Oktober 2010 - Lebendige Gemeinde

lebendige.gemeinde.de

Oktober 2010 - Lebendige Gemeinde

Information und Orientierung

Wenn Glaube

Wurzeln schlägt

3. Quartal OktOBEr 2010

Wie Gemeindewachstum (nicht) funktioniert

Glaube, der in der Bibel verwurzelt ist

Wie kommen Erwachsene zum Glauben?

www.lebendige-gemeinde.de


Aus dem InhAlt

Wie Gemeindewachstum (nicht)

funktioniert 4

Thomas Binder

Glaube, der in der Bibel verwurzelt ist 8

Hartmut Schmid

Wo sind die diakonischen Gemeinden? 12

Manuel Liesenfeld

Wie kommen Erwachsene zum Glauben? 14

Johannes Zimmermann

Wie sieht eine kirche mit zukunft aus? 18

Andrea Bleher

Eine Einladung, die niemand wegwirft 22

Rainer Holweger

Jesus-netz - die ersten knoten

sind geknüpft 23

Impressum

HErausGEBEr und BEzuGsadrEssE

Ludwig-Hofacker-Vereinigung e. V., Saalstr. 6

70825 Korntal-Münchingen

Telefon: 0711/83 46 99, Fax: 0711/8 38 80 86

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Erscheinungsweise: vierteljährlich

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Ludwig-Hofacker-Vereinigung e. V.

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Verteilung dieses Blattes ermöglichen. Wir bitten um vollständige

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Ralf Albrecht, Thomas Binder, Erwin Damson,

Hans-Jörg Gabler, Rainer Holweger, Traugott Messner

GEsamtGEstaltunG

Krauss Werbeagentur, 71083 Herrenberg

druck und POstzEitunGvErtriEB

Henkel GmbH Druckerei, Motorstr. 36, 70499 Stuttgart

BildnacHWEis

Titelbild istockphoto.com, LG, privat

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Termine

termine

oktober

16.10. Feiert Jesus-Konzert, Fellbach, Schwabenlandhalle

17.10. 40 Jahre Kinder-Evangelisationsbewegung

Tübingen, Familientag, Walddorfhäslach

18.10. Kirchweihmontagskonferenz, Hülben, Die Apis

24.10. Christustreff, Liederhalle Stuttgart, Württ.

Brüderbund

25.10. Islam in Deutschland, Seminartag, Lebenszentrum

Adelshofen

31.10. ChurchNight

november

1.11. Api-Konferenz mit Jürgen Werth, Porsche-Arena

Stuttgart, Die Apis

6.11. Impulstag: Informationen und Impulse vom Team der

Stiftung Marburger Medien, Sulz

5.-7.11. Kongress Jugendarbeit, Fellbach, EJW/CVJM

12.-14.11. Api-Minibibelschule, Schönblick

14.11. Internationaler Gebetstag für verfolgte Christen,

Deutsche Ev. Allianz

20.11. Jesus-netz, lHv, korntal

20.11. Impulstag: Informationen und Impulse vom Team der

Stiftung Marburger Medien, Stuttgart-Vaihingen

22.-25.11. Tagung der Landessynode, Schönblick

dezember

19.12. Stuttgarter Jugendgottesdienst, Stiftskirche

31.12. Silvesterkonferenz, Hülben, Die Apis

vorschAu 2011

tagung für kirchengemeinderäte

28.-29. Januar 2011

Wege zu den Menschen – missionarisch Kirche sein

mit Dorothea Gabler und Heinzpeter Hempelmann, Steffen Kern,

Ralf Albrecht u.a.

Schönblick - Christliches Gästezentrum Württemberg

Schwäbisch Gmünd

deshalb ist die sache dran...

„Wenn der Glaube Wurzeln schlägt“ ist das Thema dieser Ausgabe. Ein Thema, das in unsere

eher von Oberflächlichkeit geprägte Zeit nicht so recht zu passen scheint, in der es anscheinend

doch viel mehr darauf ankommt, was man zeigen und darstellen kann. Können wir mit

dem, was wir präsentieren und vorweisen können, viel mehr Eindruck machen, obwohl oft

vielmehr Schein als Sein dahinter ist, als mit dem, was darunter ist?

In Wurzeln zu investieren, die in der Erde verborgen sind und die niemand sieht, das scheint

uns unwesentlich und unwichtig zu sein. Der Sturm wird so heftig schon nicht kommen und

es wird einen schon nicht gleich umhauen, so denken wir. Aber im Grunde wissen wir doch

zu genau: Es kommt bei uns wie bei Bäumen darauf an, dass die Wurzeln tief gehen und sie

fest im Erdreich gegründet sind. Wurzeln sind entscheidend für das,

was Sichtbares aus ihnen heraus wächst. Sind die Wurzeln zu schwach,

zu oberflächlich oder gar krank, ist dem, was aus ihnen hervorkommt,

keine lange Lebensdauer verheißen.

In besonderer Weise gilt das für unseren Glauben, sowohl im persönlichen

Bereich als auch auf die Gemeinde oder auf die ganze Kirche

bezogen: Es kommt darauf an, dass der Glaube nicht oberflächlich

bleibt, sondern gute Wurzeln hat, nicht Schein, sondern

echtes Sein ist, denn nur so hat der Glaube Bestand, nur so

kann der Glaube den Herausforderungen des Lebens und

unserer Zeit standhalten, wirklich Orientierung und Lebenshilfe

sein. Nur so ist Gemeinde und Kirche zukunftsfähig.

Das wusste schon Paul Gerhardt, wenn er dichtet: „Mach in

mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum

und lass mich Wurzel treiben!“

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Gewinn beim

Lesen dieses Heftes,

Ihr


»Was bleibt, muss uns doch reichen!«

Oder: Wachsen in allen Stücken?

Wie Gemeindewachstum (nicht) funktioniert

Obwohl viele Synoden beschlossen haben,

»fröhlich kleiner zu werden und mutig

zu wachsen« (so hat es Axel Noack, der

ehemalige Bischof der sächsischen Kirchenprovinz

geschickt formuliert) gibt es

ja noch einige Landeskirchen, die sich auch

ein quantitatives Wachsen auf die Fahnen

geschrieben haben. Und das in Zeiten, in

denen die Statistik prognostiziert, dass

die evangelischen Kirchen in Deutschland

in den nächsten 25-30 Jahren die Hälfte

ihrer Einnahmen und ein Drittel ihrer Mitglieder

verlieren. Und das nicht, weil die

Gottlosigkeit zunimmt, auch nicht, weil so

viele aus der Kirche austreten, sondern vor

allem aufgrund der demographischen Entwicklung.

Wir werden insgesamt weniger

in Deutschland – und die wenigen werden

immer älter. Um den demographischen

Prozess umzukehren, müsste jede Frau zwischen

18 und 30 Jahren 3 Kinder gebären.

Weniger Menschen, mehr Alte, weniger

Berufstätige mit Einkommen - das heißt

Thomas Binder,

Miedelsbach

aber auch: weniger Kirchensteuerzahler.

Die verfasste Kirche wird kleiner werden.

Können wir überhaupt

wachsen?

Und da reden nun ein paar unverbesserliche

Optimisten vom »Wachsen gegen den

Trend« und ähnlichen Träumereien. Handelt

es sich dabei nicht um das berühmte, verzweifelte

Pfeifen im dunklen Wald? Da gibt

es zum einen theologische Bedenken, als

ob man Gemeindewachstum automatisch

an die Machbarkeit verraten hat, wenn

man auch nur darüber nachdenkt. Da

melden sich auf einmal - erstaunlicherweise

bevorzugt aus der »progressiven«

Ecke – die systemkonservativen Bremser

und Bedenkenträger und aus dem nächsten

Graben werden althochdeutsche und lateinische

Lutherzitate abgefeuert. Und dass

Spezialisten aus der Wirtschaft schon von

Haus aus verdächtig sind, wenn sie »bei

Kirchens« mitreden wollen, wissen wir nicht

» Kümmert euch um mich, sagt Jesus, dann kümmere

ich mich um das Wachsen eurer Gemeinden. «

erst seit dem evangelischen »Münchenprogramm«,

an dem führende Manager

von McKinsey maßgeblich beteiligt waren.

Dabei würden sie ja nur gerne ihre Kompetenz

zum Nutzen unserer Kirchen und

Gemeinden einbringen.

Bei einem Vortrag in Beckum 2005 sagte

Dr. Burkhard Krause: »Sie kennen diese

Floskel aus dem kirchlichen Insider-Vokabular.

