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NEUBAU GEMEINDE- UND VEREINSZENTRUM,OBERALM

Nach außen geöffnet

Der Neubau des Gemeindezentrums in Oberalm hat heftige Reaktionen ausgelöst.

Ein freigestellter Musiksaal stellte hohe Anforderungen an die Bauausführung.

Fotos: Manfred Seidl


Die Umsetzung zeitgenössischer Architektur im ländlichen Raum ist

vielfach eine sensible Angelegenheit. Diese Erfahrung haben auch

die Wiener Architekten Maria und Andreas Gerner im

salzburgischen Oberalm gemacht. Der Projektentwurf des

Architektenduos für das neu zu errichtende Gemeindezentrum

konnte zwar die hochrangig besetzte Jury des Eu-weit ausgelobten

Wettbewerbs überzeugen, nicht aber einen einflussreichen Teil der

Bevölkerung. Unmittelbar nach Verkündigung des Siegerprojekts

hat sich eine Bürgerinitiative konstituiert, um gegen das Bauvorhaben

Sturm zu laufen. Knapp 500 Einwohner der 4000-Seelen-Gemeinde

haben ihre Ablehnung gegenüber dem Projektentwurf mit

ihren Unterschriften zum Ausdruck gebracht. Die zeitgenössische

Architektur sei eine Gefährdung für das historische gewachsene

Ortbild und durchbreche die optische Homogenität der Bebauung,

so die Argumentation der Kritiker. Die politischen Verantwortlichen

von Oberlam haben sich trotz des zum Teil heftigen Widerstands für

die Umsetzung des Projektentwurfs entschieden und diese in jeder

Phase der Abwicklung unterstützt. Erst der große politische Rückhalt

hat es ermöglicht, das neue Gemeindezentrum ohne

qualitative Abstriche zu realisieren.

Einschub und Auskragung

Nach Fertigstellung präsentiert sich der gebaute Stein des

Anstoßes als funktionales Gemeindezentrum mit transparenter

Hülle, dessen Kompaktheit durch den eingeschobenen

Baukörper des Musiksaals im Erdgeschoss im wahrsten Sinne

des Wortes durchbrochen wird. Die auf ein Obergeschoss

reduzierte Bauhöhe nimmt Bezug auf die bestehende Bebauung

ohne, dass dadurch Abstriche hinsichtlich der Dimensionierung

und Funktionalität des vorgegebenen Raumprogramms gemacht

werden mussten. Das Erdgeschoss tritt hinter das weitauskragende

und auf lediglich vier schmale Stützelemente in V-Form

aufgesetzte Obergeschoss zurück. Dadurch entsteht eine großzügige

Erschließungssituation die von dem weitläufigen Vorplatz

in den Atriumhof des neuen Gemeindezentrum überleitet. Eine

durchgehende Pflasterung von Vorplatz und Innenhof stellt zusätzlich

eine unmissverständliche Beziehung zwischen den

beiden unterschiedlichen Funktionsbereichen her und löst die

Grenze zwischen öffentlicher Fläche und Bebauung explizit auf.

Der geöffnete Atriumraum ist als Veranstaltungsort konzipiert

und soll durch seine Öffnung zum Dorfplatz Passanten zur Teilnahme

anregen.

Querdurchlüftungsmöglichkeiten kombiniert mit einer intensiven

Bepflanzung sorgen für ein ausgewogenes Mikroklima.

Natürliche Belichtung

Der Innenhof bildet den zentralen Raum um den die einzelnen

Funktionsbereiche angeordnet sind. Mit einem trapezförmigen

Grundriss wird die traditionelle Form des Vierkanthofes neuinterpretiert.

Über ein breites Fensterband erfolgt die natürliche

Belichtung der rundumlaufenden Galerie und der dahinterliegenden

Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss bildet eine


Lichtdurchflutet: Ein hoher Glasanteil sorgt für natürliche

Belichtung.

raumhohe Verglasung die physische Grenze zwischen Atrium und

Innenraum. Der hohe Glasanteil gepaart mit der großzügigen

Dimensionierung des Atriums sorgt für lichtdurchflutete Erschließungszonen

die auch zum Verweilen einladen.

