Kunst macht Arbeit - Civil Academy

civil.academy.de

Kunst macht Arbeit - Civil Academy

engagiert

Das Magazin zur Civil Academy

Kunst macht Arbeit

Wettbewerb schaff t Raum

und Chancen für Werke

junger Nachwuchskünstler

Den Menschen stärken

BP und BBE fördern und unterstützen

gesellschaftliches Engagement

Sonnige Aussichten

Architekten-Team gewinnt mit Energiesparhaus

internationalen „Solar-Zehnkampf“


2 Editorial

Voneinander profi tieren

Jede Gesellschaft profi tiert davon, dass ihre Bürger

sie engagiert und kreativ mitgestalten - durch ihre

Kompetenzen und Fähigkeiten. Das nutzt der Gemeinschaft

und stärkt die Persönlichkeit. Doch nicht

nur der Einzelne kann einen Beitrag leisten, auch

Unternehmen, der Staat und Institutionen des gemeinnützigen

Bereichs sind hier gefragt. Denn viele

Aufgaben sind nur mit dem Know-how gesellschaftlicher

Gruppen und der Mitwirkung der Bürger zu

bewältigen. Echte Macher, die konkrete Lösungen

entwickeln. Ihnen stärkt die Civil Academy mit

einem Qualifi zierungsprogramm den Rücken. Die

Academy ist eine neue Form der strategischen Partnerschaft

zwischen der Deutsche BP AG und dem

Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement

(BBE). Das gemeinsame Ziel verbindet beide von Anfang

an, Vorbehalte werden über Bord geworfen,

und es herrscht eine große Off enheit gegenüber anderen

gesellschaftlichen Bereichen. Die positiven Erfahrungen

aus dieser grenzüberschreitenden Partnerschaft

bringen BP und BBE in ihr Denken und

Handeln ein – und damit auch in die Gesellschaft.

Die Arbeit der Civil Academy belegt, dass von einer

starken Partnerschaft und dem Nutzen von Potenzialen

alle profi tieren: junge Freiwillige, weil sie

den Wissenstransfer durch die Experten aus Wirtschaft

und gemeinnützigem Bereich nutzen. Die Experten

wiederum gewinnen durch den Perspektivenwechsel,

wachsen persönlich an der Vermittlung

ihres Wissens und der Übertragung in andere gesellschaftliche

Kontexte. So setzt die Academy ein Zeichen

für den kreativen Austausch zwischen Wirtschaft

und Zivilgesellschaft – zum Nutzen aller.

Jürgen W. Cuno, Director Government & External

Aff airs, Deutsche BP AG, und Dr. Ansgar Klein,

Geschäftsführer, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches

Engagement (BBE)

4

16

20

30

Blick nach vorn: Axel Menning

will sich auch nach dem Ende des

Jugendkunstwettbewerbs für bessere

Chancen junger Kreativer einsetzen.

Stille ist mehr als

fehlender Lärm

Am Anfang stand die Idee zu einem Ausstellungsraum.

Daraus entwickelte sich der Jugendkunstwettbewerb

machtmalStille“ – und wurde bald zu einem

Mammut-Projekt

Markenzeichen

Grenzgänger

Es war neu, es war aufregend, es war herausfordernd.

Die strategischen Partner BP und BBE sind

stolz auf ihr erfolgreiches Projekt – die Civil

Academy

Macht euch glücklich!

Kinder sind die Zukunft – auch und gerade in

Guatemala. Der Verein „Secure Perspectives“

verbessert ihre Chancen auf Bildung und

Gesundheit

Mit-Netzen!

Projekte präsentieren, Probleme besprechen.

Einsteiger und Absolventen nutzen das jährliche

Vernetzungstreff en der Academy zum Ideenaustausch

und zur Kontaktaufnahme


Im Gespräch: Michael Schmidt und Dr. Frank Heuberger über

die Partnerschaft zwischen BP und BBE.

Freude schenken: Ein deutsches Entwicklungshilfeprojekt will

guatemaltekischen Kindern Perspektiven für die Zukunft geben.

Titelbild: Axel Menning (l.) und Simon Kern vom

Jugendkunstwettbewerb, Berlin.

Inhalt 3

Inhalt

10 Wissen macht Macher

Junge Freiwillige für ihre Projektarbeit

qualifi zieren, das ist das Ziel der Civil Academy.

Viele Teilnehmer haben bislang von den

Seminaren profi tiert

12 Der Mensch steht

im Mittelpunkt

Mit seinem preisgekrönten, pfi ffi gen

Energiekonzept hat das Solarhaus den

Architektur-Studenten zu Ruhm und Ehre

verholfen

26 Ins Zentrum der Macht

Endlich angekommen! Die Münchner

StadtschülerInnenvertretung nimmt bald ihre

politische Arbeit auf – trotz vieler Hindernisse

im Vorfeld

32 Impressum

33 Vermischtes

Ein Blick hinter die Kulissen des

Projektteams der Civil Academy

Einblicke in die Fundraising-Strategie von

Freibad-Streetworkern

34 Ein Zahlenmensch und

Menschenfreund

BP Mitarbeiter Ralf Petri profi tiert im Job und

privat von seinem Einsatz als Referent im

„Tandem-Team“


4 Jugendkunstwettbewerb

Gelegenheitsbauarbeiter: Aus der Ruine einer

stillgelegten Brauerei machten Axel Menning

und sein Team eine improvisierte Galerie.


Stille ist mehr als

fehlender Lärm

Im Team wachsen und Berufsfelder erkunden - der Jugendkunstwettbewerb

machtmalStille“ fördert junge Künstler

Der Berliner Axel Menning wandert

im Sommer 2006 über die Alpen. Um ihn

herum wechselnde Landschaften. Es ist

still, und er genießt das. Innere Bilder

tauchen auf, Klänge. Gedanken kommen

und gehen. Einer bleibt: Lassen sich junge

Künstler von der Stille ebenso inspirieren

wie er in diesem Moment? Wie würden sie

Stille in ihren Bildern, Fotos, Skulpturen

oder Installationen ausdrücken? Mit jedem

Schritt treibt Menning seine Idee voran. Ein

Experiment, bei dem er zwei Gegensätze

verbinden möchte: Junge Kreative der

„Generation iPod“ treff en auf das Motiv der

Stille. Die Ergebnisse sollten am Ende in

einer Galerie zu sehen sein. „Für mich ist

Stille mehr als nur fehlender Lärm. Sie

bedeutet auch, äußere Eindrücke wie Krach

oder Hektik auszublenden und sich selbst

zur Ruhe zu zwingen“, so Axel Menning.

Zurück in Berlin sollte aus der Idee Realität

werden. Dazu bewarb sich Menning bei der

Civil Academy, um in Seminaren das

Rüstzeug für seine Projektarbeit zu

gewinnen – und wurde angenommen. Im

ersten Seminar-Block stellte er wie alle

Stipendiaten seine Projektidee vor. Im

engen Austausch mit den anderen und

während der Übung „Von der Vision zum

Projekt“ erreichte Mennings Vorhaben

dann eine neue Dimension: Die Werkschau

wandelte sich zum Jugendkunstwettbewerb

für junge Kreative zwischen 15 und

25 Jahren mit dem Titel „machtmalStille“.

Ein bisschen Geld, ein paar Mitstreiter, eine

Jury und einen Galerie-Raum – mehr

würde er wohl nicht brauchen, dachte der

Jugendkunstwettbewerb 5

„Pop Eye”: Die Deutsch-Italienerin Christa

D’Angelo schuf kleinformatige pastellfarbene

Aquarelle. Nur wenn sie schläft, fi ndet sie

Stille, sagt die Künstlerin.


6 Jugendkunstwettbewerb

„Einsam träumt man ganz allein“: So nennt

der 19-jährige Johannes Daniel sein Werk.

damals 21-jährige Axel Menning noch. Im

Seminarverlauf lernte er, seine bis dahin

virtuelle Projektplanung anhand einer

„Meilensteinplanung“ auf ihren Realitätsgehalt

abzuklopfen. Und wie wichtig es ist,

mit dem Projektteam Ziele und Aufgaben

zu defi nieren.

Auf den zweiten Blick auff allen

Menning machte sich mit der für ihn

charakteristischen Mischung aus Tatendrang,

Unbekümmertheit und Risikobereitschaft

ans Werk. „Ein Projekt von A bis Z zu

planen, auf die Beine zu stellen und mich

damit zu beweisen, das war immer schon

mein Ding“, erzählt er. Erste Erfahrungen

hatte er bereits bei der Organisation eines

„Rock gegen Rechts“-Konzerts gesammelt,

einen Einblick in die Kunst-Szene hatte ihm

ein Freiwilliges Soziales Jahr der Kultur

nach dem Abitur gebracht.

Wir sitzen in einem Potsdamer Café, und er

erzählt gelassen in der Rückschau vom

Werden und Wachsen des Kunstwettbewerbs.

Unter einer schlichten schwarzen

Jacke trägt Menning ein farbenfrohes

Outfi t in Rot-Tönen. Ein Mann, der erst auf

den zweiten Blick auff ällt. Nur wenige

Kilometer entfernt liegt die Fachhochschule,

an der der 22-Jährige inzwischen

„Kulturarbeit“ studiert. Später möchte er im

Kultur-Management arbeiten.

Sein Engagement für den Jugendkunstwettbewerb

hat sich am Ende gelohnt:

etliche ernstzunehmende Kontakte

zwischen Kunstfreunden und jungen

Künstlern wurden geknüpft. Spätere

Verkäufe nicht ausgeschlossen. Er und

seine Mitstreiter haben auch vom Projekt

profi tiert: Für Menning war es eine gute

Referenz bei der Bewerbung um einen

Studienplatz und es überzeugte eine

Berliner Galeristin vom Organisationstalent

des jungen Mannes. Die Kunsthändlerin

will künftig mit ihm zusammenarbeiten.

Verkauf nicht ausgeschlossen

Als Teamplayer freut sich Menning aber

genauso über den Erfolg eines Projekt-

Mitstreiters, der einen Praktikumsplatz

beim späteren Wettbewerbspartner

Kunst-Stoff “ bekam. „Mit dem Projekt

wollte ich vor allem, dass sich junge

Künstler ohne viel Erfahrung mit ihren

Werken auf dem Kunstmarkt präsentieren

können und sich neue Netzwerke und

Partnerschaften bilden“, resümiert

Menning. Die Welt der Kunst mit ihren

Wettbewerben, Preisen und Messen ist für

Anfänger alles andere als transparent, weiß

der junge Berliner. „Hier neue Chancen zu

eröff nen, war meine Motivation“, so

Menning. Einer der Nachwuchskünstler ist

Hendrik Vogel, der mit seiner Klanginstallation

„Stille Post“ von sich reden machte.

„Mich hat das Wettbewerbs-Thema sofort

gereizt, denn es gibt doch keine stillen

Momente mehr in unserem Leben“, erzählt

er. Mit ihm waren es rund 60 Bewerber –

Schüler, Azubis und Studenten. Anfänger,

Semi-Profi s und Nachwuchskünstler.

Berliner mit und ohne „Migrationshintergrund“,

junge Menschen aus dem Rest der

Republik sowie aus Dänemark, Frankreich

und den USA. Ebenso vielfältig war auch

die Jury mit einem Jugendlichen, einer

Künstlerin, einem Kunstpädagogen und

einer Dozentin besetzt, die sich alle aus

dem Netzwerk der Projekt-Akteure

rekrutierten. „Eine bewusste Entscheidung.

Schließlich wollten wir die Verschiedenartigkeit

der Teilnehmer auch in der Jury

widerspiegeln“, so Axel Menning.

Die Kunst des Netzwerkens

Mindestens genauso wichtig wie die

vorzeigbaren Erfolge waren für ihn der

Austausch mit den anderen Teilnehmern

an der Civil Academy und Rollenspiel-

Übungen wie „Wir entwickeln ein Team“. In

der Projektarbeit mit seinen Leuten in

Berlin hat er das Wissen weitergegeben:

Arbeitsteilung, Kommunikation und

Konfl iktlösung. Verantwortung zu übernehmen

und sich durchzusetzen. Dabei hat die


Gruppe „Soft Skills“ erworben, die ebenso

unerlässlich fürs Leben sind wie die Kunst

des Netzwerkens. Die half Menning bei der

Suche nach Mitstreitern für ein Kernteam,

die er im Freundes- und Bekanntenkreis

fand. „Ich hätte bei jedem Kunstprojekt

mitgemacht, egal zu welchem Thema. Wo

kann ich sonst im Team ohne Hierarchien

und Vorgesetzte arbeiten?“, lacht Simon

Kern, ein enger Freund Mennings. Die

beiden leiteten Seite an Seite das Projekt.

Je nach Arbeitsanfall und Projektfortschritt

vergrößerte sich das Kernteam, oder es

bildeten sich einzelne Spezial-Teams. „Eines

war für das Begleitprogramm zur Ausstellung

zuständig, ein anderes für PR, eines

für Sponsorensuche – die konnten das viel

besser als ich“, erzählt Axel Menning.

Viele Hindernisse nahm das Team im

Höhenfl ug gemeinsamer Euphorie, andere

entpuppten sich schon beim Start als

Stolpersteine. Wie das Thema Arbeitsteilung:

Sie ist äußerst sinnvoll, wenn im

Projekt die Jobs parallel laufen – so hatte

Menning es an der Civil Academy erfahren.

Auf die Krokodile folgen Piranhas

Doch seinem Team fehlte die Kontinuität;

viele Mitglieder hatten die Projektdauer

unterschätzt und sprangen ab. Neue

kamen dazu, die erst angelernt werden

mussten. Umso erstaunlicher, dass es

Menning doch gelang, alle zusammen für

Großeinsätze zu mobilisieren. Zum Beispiel,

um die heruntergekommenen Räume der

stillgelegten Berliner Patzenhofer Brauerei

in eine improvisierte Galerie umzubauen.