›Wachsen in allen Stücken‹ - schlagen

Sie das mal Ihrem Presbyterium als

Jahresmotto vor! Die Gesichter möchte

ich sehen. Die Alten haben selbst in Krisen

noch gesungen: ›Das Reich muss uns

doch bleiben‹. Unser Lied heißt oft: ›Was

bleibt, muss uns doch reichen.‹ Wollen wir

das eigentlich noch: Wachsen? Nicht das

fehlende Geld gefährdet unsere Kirche in

ihrer Substanz, wohl aber die Preisgabe des

Anspruchs, wachsen zu wollen.«

Eine große Baumkrone braucht

tiefe Wurzeln

Noch einmal Burkhard Krause:

»Wachsen kann man nicht machen. Aber

man kann die Rahmenbedingungen beeinflussen,

die Wachstum ermöglichen. Dabei

geht es um ein Wachsen nach innen und

nach außen. Beides hängt eng zusammen.

Nur ein Baum mit tiefen Wurzeln kann

eine ausladende Krone tragen. Nur eine

Gemeinde, die geistlich in die Tiefe wächst,

wird auch in die Breite wachsen. Wir werden

umso anziehender, je mehr uns Christus

selbst anzieht.

Jesus hat uns das Geheimnis des Wachstums

anschaulich im Bild vom Weinstock

und seinen Reben vor Augen geführt. Drei

kleine Worte: Bleibt in mir. Bleibt dicht an

der Energiequelle, die euch speist. Dann

bringt ihr viel Frucht. Konzentriert euch

nicht auf die Früchte, auf die Effektivität

und Außenwirkung eures Gemeindelebens.

Kümmert euch um mich, sagt Jesus, dann

kümmere ich mich um das Wachsen eurer

Gemeinden. Und wir machen es meist

umgekehrt.«

Untersuchungen zum

Wachstum der Willow

Creek-Gemeinde

Wachsen – das war schon seit 1975, seit

den Anfängen der Willow Creek-Gemeinde

in Chicago das prägende Motto dieser

Gemeinde. Von Anfang an wurde gefragt,

was die Menschen brauchen, welche Art

von Gottesdienst den »modernen« Menschen

erreicht. Konsequent wurde das

Erkannte umgesetzt, egal ob es sich um die

Art des Gottesdienstes, der Musik oder der

gesamten Gemeindearbeit handelte.

Und allein die Tatsache, dass gefragt

wurde, was der Mensch heute braucht

oder dass man versuchte Managementmethoden

für den Gemeindeaufbau und für

Führungs- und Leitungsaufgaben in einer

Gemeinde nutzbar zu machen, reichte,

um alles kritisch zu hinterfragen. Mancher

Kritiker hat bis heute keine Predigt von Bill

Hybels von Anfang bis Ende gehört oder

gelesen. Manches Vorurteil würde sich

dann in Luft auflösen.

Und nun hat die Willow Creek Community

Church 2004 eine Studie in Auftrag gegeben

(natürlich wieder mit Hilfe nichtkirchlicher

Spezialisten), die untersuchen sollte,

was bisher in Sachen Gemeindeaufbau

geglückt ist und wo es noch fehlt. Konkret

gefragt wurde nach dem Glaubenswachstum

des einzelnen Christen.

4 5


Gemeindaufbau will

Menschen verändern

Missionarischer Gemeindeaufbau will ja

nicht nur über den Glauben informieren,

erst recht nicht nur über theologische

Wahrheiten reden, sondern Menschen in

die Lage versetzen, das zu tun, was Jesus

geboten hat (vgl. Mt. 28). Das heißt, Menschen,

die zum Glauben gekommen sind,

stehen in einem fortlaufenden Veränderungsprozess.

»Tun wir dafür genug zwischen dem Trachten

nach Umkehr und der Suche nach Begabung?

Werden Glaubende bei uns stark,

mündig, wissend und in jeder Hinsicht des

Lebens gebildet? Oder hören sie immer das

kleine 1x1, werden darin bestätigt, das Jesus

sie annimmt, wie sie sind (ohne den Zusatz,

dass er sie um Himmels willen nicht so lässt,

wie sie sind), dass Jesus der König ist, vor

dessen Thron wir anbetend stehen (ohne

den Zusatz, was es heißt, den Willen dieses

Königs hier und jetzt zu tun), dass Jesus als

das Lamm für uns starb (ohne die Mühe

gedanklicher Durchdringung dieser tiefen

Glaubenswahrheit). … Es geht darum, dass

jeder nach seinen Möglichkeiten gefördert

wird und in Erkenntnis und Liebe wachsen

kann.« (Michael Herbst im Vorwort des

Buches zur »Reveal Studie« mit dem

deutschen Titel »Prüfen«, S. 9).

Dieser Frage hat sich Willow

gestellt: Verändern

sich Menschen in

diese Richtung? Was

hilft dazu und was

hindert diese Veränderung?

Machen

Menschen in der

Gemeinde Schritte

nach vorne oder

nicht? Und ist die

Gemeinde dazu eine

Hilfe oder eben nicht?

Wie gelingt geistliches

Wachsen?

Die ernüchternde wie einfache Erkenntnis

der Studie lautet: Geistliches Wachstum

geschieht nicht hauptsächlich durch Teilnahme

an gemeindlichen Veranstaltungen.

»Die normale Gemeindeaufbau-Strategie

geht von einer Idee aus: Partizipation

schafft Konversion und auch geistliches

Wachstum. Das ist die Idee. Anders formuliert:

Sie haben eine Person, die nicht

glaubt. Sie bieten Veranstaltungen an und

– wenn es gut geht – wird ein Mensch zum

Glauben finden. … Was förderten nun aber

die Befragungen zutage? Die Gleichung

geht nicht ganz auf.« (Herbst, a.a.O.)

Da hat also Willow über Jahre hinweg

seinen Gemeindegliedern alles auf dem

Silbertablett angeboten, hoch professionell,

beste Qualität, perfekt auf die jeweiligen

Bedürfnisse zugeschnitten – und nun lautet

das Ergebnis: Die Gleichung geht nicht

auf. Gewachsen ist diese Gemeinde trotzdem

- zahlenmäßig wie nur wenig andere

Gemeinde. Aber geistlich ist sie nicht so

gewachsen, wie es sich auch der verantwortliche

Pastor Bill Hybels vorgestellt hat.

Bevor wir jetzt mit einem süffisanten

Lächeln und einem »Geschieht ihnen grad

recht!« reagieren, sollten wir noch genauer

hinschauen. Die Studie bringt ja noch

weitere Ergebnisse. Und schon allein die

Frage »Wo stehst du?« wäre ja wert, auch

in unseren Gemeinden gestellt zu werden.

Ob wir dann immer noch süffisant lächeln

würden?

Die Gemeinde kann nicht für

alles sorgen

Die Befragten wurden ihren Antworten

entsprechend in vier Gruppen eingeteilt

und diese Einteilung zieht sich durch alle

befragten Gemeinden durch: »Sucher«,

Gemeindeglieder, die selbst von sich

sagten, dass sie zwar irgendwie an Gott

glauben, aber mit Jesus noch nicht so viel

anfangen können. Dann die zweite Gruppe,

die eine Glaubensentscheidung getroffen

hatten und die gerade dabei waren,

herauszufinden, worin das Leben mit ihm

besteht. Also Christen, die am Anfang

ihres geistlichen Wachstums stehen. Die

dritte Gruppe sagte von sich selbst, dass

sie eine enge Beziehung zu Christus haben

und dass sie sich in vielen Lebensfragen

nach ihm ausrichten. Schließlich die vierte

Gruppe. Sie haben Christus als Lebensmittelpunkt.

»Jesus ist das Wichtigste in meinem

Leben«. Willow nennt sie die »Christuszentrierten«.

Daneben wurden zwei weitere Gruppen

definiert. Menschen, die aus dem Wachstumsprozess

ausgestiegen waren und

andere, die zwar weit vorangeschritten,

aber frustriert waren von der Gemeinde.

Teilweise engagierte Mitarbeiter, die schon

viel in ihrem Leben mit Jesus erlebt hatten

und zugleich waren sie auf dem Sprung,

die Gemeinde zu verlassen.

Beim letzten Willow Creek-Kongress in

Karlsruhe im Januar 2010 sagte Bill Hybels

sinngemäß: »Für dein geistliches Wachstum

bist du selbst verantwortlich!« Die

Gemeinde kann nicht für alles sorgen. Sie

kann in der Anfangszeit Impulsgeber sein

für mein geistliches Wachstum. Aber je

länger je mehr ist die eigene Verantwortung

gefragt. Die Gemeinde nimmt mir

das persönliche Bibelstudium nicht ab, sie

macht nicht für mich »Stille Zeit«, sie nimmt

mir auch nicht die eigene Suche nach

einem geistlichen Vorbild, Begleiter oder

Seelsorger ab.

