - 19.30<br />

Uhr, Angeleitet von Reimer<br />

Siemsen. Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gsziel kann<br />

se<strong>in</strong>, geme<strong>in</strong>sam im nächsten<br />

Jahr an Straßenläufen teilzunehmen.<br />

Die Teilnahme am<br />

Lauftreff ist kostenfrei. Bitte<br />

anmelden s. Landesstelle Berl<strong>in</strong><br />

für Suchtfragen e.V.<br />

Vorträge<br />

09.02.2011, 19.30 - 21.00,<br />

Computerspiel- & Internetabhängigkeit,<br />

Der Vortrag soll<br />

den Teilnehmer<strong>in</strong>nen und Teilnehmern<br />

die unterschiedlichsten<br />

Anwendungsbereiche, die<br />

zu e<strong>in</strong>er Computerspiel- und<br />

Internetabhängigkeit führen<br />

können, aufzeigen. Des Weiteren<br />

wird auf mögliche Ursachen<br />

bzw. begünstigende Faktoren<br />

e<strong>in</strong>er Abhängigkeit e<strong>in</strong>-<br />

Impressum<br />

TrokkenPresse<br />

Herausgegeben von PBAM –<br />

Therapeutische Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft<br />

e.V. Schöneberg<br />

Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong><br />

Die TrokkenPresse ersche<strong>in</strong>t alle zwei<br />

Monate am Monatsanfang, beg<strong>in</strong>nend<br />

im Februar, und kostet 1 Euro.<br />

Redaktionsanschrift:<br />

Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong><br />

030-216 50 08<br />

Fax 030-2168013<br />

E-Mail: trokkenpresse@pbam.de<br />

www.trokkenpresse.de<br />

Redaktion:<br />

D. Heidt-Müller (V.i.S.d.P.),<br />

Wolfgang Scherreiks,<br />

Heiko Gliesche-Neumann<br />

Layout und Repro:<br />

Bodo Balschus<br />

© PBAM<br />

Bankverb<strong>in</strong>dung: Commerzbank Berl<strong>in</strong>,<br />

BLZ 100 400 00, Kto-Nr. 190 839 108<br />

Druck: Druckhaus Frankfurt GmbH


32 Veranstaltungen<br />

Verkaufsstellen<br />

der TrokkenPresse<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong><br />