In Tag- und Nachtschichten und ohne

Jugendkunstwettbewerb 7

„Der Tod einer klanglosen Huldra“:

Mira Nanda kreierte ihr Bild mit Öl und

Schuhcreme auf Leinwand (oben links).

„Eva und Willie“: So heißt das entzweite

Paar und demnach auch der Dreiteiler

von Jannis Schulze – hier zu sehen im

Flyer zur Ausstellung (oben rechts).

„Die Gedanken sind frei“: Die Fotoserie

stammt vom 22-jährigen Markus

Kämmerer.


8 Jugendkunstwettbewerb

In einer komplexen

Welt behaupten

„Informelle Lernorte“: Professor Dr.

Thomas Rauschenbach, Direktor des

Deutschen Jugendinstituts e. V., München.

Bildungsplaner nehmen heute

informelle Lernorte jenseits der

Schule ernster als früher. Hier

können junge Menschen Fähigkeiten

erwerben, die sie für ein selbstbestimmtes

und sozial verantwortliches

Leben brauchen. Ein Nebeneffekt

ist, dass die Jugendlichen diese

Lernprozesse im Gegensatz zur

schulischen Bildung oft nicht

bewusst als Lernen wahrnehmen.

Informelle Lernorte sind Familie,

Gleichaltrigengruppen, aber auch

Nebenjobs, bei deren Ausübung die

Jugendlichen wirtschaftliches

Denken und Handeln erleben. Ein

besonderer Bildungsort ist auch das

freiwillige Engagement. Wer sich

ehrenamtlich einsetzt, im Dienste

der Kultur, im Umweltschutz, im

sozialen Bereich oder in politischen

Verbänden, lernt Verantwortung für

andere oder für das Gelingen von

Projekten zu übernehmen. Zugleich

werden wichtige Basisfähigkeiten

wie organisatorische, praktische,

soziale und persönlichkeitsbildende

Kompetenzen erworben, die dazu

beitragen, sich in einer komplexer

werdenden Welt zu behaupten.

großes Budget. Kaum war diese Krise

gemeistert, tauchte die nächste auf. „Es

war wie auf einer Nil-Kreuzfahrt. Wir hatten

gerade die Krokodile hinter uns gelassen,

da lauerten an der nächsten Ecke schon die

Piranhas“, schmunzelt Menning. Die

Piranhas hießen hier Werbung und

Öff entlichkeitsarbeit. Im Academy-Seminar

hatte er von den Profi s aus der Wirtschaft

gelernt, wie ein Presseverteiler aufgebaut

wird, wie man Pressemitteilungen schreibt,

Medienkontakte pfl egt und auch, wie

wichtig da ein genauer Zeitplan ist. „Doch

wir hatten uns in 1001 Ideen verzettelt, und

ich hatte den Überblick verloren, so dass

wir viel zu spät mit der Werbekampagne

für Teilnehmer und einer off ensiven PR

starteten“, räumt Menning ein. Mit Glück,

Kampfeslust und enormer Kreativität

sorgten die Teammitglieder dann doch

noch erfolgreich für öff entliche Aufmerksamkeit:

klebten Plakate an Berliner

Ampeln, verteilten Flyer, verschickten Mails

an potenzielle Teilnehmer, gestalteten eine

Website. Für das Design von Print- und

Internet-Auftritt sorgte der Grafi k-Designer

Patrick Rau. Den lernte Simon Kern aus

dem Projektteam in einer Berliner Bar

kennen. Die einen nennen so etwas Zufall,

die anderen eff ektives Netzwerken.

„Wir hatten immer mehr Visionen als Kraft,

Zeit und Geld“, erzählt Axel Menning. Vor

allem die Suche nach Sponsoren gestaltete

sich schwierig, weil das Team die sukzessive

mit dem Projekt wachsenden Kosten

unterschätzt hatte. Da konnte Menning

auch sein im Kostenplanungs-Seminar an

der Civil Academy aufgestellter Finanzplan

nicht helfen, weil er ihn nicht fortwährend

angepasst hatte. Über einen Kontakt zur

studentischen Unternehmensberatung

„uniClever“ von der Universität Potsdam

wurde in letzter Minute mit der „Youth-

Bank“ ein Geldgeber gefunden und als

Partner die Galerie „Phb Club“. Hinzu

kamen private Spenden. Das Unternehmen

Kunst-Stoff “ lieferte das komplette

Corporate Design. Am Ende reichte das

Geld sogar für den Ausstellungskatalog.

Noch off ene Posten wurden durch

Bareinnahmen und Eintrittsgelder gedeckt.

Knapp ein Jahr später, nachdem Menning

zum ersten Mal über einen Kunstwettbewerb

nachdachte, drängelten sich rund 100

Besucher bei der Vernissage vor den 30

Werken der Gewinner. Die Stimmung war

gelöst, die Künstler waren stolz, Axel

Menning und seine Mitstreiter müde und

glücklich. Mit dem Tag der Finissage zwei

Monate später ist die Geschichte des

Jugendkunstwettbewerbs jedoch nicht zu

Ende. Denn Axel Menning denkt weiter. Die

Arbeiten könnten in eine neue Ausstellung

übergehen. „Die würde ich anders

vorbereiten. Mit weniger Action, dafür

dann aber eff ektiver“, schmunzelt der

angehende Kultur-Manager. Also ganz im

Sinne von „machtmalStille“.

Das Projekt in Kürze

Im Sommer 2006 beschließt Axel

Menning, für Werke junger Künstler

einen Ausstellungsraum zu

renovieren

Mit diesem Projekt bewirbt er sich um

eine Aufnahme an der Civil Academy

und beginnt dort im Herbst 2006

Die Idee gewinnt an Gestalt: Die

Ausstellung entwickelt sich zum Ju-

gendkunstwettbewerb „machtmal-

Stille“. Darin sollen sich Künstler

zwischen 15 und 25 Jahren frei mit

dem Thema „Stille“ auseinandersetzen

Eine Jury beurteilt die eingehenden

rund 60 Arbeiten nicht nach ihrer

Professionalität, sondern nach der

Interpretation des Motivs

Das Projektteam baut Räume einer

stillgelegten Brauerei in eine Galerie

um, startet eine Werbekampagne und

fi ndet Sponsoren

30 prämierte Arbeiten werden im

Sommer 2007 bei einer Vernissage

den Besuchern gezeigt

Das Projekt im Internet:

www.machtmalstille.de


Jugendkunstwettbewerb 9

Künstler vor Hinterhof-

Farblandschaft: Wettbewerbsteilnehmer

Jannis Schulze

gestaltete auch das Cover des

Ausstellungskatalogs.


10 Aufbau Civil Academy

Wissen macht Macher

In der Civil Academy lernen junge Freiwillige, Projekte erfolgreich umzusetzen

Das bürgerschaftliche Engagement

hat eine neue Generation von Freiwilligen

hervorgebracht. Engagierte neuen Typs

setzen sich für andere ein und initiieren

dafür eigene Projekte: mit Kindern Zeitung

machen oder multikulturelle Kicker aufs

Fußballfeld bringen. Projekte, wie man sie

an der Civil Academy fi ndet – im bundesweit

einzigartigen Qualifi zierungsprogramm

für junge Freiwillige, das ihnen

Wissen und Erfahrungen aus der Wirtschaft

und aus dem gemeinnützigen Bereich

vermittelt. Damit sorgt die Academy nicht

nur für eine Vernetzung junger Freiwilliger,

Partner

Die Civil Academy wurde 2005 gemeinsam von der

Deutsche BP AG und dem Bundesnetzwerk

Bürgerschaftliches Engagement (BBE) konzipiert.

Beide erproben damit eine neue Form der strategischen

Partnerschaft zwischen Wirtschaft und

Bürgergesellschaft, um junge Menschen zum

Engagement zu ermutigen und ihren Projekten

zum Erfolg zu verhelfen. Zudem unterstützt der

Deutsche Verein für öff entliche und private

Fürsorge die Arbeit der Civil Academy administrativ.

Das BBE umfasst mehr als 200 Mitglieder aus Staat,

Wirtschaft und gemeinnützigen Organisationen. Es

wurde im Sommer 2002 gegründet, um im Verbund

mit seinen Mitgliedern das bürgerschaftliche

Engagement in allen Gesellschafts- und Politikbereichen

nachhaltig zu stärken.

Die Deutsche BP AG ist Teil der globalen BP Group,

die sich weltweit in der Öl- und Erdgasproduktion,

-verarbeitung und -vermarktung sowie im Bereich

Alternative Energien betätigt. Im deutschen Markt

ist BP vor allem mit der Tankstellenmarke Aral

präsent.

Der Deutsche Verein ist ein europaweites Forum, in

dem sich Kommunen und deren Verbände sowie

Wohlfahrtsverbände und ihre Einrichtungen über

Fragen der sozialen Arbeit auseinandersetzen.

sondern erweitert auch die Möglichkeiten

bürgerschaftlichen Engagements. Seit ihrer

Gründung im Jahr 2005 durchlaufen

jährlich rund 50 gesellschaftlich Engagierte

zwischen 18 und 27 Jahren das Trainingsprogramm

der Civil Academy. Voraussetzungen

für die Teilnahme sind neben der

Altersvorgabe vor allem eine pfi ffi ge

Projektidee für ein bürgerschaftliches

Engagement, die im Laufe des Seminars

kontinuierlich weiterentwickelt und

ausgebaut wird. Außerdem sollen die

Bewerber glaubhaft machen können, dass

sie sich gerne für andere Menschen und

Projektteam

Ideen einsetzen und gewillt sind, das

Projekt zu realisieren. Pro Trainingsrunde

werden 24 Stipendien für die Teilnahme am

Qualifi zierungsprogramm vergeben.

Unterstützt werden Engagierte mit

Projekten aus allen Bereichen des freiwilligen

Engagements – im In- und Ausland.

Projekterfolg dank „Tandem-Teams“

Ein Trainingsdurchlauf besteht aus drei

Seminarblöcken, in denen „Tandem-Teams“

Inhalte und Know-how aus Wirtschaft und

Zivilgesellschaft für die Projektarbeit

vermitteln. An den „Kaminabenden“ sind

Das Projekt lebt von der intensiven Zusammenarbeit der

Partner – Deutsche BP AG und BBE. Gemeinsam arbeiten sie

kontinuierlich an der Umsetzung sowie Weiterentwicklung

und entscheiden über Strategie, Konzeption und die

Ressourcen für das Projekt.

Die Organisation der Academy und inhaltliche Details

verantwortet ein Projektbüro, das in der Berliner BBE-Geschäftsstelle

untergebracht ist und von BP fi nanziert wird.

Projektleiterin ist die Juristin und trainingserfahrene

Journalistin Vera Fischer, Projektassistentin die Bürokauff rau

und Kulturwissenschaftlerin Katrin Oehler.


Vertreter aus Politik, Wirtschaft und

gemeinnützigen Institutionen zu Gast und

vermitteln den Teilnehmern unterschiedlichste

Perspektiven und Einblicke in

gesellschaftliche Themen. Außerdem gibt

es ein jährliches Vernetzungstreff en, damit

sich die Projektleiter auch nach dem

Seminarende austauschen können. Hier

werden Erfolge präsentiert und Probleme

ausführlich besprochen.

Dozenten

Mitarbeiter der deutschen BP und

Referenten aus dem gemeinnützigen

Bereich vermitteln die Seminarinhalte

– und sind zudem auch Berater und

Ideengeber. Sie werden in Zusammenarbeit

mit dem BBE ausgewählt. Meist als

„Tandem-Teams“ eingesetzt, unterrichten

sie Themen wie Projektmanagement,

Finanzplanung, Fundraising, Teamarbeit,

Netzwerkaufbau, Präsentation sowie

Presse- und Öff entlichkeitsarbeit.

Bei der Suche nach Strategien helfen den

Teilnehmern auch die unterschiedlichen

Sichtweisen aus Wirtschaft, Staat und

Zivilgesellschaft, mit denen sie an der

Academy konfrontiert werden. Gleiches gilt

auch für die Projektpartner und -referenten

selbst, die durch einen Perspektivenwechsel

neue Anregungen für ihr Denken und

Handeln erfahren.

Jury

Die Civil Academy – ein gemeinsames Projekt von

Deutsche BP AG und Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches

Engagement (BBE). Sie wird umgesetzt mit Unterstützung

des Deutschen Vereins für öff entliche und private

Fürsorge e. V.

Die Auswahl der Stipendiaten triff t eine

Jury, die aus vier bis fünf kompetenten

Führungspersönlichkeiten besteht. Sie

kommen aus dem Vorstand der deutschen

BP und dem Sprecherrat des BBE sowie

seinen Mitgliedsorganisationen. Kriterien

für die Bewerberauswahl sind eine

innovative Projektidee, ein ausreichendes

Potenzial für ihre Weiterentwicklung, die

Persönlichkeit der Bewerber und eine

Vielfalt unter den Teilnehmern.

Aufbau Civil Academy 11

Neues Wissen,

neue Einblicke

Dass die Civil Academy

auch für die Stipendiaten etwas

Neuartiges darstellt, ist zu Beginn

deutlich spürbar. „Was erwartet

mich hier? Was wird von mir

er wartet? Was ist der Part von

BP?“ Manche wundern sich, dass

sie auch mit einem kleineren

Projekt oder einer überschaubaren

Engagement-Vita die

Chance bekommen, teilzunehmen.

