Fact Sheet: Neue Perspektiven für die Entwicklung des ... - Europa

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Fact Sheet: Neue Perspektiven für die Entwicklung des ... - Europa

Fact SheetEuropäische KommissionNeue Perspektivenfür die Entwicklungdes ländlichen Raumsin der EU


Inhalt1. Entwicklung der EU-Maßnahmenfür den ländlichen Raum bis heute 42. Überprüfung der derzeitigenMaßnahmen 53. Die Politik zur Entwicklungdes ländlichen Raums in neuer Gestalt 84. Die neue Verordnung über dieEntwicklung des ländlichen Raums –der strategische Ansatz 105. Finanzielle Unterstützung fürdie Entwicklung des ländlichen Raumsdurch die EU 136. Nützliche Informationsquellen 15Europe Direct is a service to help you findanswers to your questions about theEuropean UnionNew freephone number:00 800 67891011Zahlreiche weitere Informationen zurEuropäischen Union sind über Internet verfügbar:Server Europa (http://europa.eu.int).Luxemburg: Amt für amtlicheVeröffentlichungen der EuropäischenGemeinschaften, 2004ISBN 92-894-8130-7© Europäische Gemeinschaften, 2004Nachdruck mit Quellenangabe gestattet.Printed in GermanyGEDRUCKT AUF CHLORFREI GEBLEICHTEM PAPIER2


30°W20°W10°W0°E10°E 20°E30°E70°N40°E50°E 60°E10°W 40°N50°N20°W60°NLändliche Gemeinden(Bevölkerungsdichte ≤ 150Einwohner / km 2 )Überwiegend ländlich(in ländlichen Gemeinden lebenderBevölkerungsanteil von > 50 %)Signifikant ländlich(in ländlichen Gemeinden lebenderBevölkerungsanteil von 15 % bis 50 %)Überwiegend städtisch(in ländlichen Gemeinden lebenderBevölkerungsanteil von


1. Entwicklung derEU-Maßnahmen fürden ländlichen Raumbis heuteDie Politik der EU für den ländlichen Raum ist im Zugeder Weiterentwicklung der GAP von einer Politik, mitder die Strukturprobleme im Agrarsektor behandeltwurden, zu einer Politik geworden, die der vielfältigenRolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft und insbesondereden Herausforderungen gewidmet ist,denen sich die Landwirtschaft im weiter gefasstenKontext des ländlichen Raums gegenüber sieht.a) Frühere EntwicklungUrsprünglich stand die Förderung des physischen Kapitals(Investitionen) im Agrarsektor und den nachgelagertenSektoren im Mittelpunkt. Durch Förderung der Verarbeitungund Vermarktung sollte zur Integration der Lebensmittelkettevon der Erzeugung bis hin zur Vermarktung sowie zurweiteren Verbesserung der Agrarstrukturen und derWettbewerbsfähigkeit des Primärsektors beigetragen werden.Nach und nach wurde die Aufmerksamkeit auch demHumankapital zugewandt (Vorruhestand und Berufsbildung).In den 70er Jahren kam mit der Ausweisung von benachteiligtenGebieten, die für besondere Maßnahmen in Betrachtkommen, ein erstes territoriales Element hinzu. Ziel war es,die Abwanderung aus der Landwirtschaft und dem ländlichenRaum, die das Überleben bestimmter ländlicherGebiete sowie die Erhaltung der natürlichen Umwelt und3 Eine Reihe von Reformen der EU-Politiken (einschließlich der Agrarpolitik), dievon den Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfeltreffen des EuropäischenRates von Berlin im März 1999 vereinbart wurden und die „FinanzielleVorausschau“ für den EU-Haushalt für den Zeitraum 2000-2006 vorgaben.4 Verordnung (EG) Nr. 1257 / 1999 des Rates vom 17. Mai 1999 (ABl. L 160 vom26.06.1999).der Landschaft gefährdete, einzudämmen. Später wurdehieraus ein umfassenderes Konzept entwickelt, das dieMaßnahmen zugunsten der benachteiligten Gebietemit anderen Unterstützungsmaßnahmen für bestimmteRegionen verknüpfte.b) Agenda 2000Mitte der 90er Jahre verfügte die EU über eine Reihe vonInstrumenten, die Zielen wie z.B. der Umstrukturierungder Landwirtschaft, der territorialen / lokalen Entwicklungund der Einbeziehung von Umweltbelangen gewidmetwaren. Diese Instrumente wurden mit der Reformvereinbarungder Agenda 2000 3 in einen kohärenterenRahmen eingebettet. Den Mitgliedstaaten wird ein„Menü“ von 22 Maßnahmen geboten, aus denen sie diejenigenauswählen, die auf die Bedürfnisse ihrer ländlichenGebiete am besten zugeschnitten sind. DieseMaßnahmen werden dann in die nationalen oder regionalenProgramme der Mitgliedstaaten aufgenommen.Der EU-Beitrag zur Finanzierung der Maßnahmen hängtvon der betreffenden Maßnahme und der betreffendenRegion ab. Seit der Agenda 2000 unterliegen dieseMaßnahmen einer umfassenden Verordnung über dieFörderung der Entwicklung des ländlichen Raums 4 .Mit der Agenda 2000 wurde die Politik zur Entwicklungdes ländlichen Raums zum zweiten Pfeiler der GAP erhoben,der die weitere Reform der Marktpolitik (ersterPfeiler) flankiert. Im Rahmen der GAP wird zunehmendangestrebt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen denbeiden Pfeilern zu erreichen.4


