Leseprobe - Mare

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Leseprobe - Mare

Sent digna facilit praesectem duipism odigna faccum alit venibheugue con ut in vel dolorem ea feugue erosto do con henit lut inciliquisduis nonullan utatumsan exer accummod dunt lam ero ditvelit aliquipis nim am quat vel ut la conse modolor tionulluptat acieugait aliquat niam, velis alit ipis ea con henis nim volor illa feugaitirit, conum quat vel ing et velenibh eugait, vel ullaore consed diood mincinc iliquisl incilisse mod doloreet, velit prat.Licht in der Dunkelheit –Von Jagd undTarnung und einemtoten LehrerDAS IST EINE BLINDSCHRIFTlut utpatum adip ex euguera esting enibh elent ver si bla feu feumnim veriurem iriurem velit, quamcon ullaore rillam acin henibheugait, commod exercip eriustrud el do commy nulputpat. To dolorpersi etum verillan velenisit iure faccum iustion sectem venitnit ver ipsustrud tat. Uscidunt iure conulluptat duis adit nullandit invenim iurem zzriure magna5conse mincipis nullan utat. Vulluptatiocommolo rperos nullametum del dolesendio dolore magna facillamilit la faccum ad molorero corper incipisse facil deleniam nibheugiat, quat, quissequat, quatum quat nonum volorpero commodocommod euguer augue er ad tat dolorper sequipismod etumvel dolore faciduis nonsecte facilit ipisl elisim do dolessed magnimquat.Idui tem diam del irit amcon velis ex eniamcore magna facinex enisis acidunt atet nibh ea feugue dio diat. Nos er sisit la consequitat aut atem volor suscilisl do consequam, sum zzrit pratuerodolortie essed tat la at. Ros nit, quisi exer sequip et landigna feugaitip exerosto commy nonsequis aliquis nim iurerat lutpat, quis numquis et nit dolor ad dio dolessectem irit praestion eui bla core versecte vel duis dolummy nonsent wissis enibh exeriuscilit vullutetumaliqui te te volummy nis autet inciliquam quis acillaore doloreet,velit vel ut wisim augue magna facipis modolor sustrud modeuis eu feugait, velent amconsed Duiscinis dolor sis augue erat, versi eratem dipit ulputat diate te min hent lut utpatum adip ex eugueraesting enibh elent ver si bla feu feum nim veriurem iriuremvelit, quamcon ullaore rillam acin velit vel ut wisim augue magnafacipis modolor sustrud mod euis eu feugait, velent amconsedBis Joe Matkin im August über die Torresstraße schauensollte, waren es noch ein weiter Weg und viele Monate voller Arbeit.Noch hatte die Challenger nicht einmal den Äquator überquert. Dernächste Stopp war Madeira, und die Passage von den Azoren dorthindauerte eine Woche – wegen der üblichen Arbeiten. Die Mannschaftfreute sich darauf, die Insel wiederzusehen, die sie schon zu Beginnihrer Reise angelaufen hatten. Wie ein Paradiesgarten sollte sie jetztim Sommer sein, davon hatten ihnen Anfang des Jahres britische Touristenerzählt. Eine Woche wollte man im Hafen von Funchal bleiben,Freunde aus dem Winter treffen, die inzwischen wohl aus der Stadt inihre Landhäuser gezogen waren …Aber sie sollten enttäuscht werden. Am Morgen des Juli lief die Challenger ein. Kapitän Nares erhielt die Nachricht, dass auchhier gerade eine schwere Pockenepidemie gewütet hatte. Er entschied,so schnell wie möglich wieder Segel zu setzen: Nur zwei Offizierehatten Ausgang, ansonsten wurde lediglich frischer Proviant an BordAbbildung links:Juwelen-Kalmar(Stigmatoteuthis)Größe: bis zu cmLebt tagsüber zwischen und MeternWassertiefe. Steigtnachts zum Fressenin Oberflächennähe.Auffällig sind dieAugen: Eines scheintaus dem Körperher vorzuquellen,das andere darin zuversinken.4 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heit5RZ_Innen_Maquette.indd 411.12.2009 9:34:29 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 511.12.2009 9:34:29 Uhr