TrokkenPresse Verlag<br />

Crellestraße 26,<br />

10827 Berl<strong>in</strong>-Schöneberg<br />

Cafe Lichtblicke<br />

Tempelhofer Damm 133,<br />

12099 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof<br />

Café Q 43<br />

Kurfürstenstraße 43,<br />

12105 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof<br />

Cafeteria<br />

im Guttemplerhaus<br />

Wildenbruchstraße 80,<br />

12045 Berl<strong>in</strong>-Neukölln<br />

Caritas Steglitz<br />

Königsberger Straße 11,<br />

12207 Berl<strong>in</strong>-Lichterfelde<br />

Diakonie-Beratungsstelle<br />

Segitzdamm 46,<br />

10969 Berl<strong>in</strong>-Kreuzberg<br />

Dock Nord<br />

Genter Straße 56,<br />

13353 Berl<strong>in</strong>-Wedd<strong>in</strong>g<br />

Hiram-Haus<br />

Alt Tempelhof 28,<br />

12103 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof<br />

Klärwerk - Reuterkiez<br />

MittenMang e.V.<br />

Lenaustraße 12,<br />

12047 Berl<strong>in</strong>-Neukölln<br />

Kontaktstelle Confamilia<br />

Uthmannstraße 5,<br />

12043 Berl<strong>in</strong>-Neukölln<br />

Kreuzbund<br />

Geschäftsstelle,<br />

Marthastraße 10, 13156<br />

Berl<strong>in</strong>-Niederschönhausen<br />

Landesstelle für Suchtfragen<br />

Gierkezeile 39,<br />

10585 Berl<strong>in</strong>-Charlottenburg<br />

PBAM-Beratungsstelle<br />

Goebenstraße 8,<br />

10783 Berl<strong>in</strong>-Schöneberg<br />

PBAM-Beratungsstelle<br />

Holste<strong>in</strong>ische Straße 38,<br />

10717 Berl<strong>in</strong>-Wilmersdorf<br />

Rettungsr<strong>in</strong>g<br />

Backnanger Straße 9,<br />

13467 Berl<strong>in</strong>-Hermsdorf<br />

Schlosspark-kl<strong>in</strong>ik<br />

Heubnerweg 2,<br />

14059 Berl<strong>in</strong>-Charlottenburg<br />

gegangen. Im Anschluss daran<br />

sollen praktische Tipps sowie<br />

Handlungsmethoden <strong>in</strong> der Arbeit<br />

mit Betroffenen und Angehörigen<br />

vermittelt werden.<br />

Referent<strong>in</strong>: Jannis Wlachojiannis,<br />

Lost <strong>in</strong> Space. Die Vorträge<br />

s<strong>in</strong>d kostenfrei. Bitte anmelden!<br />

Anmeldung und Ort: s.<br />

Landesstelle Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen<br />

e.V.<br />

Mi 09.03.2011, 19.30 - 21.00,<br />

„Frauen s<strong>in</strong>d anders süchtig<br />

– Geschlechtsspezifische Unterschiede<br />

<strong>in</strong> der Sucht“, Inhalte:<br />

Bei den Suchterkrankungen<br />

s<strong>in</strong>d geschlechtsspezifische<br />

Häufigkeitsverteilungen<br />

sehr unterschiedlich je nach<br />

Suchtmittel oder -art. Zwar<br />

s<strong>in</strong>d mehr als 1/3 aller süchtigen<br />

Menschen Frauen, der Anteil<br />

der suchtkranken Frauen,<br />

die Hilfe <strong>in</strong> Beratungsstellen,<br />

stationärer und ambulanter Behandlung<br />

und der Selbsthilfe<br />

<strong>in</strong> Anspruch nehmen, ist <strong>in</strong> der<br />

Regel viel ger<strong>in</strong>ger. Der Vortrag<br />

soll <strong>in</strong>formieren zu dem<br />

Thema und sensibilisieren für<br />

Genderaspekte <strong>in</strong> der Suchthilfe,<br />

Referent<strong>in</strong> N.N. Die Vorträge<br />

s<strong>in</strong>d kostenfrei. Bitte an-<br />

melden! Anmeldung und Ort:<br />

s. Landesstelle Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen<br />

e.V.<br />

Sem<strong>in</strong>are / Weiterbildung<br />

/ Fachkongresse<br />

Fr 4.02. u. Sa 05.02.2011, Haltung<br />

verändert Verhalten Das<br />

Sem<strong>in</strong>ar f<strong>in</strong>det mit der Grundhaltung<br />

von „open space“ statt,<br />

sodass sich die Teilnehmenden<br />

e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen können. Referent<strong>in</strong>nen<br />

