Schweinegrippe und indigene Völker - Survival International

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Schweinegrippe und indigene Völker - Survival International

Schweinegrippeund indigeneVölkerEin Bericht vonSurvival International


EINLEITUNGBIS HEUTE HABEN SICH MEHRERE HUNDERTTAUSENDEMENSCHEN MIT DEM SCHWEINEGRIPPEVIRUS INFIZIERTUND ÜBER VIERTAUSEND SIND BEREITS DARANGESTORBEN. 2 DIE WELTGESUNDHEITSORGANISATION(WHO) HAT EINE GLOBALE GRIPPEPANDEMIEAUSGERUFEN.INDIGENE VÖLKER SIND GENERELL ANFÄLLIGERFÜR DIE SCHWEINEGRIPPE. DAS IMMUNSYSTEMDERJENIGEN, DIE ISOLIERT UND ABGESCHIEDENLEBEN, IST MEISTENS NICHT IN DER LAGEEINGESCHLEPPTE KRANKHEITEN ZU BEKÄMPFEN.ANDERERSEITS LEIDEN DIEJENIGEN, DIE REGELMÄßIGENKONTAKT ZU AUßENSTEHENDEN HABEN, HÄUFIGAN GRUNDLEGENDEN GESUNDHEITSPROBLEMEN,WODURCH DAS GRIPPEVIRUS SCHWERWIEGENDEAUSWIRKUNGEN HABEN KANN. DIE WHO BETONT,DASS INDIGENE MENSCHEN ZU DEN RISIKOGRUPPENZÄHLEN, BEI DENEN DIE ERKRANKUNG HÄUFIG ZUEINEM STATIONÄREN KRANKENHAUSAUFENTHALTODER SOGAR ZUM TOD FÜHRT. STUDIEN HABENGEZEIGT, DASS DIESES RISIKO IM VERGLEICH ZUDEM DER ALLGEMEINEN BEVÖLKERUNG „VIER BISFÜNFMAL SO HOCH IST“. 3„Ich befürchte, dass dieindigene Bevölkerung weitereTodesfälle zu beklagen habenwird. Da ihr Immunsystem durchMangelernährung und andereKrankheiten erheblich geschwächtist, sind Indigene für derartigeInfektionskrankheiten besondersanfällig.“Professor Michael Gracey, Curtin University, Australien. 1GESUNDHEITSEXPERTEN AUF DER GANZENWELT BEFÜRCHTEN, DASS DIE SCHWEINEGRIPPEVERHEERENDE AUSWIRKUNGEN AUF DIE INDIGENEBEVÖLKERUNG HABEN WIRD. DESHALB HABEN SIEDIE REGIERUNGEN DAZU ANGEHALTEN, AUSREICHENDEVORKEHRUNGEN FÜR IHRE INDIGENE BEVÖLKERUNGZU TREFFEN.DER VORLIEGENDE BERICHT BESCHREIBTDETAILLIERT WELCHEN EINFLUSS DIESCHWEINEGRIPPE BISHER AUF INDIGENEVÖLKER HATTE UND WELCHE POTENTIELLENAUSWIRKUNGEN SIE AUF DIE SCHUTZLOSESTENVÖLKER DIESER ERDE NOCH HABEN KÖNNTE.1


SCHWEINEGRIPPEDurch die Mutation des spezifischenVirusstamms H1N1 ist die ansonsten nur beiSchweinen vorkommende Krankheit jetzt vonMensch zu Mensch übertragbar.Die höchst ansteckende Schweinegrippe istmit einer gewöhnlichen Grippe vergleichbar. Dadas Virus auf harten Oberflächen bis zu 24 Stundenund auf weichen Oberflächen bis zu 20 Minutenüberleben kann, wird die Übertragbarkeitvereinfacht.Obwohl sich jeder mit dem Virus anstecken kann,verläuft die Infektion insbesondere bei Menschenmit chronischen Krankheiten wie Atemwegs-,Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, häufigschwerwiegender. 4Es ist bekannt, dass sich weltweit hunderttausendeMenschen mit dem Schweinegrippevirus infizierthaben und über viertausend Infizierte bereitsan dem Virus gestorben sind. Die meisten derVerstorbenen haben an chronischen Krankheitengelitten.DIE GESUNDHEITSLÜCKEDa viele indigene Menschen selbst inWohlstandsländern in ärmlichen Verhältnissenleben und grundlegende Gesundheitsproblemehaben, kann die Schweinegrippe für sieschwerwiegendere Folgen haben. ChronischeErkrankungen wie Diabetes, Herz- undAtemwegserkrankungen kommen in indigenenGemeinschaften häufiger vor als in der allgemeinenBevölkerung, wodurch die Infizierung mit dem Virusfolgenschwere Konsequenzen für sie haben kann.Laut der medizinischen Fachzeitschrift Lanzettetragen „indigene Menschen im Vergleich zu nichtindigenenMenschen ein weitaus höheres Risikoan der Schweinegrippe zu erkranken im.Außerdem verläuft die Krankheit bei ihnen oftmalsschwerwiegender und endet häufiger tödlich.” 6Diese Disparität lässt sich auf die Kolonialzeitund Assimilationsverfahren zurückführen.Indigene Völker wurden gezwungen ihrangestammtes Land zu verlassen und ihretraditionelle Lebensweise aufzugeben. Die„Es ist deprimierender Weisesehr vorhersehbar und manmuss noch nicht einmal komplexe,biologische Erklärungen heranziehen.Diese Krankheit beweist einmal mehr,dass insbesondere indigene Völkervielen Krankheiten schutzlosausgeliefert sind.“Dr. Andrew Pesce, Präsident derAustralian Medical Association. 52


