Eine Schule für alle - Behindertenbeauftragter des Landes ...

peters.lilli53

Eine Schule für alle - Behindertenbeauftragter des Landes ...

für alle für alleImmer wieder erreichen uns Briefe und Anrufe von Eltern, die schulischeIntegration für ihr Kind wünschen und nicht genau wissen,welchen Weg sie gehen müssen, um zu diesem Ziel zu gelangen.Mit dem vorliegenden Leitfaden möchten wir Ihnen aufzeigen,welche Möglichkeiten der Integration bestehen und welcheSchritte Sie als Eltern dafür einleiten können. Wir hoffen, Ihnendamit den Weg durch eine manchmal verwirrende Beantragungzu erleichtern und haben uns dabei durch die Frage leiten lassen:Wie kommen Sie zum gemeinsamen Unterrichtfür Ihr Kind ?Die schulische Integration behinderter Kindergeht in Niedersachsen nur schrittweisevoran. Über ganz Niedersachsen verteilt sind23 regionale Integrationskonzepte bewilligtworden, deren Ziel die „Eine Schule für alleKinder“ ist. Nach wie vor wird jedoch dieüberwiegende Zahl von Kindern mit Behinderungenin Sonderschulen unterrichtet.Im vergangenen Schuljahr besuchten insgesamt727 behinderte Kinder gemeinsammit nicht behinderten Schülerinnen undSchülern Regelschulklassen. 37.000 Schülerinnenund Schüler besuchten eine Sonderschule.Die Nachfrage nach schulischerIntegration ist weit höher, als die realenZahlen vermuten lassen.


RechtGesetzliche Grundlagen für dengemeinsamen UnterrichtSowohl im Grundgesetz als auch im Niedersächsischen Schulgesetzfinden sich Bestimmungen, die die rechtliche Basis für schulischeIntegration abgeben. Seitdem das Grundgesetz 1994 imArtikel 3 ergänzt wurde, berufen sich Eltern behinderter Kinderdarauf, um die schulische Integration durchzusetzen. In einem Aufsehenerregenden Beschluss stellte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichtesauf Antrag einer Göttinger Familie 1997 fest,dass im Lichte der neuen Verfassungsbestimmung die schulischeIntegration zukünftig die Regel und die Sonderbeschulung dieAusnahme darstellen solle.§„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes lautet:Das Bundesverfassungsgericht verlangte von den zuständigen Behördeneine „erhöhte Begründungspflicht“, wenn sie vom gesetzlichenRegelfall abweichen wollen. Mit Bezug auf die entsprechendeRegelung des Niedersächsischen Schulgesetzes stellte das Bundesverfassungsgerichtfest: „Deshalb genügt es nicht, die Möglichkeiteiner integrativen Beschulung nach niedersächsischem Schulrechtmit pauschalen Hinweisen auf die Funktionsfähigkeit der allgemeinenSchulen bei begrenzten organisatorischen und personellenMitteln zu verneinen.“Seit 1997 gilt also der Vorrang der Integration vor der Sonderbeschulung,allerdings – wie so manche Verfassungsnorm – zunächstnur als abstrakter Grundsatz. In der Realität sind wir in ganzDeutschland von der Verwirklichung dieses Verfassungsauftragesnoch weit entfernt.


IntegrationZielgleiche und zieldifferente IntegrationIn Niedersachsen gibt es zielgleiche und zieldifferente schulischeIntegration. Die zielgleiche Integration kommt für Ihr Kind dann inFrage, wenn es nach den gleichen Richtlinien unterrichtet wirdwie alle anderen Kinder in der entsprechenden Schulklasse. ZieldifferenteIntegration bedeutet, dass Ihr Kind eine Integrationsklasseoder eine Kooperationsklasse besucht und nach besonderenRichtlinien gefördert und unterrichtet wird. Es lernt und arbeitetgemeinsam mit den anderen Kindern, erreicht dabei aber Ziele,die seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten angemessen sind.Für die zieldifferente Integration wird bei Ihrem Kind festgestellt,ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegt und wie diesergestaltet werden soll.Welche Möglichkeiten der Förderung und IntegrationIhres Kindes gibt es in Niedersachsen?Integration und andere sonderpädagogische Förderungen findenin Niedersachsen in verschiedenen Formen statt:In Integrationsklassen,in Kooperationsklassen,durch „Mobile Dienste“und im Rahmen vonregionalen Konzepten,in denen diese undandere Formen der Integrationgebündelt undaufeinander abgestimmtwerden.