Im Seminarverlauf zeigt sich

aber schnell, dass jeder in der

sorgfältig zusammengestellten

Gruppe zum Unterricht etwas

beitragen und davon profi tieren

kann – sei es bei Vorträgen,

Klein gruppenarbeit oder

Pro jektberatung. Die Spannung

schwindet. Abends beim Bier

zeigt sich, dass man sich auch mit

einem BP Projektmanager locker

unterhalten kann. Am Ende des

Trainings stürzen sich die

Freiwilligen gut ausgestattet ins

Engagement: mit neuem Wissen

und Einblicken in die Wirt schaft;

mit einem Zertifi kat für die

Teilnahme und viel Motivation,

ihre Projektidee voranzutreiben.

„Viel Motivation“: Vera Fischer,

Projektleiterin der Civil Academy,

Berlin.


12 Solarhaus

Entspannt leben und arbeiten: Christian Stumpf

und der Rest des Projektteams verbinden im

Solarhaus ein pfi ffi ges Energiekonzept mit

hohen ästhetischen Anforderungen.


Der Mensch steht

im Mittelpunkt

Mit ihrem Passivhaus gewannen Darmstädter Studenten den „Solar Decathlon“

der USA – und ein Höchstmaß an Selbstständigkeit und Verantwortung

Nur wenige hundert Meter vom

Weißen Haus entfernt, von wo aus ein Land

regiert wird, das zu den größten Energieverbrauchern

der Welt zählt, stehen im

Sommer 2007 zehn Tage lang 20 Energiesparhäuser.

Sie nehmen am Architekturwettbewerb

„Solar Decathlon USA 2007“ in

Washington teil. Eine Jury sucht dabei nach

dem Haus, das sich als besonders energieeffi

zient erweist und die meisten Punkte

in zehn Kategorien – wie zukunftsfähige

Wohnformen oder Behaglichkeit – einheimst.

Am Ende heißt es: „The winner is“ –

das Solarhaus der Technischen Universität

Darmstadt. Das Projektteam aus Stu denten

des Fachgebiets „Entwerfen und Energieeffi

zientes Bauen“ am Fachbereich Architektur

setzt sich gegen Mitbewerber aus den

Vereinigten Staaten, Kanada und Spanien

durch. Ihr Solarhaus sei „eine Klasse für

sich“, so das Lob der Jury für das Gebäude

mit den vielen Solarzellen und der eleganten

Fassade aus Eichenholzlamellen.

Hausenergie versorgt auch ein Auto

Sichtbar beeindruckt sind auch die 160.000

Amerikaner, die sich das 75 qm2 große

Energiespardomizil anschauen. Im Inneren

staunen sie über den Komfort und das

ästhetisch-funktionale Design der Räume

und Möbel. In der Mitte sind Bad, Küche

und die Haustechnik installiert. Im

aufklappbaren Boden sind Bett und

Sitzkuhle eingelassen. Bei Bedarf lassen

sich dort auch alle Möbel verstauen. Die

Kühltechnik steckt in der Decke, dort ist

auch das Beleuchtungssystem integriert.

Als Prototyp für zwei Bewohner gedacht,

kann das Solarhaus durch Aufstocken oder

Anbauen von Modulen erweitert werden.

Mit seinem pfi ffi gen Stromgewinnungskonzept

hat das Solarhaus die Wettbewerbskriterien

sogar übererfüllt. Denn es

erzeugt mit den Solarzellen auf dem Dach

und an den Außenwänden deutlich mehr

Energie, als es verbraucht – und kann

damit noch ein Elektroauto mit Strom

versorgen. Von Anfang an wollten die

Nachwuchswissenschaftler den Energiebedarf

des Hauses so gering wie möglich

halten. So verbraucht das Darmstädter

Modell dank hochmoderner Wärmedämmung

und Technik nur 25 Prozent der

Heizenergie eines normalen Neubaus.

Feuer und Flamme für zündende Idee

Begeistert hat die Jury das in zwei Jahren

Arbeit entstandene Haus auch wegen

seiner Kosten. In den nächsten Jahren

könnte es zum Preisschlager für klimaschonende

Immobilien werden, auch wenn der

Prototyp derzeit mit einem Preis von rund

500.000 Euro wohl nur etwas für Besserverdienende

ist. In Serienreife soll das Haus,

das für seinen Entwurf auch den Wohnpreis

der Ikea-Stiftung gewonnen hat und im

Wettbewerb „Deutschland - Land der

Ideen“ ausgezeichnet wurde, im Jahr 2015

nicht mehr als rund 250.000 Euro kosten.

Schon jetzt führt man Verhandlungen mit

einem Fertighaus-Hersteller.

Das erste Kapitel dieser Erfolgsgeschichte

schrieben zwei Frauen: Die Architektur-

Studentinnen Barbara Gehrung und Isabell

Schäfer besuchen 2004 die USA, hören

vom „Solar Decathlon“ und gewinnen nach

der Rückkehr an die TU Professor Manfred

Hegger für die Idee einer Teilnahme am

Wettbewerb. Es folgen Monate mit

Meetings, Plänen, Entwürfen und immer

wieder Exkursionen in die Staaten, um sich

dort für den Wettbewerb fi t zu machen. Im

Sommer 2006 fordert dann ein Aushang an

der TU Darmstadt die Studenten auf, sich

für das Projekt „Solar Decathlon“ zu

bewerben. Einer von ihnen ist Christian

Solarhaus 13

Stumpf, der schon auf ein beachtliches

Engagement zurückblicken kann: Er ist

Vorsitzender seiner Studentenverbindung,

im Fachbereich entwickelt er den Master-

Studiengang mit. „Mich ehrenamtlich zu

engagieren war stets die beste aller

Möglichkeiten“, erzählt der heute 24-Jährige.

Mit acht Jahren bekommt er den

ersten Fischertechnik-Baukasten, seither

lässt ihn die Liebe zum Konstruieren nicht

mehr los. Doch Christian Stumpf interessiert

noch mehr: die Kunst und das

Extreme. Er spielt Theater, fotografi ert,

baut Feuerwerkskörper, lernt Jonglieren

mit brennenden Fackeln. Kein Wunder,

dass so einer schnell Feuer und Flamme

dafür ist, mit Gleichgesinnten an einem

ungewöhnlichen Projekt zu arbeiten: „Mich

reizte, im Team praktische Erfahrungen zu

sammeln und mich zu beweisen.“

Mit ihm sind es 25 angehende Architekten

und Ingenieure, die sich zum Projektteam

formieren. Bedächtige, Pragmatiker und

Hitzköpfe. Keine leichte Aufgabe für

Professor Manfred Hegger und die

Projektleiterinnen, Andrea Georgi-Tomas,

Barbara Gehrung und Isabell Schäfer,

daraus ein Team zu bilden und Organisationsprozesse

festzulegen. Trotz aller

Unterschiede, in einem sind sich die

Projektteilnehmer einig: Sie wollen sich

bewusst von den Weltverbesserungs-Ideen

der Öko-Bewegung abgrenzen, die sich in

den 1970er Jahren für Öko-Häuser starkmachte.

„Wir denken ökologisch, sind aber

pragmatische Realisten. Der Mensch steht

für uns im Mittelpunkt, und das Solarhaus

soll ihm einen besseren Lebensstandard

bieten, als es ein konventionelles Wohnhaus

kann“, so Christian Stumpf. Das

schließt aber zukunftsfähiges, klimaschonendes

Bauen mit geringem Energieverbrauch

nicht aus.


14 Solarhaus

Den Eisbären in

der Wüste fi nden

„Großer Spaß“: Ulrich Winkler, Leiter

Presse & Externe Kommunikation,

Deutsche BP AG, Bochum.

Das „Solar Decathlon Team Deutschland“

hat es verstanden, mit einer

durchdachten Pressearbeit die

Öff entlichkeit und die Zielgruppen

mit geringem Kostenaufwand über

die Medien zu erreichen. Dabei

brachte vor allem der Internetauftritt

mit den veröff entlichten Zeitungsartikeln

das Fundraising voran. Will ein

Projekt diesen Eff ekt erreichen,

braucht das Team interessante Texte

und Fotos. Denn die Presse sucht für

ihre Kunden nicht den „Eisbären im

Eis“, das Alltägliche. Nur der „Eisbär in

der Wüste“ ist heute eine Nachricht

wert. Genau das wollen meine

Kollegen und ich den Academy-

Teilnehmern im Seminar zur

Presse- und Öff entlichkeitsarbeit

vermitteln. Egal ob es um Medienarbeit,

eine griffi ge Beschreibung des

Projekts aus dem Stegreif oder den

Internetauftritt geht. Dazu hat ein

Unternehmen wie BP zusammen mit

seiner Tankstellentochter Aral

umfangreiches Know-how gesammelt,

das wir auch für soziale Zwecke

nutzen – wie für unsere Arbeit an der

Civil Academy. Und ich muss sagen,

es macht großen Spaß, dieses Wissen

weiterzugeben.

Um die Arbeit am Projekt weiter zu

professionalisieren, bewirbt sich Christian

Stumpf erfolgreich an der Civil Academy.

Dort lernt er unter anderem das Know-how

für Presse- und Öff entlichkeitsarbeit vom

Profi aus der Wirtschaft: Detlef Brandenburg,

Pressesprecher der Aral AG, vermittelt

nicht nur die Instrumente einer erfolgreichen

Pressearbeit für gemeinnützige

Projekte, sondern übt auch das Texten von

Pressemitteilungen. „Die Übungen waren

ein Wissensschub für mich“, sagt Christian

Stumpf, „und haben mir die Kontaktaufnahme

mit Medienvertretern erleichtert.“

Seine Erfahrungen aus der Civil Academy

bringt er später im Projekt als Mitglied des

PR-Teams erfolgreich ein.

Beeindruckende Professionalität

Besonders wichtig ist für das auf Sponsoren

und Kooperationspartner angewiesene,

kostenintensive Projekt aber vor allem

seine kurze und aussagekräftige Präsentation

nach außen. Die wird an der Civil

Academy mit allen Projektleitern geübt: als

Rollenspiel, bei dem sie ihre Projekte wie

bei einem realen Präsentationstermin

einem Vertreter eines Unternehmens oder

einer Stiftung vorstellen – den Part über-

nehmen die Referenten aus der BP oder

einer gemeinnützigen Organisation. „Ich

habe das Solarhaus-Projekt Brigitta

Wortmann von der BP vorgestellt und von

ihr danach ein Feedback zum Stil, meinem

Auftritt und der Präsentationsform be-

kommen. Ihre Tipps und Anregungen habe

ich mit zurück ins Projektteam genommen,

und wir haben das richtige Präsentieren

mit all jenen geübt, die unsere Sache nach

außen hin vertreten sollten“, erzählt

Christian Stumpf. Der Wissenstransfer für

das Solarhaus-Projekt ist sichtlich gelungen:

Zahlreiche Sponsoren aus Wirtschaft

und Staat beteiligen sich an dem gut eine

Million Euro teuren Projekt. Die Liste der

Medien-Veröff entlichungen auf der Projekt-

Homepage ist lang und damit ein Spiegel

der eff ektiven PR-Strategie.

Trotz aller Spezialisierungen im Team gibt

es Zeiten, in denen alle ran müssen. Das

bedeutet noch mehr Arbeit und weniger

Freizeit. „Dennoch ist und bleibt eine

Erfahrung wie diese einzigartig“, sagt

Therese Heidecke. „Wir haben uns alle

erheblich weiterentwickelt. Und erfahren,

wie wichtig Kommunikation und Gruppenarbeit

sind“, weiß die 23-jährige Studentin.

Das bringt Selbstbewusstsein – und

bessere Chancen auf einem mit Architekten

überfüllten Arbeitsmarkt. „Die

Mitarbeit am Solarhaus-Projekt ist eine

gute Eintrittskarte in die Zukunft. Energiebewusstes

Bauen ist ein wachsender

Zweig“, sagt Christian Stumpf mit sichtlichem

Stolz.

Heute Darmstadt, morgen die Welt

Wie seine Gestalter und Erbauer macht sich

auch das Solarhaus auf, von Darmstadt aus

die Welt des energiebewussten Bauens zu

erobern. Im Januar war es auf der Essener

Baufachmesse „Deubau“ zu sehen, wo es

elegant und selbstbewusst dem Besucheransturm

trotzte. Im Sommer kehrt es zum

dauerhaften Aufenthalt zurück nach

Darmstadt – für Forschungszwecke und als

Ideengeber für Nachfolgemodelle. Schon

2009 will der Fachbereich erneut am „Solar

Decathlon 2009 USA“ teilnehmen, dann

aber mit einem neuen Haus und Team. „Bis

dahin haben wir und die beteiligten Firmen

noch viel Zeit, die Solartechnik weiterzu-


Klein, aber fein: Das Energiespardomizil

(Modell oben) ist zwar nur 75 qm groß, aber

bei Bedarf ausbaubar.

Lichtblick und Schattenspender: Umlaufende

Holzlamellen sorgen für die richtige Dosis

Sonne und Wärme.

entwickeln“, so Christian Stumpf. Ist er

dann noch mit dabei? „Warum nicht? Ich

kann mir nicht vorstellen, nach dem

Studium im Architektenbüro zu sitzen und

die nächsten 30 Jahre Häuser zu bauen.“ Da

sieht er sich schon eher als Projektentwickler

im Bereich Haus- oder Messebau. Auf

jeden Fall aber engagiert – auch bürger-

Eine neuartige Lamellenfassade aus

Eichenholz bietet Sichtschutz und

erzeugt über integrierte Photovoltaik-Elemente

Strom. Unter optimalen

Bedingungen erzeugen alle Solarzellen

des Hauses zusammen 12,5 kW

Das Solarhaus kann 20.000 kWh

jährlich produzieren, die Heizung

nutzt die Abwärme der Elektrogeräte

– daher die Positiv-Bilanz des Hauses

Dank eines innovativen Wärmespeichers

mit Vakuumpaneelen als

Dämmstoff bleibt die Raumtemperatur

konstant bei 22 Grad. Tagsüber

lädt sich das Material auf und gibt die

Wärme in den kühleren Stunden des

Abends wieder ab

Für das Heizen ist die Sonne zuständig.

