GLaNZ KLaNG - Staatskapelle Dresden

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GLaNZ KLaNG - Staatskapelle Dresden

GETEXCITEDANDWATCHMUSIC„Es genügt nicht, dass man Musik nur hören kann. Man muss Musik auch sehen können“,sagte schon Igor Strawinsky. Folgen Sie Strawinskys Empfehlung und begnügen Sie sich nichtnur mit dem, was Sie hören: Erleben Sie die schönsten Konzerte von Christian Thielemannund der Staatskapelle Dresden auf UNITEL CLASSICA, dem ersten Fernsehsender fürdie Welt der Klassischen Musik – natürlich in High Definition und mit Surround Sound.www.unitelclassica.comAUCH ERHÄLTLICH AUF DVD UND BLU-RAY!UNITEL CLASSICA empfangen Sie in Deutschland über T-Entertain,Unitymedia, KabeIBW, NetCologne und Sky, in Österreich über UPC Austriaund Sky und in der Schweiz über Swisscom, UPC Cablecom und Swisscable.grusswortEin Jahreswechsel – das ist Rückblickund Ausblick zugleich.Zwei Momente des Innehaltens,die uns hier bei der Staatskapelleseit jeher am Herzen liegen: derRückblick in die Geschichte unseres Orchestersund der Ausblick zu neuen Ufern.Rückblick und Ausblick verändern sich jedenMoment und werden durch den Augenblickbestimmt, in dem wir innehalten. Esist die Gegenwart des Augenblickes, in demwir reflektieren, die unseren Blick zurückund unseren Blick nach vorne bestimmt.Die Jahreswende von 2013 auf 2014hat für mich viele Perspektiven. Für einenMusiker handelt es sich natürlich um denWechsel zwischen zwei wichtigen Jubiläumsjahren:Richard Wagner, der DresdnerHofkapellmeister, stand im diesem Jahrmit seinem 200. Geburtstag im Fokus unsererArbeit. Nun wird unser Blick sich aufden Jubilar von 2014 richten, auf RichardStrauss. Auch sein Wirken ist eng mit derGeschichte der Staatskapelle verbunden.Als seine Opern »Salome« und »Elektra«weltweit als zu revolutionär aufgefasstund teilweise sogar verboten wurden, warDresden die Stadt, die sich zu seiner Musikbekannte und die Uraufführungen stemmte.Und so ist es klar, dass die »Elektra«zum Auftakt des 150. Jubiläumsjahres fürRichard Strauss auch bei uns einen festenPatz hat.Mit der Produktion der Semperoperwerden wir in konzertanter Version weiteran den damaligen Wohnort von RichardStrauss ziehen, nach Berlin, um sie dort inder Philharmonie aufzuführen. Außerdemkann ich jetzt schon verraten, dass derRückblick auf unsere Open-Air-Gala zuEhren von Richard Wagner in diesem Sommermit Richard Strauss eine Fortsetzungerfahren wird.Sie sehen, mein persönlicher Ausblickauf das kommende Jahr mit der Staatskapelleist ein Ausblick mit großer Freude undeine logische Fortsetzung des alten Jahres.Er basiert auf dem, was wir gemeinsammit Christian Thielemann im letzten Jahrerreicht haben. Mein Rückblick auf 2013»Mein persönlicher Ausblick auf das kommende Jahr mitder Staatskapelle ist ein Ausblick mit großer Freude undeine logische Fortsetzung des alten Jahres. Er basiertauf dem, was wir gemeinsam mit Christian Thielemannim letzten Jahr erreicht haben.«ist der Blick auf einen Aufbruch, auf einenneuen Geist, der sich aus den Erfahrungender Tradition speist, aus Begeisterung undspielerischer Perfektion.Der verstörende Rückblick in die Geschichteunserer Stadt und der Ausblick aufeine hoffnungsvolle Zukunft in Dresdengehören traditionell zum alljährlichen Ritualder Staatskapelle: Die »Gedenkkonzerte«erinnern uns regelmäßig an die Bombennächtevon 1945. Und ich bin glücklichdarüber, dass Christian Thielemann es alsseine persönliche Verpflichtung ansieht,diese Konzerte zu leiten und uns mit VerdisRequiem einen Rückblick in Trauer undeine Zukunft mit Trost schenken wird.Aber zunächst feiern wir den letzten Tagdes Jahres 2013 und den Wechsel der Jahrewieder gemeinsam in der Semperoper. ZuGast sind die wunderbare Renée Flemingund der Tenor Klaus Florian Vogt mit Ausschnittenaus Musicals und Operetten der20er und 30er Jahre. Wie schon im letztenJahr werden Millionen mit uns an den BildschirmenSilvester feiern, wenn das ZDFdieses Konzert in die deutschen Wohnzimmerüberträgt.Wenn ich in diesem Moment zurückblickein das vergangene Jahr und ausblickeauf das kommende, freue ich michbesonders, dass die Staatskapelle heute inruhigen Gewässern ist. Dass es nicht umUmbrüche geht, sondern um immer neuePerspektivverschiebungen, für die einekontinuierliche und intime Zusammenarbeitund das akribische Arbeiten am unverwechselbarenKlang der Kapelle zwischendem Orchester und Christian Thielemannden Grundstein bildet.In diesem Sinne wünsche ich Ihneneinen frohen Ausklang des alten Jahres undviele spannende Höreindrücke für 2014.IhrJan NastOrchesterdirektor der SächsischenStaatskapelle DresdenInhaltSeiten 4-5 Zwei Österreicher in DresdenFranz Welser-Möst und RudolfBuchbinder kommen zur StaatskapelleSeiten 5-6 »Tradition ist eine Form desAntwortens«Ein Interview mit