c) GAP-Reform – Juni 2003Die Komplementarität zwischen den beiden Pfeilern derGAP wurde durch die kürzlich erfolgte GAP-Reform verstärkt,mit der die „Entkopplung“, die „Einhaltung anderweitigerVerpflichtungen“ (Cross-compliance) und die „Modulation“(Übertragung von Mitteln vom ersten auf den zweitenPfeiler) eingeführt wurden, die ab 2005 umzusetzensind. Im Rahmen des ersten Pfeilers ist eine Grundsicherungfür die Einkommen der Landwirte vorgesehen, die ihreErzeugung an der Marktnachfrage ausrichten können,während im Rahmen des zweitens Pfeilers die Landwirtschaftin ihrer Funktion für Land und Umwelt (Bereitstellungvon öffentlichen Gütern) sowie die Entwicklung der ländlichenGebiete unterstützt werden. Die im Juni 2003 erzielteEinigung führt zu einer Verstärkung der Politik zurEntwicklung des ländlichen Raums über:• neue Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität unddes Tierschutzes und zur Unterstützung der Landwirtebei der Einhaltung der neuen EU-Normen sowie über• die Bereitstellung zusätzlicher EU-Gelder für dieEntwicklung des ländlichen Raums durch Kürzung derDirektzahlungen für größere Betriebe („Modulation“).Dank des vereinbarten Modulationssatzes von 5 % werdenzusätzliche Mittel für die Entwicklung des ländlichenRaums in Höhe von jährlich 1,2 Mrd. EUR verfügbar. Darüberhinaus sieht die Reform eine Ausweitung der bisherigenInstrumente zur Förderung der ländlichen Entwicklungvor wie z.B. die Verstärkung der Fördermaßnahmenfür Junglandwirte.Erster PfeilerMarktpolitikEinkommensstützungZweiter PfeilerPolitik zur ländlichenEntwicklungÖffentliche GüterLebensmittelerzeugungUmweltfunktionLändlicheFunktionNachhaltige Landwirtschaft und ländliche Gebiete2. Überprüfung derderzeitigen MaßnahmenAnhand einer Reihe von Überprüfungen früherer undderzeitiger Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichenRaums wurde der Politik- und Finanzbedarf der EU fürden von der kommenden Finanziellen Vorausschau abgedecktenZeitraum (2007-2013) untersucht.a) Die ÜberprüfungGemäß der Agenda 2000 mussten die Mitgliedstaatenund Regionen eine der Kommission bis Ende 2003 vorzulegendeHalbzeitbewertung ihrer Programme zur ländlichenEntwicklung vornehmen. Damit sollten Programmänderungenermöglicht werden, um die Leistung der Programmezu verbessern oder um auf veränderte Bedürfnisseund Prioritäten in den Programmgebieten eingehenzu können.5


Auf dem Göteborger Ratsgipfel von 2001 wurde dieKommission aufgefordert, einen zusammenfassenden Berichtauf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten vorgenommenenHalbzeitbewertungen zu erstellen. Die Kommissionhat eine gründliche Analyse der Politik zur Entwicklung desländlichen Raums mitsamt einer „ausführlichen Folgenabschätzung“für die künftige Politik vorgenommen. In derFolgenabschätzung wurden die Ziele für die künftige Politikfestgelegt, die Politikoptionen miteinander verglichen unddie Ergebnisse der Konsultationen der maßgeblichen Akteuredargestellt. Es wurden Schlussfolgerungen für die Politik zurEntwicklung des ländlichen Raums nach 2006 gezogen undder Inhalt dieser Politik sowie die Durchführungsmechanismenerläutert. Die Schlussfolgerungen der Folgenabschätzungsind in die vorgeschlagene neue Verordnung überdie Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums eingeflossen.b) Ermittelte PrioritätenIn den Schlussfolgerungen der im November 2003 inSalzburg organisierten zweiten europäischen Konferenzüber ländliche Entwicklung mit dem Titel „Grundlagenschaffen für die Zukunft des ländlichen Raums –Perspektiven für den ländlichen Raum in einem erweitertenEuropa“ wurden die großen Bereiche genannt, die imRahmen der künftigen Politik zur Entwicklung des ländlichenRaums zu berücksichtigen sind. Es handelt sich dabeium folgende Bereiche:• Land- und Forstwirtschaft: Diese Sektoren sind für dieLandschaftspflege im ländlichen Raum und für dieErhaltung lebensfähiger ländlicher Gemeinwesen weiterhinvon wesentlicher Bedeutung. Den Landwirten muss dabeigeholfen werden, ihre multifunktionale Rolle alsLandschaftspfleger und marktorientierte Erzeuger in dergesamten EU einschließlich der benachteiligten und abgelegenenGebiete zu erfüllen. Es gibt weiterhin guten Grunddafür, die EU-Politik zur Entwicklung des ländlichen Raumsmit Geldern der öffentlichen Hand zu unterstützen, um sodie laufende Umstrukturierung der Landwirtschaft, dienachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums und eineausgewogene Beziehung zwischen Stadt und Land zu fördern.• Ländliche Entwicklung im weiteren Sinne: Die Entwicklungder ländlichen Gebiete kann nicht mehr ausschließlichauf der Landwirtschaft basieren. Die Diversifizierungsowohl innerhalb als auch außerhalb des Agrarsektorsist unverzichtbar, um lebensfähige, nachhaltigeländliche Gemeinwesen zu fördern.• Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln: Die europäischenBürger messen der Sicherheit und Qualität ihrerLebensmittel, dem Schutz von Nutztieren sowie derErhaltung und Verbesserung der ländlichen Umwelt zunehmendBedeutung bei.• Zugang zu öffentlichen Diensten: In vielen ländlichenGebieten werden das Entwicklungspotenzial und besondersdie Möglichkeiten für Frauen und Jugendlichedurch den schlechten Zugang zu öffentlichen Diensten,den Mangel an Beschäftigungsalternativen und dieAltersstruktur erheblich beeinträchtigt.• Abdeckung des gesamten Gebiets der EU: Die Politik zurEntwicklung des ländlichen Raums muss für alleländlichen Gebiete der EU gelten, damit Landwirte undandere ländliche Akteure die Herausforderungen derlaufenden Umstrukturierung des Agrarsektors sowie dieFolgen der GAP-Reform und der neuen Agrarhandelsströmebewältigen können.• Zusammenhalt: Die EU-Politik zur Entwicklung des ländlichenRaums leistet bereits heute einen erheblichen Beitragzum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt, der in dererweiterten Union weiter verstärkt werden muss.• Einbeziehung der maßgeblichen Akteure: Eine Vielzahlvon maßgeblichen Akteuren, die sich aktiv für eine nachhaltigewirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung inden ländlichen Gebieten Europas einsetzen, sollte an derAusarbeitung von Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichenRaums beteiligt werden. Die künftige Politik muss dieEU-Förderung für den ländlichen Raum durch lokalePartnerschaften nach dem Bottom-up-Konzept straffen, wobeidie aus dem LEADER-Konzept gewonnenen Erkenntnisseals Grundlage dienen können.• Partnerschaft: Die Politik sollte nach dem Subsidiaritätsprinzipin partnerschaftlicher Zusammenarbeit von öffentlichenund privaten Einrichtungen sowie der Zivilgesellschaftgemeinsam durchgeführt werden. Um wirksam auf lokaleund regionale Bedürfnisse eingehen zu können, muss beider Aufstellung und anschließenden Durchführung, Begleitungund Bewertung der Programme ein umfassenderDialog zwischen den maßgeblichen Akteuren im ländlichenRaum stattfinden. Außerdem müssen die Partner mehrMöglichkeiten haben, durch Vernetzung und den Austauschbewährter Verfahren voneinander zu lernen.• Vereinfachung: Die EU-Politik zur Entwicklung des ländlichenRaums muss dringend erheblich vereinfacht werden.Der Durchführung muss ein Verfahren zur Programmplanung,Finanzierung und Kontrolle zugrunde liegen, dasauf die Bedürfnisse der Entwicklung des ländlichen Raumszugeschnitten ist.In der nachstehenden Tabelle sind die wichtigsten Erkenntnisseaus den Bewertungen der Programme zur ländlichenEntwicklung zusammengefasst, die im vorherigen und imlaufenden Programmplanungszeitraumin den Mitgliedsstaatenvorgenommen wurden.6