Anglerfi sch(Ceratias uranoscopus)Lebt in bis zu Metern Wassertiefe.Wann immerein Anglerfisch in derTiefsee mit seinemleuchtenden KöderBeute lockt, ist esein weibliches Tier.Die männlichenAnglerfische sind nurparasitische Anhängselan den Weibchen.geholt. Ein paar Wissenschaftler besuchten wenigstensein Dampfschiff, das zwischen demafrikanischen Benin und Liverpool pendelteund gerade in Funchal Kohlen bunkerte. VonBug bis Heck war es vollgestopft mit zahllosenKäfigen, in denen Graupapageien hockten.Selbst in den Quartieren der Mannschaftstanden sie herum. Affenkäfige gab es, einegroße Wildkatze, die in einem Verschlag steckte,und ein paar große Pythons in einer Kiste, erzählte Henry NottidgeMoseley in seinem Reisebericht. Die Tiere sollten alle nach Liverpooltransportiert und verkauft werden.Für die Mannschaft gab es in Funchal diesmal nur einen Lichtblick:den Postsack mit Briefen und ein paar Zeitungen von daheim, derauf sie gewartet hatte. Die Zeit, Antworten zu schreiben, blieb jedochnicht. Schon am nächsten Abend ging es weiter zu den KapverdischenInseln. Bereits die erste Dredsche auf dem Weg dorthin warrecht erfolgreich, notiert Wyville Thomson: zwei unbekannte Seegurken.Dann näherte sich das Schiff dem Punkt, an dem sie vor fünfMonaten die erste mit Mangan überkrustete Koralle gefunden hatten.Die Wissenschaftler hofften, diesmal eine lebende hochzuholen. Vielleichtwürde dann klarer, was da unten los sein könnte. Aber keine derKorallen lebte. Sie waren alle schon halb mineralisiert. Dafür hingenhübsche kleine Schlangensterne in ihren Ästen.Am nächsten Tag fanden sie in Metern Tiefe einen Zentimeterlangen Anglerfisch, den der Meeresbiologe an Bord der Challenger,John Murray, Ceratias uranoscopus taufte: ein bizarres Tier, schwarz,die Haut dicht mit Dornen besetzt und mit winzigen Augen hoch obenauf dem Kopf. In den er-Jahren hatte Oberstleutnant C. Holboelldas erste Exemplar dieser schwarzen »Teufel« zu Gesicht bekommen –an einem Strand in Grönland. Behutsam hatte Holboell damals dasgroteske Tier aufgenommen, das riesige Maul betrachtet, die rasiermesserscharfen,nach innen gebogenen Zähne, den seltsamen Fortsatz,der aus seinem Kopf spross. Hässlich war der Fisch, mit warzigen Fädenund Ausstülpungen.E I N LE B E N I N DE R DRITTEN DIMENSI ONNicht anders als an Land sorgen auch im Meer diePflanzen mithilfe des Sonnenlichts und der Fotosynthesefür die primäre Biomasseproduktion, von der (fast)alle anderen abhängen. Außerdem produzieren die diversenAlgen in den obersten Meeresschichten auch reichlichSauerstoff. In der obersten Lage ist also gut leben.Allerdings spielt im Ozean die dritte Dimension eineganz gewichtige Rolle. Während an Land das Leben,wenn man von den Vögeln absieht, im Grunde zweidimensionalabläuft, erstreckt sich im Meer der größteLebensraum in den Hunderten und Hunderten vonMetern zwischen Wasseroberfläche und Boden. DerLebensraum der Tiefsee ist etwa elfmal größer als deran Land. Mehr als Prozent liegen unterhalb von Metern, also jenseits des Einflussbereichs der Sonne.Dieses Riesenreich ist überall besiedelt, und selbstwenn es »nur« Borstenwürmer sind. Es gibt allerdingseine Ausnahme: die sauerstofflosen Zonen. Dort fühlensich nur Mikroben wohl.6 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heitRZ_Innen_Maquette.indd 611.12.2009 9:34:30 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 711.12.2009 9:34:30 Uhr