KANADADer gesundheitliche Zustand der indigenenBevölkerung Kanadas ist generell schlechterals der der allgemeinen Bevölkerung. VieleIndigene leiden an chronischen Krankheiten wieFettleibigkeit, Diabetes, Herzerkrankungen undAlkoholismus. Außerdem haben sie eine geringereLebenserwartung. Im Vergleich zur allgemeinenBevölkerung leben Männer 7,4 Jahre und Frauen5,2 Jahre weniger. 11Die kanadische Regierung hat bekannt gegeben,dass immer mehr Menschen in den Erste NationenGemeinschaften (First Nations) an Typ-2-Diabetesleiden und spricht in diesem Zusammenhang voneiner „wachsenden Epidemie“. Außerdem tragenMitglieder der Ersten Nationen ein 420% höheresRisiko an Diabetes zu sterben als die allgemeineBevölkerung. 12 Ein weiteres Problem ist dieFettsucht. 30% aller Inuit Frauen wurden alsfettsüchtig diagnostiziert. 13SchweinegrippeDie Schweinegrippe hatte verheerendeAuswirkungen auf die indigene BevölkerungKanadas. Nachdem sich immer mehr Mitgliederder Ersten Nationen mit dem Virus infizierten,riefen ihre Anführer den Notstand aus. DerPremierminister des Landes, Stephen Harper,zeigte sich angesichts der ständig steigendenInfektionszahlen innerhalb der Gemeinschaftender Ersten Nationen ebenfalls betroffen: „Wirsind generell sehr besorgt über das H1N1 Virus,aber insbesondere über die weite Verbreitunginnerhalb der indigenen Gemeinschaften, speziellin Manitoba.“ 14Die Pandemie traf die Ersten Nationen in derkanadischen Provinz Manitoba besonders hart.Während die Infektionsrate der allgemeinenBevölkerung bei 24 pro 100.000 lag, stieg sieBerichten zufolge bei der Bevölkerung derErsten Nationen in Manitoba auf 130 pro 100.000.Zusätzlich hatte die Infektion schwerwiegenderFolgen für die indigene Bevölkerung, da sie häufigerstationär behandelt werden mussten. 15Die Krankenhäuser in der Split Lake Cree ErsteNation, die ungefähr 120 Kilometer nördlich vonWinnipeg liegt, waren überfüllt und ganze Schulenmussten geschlossen werden, weil sich zahlreicheKinder mit dem Schweinegrippevirus infiziert hatten.Der Gesundheitsdirektor der Gemeinde, Mike Mooseberichtete CBC News, dass die Gemeinde keineHilfsmittel erhalten hatte und auf einen solchenAusbruch einfach nicht vorbereitet war. 16Die widrigen Lebensumstände, insbesondere dasZusammenleben von vielen Menschen auf engemRaum, wurde als ein Grund genannt, weshalb sichdas Virus so rapide innerhalb der indigenenBevölkerung verbreiten konnte. Der politische Analystfür Manitobas nördliche Gemeinschaften der ErstenNationen, Glen Sanderson, bezeichnete die Reservateals „perfekten Nährboden für die Verbreitung desVirus [da] sich das Virus auf jeden überträgt, wennelf Personen in einem Haushalt leben.“ 17Dass insbesondere die indigene BevölkerungKanadas von dem derzeitigen Erregerstamm derSchweinegrippe betroffen ist, ist nicht überraschend.Ähnliche Unterschiede konnte man bereits beifrüheren Grippewellen feststellen. Die SpanischenGrippe von 1918 hatte katastrophale Auswirkungenauf zahlreiche indigene Gemeinschaften. In dem DorfCris in Manitoba starben innerhalb von sechs Wochen20% der Gesamtbevölkerung. 18Ethan Rubenstein, Professor für Infektionskrankheitenan der Universität von Manitoba, ist der Meinung,dass die derzeitige Schweinegrippepandemie einemähnlichen Muster folgen wird wie die SpanischeGrippe 1918; allerdings rechnet er mit wenigerTodesfällen. 19Reaktion der kanadischen RegierungAls Reaktion auf den Ausbruch der Schweinegrippehat die Assembly of Manitoba Chiefs sich dazuentschlossen gemeinsam 1,5 Millionen Dollaraufzubringen, um den Gemeinschaften der ErstenNationen in der Provinz medizinische Ausrüstung zurVerfügung zu stellen. Oberhäuptling Ron Evans teilteder kanadischen Presse mit, dass die Bevölkerungder Ersten Nationen es kaum erwarten kann „zusehen welche Schritte die kanadischeBundesregierung einleiten wird.“ 20Die Regierung in Manitoba hat einen speziellenGesundheitsberater engagiert, der die Ersten4