Integration &Integration &IntegrationsklassenEnde der siebziger Jahre wurden in Niedersachsen als Reaktionauf massiv vorgetragene Elternwünsche die ersten Integrationsklasseneingerichtet. Zurzeit werden ca. 800 behinderteKinder in ca. 250 Integrationsklassen unterrichtet.Gemäß § 23 Niedersächsisches Schulgesetz können im1. bis 10. Schuljahrgang der allgemein bildenden SchulenIntegrationsklassen eingerichtet werden, in denen Schülerinnenund Schüler, die einer sonderpädagogischen Förderungbedürfen, gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülernunterrichtet werden und in denen die Leistungsanforderungender unterschiedlichen Lernfähigkeit der Schülerinnenund Schüler entsprechen.Integrationsklassen können im Rahmen Regionaler Integrationskonzepte,aber auch unabhängig davon, eingerichtetwerden.KooperationsklassenIn den vergangenen Jahren beobachten wir einen Trend zurEinrichtung von Kooperationsklassen. Dies sind Sonderschulklassen,die einen möglichst großen Teil des Unterrichts gemeinsammit Schülerinnen und Schülern der entsprechendenRegelschulklasse verbringen.Im Gegensatz zu Integrationsklassen, in denen auch nur eineinzelnes behindertes Kind integriert werden kann, treffen beiKooperationsklassen zwei Klassenverbände zusammen undverbinden sich soweit wie möglich miteinander.


KooperationKooperationsklassen sind Klassen an der Grundschule, die vonSchülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarfbesonders im Bereich geistiger Entwicklung besuchtwerden.Kooperationsklassen gehören organisatorisch zu einer Sonderschule,die eng mit einer allgemeinen Schule zusammenarbeitet.Kooperationsklassen streben ein Höchstmaß an gemeinsamemUnterricht an.Mobile DiensteIm Rahmen von Mobilen Diensten fördern und unterrichtenSonderschullehrerinnen und Sonderschullehrer Kinder mit einerkörperlichen oder einer Sinnesbeeinträchtigung, die den Lernanforderungender allgemeinen Schule entsprechen, aberbesondere Hilfen in ihrem Förderschwerpunkt benötigen. DieMitglieder des Mobilen Dienstes unterstützen nicht nur Elternund Kind, sondern beraten auch die beteiligten Lehrkräfte.


SonderpädagogisRegionale IntegrationskonzepteDie Niedersächsische Landesregierung hat nach einer Bestandsaufnahmeder verschiedenen Möglichkeiten sonderpädagogischerFörderung beschlossen, um der Integrationdadurch eine neue Dynamik zu geben und Betroffene vor Ortzur Erarbeitung Regionaler Integrationskonzepte zu ermuntern.Regionale Konzepte setzen auf die Zusammenarbeitder unterschiedlichen Schulformen und die Bündelung vonRessourcen, damit die schulische Integration tatsächlich vonder Ausnahme zur Regel werden kann.Regionale Konzepte werden von allenBetroffenen vor Ort, also von denLehrkräften, den Schulträgern undden Eltern gemeinsam erarbeitet.Alle an einem Ort vorhandenen Formensonderpädagogischer Förderungwerden mit einbezogen. Auch dieSonderschulen beteiligen sich alsFörderzentren, indem sie sonderpädagogischeAngebote und Sonderschullehrerstundenin allgemeineSchulen und Kooperationsklassen verlagern. Im Idealfall werdendie betroffenen Sonderschulen zu „Schulen ohne Schülerinnenund Schüler“, weil alle Sonderschullehrerinnen undSonderschullehrer an allgemeinen Schulen arbeiten.Regionale Konzepte können auch als Teilkonzepte begonnenwerden, wenn noch nicht alle in Frage kommenden Schuleneines Einzugsbereiches bereit sind, in einem solchen regionalenKonzept mitzuarbeiten.


sche Förderungsche FörderungDas NiedersächsischeKultusministerium stelltfür die Verwirklichungregionaler Konzepte injedem Schuljahr einbestimmtes Kontingentan zusätzlichen Sonderschullehrerstellenbereit.Es gibt jedoch keinenRechtsanspruch auf dieGenehmigung einesregionalen Konzeptes.Bisher gibt es in Niedersachsen23 RegionaleIntegrationskonzepte. Ineiner Reihe von Regionenwird an der Realisierungregionaler Konzeptegearbeitet (eine Listefinden Sie im Anhang).Sollte in Ihrer Gemeinde noch kein Konzept erarbeitet wordensein, wenden Sie sich an die zuständige Grundschule, dieSonderschule oder den Schulträger und drängen Sie auf Realisierung.


