DAS MAGAZIN DER BLAUEN GANS - Uta Gruenberger

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DAS MAGAZIN DER BLAUEN GANS - Uta Gruenberger

E 13,00das magazin der blauen gans


musiK =resOnanzmarKushinterhäuserverfaLLam aBEnd, wEnn diE glockEn friEdEn läutEn,folg ich dEr VögEl wundErVollEn flügEn,diE lang gESchart, glEich frommEn pilgErzügEn,EntSchwindEn in dEn hErBStlich klarEn wEitEn.hinwandElnd durch dEn dämmErVollEn gartEnträum ich nach ihrEn hEllErEn gESchickEnund fühl dEr StundEn wEiSEr kaum mEhr rückEn.So folg ich üBEr wolkEn ihrEn fahrtEn.maRkus hinteRhäuseR im poRtRaitVon uta gRuenBeRgeRuta GruenberGer trifftmarKus hinterhäuser und beKommt ein GediCht.marKus hinterhäuser ist konzertchefder Salzburger festspiele und bewegt indieser manager-funktion einen gar großentrupp von musikkünstlern aus allerwelt nach Salzburg. weil er als internationalrenommierter pianist aber auchselbst die zart besaitete künstlerseelein sich trägt, gibt es tage, an denenseine hochdotierten hände besonderstief in den hosentaschen stecken,wenn er durch die philharmonikergassedes weges ist und SalzburgerEinheimische ihm instinktivdas „grüßgott“ eher zunicken alsihn damit direkt anzugehen oderihn gar zu tagesaktualitäten zubefragen.man könnte dies als instinktiveoder hinterhäuser-spezifischeresonanz Salzburgsauf einen ihrer prominentenBürger bezeichnen. denndie Stadt kennt den ehemaligenmozarteum-Studentenaus la Spezia,bella italia, der mit seinemzeitfluss-festival für moderne musik(199–001) für soviel furore und festspielzusatzfreudensorgte, mittlerweile gut undvon weitem.und markus hinterhäuser, 0, mit einer Salzburgerinverheiratet, kennt die Stadt nach sovielen Jahren des wirkens und werkens wiederumin- und auswendig. Er weiß um ihresämtliche glanz- und Schattenseiten und hatan tagen wie diesen, in seiner kantine „Spoon“vor einer thai-Suppe sitzend, tief im herbstpulloverund in organisatorische Sorgen umskommende festspielprogramm versunken, aufdie frage nach seiner resonanz auf Salzburgnur ein besonders bedeutungsvolles, allumfassendes„Ja mei!“ als antwort. und man verstummtautomatisch, verständnisvoll nickendin einer art still verabredeten, gemeinsamenSchweige-resonanz.weil markus hinterhäuser aber selbst an tagenwie diesen hinter seinem prophylaktischenmuff nie die ihm eigene umgänglichkeit verliert,bekomme ich zwischen asia-huhn undEspresso doppio doch noch eine besonderspersönliche reflektion – ein leise auswendigzitiertes gedicht von georg trakl spendiert.da macht Ein hauch mich Von VErfall ErzittErn.diE amSEl klagt in dEn EntlauBtEn zwEigEn.ES Schwankt dEr rotE wEin an roStigEn gittErn,indES wiE BlaSSEr kindEr todESrEigEnum dunklE BrunnEnrändEr, diE VErwittErn,im wind Sich fröStElnd BlauE aStErn nEigEn.gEorg trakl (191)marKus hinterhäuser Wurde 1958 in La spezia Geboren. erabsoLvierte sein KLavierstudium am Wiener Konservatoriumund am mozarteum saLzburG. mit tomas zierhofer-Kin Warer Gründer und LanGjähriGer Leiter des zeitfLuss-festivaLs(saLzburGer festspieLe) und von zeitzone (Wiener festWo-Chen). seit 2005 ist er KonzertdireKtor der saLzburGer festspieLe.marKus hinterhäuser Lebt in saLzburG.1


Ühne =resOnanzdanielriChterdanieL riChter„resonanzen in und auf saLzburG“dEr dEutSchE künStlEr daniEl richtEr„resonanz“ aLs terminus ist weniger inunabhängiger und unbekümmerter rangehenßern darf – das war unterm Strich dann schonwurdE BEi dEn VErgangEnEn SalzBur-meinem wortschatz. aber in dem moment, wokonnte, musste ich nicht um meinen ruf alsalles sehr angenehm und hat großen SpaßgEr fEStSpiElEn für diE gEStaltung dErich in eine produktion wie den „Blaubart“ imBühnenbildner bangen. denn Salzburg undgemacht.BEidEn BEla Bartok StückE „könig Blau-vergangenen Sommer einsteige, bin ich natür-der nimbus seiner festspiele haben schonda fällt mir ein – ich muss die festspielpräsi-BartS Burg“ und „diE zauBErhirSchE“lich auch in ein resonanz-gefüge integriert.eine enorme Bedeutung, wenn man da zumdentin gleich mal anrufen – Salzburg hat sichalS nEuEr BühnEnBildnEr gEfEiErt.und zwar sehr zielgerichtet ergebnisorientiertersten mal antanzt – quasi den „lackmus-test“ja ein Bild gewünscht von mir – für den oberenSEinE malEriSchE thEatEr-auffaSSung– schon fast wie in einem interpretationskol-bestehen muss. das habe ich anfangs fast alsEingang in festspielhaus – das ist jetzt fertig.liEBtE daS puBlikum EBEnSo wiE diElektiv. ganz im gegensatz zur sonstigen male-psychologische Bedrohung empfunden diemeine spontane, erste idee malte ich zwar inkritik. währEnd dEr gESamtEn produk-rei, die ja als hoch individualisierter, künstleri-sich aber ganz gut in besondere produktivitäteinem Vorab-Entwurf gleich durch – habe ihntionSzEit lEBtE richtEr im arthotElscher prozess abläuft.umsetzen ließ.dann aber doch verworfen, weil ich fand, dass„BlauE ganS“. uta gruEnBErgEr hat ihnin solch einer operngeschichte bin ich mit vie-ich kannte Salzburg vorher ja kaum bis garer seine funktion im Entrée nicht erfüllt. istgEfragt, wElchE rESonanzEn BEi SEi-len Vorgaben konfrontiert – einem inhalt, dernicht. mein erster Eindruck war: leckeresja kein andachtszimmer dort, da darf mannEr künStlEriSchEn ErarBEitung inpartitur, den Vorstellungen des regisseursEssen! und dann als zweites diese riesigennicht zu narrativ malen – kein kompliziertesdaniel RichteR im inteRVieWmit uta gRuenBeRgeRSalzBurg wirkSam warEn.und des dirigenten. da istder dialog, der austauschund letztendlich – ja – diepersönliche resonanz aufdie ideen in den andernSalzBurg nimmt Ja kEinBlatt Vor dEn mund– Schon gar nicht BEikunSt.hallen – diese geradezu furcht-einflössendegröße der festspiel-Bühnen.auf das wunderbare, kulinarische angebothabe ich mich dann recht schnell eingestelltund den herrlichen franz im triangel fastVersenkungsbild fabrizieren. aber schauenwir mal, was Salzburg zu meinem werkschlussendlich meint – es nimmt sichja kein Blatt vor den mund – schon garnicht bei kunst – auch das hab’ ichköpfen natürlich beson-täglich aufgesucht. auch die Bühnenausmaßeganz schnell gelernt. :-)“ders wichtig. So hat sich dann auch erst wäh-gingen mir bald in den kopf. nur diese pro-rend der proben, im gespräch, in der aktion,fessionalisierte österreich-idylle, die Salz-danieL riChter Wurde 1962 in LutjenburGim Spiel mein Bühnenbild immer weiter redu-burg vor sich hin zelebriert, und auch diesen(deutsChLand) Geboren. er studierte an derziert – bis zu diesem letzten „ausbruch“ – das„Scharlaglamour“ als auftrieb zu den fest-hoChsChuLe der biLdende Künste in hamburG,war’s dann.spielpremieren, fand ich schon recht gewöh-bei professor Werner büttner und zähLt zu dender zuspruch, den wir bekamen und der Er-nungsbedürftig. dazu die Salzburger in ihrerbedeutensten GeGenWartsKünstLern. danieLfolg waren natürlich schon sehr fein für diekonzentrierten Entspannung und moralischenriChter Lebt und arbeitet in berLin, hamburGSeele. auch wenn ich als freier künstler vielVerwahrlosung – falls man das vorsichtig äu-und Wien.