AUSTRALIENNationen im Kampf gegen die Schweinegrippeunterstützen soll. Dennoch kritisierte die indigeneBevölkerung die Bundesregierung scharfhinsichtlich ihres Umgangs mit dem Ausbruch.Insbesondere das Ausbleiben medizinischer Hilfewurde bemängelt.Die Assembly of Manitoba Chiefs kritisierteinsbesondere das kanadischeGesundheitsministerium, nachdem dringendbenötigte Desinfizierungsmittel nur zögerlich inabgeschiedene Erste Nationen Gemeinden geliefertwurden. Obwohl bekannt war, dass die meistenHaushalte in den Reservaten in Manitoba keinfließendes Wasser haben, mit dem man sich dieHände hätte reinigen können, debattierte dasMinisterium zwei Wochen lang über die Lieferung.Es hatte die Befürchtung, dass auf Grund deshohen Anteils von Alkoholikern in den Gemeinden,die Desinfektionsmittel nicht für ihren eigentlichenZweck gebraucht werden würden.Laut der Assembly of Manitoba Chiefs mussteneinige Gemeinden fast einen ganzen Monat aufdas Desinfizierungsmittel warten. Der MedizinerDr. Kim Barker, der für die Assembly arbeitet,sagte Berichten zufolge: „Wir haben gehört,dass auf Grund der weiten Verbreitung vonAlkoholismus ...tagelang über die Vor- undNachteile von auf Alkohol basierten und nichtauf Alkohol basierten Desinfizierungsmittelndiskutiert wurde. Das ist skandalös.“ 21Der gesundheitliche Zustand der Aborigines inAustralien ist im Vergleich zu dem der allgemeinenBevölkerung – ähnlich wie in Kanada – weitausschlechter. Durchschnittlich haben sie eine15-20 Jahre geringere Lebenserwartung. DieWahrscheinlichkeit, dass sie an Diabetes sterbenist zweiundzwanzigmal, dass sie an einer Herz- oderLungenerkrankung sterben achtmal und dass sieinfolge eines Hirnschlags sterben sechsmal höher. 23Armut spielt hierbei eine entscheidende Rolle.Aborigines verdienen im Durchschnitt nur 62%von dem, was die allgemeine Bevölkerungverdient. 24 Sie leben häufiger in ärmlichenVerhältnissen und haben selten Zugang zueiner adäquaten medizinischen Versorgung.Außerdem wissen sie nur noch wenig über ihretraditionelle Lebensweise und verfügen nur übereine unzureichende Schulbildung. DieseLebensumstände begünstigen nicht nur zahlreichechronische Krankheiten, sondern führen auchzu einer besonderen Anfälligkeit für dieSchweinegrippe.Auf Grund der zögerlichen Reaktion seitens derkanadischen Regierung verwendete der Vorsteherder Garden Hill Erste Nationen Gemeinde, DavidHarper, 15.000 Dollar aus dem Bildungsfond, umdie dringend benötigte medizinische Ausrüstungzu kaufen. Nachdem er wochenlang auf diemedizinischen Utensilien gewartet hatte,verwendete Harper das Geld, das ursprünglich fürden Kauf von Laptops für Studenten gedacht war,für den Kauf von Masken und Desinfizierungsmittel.Eine Woche nachdem er die 15.000 Dollarausgegeben hatte, lieferte die Regierung 2.500Flaschen Desinfizierungsmittel. 22Die Lebenserwartung australischerAborigines ist 15-20 Jahre geringerals die anderer Australier.5