Wege durch dieWege durch dieDie IntegrationsklassenAuch wenn es in Ihrer Gemeinde noch kein Regionales Integrationskonzeptgibt, können Sie bei der für Ihr Kind zuständigenGrundschule die Einrichtung einer Integrationsklasse beantragen.Voraussetzung für die Einrichtung einer Integrationsklasse istnicht nur die Einwilligung des betreffenden Kollegiums, sonderndas Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfsfür Ihr Kind. Die entsprechenden Antragsvordrucke sindbei den Schulen erhältlich.Ihr Kind hat dann sonderpädagogischen Förderbedarf, wenn esaufgrund einer geistigen Behinderung oder einer sonstigen gravierendenEinschränkung seiner Entwicklungs- und Lernmöglichkeitenim Unterricht der allgemeinen Schule ohne sonderpädagogischeUnterstützung nicht hinreichend gefördert werdenkann. Sie können als Eltern im Verfahren zur Feststellung dessonderpädagogischen Förderbedarfs eine Förderkommissionbeantragen.


BeantragungDie FörderkommissionPflichtmitglieder der Förderkommission sind:Die Schulleitung der Grundschule,die Gutachterin /der Gutachter(eine Lehrkraft der Grundschule undeine Lehrkraft der Sonderschule),und Sie als Eltern.Sie können beeinflussen, welche weiterenMitglieder der Förderkommission angehören.Hilfreich sind Menschen, dieIhr Kind aus anderen Zusammenhängenkennen, zum Beispiel Erzieherinnen/Erzieher oder Therapeutinnen/Therapeuten.Wünschenswert ist die Teilnahme der zukünftigenLehrerin oder des zukünftigen Lehrers.Die Sonderschule erstellt als Grundlage für die Entscheidungsfindungder Förderkommission ein Beratungsgutachten, das mitIhnen besprochen und Ihnen auf Ihren Wunsch hin ausgehändigtwerden muss.Aufgabe der Förderkommission ist es festzustellen, in welchemEntwicklungsstadium sich Ihr Kind befindet und welche Unterstützunges zu seiner Entwicklung braucht. Die Förderkommissionkann entweder zu dem Ergebnis kommen, Ihr Kind solleintegrativ beschult werden oder eine Sonderschule besuchen.Das heißt, das Beratungsergebnis kann im Widerspruch zuIhren Wünschen für die schulische Laufbahn Ihres Kindes stehen.Ihre gegebenenfalls abweichende Meinung wird zu Protokollgenommen.


Für die Einrichtung von Integrationsklassen hat das NiedersächsischeKultusministerium Richtwerte für die Zuweisungvon Sonderschullehrerstunden erlassen:Für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarfim Bereich Lernen: 2 Stunden pro Woche,für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereichgeistige Entwicklung: 5 Stunden pro Woche,für Schülerinnen und Schüler mit anderen Schwerpunkten:in der Regel 3 Stunden pro Woche.Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, ineiner Integrationsklasse mehrere Kinder mitsonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsamzu unterrichten, damit eine für den gemeinsamenUnterricht angemessene Zahlvon Sonderschullehrerstunden zur Verfügungsteht.Die Einrichtung einer Integrationsklasse kannverweigert werden, wenn zum Beispiel dieBezirksregierung nicht ausreichend Sonderschullehrerstundengewährt. Dann bleibtIhnen nur der Weg des Widerspruchs gegendiese Entscheidung gegenüber derzuständigen Bezirksregierung.


Die KooperationsklasseWenn Sie möchten, dass Ihr Kind eine Kooperationsklassebesucht und es bei Ihnen kein Regionales Integrationskonzeptgibt, nehmen Sie Kontakt zur Grundschule oder zurmöglicherweise zuständigen Sonderschule auf.Auch für die Einrichtung einer Kooperationsklasse wird festgestellt,ob und welchen sonderpädagogischen FörderbedarfIhr Kind hat. Das Verfahren zur Feststellung dieses Förderbedarfsverläuft wie bei der Beantragung einer Integrationsklasse.Sollte sich in diesem Verfahren eine für Sie und Ihr Kindnegative Entscheidung ergeben, können Sie auch Widersprucheinlegen.