Wichtigste Erkenntnisse aus den Bewertungen der Programme zur Entwicklung des ländlichen RaumsPolitik / Strategie und Programmansatz• Die Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums und die anderen europäischen oder nationalen Förderprogramme müssen ebenso wiedie Maßnahmen innerhalb der einzelnen Programme besser koordiniert werden, um einen maximalen Nutzen zu erzielen und um zu vermeiden,dass potenzielle Synergien verloren gehen.• Die Lebensfähigkeit der ländlichen Gebiete kann am besten durch territoriale Konzepte erhalten und gefördert werden, die auf mehrereSektoren in der ländlichen Wirtschaft abzielen. Diese Konzepte sollten auf einer verstärkten lokalen / regionalen Koordinierung undverstärkten lokalen / regionalen Verwaltungsstrukturen basieren und von der Etappe der Programmplanung an eine Beteiligung derlokalen Akteure ermöglichen.• Unter der großen Zahl von verfügbaren Maßnahmen kann es auch Maßnahmen mit teilweise gegensätzlichen Zielen geben, doch ist es denMitgliedstaaten / Regionen dadurch möglich, ein auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittenes Maßnahmenpaket auszuwählen.Infolgedessen sind eine realistische, exakte Definition und Quantifizierung der Programmziele, eine sorgfältige Auswahl der Maßnahmen und diegenaue Bestimmung der Begünstigten Voraussetzung für den Erfolg der Programme. Ohne ein zielgerichtetes Vorgehen vergrößert sich dasRisiko von Mitnahmeeffekten, während eine Konzentration der Ressourcen die Wirksamkeit der Programme erhöhen kann.Durchführungsmechanismus / Umsetzung• Vernetzung und der Austausch bewährter Verfahren (national und grenzübergreifend) erhöhen eindeutig die Wirksamkeit der Programme undsollten auf EU-Ebene und nationaler Ebene von der Etappe der Programmplanung an unterstützt werden. Es bedarf einer besseren „Werbung“für die Maßnahmen und einer besseren Orientierung für die potenziellen Antragsteller.• Die Finanzierungsbestimmungen und Durchführungsmechanismen sollten vereinfacht werden, wobei insbesondere unterschiedlicheBestimmungen für die einzelnen Fonds zu vermeiden sind. Zugleich dürfen die Vereinfachungen bei der Festlegung der Maßnahmen und derFörderbedingungen nicht dazu führen, dass die Programmziele verwischt werden und die Fähigkeit zu einem gezielten Vorgehen und europäischerMehrwert verloren gehen.• Die Kommission muss bereits in der Phase der Programmplanung klare Orientierungen in Bezug auf die Begleit- und Bewertungsanforderungenin den Mitgliedstaaten geben. Die Begleit- und Bewertungssysteme sollten besser aufeinander abgestimmt werden.Einzelne Maßnahmen• Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben: Diese Maßnahme zeigt vor allem dann Wirkung (höheres Einkommen für die Landwirte),wenn sie gezielt auf spezifische Bedürfnisse wie z.B. die Modernisierung weniger wettbewerbsfähiger Betriebe ausgerichtet ist. Allerdings sindauch Mitnahmeeffekte zu verzeichnen, wenn „herkömmliche“ Investitionen in ohnehin sehr produktiven Betrieben getätigt werden.• Benachteiligte Gebiete: Ein „signifikanter“ Teil der Benachteiligungen dieser Gebiete wird ausgeglichen, und es lässt sich eine gewissepositive Wirkung feststellen, was die Vorbeugung gegen Flächenaufgabe und den Rückgang der Bevölkerung anbelangt. Ebenso gibtes dank der Aufrechterhaltung einer nachhaltigen Landwirtschaft klare positive Auswirkungen auf die Umwelt. Allerdings wird dieWirksamkeit durch unklare Kriterien für die Gebietsabgrenzung beeinträchtigt, so dass mit großer Wahrscheinlichkeit Fälle von UnteroderÜberkompensation vorkommen.• Verarbeitung und Vermarktung: Der Nutzen der Regelung für die Pimärerzeuger ist zweifelhaft, während bei den Investitionen in denBereichen Hygiene und Tierschutz sowie Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten einige positive Auswirkungen zu verzeichnen sind. Bei denInvestitionen zur Umstrukturierung besteht die große Wahrscheinlichkeit von Mitnahme- oder bestenfalls Anstoßeffekten, so dass ein gezielteresVorgehen erforderlich ist.• Agrarumweltmaßnahmen: Es gibt klare positive Auswirkungen bezüglich Boden- und Wasserqualität sowie in Bezug auf den Schutz derLebensräume, die Artenvielfalt und den Landschaftsschutz. Allerdings lässt sich der Umweltnutzen nicht immer quantifizieren.• Junglandwirte: Bei den Niederlassungsentscheidungen von Junglandwirten spielt die Beihilfe nur eine untergeordnete Rolle. Die Regelung istdaher für die Förderung der Niederlassung von Junglandwirten nur teilweise relevant, und es werden ein gezielteres Vorgehen sowie dieKombination mit anderen Maßnahmen benötigt.• Vorruhestand: In einigen Mitgliedstaaten ist diese Regelung für die vorzeitige Übertragung von Betrieben und damit für die Verbesserung derwirtschaftlichen Rentabilität der Betriebe von großer Bedeutung.• Ausbildung: Die Förderung ist von großer Bedeutung und verbessert in den meisten Fällen die Situation der Ausbildungsteilnehmer. Allerdingskönnte die Kohärenz mit anderen Maßnahmen verbessert werden.• Forstwirtschaft: Während klare positive Auswirkungen in Bezug auf die Erhaltung der forstwirtschaftlichen Ressourcen zu verzeichnen sind, gibtes keine signifikanten Auswirkungen auf die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Entwicklung des ländlichen Raums.• Unter den Maßnahmen, die auf die ländliche Wirtschaft und Bevölkerung im weiteren Sinne abzielen, waren Dorferneuerung undErhaltung des ländlichen Erbes nicht zuletzt aufgrund der starken Beteiligung der lokalen Bevölkerung besonders erfolgreich.Leader• Leader: Kennzeichen von Leader ist die hohe Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichen Governance-Rahmenbedingungen und diebesonderen Herausforderungen, denen sich die einzelnen ländlichen Gebiete gegenübersehen. Leader berücksichtigt in hohem MaßeAktivitäten kleinen Maßstabs und verändert das soziale Gefüge in den ländlichen Gebieten. Es wurden in großem Umfang freiwillige Anstrengungenmobilisiert, und die Chancengleichheit in den ländlichen Gebieten wurde verbessert.7