Ceratias uranoscopus war keinen Deut hübscher als Holboells Zufallsfund.Thomson beschrieb ihn minutiös, den Körper und die Angel,die ihm auf dem Kopf wuchs, mit dem »birnenförmigen Köder, der ineinem transparenten weißlichen Fleck endete«. Es gebe keinen »vernünftigenZweifel«, dass er und seine Verwandten am Boden lebten.Dort lägen sie verborgen im Schlamm, warteten auf Beute: »Es wirdvermutet, dass sie dabei die Angel samt Anhang als Köder benutzen,aber es ist wahrscheinlicher, dass es sich dabei um ein Sinnesorganhandelt, das ihnen anzeigt, wenn sich etwas Fressbares nähert.«Thomson wäre erstaunt gewesen, wenn er den Anglerfisch einmalauf der Jagd gesehen hätte. In den Angelruten leben in kleinen HauttaschenMilliarden von Leuchtbakterien, die für Licht sorgen – denn inder Tiefsee bedeutet ein strahlendes Etwas oft eine Einladung zu Tisch:Dort unten gibt es leuchtende Würmer, und schimmernde Bakteriensiedeln sich auf Fäkalien an oder auf sich zersetzenden Nahrungsresten,auf von Parasiten befallenen, schwachen Tieren oder Kadavern.Sie sind wie Leuchtsignale, die den Fischen zeigen, dass es hier etwaszu fressen gibt, schließlich bevorzugen diese Bakterien Fischmägen alsLebensraum und wollen auf dem schnellsten Weg dorthin. Ein Lichtin der Dunkelheit bedeutet also eine willkommene Gelegenheit ineiner frugalen Welt. Genau das macht sich der Anglerfisch zunutze.Wenn er jagt, bewegen sich nur seine Augen, und die Spitze der Angelglimmt. Er verharrt regungslos, während das fleischige, sich krümmendeAnhängsel für ihn lockt. Kommt ein hungriger Fisch näher, ist dassein Tod. Wie der Blitz schießt der Anglerfisch vor, reißt sein riesigesMaul auf, schnappt den Kopf des Fisches. Der will fliehen, versucht zuentkommen – und treibt sich durch den eigenen Flossenschlag nochtiefer in den zahnbewehrten Schlund des Räubers hinein. Ein andererAnglerfisch macht es sich noch etwas bequemer. Er muss noch nichteinmal mehr zuschnappen. Galatheathauma trägt das Leuchtorgan direktim Rachen. Wer so unvorsichtig ist, den leuchtenden Köder zuinspizieren, sitzt in der Falle: Galatheathauma braucht sein Maul nurnoch zu schließen.Die Jagdmethoden der Anglerfische erscheinen zwar bizarr, aberdie Räuber der Tiefsee müssen andere Strategien einsetzen als die derlichtdurchfluteten Meereszonen. Dort oben leben die großen Schwärmeder Heringe, Makrelen oder Sardinen. Sie leben im Licht, orientierensich optisch. Um zu überleben, setzen sie auf Geschwindigkeit,auf Gewandtheit, sie bilden Schulen: große Schwärme, in denen sichalle genau gleich bewegen, sodass von der Seite her nicht mehr dereinzelne Fisch zu erkennen ist, sondern nur noch eine silbrige, flirrendeWand. Die Masse bietet Schutz. Ebenso seine Färbung. Von obenbetrachtet verschmilzt ihr bläulich oder grünlich gefärbter Rückenebenso mit der Farbe des Wassers wie ihr silberner Bauch von untenher gesehen mit dem hellen Sonnenlicht.Gejagt werden die schnellen Fische von nicht minder schnellen,starken Räubern wie Thunfischen, Haien, Delfinen, dem Kabeljau,aber auch Kalmaren. Die obersten Meter des Meeres – die epipelagischeZone – sind wie die Savannen Afrikas: Statt der Gnuherdenziehen hier Heringsschulen, und die Rolle der Löwen und Hyänenübernehmen die Raubfische oder die Delfine, die auf Sicht jagen, ihreOpfer einkreisen oder hetzen.In den dunklen Tiefen des Meeres funktioniert diese Strategie nichtmehr. Es zählt auch nicht, schnell und stark zu sein – man muss sich»listenreicher« durchs Leben schlagen und auf die Listen der anderengefasst sein. Wie Stigmatoteuthis arcturi – der Arcturus-Juwelenkalmar.Er lebt tagsüber