Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

„Handlungsspielraum“ steht in engem Zusammenhang zu

fachlichen Anforderungen und Vielseitigkeit der Arbeit, bedeutet

aber häufig auch Übernahme von „Verantwortung“:

4.1.3 Verantwortung

Erklärung/Definition: Die Verlagerung von Kompetenzen

und Verantwortung auf Beschäftigte wird als wichtiger Bestandteil

der Rationalisierungsstrategien des letztes Jahrzehnts

propagiert, z.B. in Form von „flacheren Hierarchien“.

Die Übernahme von Verantwortung wird auch von Arbeitnehmern

selber positiv gesehen: Eine „verantwortungsvolle

Tätigkeit“ wünschen sich 88 Prozent der Arbeitnehmer, die

an den Befragungen zur Zukunftsdebatte der IG Metall teilgenommen

haben (IG-Metall-Zukunftsreport).

Verantwortung kann sich auf mehrere Umstände beziehen,

z.B. :

Verantwortung für die Qualität der Produkte

Verantwortung für einen störungsfreien Arbeitsablauf

Verantwortung für komplizierte und / oder teure Technologien

Verantwortung für Kollegen und Kolleginnen

Verantwortung für das Arbeitsergebnis.

Belastungsrelevanz: Verantwortung als Belastung

In der EMNID-Studie wird die hohe Verantwortung über alle

Beschäftigten hinweg als durchschnittlich stärkste Belastung

genannt. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass

dieses tätigkeitsbezogen sehr unterschiedlich ist. Am

stärksten betroffen sind Lehrer sowie Beschäftigte aus dem

Gesundheits- und Sozialwesen sowie generell Arbeitnehmer

in „qualifizierteren Tätigkeitsfeldern (Verhandlungen führen,

Messen und Überwachen) sowie allgemein mit höherer Position“.

Insgesamt ist zwischen 1994 und 1999 der Anteil der

durch die hohe Verantwortung „stark/ziemlich“ Belasteten

erheblich gestiegen, im Durchschnitt von 32 Prozent auf 44

Prozent.

Auch in anderen Studien werden Faktoren, die mit „Verantwortung“

zu tun haben, als Stressor oft genannt:

Nach den AOK-Daten fühlen sich 24 Prozent der Beschäftigten

„stark“ durch die „hohe Fehlermöglichkeit“

belastet.

30 Prozent aller befragten Erwerbstätigen der BiBB/IAB-

Erhebung gaben an, dass „hohe Verantwortung“ mit

dem Zusatz „kleine Fehler – große Verluste“ häufig oder

praktisch immer vorkommen. Hier sind vor allem Facharbeiter

in der Industrie mit 46 Prozent besonders häufig

betroffen (qualifizierte Angestellte: 35 Prozent).

Auch für Arbeitnehmer der Metall- und Maschinenbauindustrie

ist Verantwortung, hier vor allem für die Arbeitsqualität,

mit einem Wert von 41 Prozent „häufig/sehr

häufig belastet“ ein wesentlicher Belastungsfaktor (BKK

2001).

Mögliche Ursachen dafür, dass „Verantwortung“ von so

vielen Arbeitnehmern als belastend erlebt wird, lassen sich

in mehreren Faktoren ausmachen:

Generell gilt in Anlehnung an das so genannte „Anforderungs-Kontroll-Modell“,

dass es einen starken Zusammenhang

zwischen Anforderungen an die Beschäftigten, z.B.

durch Verantwortung oder die Menge der Arbeitsleistung,

und dem Grad der Kontrolle über die Arbeitssituation gibt.

Handlungsspielräume sind ein wichtiger Faktor für den Grad

dieser Kontrolle. Gesundheitlich kritisch wird es dann, wenn

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