3. Die Politik zurEntwicklung desländlichen Raums inneuer GestaltDie Analyse der Entwicklung der GAP und der Situationder ländlichen Gebiete wie auch die Ergebnisse derKonsultationen der maßgeblichen Akteure bestätigen,dass die künftige EU-Politik zur Entwicklung des ländlichenRaums den Schwerpunkt auf die drei folgendengroßen Bereiche legen sollte:• Wettbewerbsfähigkeit von Land- und Forstwirtschaft(Achse 1): Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit desAgrarsektors durch Förderung der an die GAP-Reform anschließendenUmstrukturierung, weitere Öffnung derMärkte und Berücksichtigung des Umstrukturierungsbedarfsin den neuen Mitgliedstaaten (ländliche Gebieteweisen deutlich unter dem Durchschnitt liegendeEinkommen sowie eine alternde Erwerbsbevölkerung aufund sind stärker vom Primärsektor abhängig).• Umwelt / Landmanagement, Land- und Forstwirtschaft– die größten „Flächennutzer“ (Achse 2):Umwelt- und Landschaftsverbesserung durch Unterstützungfür das Landmanagement (einschließlich Maßnahmenzur ländlichen Entwicklung im Zusammenhangmit „Natura 2000“-Gebieten), um zu gewährleisten, dassLand- und Forstwirtschaft einen positiven Beitrag zurLandschaft und Umwelt im weiteren Sinne leisten.• Ländliche Entwicklung im weiteren Sinne – Einbettungvon Land- und Forstwirtschaft in ihren ländlichenKontext (Achse 3): Verbesserung der Lebensqualität inden ländlichen Gebieten und Förderung der Diversifizierungder wirtschaftlichen Tätigkeiten durch Maßnahmenzugunsten des Agrarsektors und anderer ländlicherAkteure (Beschäftigung mit Problemen wie z.B. demschlechten Zugang zu Basisdienstleistungen, sozialer Ausgrenzungund den geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten),um die Attraktivität der vielgestaltigen ländlichenGebiete in der EU (abgelegene Gebiete, Übergangsgebie-te und Stadtrandgebiete) und deren kulturelles Erbe zuerhalten und die Verbindungen zwischen Land- undForstwirtschaft und anderen Sektoren in der örtlichenWirtschaft zu stärken.Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen diesen drei politischenAchsen zu finden. Die Politik zur Entwicklung desländlichen Raums sollte grundsätzlich für alle ländlichenGebiete gelten, nun da die Anpassungen, die an den GAP-Marktstützungsmaßnahmen vorgenommen wurden, wirksamwerden. Die Anforderungen des Landmanagementsund die Agrarumweltmaßnahmen sind in allen Gebietenrelevant.a) Politische ZieleZiele von Achse 1: WettbewerbsfähigkeitObwohl die landwirtschaftliche Tätigkeit ihre vorherrschendeStellung in immer mehr ländlichen Gebieten zunehmendeinbüßt, ist sie im Hinblick auf das Management desEU-Territoriums, ihren Beitrag zur Wirtschaft in den ländlichenGebieten und die Bereitstellung von Lebensmittelnund öffentlichen Gütern und Dienstleistungen weiterhinvon großer Bedeutung. Infolgedessen stellen Effizienz undWettbewerbsfähigkeit nach wie vor wesentliche Ziele dar,wobei der Vielgestaltigkeit des landwirtschaftlichenPotenzials in den verschiedenen ländlichen Gebieten – insbesonderein den neuen Mitgliedstaaten, deren ländlicheGebiete weiterhin einen tief greifenden Strukturwandeldurchlaufen werden – Rechnung zu tragen ist. Wettbewerbsfähigkeiterfordert, dass das richtige Gleichgewichtzwischen Betriebsrentabilität, Umweltschutz und der sozialenDimension der ländlichen Entwicklung gefunden wird.Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet Verbes-8