Und was können wir daraus lernen?

Allein die Grundfrage zu stellen, die

1

hinter dieser Studie steht, finde ich

interessant: »Wo stehst du?« Stellen wir

diese Frage noch in unseren Gemeinden?

Wo stehst du geistlich? Die Unterscheidung

in die vier Gruppen kann dabei eine Hilfe

für beide Seiten sein – erst recht bei der

Frage: Was braucht der andere jetzt?

Welches Ziel haben wir in unseren

2

Gemeinden? Fröhlich kleiner zu werden?

Und/oder: Mutig zu wachsen? Und

wenn ja, wohin? Ist das unser Ziel, dass

Menschen in unseren Gemeinden Christus

als ihren Lebensmittelpunkt bezeichnen

und was brauchen sie auf dem Weg dahin?

Wie stark sind unsere Gemeindeange-

3

bote (vom Zweitgottesdienst über den

»normalen« Gottesdienst bis zu den Hauskreisen

und Jungscharen) von der Frage

nach dem geistlichen Wachstum geprägt?

Und sollten wir Veränderungsbedarf

4

entdeckt haben, wie gewinnen wir die

»Das Reich muss uns doch bleiben«–Sängerinnen

und Sänger für eine Veränderung?

6 7


Glaube, der in der

Bibel verwurzelt ist

Hartmut Schmid,

Holzgerlingen

Glauben – was ist das? Glauben ist die

persönliche und lebendige Beziehung

zum dreieinigen Gott. Braucht es in einer

persönlichen Beziehung ein Buch wie die

Bibel? Müsste diese Beziehung nicht auf

direktem Weg möglich sein? Eine solche

ganze direkte Beziehung wünschen sich

viele Christen. Damit verbindet sich der

Wunsch nach Eindeutigkeit. Wir sind

jedoch zutiefst davon überzeugt, dass die

Beziehung zum dreieinigen Gott nur über

sein Wort möglich ist so wie es uns in der

Heiligen Schrift vorliegt. Damit wird der

regelmäßige Umgang mit der Bibel zu einer

glaubensnotwendigen Angelegenheit.

1. Die Bibel –

das lebendige Wort Gottes

Geschriebenes Wort der Bibel und lebendige

Gottesbeziehung sind keine Gegensätze.

Entscheidend ist, dass im Wort der

Heiligen Schrift der lebendige Gott gehört

wird. Wenn ich die Bibel lese, dann nehme

ich nicht eine Seite mit Druckerschwärze

zur Kenntnis, sondern Gottes lebendiges

Wort.

Dieses Verständnis der Bibel findet sich

schon in der Bibel selbst. Jesus und die

Apostel lebten mit ihrer Bibel, dem heutigen

Alten Testament. Jesus stellt fest, dass

nicht der kleinste Buchstabe vom Alten

Testament aufgelöst wird (Matthäus 5,18).

Der Verfasser des Hebräerbriefes stellt in

den ersten Versen programmatisch fest,

dass Gott durch die Propheten im Alten

Bund geredet hat, zu uns jedoch durch seinen

Sohn. Die Worte der Propheten finden

sich im Alten Testament, die Worte seines

Sohnes Jesus haben wir in den Evangelien

des Neuen Testaments. Damit ist jedoch

von der Bibel her eine ganz entscheidende

Frage geklärt. Gott redet in der Tat durch

das Wort der ganzen Heiligen Schrift mit

uns. Lebendige Gottesbeziehung und das

Wort der Bibel sind kein Gegensatz, im

Gegenteil. Eine lebendige Gottesbeziehung

lebt vom Hören auf die Bibel als Gottes

lebendiges Wort.

Ein entscheidender Punkt ist noch zu nennen.

Das Hören auf Gott aus seinem Wort

verbindet die Gemeinde. Nicht der Einzelne

hört für sich auf eine Eingebung, sondern

wir hören gemeinsam auf Gott durch das

gemeinsame Hören auf sein Wort. Deshalb

muss der Glauben in der Bibel verwurzelt

sein.

2. Die Bibel –

eine schwere Lektüre

Gott redet durch das Wort der Bibel. Für

viele ist dies grundsätzlich völlig klar. Aber

beim praktischen Lesen der Bibel türmen

sich nicht wenige Probleme auf. Wir sollten

dies sehr ehrlich eingestehen und Menschen

mit ihren Fragen ernst nehmen. Die

Schwierigkeiten haben eine äußere und

eine innere Seite.

»Wende dich ganz dem Text zu und wende

die ganze Sache auf dich an.«

Zur äußeren Seite gehört die Distanz zur

Geschichte. Die Bibel in der uns vorliegenden

Form ist fast zweitausend Jahre alt.

Es werden Bräuche beschrieben, die uns

fremd sind. Manche Situationen waren

den damaligen Lesern in ihrer Konkretion

bewusst, gehen aber aus dem uns

vorliegenden Text nicht mehr eindeutig

hervor. Nicht wenige Bibelleser tun sich

grundsätzlich schwer mit weiten Passagen

des Alten Testaments. Die Sprache vieler

biblischer Bücher wirkt sehr dicht und sehr

kompliziert. Manche biblischen Bücher sind

sehr lang, so dass ein Überblick schwer

fällt. Hinzu kommt die Tatsache, dass die

ursprüngliche Sprache der Bibel hebräisch

(AT), wenige Teile im AT aramäisch und

griechisch (NT) war. Das heißt, dass wir mit

Übersetzungen arbeiten. Es gibt aber nicht

die richtige Übersetzung. Eine Übersetzung

ist und bleibt eine Übersetzung, die von

den Bedingungen der Übersetzer lebt. Des-

halb sind auch so viele Übersetzungen auf

dem Markt.

Die innere Seite ist die Frage nach der Gültigkeit.

Gewiss ist die Bibel in allen Teilen

Gottes Wort. Aber sie hat gleichzeitig einen

Geschichtsbezug. Die Bibel beinhaltet nicht

nur Worte, die in ihrer praktischen Umsetzung

zeitlos gültig sind, sie beinhaltet auch

sehr viel situationsbezogene Anweisungen.

So wird niemand auf die Idee kommen, dass

die sehr ausführlichen Anweisungen zum

Bau der Stiftshütte für uns auszuführen

wären. Schwieriger wird es aber schon bei

der Frage, welche Gebote aus dem Alten

Testament für uns heute noch gültig sind.

Viele weitere Beispiele ließen sich hier

anführen.

3. Die Bibel –

eine leichte Lektüre

Ich habe mit den Schwierigkeiten beim

Bibellesen begonnen. Aber ich möchte auch

die andere Seite nennen. Vieles in ihr ist

klar und verständlich, sowohl grammatischsprachlich

als auch inhaltlich. Es gibt weite

Passagen, da braucht es keinen Urtext und

keine theologische Ausbildung zur Erklärung.

Und ich möchte behaupten: Dies gilt

für die wichtigsten Punkte des Glaubens

und des christlichen Lebens. Als Beispiel

nenne ich das Wort von Jesus in der Bergpredigt.

»Sorgt nicht um euer Leben« (Matthäus

6,25) – ein klares und verständliches

Wort.

Wir müssen uns schon fragen lassen, ob wir

manche Probleme in die Bibel hineinlesen,

um ihrer Klarheit und der damit verbundenen

Aufforderung an uns auszuweichen.

8 9


4. Die Bibel – Hilfen für den

Gebrauch

Eine doppelte Vorbemerkung möchte ich

voranstellen. Zum einen will ich hier ausführen,

was mir persönlich wichtig geworden

ist. Zum andern denke ich bei den

Ausführungen sowohl an die persönliche

Bibellese als auch an das Bibelgespräch in

Gruppen.

a) Übersetzungen

Es ist erfreulich, dass in jüngster Zeit

mehrere neue Bibelübersetzungen auf den

Markt gekommen sind. Dies signalisiert

Interesse an der Bibel. Allerdings wird es in

Bibelkreisen auch als nicht einfach erlebt,

wenn reihum gelesen wird und dabei die

Übersetzungen häufig wechseln. Eine ausführliche

Darstellung zu Übersetzungen

ist an dieser Stelle nicht möglich. Ich sage

meine persönliche Meinung: Ich nehme

und liebe nach wie vor als Basisübersetzung

die Lutherbibel und empfehle sie

auch als Basistext für den gemeinsamen

Gebrauch. Sie muss dann allerdings ergänzt

werden durch Übersetzungen, die einerseits

versuchen heutiger Sprache und der

Verständlichkeit gerechter

zu werden (vor allem

auch für junge Menschen

und Neueinsteiger

im Bibellesen)

und andererseits

Übersetzungen, die

den Urtext präziser

wiedergeben.

b) Verse und Zusammenhänge

bedenken

Es gibt eine Tradition des

Bibellesens, die sich stark

auf einzelne Wort oder kleine

Abschnitte in der Auslegung besinnt.