Regionale IntegrationskonzepteIn Bereichen mit Regionalem Integrationskonzeptwerden, wie schon zuvorausgeführt, möglichst alle Kinder mitBehinderungen in integrativen Formenunterrichtet und erzogen. Zu diesemZweck arbeiten die Förderzentren(Sonderschulen) mit den in Fragekommenden Schulen ihres Einzugsbereicheszusammen.Beteiligte vor Ort, das heißt, Lehrkräfte,Schulleitungen, Schulbehörden,Schulträger, aber auch Sie als Elternsind aufgerufen, Regionale Integrationskonzeptegemeinsam zu erarbeiten.Fragen Sie bei den Integrationsteamsoder der zuständigen Dezernentin/ dem zuständigen Dezernenten derBezirksregierung nach, ob ein solchesKonzept in Ihrer Region bereits existiertund besprechen Sie sich frühzeitig mitden Schulleitungen, die in dem Konzeptmitwirken.Sie können ein Regionales Integrationskonzeptnicht wie eine Integrationsklasseoder eine Kooperationsklasseselbst beantragen, sondern nur inGespräche mit den Entscheidungsträgerneintreten.


Anträge auf Genehmigung Regionaler Integrationskonzeptewerden vom Schulträger gestellt. In der ersten Phase desUmbaus soll die Genehmigung durch die oberste Schulbehörde( Niedersächsisches Kultusministerium) erfolgen, danachsoll dies auf die Bezirksregierungen übertragen werden.Wir wissen, dass es einerseits schwierig ist, schulische Integrationdurchzusetzen. Andererseits sind wir nach unsererlangjährigen Erfahrung mit verschiedenen Formen gemeinsamenUnterrichts für Kinder mit und ohne Behinderungenüberzeugt:Alle Kinder sind Gewinner des gemeinsamen Unterrichts.Wir wünschenIhnen Ausdauer,Durchhaltevermögenund viel Erfolgauf dem Wegzur schulischenIntegrationfür Ihr Kind!


AnhangAnsprechpartner zur schulischen Integrationbehinderter Kinder bei den BezirksregierungenBezirksregierung BraunschweigFrau Gründel Tel.: (05 31) 4 84 32 28Beraterin für IntegrationMontag und Dienstag– Dezernat 402 –Postfach 324738022 BraunschweigKielhornschule Tel.: (05 31) 1 69 92Sonderschule für LernhilfeMittwoch, Donnerstag, FreitagBraunschweigBezirksregierung HannoverFrau Oeffner Tel.: (0 55 31) 93 69 11– Dezernat 402 –Außenstelle HolzmindenBürgermeister-Schrader-Straße 17a37603 HolzmindenBezirksregierung LüneburgFrau Schult Tel.: (0 41 31) 15 27 50Postfach 252021315 LüneburgBezirksregierung Weser-EmsFrau Krumme Tel.: (05 41) 31 43 94Außenstelle Osnabrück Fax: (05 41) 3 14 93 94Postfach 356949025 Osnabrück


Regionale IntegrationskonzepteBestand (Stand: 29. 10. 2001)Georgsmarienhütte, Landkreis OsnabrückGemeinde Weyhe, Landkreis Diepholz (nördlicher Teil)Samtgemeinde Neuenhaus, Landkreis Grafschaft BentheimRegion Stadt NordhornRegion Loxstedt /Hagen, Landkreis CuxhavenHessisch-Oldendorf , Landkreis Hameln-PyrmontStadt Delmenhorst - SüdStadt Osnabrück - DodesheideGemeinde Stuhr, Landkreis DiepholzSamtgemeinde Niedernwöhren, Landkreis SchaumburgStadt Hannover - NordwestGemeinden Emmerthal /Aerzen, Landkreis Hameln-PyrmontStadt Bassum, Landkreis DiepholzStadt Varel /Gemeinde Zetel, Landkreis FrieslandSamtgemeinde Schüttorf , Landkreis Grafschaft BentheimStadt OldenburgStadt BraunschweigStadt SalzgitterStadt GöttingenStadt Bad MünderGemeinde WiesmoorGemeinde Stadland, Landkreis WesermarschGemeinde Friedeburg, Landkreis Wittmund

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