serung der wirtschaftlichen Leistung der Landwirtschaft,beispielsweise durch Senkung der Produktionskosten, Erhöhungder Wirtschaftsgröße der Betriebe, Förderung vonInnovationen und eine stärkere Marktorientierung. DieFördermaßnahmen zugunsten des physischen Kapitals(Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben, in die Verarbeitung/ Vermarktung und in die landwirtschaftlicheInfrastruktur) und die Maßnahmen für das Humankapital(Vorruhestand, Junglandwirte, Ausbildung und Beratungsdienste)müssen effizienter gestaltet werden.Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, müssen auchdie von der Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeitengebotenen Möglichkeiten genutzt werden, wobei einSchwerpunkt auf Qualitätserzeugnisse und Erzeugnisse mithoher Wertschöpfung, wie sie von der Verbrauchern gefordertwerden, sowie auf sauberere und umweltverträglichereProduktionsverfahren zu legen ist.Ziele von Achse 2: Landmanagement / UmweltDie Zahlungen im Rahmen von Achse 2 sollten der Erbringungvon Umweltdienstleistungen (über Agrarumweltmaßnahmenin den ländlichen Gebieten) sowie der Aufrechterhaltungdes Landmanagements (einschließlich inGebieten mit physischen und natürlichen Benachteiligungen)dienen. Diese Tätigkeiten tragen zu einernachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums bei,indem den Hauptakteuren (Land- und Forstwirte) dabeigeholfen wird, das Landmanagement aufrechtzuerhaltenund damit die Naturräume und Landschaften zu erhaltenund zu verbessern. Es gilt daher, die Umweltressourcen zuschützen und zu verbessern und den nachhaltigenEinsatz der Forstressourcen zu gewährleisten. Außerdemtragen diese Maßnahmen durch Zahlungen zumAusgleich von natürlichen Benachteiligungen oder vonBenachteiligungen, die sich aus umweltspezifischenEinschränkungen ergeben, dazu bei, die Aufgabe derNutzung landwirtschaftlicher Flächen zu verhindern. Diekofinanzierten Maßnahmen sollten klar auf EU-Prioritätenwie z.B. die Bekämpfung des Klimawandels, die Förderungder Artenvielfalt, die Verbesserung der Wasserqualitätoder die Verringerung des Risikos bzw. der Auswirkungenvon Naturkatastrophen ausgerichtet sein.Ziele von Achse 3: Ländliche Wirtschaft im weiteren SinneEin zentrales Ziel von Achse 3 besteht darin, einen „lebendigen“ländlichen Raum zu gestalten und das soziale undwirtschaftliche Gefüge – insbesondere in den abgelegenerenländlichen Gebieten, die einen Bevölkerungsrückgangverzeichnen, und in den Stadtrandgebieten zuerhalten und zu verbessern. Investitionen in die ländlicheWirtschaft im weiteren Sinne und in den ländlichen Kommunensind unverzichtbar, um über eine Verbesserungdes Zugangs zu Basisdienstleistungen und -infrastrukturenund über eine Verbesserung der Umwelt die Lebensqualitätin den ländlichen Gebieten zu erhöhen. Damit dieländlichen Gebiete attraktiver werden, gilt es auch, einnachhaltiges Wachstum zu fördern, neue Beschäftigungsmöglichkeitenbesonders für junge Menschen und fürFrauen zu schaffen und den Zugang zu modernenInformations- und Kommunikationstechnologien zuerleichtern. Die Diversifizierung in den Betrieben hin zunichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten, die Förderung vonnichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten und die Stärkungder Verbindungen zwischen der Landwirtschaft undanderen Sektoren der ländlichen Wirtschaft spielen hierbeieine wichtige Rolle.b) Durchführung / GovernanceDie Erfahrungen aus dem laufenden und dem vorherigenProgrammplanungszeitraum können dazu beitragen, dieInstrumente zur Durchführung der Politik zur Entwicklungdes ländlichen Raums zu verbessern. Die Behörden aufeuropäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebenemüssen zusammenarbeiten, um Bedürfnisse zu ermitteln,geeignete Maßnahmen festzulegen und die EU-Instrumenteund Programme zu verwalten. Im Einzelnen handeltes sich um folgende Verbesserungen:• ein einziges Finanzierungs- und Programmplanungssystem,mit dem sich die Notwendigkeit, unterschiedlicheBestimmungen für die einzelnen Fonds einzuhalten(die zu einer Verwischung der Programmziele, zur Minderungder Fähigkeit zu einem gezielten Vorgehen und zueinem Verlust an europäischem Mehrwert geführt hat)erübrigen würde;• eine klarere Zielsetzung und genau festgelegte Strategien,mit denen die Ziele (und die Mittel zu deren Verwirklichung)miteinander verknüpft werden, um die Bewertung derErgebnisse der Maßnahmen zu verbessern und die Rechenschaftspflichtfür die Gelder, die die EU für die Entwicklungdes ländlichen Raums aufwendet, zu verstärken;• Vereinfachung der Umsetzung der Politik und klareAbgrenzung der Zuständigkeiten der Mitgliedstaatenund der Kommission;• klare Orientierung bezüglich der Begleit- und Bewertungsanforderungenin den Mitgliedstaaten.9