Diese Art der Bibelbetrachtung hat ihre

Berechtigung. Einzelne Worte lassen sich

leichter merken und auswendig lernen, sie

sind geeignet als Wegbegleiter. Auch einer

Predigt oder einem Bibelabend kann nur

ein begrenzter Text zugrunde gelegt werden.

Die Betrachtung einzelner Verse und kurzer

Abschnitte ist jedoch zwingend zu ergänzen

durch den größeren Zusammenhang.

Texte sind eine Einheit, auch biblische

Texte. Deshalb ist der Zusammenhang eines

ganzen Buches wichtig. Das Erklären aus

dem Zusammenhang klärt viele Fragen.

c) Viel lesen – nicht alles verstehen

Aus diesem Grund rate ich sehr, größere

Textzusammenhänge (biblische Bücher

oder bei größeren Büchern Buchabschnitte)

am Stück zu lesen. Dabei ist es wichtig,

dass man nicht am Detail hängen bleibt.

Man bekommt einen Eindruck vom Ganzen

und von der inhaltlichen Gesamttendenz.

Mir haben sich gerade schwierige Bücher

wie Hiob und die Offenbarung auf diesem

Weg erschlossen. Dabei empfiehlt es sich,

Bücher der Bibel oder größere Abschnitte

in zeitlicher Nähe mehrmals lesen muss.

d) Beim Text bleiben

Sehr häufig erlebe ich, dass man sich im

Gespräch über einen Text sehr schnell

vom Text entfernt und sich Fragen in den

Vordergrund drängen, die einen persönlich

beschäftigen. Natürlich haben diese

auch ihr Recht. Wenn man aber auf einen

Bibeltext hören möchte, dann sollte dieser

im Vordergrund bleiben. Oder man stellt

Fragen an den Text, die dieser eben nicht

beantwortet. Wenn man sich dann ausführlich

mit den »Leerstellen« eines Textes

beschäftigt, hört man nicht mehr, was der

Text eigentlich sagen möchte. Und dann

erlebe ich auch sehr allgemeine Ausführungen

zum Text, die man zu vielen Texten

sagen könnte. Da wird der Text an sich und

sein Zusammenhang zu wenig gehört. Der

Reichtum des biblischen Wortes geht dabei

verloren.

Es lohnt sich deshalb, sich ganz einem Text

und seinem Zusammenhang auszusetzen.

So bekommen die biblischen Texte Kontur,

so wird der Reichtum des biblischen Wortes

erschlossen.

e) Geduld ist nötig

Es ist keine Frage, dass diese Art des

Umgangs mit der Bibel Geduld erfordert.

Die Geduld des Lesens; die Geduld, nicht

sofort eine Antwort zu haben; die Geduld,

Unklares stehen zu lassen; die Geduld, mit

Texten zu ringen, mit einem Text sich auch

längere Zeit zu beschäftigen und nicht

von Text zu Text zu huschen. Ich habe die

Erfahrung gemacht, dass sich diese Geduld

auszahlt und in die Tiefe führt.

f) Die Anwendung ist

unerlässlich

Die Beschäftigung

mit der Bibel fragt

immer nach der

Bedeutung für

die Praxis von Leben

und Glauben. Allerdings sollte dies dem

Text auch nicht abgezwungen werden.

Es kann sein, dass mir ein Text aktuell für

meine Alltagssituation nichts sagt. Dann

sollte ich dies so stehen lassen. Gott hat

dennoch durch dieses Wort mit mir geredet.

Der Text sollte auch nicht ungeduldig

auf seine Anwendung befragt werden. Ich

habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich

mich dem Text zuwende ohne eine Anwendung

für mich zu erzwingen, dann kommt

früher oder später der Punkt, wo mich der

Text von sich aus anspricht. Ein Leitwort

von Johann Albrecht Bengel ist hilfreich:

»Wende dich ganz dem Text zu und wende

die ganze Sache auf dich an.« Zuerst die

ganze Hinwendung zum Text, das konzentrierte

Lesen und Hören auf diesen Text und

dann drängt sich die Anwendung geradezu

auf.

g) Hilfen heranziehen

Erst am Schluss möchte ich von Hilfen zum

Textverständnis sprechen. Dies kann in

Form von Personen oder Büchern erfolgen.

Wichtig ist dabei, dass sie zum Text hinführen

und den Text verständlich machen. Sie

sollen nicht an die Stelle des Textes treten.

Glaube ist in der Bibel verwurzelt. Beim

Lesen der Heiligen Schrift vernehmen wir

Gottes Stimme. Auch wenn dieser Weg

nicht immer einfach ist – er lohnt sich, weil

das Hören auf Gottes Wort eine große Verheißung

hat und in die Gemeinschaft mit

dem lebendigen Gott führt.

10 11


Manuel Liesenfeld,

Korntal

Wo sind die diakonischen Gemeinden?

Eine kritische Standortbestimmung

Es gibt nicht wenige Christen, denen es

zunehmend unangenehm ist in ihrer Haut.

Sie fragen sich: In welchen Feldern unserer

Gesellschaft geht es denn noch »christlich«

zu? Erleben wir nicht eine – mehr oder

minder schleichende – Marginalisierung

des christlichen Weltbildes?

Vielleicht haben wir uns allzu lange zu sehr

zurückgezogen. Unsere fromme Welt ist,

trotz einzelner Probleme, im Gegensatz

zur komplizierten und an Meinungen reichen

Welt da draußen einigermaßen gut

zu überblicken. Man sieht sich, man kennt

sich. Die Anforderungen, die an uns gestellt

werden, sind klar definiert. Wir wissen, was

von uns erwartet wird und was wir »leisten«

müssen. Warum also sollten wir diese

heimelige Atmosphäre preisgeben?

Und oft nimmt uns der innergemeindliche

Betrieb derart in Beschlag, dass wir wie in

einem Tunnel laufen. Ein Programm jagt

das andere. Auch die internen Probleme

absorbieren unsere ganze Aufmerksamkeit.

Was rechts und links geschieht, nehmen

wir, wenn überhaupt, nur noch schemenhaft

war. Was aber würde uns erwarten,

wenn wir vor der Schwelle zur Kirche und

dem Gemeindesaal schauen würden? Wollen

wir uns wirklich diese Probleme zusätzlich

aufhalsen?

Letztlich hecheln wir in weiten Teilen

von Kirchen und Gemeinden immer noch

einem lang gehegten und breit gepredigten

dualistischen Weltbild hinterher: Hier

sind wir, die Guten, die Christen. Dort die

(böse) Welt. Wie viele Menschen in unseren

Reihen haben, beeinflusst von dieser

These, den Blick abgewandt von denen da

draußen, von denen, die sowieso nie in den

Gottesdienst kommen? Aber halt! Es gibt

doch unsere Evangelisationen? Selbstkritisch

muss man eingestehen: Die meisten,

die zu den großen Veranstaltungen, die

zum Glauben an Jesus einladen wollen,

kommen, sind längst schon Christen.

Wenn jetzt immer häufiger in christlichen

Medien ein Ruck gefordert wird, der durch

unsere Kirchenbänke gehen soll, damit

Christen eine größere Bedeutung für die

Gesellschaft bekommen, dann stoßen diese

Forderungen oft auf ein ebenso verblüfftes

wie überfordertes Kirchenvolk. Es spürt:

Nimmt man es ernst mit diesen Forderungen

steht ein Paradigmenwechsel im

Gemeindeselbstverständnis an. Ist es nicht

durchaus verstörend, wenn beispielsweise

der Direktor der Berliner Stadtmission,

Georg Filker sagt: »Eine Gemeinde, in der

nur gepredigt, aber nicht gehandelt wird,

ist nur einer toten Tradition verpflichtet.

Lebendiges Gemeindeleben hingegen

ist immer auch daran zu erkennen, dass

Schwache, Hilfsbedürftige und Angehörige

von Randgruppen integriert werden.« Und

Tony Peck, Generalsekretär der Europäischen

Baptistischen Föderation legt nach:

»Wer meint, man könne auch ohne diakonisches

Engagement nach Gottes Willen

leben, sollte Buße tun.« Plötzlich heißt die

Losung: Weg von der Welt-Abgewandtheit,

hin zu einer Welt-Zugewandtheit. Weg von

den eigenen, hin zu den Problemen derer,

die um unsere Kirchen herum ihr Leben zu

gestalten versuchen.