Reicht das Ergebnis nicht aus,

springt eine Wärmepumpe an.

schaftlich, versteht sich. „Für mich gibt‘s

immer was zu tun. Vielleicht wieder mal in

der Kultur? Das ist alles noch off en“, sagt

Christian Stumpf. Dennoch erahnt man,

wie seine Zukunft aussehen könnte:

innovativ, effi zient und nachhaltig – wie

das Solarhaus.

Ein passives Haus mit aktiver Bilanz

Solarhaus 15

Betrieben wird auch sie mit Photovoltaikstrom

Für die komplexe Haustechnik im

Solarhaus sind sämtliche Steuerungen

zu einem System zusammengeschaltet.

Der Blick auf einen einzigen

Monitor reicht daher, um sich über

den aktuellen Zustand des Hauses zu

informieren

Gerade für den auf Mobilität

abzielenden amerikanischen Markt

bietet sich das Solarhaus aber auch

zur temporären Nutzung an und

kann von Investoren als mobiles Haus

vermietet und von Unternehmen zur

Unterbringung von Mitarbeitern

genutzt werden – oder von Privatleuten

als Wochenend- oder Ferienhaus

Das Projekt im Internet:

www.solardecathlon.de


16 Im Dialog

Markenzeichen

Grenzgänger

Die Civil Academy demonstriert eindrucksvoll den Erfolg der

strategischen Partnerschaft zwischen BP und dem Bundesnetzwerk

Bürgerschaftliches Engagement

Sie ist ein Novum auf dem Markt des

bürgerschaftlichen Engagements – die Civil

Academy. Hier kooperieren Wirtschaft und

Zivilgesellschaft zu beiderseitigem Nutzen

miteinander und verbinden ihre Kompetenzen

zu etwas Neuem.

Wie kam es zur Gründung der Civil Academy?

Michael Schmidt: Vor rund drei Jahren

überdachten wir bei der BP unser gesellschaftliches

Engagement und beschlossen,

zwei Bereiche zu fokussieren: Bildung und

die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements.

Hinzu kam der Wunsch, uns mit

unseren spezifi schen Kompetenzen als Unternehmen

in die Gesellschaft einzubringen.

Die Idee einer Academy kam auf. Aufbauend

auf unsere guten Kontakte zum

BBE haben wir dort angeregt, das Konzept

einer „Civil Academy“ gemeinsam zu entwickeln.

Dr. Frank Heuberger: Ich kann mich gut

an die Anfangsphase erinnern, als wir gemeinsam

am Tisch saßen, um aus der Vi sion

ein realisierbares Vorhaben zu machen. Für

das BBE war es ein Projekt mit vielen Fragezeichen

– und Herausforderungen.

Warum setzen Sie sich für das bürgerschaftliche

Engagement so dezidiert ein?

Heuberger: Wir wollen nicht nur das Ehrenamt

und seine Bedeutung für die Zivilgesellschaft

fördern. Wir wollen vor allem

die Menschen stärken, die sich engagieren.

Denn das, was sie dabei lernen, geht weit

über die übliche Bildung hinaus. Es geht

um Fähigkeiten wie soziale Kompetenz,

Netzwerkbildung und Kommunikation mit

anderen. Heutzutage wird das alles nicht

mehr selbstverständlich in der Familie vermittelt.

Da kommt dem sozialen Engagement

umso mehr Bedeutung zu.

Schmidt: Genau. Die Unternehmen fragen

heute ja auch nicht mehr nur erworbene

Bildungsabschlüsse und Berufserfahrung

ab. Für uns sind ebenso sehr die so genannten

Soft Skills wichtig, die ein Mitarbeiter

zu seinem Nutzen und dem des Unternehmens

mit einbringt. Hinzu kommt, dass es

auch für uns wichtig ist, dass wir in einem

funktionierenden gesellschaftlichen Umfeld

tätig sein können, und dazu gehört für

uns auch eine aktive Teilhabe der Bürger.

Eines der Ziele des BBE ist die Ver netzung.

Welche Rolle spielt dabei die Civil Academy?

Heuberger: Der Grundgedanke unseres

Netzwerks ist eine horizontale Struktur,

statt einer hierarchischen. Deshalb ist

das BBE auch kein Dachverband, der seinen

Mitgliedern stärkere Vorgaben machen

kann, sondern ein Zusammenschluss

Gleichgesinnter zum gegenseitigen Austausch

und für gemeinsame Anstrengungen

zur Stärkung des Engagements

und seiner Rahmenbedingungen. Ist man

Teil solch eines Netzwerks, wächst die Menge

der dadurch entstehenden Kontakte exponentiell.

Auch die Civil Academy will die

Projekt-Teilnehmer vernetzen und ihnen

Türen in die Wirtschaft und Gesellschaft

öff nen. Dabei geht es wie beim BBE um ein

größeres Ziel: das bürgerschaftliche Engagement

zu fördern und die positiven Auswirkungen

der Projekte als Denkanstöße

zurück in die Gesellschaft zu spielen.

Wie bringt sich das BBE in die Arbeit der

Civil Academy ein?

Heuberger: Zunächst einmal seit Beginn

in der Projektentwicklung. Wir stellen darüber

hinaus einen Teil der Jury und entsenden

aus unseren zahlreichen Mitglieds-Organisationen

Referenten, die im „Tandem-

Team“ zusammen mit BP-Dozenten ihr

Wissen vermitteln.

Und wie engagiert sich die BP?

Schmidt: Wir haben das Konzept mitentwickelt

und stellen den Etat für die Aca-

demy. Auch wir senden Fachreferenten aus

dem Unternehmen zum Know-how-Transfer

als Teile der „Tandem-Teams“ in die Seminare.

Außerdem legen wir gemeinsam

mit dem BBE die Inhalte der Academy-Arbeit

fest – und zwar im Verhältnis fi fty-fi fty.

Darin liegt auch der Erfolg des Projekts begründet:

in der Gemeinsamkeit.

Warum fördern Sie junge Freiwillige?

Schmidt: Mit diesem Ansatz wollten wir

sehen, ob das Konzept funktioniert. Das

heißt aber nicht, dass wir uns in Zukunft

nicht für andere Zielgruppen öff nen. Derzeit

bietet die Academy eine Chance, uns

mit dem Denken Jugendlicher vertraut zu

machen, festzustellen, welches Know-how

aus dem Unternehmen sie für ihre Projekte

brauchen, und sie erleben wiederum, wie

ein Unternehmen denkt und agiert.

Heuberger: Die großen Freiwilligen-Umfragen

der letzten Jahre haben gezeigt,

dass die Generation 50+ die meisten bürgerschaftlich

Engagierten stellt. Gleichzeitig

liegt hier aber auch bei den jungen Erwachsenen

ein großes Potenzial für das


Im Dialog 17

„In dieser Partnerschaft haben BP

und BBE die gleichen Rechte.“

Michael Schmidt ist Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied

Deutsche BP AG sowie Jury-Mitglied bei der Civil Academy.


18 Im Dialog

„Das BBE wollte von

Anfang an etwas Neues

schaff en.“

Dr. Frank Heuberger ist Leiter der Leitstelle für

ressortübergreifende Vernetzung von bürgerschaftlichem

Engagement und Ehrenamt

in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und ist

Mitglied im Sprecherrat des BBE.

bürgerschaftliche Engagement – und das

wollten wir mit der Civil Academy fördern.

Sie ist ein Training für Freiwillige, das sie in

ihrer Selbstwirksamkeitserfahrung stärkt,

weil die geplanten Projekte mit dem dort

vermittelten Wissen gut umgesetzt werden

können. Die Projekte stärken dann vor

allem das bürgerschaftliche Engagement.

Strategische Partnerschaften zwischen Wirtschaft

und gemeinnützigen Institutionen sind

selten. Gab es Skeptiker in Ihren Reihen?

Schmidt: Skeptisch gegenüber Neuem zu

sein, ist menschlich. Ein Unterschied zwischen

dem BBE und der BP ist, dass wir

nicht demokratisch organisiert sind. Wenn

der Vorstand entscheidet, mit dem BBE zu

kooperieren, dann machen wir das (lacht).

Wir müssen die anderen nur davon überzeugen,

dass das gut für uns ist. Nichts hilft

da mehr als Erfolg. In dieser Partnerschaft

war und ist es uns wichtig, dass wir nicht

nur Geldgeber sind. Wir können vom BBE

mehr über die gesellschaftlichen Bedürfnisse

lernen und sie zum Beispiel an der Civil

Academy mehr über das Know-how im

Unternehmen. In der trisektoralen Partnerschaft

bringt dann jeder etwas auf den

Tisch, was dem bürgerschaftlichen Engagement

zuträglich ist.

Heuberger: Das BBE wollte von Anfang an

etwas Neues schaff en, eine Plattform, auf

der sich Vertreter und Akteure aller gesellschaftlichen

Bereiche ohne ideologische

Schranken begegnen können. Das bedeutet

auch eine Öff nung für Unternehmen

und Unternehmerverbände. Deshalb sind

wir so froh, dass die Academy ein weithin

sichtbares Signal ist für ein gelungenes

Überschreiten der Grenzen zwischen Wirtschaft

und Zivilgesellschaft. Und das Ergebnis

einer neuartigen, strategischen

Partnerschaft.

Welche Vorurteile gab es im BBE?

Heuberger: Viele unserer Mitglieder reagierten

anfangs mit Angst und Abwehr. Sie

befürchteten, der übermächtige Partner

ziehe sie schon bald über den Tisch und fälle

alle Entscheidungen alleine. Doch die Ergebnisse

aus dem Projekt überzeugten die

Skeptiker und belegten, wie positiv sich die

Kooperation mit einem Unternehmen auf

das BBE auswirkt. Inzwischen gibt es sogar

den Wunsch nach mehr Kooperation.

Und wie sahen die Vorbehalte gegenüber

dem gemeinnützigen Sektor aus?

Schmidt: Natürlich gab es im Unternehmen

den ein oder anderen, der im BBE eine

Ansammlung von Sozialromantikern vermutete.

Für die haben wir die Fakten sprechen

lassen. Die Mitglieder des BP Gründungsteams

haben zudem über ihre Eindrücke

und Erfahrungen im Unternehmen

berichtet. Mögen auch die Prozesse im BBE

Nicht im eigenen

Saft schmoren

Wir helfen der Academy bei der

administrativen Abwicklung, stellen

einen Teil der Büroinfrastruktur und

stehen auch für fachliche Hilfe zur

Verfügung. Mit dieser Kooperation hat

der Deutsche Verein einen neuen Weg

eingeschlagen; ansonsten arbeiten wir

aufgrund unserer Struktur vor allem mit

gemeinnützigen Institutionen zusammen

– dem „Dritten Sektor“. Wir dürfen

aber nicht nur im eigenen Saft schmoren:

Gerade die strategische Zusammenarbeit

zwischen Wirtschaftsunternehmen,

dem „Dritten Sektor“ und der

Bürgergesellschaft macht das Projekt so

spannend und führt zu wechselseitigen

Win-win-Situationen. Es geht um einen

konstruktiven Wissensaustausch

zwischen den drei Seiten und um die

gemeinsame kreative Arbeit im und am

Projekt. Damit können wir auch Vorbild

für Projekte anderer Akteure aus

Wirtschaft und Bürgergesellschaft sein.

„Konstruktiver Wissensaustausch“:

Michael Löher, Vorstand Deutscher Verein

für öff entliche und private Fürsorge e. V.,

Berlin.


anders ablaufen als in der Wirtschaft – die

Ziele des Projekts sind dieselben. Schließlich

würden wir nicht mit dem BBE kooperieren,

wenn wir dort nicht Kompetenz,

Bodenhaftung und Verlässlichkeit erlebten.

Inwiefern können beide Seiten

von einander lernen?

Schmidt: Durch die Zusammenarbeit mit

dem Netzwerk bekommen wir eine neue

Sicht auf die Dinge. Für mich sind die Jury-

Sitzungen ein gutes Beispiel: Wie oft habe

ich dabei schon etwas Neues gelernt, dabei

dachte ich immer, ich wüsste schon viel

(lacht). Aber es ist nicht nur das Unternehmen

BP, das von der Zusammenarbeit mit

dem BBE und dem Projekt Civil Academy

profi tiert. Unsere Mitarbeiter bringen ihr

Know-how aus der Wirtschaft in die Seminare

ein, erleben aber gleichzeitig auch ihr

Pendant im „Tandem-Team“ oder müssen

auf die Fragen und Anregungen der Teilnehmer

reagieren. Das nutzt nicht nur allen

Beteiligten. Da steckt auch Begeisterung

drin, und die ist unübersehbar.

Heuberger: Allerdings. Von der persönlichen

und inhaltlichen Auseinander-

setzung innerhalb der „Tandem-Teams“

profi tieren nicht nur die Referenten, sie

beeinfl usst auch die Form und Inhalte der

Trainings und damit letztlich die Teilnehmer.

Und noch mehr: Kehren die Referenten

in ihr Umfeld zurück, nehmen sie das

Erlebte mit und werden zu Brückenbauern

zwischen Gesellschaft und Wirtschaft.

War und ist es schwierig, eine gemeinsame

Sprache für die Zusammenarbeit zu fi nden?

