Wie wäscht man einen Elefanten? Teil 2 - Starke Stücke Rhein-Main

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Wie wäscht man einen Elefanten? Teil 2 - Starke Stücke Rhein-Main

Als Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler einander kennen lernten,sagte Benn zu der Dichterin:„Ich möchte einmal etwas ganz Großes, etwas ganz Reines vollbringen.“Darauf sprach Else Lasker-Schüler:„Dann waschen Sie doch einen Elefanten!“


„Erzähle mir und ich vergesse.Zeige mir und ich erinnere.Lass es mich tun und ich verstehe.“(Konfuzius, chinesischer Philosoph, 551 - 479 v. Chr.)VorwortEine Reise beginnt nicht erst am Ort, sondern mit denvielfältigen Reisevorbereitungen. Und sie endet nichteinmal, wenn der Koffer wieder im Schrank steht, dasschönste Souvenir seinen Platz gefunden hat. Denn dieEindrücke begleiten uns noch lange.In diesem Sinne möchten wir Sie mitnehmen auf eineReise ins Theater. Wir möchten sie ermutigen, gemeinsammit ihren Schülern das Theater schon vorher im Spiel zuerforschen, für den Theaterbesuch die Aufmerksamkeit zuschärfen und hinterher das Erlebte zu vertiefen.Gemeinsam mit einem Team von Theaterpädagogenmöchten wir die guten Erfahrungen mit dieser Art vonTheaterbegleitung mit Ihnen als Lehrer teilen und für Sienutzbar machen.Sie fi nden in dieser Broschüre Übungen und Spiele, dievielfach erprobt wurden, die für die Schule und für dasKlassenzimmer geeignet sind, die sich ohne großen Aufwandrealisieren lassen und die sich vor allem auf diesinnliche Wahrnehmung und den körperlichen Ausdruckkonzentrieren.Wir bieten Ihnen, unseren theaterbegeisterten Partnernin den Schulen, damit eine Ideensammlung, um das Theaterund ihre Schüler als Theaterzuschauer intensiver zu erfahren.Und wenn Sie für all das keine Zeit fi nden – kommen Sieeinfach so ins Theater, wir freuen uns auf Sie.Gute Reise!Nadja BlickleKulturRegionFrankfurtRheinMain,Starke StückeSusanne FreilingTheaterhaus Frankfurt,Starke StückeIlona SauerASSITEJ e.V.fl ux, Theaterfür Schulen


GrußwortDie Region Frankfurt-Rhein-Main arbeitet zusammen fürdie Kunst, die Künste zu vermitteln.Das Ziel dieser Broschüre ist es, Kinder und Jugendlichean das Theater heran zu führen und die Kunst des Zuschauenszu vermitteln. Theater kann man nicht aus Schulbüchernlernen, Theater muss man ganz praktisch erlebenund erfahren, denn Theater ist die vielleicht komplexesteKunstform überhaupt. Das macht es so reizvoll: Auf derBühne fl ießen bildende Kunst, Musik, Literatur und Tanzganz organisch zusammen. Theater ist eine Schule desLebens.In einer so vielfältigen Region wie dem Rhein-Main-Gebietmit Menschen aus allen Teilen der Welt mit verschiedensterkultureller Herkunft gilt es, sich immer wiedereiner gemeinsamen Sprache zu vergewissern, auch dergemeinsamen Sprache der Theaterkunst.Deshalb ist ein Netzwerk entstanden, in dem die Vermittlungvon Theater für Kinder und Jugendliche imMittelpunkt steht. Theaterveranstalter, Theaterkünstlerund Theaterpädagogen, alle zusammen tauschen sich ausüber ihre gemeinsame Leidenschaft, das Theater für jungeZuschauer.Diese Broschüre für theaterbegeisterte Lehrerinnenund Lehrer ist ein Ergebnis dieser Arbeit. Das Konzept derspielerischen Vor- und Nachbereitung von Theater wurdeim Rahmen des internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestivals„Starke Stücke“ gemeinsam entwickelt underprobt, es stellt die Kunst des Zuschauens in das Zentrumder Arbeit.Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit derInternationalen Vereinigung des Theaters für Kinder undJugendliche (ASSITEJ e.V.), die sich mit uns zusammen starkmacht für qualitätsvolles Kinder- und Jugendtheater.Wir wünschen allen Lehrern, Pädagogen, Erziehern undTheaterleuten schöne Erfahrungen im Theater und bei denVor- und Nachbereitungen im Klassenzimmer.Prof. Dr. Felix SemmelrothKulturdezernent Frankfurt am MainAufsichtsratsvorsitzenderKulturRegion FrankfurtRheinMainThomas WillLandrat des Kreises Groß-GerauAufsichtsratsvorsitzenderKulturRegion FrankfurtRheinMain


Ein neuntes Weltwunder?Die Kunst, Kindern und JugendlichenTheater zu vermittelnTheater ist eine wahrhaft gelebte Tradition. Die DarstellendenKünste gehören seit Jahrtausenden zum kulturellenLeben, seit Jahrhunderten widmen sie sich auch dem Zielpublikumder Kinder und Jugendlichen. Von Anfang an giltdie Devise, Dramatisches zu bieten, ein Leben lang. KinderundJugendtheater hat etwas zu zeigen, etwas zu sagen,etwas zu vermitteln. Eindrücke und Ausdrücke, Haltungenund Handlungen, Erfahrungen und Erkenntnisse. Auf derBühne werden Geschichten erzählt, aber erst mit dem Publikumentstehen daraus Bilder und Bedeutungen. Das istein Wunder! Deshalb ist Theater nicht nur Weltkulturerbe,sondern sollte auch als neuntes Weltwunder entdecktwerden. Und all dieses Wunderbare pfl egen die Schauspieler,Autoren, Regisseure, Musiker, Dramaturgen, Techniker,Kostüm- und Bühnenbildner für die junge Generation.Fehlen noch die Pädagogen, die vom Theater und die vonder Schule; denn Theater ist Teil kultureller Bildung undgehört im besten Falle zum Schulalltag.In der Begegnung mit dem Theater wird Differenzerfahrungdurch bewusste Wahrnehmung und Refl exion möglich.Hier können konventionelle Handlungen aufgelöst und dieWelt auf die Probe gestellt werden.Wird der Theaterbesuch noch gekoppelt mit dem DarstellendenSpiel in der Schule, dann wächst zusammen, waszusammengehört. Damit die Kooperation zwischen Theaternund Schulen gelingt, sind Schulbudgets für Theaterbesucheund Schulgastspiele notwendig, müssen Künstler,die in Schulen arbeiten, genauso gut bezahlt werden wieLehrer und muss endlich der Lernbereich „Kulturelle Bildung“verpfl ichtend eingeführt werden, damit alle Schülermindestens zweimal im Jahr eine Theateraufführung besuchenund in der Schule in allen Schulstufen und -formenTheater spielen können.Denn das Schau-Spiel geht nur mit Zuschau-Spielern!Prof. Dr. Wolfgang SchneiderVorsitzender der ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland


InhaltReisevorbereitungen 8Warm werden 10Countdown 10Konzentrationsspiel 10Der unsichtbare Ball 11Stop and Go 11Wo ist Paul? 11Zuschauer ist auch eine Rolle 12Ich stelle mein Fernrohr scharf 13Quadratmeterforschung 13Etwas ist anders 13Theaterdetektive 14Zeichen lesen und deuten 15Ein Ball ist kein Ball 16Was machst du da? 16Gesten sammeln 17Lampenfieber 18Im Rampenlicht für 5 Sekunden 18Auf die Bühne fertig los 19Ich bin ein Baum 19Mit Gefühl 19Der Inszenierung auf der Spur 20Assoziationswolke 21Erster Einfall 21Vom Wort zum Bild 21Ein Bild sagt mehr als tausend Worte 22Internet Recherche 22Vom Text zur Geste zur Handlung 23Theaterformen entdecken 23Objekte / Puppen / Material 24Alltagsgegenstände werden lebendig 24Landschaften bauen – Geschichten entdecken 25Kleider machen Leute 25Zeitungsmodenschau 25


Musik und Bewegung 26Verwandlungszauber 26Folge dem König! 26Sprache 27In allen vier Ecken… 27Dialog im Spalier 28Ein Stuhl ist ein Stuhl 28Über den Bach! 29Spiele, Spiele, Spiele! 31Auf alles eine gute Frage haben 37Theater aus der Kiste 38Wer wir sind 40Serviceteil 41Impressum 43Der Theaterbesuch 32Erinnern, Sammeln, Weiterspielen 34Erinnerungsfetzen 34Lieblingsmomente 34Mini-Szenen 35Das Stück in Standbildern 36Eine Szene – viele Möglichkeiten 36Theater aus Knete 36