Das Erdgeschoss des östlichen Gebäudetraktes ist dem

örtlichen Musikverein vorbehalten. Der eingeschobene Probesaal

kontrastiert als abgerundeter und vom Gemeindezentrum abgetrennter

Baukörper die strenge Formensprache der restlichen

Bebauung. „ Aufgrund der akustischen Anforderungen musste

der Proberaum baulich so ausgebildet werden, dass gegenüberliegende

Fläche nicht parallel zueinander stehen“, erläutert

Rainer Meisriemel, verantwortlicher Bauleiter vom Generalunternehmer

Kreuzberger Bau. Diese Vorgabe wurde durch einen

abgerundeten und sich verjüngenden Grundriss sowie durch eine

Kombination aus geneigten Betonwänden und einer gewölbten

Betondecke umgesetzt. Die aussteifenden Bauteile des Gemeindezentrums

sind als Stahlbetonkonstruktionen ausgeführt.

„Der Querriegel wird von einer Stahlkonstruktion aus schweren

Stahlprofilen in Kombination mit Hohldielen getragen“, so

Thomas Wetzstein, verantwortlicher Projektleiter von

Vasko+Partner, zur Tragkonstruktion und führt weiter aus: „Die

Umsetzung der durchdachten Gesamtkonstruktion wurde erst

durch die enge Zusammenarbeit und die großen Fachkenntnisse

bau.tafel

Gemeinde- und Vereinszentrum

Halleiner Landesstraße 51, A-5411 Oberalm

Bauherr Marktgemeinde Oberalm, A-5411 Oberalm

Generalplaner gerner∞gernerplus, A-1060 Wien

www.gernergernerplus.com

Statik, Bauphysik Vasko + Partner Ingenieure ZT GesmbH

Haustechnikplanung Grinzinger Allee 3, A-1190 Wien

T +43(0)1/32 999-0 F +43(0)1/32 999-222

office@vasko-partner.at www.vasko-partner.at

Baumanagement Sabag Salzburger Bauträger GmbH, A-5020 Salzburg

Generalunternehmer Kreuzberger Bau Salzburg GmbH & Co KG, A-5020 Salzburg

Metallbau, Fassade, Alu-Portale Schlosserei Günter Bachmaier, A-5201 Seekirchen

Elektroinstallationen Elektro Ebner GmbH, A-5400 Hallein

Flachdach Heinrich GmbH & Co KG, A-5023 Salzburg

Sonnenschutzlamellen Solar Wings Lamellensysteme, A-4020 Linz

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Probesaal: Optimale Rahmenbedingungen für den örtlichen

Musikverein.

Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Statisch entkoppelt: Der Probesaal ist als freistehender

Baukörper ausgebildet.

der Stahlbaufirma sowie des Generalunternehmers ermöglicht“.

Eine strikte bauliche Trennung der Funktionsbereiche Musikverein

und Gemeindeamt ist kennzeichnend für das klar ausformulierte

Raumprogramm. Das gesamte Obergeschoss sowie

der nach Westen ausgerichtete Teil des Erdgeschosses sind der

Gemeinde vorbehalten. Der große Sitzungssaal ist mit Blickrichtung

Dorfplatz prominent im Raumgefüge situiert. Die Nordfassade

des Obergeschosses ist mit raumhohen Glaselementen

in Richtung Vorplatz geöffnet und führt die transparente Gestaltung

der Gebäudehülle im Erdgeschoss weiter. Eine vorgesetzte

Sonnenschutzkonstruktion aus massiven, vertikalangeordneten

Lamellen unterstreicht die kompakte Formensprache

des Baukörpers. Das haustechnische Konzept wurde unter Einbeziehung

des außen liegenden Sonnenschutzes soweit

optimiert, dass eine gesonderte Kühlung nicht erforderlich ist.

„Die Kombination aus großen Speichermassen und effizientem

Sonnenschutz stellt einen hochwertigen sommerlichen Wärmeschutz

sicher“, erläutert Wetzstein das Haustechnikkonzept.

Die Wärmeabfuhr der Innenräume erfolgt über eine erhöhte Luftwechselrate.

Die Frischluftzufuhr ist kosteneffizient an die

zeitliche Nutzung des Gebäudes gekoppelt. Damit konnte eine

nachhaltige Optimierung der Betriebskosten umgesetzt werden.

Stefan Pruckmayr

bau.zeitung 16|06

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