»Kleine Schritte sind gefragt,

kein Aktionismus.«

Dabei hat es eigentlich der Pietismus,

die Gruppe der so genannten »Stillen im

Lande«, schon lange vorgemacht. Diakonisches

Handeln war für sie ein Lebensstil,

selbstverständlich wie die Predigt. Diakonie,

das Kümmern um die, die arm, krank,

ungebildet waren. Ohne Ansehen ihrer

Herkunft, ihrer Religion gehörte bei ihnen

das Helfen so zwingend zu den Aufgaben

der Gemeinde wie die Mission in fernen

Ländern und die vor der eigenen Haustür.

Sie hatten den Menschen in seiner Ganzheit

aus Leib und Seele im Blick. Vorurteilsfrei

wurde für Menschen gesorgt, die

Manuel Liesenfeld (Hrsg.): Gemeinsam verändern wir die Welt.

Gemeindediakonie neu entdecken - Ein praktischer Leitfaden,

80 Seiten, Verlag und Buchhandlung der Evangelischen

Gesellschaft 2010, 9,95 EUR

www.bruedergemeinde-korntal.de

Hilfe nötig hatten. Das zeigt ein Blick in die

Geschichte der »Inneren Mission«, leider ein

Begriff, der heute nicht mehr oft verwendet

wird. Unbestritten ist, dass es auch heute

genügend Not in unseren Städten gibt.

Doch wo setzt man an? Wie kann man erste

Schritte auf dem Weg zu einer diakonischen

Gemeinde gehen? Gibt es nicht genügend

große, professionelle diakonische Einrichtungen?

Also auf zur diakonischen Gemeinde? Kleine

Schritte sind gefragt, kein Aktionismus,

sondern ein Herantasten an neue Aufgaben

und neue Horizonte. Das Buch »Gemeinsam

verändern wir die Welt« klingt beim ersten

Lesen vielleicht etwas ambitioniert. Es bietet

aber genau das, was Gemeinden brauchen,

wenn sie sich in diakonische Aufgaben vorwagen:

Von der geistlichen Dimension dieses

Vorhabens, dem »diakonischen Erwachen«,

dem Blick in die reiche und motivierenden

Geschichte der Inneren Mission, der

Sondierung des eigenen gesellschaftlichen

Umfeldes, dem Engagement in bestehenden

diakonischen Einrichtungen in der Nähe bis

hin zur Entwicklung eigener Projekte. Viele

Beispiele eines diakonischen Engagements

für Menschen, die es nötig haben, regen

zum Nachmachen und Weiterdenken an,

eine kleine Fundgrube gemeindediakonischer

Ideen.

Eine diakonische Gemeinde macht nichts

anderes, als die Liebe Gottes zu den Menschen

in die Tat umgesetzten. Sie macht sie

fühl- und erlebbar. Machen wir uns (neu)

auf den Weg!

12 13


Erwachsene finden zum Glauben – auch in

Deutschland, auch in den Evangelischen

Landeskirchen. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Menschen erleben so grundlegende

Veränderungen in ihrer Lebens-

und Glaubenswelt, dass sie sich nicht

scheuen, ihr »vorher« von ihrem »heute« zu

unterscheiden. Wie sich diese Veränderung

vollzieht, haben wir vom Institut zur Erforschung

von Evangelisation und Gemeindeentwicklung

der Universität Greifswald

untersucht und dazu 2008/2009 die Studie

durchgeführt: »Wie finden Erwachsene zum

Glauben?«

Wir befragten 462 Personen, wie sie ihren

Weg zum Glauben erlebt haben. Noch

nie wurde in Deutschland eine so große

Gruppe von Konvertiten in einer Studie

befragt. Die Teilnehmenden stammen aus

der gesamten Breite der evangelischen

Landeskirchen, insbesondere aus Sachsen,

Württemberg, dem Rheinland, Mecklenburg

Wie finden Erwachsene

zum Glauben?

Johannes Zimmermann,

Endingen

(bisher Greifswald)

und aus der Evangelischen Landeskirche in

Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.

Uns war bewusst, dass wir beim Thema

Konversion bzw. Bekehrung ein umstrittenes

Feld betreten. Daher war uns ein solider

theologischer und sozialwissenschaftlicher

Zugang wichtig: Die Teilnehmenden

an der Studie wurden nach ihren eigenen

Wahrnehmungen befragt, das heißt, ihr

Glaube wird in der Studie nicht beurteilt.

Wir gingen sozialwissenschaftlich von

einem breiten Verständnis von Konversion

aus, das auch einschließt, dass der Glaube

intensiver gelebt wird.

Konversion als

»Phänomen der Mitte«

Konversion wird in den Evangelischen

Landeskirchen gerne als »Randphänomen«

angesehen. Dagegen zeigen die Ergebnisse

unserer Studie, dass man Konversion als

»Phänomen der Mitte« betrachten kann.

Neben einem großen Anteil von erwerbstätigen

(66%) und Abiturienten (50%), die

beide darauf hinweisen, dass die Befragten

überwiegend aus der bürgerlichen Mitte

kommen, spricht vor allem die Altersverteilung

dafür, dass Konversion ein Phänomen

der Mitte ist: Die Hälfte der Befragten ist

zwischen 39 bis 45 Jahre alt. Das zeigt:

Glaubensveränderungen geschehen in der

Mitte des Lebens, bei Menschen in der

Mitte der Gesellschaft.

Unterschiedliche

Konversionswege

Nicht jede Glaubensbiographie verläuft

gleich. Wir haben in der Studie drei Typen

unterschieden: Der »Lebenswendetyp«

wurde in seinem Elternhaus nicht christlich

erzogen. Der »Entdeckungstyp« wurde

christlich erzogen, war aber vor der Glaubensveränderung

nicht oder kaum mit

der Kirche verbunden. Der »Vergewisserungstyp«

ist auch christlich erzogen worden,

war aber bereits vor der Glaubensveränderung

stärker mit der Kirche verbunden.

Die Ergebnisse haben dann gezeigt, dass es

noch mindestens zwei weitere Typen gibt,

wir nennen sie »Etappenwanderung« und

»Rückkehr«.

Wenn Menschen wesentliche, neue Erfahrungen

mit Evangelium, Glauben und Kirche

machen, geht es nicht nach »Schema F«

zu. Wir brauchen offenbar »missionarische

Geduld«: Veränderungen der Glaubensbiographien

brauchen ihre Zeit, unter Umständen

dauert es mit Aufs und Abs viele

Jahre. Halten wir das aus, dass Menschen

in mehr oder weniger großem Abstand

zur Gemeinde Suchende bleiben und nicht

sofort fröhliche Finder werden? Sind wir

vorbereitet auf die Menschen, die einmal

da waren und dann wegblieben? Haben wir

Ideen, wie wir Menschen den Wiedereinstieg

erleichtern können? Und haben wir

»Zieldurchfahrten«, wenn die klassischen

Angebote von Taufe, Konfirmation usw.

bereits »verbraucht« sind? Für so unterschiedliche

Menschen und geistliche Wege

sind viel Phantasie und gute Absprachen in

der Kirche nötig.

Mission ist möglich

21,7% der Befragten (im Osten sogar

51,7%) kommen aus konfessionslosen

Elternhäusern. Der größte Teil der Befragten

hat keine oder nur eine schwach ausgeprägte

religiöse Sozialisation erfahren.

Das heißt, selbst da, wo die Eltern Mitglieder

einer Kirche waren, haben Sie mit ihren

Kindern zum Teil gar nicht den christlichen

Glauben praktiziert. Daher lassen die Daten

der Studie den Schluss zu, dass ein Weg

zum Glauben auch solchen Menschen

offensteht, die bisher keine persönlichen

Erfahrungen damit sammeln konnten, oder

die die Sprache des Glaubens nicht schon

von Kindheit an erlernt haben. Veränderungen

sind möglich, auch im Erwachsenenalter

finden Neuorientierungen statt.

»Mission impossible?«, Nein, Mission ist

möglich.

Was fördert Glaubenswege?

Fünf Thesen

1. Erwachsene, die zum Glauben finden,

profitieren von einem Netzwerk guter

Beziehungen!

Für fast alle Befragten waren Freunde und

Bekannte (84%), der Pfarrer/die Pfarrerin

(88%), ehrenamtliche Gemeindeglieder

(63%) und nahe Angehörige (Ehepartner,

Mutter, eigene Kinder zu je 53%) wichtig

für den gesamten Glaubensweg. Die

Bedeutung der einzelnen Personengruppen

kann sich in den einzelnen Etappen des

Konversionsprozesses verändern: Für den

Kontakt sind die Freunde und ehrenamtlichen

Gemeindeglieder eher wichtig, später

wird der Pfarrer für ebenso viele Konvertiten

wichtig.