ReisevorbereitungenSchule: lat. schola von griechisch σχολή, skoleUrsprungsbedeutung: „freie Zeit“, „Müßiggang, Nichtstun“, „Muße“später: „Studium, Vorlesung“Schule kann ein Zeit und Raum fressendesMonster sein. Ein oftmals lauter,schneller und erschöpfender Betrieb.Für Lehrerinnen und für Schüler. FürSchülerinnen und für Lehrer.Alle Zeiten verplant?Über Zeit lässt sich philosophieren undZeit kann Gegenstand ästhetischenForschens der Schülerinnen und Schülersein. Aber wer sich in der Schule mitTheaterspiel beschäftigen will, solltesich vorher das Kostbarste überhauptverschaffen: Muße. Eine Zeit, in der esStille geben kann. In der keine Störungenvon außen geduldet werden. In derman gemeinsam atmen kann. In der aufRituale und Form geachtet wird. Erstdann wird Spiel möglich. Und auch dieBegegnung mit Kunst benötigt Zeit undMuße. In einem kreativen Prozess ist esnötig, zu verweilen oder Umwege zu gehen,sich in Sackgassen zu begeben undsich dem Unbekannten auszusetzen.Nehmen Sie sich Zeit!Alle Räume belegt?Raum spielt gleichermaßen eine Rolle inPhysik, Sport, Mathematik, Philosophie,Literatur wie im Theater und schonsind wir mitten im fächerübergreifendenLernen.Die begrenzten Räume in der Schulelassen sich auch als Herausforderungbetrachten: Was gibt es in diesem Raumfür das Theaterspiel zu entdecken?Ist der Lehrertisch die Bühne und sinddie Schülerplätze der Zuschauerraum?Oder vielleicht umgekehrt?Scheinbare räumliche Grenzen könnenvon den Schülern untersucht undunter theatralen Gesichtspunkten beleuchtetwerden: Das ganze Klassenzimmerist eine Bühne und der Unterrichteine Inszenierung.Schulhöfe, Physikräume, Turnhallenund Materialiensammlungen könnenzu Schauplätzen für Geschichten, Performancesund kleinen Inszenierungenwerden. So entstehen neue, von denSchülern gestaltete Spielräume.8


Und wer sich nicht vom Schulraumbegrenzen lassen will, kann ihn auchverlassen. Es ist immer gut, wenn Schulesich ihrer Nachbarschaft öffnet. Derbenachbarte Platz, das freie Feld, derWald oder die Stadt sind Spielräume fürtheatrale Aktionen. Und nicht zuletztgibt es so manche Theater, in denen Siemit den Schülern Theater spielen können– fragen Sie danach!Es geht los!Die hier beschriebenen Spiele undÜbungen sind für verschiedene Schulstufengeeignet. Der Zeitaufwand liegtbei ca. 10 bis 30 Minuten. Prinzipiellkönnen die Übungen in Gruppen biszu 30 Personen durchgeführt werden,intensiver ist das Erlebnis natürlich inkleineren Gruppen. Alle Übungen sindoffen für Varianten. Sie kennen IhreSchüler am besten, experimentierenSie oder lassen Sie die Schüler eigeneVarianten fi nden. Viel Spaß!„Die Spielregel ist kein Verbot.Sie stellt eine Frage:Was ist innerhalb der Begrenzung möglich?“9


Warm werdenZiel der folgenden Übungen ist es, dieKonzentration auf etwas Gemeinsamesherzustellen, sich gegenseitig zuzuhörenund die Wahrnehmung zu schärfen. Sieeignen sich als Anfangsspiele oder auchals Ruhestifter zwischendurch (übrigensauch außerhalb von Theaterarbeit!)CountdownAlle stehen im Kreis oder so, dass jedergenug Platz hat. Alle heben den rechtenArm und zählen gemeinsam im Rhythmus:8, 7, 6, 5... 1. Die Spielleiterin gibtdie Geschwindigkeit vor. Bei jeder Zahlwird der rechte Arm im Rhythmus ausgeschüttelt.Als nächstes kommen derlinke Arm, dann die Hüfte und nacheinanderbeide Beine dran. NächsterDurchgang: 7,6,5...1, dann: 6,5,4...1 usw.Wichtig ist, dass dabei alle aufeinanderachten und den gleichen Rhythmus halten.Variante: Nur leise im Kopf zählen.KonzentrationsspielDie Klasse steht im Kreis, so dass allesich sehen können. Ziel ist es, bis 20 zuzählen, ohne dass festgelegt wird, werdie nächste Zahl sagt. Der Spielleiterbeginnt: „Eins“. Wer sagt „Zwei“? Esgilt, aufeinander zu achten und dadurchzu spüren, wer als nächster sprechenwird. Keine Tricks, wie z.B. einfach imKreis herum zählen! Wird eine Zahlgleichzeitig von mehreren gesagt, gehtes wieder bei „Eins“ los.Variante: In Schwierigkeitslevel 2 wirddas Gleiche mit geschlossenen Augengespielt!10


Der unsichtbare BallAlle stehen im Kreis. Die Spielleiterinbeginnt, einen unsichtbaren Ball in langsamem,gleichmäßigem Tempo unter ihrenFüßen hindurch im Kreis zu „rollen“.Nacheinander heben alle in der richtigenReihenfolge die Füße, um den imaginärenBall durchzulassen. Achtung, dasTempo nicht steigern!Paul hebt seinen rechten, dann seinenlinken Fuß, Aysu, die links nebenihm steht, hebt ihren rechten, dann denlinken Fuß…Variante: Den Ball stoppen und einenRichtungswechsel vornehmen oder einenzweiten Ball in die andere Richtungmit den Händen weitergeben.Stop and GoAlle gehen kreuz und quer durch denRaum, der ganze Raum soll eingenommenund wahrgenommen werden. DasTempo wird vom Spielleiter vorgegeben,variiert und von der gesamten Gruppeaufgenommen. Irgendwann stoppt derSpielleiter mit einem vorher festgelegtenZeichen (Glocke, Klatschen). Dasist das Signal für die anderen ebenfallszu stoppen und einen Moment innezuhalten.Der Spielleiter geht weiter– alle gehen weiter. Die Tempi und Bewegungsformenkönnen nach jedemStopp variiert werden. Bei älteren underfahrenen Gruppen können die Stoppsauch von den Teilnehmern gesetztwerden.Wo ist Paul?Alle gehen im Raum umher. Die Spielernehmen sich genau gegenseitig wahr:Die Spielleiterin gibt verbale Anleitung:„Wer ist noch im Raum? Seht auf dieFüße eurer Mitspieler, auf die Hände.Welche Kleidung tragen die anderen?Wer bewegt sich wie? Versucht alle immerim Blick zu behalten. Wo befi ndensie sich?“Die Spielleiterin gibt das Zeichen zumStoppen. Alle bleiben stehen und schließendie Augen. Alle versuchen sich zuerinnern, wo ihre Mitspieler sind. DieSpielleiterin fragt: „Wo ist Paul?“ Jederdeutet nun mit geschlossenen Augen indie Richtung, in der er Paul vermutet.Alle öffnen die Augen und überprüfenihre Annahme. Das kann einige Malemit verschiedenen Namen wiederholtwerden. Die Aufmerksamkeit wird zunehmendgeschärft.11


Zuschauer ist auch eine RolleWer Kinder oder auch Erwachsenefragt, was alles gebraucht wird, umTheater zu machen, erfährt vieles: Manbraucht eine Bühne, davor vielleichteinen Vorhang, gute Beleuchtung undwenn nötig Spezialeffekte, Schauspielernatürlich und Kostüme, das Bühnenbildund jemanden, der die Eintrittskartenverkauft... Haben wir noch etwasvergessen? – Ja, das Wichtigste: dieZuschauer!Ohne Zuschauer gibt es kein Theater,für sie wird es gemacht. Auch die Zuschauerhaben im Theater eine wichtigeRolle. Sie lachen, staunen oder weinen,sie freuen, fürchten oder langweilensich, vor allem vervollständigen sie mitihrer Phantasie das Gesehene auf derBühne und erst dadurch bekommt esseine Bedeutung. Die Reaktionen derZuschauer übertragen sich und beeinflussen auch das Spiel der Schauspieler.Das Bewusstsein darüber, dass jederZuschauer am Gelingen des Theaterereignissesbeteiligt ist, ist nicht selbstverständlich.Und Sie als begleitender Erwachsenerhaben gleich eine zweifache Rolle:Sie genießen die Theateraufführungund sie beobachten ihre Schüler. Sieschauen sozusagen „über Bande“. Undnatürlich ist Ihr Zuschauerverhalten fürIhre Schüler der wichtigste Indikatordafür, wie sie selber ihre Zuschauerrollespielen.Im Folgenden wird versucht, sichspielerisch der besonderen Rolle desZuschauers zu nähern und insbesondereWahrnehmung, Aufmerksamkeitund Konzentration zu schärfen.„Ich wusste nicht, dass die Zuschauer so eine wichtige Rolle spielen.Denn wenn keiner zuguckt, muss ich nicht Theater spielen.“Mirjam, 10 Jahre12