Capell-CompositeurWolfgang RihmSeite 7 Komm mit ins Neue Jahr!Christian Thielemann leitet erneutdas Silvesterkonzert der StaatskapelleSeiten 8-9 Der GegenentwurfDer Capell-Virtuos Radu Lupustellt sich mit Mozart-Konzertenin der Gläsernen Manufaktur vorSeite 10 Wer war Richard Strauss, HerrThielemann?Der Chefdirigent der Staatskapelleim InterviewSeite 11 Reise zum Umbruch des KlangesGeorges Prêtre stellt im 5. Symphoniekonzertzwei Wandler des Klanges vorSeiten 12-15 Renaissance einer StradivariNach jahrelanger Reparatur kehrt dieKapell-Stradivari auf die Bühne zurückSeiten 16-17 Von Wut, Chaos und TrostIn den Gedenkkonzerten dirigiertChristian Thielemann erstmals dasRequiem von Giuseppe VerdiSeite 18 Geschenkideen für das WeihnachtsfestSeite 19 KonzertvorschauDie Konzerte der Staatskapellevon November bis Februar3 SAISON 2013 / 2014


4. symphoniekonzertZwEI ÖsTERREICHERin DresdenFranz Welser-Möst undRudolf Buchbinder kommenzur StaatskapelleFranz Welser-Möst war hoffnungsvollerGeiger, bis ein Autounfallim Jahr 1978 seine Karrierebeendete. Damals war ergerade 18 Jahre alt und hat sichsofort dem Dirigieren verschrieben – unddas mit großem Erfolg. Vom Leiter des ÖsterreichischenJugendorchesters ist er überWinterthur und London nach Zürich gegangen,wo er Musikdirektor der Oper wurde.Heute leitet Franz Welser-Möst die WienerStaatsoper und ist außerdem musikalischerChef des Cleveland Orchestra in den USA.Jenseits seiner musikalischen Interpretationengeht es dem Dirigenten immerauch darum, die Klassik in der Öffentlichkeitzu debattieren: Er klagt schlechteProduktionsbedingungen bei Festspielenund in Orchestern an, streitet für die NeueMusik und die gesellschaftliche Bedeutungder Klassik. Seine Programme sind vielfältigund darauf ausgerichtet, die Ohren zuöffnen. Auch deshalb wird er in Dresdensowohl die Deutsche Erstaufführung vonWolfgang Rihms »Verwandlung 5« (sieheInterview) als auch die sechste Symphonievon Dmitri Schostakowitsch dirigieren.Der Vorname des Dirigenten, Franz LeopoldMaria, ist ein Synonym für Österreich,seinen ersten Nachnamen hat der leidenschaftlicheBergwanderer Welser-Möst ausVerbundenheit zu seiner österreichischenHeimatstadt Wels angenommen. In Österreichist Franz Welser-Möst eine nationaleMusikikone. Bereits zwei Mal dirigierte erdas Neujahrskonzert im Goldenen Saal desWiener Musikvereins am Pult der WienerPhilharmoniker. Kein Wunder also, dasser nun mit einem international ebenso gefeiertenLandsmann nach Dresden reist:Der Pianist Rudolf Buchbinder zählt zu dengrößten Musikstars seiner Heimat und istdem Dresdner Publikum als ehemaligerCapell-Virtuos bestens bekannt. Der passionierteBeethoven-Interpret wird dieses MalSergej Rachmaninows Rhapsodie über einThema von Paganini interpretieren.Auch beim traditionellen ZDF-Adventskonzertam 30. November in der Dresdner Frauenkircheist Franz Welser-Möst am Pult der Staatskapellezu erleben. Das Konzert ist bereits seit Wochenausverkauft, Sendetermin im ZDF ist der1. Dezember 2013 um 18 Uhr. Das Publikumdarf sich auf drei Weltklassesolisten freuen: dieMezzosopranistinnen Joyce DiDonato und JuliaLezhneva sowie den Tenor Klaus Florian Vogt.Rudolf BuchbinderMittwoch, 27. November 2013, 20 UhrFreitag, 29. November 2013, 11 UhrSonntag, 1. Dezember 2013, 11 UhrSemperoper Dresden4. SyMPHoniekonzertFranz Welser-Möst DirigentRudolf Buchbinder KlavierWolfgang Rihm»Verwandlung 5«, Musik für Orchester (2013),Deutsche ErstaufführungSergej RachmaninowRhapsodie über ein Thema von Paganinifür Klavier und Orchester op. 43Dmitri SchostakowitschSymphonie Nr. 6 h-Moll op. 54Kostenlose Einführung jeweils 45 Minuten vorKonzertbeginn im Opernkeller der Semperoper»TraDITIon ist eine Formdes Antwortens«Ein Interview mit dem Capell-Compositeur Wolfgang RihmLieber Herr Rihm, eines der Werke IhrerDresdner Residenz ist »Lichtes Spiel« für Violineund Orchester (2009). An dieses Wortspielanknüpfend: Ist das Komponieren fürSie eher »leichtes Spiel« oder eine »schmerzensreiche«Angelegenheit?»Licht« ist ja nicht »leicht«! Es meinteher: durchsichtig, hell, freie Höhe, lastenlos,schwebend … All das ist – wieübrigens auch »das Leichte« – nichtleicht zu haben. Man muss sich ganzschön dafür anstrengen, meinetwegenauch Schmerzen auf sich nehmen. Dashat nichts mit »Sich-Schwertun« zu tun.Übrigens ist auch »das Schwere« ganzschön schwierig herzustellen. Leichtwirkt ein künstlerischer Prozess sowiesonur von außen. Denn die größte Selbstverständlichkeitversteht sich ja nichtvon selbst – sonst könnte sie ja ein jederleicht herstellen. Fragen Sie Mozart.Als Capell-Compositeur der SächsischenStaatskapelle in dieser Saison sind Sie miteiner Reihe von Werken, vom Quintett bis zurgroßen Symphonik, in den Konzerten des Orchestersvertreten – einschließlich einer DeutschenErst- und einer Uraufführung. Wie erlebenSie eigene Uraufführungen? Gibt es auchfür Sie selbst manchmal Überraschungen?Ich bin immer überrascht, wenn ich eineArbeit zum ersten Mal höre. Das, was ebennoch in der Vorstellung sich befand, tritt4 SAISON 2013 / 2014 5 SAISON 2013 / 2014