4. Die neue Verordnungüber die Entwicklungdes ländlichen Raums –der strategische AnsatzDer Vorschlag der Kommission vom 14. Juli 2004 5bezweckt ein stärker strategisch ausgerichtetes Konzeptfür die EU-Politik zur Entwicklung des ländlichenRaums, indem diese Politik intensiviert und ihre Durchführungvereinfacht wird. Um die nachhaltige Entwicklungder ländlichen Gebiete zu gewährleisten, ist eineKonzentration auf eine begrenzte Zahl von vorrangigenZielen erforderlich, die die Wettbewerbsfähigkeit vonLand- und Forstwirtschaft, Landmanagement, Umwelt,Lebensqualität und die Diversifizierung der Tätigkeitenbetreffen. Dadurch können die EU-Kofinanzierungsmittelfür die Entwicklung des ländlichen Raums aufgemeinsam vereinbarte EU-Prioritäten für die dreiPolitikachsen konzentriert werden, während auf Ebeneder Mitgliedstaaten und Regionen ausreichende Flexibilitätbleibt, um einen Ausgleich zwischen der sektoralenDimension (Umstrukturierung der Landwirtschaft)und der territorialen Dimension (Landmanagement undsozioökonomische Entwicklung der ländlichen Gebiete)zu finden.Sowohl der Inhalt der Politik als auch ihre Durchführungmüssen verbessert werden. Im laufenden Programmplanungszeitraumhaben die große Zahl von Programmen,Programmplanungssystemen und unterschiedlichenSystemen für die finanzielle Abwicklungund die Finanzkontrolle den Verwaltungsaufwand fürdie Mitgliedstaaten und die Kommission stark erhöhtund die Kohärenz, Transparenz und Sichtbarkeit derPolitik zur Entwicklung des ländlichen Raums beeinträchtigt.Ein erster wichtiger Schritt besteht darin, dass für die Entwicklungdes ländlichen Raums ein einziger Finanzierungs-und Programmplanungsrahmen geschaffen wird.a) Ein neuer Fonds für die Entwicklung desländlichen RaumsDer neue Fonds arbeitet nach Bestimmungen, die aufeine mehrjährige Programmplanung zugeschnitten sind(z.B. „getrennte Mittel“), und greift auf organisatorischeStrukturen und Verfahren zurück (z.B. die auf nationalerEbene zugelassenen Zahlstellen und ein jährlicherRechnungsabschluss), mit denen die Mitgliedstaatenbereits seit langem vertraut sind und die sich bewährthaben. Ein einziges Finanzierungs- und Programmplanungssystemfür die Entwicklung des ländlichenRaums bedeutet gegenüber der derzeitigen Situationeine erhebliche Vereinfachung. Indem die Bedingungenfür die Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung rationalisiertund vereinfacht werden und die Finanzplanung aufEbene der Achsen erfolgt (wodurch die Mitgliedstaatenauf leicht Umschichtungen zwischen den Maßnahmen imRahmen einer Achse vornehmen können), erhöht sich dieFlexibilität bei der Durchführung dieser Maßnahmen.b) Formulierung der StrategieDie Grundlage für die künftige Politik zur Entwicklung desländlichen Raums bildet ein Strategiepapier der Kommissionmit den diesbezüglichen EU-Prioritäten, das demRat und dem Parlament unterbreitet wird. In diesem Papierwerden die Stärken und Schwächen auf EU-Ebene ermitteltund Schlüsselindikatoren festgelegt, anhand deren dieFortschritte bei der Umsetzung der Prioritäten gemessenwerden. Die EU-Strategie bildet die Grundlage für die nationalenStrategien und Programme der Mitgliedstaaten, dievon der Kommission genehmigt werden müssen. DieseStrategien und Programme umfassen quantifizierte Zieleund Ergebnisindikatoren für jede thematische Achse sowiefür die Leader-Achse. Um die Ausgewogenheit der Strategiezu gewährleisten, wird für jede thematische Achse einMindestfinanzierungsanteil vorgeschrieben. Durch die vorgeschlagenenMindestfinanzierungsanteile von 15 %, 25 %und 15 % für die Achsen 1, 2 bzw. 3 ist sichergestellt, dassjedes Programm zumindest die drei großen politischenZiele widerspiegelt, doch sind die Prozentsätze wiederumso niedrig festgesetzt, dass den Mitgliedstaaten undRegionen eine hohe Flexibilitätsspanne bleibt (45 % der EU-Fördermittel), um nach Maßgabe ihrer Situation und ihrerBedürfnisse die gewünschte politische Achse in denVordergrund zu stellen. Für die Leader-Achse sind mindestens7 % der EU-Fördermittel reserviert, wobei die Leader-Ausgaben den drei politischen Zielen zugeordnet werden.105 KOM(2004)490 endg.: Vorschlag der Kommission für eine Verordnung desRates über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch denEuropäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichenRaums: 14.7.2004.http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/pdf/2004/com2004_0490de01.pdf


c) Durchführung der ProgrammeUm eine stärkere Transparenz und Rechenschaftspflichtbei der Verwendung der EU-Gelder zu gewährleisten, wirdein verstärktes Begleit-, Bewertungs- und Berichterstattungssystemeingeführt, dem ein zwischen denMitgliedstaaten und der Kommission vereinbartergemeinsamer EU-Rahmen zugrunde liegt. Auf der Grundlageder jährlichen zusammenfassenden Berichte derMitgliedstaaten über die Durchführung der Programmeund die Umsetzung der nationalen Strategien erstellt dieKommission jährlich einen Bericht über die Fortschrittebei der Umsetzung der EU-Strategie für die Entwicklungdes ländlichen Raums und schlägt gegebenenfallsAnpassungen der EU-Strategie vor.d) Achsen und MaßnahmenDie künftige Politik basiert auf den drei thematischenAchsen. Für jede Achse gibt es eine Palette vonMaßnahmen (siehe Tabelle). Die Bedingungen für dieDurchführung der Maßnahmen wurden rationalisiert undvereinfacht, insbesondere in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit(Achse 1). Die Fördersätze im Rahmender einzelnen Maßnahmen sind im Kommissionsvorschlagdargestellt.Wettbewerbsfähigkeit (Achse 1)Die Maßnahmen unter dieser Achse gliedern sich in dreiGruppen:• Humanressourcen• Physisches Kapital• QualitätDarüber hinaus sind einige Übergangsmaßnahmen vorgesehen.Landmanagement / Umwelt (Achse 2)Unter Achse 2 gibt es folgende Gruppen von Maßnahmen:• Nachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen• Nachhaltige Bewirtschaftung bewaldeter FlächenDie Agrarumweltmaßnahmen sind obligatorisch.Die bestehende Maßnahme für benachteiligte Gebiete wirdneu definiert in Bezug auf die Abgrenzung der „Zwischengebiete“(die teilweise auf mittlerweile überholten sozioökonomischenDaten basierte). Der neuen Abgrenzungsollen die Bodenproduktivität und die klimatischen Beding-ungen sowie die Bedeutung von extensiven landwirtschaftlichenTätigkeiten für das Landmanagement zugrunde liegen,wobei niedrige Bodenproduktivitäten und ungünstigeklimatische Bedingungen einen Hinweis auf die Schwierigkeitgeben, die landwirtschaftliche Tätigkeit aufrechtzuerhalten.Die Durchführungsbestimmungen und Kriterienfür die neue Abgrenzung werden in der Durchführungsverordnungfestgelegt. Für Berggebiete und Gebiete mitbesonderen Benachteiligungen gelten die bisherigenKriterien weiter.Eine generelle Bedingung für die Maßnahmen unter Achse2 (in Bezug auf die Begünstigten) ist die Einhaltung der einschlägigenobligatorischen Anforderungen auf EU-Ebeneund nationaler Ebene.Ländliche Entwicklung im weiteren Sinne (Achse 3)Unter Achse 3 gibt es zwei Gruppen von Maßnahmen:• Lebensqualität• Diversifizierung der WirtschaftDie Umsetzung erfolgt vorzugsweise über lokale Entwicklungsstrategien,die auf Einheiten unterhalb der regionalenEbene abzielen. Die Strategien werden entweder in engerZusammenarbeit zwischen nationalen, regionalen undlokalen Behörden oder nach dem Bottom-up-Konzept vonLeader ausgearbeitet (Auswahl der besten lokalen Entwicklungsplänelokaler Aktionsgruppen (LAG), bei denen es sichum öffentlich-private Partnerschaften handelt). Die horizontaleUmsetzung bestimmter Maßnahmen unter Achse 3bleibt jedoch möglich.e) LeaderDas Leader-Modell wird auf EU-Ebene fortgesetzt und konsolidiert,wobei die Mitgliedstaaten und Regionen dieses Modellauch in größerem Maßstab anwenden können. JedesProgramm wird eine Leader-Achse enthalten, über die dieDurchführung der auf den drei thematischen Achsen basierendenlokalen Entwicklungsstrategien der LAG, die Betriebskostender LAG, deren Kooperationsprojekte, experimentelleund Pilotprojekte sowie der Aufbau der für die Vorbereitunglokaler Entwicklungsstrategien (in den neuen Leader-Gebieten) erforderlichen Kapazitäten und die entsprechendeBetreuung finanziert werden. Eine EU-Beobachtungsstelle fürländliche Entwicklung wird die Kommission bei derUmsetzung der Politik unterstützen.11