in bis Metern Tiefe und steigt nachts aufbis in Meter Tiefe. Auf den ersten Blick könnte man ihn für deformierthalten, so weit stehen seine Augen auseinander,und sie sehen auch noch vollkommenunterschiedlich aus: das eine klein, in denMantel eingesunken, das andere sehrgroß, und es scheint regelrechtaus dem Körper hervorzuquellen.Mit diesem Augehält der Kalmar ständigim Wasser über sich Ausschaunach Beute, während daskleine in die dunkle Tiefe starrt, um Feindeauszumachen.Anglerfi sch(Galatheathauma oderThaumatichthys)Größe: bis cmLebt zwischen und rund MeternWassertiefe.Setzt auf so etwaswie köderbestückteMausefallen: Im Maulleuchtet ein Köder –wer danach schnappt,sitzt in der Falle.8 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heit9RZ_Innen_Maquette.indd 811.12.2009 9:34:30 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 911.12.2009 9:34:31 Uhr


Epipelagial mMesopelagial mBathypelagial mAbyssopelagial mHadopelagial mWASSERZONENEtwa Meter tief dringt das Licht ins Meerein – und so weit reicht denn auch das Epipelagial.Darunter folgt die Welt des Zwielichts, dasMesopelagial. Hier hinein dringt nur der blaueAnteil des Sonnenlichts, und auch dieser bläulicheSchimmer wird mit zunehmender Tiefe immerschwächer. Dann, zwischen bis Metern,verlischt er. Darunter beginnt die Zone derFinsternis, zunächst die bathypelagische bis in Metern Tiefe, dann die abyssopelagischeund unter Metern das Hadopelagial, dieZone, die selbst noch die Challenger-Tiefe imMarianengraben umfasst. In den lichtlosen Tiefenbeginnt außerdem jeweils Meter überdem Meeresboden das Reich der benthopelagischenFauna, der Tiefsee-Bodenbewohner. Siesind Bodenspezialisten, deren Welt vom Kontinentalabhangbis in die tiefsten Tiefen der Ebenendes Abyssals reicht. Jede dieser Zonen hatihre eigene Tierwelt.Augen in der NachtSelbst in der stockdunklenDüsternis jenseits der Eindringtiefedes Lichts benutzen viele Tiefseebewohner ihre Augen.In der Zwielichtzone sind sie sogar ganz besonders wichtig. IhreAugen sind auf höchste Empfindlichkeit optimiert – denn die meistenLichtreize dort unten sind nicht sehr hell. Selbst bei einem schwachenSchimmer können sie noch etwas Fressbares auftun oder miteinanderin ihren locker organisierten Gruppen kommunizieren oder einenPartner finden, sogar wenn seine Lichtsignale mickrig sind.Allerdings sind Linsenaugen dann am empfindlichsten, wenn diePupille möglichst weit geöffnet ist und möglichst viel Licht einlässt.Je größer die Augen selbst dabei sind, umso besser. Nun macht eseinem Koloss-Kalmar nicht viel aus, wenn seine Linsenaugen Tellerformatannehmen, aber für einen Fisch wäre das doch sehr störend, weilbei ihnen Augen im XXL-Format recht schnell nicht mehr in den Kopfhineinpassen würden. Daher besitzen viele Fische der ZwielichtzoneRöhrenaugen, also zylindrische Augen, die im Grunde nichts anderessind als der zentrale Teil eines normalen Linsenauges. Die stehen dannzwar etwas vor, doch ihr Vorteil ist, dass sie sehr lichtempfindlich sind,aber trotzdem handhabbar klein bleiben. Allerdings haben sie aucheinen gravierenden Nachteil: Sie engen das Gesichtsfeld stark ein.Die meist gerade einmal fingerlangen Gespenster fische, die in bis Metern Tiefe leben, setzen auf große, oft nach oben gerichteteRöhrenaugen, die noch den schwächsten Lichtschimmer einfangen.Sie werden auch »Hochgucker« genannt, weil die Augen bei denmeisten Arten ständig aufwärts gerichtet sind. Eine der Ausnahmen istWinteria telescopa. Ihre Röhrenaugen sind nicht nur besonders groß,sodass sie wirken, als trügen sie riesige, sich fast