14 15


Wir haben das mit dem Bild des Staffellaufs,

aber auch des Netzwerks interpretiert:

Nicht alle Personen sind in allen

Phasen gleich wichtig für Menschen auf

dem Weg zum Glauben. Aber wo Pfarrerinnen

und Pfarrer, kirchliche Mitarbeiter,

ehrenamtliche Mitarbeiter und Freunde im

Hinblick auf die Begleitung von Menschen

auf dem Weg zum Glauben ein »Team«,

vielleicht besser: ein Netzwerk bilden und

einander zuarbeiten, da fördert das Glaubenswege.

»Bietet viele

Gelegenheiten zum Gebet!«

2. Erwachsene, die zum Glauben finden,

nutzen ebenso eine Fülle kirchlicher Veranstaltungen!

Ein für uns überraschendes Ergebnis: Traditionelle

Gottesdienste und Abendmahl

waren für über 80% der Befragten bedeutsam

auf dem Glaubensweg. Alternative

Gottesdienste, Glaubenskurse aber auch

kirchliche Bildungsangebote waren zu rund

60-70% wichtig. Das heißt, das Markenzeichen

unserer Kirche, öffentlich gefeierte

Gottesdienste, spielt auch eine wichtige

Rolle dabei, wenn Menschen zum Glauben

kommen – sowohl in traditioneller wie in

alternativer Form.

Insgesamt regen die Werte für Gottesdienste

dazu an, an der Frage nach einer

»missionarischen Profilierung« von Gottesdiensten

weiterzudenken: Wie können

Gottesdienste so gestaltet werden, dass sie

für Menschen auf dem Weg zum Glauben

hilfreich sind?

3. Für Erwachsene, die zum Glauben finden,

haben zurzeit Glaubenskurse Hochkonjunktur.

Glaubenskurse wurden von 2/3 der Erwachsenen

in unserer Studie als bedeutsam für

ihren Glaubensweg angegeben. Der Faktor

»Person« ist wichtig und kommt hier

besonders zum Tragen. Glaubenskurse leben

ähnlich wie Hauskreise von Gespräch und

Begegnung.

Es ist daher zu wünschen, dass diese Kurse

in unserer Kirche ebenso leicht erreichbar

und selbstverständlich angeboten würden

wie etwa der Konfirmandenunterricht. Glaubenskurse

sind offensichtlich an vielen Orten

derzeit so etwas wie eine »offene Tür« für

Glaubenswege.

4. Erwachsene, die zum Glauben finden,

machen neue Erfahrungen mit dem Beten.

Praktisch alle Befragten – nämlich 93%

- haben angegeben, dass sie irgendwann

im Glaubensprozess im Stillen angefangen

haben zu beten. Fürbitten empfanden etwa

2/3 der Befragten als bedeutsam, das Friedensgebet

etwa ein Drittel. Der »Renner« ist

also das Gebet im Stillen. Es tritt nach außen

nicht in Erscheinung. Manches spricht dafür,

dass es hier der Faktor Anonymität ist, den

viele schätzen. Wer im Stillen betet, kann

dabei unentdeckt bleiben. Zugespitzt formuliert:

»Gebt den Leuten Chancen, fromm zu

sein, wenn niemand zusieht!« Daher: Bietet

viele Gelegenheiten zum Gebet! Offenbar

suchen Menschen Gebetserfahrungen und

sind bereit, sich darauf einlassen. Gebet ist

so etwas wie »Glauben für Einsteiger«.

5. Für viele Erwachsene, die zum Glauben

finden, sind rituelle Wegmarken hilfreich.

Wir haben auch gefragt: »Woran machen Sie

Ihre Glaubensveränderung fest?« Zu unserem

Erstaunen wurde praktisch jedes kirchliche

Angebot erwähnt: Das Gebet im Stillen

ebenso wie der Gang zum Abendmahl (30-

40%); die Taufe, ein Gebet der Lebensübergabe,

ein Angebot zur Mitarbeit und das

eigene Glaubenszeugnis (jeweils 15-25%).

Der Glaubensweg kann hier durchaus bunt

sein und an mehreren Stellen rituelle Wegmarken

haben.

Das »Festmachen« des Glaubens (»Commitment«)

kann mit einer bekannten

kirchlichen Handlung verglichen werden:

In einem gewissen Sinne geschieht hier

ein konfirmierendes Handeln. Menschen

brauchen immer wieder solche Einstiege

in die Welt des Glaubens, ob zum ersten

oder zum wiederholten Mal. Deswegen ist

der Vergleich berechtigt: Wo können bei

uns auch Erwachsene den Beginn mündigen

Glaubens feiern? Wo können sie sich

zu diesem Glauben bekennen und durch

Zuspruch vergewissert werden?

Was kommt danach?

Welche Konsequenzen können wir am Ende

aus der Studie ziehen?

Konvertiten wahrnehmen! Eine der ersten

Konsequenzen sollte es sein, Glaubensbiographien

von Menschen in unseren

Gemeinden in ihrer Unterschiedlichkeit

wahrzunehmen und Glaubensgeschichten

Raum in unseren Gemeinden zu geben:

Wer Konversion fördern will, nimmt Konvertiten

wahr und ernst – und staunt über

die Vielfalt der Wege Gottes.

Konversionen fördern und unterstützen.

Keine Frage, Glaubenswege sind unverfügbar.

Es ist Gottes Geist, der Menschen

verändert und Glauben in ihnen weckt.

Aber er tut es mit und unter unserem

Handeln. Die Herausforderung für Kirchen

und Gemeinden besteht zum einen darin,

ein Umfeld zu schaffen, in dem Wege zum

Glauben ermöglicht und gefördert werden.

Zum anderen geht es darum, Menschen

auf ihrem individuellen Weg zum Glauben

als geduldige und hilfreiche Wegbegleiter

zur Seite zu stehen. Dazu braucht es auch

entsprechende Angebote in der Aus- und

Fortbildung der haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

»Inszenierungen des Anfangs« anbieten. Wir

haben gesehen, dass rituelle Wegmarken

wichtig für Konversionsprozesse sind. Eine

Konsequenz der Studie sollte es daher sein,

»Inszenierungen des Anfangs«

in großer Vielfalt gezielt

und bewusst anzubieten

und zu

gestalten.

16 17


Wie sieht eine Kirche

mit Zukunft aus?

Ein Bericht aus der Synode

zu den geplanten Kürzungen

Überall soll gekürzt werden. Die Kommunen

haben weniger Geld zur Verfügung, die

Bundesregierung hat ein Sparpaket verabschiedet,

die Wirtschafts- und Finanzkrise

sitzt uns noch im Nacken. Erste Anzeichen

einer Erholung der Wirtschaft sind erkennbar,

doch viele sind verunsichert und wissen

nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird.

Auch in unserer Kirche soll nun gespart

werden.

Die Zahlen sinken

Manche sagen: Wir brauchen nicht sparen.

Die Kirchensteuern sind so hoch wie lange

nicht mehr. Die geschätzten Einnahmen liegen

für 2011 so hoch wie 1998 und 2006.

Doch diese Zahlen sind inflationsbereinigt

und geben nicht die tatsächliche Situation

wieder.

Andrea Bleher,

Untermünkheim

Synodale und Mitglied

im Leitungskreis

Die Bevölkerungsstatistik sagt für ganz

Deutschland: Wir werden Jahr für Jahr im

Durchschnitt älter – und weniger. Das gilt

auch für die Kirche. Auf die Attraktivität

der Kirche und die Lebensrelevanz der

Glaubensthemen können wir Einfluss nehmen,

nicht jedoch auf den demografischen

Wandel.

Auch die Kirche wird sehr wahrscheinlich

kleiner werden und wird mit weniger Mitteln

auskommen müssen. Das sollten wir

nüchtern zur Kenntnis nehmen und uns

nicht vor notwendigen Entscheidungen

drücken.

Wie reagieren wir auf diese

Entwicklungen?

Die Synode und der Oberkirchenrat arbeiten

gemeinsam daran, sich über ein Bild

von Kirche der Zukunft zu verständigen

und ein Sparpaket zu schnüren. So wurde

auf der Sommersynode in Freudenstadt der

Umfang dieses Sparpakets von 10,2 Mio.

Euro bis 2019 beschlossen. Das ist nicht

zu hoch angesetzt. Würde man das Sparvolumen

an die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung

anpassen, müssten wir

unserem Finanzdezernenten Dr. Kastrup

zufolge eigentlich bis 2019 den Haushalt

jährlich um 2 Mio. Euro zurückfahren – das

wäre ein Sparpaket von 18 Mio. Euro! Die

guten Jahre, die wir gerade erleben, sollten

uns nicht dazu verleiten, die Sparmaßnahmen

noch weiter einzudämmen oder

gar hinauszuschieben. Wer jetzt nicht zu

sparen beginnt, handelt unverantwortlich.

