Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

library.fes.de

Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

Tendenz der Ergebnisse und Belastungsrelevanz: Im

Durchschnitt wird „Isolation“ von einer relevanten Minderheit

nach wie vor als Belastung genannt:

Vier Prozent der von EMNID befragten Erwerbstätigen

gaben die „soziale Isolierung“ als „stark/ziemlich“ belastend

an (7 Prozent: etwas), wobei insbesondere Beschäftigte

aus dem Bereich Verkehrswesen mit 11 Prozent

hier stärker betroffen sind.

Die AOK-Umfragdaten liegen für „Isolation am Einzelarbeitsplatz“

mit 11 Prozent für „starke Belastung“ und 24

Prozent („ein wenig belastet“) allerdings erheblich höher.

Angesichts der zunehmenden Auflösung bisheriger betrieblicher

Strukturen zugunsten neuer Arbeits- und Arbeitsvertragsformen

wie (Tele-)Heimarbeit, Werkverträge, etc. ist

eine Ausbreitung dieser Belastungsform wahrscheinlich.

4.2.4 Rolle von Führungskräften: Wachsende

Anforderungen – sinkende Kompetenz?

Die Veränderungen in der Arbeitsorganisation verlangt auch

von Führungskräften eine Neuorientierung ihrer Rollen. Statt

Anweisung und Kontrolle – so die gängige Meinung – stehen

bei Führungskräften in modernen Produktionskonzepten

eher beratende und unterstützende Funktionen im Vordergrund:

Erklärung/Definition: Anforderungen an Führungskräfte

Entscheidungswille/-bereitschaft

Zielstrebigkeit

Rasches und flexibles Handeln

Denken in Gesamtzusammenhängen

Glaubwürdigkeit

Kritik- und Konfliktfähigkeit

Initiative

Kommunikationsfähigkeit

Risikobereitschaft

Fach- und Methodenkompetenz

Körperliche und geistige Belastbarkeit

Mobilität

(Quelle: Brandenburg/Marschall)

Tendenz der Ergebnisse: Im Zuge von Reorganisations- und

Rationalisierungsmaßnahmen wurden Hierarchien „eingeschmolzen“

bzw. ausgedünnt. Dieses gilt vor allem für die

produktionsnahen Meisterebenen. Hatte bis in die 80er

Jahre hinein ein Meister eine überschaubare Anzahl von

vielleicht 20 Mitarbeitern, so ist das Verhältnis heute vielfach

auf 1:100 oder noch niedriger gesunken. Mit anderen

Worten: Nicht nur die fachlichen und sozialen Ansprüche an

das Führungsverhalten (hier: der Meisterebene) sind gestiegen,

sondern gleichzeitig die Voraussetzungen dafür, sich

mit seinen Mitarbeitern produktiv auseinander zu setzen,

schlechter geworden.

Angesichts dieser hohen Anforderungen wundert es nicht,

dass defizitäres Führungsverhalten in der eingangs erwähnten

Gallup-Untersuchung als zentraler Kritikpunkt geäußert

wird. Auch andere Stimmen verweisen auf einen verbreiteten

Widerspruch zwischen der Theorie von der „idealen“

Führungskraft und der betrieblichen Realität: „Es gibt Defizite

in der Personalentwicklung mancher Betriebe. Insbesondere

durch inkompetentes Führungsverhalten. Pflichterfüllung

gilt als selbstverständlich, Lob und Anerkennung dagegen

nicht“ (Siegrist in: GEO spezial 160, 2002).

40

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine