Leseprobe - Mare

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Leseprobe - Mare

Gespensterfi sch(Dolichopteryx longipes)Größe: cmLebt in bis Metern Wassertiefe.Er frisst vor allemKopepoden und anderekleine Krebstiere.Um den Lichteinfall für ihre Röhrenaugen zusätzlich zu verbessern,setzen manche Gespensterfische auf Durchsichtigkeit, was ihr spukhaftesAussehen noch unterstreicht. Dazu zählt Macropinna microstoma,ein fingerlanges Fischchen, das im Grenzbereich zur absoluten Dunkelheitlebt und seinen Kopf mit einem transparenten Schild überzogenhat. Der liegt über den Röhrenaugen, die sich unter diesemSchutz bewegen können: Macropinna kann seine Augen nach vornedrehen, wenn dort etwas Interessantes reizt. Entdeckt hat das BruceH. Robinson vom Monterey Bay Aquarium Research Institute, als erin dem Tiefsee-Canyon direkt vor seinem Institut den kleinen Fischmit einem ferngesteuerten Forschungs-U-Boot ausspionierte. Sobalddas Scheinwerferlicht auf Macropinna traf, leuchteten die Augen unterdem flüssigkeitsgefüllten Schild grün auf.Die grünen Pigmente in den Augen filtern wahrscheinlich das restlicheSonnenlicht aus, sodass Macropinna sich ganz auf jedes noch soschwache Licht konzentrieren kann, das ein anderer Tiefseebewohneraussendet. Ihr außergewöhnlich kleines, zahnloses Maul und diefür den Körper ungewöhnlich großen Flügelflossen verraten, dass dasFischchen eine besondere Überlebensstrategie ausgetüftelt hat. Normalerweisehängt Macropinna microstoma in bis Metern Tiefebewegungslos im Wasser »herum«, hält nach oben hin Ausschau – undzwar nach kleinen Quallen, die sie einfach vertilgen kann, aber wohlauch nach riesigen Staatsquallen wie Apolemia, in deren zehn Meterlangen Tentakeln sich kleine Ruderfußkrebse und andere Lebewesenverfangen – ein Schlaraffenland für Macropinna, solange sie vorsichtiggenug ist, denn Bruce Robinson hat sie im Verdacht, mit ihrem»Mündchen« zwischen den Tentakeln der Staatsquallen auf Diebeszugzu gehen. Mit winzigen Flossenbewegungen steuert das Fischchendann zwischen den tödlichen Tentakeln hindurch, wobei esdie Augen nach vorne klappt, um genau zu sehen, wo einRuderfußkrebschen zu erbeuten ist. Der transparenteSchild schützt dabei die Augen vor dem Quallengift.Koloss-Kalmar(Mesonychoteuthishamiltoni)Größe: bis mLebt in bis zu Metern Wassertiefe.Er ist die Leibspeisevon Pottwalen – undanscheinend keineganz einfache Beute.Viele Pottwale tragenNarben von Kämpfenmit dem wehrhaftenRiesen.SEHEN MIT RÖHREN UND SPIEGELNEin Gespensterfisch hat sogar ganz einzigartige Augen,wie Hans-Joachim Wagner von der Universität Tübingenherausgefunden hat. Es ist der zarte, durchsichtigeDolichopteryx longipes. Er hatte das Problem mit demständigen Nach-oben-Starren wohl gründlich satt undhat deshalb im Lauf der Evolution einen ganz eigenenAugentyp entwickelt. Auf den ersten Blick sieht derDolichopteryx so aus, als hätte er vier Augen. Aberdas täuscht, in Wirklichkeit sind es zwei, aber die sindgespalten. Der eine Teil schaut nach oben, der anderenach unten − falls sich von dort ein Räuber nähert.Das allein ist schon bemerkenswert, aber noch nichtdas Erstaunlichste. Das nach oben gerichtete Auge istdas für die Gespensterfische klassische Röhrenauge −das nach unten sichernde Auge jedoch ein Wunder derNatur: Es hat der Linse abgeschworen und setzt stattdessenauf die »Spiegeloptik«. Diese »Nebenaugen«stecken in einer Art Säckchen, das sich von dem Röhrenaugeabzweigt. Während die eine Seite des Säckchensmit »Spiegeln« aus exakt angeordneten Guaninkristallenbedeckt ist, sitzt auf der gegenüberliegendeneine Netzhaut. Was immer an Licht auf die Spiegelflächefällt, wird auf die Netzhaut projiziert. Weil das Nebenaugeso positioniert ist, dass es das Licht von unteneinfängt, erkennt Dolichopteryx longipes mit seinerHilfe, wenn sich ein Räuber von dort heranpirscht.12 TIEFSEE (5)Licht in der Dunkel heit13RZ_Innen_Maquette.indd 1211.12.2009 9:34:34 UhrRZ_Innen_Maquette.indd 1311.12.2009 9:34:35 Uhr

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