Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

4.1.5 Störungen und Unterbrechungen

Erklärung/Definition: Die belastende Wirkung von Störungen,

Hindernissen und Unterbrechungen wurde vor allem

von der „Handlungsregulationstheorie“ herausgearbeitet.

Zur psychischen Belastung werden Regulationshindernisse

dadurch, dass sie einen zusätzlichen, überflüssigen Aufwand

in Hinblick auf die Erledigung einer Arbeitsaufgabe

hervorrufen: Solche Hindernisse sind neben Störungen

durch Technik oder Personen z.B. unvollständige Informationen,

durch die sich laut EMNID-Studie immerhin 47 Prozent

etwas oder ziemlich stark belastet fühlen.

Störungen und Unterbrechungen in der Arbeit werden vor

allem dann zur Belastung, wenn sie häufig auftreten, bei

notwendiger Konzentration auf anspruchsvolle Aufgaben

oder wenn sie Zeit- und Termindruck weiter erhöhen: „Der

Kunde wartet und die Maschine steht still, weil mal wieder

ein Teil nicht fristgerecht geliefert wurde...“.

Tendenz der Ergebnisse: Während Betriebsräte und Arbeitnehmer

eine Zunahme von Störungen / Unterbrechungen

angeben, ist die Einschätzung seitens der Unternehmensleitungen

entgegengesetzt. Offenbar sind Unternehmensleitungen

davon überzeugt, dass im Zuge arbeitsorganisatorischer

Veränderungen auch Störfaktoren vermindert worden

sind.

Auf der anderen Seite bedeutet die Wahrnehmung zunehmender

Störungen auf Seiten der Betriebsräte und Arbeitnehmer

nicht unbedingt eine reale Veränderung: Was früher

unter Umständen als willkommene Zeit zum Durchatmen

begrüßt wurde, nämlich beispielsweise ein „kleines

Schwätzchen“ unter Kollegen oder ein Telefonanruf, kann

unter Bedingungen wachsenden Zeit-, Leistungs- und Termindrucks

leicht als gefährdende Belastung wirken.

33

Psychische Belastungen: Die Lage in der Arbeitswelt

Belastungsrelevanz: Störungen und Unterbrechungen als

Belastungsfaktor

Störungen und Unterbrechungen in der Arbeit werden als

häufiges Problem genannt, im Durchschnitt geben rund 30

Prozent aller Befragten dieses als starken Belastungsfaktor

an.

Erwerbstätige, für die Störungen und Unterbrechungen ein

gesundheitliches Problem darstellen, unterliegen zudem

häufig Mehrfachbelastungen: „Gut jeder dritte in Deutschland

Tätige fühlt sich bei der Arbeit häufig oder sogar immer

durch solche Störungen in seiner Arbeit beeinträchtigt. Diese

Störungen bedeuten insbesondere für die Beschäftigten,

die unter Termin- und Zeitdruck arbeiten, eine erhebliche

Belastung (68 Prozent)“ (Kuhn 2001).

Diese Werte weisen auf weit verbreitete organisatorische

Mängel der Arbeitsgestaltung hin, die unmittelbar auf den

Zusammenhang zwischen wahrgenommenen psychischen

Belastungen und Mängel in der Arbeitseffizienz hinweisen.

Beispiel Maschinenstörung: In vielen Betrieben ist Instandhaltungspersonal

abgebaut worden, in vielen Bereichen

wird eine Personalpolitik derunteren Linie“ gefahren. Treffen

Störungen an Maschinen und Anlagen dann noch mit

der Abwesenheit qualifizierter Leute zusammen (z.B. einer

der verbliebenen Instandhalter ist krank oder im Urlaub),

verzögern sich Reparatur und Wiederaufnahme der Arbeit.

Unter gleichzeitigem Termindruck, Akkordbedingungen oder

auf Grundlage von Produktionsmengen ausgehandelten

Gruppenprämien, um nur einige Umstände beispielhaft zu

skizzieren, wirkt sich solch eine Störung negativ auf das

Belastungsgeschehen für die Mitarbeiter und die Produktivität

des Betriebs aus.

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