s<strong>in</strong>d Renate Käs (Synanon)<br />

und Ines Krahn (Landesstelle<br />

Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen<br />

e.V.) Teilnahmegebühr: 35 Euro<br />

für Ehrenamtliche, 95 Euro<br />

für professionell Tätige. Anmeldung<br />

und Ort: s. Landesstelle<br />

Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen e.V.<br />

Mo 14.03. u. Di 15.03.2011,<br />

Suchtkranke Eltern - Trauma<br />

oder Ressource?<br />

K<strong>in</strong>der suchtkranker Eltern<br />

erleben andere D<strong>in</strong>ge als K<strong>in</strong>der<br />

gesunder Eltern. Ihr Gefährdungspotenzial<br />

ist hoch.<br />

Wie können erwachsene K<strong>in</strong>der<br />

suchtkranker Eltern ihre<br />

Erfahrungen als Ressourcen<br />

nutzbar machen? Was ge-<br />

schieht <strong>in</strong> der Sprachlosigkeit<br />

e<strong>in</strong>er suchtkranken Familie?<br />

Diese Fragen sollen diskutiert<br />

werden. Referent<strong>in</strong>: Elvira<br />

Surrmann, Familientherapeut<strong>in</strong>,<br />

Teilnahmegebühr 35 Euro<br />

für Ehrenamtliche, 95 Euro für<br />

professionell Tätige. Term<strong>in</strong>,<br />

Anmeldung und Ort: s. Landesstelle<br />

Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen<br />

e.V.<br />

Do 14.04. u. Fr 15.04.2011<br />

Motivierende Gesprächsführung<br />

Die motivierende<br />

Gesprächsführung ist e<strong>in</strong>e Methode,<br />

die Menschen <strong>in</strong> ihrer<br />

Motivation zu e<strong>in</strong>er Änderung<br />

ihres Verhaltens unterstützt.<br />

Aktives Zuhören, Wertschätzung<br />

und Akzeptanz von Ambivalenzen<br />

machen e<strong>in</strong>e Veränderung<br />

wahrsche<strong>in</strong>licher.<br />

Anhand konkreter Situationen<br />

wird die Umsetzung der Beratungsmethode<br />

geübt.<br />

Referent<strong>in</strong>: Mart<strong>in</strong>a Arndt-<br />

Ickert, Fachverband Drogen &<br />

Rauschmittel, Teilnahmegebühr<br />

nur für Professionelle<br />

Suchthilfe: 140 Euro, Anmeldung<br />

und Ort: s. Landesstelle<br />

Berl<strong>in</strong> für Suchtfragen e.V.<br />

Foto: B. Balschus PBAM-Fotogruppe


Veranstaltungsh<strong>in</strong>weise und Term<strong>in</strong>e von Selbsthilfegruppen<br />

werden kostenlos <strong>in</strong> der TrokkenPresse bzw. auf unserer Internetseite<br />

veröffentlicht. Möchten Sie diesen Service nutzen, wenden Sie sich<br />

bitte an: TrokkenPresse, Crellestraße 26, 10827 Berl<strong>in</strong>,<br />

Tel. 030-78 95 56 01, E-Mail: trokkenpresse@pbam.de<br />

Veranstaltungsadressen von A-Z<br />

AKB Kontakt- und<br />

Beratungsstelle<br />

Gustav-Meyer-Straße 7<br />

14195 Berl<strong>in</strong><br />

Tel. 84 10 94 44<br />

www.akb-ev.de<br />

Aurel Restaurant Café<br />

Alt-Tempelhof 28<br />

12103 Berl<strong>in</strong><br />

U 6 - Alt-Tempelhof<br />

Tel. 93 95 17 56<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Sa 11.00-19.00<br />

Buchhändlerkeller<br />

Carmerstraße 1<br />

- Parterre l<strong>in</strong>ks,<br />

10623 Berl<strong>in</strong><br />

S-Savignyplatz<br />

Café 157<br />

John Schehr Str. 24<br />

10407 Berl<strong>in</strong><br />

S-Greifswalderstraße<br />

Tel. 425 01 24<br />

www.cafe157.eu<br />

Café Q 43<br />

Kurfürstenstraße 43<br />

12105 Berl<strong>in</strong>-Tempelhof<br />

U6 Westphalweg<br />

Tel. 70 76 73 11<br />

www.cafeq43.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Fr 15.00-19.00<br />

Sa 12.00-19.00,<br />

So 14.00-19.00<br />

Café Seidenfaden<br />

Alkohol- und drogenfreies<br />

Frauencafé<br />

Dircksenstraße 47<br />

10178 Berl<strong>in</strong>-Mitte<br />

S-Hackescher Markt<br />

Tel. Café 283 27 83<br />

www.frausuchtzukunft.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Sa 12.00-20.00<br />