Er schiebt die Verantwortung der nachfolgenden

Generation zu und belastet die

Gemeinden.

Sichtwechsel –

von der Zukunft her denken

Wie viele Menschen in Württemberg in 10

bis 15 Jahren zu Jesus und seiner Gemeinde

finden, können wir nicht vorhersagen. Wir

hoffen auf eine wachsende Kirche. Und

doch hilft uns die jetzige Bestandsaufnahme,

für die Zukunft Weichen zu stellen.

Deshalb fragen wir sehr nüchtern: Wie wird

die Kirche in 10 bis 15 Jahren aussehen,

wenn die äußeren Bedingungen sich nicht

verändern?

Wir fragen: Wie viele Pfarrer werden wie

vielen Kirchenmitgliedern zur Verfügung

stehen? Wenn wir diesen Sichtwechsel

vollziehen und von der Zukunft her denken,

wird manches klarer. Dann wird deutlich:

Pfarrbezirke werden sich räumlich

vergrößern müssen, wenn die Zahl der

Kirchenmitglieder, für die eine Person als

Pfarrer/in zuständig ist, gleich bleiben soll.

Das wiederum hat Veränderungen in den

Gemeinden zur Folge, wie auch für die Aufgaben

der Pfarrer, für die Ehrenamtlichen

und für die Strukturen und die Ausbildung.

Auch in den Verwaltungsstrukturen, in der

Ausbildung und im Oberkirchenrat werden

Konsequenzen nicht aus bleiben.

Allerdings ist in der Verwaltung das Sparpotential

lange nicht so groß ist, wie Sy-

nodale der »Offenen Kirche« derzeit glauben

machen wollen. Der Vorschlag, über

die Änderung der Dekanatsbezirke Einsparungen

in Millionenhöhe zu erzielen, wurde

schon vor Jahren geprüft und von den

Experten als unrealistisch verworfen.

Umsichtig sparen

Während in drei Gesprächskreisen Einigkeit

über die Notwendigkeit des Sparens

herrscht, bezeichneten einige Synodalen

der »Offenen Kirche« es noch in der Frühjahrssynode

als unnötig und überstürzt.

Sicher: In keinem Bereich fällt es uns leicht,

kirchliche Arbeit zurückzufahren, denn wir

sparen ja nicht an Überflüssigem, sondern

an wichtiger Arbeit, die einmal eingerichtet

wurde und meist gut und bewährt ist. Einschnitte

sind immer schmerzhaft. Deshalb

wurden die Sparvorschläge in einer Gruppe

erarbeitet wurden, die aus Synodalen

aller Gesprächskreise und Oberkirchenrat

besteht. Beim Sparkurs ist ein Zusammenwirken

unabdingbar, denn die Synode

beschließt den Haushalt und der Oberkirchenrat

setzt die Maßnahmen um.

Wir können es uns allerdings nicht leisten

so kurzsichtig zu reagieren, wie dies das

Aktionsbündnis »Kirche mit Weitblick« tut.

»Wer jetzt nicht zu sparen beginnt,

handelt unverantwortlich.«

18 19


Wer jetzt nicht spart, wer notwendige Entscheidungen

verhindert oder verschleppt,

hat gerade keinen Weitblick, sondern ist

sehr kurzsichtig. Sparentscheidungen und

Stellenabbau dauern erfahrungsgemäß

lange. Die letzte Sparrunde sollte 2009

umgesetzt sein und wurde dann bis 2013

»gezogen« und zehrt jetzt noch an den

Ressourcen. Die Vorgänge um das Haus

Birkach sind ein sprechendes Beispiel.

Viele Menschen scheuen Veränderung. Es

bedarf einiger Überzeugung, sich auf Neues

einzulassen. Das ist die große Herausforderung

für alle, für die Verantwortungsträger

in der Leitung und für die Gemeinden und

die Menschen in den Gemeinden, für die

Hauptamtlichen sowie für die Ehrenamtlichen.

Weitsichtig handeln, heißt die Kirche

funktionsfähig zu erhalten und von ihrer

Aufgabe her zu denken. Zwei Prozesse

laufen im Moment parallel, die Planung der

Sparmaßnahmen und die Verständigung in

der Synode über unser Bild von Kirche. Im

Frühjahr wurden

während der Synode in verschiedenen

Arbeitsgruppen Ideen über eine Kirche in

der Zukunft ausgetauscht.

Die drei Bischofsberichte im Jahr 2010

leisten für das Bild von Kirche einen

wesentlichen Beitrag und bündeln Denkansätze

aus den Arbeitsgruppen. Nach den

Berichten wird und wurde in der Synode

engagiert diskutiert.

Kirche mit Horizont

Wir sehen unsere Kirche als missionarische

Volkskirche: In der Breite angelegt, in der

Botschaft klar und deutlich.

Kirche mit Horizont ist eine aktive Kirche.

Eine Kirche, die vom Engagement und den

Gaben und Begabungen vieler lebt. Kirche

die von unten Gemeinde baut, die den

Einzelnen in den Blick nimmt und ihn im

Lebensverlauf an möglichst vielen Stellen

mit Glaubensthemen in Beziehung bringt.

So sieht es ein Antrag zum Gesamtkatechumenat

vor, den Tabea Dölker eingebracht

hat.

Kirche mit Horizont denkt nicht von ihren

Ämtern her. Nicht wo ein Pfarramt

ist, ist automatisch

Gemeinde. Wir denken

von der Gemeinde

her, vom mündigen Christsein aller Glaubenden:

Dort, wo Menschen im Glauben

zusammenleben, entsteht ein Amt und

nicht umgekehrt. (So auch Steffen Kern in

der Sommersynode.) Dort, in der Gemeinde

entstehen auch primär die Aufgaben des

Dienstes am Evangelium, - Gottesdienst

und - Verkündigung, - Bildung, - Gemeinschaft

und - helfendes und seelsorgerliches

Handeln.

Nun halte ich die Gemeinde für eine überschaubare

Einheit, die Schutzraum bieten

und zugleich Heimat sein kann. In unserer

sehr pluralen und ausdifferenzierten

Gesellschaft, in der sich ungezählte Möglichkeiten

bieten, sehnen sich Menschen

nach Vertrautem und Orientierung und

zugleich Sinnstiftendem. Wir sollten mit

dem Evangelium nicht hinterm Berg halten,

sondern die Chancen der Zeit erkennen und

ergreifen.

Vielleicht lebt in Zukunft ein Kirchenmusiker

oder ein Diakon in dem einen oder

anderen Pfarrhaus, auch das ist Kirche mit

Horizont, einem weiteren Horizont.

Kirche mit Horizont hat ihre Wurzeln im

Evangelium, im Bibelstudium und zugleich

hat sie Interesse an den Menschen und

am gesellschaftlichen Kontext und wirkt

an ihrem Ort in die Gesellschaft hinein.

Sie nimmt die gesellschaftlichen Herausforderungen

an. Ich meine jedoch, dass

wir dafür zwar Stellen im Kernbereich der

Akademie Bad Boll vorhalten sollten, dass

die Wahrnehmung der Wirkung in die

Gesellschaft in den Gemeinden aber stärker

ist. Wir leisten uns derzeit mit Bad Boll die

größte Akademie in Deutschland. Andere

Landeskirchen sind an dieser Stelle schon

»Wir denken von der Gemeinde her,

vom mündigen Christsein aller Glaubenden.«

länger erfolgreich andere Wege gegangen.

Konzepte zu einer effizienteren Akademiearbeit

hat etwa auch der Gesprächskreis

»Evangelium und Kirche« vorgelegt.

Als »Lebendige Gemeinde« setzen wir uns

dafür ein, dass Gemeinden auch in der

Kirche der Zukunft handlungsfähig sind,

sowohl in ihrer Größe als auch in der

Ausstattung mit Hauptamtlichen. Denn

Gemeindearbeit und Verkündigung des

Evangeliums braucht Beziehung und Beziehung

entsteht nur, wo Vertrauen wächst.

So sollten Pfarrer und Seelsorger immer

einer bestimmten Parochie zugeordnet

sein. Wir können uns auch nicht vorstellen,

dem Teampfarramt Vorschub zu leisten,

in dem Pfarrer nur noch für bestimmte

Aufgaben zuständig sind. Dies geht auf

Kosten der Beziehungen zu den Menschen

vor Ort.

