Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gesundheitliche Auswirkungen psychischer Belastungen

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7 Gesundheitliche Auswirkungen psychischer Belastungen

Die Bedeutung psychischer Belastungen und die Identifizierung

zentraler Handlungsfelder für Betriebsräte und Gewerkschaften

wird unterstrichen durch die Auswirkungen

psychischer Belastungen auf Wohlbefinden und Gesundheit

der Arbeitnehmer, die in diesem Abschnitt zusammengefasst

werden.

Hierfür können als Datengrundlage verwendet werden:

Die Angabe gesundheitlicher Beschwerden durch Beschäftigte:

In einer Reihe von Studien wurden Beschäftigte

gefragt, unter welchen gesundheitlichen Beeinträchtigungen

/ Beschwerden sie leiden. Die Angaben

darüber sagen noch wenig aus über Arbeitsunfähigkeit,

Krankmeldungen, etc.: Gesundheitliche Beschwerden

liegen im Vorfeld des sichtbaren Krankheitsgeschehens,

denn nicht jede/r meldet sich z.B. aufgrund eines

schmerzenden Rückens krank;

epidemiologische Untersuchungen über Zusammenhänge

des Vorhandensein von Defiziten in der Arbeitsgestaltung

und gesundheitlichen Auswirkungen: Dieses Forschungsfeld

steht noch am Anfang, liefert aber bereits

deutliche Hinweise über den Zusammenhang von psychischen

Belastungen und z.B. Herz-/Kreislaufkrankheiten

oder Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die Ergebnisse

eines Projektes des Teams Gesundheit der BKK

versucht erstmalig auch, den Beitrag einzelner Belastungsfaktoren

am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen, und an

direkten sowie indirekten Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen

herauszufiltern (Bödeker u.a. 2002, A&Ö-

Briefe 4/2002);

die realen Krankenstände bis hin zu länger andauernden

Arbeitsunfähigkeit oder sogar Frühverrentung aufgrund

arbeitsbedingter gesundheitlicher Schädigungen.

Zunächst ein Blick auf die von Beschäftigten angegebenen

gesundheitlichen Beschwerden15 .

Beschwerden aus Sicht der Beschäftigten

Sehr weit verbreitet sind danach vor allem:

schmerzhafte Beschwerden am Bewegungsapparat:

Es ist davon auszugehen, dass ca. die Hälfte aller Erwerbstätigen

solche Beschwerden an Rücken, im Schulter-Nackenbereich

oder an den Gliedmaßen hat

psychische Befindlichkeitsstörungen: Hier sind es vor

allem Erschöpfung/Müdigkeit (je nach Umfrage zwischen

19 Prozent und 34 Prozent) sowie Stress / Reizbarkeit

/ Nervosität (ca. 25-30 Prozent) und Erholungsunfähigkeit

/ Schlafstörungen (ca. 20 Prozent), die nicht nur

die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern langfristig

auch zu gesundheitlichen Beschwerden führen können

Beschwerden im Kopfbereich werden von ca. 15 Prozent-30

Prozent aller Erwerbstätigen als gesundheitlich

gravierendes, besonders häufig vorkommende Beeinträchtigung

genannt.

Die Verbreitung gesundheitlicher Beschwerden in der Erwerbsbevölkerung,

wie sie hier genannt werden, lässt keinen

direkten Rückschluss auf die Krankenstände in der Arbeitswelt

zu – und umgekehrt. Diese Krankenstände bewegen

sich seit Jahren auf einem niedrigen Niveau von 4 - 4,5

Prozent für die Gesamtwirtschaft (2001: 4,19 Prozent der in

der Gesetzlichen Krankenversicherung Versicherten). Es gibt

eine Reihe von Faktoren, die die Krankenstände beeinflussen,

wie z.B.

Der sektorale Wandel, der zu einem Rückgang bei den

Beschäftigten führt, die besonders schweren körperlichen

und / oder Arbeitsumgebungsbelastungen

unterliegen,

15 im Anhang V findet sich eine Tabelle mit detaillierten Einzelergebnissen verschiedener Befragungen zu gesundheitlichen Beschwerden.

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