Heuberger: Das kann man ruhig wörtlich

nehmen: Als neuer Kooperationspartner

eines global agierenden Konzerns mussten

wir uns nicht nur an all die Anglizismen

in Gesprächen gewöhnen, wir mussten sie

auch verwenden, damit sich beide Seiten

überhaupt verstehen. Das sind aber keine

wirklich ernsten Probleme in der Kommunikation.

Im Alltag haben BP und BBE es

sehr wohl geschaff t, für alle Beteiligten verständlich

miteinander zu kommunizieren.

Schmidt: Wir reden tatsächlich eine andere

Sprache. Wir meinen dasselbe, drücken

es aber anders aus. Deshalb reden wir auch

schon mal aneinander vorbei. An den Reaktionen

der anderen Seite merken wir aber

schnell, ob die Inhalte richtig ankommen.

Im Ernst: Eine gemeinsame Sprache sprechen,

das heißt für uns mit einem gleichberechtigten

Partner gemeinsam an einem

Strang ziehen.

Welche Ziele wollen Sie mit der Civil Academy

in Zukunft erreichen?

Heuberger: Wir sind stolz auf das, was wir

geschaff t haben. Aber wir überlegen auch,

wie sich die Partnerschaft mit BP und das

Projekt Civil Academy weiter entwickeln

können. Denkbar wäre eine Art Franchise-

System, mit dem interessierte Kooperationspartner

Teile des Projekts übernehmen

könnten. Außerdem möchten wir stärker

evaluieren, was aus Projekten und Teams

nach Abschluss des Trainings geworden ist.

Schmidt: Die Civil Academy ist bereits ein

Erfolgsmodell. Die Frage ist, wie wir mehr

Menschen mit diesem Programm erreichen.

Wir könnten es für neue Partner öff -

nen oder wachsen lassen. Wir haben diese

Optionen noch nicht detailliert durchdacht,

sind aber im Gespräch mit dem BBE, um für

beide gangbare Wege zu fi nden.

Wie beurteilen Sie das Ansehen der Civil Academy

heute?

Schmidt: Die Civil Academy hat sich auf

dem Markt etabliert. Sie verfügt über ein

erprobtes System mit vielfältigen Erfahrungen

in den Bereichen Wissenstransfer,

Vernetzung, Perspektivwechsel und Austausch.

Ihr Bekanntheitsgrad ist gestiegen

– die Bewerberzahlen nehmen von Runde

zu Runde zu. Auch unternehmensintern

wird sie anerkannt und geschätzt.

Heuberger: Wir merken die steigende Beliebtheit

an der Herkunft der Bewerber: Waren

es am Anfang noch viele aus dem BBE-

und BP Umfeld, so kommen sie inzwischen

aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen

Bereichen und Schichten.

Im Dialog 19

Neue Wege gehen –

Anstoß geben

Die Initiatoren der Civil

Acade my wollten in ihr die Kompetenzen

aus Wirtschaft und gemeinnützigem

Bereich verknüpfen und

neue Wege der Zusammenarbeit

fi nden. Außerdem wollten wir

herausfi nden, welches unternehmerische

Know-how Engagierte

brauchen. In den ersten Jahren

haben wir viele Erfahrungen

gesammelt und uns fortentwickelt.

Eines wurde deutlich: Die Verbindung

über die klassischen gesellschaftlichen

Sektoren hinweg ist

sinnvoll, und die Engagierten

profi tieren stark vom Know-how der

Wirtschaft. Diesen Austausch werden

wir weiter entwickeln. Wir wollen

aber auch Anstoß geben für ähnliche

Projekte. Wir überlegen auch, wie

mehr Menschen von der Verbindung

zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft

profi tieren können. Vielleicht

im Rahmen von weiteren Academy-

Runden, die neue Partner aus der

Wirtschaft mit ihren Mitarbeitern

bestreiten könnten. Oder über die

Umsetzung des Konzepts auf lokaler

Ebene, mit Bildungsträgern und

Unternehmen vor Ort. So wird

freiwilliges Engagement auf allen

Ebenen gefördert, zum Nutzen von

Wirtschaft, Bürgergesellschaft und

der Engagierten.

„Neue Wege der Zusammenarbeit“:

Brigitta Wortmann, Political Adviser

und BP Projektverantwortliche,

Deutsche BP AG, Berlin.


20 Secure Perspectives

Fly, fl y away: Fiamma Rupp-

Gembs (l.) und Lena Barth

sind auf den Flughäfen der

Welt zuhause.


Macht euch glücklich!

„Secure Perspectives“ verändert das Leben der Familien in Guatemala – und die

Zukunft zweier junger Frauen aus Deutschland

„In dir muss brennen, was du in

anderen entzünden willst“, sagte einst der

Kirchenvater Augustinus. Heute würde er

dabei an Menschen wie Fiamma Rupp-

Gembs denken. „Fiamma“, das heißt

„Flamme“ – den Namen gab ihr die

italienische Mutter. Und wie die 25-jährige

Essenerin brennt! Sie studiert in Harvard

Bildungsstrategien und Management in

Entwicklungsländern und engagiert sich

seit sieben Jahren unentgeltlich für das

Bildungsförderungsprojekt „Secure

Perspectives – Sichere Perspektiven“ in

Guatemala. Seit drei Jahren steht dabei

Lena Barth (28) fest an ihrer Seite. Die

Pädagogin arbeitet bei der Bonner

Austauschorganisation „Step In“. Noch so

eine, die brennt. Beide Frauen bekommen

nicht viel Schlaf und arbeiten fast jeden Tag

an ihrem Projekt. „Oft vom Abend bis in die

Nacht. Tagsüber studiere ich, das ist ja mein

Hauptjob“, so Rupp-Gembs.

Mit ihrem aktuellen Projekt, für ältere

Schulkinder der guatemaltekischen

Gemeinde La Cipresada, einem Vorort der

Stadt Quetzaltenango, Lehrwerkstätten zu

bauen, haben sich Lena Barth und Fiamma

Rupp-Gembs erst 2006 an der Civil

Academy beworben. Da hatten sie schon

einige Jahre freiwilliges Engagement in

ihrem Entwicklungshilfeprojekt hinter sich.

Brauchten sie da überhaupt noch eine

Qualifi zierung durch das Seminarprogramm?

„Aber ja! Bis dahin war unser

Projekt nicht besonders kosten- und

personalintensiv und ließ sich mit Spen-

den, Volontären aus Deutschland und

Helfern vor Ort stemmen“, erklärt Fiamma

Rupp-Gembs. „Der Lehrwerkstätten-Bau

hatte da mit seinem hohen Budget schon

eine andere Dimension.“

Schockierende Armut ist Auslöser

Im Seminar zum Projektmanagement

lernten die beiden bei Martin Gaedt, einem

freien Business-Innovation-Manager, einen

genauen Zeit- und Projektplan mit mittel-

und langfristigen Zielen aufzustellen. „Den

haben wir an alle verantwortlichen

Beteiligten in Guatemala und in Deutschland

geschickt. So wusste jeder, wann

welche Aufgabe erledigt sein muss“, sagt

Lena Barth. Außerdem galt es, angesichts

der großen Investition Geldgeber zu

gewinnen. „Dazu brauchten wir unbedingt

eine professionelle Projektpräsentation, die

wir im Seminar als Rollenspiel übten. „Wir

haben das sehr ernst genommen, uns

schick angezogen, die Präsentation

aufgepeppt und uns vorgestellt, unser

Gegenüber sei ein realer Sponsor. Das hat

mehr gebracht als alle Theorie zu dem

Thema“, erzählt Rupp-Gembs.

Auch wenn das Team der beiden Civil

Academy-Absolventinnen heute mit

großem Aufwand Lehrwerkstätten in

Guatemala baut. Begonnen hat alles ein

paar Nummern kleiner – als die Abiturientin

Fiamma Rupp-Gembs 2001 für ein

Secure Perspectives 21

„Ich fühle mich den

Menschen Guatemalas

tief verbunden.“

Lena Barth

Auslandsjahr nach Guatemala aufbricht.

Spanisch will sie lernen und als Freiwillige

in der Entwicklungshilfe arbeiten. Unter

anderem als Grundschulassistentin in der

Gemeinde „Cantón Xetuj“ nahe von

Quetzaltenango. Sie ist schockiert von der

Armut, von den gesundheitlichen

Missständen und den hygienischen

Bedingungen – insbesondere den total

verdreckten Toiletten voller Insekten. Sie

will handeln und gründet nach ihrer

Rückkehr eine eigene Entwicklungshilfe-


22 Secure Perspectives

„Die Kinder Guatemalas

sind die Zukunft des

Landes.“

Fiamma Rupp-Gembs

organisation, um schnell helfen und den

Projektablauf steuern zu können. Bald

darauf fährt sie wieder nach Guatemala,

um Verbündete zu suchen.

Woher kommt der Wille, Unmögliches wahr

zu machen und sich für andere einzusetzen?

„Meine Eltern gaben mir ein Lebensmotto

mit: ‚Gehe deinen Weg, aber pass

auf, dass du dabei niemanden verletzt. Und

teile mit anderen, wann immer du kannst’“,

erzählt sie. „Außerdem hab ich immer

gerne Dinge angepackt und meine Ideen

realisiert“, betont Fiamma Rupp-Gembs.

Lena Barth nickt. „Auch für meine Eltern ist

es ein zentraler Wert, auf Missstände zu

achten und etwas dagegen zu unternehmen“,

erklärt die junge Frau.

Kinder haben Recht auf Entfaltung

Mit Enthusiasmus und Geduld versucht

Fiamma Rupp-Gembs zunächst die Lage

der Familien und vor allem ihrer Kinder in

„Cantón Xetuj“ zu verbessern – dazu setzt

sie sich für Bildung, Infrastruktur und die

Gesundheit der Kleinen ein. Das Projekt

trägt den Namen „Sanitaria“. „Ich möchte,

dass sie selbstbewusst aufwachsen und

eine Chance auf Entfaltung bekommen“,

erklärt die Studentin. Es gibt ein Foto, auf

dem ein kleines Mädchen sie umarmt.

Beide sitzen in einer dunklen Wellblechhütte,

doch ihr Lachen lässt die Hütte strahlen.

Am Anfang sind es nur acht Leute, die ihr in

Guatemala helfen, einen Jahresplan zu

erstellen und Ziele wie diese zu defi nieren:

„Hilfe zur Selbsthilfe geben und einen

Anstoß zur Eigeninitiative.“ Die Arbeit

beginnt mit Vorträgen über Gesundheit

und Hygiene für Kinder und Erwachsene.

Kreativ-Werkstätten und Workshops setzen

die Inhalte für Kinder spielerisch um. Sie

werden gegen Hepatitis geimpft und

gegen Parasitenbefall behandelt. Vier

Toiletten mit fl ießendem Wasser ersetzen

bald die maroden Anlagen; das Material

dazu stiftet die Deutsche Botschaft.

Schüler lernen in Wellblechbaracke

Als die Arbeit zunimmt und immer mehr

Menschen in Deutschland und Guatemala

das Projekt unterstützen, gründet Fiamma

Rupp-Gembs 2004 den Verein „Secure

Perspectives – Sichere Perspektiven“ mit

Sitz in Essen. Nachdem das Projekt „Sanitaria“

weitgehend abgeschlossen ist, widmet

sich der Verein Ende 2005 der Bildung und

Förderung der Kinder in der Grundschule

der Gemeinde La Cipresada. 450 Schüler

besuchen sie, doch die Schule ist baufällig

und viel zu klein. Ein Verschlag mit ein paar

Löchern im Boden dient dort den Schülern

als Toilette. Gleich nebenan kocht jemand

den Pausendrink für die Kinder. „Eine Wellblechbaracke,

ohne Fenster, ohne Strom“,

erzählt die Sonderschullehrerin Corinna

Muttray, die zehn Monate in La Cipresada

arbeitete. Eine von vielen Volontären, die

durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder

Zeitungsanzeigen gewonnen werden.

Mehrere staatliche Institutionen und Nicht-

Regierungsorganisationen in Guatemala

unterstützen das Projekt, ein Netzwerk aus

verschiedenen Gruppen engagiert sich


zudem persönlich oder fi nanziell. „Hinter

‚Secure Perspectives’ stehen nicht allein

Lena und ich, sondern ein Team. Menschen,

die uns in Deutschland fördern, Vereinsmitglieder,

Unterstützungsgruppen und Volontäre“,

so Fiamma Rupp-Gembs. „Nicht zu

vergessen unser Projektleiter in Guatemala,

der Architekt Fernando Hurtado.“ Finanziert

wird der Verein durch Mitgliedsbeiträge,

private Spenden, Schulklassen und für

spezielle Projekte zum Beispiel durch die

Deutsche Botschaft in Guatemala.

Projekt lässt keinen mehr los

Wer sich von Fiamma Rupp-Gembs

Enthusiasmus anstecken lässt, kommt nicht

mehr von „Secure Perspectives“ los. Das

spürt auch Lena Barth. 2004 lernt sie bei

einem Sprachaufenthalt das Entwicklungshilfe-Projekt

kennen, fasziniert verbringt

sie ein Jahr später kurz nach ihrer Diplomprüfung

sechs Monate in Guatemala, um

das Projekt aktiv als Volontärin zu unterstützen.

