Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

Erhöhtes Krankheitsrisiko

Hohe psychische Belastungen bergen ein um 110 Prozent erhöhtes

Krankheitsrisiko. Wer ihnen ausgesetzt ist, wird öfter arbeitsunfähig.

Das hat der Hauptverband der gewerblichen

Berufsgenossenschaften (HVBG) herausgefunden. Als psychisch

belastend gelten Unterforderung, geringe Selbständigkeit oder

fehlend Handlungsspielräume, kaum abwechselnde, sondern

fest vorgegebene Tätigkeiten, häufige Wiederholungen und

Monotonie. Drei Jahre lang haben die Experten die Krankheitsarten

von 50 000 Beschäftigten im Einzelhandel und in der Metallindustrie

untersucht. Sie entdeckten bei stark unterforderten

ArbeitnehmerInnen 110 Prozent mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle

pro 100 Krankenversicherte:

Geringe Selbständigkeit, wenig

Abwechslung, Monotonie

Belastung durch starken

Muskeleinsatz

+110 Prozent

+60 Prozent

+60 Prozent

Belastungen duch Schwingungen

wie beim LKW-Fahren oder Preßluftbohren

Belastungen durch ungünstige Arbeitsplatzge-

+30 staltung / erschwerte Handhabung von Werkzeugen

oder Bedienelementen

Abb. 4: Erhöhtes Krankheitsrisiko. Quelle: KOPAG / HVBG / BKK Essen.

Häufigere und auch längere Arbeitsunfähigkeitszeiten sind

die Folge, s. Abb. 4 oben.

Effizienzbremse „Psychische Belastungen

Psychische Belastungen durch schlechte Gestaltung von

Arbeitsorganisation, Arbeitsinhalten oder sozialen Beziehungen

wirken sich zusätzlich negativ auf die Erledigung

von Arbeitsaufgaben aus. Systematisch wird dieser Zusammenhang

von „handlungsregulationstheoretischen“ Ansätzen

herausgearbeitet, Abb. 5 zeigt das Ergebnis.

Der Belastungsbegriff (s. Abb. 5) ist hier eindeutig negativ

geprägt: Belastungen sind solche Arbeitsbedingungen, die

einer sinnvollen Ausführung einer Arbeitsaufgabe entgegenstehen.

Menschengerechte Arbeit sollte daher möglichst

belastungsfrei gestaltet werden. Der Vorteil dieser Ansätze

gegenüber dem „Belastungs-Beanspruchungs-Konzept“

liegt darin, dass Belastungen unabhängig von den individuellen

Beanspruchungen der arbeitenden Menschen definiert

werden, was vor allem für eine sachliche Diskussion

zum Thema „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

hilfreich ist (vgl. Resch 2002). Wir werden daher im

Folgenden den Begriff „Belastung“ in seiner negativen

Bedeutung verwenden.

Psychische Belastungen vermindern die Effizienz

der Arbeit und die Qualität der Arbeitsergebnisse

Psychische Belastungen greifen also nicht „nur“ die Gesundheit

der Beschäftigten an: Ihre Ursachen vermindern

gleichermaßen die Effizienz der Arbeit und die Qualität

der Arbeitsergebnisse. Um nur einige Beispiele aufzuführen

Störungen, Unterbrechungen oder verzögerte Auftragsbearbeitung,

z.B. durch unzureichende Arbeitsmittel

oder durch die Nicht-Verfügbarkeit von Spezialisten wie

Instandhaltern oder Qualitätsprüfern „nerven“, erhöhen

wiederum den Zeitdruck und führen oft zu mangelnder

Sorgfalt in der Bearbeitung von Werk- oder Schriftstücken.

Eine erhöhte Vielseitigkeit oder Eigenverantwortung in

der Arbeit, die als positives Ergebnis vieler Reorganisationsprojekte

ansteht, erfordert Zeit für Qualifizierung.

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