4. symphoniekonzertSilvesterkonzerteinem plötzlich als Wirklichkeit entgegen.Aber ich bin auch überrascht, wenn ichetwas zum zweiten Mal oder zum x-ten Malhöre. Denn es gibt nichts zweimal. Immerist etwas Neues zu entdecken. Das ist dochdas Wesen von Interpretation. Die Vorstellungist äußerst präzise – aber sie generierteinen Möglichkeits-Raum. Keine einseitigeinzigeMöglichkeit. Das wäre Verarmung.Das Wesen einer idealen Vorstellung istihre Unerschöpflichkeit. Darum hören wirMusik wieder und wieder.In den 1970er Jahren entzündeten sich anIhrer Musik heftige Kontroversen, weil Sie,entgegen dem Zeitgeist, für das schöpferischeSubjekt, die Subjektivität des Komponisteneintraten: für ein Komponieren, dasZeit lassen. Zeit ist übrigens auch wichtig,einen vordergründigen Neuigkeitswert alsetwas Nebensächliches zu erkennen.Ihr neues Orchesterwerk »Verwandlung 5«(2013) setzt Ihre gewichtige Serie der orchestralen»Verwandlungen« fort, die DresdnerAufführung durch die Staatskapelle istgleichzeitig die Deutsche Erstaufführung. Inwelchem Verhältnis steht das Stück zu der bisheute gewachsenen »Verwandlungs-Familie«und speziell zu »Verwandlung 2« (2005)?In den »Verwandlungen« geht es mirdarum, organische Formen zu schaffen,in welchen sich eines aus dem anderenentwickelt. Die Stücke sind Prozesse unausgesetztenVerwandelns. Das vorläufigletzte – die Nr. 5 – versucht dieses Verwandelnin der Sphäre transparenten Wechselspielszu realisieren. Eine Art »heitererSatz«, licht, schnell und gelenkig, voneiner diskreten Virtuosität: fast kammermusikalischdas Ganze. Die Nr. 2 istvielleicht symphonischer. Ich weiß nicht.Mir kommen die Stücke wie athematischesymphonische Dichtungen vor.schehens die substanzielle Originalgestalt,die wesensmäßige Erscheinungsform derKomposition. Deshalb ist Strauss eben kein»Orchestrator«, sondern ein Komponist. Fürmich: ein Komponist größter Originalität.Ihr »Ernster Gesang« für Orchester (1996)entspringt demgegenüber einer intensivenBeschäftigung mit Brahms. Manch ein zeitgenössischerKomponist würde vielleichtzurückschrecken vor einer solchen Auseinandersetzungmit der Tradition, die ja auchhemmend sein oder in der man sich verlierenkann …?Kunst antwortet immer auf Kunst. Und»Tradition« sind wir selber – ich habe dasunzählige Male schon ausgeführt: Traditionist nicht etwas, das früher einmalwar, sondern sie ist das, was jetzt auf ein»Früher« antwortet. In diesem Sinne versteheich meine Auseinandersetzung mitbeispielsweise dem Brahms’schen Komponieren.Es ist eine Form des Antwortens.Vergleichbar etwa der Art, wie Brahms aufBeethoven, Strauss auf Mozart – ja Cageauf Satie antwortet.Renée Fleming und Christian Thielemann beimSilvesterkonzert 2010 in der SemperoperWolfgang Rihm»seismografisch« auf musikalische Ideen,Gesten, »Klangobjekte« reagiert, sie formtund ihr Potenzial freisetzt. Wie beurteilen Sieheute die damals in der Avantgarde verbreiteteForderung, ein neues Werk müsse immerauch einen Neuigkeitswert haben?Selbstverständlich muss ein neues Werkauch neu sein. Niemand will ein »altesWerk« schaffen – also etwas, das es in dieserWeise schon gibt. Wie das dann gedeutetwird, haben wir allerdings nicht in derHand. Denn es ist jederzeit möglich, dassdas Neue nicht erkannt wird. Und das ist jaauch völlig normal, denn jeder ist in seinenBetrachtungsweisen befangen. Wagnerhatte kein Ohr für Brahms, Brahms hattekeines für Bruckner usw. usf.Ein neues Werk, auch wenn es einen Beobachtungswinkelin den geschichtlichenKontext entwirft, wird immer eine neueSicht, einen neuen Wesenskern anbieten.Diesen zu erfahren, können wir uns ruhigA propos symphonische Dichtungen:Richard Strauss, der große Komponistenjubilardes nächsten Jahres, widmete derDresdner Hofkapelle bekanntlich seine letzteTondichtung, die »Alpensinfonie«. Er wirdseit jeher für seine Meisterschaft auf demFeld der Instrumentation gerühmt. Wie gehtman vor, wenn man, wie Sie, den Auftragannimmt, eben jenen Strauss zu instrumentieren,in diesem Fall sein letztes Klavierlied»Malven« für die Kapelle, Christian Thielemannund die Osterfestspiele Salzburg? Wieviel Rihm steckt in diesem (neuen) Strauss,der im Rahmen seiner »Letzten Lieder« zuhören sein wird?Das Lied »Malven« ist ein kleines, bescheidenesKlavierlied. Nicht zu vergleichen mitden tiefen Großformen der »Vier letztenLieder«. Ich habe die »Malven« also nichtaufgeplustert, sondern klein und bescheidenorchestriert. Am Ende habe ich eineArt Ausweitung der Harmonik komponiert,wo für ein paar Sekunden mein Blick aufden Abschied