„Man kann auf die Bühne blicken und etwas wahrnehmen,und man kann blicken und nichts sehen.“(Konstantin Stanislawski, Schauspiellehrer )Ich stelle mein Fernrohr scharfDie Schülerinnen bilden mit ihren Händenvor dem einen Auge ein Fernrohrund schließen das zweite Auge. Siekonzentrieren sich auf etwas, das sieinteressiert und betrachten es genau.Nacheinander beschreiben sie den anderengenau, was sie sehen.Diese Übung kann man im Sitzen,Stehen und an den verschiedenstenOrten machen.QuadratmeterforschungMit zwei Zollstöcken oder einem Maßbandlegt jeder einen Rahmen um etwasin seiner Umgebung, das ihn interessiert.Aufgabe ist es nun, diesen QuadratmeterWelt den anderen genauestenszu beschreiben und Vermutungenüber die beobachteten Phänomene anzustellen.Etwas ist andersDie Gruppe sitzt als Zuschauer voreinem markierten Bühnenraum. VierSpieler kommen auf die Bühne und dreivon ihnen stellen, setzen oder legensich in einer selbst gewählten Positionals Standbild auf die Bühne. Die Zuschauerschließen die Augen. Der vierteSpieler verändert drei kleine Details andem Standbild. Die Zuschauer öffnendie Augen und raten, was verändertwurde.Variante: Das Standbild wird zu einembestimmten Thema (Hochzeit, auf demSpielplatz, im Schwimmbad) gestellt.Die Spieler erleben, wie ein Bild eineGeschichte erzählen kann.13


TheaterdetektiveDie Schüler sind Theaterdetektive undsollen bei dem bevorstehenden Theaterbesucheine ganz bestimmte Sacheganz genau unter die Lupe nehmen. TeilenSie die Schüler in Gruppen auf. JedeDetektiv-Gruppe bekommt einen Auftrag,auf was sie besonders achten soll:Variante: statt auf die „Gefühlsmomente“kann man auch auf die verschiedenenMittel der Inszenierung achten:Licht, Bühne, Kostüme, Musik...Es kann spannend sein, beide Variantenmiteinander zu kombinieren: Wiewar z.B. bei dem „Gänsehautmoment“die Musik oder das Licht?- Auf die Herzklopfmomente- Auf die Gänsehautmomente- Auf die leisen Moment- Auf die lauten Momente- Auf die traurigen Momente- Auf die lustigen MomenteNach dem Theaterbesuch präsentiertjeder den anderen als Experte, was erbeobachtet hat. Alle waren in der gleichenVorstellung und haben doch etwasanderes gesehen.14


Zeichen lesen und deutenEin trauriger Text, traurig vorgetragen– wie langweilig! Ein Witzeerzähler, dersich über sich selbst kaputtlacht – ganzschlecht! Aber wie interessant jemandist, der mit todernstem Gesicht dieabstrusesten Hindernisse überwindet!Zwischen seinem Handeln und seinemFühlen klafft eine große Lücke, die dieZuschauer lachend füllen mit eigenenGedanken und Gefühlen.Auch im Theater entstehen aus derDifferenz von Inhalt und Form die spannendstenMomente: Wenn sich Zweiihre intimsten Liebesschwüre nicht insOhr fl üstern können, sondern 10 MeterEntfernung überbrücken müssen,entsteht – je nachdem – eine hohe Dramatikoder große Komik.Vielfältige theatrale Zeichen werdenbewusst gesetzt: Das Bühnenbild, dasLicht, die Kostüme geben Hinweise.Die Gesten der Schauspieler lenken dieBlicke der Zuschauer, sie legen Spurenund die Zuschauer sind aufgerufen, dieWelt der Bühne zu entschlüsseln: Einschlichter Tisch wird durch die Vorstellungskraftaller Beteiligten zu einemBerg, einer Höhle oder sogar zu einemTempel.Bewusst gibt das Theater den ZuschauernRätsel auf, abstrakte Zeichenwerden gesetzt, die mehrdeutige Interpretationenzulassen. So wirkt eine Aufführungauf jeden anders.Die Zuschauer sind nicht nur zu genauemHinsehen, sondern auch zum Mitdenken,zu individuellen Deutungen undgemeinsamem Diskurs aufgefordert.„Als der Elefant auf der roten Scheibe gelaufen ist, habe ichgedacht, das kann doch nicht die Sonne sein. Vielleicht ist dasder Kontinent, denn auf der Sonne läuft ja kein Elefant“„Vielleicht hätte man auf die Sonne noch ein paarStrahlen malen können, dann hätte man sofort gewusst,dass es die Sonne ist.“„Aber dann ist es auch kein Rätsel mehr!“(Carla, 8 und Merlin, 9 Jahre)15


„Im Theater braucht man Phantasie. Sonst denkt man:So ein Kreis, was soll das sein?“ (Julia, 9 Jahre)Ein Ball ist kein BallAlle sitzen im Kreis. Der Spielleiter gehtin die Mitte, nimmt einen Ball und gibtihm eine neue Bedeutung, z. B. indemer ihn wie ein Eis leckt. Wurde geraten,was gemeint war, bekommt die nächsteden Ball. Was könnte er noch allessein? Ein Auto, ein Handy, eine Bombe,ein Lippenstift, ein Apfel? Der Phantasiesind keine Grenzen gesetzt.Das gleiche Spiel funktioniert auchmit einem Stock, einer Zeitung oderanderen Gegenständen. Es ist wichtig,dass die Spieler nicht vorher sagen, wassie darstellen werden, sonders es einzigdurch die Handlung deutlich wird.Wenn die Mitspieler nicht erkennen,was dargestellt wird, muss der Spielerversuchen, es deutlicher zu zeigen.Diese Übung weckt die Lust an derImagination – eine gute Voraussetzungfür den Theaterbesuch.Was machst Du da?Alle bilden einen Kreis. Der Erstemacht etwas pantomimisch vor, z. B.Eis essen, der Nächste fragt: „Wasmachst Du da?“ Der Erste antwortetmit einer Tätigkeit, die nicht dem vorgemachtenentspricht z. B. „ich kämmemir die Haare“. Derjenige, der gefragthat, kämmt sich nun pantomimisch dieHaare. Der Nächste fragt: „Was machstDu da?“, derjenige, der sich pantomimischdie Haare kämmt, antwortetwieder mit einer anderen Handlungz. B. „ich putze mir die Nase“ usw.16


Gesten sammelnSammelt Gesten, die ihr kennt undzeigt sie dann den Mitspielern, z. B.erhobener Zeigefi nger, Handkuss. DieZuschauer sind aufgefordert, die Bedeutungder gezeigten Geste zu interpretieren.Die Übung macht bewusst, dass esinnerhalb einer Kultur Gesten gibt, dievon allen verstanden werden.Variante: Nach dem Theaterbesuchkann die Übung sich auch auf die Inszenierungbeziehen. Erinnert euch an einbestimmtes Bild der Aufführung. Waswird in den Gesten deutlich?Wir alle nutzen in unserem AlltagGesten um uns zu verständigen. DerHandschlag ist ebenso eine Geste wiedas Schulterklopfen, der Finger auf denLippen heißt Pst!, das Klopfen an dieStirn heißt du spinnst wohl.Die Gesten sind an den Körper gebunden.Dies ist auch ein Grundmerkmalder Zeichensprache des Theaters.Der Spieler auf der Bühne zeigt das,was er zeigen möchte, durch sich selbst,eben auch mit Gesten. Gesten gebenauch Auskunft über den sozialen Statusund repräsentieren historische standesundgeschlechtsspezifi sche Eigenarten.Sie sind immer kulturell geprägt.17


LampenfieberOft vergessen Kinder und Jugendlicheim Theater, dass dort auf der Bühneein echter Mensch aus Fleisch und Blutsteht. An Computer, Film und Videospielegewöhnt, ist ihnen dieser entscheidendeUnterschied zum Live-EreignisTheater oft nicht bewusst.Aber jeder der einmal auf einer Bühnegestanden hat, kennt das Gefühl:Alle Augen sind auf einen gerichtet, derPuls geht etwas schneller, Nervosität,volle Konzentration und dann das berauschendeGefühl, wenn man es geschaffthat und der Applaus ertönt.Wer einmal auf einer Bühne gestandenhat, der nimmt Theater auch anderswahr, wenn er zuschaut. Theater spielenund Theater sehen befruchten sichgegenseitig.Mit den beschriebenen Übungen bekommendie Schüler die Möglichkeit,selbst zu erleben was es heißt, aus sichheraus zu gehen und vor anderen etwaszu präsentieren. Durch diese Erfahrungbringen sie auch den Schauspielernmehr Wertschätzung und Respekt entgegen.Es ist hilfreich, bei den Übungen immerwieder das Verhältnis zwischen Zuschauernund Spielern zu thematisieren.Die Spieler werden nach dem Auftrittgefragt, wie es ihnen ergangen ist unddie Zuschauer, was sie gesehen haben.Respekt und Aufmerksamkeit für jedenEinzelnen, der etwas präsentiert, solltehierbei selbstverständlich sein.Im Rampenlichtfür 5 SekundenDie Teilnehmer bilden einen Kreis. Einertritt hervor, sagt seinen Namen undmacht eine Geste oder Bewegung, z. B.in die Hände klatschen, sich im Kreisdrehen… Die anderen Teilnehmer tretenauch einen Schritt vor und machenes dem ersten nach. Dann treten allewieder zurück und der nächste ist ander Reihe. Reihum sagt jeder seinen Namenund verbindet ihn mit einer Gesteoder Bewegung.Die Schauspieler sehen das Publikum an,nicht nur sich gegenseitigAlex, 9 Jahre18