„Land und Leuten fühle ich mich

tief verbunden, ich wollte mich für die

Menschen dort einsetzen“, erzählt die

Pädagogin. Und Lena Barth übernimmt

noch weit mehr Verantwortung: Inzwischen

koordiniert sie zusammen mit

Fiamma Rupp-Gembs das Infrastrukturprojekt

„Bildungskomplex La Cipresada“ – mit

dem Bau einer neuen Grundschule und

den erwähnten Lehrwerkstätten. Die

Gemeinde kaufte ein Grundstück, errichtet

wird die Grundschule von den Dorfbewohnern

selbst. Damit die Baukosten nicht

explodieren und das Projekt seinen

nachhaltigen Charakter behält, hat der

Architekt Fernando Hurtado einen

preisgünstigen und ökologischen Baustoff

für „Secure Perspectives“ entwickelt: Er

besteht aus Kunststoff abfällen, Erde und

Zement. Im April 2008 beginnen die

Bauarbeiten, am Ende werden 500 Schüler

in zwölf Klassenzimmer einziehen. Ebenso

stolz sind Fiamma Rupp-Gembs und Lena

Barth dabei auch auf die geplanten neuen

Lehrwerkstätten. Darin gibt es ein Computerlabor

für die Grundschüler, eine

Schreinerei und eine Bäckerei. „Viele Kinder

kommen erst sehr spät in die Schule. Sie

können dann parallel zur Grundschulausbildung

eine Lehre absolvieren“, freut sich

Lena Barth. Auf Dauer sollen die Werkstätten

zu Kleinunternehmen werden:

Vormittags arbeiten die Lehrer in der

Werkstatt und verkaufen ihre Produkte, am

Nachmittag bilden sie Schüler aus. „Jetzt

können junge Menschen in ihrer Gemeinde

Perspektiven und konkrete Berufsvorstellungen

entwickeln“, erzählt Fiamma

Rupp-Gembs.

Dem Netzwerk der Civil Academy hat der

Verein „Secure Perspectives“ indirekt den

jüngsten Erfolg zu verdanken: Der

Chemie-Student Dave Tijok riet den beiden

Frauen, sich für den von der Unesco und

Junge Gemeinde: In La Cipresada leben

637 Menschen, davon sind 453 Kinder.

Lernen mit Spiel und Spaß:

Theaterworkshops vermitteln den

Kindern Wissen über ihre Gesundheit (r.).

Secure Perspectives 23


24 Secure Perspectives

Projektpläne sind

wie Film-Drehbücher

Wenn ich als Dozent Projektmanagement

gemeinsam mit

meinem Tandem-Partner von der BP

unterrichte, kann ich dabei aus

einem Fundus von über 20 Jahren

Berufserfahrung in der Projektplanung

an der Grenze zwischen

Wirtschaft und gemeinnützigem

Bereich schöpfen. Aus eigener

Erfahrung weiß ich, welche Fehler

Anfänger immer wieder machen: Sie

haben tolle Ideen, aber ihre Planung

ist nicht detailliert genug; sie

übersehen, dass es im Projektteam

unterschiedliche Ziele gibt, und sie

geben zu früh auf, weil sie nicht

genug Helfer und Geldgeber fi nden.

Ein Projektplan muss wie ein

Film-Drehbuch ausgearbeitet

werden. Je detaillierter die Planung,

umso fl exibler ist man beim

Anpassen an die Realität mit all ihren

Eventualitäten. Das Team von

„Secure Perspectives“ hat gleich am

Anfang geklärt, welche Ziele es mit

dem Projekt verfolgt und seine

Schritte sehr genau geplant und

immer wieder überprüft. Das

zusammen macht einen Großteil des

Erfolges aus.

„Anfängerfehler vermeiden“: Martin

Gaedt, Business-Innovation-Manager

und Unternehmer, Berlin.

Lernen mit Hindernissen:

Die Grundschule ist in

einer Wellblechbaracke

untergebracht, in die Staub

und Lärm ungehindert

eindringen.

Daimler ausgelobten Preis „Mondialogo

Engineering Award 2006/7“ zu bewerben.

Eine Art Oscar für Ingenieurstudenten mit

Projekten in Entwicklungsländern, die sich

für den Kampf gegen die Armut und eine

nachhaltige Entwicklung starkmachen: Als

Mitglieder zweier kooperierender Studententeams

gehörten Lena Barth, Fiamma

Rupp-Gembs und Fernando Hurtado am

Ende zu den zehn Sieger-Teams – ausgewählt

aus über 900 Projekten. Dafür gab es

ein Preisgeld von 20.000 Euro. Wenn alles

läuft wie geplant, wird der Verein das

Projekt 2011 beenden – und sich neuen

Aufgaben widmen. Fiamma Rupp-Gembs

und Lena Barth sind entschlossen, den Weg

gemeinsam weiterzugehen. „Ich möchte

mein Leben lang mit Fiamma bei ‚Secure

„Secure Perspectives – Sichere

Perspektiven“ startet 2004 in der

Gemeinde „Cantón Xetuj“ am Rande

der Stadt Quetzaltenango mit dem

Projekt „Sanitaria“: Vorträge über

Gesundheit und Hygiene, Hepatitis-

Impfungen, Bau von Toiletten mit

fl ießendem Wasser, Musik- und

Theater-Workshops für Kinder

Seit Dezember 2005 arbeitet „Secure

Perspectives“ in der Gemeinde La

Cipresada. Hier leben 637 Menschen

– 184 Erwachsene und 453 Kinder

Bald steht das Infrastrukturprojekt

„Bildungskomplex La Cipresada“

Perspectives‘ zusammenarbeiten“, sagt

Lena Barth mit leuchtenden Augen. Ihre

Freundin nickt. „Ich bin am Projekt stark

gewachsen. Die Arbeit hat meinem Leben

einen weiteren Sinn gegeben“, sagt die

junge Frau lächelnd. Auch so können

sichere Perspektiven für die Zukunft

aussehen.

Einsatz in Guatemala – was bisher geschah

im Mittelpunkt

Die Projektleiterinnen bewerben sich

2006 an der Civil Academy mit dem

Lehrwerkstättenprojekt

Im Dezember 2007 erhalten Lena

Barth, Fiamma Rupp-Gembs und

Fernando Hurtado als Mitglieder

zweier Studenten-Projektteams den

„Mondialogo Engineering Award“,

dotiert mit 20.000 Euro

Im April 2008 wird mit dem Bau der

Grundschule begonnen. Voraussichtliches

Projekt-Ende ist 2011

Das Projekt im Internet:

www.secureperspectives.org


Sie bringt

90-Jährige

um die Ecke.

Melanie geht montags mit einem pfl egebedürftigen Nachbarn

zum Einkaufen um die Ecke. Eine von 23 Millionen, die aus

unserer Ich-Gesellschaft eine Wir-AG machen.

engagement–macht–stark.de

www.kom-stuttgart.de


26 StadtschülerInnenvertretung

Ihr neuer Schaff ensraum: Dank Johannes

Trischler, Anahita Bidjanbeg, Élena

Nietgen und David-Benjamin Berger (v. l.)

wird die StadtschülerInnenvertretung bald

im altehrwürdigen Münchner Ratssaal

mitbestimmen.


Ins Zentrum der Macht

Mit viel Überzeugungskraft, klarer Strategie und starken Partnern nimmt

die Münchner StadtschülerInnenvertretung ihre Lobbyarbeit auf

Politikverdrossen und desinteressiert

sei sie, unsere Jugend. Ein Heer spaßsüchtiger

Egomanen oder frustrierter Loosertypen,

die wehrlose Rentner angreifen. In

München scheinen sich diese Klischees

und Halbwahrheiten auf bizarre Weise zu

verdichten. Nur im Osten der Republik ist

die Wahlbeteiligung junger Erwachsener

ähnlich niedrig wie in der bayrischen

Landeshauptstadt. Doch es gibt hier auch

junge Menschen, die leisere Töne anstimmen

und sich kritisch mit dem Alltag und

den Bedürfnissen ihrer Generation

auseinandersetzen. Und die wollen, dass

sich Jugendliche für Politik interessieren.

„Es wäre schon ein guter Anfang, wenn sich

mehr Schüler für Mitbestimmung einsetzten.

Dann würden sie erleben, wie viel

Spaß Politik machen kann“, sagt Johannes

Trischler. Seit über vier Jahren macht er sich

deshalb für ein „Jugendparlament“ in

München stark, derzeit heißen seine

wichtigsten Teamkollegen Anahita

Bidjanbeg und David-Benjamin Berger. Ein

eigenes Parlament der Youngster also, das

ihre (bildungs-)politischen Interessen

wahrnimmt. Was der 21-jährige Jura-Student

Trischler und seine Mitstreiter auf den

Weg brachten, sorgte jüngst im Kommunalwahlkampf

für Aufmerksamkeit – und

Respekt. Doch der Reihe nach.

Ein neues Mitbestimmungsorgan für München?

Es gibt bereits ein Schülerbüro, den

Jugendrat und den Kreisjugendring. „Mag

ja sein“, sagt Johannes Trischler, „allerdings

hat keines der Gremien einen politisch

legitimierten Einfl uss. Und: Sie sprechen

nicht für Schüler aller Schulformen.“ Genau

das aber könnte ein „Jugendparlament“

leisten, überlegte sich Trischler schon

2004 – gemeinsam mit dem Jugendrat. Das

allerdings wäre ein Novum für München

und Bayern. Zwar gibt es in vielen Städten

bereits Jugendparlamente und seit 2007

auch eine Landesschülervertretung, doch

bislang trat noch keine dieser so genannten

StadtschülerInnenvertretungen als

Mitbestimmungsorgan auf Stadtebene auf.

Mitreden! Zuhören!

Das „Jugendparlament“ würde alle Jugendlichen

einer Stadt vertreten. Einerseits

kommt ihm eine größere politische Bedeutung

zu. Andererseits blicken die Schüler

so weit über den Tellerrand ihrer eigenen

Schule. Dabei entwickle sich auch die Freude

an der politischen Mitwirkung und dem

Engagement, so das Credo des Projektteams.

Für die künftigen Abgeordneten des

Jugendparlaments gäbe es wahrlich genug

zu tun. Da wäre etwa die Sache mit den

Gymnasien der Landeshauptstadt. Im gesamten

Münchner Norden existiert kaum

eines, so dass sich von dort allmorgendlich

der Schülertrupp in entfernte Stadtbezirke

aufmacht. Exakt hier liegt der klare Auftrag

für die Jugendparlamentarier. „Bei der Planung

neuer Schulen möchten wir die Sicht

StadtschülerInnenvertretung 27

der Schüler deutlich formulieren“, sagt

Johannes Trischler. Insgesamt 25 Forderungen

für die Zukunft der Jugendlichen

und jungen Erwachsenen in München

erarbeiteten er, sein Team und die anderen

Engagierten der Schüler- und Jugendgremien

für die Zielgruppe. Und eines

machen sie dabei deutlich: Sie werden sich

zu Wort melden, wenn die „große Politik“

künftig über jugendrelevante Themen

debattiert. Visionen, Ziele und konkrete

Projekte – die Truppe um Johannes Trischler

meint es ernst mit der demokratischen

Beteiligung der Jugendlichen. „Politisches

Engagement ist meine Leidenschaft, das

Ehrenamt mein Hobby“, erklärt der Student

seine Motivation. „Ich will ein verlässlicher

Ansprechpartner für andere sein. Einer,

dem man zutraut, sich einzusetzen“, betont

Trischler.

Realismus statt Visionen

Deshalb können er und sein Team es auch

nicht mehr abwarten, bis die Stadt über

das Projekt entscheidet und das Luftschloss

„Jugendparlament“ auf festem

Boden steht. „Zu denken, ein Einzelner

oder Wenige schaff en nichts, ist Quatsch“,

sagt Johannes Trischler. „Es kommt darauf

an, was man draus macht – und mit wem!“

Also ging er auf die Suche nach Unterstützern,

Verbündeten und Partnern, weil nur

mit anderen zusammen das Projekt auch

Realität werden konnte. Durch Zufall erfuhr

der damals 18-jährige Schüler von der Civil

Academy, bewarb sich dort 2005 und

gehörte damit zu den Teilnehmern im


28 StadtschülerInnenvertretung

StadtschülerInnenvertretung

– eine

Chronologie

2004: Der Münchner Jugendrat

plant, ein „Jugendparlament“

zu gründen. Es folgen Sondierungsgespräche

mit Stadträten

und Vertretern der Parteien

Ende 2006: Treff en mit Parteivertretern

zur Vorstellung des

Konzepts. Aus dem Arbeitstitel

„Jugendparlament“ wird eine

„StadtschülerInnenvertretung“

Sommer 2007: Vertreter aus Verwaltung,

Schulen und Schülermitverantwortungen

arbeiten

an der Ausgestaltung

Winter 2007: Bürgermeisterin

Christine Strobl setzt sich für die

StadtschülerInnenvertretung

ein. Mitglieder der Projektgruppe

stellen ihre Idee den vier

Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt

bei einer Podiumsdiskussion

vor

Januar 2008: Der Kinder- und

Jugendhilfeausschuss beschließt

gemeinsam mit dem

Schulausschuss, eine StadtschülerInnenvertretung

für München

zu etablieren

Das Projekt im Internet:

www.muenchner-jugendrat.de

ersten Seminar-Zyklus ihrer Pilotphase. Mit

ihm zusammen sollen auch die anderen im

damaligen Projektteam „Jugendparlament“

vom neu erworbenen Wissen profi tieren.

„Die Civil Academy hat mir geholfen,

meinen Ideen einen realistischeren

Charakter zu geben“, erzählt Johannes

Trischler. „Wir hatten vorher keinen

Finanzplan, weil wir das für unnötig

hielten.“ Am Anfang glaubte das Projektteam

noch, mit ein paar privaten Spenden

den fi nanziellen Aufwand decken zu

können. Erst durch das projektbezogene

Wissen und die Praxisnähe im Civil

Academy-Seminar zur Kosten- und

Finanzplanung wurde klar, dass alleine die

Kosten für das Kopieren und Drucken von

Info-Material bei ein paar tausend Euro

liegen würden. „Mit dem im Seminar

ausgearbeiteten Finanzplan fühlten wir uns

sicher und hatten endlich einen Überblick

über Einnahmen und Ausgaben“, meint der

Schülervertreter. Doch auch die anderen

Referenten konnten Trischler hilfreiche

Tipps und Ratschläge für sein Projekt

geben. „Während der Trainings gehörte er

zu denen, die die Kompetenz der Referenten

besonders intensiv nutzten. In jeder

Unterrichtspause bestürmte er die

Dozenten mit Fragen zu seinem Projekt“,

erinnert sich Vera Fischer, Projektleiterin

der Civil Academy.