literatur= resOnanzthOmasOberenderthomasim intervieW:thomas oberenders WahrnehmunG von saLzburGoBeRendeRthomaS oBErEndEr, 1966 in JEna gEBorEn und in wEimar aufgEwachSEn,iSt dEr BiSlang JüngStE SchauSpiEldirEktor, dEndiE SalzBurgEr fEStSpiElE JE hattEn. SEit drEi JahrEn lEBt Ermit SEinEr frau BEttina – zukünftigE dramaturgin am landESthEatEr– und SEinEm Sohn Edwin in SalzBurg. mit SEinErBEgEiStErung für diE hiStoriSchEn StättEn und wurzEln diE-SEr Stadt iSt ES ihm zum BEiSpiEl glEich zu amtSantritt gElungEn,diE lEgEndärE wiEgE dEr fEStSpiElE, max rEinhardtSSchloSS lEopoldSkron, nach üBEr SEchzig JahrEn wiEdErfür daS fEStiVal SElBSt zu öffnEn.uta gruEnBErgEr hat ihn zu SEinEr wahrnEhmung Von Salz-Burg BEfragt.Gänsehaut: Wie ist dein Lebensgefühl in der stadt?(auch deiner familie?)im grunde hat man für den urlaub, den man als Ortsansässiger in dieserstadt gerne jederzeit machen möchte, in meinem beruf leider kaum zeit.aber der luxus, in nächster nähe zu diesen seen und bergen zu leben, istsehr wohltuend, wenngleich eher latent als wirklich manifest in meinemalltag. und so bleibt das Verwöhntwerden der augen und sinne beim täglichenWeg ins büro durch den mirabellgarten, über den mozartsteg undalten markt – es ist wie ein dauerurlaub in einer Fotopostkartenwelt, schönund so unberührbar zugleich. es ist ein Ort, um zur ruhe zu kommen.Gänsehaut: Was ist für dich (als zugereister) das besondere?Was fasziniert dich?im grund reist die alte und neue Welt jeden sommer nach salzburg nichtanders, als in das sterbende Venedig – beide male lockt die Wiederbegegnungmit der alten Kultur, ein gesamtkunstwerk aus ewigem barock, bergen,seen, mozart-lieblichkeit und gutem essen. dasist wie eine reise in thomas manns lagunenstadt, zu zunäChst sind essan marco und der Fahrt mit der gondel, immer auf siCher mensChen, dieden spuren einer morbiden schönheit, von der man man durCh sein eigenestun in eine geWissejedes Jahr glaubt, man erlebe sie vielleicht zum letztenmal. und in ihrem goldenen zeitalter eingefrorene sChWingung Versetzt.Orte wie salzburg, Weimar oder Venedig sterben so erfolgreich,nicht nur weil sie ihr erbe so reaktionär bewahren, sondern aucherneuern. Venedig, das ist nicht nur der Canal grande, der lido-zauber,sondern auch die biennale, das oftmals verstörende, betörende mekka derbildenden Kunst. das hält Venedig aus – so wie salzburg die Festspiele.Gänsehaut: Was fehlt dir hier? Was könnte anders sein?die stadt ist sehr überschaubar, wenngleich nicht wirklich durchschaubar.sie weckt bisweilen ein bedürfnis nach anonymität, nach der gleichgültigkeitder großstadt, in der man sich nirgends anschließen muss,keinem zirkel oder Kreis angehören muss und nichts darstellt, als das,was man ohne titel und amt tatsächlich zu sein glaubt. die moderne architekturin der stadt sorgt oft an ganz unerwarteten stellen für wirklichgroßstädtische Überraschungen. aber die Chance, bei markanten neubautenwirklich akzente zu setzen, wie beim neubau des kleinen Festspielhauses,der umgestaltung des Furtwängler-Parks oder dem neubaudes museums der moderne ist vertan worden.8


