10 Home of FIFA, Zürich - Architektur & Technik

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10 Home of FIFA, Zürich - Architektur & Technik

10Architektur & Technik 4-07Home of FIFA, Zürich


11In derLichtungSeit 1932 ist die Fédération Internationale de Football Association(FIFA), der Weltfussballverband, in Zürich ansässig.Seinem Status verleiht das neue Home of FIFA auf demZürichberg angemessenen Ausdruck. Beteiligte sprechen voneinem Versailles. Der edle Bau passt sich allerdings souveränin die Umgebung ein. Text: Manuel Pestalozzi, Fotos: FIFAWeltorganisationFussball ist in einem Grossteil der Länder unserer Erde die Breitensportartpar excellence. Das Treten nach dem Leder fasziniertGross und Klein; jenen, die darin besonders begabt sind, ist derWeg zu Ruhm und Reichtümern offen. Die FIFA ist eine jener Organisationen,die den Spielbetrieb regelt. Sie verwaltet dieFaszination am Fussball und hat Anteil an den erwähnten Reichtümern.Als es darum ging, mit dem neuen Operations Centre eine neue«Heimat» für die FIFA zu schaffen, musste einerseits die Internationalitätder Organisation, andererseits ihr Status als Pforte zumFussballuniversum berücksichtigt werden. Vom ursprünglichenDomizil an der Bahnhofstrasse in Zürich war die FIFA in den 50erJahren an den Sonnenberg hoch über der Stadt aufgestiegen, wozur Jahrhundertwende auch ein ehemaliges Hotel übernommenund ausgebaut wurde (vgl. A&T 08-2000). Für das neue «Home»evaluierte man im Grossraum Zürich rund 30 Standorte. Mit derehemaligen Sportanlage der Credit Suisse auf der Allmend Fluntern,auf dem Zürichberg-Rücken unweit des Zoos gelegen, entschiedman sich für ein Gelände, das sich nicht nur in der Nähedes Standortes Sonnenberg befindet, sondern auch hinsichtlichrepräsentativem Auftritt ein unverkennbares Potenzial besitzt: Dasüber eine kurze Allee erschlossene Grundstück liegt in einer leichtenSenke und ist auf zwei Seiten von Wald begrenzt. Zwar bietetes keine atemberaubende Aussicht, kann aber in der parkartigenLandschaft als eigentlicher Palast in Erscheinung treten. Dass anlässlicheiner Medienpräsentation des Home of FIFA gleich zweiReferenten einen Vergleich mit dem Königspalast in Versailles zogen,mag republikanisch gesinnte Zeitgenossen irritieren, ist aus


12Architektur & Technik 4-07Home of FIFA, ZürichAuf das grosszügige Foyer folgt ein offener Hof. Über dem Foyer «hängt»der grosse, mit Aluminiumpaneelen verkleidete Konferenzsaal, darunter befindetsich der völlig abschottbare Sitzungssaal des Exekutivkomitees.der Sicht des Architekturkritikers aber ein interessanter, nicht unpassenderund auch nicht negativ aufzufassender Hinweis auf dieWirkung, die das Gebäude mit seinem Umfeld erzeugen möchte –mit Erfolg, wie sich anfügen lässt.«Pavillon» im ParkIm Gegensatz zur Residenz von Louis XIV vor den Toren von Paris,kann beim Home of FIFA von einer Beherrschung der Natur durchdie Architektur keine Rede sein: Das von der ArchitektinTilla Theus projektierte, 134 Meter lange und 41 Meter hohe Gebäudebesitzt eine relativ bescheidene Höhe von zwölf Metern,zu den drei überirdischen Geschossen kommen deren fünf unterdem Boden.Der Bauherrschaft wie auch der Architektin waren der Respektvor der Umgebung ein wichtiges Anliegen – die Waldlichtungauf der Allmend bestimmte gewissermassen die Architektur. Dasich der Neubau ziemlich exakt im Zentrum des insgesamt44 000 Quadratmeter grossen Grundstücks in einer sanften Geländemuldebefindet, ist er vom öffentlichen Raum her fast nichtwahrnehmbar und seine Präsenz entsprechend diskret. ImGrunde genommen wirkt er wie ein grosser Pavillon, in den Wortender Architektin ist er ein «präzis konturierter, schwebenderKörper, der seine Kraft aus der Kompaktheit und Schwerelosigkeitbezieht».Die Annäherung von der öffentlichen Erschliessungsstrasse herist grandios und effektvoll inszeniert. Auf den ersten Metern erinnertsie allerdings eher an den Rad- denn an den Fussballsport,konkreter: an den Klassiker Paris-Roubaix. Die schmale Allee derfrüheren Sportanlage konnte über rund 50 Meter erhalten werden,ihr Belag ist ein stilechter Pavé. Hinter der Allee schlängelt