Überproportionale Kürzungen im Gemeindepfarrdienst,

wie sie der letzte Bischofsbericht

angedacht hat, lehnen wir deshalb

ab. Die Umsetzung des Pfarrplans hat

sich nicht nur an Planzahlen, sondern am

Bedarf und den Möglichkeiten der Gemeinden

zu orientieren. Gleichzeitig dürfen wir

verhalten für das Theologiestudium werben,

damit wir im Jahr 2030 keinen so eklatanten

Einbruch an Pfarrern erleben, wie

dies die Personalstrukturplanung erkennen

lässt.

Am Ende gilt: Alles, was wir in der Kirche

tun und beschließen, alle Strukturveränderungen,

alle Überlegungen über Ausbildung

von Hauptamtlichen, Pfarrern, Diakonen,

Verwaltungskräften, Musikern muss dem

einen dienen: Menschen in Beziehung zu

bringen mit ihrem Schöpfer und Befreier.

20 21


22

Rainer Holweger, Korntal

Eine Einladung, die niemand wegwirft

Einladungszettel landen oft nur im Mülleimer.

Damit das bei JesusHouse nicht passiert,

haben sich die Macher von ProChrist

etwas Neues einfallen lassen: persönliche

Postkarten als Hilfsmittel zur Freundschaftsevangelisation.

Über die Internet-

Seite www.personal-postcard.de stehen 16

ganz unterschiedliche Postkarten-Motive

zur Auswahl. Dann kann ich einen Vornamen

eintragen – von der Person, die ich

gerne auf JesusHouse hinweisen möchte

- verbunden mit einem netten Gruß, einem

persönlichen Wort. Um »Spaßbestellungen«

zu vermeiden, kosten im Internet acht Karten

vier Euro. Über das JesusHouse-Büro

in Stuttgart sind aber auch kostenlose

Gutscheine erhältlich. Ab 48 Bestellungen

kann auf die Rückseite ein eigener Text

aufgedruckt werden.

JesusHouse will Jugendliche und Gruppen

motivieren, aus dem eigenen Kreisen heraus

immer wieder auf andere zuzugehen

– damit der Glaube Kreise zieht. Die persönlichen

Postkarten helfen dabei, diesen

Schritt zu wagen.

JesusHouse auf dem Weihnachtsmarkt

in Stuttgart

Im Trägerkreis von JesusHouse sind wir

besonders dankbar, dass die Stadt Stuttgart

uns einen Stand auf dem Stuttgarter

Weihnachtsmarkt ermöglicht: Vier Wochen

lang eine hervorragende Gelegenheit, mit

Menschen ins Gespräch zu kommen und

sie nicht nur zu JesusHouse, sondern zum

»House«-Herrn selbst einzuladen. Gleichzeitig

ist es für uns eine große Herausforderung,

die viele Mitarbeiter erfordert. Haben

Sie Lust und Zeit, uns dabei im Trägerkreis

zu unterstützen? Auch für die Zentral-

Veranstaltung im März suchen wir jetzt

schon Mitarbeiter. Alle Infos erhalten Sie im

JesusHouse Büro Stuttgart. Danke, wenn

Sie JesusHouse auch im Gebet begleiten.

JesusHouse-Geschäftsstelle stuttgart

Haeberlinstraße 1-3 | 70563 Stuttgart

Tel. 0711 9781-370 - Fax 0711 9781-293

www.jesushouse-stuttgart.de

buero@jesushouse-stuttgart.de

sie möchten uns finanziell unterstützen?

JesusHouse Stuttgart c/o Ev. Allianz - Kto.

100 416 606 BLZ 520 604 10 EKK Stuttgart

Willst du in einem Clip mit

Cacau sein?

Dann komm zum Dreh des Kurzclips beim

Teenprogramm der Api-Konferenz am

1. November in der Porsche-Arena Stuttgart

www.die-apis.de

Jesus-Netz – die ersten

Knoten sind geknüpft

Im Juli haben wir das Jesus-Netz ins Leben

gerufen. Über vierzig Rückmeldungen

haben wir auf unsere erste Einladung

bekommen. Davon haben sich dreizehn

Personen im Juli im Korntaler »Aquarium«

getroffen. Jetzt geht es am 20. November

mit dem nächsten Treffen weiter - in der

größeren Runde. Und als Auftakt für Jesus-

House zentral.

Wo knüpfen wir an?

Das war die große Frage beim letzten Treffen.

Es gibt bereits etliche Netzwerke für

die Arbeit mit Jugendlichen und jungen

Erwachsenen - in welchen davon sind die

»Jesus-Netzwerker« bereits engagiert? Wo

gibt es Synergien, was fehlt? Wo sind hier

Brückenschläge möglich zwischen den

Generationen und zu den Chancen der

Hofacker-Arbeit?

Wie geht es weiter?

Neben dieser grundsätzlichen Frage gab

es aus den Rückmeldungen v.a. vier Themenfelder

oder »Knoten«, die wir am 20.

November weiter verfolgen möchten:

Knoten 1: Zurück zu den

Wurzel - Das Evangelium

in Wort und Tat

Für Weltmission gibt es die Jugendkonferenz

für Weltmission – was gibt es Vergleichbares

für einen evangelistischen oder

diakonischen Einsatz in Deutschland?

mit Ulrich Weinhold, Hilfe für Brüder

Jesus-Netz

20. November 2010, 16 – ca. 20 Uhr,

Großes Forum

Evangelisches Gemeindezentrum der

Brüdergemeinde, Am Saalplatz, Korntal

Knoten 2: Suchen und Finden

– Hilfe für Zweit- und Jugendgottesdienste

Wo finde ich Referenten, Bands, Eventgeräte

und Kleinkünstler für meinen Zweit- oder

Jugendgottesdienst? Wie könnte dazu eine

(Online-)Plattform aufgebaut und gepflegt

werden?

mit Johannes Radtke, sound7

Knoten 3: Beweg deine Stadt –

als Christen vor Ort

Durch JesusHouse 2011 und Pro Christ

2013 bietet sich Stuttgart und der gesamten

Region die hervorragende Gelegenheit,

Christen zu sammeln und miteinander für

Gottes Reich vorwärts zu gehen. Junge

Christen sollen für ein evangelistisches Leben

motiviert und ausgesendet werden.

mit Winnie Schweit zer, gracetown

Knoten 4: Diese Einladung

schmeißt dir keiner weg –

Zum Evangelium kreativ und

persönlich einladen

Wie schaffen wir bei der Einladung zu

Evangelisationen den Schritt über unsere

»frommen« Kreise hinaus? JesusHouse bietet

eine Menge Hilfsmittel und noch mehr gute

Ideen: Wir stellen sie euch vor .

mit Johannes Kuhn, JesusHouse

Büro Stut tgart

Ablauf, Anmeldung und weitere

Informationen unter

www.lebendige-gemeinde.de/jesus-netz


Lebendige Gemeinde - Ludwig-Hofacker-Vereinigung - Saalstr. 6 - 70825 Korntal-Münchingen

Große Sommer Kreuzfahrt in der Ostsee

ms atHEna – exklusiv gechartert

Wort an bord:

Ministerpräsident a. D.

Dr. h.c. Erwin Teufel

Erwin Damson

Geschäftsführer i.R.

der Ludwig-Hofacker-

Vereinigung

Pastor Dr.

Hansjörg Bräumer

Pfarrerin

Bärbel Wilde

ein schiff, das sich Gemeinde nennt!

musik an bord: Fitness an bord:

Alexandra Baumbusch,

klassische Sängerin

Gerhard Schnitter

superkindertarif

Kirchenmusikdirektor

Hans-Ulrich Nonnenmann,

Leiter des Bordposaunenchors

Gert und Marlén

von Kunhardt

gratis

31. August bis 11. september 2011

cuxhaven nord-ostsee-kanal klaipeda riga tallinn st. petersburg

stockholm visby/Gotland danzig kiel

Präses i.R.

Manfred Kock

Pfarrer

Ulrich Scheffbuch

24. mai bis 4. Juni 2011

Auf Postschiffkurs ans Nordkap

Traumreise ins Land der Mitternachtssonne

mit MS ATHENA

mit an bord:

Pfarrer Winrich und

Beate Scheffbuch

Ute und Friedemann Rink

»Die Rinks«

LudwigHofackerREISEN

27. April bis 7. mai 2011

Begegnungsreise nach Israel

der Evangelischen Kirchengemeinde Haiterbach in

Zusammenarbeit mit der Ludwig-Hofacker-Vereinigung

reiseleitung:

Pfarrer Albrecht Bahret

und Erwin Damson

Heiner zahn GmbH . Postfach 65 . 72222 Ebhausen

tel. 07458 / 99 99-0 . Fax 99 99-18 . info@handinhandtours.de . www.handinhandtours.de

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