So geschlossen<br />

Dock Nord - Vere<strong>in</strong> für suchtfreies<br />

Leben Eigen<strong>in</strong>itiative e.V.<br />

Genther Straße 56<br />

13353 Berl<strong>in</strong><br />

U-Seestraße<br />

FrauSuchtZukunft<br />

s. Café Seidenfaden<br />

Kontaktstelle Confamilia<br />

Uthmannstraße 5<br />

12043 Berl<strong>in</strong><br />

U7-Karl-Marx-Straße<br />

Tel. 681 38 88<br />

Kontaktstelle für Menschen mit<br />

Suchtproblemen<br />

Zillestr. 66<br />

10585 Berl<strong>in</strong> Charlottenburg<br />

Tel. 323 58 82<br />

<strong>in</strong>fo@kontaktstelle-wilmersdorf.de<br />

www.kontaktstelle-wilmersdorf.de<br />

Krankenhauskirche im<br />

Wuhlgarten<br />

Brebacher Weg 15<br />

12683 Berl<strong>in</strong><br />

Tel. 5425103<br />

U / S-Bahn Wuhletal<br />

Die Fontane-Kl<strong>in</strong>ik ist Teil e<strong>in</strong>es e<strong>in</strong>zigartigen Naturparks und hat e<strong>in</strong>ige Besonderheiten:<br />

Großzügige Sportanlagen e<strong>in</strong>schließlich Schwimmbad & Sauna ⋅ Unterbr<strong>in</strong>gung von<br />

K<strong>in</strong>dern als Begleitpersonen, Betreuung <strong>in</strong> der kl<strong>in</strong>ikeigenen Tagesstätte, Beschulung ⋅<br />

erlebnispädagogische und erlebnistherapeutische Aktivitäten<br />

z. B. im Seilgarten und bei Exkursionen<br />

Entwöhnung<br />

Fontane-Kl<strong>in</strong>ik<br />

Psychosomatische Fachkl<strong>in</strong>ik<br />

Veranstaltungen 33<br />

Landesstelle für<br />

Suchtfragen e.V.<br />

Gierkezeile 39<br />

10585 Berl<strong>in</strong><br />

U7 Richard-Wagner-Platz<br />

Tel. 34 38 91 60 / Fax - 62<br />

buero@landesstelle-berl<strong>in</strong>.de<br />

www.landesstelle-berl<strong>in</strong>.de<br />

Die Vorträge <strong>in</strong> der Landesstelle<br />

s<strong>in</strong>d kostenfrei!<br />

Bitte telefonisch oder per E-Mail<br />

anmelden!<br />

PBAM<br />

Psychosoziale Beratungs- und<br />

Behandlungsstelle<br />

für Abhängige von<br />

Alkohol, Medikamenten<br />

Goebenstraße 8<br />

10783 Berl<strong>in</strong>-Schöneberg<br />

Tel. 030-216 50 08<br />

www.pbam.de<br />

Fontanestraße 5<br />

15749 Mittenwalde, OT Motzen<br />

Tel.: 01803/340086-0*, Fax: -104*<br />

<strong>in</strong>fo@fontane-kl<strong>in</strong>ik.de<br />

www.fontane-kl<strong>in</strong>ik.de<br />

Alkohol- und<br />

Medikamentenabhängigkeit<br />

Polytoxikomanie<br />

Nikot<strong>in</strong>abhängigkeit<br />

Jugendliche und junge<br />

Erwachsene<br />

mit Missbrauchs- /<br />

Abhängigkeitsproblematik<br />

Psychische Begleiterkrankungen<br />

❍<br />

❍<br />

❍<br />

❍<br />

❍<br />

*Festnetzpreis 9 ct/m<strong>in</strong>; andere Preise aus<br />

Mobilfunknetzen möglich


34 Neue Serie: Selbsthilfe<br />

I.O.G.T. – Guttempler Geme<strong>in</strong>schaften <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> Teil I<br />