UNKONTAKTIERTE UND KÜRZLICH KONTAKTIERTE VÖLKERDie größte Sorge gilt den unkontaktierten indigenenVölkern dieser Welt, denjenigen mit wenig odergar keinem regelmäßigen Kontakt zuAußenstehenden und denjenigen, die kürzlichKontakt zu Außenstehenden hatten. Solche Völkerbesitzen keine ausreichende Immunität gegenübereingeschleppten Krankheiten. Selbst einegewöhnliche Erkältung kann tödliche Folgen haben,wenn sie noch nie mit einer solchen Krankheit inBerührung gekommen sind. Dies bedeutet auch,dass sie besonders der Schweinegrippepandemieschutzlos ausgeliefert sind.Die Schweinegrippe ist bis in das peruanischeAmazonasgebiet vorgedrungen. Sieben Mitgliederder Matsigenka wurden positiv auf das Virusgetestet. Obwohl alle sieben von der Krankheitgenesen, bleibt die Sorge, dass sich benachbarteunkontaktierte Völker, deren Immunsystem überkeine Resistenzen gegenüber eingeschlepptenKrankheiten verfügt, sich mit dem Virus infizierthaben könnten.„Da unkontaktierte Völker keineausreichende Immunität gegenüberden Infektionskrankheiten unsereIndustrienationen besitzen, sind siebesonders anfällig für die Schweinegrippe.Dies kann katastrophale Auswirkungenhaben. Wenn beispielsweise ganzeGemeinschaften gleichzeitig erkranken,bleibt keiner, der sich um die Krankenkümmern oder Nahrung sammeln undkochen kann.”Dr. Stafford Lightman, Medizinprofessoran der Universität Bristol. 29In Brasilien wurde die Konferenz für IndigeneBildung, die für den 21. September geplant war,aus Sorge vor der Schweinegrippe abgesagt. 30Berichten zufolge verlassen einige indigene Völkerdie Flussufer, um Kontakt mit Außenstehenden zuvermeiden und suchen stattdessen in den WäldernBrasiliens Schutz vor der Schweinegrippe. 31Diese Angst ist berechtigt. Die Geschichte hatgezeigt, dass ganze Völker durch eingeschleppteKrankheiten ausgelöscht werden können. Zwischen1967 und 1975 viel eine Gemeinde der Yanomamiden Masern zum Opfer. In anderen Dörfern in derRegion dezimierte sich die Bevölkerung bis zu70%, durch die von Straßenbauern eingeschleppteKrankheit. 32Sieben Angehörige der Matsigenka sind schonpositiv auf Schweinegrippe getestet worden.7