Auf die Bühne fertig losDie Gruppe sitzt als Zuschauer voreinem markierten Bühnenraum.In einer zuvor festgelegten Reihenfolgepräsentiert sich jeder Spieler einzelnauf der Bühne. Die Form ist genaufestgelegt: Wer an der Reihe ist, renntauf die Bühne, dreht sich um, nimmtBlickkontakt mit den Zuschauern auf,atmet aus, wieder ein, sagt seinen Namen,wiederholt stumm für sich seinenNamen und rennt wieder zurück aufseinen Platz. Jeder Mitspieler erfährt sodie Herausforderung, im Rampenlichtzu stehen. Durch den einfachen klarenAblauf und den „Anlauf“ bewegen sichdie Spieler in einem geschützten Rahmen.Variante: Statt des Namens wird einSatz gesprochen. In der Nachbereitungkann der aus dem Theaterstück genommenwerden.Ich bin ein BaumDie Teilnehmer sitzen im Kreis. Einertritt in die Mitte und sagt „ich bin einBaum“ und stellt sich wie ein Baum hin.Ein zweiter kommt dazu und sagt z. B.„Ich bin ein Hund“, stellt sich wie einHund dazu und tut so als würde er anden Baum pinkeln. Der „Baum“ gehtwieder weg und der „Hund“ bleibt alleinzurück. Ein anderer kommt dazu undstellt sich zu dem Hund, er sagt z. B.„Ich bin das Herrchen vom Hund“. Der„Hund“ geht weg und das Herrchenbleibt allein. Weiterführen!Variante: Das Spiel eignet sich auch gutfür die Nachbereitung, um sich an dasGesehene zu erinnern.Mit GefühlDie Gruppe steht im Kreis. Der Spielleiterspricht das Wort „Hey“ in einerbestimmten Stimmung z. B. fröhlich.Wichtig ist, dass die Emotion sowohldurch die Stimme als auch durch denganzen Körper transportiert wird.Reihum spricht jeder Spieler ein „fröhlichesHey“ mit der passenden Gestikund Mimik. Wenn alle im Kreis einmaldran waren, wird eine neue Stimmungvorgegeben.Auch können andere Wörter ins Spielkommen z. B. Okay, Ach so, Hallo. Auchabsurde Beispiele wie die Kombinationdes Wortes „Pizza“ mit der Emotion„wütend“ können interessant und lustigsein.Variante: In geübten Gruppen kann dieEmotion von Spieler zu Spieler ins Extremegesteigert werden bzw. wiederabklingen.19


Der Inszenierung auf der SpurDie Entscheidung, mit den Schülern insTheater zu gehen, treffen in der Regeldie Erwachsenen und meistens suchensie auch das Stück aus. Nachdem daspassiert ist, machen wir nun ein Experiment:Die Schüler entscheiden selbst,was sie interessiert!Sie durchforsten das Ankündigungsmaterialdes Theaters. Titel, Plakat,Szenenfoto und Ankündigungstexteignen sich gut zur Vorbereitung auf einenTheaterbesuch.In einem guten Titel zum Beispielschwingen viele Assoziationen mit, ermacht einen Gedankenhorizont auf,gleichzeitig grenzt er ein und gibt einegrobe Richtung vor. Im Ankündigungstextwird oft die Handlung des Stücksumrissen und die Charaktere vorgestellt.Es werden aber auch Hinweiseauf die Art der Aufführung gegeben. Dabeikann man nicht nur etwas über dieTheaterform in Erfahrung bringen, sondernauch darüber, wie die Geschichtebearbeitet oder erzählt wird.Möchten Sie Ihrer Klasse ein Stückvorstellen, kann es sinnvoll sein, zumBeispiel erst ein Szenenfoto zu zeigenund verschiedene eigene Titel vorschlagenzu lassen, bevor man das Plakatzeigt oder den Titel des Stückes nennt.Oft sind nicht alle Elemente in gleicherWeise geeignet, die Neugierde zu wecken,hier sollten Sie im Vorfeld eineAuswahl treffen. Materialien zu den Stückenwerden von den meisten Theaterngerne zur Verfügung gestellt.Mit den folgenden Spielen und Übungenwerden Phantasie und Erwartungangeregt. Nach der Vorstellung kannman über Erwartung und reales Theatererlebniseinen streitbaren Dialogführen.20


AssoziationswolkeDer Titel des Stückes steht auf einemgroßen Blatt oder in der Mitte der Tafel.Es werden alle Gedanken zum Titelgesammelt. Jeder schreibt auf einKärtchen was ihm oder ihr in den Sinngekommen ist. Die entstehende Assoziationswolkegibt Hinweise auf das, waskommt.Variante: Die Assoziationen werdenzu den einzelnen Buchstaben des Titelsgesammelt.T – ThemaH – HustenE – EnergieA – AchtungT – TrampolinE – EntdeckenR – RauschErster EinfallDie Gruppe bildet einen Kreis. Alle stehenetwas seitlich, mit einem Bein nachvorne, schnipsen dabei mit der gleichenHand, einmal hinten, einmal vorne zurKreismitte hin. Ein langsamer Rhythmuswird gehalten. Steht der Rhythmussicher, sagt die Spielleiterin noch einmalden Titel. Beim vorderen Schnipsensagt jede reihum ein Wort, das ihr inVerbindung mit dem Titel einfällt. Niemandscheidet aus. Vertraut auf denersten Einfall! Wenn jemandem nichtseinfällt, geht es einfach weiter. Doppelnennungensind möglich, der Titel kannwiederholt werden. Der Rhythmus musslangsam bleiben und die Gruppe tragen.Es braucht Zeit, damit aus dem rhythmischenFingerschnipsen neue Gedankenentstehen können.Vom Wort zum BildDas Plakat ist noch nicht bekannt. EinSchüler bekommt das zusammengerollteTheaterplakat und darf es sich alleineanschauen, ohne dass die Mitschüler essehen. Er beschreibt seinen Mitschülernnun das Plakat genau. Auf Grundlagedieser Beschreibung malen oderzeichnen nun die anderen ein eigenesPlakat. Sie übersetzen so das Gehörtein eigene Bilder. Zum Schluss wird dasPlakat allen gezeigt und über die Bildergesprochen.21


Ein Bild sagt mehr alstausend WorteEin Szenenfoto liegt auf dem Tisch. Wirsind Theaterdetektive und müssen herausbekommen,um was für ein Theaterstückes sich handelt. Was genau istzu sehen? Es geht darum, sehr genau zubeschreiben, was das Bild erzählt.Wie sind die Dinge oder Menschendargestellt? Wie sind sie angezogen? Inwelcher Zeit befi nden wir uns? Ist Tagoder Nacht? Findet einen Titel für dasFoto oder das Theaterstück.Erzählt verschiedene kurze Geschichten,die zu dem Foto passen könnten.Variante: Das Foto als Standbild nachstellenund fotografi eren. Welche Unterschiedefallen auf? Wie ähnlich kanndas Foto werden?Internet RechercheDer Titel des Theaterstücks und derName des Theaters sind bekannt. Wasfällt Google oder Wikipedia dazu ein?Was lässt sich über Stück und Theaterherausfi nden? Gibt es weitere Inszenierungendieses Stückes? Was hat dasTheater noch im Repertoire? Ist dieWebsite interessant?In der Nachbereitung lässt sich mitden schon beschriebenen Materialienweiterarbeiten: Finde einen eigenenTitel, einen eigenen Ankündigungstext,schreibe eine Kritik für die Zeitung, denBlog…22


Vom Text zur Gestezur HandlungAus dem Ankündigungstext zumTheaterstück werden gemeinsam alleAdjektive (oder auch Verben) herausgesuchtund dann auf kleine Zettel oderKärtchen geschrieben. Jeder zieht einKärtchen. Falls nicht genügend Wortefür alle da sind, kann man Begriffe auchdoppelt verwenden. Die Gruppe stelltsich in einen Kreis. Nacheinander trittjeder einen Schritt nach vorne, sprichtsein Adjektiv oder Verb laut aus undmacht eine passende Geste oder Bewegungdazu, z. B. „glücklich“ mit einemSprung in die Luft. Die anderen ahmendas Vorgestellte nach. Dann kommt dernächste an die Reihe, bis jeder einmaldran war.Diese Übung kann, wenn der Textgut ist, einen Eindruck von der Stimmungder Inszenierung vermitteln.„Erstmal ruhig hinsetzen und warten.Der Vorhang geht auf, Lichter sind an.“Nikola, 9 JahreTheaterformen entdeckenWir wissen es alle: Eigene Erfahrungenhelfen zu einem tieferen Verständnisdessen, was wir sehen. Auch der Genussdes Zuschauens erhöht sich, wenndie Zuschauer eine Vertrautheit mit derFormensprache des Theaters haben.Die folgenden Spiele und Übungenstimmen auf die verschiedenen Theaterformenein, eignen sich aber auch,nach dem Theaterbesuch das Gesehenegenauer zu erforschen.Hierbei können auch Lehrerkolleginnenund -kollegen als Experten fürMusik, Sprache, Tanz, bildende Kunsteinbezogen werden.23