nehmenden Großmeister hörbar– oder besser: fühlbar wird. Es ist einliebender Blick. Aber es ist eben: Abschied.Was macht die Strauss’sche Klangwelt ausIhrer Sicht so besonders?Bei Strauss entsteht nie der Eindruck, einTonsatz werde orchestriert. Vielmehr ist dieinstrumentale Erscheinung des Klangge-Strauss und Brahms besaßen doch einigermaßenunterschiedliche Vorstellungenüber den Sinn und Zweck der Musik. Gibtes Aspekte in beider Komponieren, die SieIhren Studenten zur Anschauung dringendempfehlen?Zur Anschauung empfehle ich immerkonkrete Partituren, nicht so sehr weltanschaulicheHaltungen. Von Strauss kannman neben dem ingeniösen Gebrauch derInstrumente sehr viel über das Generierenvon Großformen lernen. Seine symphonischenDichtungen sind weitgespannte Einzelsätzevon langer Dauer. Wie wunderbarverteilt er die Gewichte, die Hell-Dunkel-Wirkungen auf der Zeitfläche. Darin liegtunvergleichliche Formkraft. Varèse hatenorme Anregung daraus gezogen.Bei Brahms finden sich in jedem TaktBeispiele dessen, was ich vorhin kurz alsdas Ideal organischen Komponierens – einuntrüglich sicheres Fließen aus kleinsten(aber groß gedachten!) Einheiten – versuchtezu benennen. Auch das ein Antworten –auf Bach.Was erwarten Sie von einem Komponisten,der sich mit einem Werk von Wolfgang Rihmkompositorisch auseinandersetzen möchte?Dass er zu sich kommt.Die Fragen stellte Torsten Blaich.Komm mit insJahreswechsel sind etwas Magisches.Sie sind Besinnung und Aufbruchzugleich – Rückkehr und Ausblick.Und sie brauchen Rituale. Seit ChristianThielemann in Dresden ist, feiertdie Staatskapelle den Jahreswechsel gemeinsammit ganz Deutschland. Mit eineropulenten ZDF-Gala aus der Semperoperlädt das Orchester ein Millionenpublikumzum musikalischen Innehalten und zumFeiern ein.Dieses Jahr hat die Kapelle dafür zweiWeltstars zu Gast: Die Sopranistin RenéeFleming und den Tenor Klaus Florian Vogt.Sie werden das Jahr 2013 unter dem Motto»Von Berlin bis Broadway« mit Arien undDuetten aus populären Musicals und Operettender 20er und 30er Jahre verabschiedenund das Jahr 2014 schwungvoll begrüßen.Denn am liebsten feiert man solcheFeste schließlich mit guten Freunden.neue JaHR!Christian Thielemann dirigiert erneutdas populäre ZDF-SilvesterkonzertDie amerikanische Sängerin Renée Flemingist mit ihrer perfekten Legatostimmeseit einigen Jahren bevorzugte Gesangspartnerinvon Christian Thielemann und derStaatskapelle, hat gemeinsam mit ihnen bereitsdas Silvesterkonzert 2010 und die »Ariadneauf Naxos« im Festspielhaus Baden-Baden bestritten – und war zudem gefeierteSolistin beim Antrittskonzert von ChristianThielemann im September 2012. Und auchder Tenor Klaus Florian Vogt ist regelmäßigan der Seite von Christian Thielemann undzumindest all jener Kapellmusiker zu hören,die ihren Sommer im Graben der BayreutherFestspielen verbringen – hier feierte Vogtseinen Durchbruch als »Lohengrin«.Im Silvesterkonzert der Staatskapellewerden die beiden nun ein neues Programmvorstellen und gemeinsam mit demPublikum, sei es in der Semperoper oderauch am Fernsehbildschirm, das Ritual desJahreswechsels mitten in Dresden feiern.Montag, 30. Dezember 2013, 20 UhrDienstag, 31. Dezember 2013, 17:15 UhrSemperoperSilvesTERKonzert dersTaatskaPELLE DresDENChristian Thielemann DirigentRenée Fleming SOPRANKlaus Florian Vogt TENORSächsischer Staatsopernchor DresdenEinstudierung Pablo Assante»Von Berlin bis Broadway«Höhepunkte aus Musicals und Operettender 20er und 30er Jahre6 SAISON 2013 / 2014 7 SAISON 2013 / 2014


Konzert in der Gläsernen ManufakturRadu Lupu ist Capell-Virtuos 2013/2014 der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Neben dem Konzertin der Gläsernen Manufaktur wird er auch mit einem Solorezital in der Semperoper zu erleben sein(16. April 2014) sowie im 7. Symphoniekonzert (2.,3. und 4. März 2014), bei dem er unter der Leitungvon Christian Thielemann das 4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven interpretieren wird.DerGegenENTWURFRadu Lupu istdiesjähriger Capell-Virtuos der SächsischenStaatskapelle. Jedesseiner Konzerte isteinmalig. Auch, weiler keine CDs mehreinspielt und sichaus der Öffentlichkeitkonsequent zurückzieht.Seine Konzentration gilteinzig dem Orchester,dem Dirigenten und demPublikum vor Ort.Die klassische Musik hat ihreKampfzone längst ausgeweitet:CD-Aufnahmen gehören ebensozum Geschäft wie Fernsehauftritteund Künstler, die inZeitungen und Magazinen begeistert überihr Leben, die Musik und die Magie desTones reden, die sich fotografisch in Szenesetzen lassen und durch ihre öffentlichenAuftritte für die Klassik werben. Der rumänischePianist Radu Lupu ist eine Ausnahmeerscheinungauf diesem Marktplatz derEitelkeiten, ein Gegenentwurf zur schönenneuen Klassikwelt. Er gibt keine Interviews,und nachdem er zahlreiche CDs (unterihnen die Referenzaufnahme sämtlicherKlavierkonzerte Beethovens) eingespielthat, geht er schon lange nicht mehr in Aufnahmestudios.Lupus Ort ist der Rückzug, die privateBeschäftigung mit der Musik, die Einkehr –was er zu sagen hat, sagt er nicht in Worten,sondern allein mit Tönen. Die einzigeMöglichkeit, diesen Ausnahmemusikerheute noch zu erleben, ist auf seinen altenEinspielungen oder auf dem Konzertpodium.Und damit ist jeder seiner Auftritte perse besonders. Lupus Konzertabende sindals vergängliche Momente geplant, vondenen am Ende lediglich die Erinnerungder Besucher bleibt. Radu Lupu beweist mitseinem Ausstieg aus dem Klassik-Zirkus,dass gerade der Rückzug eine eigene Faszinationhat, und dass die Verknappung füreine umso größere Nachfrage sorgt. Wohlniemand anderes bewahrt die Einmaligkeitdes Live-Auftrittes so gewissenhaft wie er.Gerade weil Radu Lupus Kunst nicht allgegenwärtigist, nie für die Masse entsteht,sondern aus dem Inneren des Musikerskommt – aus seinem direkten Dialog miteinem Orchester wie der Staatskapelle, miteinem Dirigenten wie Donald Runniclesund dem Dresdner Publikum in der GläsernenManufaktur.All das könnte man als Masche missverstehen,als PR-Nummer oder als geplanteProvokation gegen einen Klassik-Markt,der sich immer bunter und schneller dreht.Tatsächlich aber ist Radu Lupu seine Innerlichkeitanzuhören, wenn er aus derStudierstube zurück in die Konzertsälekommt. Dann stellt er das Ergebnis seinerEinkehr vor und einen Ton, den nur er beherrscht.Musikkritiker schreiben sich seitJahren ihre Federn stumpf, um die Magieseines Klanges zu erklären. Und vielleichtist das bislang niemandem besser gelungenals Leo Carey von der amerikanischenZeitschrift The New Yorker. Er schrieb:»Man ist sich bei jedem Auftritt von Lupusicher, Zeuge von etwas ganz Besonderemzu werden – und man scheitert, sobaldman versucht, dieses Besondere in Wortezu fassen.« Dann unternimmt der Kritikertrotzdem einen Anlauf: »Vielleicht ist es,dass Lupu im Laufe der Zeit einen ganzeigenen Klang entwickelt hat«, spekulierter. »Anders als andere Pianisten spielt erdas klassische Repertoire von Beethoven,Mozart und Schubert nicht muskulös, objektiv,stürmend und drängend. Und beiChopin, Debussy und Scriabin verzichtet erdarauf, besonders sensibel, verwischt undträumerisch zu wirken. Bei ihm gibt es kein›Entweder oder‹, sondern immer nur ein›Sowohl als auch‹. Und so entsteht eine einzigartigeSubtilität des Klanges, der aus derintensiven Beschäftigung mit dem Komponistenentsteht und aus dem perfekten Umgangmit den mechanischen und sinnlichenMöglichkeiten des Instrumentes.«Um so erstaunlicher ist, dass Radu Lupusich aus dem CD-Geschäft zurückgezogenhat und somit einen modernen Gegenpolzu Glenn Gould bildet, der einst gerade inden Aufnahmestudios jene Perfektion desKlanges suchte, die er in Konzerten nichtgegeben sah. Lupu glaubt an das Konzertals Veranstaltungsort mit Aura, an dieWahrhaftigkeit und die Direktheit der Musikund an den vergänglichen Moment alseigenes, besonderes Erlebnis. Für seineEntscheidung, nur noch in Live-Konzertenaufzutreten, haben andere Pianisten wieKirill Gerstein großes Verständnis: »Ichverstehe, dass Radu Lupu keine CDs mehraufnimmt – sein Klang lässt sich nicht konservieren,er ist in all seiner schockierendenDirektheit nur an einem Ort zu erfahren,im Konzert selber.«In Dresden tritt Lupu nun gleich mitzwei Klavierkonzerten von Wolfgang AmadeusMozart auf. Er spielt das große A-Dur-Konzert (KV 488), das zur gleichen Zeit wiedie Oper »Le Nozze di Figaro« entstandund das trotz seiner kammermusikalischenForm (ohne Trompeten und Pauken, dafüraber mit Klarinetten) als »symphonischesKonzert« Mozarts gilt. Außerdem interpretiertLupu Mozarts letztes Konzert in B-Dur(KV 595), das zeitgleich mit der »Zauberflöte«entstand, also in den letzten Monatenseines Lebens und in einer finanziellen undemotionalen Krisenzeit. Das B-Dur-Konzertgilt als eines der reifsten KlavierkonzerteMozarts, in dem er noch einmal seine gesamteKunst bündelt, in die Zukunft führtund hören lässt, wie ein »Lächeln unter Tränen«klingt. Außerdem wird zum 100. Geburtstagdes britischen KomponistenBenjamin Britten dessen »Suite on EnglischFolk Tunes« erklingen.Freitag, 6. Dezember 2013, 21 UhrDie Gläserne Manufaktur von VolkswagenKonzert in derGLÄsERNEN ManufaKTurDonald Runnicles DirigentRadu Lupu KLAVIERWolfgang Amadeus MozartKlavierkonzert A-Dur KV 488Benjamin BrittenSuite on English Folk Tunes op. 90»A time there was…«Zum 100. Geburtstag des KomponistenWolfgang Amadeus MozartKlavierkonzert B-Dur KV 5958 SAISON 2013 / 2014 9 SAISON 2013 / 2014


