und Einleitung (98 KB) - Herbert Utz Verlag GmbH

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s 131 EinleitungVor der eigentlichen Fragestellung dieser Arbeit, der Frage, wiezwei so unterschiedliche Kulturen wie Japan und Deutschland undzwei in so unterschiedlichen Abschnitten ihres Schaffens stehendeAutoren wie Tanizaki Junichirô und Thomas Mann zwei sich aufden ersten Blick in vielem ähnelnde Texte hervorgebracht haben,stellt sich die Frage, ob und wie zwei derartige Texte überhauptmiteinander verglichen werden können.Dass dieses Problem der Vergleichbarkeit nicht nur in der vergleichendenLiteraturwissenschaft von großer Bedeutung ist, zeigtzum Beispiel auch ein Blick in die Verfassung der BundesrepublikDeutschland. Einer der wesentlichen Gedanken dieser Verfassungbesteht im Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der sich aus demGleichheitsgrundsatz aus Art. 3. 1 GG ableitet, demzufolgewesentlich Gleiches nicht ungleich behandelt werden darf undwesentlich Ungleiches nicht gleich behandelt werden darf 2 .Obwohl dieser Grundsatz nicht so ohne weiteres auf die Literaturübertragen werden kann, ist er für Vergleiche so elementar, dasser als Ansatz auch für eine literaturwissenschaftliche Untersuchungverwendet werden kann. Allerdings stellt sich hierbei dieFrage, was „gleich“ und „ungleich“ eigentlich bedeuten. Vieles inden beiden Texten erscheint, wie gesagt, auf den ersten Blickgleich, aber es wird zu untersuchen und zu interpretieren sein, obdies wirklich der Fall ist. Hinzu kommt an dieser Stelle noch, dasskulturspezifische Unterschiede oder überhaupt kulturspezifischePhänomene nicht absolut, sondern ihrem Wesen nach arbiträrsind, da sie von der jeweiligen Kultur ihre jeweilige Bedeutungzugewiesen bekommen haben, die sich wiederum aus derGeschichte dieser unterschiedlichen Kulturen ableitet. DieseWillkür bei der Sinnerzeugung kultureller Phänomene ist einweiterer Punkt, der den Vergleich von Ungleichem ermöglicht,da dadurch die Unterschiede an sich relativiert werden 3 .23Vgl. Hesselberger , Dieter: Das Grundgesetz, Bonn 1990, S. 77 f.Vgl. Said, Edward W.: Orientalism. Western Conceptions of the Orient,

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