Alltagsgegenständewerden lebendigObjekte / Puppen /MaterialObjekte verfügen über eine eigeneSprache.Auch das in einer Aufführung verwendeteMaterial kann zu eigenen Projektenanregen. Aus Papier beispielsweisekönnen ganze Bühnenräume entstehen.Ein Requisit, das in der Inszenierung verwendetwurde, kann zum eigenen Spielund zu neuen Geschichten führen.Aus einem mit einem Tuch verdecktenKarton voller Dinge darf sich jeder einenGegenstand ertastend herausholen.Damit sucht er sich einen Platzim Raum. Nun kann jeder für sich seinObjekt erkunden. Diese Fragen helfendabei:Welche Eigenschaften hat es, ist esschwer oder leicht? Wenn es ein Gesichthätte, wo wäre das? Wo sind dieAugen? Wie schaut der Gegenstand?Hat er eine Nase, kann er riechen? Wiebewegt er sich fort? Welche Geräuschemacht er von sich aus? Welche Geräuschegibst du ihm durch deine Stimme?Wie isst er? Wie schläft er? Welche besondereFähigkeit hat der Gegenstand?Eine Klebestreifenrolle kann sich z. B.festkleben und abseilen, macht beimAufwickeln Geräusche, die interessantsind.Dann stellt jeder sein Objekt von seinemPlatz aus kurz vor. Auf einem Tischals Bühne nehmen zwei Objekte sehrlangsam und vorsichtig Kontakt auf. Esentwickelt sich eine kurze Geschichte,hier kann frei gespielt werden.24


Landschaften bauen– Geschichten entdeckenDie Schülerinnen setzen sich in Kleingruppenum einen Tisch oder im Kreisauf den Boden. Jede nimmt einen Gegenstandaus ihrer Tasche und legt ihnin die Mitte. Es wird nicht gesprochen.Wenn jeder einen Gegenstand hingelegthat, gruppieren die Teilnehmer einernach dem anderen ihre Gegenständeum. Ganz neue Konstellationen undLandschaften aus Gegenständen entstehen,der Spielraum verändert sich, bekommtneue Bedeutungen, immer neueGeschichten entstehen in den Köpfender Spieler.Variante: Es können auch vorher Dingeausgewählt werden, die in der Inszenierungeine Rolle spielten.Kleider machen LeuteIn der Kreismitte liegt ein Stapel mitStoffen aus unterschiedlichen Materialien.Das in der Inszenierung verwendeteMaterial sollte in dem Stoffstapelvorkommen. Befühlt mit geschlossenenAugen die unterschiedlichen Stoffe.Entscheidet euch nun für ein Material.Öffnet die Augen und sprecht darüber,welchen „Eigensinn“ die unterschiedlichenStoffe haben.Nach der Vorstellung: Verwandelteuch mit Hilfe des Stoffes in eine Figuraus der gesehenen Inszenierung. Stelltder Gruppe diese Figur mit einer kleinenHandlung vor. Die Gruppe rät, umwelche Figur es sich handelt.ZeitungsmodenschauEndpapierrollen oder Zeitungspapier,Plastik, Metallfolien, Sicherheitsnadelnund Schnüre liegen bereit.Die Schüler werden in drei Gruppenaufgeteilt. Jede Gruppe arbeitet mit einemanderen Material. In der Gruppearbeiten immer zwei zusammen unddrapieren gegenseitig das Material amKörper, so dass ein Kostüm daraus wird.Anschließend stellen sie diese Kreationenden Zuschauern auf einem Laufstegvor. In der zweiten Runde erkundensie, welche Bewegungen das Materialzulässt. Die Gruppen präsentieren sichabwechselnd, die jeweils andere Gruppeist Zuschauer.25


Musik und BewegungBewegungen klingen und Klänge bewegen.Musik ruft Bewegungen und Gefühlehervor. Die Möglichkeit, sich von derMusik verwandeln zu lassen, steigertdie Vorstellungskraft und das Einfühlungsvermögen.VerwandlungszauberDie Schüler liegen im Raum verteiltauf dem Boden, jeder ist für sich, mitgeschlossenen Augen und ohne Geräuschezu machen. Musik erklingt.Es geht los: „Du schläfst, im Traumhörst du eine leise Musik, du lauschst,die Musik wird lauter, sie fl ießt langsamin deinen Körper. Sie verwandelt dich inein neues Wesen, du erwachst und bewegstdich in deiner neuen Form. Wenndie Musik wieder leise wird, wirst dumüde und schläfst wieder ein.“Zu Beginn sollten sehr unterschiedlicheMusikstücke verwendet werden,die zu neuen Bewegungsformen einladen.Später können aber auch einzelneMotive eines Musikstücks in Bewegungübersetzt werden.Folge dem König!Ein Kind ist der König, es macht zurMusik Bewegungen, die die Untertanennachahmen, z. B. winken, auf einemBein hüpfen… Wichtig ist es, darauf zuachten, dass der König seine Bewegungoder Gangart im Rhythmus wiederholt,so dass die Mitspieler einsteigen können.Nach einer Weile wird ein andererzum König.Dieses Spiel macht nicht nur ungeheurenSpaß, sondern fördert auch dieSensibilität für Musik, wenn bei jedemneuen König eine andere Musik eingespieltwird. Je größer die Bandbreite,desto leichter ist es, neue und ungewohnteBewegungsformen zu fi nden.26


In allen vier Ecken...SpracheViele Theatergruppen stellen Textausschnitteaus den Stücken mit dem theaterpädagogischenBegleitmaterial zurVerfügung. Falls dies nicht der Fall ist,sprechen Sie den Theaterpädagogenoder die Dramaturgin an. Der Textausschnittkann als Spielanlass für Vor- undNachbereitung dienen. Auch Texte ineiner gebundenen Sprache regen zumWeiterspielen und Weiterdichten an.Wählen Sie einen kurzen Satz aus demTheatertext aus. Die Schüler sollen sichden Satz gut merken. Teilen Sie die Klassein vier Gruppen. Jede Gruppe stelltsich in eine Ecke des Raumes. OrdnenSie jeder Ecke ein Gefühl zu, z. B. traurig,fröhlich, wütend, ängstlich.Die Schüler, die in der Ecke für „fröhlich“stehen, haben den Auftrag, denSatz fröhlich zu sprechen, die in derEcke für „wütend“ sprechen ihn wütend.Hierbei ist nicht nur auf die Aussprache,sondern auch auf die Körperhaltung,Gestik und Mimik zu achten. Alles solltezu dem entsprechenden Gefühl passen.Nachdem die Schüler das einigeMale ausprobiert haben, wechseln siedie Ecken, bis alle einmal in jeder Eckewaren.Am Schluss geht jeder Schüler in dieGefühlsecke, die ihm am Besten gefallenhat und präsentiert den Satz entsprechendvor den Mitspielern.Variante: Die Schüler gleichmäßig indie vier Ecken verteilen. Jede „Gefühlsgruppe“spricht den Text nun chorisch,mit aller Kraft und Präzision.„Das Kinderpublikum hat einen ungeheuren Sinn für sprachlicheSchönheit und sprachlichen Witz, und es würdigt das Geistreiche mitviel weniger Mühe als die Alten, die von all dem nur die spärlichenReste behalten haben, welche man in Bett und Firma benötigt.“(Peter Hacks)27


Dialog im SpalierWählen Sie einen kurzen Dialog ausdem Theaterstück aus. Der Text solltenicht zu lang und zu schwer sein, sodass die Schüler ihn sich leicht merkenkönnen. Die Schüler stellen sich in zweiReihen gegenüber, wie in einem Spalier.Die Schüler auf der einen Seite bekommenden einen Teil des Dialogs, die aufder anderen Seite den anderen Teil.Die Schüler, die sich gegenüber stehen,schauen sich gegenseitig an und übenzunächst, den Dialog ein paar Mal überdie Distanz zu sprechen. Jede Seite bekommtnun verschiedene Aufgaben:z. B. sprich energisch – sprich schüchtern.Dann gehen die Spieler auf ihrenPartner zu. Der eine spielt energisch,der andere schüchtern. Wenn der Dialogzu Ende ist, drehen sie sich wiederum und gehen zurück auf ihren Platz.Dann werden die Aufgaben getauschtund danach neue vergeben, z. B. sprichals Königin – als Bettler, sprich als Schaf– als Wolf…Ziel ist es, den Text jedes Mal anderszu sprechen und zu spielen. Am Schlussspielt jedes Paar eine Variante des Dialogsvor. Die Übung ermöglicht es denSchülern, den Dialog mit ihrem Partnerin einem geschützten Rahmen auszuprobieren,bevor sie ihn vorspielen. Sieerfahren, dass der gleiche Text auf verschiedeneWeisen gesprochen werdenkann und dadurch eine andere Bedeutungbekommen kann.Ein Stuhl ist ein StuhlJeder sucht sich einen Satz aus demStück aus, mit dem er arbeiten möchte.Jeder nimmt sich einen Stuhl und suchtsich mit dem Stuhl einen Platz im Raum.Jetzt probieren alle verschiedene Sitzhaltungenund Positionen unter, hinter,auf oder neben dem Stuhl aus. Dabeiwird der Satz immer wieder gesprochenund darauf geachtet, wie sich dieStimme und die Bedeutung eines Satzesverändern können, wenn eine andereHaltung dabei eingenommen wird.Jeder sucht sich die drei interessantestenPositionen und die dazugehörigeStimmung aus, um sie der Gruppevorzustellen. Die Gruppe beobachtetgenau und schildert anschließend ihreEindrücke.28