Die Brunnen von Trevi in Rom,denen Ottorino Respighi mit seinen»Fontane di Roma« ein musikalischesDenkmal gesetzt hat.Wer war RICHaRD Strauss,Herr Thielemann?Das Höllenweib »Elektra« reist von der DresdnerOpernbühne in die Berliner Philharmonie.2014 feiern wir den 150. Geburtstag vonRichard Strauss. Nachdem der Komponistdie Opernwelt mit seiner »Salome« geschockthatte, suchte er nach einem nochwilderen Opernweib und fand: Elektra!Für ihren Wahn komponierte er Musik, diesich nahe am Krach bewegt, aber nie dieformalen Harmonien aus dem Auge verliert.Moderner und schockierender konnte Operdamals nicht sein.Zum Strauss-Jahr hat die Semperoperdieses Werk nun in einer Neuinszenierungmit Starbesetzung auf den Spielplan gesetzt,und die Staatskapelle wird das musikalischeExtrakt gemeinsam mit ChristianRichard Strauss spielte in seiner Freizeit nicht nur leidenschaftlichSkat, sondern war auch begeisterter Autofahrer.Das Foto entstand unmittelbar vor dem Tor zuseiner Garmischer Villa.Thielemann, der Sopranistin Evelyn Herlitziusund dem Dresdner Bass René Pape imAnschluss auch konzertant in der BerlinerPhilharmonie aufführen.Damit wird auch eine Lebensachsevon Strauss nachgezogen. Während derKomponist in Berlin wohnte, fanden seinewichtigsten Uraufführungen in der Semperoperstatt, besonders die internationalenOpernskandale »Salome« im Jahre 1905und »Elektra« im Jahre 1909. ChristianThielemanns Staatskapelle gilt seitdem alsdas Strauss-Orchester überhaupt. Grundgenug, nachzufragen, worin das Besonderebei diesem Komponisten liegt.Herr Thielemann, 2013 stand im SchattenWagners, 2014 wird das Strauss-Jahr ...... und ich kann Ihnen sagen, dass ich michbei dieser Jubiläumskonstellation freue,dass Strauss nicht so wagnermäßig draufist! Dass wir es nun mit einer etwas entspannterenPersönlichkeit zu tun haben.Dabei hat Strauss mit Opern wie »Elektra«Skandale komponiert ...Strauss war stets ein gelassener Mensch,auch wenn er sehr ungelassene Inhaltevertont hat. Anders als Wagner, der dasDrama mit Frauengeschichten, politischemRadikalismus und Schulden ständig gelebthat, blieb der Skandal bei Strauss stets aufder Bühne. Er schaute auf seinen Ausflügenin die Welthölle, kehrte aber immerwieder zurück in sein Garmischer Idyllund pflegte diese angenehme bayerischeHeimatverbundenheit. Der Unterschiedist, dass Wagner dauernd im existenziellenDienst war und Strauss, nachdem er einigedramatische Noten komponiert hatte, aucheinfach mal einen Nachmittag lang Skatspielen konnte.Wie konnte Strauss aus so gemütlichen Lebensverhältnissenso große Werke schreiben?Der gemütliche Lebensstil von Straussschloss große musikalische Revolutionenja nicht aus. Und das ist für mich in der Tathochmodern. Bieder ist inzwischen – glaubeich – tatsächlich die neue Avantgarde.Schauen Sie sich doch unseren Ex-Außenministeran, der einst auf der Straße begonnenhat, seine Turnschuhe irgendwanngegen einen Anzug tauschte und heute ineiner Villa in Dahlem lebt. Für mich personifiziertso eine Vita den späten Sieg desBürgertums. Denn letztlich findet es dochjeder Revolutionär super, wenn das warmeBadewasser eingelassen ist, wenn es etwasGutes zu Essen gibt, wenn die Haushälterinden Tee serviert und das Bett nach Lavendelduftet.Was genau ist denn so revolutionär anStrauss?Lassen Sie uns doch erst einmal über dasWort »revolutionär« sprechen. Was soll daseigentlich heute noch bedeuten? Wir lebenin einer Zeit, in der Begriffe wie Avantgarde,konservativ, links und rechts sich aufgelösthaben. Auch, weil die Revolutionärevon einst längst Neuland betreten habenund merken, dass sie das Bürgerliche ganztief im Inneren durchaus schätzen. Wennman diesen Wandel der Paradigmen anschaut,findet man ähnliche Phänomeneauch in der Antike und sieht, dass es sichum ganz normale Prozesse handelt – unddann landet man ziemlich schnell in denEndzeitszenarien von »Salome« und »Elektra«...... die sich im Wahn in den Tod tanzt.Ja, und das Tollste ist: Strauss musste fürdiese Noten keine zerrissenen Jeans anziehen,sondern hat im Anzug mit goldenerTaschenuhr komponiert. Gegen »Salome«,»Elektra« und »Frau ohne Schatten« warselbst Wagner ein Waisenknabe.Sonntag, 19. Januar 2014, 18 UhrMittwoch, 22. Januar 2014, 19 UhrSamstag, 25. Januar 2014, 19 UhrFreitag, 31. Januar 2014, 19 UhrSemperoper DresdenDienstag, 28. Januar 2014, 19 UhrPhilharmonie Berlin(konzertante Aufführung)RICHARD STRAUSSELEKTRAChristian Thielemann DirigentEvelyn Herlitzius ElektraWaltraud Meier Kly tämnestr aAnne Schwanewilms ChrysothemisFrank van Aken AegisthRené Pape OrestSächsischer Staatsopernchor DresdenEinstudierung Pablo AssanteSamstag, 1. Februar 2014, 19 UhrSonntag, 2. Februar 2014, 11 UhrMontag, 3. Februar 2014, 20 UhrSemperoper Dresden5. SyMPHoniekonzertGeorges Prêtre DirigentCésar FranckSymphonie d-MollOttorino Respighi»Fontane di Roma«»Pini di Roma«Kostenlose Einführungen jeweils45 Minuten vor Konzertbeginn imOpernkeller der SemperoperReise zumUmbruCH des KlangesGeorges Prêtre