Guttempler s<strong>in</strong>d bewusst ohne Alkohol lebende Menschen. Sie <strong>in</strong>formieren und helfen bei alkohol- und<br />

medikamentenbed<strong>in</strong>gten Suchtproblemen. Vertraulichkeit ist oberstes Gebot. Die Guttempler helfen nicht nur<br />

den unmittelbar Betroffenen, sondern auch deren Partnern, K<strong>in</strong>dern und Freunden. Darüber h<strong>in</strong>aus verfolgen<br />

Sie kulturelle sowie sozial- und gesundheitspolitische Ziele. Guttempler gibt es <strong>in</strong> Deutschland seit über 100<br />

Jahren. Guttempler gibt es sogar weltweit. Sie treten für Gleichberechtigung und e<strong>in</strong> friedliches<br />

Zusammenleben aller Menschen e<strong>in</strong>.<br />

Neukölln Tempelhof/<br />

Schöneberg<br />

Guttempler Haus<br />

Wildenbruchstr. 80<br />

12045 Berl<strong>in</strong><br />

U7 Rathaus Neukölln, Bus<br />

104, 365<br />

Tempelhof<br />

Kontakt Bernd Lehmann<br />

Dienstag 19:30 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18:30 Uhr<br />

Richardsburg<br />

Kontakt Renate Boweleit<br />

Tel. 67 80 22 38<br />

Montag 20:00 Uhr<br />

Berol<strong>in</strong>a<br />

Kontakt Jürgen Sch<strong>in</strong>dler<br />

Tel. 618 73 74<br />

Mittwoch 20:00 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18:45Uhr<br />

Jugendgruppe Kometen<br />

Kontakt Kathar<strong>in</strong>a Zieger<br />

Tel.706 34 28<br />

Mittwoch 19:00 Uhr<br />

Das Ziel<br />

Kontakt Martha Kuschert<br />

Tel. 336 66 26<br />

Donnerstag 17.00 Uhr<br />

Kreativ 2000<br />

Kontakt Bernd Jischke<br />

Tel.687 11 86<br />

Donnerstag 20:00 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18.45 Uhr<br />

Bessere Zukunft<br />

Kontakt Jürgen Fahr<br />

Tel. 323 62 86<br />

Freitag 19:30 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18.30 Uhr<br />

Zu neuen Ufern<br />

Kontakt Ernst Manke<br />

Tel. 692 46 81<br />

Freitag 20:00 Uhr<br />

Vorgespräche ab 19.00 Uhr<br />

K<strong>in</strong>dergruppe Sternchen<br />

Kontakt Silvia Ratzek<br />

Telefon: 030 -746 63 20<br />

jed. 1. u. 3. Samstag 15.00 Uhr<br />

Häuslicher Frieden<br />

Ev. Geme<strong>in</strong>dehaus<br />

Fulhamer Allee 53<br />

12359 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Peter Kaestner<br />

Tel. 604 35 43<br />

Montag 19:30 Uhr<br />

Vorgespräche ab 19.00 Uhr<br />

Alt Rudow<br />

Kath. St.Joseph Kirchengeme<strong>in</strong>de<br />

Alt-Rudow 46<br />

12357 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Klaus-P. Doettloff<br />

Tel. 0170 - 832 37 37<br />

Donnerstag 19:30 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18.15 Uhr<br />

Impulse 88<br />

Seniorenclub<br />

Alt-Buckow 16-18<br />

12349 Berl<strong>in</strong> Kartenansicht<br />

Kontakt ke<strong>in</strong>e Angaben<br />

Donnerstag 20:00 Uhr<br />

Vorgespräche ab 19.00 Uhr<br />

Buckow<br />

Ev.Joh.-Christoph-Blumenhardt-Kirchengeme<strong>in</strong>de<br />

Buckower Damm 59<br />

12349 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Günter Sandkühler<br />

Tel. 603 47 78<br />

Donnerstag 19:30 Uhr<br />

Vorgespräche ab 19.00 Uhr<br />

Gropiusstadt<br />

St. Dom<strong>in</strong>icus-Geme<strong>in</strong>de<br />

Lipschitzallee 74-76<br />

12353 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Heidemarie Wieczorek<br />