Voller Energie und konkreter Pläne kehrte

er nach München zurück. Er überzeugte

das Projektteam, die Stadtratsfraktionen für

das „Jugendparlament“ zu gewinnen. Mit

Erfolg. Nur die CSU zeigte am Anfang kein

Interesse. Endlich ist das Projektteam mit

Entscheidern im Gespräch. Endlich gewinnt

das Projekt an Form und Fahrt. Die

Kommunalpolitiker beantragen im Stadtrat

die offi zielle Einrichtung einer StadtschülerInnenvertretung,

so der neue Name für

das Projekt „Jugendparlament“. Fast

wähnte man sich auf der Zielgeraden, doch

der Stadtrat zögert und will noch eine

detaillierte Planung für die Arbeit einer

StadtschülerInnenvertretung sehen. Ein

Fachmann aus dem Stadtschulamt soll

dabei helfen. Der vorgebliche Experte

entpuppt sich nach einem konstruktiven

Start in der Kooperation beim vorletzten

Treff en als Bedenkenträger und sorgt für

einen Eklat. „Er verkündete uns, dass die

StadtschülerInnenvertretung ins Stadtschulreferat

integriert werden solle, dass

sie mit einem Etat von nur 5.000 Euro

auskommen müsse und dass sie kein Recht

auf politische Meinungsäußerung habe.

Das kommt einer Entmachtung gleich. Wir

haben aus Protest den Raum verlassen“,

erzählt Johannes Trischler. Andere hätten

angesichts dieses Rückschlages klein

beigegeben, doch das Projektteam

aktiviert die bestehenden Netzwerke. „Das

habe ich an der Civil Academy gelernt: wie

wichtig Netzwerke und Kooperationspartner

sind“, betont Trischler. Recht schnell

fi nden sich Stadträte, die dem Projekt wohl

gesonnen sind. Vor allem die Stadtschulrätin

macht sich für die StadtschülerInnenvertretung

stark. Auch Bürgermeisterin

Christine Strobl ist mit dabei.

Als Christian Ude noch Schüler war

Schließlich entscheiden sich der Kinder-

und Jugendhilfeausschuss sowie der

Schulausschuss Ende Januar für die

Einrichtung der StadtschülerInnenvertretung.

Das steht einer Stadt auch gut zu

Gesicht, deren Stadtrat bald entscheiden

wird, ob das Thema Partizipation zum

kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkt

des Jahres 2008 gemacht wird. Wie

kompetent politisch aktive junge Erwachsene

sein können, erleben wenig später die

vier Kandidaten fürs Oberbürgermeisteramt

bei einer Gesprächsrunde – veranstaltet

von Kreisjugendring und Jugendrat. Der

amtierende OB Christian Ude (SPD)

bekundet darin seine Sympathie für die

Schülervertretung. Vieles, was er bereits als

Schüler vor Jahrzehnten gefordert habe,

werde jetzt verwirklicht, sagt er. Da

schmunzelt nicht nur das Projektteam.


„Wir haben geschaff t, was

uns keiner zugetraut hat.“

Johannes Trischler

In der Ruhe liegt die Kraft: Johannes Trischler setzt auf

Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit im Umgang mit Entscheidern.

Für ihren Start ins politische Leben ist die

StadtschülerInnenvertretung gut ausgerüstet:

mit einem Jahresetat von 50.000

Euro und einem Büro im „Haus der Ju-

gendarbeit“, Tür an Tür mit dem Schülerbüro

und dem Jugendrat. Träger der StadtschülerInnenvertretung

wird wohl der

Kreisjugendring, der dem Team dann mit

Rat und Tat zur Seite steht. Das Wichtigste

ist aber der feste Sitz als beratendes

Mitglied mit Rederecht, den die Schülervertreter

im Kinder- und Jugendhilfeausschuss

erhielten. So können sie Einfl uss auf

Beschlussvorlagen und Anträge nehmen.

Außerdem haben sie Rederecht im

Schulausschuss, wenn auch nach Absprache

mit den Fraktionsmitgliedern. Bis die

StadtschülerInnenvertretung mit der Arbeit

anfängt, dauert es noch etwas. Deshalb ist

vorerst Informieren die erste Schülervertreterpfl

icht. Mit Veranstaltungen, Flyern,

Internet-Auftritt, Schulbesuchen und

Seminar-Angeboten für Schülervertreter

will das Projektteam junge Münchner auf

sich aufmerksam machen. Auf dass auch

der Spaß nicht zu kurz kommt, gibt es

„Get-Together-Partys“ und eine große

Auftakt-Veranstaltung im nächsten Jahr.

Damit ist das Projekt StadtschülerInnenvertretung

(fast) am Ziel angekommen. „Wir

haben geschaff t, was uns kaum jemand

zugetraut hat“, freut sich Johannes

Trischler. „Ich werde mich auch weiterhin

für die StadtschülerInnenvertretung

engagieren. Damit Jugendliche eine Lobby

bekommen und mitreden können.“

StadtschülerInnenvertretung 29

Starke Partner

machen stärker

Das Beispiel der StadtschülerInnenvertretung

zeigt:

Netzwerke sind für den Erfolg

eines Projekts wichtig. Denn

starke Partner machen auch

stärker. Projekte bekommen

zudem eine größere Schubkraft,

wenn Wirtschaft und gemeinnützige

Organisationen hinter einer

Idee stehen und sie fördern. Und

das ist auch nötig, denn die

Zukunftsaufgaben und Herausforderungen

in unserem Land

können nur gelöst werden, wenn

sich die Zivilgesellschaft – und

auch die Unternehmen – aktiv

und engagiert daran beteiligen.

Die Kooperation zwischen Staat,

Wirtschaft und Bürgergesellschaft

ist unverzichtbar. Die Aufgabe des

Staates ist es dabei, gute Rahmenbedingungen

und haltende

Strukturen zu schaff en, unter

denen sich gesellschaftliche

Eigeninitiative entfalten kann. So

kann der Staat Infrastruktur

fördern, indem er Wissen über

unternehmerisches bürgerschaftliches

Engagement und neutrale

Beratung für Unternehmen

einbringt. Das neue Programm

des Bundesfamilienministeriums

„Miteinander – füreinander“ stärkt

das zivilgesellschaftliche

Engagement und entwickelt es

weiter. Denn: Gemeinwohlförderung

braucht Zivilgesellschaft.

„Hilfe der Zivilgesellschaft“:

Staatssekretär Gerd Hoofe, Bundesministerium

für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend, Berlin.


30 Vernetzungstreff en

Hier laufen die Fäden zusammen: Beim

jährlichen Treff en knüpfen die Netzwerker

Kontakte und tauschen Ideen aus.

Gemeinsam Hand

anlegen: Kreativ in der

Gruppe arbeiten gehört

zum Programm der

Vernetzungstreff en.

Lautes Lachen hier. Herzliche

Umarmungen da. Die eintreff enden jungen

Erwachsenen kennen sich zum Teil schon

und schätzen sich. Das ist so unübersehbar,

wie die warmherzige, freundschaftliche

Atmosphäre spürbar ist – beim Vernetzungstreff

en der Civil Academy 2007, zu

dem rund 40 Teilnehmer der Academy

nach Weimar gekommen sind. Erfahrene,

die von ihren abgeschlossenen Projekten

berichten, und Neulinge, die das Training

eben erst abgeschlossen haben und von

den Erfahrungen der anderen profi tieren

wollen. So lernen sich alle Seminar-Teilnehmer

kennen, auch wenn sie nicht zur

selben Trainingsrunde gehören. „Ich bin

verblüff t von der Bandbreite der Projekte.

Es gibt kleinere mit regionalem Bezug, aber


Mit-Netzen!

Einsteiger und Absolventen der Civil Academy nutzen das

Vernetzungstreff en als Kontaktbörse und Ideenpool

auch groß angelegte, die im Ausland

angesiedelt sind“, staunt Christoph

Golbeck. Der Doktorand will bald mit

seinem serviceorientierten Kinderbetreuungsprojekt

„Easy Kindergarten“ starten

und setzt auf den Erfahrungsaustausch mit

den alten Hasen im Projektgeschäft.

Achtung Fallstricke!

Das jährliche Vernetzungstreff en bietet

aber viel mehr als den bloßen informellen

Austausch untereinander: Einige Civil

Academy-Absolventen präsentieren ihre

Projekte, außerdem halten Experten

Workshops zu praktischen Fragen und

Problemen der Projektarbeit. Dave Tijok

berichtet über seine Umwelt-Initiative

„Think Energy“ in Indonesien, die sich die

Bitte mal herschauen:

Alle Schritte in einem

Projekt müssen erkannt

und strukturiert werden.

Gewinnung von Treibstoff für Autos aus

Wüstenpfl anzenöl und Kunststoff abfall

zum Ziel gesetzt hat. Sein als „Erfi nderclub“

bekanntes Projektteam hat dafür schon

mehrere Preise eingeheimst. Eva Geithner,

inzwischen diplomierte Sozialwirtin und

ehemalige Teilnehmerin der ersten Civil

Academy-Trainingsrunde, warnt in ihrem

Workshop vor möglichen „Fallstricken im

Projektmanagement“ – während Susanne

Schächter, Dozentin und Coach der

Unternehmensberatung „mobilé“ nebenan

wertvolle Tipps zum Zeitmanagement gibt.

Parallel dazu erläutert BP Referentin

Brigitta Wortmann Formen und Instrumente

von Partnerschaften mit Unterneh-

Vernetzungstreff en 31

men. In der Pause stehen die Referenten

beisammen und tauschen sich aus.

Thematische Anknüpfungspunkte gibt es

genug.

An den Tischen sitzen später Schüler neben

Azubis, Studenten neben Berufstätigen. So

verschieden die jungen Freiwilligen auch

sein mögen, eines eint sie: der Wunsch, sich

zu vernetzen, neue Kontakte zu knüpfen,

bestehende zu intensivieren und mit

Gleichgesinnten über ehrenamtliches

Engagement zu reden. In den Seminaren

haben sie eff ektive Teamarbeit geübt und

gelernt, tragfähige Netzwerke zu bauen.

Beides wollen sie jetzt in der Praxis

erproben. Das Vernetzungstreff en bietet

dafür ein optimales Lernfeld: Der Leiter

eines Umweltschutz-Projekts erzählt seiner

Nachbarin von den bürokratischen Hürden

der Startphase. Die Designerin und

Initiatorin eines Kreativ-Projekts für

Krankenhauspatienten hört aufmerksam

zu. Der Sportstudent diskutiert mit dem

Stadtschülervertreter, die Heilpädagogin

mit der Gründerin eines deutsch-polnischen

Chorprojekts. Adressen werden

ausgetauscht. Kontakte empfohlen, über

Ansprechpartner in Wirtschaft und

gemeinnützigen Institutionen eifrig

debattiert.

Wachstum in starker Gesellschaft

Viele ehemalige Civil Academy-Teilnehmer

nutzen das Vernetzungstreff en auch, um

beim Projektteam der Civil Academy

Ratschläge für die Suche nach Kooperationspartnern

zu fi nden. „Wir bieten unseren


32 Vernetzungstreff en

Absolventen mit

Vorbildfunktion

Neben der Lobbyarbeit sieht das BBE

seine Aufgabe vorrangig in der Feldentwicklung

für bürgerschaftliches Engagement. Darin, neue

Formate mit einem Mehrwert für alle Beteiligten

zu entwickeln. Die Civil Academy ist dafür ein

sehr gutes Beispiel, denn sie ist nicht nur als

Projekt aus der Vernetzung von BP und BBE

entstanden. In ihr vernetzen sich auch Wirtschaft,

staatliche Institutionen und Bürgergesellschaft

mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen

zu gegenseitigem Nutzen.

Durch diese „trisektorale“ Zusammenarbeit ist

eine Plattform mit kreativem Umfeld entstanden,

in dem die Projekte der jungen Freiwilligen

reifen können. Sie erleben in den Seminaren die

gut funktionierenden vernetzten Strukturen der

Civil Academy und wollen auch in ihren

Pro jekten mit Partnern aus der Wirtschaft und

der Zivilgesellschaft kooperieren. Damit werden

die Academy-Absolventen zu Botschaftern,

Vorbildern und Multiplikatoren für die Vorteile

von Netzwerken und strategischen Partnerschaften

in Zeiten knapper Kassen. Die Engagierten

zeigen auch, dass dahinter mehr steht

als Kalkül – jede Menge Spaß und nichts

weniger als die Zukunft unserer Gesellschaft.

„Mehr als Kalkül“: Professor Dr. Thomas Olk,

Vorsitzender des Sprecherrats beim Bundesnetzwerk

Bürgerschaftliches Engagement (BBE), Berlin.