diE Stadt iSt Ein BollwErk. diE Stadt iSt EinEBühnE. diE Stadt iSt Ein dorf. diE Stadt iSt EinfrEilandmuSEum. diE Stadt iSt himmliSch.diE Stadt iSt oBSzön oB So ViEl rEichtum undSo groSSEr angSt. diE Stadt iSt muSik.da entstanden trotz enormer anstrengungen harmlose Kompromiss-ne arbeit. dazu zählen auch die Publikumsreaktionen am abend bei denbedenklich ist es, dass die Festspiele eine solche macht entwickelt haben,den Weg zum büro nicht mehr achtzehn, sondern nur noch zwölf minutenbauten, die man sich, kaum sind sie da, schon wieder erneuert wünscht.Vorstellungen, die besucherbriefe, anrufe. zur resonanz gehört die er-dass sie sich allein schon in der vorausseilenden Form der ihr entgegen-braucht und der mozartsteg nach Wochen der blockade durch fotografie-die berliner bauen da lieber gleich ihr altes stadtschloss wieder auf.regung, das angeregtwerden, das Überspringen eines impulses – auchgebrachten, allgegenwärtigen devotion manifestiert? bei gleichzeitigerrende touristengruppen endlich wieder halbwegs passierbar ist. und zu-Gänsehaut: Wo hast du resonanz erfahren in der stadt?die resonanz ist ja ein vieldeutiger begriff – sie kann einen Widerhallbedeuten, den man von unterschiedlichsten dingen oder umständen beziehtoder in ihnen auslöst. zunächst sind es aber sicher menschen, dieman durch sein eigenes tun in eine gewisse schwingung versetzt, bzw.von denen eine energie ausgeht, die einen selbst mitschwingen lässt.markus hinterhäuser ist solch ein mensch mit ganz eigener, frei bleibenderschwingung. Oder die Verlegerin mona müry. Oder eine magischePhysiotherapeutin wie eva Kuschnigg. aber auch soziale Körper könnendergleichen auslösen. die Festspiele z.b. sind ein solcher generatorguter schwingungen, oder ein gutes lokal wie scios specereien oder dieblaue gans oder das triangel, wenn man zur rechten zeit kommt. unddann gibt es die resonanzen im sinne eines medienechos auf die eige-das habe ich erlebt, indem menschen mich spontan auf erlebnisse imschauspielprogramm ansprechen und etwas loswerden wollen. Obgleichsalzburg eine stadt ist, in der vieles nicht nur zwei gesichter hat, sonderngar keines und man somit in das innere der häuser und haltungenals Fremder kaum vordringt. das schwert der salzburger, scheint miroft, ist ihr lob. man muss sich von ihm unabhängig machen, damit siees auch so meinen. die beipflichtenden menschen sind nicht selten diegefährlichsten sterbehelfer. aber das trifft wahrscheinlich auf jeden Ortvon so kompakter struktur und ähnlichem geschäftssinn zu, obgleich derFestspielwahnsinn, der mozartwahnsinn und der bilderbuchwahnsinndies alles noch verstärken. entsetzlich ist, dass diese stadt so klein ist,tatsächlich im statistischen sinne. hier ist alles mit allem verbandelt undman ist auf so kleinem raum zu engster abstimmung verpflichtet – dieauch immer, getreu dem Festspielmotto, ein spiel der mächtigen ist. Wieignoranz dessen, was bei den Festspielen wirklich passiert oder geleistetwird oder eben nicht? sie verkaufen im sommer das Vierfache der Kartender bayreuther Festspiele – das ist nicht mehr steigerbar und zeigt zugleich,dass die energie, die von den Festspielen ausgeht, eigentlich etwaszum schwingen bringt, das sich diese stadt zwar zum Ort wählt, aber nichtder Ort ist. das fasziniert. dieses mitdenken des zweiten Ortes, der innerhalbdieser stadt lebt und doch in ihr nie aufgehen kann und darf. manmuss sich in dieser stadt bewegen wie auf einer seance, denn am tischsitzen immer mehr menschen, als sich gerade an den händen halten. diesegeister muss man herunterbeten. dann stimmt die schwingung.Gänsehaut: Lösen die festspiele etwas aus, was nach deren ende aufdich oder als spürbare stimmung insgesamt weiterwirkt?nach ihrem ende passiert etwas merkwürdiges: aufatmen, dass man fürgleich der große Katzenjammer – die müdigkeit setztein, der adrenalinspiegel sinkt und all der austausch man Kann niCht unterden Felsen deshat ein ende. Für zehn monate arbeit gab es fünf Wochenrückstrahlung und ausstrahlung, danach beginntwieder das leben im elfenbeinturm des büros Ohne an thOmas bern-mÖnChsberges stehen,auf dem mönchsberg bzw. das umherfahren auf den hard zu denKen …Wegen des geschäftsreisenden, zu dem man selbstwieder wird. Kunst – das war die kurze zeit des abenteuers, in der mansah, wie die eigenen ideen ins leben treten, raum greifen oder verpuffen.die Wirtsleute machen erst mal urlaub, man selbst in Windeseile dasnächste Programm, und dann ist die stadt im november plötzlich wiederleer, wie man selbst, und gehört den gärtnern im mirabellpark, die übernacht die blumen aus den rabatten nehmen. um in der stadt zu leben, istes die schönste zeit.01

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