Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

Vorgesetzten sich nicht für sie als Menschen interessieren ...

und dass ihre Meinungen und Ansichten kaum Gewicht haben“

(Gallup). Insbesondere die fehlende Beteiligung von

Mitarbeitern an den wichtigen Fragen ihrer Arbeit zeigt

einerseits einen gravierenden Mangel im Führungsverhalten

auf. Andererseits lässt sich der Wunsch nach Beteiligung

auch als ein Angebot der Beschäftigten interpretieren, sich

in ihrer Arbeit stärker zu engagieren – vorausgesetzt, die

Rahmenbedingungen stimmen.

Inwieweit die in jüngster Zeit bekannt gewordene explosionsartig

gestiegenen Gehälter, Zulagen bzw. Abfindungen

von Top-Managern großer Aktiengesellschaften ein generelles

Misstrauen gegenüber Führungskräften schürt, lässt sich

derzeit nicht abschätzen. Hilfreich für ein verbessertes Klima

zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten ist dieses vor

allem auch vor dem Hintergrund gleichzeitig bekannt werdender

Pläne für tausendfachen Stellenabbau aber sicher

nicht.

4.3 Nach wie vor weite Verbreitung

„klassischer“ Gefährdungen –

bei steigender Tendenz?

Entgegen der Annahme, der sektorale Wandel in Richtung

Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft würde die

physikalischen Arbeitsbelastungen quasi von selbst verschwinden

lassen, sind körperliche Belastungen wie körperlich

schwere Arbeit, Zwangshaltung, Lasthandhabung

besonders unter gewerblichen Arbeitnehmern, im Pflegebereich,

aber auch im Dienstleistungsbereich (Zwangshaltung)

weit verbreitet. Dasselbe gilt für Belastungen aus der Ar-

beitsumgebung wie Lärm oder klimatische Bedingungen.

Nach der EMNID-Studie stellen solche Belastungen für 1/3

bis die Hälfte aller abhängig Beschäftigten nach wie vor ein

Problem dar. Die Tendenz ist dabei im Vergleich zweier Studien

(1994/1999) teilweise sogar ansteigend, was z.B.

Zwangshaltungen angeht.

Die Einschätzung zu den Veränderungen im Bereich der

körperlichen und der Arbeitsumgebungsbelastungen ist

uneinheitlich: Unternehmensleitungen, aber auch die befragten

Betriebsräte in NRW schätzen die körperlichen Belastungen

als rückläufig ein. Alle anderen Gruppen sehen

dieses umgekehrt, wobei besonders der Unterschied der

Einschätzungen durch Betriebsräte in den Tarifbezirken

Frankfurt und Baden-Württemberg ins Auge fällt. Eine denkbare

Erklärung dafür ist die wirtschaftsstrukturelle Entwicklung,

die in NRW stärker als in anderen Regionen zu einem

größeren Rückgang des Anteils schwerindustrieller Unternehmensbereiche

geführt hat.

Als von der subjektiven Einschätzung her zunehmend

werden körperliche Belastungen auch in der EMNID-

Studie gewertet: Von Zwangshaltung als am weitesten

verbreiteten körperlichen Belastungsfaktor fühlten sich

dort 1999 23 Prozent aller Arbeitnehmer stark oder ziemlich

belastet, 1994 waren es „nur“ 18 Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die BiBB/IAB-Befragung,

die im Zeitraum 1998/99 zu 1988/89 ebenfalls

einen Anstieg bei Zwangshaltung als immer oder häufig

vorkommende Belastung konstatiert (19 Prozent gegenüber

15 Prozent).

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