Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

sind die klassische Fließbandarbeit oder auch Kassenarbeitsplätze.

Die empirischen Ergebnisse zeigen eine nach wie vor

große Verbreitung monotoner Tätigkeiten: 45 Prozent

der Erwerbstätigen geben an, dass „praktisch immer“

oder „häufig“ ein „sich ständig wiederholender Arbeitsgang“

vorkomme (BiBB/IAB).

Die EMNID-Studie kommt zum Ergebnis, dass sich ca. 25

Prozent der Arbeitnehmer durch monotone Arbeit „etwas“

bzw. „stark/ziemlich“ belastet fühlen. Dazu fügt

sich die Fragestellung nach „Unterforderung“, die zu

nahezu identischen Werten führt. In verschiedenen Wirtschaftszweigen

ist das Problem monotoner Tätigkeiten

allerdings weiter verbreitet. EMNID gibt hier insbesondere

die Bereiche Versand, Transport, Verkehr an.

Aber auch in anderen Branchen kommt Monotonie nach wie

vor häufig vor:

Die AOK-Daten mit dem Schwerpunkt „Verarbeitendes

Gewerbe“, die zeitlich früher (1995-98) liegen, ergeben,

dass 21 Prozent der Befragten „eintönige Arbeit“ als

„stark“ belastend empfunden haben.

In der Metall- und Maschinenbauindustrie leiden fast ein

Viertel der Beschäftigten (22,8 Prozent) nach Mitarbeiterbefragungen

des BKK-Bundesverbandes unter Monotonie.

Ähnlich ist die Situation in der Feinmechanischenund

Elektroindustrie, wo ein Viertel aller Arbeitnehmer

„häufig / sehr häufig“ durch „immer die gleichen Tätigkeiten“

belastet sind.

Europaweit geben 40 Prozent aller Beschäftigten an,

dass ihre Arbeit häufig (mindestens ein Viertel der Arbeitszeit)

monotone Tätigkeiten enthält (Europäische

Stiftung).

In Verbindung mit geringen Handlungsspielräumen (s.u.) ist

Monotonie eine wichtige Ursache für Befindlichkeitsstörungen

und – wenn dieses Problem länger andauert – für Arbeitsunfähigkeit.

Die Daten von Krankenkassen unterstützen

diesen Befund: So gibt es an Arbeitsplätzen mit niedrigen

Anforderungen an die Erfüllung der Arbeitsinhalte mehr

und länger andauernde Arbeitsunfähigkeitsfälle als an Arbeitsplätzen

mit mittleren oder hohen Anforderungen (BKK

2001).

4.1.2 Handlungsspielräume

Erklärung/Definition: Die Möglichkeit, die Art und Weise

der Erledigung von Arbeitsaufgaben selber zu bestimmen,

ist einer der zentralen gesundheitsförderlichen Aspekte von

Arbeit. Die Erweiterung von Handlungsspielräumen ist ein

betrieblich gestaltbarer Umstand, der die Wirkung von Stressoren

auf das Individuum abmildert. Wer die Möglichkeit

hat, störende bzw. belastende Bedingungen zu kontrollieren

und zu verändern, leidet weniger als eine Person, die belastenden

Bedingungen hilflos ausgesetzt ist.

Wie immer dieser Faktor auch bezeichnet wird: Als Handlungsspielraum,

Tätigkeitsspielraum, Regulationserfordernis,

Freiheitsgrade, Autonomie, Kontrolle oder Entscheidungsspielraum:

Seine Erweiterung ist ein wesentlicher Beitrag

zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit, was angesichts

der Einmütigkeit in der Arbeitspsychologie als „gesicherte

arbeitswissenschaftliche Erkenntnis“ gelten kann

(vgl. Resch 2002).

Tendenz der Ergebnisse: Die Entwicklung der Handlungsspielräume,

bezogen auf das Kriterium der „Möglichkeiten,

die eigene Arbeit selber einteilen“ zu können, wird von Un-

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