berührende Scheinwerferim Gesicht. Mit ihnen starrt Winteria nach vorne, aber dafürunterscheidet sie sogar zwischen dem Umgebungslicht und der Biolumineszenzihrer Nachbarn. Das macht das harmlos wirkende Fischchenzu einem perfekten Jäger – und es entgeht den vielen Lichtfallen,die die Tiefseewesen einander stellen.Gespensterfi sch(Winteria telescopa)Größe: cmLebt in Tiefen zwischen und Metern.Gespensterfische lebenwahrscheinlich alsEinzelgänger. Siewandern nicht, sondernwarten darauf, dassihnen etwas Fressbareszu nahe kommt.10 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heit11RZ_Innen_Maquette.indd 1011.12.2009 9:34:31 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 1111.12.2009 9:34:34 Uhr


Gespensterfi sch(Dolichopteryx longipes)Größe: cmLebt in bis Metern Wassertiefe.Er frisst vor allemKopepoden und anderekleine Krebstiere.Um den Lichteinfall für ihre Röhrenaugen zusätzlich zu verbessern,setzen manche Gespensterfische auf Durchsichtigkeit, was ihr spukhaftesAussehen noch unterstreicht. Dazu zählt Macropinna microstoma,ein fingerlanges Fischchen, das im Grenzbereich zur absoluten Dunkelheitlebt und seinen Kopf mit einem transparenten Schild überzogenhat. Der liegt über den Röhrenaugen, die sich unter diesemSchutz bewegen können: Macropinna kann seine Augen nach vornedrehen, wenn dort etwas Interessantes reizt. Entdeckt hat das BruceH. Robinson vom Monterey Bay Aquarium Research Institute, als erin dem Tiefsee-Canyon direkt vor seinem Institut den kleinen Fischmit einem ferngesteuerten Forschungs-U-Boot ausspionierte. Sobalddas Scheinwerferlicht auf Macropinna traf, leuchteten die Augen unterdem flüssigkeitsgefüllten Schild grün auf.Die grünen Pigmente in den Augen filtern wahrscheinlich das restlicheSonnenlicht aus, sodass Macropinna sich ganz auf jedes noch soschwache Licht konzentrieren kann, das ein anderer Tiefseebewohneraussendet. Ihr außergewöhnlich kleines, zahnloses Maul und diefür den Körper ungewöhnlich großen Flügelflossen verraten, dass dasFischchen eine besondere Überlebensstrategie ausgetüftelt hat. Normalerweisehängt Macropinna microstoma in bis Metern Tiefebewegungslos im Wasser »herum«, hält nach oben hin Ausschau – undzwar nach kleinen Quallen, die sie einfach vertilgen kann, aber wohlauch nach riesigen Staatsquallen wie Apolemia, in deren zehn Meterlangen Tentakeln sich kleine Ruderfußkrebse und andere Lebewesenverfangen – ein Schlaraffenland für Macropinna, solange sie vorsichtiggenug ist, denn Bruce Robinson hat sie im Verdacht, mit ihrem»Mündchen« zwischen den Tentakeln der Staatsquallen auf Diebeszugzu gehen. Mit winzigen Flossenbewegungen steuert das Fischchendann zwischen den tödlichen Tentakeln hindurch, wobei esdie Augen nach vorne klappt, um genau zu sehen, wo einRuderfußkrebschen zu erbeuten ist. Der transparenteSchild schützt dabei die Augen vor dem Quallengift.Koloss-Kalmar(Mesonychoteuthishamiltoni)Größe: bis mLebt in bis zu Metern Wassertiefe.Er ist die Leibspeisevon Pottwalen – undanscheinend keineganz einfache Beute.Viele Pottwale tragenNarben von Kämpfenmit dem wehrhaftenRiesen.SEHEN MIT RÖHREN UND SPIEGELNEin Gespensterfisch hat sogar ganz einzigartige Augen,wie Hans-Joachim Wagner von der Universität Tübingenherausgefunden hat. Es ist der zarte, durchsichtigeDolichopteryx longipes. Er hatte das Problem mit demständigen Nach-oben-Starren wohl gründlich satt undhat deshalb im Lauf der Evolution einen ganz eigenenAugentyp entwickelt. Auf den ersten Blick sieht derDolichopteryx so aus, als hätte er vier Augen. Aberdas täuscht, in Wirklichkeit sind