Über den Bach!Aufgabe: Stellt euch vor, der Text ist einBach. Ihr wollt den Bach überqueren. Indem Bach liegen große dicke Steine.Über diese Steine müsst ihr euch eurenWeg suchen. Jeder einzelne Stein istein kleiner Haltepunkt beim Sprechen.Während ihr über die Steine balanciert,sprecht ihr den Text. Den Schrittenentsprechen Worte oder auch Satzteileoder Zeilen.Wenn man den Textinhalt mit Gang undBewegung verbindet, können Kindergut mit Sprache und Worten umgehen,ohne dass sie den Text nur statisch aufsagen.Sind die Kinder zu schnell „überden Bach“ gesprungen, kann man ihnenweitere Hindernisse in den Weg legen.Lesen, Schreiben, RechnenSchaff ich alles abWozu brauch ich KöpfchenWenn ich Muckis habIhr könnt ja alle fragenIch bin ein toller HechtIhr könnt die Allerschlausten seinDer Stärkere hat recht29


„Als wir selbst Theater gespielt haben, hat man gemerkt, dass Theater Arbeit ist.Ich wusste nicht, dass Theater so lange geprobt wird.“Roberto, 7 Jahre


Spiele, Spiele, Spiele!Und noch ein Tipp. Nutzen Sie bei derVor- und Nachbereitung Kinderspiele,denn Kinderspiele kennen Kinder allerKulturkreise. Spielen Sie beispielsweisemit Ihren Schülern als Vorbereitungauf den Theaterbesuch „Eins, zwei,drei, Ochs hinterm Berg“, „Zublinzeln“,„Wer hat Angst vorm schwarzenMann?“ „Fischer, Fischer, wie tief istdas Wasser?“ und „Meister, Meistergib uns Arbeit.“Denn Kinderspiele haben mehr mitTheater zu tun als man gemein hinannimmt. Kinderspiele setzen sichimmer auch mit Gestaltungsprinzipienauseinander. Sie spielen mit demÜberraschungsprinzip, mit Gegensätzen,Formgebungen und rhythmischenAnordnungen, mit der Möglichkeit vonVergrößerung und Verkleinerung undmit dem Mut zur Spontanität.„Wo ein Mensch von einem anderen gespielt wird, findet Theater statt, auch wenn auf denersten Blick alles zu fehlen scheint, was allgemein mit dem Wort Theater verbunden ist.“Christel Hoffmann31


Der TheaterbesuchVor einer Theatervorstellung für Schüler,alle Zuschauer sitzen schon aufihren Plätzen, da erhebt sich plötzlichein merkwürdiges Geräusch. Es klingtwie ein angreifender Bienenschwarm:BSSSSSSSSSSSS! Nein: PSSSSSSSSSST!Pssst! Psst!Aus allen Ecken ertönt das altbekannteGeräusch, das noch nie langfristig fürAufmerksamkeit gesorgt hat, denn eswirkt nur, während man es hört.Geht es auch ohne diesen Bienenschwarm?Um es deutlich zu sagen: Wenn jungeZuschauer, die aufnahmebereit insTheater kommen, zu Anfang einer Vorstellungnicht ruhig werden – dann machennicht die Zuschauer etwas falsch,sondern das Theater! Theater verfügtüber alle Möglichkeiten Spannung zuerzeugen und eine besondere Atmosphärezu schaffen, in der Konzentrationmöglich ist. Und natürlich sindalle Gefühlsäußerungen der Zuschauerwie lachen, mitfi ebern, aufschreien etc.durchaus erwünscht. Nichts ist schlimmerfür Schauspieler, als in eine schweigendeMenge hineinzuspielen, die nichtreagiert.Um aber schon im Vorfeld Raum zuschaffen für gespannte Aufmerksamkeitund Erwartungsfreude, haben Sie als„Anführerin“ ihrer Schülergruppe einigeMöglichkeiten.ZeitEs wirkt für alle sehr entspannend, wennvor der Vorstellung genug Zeit ist, umnoch einmal zu verschnaufen und diekleinen Spannungen zu regeln, die aufdem Weg entstanden sind. EntspannteZuschauer sind gute Zuschauer!RitualeBei kleineren Kindern können kurzeRituale sinnvoll sein, die im Foyer oderdraußen vor dem Theater abgehaltenwerden.– Alle reiben die Hände aneinanderbis sie warm werden und legen sie sichdann auf Augen und Ohren um sie „aufzuwecken“.– Alle stehen im Kreis und fassen sichan den Händen. Der Lehrer gibt mit einemHändedruck einen Impuls in denKreis, der durch alle Hände hindurchweitergegeben wird, bis er wieder beimLehrer angekommen ist.RespektDie Zuschauer können erwarten, dassman ihnen im Theater mit Respekt undHöfl ichkeit begegnet. Und genausoselbstverständlich sollte es sein, dass dieZuschauer auch denen, die auf der Büh-32


ne stehen, respektvoll begegnen. Denndie Theaterleute arbeiten nur für sie!BegleitungSuchen Sie für Ihre Schüler ein Theaterstückaus, das auch Sie interessiert! Siesind als Theaterzuschauer das Vorbildfür Ihre Schüler. Wenn Sie sich nicht fürdas Stück interessieren, werden es ihreSchüler auch nicht tun. Ihre Rolle ist esim Theater also, eine gute Zuschauerinzu sein. Schon deshalb sollten Sie einTheaterstück auswählen, das Sie selbstspannend fi nden!Weitere Texte und Anregungen füreine erfreuliche Begegnung mit Theaterfi nden Sie in unserer Broschüre„Wie wäscht man einen ElefantenTeil 133


Erinnern, Sammeln,Weiterspielen...Schon nach kurzer Zeit ist die Erinnerungan ein Theaterstück lückenhaft.Was kam zuerst? Wie endete es? WederLehrer noch Schüler wissen es sogenau! Wir möchten Sie deshalb einladen,sich mit Ihren Schülern auf einenkollektiven Erinnerungsprozess einzulassen.Denn was der Einzelne nichtmehr weiß, wird er zusammen mitden Anderen wieder entdecken. In dergemeinsamen Sammlung von Klängen,Bewegungen, Worten und Gesten, vervollständigtsich das Bild der Inszenierung.Und dabei bewahrt sich jederseinen eigenen Blickwinkel, sein eigenesGefühl und seine eigenen Geheimnissedes Zuschauens und Erlebens.Die folgenden Spiele und Übungen ergänzeneinander und können direkt nachder Aufführung, aber sehr gut auch nocheine Woche später gemacht werden.ErinnerungsfetzenDie Gruppe sitzt mit geschlossenen Augenim Kreis oder liegt im Raum. DerSpielleiter regt die Spieler durch gezielte,offene Fragen und das Erwähnen vonDetails zu einem genauen Erinnern desTheaterstücks an. Was war am Anfangauf der Bühne? Welches Bild hast dunoch im Kopf? Wie endete die Vorstellung?Was war lustig, traurig, seltsam,schön? Welche Geräusche gab es? Anwelchen Satz erinnerst du dich?Nach einer Weile werden diese Erinnerungsfetzenkurz beschrieben. Esgeht nicht um das Nacherzählen desStückes, sondern um einzelne Momente,Sätze oder Details.Diese Übung ruft die Erinnerung andas Theaterstück wach und bereitetdas praktische Nachspielen von Szenenoder einzelnen Momenten vor.LieblingsmomenteJeder fi ndet zu seinem Lieblingsmomentim Stück eine Bewegung und einGeräusch, ein Wort oder einen Satz- je einfacher und klarer, desto besser.Die anderen raten, welcher Momentdargestellt wurde. Wenn jeder seinenspeziellen Moment gefunden hat, kannman je 5 Spieler auf die Bühne bittenund gemeinsam mit allen die Momentein die richtige Reihenfolge bringen. Mitdiesem Spiel wird das Theaterstück wiederlebendig und die ganze Gruppe erinnertsich. In der Diskussion darüber,welcher Moment gemeint ist und welcheReihenfolge die Richtige ist, beginntbereits die Auseinandersetzung mit derInszenierung.Variante: Lieblingsmomente kann manauch nach dem Prinzip „Stop and Go“sammeln. Alle gehen verteilt im Raumumher und lassen ihre Gedanken in34