15Aluminium-Folie, amerikanischer Nussbaumund «Freizeitfarben» – der Weg über das Pavézum Home of FIFA führt zu zahlreichen sinnlichenEindrücken. Fotos Manuel Pestalozzielemente die vertikalen Erschliessungszonen mit sich kontinuierlichüber die Geschosse hochwindenden Lichtbändern, respektiveund auf und ab gleitenden kubischen «Leuchten».Dank der Intervention des Lichtkünstlers James Turrell ist dasGebäude innen wie aussen zu einem verzauberten Nachtlebengekommen. Auch das Element Wasser trägt im Foyer, im Untergeschossdes «Kopfbereichs» und im Hof zu einer Architekturbei, die alle Elemente eines dezenten, ausgewählten Luxus imzeitgemässen «Internationalen Stil» gekonnt vereint.Assoziationen zum «Geschäft» der FIFA lassen sich in deren«Home» wenige machen, der Fussball und seine Accessoires tretensehr diskret in Erscheinung, doch das Gefühl der Weitläufigkeitauf dem Areal, in der Foyerzone und im Innenhof lassen spüren,dass Fussball eine Tätigkeit ist, die sich in der Regel unterfreiem Himmel, auf freiem Feld abspielt.«Zero Emission»Ambitiös war bei diesem Gebäude, das so sehr im Einklang mitder Natur und seiner Umgebung stehen will, auch das Haustechnikkonzept.Man strebte nicht weniger als einen «Zero Emission»-Bauan. Konkret bedeutete dies den Verzicht auf fossile Energieträgerund CO2-Emissionen, den Einsatz von energieeffizienterTechnologie, die optimale Nutzung der gleichzeitigen HeizundKühlanforderungen im Betrieb, eine einfache modulareTechnik für hohe Versorgungssicherheit sowie günstige Investitions-und BetriebskostenDie Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über vier baugleicheWärmepumpeneinheiten mit je zwei Verdampfern und zwei Kondensatoren.Wird im Gebäude gleichzeitig Wärme und Kältebenötigt, entzieht die Wärmepumpe dem Kältenetz Wärmeund übergibt diese Wärme dem Wärmenetz. Im Winterbetrieb


16Architektur & Technik 4-07Home of FIFA, ZürichDer Andachtsraum für fünf Religionen ist ein hinterleuchteter,freigestellter Basaltkörper. Er befindet sich in einem Untergeschoss desGebäudes.können einzelne Wärmepumpeneinheiten auf nur Heizbetriebumgeschaltet werden. In diesem Betriebszustand funktioniertdie Wärmepumpe wie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die derFortluft der Lüftungsanlagen und der Aussenluft Wärme entzieht.Im Sommerbetrieb können einzelne Wärmepumpeneinheiten aufnur Kühlbetrieb umgeschaltet werden. In diesem Betriebszustandfunktioniert die Wärmepumpe wie eine Kältemaschine mit hybridenRückkühlern, die Überschusswärme an die Aussenluft abgibt.Büros und Sitzungszimmer werden über ein Quellluftsystemmit frischer Luft versorgt. Die aufbereitete Aussenluft wird korridorseitigin Bodennähe eingeblasen und die Abluft fassadenseitigim Deckenabsatz gefasst.Die Beheizung und Kühlung der Räume erfolgt über eine aktivierteDecke, die im Vierleiter-System angeschlossen ist. ExponierteRäume (z. B. Eckbüros) können zusätzlich mit Bodenheizungbeheizt werden.Ein horizontales Lichtband korridorseitig und eine Fassadenbandleuchtean der Decke sorgen für eine angenehme Grundbeleuchtung,die auf Wunsch mit zusätzlichen Steh- oder Tischleuchtenergänzt werden kann. In diesem Bereich treffen sich Sinnlichkeitund Funktionalität wieder, wie dies im «Home of FIFA»an zahlreichen anderen Orten festzustellen ist.Insgesamt lässt sich bei diesem neuen, repräsentativen Gebäudesagen, dass das Resultat gelungen und sein Aussage verständlichist. Die FIFA darf sich über ein siegreich abgeschlossenes, identitätsstiftendes«Heimspiel» freuen.■Bauherrschaft:FIFA Fédération Internationale de Football Association, ZürichArchitektur:Tilla Theus und Partner AG, ZürichTotalunternehmer:HRS Hauser Rutishauser Suter AG, Zürich

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