Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

Psychische Belastungen abbauen - Fähigkeiten und

soziale Ressourcen stärken

Psychischen Belastungen stehen persönliche Fähigkeiten

und soziale Ressourcen gegenüber, mit denen diese Belastungen

bewältigt werden können. Dies kann zum Beispiel

ein guter Zusammenhalt unter den Kollegen sein oder ein

von Vertrauen geprägtes Betriebsklima, in dem offen über

Probleme gesprochen werden kann. Dazu kann auch ein

gesundes Selbstwertgefühl gehören, das beispielsweise

über Anerkennung für Leistungen, gute Qualifizierung oder

Ähnliches gefördert wird.

Entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen von

Belastungen ist das angemessene Verhältnis zwischen Belastung

und individuellen Merkmalen und Ressourcen: „Alleinsein

kann sehr angenehm, Isolation hingegen sehr belastend

sein. Kontakt mit Menschen zu haben entspricht

einem weit verbreiteten Bedürfnis, anderen nicht mehr ausweichen

zu können, kann Stressreaktionen provozieren.

Zeitdruck kann als Herausforderung wirken, wo wir auf die

entsprechenden Faktoren keinen Einfluss haben, kann er

uns lähmen. Zu wenig Bewegung ist so ungünstig wie zuviel

körperliche Belastung, Unterforderung so schlecht wie klare

Überforderung...“ (Kraft 1997).

Wie sich die Belastungen auf den einzelnen Menschen unmittelbar

auswirken, wird als „psychische Beanspruchung“

bezeichnet, genauer die „unmittelbare Auswirkung der psy-

chischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen

jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen,

einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien“

(EN ISO 10.075-1).

Kurzfristige negative psychische Beanspruchungsfolgen 7

(Fehl-Beanspruchungsfolgen) zeigt Tabelle 3.

Der neutrale Begriff „Belastung“ mit seinen individuell unterschiedlichen

„Beanspruchungsfolgen“ ist zwar in der

Arbeitspsychologie weitgehend anerkannt, bringt aber einen

Nachteil mit sich: „Negative Belastungen können nach den

Annahmen des Belastungs-Beanspruchungskonzepts nur

erkannt werden, wenn geeignete Messgrößen für eine zumutbare

Beanspruchung vorhanden sind. Dies hat seinen

Sinn für körperliche Belastungen und hat zu einer Vielzahl

von sinnvollen Normen und Grenzwerten geführt, bringt

jedoch Probleme bei der Analyse psychischer Belastungen.

Gerade in der oft sehr kontrovers geführten Diskussion um

Gefährdungsanalysen im Betrieb jedoch wäre es sehr wünschenswert,

wenn es möglich wäre, psychische Belastungen

unabhängig von dem einzelnen Beschäftigten und seinem

Beanspruchungserleben zu erfassen“ (Resch 2002).

Risiko Dauerstress

Kurzzeitig einwirkende psychische Belastungen und kurzzeitige

(Fehl-)Beanspruchungsfolgen führen in der Regel

Individuelle Merkmale, die die Beziehungen zwischen Belastung und Beanspruchung näher bestimmen, z.B.

Anspruchsniveau, Vertrauen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Allgemeinzustand, Gesundheit, Aktuelle Verfassung,

in die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrung körperliche Konstitution, Ausgangslage der Aktivierung

Motivation, Einstellungen,

Bewältigungsstrategien

Alter, Ernährung

Tabelle 2: Individuell unterschiedliche Merkmale (in Anlehnung an EN ISO 10075-1)

7 Für eine intensivere Behandlung der psychischen Symptome vgl. Oppolzer 2001.

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