Reisen und TourismusUnkontaktierte Völker stellen einen besonderenReiz für Touristen dar, da sie diese unbedingteinmal sehen möchten. Touristische Einrichtungenwurden in der Nähe von unkontaktierten Völkernerrichtet und „erste Kontakt”-Touren werdenangeboten, die den Touristen versprechen, dasssie unkontaktierte Völker treffen können. Selbstin normalen Zeiten, kann ein solcher Tourismuskatastrophale Auswirkungen auf die unkontaktiertenindigenen Völker haben, die sie dadurchunwissentlich unbekannten Krankheiten ausgesetztwerden. Zu Zeiten einer globalen Pandemie, sindsolche touristischen Attraktionen besondersfahrlässig und geben Anlass zur Sorge.Internationale Reisen spielen eine zentraleRolle bei der rapiden und weiten Verbreitungder Schweinegrippe und anderenInfektionskrankheiten. Eine Studie, die von demMediziner für Infektionskrankheiten Dr. KamranKhan durchgeführt wurde, konnte die Verbreitungdes Virus genau voraussagen, indem die Reisezielevon Reisenden aus Mexiko analysiert wurden.Die Ergebnisse der Studie zeigten deutlich, dasses eine Parallele zwischen den internationalenReisezielen der Passagiere und der Verbreitungder Schweinegrippe gibt. 33Studien haben ebenfalls belegt, dassFlugzeugpassagiere eine Woche nach einemFlug häufiger an einer Erkältung leiden alsgewöhnlich. Durchschnittlich 20% aller Reisendenentwickeln eine solche Infektionskrankheit nacheinem Flug. 34 International Reisende spielen daher,bei der weltweiten Verbreitung der Schweinegrippe,eine entscheidende Rolle. Diejenigen, die direktvom Flughafen in die unmittelbare Nähe vonunkontaktierten Völkern reisen, gefährden somitauch die schutzlosesten Völker dieser Erde.Es hat zahlreiche Versuche gegeben, umdie Verbreitung der Schweinegrippe durchinternationale Flüge zu verhindern. EinigeFluglinien wie British Airways und Virgin Atlantishaben Passagieren, die Grippesymptome zeigten,verboten ihren Flug anzutreten. Thermoscannerwurden eingesetzt, um festzustellen, ob Passagierean Grippesymptomen wie Fieber leiden.Die WHO bezeichnete solche Unterfangen alsaussichtslos, da sich eine Verbreitung des Virusdadurch nicht verhindern ließe. Weiterhin hättenauch Reisebeschränkungen wenig Einfluss aufdie Verbreitung des Virus. Daher rät die WHORegierungen sich auf Maßnahmen zu konzentrieren,die die Auswirkungen eines Ausbruchs minimierenkönnten. 35Ein indigenes Volk in den USA verschob einwichtiges Dorffest aus Angst, dass internationaleBesucher die Schweinegrippe einschleppenkönnten. Die Havasupai, deren Dorf im GrandCanyon im letzten August überflutet wurde,verschoben die Wiedereröffnung der Gemeinschaft.Der stellvertretende Vorsitzende des Dorfes MatthewPutesoy sagte: „Wir sind eine kleine, abgeschiedeneGemeinde. Die Menschen kommen aus aller Welt,um uns zu besuchen. Selbst bei der momentanenwirtschaftlichen Lage, können wir nichts riskieren.“ 36Jedoch haben die meisten unkontaktiertenindigenen Völker keinen Einfluss darauf, werihr Land betritt. Solange Passagiere internationaleFlüge wahrnehmen, wird sich die Schweinegrippeweiterhin verbreiten und so das Risiko fürunkontaktierte und in Abgeschiedenheit lebendeindigene Völker erhöhen.Wenn Passagiere weiterhin internationalreisen und die Schweinegrippe sich weiterausbreitet, erhöht sich das Infektionsrisikofür isolierte Völker.8


FAZIT„Als Anführer gefährdeter Völker, dieunter ähnlichen Bedingungen wie die DritteWelt leben, verdienen die Ersten Nationennicht weniger Aufmerksamkeit.38”Versammlung der Oberhäupter der Manitoba.Obwohl die derzeitige Schweinegrippepandemiehunderttausende Menschen weltweit betroffenhat, sind die Folgen für die indigene Bevölkerungin Australien und Kanada besondersschwerwiegend. Der Unterschied zwischen demgesundheitlichen Zustand der indigenen und derallgemeinen Bevölkerung wurde hierdurch nocheinmal verdeutlicht. Obwohl diese Disparität seitlangem bekannt ist, wird sie kaum thematisiert.Die Gefahr, die von der Schweinegrippe fürunkontaktierte und vor kurzem kontaktierteVölker ausgeht ist real und besorgniserregend,insbesondere da das Virus bereits in Gebietenaufgetaucht ist, die sich in unmittelbarer Nähe zudiesen Völkern befinden. Das Einschleppen derSchweinegrippe kann, wie das Einschleppen jederanderen unbekannten Krankheit, für die indigeneBevölkerung verheerende Konsequenzen haben.Survival appelliert an die Regierung undGesundheitsorganisationen auf der ganzen Weltwährend der Schweinegrippepandemie spezielleVorkehrungen für die indigenen Völker zu treffen:• Informationen über die Schweinegrippemüssen den indigenen Völkern in adäquaterForm und Sprache zur Verfügung gestellt werden.• Gesundheitsexperten müssen auf das erhöhteRisiko in indigenen Gemeinschaften aufmerksamgemacht werden.• Das Gesundheitspersonal in indigenenGemeinden muss über die Symptome desVirus aufgeklärt werden und ihnen mussgezeigt werden wie dessen Verbreitungminimiert werden kann.• Notwendige Medikamente und anderemedizinische Utensilien müssen den indigenenGemeinschaften unverzüglich zur Verfügunggestellt werden.• Es müssen Schritte eingeleitet werden,um den Kontakt zwischen unkontaktiertenindigenen Völkern und Außenstehenden zuverhindern. Straßen müssen gesperrt undResorts geschlossen sowie alle anderenHandlungen unterbunden werden, die dieindigenen Völker in Gefahr bringen.• Illegale Holzfäller, Ölarbeiter, Viehzüchter undWilderer müssen das Gebiet der unkontaktiertenindigenen Völker unverzüglich verlassen.Regierungen müssen die Schutzlosigkeit derindigenen Bevölkerung gegenüber dem Virusanerkennen und spezielle Maßnahmen ergreifen,um sicher zu stellen, dass indigene Gemeinschaftenauf einen eventuellen Ausbruch der Krankheitadäquat vorbereitet sind.10