Tel. 743 22 33<br />

Donnerstag 19:45 Uhr<br />

Vorgespräche ab 18.30 Uhr<br />

Alternativ<br />

Seniorentagesstätte Sorgenfrei<br />

Markgrafenstraße 10<br />

12105 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Horst Breitenbach<br />

Tel. 705 56 23<br />

Montag 18:30 Uhr<br />

Brandenburg<br />

Seniorenfreizeitheim<br />

Holzmannstraße 18<br />

12099 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Petra Pickert<br />

Tel.626 46 23<br />

Montag 20:00 Uhr<br />

Vorgespräche ab 19.00 Uhr<br />

Britz<br />

Seniorenfreizeitstätte<br />

Holzmannstr. 18<br />

12099 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Sigrid Weiß<br />

Tel. 60 08 47 37<br />

Dienstag 18:00 Uhr<br />

Vorgespräche 18.00 Uhr<br />

Zum sicheren Hafen<br />

Friedensplatz , AWO Haus<br />

Albrechtstraße 110<br />

12103 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Kar<strong>in</strong> Bierhals<br />

Tel. 416 34 14<br />

Dienstag 19:30 Uhr<br />

Lichtenrade<br />

Seniorenfreizeitheim<br />

Marienfelder Allee 104<br />

12277 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Silvia Ratzek<br />

Tel.746 63 20<br />

Montag 19:00 Uhr<br />

Marienfelde<br />

Seniorenfreizeitheim<br />

Marienfelder Allee 104<br />

12277 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt ke<strong>in</strong>e Angaben<br />

Mittwoch 19:00 Uhr<br />

Aufstieg<br />

Am Mühlenberg 12<br />

10825 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Brigitte Seidentoff<br />

Tel. 852 12 20<br />

Donnerstag 19:30 Uhr<br />

An der Quelle des Lebens<br />

Seniorenfreizeitstätte<br />

Am Mühlenberg 12<br />

10825 Berl<strong>in</strong><br />

Kontakt Michael Seidentoff<br />

Tel. 852 12 20<br />

Freitag 19:00 Uhr<br />

Berl<strong>in</strong>er Krisendienst<br />

Region Südwest<br />

Tel.: 390 63 60, Albrechtstr. 7,<br />

12165 Berl<strong>in</strong><br />

Täglich von 16-24 Uhr (ohne<br />

Voranmeldung, kostenlos,<br />

anonym)<br />

Überregionale Nacht- und<br />

Tagbereitschaft (0-16 Uhr)<br />

Tel.: 390 63 60<br />

Überregionale Aufnahmen<br />

DRK-Kl<strong>in</strong>iken Mark<br />

Brandenburg<br />

Drontheimerstraße 39-40<br />

13359 Berl<strong>in</strong>-Wedd<strong>in</strong>g<br />

Tel.-Hotl<strong>in</strong>e (tgl. 24 Std.)<br />

3035-6666<br />

Jüdisches Krankenhaus<br />

Iranische Straße 24<br />

13347 Berl<strong>in</strong>-Wedd<strong>in</strong>g<br />

Psychiatrisch-Psychotherapeutische<br />

Abteilung<br />

Tel.: 4994-2462<br />

<strong>Not</strong>aufnahmen<br />

Achtung! <strong>Not</strong>aufnahmen<br />

erfolgen regional<br />

<strong>in</strong> den zuständigen Krankenhäusern<br />

Sucht & Drogen<br />

Hotl<strong>in</strong>e 24h<br />

Bundesweit<br />

018 05 - 31 30 31


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Liebe Leser<strong>in</strong>nen und Leser,<br />

die TrokkenPresse bef<strong>in</strong>det sich nunmehr im neunten Jahr ihres Bestehens.<br />

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Informationen rund um das Thema Sucht liefern zu können.<br />

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dass das alle zwei Monate für jeden Leser erschw<strong>in</strong>glich se<strong>in</strong> sollte.<br />