f) Zusammenfassung der Achsen und MaßnahmenVorgeschlagene EU-Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums im Zeitraum 2007-2013ZielsetzungenEU-StrategieNationale StrategieProgramme zur Entwicklung des ländlichen RaumsHumanressourcen:Berufsbildungs- und InformationsmaßnahmenJunglandwirteVorruhestandInanspruchnahme von Beratungsdiensten (einschließlich zur Einhaltung von Normen)Aufbau von Betriebsführungs-, Vertretungs- und Beratungsdiensten für Landwirte undWaldbesitzerPhysisches Kapital:Investitionen in Land- und ForstwirtschaftVerarbeitung / VermarktungAchse 1 Maßnahmen Land- und forstwirtschaftliche InfrastrukturenWettbewerbs-Wiederherstellung des landwirtschaftlichen Produktionspotenzialsfähigkeit Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugung und der Erzeugnisse (GAP-Reform von 2003)Befristete Unterstützung bei der Anpassung an NormenAnreize für die Teilnahme an LebensmittelqualitätsregelungenAbsatzförderungsmaßnahmen für Erzeugnisse, die unter Lebensmittelqualitätsregelungen fallenÜbergangsmaßnahmen:Semi-SubsistenzbetriebeGründung von ErzeugergemeinschaftenFinanzierungsanteil mindestens 15 %EU-Kofinanzierung höchstens 50/75 %territoriale Anwendungalle ländlichen GebieteNachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen:benachteiligte Berggebieteandere Gebiete mit Benachteiligungenlandwirtschaftliche Flächen in Natura-2000-GebietenAgrarumwelt- und Tierschutzmaßnahmen (obligatorisch)Beihilfen für nichtproduktive InvestitionenNachhaltige Bewirtschaftung bewaldeter Flächen:Achse 2 Maßnahmen Aufforstung (landwirtschaftliche/nichtlandwirtschaftliche Flächen)Agroforst-Systemebewaldete Flächen in Natura-2000-GebietenWald-UmweltmaßnahmenWiederherstellung des forstwirtschaftlichen ProduktionspotenzialsBeihilfen für nichtproduktive InvestitionenBaseline (Landwirtschaft) Einhaltung anderweitiger Verpflichtungen (Cross-compliance)Finanzierungsanteil mindestens 25 %EU-Kofinanzierung höchstens 55 / 80 %territoriale Anwendung alle ländlichen GebieteLandmanagementLebensqualitätDienstleistungen für die ländliche Wirtschaft und Bevölkerung (Aufbau und Infrastrukturen)Dorferneuerung und -entwicklung, Schutz und Erhaltung des ländlichen ErbesBerufsbildungKompetenzentwicklung für lokale EntwicklungsstrategienAchse 3 Maßnahmen Diversifizierung der Wirtschaft:Diversifizierung hin zu nichtlandwirtschaftlichen TätigkeitenFörderung von KleinstunternehmenFörderung des FremdenverkehrsErhaltung und Bewirtschaftung des natürlichen ErbesLändlicheEntwicklungim weiteren SinneAchse „LEADER“Umsetzungvorzugsweise über lokale EntwicklungsstrategienFinanzierungsanteil mindestens 15 %EU-Kofinanzierung höchstens 50 / 75 %territoriale Anwendung alle ländlichen GebieteUmsetzungLEADER-Konzept für ausgewählte Gebiete im Rahmen der drei thematischen AchsenFinanzierungsanteil mindestens 7 %Reserve3 % der gesamten EU-Mittel für die Entwicklung des ländlichen Raums (ohne Modulation)EU-Kofinanzierung höchstens 55 / 80 %territoriale Anwendung alle ländlichen Gebiete, ausgewählte Gebiete12