Fußnoten1Vancouver Sun, July 3 20092http://www.who.int/csr/don/2009_08_28/en/index.html3http://www.who.int/csr/disease/swineflu/notes/h1n1_second_wave_20090828/en/index.html4http://www.nhs.uk/Conditions/Pandemic-flu/Pages/QA.aspx5http://www.nytimes.com/2009/08/16/world/asia/16australia.html6Gracey, M and M. King. 2009. Indigenous health part 1: determinants and disease patterns. The Lancet, vol. 374:687Survival International, 2008, Progress can kill pp108Gracey, M and M King. 2009. Indigenous health part 1: determinants and disease patterns. The Lancet, vol. 374:729Survival International, 2008, Progress can kill p.110UN/Global Health Forum, 15 June 2009, New York11Survival International, 2008. Progress can kill, p.1112Survival International, 2008. Progress can kill, p.1113Survival International, 2008. Progress can kill, p.1914http://www2.canada.com/topics/news/story.html?id=173269015http://www2.macleans.ca/2009/07/16/people-at-risk/#more-6959216http://www.cbc.ca/canada/manitoba/story/2009/06/08/mb-influenza-winnipeg.html17http://www.cbc.ca/canada/manitoba/story/2009/06/08/mb-influenza-winnipeg.html18http://www.abs-cbnnews.com/world/07/29/09/canada-natives-fear-swine-flu-spread-coming-months19http://www.abs-cbnnews.com/world/07/29/09/canada-natives-fear-swine-flu-spread-coming-months20http://www.macleans.ca/canada/wire/article.jsp?content=n1970461421http://www.ctv.ca/servlet/ArticleNews/story/CTVNews/20090623/first_nations_/2009062322http://www2.macleans.ca/2009/06/26/the-unseen-costs-of-swine-flu23Survival International, 2008. Progress can kill, p.1224Survival International, 2008. Progress can kill, p.1225The Australian, July 22 200926Survival International, 2008. Progress can kill, p.1327http://www.nytimes.com/2009/08/16/world/asia/16australia.html28http://www.vancouversun.com/health/swineflu/Swine+potential+devastate+indigenous+populations+worldwide+medical+journal+reports/1754987/story.html29Korrespondez mit Survival International30http://www.agenciabrasil.gov.br31Terra Notícias, August 19 200932Survival International, 2008. Progress can kill, p.433The Canadian Press, June 29 200934Hocking and Foster, 2004. Common cold transmission in commercial aircraft: industry and passenger implications.Journal of Environmental Health Research, Vol.3, Issue 135OMS, 7 de mayo de 2009, Alerta y Respuesta Mundiales36http://motherearthjournal.blogspot.com/2009/05/h1n1-flu-spreads-to-over-20-states.html37Das vom obersten Gericht 2003 beauftragte Expert Committee on health and Hygiene beschrieb die Atemwegsinfektionals “häufigste Todesursache der Jarawas”.38http://www.manitobachiefs.com/index1.html© Survival 2009.Photos: p2 & 3:Guarani Mutter und Kind, Brasilien © João Ripper/Survival;P5: Aborigine Frau, Alice Springs, Australien © Ceanne Jansen/Survival;p7(top): Unkontaktierte Indigene, Brasilien © Gleison Miranda/FUNAI; (bottom):Matsigenka Kinder, Peru © Survival; p8: Abgelegenes Dorf der Uru Eu Wau,Brasilien © Fiona Watson/Survival; p9: Jarawa, Andamanen © Salomé/ Survival;p10: Yanomami Mädchen, Brasilien © Victor Englebert/Survival.Survival DeutschlandHaus der Demokratie undMenschenrechteGreifswalderstr.410405 BerlinDeutschlandT: +49 (0)30 72 29 31 08info@survival-international.dewww.survival-international.de

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