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Widerrufsbelehrung: Ich kann diese Bestellung <strong>in</strong>nerhalb e<strong>in</strong>er Frist von zwei<br />

Wochen schriftlich widerrufen. Zur Wahrung dieser Frist genügt die rechtzeitige<br />

Absendung (Poststempel) des Widerrufs an: TrokkenPresse, Abos,<br />

Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong><br />

Sie können natürlich auch die TrokkenPresse persönlich bei uns <strong>in</strong> Schöneberg<br />

abonnieren und bar bezahlen: Mo-Do 10-15 Uhr und Fr 10-13 Uhr <strong>in</strong> der<br />

TrokkenPresse-Redaktion <strong>in</strong> der Crellestraße 26 oder Di 16-18 und Mi 10-<br />

12 Uhr <strong>in</strong> der PBAM-Beratungsstelle <strong>in</strong> der Goebenstraße 8.<br />

Trokkenpresse, Commerzbank Berl<strong>in</strong>, BLZ 100 400 00, Kto. 190 839 108<br />

Die Kle<strong>in</strong>anzeigen s<strong>in</strong>d kostenlos!<br />

Aber jede Spende ist natürlich willkommen! Überweisungen bitte an:<br />

TrokkenPresse, Commerzbank Berl<strong>in</strong>, BLZ 100 400 00, Kto 190 839 108<br />

E<strong>in</strong>e Spendenbesche<strong>in</strong>igung kann ausgestellt werden.<br />

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TrokkenPresse/PBAM, – Kle<strong>in</strong>anzeigen –, Crellestraße 26, 10827 Berl<strong>in</strong><br />

oder per E-Mail an: trokkenpresse@pbam.de<br />

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Nutzen Sie als Familie, Vere<strong>in</strong> oder Gruppe die bequeme Sammelbestellung!<br />

– Bei 9 Exemplaren bekommen Sie 1 Exemplar gratis.<br />

Die TrokkenPresse ersche<strong>in</strong>t alle zwei Monate am Monatsanfang beg<strong>in</strong>nend<br />

im Februar und kostet 1 Euro.<br />

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Fotogruppe-PBAM<br />

hat für Interressenten (analoge SW-Fotografie, SW-Labor,<br />

Präsentation, Foto-Exkursionen, Austellungsbesuche, etc.)<br />

noch 3 Plätze frei. Die Teilnahme ist kostenlos, Vorkenntnisse<br />

s<strong>in</strong>d nicht erforderlich und werden vermittelt. E<strong>in</strong>e Kamera kann<br />

eventuell zur Verfügung gestellt werden.<br />

Kontakt: PBAM - Therapeutische Arbeitsgeme<strong>in</strong>schaft e.V.<br />

Goebenstraße 8, 10783 Berl<strong>in</strong> Schöneberg,<br />

Tel. 030-216 50 08 oder bei der<br />

TrokkenPresse unter 030-78 95 56 01<br />

TrokkenPresse<br />

sucht Mitarbeiter/<strong>in</strong> für die Redaktion<br />

Vorkenntnisse s<strong>in</strong>d erwünscht, z. B. Erfahrungen (Ausbildung)<br />

als Journalist, gute Kenntnissen der Rechtschreibung, Befähigung<br />

zum Korrekturlesen / Lektorat, Umgang mit Adressdateien<br />

und vieles mehr. Insbesondere s<strong>in</strong>d schriftstellerische Fähigkeiten<br />

erwünscht. Da es sich noch um e<strong>in</strong>e sehr kle<strong>in</strong>e Redaktion<br />

handelt, s<strong>in</strong>d vielseitige Fähigkeiten ewünscht. Bei gleicher Eignung<br />

werden trockene Alkoholiker bevorzugt e<strong>in</strong>gestellt.<br />

Bewerbungen an TrokkenPresse-Verlag,<br />

Goebenstr. 8, 10783 Berl<strong>in</strong><br />

oder an trokkenpresse@pbam.de

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