Stipendiaten solche Vernetzungshilfen

ausdrücklich an. Vor allem das Bundesnetzwerk

Bürgerschaftliches Engagement (BBE)

ist hier eine hervorragende Anlaufstelle

– mit seinen 200 Mitgliedern aus Staat,

Wirtschaft und gemeinnützigen Organisationen“,

so Vera Fischer, Projektleiterin der

Civil Academy. Was scheinbar bürokratisch

klingt, ist ganz einfach zu nutzen: Das BBE

bringt seine Mitglieder aus Wirtschaft,

Staat und Gesellschaft in Projektgruppen

an einen Tisch. Gemeinsam versuchen sie,

freiwilliges Engagement zu fördern und die

Bedingungen dafür zu erleichtern. Nichts

anderes passiert letztlich auch beim Treff en

der Civil Academy, wenn sich die Freiwilligen

untereinander austauschen, vernetzen,

unterstützen und ihr Engagement so

wieder zurück in die Gesellschaft tragen.

Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe:

Wenn die Zivilgesellschaft stärker wird,

profi tiert die ganze Gemeinschaft. Oder

wie BP es sieht: „Das Wohlergehen unseres

Unternehmens ist eng verbunden mit dem

Wohlergehen der Gesellschaft“.

Impressum

Gute Optik: In den

Workshops legen

die Experten auch

Wert auf eine gute

Präsentation.

engagiert, Das Magazin zur Civil Academy

Herausgeber: Deutsche BP AG, Bochum

Chefredaktion (V. i. S. d. P.): Brigitta Wortmann, Deutsche BP AG, Berlin

Gestaltung, Produktion und Organisation:

Content Company – Agentur für Public Relations GmbH, Köln

Redaktion: Heike Byn (Content Company, Texte), Vera Fischer (Civil Academy)

Layout: Werner Müller

Foto: Dietmar Gust Titel / S. 3+4 / 9/ 11 / 30 / 33, Carl-Victor Dahmen S. 3 /17+18,

Christa D‘Angelo S. 5, Johannes Daniel S. 6, Mira Nanda S. 7, Jannis Schulze

S. 7, Markus Kämmerer S. 7, Friedrich Stark S. 12 / 20–22 / 34, Christian

V. / PantherMedia S. 22+23, Klaus D. Wolf S. 26+29, Moritz Brilo S. 19/30–32

Druck: Druckhaus Ley + Wiegandt, Wuppertal


Starkes Team

mit viel Geduld

Vera Fischer und Katrin Oehler sind das Projektteam der Civil Academy

Brücken schlagen und Menschen

miteinander ins Gespräch bringen, das ist

der Kern der Arbeit im Projektbüro der Civil

Academy in Berlin, wo bei Projektleiterin

Vera Fischer und ihrer Mitarbeiterin Katrin

Oehler alle Fäden zusammenlaufen. Auf

allen Arbeitsebenen der Civil Academy

unter den Kooperationspartnern, in der

Jury, in den Referenten-Tandems und unter

den Teilnehmern – will der fruchtbare

Austausch zwischen Vertretern von

Wirtschaft und Bürgergesellschaft

gefördert werden. „Das bedeutet, ganz

unterschiedliche Menschen und Systeme

miteinander zu verbinden“, sagt Vera

Fischer. Da triff t Basisdemokratie auf

hierarchisches Management, freiwilliges

Engagement auf Arbeitsleben; da begegnen

sich gesellschaftliche Ideale und

Nutzenaspekte. „Damit daraus ein

produktiver Prozess wird, von dem das

Engagement junger Menschen profi tiert,

Ausgezeichnete Streitschlichter

braucht es größtmögliche

Transparenz und viel Kommunikation.

Und es bedarf einer

off enen, toleranten und

wertschätzenden Atmosphäre im

Umgang miteinander“, meint

Vera Fischer.

Das gilt beim engagierten

Projektteam nicht nur für ihre

Arbeit in Seminaren und

Arbeitstreff en. Es gilt auch für ihr

Zusammenspiel untereinander,

bei dem ebenfalls ganz unterschiedliche

Hintergründe

aufeinander treff en: Die Juristin

Vera Fischer arbeitete lange

Jahre als Journalistin. Die

Bürokauff rau Katrin Oehler studierte als

Regieassistentin Kulturwissenschaft. „Wir

haben ganz unterschiedliche Sichtweisen“,

sagt die Mutter von Zwillingen. „So

ergänzen wir uns gut und bringen

Wie das Streetworker-Projekt im Wetzlarer Freibad von Preisen und

Ehrungen profi tiert – und so Teile der Kosten deckt

Seit 1996 engagieren sich in Wetzlar „Freibad-Streetworker“

während der Sommerferien im Freibad „Domblick“, in dem

Belästigungen und Gewalt lange Zeit üblich waren. Die multikulturell

und vielsprachig besetzten Teams wollen Streitigkeiten

zwischen Jugendlichen im Vorfeld verhindern und bei Konfl ikten

vermitteln. Ihre Strategie: Sie zeigen sich präsent, knüpfen

Kontakte durch Spielangebote und versuchen, aufkeimende

Gewalt durch Gespräche zu stoppen. In Treff en vor der Saison

werden Helfer fi t gemacht; in einer Schulung vermitteln Profi s

Themen wie Streitvermittlung und Konfl iktanalyse. Weil das

Projekt dadurch mit der Zeit kostenintensiver wurde, muss das

Team jetzt nach weiteren Kooperationspartnern suchen. Davor

wollten die Streetworker ihr Projekt aber strukturierter und

effi zienter gestalten. Eine derartige Professionalisierung erhoff te

Vermischtes 33

Bringen einander auf neue Ideen: Katrin

Oehler (l.) und Vera Fischer vom Projektbüro.

einander oft auf neue Ideen.“ Doch es gibt

auch Gemeinsamkeiten: Beide haben

Erfahrung in der Weiterbildung. Und beide

fi nden Freude daran, Brücken zwischen

Menschen zu schlagen.

sich Anna Maria Mika von ihrer Bewerbung an der Civil Academy.

Vor allem in den Seminaren zum Projektmanagement und

zur Präsentationstechnik vermittelten ihr Referenten der BP und

des gemeinnützigen Sektors das fürs Projekt besonders nötige

Know-how. „Das macht uns bestimmt selbstbewusster im Auf-

tritt“, freut sich Mika. Das Streetworker-Projekt fi nanziert sich

bislang durch die Unterstützung des Magistrats, private Spen-

den- und Preisgelder. Die jungen Freiwilligen haben bereits

neun Preise und Ehrungen erhalten. Vorläufi ges Highlight: Seit

November 2007 gehören die Streitschlichter sogar zu den

Preisträgern des „Deutschen Kinderpreises“ der Hilfsorganisation

World Vision. „Jeder Preis ist für uns in erster Linie eine Ehre und

Anerkennung unserer Arbeit. Durch die Auszeichnungen

bleiben wir auch im Gespräch“, freut sich Anna Maria Mika.


34 Portrait

Verschieden – aber

auf einer Linie

Ein wahrhaft unterschiedliches

„Tandem-Team“ vermittelt das Thema

„Vielfalt und Integration“. Die BP

Personalentwicklerin Sandra Weidemann

bereitet sich mit einem genauen

Plan vor und hat exakte Vorstellungen

über die Arbeitsmethoden. Die freie

Trainerin Gisela Führing schöpft aus

ihren Lebens- und Projekterfahrungen,

die sie gerne in die Seminare einbringt.

„Wir mussten uns auf eine gemeinsame

Sprache verständigen“, sagt Sandra

Weidemann. „Danach haben wir aber

rasch eine akzeptable Linie gefunden,

die die unternehmerische Perspektive

mit dem persönlichkeitsorientierten

Ansatz verband“, ergänzt Gisela Führing.

„Mich beeindruckt ihre Persönlichkeit

und ihr Sinn für das Machbare. Manche

meiner Ansichten habe ich nochmal

refl ektiert“, so Weidemann. „Sie hat mir

einen Einblick in den unternehmerischen

Ansatz von Vielfalt und Integration

geboten. Ich werde ihr Denken in

Modellen in meine Arbeit integrieren“,

resümiert Führing.

Sandra Weidemann, Personalentwicklerin

bei BP, und Dr. Gisela Führing, freie

Trainerin, sind das „Tandem-Team“ für

Vielfalt & Integration.

Berufl iches

und privates

Engagement: Ralf

Petri arbeitet auch

vom Home-Offi ce

aus.


Ein Zahlenmensch

und Menschenfreund

BP Mitarbeiter Ralf Petri unterrichtet an der Civil Academy Finanz- und

Kostenplanung und engagiert sich privat für Vater-Kind-Aktionen

Er ist Performance Planner im

Commercial Management der Business

Unit Fuels Marketing Rhine Central &

Eastern Europe bei BP. Aha. Und was macht

er da? Ralf Petri (44) lacht und erklärt: „Ich

analysiere die monatlichen Ist-Daten,

vergleiche unsere Kennzahlen mit externen

Benchmarks und leite daraus Empfehlungen

ab, damit wir uns in den europäischen

Märkten optimal platzieren können.“

Das kann Ralf Petri gut, komplexe Inhalte

einfach vermitteln. Der Wirtschaftswissenschaftler

lehrte bereits während seines

Uni-Studiums. Seit er 1992 zur Deutschen

BP kam, unterrichtete er schon oft Schüler

in Umschulungsprogrammen zur Vorbereitung

aufs Berufsleben. Inzwischen hält er

für neue Mitarbeiter Vorträge über seinen

Geschäftsbereich. Seit 2006 ist er zudem

ehrenamtlicher Referent bei der Civil

Academy. BP hatte ihn gefragt, ob er sich

bei diesem gesellschaftlichen Engagement

des Unternehmens als Dozent einbringen

wolle. „Mich hat das sofort gereizt. Ich fi nde

es spannend, ein komplexes Thema wie

Finanzplanung jungen Engagierten

nahezubringen, damit sie und ihre Projekte

davon profi tieren“, sagt Ralf Petri. In jeder

Trainingsrunde unterrichtet er projektbezogene

Kosten- und Finanzplanung und

erarbeitet dazu mit den Teilnehmern,

welche Kosten in ihren Projekten anfallen

werden. Danach erfahren sie beim Thema

Fundraising durch die Tipps weiterer

Referenten aus dem gemeinnützigen

Bereich, wo und wie sie an Geldgeber

kommen. „Wir haben uns in den ‚Tandem-

Teams‘ nicht nur thematisch ergänzt, durch

sie habe ich auch neue Aspekte des

Themas kennengelernt. Was wusste ich

schon übers Bußgeldmarketing als

Strategie der Geldbeschaff ung?“, erzählt

Ralf Petri. Über den eigenen Horizont

hinaus denken, Kontakte knüpfen und sich

vernetzen, das passiert vor allem in den

Pausen und an den Abenden. Für den

Performance Manager ist es deshalb

selbstverständlich, dass er das ganze

Seminar-Wochenende bleibt. Hinzu

kommen jeweils ein bis zwei Arbeitstage

Vor- und Nachbereitung. Ralf Petri ist nun

mal Dozent aus Leidenschaft. „Die

Academy-Teilnehmer sind toll: hoch

motiviert und sehr interessiert an meinem

Wissen. Die lassen einen nicht eher gehen,

bevor sie einen Stoff durchdrungen haben“,

erzählt Ralf Petri. Im Gegenzug dazu

profi tiert er von der Kreativität der

Teilnehmer, ihren unkonventionellen Ideen.

„Manchmal beeindruckt mich etwas derart,

dass ich die Anregungen in meine eigenen

Projekte einfl ießen lasse“, so Petri.

Schaltzentrale Home-Offi ce

Er weiß von den Problemen, die viele

Teilnehmer mit seinem Leib- und Magenthema,

der Finanz- und Kostenplanung,

haben. „Die meisten haben tausend Ideen

im Kopf, machen sich aber über Kosten und

Ausgaben keine Gedanken“, so Ralf Petri.

Portrait 35

Deshalb versorgt er die Projektleiter mit

einem Excel-basierten Tool, das sie für die

„Zeitstrahlrechnung“ ihrer Finanzplanung

gut gebrauchen können. „Als Praktiker

kann ich viele Denkanstöße geben.

Schließlich ist es gar kein großer Unterschied,

ob ich eine Tankstelle eröff nen oder

einen Kunstwettbewerb organisieren will“,

meint der Performance Manager.

Termine koordinieren, Projekte planen,

Seminare vorbereiten – vieles davon

geschieht in seinem Wittener Home-Offi ce.

Ein bis zwei Tage arbeitet er dort, den Rest

der Woche ist er im Auftrag der BP

unterwegs. Sein Arbeitszimmer ist auch die

Schaltzentrale für weitere freiwillige Arbeit:

Seit langem engagiert sich Ralf Petri in der

Männerarbeit, seit der Geburt der inzwischen

zwölfj ährigen Tochter ist er dort

aktiv. Gemeinsam mit Gleichgesinnten

organisiert er Vater-Kind-Reisen und

gestaltet Wochenenden mit Spielen und

Gemeinschaftsaktionen für Väter und

Kinder. „Als ich klein war, liefen wir Kinder

in unserer Familie irgendwie immer nur

mit. Mir war deshalb wichtig, dass ich mich

als Familienvater aktiv in die Erziehung

einbringe“, betont Ralf Petri. Vom kreativen

Miteinander der Vater-Kind-Aktionen

profi tieren auch BP Mitarbeiter. „Viele

Spiele zum Kennenlernen oder mit

‚Eisbrecher-Qualitäten‘ eignen sich auch

hervorragend für Veranstaltungen mit

Führungs- und Nachwuchskräften“, freut

sich Petri. Wenn die wüssten.


Wer Gutes tut,

sollte die Chance

bekommen, es

auch gut zu tun.

Idealismus ist gut. Idealismus plus wirtschaftliches

Verständnis ist besser. In der

Civil Academy fördert BP das gesellschaftliche

Engagement junger Menschen – zusammen

mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches

Engagement. Damit aus guten Ideen reale

Projekte werden. www.civil-academy.de

Der Anfang ist gemacht.

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