rückt mit César Franck undOttorino Respighi zwei Komponisten ins Licht, diealte Konventionen über Bord geworfen haben.Er ist der Grandseigneur der französischenMusik und ein Wandler zwischen den musikalischenWelten: Georges Prêtre wareiner der Lieblingsdirigenten von MariaCallas, gleichzeitig hat er sich immer wiederum die Nischengebiete der Musik seiner französischenHeimat gekümmert. Und diese Expertise stehtnun auch im Zentrum des 5. Symphoniekonzertes,wenn Prêtre gemeinsam mit der Staatskapelle Dresdendie d-Moll-Symphonie von César Franck und zweiWerke von Ottorino Respighi aufführt. Eine musikalischeZeitreise in die Welt des Umbruchs.Ende des 19. Jahrhunderts dominierten die OpernVerdis und die Mode des Verismo das musikalischeLeben in Europa. Paris war längst ein »Melting Pot«,in dem sich Komponisten unterschiedlicher Länderauf den großen, emotionalen Klang spezialisiert hatten.Ein Umfeld, welches es Musiker, die Neues suchten,nicht besonders leicht machte. Einer von ihnenwar César Franck, Sohn deutsch-belgischer Eltern, derbereits früh nach Frankreich kam und hier bis 1842das Konservatorium besuchte. Franck arbeitete alsOrganist an verschiedenen Kirchen und spezialisiertesich zunächst auch auf Orgelwerke. Erst am Ende seinesLebens wagte er große, neutönende orchestraleWerke, unter ihnen die d-Moll-Symphonie, die 1889vor einem verständnislosen Publikum uraufgeführtwurde. Franck versuchte die klassische Form derSymphonie durch höchst individuelle Gestaltungsmethodenzu modernisieren – eines seiner beliebtestenStilmittel war die chromatische Verwandlung. Denweltweiten Erfolg seiner Werke erlebte er nicht mehr:Nachdem er in Paris von einem Pferdebus angefahrenwurde, erholte er sich nicht und starb 1890 in seinerWohnung am Montparnasse.Die Übermacht Verdis und die Mode des französischenund deutschen Stils in der italienischen Musikstörten auch die jungen Komponisten um OttorinoRespighi. Der gelernte Bratschist versuchte, diesenTrend umzuwandeln, ging auf Spurensuche im italienischenBarock und in der Renaissance und verwandeltedie alten Klänge zu neuer Musik. Unter anderemmischte er die Klängeder Vorfahren mit bitonalenKlängen – erverwendete also zweiunterschiedliche Tonartenzur gleichen Zeit.Das tat er dann allerdingsdoch nicht, ohneAnleihen an die großefranzösische Avantgardezu nehmen. GrößtesVorbild für RespighiGeorges Prêtrewaren die Impressionistenum Maurice Ravel. In seinen Zyklen »Fontanedi Roma« und »Pini di Roma« (die Brunnen bzw.Pinien von Rom), verbindet er individuelle Eindrückebeim Anblick der Wasserspiele im Zusammenspiel mitTageszeit und Licht.Das 5. Symphoniekonzert ist also auch ein historischerGegenentwurf zu den Moden des 19. Jahrhunderts.Georges Prêtre stellt zwei Komponisten vor,deren großer Ruhm erst heute wirklich offenbar wird.10 SAISON 2013 / 2014 11 SAISON 2013 / 2014


Renaissance einerStraDIvaRIKonzertmeister Kai Vogler hat eine neue »Geliebte«. Sie ist knapp 300Jahre alt, klingt wunderschön und sieht auch gut aus. Kein Wunder,dass der Musiker von ihr fasziniert ist.Vorher und nachher: Im Jahr 2008 erhieltdas Geigenbau-Atelier Kogge & Gateauin Berlin die Kapell-Stradivari in einemZustand, dessen Mängel nicht zu übersehenwaren. Nach fünfjähriger Reparaturerstrahlt das Instrument nun wieder inaltem Glanz.Normale Geigen werden repariert.Bei einer Stradivari – zumal,wenn sie aufgrund diverserSchäden kaum noch spielbarwar – darf man getrost voneiner Renaissance sprechen. Eine solcheWiedergeburt gab es nun bei der SächsischenStaatskapelle. Zur Freude nicht nurdes Orchesters, sondern selbstverständlichauch des Publikums.Es gibt bekanntlich vieles, was man mitwirklich guten Geigen tun kann, nur einessollte man unbedingt vermeiden: sich daraufsetzen. Schon gar nicht auf eine Stradivari!Aber auch Musiker sind nur Menschen,daher bleiben selbst Stradivaris vornichts gefeit – tatsächlich ging vor etwasmehr als 100 Jahren ein solches Instrumentin Dresden unter der Last eines Musikerszu Bruch.In »nervöser Zerstreutheit« soll sich1910 ein Konzertmeister der damaligenHofkapelle auf sein Instrument gesetzthaben. Das war – und ist – Eigentum desOrchesters, es gehört seit 1833 zum Kapellfundus.Zum Glück blieb das wertvolleStück reparabel. Jetzt ist es allerdings zumersten Mal gründlich restauriert wordenund nach fünfjährigem Werkstattaufenthaltim Berliner Geigenatelier Kogge & Gateauwieder der Sächsischen Staatskapelle übergebenworden.Dort wird die Violine mit der Inschrift»Cremona 1734« von Konzertmeister KaiVogler gespielt. Er hat sich zur Geschichteseiner »neuen Geliebten« kundig gemacht:»Das Instrument ist den Dokumentationenzufolge für um die 800 Taler durch diedamalige Königlich-Sächsische Kapelle inParis angekauft worden. Für die damaligeZeit war das ein stolzer Preis. Es gibt Leute,die das heute auf circa 100.000 Eurohochrechnen, aber das war das Instrumentsicherlich wert. Nach dem Unfall von 1910und den ersten Reparaturen blieb derKlang allerdings unbefriedigend. Mankonnte den Zustand nur als bedauernswertbezeichnen.