es zwei, aber die sindgespalten. Der eine Teil schaut nach oben, der anderenach unten − falls sich von dort ein Räuber nähert.Das allein ist schon bemerkenswert, aber noch nichtdas Erstaunlichste. Das nach oben gerichtete Auge istdas für die Gespensterfische klassische Röhrenauge −das nach unten sichernde Auge jedoch ein Wunder derNatur: Es hat der Linse abgeschworen und setzt stattdessenauf die »Spiegeloptik«. Diese »Nebenaugen«stecken in einer Art Säckchen, das sich von dem Röhrenaugeabzweigt. Während die eine Seite des Säckchensmit »Spiegeln« aus exakt angeordneten Guaninkristallenbedeckt ist, sitzt auf der gegenüberliegendeneine Netzhaut. Was immer an Licht auf die Spiegelflächefällt, wird auf die Netzhaut projiziert. Weil das Nebenaugeso positioniert ist, dass es das Licht von unteneinfängt, erkennt Dolichopteryx longipes mit seinerHilfe, wenn sich ein Räuber von dort heranpirscht.12 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heit13RZ_Innen_Maquette.indd 1211.12.2009 9:34:34 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 1311.12.2009 9:34:35 Uhr


Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dieseInhaltsverzeichnisPublikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internetunter http://dnb.ddb.de abrufbar.Vorbemerkung – Auflage Das Abenteuer beginnt© by mareverlag, HamburgDagmar 1. Röhrlich Zum tiefsten Punkt –Von schwarzen Von der Rauchern Trieste und und blinkenden dem Traum Fischen vommarewissen MeeresbodenBand : TIEFSEEca. Seiten, mit zahlreichen Illustrationen von Jan FeindtHalbleineneinband, 2. Und sie lebt doch!€ ,– [D] Von / € lebenden [A]*/ sFr. Fossilien und guten wiebösen OmenISBN 3. Flüsse im Meer –Vom Golfstrom und dem Geburtstagwww.mare.de einer Königin4. Verborgene Kontinente –Von der Plattentektonik und demTelegrafenplateau5. Licht in der Dunkelheit –Von Jagd und Tarnung und einem totenLehrer10. Leben auf dem Vulkan −Von Black Smokern und derBegegnung mit dem Schnabeltier11. Die Verlorene Stadt –Vom Leben im Rohrreiniger unddem Abenteuer auf einem Vulkan12. Riffe in der Nacht –Vom Schicksal des Granatbarschsund dem tiefsten Punkt der Welt13. Die Zeichen an der Wand –Vom Stress der Meere und einerglücklichen HeimkehrDagmar Röhrlich, geboren in Aachen, studierte Geologieund arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin. Für ihreArbeiten im Rundfunk und in den Printmedien hat sie etlicherenommierte Auszeichnungen erhalten, darunter den»Georg-von-Holtzbrinck-Preis« für Wissenschaftsjournalismus. Zuletzt erschienen von ihr Evolution auf der Achterbahnoder Warum wir Menschen unsere Existenz einem Vulkanausbruchverdanken und Die Spur des Menschen oderWas die Erde alles aushalten muss . Dagmar Röhrlichlebt in Köln.Jan Feindt, geboren in Lüneburg, studierte Illustrationunter Yirmi Pinkus in Tel Aviv / Israel. Er lebt und arbeitet seit als freiberuflicher Illustrator in Berlin. Seine Arbeitenerschienen unter anderem im amerikanischen Rolling Stone,in Wired, Dazed and Confused und in der New York Times.6. Die Kunst des Hungerns –Von Wanderern in der Tiefsee und einerGelbfieberepidemie7. Wässriges Fleisch –Von Riesenkraken und der Angst vorder Antarktis8. Wer im Schlamm wühlt –Von Dreistelzenfischen und Kerguelenkohl9. Der Weg zur Vielfalt –Von Walbuffet und JagdfieberEpilog − Zeiten des WandelsGlossarLiteratur zum WeiterlesenDanksagungRegister14 TIEFSEE (5)2 TIEFSEE (5) Licht in der Dunkel heit3RZ_Innen_Maquette.indd RZ_Umschlag_Maquette.indd 14 2-311.12.2009 9:34:35 Uhr11.12.2009 9:58:35 Uhr

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