Erinnerung an das Stück schweifen.An welche Szene erinnerst du dich?An welchen Laut, welches Geräusch, anwelche Geste, welchen Satz?Wer seinen Lieblingsmoment gefundenhat, bleibt kurz stehen und zeigtihn den anderen. Alle bleiben stehenund schauen zu. Alle wiederholen dasGezeigte gemeinsam. Dann gehenalle wieder durch den Raum bis einneuer Stopp erfolgt.Mini-SzenenDie Gruppe wird in Kleingruppen zu3-5 Personen aufgeteilt. Jeder spieltden anderen in der Kleingruppe seinenLieblingsmoment vor und bringt ihn denanderen bei. Gemeinsam wird nun eineReihenfolge festgelegt.Es entsteht eine Abfolge, in der alleLieblingsmomente nacheinander vorkommen.Die Gruppe übt nun in einerReihe stehend eine Choreographie, inder alle Teile von allen gleichzeitig wieim Chor aufgeführt werden.Anschließend überlegt sich die Gruppeeinen gemeinsamen Auftritt: Wiekommen wir auf die Bühne? Jeder aus eineranderen Ecke, alle im Gänsemarschhintereinander oder bereits mit derStimmung aus der Choreographie? Bautdiesen Auftritt vor die Choreographie.Ebenso verfährt die Gruppe beim Abgang:Wie verlässt sie die Bühne? Oderbleibt sie wie eingefroren in der letztenBewegung stehen? Dieser Abgang wirdans Ende der Choreographie angehängt.Insgesamt besteht die Mini-Szene alsoaus den drei Elementen „Auftritt“,„Choreographie“ und „Abgang“.35


Das Stück in StandbildernDie Gruppe überlegt sich zu jeder Szeneeinen Titel. In Kleingruppen stellendie Teilnehmer zu jeder Szene ein odermehrere Standbilder. Es können nichtnur Personen, sondern auch Gegenständeoder Bühnenbildteile dargestelltwerden. Entscheidend ist, dass die wichtigstenInformationen aus der Szenesich in dem Standbild wieder fi nden undder Inhalt der Szene erkennbar wird.Variante: Für jede Figur einen Satzfi nden und das Standbild kurz lebendigwerden lassen. Am Schluss präsentierenalle Kleingruppen ihre Standbilderin der richtigen Reihenfolge.Eine Szene – vieleMöglichkeitenDiese Übung macht man am Bestenim Anschluss an „Das Stück in Standbildern“.Jede Gruppe sucht sich einekurze Szene aus, die in dem gesehenenStück vorkam. Die Szene soll mit einemStandbild beginnen und enden. Nachdemeine Gruppe ihre Szene gezeigthat, zeigt sie erneut das Standbild vomBeginn. Die Zuschauer werden gefragt,ob und wie die Szene hätte anders endenkönnen. Wer möchte, kann dasgezeigte Anfangsbild zu einem alternativenEnde umstellen. Auf diese Weisekönnen mehrere Möglichkeiten angedeutetund diskutiert werden.Als Hilfe sollte zuvor ein Zeichen für„Freeze/Bewegung einfrieren“ eingeführtwerden, damit der Spielleiter dieSzene auch spontan anhalten kann.Theater aus KneteDie Kinder erhalten Knete oder Ton.Zu einer langsamen Musik kneten Sieeine Figur oder einen Gegenstand ausdem Theaterstück, an die sie sich besondersgut erinnern. Nacheinander stellendie Teilnehmer nun ihre Tonfi guren derGruppe vor. Sie erzählen Episoden undErinnerungen aus der Inszenierung, diesie mit der Figur oder dem Gegenstandverbinden. Der Umweg über die Figurerleichtert das Erzählen eigener Worteund Sätze, denn den leblosen Figurenmüssen Worte in den Mund gelegtwerden. Die Figur ist das Bindegliedzwischen Spielen und Erzählen.Nun werden die Figuren in der Mittedes Kreises angeordnet. Sie visualisierendie Stationen der gesehenen Inszenierungund ermöglichen es, sich an dieErzählstruktur und an die Handlungsabläufeder Inszenierung zu erinnern.36


Auf alles eine gute Frage haben!Die Bilderwelten des Theaters sind nichtimmer leicht zugänglich. Ein Luftballonsoll ein Soldat sein? Eine Gitarre istein Schlitten? Drei Stühle eine ganzeWelt? Moderne Theaterformen bebildernnicht, sie ermöglichen, dassZuschauer eigene Bilder fi nden. Siehinterlassen viele Fragen aber auch einSynapsen-Feuerwerk der Ideen und Assoziationenin unseren Köpfen. In jedemKopf ein anderes Feuerwerk. Doch wielegt man die Lunte? Wie tauscht mansich aus über Feuerwerk? Wie teilt mandieses Erlebnis über ein „Hat mir gefallen.“- „Ja? Ich fand’s langweilig!“ hinaus?Es ist eine Herausforderung, diese sinnlichenund vielleicht widersprüchlichenEindrücke in Worte zu fassen.Ein gutes Gespräch nach einem gemeinsamenTheaterbesuch braucht deshalbein paar Voraussetzungen.Nehmen wir also an:1. Die Lehrerin weiß über die Aufführung genauso viel wie die Schüler,denn alle waren gemeinsam im Theater.2. Es geht nicht um das Abfragen von Wissen.3. Es geht um das Sammeln von Eindrücken und Meinungen.4. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.5. Nur offene Fragen sind erlaubt, die mehrere Antworten zulassen.Was hast du gesehen? Was denkst du dazu?6. Antworten werden nicht korrigiert, sondern zur Diskussion gestellt:Was meinen die anderen dazu?7. Der Gewinn aus dem Gespräch entsteht aus der Vielfalt der Blickwinkel.8. Am Ende wissen alle mehr – voneinander und vom Theater.37


Theater aus der KisteDie Schüler sitzen im Kreis. Unter einemgroßen Tuch liegen sechs Päckchenversteckt.Die Schüler versuchen zunächstdurch Fühlen zu erraten, was unterdem Tuch versteckt sein könnte. EinKind fi scht ein Päckchen heraus undöffnet es.Im ersten Päckchen ist eine Brille.Nun kann man darüber sprechen wasdie Brille bedeuten könnte. Theater isteine Schule des Sehens. Man muss genauhinschauen und beobachten, dannentdeckt man die Geheimnisse des Theaters.Im zweiten Päckchen ist ein Rhythmussäckchen,ein Tamburin oder ein selbstgebasteltes Rhythmusinstrument. Theaterist eine Schule des Hörens.Ein Kind erzeugt auf dem InstrumentRhythmus und Klänge, die anderen Kinderschließen die Augen und lauschen.Im dritten Päckchen ist eine Taschenlampe.Im Theater sind die Dinge inLicht getaucht, dort gibt es Scheinwerfer.Im vierten Päckchen ist etwas für dieAufführung spezifi sches, beispielsweiseweiße Tücher, weil alle Spieler weißgekleidet sind. Im Theater tragen dieSchauspieler Kostüme. Nicht immersind die Kostüme fertig geschneidert.Manchmal entstehen sie erst im Spiel.Nun lässt sich ausprobieren, was mansich mit Tüchern verwandeln kann.Im fünften Päckchen befi ndet sichKnete oder Ton.Das sechste Päckchen, eine Schuhschachtel,wird selbst zum Bühnen- undZuschauerraum. Einige Kinder knetendie Schauspieler, Tänzer oder Musiker,die in dem Stück vorkommen, die anderensich selbst als Zuschauer und suchensich dann einen Platz in dem Zuschauerraumaus Pappe. Der Spielleiter kannkommentieren „Du sitzt also ganz vorne,nah an der Bühne und du? Du stellstdich hin, damit du besser siehst...“ Sowird jedes Kind in seiner Individualitätwahr und ernst genommen und damitim übertragenen Sinn sichtbar gemacht,dass im Theater jeder Zuschauer seineeigene Position einnimmt. Die Kinderetablieren so selbst den Bühnen- undZuschauerraum.38


In der Nachbereitung kann das Bühnenmodellerneut zum Einsatz kommen.Die Kinder platzieren nun erneutdie Figuren im Bühnenraum. Sie könnenan das Gesehene anknüpfen und es mitden Figuren nachspielen. Der Lehrerkann hier durch Beobachtung viel darübererfahren, wie die Kinder die Inszenierungwahrgenommen haben.39