5. FinanzielleUnterstützung für dieEntwicklung desländlichen Raumsdurch die EUDie Kommission hat am 14. Juli 2004 ein Paket vonVorschlägen unterbreitet. Der erste wichtige Schrittbesteht darin, dass für die Entwicklung des ländlichenRaums ein einziger Finanzierungs- und Programmplanungsrahmengeschaffen wird. Der neue Fonds fürdie Entwicklung des ländlichen Raums arbeitet nachBestimmungen, die auf eine mehrjährige Programmplanungzugeschnitten sind.a) Vorschlag für ein neuesFinanzierungsinstrumentIm Entwurf einer Verordnung über die Finanzierung derGAP ist für das Jahr 2007 die Errichtung von zwei neuenFonds vorgesehen, aus denen jeweils einer der beidenPfeiler der Gemeinsamen Agrarpolitik finanziert wird:• der Europäische Garantiefonds für die Landwirtschaft(EGL) für Pfeiler 1;• der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklungdes ländlichen Raums (ELER) für Pfeiler 2.Die Finanzierungsbestimmungen für den ELER unterscheidensich teilweise von denen für den EGL. Währendder EGL seinen Bereich der GAP auf der Grundlage vonmonatlichen Erklärungen finanziert, basiert die Finanzierungdurch den ELER auf „getrennten Mitteln” 6 und umfasstVorschüsse, Zwischenzahlungen und Restzahlungen.b) Neue verfügbare MittelGemäß dem Vorschlag stehen für den ELER folgende Mittelzur Verfügung: 56 Mrd. EUR, die den Mitteln der derzeitigenAbteilung „Garantie“ entsprechen, 33 Mrd. EUR aus derderzeitigen Abteilung „Ausrichtung“ und 7 Mrd. EUR, diedurch die Anwendung der Modulation gewonnen werden.Insgesamt sind somit im Zeitraum 2007-2013 für dieEntwicklung des ländlichen Raums EU-Fördermittel inHöhe von 96 Mrd. EUR (in den Preisen von 2004) verfügbar.Im Schaubild sind die im kommenden Zeitraum für dieEntwicklung des ländlichen Raums verfügbaren EU-Fördermittel dargestellt. Im Jahr 2013 werden sich dieFördermittel für die EU-27 (mit Bulgarien und Rumänien)bereinigt auf 14,2 Mrd. EUR belaufen (untere Linie imSchaubild).18 000ELERMio. EUR17 00016 00015 00014 00013 00012 00011 00010 000EU -25EU -279 0008 0002006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013zu laufendenPreisenzu Preisen von20046 Im Rahmen einer Verpflichtungsermächtigung aus dem Jahr N können bis Ende des Jahres N+2 Zahlungen vorgenommen werden.Der nicht für Zahlungen in Anspruch genommene Teil des gebundenen Betrags wird am Ende des Jahres N+2 automatisch freigegeben.13


c) FinanzkontrollenDie Mitgliedstaaten müssen gewährleisten, dass dieeinschlägigen Verwaltungs- und Kontrollsysteme eingerichtetwurden und u.a. folgende Anforderungen erfüllen:• eindeutige Definition der mit der Verwaltung und Kontrollebetrauten Stellen und klare Zuweisung der Funktioneninnerhalb jeder Stelle;• angemessene Trennung der Funktionen der mit derVerwaltung und Kontrolle betrauten Stellen, auch innerhalbjeder Stelle;• angemessene Mittelausstattung jeder Stelle, damit diesedie ihr zugewiesenen Funktionen ausführen kann;• wirksame Vorschriften für die interne Kontrolle;• wirksame Verfahren für die Berichterstattungund Begleitung;• Regelungen für die Prüfung der wirksamen Funktionsweisedes Systems / der Systeme sowie Verfahren, dieeinen hinreichenden Prüfpfad gewährleisten;• zuverlässige Verfahren für die Buchführung, Begleitungund Finanzberichterstattung.Nach dem vorgeschlagenen neuen Ansatz kann die Kommissiondie Zahlungen für beide Fonds kürzen oder aussetzen,während die Instrumente des Rechnungs- und desKonformitätsabschlusses verwendet werden, um die vonden Mitgliedstaaten ausgegebenen Beträge zu überprüfen.Die Leiter der Zahlstellen übermitteln Rechnungen, die alleErstattungsanträge während eines Jahres umfassen, sowieeine Zuverlässigkeitserklärung. Die Rechnungen und dieZuverlässigkeitserklärung sind auf Ebene des Mitgliedstaatsdas Gegenstück zu der Zuverlässigkeitserklärung, die vomGeneraldirektor der Generaldirektion Landwirtschaft derEuropäischen Kommission abgegeben wird.Den Jahresrechnungen liegen das Prüfgutachten und derBericht einer unabhängigen Prüfstelle bei. Diese Prüfstellearbeitet nach international anerkannten Prüfstandards undden von der Kommission festgelegten Bestimmungen.All diese Elemente dürften das Finanzmanagement imRahmen der GAP vereinfachen, indem die jeweiligenAufgaben und Zuständigkeiten der Kommission und derMitgliedstaaten klarer und transparenter gefasst werden.d) KofinanzierungDie EU-Kofinanzierungssätze werden auf Ebene der einzelnenAchsen festgesetzt und bewegen sich zwischen mindestens20 % und höchstens 50 % (75 % in den unter das Ziel„Konvergenz“ fallenden Regionen 7 ). Für Achse 2 und dieLeader-Achse beträgt der Höchstsatz 55 % (80 % in den„Konvergenzregionen“), was erkennen lässt, welche Prioritätdie EU diesen Achsen einräumt. Für die Gebiete in äußersterRandlage werden die Kofinanzierungshöchstsätze um5 Prozentpunkte angehoben.3% der für den Zeitraum insgesamt verfügbaren EU-Mittel für die Entwicklung des ländlichen Raums (ohneModulation) werden in eine Reserve eingestellt, die in denJahren 2012 und 2013 denjenigen Mitgliedstaaten zugewiesenwird, die in Bezug auf die Leader-Achsen diebesten Leistungen erzielt haben.7 Mitgliedstaaten und Regionen, deren Pro-Kopf-BIP weniger als 75 % des EU-Durchschnitts beträgt.14


6. Nützliche InformationsquellenEuropäische KommissionGeneraldirektion Landwirtschaft:Entwicklung des ländlichen Raumshttp://europa.eu.int/comm/agriculture/rur/index_de.htmEuropäische KommissionGeneraldirektion Landwirtschaft:Entwicklung des ländlichen Raums„Ausführliche Folgenabschätzung“zur Förderung der ländlichen Entwicklungdurch den Europäischen Landwirtschaftsfondsfür die Entwicklung des ländlichen Raumshttp://europa.eu.int/comm/agriculture/rur/publi/propimpact/text_de.pdf15


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