Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

4.1.6 Arbeitszeit

Erklärung/Definition: Die Gestaltung der Arbeitszeit ist ein

Kernelement eines zeitgemäßen Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Die Gestaltung der Arbeitszeit muss drei gesundheitserhaltende

Erfordernisse berücksichtigen:

Dauer der Arbeitszeit: Sie muss ausreichende Erholungszeiten,

die zum Erhalt von Sicherheit, Gesundheit und

Leistungsfähigkeit unverzichtbar sind, gewährleisten.

Lage und Dauer der Arbeitszeit: Sie muss ein soziales

Leben außerhalb der Arbeit ermöglichen, z.B. Zeit für

Familie, Freundschaften oder Hobbys. Diese sind zur

Bewältigung beruflicher Belastungen und für das psychische

Wohlbefinden notwendig.

Planbarkeit der Arbeitszeit (Zeitsouveränität): Arbeitszeitmodelle

dürfen nicht dazu führen, dass Erholungszeiten

oder soziales Leben nicht mehr verlässlich planbar

sind. Dieses ist z.B. bei einer Häufung von zu

kurzfristig angelegten Ankündigungsfristen der Fall („Sie

müssen morgen länger bleiben!“).

Tendenz der Ergebnisse: Eine geregelte Arbeitszeit sowie

familienfreundliche Arbeitszeiten geben ca. 90 Prozent der

Arbeitnehmer als sehr wichtig oder wichtig für ihr Berufsleben

an (IG Metall Zukunftsreport 2001).

Belastungsrelevanz: In der Frage der Arbeitszeitgestaltung

haben sich vor allem seit Mitte der 90er Jahre weit reichende

Veränderungen ergeben, die die Begrenzung (und die

Planbarkeit) von Arbeitszeiten zu einem zentralen Ansatzpunkt

betrieblicher und tarifvertraglicher Politik machen

müssen:

Untersuchungen zur Entwicklung der Arbeitszeiten

zeigen indes Folgendes

Die realen Wochenarbeitszeiten nehmen bei Vollzeitbeschäftigten

aufgrund von zunehmender Mehrarbeit zu:

In 1999 leisteten 56 Prozent aller Arbeitnehmer regelmäßig

Überstunden, gegenüber 45 Prozent in 1995 und 35

Prozent im Jahr 1989 (Untersuchungen durch ISO, zitiert

in Reusch 2001). Auch die Studien zu Veränderungen im

Arbeitsleben kommen zu der Einschätzung das die Zahl

der Überstunden bzw. die Mehrarbeit zugenommen haben

(BiBB/IAB, IG Metall-und BIT-Befragungen). Dabei

steigt die Häufigkeit und Länge der Überstunden mit

dem Qualifikationsniveau an.

Schicht- und Wochenendarbeit breiten sich weiter aus:

Im Jahr 1999 leisteten bereits 18 Prozent aller Beschäftigten

regelmäßig Nacht- und Schichtarbeit, 35 Prozent

Samstagsarbeit und 16 Prozent Sonntagsarbeit. Alle

Werte sind seit 1989 angestiegen.

Es gibt einen Boom flexibler Arbeitszeitsysteme, wie sie

sich in Begriffen wie „Arbeitszeitkonten“, „Vertrauensarbeitszeit“

oder ähnlichen zeigen: „Das Arbeitsergebnis

tritt in den Vordergrund, die zum Erreichen des Ergebnisses

notwendige Arbeitszeit wird zur variablen Restgröße.

Es muss dann eben so lange gearbeitet werden, bis das

Ergebnis oder das festgelegte Ziel...erreicht ist“ (Fergen/

Pickshaus 2001). Insbesondere das Modell der „Vertrauensarbeitszeit“

erfordert Regelungen und Rahmenbedingungen,

die nicht zu einer „Selbstausbeutung“ von Arbeitnehmern

führen. Vor allem sind dieses

menschengerechte Leistungsanforderungen, die innerhalb

einer sozialverträglichen Arbeitszeitlänge zu erbringen

sind.

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