Wer wir sindflux THEATER FÜR SCHULEN.Die Gastspielreihe wendet sich vor allem an Schulen inländlichen Regionen und an Schulen, die bislang noch wenigKontakt zu Theatern hatten. Hessische Theater kommenins Klassenzimmer, in die Aula oder auch zum Veranstaltungsortin der Gemeinde. Das Land Hessen übernimmt50 % der Gage und die Kosten für die theaterpädagogischenVor- und Nachbereitungen. Zu allen Gastspielen gibtes Materialienhefte mit Anregungen zur Weiterarbeit imUnterricht. fl ux koordiniert und berät bei der Auswahl derInszenierungen. Außerdem veranstaltet fl ux zweimal imJahr Aktionstage, in deren Mittelpunkt der Dialog zwischenSchulen und Theatern steht. Flux regt an – zum Schauen,Erproben, Nachdenken und Kommunizieren.fl ux ist ein Projekt der ASSITEJ e.V. und wird gefördertvom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunstund unterstützt vom Hessischen Kultusministerium.www.theaterundschule.netStarke Stücke„Starke Stücke“ ist eines der größten Kinder- und Jugendtheaterfestivalsin Deutschland und fi ndet immer im Frühlingin und um Frankfurt statt. Eingeladen werden internationaleherausragende Theaterproduktionen für ein jungesPublikum. Berührend, spannend und mitreißend – ebenstarke Stücke! An mehr als 20 Spielorten in der Rhein MainRegion werden innerhalb einer Woche ca. 75 Vorstellungenfür alle Altersgruppen angeboten. Außerdem gibt es einumfangreiches Rahmenprogramm und theaterpädagogischeBegleitprogramme. Getragen wird das Festival von einemNetzwerk aus kommunalen und privaten Veranstaltern, diesich zum Ziel gesetzt haben, das ganze Jahr qualitätsvollesKinder- und Jugendtheater anzubieten.Starke Stücke ist seit 2009 ein Projekt der KulturRegionFrankfurtRheinMain und wird gefördert vom Land Hessenund der Stadt Frankfurt.www.starke-stuecke.net40


ServiceteilLiteraturtipps:Hoffmann, Christel (Hg.)Arbeitsheftezum Kinder- und JugendtheaterBd. 1: Darstellendes Spiel auch in derGrundschuleBd. 2: Die Inszenierung des Zuschauerraums.Begleitmaterial zu Märchenaufführungen imTheater und in der GrundschuleBd. 3: Horst Hawemann, Sammeln, Spielen,Werkstattproben.Horst Hawemann, Regisseur und Theaterlehrer,liefert einen wichtigen Schlüssel zum Theaterspielen:die Sammlung.Alle Arbeitshefte herausgegeben vom Kinder-und Jugendtheaterzentrum, Frankfurtund BerlinHoffmann, ChristelSpielen und Theaterspielen.Der Kinderbuchverlag, Berlin 1989, 141 S.Neuaufl age Deutscher TheaterverlagWeinheim 2008In dem kleinen Band werden zahlreichebekannte und unbekannte Kinderspiele zumEinstieg ins Theaterspielen mit allen Altersgruppenvorgestellt.Hoffmann, Christelspiel.raum.theater.Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2006,427 S.Das Zusammenspiel zwischen Zuschauern undSpielern steht im Zentrum der hier versammeltenAufsätze und Reden, die im Verlauf vondreißig Jahren in verschiedenen künstlerischenund pädagogischen Arbeitszusammenhängenentstanden.Johnston, KeithTheaterspieleSpontaneität, Improvisation undTheatersportAlexander Verlag, Berlin 2006,568 S.Keith Johnston ist Begründer des Theatersports.In dem Band werden Spiele und Übungenvorgestellt, die Johnston im Verlauf seinerfast vierzigjährigen Arbeit als Schauspiellehrerentwickelte.Kathke, PetraSinn und Eigensinn des Materials.Projekte, Anregungen, AktionenBeltz Verlag, Weinheim und Basel 2001,224 S.Bd. 1: Sand und Erde, Gezweig, Geäst undGehölz, Feuer, Ruß und Asche, FundstückeBd.2: Papier und Pappe, Farben, Stoffe undTextilien, Schnur, Draht und FadenProjekte, Anregungen und Aktionen, wie Kindersich über materialästhetische Erfahrungen dieWelt erschließen könnenMattenklott, GundelGrundschule der Künste. Vorschläge zurMusisch-Ästhetischen Erziehung.Schneider Verlag , Hohengehren 207,180 S.Ein offenes Curriculum für den LernbereichMusisch-Ästhetische Erziehung.41


Schneider, Wolfgang (Hg.)Theater und Schule. Ein Handbuchkultureller BildungTranscript Verlag, Bielefeld 2009,352 S.Modelle der Zusammenarbeit von Theater undSchule, Erwartungen und Anregungen. TheaterundErziehungswissenschaftler kommen ebensozu Wort wie Praktiker aus Theater und Schule.Schneider, Wolfgang / Fechner Meike (Hg.)Jahrbuch GRIMM & GRIPS 24ASSITEJ, Frankfurt am Main 2011, 421 S.Das Jahrbuch für Kinder- und Jugendtheater istein Nachschlagewerk für alle Interessierten, diesich über aktuelle Entwicklungen und Projekteder professionellen Kinder- und Jugendtheaterin Deutschland informieren möchten. Das Jahrbuch2011 widmet sich dem Thema „Theaterund Schule“.Spolin, ViolaImprovisationstechniken für Pädagogik,Therapie und TheaterPaderborn, Junfermann 2005, 295 S.Nicht nur ein Klassiker der Theaterpädagogik,sondern vor allem ein Standardwerk zum „Theatermit Kindern“.Taube, Gerd (Hg.)Kinder spielen TheaterMethoden, Spielweisen und Strukturmodelledes Theaters mit KindernSchibri Verlag, Berlin 2007, 534 S.Das Buch gibt erstmals einen umfassendenÜberblick und gibt zugleich viele praktischeBeispiele für die eigene Arbeit und eine Vielzahlvon weiterführenden Hinweisen.Wenzel, KarolaArena des anderenSchibri Verlag, Berlin, Milow, Straßburg,2006, 180 S.Grundlegende Überlegungen zum Theaterspielmit Kindern. Die Autorin legt dar, dass dieSpiel- und Erzählformen der Kinder dem zeitgenössischenTheater näher sind als gemeinhinangenommen.Scheller, IngoSzenisches Spiel, Handbuch für die pädagogischePraxisCornelsen Scriptor Verlag, Berlin 1998,239 S.Scheller begründet in dem Handbuch zurpädagogischen Praxis das szenische Spiel alsLernform. Szenisches Spiel wird im Kontextdes darstellenden Spiels bzw. spielpädagogischerAnsätze refl ektiert und auch als Antwortauf Probleme aus der pädagogischen Praxisverstanden.Rodari, GianniGrammatik der Phantasie.Die Kunst, Geschichten zu erfindenReclambibliothek. Leipzig,218 S.In der Erziehung müsse die ‚Imagination’ einenbesonderen Platz haben, schrieb der italienischeKinderbuchautor Gianni Rodari in seinerGrammatik der Phantasie, die er der Reggio-Pädagogikwidmete. Zahlreiche Anregungen zumSpiel mit Worten und Märchen.42


ImpressumHerausgeberASSITEJ e.V.,Internationale Vereinigung desTheaters für Kinder- und Jugendliche,Schützenstr. 12, 60311 FrankfurtT: 069.29 15 38i.sauer@kjtz.deKulturRegionFrankfurtRheinMain gGmbH,Poststr. 16, 60329 FrankfurtT: 069.25 77 17 60nadja.blickle@krfrm.deStarke Stücke GbRc/o Theaterhaus,Schützenstr. 12, 60311 FrankfurtT: 069.29 98 61 22susannefreiling@theaterhaus-frankfurt.de© 2011Text und RedaktionNadja BlickleSusanne FreilingIlona SauerSpieleDie hier beschriebenen Spiele undÜbungen stammen aus verschiedenstenQuellen. Sie gingen – wie Spieledas tun sollten – in die Welt und verändertensich. Sie wurden gesammelt,erprobt und aufgeschrieben von denTheaterpädagogen: Nadja Blickle, KatrinBremer, Willy Combecher, SimoneFecher, Verena Gerlach, ChristianeKirchner, Santo Pedilarco, Ilona Sauer,Katalin StangWeitere Texte:Santo Pedilarco, Christiane KirchnerKinderzitateaus der Workshopdokumentation„Starke Stücke 2009“ von ChristianeKirchnerLayout und FotografieIDEE und BILD, DüsseldorfHellmut Sitó Schlingensiepenwww.ideeundbild.deDruckLaserline, BerlinAuflage5.000Gefördert durch:Hessisches Ministeriumfür Wissenschaft und Kunst,Fazit StiftungISBN: 978-3-930759-38-5Diese Broschüre ist erhältlich bei denGeschäftsstellen von ASSITEJ undKulturRegion FrankfurtRheinMain43


Wer sind wir?Ein Netzwerk aus Theatermachern, Veranstaltern und Theaterpädagogen die beständig zusammenarbeiten und sich austauschen. Wir fi nden, dass ästhetische Bildung für alle wichtig ist.Wir wünschen uns Theater in den Schulen und Schulen im Theater.fluxTHEATER IN HESSEN UNTERWEGS.THEATER FÜR SCHULEN.Für wen ist dieses Heft?Wir wollen theaterbegeisterte Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen ansprechen, die über denTheaterbesuch hinaus Anregungen suchen für spielerisches Arbeiten im Schulalltag.Internationales Kinder- undJugendtheaterfestival Rhein MainWas wir noch anbieten:Theatergastspiele in Schulen, Workshops für Schüler, Probenbesuche in den Theatern, Weiterbildung für Lehrerkollegienund vieles mehr. Infos hierzu fi nden Sie unter: www.theaterundschule.net & www.starke-stuecke.net

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