«Dabei sind Stradivaris bekanntlichgerade für ihre Klangpracht berühmt! Inder Vergangenheit wurde die Violine zwarmehrfach repariert, aber nie so, dass ihreursprüngliche Qualität je wiederhergestelltwurde.Kai Vogler war sich des mit einem weiterenWerkstattaufenthalt verbundenen Risikosdurchaus bewusst: »Wir haben im Orchestergemeinsam überlegt, was man machenkann. Es war der dringende Wunsch,die Geige instand setzen zu lassen. Sie sorestaurieren zu lassen, wie es aus heutigerfachmännischer Sicht möglich ist. Manmuss sich an so eine Restaurierung aberein paar Jahre ketten und ist dem dann aufKai Vogler und Yves Gateau (rechts)stellten am 21. Oktober 2013 eingeladenenJournalisten die instandgesetzteStradivari im Orchesterprobenraumder Staatskapelle vor.12 SAISON 2013 / 2014 13 SAISON 2013 / 2014


Annähernd 30 Gipsabdrücke warenerforderlich, um die Decke derStradivari wieder in ihre ursprünglicheForm zu bringen.Abguss aus Gips einer bereits erstellten sog. Positivformder Decke. Die einzelnen Abgüsse wurdenmanuell korrigiert, um letztendlich ein idealesGipsbett als Zulage für die Decke der Stradivari zuerhalten.Mit Hilfe von vielen korrigierten Gipsabdrücken wurde das stark deformierte Holz der Stradivari-Decke im Laufe mehrerer Jahre wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt. Benötigt wurdendafür u.a. aufgewärmte Sandsäcke, welche im Zusammenhang mit Feuchtigkeit die Decke indas Gipsbett pressten.Teilansicht des Gipsbettes (sog. Negativform),gut abgebildet werden die Unebenheitender Originaldecke.Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es istimmer ein Wagnis, denn man kann nichtsehen, was unter der Oberfläche an Beschädigungenlauert. Deswegen entschiedenwir, die Stradivari zu Yves Gateau und DanielKogge nach Berlin zu geben, und wirsind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.«So sah die Stradivari im Jahr 2008 aus.Massive Verformungen sowie Risse derDecke sind nicht zu übersehen.Bevor das Instrument 2008 zum Restaurierenins Berliner Geigenbau-Atelier Kogge& Gateau ging, wurde es vom LondonerExperten Charles Beare auf seine Echtheithin überprüft. Diese Expertise ist angesichtsder ins Kraut schießenden Spekulationenum rare und alte Instrumente vonunschätzbarem Wert. Die Wertsteigerungsoll etwa das Dreifache des ursprünglichenSchätzpreises betragen.Zu verdanken ist dies aufwändigerHandarbeit von Yves Gateau und seinemKollegen. Bei der Übergabe des Instrumentsbekennt er: »Das war eine großeHerausforderung, aber auch ein tollesProjekt. Ich denke, die Riesen-Arbeit hatsich gelohnt, denn dies ist wirklich ein sehrhochwertiges Instrument, das haben auchwir nicht alle Tage in der Werkstatt.«In einer peniblen Untersuchung musstenzunächst die Schäden festgestelltwerden, beispielsweise die Risse in dernur noch hauchdünnen Decke, die in ihrerWölbung stark deformiert war und mittelsdiverser Gipsabgüsse in zahlreichenArbeitsschritten über Monate hinwegkorrigiert wurde. Selbst die ursprünglicheDeckenbreite war nicht mehr gegebenund musste wiederhergestellt werden. ObZargenkranz, Boden- und Deckenfutter,Schnecke und Hals – überall musste Handangelegt werden, um die Schäden durchUnfall sowie unsachgemäße Werkstattarbeitenzu beheben.Im Nachhinein zeigte Yves Gateaujedoch Verständnis für die Unzulänglichkeitenfrüherer Reparaturversuche, dieKollegen seien halt nicht auf dem Stand derheutigen Möglichkeiten gewesen und hättenoft auch nicht der hohen Qualität diesesInstruments gerecht werdende Materialienzur Verfügung gehabt. Insbesondere diestark deformierte Wölbung der Geigendeckesei auf den Einsatz von unpassendemFutter zurückzuführen gewesen. Daherspricht Gateau nach dem Abschluss seinerArbeiten auch von einer umfänglichen Restaurierungder Stradivari, die dem Beare-Gutachten zufolge übrigens um 1727 herumgebaut worden sein soll.Dass sie nun wieder dem Konzertlebender Sächsischen Staatskapelle zur Verfügungsteht, ist fraglos das beste Ergebnisdieser instrumentalen Odyssee. In einemKammerkonzert Ende Oktober – Kai Voglerspielte darin gemeinsam mit der PianistinMirjana Rajić die A-Dur-Sonate für Violineund Klavier von César Franck – konnte sichdas Publikum bereits von der Klangfülleder Stradivari überzeugen.Michael ErnstKai Vogler, 1. Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden, während der Anspielprobe zum Kammerabendam 23. Oktober, bei dem die restaurierte Stradivari erstmals wieder im Rahmen eines Konzerts erklang.14 SAISON 2013 / 2014 15 SAISON 2013 / 2014


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